Der Atom­aus­stieg kann kom­men – und wird teu­er

Die Rege­lun­gen des Drei­zehn­ten Geset­zes zur Ände­rung des Atom­ge­set­zes vom 31.07.2011 erwei­sen sich weit­ge­hend als eine zumut­ba­re und auch die Anfor­de­run­gen des Ver­trau­ens­schut­zes und des Gleich­be­hand­lungs­ge­bots wah­ren­de Bestim­mung von Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums. Die 13. AtG-Novel­le ver­letzt nach dem Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts die Eigen­tums­ga­ran­tie (Art. 14 GG) jedoch inso­weit, als die Ein­füh­rung fes­ter Abschalt­ter­mi­ne für die in Deutsch­land betrie­be­nen Kern­kraft­wer­ke (§ 7 Abs. 1a Satz 1 Atom­ge­setz in der Fas­sung der 13. AtG-Novel­le), einen kon­zern­in­ter­nen Ver­brauch der im Jahr 2002 jedem Kern­kraft­werk gesetz­lich zuge­wie­se­nen Strom­erzeu­gungs­kon­tin­gen­te bis zu den fest­ge­setz­ten Abschalt­da­ten nicht sicher­stellt.

Der Atom­aus­stieg kann kom­men – und wird teu­er

Hier­durch wer­den die durch die Eigen­tums­ga­ran­tie geschütz­ten Nut­zungs­mög­lich­kei­ten der Anla­gen unzu­mut­bar, teil­wei­se auch gleich­heits­wid­rig beschränkt. Dem­ge­gen­über steht die Strei­chung der mit dem Elf­ten Gesetz zur Ände­rung des Atom­ge­set­zes vom 08.12 2010 ("11. AtG-Novel­le") den ein­zel­nen Kern­kraft­wer­ken zusätz­lich gewähr­ten Strom­erzeu­gungs­kon­tin­gen­te in Ein­klang mit dem Grund­ge­setz. Mit Art. 14 GG unver­ein­bar ist fer­ner, dass die 13. AtG-Novel­le kei­ne Rege­lung zum Aus­gleich für Inves­ti­tio­nen vor­sieht, die im berech­tig­ten Ver­trau­en auf die im Jahr 2010 zusätz­lich gewähr­ten Strom­erzeu­gungs­kon­tin­gen­te vor­ge­nom­men, durch deren Strei­chung mit der 13. AtG-Novel­le aber ent­wer­tet wur­den. § 7 Abs. 1a Satz 1 Atom­ge­setz ist zunächst wei­ter anwend­bar; der Gesetz­ge­ber muss bis 30.06.2018 eine Neu­re­ge­lung tref­fen.

  1. Das Drei­zehn­te Gesetz zur Ände­rung des Atom­ge­set­zes mit dem Ziel der Beschleu­ni­gung des Atom­aus­stiegs steht weit­ge­hend im Ein­klang mit dem Grund­ge­setz.
  2. Eine erwerbs­wirt­schaft­lich täti­ge inlän­di­sche juris­ti­sche Per­son des Pri­vat­rechts, die voll­stän­dig von einem Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on getra­gen wird (hier: die schwe­di­sche Vat­ten­fall), kann sich wegen der Euro­pa­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes in Aus­nah­me­fäl­len auf die Eigen­tums­frei­heit beru­fen und Ver­fas­sungs­be­schwer­de erhe­ben.
  3. Die den Kern­kraft­wer­ken 2002 und 2010 durch Gesetz zuge­wie­se­nen Elek­tri­zi­täts­men­gen bil­den kei­nen selb­stän­di­gen Gegen­stand des Eigen­tums­schut­zes, haben aber als maß­geb­li­che Nut­zungs­grö­ßen teil am Eigen­tums­schutz der Anla­gen. An öffent­lich-recht­li­chen Geneh­mi­gun­gen besteht grund­sätz­lich kein Eigen­tum.
  4. Eine Ent­eig­nung nach Art. 14 Abs. 3 GG setzt den Ent­zug des Eigen­tums durch Ände­rung der Eigen­tums­zu­ord­nung und stets auch eine Güter­be­schaf­fung vor­aus. Die Rege­lun­gen zur Beschleu­ni­gung des Atom­aus­stiegs durch das Drei­zehn­te Gesetz zur Ände­rung des Atom­ge­set­zes vom 31.07.2011 begrün­den danach kei­ne Ent­eig­nung.
  5. Füh­ren Ein­schrän­kun­gen der Nut­zungs- und Ver­fü­gungs­be­fug­nis am Eigen­tum als Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mun­gen im Sin­ne von Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG zu einem Ent­zug kon­kre­ter Eigen­tums­po­si­tio­nen, ohne der Güter­be­schaf­fung zu die­nen, sind gestei­ger­te Anfor­de­run­gen an deren Ver­hält­nis­mä­ßig­keit zu stel­len. Sie wer­fen stets die Fra­ge nach Aus­gleichs­re­ge­lun­gen auf.
  6. Die ent­schä­di­gungs­lo­se Rück­nah­me der Ende 2010 durch Gesetz erfolg­ten Ver­län­ge­rung der Lauf­zeit der Kern­kraft­wer­ke um durch­schnitt­lich 12 Jah­re durch das ange­grif­fe­ne Drei­zehn­te Gesetz zur Ände­rung des Atom­ge­set­zes ist ange­sichts des mehr­fach ein­ge­schränk­ten Ver­trau­ens in den Erhalt der Zusatz­strom­men­gen ver­fas­sungs­ge­mäß. Der Gesetz­ge­ber durf­te auch ohne neue Gefähr­dungs­er­kennt­nis­se den Reak­tor­un­fall in Fuku­shi­ma als Anlass neh­men, zum Schut­ze der Gesund­heit der Bevöl­ke­rung und der Umwelt den Aus­stieg aus der Kern­ener­gie zu beschleu­ni­gen.
  7. Das Drei­zehn­te Gesetz zur Ände­rung des Atom­ge­set­zes ent­hält ange­sichts der gesetz­lich fest­ge­leg­ten Rest­lauf­zei­ten der Anla­gen und wegen des in die­sem Fall beson­ders ver­bürg­ten Ver­trau­ens­schut­zes eine unzu­mut­ba­re Bestim­mung von Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums, soweit es dazu führt, dass zwei der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen sub­stan­ti­el­le Tei­le ihrer Rest­strom­men­gen von 2002 nicht kon­zern­in­tern nut­zen kön­nen.
  8. Art. 14 Abs. 1 GG schützt unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen berech­tig­tes Ver­trau­en in den Bestand der Rechts­la­ge als Grund­la­ge von Inves­ti­tio­nen in das Eigen­tum und sei­ne Nutz­bar­keit.

Ent­wick­lung der fried­li­chen Nut­zung der Kern­ener­gie in Deutsch­land[↑]

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den rich­ten sich gegen das Drei­zehn­te Gesetz zur Ände­rung des Atom­ge­set­zes vom 31.07.2011 1 (im Fol­gen­den: 13. AtG-Novel­le), mit dem die Beschleu­ni­gung des Aus­stiegs aus der fried­li­chen Nut­zung der Kern­ener­gie beschlos­sen wur­de. Mit der 13. AtG-Novel­le hat der Gesetz­ge­ber die im Jahr 2002 getrof­fe­ne Grund­ent­schei­dung für den soge­nann­ten Atom­aus­stieg ver­schärft, indem er erst­mals fes­te End­ter­mi­ne für den Betrieb der Kern­kraft­wer­ke gesetz­lich ver­an­kert und zugleich die im Herbst 2010 vor­ge­nom­me­ne Lauf­zeit­ver­län­ge­rung der Kern­kraft­wer­ke rück­gän­gig gemacht hat. Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen sind die Kern­kraft­ge­sell­schaf­ten von drei der vier gro­ßen in Deutsch­land täti­gen Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men sowie eine Kern­kraft­werks­be­triebs­ge­sell­schaft.

Die fried­li­che Nut­zung der Kern­ener­gie in Deutsch­land fand ihren Aus­gangs­punkt in den 1950er Jah­ren mit der Eröff­nung eines ers­ten For­schungs­re­ak­tors. Die kom­mer­zi­el­le ener­ge­ti­sche Nut­zung nah­men Kern­kraft­wer­ke erst­mals in den 1970er Jah­ren auf. Ins­be­son­de­re infol­ge der deut­li­chen Erhö­hung der Kraft­werks­leis­tung ab 1976 belief sich der Anteil der Kern­ener­gie an der Strom­erzeu­gung in der Bun­des­re­pu­blik Ende der 1990er Jah­re auf 30 bis 35 %. Die letz­ten Kern­kraft­wer­ke wur­den 1988 (Kern­kraft­werk Ems­land) und 1989 (Kern­kraft­werk Neckar­west­heim 2) in Betrieb genom­men.

Das Gesetz über die fried­li­che Ver­wen­dung der Kern­ener­gie und den Schutz gegen ihre Gefah­ren vom 23.12 1959 2 (im Fol­gen­den: AtG 1959) ver­folg­te nach sei­nem § 1 ursprüng­lich vor allem das Ziel, die Erfor­schung, Ent­wick­lung und Nut­zung der Kern­ener­gie zu fried­li­chen Zwe­cken zu för­dern sowie Leben, Gesund­heit und Sach­gü­ter vor den mit ihr ver­bun­de­nen Gefah­ren zu schüt­zen. § 7 AtG 1959 mach­te den Betrieb von Kern­kraft­wer­ken von der Ertei­lung einer unbe­fris­tet zu ertei­len­den Betriebs­ge­neh­mi­gung abhän­gig. Vor­aus­set­zung für deren Ertei­lung war unter ande­rem die Zuver­läs­sig­keit und Fach­kun­de der antrag­stel­len­den Per­son, die Ein­hal­tung tech­ni­scher, haf­tungs­recht­li­cher und sicher­heits­re­le­van­ter Stan­dards und die Eig­nung des Stand­orts. § 17 Abs. 1 AtG 1959 sah die Mög­lich­keit vor, atom­recht­li­che Geneh­mi­gun­gen zur Errei­chung der in § 1 bezeich­ne­ten Zwe­cke inhalt­lich zu beschrän­ken, mit – gege­be­nen­falls auch nach­träg­li­chen – Auf­la­gen zu ver­se­hen und zu befris­ten. Nach § 17 Abs. 2 bis 4 AtG 1959 bestand die Mög­lich­keit, eine erteil­te Geneh­mi­gung bei Vor­lie­gen bestimm­ter Vor­aus­set­zun­gen zu wider­ru­fen. § 18 AtG 1959 bestimm­te für den Fall des Wider­rufs einer Geneh­mi­gung oder einer nach­träg­li­chen Auf­la­ge eine grund­sätz­li­che Ent­schä­di­gungs­pflicht in Geld. Die­se Grund­kon­zep­ti­on des Atom­ge­set­zes blieb durch die Neu­fas­sun­gen des Atom­ge­set­zes in den Jah­ren 1976 und 1985 unver­än­dert.

Nach den Bun­des­tags­wah­len 1998 erklär­te die neu gewähl­te Bun­des­re­gie­rung den Aus­stieg aus der fried­li­chen Nut­zung der Kern­ener­gie zu einem Schwer­punkt ihres Regie­rungs­pro­gramms. Danach nahm sie Ver­hand­lun­gen mit den Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men als Betrei­ber der Kern­kraft­wer­ke auf, um eine ein­ver­nehm­li­che Lösung der Aus­stiegs­fra­ge zu errei­chen, auch um Rechts­strei­tig­kei­ten zur Durch­set­zung von Ent­schä­di­gungs­an­sprü­chen zu ver­mei­den.

Am 11.06.2001 wur­de die "Ver­ein­ba­rung zwi­schen der Bun­des­re­gie­rung und den Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men vom 14.06.2000" (im Fol­gen­den: "Atom­kon­sens­ver­ein­ba­rung") unter­zeich­net, in der sich die Betei­lig­ten dar­auf ver­stän­dig­ten, die künf­ti­ge Nut­zung der vor­han­de­nen Kern­kraft­wer­ke zu befris­ten. Gleich­zei­tig soll­te unter Bei­be­hal­tung eines hohen Sicher­heits­ni­veaus und unter Ein­hal­tung der atom­recht­li­chen Anfor­de­run­gen für die ver­blei­ben­de Nut­zungs­dau­er der unge­stör­te Betrieb der Kern­kraft­wer­ke wie auch deren Ent­sor­gung gewähr­leis­tet wer­den. Die Ver­ein­ba­rung sah kei­ne datums­mä­ßig bestimm­ten Ter­mi­ne für die Been­di­gung des Leis­tungs­be­triebs der Kern­kraft­wer­ke vor. Viel­mehr leg­ten die Ver­hand­lungs­part­ner für jede ein­zel­ne Anla­ge eine Strom­men­ge fest, die die­se ab dem 1.01.2000 maxi­mal pro­du­zie­ren dür­fe ("Rest­strom­men­ge"). Die jewei­li­ge Rest­strom­men­ge berech­ne­te sich als Pro­dukt aus der bei einer Regel­lauf­zeit von 32 Jah­ren ver­blei­ben­den Rest­lauf­zeit der jewei­li­gen Anla­ge und der um einen Zuschlag von 5, 5 % erhöh­ten Refe­renz­men­ge. Die­se ergab sich aus dem Durch­schnitt der fünf höchs­ten Jah­res­pro­duk­ti­ons­men­gen zwi­schen 1990 und 1999 ("Jah­res­re­fe­renz­men­ge"). Dabei gin­gen die Ver­hand­lungs­part­ner davon aus, dass sich in 32 Jah­ren ein Kern­kraft­werk regel­mä­ßig amor­ti­siert haben wer­de. Dar­über hin­aus soll­te in die­sem Zeit­raum ein ange­mes­se­ner Gewinn erzielt wer­den kön­nen 3. Zudem sah die Ver­ein­ba­rung die Mög­lich­keit der Über­tra­gung der Pro­duk­ti­ons­rech­te von Strom­men­gen von älte­ren auf neue­re und von klei­ne­ren auf grö­ße­re Anla­gen vor.

Wei­ter war ver­ein­bart, dass der RWE Kon­zern den Geneh­mi­gungs­an­trag für das Kern­kraft­werk Mül­heim-Kär­lich und die anhän­gi­ge Scha­dens­er­satz­kla­ge gegen das Land Rhein­land-Pfalz zurück­neh­men sol­le. Der RWE Kon­zern erhielt im Gegen­zug hier­für eine Rest­strom­men­ge in Höhe von 107, 25 TWh zuge­schrie­ben, die auf ande­re, nament­lich bestimm­te Kern­kraft­wer­ke über­tra­gen wer­den durf­te. Damit soll­ten alle recht­li­chen und tat­säch­li­chen Ansprü­che abge­gol­ten sein.

Hin­ter­grund die­ser Abre­de waren recht­li­che Feh­ler im Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren für das vom RWE Kon­zern betrie­be­ne Kern­kraft­werk Mül­heim-Kär­lich. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat­te mit Urteil vom 09.09.1988 4 die ers­te Teil­ge­neh­mi­gung für die Errich­tung des Kern­kraft­werks vom 09.01.1975 auf­ge­ho­ben. Das Kern­kraft­werk wur­de dar­auf­hin nach nur 13 Mona­ten Leis­tungs­be­trieb abge­schal­tet. Eine nach dem Urteil vom 09.09.1988 erneut erteil­te ers­te Teil­ge­neh­mi­gung wur­de von den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten wie­der­um auf­ge­ho­ben, letzt­in­stanz­lich bestä­tigt durch Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 14.01.1998 5. Nach der rechts­kräf­ti­gen Auf­he­bung der ers­ten Teil­ge­neh­mi­gung erhob die RWE Ener­gie AG Kla­ge auf Fest­stel­lung einer Scha­dens­er­satz­pflicht des Lan­des Rhein­land-Pfalz. Der Bun­des­ge­richts­hof ver­wies die­sen Rechts­streit im Revi­si­ons­ver­fah­ren mit Urteil vom 16.01.1997 zur ander­wei­ti­gen Ver­hand­lung und Ent­schei­dung teil­wei­se an das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz zurück 6. Wäh­rend die­ses Ver­fah­rens wur­de der Ver­gleich geschlos­sen.

Das Gesetz zur geord­ne­ten Been­di­gung der Kern­ener­gie­nut­zung zur gewerb­li­chen Erzeu­gung von Elek­tri­zi­tät vom 22.04.2002 7 (im Fol­gen­den: Aus­stiegs­ge­setz) setz­te die Ergeb­nis­se der Atom­kon­sens­ver­ein­ba­rung um.

Die Begrün­dung des von den Frak­tio­nen der SPD und BÜNDNIS 90/​DIE GRÜNEN ein­ge­brach­ten Gesetz­ent­wurfs führ­te zu des­sen Ziel­set­zung und zur Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der Rege­lung in Bezug auf die Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men unter ande­rem aus 8:

Die Not­wen­dig­keit, die Kern­ener­gie­nut­zung geord­net zu been­den, ergibt sich für die Bun­des­re­gie­rung aus der Neu­be­wer­tung ihrer Risi­ken und der dazu seit Beginn der Nut­zung der Kern­kraft zur Elek­tri­zi­täts­er­zeu­gung welt­weit gewon­ne­nen Erkennt­nis­se über

  • den Betrieb von Kern­kraft­wer­ken,
  • die Ent­sor­gung radio­ak­ti­ver Abfäl­le,
  • die Wie­der­auf­ar­bei­tung und
  • den Miss­brauch von Kern­brenn­stof­fen.

Zugleich die­nen die­se Rege­lun­gen zur Befrie­dung eines tief­grei­fen­den gesell­schaft­li­chen Kon­flikts. (…)

Die gesetz­lich fest­ge­leg­ten Elek­tri­zi­täts­men­gen ent­spre­chen einer Regel­lauf­zeit von 32 Jah­ren für das jewei­li­ge Kern­kraft­werk gemäß der Ver­ein­ba­rung vom 14.06.2000. (…)

Die Rege­lun­gen zur Been­di­gung der Nut­zung von Kern­kraft­wer­ken vor Ablauf der tech­nisch-wirt­schaft­li­chen Nut­zungs­dau­er stel­len sicher, dass den Betrei­bern die Amor­ti­sa­ti­on ihrer Inves­ti­tio­nen ermög­licht wird und dar­über hin­aus ein ange­mes­se­ner Gewinn erzielt wer­den kann. Dies ergibt sich u. a. dar­aus, dass in den Ver­hand­lun­gen zwi­schen der Bun­des­re­gie­rung und den Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men auch nach Über­zeu­gung bei­der Sei­ten ein für die Unter­neh­men betriebs­wirt­schaft­lich ver­tret­ba­res Ergeb­nis erzielt wur­de. Es sind kei­ne Gesichts­punk­te ersicht­lich, die im Hin­blick auf die fest­ge­leg­ten Para­me­ter zur Been­di­gung der Kern­ener­gie­nut­zung eine ande­re Beur­tei­lung für die Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men, die nicht Ver­hand­lungs­part­ner waren, erfor­der­ten. Dar­über hin­aus wird für alle Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men die Belas­tung durch eine Been­di­gung der Nut­zung der Anla­gen nach 32 Jah­ren auch dadurch gemin­dert, dass sich eini­ge der infol­ge von Alte­rungs­pro­zes­sen nach die­ser Betriebs­zeit ten­den­zi­ell erhöh­ten Erhal­tungs- und Nach­rüs­tungs­in­ves­ti­tio­nen durch die vor­ge­zo­ge­ne Still­le­gung erle­di­gen.

Bei der Wür­di­gung der Inter­es­sen­la­ge der Betrei­ber ist auch dar­auf abzu­stel­len, dass neben der Fest­le­gung der Rest­strom­men­gen in der Ver­ein­ba­rung vom 14.06.2000 für die Betrei­ber wei­te­re wich­ti­ge Fra­gen gere­gelt wur­den. Dies gilt für die Durch­füh­rung der Trans­por­te eben­so wie für die Schaf­fung von Zwi­schen­la­gern an den Stand­or­ten und zahl­rei­che ande­re Punk­te. Ins­ge­samt schafft die Ver­ein­ba­rung zusam­men mit die­sem Gesetz wich­ti­ge Vor­aus­set­zun­gen, um lang­fris­tig die Rechts- und Pla­nungs­si­cher­heit der Unter­neh­men zu ver­bes­sern. Die Maß­nah­men tra­gen in hohem Maße zum Ver­trau­ens­schutz bei. Dar­aus folgt, dass es sich bei die­ser Ver­ein­ba­rung um ein aus­ge­wo­ge­nes, die Inter­es­sen der Betrei­ber umfas­send berück­sich­ti­gen­des "Gesamt­pa­ket" han­delt. Die Rege­lung in § 7 Abs. 1 und den §§ 1a bis 1d ist auch vor die­sem Hin­ter­grund als ange­mes­se­ne und zumut­ba­re Bestim­mung von Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums im Sin­ne von Arti­kel 14 Abs. 1 Satz 2 des Grund­ge­set­zes anzu­se­hen.

Hin­zu kommt, dass durch die im Gesetz gere­gel­te Über­tra­gungs­mög­lich­keit, die im Regel­fall von älte­ren auf neue­re Kraft­wer­ke besteht, betriebs- und volks­wirt­schaft­lich güns­tigs­te Rest­lauf­zei­ten für die ein­zel­nen Kern­kraft­wer­ke ver­ein­bart wer­den kön­nen. In der Sum­me wird den­noch die durch­schnitt­li­che Regel­lauf­zeit von 32 Jah­ren je Kern­kraft­werk nicht über­schrit­ten. Der genaue Zeit­punkt des Erlö­schens der Berech­ti­gung zum Leis­tungs­be­trieb eines Kern­kraft­wer­kes brauch­te zum jet­zi­gen Zeit­punkt nicht starr fest­ge­legt wer­den.

Nr. 1 des Aus­stiegs­ge­set­zes fass­te § 1 Nr. 1 AtG neu. Zweck des Atom­ge­set­zes ist seit damals, die Nut­zung der Kern­ener­gie zur gewerb­li­chen Erzeu­gung von Elek­tri­zi­tät geord­net zu been­den und bis zum Zeit­punkt der Been­di­gung den geord­ne­ten Betrieb sicher­zu­stel­len.Für die Errich­tung und den Betrieb von Anla­gen zur Spal­tung von Kern­brenn­stof­fen zur gewerb­li­chen Erzeu­gung von Elek­tri­zi­tät und von Anla­gen zur Auf­ar­bei­tung bestrahl­ter Kern­brenn­stof­fe wer­den kei­ne Geneh­mi­gun­gen erteilt. Dies gilt nicht für wesent­li­che Ver­än­de­run­gen von Anla­gen oder ihres Betriebs.

Nr. 6 Buch­sta­be b des Aus­stiegs­ge­set­zes füg­te nach § 7 Abs. 1 AtG unter ande­rem einen neu­en Abs. 1a, einen neu­en Abs. 1b und einen neu­en Abs. 1d ein:

1 Die Berech­ti­gung zum Leis­tungs­be­trieb einer Anla­ge zur Spal­tung von Kern­brenn­stof­fen zur gewerb­li­chen Erzeu­gung von Elek­tri­zi­tät erlischt, wenn die in Anla­ge 3 Spal­te 2 für die Anla­ge auf­ge­führ­te Elek­tri­zi­täts­men­ge oder die sich auf Grund von Über­tra­gun­gen nach Absatz 1b erge­ben­de Elek­tri­zi­täts­men­ge pro­du­ziert ist., 2 Die Pro­duk­ti­on der in Anla­ge 3 Spal­te 2 auf­ge­führ­ten Elek­tri­zi­täts­men­gen ist durch ein Mess­ge­rät zu mes­sen. (…)

(1b) 1 Elek­tri­zi­täts­men­gen nach Anla­ge 3 Spal­te 2 kön­nen ganz oder teil­wei­se von einer Anla­ge auf eine ande­re Anla­ge über­tra­gen wer­den, wenn die emp­fan­gen­de Anla­ge den kom­mer­zi­el­len Leis­tungs­be­trieb spä­ter als die abge­ben­de Anla­ge begon­nen hat., 2 Elek­tri­zi­täts­men­gen kön­nen abwei­chend von Satz 1 auch von einer Anla­ge über­tra­gen wer­den, die den kom­mer­zi­el­len Leis­tungs­be­trieb spä­ter begon­nen hat, wenn das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Umwelt, Natur­schutz und Reak­tor­si­cher­heit im Ein­ver­neh­men mit dem Bun­des­kanz­ler­amt und dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Tech­no­lo­gie der Über­tra­gung zuge­stimmt hat., 3 Die Zustim­mung nach Satz 2 ist nicht erfor­der­lich, wenn die abge­ben­de Anla­ge den Leis­tungs­be­trieb dau­er­haft ein­stellt und ein Antrag nach Absatz 3 Satz 1 zur Still­le­gung der Anla­ge gestellt wor­den ist.

(1c) (…)

(1d) Für das Kern­kraft­werk Mül­heim-Kär­lich gel­ten Absatz 1a Satz 1, Absatz 1b Satz 1 bis 3 und Absatz 1c Satz 1 Nr. 3 mit der Maß­ga­be, dass die in Anla­ge 3 Spal­te 2 auf­ge­führ­te Elek­tri­zi­täts­men­ge nur nach Über­tra­gung auf die dort auf­ge­führ­ten Kern­kraft­wer­ke in die­sen pro­du­ziert wer­den darf.

Die in den Abs. 1a, 1b und 1d in Bezug genom­me­ne neue Anla­ge 3 des Atom­ge­set­zes ("Elek­tri­zi­täts­men­gen nach § 7 Abs. 1a") lau­te­te:

Anla­ge Rest­strom­men­gen ab 1.01.200 (TWh net­to) Beginn des kom­mer­zi­el­len Leis­tungs­be­triebs
Obrig­heim 8, 70 1.04.1969
Sta­de 23, 18 19.05.1972
Bib­lis A 62, 00 26.02.1975
Neckar­west­heim 1 57, 35 1.12.1976
Bib­lis B 81, 46 31.01.1977
Bruns­büt­tel 47, 67 9.02.1977
Isar 1 78, 35 21.03.1979
Unter­we­ser 117, 98 6.09.1979
Phil­ipps­burg 1 87, 14 26.03.1980
Gra­fen­rhein­feld 150, 03 17.06.1982
Krüm­mel 158, 22 28.03.1984
Grund­rem­min­gen B 160, 92 19.07.1984
Phil­ipps­burg 2 198, 61 18.04.1985
Grohn­de 200, 90 1.02.1985
Grund­rem­min­gen C 168, 35 18.01.1985
Brok­dorf 217, 88 22.12.1986
Isar 2 231, 21 9.04.1988
Ems­land 230, 07 20.06.1988
Neckar­west­heim 2 236, 04 15.04.1989
Sum­me 2.516, 06
Mül­heim-Kär­lich, *) 107, 25
Gesamt­sum­me 2.623, 31

*) Die für das Kern­kraft­werk Mül­heim-Kär­lich auf­ge­führ­te Elek­tri­zi­täts­men­ge von 107, 25 TWh kann auf die Kern­kraft­wer­ke Ems­land, Neckar­west­heim 2, Isar 2, Brok­dorf, Gund­rem­min­gen B und C sowie bis zu einer Elek­tri­zi­täts­men­ge von 21, 45 TWh auf das Kern­kraft­werk Bib­lis B über­tra­gen wer­den.

Nach der Bun­des­tags­wahl 2009 leg­te die neu gewähl­te Bun­des­re­gie­rung ein neu­es Ener­gie­kon­zept vor, das zwar am Aus­stieg aus der Kern­ener­gie fest­hielt, die Nut­zung der Kern­ener­gie aber nun als not­wen­di­ge "Brü­cken­tech­no­lo­gie" ver­län­gern woll­te. Im Jahr 2010 began­nen Ver­hand­lun­gen zwi­schen der Bun­des­re­gie­rung und den Betrei­ber­un­ter­neh­men über die Ver­län­ge­rung der Lauf­zei­ten der Kern­kraft­wer­ke, das ange­streb­te Sicher­heits­ni­veau der Anla­gen sowie die Höhe und den Zeit­punkt eines Vor­teils­aus­gleichs für eine ange­streb­te Lauf­zeit­ver­län­ge­rung.

Sie mün­de­ten in das Elf­te Gesetz zur Ände­rung des Atom­ge­set­zes vom 08.12 2010 9 (im Fol­gen­den: 11. AtG-Novel­le), das eine Erhö­hung der Elek­tri­zi­täts­men­gen, die durch Atom­kraft noch erzeugt wer­den durf­ten, vor­sah. Hier­durch soll­te eine befris­te­te Ver­län­ge­rung der Lauf­zei­ten der vor­han­de­nen Kern­kraft­wer­ke ermög­licht wer­den, der rech­ne­risch eine Ver­län­ge­rung der bis­he­ri­gen Pro­duk­ti­on um durch­schnitt­lich zwölf Jah­re zugrun­de lag. Für Kern­kraft­wer­ke mit Beginn des Leis­tungs­be­triebs bis ein­schließ­lich 1980 bestimm­te sich die Erhö­hung der Elek­tri­zi­täts­men­gen nach der Annah­me einer Lauf­zeit­ver­län­ge­rung von acht Jah­ren, bei jün­ge­ren nach der Annah­me einer Lauf­zeit­ver­län­ge­rung von 14 Jah­ren.

Durch Art. 1 Nr. 1 Buch­sta­be a der 11. AtG-Novel­le wur­de § 7 Abs. 1a Satz 1 und 2 AtG wie folgt gefasst:

(1a) 1 Die Berech­ti­gung zum Leis­tungs­be­trieb einer Anla­ge zur Spal­tung von Kern­brenn­stof­fen zur gewerb­li­chen Erzeu­gung von Elek­tri­zi­tät erlischt, wenn die in Anla­ge 3 Spal­te 2 und die in Anla­ge 3 Spal­te 4 für die Anla­ge auf­ge­führ­te Elek­tri­zi­täts­men­ge oder die sich auf Grund von Über­tra­gun­gen nach Absatz 1b für Elek­tri­zi­täts­men­gen nach Anla­ge 3 Spal­te 2 und Anla­ge 3 Spal­te 4 erge­ben­de zusätz­li­che Elek­tri­zi­täts­men­ge erzeugt ist., 2 Die Erzeu­gung der in Anla­ge 3 Spal­te 2 und Anla­ge 3 Spal­te 4 auf­ge­führ­ten Elek­tri­zi­täts­men­gen ist durch ein Mess­ge­rät zu mes­sen.

Durch Art. 1 Nr. 1 Buch­sta­be b wur­de Abs. 1b Satz 1 gering­fü­gig geän­dert; die Vor­schrift lau­te­te sodann:

(1b) 1 Elek­tri­zi­täts­men­gen nach Anla­ge 3 Spal­te 2 oder Anla­ge 3 Spal­te 4 kön­nen ganz oder teil­wei­se von einer Anla­ge auf eine ande­re Anla­ge über­tra­gen wer­den, wenn die emp­fan­gen­de Anla­ge den kom­mer­zi­el­len Leis­tungs­be­trieb spä­ter als die abge­ben­de Anla­ge begon­nen hat.

Anla­ge 3 wies in einer neu­en vier­ten Spal­te den Kern­kraft­wer­ken zusätz­li­che Elek­tri­zi­täts­men­gen zur Ver­stro­mung zu:

Anla­ge Rest­strom­men­gen ab 1.01.200 (TWh net­to) Beginn des kom­mer­zi­el­len Leis­tungs­be­triebs zusätz­li­che Elek­tri­zi­täts­men­gen (TWh net­to)
Obrig­heim 8, 70 1.04.1969 -
Sta­de 23, 18 19.05.1972 -
Bib­lis A 62, 00 26.02.1975 68, 617
Neckar­west­heim 1 57, 35 1.12.1976 51, 000
Bib­lis B 81, 46 31.01.1977 70, 663
Bruns­büt­tel 47, 67 9.02.1977 41, 038
Isar 1 78, 35 21.03.1979 54, 984
Unter­we­ser 117, 98 6.09.1979 79, 104
Phil­ipps­burg 1 87, 14 26.03.1980 55, 826
Gra­fen­rhein­feld 150, 03 17.06.1982 135, 617
Krüm­mel 158, 22 28.03.1984 124, 161
Grund­rem­min­gen B 160, 92 19.07.1984 125, 759
Phil­ipps­burg 2 198, 61 18.04.1985 146, 956
Grohn­de 200, 90 1.02.1985 150, 442
Grund­rem­min­gen C 168, 35 18.01.1985 126, 938
Brok­dorf 217, 88 22.12.1986 146, 347
Isar 2 231, 21 9.04.1988 144, 704
Ems­land 230, 07 20.06.1988 12, 328
Neckar­west­heim 2 236, 04 15.04.1989 139, 793
Sum­me 2.516, 06
Mül­heim-Kär­lich, *) 107, 25
Gesamt­sum­me 2.623, 31 1.804, 278

*) Die für das Kern­kraft­werk Mül­heim-Kär­lich auf­ge­führ­te Elek­tri­zi­täts­men­ge von 107, 25 TWh kann auf die Kern­kraft­wer­ke Ems­land, Neckar­west­heim 2, Isar 2, Brok­dorf, Gund­rem­min­gen B und C sowie bis zu einer Elek­tri­zi­täts­men­ge von 21, 45 TWh auf das Kern­kraft­werk Bib­lis B über­tra­gen wer­den.

