Das katho­li­sche Erz­bis­tum – und die Gren­zen der pres­se­recht­li­chen Auskunftspflicht

Das Erz­bis­tum Köln han­delt bei der Ver­wal­tung sei­nes Ver­mö­gens nicht als Behör­de im Sin­ne des Pres­se­rechts. Auch die lan­des­ge­setz­lich vor­ge­se­he­ne staat­li­che Auf­sicht über die Ver­mö­gens­ver­wal­tung der Bis­tü­mer lässt nicht den Schluss zu, dass die Ver­mö­gens­ver­wal­tung eine öffent­li­che bzw. hoheit­li­che Auf­ga­be ist.

Das katho­li­sche Erz­bis­tum – und die Gren­zen der pres­se­recht­li­chen Auskunftspflicht

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len eine Kla­ge abge­wie­sen, mit der eine Jour­na­lis­tin Aus­kunft über das Ver­mö­gen des Erz­bis­tums Köln und des­sen Anla­ge erhal­ten woll­te. Gleich­zei­tig ist damit die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Köln bestä­tigt wor­den. Beson­ders inter­es­sier­te die Jour­na­lis­tin, in wel­che Anla­ge­for­men (Akti­en/​Anleihen/​entsprechende Invest­ment­fonds) wel­cher Unter­neh­men das Erz­bis­tum Köln Ein­nah­men aus Kir­chen­steu­ern inves­tiert hat und wie hoch die jewei­li­gen Geld­be­trä­ge sind. Mit der Kla­ge soll­te das Erz­bis­tum ver­pflich­tet wer­den, die begehr­te Aus­kunft zu ertei­len. Nach­dem das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln1 die Kla­ge abge­wie­sen hat­te, ver­folg­te die Jour­na­lis­tin ihr Ziel wei­ter mit der Beru­fung.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len aus­drück­lich erklärt, dass nach dem Lan­des­pres­se­ge­setz Behör­den zwar ver­pflich­tet sei­en, der Pres­se die zur Erfül­lung ihrer öffent­li­chen Auf­ga­be die­nen­den Aus­künf­te zu ertei­len. Aller­dings han­de­le das Erz­bis­tum bei der Ver­wal­tung sei­nes Ver­mö­gens jedoch nicht als Behör­de im Sin­ne des Pres­se­rechts. Sein ver­fas­sungs­recht­lich begrün­de­ter Sta­tus als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts sei inso­weit uner­heb­lich. Die Kir­chen näh­men kei­ne Staats­auf­ga­ben wahr und sei­en nicht in die Staats­or­ga­ni­sa­ti­on ein­ge­bun­den. Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len übten die Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten kei­ne öffent­li­che Gewalt aus, soweit sie in ihren ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten inner­kirch­li­chen Ange­le­gen­hei­ten tätig würden.

Ihr Selbst­be­stim­mungs­recht in inner­kirch­li­chen Ange­le­gen­hei­ten umfas­se nach höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung auch den Bereich der Ver­mö­gens­ver­wal­tung. Zwar han­del­ten die Kir­chen bei der Erhe­bung von Kir­chen­steu­ern hoheit­lich (und unter­lä­gen inso­weit einer pres­se­recht­li­chen Aus­kunfts­pflicht). Aller­dings sei die Ver­wal­tung kir­chen­ei­ge­nen Ver­mö­gens, auch soweit es aus Steu­er­ein­nah­men stam­me, von dem Steu­er­he­bungs­ver­fah­ren zu trennen.

Wei­ter­hin las­se auch die lan­des­ge­setz­lich vor­ge­se­he­ne staat­li­che Auf­sicht über die Ver­mö­gens­ver­wal­tung der Bis­tü­mer, auf wel­che die Klä­ge­rin sich beru­fe, nicht den Schluss zu, dass die Ver­mö­gens­ver­wal­tung eine öffent­li­che bzw. hoheit­li­che Auf­ga­be sei.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 19. Janu­ar 2021 – 15 A 3047/​19

  1. VG Köln, Urteil vom 13.06.2019 – 6 K 1988/​17[]

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