Zuerst der Fris­ten­ka­len­der – dann das Emp­fangs­be­kennt­nis

Ein Ver­säum­nis des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten kann dar­in lie­gen, dass er das mit der Beschluss­aus­fer­ti­gung über­sand­te Emp­fangs­be­kennt­nis 2016 unter­zeich­ne­te, obwohl die Fris­ten­kon­trol­le nicht sicher­ge­stellt war.

Zuerst der Fris­ten­ka­len­der – dann das Emp­fangs­be­kennt­nis

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs darf der Rechts­an­walt das Emp­fangs­be­kennt­nis über eine Urteils­zu­stel­lung nur unter­zeich­nen und zurück­ge­ben, wenn sicher­ge­stellt ist, dass in den Hand­ak­ten die Rechts­mit­tel­frist fest­ge­hal­ten und ver­merkt ist, dass die Frist im Fris­ten­ka­len­der notiert wor­den ist 1.

Beschei­nigt der Rechts­an­walt den Emp­fang eines ohne Hand­ak­ten vor­ge­leg­ten Urteils, so erhöht sich damit die Gefahr, dass die Frist­no­tie­rung unter­bleibt und dies erst nach Frist­ab­lauf bemerkt wird.

Um die­ses Risi­ko aus­zu­schlie­ßen, muss der Anwalt, falls er nicht selbst unver­züg­lich die not­wen­di­gen Ein­tra­gun­gen in der Hand­ak­te und im Fris­ten­ka­len­der vor­nimmt, durch eine beson­de­re Ein­zel­an­wei­sung die erfor­der­li­chen Ein­tra­gun­gen ver­an­las­sen 2.

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall hat­te der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te das Emp­fangs­be­kennt­nis unter­zeich­net, ohne durch eigen­hän­di­ge Ein­tra­gung oder eine Ein­zel­an­wei­sung an sein Kanz­lei­per­so­nal die Notie­rung der Frist sicher­zu­stel­len.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Sep­tem­ber 2016 – I ZB 31/​16

  1. BGH, Beschluss vom 30.11.1994 – XII ZB 197/​94, BGHR ZPO § 233 – Emp­fangs­be­kennt­nis 1 mwN; Beschluss vom 26.03.1996 – VI ZB 1/​96, VersR 1996, 1390; Beschluss vom 26.03.1996 – VI ZB 2/​96, VersR 1996, 1390; Beschluss vom 12.01.2010 – VI ZB 64/​09, NJW-RR 2010, 417[]
  2. BGH, Beschluss vom 02.02.2010 – VI ZB 58/​09, NJW 2010, 1080 Rn. 6[]