Durch Art. 1 Nr. 1 Buch­sta­be d der 11. AtG-Novel­le wur­de § 7 Abs. 1e neu ein­ge­fügt:

(1e) Erzeug­te Elek­tri­zi­täts­men­gen sind zunächst auf die Elek­tri­zi­täts­men­gen aus Anla­ge 3 Spal­te 2 oder auf die sich auf Grund von Über­tra­gun­gen nach Absatz 1b für Elek­tri­zi­täts­men­gen nach Anla­ge 3 Spal­te 2 erge­ben­den Elek­tri­zi­täts­men­gen aus Anla­ge 3 Spal­te 2 anzu­rech­nen.

Gleich­falls mit Gesetz vom 08.12 2010 wur­de das Son­der­ver­mö­gen "Ener­gie- und Kli­ma­fonds" (EKFG) errich­tet 10. Durch die­ses sol­len Maß­nah­men in den Berei­chen Ener­gie­ef­fi­zi­enz, erneu­er­ba­re Ener­gi­en, Ener­gie­spei­cher- und Netz­tech­no­lo­gi­en, ener­ge­ti­sche Gebäu­de­sa­nie­rung, natio­na­ler Kli­ma­schutz und inter­na­tio­na­ler Kli­ma- und Umwelt­schutz finan­ziert wer­den (§ 2 Abs. 1 Satz 2 EKFG).

Zur finan­zi­el­len Aus­stat­tung des Fonds schlos­sen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, die Kern­kraft­werks­be­trei­ber­ge­sell­schaf­ten und deren Kon­zern­ober­ge­sell­schaf­ten am 10.01.2011 eine als "För­der­fonds­ver­trag" bezeich­ne­te Ver­ein­ba­rung. In dem Ver­trag wur­den die finan­zi­el­len Eck­punk­te der Abfüh­rung eines Teils der Gewin­ne aus der Lauf­zeit­ver­län­ge­rung in einen Ener­gie- und Kli­ma­fonds gere­gelt. Die Kern­kraft­werks­be­trei­ber­ge­sell­schaf­ten ver­pflich­te­ten sich in dem Ver­trag, für jede ab dem 1.01.2017 aus zusätz­li­chen Elek­tri­zi­täts­men­gen in das Netz ein­ge­speis­te Mega­watt­stun­de einen För­der­bei­trag an den Fonds zu leis­ten (§ 1 Nr. 1.1). "Nicht rück­zahl­ba­re Vor­aus­leis­tun­gen" muss­ten die Gesell­schaf­ten bereits ab dem Jahr 2011 erbrin­gen (§ 2 Nr. 2.1).

Die 13. AtG-Novel­le[↑]

Auf die Fol­gen der Erd­be­ben­ka­ta­stro­phe für das japa­ni­sche Atom­kraft­werk in Fuku­shi­ma am 11.03.2011 reagier­te der Gesetz­ge­ber mit dem hier in sei­nen wesent­li­chen Bestim­mun­gen ange­grif­fe­nen Drei­zehn­ten Gesetz zur Ände­rung des Atom­ge­set­zes vom 31.07.2011 1 (13. AtG-Novel­le). Ein Erd­be­ben der Stär­ke 9 vor der Küs­te Japans hat­te einen Tsu­na­mi aus­ge­löst, der unter ande­rem die Strom­ver­sor­gung und dadurch die Küh­lung der Reak­tor­blö­cke des Kern­kraft­werks Fuku­shi­ma Daiichi unter­brach, was zu par­ti­el­len Kern­schmel­zen und zur Frei­set­zung erheb­li­cher Men­gen an radio­ak­ti­ven Stof­fen führ­te.

Bereits Mit­te März 2011 kam es zu einer vor­läu­fi­gen drei­mo­na­ti­gen Ein­stel­lung des Leis­tungs­be­triebs der sie­ben ältes­ten deut­schen Kern­kraft­wer­ke (im Fol­gen­den: "Atom­mo­ra­to­ri­um"). Aus­weis­lich eines Schrei­bens des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Umwelt, Natur­schutz und Reak­tor­si­cher­heit an die für die Atom­auf­sicht zustän­di­gen Lan­des­mi­nis­te­ri­en vom 16.03.2011 beschlos­sen die Bun­des­re­gie­rung und die Minis­ter­prä­si­den­ten der Län­der, die sie­ben ältes­ten deut­schen Kern­kraft­wer­ke auf Grund­la­ge von § 19 Abs. 3 Satz 2 Nr. 3 AtG für einen Zeit­raum von drei Mona­ten zur Durch­füh­rung einer Sicher­heits­über­prü­fung vom Netz zu neh­men. Die­ses Atom­mo­ra­to­ri­um ist nicht Gegen­stand der vor­lie­gen­den Ver­fas­sungs­be­schwer­den.

Der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat mit Urtei­len vom 27.02.2013 11 ent­schie­den, dass die auf das Schrei­ben vom 16.03.2011 ergan­ge­nen Ver­fü­gun­gen des Hes­si­schen Minis­te­ri­ums für Umwelt, Ener­gie, Land­wirt­schaft und Ver­brau­cher­schutz vom 18.03.2011 betref­fend die Blö­cke A und B des Kern­kraft­werks Bib­lis rechts­wid­rig gewe­sen sind. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die dage­gen ein­ge­leg­ten Anträ­ge auf Zulas­sung der Revi­si­on mit Beschlüs­sen vom 20.12 2013 12 zurück­ge­wie­sen.

Der Deut­sche Bun­des­tag hat die Bun­des­re­gie­rung am 17.03.2011 auf­ge­for­dert, eine umfas­sen­de Über­prü­fung der Sicher­heits­be­stim­mun­gen für die deut­schen Kern­kraft­wer­ke durch­zu­füh­ren. Dar­auf­hin hat das Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­um die Reak­tor-Sicher­heits­kom­mis­si­on mit einer sol­chen anla­gen­spe­zi­fi­schen Sicher­heits­über­prü­fung beauf­tragt. Die Reak­tor-Sicher­heits­kom­mis­si­on ist ein Gre­mi­um von 12 Exper­ten aus dem Kern­tech­nik­be­reich, die seit ihrer Grün­dung 1958 das für die Kern­ener­gie­nut­zung zustän­di­ge Bun­des­mi­nis­te­ri­um berät.

Der aus der Sicher­heits­über­prü­fung fol­gen­de Bericht der Reak­tor-Sicher­heits­kom­mis­si­on vom 16.05.2011 kam zu fol­gen­dem Ergeb­nis:

Unter Berück­sich­ti­gung der vor­lie­gen­den Infor­ma­tio­nen und des betrach­te­ten The­men­um­fan­ges kann für die deut­schen Kern­kraft­wer­ke anla­gen­un­ab­hän­gig bei einem direk­ten Ver­gleich mit den Ursa­chen und Fol­gen der Unfäl­le in Fuku­shi­ma I fest­ge­stellt wer­den:

Initi­ie­ren­de Ereig­nis­se, die zu der­ar­ti­gen Tsu­na­mi füh­ren kön­nen, sind nach dem jet­zi­gen Kennt­nis­stand für Deutsch­land prak­tisch aus­ge­schlos­sen. In Fuku­shi­ma I lag eine zu gerin­ge Aus­le­gung der Anla­gen gegen einen Tsu­na­mi mit einer auf Basis vor­lie­gen­der Lite­ra­tur zu betrach­ten­den Ergeb­nis­häu­fig­keit von ca. 10-3/​a vor. Im Bereich der natur­be­ding­ten Ein­wir­kun­gen von Außen sind für deut­sche Kern­kraft­wer­ke für Ein­tritts­häu­fig­kei­ten von ca. 10-3/​a die nach dem Stand von Wis­sen­schaft und Tech­nik zu berück­sich­ti­gen­den Ein­wir­kun­gen, ins­be­son­de­re sol­che die zu "cliff edge" Effek­ten füh­ren kön­nen, durch­ge­hend in der Aus­le­gung berück­sich­tigt.

Die Strom­ver­sor­gung der deut­schen Kern­kraft­wer­ke ist durch­ge­hend robus­ter als in Fuku­shi­ma I. Alle deut­schen Anla­gen haben min­des­tens eine zusätz­lich gesi­cher­te Ein­spei­sung und mehr Not­strom­ag­gre­ga­te, wobei min­des­tens zwei davon gegen äuße­re Ein­wir­kun­gen geschützt sind.

Die von der Bun­des­re­gie­rung nach der Hava­rie von Fuku­shi­ma ein­be­ru­fe­ne Ethik-Kom­mis­si­on "Siche­re Ener­gie­ver­sor­gung" emp­fahl in ihrem Bericht vom 30.05.2011 den Aus­stieg aus der Nut­zung der Kern­ener­gie inner­halb eines Jahr­zehn­tes. Sie sei der fes­ten Über­zeu­gung, dass der Aus­stieg aus der Nut­zung der Kern­ener­gie inner­halb eines Jahr­zehn­tes mit­tels der von ihr vor­ge­schla­ge­nen Maß­nah­men zur Ener­gie­wen­de abge­schlos­sen wer­den kön­ne. Nur auf der Basis einer ein­deu­ti­gen zeit­li­chen Ziel­set­zung könn­ten die not­wen­di­gen Pla­nungs- und Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen getrof­fen wer­den. Der Aus­stieg sei nötig und wer­de emp­foh­len, um Risi­ken, die von der Kern­kraft in Deutsch­land aus­gin­gen, in Zukunft aus­zu­schlie­ßen. Er sei mög­lich, weil es risi­ko­är­me­re Alter­na­ti­ven gebe, nament­lich die Strom­erzeu­gung aus Wind, Son­ne, Was­ser, Geo­ther­mie, Bio­mas­se, die effi­zi­en­te­re Nut­zung und gestei­ger­te Pro­duk­ti­vi­tät von Ener­gie sowie kli­ma­ge­recht ein­ge­setz­te fos­si­le Ener­gie­trä­ger.

Zur Rei­hen­fol­ge des Aus­stiegs emp­fahl die Kom­mis­si­on:

Aus ethi­schen Grün­den sol­len die Atom­kraft­wer­ke nur so lan­ge lau­fen, bis ihre Leis­tung durch eine risi­ko­är­me­re Ener­gie­ver­sor­gung ersetzt wer­den kann.

Die heu­te bereits ent­behr­li­che Leis­tung der Atom­kraft­wer­ke von 8, 5 Giga­watt soll dau­er­haft vom Netz genom­men wer­den. Die einst­wei­li­ge Still­le­gung der sie­ben ältes­ten Atom­kraft­wer­ke und des Atom­kraft­wer­kes Krüm­mel zeigt, dass ihre 8, 5 Giga­watt-Leis­tung durch eine risi­ko­är­me­re Ener­gie­ver­sor­gung ersetzt wer­den kann. Die Strom­be­darfs­spit­zen im Som­mer und Win­ter müs­sen durch ande­re Kapa­zi­tä­ten abge­si­chert wer­den.

Schließ­lich führ­te die Kom­mis­si­on aus 13:

Die Risi­ken der Kern­ener­gie haben sich mit Fuku­shi­ma nicht ver­än­dert, wohl aber die Risi­ko­wahr­neh­mung. Mehr Men­schen ist bewusst gewor­den, dass die Risi­ken eines gro­ßen Unfalls nicht nur hypo­the­tisch vor­han­den sind, son­dern dass sich sol­che gro­ßen Unfäl­le auch kon­kret ereig­nen kön­nen. Somit hat sich die Wahr­neh­mung eines rele­van­ten Teils der Gesell­schaft an die Rea­li­tät der Risi­ken ange­passt.

Nach der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs der Frak­tio­nen der CDU/​CSU und FDP für ein Drei­zehn­tes Gesetz zur Ände­rung des Atom­ge­set­zes vom 06.06.2011 14 hat­te die Bun­des­re­gie­rung unter Ein­be­zie­hung der Ergeb­nis­se der Reak­tor-Sicher­heits­kom­mis­si­on und der Ethik­kom­mis­si­on "Siche­re Ener­gie­ver­sor­gung" unter Beru­fung auf einen abso­lu­ten Vor­rang der nuklea­ren Sicher­heit beschlos­sen, die Nut­zung der Kern­ener­gie zum frü­hest­mög­li­chen Zeit­punkt zu been­den. Wei­ter heißt es in der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs 15:

Auch nach den schwer­wie­gen­den Ereig­nis­sen in Japan ist es zum jet­zi­gen Zeit­punkt aus Grün­den der Ver­sor­gungs­si­cher­heit, des Kli­ma­schut­zes und einer preis­wür­di­gen Ener­gie­ver­sor­gung nicht mög­lich, sofort gänz­lich auf die Nut­zung der Kern­ener­gie zu ver­zich­ten. Gleich­wohl machen die Ereig­nis­se in Japan eine Neu­be­wer­tung der mit der Kern­ener­gie­nut­zung ver­bun­de­nen Risi­ken erfor­der­lich. (…)

Die Reak­tor-Sicher­heits­kom­mis­si­on kommt dabei zu dem Ergeb­nis, dass die deut­schen Anla­gen einen hohen Robust­heits­grad auf­wei­sen und im Hin­blick auf die Ereig­nis­se in Fuku­shi­ma hin­sicht­lich der Strom­ver­sor­gung und der Berück­sich­ti­gung exter­ner Über­flu­tungs­er­eig­nis­se für deut­sche Anla­gen eine höhe­re Vor­sor­ge fest­zu­stel­len ist. Die Bewer­tung der Kern­kraft­wer­ke bei den aus­ge­such­ten Ein­wir­kun­gen zeigt, dass abhän­gig von den betrach­te­ten The­men­fel­dern über alle Anla­gen kein durch­ge­hen­des Ergeb­nis in Abhän­gig­keit von Bau­art, Alter der Anla­ge oder Genera­ti­on aus­zu­wei­sen ist 16.

Auch in Kennt­nis der Resul­ta­te die­ser Über­prü­fun­gen ist die von der Bun­des­re­gie­rung ein­ge­setz­te Ethik­kom­mis­si­on "Siche­re Ener­gie­ver­sor­gung" unter Ein­be­zie­hung von Kir­che, Poli­tik und Wis­sen­schaft zu dem Ergeb­nis gelangt, dass die Rea­li­tät eines Reak­tor­un­falls sub­stan­zi­el­len Ein­fluss auf die Bewer­tung des Rest­ri­si­kos hat und die mög­li­che Unbe­herrsch­bar­keit eines Unfalls eine zen­tra­le Bedeu­tung im natio­na­len Rah­men ein­nimmt 17. (…)

Die Bun­des­re­gie­rung hat unter Ein­be­zie­hung die­ser Ergeb­nis­se beschlos­sen, die Nut­zung der Kern­ener­gie zur gewerb­li­chen Erzeu­gung von Elek­tri­zi­tät zum frü­hest­mög­li­chen Zeit­punkt – zeit­lich gestaf­felt – zu been­den. Zu die­sem Zweck wird nun­mehr ein fes­tes End­da­tum für die fried­li­che Nut­zung der Kern­ener­gie zur gewerb­li­chen Erzeu­gung von Elek­tri­zi­tät ein­ge­führt.

Zur Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der vor­ge­schla­ge­nen Rege­lung wird in der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs aus­ge­führt 18:

Bereits in der Begrün­dung des Geset­zes zur geord­ne­ten Been­di­gung der Kern­ener­gie­nut­zung zur gewerb­li­chen Erzeu­gung von Elek­tri­zi­tät vom 22.04.2002 19 hat der Gesetz­ge­ber aus­ge­führt, dass die dor­ti­ge Zugrun­de­le­gung einer Regel­lauf­zeit von 32 Jah­ren den Betrei­bern eine Amor­ti­sa­ti­on ihrer Inves­ti­tio­nen und dar­über hin­aus die Erzie­lung eines ange­mes­se­nen Gewinns ermög­li­che. Die Rege­lun­gen des Geset­zes vom 22.04.2002 beruh­ten auf Ver­hand­lun­gen zwi­schen der Bun­des­re­gie­rung und den Betrei­bern und spie­geln die von den Par­tei­en in der Ver­ein­ba­rung vom 14.06.2000 nie­der­ge­leg­ten Moda­li­tä­ten wider.

Auch die nun­mehr vor­ge­se­he­ne zeit­li­che Befris­tung der Berech­ti­gung zum Leis­tungs­be­trieb ist – ins­be­son­de­re im Hin­blick auf Arti­kel 14 Absatz 1 des Grund­ge­set­zes – so aus­ge­stal­tet, dass die von die­ser Rege­lung betrof­fe­nen Unter­neh­men nicht unver­hält­nis­mä­ßig belas­tet wer­den und den Betrei­bern eine Amor­ti­sa­ti­on der Inves­ti­tio­nen sowie die Erzie­lung eines ange­mes­se­nen Gewinns wei­ter­hin ermög­licht wird. Mit Blick auf die­se nun­mehr vor­ge­schla­ge­nen Befris­tun­gen und dar­aus resul­tie­ren­den Lauf­zeit­enden ist unter Berück­sich­ti­gung der mög­li­chen Über­tra­gung von Elek­tri­zi­täts­men­gen eine Regel­lauf­zeit von 32 Jah­ren, die aus jet­zi­ger Sicht eine Amor­ti­sa­ti­on und ange­mes­se­ne Gewinn­erzie­lung ermög­licht, wei­ter­hin gewähr­leis­tet.

Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass nach der Kal­kar, Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts aus dem Jahr 1978 allein dem Gesetz­ge­ber die nor­ma­ti­ve Grund­satz­ent­schei­dung für oder gegen die Nut­zung der Kern­ener­gie obliegt und der Grund­rechts­schutz nach Arti­kel 14 des Grund­ge­set­zes nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht den Schutz von zukünf­ti­gen Gewin­nen und Erwerbs­chan­cen umfasst. Dies gilt auch für den durch das Elf­te Gesetz zur Ände­rung des Atom­ge­set­zes erwei­ter­ten Rah­men für die Erzeu­gung von Elek­tri­zi­tät.

Die ers­te Bera­tung des Gesetz­ent­wurfs erfolg­te am 9.06.2011. Bereits am 8.06.2011 hat­te eine öffent­li­che Anhö­rung des Aus­schus­ses für Umwelt, Natur­schutz und Reak­tor­si­cher­heit unter ande­rem zu dem Gesetz­ent­wurf statt­ge­fun­den. Er emp­fahl mit gro­ßer Mehr­heit, den Gesetz­ent­wurf unver­än­dert anzu­neh­men 20. Die zwei­te und drit­te Bera­tung des Gesetz­ent­wurfs fan­den am 30.06.2011 statt. Nach Ver­öf­fent­li­chung am 5.08.2011 im Bun­des­ge­setz­blatt trat das Gesetz am 6.08.2011 in Kraft (vgl. Art. 2 der 13. AtG-Novel­le).

Die 13. AtG-Novel­le strich die durch die 11. AtG-Novel­le gewähr­ten zusätz­li­chen Rest­strom­men­gen und leg­te kon­kre­te Abschalt­ter­mi­ne für die ein­zel­nen Kern­kraft­wer­ke fest.

Nr. 3 Buch­sta­be a der 13. AtG-Novel­le ent­zog die erst kurz zuvor durch die 11. AtG-Novel­le zuge­wie­se­nen Zusatz­strom­men­gen, indem er Spal­te 4 der Anla­ge 3 strich, und Art. 1 Nr. 3 Buch­sta­be b ersetz­te in der Fuß­no­te die Wör­ter " , Gund­rem­min­gen B und C sowie bis zu einer Elek­tri­zi­täts­men­ge von 21, 45 TWh auf das Kern­kraft­werk Bib­lis B" durch die Wör­ter "sowie Gund­rem­min­gen B und C". Anla­ge 3 lau­tet infol­ge­des­sen, abge­se­hen von die­ser Ände­rung der Fuß­no­te, wie­der wie nach dem Aus­stiegs­ge­setz 2002.

§ 7 Abs. 1a Satz 1 und 2 und Abs. 1b AtG lau­ten nach Maß­ga­be der 13. AtG-Novel­le, die ins­be­son­de­re durch Art. 1 Nr. 1 Buch­sta­be a den § 7 Abs. 1a neu gefasst und durch Buch­sta­be b den § 7 Abs. 1b geän­dert hat, wie folgt:

(1a) 1Die Berech­ti­gung zum Leis­tungs­be­trieb einer Anla­ge zur Spal­tung von Kern­brenn­stof­fen zur gewerb­li­chen Erzeu­gung von Elek­tri­zi­tät erlischt, wenn die in Anla­ge 3 Spal­te 2 für die Anla­ge auf­ge­führ­te Elek­tri­zi­täts­men­ge oder sich auf Grund von Über­tra­gun­gen nach Absatz 1b erge­ben­de Elek­tri­zi­täts­men­ge erzeugt ist, jedoch spä­tes­tens

  1. mit Ablauf des 6.08.2011 für die Kern­kraft­wer­ke Bib­lis A, Neckar­west­heim 1, Bib­lis B, Bruns­büt­tel, Isar 1, Unter­we­ser, Phil­ipps­burg 1 und Krüm­mel,
  2. mit Ablauf des 31.12 2015 für das Kern­kraft­werk Gra­fen­rhein­feld,
  3. mit Ablauf des 31.12 2017 für das Kern­kraft­werk Gund­rem­min­gen B,
  4. mit Ablauf des 31.12 2019 für das Kern­kraft­werk Phil­ipps­burg 2,
  5. mit Ablauf des 31.12 2021 für die Kern­kraft­wer­ke Grohn­de, Gund­rem­min­gen C und Brok­dorf,
  6. mit Ablauf des 31.12 2022 für die Kern­kraft­wer­ke Isar 2, Ems­land und Neckar­west­heim 2.

2 Die Erzeu­gung der in Anla­ge 3 Spal­te 2 auf­ge­führ­ten Elek­tri­zi­täts­men­gen ist durch ein Mess­ge­rät zu mes­sen.

(1b) 1 Elek­tri­zi­täts­men­gen nach Anla­ge 3 Spal­te 2 kön­nen ganz oder teil­wei­se von einer Anla­ge auf eine ande­re Anla­ge über­tra­gen wer­den, wenn die emp­fan­gen­de Anla­ge den kom­mer­zi­el­len Leis­tungs­be­trieb spä­ter als die abge­ben­de Anla­ge begon­nen hat., 2 Elek­tri­zi­täts­men­gen kön­nen abwei­chend von Satz 1 auch von einer Anla­ge über­tra­gen wer­den, die den kom­mer­zi­el­len Leis­tungs­be­trieb spä­ter begon­nen hat, wenn das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Umwelt, Natur­schutz und Reak­tor­si­cher­heit im Ein­ver­neh­men mit dem Bun­des­kanz­ler­amt und dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Tech­no­lo­gie der Über­tra­gung zuge­stimmt hat., 3 Die Zustim­mung nach Satz 2 ist nicht erfor­der­lich, wenn die abge­ben­de Anla­ge den Leis­tungs­be­trieb dau­er­haft ein­stellt und ein Antrag nach Absatz 3 Satz 1 zur Still­le­gung der Anla­ge gestellt wor­den ist., 4 Elek­tri­zi­täts­men­gen nach Anla­ge 3 Spal­te 2 kön­nen von Anla­gen nach Absatz 1a Satz 1 Num­mer 1 bis 6 auch nach Erlö­schen der Berech­ti­gung zum Leis­tungs­be­trieb nach den Sät­zen 1 bis 3 über­tra­gen wer­den.

Art. 1 Nr. 1 Buch­sta­be c aa strich in § 7 Abs. 1c die Wör­ter "oder Anla­ge 3 Spal­te 4".

Die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin im Ver­fah­ren 1 BvR 2821/​11 ist die E.ON Kern­kraft GmbH (im Fol­gen­den: E.ON). Allei­ni­ge Gesell­schaf­te­rin der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin ist die E.ON Ener­gie AG. Allei­ni­ge Aktio­nä­rin der E.ON Ener­gie AG wie­der­um ist die bör­sen­no­tier­te E.ON SE. Die Akti­en an der E.ON SE befin­den sich nach eige­nen Anga­ben der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin weit­ge­hend im Streu­be­sitz.

Die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin ist Eigen­tü­me­rin der Kern­kraft­wer­ke Unter­we­ser, Isar 1 und Gra­fen­rhein­feld. Bei die­sen Kern­kraft­wer­ken ist sie zugleich Inha­be­rin der atom­recht­li­chen Geneh­mi­gung nach § 7 Abs. 1 AtG, Inha­be­rin der Elek­tri­zi­täts­men­gen nach Anla­ge 3 des Atom­ge­set­zes, Inha­be­rin der Nut­zungs- und Ver­brauchs­rech­te am Kern­brenn­stoff und Betriebs­füh­re­rin. Bei dem Kern­kraft­werk Isar 2 ist die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Mit­ei­gen­tü­me­rin mit einem Bruch­teil von 75 %, zugleich Mit­in­ha­be­rin der atom­recht­li­chen Geneh­mi­gung und betriebs­füh­rend. Bei den Kern­kraft­wer­ken Brok­dorf (80 %), Grohn­de (50 %), Krüm­mel (50 %), Bruns­büt­tel (33,3 %), Gund­rem­min­gen B und C (jeweils 25 %) und dem Kern­kraft­werk Ems­land (unmit­tel­bar 0, 75 %) ist sie in unter­schied­li­chen Betei­li­gungs­hö­hen Gesell­schaf­te­rin der Betrei­ber­ge­sell­schaft, die ihrer­seits Eigen­tü­me­rin des jewei­li­gen Kraft­werks ist. Auch bei die­sen Betrei­ber­ge­sell­schaf­ten ist die E.ON Kern­kraft GmbH teil­wei­se Geneh­mi­gungs­in­ha­be­rin und Betriebs­füh­re­rin.

Mit ihrer Ver­fas­sungs­be­schwer­de wen­det sich die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin gegen Art. 1 Nr. 1 Buch­sta­be a, Buch­sta­be b und Buch­sta­be c sowie gegen Art. 1 Nr. 3 des Drei­zehn­ten Geset­zes zur Ände­rung des Atom­ge­set­zes. Sie rügt eine Ver­let­zung von Art. 14 Abs. 1, Art. 12 Abs. 1 und Art. 3 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.19 Abs. 1 Satz 1 GG.

Die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin im Ver­fah­ren 1 BvR 321/​12 ist die RWE Power AG (im Fol­gen­den: RWE). Allei­ni­ge Gesell­schaf­te­rin der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin ist die RWE AG. Die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin ist Eigen­tü­me­rin der Kern­kraft­wer­ke Bib­lis A und B sowie Berech­tig­te der Elek­tri­zi­täts­men­gen des Kern­kraft­werks Mül­heim-Kär­lich. Sie ist wei­ter­hin Inha­be­rin der Betriebs­ge­neh­mi­gun­gen für die Blö­cke A und B des Kern­kraft­werks Bib­lis und Gesell­schaf­te­rin der Betrei­ber­ge­sell­schaf­ten der Kern­kraft­wer­ke Gund­rem­min­gen B und C (zu 75 %) sowie des Kern­kraft­werks Ems­land (ins­ge­samt zu 87, 5 %).

Mit ihrer Ver­fas­sungs­be­schwer­de wen­det sich die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin gegen Art. 1 Nr. 1 Buch­sta­be a, Buch­sta­be b und Buch­sta­be c sowie gegen Art. 1 Nr. 3 der 13. AtG-Novel­le. Sie rügt eine Ver­let­zung ihrer Grund­rech­te aus Art. 2 Abs. 1, Art. 3 Abs. 1, Art. 12 Abs. 1 sowie Art. 14 Abs. 1 und 3 GG, jeweils in Ver­bin­dung mit Art.19 Abs. 3 GG.

Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen im Ver­fah­ren 1 BvR 1456/​12 sind die Kern­kraft­werk Krüm­mel GmbH & Co. oHG (im Fol­gen­den: Krüm­mel) und die Vat­ten­fall Euro­pe Nuclear Ener­gy GmbH (im Fol­gen­den: Vat­ten­fall).

Gegen­stand des Unter­neh­mens der Kern­kraft­werk Krüm­mel GmbH & Co. oHG ist der Betrieb des Kern­kraft­werks Krüm­mel. Sie ist Inha­be­rin der Betriebs­ge­neh­mi­gung und als Erb­bau­be­rech­tig­te des Kern­kraft­werks­grund­stücks Eigen­tü­me­rin der dort gele­ge­nen Anla­ge.

Die Vat­ten­fall Euro­pe Nuclear Ener­gy GmbH ist zu 50 % an der Kern­kraft­werk Krüm­mel GmbH & Co. oHG betei­ligt, die ande­ren 50 % hält die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin im Ver­fah­ren 1 BvR 2821/​11, die E.ON Kern­kraft GmbH. Geschäfts­füh­ren­de Gesell­schaf­te­rin der Kern­kraft­werk Krüm­mel GmbH & Co. oHG ist die Vat­ten­fall Euro­pe Nuclear Ener­gy GmbH. Allei­ni­ge Gesell­schaf­te­rin der Vat­ten­fall Euro­pe Nuclear Ener­gy GmbH war bei Erhe­bung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de die Vat­ten­fall Euro­pe AG, die nun­mehr unter Vat­ten­fall GmbH fir­miert. Deren allei­ni­ge Gesell­schaf­te­rin war und ist die Vat­ten­fall AB (Publikt Aktie­bo­lag); allei­ni­ger Anteils­eig­ner der Vat­ten­fall AB ist der schwe­di­sche Staat. Die Kern­kraft­werk Krüm­mel GmbH & Co. oHG ist Betriebs­füh­re­rin des Kern­kraft­werks Krüm­mel und Inha­be­rin der Betriebs­ge­neh­mi­gung.

Mit ihrer Ver­fas­sungs­be­schwer­de wen­den sich die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen aus­schließ­lich gegen Art. 1 Nr. 1 Buch­sta­be a der 13. AtG-Novel­le. Sie rügen die Ver­let­zung von Art. 14 Abs. 1 und Abs. 3, Art.19 Abs. 1 Satz 1 und Art. 3 Abs. 1 GG.

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts[↑]

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt sah die Ver­fas­sungs­be­schwer­den als zuläs­sig und zumin­dest teil­wei­se begrün­det an:

  1. Arti­kel 1 Num­mer 1 Buch­sta­be a (§ 7 Absatz 1a Satz 1 Atom­ge­setz) des Drei­zehn­ten Geset­zes zur Ände­rung des Atom­ge­set­zes vom 31.07.2011 24 ist nach Maß­ga­be der Grün­de die­ses Urteils unver­ein­bar mit Arti­kel 14 Absatz 1 des Grund­ge­set­zes, soweit das Gesetz nicht eine im Wesent­li­chen voll­stän­di­ge Ver­stro­mung der den Kern­kraft­wer­ken in Anla­ge 3 Spal­te 2 zum Atom­ge­setz zuge­wie­se­nen Elek­tri­zi­täts­men­gen sicher­stellt und kei­nen ange­mes­se­nen Aus­gleich hier­für gewährt.
  2. Das Drei­zehn­te Gesetz zur Ände­rung des Atom­ge­set­zes ist inso­weit mit Arti­kel 14 Absatz 1 Grund­ge­setz unver­ein­bar, als es kei­ne Rege­lung zum Aus­gleich für Inves­ti­tio­nen vor­sieht, die im berech­tig­ten Ver­trau­en auf die im Jahr 2010 zusätz­lich gewähr­ten Zusatz­strom­men­gen vor­ge­nom­men, durch die­ses aber ent­wer­tet wur­den.
  3. Im Übri­gen wer­den die Ver­fas­sungs­be­schwer­den zurück­ge­wie­sen.
  4. Der Gesetz­ge­ber ist ver­pflich­tet, eine Neu­re­ge­lung spä­tes­tens bis zum 30.06.2018 zu tref­fen. § 7 Absatz 1a Satz 1 Atom­ge­setz ist bis zu einer Neu­re­ge­lung wei­ter anwend­bar.

Zuläs­sig­keit der Ver­fas­sungs­be­schwer­den von E.ON und RWE[↑]

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den sind zuläs­sig.

