Berufs­scha­dens­aus­gleich in der Opfer­ent­schä­di­gung – und die pri­va­te Unfallrente

Eine pri­va­te Unfall­ren­te min­dert nicht den schä­di­gungs­be­ding­ten Ein­kom­mens­ver­lust nach einem tät­li­chen Angriff und damit auch nicht die Opfer­ent­schä­di­gung, solan­ge die pri­va­te Unfall­ren­te nicht mit Ein­künf­ten aus einer frü­he­ren Erwerbs­tä­tig­keit des Opfers erwirt­schaf­tet wurde.

Berufs­scha­dens­aus­gleich in der Opfer­ent­schä­di­gung – und die pri­va­te Unfallrente

Dies ent­schied jetzt das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in dem Fall einer in Voll­zeit beschäf­tig­ten kauf­män­ni­schen Sach­be­ar­bei­te­rin. Am Neu­jahrs­mor­gen 2010 wur­de sie Opfer einer Gewalt­tat durch einen alko­ho­li­sier­ten Angrei­fer. . Sie erlitt blei­ben­de Kopf­ver­let­zun­gen nach Schä­del-Hirn-Trau­ma. Der Kom­mu­na­le Sozi­al­ver­band Sach­sen gewähr­te des­halb Grund­ren­te nach dem Opfer­ent­schä­di­gungs­ge­setz in Ver­bin­dung mit dem Bun­des­ver­sor­gungs­ge­setz (BVG), zuletzt mit einem Grad der Schä­di­gungs­fol­gen von 50 unter Berück­sich­ti­gung einer beson­de­ren beruf­li­chen Betrof­fen­heit. Für den schä­di­gungs­be­ding­ten Ein­kom­mens­ver­lust erhielt sie zudem Berufs­scha­dens­aus­gleich. Ab Mai 2013 berück­sich­tig­te der Kom­mu­na­le Sozi­al­ver­band Sach­sen beim Berufs­scha­dens­aus­gleich als anzu­rech­nen­des Ein­kom­men eine Unfall­ren­te in Höhe von monat­lich 990 € aus einer pri­va­ten Unfall­ver­si­che­rung, die der Ehe­mann als Ver­si­che­rungs­neh­mer für die Klä­ge­rin als Ver­si­cher­te abge­schlos­sen hatte.

Anders als das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Sozi­al­ge­richt Dres­den1 hat das Säch­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt2 der dage­gen gerich­te­ten Kla­ge statt­ge­ge­ben, da es für die Berück­sich­ti­gung der pri­va­ten Unfall­ren­te beim Berufs­scha­dens­aus­gleich an einer Rechts­grund­la­ge feh­le. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat nun die­se Ent­schei­dung des Säch­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts bestä­tigt und die Revi­si­on des Kom­mu­na­len Sozi­al­ver­bands Sach­sen zurückgewiesen:

Die pri­va­te Unfall­ren­te ist, wie das Bun­des­so­zi­al­ge­richt jetzt bestä­tig­te, kei­ne anrech­nungs­fä­hi­ge Ein­nah­me der geschä­dig­ten Sach­be­ar­bei­te­rin aus Ver­mö­gen, wel­ches mit Ein­künf­ten aus ihrer frü­he­ren Erwerbs­tä­tig­keit geschaf­fen wur­de, um den Lebens­un­ter­halt für die Zeit nach dem Aus­schei­den aus dem Erwerbs­le­ben zu sichern (§ 8 Absatz 2 Num­mer 3 BSchAV).

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Die pri­va­te Unfall­ren­te gehört auch nicht zu ihren Ein­nah­men aus einer eige­nen Erwerbs­tä­tig­keit (§ 8 Absatz 1 Satz 1 Num­mer 3 BSchAV). Denn die Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge hat allein ihr Ehe­mann als Ver­si­che­rungs­neh­mer ohne Bezug zu ihrem Erwerbs­ein­kom­men und ohne gesetz­li­che Ver­pflich­tung im Rah­men eines Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges zuguns­ten Drit­ter gezahlt.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 10. Juni 2021 – B 9 V 1/​20 R

  1. SG Dres­den, Urteil vom 09.03.2017 – S 39 VE 25/​14[]
  2. Sächs. LSG, Urteil vo 09.12.2019 – L 9 VW 7/​17[]

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