Der Atom-Aus­stieg – und die Ent­schä­di­gung der Kernkraftwerksbetreiber

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat fest­ge­stellt, dass der Bun­des­ge­setz­ge­ber sei­ne im Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 06.12.2016 [1] aus­ge­spro­che­ne Ver­pflich­tung zur Besei­ti­gung bestimm­ter Ver­fas­sungs­ver­stö­ße im Atom­recht trotz Ablaufs der dafür gel­ten­den Frist noch nicht erfüllt hat, und zwar ins­be­son­de­re nicht mit der Sech­zehn­ten Atomgesetz-Novelle:

Der Atom-Aus­stieg – und die Ent­schä­di­gung der Kernkraftwerksbetreiber
  1. Die Beschwer­de­füh­re­rin­nen [die Vat­ten­fall Euro­pe Nuclear Ener­gy GmbH sowie ihre Betrei­ber­ge­sell­schaf­ten für die Kern­kraft­wer­ke Krüm­mel und Bruns­büt­tel] sind dadurch in ihrem Grund­recht aus Arti­kel 14 Absatz 1 des Grund­ge­set­zes ver­letzt, dass der Gesetz­ge­ber auch für den Zeit­raum nach dem 30.06.2018 weder durch das Sech­zehn­te Gesetz zur Ände­rung des Atom­ge­set­zes vom 10.07.2018 [2] noch durch ein ande­res Gesetz eine Neu­re­ge­lung in Kraft gesetzt hat, die eine im Wesent­li­chen voll­stän­di­ge Ver­stro­mung der den Kern­kraft­wer­ken in Anla­ge 3 Spal­te 2 zum Atom­ge­setz zuge­wie­se­nen Elek­tri­zi­täts­men­gen sicher­stellt oder einen ange­mes­se­nen Aus­gleich für nicht mehr ver­strom­ba­re Tei­le die­ser Elek­tri­zi­täts­men­gen gewährt [3].
  2. Der Gesetz­ge­ber bleibt zur Neu­re­ge­lung verpflichtet.

Dies ent­schied jetzt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auf die Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Vat­ten­fall Euro­pe Nuclear Ener­gy GmbH sowie ihrer Betrei­ber­ge­sell­schaf­ten für die Kern­kraft­wer­ke Krüm­mel und Bruns­büt­tel. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de rich­tet sich gegen das Sech­zehn­te Gesetz zur Ände­rung des Atom­ge­set­zes vom 10.07.2018 [4] (im Fol­gen­den: 16. AtG-Novel­le). Damit hat der Gesetz­ge­ber auf das Urteil vom 06.12.2016 [1] reagiert, durch wel­ches das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt das Drei­zehn­te Gesetz zur Ände­rung des Atom­ge­set­zes [5] (im Fol­gen­den: 13. AtG-Novel­le) unter ande­rem inso­weit für mit Art. 14 Abs. 1 GG unver­ein­bar erklär­te, als es nicht eine im Wesent­li­chen voll­stän­di­ge Ver­stro­mung der den Kern­kraft­wer­ken zuvor gesetz­lich zuge­wie­se­nen Elek­tri­zi­täts­men­gen sicher­stellt und kei­nen ange­mes­se­nen Aus­gleich hier­für gewährt (Nr. 1 der Ent­schei­dungs­for­mel). Gegen die zur Umset­zung des Urteils erlas­se­nen Rege­lun­gen über den Aus­gleich von in den betrof­fe­nen Kraft­wer­ken nicht mehr ver­wert­ba­ren „Rest­strom­men­gen“ wen­den sich nun­mehr die deut­sche Kern­kraft­ge­sell­schaft des Vat­ten­fall-Kon­zerns und zwei Kraft­werks­be­trei­ber­ge­sell­schaf­ten, an denen sie betei­ligt ist. 

Die vor­her­ge­hen­de Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur 13. Novel­le des Atomgesetzes

Hin­ter­grund und Ent­ste­hung der 13. AtG-Novel­le sind im Urteil vom 06.12.2016 näher geschil­dert [6]. Im Jahr 1998 nahm die dama­li­ge Bun­des­re­gie­rung zwecks Aus­stiegs aus der fried­li­chen Nut­zung der Kern­ener­gie Ver­hand­lun­gen mit den Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men als Betrei­bern der Kern­kraft­wer­ke auf, um eine ein­ver­nehm­li­che Lösung der Aus­stiegs­fra­ge zu errei­chen. Ergeb­nis war die im Jahr 2001 unter­zeich­ne­te Atom­kon­sens­ver­ein­ba­rung, in der für jede ein­zel­ne Anla­ge eine Strom­men­ge fest­ge­legt wur­de, die die­se ab dem 1.01.2000 maxi­mal pro­du­zie­ren darf (soge­nann­te Rest­strom­men­ge). Dabei ging als Fak­tor die bei einer Regel­lauf­zeit von 32 Jah­ren ver­blei­ben­de Rest­lauf­zeit der jewei­li­gen Anla­ge ein, aus der sich auf der Grund­la­ge der bis­he­ri­gen jähr­li­chen durch­schnitt­li­chen Ver­stro­mungs­leis­tung je Kraft­werk des­sen Rest­strom­men­ge ergab. Dem lag die Annah­me zugrun­de, dass sich ein Kern­kraft­werk in 32 Jah­ren regel­mä­ßig amor­ti­siert und in die­sem Zeit­raum auch ein ange­mes­se­ner Gewinn erzielt wer­den kann. Das Gesetz zur geord­ne­ten Been­di­gung der Kern­ener­gie­nut­zung zur gewerb­li­chen Erzeu­gung von Elek­tri­zi­tät vom 22.04.2002 [7] setz­te die­se Ver­ein­ba­rung um. Es füg­te hier­zu unter ande­rem einen neu­en § 7 Abs. 1a AtG und eine Anla­ge 3 in das Atom­ge­setz ein, in deren Spal­te 2 die jeweils ver­blei­ben­den Rest­strom­men­gen auf­ge­nom­men wur­den. Nach einer Ände­rung der poli­ti­schen Mehr­heits­ver­hält­nis­se woll­te die neue Bun­des­re­gie­rung 2009 die Nut­zung der Kern­ener­gie als „Brü­cken­tech­no­lo­gie“ ver­län­gern. Das Elf­te Gesetz zur Ände­rung des Atom­ge­set­zes vom 08.12.2010 [8] (im Fol­gen­den: 11. AtG-Novel­le) sah daher eine Erhö­hung der Elek­tri­zi­täts­men­gen vor, die durch Kern­kraft noch erzeugt wer­den durf­ten. Damit soll­te eine befris­te­te Ver­län­ge­rung der Lauf­zei­ten ermög­licht wer­den, der rech­ne­risch eine Ver­län­ge­rung der bis­he­ri­gen Pro­duk­ti­on um durch­schnitt­lich zwölf Jah­re zugrun­de lag. In Reak­ti­on auf den Reak­tor­un­fall im japa­ni­schen Kern­kraft­werk Fuku­shi­ma im März 2011 erfolg­te jedoch schon bald eine wei­te­re poli­ti­sche Neu­be­wer­tung. Mit der im August 2011 in Kraft getre­te­nen 13. AtG-Novel­le wur­den die durch die 11. AtG-Novel­le gewähr­ten zusätz­li­chen Rest­strom­men­gen gestri­chen und kon­kre­te Abschalt­ter­mi­ne für die ein­zel­nen Kraft­wer­ke festgelegt. 

Mit Urteil vom 06.12.2016 [9] erklär­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die 13. AtG-Novel­le für unver­ein­bar mit Art. 14 Abs. 1 GG, unter ande­rem soweit das Gesetz weder eine im Wesent­li­chen voll­stän­di­ge Ver­stro­mung der den Kern­kraft­wer­ken mit dem Aus­stiegs­ge­setz 2002 in Anla­ge 3 Spal­te 2 zum Atom­ge­setz zuge­wie­se­nen Elek­tri­zi­täts­men­gen sicher­stellt noch einen ange­mes­se­nen Aus­gleich hier­für gewährt. Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums sei­en durch die 13. AtG-Novel­le unzu­mut­bar bestimmt, soweit sie dazu führ­ten, dass die Kon­zer­ne Vat­ten­fall und RWE ange­sichts der gesetz­lich fest­ge­leg­ten Rest­lauf­zei­ten ihrer Anla­gen sub­stan­ti­el­le Tei­le ihrer Rest­strom­men­gen von 2002 nicht kon­zern­in­tern aus­nut­zen könn­ten, wohin­ge­gen die Kon­zer­ne E.ON und EnBW über mehr Ver­stro­mungs­ka­pa­zi­tät ver­füg­ten, als sie zur Ver­wer­tung ihrer Rest­strom­men­gen von 2002 benö­tig­ten [10]. Für eine Neu­re­ge­lung setz­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dem Gesetz­ge­ber eine Frist bis zum 30.06.2018. 

Die 16. Novel­le des Atomgesetzes

Mit Art. 1 der 16. AtG-Novel­le vom 10.07.2018 füg­te der Gesetz­ge­ber zur Umset­zung des Urteils neben der Rege­lung eines Aus­gleichs für Inves­ti­tio­nen (§ 7e AtG) Vor­schrif­ten über den Aus­gleich nicht ver­strom­ter Elek­tri­zi­täts­men­gen und das dies­be­züg­li­che Ver­wal­tungs­ver­fah­ren in das Atom­ge­setz ein. Ange­grif­fen sind hier neben einem Unter­las­sen des Gesetz­ge­bers, inner­halb der vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt gesetz­ten Frist eine ver­fas­sungs­ge­mä­ße Neu­re­ge­lung zu schaf­fen, § 7f Abs. 1 und Abs. 2 sowie § 7g Abs. 2 Satz 1 AtG

Das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren zur 16. AtG-Novel­le wur­de kurz vor Ablauf der im Urteil vom 06.12.2016 bis zum 30.06.2018 gewähr­ten Umset­zungs­frist begonnen. 

Am 8.05.2018 über­sand­te das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Umwelt, Natur­schutz und nuklea­re Sicher­heit (im Fol­gen­den: Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­um) im Rah­men einer Ver­bän­de­an­hö­rung mit Stel­lung­nah­me­frist bis zum 11.05.2018 einen Ent­wurf für eine 16. AtG-Novel­le. Ohne Ver­än­de­rung im Wort­laut der hier ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten brach­ten am 5.06.2018 die Frak­tio­nen der CDU/​CSU und SPD [11] und wort­gleich am 11.06.2018 die Bun­des­re­gie­rung [12] einen Gesetz­ent­wurf für die 16. AtG-Novel­le in den Bun­des­tag ein. Die ers­te Bera­tung erfolg­te am 8.06.2018 [13]. Der Aus­schuss für Umwelt, Natur­schutz und nuklea­re Sicher­heit führ­te am 13.06.2018 eine öffent­li­che Anhö­rung zu dem Gesetz­ent­wurf durch, bei der ins­be­son­de­re die mit­tel­ba­re Ein­be­zie­hung Preus­sen­Elek­t­ras in den Kreis der Anspruchs­be­rech­tig­ten in § 7f Abs. 1 Satz 1 AtG und die Aus­ge­stal­tung der Bemü­hens­ob­lie­gen­heit in § 7f Abs. 1 Satz 3 AtG kri­tisch beur­teilt wur­den [14]. Die hier ange­grif­fe­nen Bestim­mun­gen haben auch danach kei­ne Ände­rung mehr erfah­ren. Der Aus­schuss emp­fahl mit den Stim­men der Frak­tio­nen von CDU/​CSU und SPD die Annah­me des Gesetz­ent­wurfs [15]. Die zwei­te und drit­te Bera­tung des Gesetz­ent­wurfs fan­den am 28.06.2018 statt [16]. Die Ver­öf­fent­li­chung erfolg­te am 13.07.2018 im Bun­des­ge­setz­blatt [4]

Die deut­schen Behör­den hat­ten zwi­schen­zeit­lich die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on über den Ent­wurf der 16. AtG-Novel­le infor­miert. Eine Noti­fi­zie­rung nach Art. 108 Abs. 3 des Ver­trags über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on (im Fol­gen­den: AEUV) unter­blieb. Die Gene­ral­di­rek­ti­on Wett­be­werb der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on teil­te mit einem durch den stell­ver­tre­ten­den Gene­ral­di­rek­tor elek­tro­nisch signier­ten Schrei­ben vom 04.07.2018 mit: 

„Am 14.05.2018 haben Ihre Behör­den die Dienst­stel­len der Kom­mis­si­on über das 16. AtG-ÄndG unter­rich­tet, das zwi­schen­zeit­lich am 28.06.2018 vom Bun­des­tag ver­ab­schie­det wur­de. Mit dem Gesetz soll das Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 06.12.2016 zum 13. AtG-ÄndG [17] umge­setzt werden.

Dar­auf­hin mach­te das Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­um im Bun­des­ge­setz­blatt bekannt, dass die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on ver­bind­lich mit­ge­teilt habe, dass eine bei­hil­fen­recht­li­che Geneh­mi­gung nicht erfor­der­lich und die 16. AtG-Novel­le damit mit Wir­kung vom 04.07.2018 in Kraft getre­ten sei [18]

Die Nich­tig­keits­kla­ge vor dem Gericht der Euro­päi­schen Union

Gegen das Schrei­ben der Gene­ral­di­rek­ti­on Wett­be­werb der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on erhob die Vat­ten­fall Euro­pe Nuclear Ener­gy GmbH am 14.11.2018 nach Art. 263 Abs. 4 AEUV Nich­tig­keits­kla­ge vor dem Gericht der Euro­päi­schen Uni­on, die sie dar­auf stütz­te, dass das Schrei­ben, soll­te es ver­bind­lich sein, Art. 107 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 108 Abs. 3 AEUV ver­let­ze, da es ein inner­staat­li­ches Ent­schä­di­gungs­ge­setz von der Ver­pflich­tung zur Anmel­dung staat­li­cher Bei­hil­fen frei­stel­le, obwohl mit dem Gesetz ein auf­grund des Urteils nicht ent­schä­di­gungs­be­rech­tig­ter Wett­be­wer­ber selek­tiv aus staat­li­chen Mit­teln begüns­tigt wer­de [19].

Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on erhob die Ein­re­de der Unzu­läs­sig­keit. Eine Nich­tig­keits­kla­ge einer natür­li­chen oder juris­ti­schen Per­son gegen eine Hand­lung der EU-Orga­ne sei nach der Recht­spre­chung nur dann zuläs­sig, wenn die ver­bind­li­chen Rechts­wir­kun­gen die­ser Hand­lung die Inter­es­sen des Klä­gers durch eine qua­li­fi­zier­te Ände­rung sei­ner Rechts­stel­lung beein­träch­tig­ten. Das sei bei dem ange­foch­te­nen Schrei­ben jedoch nicht der Fall, das im Kon­text der Vor­anmel­dungs­pha­se und nicht als Beschluss nach Art. 4 der Ver­ord­nung (EU) 2015/​1589 des Rates vom 13.07.2015 über beson­de­re Vor­schrif­ten für die Anwen­dung von Arti­kel 108 des Ver­trags über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on [20] ergan­gen sei und somit kei­ne recht­lich ver­bind­li­che Ein­schät­zung der Kom­mis­si­on dar­stel­le. Die Ein­schät­zung, wonach die 16. AtG-Novel­le kei­ner förm­li­chen Anmel­dung bedür­fe, sei weder end­gül­tig noch bin­de sie die Kom­mis­si­on. Her­vor­zu­he­ben sei auch, dass sich das Schrei­ben aus­schließ­lich mit der Anmel­dungs­pflicht für die gesetz­li­che Aus­ge­stal­tung der Anspruchs­grund­la­gen befasse.