Die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin im Ver­fah­ren 1 BvR 2821/​11, die E.ON Kern­kraft GmbH (im Fol­gen­den: E.ON), und die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin im Ver­fah­ren 1 BvR 321/​12, die RWE Power AG (im Fol­gen­den: RWE) sind beschwer­de­fä­hig und beschwer­de­be­fugt. Auch die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen in dem Ver­fah­ren 1 BvR 1456/​12, die Kern­kraft­werk Krüm­mel GmbH & Co. oHG (im Fol­gen­den: Krüm­mel) und Vat­ten­fall Euro­pe Nuclear Ener­gy GmbH (im Fol­gen­den: Vat­ten­fall) sind berech­tigt, eine auf Art. 14 GG gestütz­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de zu erhe­ben. Alle Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen kön­nen Ver­fas­sungs­be­schwer­de unmit­tel­bar gegen das Drei­zehn­te Gesetz zur Ände­rung des Atom­ge­set­zes vom 31.07.2011 1 (im Fol­gen­den: 13. AtG-Novel­le) erhe­ben.

Die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen E.ON und RWE sind beschwer­de­fä­hig. Sie kön­nen sich auf die als ver­letzt gerüg­ten Grund­rech­te aus Art. 14, 12 und 3 GG beru­fen. Die­se sind ihrem Wesen nach auf sie als juris­ti­sche Per­so­nen des Pri­vat­rechts anwend­bar (Art.19 Abs. 3 GG) 25. Eine Ver­let­zung in die­sen Grund­rech­ten durch die ange­grif­fe­nen Bestim­mun­gen der 13. AtG-Novel­le erscheint mög­lich.

Dies gilt auch, soweit die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen ledig­lich Antei­le an Eigen­tums- oder Betrei­ber­ge­sell­schaf­ten ein­zel­ner Kern­kraft­wer­ke hal­ten. Denn es han­delt sich dabei jeweils um sub­stan­ti­el­le, zwi­schen 30 % und 80 % die­ser Gesell­schaf­ten lie­gen­de Betei­li­gun­gen, die dem­entspre­chend eine Teil­ha­be an dem Grund­rechts­schutz der Gesell­schaft im Hin­blick auf den Bestand und Betrieb der Kern­kraft­wer­ke garan­tie­ren. Inso­fern gilt für die­se Art von Betei­li­gun­gen ande­res als für das in einer Aktie ver­kör­per­te Anteils­ei­gen­tum des Aktio­närs, des­sen Schutz aus Art. 14 GG eige­nen Regeln folgt 26.

Zuläs­sig­keit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de von Vat­ten­fall[↑]

Auch die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen in dem Ver­fah­ren 1 BvR 1456/​12 Krüm­mel und Vat­ten­fall sind berech­tigt, eine auf Art. 14 GG gestütz­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de zu erhe­ben, obwohl die Antei­le an der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Vat­ten­fall voll­stän­dig und an der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Krüm­mel zu 50 % letzt­lich von einem aus­län­di­schen Staat gehal­ten wer­den.

Die Gesell­schafts­an­tei­le an der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Vat­ten­fall sind mit­tel­bar voll­stän­dig in der Hand des schwe­di­schen Staa­tes. Gleich­wohl steht ihr gegen die 13. AtG-Novel­le die Ver­fas­sungs­be­schwer­de unter Beru­fung auf Art. 14 GG aus­nahms­wei­se offen.

Der schwe­di­sche Staat hält und kon­trol­liert die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Vat­ten­fall über eine Ket­te von Betei­li­gun­gen voll­stän­dig. Ihre allei­ni­ge Gesell­schaf­te­rin war bei Erhe­bung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de die Vat­ten­fall Euro­pe AG, deren allei­ni­ge Aktio­nä­rin die Vat­ten­fall Deutsch­land GmbH war. Zwi­schen­zeit­lich ist die Vat­ten­fall Euro­pe AG auf die Vat­ten­fall Deutsch­land GmbH, die nun­mehr unter Vat­ten­fall GmbH fir­miert, ver­schmol­zen wor­den. Deren allei­ni­ge Gesell­schaf­te­rin war und ist die Vat­ten­fall AB, eine Kapi­tal­ge­sell­schaft schwe­di­schen Rechts. Allei­ni­ger Anteils­eig­ner der Vat­ten­fall AB ist der schwe­di­sche Staat.

Inlän­di­sche juris­ti­sche Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts kön­nen sich nicht auf die mate­ri­el­len Grund­rech­te beru­fen 27. Sie kön­nen folg­lich auch nicht eine Ver­let­zung mate­ri­el­ler Grund­rech­te mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de rügen 28.

Das Feh­len ihrer Grund­rechts­fä­hig­keit hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auf eine Rei­he ver­schie­de­ner, sich zum Teil ergän­zen­der Grün­de gestützt. So kön­ne der nach Art. 1 Abs. 3 GG an die Grund­rech­te gebun­de­ne Staat nicht gleich­zei­tig Adres­sat und Berech­tig­ter von Grund­rech­ten sein 29. Auch bei selb­stän­di­gen Orga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten han­de­le es sich; vom Men­schen und Bür­ger als dem ursprüng­li­chen Inha­ber der Grund­rech­te her gese­hen, jeweils nur um eine beson­de­re Erschei­nungs­form der ein­heit­li­chen Staats­ge­walt 30. Nur wenn die Bil­dung und Betä­ti­gung einer juris­ti­schen Per­son Aus­druck der frei­en Ent­fal­tung der pri­va­ten, natür­li­chen Per­so­nen sei, wenn ins­be­son­de­re der Durch­griff auf die hin­ter den juris­ti­schen Per­so­nen ste­hen­den Men­schen es als sinn­voll und erfor­der­lich erschei­nen las­se, sei es gerecht­fer­tigt, juris­ti­sche Per­so­nen als Grund­rechts­in­ha­ber anzu­se­hen und sie kraft des­sen auch in den Schutz­be­reich bestimm­ter mate­ri­el­ler Grund­rech­te ein­zu­be­zie­hen 31. Die juris­ti­schen Per­so­nen öffent­li­chen Rechts stün­den dem Staat bei Wahr­neh­mung ihrer öffent­li­chen Auf­ga­ben nicht in der glei­chen grund­rechts­ty­pi­schen Gefähr­dungs­la­ge gegen­über wie der ein­zel­ne Grund­rechts­trä­ger 32.

Abwei­chen­des gilt für jene juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts, die unmit­tel­bar einem durch bestimm­te Grund­rech­te geschütz­ten Lebens­be­reich zuge­ord­net sind oder ihm kraft ihrer Eigen­art von vorn­her­ein zuge­hö­ren, wie Rund­funk­an­stal­ten, Uni­ver­si­tä­ten und deren Fakul­tä­ten 33 oder Kir­chen und sons­ti­ge öffent­lich-recht­li­che Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten 34.

Mit im Wesent­li­chen glei­chen Erwä­gun­gen hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auch juris­ti­schen Per­so­nen des Pri­vat­rechts, die ganz vom Staat beherrscht wer­den, die Grund­rechts­fä­hig­keit im Hin­blick auf mate­ri­el­le Grund­rech­te abge­spro­chen, auch weil ansons­ten die Fra­ge der Grund­rechts­fä­hig­keit der öffent­li­chen Hand in nicht gerin­gem Umfang von der jewei­li­gen Orga­ni­sa­ti­ons­form abhän­gig wäre 35. Ent­spre­chen­des gilt für soge­nann­te gemischt­wirt­schaft­li­che Unter­neh­men, sofern der Staat mehr als 50 % der Antei­le an die­sen juris­ti­schen Per­so­nen des Pri­vat­rechts hält 36.

Die für die Ver­nei­nung der Grund­rechts­fä­hig­keit juris­ti­scher Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts und juris­ti­scher Per­so­nen des Pri­vat­rechts, wel­che ganz oder über­wie­gend vom deut­schen Staat gehal­ten wer­den, maß­geb­li­chen Erwä­gun­gen gel­ten für inlän­di­sche juris­ti­sche Per­so­nen des Pri­vat­rechts, die – wie hier Vat­ten­fall – von einem aus­län­di­schen Staat gehal­ten wer­den, nicht unein­ge­schränkt.

So kann das soge­nann­te Kon­fu­si­ons­ar­gu­ment, dem­zu­fol­ge der Staat nicht zugleich grund­rechts­ver­pflich­tet und grund­rechts­be­rech­tigt sein kann, der Grund­rechts­fä­hig­keit einer von einem aus­län­di­schen Staat gehal­te­nen juris­ti­schen Per­son des Pri­vat­rechts nicht ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den. Denn der frem­de Staat ist von vorn­her­ein nicht ver­pflich­tet, die Grund­rech­te der Men­schen in Deutsch­land zu garan­tie­ren und sie ent­spre­chend zu schüt­zen. Aller­dings folgt aus der feh­len­den Grund­rechts­bin­dung des aus­län­di­schen Staa­tes nicht not­wen­dig zugleich sei­ne Grund­rechts­be­rech­ti­gung. Gegen­tei­li­ges ergibt sich auch nicht aus dem Fra­port, Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 37; dort hat das Gericht allein für den umge­kehr­ten Fall aus der Grund­rechts­bin­dung auf das Feh­len der Grund­rechts­be­rech­ti­gung geschlos­sen 38.

Dass die Eröff­nung von Grund­rechts­schutz an staat­li­che Unter­neh­men gene­rell zu einer Schwä­chung und Gefähr­dung des Schut­zes der in Wahr­neh­mung unab­ge­lei­te­ter, ursprüng­li­cher Frei­heit han­deln­den Bür­ger 39 füh­ren könn­te, steht der Gewäh­rung des Grund­rechts­schut­zes in Kon­stel­la­tio­nen der vor­lie­gen­den Art eben­falls nicht ent­ge­gen. Das staat­li­che Unter­neh­men wird nicht aus eige­ner Grund­rechts­bin­dung ent­las­sen, denn als von einem aus­län­di­schen Staat getra­ge­nes Unter­neh­men ist es ohne­hin von vorn­her­ein nicht an die Grund­rech­te des Grund­ge­set­zes gebun­den. Es ist hier auch kein mul­ti­po­la­res Grund­rechts­ver­hält­nis betrof­fen, in dem die Gewäh­rung von Grund­rechts­schutz an das staat­li­che Unter­neh­men unmit­tel­bar die Posi­ti­on eines ande­ren, in ursprüng­li­cher Frei­heit han­deln­den Grund­rechts­trä­gers beein­flus­sen und damit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Schutz ursprüng­li­cher Frei­heit schwä­chen wür­de.

Eine von einem aus­län­di­schen Staat gehal­te­ne juris­ti­sche Per­son des Pri­vat­rechts, die aus­schließ­lich als Wirt­schafts­sub­jekt agiert, ver­fügt wie ande­re, rein pri­va­te Markt­teil­neh­mer weder unmit­tel­bar noch mit­tel­bar über inner­staat­li­che Macht­be­fug­nis­se. Einer sol­chen juris­ti­schen Per­son, wie der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Vat­ten­fall, droht zudem inso­fern eine spe­zi­fi­sche Gefähr­dungs­si­tua­ti­on, als sie – falls ihr die Beru­fung auf die Grund­rech­te völ­lig ver­sagt bleibt – im Gegen­satz zu allen ande­ren Markt­teil­neh­mern gegen­über staat­li­chen Ein­grif­fen und wirt­schafts­len­ken­den Maß­nah­men, die unmit­tel­bar durch Gesetz erfol­gen, rechts­schutz­los ist. Rein pri­va­ten Markt­teil­neh­mern steht die Ver­fas­sungs­be­schwer­de offen. Auch die vom Bund, einem Land oder einer Kom­mu­ne gehal­te­nen juris­ti­schen Per­so­nen des Pri­vat­rechts sind, obwohl es ihnen wegen der feh­len­den Grund­rechts­fä­hig­keit ver­wehrt ist, eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de zu erhe­ben, nicht schutz­los. Die hin­ter ihnen ste­hen­den Hoheits­trä­ger kön­nen sich mit­tels der zur Wah­rung inner­staat­li­cher Kom­pe­ten­zen vor­ge­se­he­nen Schutz­me­cha­nis­men gegen ver­meint­lich ver­fas­sungs­wid­ri­ge Ein­schrän­kun­gen ihrer wirt­schaft­li­chen Betä­ti­gung zur Wehr set­zen. Die­se Opti­on ist den von aus­län­di­schen Staa­ten gehal­te­nen juris­ti­schen Per­so­nen des Pri­vat­rechts ver­schlos­sen. Wird ihnen die Erhe­bung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ver­wehrt, blei­ben sie gegen­über unmit­tel­ba­ren gesetz­li­chen Ein­grif­fen ohne Rechts­schutz­mög­lich­keit. Denn der fach­ge­richt­li­che Ver­wal­tungs­rechts­schutz greift regel­mä­ßig nicht unmit­tel­bar gegen Geset­ze.

Aller­dings fehlt es auch in Fäl­len aus­län­di­scher staat­li­cher Rechts­trä­ger­schaft an den hin­ter die­sen Orga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten ste­hen­den Men­schen, die gegen hoheit­li­che Über­grif­fe zu schüt­zen und deren Mög­lich­kei­ten einer frei­en Mit­wir­kung und Mit­ge­stal­tung im Gemein­we­sen zu sichern letzt­lich Sinn der vom Grund­ge­setz ver­bürg­ten Grund­rech­te ist 40. Eine beson­de­re "grund­rechts­ty­pi­sche Gefähr­dungs­la­ge" ergibt sich jeden­falls nicht schon aus dem Umstand, dass auch das Eigen­tum eines staat­li­chen Unter­neh­mens pri­vat­recht­lich – also als Pri­vat­ei­gen­tum – aus­ge­stal­tet ist, den betref­fen­den Unter­neh­men mit­hin kei­ne wei­ter­ge­hen­den Rech­te zuste­hen als pri­va­ten Markt­teil­neh­mern. Denn in der Hand eines – sei es auch aus­län­di­schen – Staa­tes dient das Eigen­tum nicht der Funk­ti­on, derent­we­gen es durch das Grund­recht geschützt ist, näm­lich dem Eigen­tü­mer "als Grund­la­ge pri­va­ter Initia­ti­ve und in eigen­ver­ant­wort­li­chem pri­va­tem Inter­es­se von Nut­zen" zu sein. Art. 14 GG als Grund­recht schützt nicht das Pri­vat­ei­gen­tum, son­dern das Eigen­tum Pri­va­ter 41.

Ange­sichts die­ser beson­de­ren Umstän­de des Fal­les ist die inso­weit offe­ne Aus­le­gung des Art.19 Abs. 3 GG auch mit Blick auf die uni­ons­recht­lich geschütz­te Nie­der­las­sungs­frei­heit vor­zu­neh­men. Auf die­se Wei­se kön­nen auch Brü­che zwi­schen der deut­schen und der euro­päi­schen Rechts­ord­nung ver­mie­den wer­den. Der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Vat­ten­fall kann hier mit Blick auf die Nie­der­las­sungs­frei­heit aus­nahms­wei­se die Erhe­bung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de unter Beru­fung auf Art. 14 GG eröff­net wer­den 42.

Die Nie­der­las­sungs­frei­heit ist betrof­fen. Zwar ist die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Vat­ten­fall eine nach deut­schem Gesell­schafts­recht errich­te­te Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung. Dahin­ter steht jedoch mit der Vat­ten­fall AB ein schwe­di­sches Mut­ter­un­ter­neh­men. Die Vat­ten­fall AB hat bei der Grün­dung ihrer deut­schen Toch­ter­un­ter­neh­men von ihrer Nie­der­las­sungs­frei­heit Gebrauch gemacht (Art. 54 Abs. 1 i.V.m. Art. 49 Abs. 1 Satz 2 AEUV). Die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Vat­ten­fall als Toch­ter­ge­sell­schaft im Sin­ne des Art. 49 Abs. 1 Satz 2 AEUV kann sich auf den ihrer Mut­ter­ge­sell­schaft durch die Nie­der­las­sungs­frei­heit gewähr­ten Schutz beru­fen 43. Der Anwend­bar­keit der Nie­der­las­sungs­frei­heit steht nicht ent­ge­gen, dass das Unter­neh­men voll­stän­dig in der Hand des schwe­di­schen Staa­tes liegt. Die Grund­frei­hei­ten des Uni­ons­rechts dif­fe­ren­zie­ren inso­fern nicht. Art. 54 Abs. 2 AEUV bezieht öffent­lich-recht­lich orga­ni­sier­te Unter­neh­men, sofern sie einen Erwerbs­zweck ver­fol­gen, aus­drück­lich in den Anwen­dungs­be­reich der Nie­der­las­sungs­frei­heit ein.

AEUV steht natio­na­len Rege­lun­gen oder Maß­nah­men ent­ge­gen, die zwar ohne Dis­kri­mi­nie­rung aus Grün­den der Staats­an­ge­hö­rig­keit anwend­bar sind, die aber geeig­net sind, die Aus­übung der durch den Ver­trag über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on garan­tier­ten grund­le­gen­den Frei­hei­ten durch die Uni­ons­an­ge­hö­ri­gen zu behin­dern oder weni­ger attrak­tiv zu machen 44.

Zwar dürf­te nicht schon allein dar­in eine Beschrän­kung der Nie­der­las­sungs­frei­heit lie­gen, dass einem Unter­neh­men die Beru­fung auf Grund­rech­te und damit nach natio­na­lem Ver­fas­sungs­pro­zess­recht auch die Mög­lich­keit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ver­sagt blie­be.

Ange­sichts der beson­de­ren Umstän­de des vor­lie­gen­den Falls bedürf­te die Ver­weh­rung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de hier jedoch der Recht­fer­ti­gung vor der Nie­der­las­sungs­frei­heit. Zum einen wäre der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Vat­ten­fall nach gel­ten­dem deut­schen Pro­zess­recht ohne die Mög­lich­keit der Geset­zes­ver­fas­sungs­be­schwer­de kei­ner­lei Rechts­schutz­mög­lich­keit gegen die mit der 13. AtG-Novel­le ver­bun­de­nen Beein­träch­ti­gun­gen eröff­net. Zum ande­ren wie­gen die mit der 13. AtG-Novel­le ver­bun­de­nen Beein­träch­ti­gun­gen beson­ders schwer, weil die Novel­le die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Vat­ten­fall dazu zwingt, das antei­lig auch von ihr gehal­te­ne und über die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Krüm­mel betrie­be­ne Kern­kraft­werk früh­zei­tig abzu­schal­ten, womit inso­weit die wei­te­re Aus­übung der Nie­der­las­sungs­frei­heit aus­ge­schlos­sen wird. Schließ­lich müss­te die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Vat­ten­fall einen spür­ba­ren Wett­be­werbs­nach­teil hin­neh­men. Anders als ihr steht ihren pri­va­ten Wett­be­wer­bern in Gestalt der Geset­zes­ver­fas­sungs­be­schwer­de eine Rechts­schutz­mög­lich­keit gegen die mit der 13. AtG-Novel­le ver­bun­de­nen Beein­träch­ti­gun­gen offen. Selbst einem vom deut­schen Staat gehal­te­nen Wett­be­wer­ber ste­hen wenigs­tens inner­halb der Staats­or­ga­ni­sa­ti­on Mög­lich­kei­ten der Inter­es­sen­wahr­neh­mung zur Ver­fü­gung.

Es fehl­te an den Vor­aus­set­zun­gen für die Recht­fer­ti­gung einer blo­ßen Beschrän­kung der Nie­der­las­sungs­frei­heit. Beschrän­kun­gen der Nie­der­las­sungs­frei­heit, die ohne Dis­kri­mi­nie­rung aus Grün­den der Staats­an­ge­hö­rig­keit gel­ten, kön­nen nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on durch zwin­gen­de Grün­de des All­ge­mein­in­ter­es­ses gerecht­fer­tigt sein, sofern sie geeig­net sind, die Errei­chung des mit ihnen ver­folg­ten Ziels zu gewähr­leis­ten, und nicht über das hin­aus­ge­hen, was zur Errei­chung die­ses Ziels erfor­der­lich ist 45. Sol­che zwin­gen­den Grün­de des All­ge­mein­in­ter­es­ses sind nicht ersicht­lich. Dass die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin ein staat­li­ches Unter­neh­men ist, begrün­det für sich genom­men kei­nen zwin­gen­den Grund des All­ge­mein­in­ter­es­ses, weil die Grund­frei­hei­ten hin­sicht­lich ihres per­so­nel­len Schutz­be­reichs gera­de nicht zwi­schen staat­li­chen und nicht staat­li­chen Unter­neh­men dif­fe­ren­zie­ren (zur Nie­der­las­sungs­frei­heit Art. 54 Abs. 2 AEUV).

Die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und die Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te legen eben­falls nahe, der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Vat­ten­fall eine effek­ti­ve Rechts­schutz­mög­lich­keit gegen die 13. AtG-Novel­le zu eröff­nen. Sie sind als Aus­le­gungs­hil­fe bei der Aus­le­gung der Grund­rech­te und rechts­staat­li­chen Grund­sät­ze des Grund­ge­set­zes her­an­zu­zie­hen, ver­lan­gen aller­dings kei­ne sche­ma­ti­sche Par­al­le­li­sie­rung 46. Wie die Ent­schei­dung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te zur Men­schen­rechts­fä­hig­keit staat­lich beherrsch­ter Unter­neh­men 47 in die deut­sche Rechts­ord­nung ein­ge­fügt wer­den kann, bedarf hier kei­ner Ent­schei­dung. Die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Vat­ten­fall kann jeden­falls ver­tret­bar behaup­ten, in ihrem kon­ven­ti­ons­recht­li­chen Eigen­tums­recht aus Art. 1 Zusatz­pro­to­koll zur Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ver­letzt zu sein, woge­gen Art. 13 EMRK ein Beschwer­de­recht bei einer inner­staat­li­chen Instanz ver­langt 48. Das zwingt nicht zu einem Rechts­be­helf gegen ein Gesetz 49, aber doch zur Eröff­nung einer Beschwer­de­mög­lich­keit 50.

Die wei­te­re Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin in dem Ver­fah­ren 1 BvR 1456/​12 – Krüm­mel – ist im Ergeb­nis eben­falls berech­tigt, sich auf die von ihr als ver­letzt gel­tend gemach­ten Grund­rech­te aus Art. 14 und Art. 3 GG zu beru­fen.

An der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Krüm­mel sind zu 50 % die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Vat­ten­fall und zu 50 % die E.ON Kern­kraft GmbH betei­ligt, deren allei­ni­ge Gesell­schaf­te­rin die E.ON Ener­gie AG ist. Es kann hier offen blei­ben, ob die Kern­kraft­werk Krüm­mel GmbH & Co. oHG wegen des nur 50 %igen Anteils von Vat­ten­fall im Ergeb­nis als pri­va­tes oder mit Blick auf etwai­ge Staats­an­tei­le bei der E.ON Ener­gie AG als ins­ge­samt vom Staat beherrsch­tes Unter­neh­men zu beur­tei­len ist. In jedem Fall ist die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Krüm­mel hin­sicht­lich der als ver­letzt gerüg­ten Grund­rech­te grund­rechts­fä­hig.

Soll­ten Antei­le an der E.ON Ener­gie AG in den Hän­den des deut­schen Staa­tes lie­gen, kann es sich allem Anschein nach nur um akti­en­recht­li­chen Streu­be­sitz han­deln. Nach den hier­zu durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt for­mu­lier­ten Grund­sät­zen 51 gibt es danach kei­ne Anzei­chen für eine mehr­heit­lich staat­li­che Ver­ant­wor­tung für das Unter­neh­men. Selbst wenn die hälf­ti­ge Betei­li­gung von Vat­ten­fall an der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Krüm­mel einem vom deut­schen Staat gehal­te­nen Anteil gleich gestellt wür­de, führ­te allein dies man­gels Über­wie­gens nicht zu einer Beherr­schung durch den Staat 52. Die Kern­kraft­werk Krüm­mel GmbH & Co. oHG wäre dann wie ein rein pri­va­tes Unter­neh­men zu behan­deln.

Soll­te sich in der Kom­bi­na­ti­on der Antei­le der Vat­ten­fall Euro­pe Nuclear Ener­gy GmbH und der E.ON Ener­gie AG wegen einer spe­zi­fi­schen Zusam­men­set­zung des Akti­en­be­sit­zes bei E.ON im Ergeb­nis doch eine staat­li­che Beherr­schung der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Krüm­mel erge­ben, wäre auch sie aus den zur Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Vat­ten­fall dar­ge­leg­ten Grün­den in ent­spre­chen­dem Umfang befugt, Ver­fas­sungs­be­schwer­de zu erhe­ben.

Wei­te­re Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen[↑]

Die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen in allen drei Ver­fah­ren kön­nen sich mit ihren Ver­fas­sungs­be­schwer­den direkt gegen die 13. AtG-Novel­le wen­den. Sie wer­den durch die dar­in erfolg­te Strei­chung der mit der 11. AtG-Novel­le zuge­teil­ten Zusatz­strom­men­gen und durch die Ein­füh­rung fes­ter Abschalt­ter­mi­ne für alle Kern­kraft­wer­ke selbst, gegen­wär­tig und unmit­tel­bar 53 in Grund­rech­ten betrof­fen. Ins­be­son­de­re bedür­fen die ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen kei­nes admi­nis­tra­ti­ven Umset­zungs­ak­tes.

Die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen sind nicht aus Grün­den der Sub­si­dia­ri­tät der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ver­pflich­tet, vor­ab um fach­ge­richt­li­chen Rechts­schutz nach­zu­su­chen.

Auch für Ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen Geset­ze gilt der Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät. Danach ist die Ver­fas­sungs­be­schwer­de eines von der ange­grif­fe­nen Rechts­norm selbst, gegen­wär­tig und unmit­tel­bar betrof­fe­nen Grund­rechts­trä­gers dann unzu­läs­sig, wenn er in zumut­ba­rer Wei­se Rechts­schutz durch die Anru­fung der Fach­ge­rich­te erlan­gen kann 54. Damit soll erreicht wer­den, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht auf unge­si­cher­ter Tat­sa­chen- und Rechts­grund­la­ge weit­rei­chen­de Ent­schei­dun­gen trifft 55.

Eine zumut­ba­re fach­ge­richt­li­che Rechts­schutz­mög­lich­keit gegen die ange­grif­fe­nen Bestim­mun­gen der 13. AtG-Novel­le besteht für die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen nicht. Die hier allein in Fra­ge kom­men­de Fest­stel­lungs­kla­ge vor den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten ist im Zusam­men­hang mit dem Angriff gegen ein Gesetz zwar nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen, setzt aber zumin­dest die Fest­stel­lungs­fä­hig­keit eines kon­kre­ten Rechts­ver­hält­nis­ses vor­aus 56. Ein sinn­vol­ler Fest­stel­lungs­an­trag, der über die den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten in jedem Fall ver­wehr­te Fest­stel­lung der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der ange­grif­fe­nen Nor­men hin­aus gin­ge und die­se gleich­wohl zum Gegen­stand der Klä­rung eines kon­kre­ten Rechts­ver­hält­nis­ses mach­te, ist hier jedoch nicht erkenn­bar.

Eine Ver­wei­sung der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen auf den Weg vor die Fach­ge­rich­te wäre im Übri­gen, selbst wenn es dafür einen zuläs­si­gen Rechts­be­helf gäbe, weder zur Klä­rung ein­fach­recht­li­cher Fra­gen noch zur Auf­be­rei­tung des Tat­sa­chen­ma­te­ri­als für die hier zu ent­schei­den­den Fra­gen sach­lich gebo­ten. In Rede steht allein die ver­fas­sungs­recht­li­che Beur­tei­lung der durch die 13. AtG-Novel­le getrof­fe­nen Rege­lun­gen. Dass die­se Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts von schwie­ri­gen ein­fach­recht­li­chen Vor­klä­run­gen abhängt, ist nicht ersicht­lich. Ob sich wei­te­re Tat­sa­chen­fra­gen stel­len, ins­be­son­de­re im Zusam­men­hang mit den Pro­gno­sen zum zu erwar­ten­den Ver­brauch der Rest­strom­men­gen inner­halb der den Kern­kraft­wer­ken ver­blei­ben­den Lauf­zei­ten und zu den Grün­den etwa ver­blei­ben­der Strom­res­te, hängt untrenn­bar mit den hier dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur Klä­rung auf­ge­ge­be­nen Ver­fas­sungs­rechts­fra­gen zusam­men und ergibt sich so erst aus einer ver­fas­sungs­recht­li­chen Prü­fung.

13. AtG-Novel­le – und die Schutz­be­reichs­be­trof­fen­heit der Eigen­tums­frei­heit, Art. 14 GG[↑]

Gegen­stand der Ver­fas­sungs­be­schwer­den sind die wesent­li­chen Rege­lungs­be­stand­tei­le der 13. AtG-Novel­le. Sie betref­fen vor allem die Ein­füh­rung zeit­lich gestaf­fel­ter End­ter­mi­ne für die Berech­ti­gung zum Leis­tungs­be­trieb der im August 2011 noch in Betrieb befind­li­chen Kern­kraft­wer­ke und die Strei­chung der erst Ende 2010 die­sen Kraft­wer­ken mit der 11. AtG-Novel­le zuge­teil­ten Zusatz­strom­men­gen. Nicht Gegen­stand der Ver­fas­sungs­be­schwer­den ist hin­ge­gen die mit dem Gesetz zur geord­ne­ten Been­di­gung der Kern­ener­gie­nut­zung zur gewerb­li­chen Erzeu­gung von Elek­tri­zi­tät vom 22.04.2002 7 (im Fol­gen­den: Aus­stiegs­ge­setz) getrof­fe­ne Grund­satz­ent­schei­dung über die Been­di­gung der fried­li­chen Nut­zung der Kern­ener­gie in Deutsch­land. Die ver­fas­sungs­recht­li­che Kon­trol­le des ange­grif­fe­nen Geset­zes setzt damit auf einer Rechts­la­ge auf, nach der die Been­di­gung des Leis­tungs­be­triebs der Kern­kraft­wer­ke nach Maß­ga­be der ihnen zuge­teil­ten Elek­tri­zi­täts­men­gen fest­stand.

Die ange­grif­fe­nen Bestim­mun­gen der 13. AtG-Novel­le sind vor­nehm­lich am Grund­recht auf Eigen­tum zu mes­sen, mit dem sie im Wesent­li­chen, nicht aber in allen Punk­ten in Ein­klang ste­hen. Wei­ter­ge­hen­de Fol­gen erge­ben sich auch nicht aus Art. 12 GG. Ein Ver­stoß gegen das Ver­bot des Ein­zel­fall­ge­set­zes (Art.19 Abs. 1 Satz 1 GG) liegt nicht vor.

Die ange­grif­fe­nen Bestim­mun­gen der 13. AtG-Novel­le sind an Art. 14 GG zu mes­sen, denn sie grei­fen in mehr­fa­cher Hin­sicht in eigen­tums­recht­lich geschütz­te Posi­tio­nen der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen ein. Eine Ent­eig­nung ist damit aller­dings nicht ver­bun­den. Die Bestim­mung von Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen durch die 13. AtG-Novel­le ist im Wesent­li­chen, nicht aber in allen Punk­ten ver­fas­sungs­ge­mäß.

Prü­fungs­maß­stab für die ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen der 13. AtG-Novel­le ist zunächst Art. 14 GG.

Das Eigen­tum ist ein ele­men­ta­res Grund­recht und sein Schutz von beson­de­rer Bedeu­tung für den sozia­len Rechts­staat 57. Der Eigen­tums­ga­ran­tie kommt im Gefü­ge der Grund­rech­te ins­be­son­de­re die Auf­ga­be zu, dem Trä­ger des Grund­rechts einen Frei­heits­raum im ver­mö­gens­recht­li­chen Bereich zu sichern. Das ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­te Eigen­tum ist durch Pri­vat­nüt­zig­keit und grund­sätz­li­che Ver­fü­gungs­be­fug­nis des Eigen­tü­mers über den Eigen­tums­ge­gen­stand gekenn­zeich­net 58. Es soll als Grund­la­ge pri­va­ter Initia­ti­ve und in eigen­ver­ant­wort­li­chem pri­va­tem Inter­es­se von Nut­zen sein 59. Dabei genießt es einen beson­ders aus­ge­präg­ten Schutz, soweit es um die Siche­rung der per­sön­li­chen Frei­heit der Ein­zel­nen geht 60. Zugleich soll der Gebrauch des Eigen­tums dem Wohl der All­ge­mein­heit die­nen (Art. 14 Abs. 2 GG) 61.

Die Eigen­tums­ga­ran­tie schützt den kon­kre­ten Bestand in der Hand der ein­zel­nen Eigen­tü­mer 62 gegen­über Maß­nah­men der öffent­li­chen Gewalt 63. Im Fal­le einer ver­fas­sungs­ge­mä­ßen Ent­eig­nung tritt an die Stel­le der Bestands­ga­ran­tie eine Wert­ga­ran­tie, die sich auf Gewäh­rung einer vom Gesetz­ge­ber dem Grun­de nach zu bestim­men­den Ent­schä­di­gung rich­tet 64. Dies ändert aller­dings nichts dar­an, dass Art. 14 GG in ers­ter Linie den Bestand des Eigen­tums in sei­ner frei­heits­si­chern­den Funk­ti­on schützt, nicht nur sei­nen Wert 65.

