Das Stu­den­ten­syn­drom – und war­um wir auch nicht bes­ser sind

Die Frist läuft erst mor­gen ab? Fein, dann kann ich heu­te ja noch Wich­ti­ge­res erle­di­gen.
Der Ter­min ist erst mor­gen Mit­tag? Fein, dann reicht es ja, wenn ich mir die Akte mor­gen Vor­mit­tag noch­mal anse­he.

Das Stu­den­ten­syn­drom – und war­um wir auch nicht bes­ser sind

Ken­nen Sie das? Und enden die­se Situa­tio­nen bei Ihnen dann in Frist­ver­län­ge­rungs­an­trä­gen und frei impro­vi­sier­ten Ter­min­wahr­neh­mun­gen? Dann befin­den Sie sich in zwar nicht guter aber gro­ßer Gesell­schaft.

Men­schen nei­gen nun ein­mal dazu, Tätig­kei­ten auf spä­ter zu ver­schie­ben, die als lang­wei­lig oder schwie­rig emp­fun­den wer­den oder bei denen ein Gewinn erst lang­fris­tig oder gar erst sekun­där ent­steht.

Das Erstaun­li­che dabei ist, dass wir uns der Nach­tei­le und der Risi­ken die­ses Auf­schie­bens regel­mä­ßig bewusst sind, so Man­chem ist hier­durch auch schon das ein oder ande­re Mal ein Nach­teil ent­stan­den. Das Pro­blem nur ist, dass die­ses Bewusst­sein dann unter­schwel­lig wie­der­um Nega­tiv­ge­füh­le in Form von Unlust oder gar Angst aus­löst, was dann die Auf­ga­ben­er­le­di­gung wie­der­um erschwert und ver­zö­gert, bis schließ­lich Arbei­ten nur noch unter Frist- und Ter­min­druck erle­digt wer­den.

Auch der Vor­satz, sein Ver­hal­ten durch mehr Selbst­dis­zi­plin zu ändern, nützt hier meist nicht viel. Im Gegen­teil: Zunächst wird der Vor­satz gefasst, die lie­gen geblie­be­nen Arbei­ten an einem bestimm­ten Tag oder bis zu einem bestimm­ten Ter­min zu erle­di­gen. Das wird dann wie­der ver­scho­ben, ein­fach weil die Arbeit an die­sen „alten Hünd­chen“ inzwi­schen als unan­ge­nehm emp­fun­den wird. Das löst dann aller­dings wie­der wei­te­re Nega­tiv­ge­füh­le aus – und der Teu­fels­kreis ist geschlos­sen.

Die Gefüh­le, die uns von der Erle­di­gung sol­cher Auf­ga­ben abhal­ten, haben ver­schie­de­ne Ursa­chen, meist beru­hen sie auf einer unkla­ren Set­zung von Prio­ri­tä­ten, auf schlech­ter Orga­ni­sa­ti­on, auf Impul­si­vi­tät oder Lan­ge­wei­le oder aber auch auf­grund von Ängs­ten und einem Zwang zum Per­fek­tio­nis­mus.

Hier­mit ein­her geht häu­fig eine dys­funk­tio­na­le kogni­ti­ve Ver­zer­rung: der Zeit­be­darf wird schlecht ein­ge­schätzt, in einem Anflug von Zweck­op­ti­mis­mus wer­den zukünf­ti­ge moti­va­tio­na­le Zustän­de über­schätzt und der Zusam­men­hang zwi­schen dem stän­di­gen Auf­schie­ben und den hier­durch her­vor­ge­ru­fe­nen, eine wei­te­re Pro­kras­ti­na­ti­on begüns­ti­gen­den Nega­tiv­ge­füh­len wird nicht erkannt. Und plötz­lich ist alles Ande­re wich­ti­ger, man ist auf der Jagd nach ande­ren Rei­zen und Beloh­nun­gen, die man nicht auf­schie­ben kann – Haupt­sa­che, ich muss die­se lang­wei­li­ge oder unan­ge­neh­me Arbeit nicht jetzt erle­di­gen.

Und nun? All­ge­mein gül­ti­ge Rezep­te hier­ge­gen gibt es nicht. Aber: Zer­le­gen Sie unan­ge­neh­me oder lang­wei­lig erschei­nen­de Auf­ga­ben nach Mög­lich­keit in meh­re­re klei­ne Ein­zel­schrit­te, die sich ein­zeln bes­ser in Angriff neh­men las­sen. Pla­nen Sie ihre Zeit rea­lis­tisch und „zwin­gen“ Sie sich, pünkt­lich zu begin­nen.

Und wenn das Alles nichts hilft, bleibt ja immer noch der Frist­ver­län­ge­rungs­an­trag. Hof­fent­lich.

Und wenn Sie einen Lei­dens­ge­fähr­ten suchen, lesen Sie Ste­phen King. Der beschreibt sei­ne eige­nen Schreib­blo­cka­den gleich mehr­fach in sei­nen Roma­nen.