Mit Beschluss vom 11.07.2019 wies das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on die Kla­ge als unzu­läs­sig ab, da Vat­ten­fall das Schrei­ben nicht anfech­ten kön­ne [21].

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de

Beschwer­de­füh­re­rin­nen des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens sind die Kern­kraft­werk Krüm­mel GmbH & Co. oHG (im Fol­gen­den: Krüm­mel), die Kern­kraft­werk Bruns­büt­tel GmbH & Co. oHG (im Fol­gen­den: Bruns­büt­tel) und die Vat­ten­fall Euro­pe Nuclear Ener­gy GmbH (im Fol­gen­den: Vat­ten­fall). Die drei Beschwer­de­füh­re­rin­nen sind iden­tisch mit den Beschwer­de­füh­re­rin­nen im Ver­fah­ren 1 BvR 1456/​12, einem der dem Urteil vom 06.12.2016 zugrun­de lie­gen­den Ver­fah­ren. Die bei­den beschwer­de­füh­ren­den Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen sind iden­tisch mit den Beschwer­de­füh­re­rin­nen in dem eben­falls die 13. AtG-Novel­le betref­fen­den Ver­fah­ren 1 BvR 1621/​12, das sie nach Ver­kün­dung des Urteils vom 06.12.2016 für erle­digt erklärt haben [22]

Gegen­stand des Unter­neh­mens der Beschwer­de­füh­rin­nen Krüm­mel und Bruns­büt­tel ist der Betrieb des jeweils gleich­na­mi­gen Kern­kraft­werks. Sie sind jeweils Inha­be­rin der Betriebs­ge­neh­mi­gung nach § 7 Abs. 1 des Geset­zes über die fried­li­che Ver­wen­dung der Kern­ener­gie und den Schutz gegen ihre Gefah­ren (Atom­ge­setz – AtG). Die Beschwer­de­füh­re­rin Vat­ten­fall ist zu 50 % an der Beschwer­de­füh­re­rin Krüm­mel und zu 66, 6 % an der Beschwer­de­füh­re­rin Bruns­büt­tel betei­ligt, die ande­ren 50 % bezie­hungs­wei­se 33, 3 % hält die Preus­sen­Elek­tra GmbH (im Fol­gen­den: Preus­sen­Elek­tra). Geschäfts­füh­ren­de Gesell­schaf­te­rin der Beschwer­de­füh­re­rin­nen Krüm­mel und Bruns­büt­tel und auf Grund­la­ge eines Betriebs­füh­rungs­ver­trags Betriebs­füh­re­rin der gleich­na­mi­gen Kern­kraft­wer­ke ist jeweils die Beschwer­de­füh­re­rin Vat­ten­fall. Preus­sen­Elek­tra fir­mier­te – auch als Beschwer­de­füh­re­rin im Ver­fah­ren 1 BvR 2821/​11 [1] – bis 2016 als E.ON Kern­kraft GmbH und steht unter allei­ni­ger Kon­trol­le des E.ON-Konzerns. 

Die Beschwer­de­füh­re­rin­nen rügen eine Ver­let­zung ihres Rechts aus Art. 14 Abs. 1 GG durch die mit der 16. AtG-Novel­le ein­ge­füg­ten § 7f Abs. 1 und Abs. 2, § 7g Abs. 2 Satz 1 AtG und durch das Unter­las­sen des Gesetz­ge­bers, eine den vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt for­mu­lier­ten Anfor­de­run­gen ent­spre­chen­de Neu­re­ge­lung zu tref­fen; die 16. AtG-Novel­le sei nicht in Kraft getre­ten, denn die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on habe weder die bei­hil­fen­recht­li­che Geneh­mi­gung erteilt noch ver­bind­lich mit­ge­teilt, dass eine sol­che Geneh­mi­gung nicht erfor­der­lich sei.

Ver­fas­sungs­wid­rig sei ins­be­son­de­re die Begren­zung des Aus­gleichs­an­spruchs durch § 7f Abs. 1 Satz 2 AtG, die eine „dop­pel­te Halb­tei­lung“ bewir­ke. Wenn­gleich gesetz­ge­be­ri­sche Moti­va­ti­on die­ser Begren­zung gewe­sen sein möge, den Zufluss auf den Vat­ten­fall-Kon­zern zu beschrän­ken, habe sich dies in der Rege­lung nicht nie­der­ge­schla­gen. Wegen der Anspruchs­be­rech­ti­gung des Geneh­mi­gungs­in­ha­bers wür­de nicht ein­mal der begrenz­te Aus­gleichs­be­trag dem Vat­ten­fall-Kon­zern zuflie­ßen, son­dern müss­te viel­mehr man­gels ent­spre­chen­der gesetz­li­cher Vor­keh­run­gen in § 7f Abs. 1 Satz 1 AtG noch mit Preus­sen­Elek­tra geteilt werden.

Ver­fas­sungs­wid­rig sei auch die Rege­lung der Bemü­hens­ob­lie­gen­heit in § 7f Abs. 1 Satz 3 AtG. Die Vor­schrift defi­nie­re nicht, wel­che Bedin­gun­gen ange­mes­sen sei­en. Erge­be die erst nach dem Ablauf des 31.12.2022 erfol­gen­de Beur­tei­lung des Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­ums, dass erfolg­los geblie­be­ne Über­tra­gungs­an­ge­bo­te nicht ange­mes­sen gewe­sen sei­en, ver­lö­ren die Beschwer­de­füh­re­rin­nen auch ihren Aus­gleichs­an­spruch. Dem Risi­ko, nicht nur kei­ne Erlö­se aus der Über­tra­gung zu erzie­len, son­dern zudem den Aus­gleichs­an­spruch zu ver­lie­ren, könn­ten sie nur ent­ge­hen, indem sie Rest­strom­men­gen zu einem deut­lich nied­ri­ge­ren Preis anbö­ten als in einer „nor­ma­len“ Markt­si­tua­ti­on. Die Betrei­ber der auf­neh­men­den Kraft­wer­ke könn­ten dage­gen spie­gel­bild­lich höhe­re Gewin­ne erzielen.

Dane­ben sei­en die zeit­li­che Ver­zö­ge­rung des Aus­gleichs und die Vor­schrif­ten des § 7f Abs. 2 AtG über die Anspruchs­hö­he verfassungswidrig.

Auf eige­ne Initia­ti­ve haben Preus­sen­Elek­tra – die unter neu­em Namen fir­mie­ren­de Beschwer­de­füh­re­rin im Ver­fah­ren 1 BvR 2821/​11 [1] – und die E.ON SE als Kon­zern­ober­ge­sell­schaft Stel­lung genom­men. Sie sind der Ansicht, § 7f AtG sei einer ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung zugäng­lich. Mit ihrer Stel­lung­nah­me haben sie ein von ihnen beauf­trag­tes Gut­ach­ten von Prof. Dr. Chris­toph Möl­lers vor­ge­legt, nach dem § 7f Abs. 1 AtG dahin­ge­hend aus­zu­le­gen sei, dass die for­ma­le Anspruchs­in­ha­ber­schaft der Betrei­ber­ge­sell­schaft mate­ri­ell als Zuord­nung zuguns­ten Vat­ten­falls zu deu­ten sei. Dem­ge­gen­über lege die Bun­des­re­gie­rung ein ver­fas­sungs­wid­ri­ges Ver­ständ­nis der im Urteil vom 06.12.2016 getrof­fe­nen Aus­sa­gen zugrun­de. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt habe die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der 13. AtG-Novel­le in Bezug auf E.ON und EnBW nur unter der Prä­mis­se einer kon­zern­in­ter­nen Ver­strom­bar­keit der ihnen zuge­ord­ne­ten Rest­strom­men­gen als gewahrt ange­se­hen. Dies set­ze vor­aus, dass die Rest­strom­men­gen tat­säch­lich und zum umfäng­li­chen eige­nen wirt­schaft­li­chen Nut­zen ver­wer­tet wer­den könn­ten, wes­halb es sich nicht um eine rein rech­ne­ri­sche oder theo­re­ti­sche Betrach­tung han­de­le. Aus dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Schutz der Rest­strom­men­gen fol­ge zugleich die Not­wen­dig­keit, deren Nutz­bar­keit zur Ver­stro­mung in eige­nen Anla­gen durch die Neu­re­ge­lung wei­ter­hin sicherzustellen. 

Die Stel­lung­nah­me der Bundesregierung

Die Bun­des­re­gie­rung hält die Ver­fas­sungs­be­schwer­de für unzu­läs­sig und unbegründet. 

Die 16. AtG-Novel­le sei in Kraft getre­ten. Der Gesetz­ge­ber habe das Inkraft­tre­ten in Art. 3 der 16. AtG-Novel­le alter­na­tiv zu einer auch für Drit­te rechts­ver­bind­li­chen Geneh­mi­gung im Sin­ne eines Beschlus­ses (Art. 288 Abs. 4 AEUV) von einem „Com­fort Let­ter“ als ver­bind­li­cher Mit­tei­lung der Kom­mis­si­on und ver­fah­rens­ab­kür­zen­der Alter­na­ti­ve zu einem förm­li­chen Noti­fi­zie­rungs­ver­fah­ren abhän­gig gemacht. Mit die­ser zwei­ten Vari­an­te ori­en­tie­re sich der Gesetz­ge­ber an der jahr­zehn­te­lan­gen Pra­xis, nach der die Kom­mis­si­on ihre Auf­fas­sung zur bei­hil­fen­recht­li­chen Unbe­denk­lich­keit in Form eines „Com­fort Let­ter“ mit­tei­len kön­ne. Die Kom­mis­si­on selbst emp­feh­le den Mit­glied­staa­ten die Nut­zung des Vor­ab­kon­takts zur Klä­rung bei­hil­fen­recht­li­cher Fra­gen im Zusam­men­hang mit beab­sich­tig­ten Maß­nah­men. Ein rechts­ver­bind­li­cher Beschluss im Sin­ne von Art. 288 Abs. 4 AEUV sei dage­gen nicht Vor­aus­set­zung des Inkraft­tre­tens nach der zwei­ten Vari­an­te des Art. 3 der 16. AtG-Novel­le. Mit dem „Com­fort Let­ter“ vom 04.07.2018 sei die Bedin­gung ein­ge­tre­ten. Wäh­rend die Kom­mis­si­on sich hin­sicht­lich mög­li­cher spä­te­rer indi­vi­du­el­ler Berech­nun­gen und Leis­tun­gen eine Prü­fung vor­be­hal­te, mache der „Com­fort Let­ter“ hin­sicht­lich der gesetz­li­chen Rege­lung kei­nen ver­gleich­ba­ren Vorbehalt.

§ 7f Abs. 1 und Abs. 2, § 7g Abs. 2 AtG ver­letz­ten die Beschwer­de­füh­re­rin­nen nicht in ihrem Grund­recht aus Art. 14 Abs. 1 GG. Die Vor­schrif­ten sei­en kei­ne typi­schen Ein­griffs­nor­men, son­dern gewähr­ten gera­de einen Ausgleichsanspruch.

Der Aus­gleich errei­che jeden­falls das zur Her­stel­lung der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der mit der 13. AtG-Novel­le ein­ge­führ­ten fes­ten Abschalt­da­ten erfor­der­li­che Maß. § 7f Abs. 1 Satz 2 AtG ver­wei­se auf die Begren­zung der Elek­tri­zi­täts­men­gen nach Satz 1. Aus­gleichs­fä­hig sei­en danach 66, 6 % der Rest­strom­men­gen des Kern­kraft­werks Bruns­büt­tel und 50 % der Rest­strom­men­gen des Kern­kraft­werks Krüm­mel, die jeweils am 31.12.2022 bei den bei­den Kern­kraft­wer­ken ver­blie­ben. Dass die Rege­lung zu einer „dop­pel­ten Halb­tei­lung“ des Aus­gleichs füh­re, sei unschlüs­sig, weil dies auf einer unvoll­stän­di­gen Betrach­tung der gesell­schafts­in­ter­nen Gewinn­ver­tei­lung basie­re. Die Rege­lung berück­sich­ti­ge, dass die Beschwer­de­füh­re­rin Vat­ten­fall auf­grund der Gewinn­ver­tei­lungs­re­ge­lung des § 121 Han­dels­ge­setz­buch von den Erlö­sen pro­fi­tie­re, die Preus­sen­Elek­tra durch kon­zern­in­ter­ne Ver­stro­mung erzie­le, das heißt an allen Über­tra­gun­gen von Rest­strom­men­gen der Kern­kraft­wer­ke Krüm­mel und Bruns­büt­tel par­ti­zi­pie­re. Wer­de der Gewinn, wie von den Beschwer­de­füh­re­rin­nen dar­ge­legt, ent­spre­chend den Gesell­schafts­an­tei­len auf­ge­teilt, flie­ße im Innen­ver­hält­nis einer­seits die Hälf­te bezie­hungs­wei­se ein Drit­tel des Aus­gleichs­an­spruchs an Preus­sen­Elek­tra, ande­rer­seits flie­ße die Hälf­te bezie­hungs­wei­se zwei Drit­tel der Erlö­se aus einer kon­zern­in­ter­nen Ver­äu­ße­rung von rech­ne­risch Preus­sen­Elek­tra zuge­ord­ne­ten Rest­strom­men­gen an die Beschwer­de­füh­re­rin Vattenfall.

Der in § 7f Abs. 1 Satz 3 AtG sta­tu­ier­te Anspruchs­aus­schluss über­schrei­te nicht das ein­ge­räum­te Gestal­tungs­er­mes­sen. Die Bemü­hens­ob­lie­gen­heit sei geeig­net und erfor­der­lich, um das Ver­hal­ten der Anspruchs­be­rech­tig­ten dahin­ge­hend zu beein­flus­sen, dass sie zu einer Mini­mie­rung der Las­ten für den Staats­haus­halt bei­trü­gen, anstatt den aus­gleichs­pflich­ti­gen Nach­teil zu erdul­den und nach Ablauf des 31.12.2022 zu liqui­die­ren. Die Beur­tei­lung, wel­che Bedin­gun­gen für sie ange­mes­sen sind, sei den Beschwer­de­füh­re­rin­nen als lang­jäh­rig erfah­re­nen Markt­teil­neh­me­rin­nen zumut­bar, weil es inso­weit um ihre urei­gens­ten wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen gehe, die das Tat­be­stands­merk­mal schüt­ze. Zudem fän­den sich ver­gleich­ba­re Bemü­hens­ob­lie­gen­hei­ten in einer Viel­zahl von Ent­schä­di­gungs­re­ge­lun­gen; die hier­zu ergan­ge­ne Recht­spre­chung und das Schrift­tum ent­hiel­ten zahl­rei­che Anre­gun­gen für eine Auslegung.

Zuläs­sig­keit der Verfassungsbeschwerde

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist zulässig.

Ver­fas­sungs­be­schwer­de trotz Zwei­feln am Inkraft­tre­ten des Gesetzes?