Die kon­kre­te Reich­wei­te des Schut­zes durch die Eigen­tums­ga­ran­tie ergibt sich erst aus der Bestim­mung von Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums, die nach Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG Sache des Gesetz­ge­bers ist. Die­ser ist nicht gänz­lich frei: Er muss die Frei­heits­sphä­re der Ein­zel­nen mit dem Wohl der All­ge­mein­heit in ein aus­ge­wo­ge­nes Ver­hält­nis brin­gen, das nicht nur Ori­en­tie­rungs­punkt, son­dern auch Gren­ze für die Beschrän­kung des Eigen­tums ist 66. Zugleich muss das zuläs­si­ge Aus­maß einer Sozi­al­bin­dung auch vom Eigen­tum selbst her bestimmt wer­den 67. Die Bestands­ga­ran­tie des Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG, der Rege­lungs­auf­trag des Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG und die Sozi­al­pflich­tig­keit des Eigen­tums nach Art. 14 Abs. 2 GG ste­hen in einem unlös­ba­ren Zusam­men­hang. Dage­gen ist die Befug­nis des Gesetz­ge­bers zur Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung umso wei­ter, je stär­ker der sozia­le Bezug des Eigen­tums­ob­jekts ist; hier­für sind des­sen Eigen­art und Funk­ti­on von ent­schei­den­der Bedeu­tung 68.

Bei den auf der Grund­la­ge des Atom­ge­set­zes von den Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men geschaf­fe­nen Kern­kraft­wer­ken und damit in Zusam­men­hang ste­hen­den Eigen­tums­rechts­po­si­tio­nen ist zu berück­sich­ti­gen, dass es sich hier­bei um Eigen­tum mit einem beson­ders aus­ge­präg­ten sozia­len Bezug han­delt. Einer­seits hat sich der Staat mit dem Atom­ge­setz von 1959 bewusst für die fried­li­che Nut­zung der Kern­ener­gie ent­schie­den und mit zahl­rei­chen För­der­maß­nah­men auch Inves­ti­tio­nen aus dem pri­va­ten Bereich ver­an­lasst. Ande­rer­seits ist in den letz­ten Jahr­zehn­ten zuneh­mend in den Vor­der­grund des öffent­li­chen Bewusst­seins getre­ten, dass es sich bei der fried­li­chen Nut­zung der Kern­ener­gie um eine Hoch­ri­si­ko­tech­no­lo­gie han­delt, die unter ande­rem mit extre­men Scha­dens­fall­ri­si­ken und mit bis­her noch nicht geklär­ten End­la­ger­pro­ble­men belas­tet ist 69. Dies ver­schafft dem Gesetz­ge­ber bei der Aus­ge­stal­tung des Atom­rechts einen beson­ders wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum, auch gegen­über bestehen­den Eigen­tums­po­si­tio­nen, ohne die­sen jedoch jeg­li­chen Schutz zu neh­men 70.

Die Rege­lun­gen der 13. AtG-Novel­le belas­ten die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen in mehr­fa­cher Hin­sicht. Dadurch ist der Schutz­be­reich des Art. 14 Abs. 1 GG betrof­fen, der das Eigen­tum in ver­schie­de­nen Aus­prä­gun­gen unter ver­fas­sungs­recht­li­chen Schutz stellt.

Die Staf­fe­lung der Lauf­zeit­enden und die Strei­chung der im Jahr 2010 ein­ge­räum­ten Zusatz­strom­men­gen durch die 13. AtG-Novel­le beein­träch­ti­gen die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen als Eigen­tü­me­rin­nen und Betrei­be­rin­nen der Kern­kraft­wer­ke nach der Atom­aus­stiegs­ent­schei­dung in unter­schied­li­cher Wei­se. Aller­dings prägt die Ent­schei­dung der Jah­re 2000/​2002 für den Aus­stieg aus der gewerb­li­chen Nut­zung der Kern­ener­gie, ver­bun­den mit der dama­li­gen Begren­zung auf bestimm­te Rest­strom­men­gen, die inso­weit betrof­fe­nen Eigen­tums­po­si­tio­nen der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen und die ihnen ver­blie­be­nen Nut­zungs­mög­lich­kei­ten wesent­lich vor.

Die 13. AtG-Novel­le bestimmt im neu gefass­ten § 7 Abs. 1a Satz 1 AtG erst­mals kon­kre­te Ter­mi­ne für das Erlö­schen der Berech­ti­gung zum Leis­tungs­be­trieb der ein­zel­nen Kern­kraft­wer­ke. Mit dem Ende der Betriebs­be­rech­ti­gung ent­fällt das aus dem Eigen­tum an den Grund­stü­cken und Anla­gen flie­ßen­de Nut­zungs­recht der Strom­erzeu­gung aus Kern­kraft.

Die­se Beein­träch­ti­gung geht über die bereits vor­han­de­ne Vor­be­las­tung durch den 2002 gesetz­lich beschlos­se­nen Atom­aus­stieg hin­aus. Ange­sichts der nun gere­gel­ten fes­ten End­zeit­punk­te des Leis­tungs­be­triebs wer­den – auch unter Berück­sich­ti­gung der erwei­ter­ten Über­tra­gungs­mög­lich­kei­ten von Strom­kon­tin­gen­ten nach der Neu­fas­sung des § 7 Abs. 1b Satz 4 AtG – die ursprüng­lich zuge­wie­se­nen Rest­strom­men­gen aller Vor­aus­sicht nach weder in dem jeweils "zuge­hö­ri­gen" Kern­kraft­werk noch kon­zern­in­tern in ande­ren Kraft­wer­ken ver­braucht wer­den kön­nen, auf die sie über­tra­gen wer­den dür­fen. So kann der neu gefass­te § 7 Abs.1a AtG zu sub­stan­ti­el­len Ein­bu­ßen an bestehen­den Nut­zungs­mög­lich­kei­ten bereits im Hin­blick auf die­se Rest­strom­men­gen füh­ren.

Durch Art. 1 Nr. 1 Buch­sta­be b aa, Buch­sta­be c aa und Nr. 3 Buch­sta­be a der 13. AtG-Novel­le wer­den die erst kurz zuvor mit der 11. AtG-Novel­le vom 08.12 2010 9 den Kern­kraft­wer­ken in der neu­en Spal­te 4 der Anla­ge 3 zum Atom­ge­setz zusätz­lich zuge­wie­se­nen Rest­strom­men­gen wie­der gestri­chen. Dadurch nimmt der Gesetz­ge­ber die gera­de zuge­spro­che­ne Lauf­zeit­ver­län­ge­rung von rund 12 Jah­ren je Kern­kraft­werk 71 wie­der zurück und ver­kürzt deren mög­li­che Nut­zungs­dau­er ent­spre­chend.

Die durch den neu­en § 7 Abs. 1a AtG ein­ge­führ­ten fes­ten Zeit­punk­te für das Ende des Leis­tungs­be­triebs begren­zen nicht nur die Nut­zungs­mög­lich­kei­ten der Kern­kraft­wer­ke durch einen star­ren End­punkt, sie schrän­ken damit zugleich die bis dahin trotz bereits erfolg­tem Atom­aus­stieg noch bestehen­de unter­neh­me­ri­sche Gestal­tungs­frei­heit ein, dar­über zu bestim­men, wie lan­ge wel­ches Kern­kraft­werk, gege­be­nen­falls unter Ein­pla­nung von Still­stands- oder gerin­ge­ren Pro­duk­ti­ons­pha­sen, noch lau­fen soll.

Schließ­lich kann, wie von den Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen gel­tend gemacht, die Ein­füh­rung von fes­ten Abschalt­ter­mi­nen schon für sich genom­men, aber auch in Ver­bin­dung mit der Strei­chung der Strom­zu­satz­men­gen dazu füh­ren, dass im Ver­trau­en auf die bestehen­de Rechts­la­ge vor­ge­nom­me­ne Inves­ti­tio­nen hin­fäl­lig wer­den.

Die Eigen­tums­ga­ran­tie ist dadurch in ver­schie­de­nen Aus­prä­gun­gen betrof­fen. Vom Gesetz­ge­ber bei der Beschleu­ni­gung des Atom­aus­stiegs durch die 13. AtG-Novel­le zu beach­ten­de Eigen­tums­rech­te bestehen hin­sicht­lich der exis­tie­ren­den Anla­gen und ihrer Nut­zung sowie – ver­mit­telt über das Anla­gen­ei­gen­tum – im Hin­blick auf die Rest­strom­men­gen von 2002 und 2010, nicht hin­ge­gen an den atom­recht­li­chen Geneh­mi­gun­gen selbst. Das Recht am ein­ge­rich­te­ten und aus­ge­üb­ten Gewer­be­be­trieb spielt dane­ben kei­ne eigen­stän­di­ge Rol­le. Das uni­ons­recht­li­che Nut­zungs- und Ver­brauchs­recht an den Kern­brenn­stof­fen beein­flusst den natio­na­len Eigen­tums­schutz eben­falls nicht.

Vom Schutz des Eigen­tums nach Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG umfasst ist das zivil­recht­li­che Sach­ei­gen­tum, des­sen Besitz und die Mög­lich­keit, es zu nut­zen 72. Danach genie­ßen das Eigen­tum und der Besitz der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Eigen­tums­schutz an den Werks­grund­stü­cken und den Kraft­werks­an­la­gen. Ver­fas­sungs­recht­lich geschützt ist auch die Nutz­bar­keit die­ser Betriebs­an­la­gen.

Unter­liegt das Eigen­tum bereits zum Zeit­punkt sei­ner Begrün­dung einem öffent­lich-recht­li­chen Nut­zungs­re­gime, ist der ver­fas­sungs­recht­li­che Schutz der Eigen­tums­nut­zung gegen­über spä­te­ren Ein­grif­fen und Aus­ge­stal­tun­gen im Grund­satz auf das danach Erlaub­te begrenzt, wobei der Bestands­schutz für erlaub­te Nut­zun­gen von Rechts­ge­biet zu Rechts­ge­biet unter­schied­lich aus­ge­stal­tet sein kann.

Die Rege­lun­gen der 13. AtG-Novel­le tref­fen inso­weit auf Anla­gen­ei­gen­tum der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen, des­sen Nut­zung atom­recht­lich geneh­migt ist und das durch die­se Geneh­mi­gun­gen kon­kre­ti­siert ist. Anders als frü­he­re atom­recht­li­che Geneh­mi­gun­gen, die zwar seit jeher in erheb­li­chem Umfang nach­träg­li­che Auf­la­gen und Ein­schrän­kun­gen zulie­ßen (vgl. § 17 AtG), jedoch zeit­lich nicht begrenzt waren, war bei Inkraft­tre­ten der 13. AtG-Novel­le die eigen­tums­recht­lich geschütz­te Nut­zung an den Kern­kraft­wer­ken bereits dadurch geprägt, dass sie nur noch bis zum Ver­brauch der 2002 zuge­teil­ten Rest­strom­men­gen aus­ge­übt wer­den durf­ten. Denn der Atom­aus­stieg als sol­cher war bereits aus­ge­hend von der zwi­schen der Bun­des­re­gie­rung und den Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men getrof­fe­nen Atom­kon­sens­ver­ein­ba­rung vom 14.06.2000 durch das Gesetz zur geord­ne­ten Been­di­gung der Kern­ener­gie­nut­zung zur gewerb­li­chen Erzeu­gung von Elek­tri­zi­tät vom 22.04.2002 7 fest­ge­legt wor­den. Sei­ner­zeit war ent­schie­den wor­den, dass mit dem Ver­brauch der in jenem Gesetz den ein­zel­nen Kern­kraft­wer­ken zuge­teil­ten Rest­strom­men­gen der Leis­tungs­be­trieb der jewei­li­gen Kern­kraft­wer­ke enden wer­de. Damit stand bei der Ver­ab­schie­dung der 13. AtG-Novel­le das Aus­lau­fen der Kern­ener­gie­nut­zung als sol­ches außer Fra­ge. Der Atom­aus­stieg von 2000/​2002 ist damit nicht Gegen­stand des ange­grif­fe­nen Geset­zes. Ledig­lich die ein­zel­nen Abschalt­zeit­punk­te waren nach der bis­her gel­ten­den Rege­lung unge­wiss, weil sie von der jewei­li­gen Nut­zungs­in­ten­si­tät der Kern­kraft­wer­ke und davon abhin­gen, inwie­weit von den Mög­lich­kei­ten der Strom­men­gen­über­tra­gung Gebrauch gemacht wur­de.

Die atom­recht­li­che Geneh­mi­gung zur Errich­tung und zum Betrieb einer Kern­kraft­werks­an­la­ge oder die Geneh­mi­gung zum Leis­tungs­be­trieb (§ 7 Abs. 1 und 1a AtG) selbst sind kein nach Art. 14 GG geschütz­tes Eigen­tums­recht. Sol­che Geneh­mi­gun­gen zum Betrieb gefähr­li­cher Anla­gen sind staat­li­che Erlaub­nis­se, mit denen je nach Aus­ge­stal­tung repres­si­ve oder prä­ven­ti­ve Ver­bo­te mit Erlaub­nis­vor­be­halt über­wun­den wer­den. Sie sind damit nicht ver­gleich­bar jenen sub­jek­ti­ven öffent­li­chen Rech­ten, denen nach gefes­tig­ter ver­fas­sungs­ge­richt­li­cher Recht­spre­chung Eigen­tums­schutz zuer­kannt wird, weil sie dem Ein­zel­nen eine Rechts­po­si­ti­on ver­schaf­fen, wel­che der­je­ni­gen eines Eigen­tü­mers ent­spricht und die so stark ist, dass ihre ersatz­lo­se Ent­zie­hung dem rechts­staat­li­chen Gehalt des Grund­ge­set­zes wider­spre­chen wür­de 73. Sol­che Rech­te sind durch eine zumin­dest ein­ge­schränk­te Ver­fü­gungs­be­fug­nis und durch einen in nicht uner­heb­li­chem Umfang auf Eigen­leis­tung beru­hen­den Erwerb gekenn­zeich­net 74. Bei­des fehlt den atom­recht­li­chen Geneh­mi­gun­gen.

Auch wenn die Geneh­mi­gun­gen nach § 7 Abs. 1, 1a AtG erst nach erheb­li­chen Inves­ti­tio­nen des Anla­gen­be­trei­bers in Grund­stück und Anla­ge erteilt wer­den oder die Ertei­lung Vor­aus­set­zung für sol­che Inves­ti­tio­nen ist, wer­den sie dadurch nicht zum Eigen­tum in der Hand des Geneh­mi­gungs­in­ha­bers 75. Sie kön­nen Ver­trau­en schaf­fen, sind aber kein ver­fas­sungs­recht­li­ches Eigen­tum. Art. 14 GG schützt nicht die öffent­li­che Geneh­mi­gung als sol­che, son­dern nur die auf­grund der Geneh­mi­gung geschaf­fe­nen pri­va­ten Ver­mö­gens­po­si­tio­nen.

Die Rest­strom­men­gen, die den ein­zel­nen Kern­kraft­wer­ken durch das Aus­stiegs­ge­setz in einem neu­en § 7 Abs. 1a AtG der Anla­ge 3 Spal­te 2 zum Atom­ge­setz zuge­wie­sen wur­den, genie­ßen kei­nen eigen­stän­di­gen Schutz durch Art. 14 Abs. 1 GG, haben aber Teil an dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Eigen­tums­schutz, den Art. 14 GG für die Nut­zung des Eigen­tums an einer zuge­las­se­nen kern­tech­ni­schen Anla­ge gewährt.

Die mit dem Aus­stiegs­ge­setz den Kern­kraft­wer­ken zuge­wie­se­nen Rest­strom­men­gen prä­gen die unter den Schutz von Art. 14 Abs. 1 GG fal­len­de Nut­zung der Kern­kraft­wer­ke; ihnen feh­len jedoch wesent­li­che Merk­ma­le selb­stän­dig eigen­tums­fä­hi­ger Rechts­po­si­tio­nen.

Die Rest­strom­men­gen kenn­zeich­nen einer­seits die mit dem Atom­aus­stieg vor­ge­nom­me­ne Ein­schrän­kung des Anla­gen­ei­gen­tums, da mit ihnen das Aus­lau­fen der Kraft­werks­nut­zung fest­ge­schrie­ben wur­de. Zugleich sind sie ande­rer­seits maß­geb­li­cher Fak­tor für den Leis­tungs­be­trieb, weil sie den ein­zel­nen Kern­kraft­wer­ken zur Ver­stro­mung und damit zur Gewinn­erzie­lung zuge­wie­sen sind und so ein pri­vat­nüt­zi­ges Wert­be­stim­mungs­merk­mal bil­den.

Nach § 7 Abs. 1b AtG kön­nen die Rest­strom­men­gen in begrenz­tem Umfang auf ande­re Kern­kraft­wer­ke über­tra­gen wer­den. Frei ver­füg­bar wie sons­ti­ge Eigen­tums­rech­te sind sie jedoch nicht. Die Über­trag­bar­keit der Rest­strom­men­gen ist viel­mehr von vorn­her­ein auf die ande­ren deut­schen Kern­kraft­wer­ke begrenzt und zudem in § 7 Abs. 1b AtG wei­te­ren Beschrän­kun­gen unter­wor­fen, ins­be­son­de­re dem Grund­satz "alt auf neu" in § 7 Abs. 1b Satz 1 AtG. Ohne eine Kern­kraft­werks­an­la­ge, in der Rest­strom­men­gen erzeugt wer­den kön­nen, sind Rest­strom­men­gen zudem wert­los.

Schließ­lich beruht die Gewäh­rung der Rest­strom­men­gen durch das Aus­stiegs­ge­setz nicht unmit­tel­bar auf erheb­li­chen Eigen­leis­tun­gen der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen. Die Rest­strom­men­gen sind nicht als direk­te Kom­pen­sa­ti­on für die mit dem Aus­stieg wert­los wer­den­den Inves­ti­tio­nen kon­zi­piert, son­dern maß­geb­li­ches Merk­mal der zeit­li­chen Beschrän­kung des Betriebs. Die Gewäh­rung der Rest­strom­men­gen durch das Aus­stiegs­ge­setz erfolg­te aller­dings auch zur Wah­rung des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­sat­zes im Hin­blick auf die mit dem Aus­stieg ver­bun­de­nen Grund­rechts­be­ein­träch­ti­gun­gen 76.

Eine Son­der­stel­lung neh­men die in der Anla­ge 3 Spal­te 2 zum Atom­ge­setz dem damals bereits still­ge­leg­ten Kern­kraft­werk Mül­heim-Kär­lich zuge­wie­se­nen Rest­strom­men­gen ein. Die Zuschrei­bung erfolg­te im Rah­men eines Ver­gleichs als Gegen­leis­tung für die Been­di­gung des Amts­haf­tungs­pro­zes­ses gegen das Land Rhein­land-Pfalz und für die Rück­nah­me des Antrags auf Ertei­lung einer atom­recht­li­chen Betriebs­ge­neh­mi­gung für das Kern­kraft­werk. Es kann hier dahin­ste­hen, inwie­weit die­se Rest­strom­men­gen dadurch eine eigen­stän­di­ge eigen­tums­recht­li­che Qua­li­tät gewin­nen, dass sie von Beginn an los­ge­löst von dem Betrieb eines bestimm­ten Kraft­werks und damit nicht Garan­tie für eine ver­blei­ben­de Lauf­zeit waren, son­dern viel­mehr als Gegen­leis­tung für den Ver­zicht auf die Durch­set­zung eines geld­wer­ten Anspruchs dien­ten. Ange­sichts ihrer ver­trag­li­chen Grund­la­ge genie­ßen die Mül­heim-Kär­lich-Rest­strom­men­gen jeden­falls kei­nen gerin­ge­ren, son­dern auch unter Berück­sich­ti­gung ihrer Über­tra­gungs­mög­lich­kei­ten auf ande­re Kern­kraft­wer­ke eher wei­ter­ge­hen­den Eigen­tums­schutz als die übri­gen 2002 zuge­wie­se­nen Rest­strom­men­gen.

Ein im Aus­gangs­punkt ent­spre­chen­der Eigen­tums­schutz an der Nut­zung der Kern­kraft­wer­ke, wie ihn die Rest­strom­men­gen des Jah­res 2002 genie­ßen, kommt auch den mit der 11. AtG-Novel­le Ende 2010 zuge­wie­se­nen Zusatz­strom­men­gen mit Blick auf die dadurch eröff­ne­ten Nut­zungs­mög­lich­kei­ten zu. Dass sie nicht Aus­druck von Rück­sicht­nah­me auf den Eigen­tums­be­stand der Kern­kraft­werks­be­trei­ber son­dern Ergeb­nis einer ener­gie, kli­ma- und wirt­schafts­po­li­ti­schen Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers waren 77, erwei­tert zwar den Spiel­raum des das Eigen­tum gestal­ten­den Geset­ze­bers, ändert aber nichts am grund­sätz­lich eröff­ne­ten Eigen­tums­schutz auch für die­se Nut­zungs­ge­währ­leis­tung der Kern­kraft­wer­ke.

Mit dem Eigen­tums­schutz für die Betriebs­grund­stü­cke und die Kraft­werks­an­la­gen sowie für deren Nut­zung, ins­be­son­de­re in ihrer Kon­kre­ti­sie­rung durch die Rest­strom­men­gen, sind alle wesent­li­chen Eigen­tums­be­lan­ge der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen erfasst. Wei­ter­ge­hen­der ver­fas­sungs­recht­li­cher Eigen­tums­schutz gegen die beschleu­nig­te Been­di­gung der Kraft­werks­be­trie­be durch die 13. AtG-Novel­le könn­te ihnen auch nicht über die Rechts­fi­gur des ein­ge­rich­te­ten und aus­ge­üb­ten Gewer­be­be­triebs zuteil­wer­den. Der Schutz geht jeden­falls nicht wei­ter als der Schutz, den sei­ne wirt­schaft­li­che Grund­la­ge genießt 78 und erfasst nur den kon­kre­ten Bestand an Rech­ten und Gütern 79; blo­ße Umsatz- und Gewinn­chan­cen oder tat­säch­li­che Gege­ben­hei­ten wer­den hin­ge­gen auch unter dem Gesichts­punkt des ein­ge­rich­te­ten und aus­ge­üb­ten Gewer­be­be­triebs nicht von der Eigen­tums­ga­ran­tie erfasst 80. Es bedarf daher wei­ter­hin kei­ner Ent­schei­dung, ob und inwie­weit im Ein­zel­nen das im Fach­recht als sons­ti­ges Recht gemäß § 823 Abs. 1 BGB aner­kann­te 81 Recht am ein­ge­rich­te­ten und aus­ge­üb­ten Gewer­be­be­trieb auch Eigen­tums­schutz nach Art. 14 Abs. 1 GG genießt 82.

Soweit die in den Kern­kraft­wer­ken ein­ge­setz­ten Kern­brenn­stof­fe nach Art. 86 des Ver­trags zur Grün­dung der Euro­päi­schen Atom­ge­mein­schaft (im Fol­gen­den: EAGV) Eigen­tum der Gemein­schaft sind und die Ener­gie­er­zeu­gungs­un­ter­neh­men dar­an nach Art. 87 EAGV ein unbe­schränk­tes Nut­zungs- und Ver­brauchs­recht haben, bleibt dies ohne rele­van­te Aus­wir­kun­gen auf die vom deut­schen Gesetz­ge­ber bei der hier ange­grif­fe­nen Beschleu­ni­gung des Atom­aus­stiegs zu beach­ten­den eigen­tums­recht­li­chen Vor­ga­ben. Nach Art.194 Abs. 2 UA 2 AEUV bleibt das Recht der Mit­glied­staa­ten unbe­rührt, die Bedin­gun­gen für die Nut­zung ihrer Ener­gie­res­sour­cen, ihre Wahl zwi­schen ver­schie­de­nen Ener­gie­quel­len und die all­ge­mei­ne Struk­tur ihrer Ener­gie­ver­sor­gung zu bestim­men. Das uni­ons­recht­li­che Nut­zungs­recht an den Kern­brenn­stof­fen geht daher im Ein­zel­fall nur so weit, wie deren Nut­zung nach natio­na­lem Recht fak­tisch und recht­lich mög­lich ist. In die­sem Sin­ne sind euro­päi­sches Eigen­tum und Nut­zungs­rech­te an den Kern­brenn­stof­fen akzes­so­risch zum natio­na­len Nut­zungs­re­gime. Ein­fluss auf den Eigen­tums­schutz der Eigen­tü­mer und Betrei­ber von Kern­kraft­wer­ken nach Art. 14 GG haben die Art. 86, 87 EAGV inso­fern nicht.

13. AtG-Novel­le – und die Ent­eig­nung[↑]

Die ange­grif­fe­nen Bestim­mun­gen der 13. AtG-Novel­le füh­ren nicht zu einer Ent­eig­nung der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen.

Eine Ent­eig­nung nach Art. 14 Abs. 3 GG setzt den Ent­zug des Eigen­tums durch Ände­rung der Eigen­tums­zu­ord­nung und stets auch eine Güter­be­schaf­fung vor­aus. Ein­schrän­kun­gen der Nut­zungs- und Ver­fü­gungs­be­fug­nis über das Eigen­tum sind dage­gen Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mun­gen im Sin­ne von Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG; füh­ren sie dabei – ohne der Güter­be­schaf­fung zu die­nen – zu einem Ent­zug kon­kre­ter Eigen­tums­po­si­tio­nen, sind gestei­ger­te Anfor­de­run­gen an deren Ver­hält­nis­mä­ßig­keit zu stel­len. Sie wer­fen dann auch die Fra­ge einer Aus­gleichs­reg­lung auf. Die Rege­lun­gen der 13. AtG-Novel­le ändern weder die Eigen­tums­zu­ord­nung, noch stel­len sie einen Güter­be­schaf­fungs­vor­gang dar.

Mit der Ent­eig­nung greift der Staat auf das Eigen­tum Ein­zel­ner zu. Er ent­zieht es ihnen und ver­schafft es sich oder Drit­ten zum Woh­le der All­ge­mein­heit.

Die Ent­eig­nung ist auf die voll­stän­di­ge oder teil­wei­se Ent­zie­hung kon­kre­ter sub­jek­ti­ver, durch Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG gewähr­leis­te­ter Rechts­po­si­tio­nen zur Erfül­lung bestimm­ter öffent­li­cher Auf­ga­ben gerich­tet 83. Unver­zicht­ba­res Merk­mal der zwin­gend ent­schä­di­gungs­pflich­ti­gen Ent­eig­nung nach Art. 14 Abs. 3 GG in der Abgren­zung zur grund­sätz­lich ent­schä­di­gungs­los hin­zu­neh­men­den Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung nach Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG ist das Kri­te­ri­um der voll­stän­di­gen oder teil­wei­sen Ent­zie­hung von Eigen­tums­po­si­tio­nen und der dadurch bewirk­te Rechts- und Ver­mö­gens­ver­lust 84. Nut­zungs- und Ver­fü­gungs­be­schrän­kun­gen von Eigen­tü­mer­be­fug­nis­sen kön­nen daher kei­ne Ent­eig­nung sein 85, selbst wenn sie die Nut­zung des Eigen­tums nahe­zu oder völ­lig ent­wer­ten 86. Auch mit­tels des von den Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen ange­führ­ten Gesichts­punkts einer "quan­ti­ta­ti­ven Teil­ent­eig­nung" 87 wird eine Nut­zungs­be­schrän­kung nicht zur Ent­eig­nung, sofern kei­ne Ände­rung der Zuord­nung eines Eigen­tums­rechts oder eines abtrenn­ba­ren Teils davon erfolgt.

Die Ent­eig­nung im Sin­ne des Art. 14 Abs. 3 GG setzt wei­ter­hin zwin­gend vor­aus, dass der hoheit­li­che Zugriff auf das Eigen­tums­recht zugleich eine Güter­be­schaf­fung zuguns­ten der öffent­li­chen Hand oder des sonst Ent­eig­nungs­be­güns­tig­ten ist.

Die Fra­ge, ob eine Ent­eig­nung nach Art. 14 Abs. 3 GG stets nur im Fal­le einer Güter­be­schaf­fung vor­liegt, ist in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts bis­her nicht ein­heit­lich beant­wor­tet wor­den. Wäh­rend das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zunächst in einer Rei­he von Ent­schei­dun­gen einen Güter­be­schaf­fungs­vor­gang aus­drück­lich als nicht kon­sti­tu­tiv für die Ent­eig­nung bezeich­net hat­te 88, sah es im Beschluss zur Bau­land­um­le­gung im Jahr 2001 die Ent­eig­nung "beschränkt auf sol­che Fäl­le, in denen Güter hoheit­lich beschafft wer­den, mit denen ein kon­kre­tes, der Erfül­lung öffent­li­cher Auf­ga­ben die­nen­des Vor­ha­ben durch­ge­führt wer­den soll" 89. Im Beschluss zum Aus­schluss nicht auf­find­ba­rer Mit­er­ben behielt das Gericht die­sen Stand­punkt ent­schei­dungs­tra­gend bei 90.

Am Erfor­der­nis einer Güter­be­schaf­fung als kon­sti­tu­ti­ves Merk­mal der Ent­eig­nung nach Art. 14 Abs. 3 GG ist mit der jün­ge­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts fest­zu­hal­ten.

Wort­laut und Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Eigen­tums­grund­rechts geben dazu kei­ne ein­deu­ti­ge Ant­wort. Der Wort­laut von Art. 14 Abs. 3 GG ver­langt zwar kei­ne Güter­be­schaf­fung, schließt das Merk­mal aber auch nicht aus. Der Ent­ste­hungs­ge­schich­te des grund­ge­setz­li­chen Eigen­tums­grund­rechts lässt sich kein kla­rer Hin­weis dar­auf ent­neh­men, dass ein Güter­be­schaf­fungs­vor­gang im Par­la­men­ta­ri­schen Rat als wesens­not­wen­dig mit dem Ent­eig­nungs­be­griff ver­bun­den ange­se­hen wur­de. Die Bezug­nah­me von Man­goldts im Aus­schuss für Grund­satz­fra­gen 91 auf die dama­li­ge Kom­men­tie­rung des Art. 153 WRV durch Anschütz 92 könn­te allen­falls dar­auf schlie­ßen las­sen, dass von Man­goldt dem dort ver­tre­te­nen Stand­punkt, der Ent­eig­nungs­be­griff nach der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung set­ze kei­nen Über­tra­gungs­vor­gang vor­aus, nahe stand. Man­gels nähe­rer Dis­kus­si­on des Ent­eig­nungs­be­griffs im Par­la­men­ta­ri­schen Rat kann aber nicht ohne wei­te­res davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass sein Stand­punkt vom Aus­schuss für Grund­satz­fra­gen oder gar vom Par­la­men­ta­ri­schen Rat ins­ge­samt geteilt wor­den wäre.

Die Geschich­te des Ent­eig­nungs­be­griffs und ins­be­son­de­re sein vor­herr­schen­des Ver­ständ­nis zum Zeit­punkt der Schaf­fung des Grund­ge­set­zes 93 sind ambi­va­lent, so dass dar­aus nicht zuver­läs­sig auf den bei Ent­ste­hung des Grund­ge­set­zes ver­mut­lich gewoll­ten, weil wohl als gebräuch­lich ange­nom­me­nen Inhalt des Ent­eig­nungs­be­griffs geschlos­sen wer­den kann. Wäh­rend sich zum Ende des Kai­ser­reichs die Auf­fas­sung durch­ge­setzt hat­te, dass nur kon­kre­te Eigen­tums­ob­jek­te durch Ein­zel­akt und durch Rechts­über­tra­gung ent­eig­net wer­den konn­ten und dies in Art. 153 WRV ent­spre­chend Nie­der­schlag gefun­den hat­te, ent­wi­ckel­te sich die Staats­pra­xis in der Wei­ma­rer Repu­blik in eine ande­re Rich­tung. Ins­be­son­de­re durch das Reichs­ge­richt wur­de jedes pri­va­te Ver­mö­gens­recht als ver­fas­sungs­recht­li­ches Eigen­tum aner­kannt. Ent­eig­nun­gen durf­ten auch durch gesetz­li­che Ein­schrän­kung bestehen­der Eigen­tums­rech­te und damit auch ohne Über­tra­gungs­akt erfol­gen 94. Dass die text­li­che Anleh­nung des Art. 14 GG an die For­mu­lie­rung in Art. 153 WRV den Eigen­tums- wie auch den Ent­eig­nungs­be­griff auf der Grund­la­ge des Ver­ständ­nis­ses auf­neh­men woll­te, das bei­de Insti­tu­te am Ende der Wei­ma­rer Repu­blik gewon­nen hat­ten, ist danach zwar wahr­schein­lich, aber kei­nes­wegs ein­deu­tig.

Für ein Fest­hal­ten am klas­si­schen, eine Güter­be­schaf­fung ver­lan­gen­den Ent­eig­nungs­be­griff spre­chen vor allem funk­tio­na­le Grün­de des Eigen­tums­schut­zes.

