Zulas­sungs­wi­der­ruf wegen Ver­mö­gens­ver­falls – und die unrich­ti­ge Ein­tra­gung im Schuld­ner­ver­zeich­nis

Gemäß § 14 Abs. 2 Nr. 7 Halb­satz 2 BRAO wird ein zum Wider­ruf der Zulas­sung füh­ren­der Ver­mö­gens­ver­fall ver­mu­tet, wenn der Rechts­an­walt im Schuld­ner­ver­zeich­nis ein­ge­tra­gen ist.

Zulas­sungs­wi­der­ruf wegen Ver­mö­gens­ver­falls – und die unrich­ti­ge Ein­tra­gung im Schuld­ner­ver­zeich­nis

Die Ein­tra­gung hat im Wider­rufs­ver­fah­ren Tat­be­stands­wir­kung. Ob sie recht­mä­ßig war, wird im Ver­fah­ren über den Wider­ruf der Zulas­sung daher nicht geprüft. Der betrof­fe­ne Anwalt ist dadurch nicht schutz­los. Er kann gege­be­nen­falls gegen­über dem Voll­stre­ckungs­ge­richt mit den Rechts­mit­teln und Rechts­be­hel­fen des Zwangs­voll­stre­ckungs­rechts die Auf­he­bung des Haft­be­fehls und Löschung der Ein­tra­gung erwir­ken. Der Gläu­bi­ger der For­de­rung, wel­che der Ein­tra­gung zugrun­de liegt, kann im Wege der Kla­ge auf Her­aus­ga­be des Titels in Anspruch genom­men wer­den.

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 1 muss ein Rechts­an­walt, der im Schuld­ner­ver­zeich­nis ein­ge­tra­gen ist, zur Wider­le­gung der Ver­mu­tung ein voll­stän­di­ges und detail­lier­tes Ver­zeich­nis sei­ner Gläu­bi­ger und Ver­bind­lich­kei­ten vor­le­gen und dar­tun, dass sei­ne Ver­mö­gens- und Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se nach­hal­tig geord­net sind.

Dies hat die Rechts­an­wäl­tin in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Fall – wie­der­um bezo­gen auf den maß­geb­li­chen Zeit­punkt des Wider­rufs­be­schei­des – nicht getan. Sie beruft sich dar­auf, dass ihr die im Tat­be­stand des anwalts­ge­richt­li­chen Urteils wie­der­ge­ge­be­ne Mit­tei­lung der Kos­ten­ein­zie­hungs­stel­le der Jus­tiz über For­de­run­gen von ins­ge­samt 7.031, 50 € nicht bekannt gewe­sen sei. Es kommt jedoch nicht auf die Mit­tei­lung der Kos­ten­ein­zie­hungs­stel­le an, son­dern auf die Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se der Rechts­an­wäl­tin im Zeit­punkt des Wider­rufs­be­scheids.

Für die Beur­tei­lung der Recht­mä­ßig­keit des Wider­rufs einer Zulas­sung zur Rechts­an­walt­schaft ist nach der mit Wir­kung ab 1.09.2009 erfolg­ten Ände­rung des Ver­fah­rens­rechts allein auf den Zeit­punkt des Abschlus­ses des behörd­li­chen Wider­rufs­ver­fah­rens abzu­stel­len. Die Beur­tei­lung danach ein­ge­tre­te­ner Ent­wick­lun­gen ist einem Wie­der­zu­las­sungs­ver­fah­ren vor­be­hal­ten 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. März 2016 – AnwZ(Brfg) 18/​14

  1. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 04.04.2012 – AnwZ (Brfg) 1/​12 3; vom 09.07.2013 – AnwZ (Brfg) 22/​13 4; vom 14.11.2013 – AnwZ (Brfg) 65/​13 4; und vom 18.11.2013 – AnwZ (Brfg) 63/​13 4; vom 06.02.2014 – AnwZ (Brfg) 83/​13, BRAK-Mitt.2014, 164 Rn. 5[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 29.06.2011 – AnwZ (Brfg) 11/​10, BGHZ 190, 187 Rn. 9 ff.; vom 28.10.2011 – AnwZ (Brfg) 20/​11, NZI 2012, 106 Rn. 7; vom 14.11.2013 – AnwZ (Brfg) 65/​13 5; vom 06.02.2014 – AnwZ (Brfg) 83/​13, BRAK-Mitt.2014, 164 Rn. 3[]