Die 16. AtG-Novel­le kann unge­ach­tet der Zwei­fel an ihrem Inkraft­tre­ten mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ange­grif­fen wer­den [23]. Einen zuläs­si­gen Ver­fah­rens­ge­gen­stand bil­det auch die Rüge des Nicht­in­kraft­tre­tens der 16. AtG-Novel­le, weil die­ses die bereits im Urteil vom 06.12.2016 fest­ge­stell­ten Grund­rechts­ver­let­zun­gen über die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt gesetz­te Frist hin­aus fort­be­stehen ließe.

Beschwer­de­be­fug­nis von Vat­ten­fall und den bei­den Kernkraftwerk-Betreibergesellschaften

Die Beschwer­de­füh­re­rin­nen sind beschwer­de­fä­hig [24] und wie schon im Ver­fah­ren 1 BvR 1456/​12 auch hier wei­ter­hin beschwer­de­be­fugt. Nach dem Vor­trag erscheint nicht aus­ge­schlos­sen, dass die im Urteil vom 06.12.2016 für die Beschwer­de­füh­re­rin­nen Krüm­mel und Vat­ten­fall fest­ge­stell­te Eigen­tums­ver­let­zung wegen unzu­rei­chen­der Sicher­stel­lung einer im Wesent­li­chen voll­stän­di­gen Ver­stro­mung der 2002 zuge­wie­se­nen Rest­strom­men­gen ohne ent­spre­chen­den Aus­gleich [25] fort­dau­ert. Mög­lich erscheint ins­be­son­de­re, dass die Beschwer­de­füh­re­rin­nen durch das blo­ße Nicht­in­kraft­tre­ten der 16. AtG-Novel­le in ihren Grund­rech­ten ver­letzt sind. Der Grund­rechts­ver­stoß liegt zwar ursprüng­lich in der durch das frü­he­re Urteil bean­stan­de­ten 13. AtG-Novel­le, wird aber per­p­etu­iert, wenn der Gesetz­ge­ber kei­ne Neu­re­ge­lung in Kraft gesetzt hat. Jeden­falls nach Ablauf der dem Gesetz­ge­ber gewähr­ten Neu­re­ge­lungs­frist am 30.06.2018 [26] besteht ein Rechts­schutz­be­dürf­nis für die neue Ver­fas­sungs­be­schwer­de. Hier ist sub­stan­ti­iert dar­ge­legt, dass die gebo­te­ne Abhil­fe aus­blei­be, weil das vom Gesetz­ge­ber dafür gedach­te Gesetz nicht in Kraft getre­ten sei. 

Auch die Beschwer­de­füh­re­rin Bruns­büt­tel ist beschwer­de­fä­hig und beschwer­de­be­fugt. Dass sie durch die 13. AtG-Novel­le in Grund­rech­ten ver­letzt ist, wur­de im Urteil vom 06.12.2016 zwar nicht fest­ge­stellt, weil Bruns­büt­tel dort nicht als Beschwer­de­füh­re­rin auf­ge­tre­ten ist. Deren sepa­rat geführ­tes Ver­fah­ren 1 BvR 1621/​12 wur­de nach dem Urteil vom 06.12.2016 für erle­digt erklärt. Für die­ses Urteil war die vor­zei­ti­ge Abschal­tung des Kraft­werks Bruns­büt­tel aber von Bedeu­tung, weil sie zur Grund­rechts­ver­let­zung der Beschwer­de­füh­re­rin Vat­ten­fall bei­getra­gen hat. Die Grund­rechts­ver­let­zung von Vat­ten­fall ergibt sich vor allem aus ihrer Belas­tung durch die gro­ße Men­ge unver­wert­ba­rer Rest­strom­men­gen aus dem 2002 zuge­wie­se­nen Kon­tin­gent [27]. Dem liegt aus­drück­lich eine kon­zern­be­zo­ge­ne Betrach­tung zugrun­de [28], in die der Ver­bleib unver­wert­ba­rer Rest­strom­men­gen des Kern­kraft­werks Bruns­büt­tel antei­lig ein­ging, weil Vat­ten­fall hier­an mit über 66 % betei­ligt ist. Daher waren ver­blei­ben­de Rest­strom­men­gen des Kraft­werks Bruns­büt­tel schon zur Wah­rung der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit des Ein­griffs in das Eigen­tums­grund­recht Vat­ten­falls in die Aus­gleichs­re­ge­lung einzubeziehen.

Im Ergeb­nis ist jedoch auch die Beschwer­de­füh­re­rin Bruns­büt­tel selbst durch die 13. AtG-Novel­le in ihrem Eigen­tums­grund­recht ver­letzt, sodass Män­gel der 16. AtG-Novel­le auch ihr gegen­über eine eigen­stän­di­ge Grund­rechts­ver­let­zung begrün­den kön­nen. Zwar hat­te das Kraft­werk bei einer Lauf­zeit von 34, 49 Kalen­der­jah­ren [29] vor sei­ner Abschal­tung die im Atom­kom­pro­miss als Amor­ti­sa­ti­ons­zeit­raum zugrun­de geleg­te Regel­lauf­zeit von 32 Jah­ren über­schrit­ten, sodass die 13. AtG-Novel­le die Beschwer­de­füh­re­rin Bruns­büt­tel nicht wegen unglei­cher Amor­ti­sa­ti­ons­mög­lich­kei­ten [30] in ihrem Eigen­tums­grund­recht ver­letzt. Die Unver­hält­nis­mä­ßig­keit des Eigen­tums­ein­griffs resul­tiert aber auch bei der Beschwer­de­füh­re­rin Bruns­büt­tel selbst aus der quan­ti­ta­ti­ven Belas­tung [27]. Bezo­gen auf die dem Kern­kraft­werk Bruns­büt­tel 2002 zuge­wie­se­nen Rest­strom­men­gen im Umfang von 47.670 GWh macht das der­zei­ti­ge Ver­stro­mungs­de­fi­zit bei 10.999, 67 GWh ver­blie­be­ner Rest­strom­men­gen [31] knapp über 23 % aus. Auf die Fra­ge der Erfül­lung der auf 32 Jah­re ver­an­schlag­ten Amor­ti­sie­rungs­zeit kommt es für die quan­ti­ta­ti­ve Belas­tung aus­drück­lich nicht an [32]. Dabei gilt der beson­de­re Bestands­schutz der 2002 zuge­wie­se­nen Rest­strom­men­gen [33] für die dem Kern­kraft­werk Bruns­büt­tel zuge­wie­se­nen Rest­strom­men­gen glei­cher-maßen wie für die allen ande­ren Kern­kraft­wer­ken zuge­wie­se­nen Rest­strom­men­gen von 2002.

Sub­si­dia­ri­tät der Verfassungsbeschwerde

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de genügt den Anfor­de­run­gen an Rechts­weg­er­schöp­fung und Sub­si­dia­ri­tät im wei­te­ren Sin­ne (vgl. § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG). Ein unmit­tel­ba­rer Rechts­weg gegen Geset­ze ist nicht eröff­net. Der in § 90 Abs. 2 BVerfGG zum Aus­druck kom­men­de Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät ver­langt zwar grund­sätz­lich, dass auch über das Gebot der Erschöp­fung des Rechts­wegs im enge­ren Sin­ne hin­aus zunächst alle nach Lage der Din­ge zur Ver­fü­gung ste­hen­den pro­zes­sua­len Mög­lich­kei­ten ergrif­fen wer­den, um die gel­tend gemach­te Grund­rechts­ver­let­zung schon im fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren zu ver­hin­dern oder zu besei­ti­gen [34]. Wenn eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de unmit­tel­bar gegen ein Gesetz gerich­tet ist, kann auch die Erhe­bung einer Fest­stel­lungs- oder Unter­las­sungs­kla­ge zu den zuvor zu ergrei­fen­den Rechts­be­hel­fen gehö­ren. Das ist selbst dann nicht aus­ge­schlos­sen, wenn die fach­ge­richt­li­che Prü­fung güns­tigs­ten­falls dazu füh­ren kann, dass das ange­grif­fe­ne Gesetz gemäß Art. 100 Abs. 1 GG dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­ge­legt wird [35]. Eine Pflicht zur Anru­fung der Fach­ge­rich­te besteht jedoch nicht, wenn dies unzu­mut­bar ist [36].

Inwie­fern die grund­recht­li­chen Fra­gen hier über­haupt in fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren geklärt wer­den könn­ten, kann dahin­ste­hen. Wegen der Beson­der­hei­ten der ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen ist den Beschwer­de­füh­re­rin­nen jeden­falls die Ver­zö­ge­rung unzu­mut­bar, zu der es zwangs­läu­fig käme, wenn sie zunächst fach­ge­richt­li­chen Rechts­schutz suchen müss­ten (vgl. auch § 90 Abs. 2 Satz 2 BVerfGG). Soll­te sich nach voll­stän­di­gem Durch­lau­fen des fach­ge­richt­li­chen Rechts­schut­zes und anschlie­ßen­dem ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren her­aus­stel­len, dass die ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen ver­fas­sungs­ge­mäß sind, könn­ten die Beschwer­de­füh­re­rin­nen der dann nach § 7f Abs. 1 Satz 3 AtG bestehen­den Bemü­hens­ob­lie­gen­heit nicht mehr genü­gen, weil spä­tes­tens am 31.12.2022 das letz­te Kern­kraft­werk sei­nen Leis­tungs­be­trieb been­den muss (vgl. § 7 Abs. 1a Satz 1 Nr. 6 AtG) und damit kei­nes mehr Rest­strom­men­gen über­neh­men kann. Die Beschwer­de­füh­re­rin­nen ver­lö­ren damit auch ihren Aus­gleichs­an­spruch nach § 7f Abs. 1 Satz 1 AtG. Woll­ten sie dies nicht in Kauf neh­men, blie­be ihnen nichts ande­res übrig, als ihrer Bemü­hens­ob­lie­gen­heit vor­sorg­lich nach­zu­kom­men, obwohl deren Inkraft­tre­ten und ver­fas­sungs­recht­li­cher Bestand nicht fest­ste­hen. Dies ist aber unzu­mut­bar, weil die Beschwer­de­füh­re­rin­nen der­zeit man­gels hin­rei­chend kla­rer Rege­lung der Bemü­hens­ob­lie­gen­heit nicht wis­sen kön­nen, wie weit ihre Bemü­hun­gen nach § 7f Abs. 1 Satz 3 AtG gehen müs­sen. So ris­kie­ren sie ent­we­der, unzu­rei­chen­de Bemü­hun­gen zu unter­neh­men (indem sie unan­ge­mes­sen hohe Prei­se für die rechts­ge­schäft­li­che Über­tra­gung von Rest­strom­men­gen for­dern) und damit nach § 7f Abs. 1 Satz 3 AtG auch ihren Aus­gleichs­an­spruch nach § 7f Abs. 1 Satz 1 AtG zu ver­lie­ren. Oder sie lau­fen Gefahr, sich über­ob­li­ga­to­risch zu bemü­hen (durch nied­ri­ge­re Preis­for­de­run­gen als § 7f Abs. 1 Satz 3 AtG zulie­ße) und damit weni­ger Aus­gleich für ihre nach der 13. AtG-Novel­le nicht mehr ver­strom­ba­ren Rest­strom­men­gen zu erhal­ten, als ihnen nach den Fest­stel­lun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts auf­grund ihres Eigen­tums­grund­rechts zusteht. Dabei ist nicht ersicht­lich, wie sie im Fal­le zu nied­rig ver­an­schlag­ter Preis­for­de­run­gen sicher­stel­len könn­ten, nach­träg­lich gege­be­nen­falls den zuläs­si­gen höhe­ren Über­tra­gungs­preis zu erhal­ten, denn die Markt­ge­gen­sei­te muss sich auf eine nach­träg­li­che Kor­rek­tur nicht ohne Wei­te­res einlassen.

Eine schnel­le Klä­rung der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des hier ange­grif­fe­nen Geset­zes liegt auch im öffent­li­chen Inter­es­se, weil im Fall der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit oder des Nicht­in­kraft­tre­tens der ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen mit dem Ende des Leis­tungs­be­triebs der Kern­kraft­wer­ke die Mög­lich­keit aus­ge­schlos­sen ist, bei der dann erfor­der­li­chen gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung erneut eine kon­zern­über­grei­fen­de Wei­ter­ga­be von Rest­strom­men­gen in den Aus­gleich ein­zu­be­zie­hen. Es blie­be dann rea­lis­ti­scher­wei­se nur die Mög­lich­keit eines Aus­gleichs in Geld, der den Haus­halt und damit die der All­ge­mein­heit zur Ver­fü­gung ste­hen­den finan­zi­el­len Mit­tel stär­ker belastet.

Begründ­etheit der Verfassungsbeschwerde

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist begrün­det. Die Beschwer­de­füh­re­rin­nen sind in ihrem Eigen­tums­grund­recht aus Art. 14 Abs. 1 GG dadurch ver­letzt, dass kein Gesetz zur Behe­bung der im Urteil vom 06.12.2016 fest­ge­stell­ten Grund­rechts­ver­let­zung, ins­be­son­de­re nicht die 16. AtG-Novel­le, in Kraft getre­ten ist. Des­sen unge­ach­tet wür­de § 7f AtG den bereits durch das Urteil vom 06.12.2016 fest­ge­stell­ten Ver­stoß gegen Art. 14 Abs. 1 GG auch in der Sache nicht beheben.

16. AtG-Novel­le noch nicht in Kraft getreten

Die Beschwer­de­füh­re­rin­nen sind in ihren Grund­rech­ten ver­letzt, weil die im Urteil vom 06.12.2016 fest­ge­stell­te Grund­rechts­ver­let­zung nicht beho­ben ist. Unab­hän­gig von der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Inkraft­tre­tens­re­ge­lung des Art. 3 der 16. AtG-Novel­le sind jeden­falls die dort für das Inkraft­tre­ten gere­gel­ten Bedin­gun­gen nicht erfüllt, sodass die Novel­le, deren Zweck es gera­de war, die Grund­rechts­ver­stö­ße zu behe­ben, nicht in Kraft getre­ten ist und die Beschwer­de­füh­re­rin­nen wei­ter­hin in ihren Grund­rech­ten ver­letzt sind. 

Die in Art. 3 der 16. AtG-Novel­le getrof­fe­ne Rege­lung des Inkraft­tre­tens ist nicht allein des­halb ver­fas­sungs­wid­rig, weil sie bei­hil­fen­recht­li­che Maß­nah­men der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on zur Bedin­gung des Inkraft­tre­tens macht. Ob sie den Anfor­de­run­gen des Art. 82 Abs. 2 Satz 1 GG an die Klar­heit einer Bedin­gung des Inkraft­tre­tens genügt, kann dahinstehen. 