Unter der Gel­tung des Grund­ge­set­zes hat sich die bereits in der Wei­ma­rer Repu­blik begon­ne­ne Aus­wei­tung des ver­fas­sungs­recht­li­chen Eigen­tums­be­griffs fort­ge­setzt 95. Mit die­ser Erstre­ckung der Eigen­tums­ga­ran­tie auf ganz unter­schied­li­che Aus­prä­gun­gen sub­jek­ti­ver Rechts­po­si­tio­nen gehen viel­schich­ti­ge Anfor­de­run­gen an die gesetz­li­che Aus­ge­stal­tung einer gerech­ten Eigen­tums­ord­nung ein­her, die Gemein­wohl­be­lan­ge und sub­jek­ti­ve Rechts­po­si­tio­nen in ange­mes­se­nen Ein­klang brin­gen muss. Hier­für benö­tigt der Gesetz­ge­ber einen wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum, den ihm das Grund­ge­setz bei der Bestim­mung von Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums lässt, nicht aber bei der in ihren Vor­aus­set­zun­gen und Rechts­fol­gen streng fixier­ten Ent­eig­nung. Letz­te­re ist des­halb auf ihren klas­si­schen Anwen­dungs­be­reich beschränkt, der durch kon­kre­ten Eigen­tums­ent­zug und Güter­be­schaf­fung gekenn­zeich­net ist.

Für die Begren­zung der Ent­eig­nung auf Güter­be­schaf­fungs­vor­gän­ge spricht ins­be­son­de­re, dass ein prak­ti­scher Bedarf für den blo­ßen Eigen­tums­ent­zug, der nicht zugleich mit einem Über­gang des Eigen­tums auf den Staat oder einen Dritt­be­güns­tig­ten ver­bun­den ist, gera­de dann besteht, wenn das Eigen­tums­recht im wei­tes­ten Sin­ne bema­kelt ist oder in sons­ti­ger Wei­se als Gemein­wohl­last wahr­ge­nom­men wird, der Staat also kein ori­gi­nä­res Inter­es­se an der Beschaf­fung des betrof­fe­nen Gegen­stands aus Grün­den des Gemein­wohls hat 96. Es ent­spricht der grund­sätz­li­chen Sozi­al­pflich­tig­keit des Eigen­tums (Art. 14 Abs. 2 GG), den Eigen­tums­ent­zug in sol­chen Fäl­len nicht als ent­schä­di­gungs­pflich­ti­ge Ent­eig­nung zu qua­li­fi­zie­ren, son­dern als Bestim­mung von Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums, die auch beim Ent­zug von Eigen­tum nur aus­nahms­wei­se einen Aus­gleich erfor­dert.

Bil­det die Güter­be­schaf­fung ein kon­sti­tu­ti­ves Ent­eig­nungs­merk­mal, hat dies zudem den Vor­teil einer kla­ren Abgren­zung zur Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung, die nach der Kon­zep­ti­on des Art. 14 GG ein­deu­tig von der Ent­eig­nung unter­schie­den wer­den muss 97. So kann zudem die in der Sache unstrei­ti­ge grund­sätz­li­che Ent­schä­di­gungs­lo­sig­keit von Ein­zie­hung, Ver­fall oder Ver­nich­tung 98 beschlag­nahm­ter Güter nach straf- und poli­zei­recht­li­chen Vor­schrif­ten kon­sis­tent erklärt wer­den.

Die gegen den engen Ent­eig­nungs­be­griff vor­ge­brach­ten Ein­wän­de über­zeu­gen nicht. Die Erwä­gung, die Son­der­op­fer­qua­li­tät einer Eigen­tums­be­schrän­kung bestehe auch ohne Über­tra­gungs­akt 99, begrün­det noch nicht, dass die Auf­op­fe­rung allein eine Ent­eig­nung aus­macht.

Der Hin­weis, dass es für den Eigen­tü­mer gleich­gül­tig sei, ob der Ent­zug sei­nes Eigen­tums mit oder ohne anschlie­ßen­de Über­tra­gung auf einen Drit­ten erfol­ge 100, über­sieht, dass das Insti­tut der Ent­eig­nung vom Grund­ge­setz nicht nur aus der Sicht des betrof­fe­nen Eigen­tü­mers, son­dern gera­de auch mit Blick auf die All­ge­mein­heit kon­zi­piert ist, die aus Gemein­wohl­grün­den auf pri­va­tes Eigen­tum zugreift, wofür stren­ge Vor­aus­set­zun­gen und Gren­zen bestimmt sind. Inso­weit macht es durch­aus einen Unter­schied, ob Eigen­tums­po­si­tio­nen etwa wegen sozia­ler Unver­träg­lich­keit ent­zo­gen wer­den oder des­we­gen, weil die öffent­li­che Hand sie auf sich selbst oder Drit­te über­lei­ten will, um sie zur Auf­ga­ben­wahr­neh­mung zu nut­zen.

Der Ein­wand schließ­lich, der enge, klas­si­sche Ent­eig­nungs­be­griff ver­kür­ze den Eigen­tums­schutz, weil er mit sei­ner Kon­zen­tra­ti­on auf Güter­be­schaf­fungs­vor­gän­ge den übri­gen Bereich ein­schrän­ken­der Eigen­tums­re­geln bis hin zu einem Eigen­tums­ent­zug der grund­sätz­lich ent­schä­di­gungs­los hin­zu­neh­men­den Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung öff­ne, wird der unter­schied­li­chen Wirk­wei­se bei­der Insti­tu­te nicht gerecht. Auch die Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung des Eigen­tums muss sich – ins­be­son­de­re, wenn sie bestehen­de Eigen­tums­rech­te zu Las­ten der Betrof­fe­nen umge­stal­tet – als ver­hält­nis­mä­ßig, gleich­heits­ge­recht und ver­trau­ens­schutz­wah­rend erwei­sen. Außer­dem kann auch die Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung aus­nahms­wei­se zu Aus­gleichs­pflich­ten füh­ren, wenn sie sich ansons­ten als ver­fas­sungs­wid­rig erwie­se.

Ent­zieht der Staat aus Grün­den des Gemein­wohls Eigen­tum, ent­eig­net hier­bei jedoch man­gels Güter­be­schaf­fung nicht, stellt sich dem Gesetz­ge­ber stets die Fra­ge, ob eine sol­che Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung vor Art. 14 GG nur dann Bestand haben kann, wenn ange­mes­se­ne Aus­gleichs­re­ge­lun­gen vor­ge­se­hen sind.

Es ist dem Gesetz­ge­ber grund­sätz­lich nicht ver­wehrt, eigen­tums­be­schrän­ken­de Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mun­gen, die er im öffent­li­chen Inter­es­se für gebo­ten hält, auch in Här­te­fäl­len durch­zu­set­zen, wenn er durch kom­pen­sa­to­ri­sche Vor­keh­run­gen unver­hält­nis­mä­ßi­ge oder gleich­heits­wid­ri­ge Belas­tun­gen des Eigen­tü­mers ver­mei­det und schutz­wür­di­gem Ver­trau­en ange­mes­sen Rech­nung trägt 101. Durch einen sol­chen Aus­gleich kann in bestimm­ten Fall­grup­pen die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit einer sonst unver­hält­nis­mä­ßi­gen oder gleich­heits­wid­ri­gen Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung im Sin­ne von Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG gesi­chert wer­den 102.

Die nach Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG eröff­ne­te Mög­lich­keit, die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit einer sonst unver­hält­nis­mä­ßi­gen Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung mit­tels eines durch den Gesetz­ge­ber vor­zu­se­hen­den finan­zi­el­len Aus­gleichs zu sichern, besteht aller­dings nur für die Fäl­le, in denen der mit der Schran­ken­be­stim­mung ver­folg­te Gemein­wohl­grund den Ein­griff grund­sätz­lich recht­fer­tigt, aus Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grün­den aller­dings noch zusätz­lich einer Aus­gleichs­re­ge­lung bedarf 103. Die finan­zi­ell aus­gleichs­pflich­ti­ge Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung ist jedoch die Aus­nah­me. Der in Art. 14 GG ver­an­ker­te Bestands­schutz des Eigen­tums ver­langt im Rah­men des Mög­li­chen vor­ran­gig, eigen­tums­be­las­ten­de Rege­lun­gen ohne kom­pen­sa­to­ri­sche Aus­gleichs­zah­lun­gen ver­hält­nis­mä­ßig aus­zu­ge­stal­ten, etwa durch Aus­nah­men und Befrei­un­gen oder durch Über­gangs­re­ge­lun­gen 104. Umge­kehrt braucht der Eigen­tü­mer danach unver­hält­nis­mä­ßi­ge Eigen­tums­be­las­tun­gen nicht hin­zu­neh­men und hat folg­lich Rechts­schutz dage­gen durch Bean­stan­dung der Ein­griffs­maß­nah­me und deren Besei­ti­gung oder Redu­zie­rung zu suchen. Die Ver­fas­sung eröff­net den Eigen­tü­mern kein Recht zur Wahl, eine unver­hält­nis­mä­ßi­ge Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung hin­zu­neh­men und statt­des­sen einen ange­mes­se­nen Aus­gleich zu for­dern.

Mit der Begren­zung der Ent­eig­nung auf Fäl­le der Güter­be­schaf­fung sind aller­dings auch jene Eigen­tums­be­las­tun­gen aus dem Bereich der ent­schä­di­gungs­pflich­ti­gen Ent­eig­nung aus­ge­nom­men, in denen der Staat kon­kre­te Eigen­tums­po­si­tio­nen nur ent­zieht und die damit ein beson­de­res Ein­griffs­ge­wicht haben. In die­sen Fäl­len hat der Gesetz­ge­ber beson­ders sorg­fäl­tig zu prü­fen, ob ein sol­cher Ent­zug nur dann mit Art. 14 Abs. 1 GG ver­ein­bar ist, wenn für den Eigen­tü­mer ein ange­mes­se­ner Aus­gleich vor­ge­se­hen ist. Bei der hier­für gebo­te­nen Zumut­bar­keits­prü­fung wird jeweils von beson­de­rer Bedeu­tung sein, inwie­weit der Eigen­tü­mer die den Ent­zug des Eigen­tums legi­ti­mie­ren­den Grün­de zu ver­ant­wor­ten hat oder sie ihm jeden­falls zuzu­rech­nen sind 105.

Die ange­grif­fe­nen Bestim­mun­gen der 13. AtG-Novel­le grei­fen in das Eigen­tum der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen ein, begrün­den aber kei­ne Ent­eig­nung. Sie füh­ren weder zu einem Ent­zug kon­kre­ter selb­stän­di­ger Rechts­po­si­tio­nen noch ist eine Güter­be­schaf­fung damit ver­bun­den.

Durch die Ein­füh­rung fes­ter Abschalt­ter­mi­ne in § 7 Abs. 1a AtG wer­den den Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen kei­ne selb­stän­di­gen Eigen­tums­rech­te ent­zo­gen. Für die Anla­gen selbst liegt das auf der Hand. Soweit die fes­ten End­zei­ten für die ein­zel­nen Kern­kraft­wer­ke dazu füh­ren, dass trotz der Über­tra­gungs­mög­lich­kei­ten nach § 7 Abs. 1b AtG Tei­le der 2002er-Rest­strom­men­gen (Anla­ge 3 Spal­te 2 AtG) nicht mehr genutzt wer­den kön­nen, bedeu­tet der damit ver­bun­de­ne Ver­lust von Nut­zungs­mög­lich­kei­ten an den Kern­kraft­wer­ken kei­nen Ent­zug von Eigen­tums­rech­ten. Inso­weit han­delt es sich nicht um gegen­über dem Anla­gen­ei­gen­tum selb­stän­di­ge ent­eig­nungs­fä­hi­ge Eigen­tums­po­si­tio­nen, son­dern um die Kon­kre­ti­sie­rung der damit ver­bun­de­nen Nut­zungs­mög­lich­kei­ten.

Die Abschaf­fung der Ende 2010 zuge­wie­se­nen Zusatz­strom­men­gen durch Strei­chung der Spal­te 4 von Anla­ge 3 zum Atom­ge­setz durch Art. 1 Nr. 1 Buch­sta­be c aa der 13. AtG-Novel­le erfüllt zwar die Merk­ma­le eines Ent­zugs, erfasst aber eben­falls kei­ne selb­stän­dig ent­eig­nungs­fä­hi­gen Eigen­tums­po­si­tio­nen. Denn auch die Zusatz­strom­men­gen 2010 die­nen in ers­ter Linie der Ver­kör­pe­rung der Nut­zungs­be­fug­nis und limi­tie­ren zugleich den Betrieb der Kern­kraft­wer­ke.

Jeden­falls fehlt es für bei­de Ein­griffs­re­ge­lun­gen an dem für eine Ent­eig­nung unver­zicht­ba­ren Güter­be­schaf­fungs­vor­gang. Weder die Befris­tung der Kraft­werks­lauf­zei­ten noch die Strei­chung der Spal­te 4 in der Anla­ge 3 füh­ren zu einem Über­gang der betrof­fe­nen Posi­tio­nen auf den Staat oder einen Drit­ten. Dies gilt auch für die Mül­heim-Kär­lich-Rest­strom­men­gen, selbst wenn man die Fra­ge der selb­stän­di­gen Eigen­tums­po­si­ti­on im Hin­blick auf sie anders beur­tei­len woll­te.

Für die wei­te­ren mit der 13. AtG-Novel­le ver­bun­de­nen Eigen­tums­be­las­tun­gen – bei­spiels­wei­se soge­nann­te frus­trier­te Inves­ti­tio­nen oder Ein­schrän­kun­gen der unter­neh­me­ri­schen Hand­lungs­frei­heit – gilt dies erst Recht. Es wird inso­fern kein Eigen­tum ent­zo­gen und auch nicht zum Zwe­cke der Güter­be­schaf­fung auf ande­re über­tra­gen.

Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung der Eigen­tums­frei­heit[↑]

Die ange­grif­fe­nen Bestim­mun­gen der 13. AtG-Novel­le genü­gen den Anfor­de­run­gen an eine Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung des Eigen­tums nach Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG im Wesent­li­chen. Das Gesetz erweist sich nicht wegen Ver­sto­ßes gegen for­mel­le Anfor­de­run­gen an die Gesetz­ge­bung als ver­fas­sungs­wid­rig. Die Gestal­tung von Inhalt und Schran­ken ist über­wie­gend, wenn auch nicht in allen Punk­ten ver­hält­nis­mä­ßig und wird auch nicht in jeder Hin­sicht den Anfor­de­run­gen des Gleich­heits­sat­zes (Art. 3 Abs. 1 GG) gerecht.

Der Gesetz­ge­ber, der Inhalt und Schran­ken der als Eigen­tum grund­recht­lich geschütz­ten Rechts­po­si­tio­nen bestimmt, hat dabei sowohl der grund­ge­setz­li­chen Aner­ken­nung des Pri­vat­ei­gen­tums durch Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG als auch der Sozi­al­pflich­tig­keit des Eigen­tums (Art. 14 Abs. 2 GG) Rech­nung zu tra­gen. Das Wohl der All­ge­mein­heit, an dem sich der Gesetz­ge­ber hier­bei zu ori­en­tie­ren hat, ist nicht nur Grund, son­dern auch Gren­ze für die Beschrän­kung der Eigen­tü­mer­be­fug­nis­se 106. Der Gesetz­ge­ber hat die schutz­wür­di­gen Inter­es­sen des Eigen­tü­mers und die Belan­ge des Gemein­wohls in einen gerech­ten Aus­gleich und in ein aus­ge­wo­ge­nes Ver­hält­nis zu brin­gen 107 und sich dabei im Ein­klang mit allen ande­ren Ver­fas­sungs­nor­men zu hal­ten. Ins­be­son­de­re muss jede Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit beach­ten 108. Die Gren­zen der Gestal­tungs­be­fug­nis des Gesetz­ge­bers sind indes­sen nicht für alle Sach­be­rei­che gleich. Die Reich­wei­te des Schut­zes der Eigen­tums­ga­ran­tie bemisst sich zum einen danach, wel­che Befug­nis­se einem Eigen­tü­mer zum Zeit­punkt der gesetz­ge­be­ri­schen Maß­nah­me kon­kret zuste­hen. Soweit das Eigen­tum die per­sön­li­che Frei­heit des Ein­zel­nen im ver­mö­gens­recht­li­chen Bereich sichert, genießt es einen beson­ders aus­ge­präg­ten Schutz. Zum ande­ren ist die Befug­nis des Gesetz­ge­bers zur Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung umso wei­ter, je mehr das Eigen­tums­ob­jekt in einem sozia­len Bezug und in einer sozia­len Funk­ti­on steht 109. Der Gestal­tungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers wird ins­be­son­de­re durch die wirt­schaft­li­chen und gesell­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se geprägt 110. Im Rah­men der ver­fas­sungs­recht­li­chen Eigen­tums­ga­ran­tie ist zudem der rechts­staat­li­che Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes zu berück­sich­ti­gen, der in Art. 14 Abs. 1 GG für ver­mö­gens­wer­te Güter eine eige­ne Aus­prä­gung erfah­ren hat 111. Dar­über hin­aus ist er an den Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG auch bei der inhalt­li­chen Fest­le­gung von Eigen­tü­mer­be­fug­nis­sen und ‑pflich­ten gebun­den 112.

Der Gesetz­ge­ber darf nicht nur nach Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG Eigen­tums­rech­ten einen neu­en Inhalt geben. Eben­so wie er neue Rech­te ein­füh­ren darf, kann er auch das Ent­ste­hen von Rech­ten, die nach bis­he­ri­gem Recht mög­lich waren, für die Zukunft aus­schlie­ßen. Die Eigen­tums­ga­ran­tie gebie­tet nicht, ein­mal aus­ge­stal­te­te Rechts­po­si­tio­nen für alle Zukunft in ihrem Inhalt unan­ge­tas­tet zu las­sen 113. Selbst die völ­li­ge Besei­ti­gung bis­her bestehen­der, durch die Eigen­tums­ga­ran­tie geschütz­ter Rechts­po­si­tio­nen kann unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen zuläs­sig sein 114. Der Gesetz­ge­ber unter­liegt dabei jedoch beson­de­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Schran­ken 115. Der Ein­griff in die nach frü­he­rem Recht ent­stan­de­nen Rech­te muss durch Grün­de des öffent­li­chen Inter­es­ses unter Berück­sich­ti­gung des Grund­sat­zes der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit gerecht­fer­tigt sein 116. Die Grün­de des öffent­li­chen Inter­es­ses, die für einen sol­chen Ein­griff spre­chen, müs­sen so schwer­wie­gend sein, dass sie Vor­rang haben vor dem Ver­trau­en des Bür­gers auf den Fort­be­stand sei­nes Rechts, das durch den Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG inne­woh­nen­den Bestands­schutz gesi­chert wird 117. Auch das zuläs­si­ge Aus­maß des Ein­griffs hängt vom Gewicht des dahin­ter­ste­hen­den öffent­li­chen Inter­es­ses ab 118. Die völ­li­ge, über­gangs- und ersatz­lo­se Besei­ti­gung einer Rechts­po­si­ti­on kann jeden­falls nur unter beson­de­ren Vor­aus­set­zun­gen in Betracht kom­men 119.

Soweit es um den Inves­ti­ti­ons­schutz von Unter­neh­men geht, gewährt Art. 14 GG die­sen kei­ne gerin­ge­ren Garan­ti­en als ande­ren Eigen­tü­mern. Für den Gesetz­ge­ber erge­ben sich hier grund­sätz­lich die glei­chen Schran­ken aus Art. 14 GG, wie sie in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts all­ge­mein zum Eigen­tums­schutz ent­wi­ckelt wor­den sind. Will er Unter­neh­men aus hin­rei­chend gewich­ti­gen Gemein­wohl­grün­den ent­eig­nen, ist er an die Vor­ga­ben des Art. 14 Abs. 3 GG gebun­den. Gestal­tet der Gesetz­ge­ber dem­ge­gen­über Inhalt und Schran­ken unter­neh­me­ri­schen Eigen­tums durch Ände­rung der Rechts­la­ge, muss er die Grund­sät­ze der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit, des Ver­trau­ens­schut­zes und des Gleich­heits­sat­zes ach­ten. Dabei hat er den Bestand von Betrie­ben und die im Ver­trau­en auf die Geset­zes­la­ge getä­tig­ten Inves­ti­tio­nen ange­mes­sen zu berück­sich­ti­gen. Im Übri­gen garan­tiert Art. 14 Abs. 1 GG den Unter­neh­men eben­so wenig wie ande­re Grund­rech­te den Erhalt einer Geset­zes­la­ge, die ihnen güns­ti­ge Markt­chan­cen sichert 120.

Die mit der 13. AtG-Novel­le vor­ge­nom­me­ne Bestim­mung von Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums an den Kern­kraft­wer­ken erweist sich nicht schon des­halb als ver­fas­sungs­wid­rig, weil das Gesetz an durch­grei­fen­den Män­geln des Ver­fah­rens oder der Form lit­te.

Die von den Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen mit Blick auf die Eile und auf die Erkennt­nis­quel­len des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens als ver­letzt gerüg­ten Sach­ver­halts­er­mitt­lungs- und Begrün­dungs­an­for­de­run­gen bestehen in die­ser Form weder grund­sätz­lich, noch kön­nen sie aus­nahms­wei­se für die 13. AtG-Novel­le Gel­tung bean­spru­chen.

Eine selb­stän­di­ge, von den Anfor­de­run­gen an die mate­ri­el­le Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Geset­zes unab­hän­gi­ge Sach­auf­klä­rungs­pflicht folgt aus dem Grund­ge­setz nicht.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat bis­her nur in bestimm­ten Son­der­kon­stel­la­tio­nen eine selb­stän­di­ge Sach­auf­klä­rungs­pflicht des Gesetz­ge­bers ange­nom­men 121. Ansons­ten gilt das Prin­zip, dass die Gestal­tung des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens im Rah­men der durch die Ver­fas­sung vor­ge­ge­be­nen Regeln Sache der gesetz­ge­ben­den Orga­ne ist 122. Das par­la­men­ta­ri­sche Ver­fah­ren ermög­licht zudem mit der ihm eige­nen Öffent­lich­keits­funk­ti­on und den folg­lich grund­sätz­lich öffent­li­chen Bera­tun­gen gera­de durch sei­ne Trans­pa­renz, dass Ent­schei­dun­gen auch in der brei­te­ren Öffent­lich­keit dis­ku­tiert und damit die Vor­aus­set­zun­gen für eine Kon­trol­le auch der Gesetz­ge­bung durch die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger geschaf­fen wer­den. Schon des­halb geht Ent­schei­dun­gen von erheb­li­cher Trag­wei­te grund­sätz­lich ein Ver­fah­ren vor­aus, wel­ches der Öffent­lich­keit auch durch die Bericht­erstat­tung sei­tens der Medi­en hin­rei­chend Gele­gen­heit bie­tet, Auf­fas­sun­gen aus­zu­bil­den und zu ver­tre­ten, und das die Volks­ver­tre­tung dazu anhält, Not­wen­dig­keit und Umfang der zu beschlie­ßen­den Maß­nah­men in öffent­li­cher Debat­te zu klä­ren 123.

Das Grund­ge­setz ver­traut so dar­auf, dass auch ohne Sta­tu­ie­rung einer eigen­stän­di­gen Sach­auf­klä­rungs­pflicht die Trans­pa­renz und der öffent­li­che Dis­kurs im par­la­men­ta­ri­schen Ver­fah­ren hin­rei­chen­de Gewähr für eine jeweils aus­rei­chen­de Tat­sa­chen­grund­la­ge der gesetz­ge­be­ri­schen Ent­schei­dung bie­ten. Denn das Feh­len einer selb­stän­di­gen Sach­auf­klä­rungs­pflicht im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren befreit den Gesetz­ge­ber nicht von der Not­wen­dig­keit, sei­ne Ent­schei­dun­gen in Ein­klang mit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen, ins­be­son­de­re den Grund­rech­ten, zu tref­fen, und sie inso­weit – etwa in Blick auf die Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­an­for­de­run­gen – auf hin­rei­chend fun­dier­te Kennt­nis­se von Tat­sa­chen und Wirk­zu­sam­men­hän­gen zu stüt­zen. Er muss zudem die von Fall zu Fall zu bestim­men­den Gren­zen der ihm eröff­ne­ten Ein­schät­zungs­prä­ro­ga­ti­ve im Hin­blick auf künf­ti­ge Ent­wick­lun­gen ein­hal­ten 124 und darf jeden­falls Grund­rechts­ein­grif­fe im Ergeb­nis nicht auf offen­sicht­lich fehl­sa­me Annah­men grün­den.

Auch das im Streit um die Beschleu­ni­gung des Atom­aus­stiegs in die­sem Zusam­men­hang immer wie­der in Anspruch genom­me­ne Mit­be­stim­mungs­ur­teil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 125 sta­tu­iert dem­ge­gen­über kei­ne gene­rel­le ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­ne Sach­auf­klä­rungs­pflicht des Gesetz­ge­bers.

Der mit der 13. AtG-Novel­le erfolg­ten Beschleu­ni­gung des Atom­aus­stiegs liegt kei­ne Son­der­kon­stel­la­ti­on zugrun­de, die von Ver­fas­sungs wegen die Not­wen­dig­keit selb­stän­di­ger Sach­auf­klä­rungs­pflich­ten im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren begrün­den könn­te. Mit der von den Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen für die Cha­rak­te­ri­sie­rung der 13. AtG-Novel­le her­an­ge­zo­ge­nen Figur eines "Ver­wal­tungs­akts­ge­set­zes" ver­ken­nen sie, dass es sich hier unge­ach­tet des über­schau­ba­ren Krei­ses Betrof­fe­ner um eine gene­rel­le Rege­lung für die beschleu­nig­te Been­di­gung der fried­li­chen Nut­zung der Kern­ener­gie han­del­te. Einer fach­pla­ne­ri­schen Ent­schei­dung mit ihren spe­zi­fi­schen Abwä­gungs­an­for­de­run­gen 126 ver­gleich­bar ist sie eben­falls nicht. Die Lage des Gesetz­ge­bers bei Erlass der 13. AtG-Novel­le unter­schei­det sich nicht struk­tu­rell vom Regel­fall ande­rer Gesetz­ge­bungs­vor­ha­ben, bei denen der Gesetz­ge­ber künf­ti­ge Ent­wick­lun­gen pro­gnos­ti­zie­ren und Wer­tun­gen auf unsi­che­rer Tat­sa­chen­grund­la­ge tref­fen muss. Ent­schei­dend ist danach stets, ob sich das Gesetz im Ergeb­nis als ver­fas­sungs­ge­mäß erweist.

Es besteht hier von Ver­fas­sungs wegen auch kei­ne beson­de­re Ver­fah­rens­pflicht zur Geset­zes­be­grün­dung.

Das Grund­ge­setz ent­hält in den Art. 76 ff. GG Vor­ga­ben für das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren, die auch die Trans­pa­renz der Ent­schei­dun­gen des Gesetz­ge­bers sichern. Das Grund­ge­setz schreibt jedoch grund­sätz­lich nicht vor, was, wie und wann genau im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren zu begrün­den ist. Es lässt Raum für Ver­hand­lun­gen und für den poli­ti­schen Kom­pro­miss. Ent­schei­dend ist, dass im Ergeb­nis die Anfor­de­run­gen des Grund­ge­set­zes nicht ver­fehlt wer­den 127. Eine Son­der­kon­stel­la­ti­on aus­nahms­wei­se gebo­te­ner Geset­zes­be­grün­dung liegt hier nicht vor.

Ins­be­son­de­re von der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin RWE wur­de die Anre­gung vor­ge­bracht, das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt möge Doku­men­te des Bun­des­kanz­ler­amts, des Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums und des Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­ums hin­sicht­lich der Erar­bei­tung, Bera­tung und Ver­ab­schie­dung der 13. AtG-Novel­le bei­zie­hen. Soweit die­ses Begeh­ren dar­auf abzielt, erheb­li­che Män­gel im Ver­fah­ren und in der Form der Gesetz­ge­bung durch unzu­rei­chen­de Sach­ver­halts­auf­klä­rung und unge­nü­gen­de Begrün­dung des Geset­zes nach­zu­wei­sen, war dem nicht nach­zu­ge­hen. Man­gels selb­stän­di­ger Sach­auf­klä­rungs- und Begrün­dungs­pflicht kann es für die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Geset­zes jeden­falls unter Ver­fah­rens- und Form­as­pek­ten nicht auf die ein­ge­for­der­ten Unter­la­gen ankom­men.

Die ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen der 13. AtG-Novel­le hal­ten über­wie­gend – wenn auch nicht in allen Punk­ten – den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an eine Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung nach Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG stand. Die Novel­le ver­folgt ein legi­ti­mes Ziel. Ihre Rege­lun­gen sind geeig­net und erfor­der­lich, die­ses Ziel zu errei­chen. Die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit im enge­ren Sin­ne ein­schließ­lich der an sie unter Ver­trau­ens­schutz- und Gleich­heits­ge­sichts­punk­ten zu stel­len­den Anfor­de­run­gen ist hin­sicht­lich des Ent­zugs der 2010 zusätz­lich zuge­teil­ten Strom­men­gen gewahrt. Als nicht ver­fas­sungs­ge­mäß erweist sich hin­ge­gen die Fest­le­gung fixer Abschalt­ter­mi­ne, soweit sie dazu führt, dass die 2002 zuge­wie­se­nen Rest­strom­men­gen in unter­schied­li­chem Umfang bei ein­zel­nen der betrof­fe­nen Unter­neh­men nicht mehr wenigs­tens im Wesent­li­chen inner­halb des eige­nen Kon­zerns genutzt wer­den kön­nen. Als defi­zi­tär erweist sich die 13. AtG-Novel­le auch, soweit sie kei­ne Rege­lun­gen für einen ange­mes­se­nen Aus­gleich ent­wer­te­ter Inves­ti­tio­nen wegen der im Jahr 2010 zuge­teil­ten Zusatz­strom­men­gen vor­sieht. Die mit den Abschalt­ter­mi­nen über die Begren­zung der Ver­wert­bar­keit der Rest­strom­men­gen hin­aus­ge­hen­den Belas­tun­gen für die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen sind hin­ge­gen hin­zu­neh­men.

Die 13. AtG-Novel­le dient dem Ziel, durch Fest­le­gung fixer End­ter­mi­ne für den Leis­tungs­be­trieb der ein­zel­nen Kern­kraft­wer­ke und durch die Strei­chung der im Jahr 2010 zuge­teil­ten Zusatz­strom­men­gen "die Nut­zung der Kern­ener­gie zum frü­hest­mög­li­chen Zeit­punkt zu been­den" 128. Hin­ter­grund der Ent­schei­dung für die Beschleu­ni­gung des bereits im Atom­kon­sens 2000/​2001 beschlos­se­nen Atom­aus­stiegs war die durch die Ereig­nis­se in Japan ver­an­lass­te "Neu­be­wer­tung der mit der Kern­ener­gie­nut­zung ver­bun­de­nen Risi­ken" durch den Gesetz­ge­ber 129.

Der Gesetz­ge­ber ver­folgt mit der Beschleu­ni­gung des Atom­aus­stiegs und sei­nem dahin­ter ste­hen­den Wunsch, das mit der Nut­zung der Kern­ener­gie ver­bun­de­ne Rest­ri­si­ko nach Zeit und Umfang zu mini­mie­ren, ein legi­ti­mes Rege­lungs­ziel. Dies gilt grund­sätz­lich unab­hän­gig von der unter­schied­li­chen Ein­schät­zung der Grö­ße und Ein­tritts­wahr­schein­lich­keit der hin­ter die­sem Rest­ri­si­ko ste­hen­den Rea­li­sie­rungs­ge­fahr und damit auch unab­hän­gig von den Rück­schlüs­sen, die aus der Reak­tor­kat­stro­phe in Japan auf die Sicher­heits­la­ge in deut­schen Kern­kraft­wer­ken gezo­gen wer­den kön­nen. Das Ziel des Gesetz­ge­bers, das mit der Kern­ener­gie­nut­zung unver­meid­bar in Kauf zu neh­men­de Rest­ri­si­ko mög­lichst schnell und mög­lichst weit­ge­hend zu besei­ti­gen, ist – auch wenn es allein auf einer poli­ti­schen Neu­be­wer­tung der Bereit­schaft zur Hin­nah­me die­ses Rest­ri­si­kos beru­hen soll­te – von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den. Die vom Gesetz­ge­ber inner­halb sei­nes wei­ten Spiel­raums bei der Aus­wahl von ihm ver­folg­ter Gemein­wohl­zie­le 130 ange­streb­te Beschleu­ni­gung des Atom­aus­stiegs dient im Gegen­teil dem Schutz von Leben und Gesund­heit der Bevöl­ke­rung (Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG) und der in Art.20a GG dem Staat auf­er­leg­ten Auf­ga­be, die natür­li­chen Lebens­grund­la­gen auch in Ver­ant­wor­tung für die künf­ti­gen Genera­tio­nen zu schüt­zen.

