Sozi­al­ko­gni­ti­ves Ler­nen – und der Man­dan­ten­kon­takt

Ein Lern­pro­zess ver­läuft typi­scher­wei­se in vier Pro­zes­sen: Auf­merk­sam­keits- und Gedächt­nis­pro­zes­se in der Aneig­nungs­pha­se sowie Repro­duk­ti­ons- und Moti­va­ti­ons­pro­zes­se in der anschlie­ßen­den Aus­füh­rungs­pha­se.

Sozi­al­ko­gni­ti­ves Ler­nen – und der Man­dan­ten­kon­takt

Sehen wir zunächst auf die Pro­zes­se der Aneig­nungs­pha­se: Wir ler­nen durch Beob­ach­ten, ins­be­son­de­re durch das Beob­ach­ten des Ver­hal­tens von Vor­bil­dern, von „Model­len“, indem wir uns aus der Mas­se an Infor­ma­tio­nen, die uns die­se Ver­hal­tens­be­ob­ach­tun­gen lie­fern, wäh­len wir die Bestand­tei­le aus, die uns wich­tig erschei­nen. Wie viel Auf­merk­sam­keit wir dabei einem Modell ent­ge­gen­brin­gen, ist – außer von den gege­be­nen Situa­ti­ons­be­din­gun­gen und den bestehen­den emo­tio­na­len Befind­lich­kei­ten – unter ande­ren von den Per­sön­lich­keits­merk­ma­len des Modells, aber auch von der Bezie­hung zwi­schen dem Beob­ach­ter und dem Modell und den gege­be­nen Situa­ti­ons­be­din­gun­gen abhän­gig: Wir beob­ach­ten beson­ders ger­ne ande­re Men­schen mit sozia­ler Macht, Per­so­nen mit hohem Anse­hen, sym­pa­thi­sche Men­schen und Men­schen, von denen wir uns eine Befrie­di­gung unse­rer Lern­be­dürf­nis­se ver­spre­chen. Und wir beob­ach­ten lie­ber Per­so­nen, zu denen eine posi­ti­ve emo­tio­na­le Bezie­hung besteht.

Anschlie­ßend an oder auch par­al­lel zu die­sen Auf­merk­sam­keits­pro­zess läuft der Gedächt­nis­pro­zess, in dem wir das Beob­ach­te­te in – spä­ter reak­ti­vier­ba­re – Gedächt­nis­struk­tu­ren umfor­men, neue Hand­lungs­sche­ma­ta anle­gen und bestehen­de Hand­lungs­sche­ma­ta erwei­tern und assi­mi­lie­ren.

Ob wir in der Aus­füh­rungs­pha­se dann das Beob­ach­te­te ver­in­ner­li­chen und repro­du­zie­ren, wird unter ande­rem durch Ver­stär­kungs- und Moti­va­ti­ons­pro­zes­se gesteu­ert. Ob wir ein ein bestimm­tes Ver­hal­ten beach­ten, hängt von unse­rer Moti­va­ti­on ab. Unse­re Moti­va­ti­on ist aber sowohl in der Aneig­nungs- wie in der Aus­füh­rungs­pha­se beein­fluss­bar. Eige­ne Akti­vi­tä­ten ent­fal­ten wir regel­mä­ßig nur dann, wenn wir uns vom Beob­ach­ten und Durch­füh­ren einen Erfolg – die Erlan­gung eines Vor­teils oder die Abwen­dung eines Nach­teils – ver­spre­chen. Die­se Moti­va­ti­on ist daher eng mit Bekräf­ti­gun­gen und Bestä­ti­gun­gen ver­bun­den: Selbst­ver­stär­ker und auch exter­ne Ver­stär­ker – ins­be­son­de­re auch Ver­stär­kun­gen durch das beob­ach­te­te Modell selbst.

War­um wir Ihnen das erzäh­len? Wech­seln Sie ein­mal die Per­spek­ti­ve: Ver­ste­hen Sie sich ein­mal nicht als Beob­ach­ter, son­dern als Modell. Mit Ihrem Man­dan­ten als Beob­ach­ter. Und gehen Sie dann im Geis­te ein­mal Ihre typi­schen Man­dan­ten­ge­sprä­che durch…

Ein Wei­te­res: Ent­schei­dend dafür, ob wir das Ver­hal­ten eines von uns beob­ach­te­ten Modells nach­ah­men, sind ins­be­son­de­re auch die Erwar­tun­gen, die wir als Beob­ach­ter haben.

Da ist zunächst die Ergeb­nis­er­war­tung: Wir rezi­pie­ren das Ver­hal­ten eines Modells, wenn wir uns davon ange­neh­me Kon­se­quen­zen (oder die Ver­mei­dung unan­ge­neh­mer Kon­se­quen­zen) ver­spre­chen. Erwar­te­te Ver­hal­tens­kon­se­quen­zen wer­den so unmit­tel­bar zu einem Anreiz für unser Ver­hal­ten. Wir ori­en­tie­ren unser Ver­hal­ten also weni­ger an den Ergeb­nis­sen unse­rer akti­ven Hand­lungs­voll­zü­ge denn an unse­ren vor­her­ge­hen­den Vor­stel­lun­gen. Wir wol­len kei­ne stän­di­gen Beden­ken, son­dern Lösun­gen.

Und schließ­lich die Kom­pe­tenz­er­war­tung: Wir set­zen nur um, was wir uns auch tat­säch­lich zutrau­en. Als Beob­ach­ter neh­men wir stän­dig eine sub­jek­ti­ve Ein­schät­zung unse­rer Fähig­kei­ten vor, die wir zur Umset­zung des beim Modell Beob­ach­te­ten benö­ti­gen. Wie hoch oder nied­rig die sub­jek­tiv als erfor­der­lich emp­fun­de­ne Kom­pe­tenz­er­war­tung ist, hängt wie­der­um auch von unse­rer Beob­ach­tung des Modells ab.