Art. 82 Abs. 2 Satz 1 GG gibt dem Gesetz­ge­ber auf, den Tag des Inkraft­tre­tens zu bestim­men. Damit ist jedoch nicht schlecht­hin unver­ein­bar, wenn der Gesetz­ge­ber das Inkraft­tre­ten von einer Bedin­gung abhän­gig macht, ohne aus­drück­lich ein Datum zu bestim­men; unter beson­ders gela­ger­ten Umstän­den darf das Inkraft­tre­ten eines Geset­zes von dem Ein­tritt einer Bedin­gung abhän­gig gemacht wer­den [37]. Dabei darf die Bestim­mung des Tags des Inkraft­tre­tens jedoch nicht dele­giert wer­den; Bedin­gungs­ein­tritt und Inkraft­tre­ten dür­fen nicht belie­big Drit­ten über­las­sen wer­den [38]. Zudem muss die Bedin­gung so klar for­mu­liert sein, dass über deren Bedeu­tung kei­ne Unsi­cher­heit besteht; der Bedin­gungs­ein­tritt muss für alle Betei­lig­ten, ins­be­son­de­re für Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, erkenn­bar sein. Dies folgt aus Art. 82 Abs. 2 Satz 1 GG. Die grund­ge­setz­li­che Rege­lung will sicher­stel­len, dass über den Zeit­punkt der Norm­ver­bind­lich­keit Klar­heit herrscht. Die Bestim­mung des zeit­li­chen Gel­tungs­be­reichs einer Rechts­vor­schrift muss wegen der viel­fach weit­tra­gen­den Wir­kung hin­rei­chend genau fixiert sein, damit die Normadres­sa­ten den Beginn ihres Berech­tigt- oder Ver­pflich­tetseins erken­nen kön­nen. Auch Exe­ku­ti­ve und Recht­spre­chung müs­sen auf mög­lichst ein­fa­che Wei­se fest­stel­len kön­nen, von wann ab die neue Vor­schrift anzu­wen­den ist. Die kla­re Bestim­mung des Inkraft­tre­tens dient den rechts­staat­li­chen Gebo­ten der Rechts­si­cher­heit und Rechts­klar­heit über die zeit­li­che Gel­tung des Rechts [39]

Für das Inkraft­tre­ten der 16. AtG-Novel­le hat der Gesetz­ge­ber kein Datum bestimmt. Die 16. AtG-Novel­le soll nach ihrem Art. 3 viel­mehr an dem Tag in Kraft tre­ten, an dem die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on die bei­hil­fen­recht­li­che Geneh­mi­gung erteilt oder ver­bind­lich mit­teilt, dass eine sol­che Geneh­mi­gung nicht erfor­der­lich ist, wobei das für die kern­tech­ni­sche Sicher­heit und den Strah­len­schutz zustän­di­ge Bun­des­mi­nis­te­ri­um den Tag des Inkraft­tre­tens im Bun­des­ge­setz­blatt bekannt geben soll. Dass bei­hil­fen­recht­li­che Maß­nah­men der Kom­mis­si­on Bedin­gung des Inkraft­tre­tens sind, macht die Inkraft­tre­tens­re­ge­lung für sich genom­men nicht ver­fas­sungs­wid­rig und über­lässt die Bestim­mung des Tags des Inkraft­tre­tens nicht der belie­bi­gen Ent­schei­dungs­macht Drit­ter. Ob die bei­den alter­na­ti­ven Bedin­gun­gen des Inkraft­tre­tens hin­rei­chend klar gere­gelt sind, bedarf hier kei­ner abschlie­ßen­den Entscheidung. 

Es ist dem Grun­de nach mit Art. 82 Abs. 2 Satz 1 GG ver­ein­bar, das Inkraft­tre­ten des Geset­zes an die Bedin­gung bei­hil­fen­recht­li­cher Maß­nah­men der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on zu knüp­fen. Der Gesetz­ge­ber muss­te hier das grund­sätz­li­che Ver­bot staat­li­cher Bei­hil­fen (vgl. Art. 107 Abs. 1 AEUV) und das für tat­be­stand­li­che Bei­hil­fen gel­ten­de Noti­fi­zie­rungs­er­for­der­nis (vgl. Art. 108 Abs. 3 AEUV) berück­sich­ti­gen. Die 16. AtG-Novel­le begrün­det zur Schaf­fung des durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Urteil vom 06.12.2016 gefor­der­ten Aus­gleichs Ansprü­che auf finan­zi­el­le Leis­tun­gen des Staa­tes. Zwar sind nach der soge­nann­ten Aste­ris-Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs Zah­lun­gen, zu denen natio­na­le Behör­den zum Ersatz eines Scha­dens ver­ur­teilt wer­den, den sie Pri­vat­per­so­nen ver­ur­sacht haben, kei­ne Bei­hil­fen [40]. Aller­dings kön­nen nach § 7f Abs. 1 Satz 1 AtG mit­tel­bar auch sol­che Unter­neh­men in den Genuss staat­li­cher Aus­gleichs­leis­tun­gen kom­men, für die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem Urteil vom 06.12.2016 nicht von der Not­wen­dig­keit eines Aus­gleichs aus­ge­gan­gen ist [41]. Wenn die frag­li­che Rege­lung aber bei­hil­fen­recht­li­che Bedeu­tung besit­zen könn­te [42], darf der Gesetz­ge­ber den Bedin­gungs­ein­tritt von der bei­hil­fen­recht­li­chen Geneh­mi­gung der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on abhän­gig machen [43]

Art. 3 der 16. AtG-Novel­le über­lässt die Bestim­mung des Tags des Inkraft­tre­tens nicht belie­big Dritten.

Zwar hängt das Inkraft­tre­ten nach Art. 3 der 16. AtG-Novel­le von einer bei­hil­fen­recht­li­chen Geneh­mi­gung oder ver­bind­li­chen Mit­tei­lung der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on ab. Die Kom­mis­si­on ist jedoch zum einen nicht belie­bi­ge Drit­te, son­dern ist das hier für die Anwen­dung des inso­weit vor­ran­gi­gen Uni­ons­rechts zustän­di­ge Organ (vgl. Art. 108 AEUV). Zum ande­ren ist die Ent­schei­dung der Kom­mis­si­on durch Art. 107 und 108 AEUV sowie das kon­kre­ti­sie­ren­de Sekun­där­recht recht­lich vor­ge­zeich­net, ist also nicht in deren Belie­ben gestellt.

Auch die Betrau­ung des für die kern­tech­ni­sche Sicher­heit und den Strah­len­schutz zustän­di­gen Bun­des­mi­nis­te­ri­ums mit der Bestim­mung und Bekannt­ga­be des Zeit­punkts ist kei­ne unzu­läs­si­ge Ent­schei­dungs­de­le­ga­ti­on. Dem Minis­te­ri­um ist nicht auf­ge­ge­ben, selbst den Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens zu bestim­men. Viel­mehr hat es den Bedin­gungs­ein­tritt dekla­ra­to­risch fest­zu­stel­len und zu ver­laut­ba­ren [44].

Ob die bei­den alter­na­ti­ven Bedin­gun­gen des Inkraft­tre­tens hin­rei­chend klar im Sin­ne des Art. 82 Abs. 2 Satz 1 GG for­mu­liert sind, bedarf hier kei­ner abschlie­ßen­den Entscheidung.

Kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken bestehen, soweit Art. 3 der 16. AtG-Novel­le dar­auf abstellt, dass die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on die bei­hil­fen­recht­li­che Geneh­mi­gung erteilt. Es ist hin­rei­chend klar und damit ver­fas­sungs­recht­lich zuläs­sig, das Inkraft­tre­ten eines Geset­zes davon abhän­gig zu machen, dass die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on eine sol­che Geneh­mi­gung erteilt.

Nicht in glei­chem Maße klar ist hin­ge­gen die Bedeu­tung der alter­na­ti­ven Bedin­gung, dass die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on ver­bind­lich mit­teilt, dass eine sol­che Geneh­mi­gung nicht erfor­der­lich ist. Es ist nicht ohne Wei­te­res zu erken­nen, wel­che Art von bei­hil­fen­recht­li­cher Maß­nah­me der Kom­mis­si­on hier­mit gemeint ist.

Von der Mög­lich­keit der „Mit­tei­lung“ macht die Kom­mis­si­on nach dem von ihr ver­öf­fent­lich­ten Ver­hal­tens­ko­dex für die Durch­füh­rung von Bei­hil­fe­ver­fah­ren am Ende der soge­nann­ten Vor­anmel­de­pha­se Gebrauch (damals Ver­hal­tens­ko­dex für die Durch­füh­rung von Bei­hil­fe­ver­fah­ren vom 16.06.2009 [45]; im Fol­gen­den: Ver­hal­tens­ko­dex 2009; nun­mehr Ver­hal­tens­ko­dex für die Durch­füh­rung von Bei­hil­fe­ver­fah­ren vom 18.07.2018 [46]). Kon­tak­te in die­ser Vor­anmel­de­pha­se sol­len den Kom­mis­si­ons­dienst­stel­len und dem anmel­den­den Mit­glied­staat die Mög­lich­keit geben, die recht­li­chen und wirt­schaft­li­chen Aspek­te eines geplan­ten Bei­hil­fe­vor­ha­bens im Vor­feld der Anmel­dung auf ver­trau­ens­vol­ler Grund­la­ge infor­mell zu erör­tern [47]. Im Ver­hal­tens­ko­dex heißt es in der im Früh­jahr 2018 ein­schlä­gi­gen Fas­sung [48]:

„Außer in Fäl­len, die wesent­li­che Neue­run­gen beinhal­ten oder beson­ders kom­plex sind, ist die Kom­mis­si­on bestrebt, dem betref­fen­den Mit­glied­staat am Ende der Vor­anmel­de­pha­se infor­mell ihre ers­te Ein­schät­zung des Vor­ha­bens mit­zu­tei­len . Die­se Ein­schät­zung bin­det die Kom­mis­si­on nicht und ist nicht als deren offi­zi­el­ler Stand­punkt zu wer­ten; viel­mehr erläu­tern die Kom­mis­si­ons­dienst­stel­len münd­lich und infor­mell die Voll­stän­dig­keit des Anmel­dungs­ent­wurfs und auf Pri­ma-facie-Grund­la­ge die Ver­ein­bar­keit des geplan­ten Vor­ha­bens mit dem Gemein­sa­men Markt. In beson­ders kom­ple­xen Fäl­len kön­nen die Kom­mis­si­ons­dienst­stel­len auf Antrag des Mit­glied­staats auch schrift­li­che Erläu­te­run­gen zu den noch feh­len­den Anga­ben geben.“ 

Der Ver­hal­tens­ko­dex sieht also eine „Mit­tei­lung“ vor. Die­se Mit­tei­lung ist jedoch aus­drück­lich infor­mell und bin­det die Kom­mis­si­on expli­zit nicht; es han­delt sich im uni­ons­recht­li­chen Sin­ne gera­de nicht um eine „ver­bind­li­che Mit­tei­lung“. Sie erfüllt also nicht die in Art. 3 der 16. AtG-Novel­le genann­ten Anforderungen.

Dane­ben kennt das Bei­hil­fen­recht die ver­bind­li­che Hand­lungs­form des Beschlus­ses. Ein sol­cher Beschluss wür­de die in Art. 3 der 16. AtG-Novel­le gefor­der­te Inkraft­tre­tens­be­din­gung („ver­bind­li­chen Mit­tei­lung“) bei ent­spre­chen­dem Inhalt erfül­len. Art. 3 der 16. AtG-Novel­le ver­langt eine ver­bind­li­che Mit­tei­lung der Kom­mis­si­on, dass eine bei­hil­fen­recht­li­che Geneh­mi­gung nicht erfor­der­lich ist. Es sind ver­schie­de­ne Beschlüs­se denk­bar, aus denen sich ver­bind­lich erge­ben wür­de, dass es kei­ner bei­hil­fen­recht­li­chen Geneh­mi­gung bedarf. So stellt die Kom­mis­si­on nach einer soge­nann­ten vor­läu­fi­gen Prü­fung gege­be­nen­falls durch Beschluss fest, dass die ange­mel­de­te Maß­nah­me kei­ne Bei­hil­fe ist (Art. 4 Abs. 2 Bei­hil­fen­ver­fah­rens­VO). Stellt die Kom­mis­si­on nach einer vor­läu­fi­gen Prü­fung fest, dass die ange­mel­de­te Maß­nah­me zwar eine Bei­hil­fe ist, aber kei­nen Anlass zu Beden­ken hin­sicht­lich ihrer Ver­ein­bar­keit mit dem Bin­nen­markt gibt, beschließt sie, kei­ne Ein­wän­de zu erhe­ben (Art. 4 Abs. 3 Bei­hil­fen­ver­fah­rens­VO). Auch wenn die Kom­mis­si­on nach einem förm­li­chen Prüf­ver­fah­ren zu dem Schluss gelangt, dass die ange­mel­de­te Maß­nah­me kei­ne Bei­hil­fe ist, stellt sie dies durch Beschluss fest (Art. 9 Abs. 2 Bei­hil­fen­ver­fah­rens­VO). Stellt sie nach einem förm­li­chen Ver­fah­ren fest, dass, gege­be­nen­falls nach Ände­rung durch den betref­fen­den Mit­glied­staat, die Beden­ken hin­sicht­lich der Ver­ein­bar­keit der ange­mel­de­ten Maß­nah­me mit dem Bin­nen­markt aus­ge­räumt sind, so beschließt sie, dass die Bei­hil­fe mit dem Bin­nen­markt ver­ein­bar ist (Art. 9 Abs. 3 BeihilfenverfahrensVO). 

Ob der Gesetz­ge­ber in Art. 3 der 16. AtG-Novel­le mit der Bedin­gung der „ver­bind­li­chen Mit­tei­lung“ sol­che Beschlüs­se mein­te, lässt sich nicht mit Sicher­heit sagen, weil im Gesetz nicht von Beschluss, son­dern von Mit­tei­lung die Rede ist; außer­dem sind die eben auf­ge­führ­ten Beschlüs­se im uni­ons­recht­li­chen Sin­ne jeden­falls teil­wei­se auch Geneh­mi­gungs­be­schlüs­se (vgl. Art. 3 Bei­hil­fen­ver­fah­rens­VO), sodass sie bereits die ers­te Inkraft­tre­tens­be­din­gung („bei­hil­fen­recht­li­che Geneh­mi­gung“) erfül­len. Eine als „ver­bind­li­che Mit­tei­lung“ bezeich­ne­te Maß­nah­me und Hand­lungs­form sieht das Bei­hil­fen­recht jedoch nicht vor. Die genann­ten Beschlüs­se kom­men einer ver­bind­li­chen Mit­tei­lung, dass eine bei­hil­fen­recht­li­che Geneh­mi­gung nicht erfor­der­lich sei, am nächs­ten. Ob die­se vom Gesetz­ge­ber gewähl­te Bedin­gung die ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­ne Klar­heit auf­weist, bedarf hier kei­ner abschlie­ßen­den Ent­schei­dung, weil die Bedin­gung jeden­falls nicht erfüllt ist.

Für die Erkenn­bar­keit des Bedin­gungs­ein­tritts hat der Gesetz­ge­ber gesorgt, indem er gere­gelt hat, dass das für die kern­tech­ni­sche Sicher­heit und den Strah­len­schutz zustän­di­ge Bun­des­mi­nis­te­ri­um den Tag des Inkraft­tre­tens im Bun­des­ge­setz­blatt bekannt gibt. 

Nicht aus­rei­chen­de 16. AtG-Novelle

Die Beschwer­de­füh­re­rin­nen sind in ihren Grund­rech­ten ver­letzt, weil die 16. AtG-Novel­le nicht in Kraft getre­ten ist und damit kei­ne Rege­lung exis­tiert, die den durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bereits bean­stan­de­ten Grund­rechts­ver­stoß beseitigt. 