Die Rege­lun­gen der 13. AtG-Novel­le sind geeig­net und erfor­der­lich zur Ziel­er­rei­chung.

Hin­sicht­lich der objek­ti­ven Zweck­taug­lich­keit eines Geset­zes ist die Prü­fung durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dar­auf beschränkt, ob das ein­ge­setz­te Mit­tel schlecht­hin oder objek­tiv untaug­lich ist 131. Es genügt für des­sen Eig­nung, wenn durch die Rege­lung der gewünsch­te Erfolg geför­dert wer­den kann, mit­hin bereits die Mög­lich­keit einer Zweck­er­rei­chung 132.

Die Fest­le­gung fixer Abschalt­ter­mi­ne und die Strei­chung der 2010 zuge­wie­se­nen Zusatz­strom­men­gen sind, gemes­sen hier­an, ohne Zwei­fel geeig­net, die end­gül­ti­ge Been­di­gung der Kern­ener­gie­nut­zung schnel­ler als nach der bis­he­ri­gen Rechts­la­ge her­bei­zu­füh­ren. Unge­ach­tet der bereits seit spä­tes­tens 2002 bestehen­den Kon­tin­gen­tie­rung der Strom­men­gen konn­ten die Kern­kraft­werks­be­trei­ber nach der bis zur 13. AtG-Novel­le bestehen­den Rechts­la­ge nach frei­em unter­neh­me­ri­schen Ermes­sen dar­über ent­schei­den, wann sie die­se Men­gen ver­brau­chen woll­ten, und konn­ten so das kalen­da­ri­sche Ende der fried­li­chen Nut­zung der Kern­ener­gie in Deutsch­land in erheb­li­chem Umfang beein­flus­sen. Dies ist durch die in der 13. AtG-Novel­le gere­gel­ten fes­ten Abschalt­ter­mi­ne nun­mehr aus­ge­schlos­sen.

Dass Deutsch­land wei­ter­hin einem nuklea­ren Rest­ri­si­ko durch den Betrieb grenz­na­her Kern­kraft­wer­ke im Aus­land aus­ge­setzt ist, ändert nichts an der Geeig­net­heit der Lauf­zeit­ver­kür­zung für die Risi­ko­mi­ni­mie­rung im Inland. Für die Beur­tei­lung der Eig­nung eines Geset­zes kommt es in ers­ter Linie auf die För­de­rung der Ziel­er­rei­chung im eige­nen Hoheits­be­reich an.

Mög­li­che Aus­wir­kun­gen des beschleu­nig­ten Atom­aus­stiegs auf die Sicher­heit der Ener­gie­ver­sor­gung in Deutsch­land sind eben­falls ohne Belang für die Eig­nung zur Errei­chung des Geset­zes­zwecks, da die­ser – anders als das gesetz­ge­be­ri­sche Ener­gie­pa­ket 2011, in das die 13. AtG-Novel­le ein­ge­bun­den ist 133 – nicht auf die Ver­sor­gungs­si­cher­heit mit Ener­gie son­dern auf die Mini­mie­rung des Risi­kos der Kern­ener­gie­nut­zung zielt.

Eine in Eigen­tums­rech­te ein­grei­fen­de Bestim­mung von Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums ist erfor­der­lich, wenn kein ande­res, gleich wirk­sa­mes, aber das Eigen­tum weni­ger ein­schrän­ken­des Mit­tel zur Ver­fü­gung steht 134.

Hier ist kein weni­ger belas­ten­des Mit­tel erkenn­bar, das der Gesetz­ge­ber anstel­le der Rege­lun­gen der 13. AtG-Novel­le hät­te ergrei­fen kön­nen, um die Beschleu­ni­gung des Atom­aus­stiegs und damit eine Ver­rin­ge­rung des Rest­ri­si­kos der Kern­ener­gie­nut­zung gleich wirk­sam zu errei­chen. Ins­be­son­de­re hät­te mit den vom Atom­ge­setz zur Ver­fü­gung gestell­ten admi­nis­tra­ti­ven Maß­nah­men (§§ 17, 19 AtG), etwa der Rück­nah­me und dem Wider­ruf aller atom­recht­li­chen Geneh­mi­gun­gen, das Geset­zes­ziel nicht gleich schnell und umfas­send erreicht wer­den kön­nen.

Die Rege­lun­gen der 13. AtG-Novel­le erwei­sen sich weit­ge­hend, aber nicht in allen Punk­ten als eine zumut­ba­re und dabei auch die Anfor­de­run­gen des Ver­trau­ens­schut­zes und des Gleich­be­hand­lungs­ge­bots wah­ren­de Bestim­mung von Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums.

Der Ent­zug der den Kern­kraft­wer­ken durch die 11. AtG-Novel­le im Jah­re 2010 zuge­wie­se­nen Zusatz­strom­men­gen in Anla­ge 3 Spal­te 4 des Atom­ge­set­zes steht in Ein­klang mit Art. 14 Abs. 1, 2 GG. Der Ein­griff in Art. 14 GG ist in quan­ti­ta­ti­ver Hin­sicht zwar äußerst umfang­reich; die Schutz­wür­dig­keit der betrof­fe­nen Eigen­tums­po­si­tio­nen ist aller­dings mehr­fach ein­ge­schränkt, so dass sich der Ein­griff in der Gesamt­ab­wä­gung mit den dafür spre­chen­den Gemein­wohl­be­lan­gen als ver­hält­nis­mä­ßig erweist.

Da die Strei­chung der mit der 11. AtG-Novel­le zuge­teil­ten Zusatz­strom­men­gen im Ergeb­nis mit der Ver­fas­sung in Ein­klang steht, bedarf es hier kei­ner Ent­schei­dung dar­über, ob die 11. AtG-Novel­le ihrer­seits ver­fas­sungs­ge­mäß ist, was ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die feh­len­de Zustim­mung des Bun­des­ra­tes zu dem Gesetz in Streit steht.

Durch die Strei­chung der Spal­te 4 von Anla­ge 3 des Atom­ge­set­zes in der 13. AtG-Novel­le hat der Gesetz­ge­ber den Kern­kraft­wer­ken eine Ver­stro­mungs­ka­pa­zi­tät von gut 1.804 TWh genom­men. Das ent­spricht der Strom­pro­duk­ti­on von im Durch­schnitt rund 12 Jah­res­leis­tun­gen je Kern­kraft­werk 135. Dies ist knapp die dop­pel­te Men­ge an Rest­strom, die den Kern­kraft­wer­ken zum Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens der 11. AtG-Novel­le am 14.12 2010 aus der ursprüng­li­chen Zuwei­sung durch das Aus­stiegs­ge­setz 2002 noch zur Ver­fü­gung stand 136. Da die Berech­ti­gung zum Leis­tungs­be­trieb eines Kern­kraft­werks seit dem Aus­stiegs­ge­setz 2002 an das Vor­han­den­sein ent­spre­chen­der Rest­strom­men­gen geknüpft ist, hat die Strei­chung der Zusatz­strom­men­gen aus der 11. AtG-Novel­le not­wen­dig eine ent­spre­chen­de Redu­zie­rung der eigen­tums­recht­lich geschütz­ten Nut­zungs­mög­lich­keit der Kern­kraft­wer­ke zur Fol­ge. Die begrenz­te Über­tra­gungs­mög­lich­keit von Elek­tri­zi­täts­men­gen auf ande­re Kern­kraft­wer­ke nach § 7 Abs. 1b AtG ändert nichts an der Gesamt­li­mi­tie­rung der zuge­wie­se­nen Strom­men­gen. Der Umfang der ent­zo­ge­nen Ver­stro­mungs­ka­pa­zi­tät und damit die Beschrän­kung der Nut­zungs­mög­lich­keit der Kern­kraft­wer­ke sind danach enorm.

Die Schutz­wür­dig­keit der betrof­fe­nen Eigen­tums­po­si­tio­nen ist jedoch mehr­fach ein­ge­schränkt.

Abs. 1 GG schützt das Eigen­tum nicht nur in sei­nem säch­li­chen Bestand son­dern auch die Mög­lich­keit, es zu nut­zen. Seit die Nut­zung der Kern­kraft­wer­ke durch noch erzeug­ba­re Elek­tri­zi­täts­men­gen kon­tin­gen­tiert ist, wird das unter­neh­me­ri­sche Eigen­tum an den Kern­kraft­wer­ken neben den Anla­gen und Grund­stü­cken im Kern durch die in den Elek-tri­zi­täts­men­gen reprä­sen­tier­te Nut­zungs­be­fug­nis ver­kör­pert. Denn jen­seits der Ver­stro­mungs­rech­te ist eine Nut­zung der Anla­gen, die dem eigent­li­chen Gewinn­erzie­lungs­zweck ent­spricht, nicht mög­lich. Der ver­fas­sungs­recht­li­che Schutz der durch die 11. AtG-Novel­le zuge­wie­se­nen Elek­tri­zi­täts­men­gen teilt im Aus­gangs­punkt die Beson­der­hei­ten des Schut­zes des Eigen­tums an Atom­an­la­gen im all­ge­mei­nen, weist aber dar­über hin­aus dem Ent­ste­hungs­grund und den Rah­men­be­din­gun­gen die­ser Rest­strom­men­gen ent­spre­chend wei­te­re Eigen­hei­ten auf, die die Schutz­wür­dig­keit redu­zie­ren.

Die Schutz­wür­dig­keit des Eigen­tums in sei­ner Bedeu­tung als indi­vi­du­el­les Frei­heits­grund­recht ist bei Atom­an­la­gen beschränkt. Die­ses Eigen­tum dient nach sei­ner Eigen­art und Funk­ti­on nur in gerin­gem Maße der per­sön­li­chen Frei­heit des Ein­zel­nen. Es han­delt sich viel­mehr um unter­neh­me­ri­sches Eigen­tum mit einem beson­ders aus­ge­präg­ten sozia­len Bezug. Einer­seits dien­te und dient die fried­li­che Nut­zung der Kern­ener­gie der Ener­gie­ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung; ande­rer­seits han­delt es sich um eine Hoch­ri­si­ko­tech­no­lo­gie, die unter ande­rem mit extre­men Scha­dens­fall­ri­si­ken aber auch mit bis­her noch nicht geklär­ten End­la­ger­pro­ble­men belas­tet ist. Bei­des prägt den inten­si­ven sozia­len Bezug des Eigen­tums an Kern­kraft­wer­ken und ver­schafft dem Gesetz­ge­ber bei der Aus­ge­stal­tung des Atom­rechts einen beson­ders wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum.

Im Hin­blick auf die­se Beson­der­hei­ten der Kern­ener­gie­nut­zung hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bereits in sei­ner Kal­kar, Ent­schei­dung betont, dass die nor­ma­ti­ve Grund­satz­ent­schei­dung für oder gegen die recht­li­che Zuläs­sig­keit der fried­li­chen Nut­zung der Kern­ener­gie dem par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­ber vor­be­hal­ten ist 137 und dass dem Atom­recht eine Son­der­stel­lung zukommt, die es recht­fer­tigt, von ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­sät­zen abzu­wei­chen, die auf ande­ren Rechts­ge­bie­ten aner­kannt sind 138. Dar­aus folgt ein gro­ßer Gestal­tungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers bei der Ent­schei­dung über das Ob und Wie der fried­li­chen Nut­zung der Kern­ener­gie. Eine völ­li­ge Frei­stel­lung von ansons­ten gebo­te­nen Aus­gleichs­re­ge­lun­gen ist damit jedoch nicht ver­bun­den.

Der Eigen­tums­schutz in Bezug auf die Nut­zung der Atom­an­la­gen ist, soweit es die durch die 11. AtG-Novel­le Ende 2010 zuge­wie­se­nen Zusatz­strom­men­gen betrifft, über den ohne­hin bestehen­den star­ken Sozi­al­be­zug des Eigen­tums an den Kern­ener­gie­an­la­gen hin­aus gegen­über staat­li­chen Ein­fluss­nah­men wei­ter ein­ge­schränkt.

Die Zuwei­sung die­ses sehr gro­ßen Kon­tin­gents an Zusatz­strom­men­gen beruht nicht auf der Eigen­leis­tung der betrof­fe­nen Unter­neh­men. Die­se Zusatz­strom­men­gen stel­len, anders als die 2002 zuge­wie­se­nen Rest­strom­men­gen, kei­ne Kom­pen­sa­ti­on für ander­wei­ti­ge Ein­schrän­kun­gen des Eigen­tums der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen dar. Sie beru­hen auch nicht in sons­ti­ger Wei­se auf einer spe­zi­fi­schen Eigen­leis­tung der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen; sie sind ins­be­son­de­re kei­ne Gegen­leis­tung für bestimm­te Inves­ti­tio­nen und Auf­wen­dun­gen, die sie aus Eigen­mit­teln erbracht hät­ten und in deren Nut­zung nun durch ent­spre­chen­de Erhö­hung der Kon­tin­gen­te geschützt wer­den müss­ten. Der Gesetz­ge­ber hat sich Ende 2010 für die Zuwei­sung der zusätz­li­chen Rest­strom­men­gen nicht des­halb ent­schie­den, weil er mein­te, ansons­ten sei­en die nach dem Aus­stiegs­ge­setz 2002 ver­blei­ben­den Lauf­zei­ten nicht mit den Eigen­tums­rech­ten der Kern­kraft­werks­be­trei­ber ver­ein­bar. Die Gewäh­rung die­ser zusätz­li­chen Men­gen war viel­mehr Ergeb­nis einer ener­gie, kli­ma- und wirt­schafts­po­li­ti­schen Ent­schei­dung von Bun­des­re­gie­rung und Gesetz­ge­ber 77. Nach dem "Ener­gie­kon­zept 2010" der neu­en, von CDU/​CSU und FDP getra­ge­nen Bun­des­re­gie­rung soll­te die Kern­ener­gie durch die mit den Zusatz­men­gen erheb­lich erwei­ter­ten Lauf­zei­ten als Brü­cken­tech­no­lo­gie 139 vor­über­ge­hend noch­mals gestärkt wer­den, um so in einem Über­gangs­zeit­raum die drei von der Bun­des­re­gie­rung ver­folg­ten ener­gie­po­li­ti­schen Zie­le, näm­lich Kli­ma­schutz, Wirt­schaft­lich­keit und Ver­sor­gungs­si­cher­heit in Deutsch­land zu ver­wirk­li­chen 77.

Obwohl die Zusatz­men­gen von 2010 die Nut­zung des Eigen­tums an den Kern­kraft­wer­ken unmit­tel­bar gestal­ten, sind sie danach doch in nur sehr begrenz­tem Umfang Aus­fluss die­ses Anla­gen­ei­gen­tums. Als poli­tisch moti­vier­te Gewäh­rung durch den Gesetz­ge­ber, die unab­hän­gig von den Rechts­po­si­tio­nen der Betrei­ber zuge­stan­den wur­de, haben sie daher nur in gerin­gem Maße Teil am eigen­tums­recht­li­chen Bestands­schutz. Dies ver­ken­nen die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen, soweit sie die Strom­men­gen­zu­wei­sung durch die 11. AtG-Novel­le als Teil­rück­kehr des Gesetz­ge­bers zum Sta­tus vor dem Atom­aus­stieg der Jah­re 2000/​2002 zu inter­pre­tie­ren ver­su­chen. Das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren zur 11. AtG-Novel­le und ins­be­son­de­re der Inhalt die­ses Geset­zes selbst geben kei­ner­lei Grund­la­ge für die Annah­me, der Gesetz­ge­ber habe mit den Zusatz­strom­men­gen den Kern­ener­gie­un­ter­neh­men über den damals gefun­de­nen Atom­kon­sens hin­aus die­se Nut­zungs­rech­te in Aner­ken­nung der ursprüng­lich unbe­fris­te­ten Betriebs­ge­neh­mi­gun­gen zuge­ste­hen wol­len.

Eine stär­ke­re Eigen­tums­schutz­po­si­ti­on konn­ten die Kern­kraft­werks­be­trei­ber schließ­lich auch nicht dar­aus erlan­gen, dass ihnen ein beson­de­res schutz­wür­di­ges Ver­trau­en in den Bestand der Zusatz­strom­men­gen zuge­wach­sen wäre. Abge­se­hen von der geson­dert zu prü­fen­den Fra­ge, ob der Gesetz­ge­ber der 13. AtG-Novel­le Ent­schä­di­gungs- oder Über­gangs­re­ge­lun­gen für frus­trier­te Inves­ti­tio­nen hät­te vor­se­hen müs­sen, die wäh­rend der Geset­zes­gel­tung der Zusatz­strom­men­gen und im Ver­trau­en dar­auf kon­kret getä­tigt wor­den sind, konn­te ein all­ge­mei­nes Ver­trau­en der Kern­kraft­werks­ei­gen­tü­mer auf den Bestand die­ser Zusatz­strom­men­gen, auf den sie sich bereits über einen län­ge­ren Zeit­raum ein­ge­stellt und ihre Geschäfts­po­li­tik danach aus­ge­rich­tet hät­ten, nicht ent­ste­hen. Die 11. AtG-Novel­le wur­de am 13.12 2010 im Bun­des­ge­setz­blatt ver­kün­det; bereits im März 2011 kam es zu dem soge­nann­ten Mora­to­ri­um, am 6.08.2011 trat die 13. AtG-Novel­le in Kraft. Die­ser Zeit­raum ist zu kurz, um die gene­rel­le Annah­me begrün­den zu kön­nen, dass die Kern­kraft­werks­be­trei­ber sich bereits nach­hal­tig auf die durch­schnitt­lich zwölf­jäh­ri­ge Lauf­zeit­ver­län­ge­rung ein­ge­rich­tet und schon in ent­spre­chen­dem Umfang Inves­ti­tio­nen getä­tigt hät­ten.

Die mit der 13. AtG-Novel­le ver­folg­ten Gemein­wohl­be­lan­ge sind von hohem Wert und in der kon­kre­ten Umset­zung der Rück­nah­me der Lauf­zeit­ver­län­ge­rung von 2010 von gro­ßem Gewicht. Mit der 13. AtG-Novel­le woll­te der Gesetz­ge­ber den 2002 beschlos­se­nen Aus­stieg aus der fried­li­chen Nut­zung der Kern­ener­gie beschleu­ni­gen, indem er fes­te Abschalt­ter­mi­ne ein­führ­te und die erst Ende 2010 mit der 11. AtG-Novel­le erfolg­te Ver­län­ge­rung der Lauf­zei­ten wie­der rück­gän­gig mach­te. Die Beschleu­ni­gung des Atom­aus­stiegs dient mit dem dadurch bezweck­ten Schutz von Leben und Gesund­heit der Bevöl­ke­rung (Art. 2 Abs. 2 GG) und der natür­li­chen Lebens­grund­la­gen (Art.20a GG) ver­fas­sungs­recht­li­chen Gütern von hohem Wert. Mit der Rück­nah­me der Lauf­zeit­ver­län­ge­rung von 2010 leis­tet der Gesetz­ge­ber durch die damit erreich­te, im Durch­schnitt 12 Jah­re frü­he­re Abschal­tung der Kern­kraft­wer­ke eine Risi­ko­min­de­rung von ganz erheb­li­chem Aus­maß.

Dies gilt unab­hän­gig davon, dass neue Erkennt­nis­se über anders­ar­ti­ge oder gegen­über frü­he­ren Annah­men signi­fi­kant erhöh­te Risi­ken für die deut­schen Kern­kraft­wer­ke aus der Reak­tor­ka­ta­stro­phe von Fuku­shi­ma nach inzwi­schen weit­ge­hend über­ein­stim­men­der Auf­fas­sung nicht gewon­nen wer­den konn­ten und kön­nen 140. Die Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs der Frak­tio­nen von CDU/​CSU und FDP zur 13. AtG-Novel­le behaup­tet im Übri­gen auch kei­ne sol­chen neu­en Erkennt­nis­se, son­dern ver­weist inso­weit ledig­lich auf eine Neu­be­wer­tung der mit der Kern­ener­gie­nut­zung ver­bun­de­nen Risi­ken durch die Ereig­nis­se in Japan 141. Jeden­falls muss das vor­han­de­ne, wenn auch schon zuvor bekann­te Rest­ri­si­ko danach 12 Jah­re weni­ger als geplant hin­ge­nom­men wer­den, und die mit der fried­li­chen Nut­zung der Kern­ener­gie not­wen­dig ver­bun­de­nen Ent­sor­gungs­pro­ble­me wer­den in ihrem Umfang ent­spre­chend ver­rin­gert.

In der Gesamt­ab­wä­gung mit den durch die ange­grif­fe­ne Rege­lung geför­der­ten Gemein­wohl­be­lan­gen erweist sich die Eigen­tums­be­las­tung der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen durch die Strei­chung der Zusatz­strom­men­gen von 2010 als ver­hält­nis­mä­ßig. Das in Qua­li­tät und Quan­ti­tät erheb­li­che Gemein­wohl­in­ter­es­se an der durch­schnitt­lich zwölf­jäh­ri­gen Lauf­zeit­ver­kür­zung der Kern­kraft­wer­ke über­wiegt die damit für die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen ver­bun­de­nen Eigen­tums­be­las­tun­gen ein­deu­tig.

Die­sem Ergeb­nis steht die Behaup­tung der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen nicht ent­ge­gen, dass sich der Gesetz­ge­ber wider­sprüch­lich und irra­tio­nal ver­hal­ten habe; zunächst habe er in der Über­zeu­gung, das bekann­te Rest­ri­si­ko bei der fried­li­chen Nut­zung der Kern­ener­gie sei ange­sichts des hohen Sicher­heits­stan­dards der deut­schen Kern­kraft­wer­ke auch noch über einen län­ge­ren Zeit­raum hin­nehm­bar, deren Lauf­zeit Ende 2010 um durch­schnitt­lich 12 Jah­re ver­län­gert, um die­se Ent­schei­dung dann weni­ge Mona­te spä­ter ohne sub­stan­ti­el­le neue Gefah­ren­er­kennt­nis­se zu wider­ru­fen. Mit die­sem Vor­trag ver­ken­nen die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen den Ent­schei­dungs­spiel­raum und die zuläs­si­gen Beweg­grün­de des Gesetz­ge­bers.

Ob und unter wel­chen Bedin­gun­gen er eine Hoch­ri­si­ko­tech­no­lo­gie wie die fried­li­che Nut­zung der Kern­ener­gie zulässt, ist bei hin­rei­chen­der Kennt­nis der bestehen­den Risi­ken zuerst eine poli­ti­sche Ent­schei­dung, die der Gesetz­ge­ber wesent­lich auch von der Akzep­tanz die­ser Tech­no­lo­gie in der Gesell­schaft abhän­gig machen darf. Inso­fern ist er nicht grund­sätz­lich gehin­dert, eine ursprüng­lich zuguns­ten der Nut­zung der Kern­ener­gie getrof­fe­ne Ent­schei­dung für die Zukunft zu ändern, selbst wenn kei­ne sub­stan­ti­ell neu­en Erkennt­nis­se über deren Gefähr­lich­keit und Beherrsch­bar­keit vor­lie­gen. Dass er dabei – wie hier – auch auf Ereig­nis­se wie die Reak­tor­ka­ta­stro­phe in Japan reagie­ren und Kon­se­quen­zen aus gestie­ge­nen Befürch­tun­gen in der Bevöl­ke­rung oder einer geän­der­ten Risi­ko­to­le­ranz zie­hen kann, steht für Ver­fas­sungs­or­ga­ne wie die Bun­des­re­gie­rung und den Gesetz­ge­ber, die in demo­kra­ti­scher Ver­ant­wor­tung wesent­lich nach poli­ti­schen Gesichts­punk­ten ent­schei­den, außer Zwei­fel.

Wie weit aller­dings allein geän­der­te poli­ti­sche Wer­tun­gen oder gewach­se­ne Befürch­tun­gen und Ängs­te in der Bevöl­ke­rung auch Maß­nah­men tra­gen kön­nen, die – wie die Beschleu­ni­gung des Atom­aus­stiegs – erheb­lich in Grund­rech­te der Betrof­fe­nen ein­grei­fen, und wel­ches Gewicht ihnen bei­gemes­sen wer­den kann, lässt sich nicht all­ge­mein bestim­men. Zur Recht­fer­ti­gung erheb­li­cher Grund­rechts­ein­grif­fe bedarf es jeden­falls jeweils hin­rei­chend gewich­ti­ger Gemein­wohl­grün­de auf der Grund­la­ge einer Wür­di­gung der unter sol­chen Befürch­tun­gen und Wer­tun­gen rea­li­täts­ge­recht erkenn­ba­ren Gefah­ren oder Risi­ken. Soweit hier­durch bestehen­de Ver­trau­ens­schutz­po­si­tio­nen, nament­lich bestands­ge­schütz­te Inves­ti­tio­nen, ent­wer­tet wer­den, wird allein der poli­ti­sche Wunsch, auf geän­der­te Wer­tun­gen in der Bevöl­ke­rung zu reagie­ren jeden­falls kurz­fris­ti­ge Poli­tik­wech­sel oft nicht tra­gen. Lie­gen aller­dings, wie hier, gewich­ti­ge Gemein­wohl­grün­de für die damit ver­bun­de­nen Ein­grif­fe vor und han­delt es sich um die Beur­tei­lung einer Hoch­ri­si­ko­tech­no­lo­gie, deren Scha­dens­ri­si­ken ange­sichts einer einer­seits äußerst gerin­gen Rea­li­sie­rungs­wahr­schein­lich­keit und ande­rer­seits eines äußerst weit­rei­chen­den Aus­ma­ßes etwai­ger Schä­den in beson­de­rem Maße von einer poli­ti­schen Bewer­tung und dabei in spe­zi­fi­scher Wei­se auch von einer öffent­li­chen Akzep­tanz abhän­gig sind 142, kann auch Ereig­nis­sen ein eige­nes Gewicht bei­gelegt wer­den, die, obwohl sie neue Gefähr­dun­gen nicht erken­nen las­sen, allein das Bewusst­sein der Öffent­lich­keit für die­se Risi­ken ändern. Dass das Gesetz inso­weit auf die Ereig­nis­se in Fuku­shi­ma reagier­te, ist folg­lich nicht des­halb zu bean­stan­den, weil hier­aus neue Gefähr­dungs­er­kennt­nis­se nicht abge­lei­tet wer­den konn­ten.

Die man­gels Eigen­leis­tung und man­gels berech­tig­ten Ver­trau­ens auf deren Bestand gerin­ge Schutz­wür­dig­keit des Eigen­tums an den 2010 gewähr­ten Zusatz­strom­men­gen recht­fer­tigt deren Ent­zug auch ohne Ent­schä­di­gung. Zwar nimmt der Gesetz­ge­ber den Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen mit der Strei­chung der Zusatz­strom­men­gen die inso­weit mit dem Anla­gen­ei­gen­tum ver­bun­de­nen Nut­zungs­rech­te voll­stän­dig und ent­wer­tet so auch das Eigen­tum an den Kern­kraft­wer­ken, da sie ohne ver­füg­ba­re Elek­tri­zi­täts­men­gen nicht mehr betrie­ben wer­den kön­nen. Um eine Ent­eig­nung han­delt es sich dabei aller­dings nicht. Auch der Fall einer aus­nahms­wei­se aus­gleichs­pflich­ti­gen Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung des Eigen­tums liegt ange­sichts der hier beson­ders gerin­gen Schutz­wür­dig­keit der Zusatz­strom­men­gen einer­seits und der den Kern­kraft­werks­an­la­gen gene­rell inne­woh­nen­den Gemein­wohl­last ande­rer­seits nicht vor. Dies gilt auch dann, wenn man die Zusatz­strom­men­gen als eigen­stän­dig ent­eig­nungs­fä­hi­ge Eigen­tums­po­si­ti­on betrach­ten soll­te. Bei die­ser Annah­me han­del­te es sich bei dem Ent­zug die­ser Rech­te man­gels einer hier­in lie­gen­den Güter­be­schaf­fung eben­falls um eine Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung. Der Gesetz­ge­ber hät­te inso­weit unter Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­ge­sichts­punk­ten dem Vor­lie­gen abfe­dern­der Rege­lun­gen beson­de­res Gewicht bei­le­gen müs­sen und inso­weit auch die Fra­ge stel­len müs­sen, ob die­se Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung vor Art. 14 GG nur Bestand haben kann, wenn ein ange­mes­se­ner Aus­gleich für die Eigen­tü­mer der Kern­kraft­wer­ke vor­ge­se­hen ist. Auch bei die­ser Annah­me wäre mit Rück­sicht auf das ein­deu­ti­ge Ergeb­nis der Gesamt­ab­wä­gung eine Ent­schä­di­gungs­pflicht zu ver­nei­nen, und der ent­schä­di­gungs­lo­se Ent­zug der Zusatz­strom­men­gen von 2010 wäre mit Art. 14 Abs. 1 GG ver­ein­bar.

Die Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung des Eigen­tums durch die 13. AtG-Novel­le ist aller­dings unzu­mut­bar, soweit sie dazu führt, dass Vat­ten­fall und RWE ange­sichts der gesetz­lich fest­ge­leg­ten Rest­lauf­zei­ten ihrer Anla­gen sub­stan­ti­el­le Tei­le ihrer Rest­strom­men­gen von 2002 (Elek­tri­zi­täts­men­gen nach Anla­ge 3 Spal­te 2 AtG) nicht kon­zern­in­tern aus­nut­zen kön­nen, wohin­ge­gen E.ON und EnBW über mehr Ver­stro­mungs­ka­pa­zi­tät ver­fü­gen als sie zur Ver­wer­tung ihrer Rest­strom­men­gen von 2002 benö­ti­gen.

Sowohl Vat­ten­fall als auch RWE wer­den die ihnen 2002 zuge­spro­che­nen Rest­strom­men­gen bis zur Abschal­tung aller ihren Kon­zer­nen ganz oder antei­lig gehö­ren­den Kraft­wer­ke nicht – auch nicht im Wesent­li­chen – voll­stän­dig ver­stromen kön­nen. Die Eigen­tums­be­ein­träch­ti­gung wiegt vor allem wegen des recht­li­chen Hin­ter­grun­des der 2002 zuge­spro­che­nen Rest­strom­men­gen und der Ungleich­be­hand­lung im Ver­hält­nis zu den kon­kur­rie­ren­den Unter­neh­men schwer. Zwar ste­hen der Belas­tung gewich­ti­ge Gemein­wohl­be­lan­ge gegen­über. Im Ergeb­nis ist die Eigen­tums­be­ein­träch­ti­gung inso­weit jedoch nicht zumut­bar.

Die Ver­hin­de­rung der Ver­stro­mung der Rest­strom­men­gen von 2002 ist der maß­geb­li­che Bezugs­punkt für die Beur­tei­lung der Zumut­bar­keit der den Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen durch die 13. AtG-Novel­le auf­er­leg­ten Belas­tun­gen. Auf die für die Amor­ti­sie­rung der Anla­gen und die Siche­rung eines ange­mes­se­nen Gewinns wich­ti­ge Grö­ße der 32-Jah­re-Lauf­zeit, wie sie der Atom­kon­sens­ver­ein­ba­rung und dem sie umset­zen­den Aus­stiegs­ge­setz zugrun­de gelegt wur­de, kommt es in die­sem Zusam­men­hang hin­ge­gen nicht mehr eigen­stän­dig an. Denn die 32-Jah­re-Lauf­zeit ist bereits in der ursprüng­li­chen Aus­stiegs­ent­schei­dung als Umrech­nungs­fak­tor in die Refe­renz­men­gen­be­rech­nung ein­ge­flos­sen und wird seit­her durch die Rest­strom­men­ge reprä­sen­tiert. Ob von der ange­mes­se­nen Amor­ti­sie­rung und Gewinn­si­che­rung eines Kern­kraft­werks aus­ge­gan­gen wer­den kann, hängt nach Ein­füh­rung die­ses Sys­tems daher nicht mehr in ers­ter Linie von einem 32-Jah­re-Betrieb, son­dern von der Mög­lich­keit einer Strom­erzeu­gung im Umfang der Rest­strom­men­gen ab.

Die Ein­füh­rung der fes­ten Abschalt­ter­mi­ne für die Kern­kraft­wer­ke (§ 7 Abs. 1a Satz 1 AtG) hat in Kom­bi­na­ti­on mit den beschränk­ten Über­tra­gungs­mög­lich­kei­ten (§ 7 Abs. 1b AtG) zur Fol­ge, dass bei zwei der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen die durch das Aus­stiegs­ge­setz zuge­teil­ten Rest­strom­men­gen nicht mehr in vol­lem Umfang in ihren kon­zern­ei­ge­nen Kern­kraft­wer­ken ver­stromt wer­den kön­nen.

