Wie­der­ein­set­zung – und der Ver­lust auf dem Post­weg

Die Auf­ga­be zur Post am Mitt­woch ist grund­sätz­lich aus­rei­chend gewe­sen, um den Ein­gang bei Gericht inner­halb der erst am kom­men­den Mon­tag ablau­fen­den Frist für die Beru­fungs­be­grün­dung zu gewähr­leis­ten.

Wie­der­ein­set­zung – und der Ver­lust auf dem Post­weg

Eine Par­tei darf grund­sätz­lich dar­auf ver­trau­en, dass im Bun­des­ge­biet werk­tags auf­ge­ge­be­ne Post­sen­dun­gen am fol­gen­den Werk­tag aus­ge­lie­fert wer­den.

Wei­te­re Vor­keh­run­gen hat der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Klä­ge­rin nicht ergrei­fen müs­sen. Ins­be­son­de­re ist er nicht gehal­ten, die Beru­fungs­schrift zusätz­lich zur recht­zei­ti­gen Auf­ga­be zur Post auch per Tele­fax an das Gericht zu über­sen­den1.

Eine Par­tei ist auch nicht ver­pflich­tet, den Ein­gang frist­ge­bun­de­ner Schrift­sät­ze bei Gericht zu über­wa­chen und eine Ein­gangs­be­stä­ti­gung vor Strei­chung der Frist ein­zu­ho­len. Viel­mehr darf sich der Absen­der grund­sätz­lich auf die Zuver­läs­sig­keit der Post­diens­te ver­las­sen2.

Wenn Wie­der­ein­set­zung mit der Behaup­tung begehrt wird, dass ein frist­ge­bun­de­ner Schrift­satz ver­lo­ren gegan­gen sei, ist eine Glaub­haft­ma­chung, wo und auf wel­che Wei­se es zum Ver­lust des Schrift­stücks gekom­men ist, nicht erfor­der­lich. Erfor­der­lich ist aber, dass die Par­tei auf der Grund­la­ge einer aus sich her­aus ver­ständ­li­chen, geschlos­se­nen Schil­de­rung der tat­säch­li­chen Abläu­fe bis zur recht­zei­ti­gen Auf­ga­be zur Post glaub­haft macht, dass der Ver­lust mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit nicht im Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Par­tei oder ihres Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten ein­ge­tre­ten ist3. Den Ver­lust des Schrift­stücks auf dem Post­weg kann die Par­tei regel­mä­ßig nicht anders glaub­haft machen als durch die Glaub­haft­ma­chung der recht­zei­ti­gen Auf­ga­be zur Post4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. Dezem­ber 2015 – II ZB 7/​15

  1. BGH, Beschluss vom 10.09.2015 – III ZB 56/​14, WM 2015, 2161 Rn. 12; Beschluss vom 12.09.2013 – V ZB 187/​12; Beschluss vom 19.06.2013 – V ZB 226/​12 []
  2. BGH, Beschluss vom 10.09.2015 – III ZB 56/​14, WM 2015, 2161 Rn. 12; Beschluss vom 06.05.2015 – VII ZB 19/​14, NJW 2015, 2266 Rn. 14 mwN; Beschluss vom 19.09.2013 – IX ZB 52/​12, NJW 2014, 226 Rn. 8 []
  3. BGH, Beschluss vom 10.09.2015 – III ZB 56/​14, WM 2015, 2161 Rn. 14; Beschluss vom 06.05.2015 – VII ZB 19/​14, NJW 2015, 2266 Rn. 11; Beschluss vom 19.06.2013 – V ZB 226/​12 9; Beschluss vom 11.02.1957VII ZB 3/​57, BGHZ 23, 291, 292 f. []
  4. BGH, Beschluss vom 10.09.2015 – III ZB 56/​14, WM 2015, 2161 Rn. 14; Beschluss vom 19.06.2013 – V ZB 226/​12 13 []