Der Grund­rechts­ver­stoß liegt ursprüng­lich in der 13. AtG-Novel­le. Die­sen zu behe­ben, war Pflicht des Gesetz­ge­bers und Zweck der 16. AtG-Novel­le. Indem die­se nicht in Kraft getre­ten ist, wird der Grund­rechts­ver­stoß per­p­etu­iert, weil auch kei­ne ande­re Rege­lung zu sei­ner Besei­ti­gung getrof­fen wur­de. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat dem Gesetz­ge­ber in dem Urteil vom 06.12.2016 zunächst in Abwei­chung von § 78 BVerfGG eine Neu­re­ge­lungs­frist gewährt [26], die aber bereits mit dem 30.06.2018 ver­stri­chen ist.

Die 16. AtG-Novel­le ist man­gels Bedin­gungs­ein­tritts nicht in Kraft getre­ten. Kei­ne der bei­den in Art. 3 der 16. AtG-Novel­le genann­ten Bedin­gun­gen ist erfüllt. Eine Geneh­mi­gung hat die Kom­mis­si­on unstrei­tig nicht erteilt. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Bun­des­re­gie­rung ist aber auch die alter­na­ti­ve Bedin­gung nicht erfüllt. Im uni­ons­recht­li­chen Sin­ne ist das Schrei­ben der Gene­ral­di­rek­ti­on Wett­be­werb der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on vom 04.07.2018 kei­ne „ver­bind­li­che Mit­tei­lung“. Eine wei­te Aus­le­gung des dem natio­na­len Recht ange­hö­ren­den Art. 3 der 16. AtG-Novel­le, nach der „ver­bind­li­che Mit­tei­lung“ auch eine uni­ons­recht­lich gera­de nicht ver­bind­li­che Mit­tei­lung wäre, ist hier schon ein­fach­recht­lich zwei­fel­haft, erfor­der­te aber vor allem eine mit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Bestimmt­heits­an­for­de­run­gen unver­ein­bar wei­te Aus­le­gung des Tat­be­stands­merk­mals „ver­bind­lich“. Die minis­te­ri­el­le Bekannt­ma­chung des (angeb­li­chen) Inkraft­tre­tens hat eben­falls nicht zum Inkraft­tre­ten geführt.

Aus uni­ons­recht­li­cher Sicht ist durch das Schrei­ben der Gene­ral­di­rek­ti­on Wett­be­werb vom 04.07.2018 kei­ne ver­bind­li­che Mit­tei­lung, son­dern ledig­lich eine unver­bind­li­che Ein­schät­zung erfolgt. Die­ses uni­ons­recht­li­che Ver­ständ­nis von Ver­bind­lich­keit her­an­zu­zie­hen liegt nahe, weil die Bedin­gung der „ver­bind­li­chen Mit­tei­lung“ im Sin­ne von Art. 3 der 16. AtG-Novel­le auf die Bin­dungs­wir­kung eines Uni­ons­rechts­akts zielt, die sich in der Sache nur nach uni­ons­recht­li­chen Grund­sät­zen rich­ten kann.

Das Schrei­ben der Gene­ral­di­rek­ti­on Wett­be­werb der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on vom 04.07.2018 ist als Ein­schät­zung und nicht als Beschluss bezeich­net. Es ist auch ansons­ten nichts dafür ersicht­lich, dass es sich bei dem Schrei­ben um einen Beschluss han­deln könn­te. Viel­mehr han­delt es sich um eine Ein­schät­zung im Rah­men bei­hil­fen­recht­li­cher Vor­ab­kon­tak­te, die der Ver­hal­tens­ko­dex aus­drück­lich als infor­mell und nicht bin­dend bezeich­net [48]. Der Ver­hal­tens­ko­dex hät­te inso­weit auch kaum ver­bind­li­che Hand­lun­gen vor­se­hen kön­nen, weil das euro­päi­sche Pri­mär­recht und die Bei­hil­fen­ver­fah­rens­ver­ord­nung ein der Noti­fi­zie­rung und der vor­läu­fi­gen Prü­fung (Art. 4 Bei­hil­fen­ver­fah­rens­VO) vor­ge­la­ger­tes Sta­di­um und eine die­sem Sta­di­um zuor­den­ba­re ver­bind­li­che Hand­lungs­form nicht ken­nen. Es fehl­te inso­weit also schon an einer recht­li­chen Grund­la­ge für recht­lich bin­den­des Han­deln der Kom­mis­si­on. Zwar ist nicht aus­zu­schlie­ßen, dass auch infor­mel­le Ein­schät­zun­gen der Gene­ral­di­rek­ti­on Wett­be­werb nach all­ge­mei­nen uni­ons­recht­li­chen Grund­sät­zen gewis­se Ver­trau­ens­tat­be­stän­de schaf­fen; dies macht sie jedoch nicht zu ver­bind­li­chen Hand­lun­gen [49].

Ent­spre­chend nah­men auch das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on und die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on in dem von der hie­si­gen Beschwer­de­füh­re­rin Vat­ten­fall ein­ge­lei­te­ten Ver­fah­ren aus­drück­lich an, das Schrei­ben sei im Rah­men infor­mel­ler bila­te­ra­ler Kon­tak­te zur „Vor­anmel­dung“ zwi­schen der Kom­mis­si­on und den deut­schen Behör­den nach den ein­schlä­gi­gen Bestim­mun­gen des Ver­hal­tens­ko­dex über­sandt wor­den. Es bin­de die Kom­mis­si­on nicht, son­dern sei eine infor­mel­le Erläu­te­rung durch ihre Dienst­stel­len [50]. Die­se Beur­tei­lung wer­de weder dadurch in Fra­ge gestellt, dass das Inkraft­tre­ten der 16. AtG-Novel­le von einer ver­bind­li­chen bei­hil­fen­recht­li­chen Erklä­rung der Kom­mis­si­on abhän­gig war, noch dadurch, dass die deut­schen Behör­den die­ses Schrei­ben bei der Fest­stel­lung und Ver­kün­dung des Inkraft­tre­tens des Geset­zes im Bun­des­ge­setz­blatt zu Unrecht als „recht­lich ver­bind­lich“ qua­li­fi­zier­ten. Weder die hier­zu ergan­ge­nen natio­na­len Rechts­vor­schrif­ten noch die Beur­tei­lung durch die natio­na­len Behör­den sei­en geeig­net, die tat­säch­li­che Natur und Trag­wei­te einer Hand­lung der Uni­on, ein­schließ­lich der Fra­ge, ob sie recht­lich ver­bind­lich ist, zu berüh­ren, da sonst die Auto­no­mie und die Aus­le­gung des Uni­ons­rechts, für die allein die Uni­ons­ge­rich­te zustän­dig sind, beein­träch­tigt wür­den [51].

Dass das Schrei­ben der Gene­ral­di­rek­ti­on Wett­be­werb im uni­ons­recht­li­chen Sin­ne nicht bin­dend ist, schließt zwar nicht von vorn­her­ein aus, die Tat­be­stands­vor­aus­set­zung der „ver­bind­li­chen Mit­tei­lung“ in Art. 3 der 16. AtG-Novel­le abwei­chend von der uni­ons­recht­li­chen Ter­mi­no­lo­gie wei­ter zu ver­ste­hen. Ohne mit Uni­ons­recht zu kon­f­li­gie­ren, könn­te „ver­bind­li­che Mit­tei­lung“ im Sin­ne des Art. 3 der 16. AtG-Novel­le theo­re­tisch auch eine uni­ons­recht­lich nicht ver­bind­li­che Mit­tei­lung sein. Ein sol­ches Ver­ständ­nis des natio­na­len Rechts lie­ße die Auto­no­mie des Uni­ons­rechts unbe­rührt, weil dies eine Fra­ge der Aus­le­gung von Art. 3 der 16. AtG-Novel­le und damit eine Fra­ge auto­no­mer Aus­le­gung des natio­na­len Rechts ist. Im Ergeb­nis kommt die­se Aus­le­gung hier jedoch – letzt­lich vor allem aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Erwä­gun­gen – nicht in Betracht.

Der Wort­laut von Art. 3 der 16. AtG-Novel­le spricht dafür, das uni­ons­recht­li­che Ver­ständ­nis von Ver­bind­lich­keit zugrun­de zu legen. Zumal es um die Bin­dungs­wir­kung eines Uni­ons­rechts­akts geht, die sich in der Sache nur nach uni­ons­recht­li­chen Grund­sät­zen rich­ten kann, liegt es eher fern, hier ein auto­nom deut­sches Ver­ständ­nis des Tat­be­stands­merk­mals „ver­bind­lich“ her­an­zu­zie­hen, das den Begriff in sein Gegen­teil ver­kehr­te. Ande­res folgt auch nicht dar­aus, dass Art. 3 der 16. AtG-Novel­le nicht etwa von einem „ver­bind­li­chen Beschluss“, son­dern von einer ver­bind­li­chen „Mit­tei­lung“ spricht. Auch wenn die For­mu­lie­rung in Anleh­nung an die Ter­mi­no­lo­gie des Ver­hal­tens­ko­dex gewählt wäre, der vor­sieht, dass die Kom­mis­si­on bestrebt ist, dem Mit­glied­staat am Ende der Vor­anmel­dungs­pha­se ihre ers­te Ein­schät­zung infor­mell „mit­zu­tei­len“, hilft das nicht wei­ter. Der vom deut­schen Gesetz­ge­ber gewähl­ten Bezeich­nung als „ver­bind­li­che“ Mit­tei­lung im Ver­hal­tens­ko­dex steht die expli­zi­te Bezeich­nung als infor­mel­le Ein­schät­zung gegen­über, die die Kom­mis­si­on gera­de nicht bindet.

Auch ein sys­te­ma­ti­scher Ver­gleich mit Inkraft­tre­tens­re­ge­lun­gen ande­rer Bun­des­ge­set­ze spricht dafür, dass Art. 3 der 16. AtG-Novel­le nicht auf die infor­mel­le Hand­lungs­form des Ver­hal­tens­ko­dex ver­weist. In der Gesetz­ge­bungs­pra­xis wer­den ver­schie­de­ne Tech­ni­ken genutzt, um das Inkraft­tre­ten eines Geset­zes, das Bei­hil­fen­cha­rak­ter haben könn­te, mit den Maß­ga­ben des Bei­hil­fen­rechts der Uni­on abzustimmen.

Nicht unüb­lich sind Rege­lun­gen, die ein Inkraft­tre­ten an einem bestimm­ten Datum vor­be­halt­lich der Geneh­mi­gung der Kom­mis­si­on vor­se­hen (vgl. exem­pla­risch Art. 24 Abs. 3 des Geset­zes zur Anpas­sung von Ver­brauch­steu­er- und ande­ren Geset­zen an das Gemein­schafts­recht sowie zur Ände­rung ande­rer Geset­ze vom 21.12.1992, BGBl I S. 2150 <2210> Art.20 Abs. 2 des Geset­zes zur Ver­bes­se­rung der steu­er­recht­li­chen Bedin­gun­gen zur Siche­rung des Wirt­schafts­stand­orts Deutsch­land im Euro­päi­schen Bin­nen­markt vom 13.09.1993, BGBl I S. 1569 <1593> Art. 11 Abs. 2a Satz 1 des Geset­zes zur Anpas­sung der tech­ni­schen und steu­er­li­chen Bedin­gun­gen in der See­schif­fahrt an den inter­na­tio­na­len Stan­dard vom 09.09.1998, BGBl I S. 2860 <2867> Art. 11 Abs. 2 Satz 1 und 2 des Geset­zes zur Ände­rung des Inves­ti­ti­ons­zu­la­gen­ge­set­zes 1999 vom 20.12.2000, BGBl I S. 1850 <1855>).

Außer­dem fin­den sich Rege­lun­gen, die das Inkraft­tre­ten auf den Tag der Geneh­mi­gung durch die Kom­mis­si­on (vgl. § 33a Satz 1 Mine­ral­öl­steu­er­ge­setz und § 13 Abs. 1 Satz 1 Strom­steu­er­ge­setz in der Fas­sung von Art. 1 und 2 des Geset­zes zur Fort­füh­rung der öko­lo­gi­schen Steu­er­re­form vom 16.12.1999 [52], nach­ge­hend § 33a Mine­ral­öl­steu­er­ge­setz in der Fas­sung von Art. 1 Nr. 12 des Geset­zes zur Ände­rung des Mine­ral­öl­steu­er­ge­set­zes und ande­rer Geset­ze vom 23.07.2002 [53], § 10 Satz 1 Inves­ti­ti­ons­zu­la­gen­ge­setz 2005 vom 17.03.2004 [54]) oder auf eine ande­re bestimm­te Zeit nach der Geneh­mi­gung durch die Kom­mis­si­on (vgl. § 24 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 des Geset­zes über einen natio­na­len Zer­ti­fi­ka­te­han­del für Brenn­stoff­emis­sio­nen vom 12.12.2019 [55]) fest­le­gen. 

In ande­ren Geset­zen ist ein Inkraft­tre­ten an dem Tag vor­ge­se­hen, an dem die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on durch Beschluss fest­stellt, dass ein­zel­ne Rege­lun­gen ent­we­der kei­ne oder mit dem Bin­nen­markt ver­ein­ba­re Bei­hil­fen dar­stel­len (vgl. Art. 5 Abs. 2 des Geset­zes zum Erlass und zur Ände­rung markt­ord­nungs­recht­li­cher Vor­schrif­ten sowie zur Ände­rung des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes vom 20.12.2016 [56], Art. 6 Abs. 2 des Geset­zes gegen schäd­li­che Steu­er­prak­ti­ken im Zusam­men­hang mit Rech­te­über­las­sun­gen vom 27.06.2017 [57], Art. 39 Abs. 7 und Abs. 8 des Geset­zes zur wei­te­ren steu­er­li­chen För­de­rung der Elek­tro­mo­bi­li­tät und zur Ände­rung wei­te­rer steu­er­li­cher Vor­schrif­ten vom 12.12.2019 [58]).

Das Gesetz zur Neu­ord­nung der Ver­ant­wor­tung in der kern­tech­ni­schen Ent­sor­gung stellt wie hier als Bedin­gung sei­nes Inkraft­tre­tens alter­na­tiv zur Ertei­lung der bei­hil­fen­recht­li­chen Geneh­mi­gung auf die ver­bind­li­che Mit­tei­lung ab, dass eine Geneh­mi­gung nicht erfor­der­lich sei (vgl. Art. 10 des Geset­zes zur Neu­ord­nung der Ver­ant­wor­tung in der kern­tech­ni­schen Ent­sor­gung vom 27.01.2017 [59]). Dort ist aller­dings nach vor­an­ge­hen­den Vor­ab­kon­tak­ten mit der Kom­mis­si­on aus Grün­den der Rechts­si­cher­heit doch eine Noti­fi­zie­rung erfolgt, die zu einem Beschluss nach Art. 4 Abs. 3 Bei­hil­fen­ver­fah­rens­VO führ­te [60].

Der Ent­wurf eines Koh­le­aus­stiegs­ge­set­zes von Febru­ar 2020 ent­hielt einen bei­hil­fen­recht­li­chen Vor­be­halt, nach dem bestimm­te Vor­schrif­ten erst dann ange­wen­det wer­den dür­fen, wenn eine gege­be­nen­falls not­wen­di­ge bei­hil­fen­recht­li­che Geneh­mi­gung durch die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on vor­liegt oder wenn die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on mit­ge­teilt hat, dass die bei­hil­fe­recht­li­che Prü­fung auf ande­re Wei­se zum Abschluss gebracht wer­den kann (Art. 9 des Ent­wurfs eines Geset­zes zur Redu­zie­rung und zur Been­di­gung der Koh­le­ver­stro­mung und zur Ände­rung wei­te­rer Geset­ze [61]). Auf das hier strei­ti­ge Merk­mal der „Ver­bind­lich­keit“ der Mit­tei­lung wur­de dort bewusst ver­zich­tet [62]. Im Ergeb­nis dif­fe­ren­ziert der Gesetz­ge­ber also erkenn­bar zwi­schen ver­bind­li­cher und schlich­ter Mitteilung. 

