Unisex-Tarife in der privaten Krankenversicherung

Zum Thema Unisex-Tarife hat der Europäische Gerichtshof in Luxemburg sein Urteil gefällt. Die deutschen privaten Krankenversicherungen sind nun dazu verpflichtet, Unisex-Tarife bis Ende 2012 einzuführen. In Zukunft sollen die Versicherungspolicen für Mann und Frau gleich hoch sein. So soll die anhaltende Diskriminierung des weiblichen Geschlechts abgeschafft werden.

Unisex-Tarife in der privaten Krankenversicherung

Private Krankenversicherung: “Risikogruppe” Frau

Die Beiträge für die private Krankenversicherung werden in den meisten Fällen nach der Höhe der Risiken berechnet. In die internen Berechnungen der Versicherungsgesellschaft fließt das Geschlecht des Antragsstellers beziehungsweise der Antragsstellerin ein. Da Frauen statistisch gesehen eine längere Lebenserwartung haben als Männer und das Risiko “Schwangerschaft” tragen, fallen die Beiträge der Frauen teilweise deutlich höher aus, als die der Männer. So muss eine Frau gut 45 Euro mehr zahlen, um die gleichen Leistungen zu bekommen, wie ein Mann.

Urteil: Unisex-Tarife

Bereits im Jahr 2004 wurde eine Gleichstellung für die Beitragsberechnung beantragt und im Jahr 2007 festgelegt. Jedoch nutzten die privaten Krankenversicherungen die Ausnahme “Risikofaktor” aus. Luxemburger Richter fordern jedoch Gleichbehandlung von Frauen und Männer bei der Berechnung des Versicherungstarifs.

Diese Gleichstellung soll in Form von “Unisex-Tarifen” geschehen, bei denen keine Schlupflöcher existieren.

Welche Versicherungen sind betroffen?

Das Urteil zu Unisex-Tarifen greift bei der privaten Krankenversicherung. Auch private Lebens-, Renten- und Autoversicherungen sollen gleichgestellt werden. Gesetzliche Krankenversicherungen müssen die Gleichbehandlung nicht anstreben, da es solche Unterschiede bei ihnen nicht gibt.

Ob schon bestehende Verträge bei privaten Versicherungen umgestellt werden müssen, ist noch nicht klar. Ab dem im Urteil festgestellten Stichtag werden jedoch ausschließlich Neuverträge mit Unisex-Tarifen abgeschlossen.

Private Krankenversicherung: Keine überstürzte Kündigung

Durch das Urteil werden allgemein höhere Tarife erwartet, da die privaten Krankenversicherungen die Beiträge eher nach oben korrigieren werden. Jedoch geben Verbraucherschützer Entwarnung und verweisen auf ein ähnliches Urteil, welches die Riester Rente betraf. Bei ihnen wurden die Prämien nur um ein Minimum erhöht.

Auch überstürzte Kündigungen sollten vermieden werden, da neue Verträge erst abgeschlossen werden können, wenn eine gründliche Gesundheitsüberprüfung stattfand. Sollten zwischenzeitlich neue Erkrankungen aufgetreten sein, wird der Wechsel sehr teuer.