Nach § 7 Abs. 1b AtG kön­nen Rest­strom­men­gen zwar unein­ge­schränkt von einem Kern­kraft­werk auf jün­ge­re Kraft­werks­an­la­gen und aus­nahms­wei­se auch auf älte­re über­tra­gen wer­den. Dies gilt nach § 7 Abs. 1b Satz 4 AtG auch nach Erlö­schen der Berech­ti­gung zum Leis­tungs­be­trieb der abge­ben­den Anla­ge. Die Über­tra­gung von Rest­strom­men­gen ändert aber nichts an der Ver­bind­lich­keit der Abschalt­ter­mi­ne nach § 7 Abs. 1a AtG für die jeweils auf­neh­men­de Anla­ge.

Der Vor­trag der Betei­lig­ten und die münd­li­che Ver­hand­lung haben erge­ben, dass aller Vor­aus­sicht nach alle Kern­kraft­wer­ke, die über den 6.08.2011 hin­aus betrie­ben wer­den dür­fen, die ihnen zuge­teil­ten Rest­strom­men­gen aus dem Jahr 2002 bis zu den jeweils für sie ver­bind­li­chen Abschalt­ter­mi­nen nach § 7 Abs. 1a Satz 1 Nr. 2 – 6 AtG voll­stän­dig ver­stromen kön­nen.

Dies gilt aber nicht für die Kern­kraft­wer­ke der Grup­pe des § 7 Abs. 1a Satz 1 Nr. 1 AtG, die mit Inkraft­tre­ten der 13. AtG-Novel­le ihre Berech­ti­gung zum Leis­tungs­be­trieb ver­lo­ren haben, und für die dem Kern­kraft­werk Mül­heim-Kär­lich zuge­ord­ne­ten Rest­strom­men­gen. Mit Ablauf des 6.08.2011 ver­füg­ten die­se Kern­kraft­wer­ke – ohne das bereits im März 2011 vom Netz genom­me­ne Kern­kraft­werk Neckar­west­heim 1 – über noch nicht ver­strom­te Rest­strom­men­gen aus dem Jahr 2002 in einem Gesamt­um­fang von 230.092, 72 GWh. Dabei sind beim Kern­kraft­werk Bib­lis A die ihm am 11.05.2011 vom still­ge­leg­ten Kern­kraft­werk Sta­de über­tra­ge­nen 4.785, 53 GWh und beim Kern­kraft­werk Bib­lis B die ihm am 30.06.2010 über­tra­ge­nen 8.100 GWh aus dem Kon­tin­gent des Kern­kraft­werks Mül­heim-Kär­lich berück­sich­tigt. Die den ein­zel­nen Kern­kraft­wer­ken der ers­ten Grup­pe des § 7 Abs. 1a Satz 1 Nr. 1 AtG und dem Kern­kraft­werk Mül­heim-Kär­lich zuge­ord­ne­ten, am 6.08.2011 noch nicht ver­strom­ten Rest­strom­men­gen im Ein­zel­nen erge­ben sich aus der nach­fol­gen­den Tabel­le. Deren Wer­te sind der Bekannt­ma­chung des Bun­des­am­tes für Strah­len­schutz gemäß § 7 Abs. 1c AtG – Jah­res­mel­dung 2011 – vom 05.03.2012 143 ent­nom­men.

Kern­kraft­wer­ke nach § 7 Abs. 1a Satz 1 Nr. 1 AtG Ver­blie­be­ne Rest­strom­men­ge zum 6.08.2011 (in GWh)
Bib­lis A 2.194, 24
Bib­lis B 7.822, 48
Bruns­büt­tel 10.999, 67
Isar 1 2.024, 12
Unter­we­ser 11.202, 86
Phil­ipps­burg 1 8.454, 24
Krüm­mel 88.245, 11
Sum­me 130.942, 72
Mül­heim-Kär­lich 99.150, 00
Gesamt 230.092, 72

Der Pro­gno­se, inwie­weit die­se Rest­strom­men­gen nach Über­tra­gung auf noch betriebs­fä­hi­ge Kern­kraft­wer­ke inner­halb ihrer Rest­lauf­zeit zusätz­lich zu deren eige­nen Men­gen ver­braucht wer­den kön­nen, ist eine kon­zern­in­ter­ne Betrach­tung zugrun­de zu legen. Die ent­spre­chen­de Nach­fra­ge des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts wur­de von den Betei­lig­ten der Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren unter­schied­lich beant­wor­tet.

Für die Pro­gno­se des mög­li­chen Ver­brauchs der Rest­strom­men­gen kommt es auf eine kon­zern­in­ter­ne Betrach­tungs­wei­se an.

Die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen müs­sen sich im Rah­men der Prü­fung der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung ihres Eigen­tums dar­auf ver­wei­sen las­sen, dass sie in einem Kern­kraft­werk wegen des Errei­chens des Abschalt­zeit­punkts nicht mehr ver­wert­ba­re Elek­tri­zi­täts­men­gen auf ein ande­res Kern­kraft­werk des eige­nen Kon­zerns oder anteils­ge­mäß auf ein Kern­kraft­werk über­tra­gen kön­nen, an dem sie zumin­dest Eigen­tums­an­tei­le hal­ten. Denn es ist zu erwar­ten, dass das abge­ben­de Kern­kraft­werk auf­grund der letzt­lich gleich­ge­la­ger­ten Inter­es­sen im Kon­zern einen ange­mes­se­nen Abga­be­preis erzie­len kann. Selbst wenn das abge­ben­de Kraft­werk einen – gemes­sen am bei eige­ner Ver­stro­mung erziel­ba­ren Gewinn – nur unzu­läng­li­chen Preis erzielt, ver­bleibt der dann im Regel­fall ent­spre­chend erhöh­te Gewinn aus der Ver­stro­mung beim auf­neh­men­den Kern­kraft­werk im Kon­zern, so dass auch inso­fern eine ein­heit­li­che Betrach­tung gerecht­fer­tigt ist.

Für kon­zern­über­schrei­ten­de Über­tra­gun­gen gel­ten dage­gen ande­re Bedin­gun­gen. Nach den inso­weit im Wesent­li­chen über­ein­stim­men­den Pro­gno­sen der Betei­lig­ten wird es für die Über­nah­me der kon­zern­in­tern nicht mehr ver­strom­ba­ren Rest­strom­men­gen nur zwei Nach­fra­ger geben – E.ON und EnBW, von denen E.ON je nach Pro­gno­se über jeweils zwei Drit­tel bis drei Vier­tel der Nach­fra­ge­macht ver­fügt. Bei­de Nach­fra­ger haben dabei nur begrenz­te, das Ange­bot nicht voll­stän­dig abde­cken­de zusätz­li­che Ver­stro­mungs­ka­pa­zi­tä­ten und wer­den Rest­strom­men­gen nur über­neh­men, wenn sich dies für sie wirt­schaft­lich lohnt; sie kön­nen daher den Preis weit­ge­hend selbst bestim­men. Unter die­sen Bedin­gun­gen ist die Über­tra­gung von Rest­strom­men­gen aus Sicht der abge­ben­den Unter­neh­men kei­ne unein­ge­schränkt zumut­ba­re Ver­wer­tungs­op­ti­on.

Die Abwei­chun­gen in den Pro­gno­sen der Betei­lig­ten über die noch ver­strom­ba­ren Elek­tri­zi­täts­men­gen hän­gen von den unter­schied­li­chen Annah­men hin­sicht­lich der rea­lis­tisch zu erwar­ten­den Aus­las­tungs­gra­de der ein­zel­nen Kern­kraft­wer­ke ab, die sie ihren Berech­nun­gen zugrun­de gelegt haben. Dabei gehen alle Betei­lig­ten zu Recht davon aus, dass die 100 %ige Aus­las­tung eines Kern­kraft­werks über einen län­ge­ren Zeit­raum in der Ver­gan­gen­heit nicht vor­ge­kom­men ist und die Pro­gno­se des künf­ti­gen Ver­brauchs daher auch nicht auf eine sol­che Annah­me gestützt wer­den kann, zumal neben den typi­schen Unsi­cher­heits­fak­to­ren wie etwa tech­nik­be­ding­ten Still­stand­zei­ten oder der Ent­wick­lung des Strom­mark­tes, in zuneh­men­dem Maße aus­lauf­be­ding­te Unwäg­bar­kei­ten wie die Wirt­schaft­lich­keit von Kern­brenn­stoff­wech­seln oder sons­ti­gen Ertüch­ti­gungs­maß­nah­men ange­sichts bevor­ste­hen­der Abschalt­ter­mi­ne hin­zu­kom­men.

Die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin RWE hat zwei Berech­nun­gen vor­ge­nom­men, denen sie unter­schied­li­che Aus­las­tungs­gra­de der Kern­kraft­wer­ke zugrun­de gelegt hat. Bei der einen Berech­nung geht sie von einer Kapa­zi­täts­aus­las­tung der Kern­kraft­wer­ke aus, die dem jähr­li­chen Durch­schnitt ihrer Gesamt­lauf­zeit, also seit der jewei­li­gen Inbe­trieb­nah­me bis zur Nach­fra­ge des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts Ende Okto­ber 2015, ent­spricht. Die­se Berech­nung führt zu dem Ergeb­nis, dass die von E.ON ganz oder antei­lig betrie­be­nen Kern­kraft­wer­ke bei allein kon­zern­in­ter­nem Aus­gleich zum Zeit­punkt des Ablaufs aller Betriebs­ge­neh­mi­gun­gen noch unge­nutz­te Ver­stro­mungs­ka­pa­zi­tä­ten von 37.973 GWh und die­je­ni­gen von EnBW einen Kapa­zi­täts­über­schuss von 9.595 GWh zur Ver­fü­gung haben wer­den. RWE hin­ge­gen wird kon­zern­in­tern inner­halb der gesetz­lich fest­ge­leg­ten Lauf­zei­ten nach die­ser Berech­nung Rest­strom­men­gen im Umfang von 42.079 GWh nicht ver­stromen kön­nen. Eine Ursa­che dafür sind die gro­ßen Rest­strom­men­gen des von Anfang an nicht mehr in Betrieb befind­li­chen Kern­kraft­werks Mül­heim-Kär­lich von ursprüng­lich 107.250 GWh. Vat­ten­fall schließ­lich wird kon­zern­in­tern Rest­strom­men­gen im Umfang von 46.651 GWh nicht ver­stromen kön­nen, was an den gro­ßen Rest­strom­men­gen des Kern­kraft­werks Krüm­mel liegt, über die es bei sei­ner Still­le­gung in der ers­ten Grup­pe zum 6.08.2011 noch ver­füg­te. Ent­spre­chend der hälf­ti­gen Betei­li­gung an dem Kern­kraft­werk beläuft sich der auf Vat­ten­fall ent­fal­len­de Anteil des Ver­stro­mungs­de­fi­zits beim Kern­kraft­werk Krüm­mel auf 44.122, 55 GWh.

Dem zwei­ten Pro­gno­se­s­ze­na­rio legt RWE den durch­schnitt­li­chen jähr­li­chen Aus­las­tungs­grad der Kern­kraft­wer­ke seit dem 1.01.2000 (dem Zeit­punkt der Strom­men­gen­zu­wei­sung nach der Kon­sens­ver­ein­ba­rung) zugrun­de. Die Aus­las­tung der Kern­kraft­wer­ke war in die­sem Zeit­raum im Durch­schnitt gering­fü­gig höher als bei der ers­ten Annah­me, was ins­be­son­de­re bei E.ON und RWE zu höhe­ren jähr­li­chen Ver­brauchs­an­nah­men und dem­zu­fol­ge bei E.ON zu einer grö­ße­ren Über­schuss­ka­pa­zi­tät im Zeit­punkt des Ablaufs aller Betriebs­ge­neh­mi­gun­gen und bei RWE zu einem gerin­ge­ren Ver­strom­bar­keits­de­fi­zit führt. Die Ergeb­nis­se der bei­den Berech­nungs­mo­del­le von RWE fin­den sich in der unten­ste­hen­den Tabel­le.

Die von den Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen E.ON und Vat­ten­fall vor­ge­leg­ten Pro­gno­se­wer­te unter­schei­den sich, soweit ver­gleich­bar, bei ähn­li­chen Grund­an­nah­men nicht wesent­lich von den durch RWE berech­ne­ten Zah­len.

Anders als die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen geht die Bun­des­re­gie­rung in ihrer Ver­stro­mungs­pro­gno­se nicht von den Durch­schnitts­aus­las­tun­gen der Kern­kraft­wer­ke, son­dern von der Jah­res­re­fe­renz­men­ge jedes Kern­kraft­werks aus, die der Berech­nung der zuzu­wei­sen­den Rest­strom­men­gen in der Atom­kon­sens­ver­ein­ba­rung und dem fol­gend im Aus­stiegs­ge­setz von 2002 zugrun­de lag. Die­se Jah­res­re­fe­renz­men­ge errech­net sich aus dem Durch­schnitt der fünf höchs­ten Jah­res­pro­duk­ti­ons­men­gen jedes Kern­kraft­werks zwi­schen 1990 und 1999 zuzüg­lich eines Zuschlags von 5, 5 %.

Sie liegt gering­fü­gig höher als die von den Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen aus dem Durch­schnitts­ver­brauch errech­ne­ten Aus­las­tungs­gra­de und hat so bei sonst glei­chen Aus­gangs­pa­ra­me­tern gering­fü­gig höhe­re Ver­stro­mungs­ka­pa­zi­tä­ten bei E.ON und EnBW und gerin­ge­re Ver­strom­bar­keits­de­fi­zi­te bei RWE und Vat­ten­fall zur Fol­ge. Die Ein­zel­hei­ten hier­zu erge­ben sich eben­falls aus der nach­fol­gen­den Tabel­le.

Dort sind schließ­lich auch die von Green­peace als sach­kun­di­gem Drit­ten vor­ge­leg­ten Pro­gno­se­zah­len wie­der­ge­ge­ben. Green­peace geht bei sei­ner Berech­nung davon aus, dass die Kern­kraft­wer­ke so viel Strom pro­du­zie­ren wer­den, wie es dem Durch­schnitt ihrer Jah­res­aus­las­tung in den Jah­ren 2009 und 2010 ent­spricht. Die sich hier­aus für die Ener­gie­kon­zer­ne erge­ben­den Kapa­zi­täts­über­schüs­se und Ver­strom­bar­keits­de­fi­zi­te lie­gen zwi­schen den Pro­gno­sen von RWE und der Bun­des­re­gie­rung.

In der Tabel­le ist in den Spal­ten von RWE und Vat­ten­fall jeweils der pro­zen­tua­le Anteil der Elek­tri­zi­täts­men­gen ange­ge­ben, den die bei­den Kon­zer­ne nach den jewei­li­gen Pro­gno­sen bei aus­schließ­lich kon­zern­in­ter­ner Über­tra­gung von Rest­strom­men­gen gemes­sen an dem Gesamt­be­trag der ihnen 2002 zuge­wie­se­nen Strom­men­gen aller Vor­aus­sicht nicht mehr wer­den ver­wer­ten könn­ten. Schließ­lich gibt die Tabel­le wie­der, wie hoch bei bei­den der nicht mehr ver­strom­ba­re Anteil der Rest­strom­men­gen nach den jewei­li­gen Pro­gno­sen sein wird, wenn man das Defi­zit in Rela­ti­on zu den bei Erlass der 13. AtG-Novel­le noch vor­han­de­nen Rest­strom­men­gen setzt.

E.ON EnBW RWE Vat­ten­fall
Sum­me zuge­wie­se­ner Rest­strom­men­gen 2002 1.158.850, 25 579.140 698.973, 75 154.466
Bestand Rest­strom­men­gen am, u31.12.2010 354.202, 69 211.114, 89 190.788, 98 70.273, 52
37.973 9.595 -42.079 -46.651
Ver­strom­bar­keits­de­fi­zit in Rela­ti­on zu ursprüng­li­chen eige­nen 2002er Rest­strom­men­gen -6, 021% -30, 20%
Ver­strom­bar­keits­de­fi­zit in Rela­ti­on zum Bestand 2002er Rest­strom­men­gen am 31.12.2010, /​td -22, 05% -66, 38%
43.109 9.044 -37.774 -46.282
Ver­strom­bar­keits­de­fi­zit in Rela­ti­on zu ursprüng­li­chen eige­nen 2002er Rest­strom­men­gen, /​td -5, 402% -29, 96%
51.560 16.440 -36.980 -45.890
Ver­strom­bar­keits­de­fi­zit in Rela­ti­on zu ursprüng­li­chen eige­nen 2002er Rest­strom­men­gen -5, 2906% -29, 71%
Ver­strom­bar­keits­de­fi­zit in Rela­ti­on zum Bestand 2002er Rest­strom­men­gen am 31.12.2010 -19, 38% -65, 30%
48.761 12.438 -35.821 -45.910
Ver­strom­bar­keits­de­fi­zit in Rela­ti­on zu ursprüng­li­chen eige­nen 2002er Rest­strom­men­gen -5, 1248% -29, 72%
Ver­strom­bar­keits­de­fi­zit in Rela­ti­on zum Bestand 2002er Rest­strom­men­gen am 31.12.2010 -18, 775% -65, 33%

Es bedarf hier kei­ner Ent­schei­dung, wel­cher der unter­schied­li­chen Pro­gno­se­an­sät­ze für die Kon­trol­le der Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers maß­geb­lich ist. Wäh­rend die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen wie auch Green­peace ihre Pro­gno­sen auf die Fort­schrei­bung sta­tis­tisch ermit­tel­ter Aus­las­tungs­gra­de stüt­zen, knüpft die Bun­des­re­gie­rung an die nur im Aus­gangs­punkt mit dem Bezug auf die Jah­res­aus­las­tun­gen zwi­schen 1990 und 1999 sta­tis­tisch ermit­tel­te, im Übri­gen aber nor­ma­tiv gesetz­te Grö­ße der Jah­res­re­fe­renz­men­gen an, die zudem das Ziel ver­folg­te, eine ten­den­zi­ell groß­zü­gi­ge Berech­nungs­grund­la­ge für den Atom­kon­sens – damals zuguns­ten der Betrei­ber von Kern­kraft­wer­ken – zu schaf­fen. Selbst wenn man die im Ver­gleich opti­mis­tischs­ten Aus­las­tungs­an­nah­men der Bun­des­re­gie­rung zugrun­de legt, lässt dies bei RWE und Vat­ten­fall in so erheb­li­chem Umfang auf nicht mehr in eige­nen Kern­kraft­wer­ken ver­strom­ba­re Rest­strom­men­gen schlie­ßen, dass sich die Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung unter Berück­sich­ti­gung des beson­de­ren Ver­trau­ens­schut­zes, der den Kern­kraft­werks­be­trei­bern inso­weit zukommt und der Benach­tei­li­gung, die dar­aus im Ver­hält­nis zu den ande­ren Unter­neh­men resul­tiert, als unzu­mut­bar erweist.

Die Eigen­tums­be­las­tung der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen Vat­ten­fall und RWE durch die Nicht­ver­wert­bar­keit der wegen der fes­ten Abschalt­fris­ten kon­zern­in­tern nicht mehr ver­strom­ba­ren Rest­strom­men­gen aus dem Jahr 2002 wiegt schwer. Sie ist quan­ti­ta­tiv erheb­lich und betrifft auf­grund der beson­de­ren Umstän­de ihrer Ent­ste­hung eine gegen Ände­run­gen in erhöh­tem Maße geschütz­te Eigen­tums­po­si­ti­on. Zudem benach­tei­ligt sie die­se Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen im Ver­hält­nis zu kon­kur­rie­ren­den Unter­neh­men.

Die Men­ge an kon­zern­in­tern nicht ver­brauch­ba­ren Strom­zu­wei­sun­gen ist für Vat­ten­fall und RWE erheb­lich.

Die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Vat­ten­fall wird je nach Pro­gno­se zwi­schen 46.651 GWh oder 45.890 GWh der 2002 zuge­teil­ten Rest­strom­men­gen nicht mehr ver­stromen kön­nen. Dies ent­spricht – aus­weis­lich der Anga­ben über die erzeug­ten Elek­tri­zi­täts­men­gen in den noch lau­fen­den Kern­kraft­wer­ken für die Jah­re 2000 bis 2014 in den Spal­ten 3 und 4 der Bekannt­ma­chung des Bun­des­amts für Strah­len­schutz vom 31.10.2015 – der durch­schnitt­li­chen Pro­duk­ti­on eines Kern­kraft­werks von etwa vier­ein­halb Jah­ren. Damit wer­den rund 30 % der dem Kon­zern ursprüng­lich zuge­teil­ten Rest­strom­men­ge kon­zern­in­tern vor­aus­sicht­lich unver­strom­bar blei­ben. Setzt man die­ses Ver­strom­bar­keits­de­fi­zit in Rela­ti­on zu den Ende 2010 der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Vat­ten­fall noch zur Ver­fü­gung ste­hen­den Rest­strom­men­gen von 70.273 GWh, beträgt der Anteil nicht mehr ver­strom­ba­rer Elek­tri­zi­täts­men­gen sogar rund 66 %. Die durch die 13. AtG-Novel­le ver­ur­sach­ten Ein­grif­fe in die mit den Rest­strom­men­gen von 2002 ver­brief­ten Nut­zungs­be­fug­nis­se der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin Vat­ten­fall an ihren Kern­kraft­wer­ken sind damit schon in quan­ti­ta­ti­ver Hin­sicht gra­vie­rend.

Dem kann im Ergeb­nis nicht ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, dass das pro­gnos­ti­zier­te Ver­strom­bar­keits­de­fi­zit durch von den Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen Krüm­mel und Vat­ten­fall zu ver­tre­ten­de Still­stand­zei­ten des Kern­kraft­werks Krüm­mel zu ver­ant­wor­ten sei und des­halb bei der Fest­le­gung der Abschalt­fris­ten durch den Gesetz­ge­ber hät­te außer Betracht blei­ben dür­fen. Für den hier maß­geb­li­chen Zeit­raum vor Inkraft­tre­ten der 13. AtG-Novel­le im August 2011 trägt die­se Argu­men­ta­ti­on nicht. Die Kraft­werks­be­trei­ber han­del­ten nach dem Atom­aus­stieg durch das Gesetz von 2002 in einer Rechts­la­ge, die den Aus­stieg bis auf wei­te­res durch die Rest­strom­men­gen, nicht aber durch bestimm­te Abschalt­fris­ten ter­mi­nier­te. Hier­an durf­ten sie ihr unter­neh­me­ri­sches Han­deln aus­rich­ten und muss­ten die Ver­stro­mung der ihnen zuge­wie­se­nen Rest­strom­men­gen daher auch nicht unter beson­de­rem Zeit­druck betrei­ben. In den damit gezo­ge­nen Gren­zen konn­ten sie auch tech­nik­be­ding­te Still­stand­zei­ten in Kauf neh­men. Dass die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen Krüm­mel und Vat­ten­fall das Ziel des Geset­zes einer als­bal­di­gen Been­di­gung der fried­li­chen Nut­zung der Kern­ener­gie bewusst unter­lau­fen hät­ten, haben letzt­lich weder die münd­li­che Ver­hand­lung noch der Vor­trag der Betei­lig­ten erge­ben.

Bei der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin RWE beläuft sich die vor­aus­sicht­lich nicht kon­zern­in­tern ver­strom­ba­re Rest­strom­men­ge je nach Pro­gno­se auf min­des­tens 35.821 GWh, höchs­tens jedoch 42.079 GWh. Auch dies ent­spricht cir­ca vier Jah­res­pro­duk­ti­ons­men­gen eines Kern­kraft­werks. Gemes­sen an den dem Kon­zern 2002 zuge­teil­ten Rest­strom­men­gen ist es aller­dings ledig­lich ein Anteil zwi­schen 5 % und 6 %, gemes­sen an dem Rest­strom­men­gen­be­stand von RWE Ende 2010 ein Anteil zwi­schen 19 % und 22 %. Die Eigen­tums­be­las­tung für die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin RWE ist damit eben­falls nicht uner­heb­lich.

Die Nicht­ver­wert­bar­keit der wegen der fes­ten Abschalt­fris­ten kon­zern­in­tern nicht mehr ver­strom­ba­ren Rest­strom­men­gen aus dem Jahr 2002 betrifft Eigen­tums­po­si­tio­nen, die hier auf­grund beson­de­rer Umstän­de in erhöh­tem Maße gegen Ein­grif­fe geschützt sind. Als Kon­kre­ti­sie­rung des Nut­zungs­rechts an den Kern­kraft­wer­ken tei­len zwar auch die 2002 zuge­wie­se­nen Rest­strom­men­gen im Aus­gangs­punkt den all­ge­mei­nen Cha­rak­ter des Eigen­tums an Atom­an­la­gen, das nach sei­ner Eigen­art und Funk­ti­on nicht in ers­ter Linie der per­sön­li­chen Frei­heit des Ein­zel­nen dient, son­dern durch einen aus­ge­präg­ten sozia­len Bezug gekenn­zeich­net ist. Hin­sicht­lich der Rest­strom­men­gen des Aus­stiegs­ge­set­zes genießt das Nut­zungs­ei­gen­tum der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen anders als bei den mit der 11. AtG-Novel­le im Jah­re 2010 zuge­teil­ten Zusatz­strom­men­gen beson­de­ren Bestands­schutz, weil die­se Rest­strom­men­gen zen­tra­ler Gegen­stand einer Über­gangs­re­ge­lung sind.

Die Ände­rung einer Über­gangs­vor­schrift, die der Gesetz­ge­ber aus Ver­trau­ens­schutz­grün­den erlas­sen hat, ist gene­rell nur unter beson­de­ren Vor­aus­set­zun­gen mög­lich. Die Rest­strom­men­gen sind Teil einer Über­gangs­re­ge­lung, die einen beson­de­ren Ver­trau­ens­schutz bezweckt. Die erhöh­te Schutz­wür­dig­keit des Ver­trau­ens in den Fort­be­stand der gere­gel­ten Rest­strom­men­gen grün­det auch in deren Funk­ti­on, ander­wei­ti­ge Eigen­tums­ein­schrän­kun­gen zu kom­pen­sie­ren. Dies gilt in beson­de­rer Wei­se für die Mül­heim-Kär­lich-Strom­men­gen.

Ent­täuscht der Gesetz­ge­ber das Ver­trau­en in den Fort­be­stand einer begrenz­ten Über­gangs­vor­schrift, die er aus Ver­trau­ens­schutz­grün­den erlas­sen hat, indem er sie vor Aus­schöp­fung ihres ursprüng­lich vor­ge­se­he­nen Gel­tungs­um­fangs zu Las­ten der Berech­tig­ten besei­tigt, so ist dies jeden­falls unter dem Gesichts­punkt des rechts­staat­li­chen Ver­trau­ens­schut­zes nur unter beson­de­ren Anfor­de­run­gen mög­lich. In einem sol­chen Fall geht es nicht all­ge­mein um den Schutz des Ver­trau­ens der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in den Fort­be­stand gel­ten­den Rechts. Hier ver­traut der Bür­ger viel­mehr auf die Kon­ti­nui­tät einer Rege­lung, auf Grund deren altes Recht oder eine bestimm­te Über­gangs­re­ge­lung noch für eine bestimm­te Zeit in Bezug auf einen ein­ge­grenz­ten Per­so­nen­kreis nach Prü­fung der Ver­ein­bar­keit der Fort­gel­tung mit dem öffent­li­chen Inter­es­se auf­recht­erhal­ten wird. Mit einer sol­chen Rege­lung hat der Gesetz­ge­ber einen beson­de­ren Ver­trau­ens­tat­be­stand geschaf­fen. Um sie vor­zei­tig auf­zu­he­ben oder zum Nach­teil der Betrof­fe­nen zu ändern, genügt es nicht, dass sich die poli­ti­sche Bewer­tung der damit in Kauf genom­me­nen Gefah­ren, Risi­ken oder Nach­tei­le für die All­ge­mein­heit geän­dert hat. Es müs­sen dar­über hin­aus – vor­aus­ge­setzt, das Inter­es­se der Betrof­fe­nen auf einen Fort­be­stand der Rege­lung ist schutz­wür­dig und hat hin­rei­chen­des Gewicht – schwe­re Nach­tei­le für wich­ti­ge Gemein­schafts­gü­ter zu erwar­ten sein, falls die gel­ten­de Über­gangs­re­ge­lung bestehen bleibt 144.

Die 2002 zuge­wie­se­nen Rest­strom­men­gen sind Teil einer Über­gangs­re­ge­lung, die nach Ent­ste­hung, Begrün­dung und Kon­zep­ti­on des Aus­stiegs­ge­set­zes von 2002 einen beson­de­ren Ver­trau­ens­schutz bezweck­te. Die Ent­ste­hung, Begrün­dung und Kon­zep­ti­on der Rest­strom­men­gen­re­ge­lung las­sen kei­nen Zwei­fel, dass sowohl die Bun­des­re­gie­rung als auch der Gesetz­ge­ber den Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men im Bereich der Kern­kraft­wer­ke für die nach dem Aus­stiegs­be­schluss ver­blei­ben­de Nut­zungs­zeit eine ver­läss­li­che Grund­la­ge für ihr wirt­schaft­li­ches Agie­ren garan­tie­ren woll­ten, die den Bestand der 2002 gewähr­ten Rest­strom­men­gen umfass­te.

Bereits die – durch die Atom­kon­sens­ver­ein­ba­rung zwi­schen der Bun­des­re­gie­rung und den Ener­gie­kon­zer­nen vom 14.06.2000 vor­be­rei­te­te – gesetz­li­che Aus­ge­stal­tung im Aus­stiegs­ge­setz von 2002 und die Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs hier­zu las­sen klar erken­nen, dass den Eigen­tü­mern und Betrei­bern der Kern­kraft­wer­ke mit der getrof­fe­nen Rege­lung, ins­be­son­de­re mit der Kon­zep­ti­on der Rest­strom­men­gen­kon­tin­gen­tie­rung, eine ver­läss­li­che Grund­la­ge für die Rest­lauf­zeit der Anla­gen zur Ver­fü­gung gestellt wer­den soll­te, die in beson­de­rem Maße Ver­trau­ens­schutz garan­tier­te.

In der Atom­kon­sens­ver­ein­ba­rung einig­ten sich die Betei­lig­ten auf die Ein­hal­tung einer Aus­lauf­frist für die ver­blei­ben­de Nut­zung der vor­han­de­nen Kern­kraft­wer­ke bei der Been­di­gung der fried­li­chen Nut­zung der Kern­ener­gie. Zu die­sem Zweck wur­de für jedes Kern­kraft­werk auf der Grund­la­ge einer Regel­lauf­zeit von 32 Kalen­der­jah­ren die ab dem 1.01.2000 ver­blei­ben­de Rest­strom­men­ge fest­ge­legt. In der Ein­lei­tung der Ver­ein­ba­rung wird fest­ge­hal­ten, man habe sich dar­auf ver­stän­digt, "dass unter Bei­be­hal­tung eines hohen Sicher­heits­ni­veaus und unter Ein­hal­tung der atom­recht­li­chen Anfor­de­run­gen für die ver­blei­ben­de Nut­zungs­dau­er der unge­stör­te Betrieb der Kern­kraft­wer­ke wie auch deren Ent­sor­gung gewähr­leis­tet wer­den" sol­le. In dem Abschnitt über den Betrieb der Anla­gen wäh­rend der Rest­lauf­zeit heißt es außer­dem: "Bei Ein­hal­tung der atom­recht­li­chen Anfor­de­run­gen gewähr­leis­tet die Bun­des­re­gie­rung den unge­stör­ten Betrieb der Anla­gen".

Im Aus­stiegs­ge­setz von 2002 hat der Gesetz­ge­ber den Aus­stieg aus der Kern­ener­gie beschlos­sen und dabei erklär­ter­ma­ßen die Kern­punk­te der Kon­sens­ver­ein­ba­rung umge­setzt 145. In der Begrün­dung zum Gesetz­ent­wurf wird aus­drück­lich die Pas­sa­ge aus der Kon­sens­ver­ein­ba­rung wie­der­ge­ge­ben, wonach die Bun­des­re­gie­rung unter den dort genann­ten Bedin­gun­gen wäh­rend der Rest­lauf­zeit den unge­stör­ten Betrieb der Anla­gen gewähr­leis­te 146.

In der Kon­zep­ti­on der Rest­strom­men­gen sieht die Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs eine ver­hält­nis­mä­ßi­ge Aus­ge­stal­tung des Eigen­tums der betrof­fe­nen Unter­neh­men. Dadurch wer­de sicher­ge­stellt, dass den Betrei­bern die Amor­ti­sa­ti­on ihrer Inves­ti­tio­nen ermög­licht wer­de und dar­über hin­aus ein ange­mes­se­ner Gewinn erzielt wer­den kön­ne. Ins­ge­samt trü­gen so die Maß­nah­men mit eini­gen ande­ren Klä­run­gen "in hohem Maße zum Ver­trau­ens­schutz" bei 147.