Dass der Gesetz­ge­ber ver­schie­de­ne Tech­ni­ken ver­wen­det, das Inkraft­tre­ten von Geset­zen mit bei­hil­fen­recht­li­chen Maß­ga­ben abzu­stim­men, spricht dafür, ihn beim Wort zu neh­men, wenn er hier die Vari­an­ten einer „Geneh­mi­gung“ oder einer „ver­bind­li­chen Mit­tei­lung“ gewählt hat.

Vor allem aber ste­hen ver­fas­sungs­recht­li­che Grün­de einer wei­ten Aus­le­gung des Tat­be­stands­merk­mals der „ver­bind­li­chen Mit­tei­lung“ ent­ge­gen. Das blo­ße Schrei­ben der Gene­ral­di­rek­ti­on Wett­be­werb könn­te nur dann als ver­bind­li­che Mit­tei­lung im Sin­ne von Art. 3 der 16. AtG-Novel­le ange­se­hen wer­den, wenn dem Tat­be­stands­merk­mal der „ver­bind­li­chen Mit­tei­lung“ eine außer­or­dent­lich wei­te Bedeu­tung bei­gemes­sen wür­de. Es müss­te hier­für eine nach Uni­ons­recht aus­drück­lich „nicht bin­den­de“, „infor­mel­le“ Ein­schät­zung umfas­sen; und dies, obwohl es in der Sache um die Ver­bind­lich­keit einer Hand­lung gera­de der Euro­päi­schen Uni­on geht. Vom Wort­laut wäre dies nicht mehr gedeckt.

Mit den aus dem Rechts­staats­prin­zip fol­gen­den spe­zi­fi­schen Bestimmt­heits­an­for­de­run­gen an die Rege­lun­gen des Inkraft­tre­tens von Geset­zen wäre eine sol­che Aus­le­gung con­tra legem nicht ver­ein­bar. Aus Grün­den der Rechts­si­cher­heit ist es ohne­hin nur unter beson­ders gela­ger­ten Umstän­den zuläs­sig, das Inkraft­tre­ten an eine ande­re Bedin­gung als die in Art. 82 Abs. 2 Satz 1 GG genann­te Bezeich­nung des Tages zu knüp­fen. Dann muss die Bedin­gung aber so klar for­mu­liert sein, dass über deren Bedeu­tung kei­ne Unsi­cher­heit besteht, son­dern für alle Betei­lig­ten über den Zeit­punkt der Norm­ver­bind­lich­keit Klar­heit herrscht. Dass als „ver­bind­li­che Mit­tei­lung der Kom­mis­si­on“ im Sin­ne des Art. 3 der 16. AtG-Novel­le auch eine expli­zit unver­bind­li­che Mit­tei­lung der Gene­ral­di­rek­ti­on Wett­be­werb gel­ten soll, ist unvor­her­seh­bar und wäre daher nicht hin­rei­chend klar gere­gelt. Eine sol­che Aus­le­gung wäre auch nicht etwa des­halb vor­her­seh­bar, weil für alle erkenn­bar wäre, dass – wie die Bun­des­re­gie­rung in ihrer Stel­lung­nah­me andeu­tet – ein prak­ti­sches Bedürf­nis bestün­de, auch expli­zit unver­bind­li­che Mit­tei­lun­gen der Gene­ral­di­rek­ti­on für das Inkraft­tre­ten des Geset­zes genü­gen zu las­sen. Ein sol­ches Bedürf­nis besteht nicht. Es hät­te ande­re Wege gege­ben, die 16. AtG-Novel­le in Kraft tre­ten zu las­sen. Es hät­te ent­we­der eine ver­bind­li­che Ein­schät­zung der Kom­mis­si­on her­bei­ge­führt wer­den kön­nen; die dafür erfor­der­li­che Noti­fi­zie­rung ist aber unter­blie­ben. Oder der Gesetz­ge­ber hät­te das Inkraft­tre­ten – auch nach­träg­lich – so regeln kön­nen, dass eine ver­bind­li­che Mit­tei­lung der Kom­mis­si­on nicht erfor­der­lich ist.

Nach dem Schrei­ben der Kom­mis­si­on mach­te das Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­um im Bun­des­ge­setz­blatt bekannt, die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on habe ver­bind­lich mit­ge­teilt, dass eine bei­hil­fen­recht­li­che Geneh­mi­gung nicht erfor­der­lich sei und die 16. AtG-Novel­le damit mit Wir­kung vom 04.07.2018 in Kraft getre­ten sei [63]. Auch dies hat weder zum Ein­tritt der Bedin­gung noch auf sons­ti­ge Wei­se zum Inkraft­tre­ten des Geset­zes geführt. Es han­delt sich um eine ledig­lich dekla­ra­to­ri­sche – und aus den vor­ste­hen­den Grün­den hier in der Sache unzu­tref­fen­de – Fest­stel­lung des Bedin­gungs­ein­tritts [64]. Ohne tat­säch­lich erfolg­ten Bedin­gungs­ein­tritt ver­hilft sie dem Gesetz nicht zu sei­ner Wirksamkeit.

Anfor­de­run­gen an eine Ände­rung der 16. AtG-Novelle

Um den bereits durch das Urteil vom 06.12.2016 fest­ge­stell­ten Ver­stoß gegen Art. 14 Abs. 1 GG zu been­den, wird es nicht aus­rei­chen, die 16. AtG-Novel­le unver­än­dert in Kraft zu set­zen. In sei­nem Urteil vom 06.12.2016 hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt unter ande­rem die gesetz­li­che Fest­le­gung fes­ter Abschalt­ter­mi­ne durch die 13. AtG-Novel­le nach Maß­ga­be der Grün­de des Urteils für unver­ein­bar mit Art. 14 Abs. 1 GG erklärt, soweit das Gesetz nicht eine im Wesent­li­chen voll­stän­di­ge Ver­stro­mung der den Kern­kraft­wer­ken 2002 zuge­wie­se­nen Elek­tri­zi­täts­men­gen sicher­stellt und kei­nen ange­mes­se­nen Aus­gleich hier­für gewährt [65]. Die­ser Ver­stoß könn­te durch § 7f Abs. 1 AtG nicht beho­ben wer­den. Dies ergibt sich ohne voll­stän­di­ge Prü­fung des nicht in Kraft getre­te­nen Geset­zes bereits aus dem Urteil vom 06.12.2016. In ihm wur­de fest­ge­stellt, dass die 13. AtG-Novel­le in das Eigen­tums­grund­recht ein­greift, weil sie durch die Rege­lung fixer Abschalt­ter­mi­ne der Kern­kraft­wer­ke die Mög­lich­keit der Eigen­tums­nut­zung begrenzt [66]. Die­ser Ein­griff ist unter ande­rem des­halb unver­hält­nis­mä­ßig, weil abseh­bar war, dass eini­ge der betrof­fe­nen Unter­neh­men die ihnen 2002 zuge­wie­se­nen Rest­strom­men­gen nicht mehr im Wesent­li­chen voll­stän­dig wür­den ver­stromen kön­nen [67]. Die Bestim­mun­gen des durch die 16. AtG-Novel­le ein­ge­füg­ten § 7f Abs. 1 AtG wür­den nicht dafür sor­gen, dass der Eigen­tums­ein­griff nun­mehr die Gren­zen der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit wahrte.

Die in § 7f Abs. 1 Satz 3 AtG gere­gel­te Bemü­hens­ob­lie­gen­heit, ver­bun­den mit dem Risi­ko, den Anspruch auf Aus­gleich zu ver­lie­ren, ist nicht etwa not­wen­di­ger Teil einer Rege­lung, die ins­ge­samt den Eigen­tums­ver­stoß wegen Unver­wert­bar­keit bestimm­ter 2002 zuge­wie­se­ner Rest­strom­men­gen behe­ben könn­te, son­dern trägt ihrer­seits zur Unzu­mut­bar­keit des Eigen­tums­ein­griffs bei. Nach § 7f Abs. 1 Satz 3 AtG setzt der Anspruch auf ange­mes­se­nen Aus­gleich in Geld vor­aus, dass der Aus­gleichs­be­rech­tig­te nach­weist, dass er sich unver­züg­lich nach dem 4.07.2018 bis zum Ablauf des 31.12.2022 ernst­haft um eine Über­tra­gung der aus­gleichs­fä­hi­gen Elek­tri­zi­täts­men­gen auf Grund von § 7 Abs. 1b AtG zu ange­mes­se­nen Bedin­gun­gen bemüht hat. Die Art und Wei­se, in der § 7f Abs. 1 Satz 3 AtG den Aus­gleichs­an­spruch nach § 7f Abs. 1 Satz 1 AtG mit der Bemü­hens­ob­lie­gen­heit ver­kop­pelt, aus­gleichs­fä­hi­ge Elek­tri­zi­täts­men­gen zu ange­mes­se­nen Bedin­gun­gen zu über­tra­gen, ist unzu­mut­bar und bil­det daher kei­nen ange­mes­se­nen Aus­gleich im Sin­ne des Urteils des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, son­dern per­p­etu­iert inso­weit die im Urteil vom 06.12.2016 fest­ge­stell­te Unver­hält­nis­mä­ßig­keit des Eigentumseingriffs.

Zur Wah­rung der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit des Eigen­tums­ein­griffs zeigt das Urteil drei Rege­lungs­op­tio­nen auf [68], die wei­ter­hin grund­sätz­lich zur Behe­bung des Grund­rechts­ver­sto­ßes tau­gen: eine Lauf­zeit­ver­län­ge­rung, Rege­lun­gen zur Über­tra­gung von nicht mehr ver­strom­ba­ren Elek­tri­zi­täts­men­gen an Kon­zer­ne mit über­schie­ßen­den Ver­stro­mungs­ka­pa­zi­tä­ten und den staat­li­chen finan­zi­el­len Aus­gleich. Der Gesetz­ge­ber hat mit § 7f Abs. 1 Satz 3 AtG pri­mär eine Über­tra­gungs­re­ge­lung gewählt und als sub­si­diä­re Kom­pen­sa­ti­on einen Anspruch auf Aus­gleich in Geld gegen den Staat nach § 7f Abs. 1 Satz 1 AtG vor­ge­se­hen. Indes­sen geht bereits aus dem Urteil vom 06.12.2016 her­vor und trifft wei­ter­hin zu, dass eine Rege­lung zur kon­zern­über­schrei­ten­den Wei­ter­ga­be unter den kon­kre­ten Markt­be­din­gun­gen einer Über­tra­gung von Rest­strom­men­gen zur Besei­ti­gung des Grund­rechts­ver­sto­ßes nicht aus­reicht, wenn die Beschwer­de­füh­re­rin­nen dabei ein­fach den Bedin­gun­gen des Rest­strom­men­gen­markts über­las­sen blei­ben. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ist in dem Urteil auf der Grund­la­ge der ihm vor­lie­gen­den Zah­len davon aus­ge­gan­gen, dass es hier mit E.ON und EnBW für die Über­nah­me der kon­zern­in­tern nicht mehr ver­strom­ba­ren Rest­strom­men­gen nur zwei Nach­fra­ger gibt, von denen E.ON über zwei Drit­tel bis drei Vier­tel der Nach­fra­ge­macht in Form über­schie­ßen­der Ver­stro­mungs­ka­pa­zi­tät ver­fügt. Dabei haben die bei­den Nach­fra­ger nur begrenz­te, das Ange­bot an 2002 zuge­wie­se­nen Rest­strom­men­gen nicht voll­stän­dig abde­cken­de zusätz­li­che Ver­stro­mungs­ka­pa­zi­tä­ten, sodass sie Rest­strom­men­gen nur über­neh­men, wenn sich dies für sie wirt­schaft­lich lohnt. Bereits im Urteil wur­de fest­ge­stellt, dass „unter die­sen Bedin­gun­gen die Über­tra­gung von Rest­strom­men­gen aus Sicht der abge­ben­den Unter­neh­men kei­ne unein­ge­schränkt zumut­ba­re Ver­wer­tungs­op­ti­on“ ist [69]. Dass sich die Nach­fra­ge­macht des E.ON-Konzerns seit dem Urteil so ver­än­dert hät­te, dass es nun­mehr zumut­bar wäre, die Beschwer­de­füh­re­rin­nen ohne Wei­te­res auf die rechts­ge­schäft­li­che Ver­wer­tung durch Über­tra­gung von Rest­strom­men­gen an die­sen im Wesent­li­chen ein­zi­gen ver­blie­be­nen Nach­fra­ger zu ver­wei­sen, ist nicht plau­si­bel. Der Gesetz­ge­ber müss­te daher die Rah­men­be­din­gun­gen der Wei­ter­ga­be regeln. Eine Kom­pen­sa­ti­on der Ver­stro­mungs­de­fi­zi­te kann allen­falls dann über die Wei­ter­ga­be­op­ti­on erfol­gen, wenn die Wei­ter­ga­be­mög­lich­keit von nicht mehr ver­strom­ba­ren Elek­tri­zi­täts­men­gen an Kon­zer­ne mit über­schie­ßen­den Ver­stro­mungs­ka­pa­zi­tä­ten zu öko­no­misch zumut­ba­ren Bedin­gun­gen gesetz­lich sicher­ge­stellt ist [70].

Dem genügt § 7f Abs. 1 Satz 3 AtG nicht. Zwar ver­langt die Vor­schrift den Beschwer­de­füh­re­rin­nen nicht ab, Rest­strom­men­gen zu unzu­mut­ba­ren Bedin­gun­gen zu über­tra­gen und erschöpft sich nicht in einer schlich­ten Ver­wei­sung auf rechts­ge­schäft­li­che Über­tra­gungs­mög­lich­kei­ten. Kann eine Über­tra­gung tat­säch­lich nur zu unan­ge­mes­se­nen Bedin­gun­gen erfol­gen, müs­sen sich die Beschwer­de­füh­re­rin­nen dar­auf nicht ein­las­sen. Viel­mehr besteht dann der gesetz­li­che Anspruch auf Aus­gleich in Geld nach § 7f Abs. 1 Satz 1 AtG. Jedoch erlegt § 7f Abs. 1 Satz 3 AtG den Beschwer­de­füh­re­rin­nen das Risi­ko auf, dass – nach­dem eine rechts­ge­schäft­li­che Eini­gung über ange­mes­se­ne Über­tra­gungs­be­din­gun­gen nicht zustan­de gekom­men ist – ihre Ein­schät­zung der Ange­mes­sen­heit der in Rede ste­hen­den Über­tra­gungs­be­din­gun­gen von dem nach § 7g Abs. 2 AtG zustän­di­gen Bun­des­mi­nis­te­ri­um nicht geteilt und ein finan­zi­el­ler Aus­gleich daher ver­sagt wird. Da ein Aus­gleich erst bean­tragt wer­den kann, wenn die letz­ten Geneh­mi­gun­gen deut­scher Kern­kraft­wer­ke zum Leis­tungs­be­trieb erlo­schen sind (vgl. § 7 Abs. 1a, § 7f Abs. 1 Satz 1, § 7g Abs. 2 Satz 1 AtG), schei­det dann aber auch ein wei­te­rer Ver­such rechts­ge­schäft­li­cher Über­tra­gung aus und bleibt das Ver­stro­mungs­de­fi­zit unausgeglichen.

