Zulas­sungs­wi­der­ruf wegen Ver­mö­gens­ver­falls – und die Raten­zah­lungs­ver­ein­ba­run­gen

Die Annah­me eines Ver­mö­gens­ver­falls ist aus­ge­schlos­sen, wenn der Betref­fen­de sich in Ver­gleichs- und Raten­zah­lungs­ver­ein­ba­run­gen mit sei­nen Gläu­bi­gern zur raten­wei­sen Til­gung sei­ner Ver­bind­lich­kei­ten ver­pflich­tet hat, die­sen Raten­zah­lun­gen nach­kommt und wäh­rend des­sen kei­ne Voll­stre­ckungs­maß­nah­men gegen ihn ein­ge­lei­tet wer­den [1]. Zur Wider­le­gung einer – infol­ge eines Ein­trags im Schuld­ner­ver­zeich­nis bestehen­den – Ver­mu­tung des Ver­mö­gens­ver­falls genügt es indes nicht, wenn der Rechts­an­walt Raten­zah­lungs­ver­ein­ba­run­gen pau­schal behaup­tet.

Zulas­sungs­wi­der­ruf wegen Ver­mö­gens­ver­falls – und die Raten­zah­lungs­ver­ein­ba­run­gen

Für die Beur­tei­lung der Recht­mä­ßig­keit des Wider­rufs einer Zulas­sung zur Rechts­an­walt­schaft ist nach der mit Wir­kung ab 1.09.2009 erfolg­ten Ände­rung des Ver­fah­rens­rechts allein auf den Zeit­punkt des Abschlus­ses des behörd­li­chen Wider­rufs­ver­fah­rens, also auf den Erlass des Wider­spruchs­be­scheids oder – wenn das nach neu­em Recht grund­sätz­lich vor­ge­schrie­be­ne Vor­ver­fah­ren ent­behr­lich ist – auf den Aus­spruch der Wider­rufs­ver­fü­gung abzu­stel­len; die Beur­tei­lung danach ein­ge­tre­te­ner Ent­wick­lun­gen ist einem Wie­der­zu­las­sungs­ver­fah­ren vor­be­hal­ten [2].

Ein Rechts­an­walt, der im Schuld­ner­ver­zeich­nis ein­ge­tra­gen ist, muss zur Wider­le­gung der Ver­mu­tung des Ver­mö­gens­ver­falls ein voll­stän­di­ges und detail­lier­tes Ver­zeich­nis sei­ner Gläu­bi­ger und Ver­bind­lich­kei­ten vor­le­gen und kon­kret dar­le­gen, dass sei­ne Ver­mö­gens- und Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se nach­hal­tig geord­net sind [3].

Der Rechts­an­walt muss also dar­le­gen, dass sei­ne Ver­mö­gens- und Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se – vom maß­geb­li­chen Zeit­punkt des Wider­rufs­be­scheids aus betrach­tet – zumin­dest in abseh­ba­rer Zeit nach­hal­tig geord­net sein wür­den [4].

Es ent­spricht der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass von einem Ver­mö­gens­ver­fall nicht mehr aus­ge­gan­gen wer­den kann, wenn der Betref­fen­de sich in Ver­gleichs- und Raten­zah­lungs­ver­ein­ba­run­gen mit sei­nen Gläu­bi­gern zur raten­wei­sen Til­gung sei­ner Ver­bind­lich­kei­ten ver­pflich­tet hat, die­sen Raten­zah­lun­gen nach­kommt und wäh­rend des­sen kei­ne Voll­stre­ckungs­maß­nah­men gegen ihn ein­ge­lei­tet wer­den [1]. Zur Wider­le­gung einer – infol­ge eines Ein­trags im Schuld­ner­ver­zeich­nis bestehen­den – Ver­mu­tung des Ver­mö­gens­ver­falls genügt es indes nicht, wenn der Rechts­an­walt Raten­zah­lungs­ver­ein­ba­run­gen pau­schal behaup­tet. Er hat sie viel­mehr umfas­send und sub­stan­ti­iert unter Anga­be von Ein­zel­hei­ten und Vor­la­ge ent­spre­chen­der Unter­la­gen, ins­be­son­de­re der Erklä­run­gen der betrof­fe­nen Gläu­bi­ger, dar­zu­le­gen. Dabei ist ins­be­son­de­re auch das Datum einer Raten­zah­lungs­ver­ein­ba­rung anzu­ge­ben, damit geprüft wer­den kann, ob die Ver­mu­tung des Ver­mö­gens­ver­falls zum maß­geb­li­chen Zeit­punkt des Wider­rufs­be­schei­des wider­legt war.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Dezem­ber 2016 – AnwZ (Brfg) 36/​16

  1. BGH, Beschluss vom 07.12 2004 – AnwZ (B) 40/​04, AnwBl 2005, 363, 364 mwN[][]
  2. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 29.06.2011 – AnwZ (Brfg) 11/​10, BGHZ 190, 187 Rn. 9 ff.; und vom 10.03.2014 – AnwZ (Brfg) 77/​13 3 mwN[]
  3. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 14.10.2014 – AnwZ (Brfg) 22/​14 5; und vom 06.02.2014 – AnwZ (Brfg) 83/​13, BRAK-Mitt.2014, 164 Rn. 5; jeweils mwN[]
  4. vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 05.11.2015 – AnwZ (Brfg) 28/​15 3 mwN[]