AfD ist ein Prüf­fall – aber der Ver­fas­sungs­schutz darf das nicht sagen…

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln hat in einer Ent­schei­dung des einst­wei­igen Rechts­schut­zes dem Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz unter­sagt, die Par­tei Alter­na­ti­ve für Deutsch­land – AfD als „Prüf­fall“ zu bezeich­nen.

AfD ist ein Prüf­fall – aber der Ver­fas­sungs­schutz darf das nicht sagen…

Auf einer Pres­se­kon­fe­renz vom 15. Janu­ar 2019 in Ber­lin teil­te der Prä­si­dent des Bun­des­am­tes mit, dass die Gesamt­par­tei AfD als Prüf­fall bear­bei­tet wer­de, die „Jun­ge Alter­na­ti­ve“ (JA) und die Teil­or­ga­ni­sa­ti­on der AfD „Der Flü­gel“ hin­ge­gen zum Ver­dachts­fall erklärt wür­den. Die Ein­stu­fung als Ver­dachts­fall ermög­licht nach den Rege­lun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­schutz­ge­set­zes die Beob­ach­tung mit nach­rich­ten­dienst­li­chen Mit­teln wie V‑Leuten etc. Die Vor­aus­set­zun­gen eines Ver­dachts­falls sei­en aber hin­sicht­lich der Gesamt­par­tei AfD nicht gege­be­nen, inso­weit lägen nur „Ver­dachts­split­ter“ vor. Die­se Ergeb­nis­se der Prü­fung durch das Bun­des­amt wur­den auch in einer deutsch- sowie eng­lisch­spra­chi­gen Pres­se­mit­tei­lung, in einem Tweet und in einer soge­nann­ten Fach­in­for­ma­ti­on auf der Home­page des Bun­des­am­tes ver­laut­bart.

Gegen die­se in der genann­ten Wei­se in die Öffent­lich­keit getra­ge­ne Mit­tei­lung, die AfD wer­de als „Prüf­fall“ bear­bei­tet, wand­te sich die Par­tei mit einem Eil­an­trag beim Ver­wal­tungs­ge­richt Köln. Gegen­stand des Ver­fah­rens war dabei allein die Fra­ge, ob eine Rechts­grund­la­ge für das Vor­ge­hen des Bun­des­am­tes besteht; die inhalt­li­che Bewer­tung der Posi­tio­nen der AfD war nicht ver­fah­rens­re­le­vant. Dem Eil­an­trag hat das Gericht nun statt­ge­ge­ben:

Maß­geb­lich für die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts war ins­be­son­de­re, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­schutz­ge­setz für die Mit­tei­lung, eine Par­tei wer­de als „Prüf­fall“ bear­bei­tet, kei­ne Rechts­grund­la­ge ent­hal­te.

Äuße­run­gen von Hoheits­trä­gern wie dem Bun­des­amt, durch die in die Rech­te einer poli­ti­schen Par­tei ein­ge­grif­fen wird, bedürf­ten nach der Recht­spre­chung von Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt einer aus­drück­li­chen gesetz­li­chen Ermäch­ti­gung, die sich nach der kla­ren Geset­zes­la­ge und ins­be­son­de­re unter Berück­sich­ti­gung des Wil­lens des Gesetz­ge­bers dem vom Bun­des­amt genann­ten § 16 Abs. 1 BVerfSchG nicht ent­neh­men las­se.

Der Bezeich­nung als „Prüf­fall“ kom­me in der Öffent­lich­keit eine nega­ti­ve Wir­kung zu. Die­ser Ein­griff in die Rech­te der AfD aus dem Par­tei­en­grund­recht des Art. 21 GG und dem auch einer Par­tei zuzu­er­ken­nen­den Per­sön­lich­keits­recht sei man­gels Rechts­grund­la­ge rechts­wid­rig und auch unver­hält­nis­mä­ßig. Da das Bun­des­amt die Abga­be einer Unter­las­sungs­er­klä­rung abge­lehnt habe und sein Vor­ge­hen für recht­mä­ßig hal­te, bestehe auch eine Wie­der­ho­lungs­ge­fahr.

Dem Antrag sei zur Gewähr­leis­tung effek­ti­ven Rechts­schut­zes schon im Eil­ver­fah­ren statt­zu­ge­ben gewe­sen, weil im Mai 2019 die Euro­pa­wahl und im Mai, Sep­tem­ber und Okto­ber Land­tags­wah­len anste­hen, an denen die AfD teil­neh­men will.

Ver­wal­tungs­ge­richt Köln, Beschluss vom 26. Febru­ar 2019 – 13 L 202/​19