Von Ver­fas­sungs wegen ist zwar nichts dage­gen ein­zu­wen­den, dass eine staat­li­che Aus­gleichs­zah­lung unter­bleibt, wenn eine zumut­ba­re Ver­mark­tungs­mög­lich­keit aus­ge­schla­gen wur­de. Unzu­mut­bar ist hier jedoch, dass die Beschwer­de­füh­re­rin­nen im Hand­lungs­zeit­punkt nicht wis­sen kön­nen, auf wel­che Über­tra­gungs­be­din­gun­gen sie sich ein­las­sen müs­sen, und die Rege­lung ihnen damit auf­bür­det, ent­we­der poten­ti­ell unan­ge­mes­se­ne Kon­di­tio­nen zu akzep­tie­ren oder aber zu ris­kie­ren, kom­pen­sa­ti­ons­los aus­zu­ge­hen [71]. Die Beschwer­de­füh­re­rin­nen kön­nen nicht mit hin­rei­chen­der Gewiss­heit vor­her­se­hen, wel­che Bedin­gun­gen als ange­mes­sen im Sin­ne des § 7f Abs. 1 Satz 3 AtG gel­ten wer­den. Zwar ist die Ver­wen­dung unbe­stimm­ter Rechts­be­grif­fe grund­sätz­lich mit der Ver­fas­sung ver­ein­bar. Ins­be­son­de­re bestehen gegen das gebräuch­li­che Tat­be­stands­merk­mal der „Ange­mes­sen­heit“ kei­ne gene­rel­len ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken. Es ist Auf­ga­be der Rechts­pra­xis, sol­che Tat­be­stands­merk­ma­le zu kon­kre­ti­sie­ren. Wegen der beson­de­ren Zeit­ge­bun­den­heit der Bemü­hens­ob­lie­gen­heit ist das hier jedoch nicht recht­zei­tig mög­lich. Wer bei sei­nen Über­tra­gungs­be­mü­hun­gen nach § 7f Abs. 1 Satz 3 AtG Bedin­gun­gen zugrun­de legt, die spä­ter vom zustän­di­gen Bun­des­mi­nis­te­ri­um und gege­be­nen­falls von den Gerich­ten als unan­ge­mes­sen ange­se­hen wer­den, kann die­se nicht nach­träg­lich kor­ri­gie­ren und hat damit zugleich sei­nen Anspruch auf finan­zi­el­len Aus­gleich nach § 7f Abs. 1 Satz 1 AtG verloren.

Es exis­tiert kein Ver­fah­ren, in dem die Beschwer­de­füh­re­rin­nen hier recht­zei­tig Gewiss­heit über den kon­kre­ten Inhalt ihrer Bemü­hens­ob­lie­gen­heit erhal­ten könn­ten. Das zustän­di­ge Bun­des­mi­nis­te­ri­um ent­schei­det erst­mals nach Ablauf des Jah­res 2022, wenn es für eine Ver­hal­tens­kor­rek­tur auf Sei­ten der Beschwer­de­füh­re­rin­nen zu spät ist. Dass kei­ne Mög­lich­kei­ten bestehen, die Ange­mes­sen­heit eines Prei­ses schon vor 2022 klä­ren zu las­sen, war bereits im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren von den Sach­ver­stän­di­gen als bedenk­li­cher Man­gel ange­se­hen wor­den [72]. Auch die Gerich­te kön­nen erst zu einem Zeit­punkt ins Gesche­hen ein­grei­fen, in dem es aus Sicht der Beschwer­de­füh­re­rin­nen für eine Kon­kre­ti­sie­rung der Bemü­hens­ob­lie­gen­heit zu spät ist. Die Gerich­te kön­nen näm­lich erst­mals nach 2022 über die dann durch die Behör­den getrof­fe­ne Bewer­tung der Ange­mes­sen­heit der von den Beschwer­de­füh­re­rin­nen zugrun­de geleg­ten Bedin­gun­gen ent­schei­den. Auf die gericht­li­che Inter­pre­ta­ti­on kön­nen sich die Beschwer­de­füh­re­rin­nen dann nicht mehr ein­stel­len, weil kei­ne Kraft­wer­ke mehr lau­fen und kei­ne Rest­strom­men­gen mehr über­tra­gen wer­den kön­nen. Der ver­hal­tens­steu­ern­de Effekt der Bemü­hens­ob­lie­gen­heit hat sich dann aus Sicht der Beschwer­de­füh­re­rin­nen bereits erle­digt. Damit läuft die typi­scher­wei­se den Gerich­ten zufal­len­de Auf­ga­be, unbe­stimm­te Rechts­be­grif­fe ein­fach­recht­lich letzt­ver­bind­lich zu kon­kre­ti­sie­ren und so für Rechts­si­cher­heit zu sor­gen, aus Sicht der Beschwer­de­füh­re­rin­nen bereits aus zeit­li­chen Grün­den leer.

Weil die Beschwer­de­füh­re­rin­nen nicht hin­rei­chend zuver­läs­sig erken­nen kön­nen, auf wel­che Über­tra­gungs­ge­schäf­te sie sich ein­las­sen müs­sen, bei Ableh­nung aber zugleich den Ver­lust der sub­si­diä­ren Aus­gleichs­leis­tung ris­kie­ren, sind ihre Kom­pen­sa­ti­ons­aus­sich­ten letzt­lich ähn­lich unge­wiss, wie wenn der Gesetz­ge­ber sie von vorn­her­ein allein auf die Über­tra­gung ihrer Rest­strom­men­gen am Markt ver­wie­sen hät­te [73]. Dies ist aber wie gese­hen unzu­mut­bar und besei­tigt die Unver­hält­nis­mä­ßig­keit des Eigen­tums­ein­griffs nicht.

Auch die von den Beschwer­de­füh­re­rin­nen hin­sicht­lich der Rest­strom­men­gen der Kern­kraft­wer­ke Bruns­büt­tel und Krüm­mel beschrie­be­ne Gefahr dop­pel­ter Anspruchs­kür­zung ist wegen der Rege­lung des § 7f Abs. 1 Satz 1 und 2 AtG nicht von vorn­her­ein von der Hand zu wei­sen. Ob die dort vor­ge­se­he­ne quan­ti­ta­ti­ve Begren­zung des Aus­gleichs­an­spruchs auf zwei Drit­tel bezie­hungs­wei­se auf die Hälf­te zu einer ver­fas­sungs­wid­ri­gen Kür­zung des Aus­gleichs führt, hängt davon ab, wie die wei­te­ren Maß­ga­ben des § 7f Abs. 1 AtG auf Rest­strom­men­gen der Kraft­wer­ke Bruns­büt­tel und Krüm­mel ange­wen­det wer­den. Offen­bar haben die Beschwer­de­füh­re­rin­nen, die Bun­des­re­gie­rung und Preus­sen­Elek­tra grund­le­gend unter­schied­li­che Vor­stel­lun­gen, wie die Fra­gen gelöst wer­den sol­len, die hier aus den gemein­sa­men gesell­schafts­recht­li­chen Betei­li­gun­gen zwei­er Kon­zer­ne resul­tie­ren, von denen nach dem Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nur einer aus­gleichs­be­rech­tigt ist. Im Gesetz ist dies nicht näher bestimmt. Wie sich der Gesetz­ge­ber den Aus­gleich im Ein­zel­nen gedacht hat, lässt sich nicht fest­stel­len. Die betei­lig­ten Kon­zer­ne soll­ten dies wohl unter­ein­an­der klä­ren. So wur­de es im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren als Auf­ga­be der Anteils­eig­ner bezeich­net, sich „noch ergän­zend auf eine Rege­lung [zu] ver­stän­di­gen, wie die Über­tra­gung der Hälf­te der nicht mehr ver­strom­ba­ren Men­ge auf Kraft­wer­ke des E.ON-Konzerns einer­seits und die Ver­wer­tung der ande­ren, Vat­ten­fall zuste­hen­den Men­ge ande­rer­seits gere­gelt wer­den kann“ [74]

Tat­säch­lich könn­te es zu der von Vat­ten­fall bean­stan­de­ten dop­pel­ten Kür­zung etwa dann kom­men, wenn Vat­ten­fall – nach­dem alle mög­li­chen Über­tra­gun­gen der Rest­strom­men­gen von Bruns­büt­tel und Krüm­mel durch­ge­führt sind – die nach § 7f Abs. 1 Satz 1 AtG für ver­blei­ben­de Rest­strom­men­gen zu bean­spru­chen­de staat­li­che Aus­gleichs­leis­tung aus gesell­schafts­recht­li­chen Grün­den mit Preus­sen-Elek­tra tei­len muss, und wenn die­ser Anteil dann aber nach § 7f Abs. 1 Satz 2 AtG noch­mals um ein Drit­tel oder die Hälf­te gekürzt wird, ohne dass Vat­ten­fall zuvor in sol­chem Maße von der Über­tra­gung von Rest­strom­men­gen pro­fi­tie­ren konn­te, dass sie in der Sum­me das ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­ne Äqui­va­lent einer im Wesent­li­chen voll­stän­di­gen Ver­stro­mung der ihr rech­ne­risch für die Kraft­wer­ke Bruns­büt­tel und Krüm­mel im Jahr 2002 zuge­wie­se­nen Rest­strom­men­gen erhält [75]

Je nach kon­kre­ter Aus­ge­stal­tung könn­te dabei zusätz­lich sogar auch Preus­sen­Elek­tra benach­tei­ligt wer­den. Im Urteil vom 06.12.2016 hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt den E.ON-Konzern zwar nicht als kom­pen­sa­ti­ons­be­dürf­tig ange­se­hen, weil rech­ne­risch die Mög­lich­keit voll­stän­di­ger kon­zern­in­ter­ner Wei­ter­ga­be aller Rest­strom­men­gen bestand, deren prak­ti­sche Rea­li­sie­rung unter­stellt wur­de [76]. Dem Gesetz­ge­ber der 16. AtG-Novel­le schien aller­dings eine ande­re Abwick­lung vor Augen zu ste­hen, bei der auch Preus­sen­Elek­tra die ihr rech­ne­risch an Bruns­büt­tel und Krüm­mel zuste­hen­den Rest­strom­men­gen nicht voll­stän­dig kon­zern­in­tern wei­ter­ge­ben kann und sie des­halb eben­falls aus­gleichs­be­dürf­tig bleibt (vgl. § 7f Abs. 1 Satz 1 AtG). Sie könn­te dann durch die dop­pel­te Kür­zung nach § 7f Abs. 1 Satz 1 und 2 AtG genau­so belas­tet sein wie Vat­ten­fall; zum Vor­teil des Staats­haus­halts könn­ten ver­blei­ben­de Rest­strom­men­gen finan­zi­ell unaus­ge­gli­chen blei­ben. In der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs zu der Begren­zung in § 7f Abs. 1 Satz 2 AtG wird zur Ver­hält­nis­mä­ßig­keit aus­ge­führt, die Rege­lung berück­sich­ti­ge, dass für die Elek­tri­zi­täts­men­gen der Kern­kraft­wer­ke Bruns­büt­tel und Krüm­mel auf­grund des Urteils ledig­lich ein antei­li­ger Aus­gleich im Umfang der Betei­li­gung Vat­ten­falls an den Betrei­ber­ge­sell­schaf­ten erfor­der­lich sei. Die rech­ne­risch auf Preus­sen­Elek­tra ent­fal­len­den Men­gen sei­en nach der im Urteil zugrun­de geleg­ten Pro­gno­se hin­ge­gen voll­stän­dig durch Kern­kraft­wer­ke erzeug­bar, an denen Preus­sen­Elek­tra betei­ligt sei, und daher nicht aus­gleichs­pflich­tig [77]. Des­halb sei der Umfang der aus­gleichs­pflich­ti­gen Elek­tri­zi­täts­men­gen der Kern­kraft­wer­ke Bruns­büt­tel und Krüm­mel auf den Anteil begrenzt, der der Betei­li­gung Vat­ten­falls an den Kern­kraft­wer­ken ent­spre­che [78]. Inso­weit hat der Gesetz­ge­ber also wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt eine voll­stän­di­ge Ver­wer­tung der rech­ne­risch auf Preus­sen­Elek­tra ent­fal­len­den Men­gen zugrun­de gelegt. Dies wirft frei­lich die Fra­ge auf, war­um § 7f Abs. 1 Satz 1 AtG mit der Zuwei­sung des Aus­gleichs­an­spruchs zum Inha­ber der Betriebs­ge­neh­mi­gung – und damit zu den Beschwer­de­füh­re­rin­nen Krüm­mel und Bruns­büt­tel – eine Teil­ha­be der antei­lig betei­lig­ten Preus­sen­Elek­tra am sub­si­diä­ren Aus­gleich in Geld zulässt. Im hie­si­gen Ver­fah­ren hat die Bun­des­re­gie­rung nun aller­dings bekun­det, es las­se sich nicht sagen und sei auch irrele­vant, wie ein­zel­ne Rest­strom­men­gen zuzu­ord­nen sei­en. Dies wird wie­der­um von Preus­sen­Elek­tra bestrit­ten. Was nach § 7f Abs. 1 und 2 AtG am Ende tat­säch­lich gel­ten soll, lässt sich nicht ohne Wei­te­res feststellen. 

Wie die­se kom­ple­xe Sach- und Rechts­la­ge im Ein­zel­nen zu ver­ste­hen ist, kann hier aber offen­blei­ben. Denn selbst wenn die Vor­schrif­ten des § 7f Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 AtG ein Norm­ver­ständ­nis erlaub­ten, wonach ins­be­son­de­re die Pro­ble­me einer dop­pel­ten Kür­zung ver­mie­den wer­den, wäre dies jeden­falls nicht hin­rei­chend klar und ope­ra­tion­a­bel zum Aus­druck gebracht. Gera­de wegen des beson­de­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Hin­ter­grunds des Aus­gleichs durf­te die Kon­kre­ti­sie­rung des im Gesetz ledig­lich rudi­men­tär ange­leg­ten Aus­gleichs hier nicht den betei­lig­ten Kon­zer­nen über­las­sen wer­den, die gegen­läu­fi­ge Inter­es­sen ver­fol­gen und eine gericht­li­che Klä­rung, wel­che Rest­strom­men­gen zu wel­chem Preis über­tra­gen wer­den, nicht recht­zei­tig vor Abschal­tung des letz­ten Kern­kraft­werks her­bei­füh­ren kön­nen. Die Rege­lung wäre daher jeden­falls wegen unzu­rei­chen­der Bestimmt­heit verfassungswidrig.

Ent­spre­chen­des gilt für die von den Beschwer­de­füh­re­rin­nen gel­tend gemach­te Ver­tie­fung ihrer bereits von der 13. AtG-Novel­le her­rüh­ren­den Grund­rechts­ver­let­zung durch die Betei­li­gung von Preus­sen­Elek­tra am Aus­gleichs­an­spruch nach § 7f Abs. 1 Satz 1 AtG. Tat­säch­lich hät­te der E.ON-Konzern nach den dem Atom­ur­teil zugrun­de lie­gen­den Über­le­gun­gen kei­nen Aus­gleich erhal­ten dür­fen, weil rech­ne­risch eine kon­zern­in­ter­ne Ver­wer­tung aller ihm 2002 zuge­teil­ten Rest­strom­men­gen mög­lich ist. Soll­te eine kon­zern­in­ter­ne Ver­wer­tung tat­säch­lich erfol­gen und wür­de für die – dann aus dem rech­ne­ri­schen Kon­tin­gent Vat­ten­falls stam­men­den – übrig blei­ben­den Rest­strom­men­gen über § 7f Abs. 1 Satz 1 AtG den­noch mit­tel­bar auch der dem E.ON-Konzern ange­hö­ren­den Preus­sen­Elek­tra ein Aus­gleich in Geld gewährt, wür­de dies die bereits im Urteil vom 06.12.2016 fest­ge­stell­te unglei­che Eigen­tums­be­ein­träch­ti­gung [79] ver­fas­sungs­wid­rig ver­tie­fen [80]. Wie­der­um mögen Deu­tun­gen der Vor­schrift denk­bar sein, die dies ver­mei­den. Auch inso­weit ist dies aber nicht klar genug im Gesetz geregelt. 

Grund­rechts­ver­let­zung auf­grund man­gel­haf­ter Tätig­keit des Gesetzgebers

Im Ergeb­nis sind die Beschwer­de­füh­re­rin­nen in ihrem Grund­recht aus Art. 14 Abs. 1 GG ver­letzt, weil der Gesetz­ge­ber auch für den Zeit­raum nach dem 30.06.2018 kei­ne Neu­re­ge­lung geschaf­fen hat, durch die eine im Wesent­li­chen voll­stän­di­ge Ver­stro­mung der den Kern­kraft­wer­ken in Anla­ge 3 Spal­te 2 zum Atom­ge­setz zuge­wie­se­nen Elek­tri­zi­täts­men­gen sicher­ge­stellt oder ein ange­mes­se­ner Aus­gleich gere­gelt wird [81]. Ins­be­son­de­re die 16. AtG-Novel­le ist nicht in Kraft getreten. 

Nicht in Kraft getre­ten sind nicht nur die von den Beschwer­de­füh­re­rin­nen ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen zum Aus­gleich des Ver­strom­bar­keits­de­fi­zits, son­dern die gesam­te 16. AtG-Novel­le, ins­be­son­de­re auch der Aus­gleich für frus­trier­te Inves­ti­tio­nen in § 7e AtG, der nicht Gegen­stand die­ses Ver­fah­rens ist. Damit hält auch der wei­te­re im Urteil vom 06.12.2016 fest­ge­stell­te Ver­stoß gegen Art. 14 Abs. 1 GG an, der dar­aus resul­tiert, dass die 13. AtG-Novel­le kei­ne Rege­lung zum Aus­gleich für Inves­ti­tio­nen vor­sieht, die im berech­tig­ten Ver­trau­en auf die im Jahr 2010 zusätz­lich gewähr­ten Zusatz­strom­men­gen vor­ge­nom­men, durch die Novel­le aber ent­wer­tet wur­den [82].

Der Gesetz­ge­ber ist daher wei­ter­hin zur als­bal­di­gen Neu­re­ge­lung ver­pflich­tet, um die bereits im Urteil vom 06.12.2016 fest­ge­stell­ten Grund­rechts­ver­stö­ße zu beseitigen.

Im Übri­gen ist die Ver­fas­sungs­be­schwer­de zurück­zu­wei­sen. Zwar bestehen gegen § 7f Abs. 1 AtG auch inhalt­lich ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken. Da die Rege­lun­gen der 16. AtG-Novel­le nicht in Kraft getre­ten sind, kön­nen die Beschwer­de­füh­re­rin­nen hier­durch jedoch nicht in ihren Grund­rech­ten ver­letzt sein.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 29. Sep­tem­ber 2020 – 1 BvR 1550/​19

Der Atom-Ausstieg - und die Entschädigung der Kernkraftwerksbetreiber
  1. BVerfGE 143, 246[][][][]
  2. BGBl. I Sei­te 1122[]
  3. vgl. BVerfGE 143, 246, 248, Num­mer 1 der Ent­schei­dungs­for­mel[]
  4. BGBl I S. 1122[][]
  5. BGBl 2011 I S. 1704[]
  6. sie­he BVerfGE 143, 246 <253–269 Rn. 1–36>[]
  7. BGBl I S. 1351; im Fol­gen­den: Aus­stiegs­ge­setz 2002[]
  8. BGBl I S. 1814[]
  9. BVerfGE 143, 246, 248[]
  10. vgl. ins­be­son­de­re BVerfGE 143, 246 <357 Rn. 310>[]
  11. BT-Drs.19/2508[]
  12. BT-Drs.19/2631[]
  13. BT-PlPr 19/​37, S. 3620C ff.[]
  14. vgl. dazu aus der Anhö­rung Möl­lers, in: Aus­schuss für Umwelt, Natur­schutz und nuklea­re Sicher­heit, Pro­to­koll Nr.19/12, S. 5 f.; Däu­per, a.a.O., S. 7; Lud­wigs, a.a.O., S. 8 f.; Her­mes, a.a.O., S. 10; aus den schrift­li­chen Stel­lung­nah­men: Möllers/​Tischbirek, Aus­schuss­druck­sa­che 19(16)63‑C, S. 5 ff.; Däu­per, Aus­schuss­druck­sa­che 19(16)63‑G, S. 4 ff.; Lud­wigs, Aus­schuss­druck­sa­che 19(16)63‑A, S. 5 f.; Her­mes, Aus­schuss­druck­sa­che 19(16)63‑D, S. 4 f.[]
  15. BVerfG, Beschluss­emp­feh­lung und Bericht vom 27.06.2018, BT-Drs.19/3029, S. 3[]
  16. BT-PlPr 19/​42, S. 4282A ff.[]
  17. BVerfG, Urteil vom 06.12.2016 – 1 BvR 1456/​12[]
  18. BGBl 2018 I S. 1124[]
  19. ABl. C 25 vom 21.01.2019, S. 51[]
  20. ABl. L 248 vom 24.09.2015, S. 9; im Fol­gen­den: Bei­hil­fen­ver­fah­rens­VO[]
  21. vgl. EuG, Beschluss vom 11.07.2019, Vat­ten­fall Euro­pe Nuclear Ener­gy /​Kommission, T‑674/​18, EU:T:2019:501, Rn. 35 ff.[]
  22. BVerfG, Beschluss vom 09.04.2018 – 1 BvR 1621/​12, Rn. 4[]
  23. vgl. BVerfGE 42, 263 <281> s. auch BVerfGE 131, 47 <52 f.>[]
  24. vgl. dazu bereits BVerfGE 143, 246 <312 ff. Rn. 184 ff.>[]
  25. BVerfGE 143, 246 <248, Nr. 1 der Ent­schei­dungs­for­mel>[]
  26. BVerfGE 143, 246 <248, Nr. 4 der Ent­schei­dungs­for­mel>[][]
  27. vgl. dazu BVerfGE 143, 246 <366 ff. Rn. 330 ff.>[][]
  28. vgl. BVerfGE 143, 246 <360 Rn. 318>[]
  29. vgl. BVerfGE 143, 246 <390 Rn. 387>[]
  30. vgl. dazu BVerfGE 143, 246 <373 ff. Rn. 347 ff.>[]
  31. vgl. BVerfGE 143, 246 <360 Rn. 316>[]
  32. vgl. dazu BVerfGE 143, 246 <358 Rn. 312>[]
  33. vgl. dazu BVerfGE 143, 246 <368 ff. Rn. 334 ff.>[]
  34. vgl. BVerfGE 63, 77 <78> 134, 106 <115> 150, 309 <326 Rn. 42 f.> stRspr[]
  35. vgl. BVerfGE 150, 309 <326 f. Rn. 44>[]
  36. vgl. BVerfGE 134, 106 <115 Rn. 28> 150, 326 <327 Rn. 45> stRspr[]
  37. vgl. BVerfGE 42, 263 <283 f.> Bren­ner, in: von Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 2, 7. Aufl.2018, Art. 82 Rn. 47; Kment, in: Jarass/​Pieroth, GG, 16. Aufl.2020, Art. 82 Rn. 10; stren­ger Bau­er, in: Drei­er, GG, Bd. 2, 3. Aufl.2015, Art. 82 Rn. 27; But­zer, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 82 Rn. 284 (Dez.2014); Nierhaus/​Mann, in: Sachs, GG, 8. Aufl.2018, Art. 82 Rn. 41; Wolff, in: Hömig/​Wolff, GG, 12. Aufl.2018, Art. 82 Rn. 13; wohl auch Bry­de, in: von Münch/​Kunig, GG, 6. Aufl.2012, Art. 82 Rn. 18[]
  38. vgl. BVerfGE 42, 263 <284>[]
  39. vgl. BVerfGE 42, 263 <285>[]
  40. vgl. EuGH, Urteil vom 27.09.1988, Aste­ris u. a. /​Griechische Repu­blik u. a., 106 bis 120/​87, EU:C:1988:547, Rn. 24[]
  41. vgl. BVerfGE 143, 246 <361 Rn. 320> näher unten Rn. 77 ff., 81[]
  42. vgl. dazu Lud­wigs, NVwZ 2019, S. 1501 <1503>[]
  43. vgl. But­zer, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 82 Rn. 283 m.w.N.; von Lewin­ski, in: Bon­ner Kom­men­tar, GG, Bd. 16, Art. 82 Rn. 285[]
  44. vgl. BVerfGE 42, 263 <288 f.>[]
  45. ABl. C 136 vom 16.06.2009, S. 13[]
  46. ABl. C 253 vom 19.07.2018, S. 14[]
  47. vgl. Ver­hal­tens­ko­dex 2009, S. 13 <14 Rn. 10>[]
  48. Ver­hal­tens­ko­dex 2009, S. 13 <15 Rn. 16>[][]
  49. vgl. auch Lud­wigs, NVwZ 2019, S. 1501 <1502>[]
  50. vgl. EuG, Beschluss vom 11.07.2019, Vat­ten­fall Euro­pe Nuclear Ener­gy /​Kommission, T‑674/​18, EU:T:2019:501, Rn. 39[]
  51. EuG, a.a.O., Rn. 42 m.w.N.[]
  52. BGBl I S. 2432 <2436, 2440>[]
  53. BGBl I S. 2778 <2779>[]
  54. BGBl I S. 438 <440>[]
  55. BGBl I S. 2728 <2735>[]
  56. BGBl I S. 3045 <3047>[]
  57. BGBl I S.2074 <2079>[]
  58. BGBl I S. 2451 <2490 f.>[]
  59. BGBl I S. 114 <128>[]
  60. vgl. Euro­päi­sche Kom­mis­si­on, Beschluss vom 16.06.2017, C [2017] 4249 final, Rn. 1[]
  61. BT-Drs.19/17342, S. 79; s. dann aber BT-Drs.19/20714, S. 182, 210[]
  62. vgl. BT-Drs.19/17342, S. 88, 172[]
  63. vgl. BGBl I S. 1124[]
  64. vgl. BVerfGE 18, 389 <391> 42, 263 <289>[]
  65. vgl. BVerfGE 143, 246 <248, Nr. 1 der Ent­schei­dungs­for­mel>[]
  66. BVerfGE 143, 246 <326 Rn. 222 f.; 327 f. Rn. 228 ff.>[]
  67. vgl. BVerfGE 143, 246 <357 ff. Rn. 310 ff.>[]
  68. BVerfGE 143, 246 <395 Rn. 404 f.>[]
  69. vgl. BVerfGE 143, 246 <361 Rn. 320>[]
  70. vgl. BVerfGE 143, 126 <395 Rn. 404>[]
  71. inso­weit kri­tisch Däu­per, in: Aus­schuss für Umwelt, Natur­schutz und nuklea­re Sicher­heit, Pro­to­koll Nr.19/12, S. 7; ders., schrift­li­che Stel­lung­nah­me, Aus­schuss­druck­sa­che 19(16)63‑G, S. 5 f.; Lud­wigs, in: Aus­schuss für Umwelt, Natur­schutz und nuklea­re Sicher­heit, Pro­to­koll Nr.19/12, S. 8; ders., schrift­li­che Stel­lung­nah­me, Aus­schuss­druck­sa­che 19(16)63‑A, S. 5 f.; ders., NVwZ 2018, S. 1268 <1271> Her­mes, in: Aus­schuss für Umwelt, Natur­schutz und nuklea­re Sicher­heit, Pro­to­koll Nr.19/12, S. 10; ders., schrift­li­che Stel­lung­nah­me, Aus­schuss­druck­sa­che 19(16)63‑D, S. 4 f.; Frenz/​Leidinger, in: Frenz, Atom­recht, 2019, § 7f AtG Rn. 1; in der Sache eben­so kri­tisch Bur­gi, NVwZ 2019, S. 585 <588 f.>, der die Ver­fas­sungs­kon­for­mi­tät ledig­lich durch weit­rei­chen­de Umdeu­tung der Rege­lung gewahrt sieht[]
  72. vgl. Däu­per, schrift­li­che Stel­lung­nah­me, Aus­schuss­druck­sa­che 19(16)63‑G, S. 6; Lud­wigs, schrift­li­che Stel­lung­nah­me, Aus­schuss­druck­sa­che 19(16)63‑A, S. 5 f.; Her­mes, Aus­schuss für Umwelt, Natur­schutz und nuklea­re Sicher­heit, Pro­to­koll Nr.19/12, S. 10; ders., schrift­li­che Stel­lung­nah­me, Aus­schuss­druck­sa­che 19(16)63‑D, S. 4 f.[]
  73. vgl. Frenz/​Leidinger, in: Frenz, Atom­recht, 2019, § 7f AtG Rn. 1[]
  74. vgl. BT-Drs.19/3029, S. 11[]
  75. vgl. BVerfGE 143, 246 <248, Nr. 1 der Ent­schei­dungs­for­mel>, wobei der Aus­gleich nicht zwin­gend dem vol­len Wert­er­satz ent­spre­chen muss, BVerfGE 143, 246 <395 Rn. 404>[]
  76. vgl. BVerfGE 143, 246 <374 Rn. 350>[]
  77. vgl. BT-Drs.19/2508, S. 10, 16 f.[]
  78. vgl. BT-Drs.19/2508, S. 16 f.[]
  79. vgl. BVerfGE 143, 246 <388 ff. Rn. 386 ff.>[]
  80. vgl. Möl­lers, in: Aus­schuss für Umwelt, Natur­schutz und nuklea­re Sicher­heit, Pro­to­koll Nr.19/12, S. 5 f.; Möllers/​Tischbirek, schrift­li­che Stel­lung­nah­me, Aus­schuss­druck­sa­che 19(16)63‑C, S. 5 ff.; Lud­wigs, schrift­li­che Stel­lung­nah­me, Aus­schuss­druck­sa­che 19(16)63‑A, S. 6; ders., NVwZ 2018, S. 1268 <1271 f.>[]
  81. vgl. bereits BVerfGE 143, 246 <248, Nr. 1 der Ent­schei­dungs­for­mel>[]
  82. vgl. BVerfGE 143, 246 <248, Nr. 2 der Ent­schei­dungs­for­mel>[]

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