Der Hin­weis in der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs, dass "der genaue Zeit­punkt des Erlö­schens der Berech­ti­gung zum Leis­tungs­be­trieb eines Kern­kraft­wer­kes (…) zum jet­zi­gen Zeit­punkt nicht starr fest­ge­legt" zu wer­den brau­che 148, lässt allen­falls einen Vor­be­halt für eine spä­ter mög­li­che Fest­le­gung fixer End­ter­mi­ne erken­nen, ver­mag aber nicht das Ver­trau­en in die Wert­ga­ran­tie der Rest­strom­men­gen zu erschüt­tern, der nach dem Kon­zept der gesetz­li­chen Rege­lung auch bei einer spä­te­ren Befris­tung Rech­nung getra­gen wer­den müss­te.

Schließ­lich kann aus der im Zusam­men­hang mit der Atom­kon­sens­ver­ein­ba­rung erfolg­ten Bemer­kung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in sei­nem Urteil vom 19.02.2002 149, dass deren mate­ri­el­ler Aus­sa­ge­wert gering sei, es sich viel­mehr um typi­sche und poli­tisch übli­che Absichts­er­klä­run­gen han­de­le, an denen kein ver­nünf­tig und ver­ant­wort­lich Han­deln­der ein "Tau fest­bin­den" wür­de, kein Rück­schluss auf den Gewähr­leis­tungs­ge­halt der Rest­strom­men­gen gezo­gen wer­den. Abge­se­hen davon, dass die­se Bemer­kung noch vor Ver­ab­schie­dung des letzt­lich für den Ver­trau­ens­schutz der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen maß­geb­li­chen Aus­stiegs­ge­set­zes erfolgt ist, bezieht sie sich ohne­hin nicht auf die Kon­sens­ver­ein­ba­rung als sol­che, son­dern, wie sich aus dem vor­an­ge­hen­den Satz ergibt, ledig­lich auf deren Anla­ge 2, die eine "Erklä­rung des Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­ums gegen­über RWE zum wei­te­ren Ver­fah­ren der Nach­rüs­tung des Kern­kraft­wer­kes Bib­lis Block A" zum Gegen­stand hat.

Das Ver­trau­en in die zeit­lich unge­bun­de­ne und grund­sätz­lich unge­schmä­ler­te Ver­wer­tungs­mög­lich­keit der Rest­strom­men­gen aus dem Jahr 2002 ist auch wegen ihres Kom­pen­sa­ti­ons­cha­rak­ters beson­ders schutz­wür­dig. Die­se Rest­strom­men­gen soll­ten den durch das Aus­stiegs­ge­setz her­bei­ge­führ­ten Ver­lust der bis dahin unbe­fris­te­ten Nut­zungs­mög­lich­keit der Kern­kraft­wer­ke in einem die Amor­ti­sa­ti­on der Anla­gen und einen ange­mes­se­nen Gewinn sichern­den Umfang aus­glei­chen und so die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der Aus­stiegs­ent­schei­dung wah­ren hel­fen 76.

Das Anla­gen­ei­gen­tum und die bis dahin bestehen­de Nut­zungs­mög­lich­keit dar­an beruh­ten im Wesent­li­chen auf Eigen­leis­tun­gen der Inves­ti­tio­nen und Unter­halt tra­gen­den Kraft­werks­ei­gen­tü­mer und genos­sen damit Eigen­tums­schutz. Dass die fried­li­che Nut­zung der Kern­ener­gie über Jahr­zehn­te mit gro­ßen Sum­men durch die öffent­li­che Hand sub­ven­tio­niert wur­de, hin­der­te eben­so wenig wie bei ande­ren durch den Staat geför­der­ten Tech­no­lo­gi­en die Ent­ste­hung pri­vat­nüt­zi­gen Eigen­tums an den Anla­gen. Eine sol­che För­de­rung kann in man­cher­lei Hin­sicht den Spiel­raum des Gesetz­ge­bers bei der Gestal­tung von Inhalt und Schran­ken die­ses Eigen­tums erleich­tern, ent­wer­tet das Eigen­tum mit der damit ver­bun­de­nen Befug­nis zur gewinn­brin­gen­den Nut­zung der Anla­gen aber nicht. Die Rest­strom­men­gen sind Aus­gleich für die Been­di­gung der bis dahin unbe­fris­te­ten Nut­zungs­mög­lich­keit an die­sem Eigen­tum und tei­len daher – anders als die auf poli­tisch moti­vier­ter Ver­lei­hung beru­hen­den Zusatz­strom­men­gen der 11. AtG-Novel­le – die Qua­li­tät des Eigen­tums­schut­zes der Anla­gen und der bis 2002 bestehen­den Nut­zungs­mög­lich­keit.

Erst recht genie­ßen die dem Kern­kraft­werk Mül­heim-Kär­lich zuge­teil­ten Rest­strom­men­gen Bestands- und Ver­trau­ens­schutz. Auch sie wur­den durch die Aus­stiegs­no­vel­le 2002 zuge­wie­sen, obwohl das Kern­kraft­werk bereits im Jahr 2001 end­gül­tig still­ge­legt wor­den war. Die Gewäh­rung erfolg­te im Rah­men eines Ver­gleichs als Gegen­leis­tung für die Been­di­gung eines Amts­haf­tungs­pro­zes­ses gegen das Land Rhein­land-Pfalz und die Rück­nah­me des Antrags auf Ertei­lung einer atom­recht­li­chen Betriebs­ge­neh­mi­gung für das Kern­kraft­werk. Anders als die ande­ren Rest­strom­men­gen konn­te die­ses Kon­tin­gent damit von Anfang an nicht Gegen­stand der Garan­tie einer ver­blei­ben­den Lauf­zeit für das Kern­kraft­werk Mül­heim-Kär­lich sein, inner­halb derer sich das Kraft­werk amor­ti­sie­ren wür­de. Die­se Rest­strom­men­ge war viel­mehr – los­ge­löst von dem Betrieb eines bestimm­ten Kraft­werks – Gegen­leis­tung für den Ver­zicht auf die Durch­set­zung eines geld­wer­ten Anspruchs. Damit hat die­se Rest­strom­men­ge eine beson­de­re Qua­li­tät.

Dass ein Teil der Rest­strom­men­gen aus dem Jahr 2002 wegen der fes­ten Abschalt­fris­ten kon­zern­in­tern nicht mehr ver­strom­bar ist, belas­tet die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen RWE und Vat­ten­fall auch des­halb, weil sie inso­fern gegen­über den kon­kur­rie­ren­den Unter­neh­men E.ON und EnBW benach­tei­ligt wer­den, die ihre Rest­strom­men­gen inner­halb der Lauf­zeit ihrer Kraft­wer­ke voll­stän­dig ver­wer­ten kön­nen, ohne dass dafür ein aus­rei­chen­der Recht­fer­ti­gungs­grund vor­liegt.

Der Gesetz­ge­ber ist bei der inhalt­li­chen Fest­le­gung von Eigen­tü­mer­be­fug­nis­sen und ‑pflich­ten nach Art. 14 Abs. 1 GG auch an den Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG gebun­den 150. Eigen­tums­ge­stal­ten­de Belas­tun­gen müs­sen daher bei wesent­lich glei­chen Sach­ver­hal­ten gleich ver­teilt wer­den und Dif­fe­ren­zie­run­gen bedür­fen stets der Recht­fer­ti­gung durch Sach­grün­de, die dem Ziel und dem Aus­maß der Ungleich­be­hand­lung ange­mes­sen sind 151.

Die Staf­fe­lung der Rest­lauf­zei­ten der Kern­kraft­wer­ke benach­tei­ligt Vat­ten­fall und RWE im Hin­blick auf die Ver­strom­bar­keit der Rest­strom­men­gen. Die Staf­fe­lung des zeit­li­chen Endes der Berech­ti­gung zum Leis­tungs­be­trieb nach den sechs Kraft­werks­grup­pen in § 7 Abs. 1a Satz 1 AtG ver­bun­den mit den Rege­lun­gen der Über­tra­gungs­mög­lich­kei­ten von Elek­tri­zi­täts­men­gen in § 7 Abs. 1b AtG führt dazu, dass aller Vor­aus­sicht nach nur Vat­ten­fall und RWE die ihren Kraft­wer­ken 2002 zuge­teil­ten Rest­strom­men­gen in nen­nens­wer­tem Umfang nicht wer­den ver­stromen kön­nen.

Danach war davon aus­zu­ge­hen, dass E.ON in ihren nach dem 6.08.2011 noch betriebs­be­rech­tig­ten Kern­kraft­wer­ken bis zu deren jewei­li­gen Lauf­zeit­ende unstrei­tig nicht nur die ihnen zuge­wie­se­nen und die übrig geblie­be­nen Elek­tri­zi­täts­men­gen­res­te aus den bereits am 6.08.2011 still­ge­leg­ten Kern­kraft­wer­ken noch voll­stän­dig wür­de ver­wer­ten kön­nen, son­dern dar­über hin­aus wei­te­re Ver­stro­mungs­ka­pa­zi­tä­ten von jeden­falls über 35.000 GWh zur Ver­fü­gung haben wür­de. Für EnBW gilt Ent­spre­chen­des mit einem zu erwar­ten­den Kapa­zi­täts­über­schuss von zumin­dest 9.000 GWh.

Vat­ten­fall hin­ge­gen wird nach den inso­weit über­ein­stim­men­den Pro­gno­sen rund 46.000 GWh die­ser Strom­men­gen nicht in kon­zern­ei­ge­nen Kraft­wer­ken erzeu­gen kön­nen. Dies sind cir­ca 30 % der 2002 zuge­teil­ten Rest­strom­men­gen oder gemes­sen an den Ende 2010 noch vor­han­de­nen über 60 %.

Auch die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin RWE ist hin­sicht­lich des Umfangs der zu erwar­ten­den Ver­strom­bar­keit der ihr zuge­wie­se­nen Rest­strom­men­gen in erheb­li­chem Umfang schlech­ter gestellt als ihre Kon­kur­ren­tin­nen E.ON und EnBW. So wird RWE nach dem Lauf­zeit­ende ihrer Kern­kraft­wer­ke über kon­zern­in­tern nicht nutz­ba­re Antei­le an Rest­strom­men­gen aus dem Jahr 2002 ver­fü­gen, die je nach Pro­gno­se­rech­nung zwi­schen knapp 36.000 GWh und gut 42.000 GWh betra­gen. Dies sind zwar ledig­lich rund 5 % bis 6 % der 2002 zuge­teil­ten Rest­strom­men­gen. In abso­lu­ten Zah­len ist die Schlech­ter­stel­lung von RWE gegen­über E.ON und EnBW mit rund vier Jah­res­pro­duk­ti­ons­men­gen eines Kern­kraft­werks, allein was die nicht mehr ver­wert­ba­ren Rest­strom­men­gen betrifft, aber erheb­lich.

Ein hin­rei­chen­der Sach­grund für die Ungleich­be­hand­lung von RWE und von Vat­ten­fall gegen­über E.ON und EnBW hin­sicht­lich der zu erwar­ten­den Ver­strom­bar­keits­de­fi­zi­te ist nicht erkenn­bar. Dabei han­delt es sich auch nicht bloß um hin­nehm­ba­re Pro­gno­se­un­ge­nau­ig­kei­ten. Gesetz­ge­be­ri­sche Typi­sie­rungs- und Pau­scha­lie­rungs­be­fug­nis­se tra­gen die Ungleich­be­hand­lung eben­falls nicht.

Das für die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin RWE zu erwar­ten­de Ver­strom­bar­keits­de­fi­zit hat sei­ne Ursa­che vor allem in den ihr zuge­teil­ten Mül­heim-Kär­lich-Strom­men­gen erheb­li­chen Umfangs. Die­sen Strom­men­gen stand schon 2000/​2002 kein betriebs­be­rei­tes Kern­kraft­werk im Eigen­tum von RWE mehr gegen­über, dem sie ori­gi­när hät­ten zuge­ord­net wer­den kön­nen. Dies hät­te der Gesetz­ge­ber der 13. AtG-Novel­le bei der Ver­tei­lung der letzt­lich durch die Staf­fe­lung der Abschalt­ter­mi­ne erfolg­ten Bemes­sung der Ver­stro­mungs­ka­pa­zi­tä­ten je Kon­zern berück­sich­ti­gen müs­sen. Zwar ergibt sich aus die­ser Staf­fe­lung in der Sum­me aller von RWE ganz oder antei­lig gehal­te­nen Kern­kraft­wer­ke sowohl ein deut­lich über die 32-Jahr­gren­ze hin­aus­ge­hen­der Lauf­zeit­über­schuss, als auch – sofern die Mül­heim-Kär­lich-Men­gen aus­ge­blen­det wer­den – ein Über­schuss an Ver­stro­mungs­ka­pa­zi­tä­ten. Die­se ver­mö­gen jedoch den bei Erlass der 13. AtG-Novel­le vor­han­de­nen Bestand an Mül­heim-Kär­lich-Strom­men­gen ledig­lich zu etwa der Hälf­te auf­zu­fan­gen. Ein Sach­grund dafür, dass E.ON und EnBW dem­ge­gen­über im Ergeb­nis all ihre Strom­men­gen ver­brau­chen kön­nen und ihnen sogar Über­schuss­ka­pa­zi­tä­ten zur Ver­fü­gung ste­hen, ist nicht erkenn­bar. Das vom Gesetz­ge­ber mit der 13. AtG-Novel­le ver­folg­te Ziel der Beschleu­ni­gung des Atom­aus­stiegs ver­mag die Ungleich­be­hand­lung jeden­falls nicht zu tra­gen. Weder die Geset­zes­ma­te­ria­li­en noch der Vor­trag der Betei­lig­ten im Ver­fah­ren las­sen erken­nen, dass gera­de mit­tels die­ser Schlech­ter­stel­lung von RWE das ange­streb­te Beschleu­ni­gungs­ziel erreicht wer­den soll­te. Ange­sichts der umfang­rei­chen Kapa­zi­täts­über­schüs­se bei E.ON und EnBW spricht auch in der Sache nichts dafür, dass die Beschleu­ni­gung nur über die Benach­tei­li­gung von RWE mög­lich gewe­sen wäre.

Für Vat­ten­fall gilt Ent­spre­chen­des. Deren Schlech­ter­stel­lung hin­sicht­lich des zu erwar­ten­den Ver­strom­bar­keits­de­fi­zits gegen­über E.ON und EnBW deckt sich in abso­lu­ten Zah­len (rund 45.000 GWh) in etwa mit der von RWE. Haupt­ur­sa­che für die kon­zern­in­tern aller Vor­aus­sicht nach nicht mehr ver­wert­ba­ren Rest­strom­men­gen ist die Ein­ord­nung des Kern­kraft­werks Krüm­mel in die ers­te Abschalt­grup­pe nach § 7 Abs. 1a Satz 1 Nr. 1 AtG. Ande­re Kern­kraft­wer­ke mit nen­nens­wer­ten Über­schuss­ka­pa­zi­tä­ten ste­hen Vat­ten­fall nicht zur Ver­fü­gung.

Im Hin­blick auf das Kern­kraft­werk Krüm­mel gibt es kei­nen Anhalts­punkt dafür, dass des­sen Ein­ord­nung in die ers­te Abschalt­grup­pe und die damit ver­bun­de­ne Schlech­ter­stel­lung von Vat­ten­fall gegen­über E.ON und EnBW zum Errei­chen des Beschleu­ni­gungs­ziels der 13. AtG-Novel­le not­wen­dig war und nicht ohne Abstri­che vom Beschleu­ni­gungs­ef­fekt durch eine ande­re Grup­pen­ein­tei­lung der Kern­kraft­wer­ke hät­te ver­mie­den oder in sons­ti­ger Wei­se hät­te kom­pen­siert wer­den kön­nen.

Die Ein­ord­nung des Kern­kraft­werks Krüm­mel in die ers­te Grup­pe des § 7 Abs. 1a Satz 1 AtG been­de­te des­sen Berech­ti­gung zum Leis­tungs­be­trieb bereits mit Ablauf des 6.08.2011 und begrenzt damit die Lauf­zeit auf ledig­lich 27, 36 Jah­re. Das sind über 4, 5 Jah­re weni­ger als die im Atom­kom­pro­miss den Betrei­bern zuge­spro­che­nen 32 Jah­re, die nach der gesetz­li­chen Rege­lung im Übri­gen bei allen ande­ren Kern­kraft­wer­ken im Wesent­li­chen ein­ge­hal­ten wer­den und nach den Vor­stel­lun­gen des Gesetz­ge­bers der 13. AtG-Novel­le auch nach Ein­füh­rung der fes­ten Abschalt­zei­ten wei­ter­hin ein­ge­hal­ten wer­den soll­ten 152.

Aus­weis­lich der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs soll­te die in § 7 Abs. 1a Satz 1 AtG vor­ge­nom­me­ne Staf­fe­lung der Lauf­zei­ten neben der För­de­rung des eigent­li­chen Beschleu­ni­gungs­zwecks auch sicher­stel­len, dass die betrof­fe­nen Unter­neh­men nicht unver­hält­nis­mä­ßig in ihrem Grund­recht aus Art. 14 Abs.1 GG belas­tet wür­den, was durch die Regel­lauf­zeit von 32 Jah­ren gewähr­leis­tet wer­de 153. Außer­dem soll­te durch die Staf­fe­lung die Ver­sor­gungs­si­cher­heit garan­tiert wer­den 154. Bei­de Gesichts­punk­te ver­mö­gen die Ein­ord­nung des Kern­kraft­werks Krüm­mel in die ers­te Grup­pe nicht zu recht­fer­ti­gen. Die 32-Jah­re-Regel­lauf­zeit wird dadurch allein bei die­sem einen Kern­kraft­werk erheb­lich unter­schrit­ten. Inwie­fern der Gedan­ke der Ver­sor­gungs­si­cher­heit die frü­he­re Abschal­tung des Kern­kraft­werks Krüm­mel erfor­dern soll, erschließt sich nicht. Dass das Kraft­werk Krüm­mel des­halb in die ers­te Grup­pe auf­ge­nom­men wer­den muss­te, weil nur so bei Ein­hal­tung des gene­rel­len Beschleu­ni­gungs­ziels für den Atom­aus­stieg die Ver­sor­gungs­si­cher­heit in bestimm­ten Regio­nen Deutsch­lands durch den län­ge­ren Betrieb ande­rer Kern­kraft­wer­ke gewahrt wer­den könn­te, ist nicht ersicht­lich und so auch nicht vor­ge­tra­gen.

Grün­de der Betriebs­si­cher­heit des Kern­kraft­werks Krüm­mel, die ins­be­son­de­re von der Bun­des­re­gie­rung erst im Lau­fe der Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren gel­tend gemacht wur­den, ver­mö­gen die Ein­ord­nung in die ers­te Abschalt­grup­pe eben­falls nicht zu erklä­ren. Dem Rück­griff auf erst nach­träg­lich vor­ge­brach­te Dif­fe­ren­zie­rungs­grün­de steht aller­dings nicht ent­ge­gen, dass die­se aus dem Gesetz selbst noch nicht hin­rei­chend klar erkenn­bar gewe­sen wären. Nur für len­ken­de Geset­ze hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ins­be­son­de­re im Steu­er­recht 155 aber auch dar­über hin­aus 156 gefor­dert, dass der Len­kungs­zweck von einer erkenn­ba­ren Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers getra­gen sein müs­se. Ansons­ten genügt es, wenn sich ein Gesetz im Ergeb­nis als ver­fas­sungs­ge­mäß erweist 157. Ein len­ken­des Gesetz ist die 13. AtG-Novel­le jedoch nicht.

Der Sicher­heits­as­pekt trägt die Ungleich­be­hand­lung jedoch in der Sache nicht. Kon­kre­te und aktu­el­le Sicher­heits­män­gel des Kern­kraft­werks Krüm­mel sind nicht benannt. Dass der nach dem Vor­trag der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen Krümmel/​Vattenfall beab­sich­tig­ten Wie­der­in­be­trieb­nah­me des Kern­kraft­werks Krüm­mel zum Jah­res­en­de 2011 kon­kre­te Sicher­heits­be­den­ken ent­ge­gen­ge­stan­den hät­ten, wur­de nicht sub­stan­ti­iert behaup­tet. Dem wäre im Übri­gen auch mit den im Atom­ge­setz dafür vor­ge­se­he­nen Instru­men­ten zu begeg­nen gewe­sen. Auch das Alter des Kern­kraft­werks als sol­ches trägt nicht die Auf­nah­me in die ers­te Grup­pe, denn das Kern­kraft­werk Krüm­mel hat am 28.03.1984 und damit spä­ter als etwa das in § 7 Abs. 1a Satz 1 Nr. 2 AtG benann­te Kern­kraft­werk Gra­fen­rhein­feld den Betrieb auf­ge­nom­men. Dass das Kern­kraft­werk Krüm­mel noch der Bau­li­nie 69 bei Sie­de­was­ser­re­ak­to­ren ange­hört, von denen auch alle ande­ren Anfang 2011 noch in Betrieb befind­li­chen Kern­kraft­wer­ke durch Auf­nah­me in die ers­te Grup­pe im August 2011 ihre Berech­ti­gung zum Leis­tungs­be­trieb ver­lo­ren, erklärt schließ­lich eben­falls nicht die erheb­li­che Schlech­ter­stel­lung von Krüm­mel. Allein die sta­tis­tisch höhe­re Anzahl mel­de­pflich­ti­ger Ereig­nis­se die­ses Reak­tor­typs trägt ohne kon­kre­te Erkennt­nis­se über Unzu­läng­lich­kei­ten des betrof­fe­nen Reak­tors eine Schlech­ter­stel­lung mit der­ar­ti­gen nega­ti­ven Fol­gen für die Ver­stro­mungs­ka­pa­zi­tät von Krüm­mel nicht.

Die unglei­che Belas­tung hin­sicht­lich der kon­zern­in­ter­nen Ver­stro­mungs­fä­hig­keit muss von den betrof­fe­nen Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen auch nicht als unver­meid­ba­re Pro­gno­se­un­ge­nau­ig­keit des Gesetz­ge­bers hin­ge­nom­men wer­den. Bei Erar­bei­tung der 13. AtG-Novel­le im Jah­re 2011 konn­te der Gesetz­ge­ber – nicht zuletzt über das Bun­des­amt für Strah­len­schutz (vgl. die Mel­de­pflicht nach § 7 Abs. 1c AtG) – auf ver­läss­lich ermit­tel­te Anga­ben über die Jah­res­pro­duk­ti­ons­men­gen der ein­zel­nen Kern­kraft­wer­ke als Pro­gno­se­grund­la­ge zurück­grei­fen. Der mit Ablauf der Abschalt­fris­ten bei den Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen RWE und Krümmel/​Vattenfall ver­blei­ben­de Über­schuss an nicht ver­strom­ba­ren Rest­strom­men­gen bei einer Beschrän­kung auf kon­zern­in­ter­ne Über­tra­gun­gen war damals schon abseh­bar. Dabei muss­te der Gesetz­ge­ber sei­ner Pro­gno­se aller­dings nur nor­ma­le Pro­duk­ti­ons­men­gen bei durch­schnitt­li­chem, ord­nungs­ge­mä­ßem Betrieb zugrun­de legen. Dies schließt zwar auch die Ein­be­zie­hung typi­scher, tech­nik­be­ding­ter War­tungs­still­stän­de in die Pro­gno­se mit ein, nicht aber über­wie­gend öko­no­misch ver­an­lass­ten, auf War­tungs­feh­lern oder unter­neh­me­ri­schen Fehl­ent­schei­dun­gen beru­hen­de Still­stand­zei­ten. Es ist indes­sen nichts dafür ersicht­lich, dass in die hier her­an­ge­zo­ge­nen Pro­gno­se­be­rech­nun­gen der ver­schie­de­nen Betei­lig­ten sol­che Still­stand­zei­ten in rele­van­tem Umfang ein­ge­flos­sen sind. Auch soweit man dem Gesetz­ge­ber statt einer sol­chen Pro­gno­se in nor­ma­tiv typi­sie­ren­der Sicht­wei­se den Rück­griff auf die Berech­nung, die der Zutei­lung der Rest­lauf­zei­ten 2002 zugrun­de gelegt wur­de, zubil­ligt, ergibt sich im Ergeb­nis für die unglei­che Belas­tung nichts ande­res.

Auch unter dem Gesichts­punkt gesetz­ge­be­ri­scher Typi­sie­rungs- und Pau­scha­lie­rungs­be­fug­nis­se 158 sind die nur die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen Vat­ten­fall und Krüm­mel belas­ten­den Ver­strom­bar­keits­de­fi­zi­te nicht gerecht­fer­tigt. Die­se Befug­nis­se fin­den ihren Haupt­an­wen­dungs­be­reich bei der Rege­lung von Mas­sen­ge­schäf­ten wie ins­be­son­de­re der Steu­er­ver­wal­tung. Dabei setzt die Typi­sie­rung jedoch stets vor­aus, dass die durch sie ein­tre­ten­den Här­ten und Unge­rech­tig­kei­ten nur eine ver­hält­nis­mä­ßig klei­ne Zahl von Per­so­nen betref­fen, der Ver­stoß gegen den Gleich­heits­satz nicht sehr inten­siv ist und die Här­ten nur unter Schwie­rig­kei­ten ver­meid­bar wären 159. Sol­che Typi­sie­rungs­be­fug­nis­se mögen grund­sätz­lich auch bei der Prü­fung der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit von Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mun­gen des Eigen­tums Berück­sich­ti­gung fin­den. Hier fehlt es jedoch schon an den all­ge­mei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen einer zuläs­si­gen Typi­sie­rung. Denn es han­delt sich bei der Aus­ge­stal­tung der Lauf­zeit­be­fris­tun­gen nicht um ein Geschäft der Mas­sen­ver­wal­tung, son­dern um die ein­ma­li­ge Bestim­mung der Aus­lauf­zei­ten für 17 noch in Betrieb befind­li­che Kern­kraft­wer­ke unter Ein­be­zie­hung der Rest­strom­men­gen von drei bereits still­ge­leg­ten Kern­kraft­wer­ken. Außer­dem sind die aus der Rege­lung fol­gen­den Eigen­tums­be­las­tun­gen für die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen nicht nur gering­fü­gig.

Den Belas­tun­gen der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen ste­hen gewich­ti­ge Gemein­wohl­be­lan­ge gegen­über. Eben­so wie die Strei­chung der Zusatz­strom­men­gen der 11. AtG-Novel­le dient auch die zeit­li­che Begren­zung der Lauf­zei­ten durch die Ein­füh­rung der fes­ten Abschalt­ter­mi­ne, auf die es für die hier in Rede ste­hen­de Eigen­tums­be­las­tung maß­geb­lich ankommt, dem mit der 13. AtG-Novel­le ver­folg­ten Gemein­wohl­be­lang der Aus­stiegs­be­schleu­ni­gung. Mit der schnel­le­ren Been­di­gung der fried­li­chen Nut­zung der Kern­ener­gie wer­den die selbst bei hohem Sicher­heits­ni­veau der Kern­kraft­wer­ke vor­han­de­nen Rest­ri­si­ken ent­spre­chend redu­ziert. Dies dient dem Schutz von Leben und Gesund­heit der Bevöl­ke­rung (Art. 2 Abs. 2 GG) und dem Schutz der natür­li­chen Lebens­grund­la­gen (Art.20a GG). Durch die Fest­le­gung ver­bind­li­cher Fris­ten für die Been­di­gung des Leis­tungs­be­triebs der ein­zel­nen Kern­kraft­wer­ke nimmt der Gesetz­ge­ber den Betrei­bern die Mög­lich­keit, den Ver­brauch der ver­blie­be­nen Rest­strom­men­gen aus dem Jahr 2002 vor­nehm­lich nach betriebs­wirt­schaft­li­chen oder kon­zern­tak­ti­schen Erwä­gun­gen zu hand­ha­ben und so gege­be­nen­falls zu ver­zö­gern. Damit leis­tet die Rege­lung einen sub­stan­ti­el­len Bei­trag zur ver­bind­li­chen Aus­stiegs­be­schleu­ni­gung. Der mit der Befris­tung erziel­ba­re Beschleu­ni­gungs­ef­fekt soll­te in quan­ti­ta­ti­ver Hin­sicht aller­dings nicht über­schätzt wer­den. Denn der größ­te Teil der Rest­strom­men­gen aus dem Jahr 2002 wäre, wie die auf die bis­he­ri­gen Ver­stro­mungs­wer­te vor Inkraft­tre­ten der 13. AtG-Novel­le zurück­grei­fen­den Pro­gno­sen von Green­peace, der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen und letzt­lich auch der Bun­des­re­gie­rung zei­gen, wahr­schein­lich ohne­hin inner­halb der neu gesetz­ten Abschalt­fris­ten ver­stromt wor­den. Des­sen unge­ach­tet führt die Befris­tung aber zu einem kal­ku­lier­ba­ren Ter­min für den end­gül­ti­gen Aus­stieg aus der fried­li­chen Nut­zung der Kern­ener­gie und macht in der Kon­se­quenz der gewoll­ten Neu­be­wer­tung das Ende die­ser Hoch­ri­si­ko­tech­no­lo­gie kon­kret abseh­bar.

Die mit den fes­ten Abschalt­ter­mi­nen wegen des zu erwar­ten­den Ver­strom­bar­keits­de­fi­zits bei den Rest­strom­men­gen aus dem Jahr 2002 ver­bun­de­nen Eigen­tums­be­las­tun­gen der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen Krümmel/​Vattenfall und RWE erwei­sen sich in der Gesamt­ab­wä­gung mit den für die beschleu­nig­te Abschal­tung der Kern­kraft­wer­ke strei­ten­den Gemein­wohl­be­lan­gen als unzu­mut­bar.

Die für die­se Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen zu erwar­ten­den Eigen­tums­be­las­tun­gen betref­fen beson­ders ver­trau­ens­ge­schütz­te Posi­tio­nen, die den Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen bereits vor Erlass der 13. AtG-Novel­le nicht zuletzt aus Ver­trau­ens­schutz-erwä­gun­gen ein­ge­räumt wor­den waren. Zudem sind die Belas­tun­gen mit zusam­men zwi­schen cir­ca 81.000 und 88.000 GWh nicht mehr ver­strom­ba­ren Rest­strom­men­gen aus dem Jahr 2002 in abso­lu­ten Zah­len wie auch in Rela­ti­on zu den ihnen bei der Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers über die 13. AtG-Novel­le noch zur Ver­fü­gung ste­hen­den Rest­strom­men­gen, aber auch im Ver­hält­nis zu den ihnen ursprüng­lich durch das Aus­stiegs­ge­setz zuge­teil­ten Rest­strom­men­gen hoch. Hin­zu kommt, dass die im Wett­be­werb ste­hen­den Unter­neh­men hier­von nicht gleich­mä­ßig betrof­fen sind, son­dern allein Krümmel/​Vattenfall und RWE mit letzt­lich unzu­rei­chen­den Ver­stro­mungs­ka­pa­zi­tä­ten belas­tet wer­den, ohne dass dies von hin­rei­chen­den Sach­grün­den getra­gen wäre.

Dem ste­hen die im Aus­gangs­punkt hoch­wer­ti­gen Schutz­gü­ter von Leben und Gesund­heit der Bevöl­ke­rung (Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG) und der natür­li­chen Lebens­grund­la­gen (Art.20a GG) gegen­über, denen die Beschleu­ni­gung des Atom­aus­stiegs dient. Durch eine Rege­lung, die die Ver­strom­bar­keits­de­fi­zi­te ver­mie­de, wären die­se Gemein­wohl­be­lan­ge – auch wenn eine Lösung über eine ent­spre­chen­de Lauf­zeit­ver­län­ge­rung bei ein­zel­nen Kern­kraft­wer­ken der betrof­fe­nen Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen gesucht wor­den wäre – aller­dings nur in rela­tiv gerin­gem Maße belas­tet. Es geht um eine Elek­tri­zi­täts­men­ge von rund acht­ein­halb Jah­res­leis­tun­gen eines Kern­kraft­werks, die nach der ange­grif­fe­nen Rechts­la­ge vor­aus­sicht­lich unver­stromt blei­ben wer­den. Die 2002 den Kern­kraft­wer­ken durch das Aus­stiegs­ge­setz zuge­teil­ten Rest­strom­men­gen von ins­ge­samt 2.623.310 GWh ent­spra­chen dem­ge­gen­über bei einer durch­schnitt­li­chen Jah­res­pro­duk­ti­on eines Kern­kraft­werks von 10.000 GWh 160 rund 262 Jah­res­leis­tun­gen. Dabei ist auch zu beden­ken, dass nach den in der 13. AtG-Novel­le fest­ge­leg­ten gestaf­fel­ten Rest­lauf­zei­ten Anla­gen von E.ON und EnBW von Rechts wegen län­ger betrie­ben wer­den dürf­ten als es ange­sichts der noch vor­han­de­nen kon­zern­ei­ge­nen Rest­strom­men­gen aller Vor­aus­sicht nach gesche­hen wird. Gemes­sen an die­sem vom Gesetz­ge­ber in der 13. AtG-Novel­le durch die Sum­me der Rest­lauf­zei­ten selbst gesetz­ten Rah­men für das von ihm ange­streb­te Gemein­wohl­ziel, fie­le die Gemein­wohl­be­las­tung durch eine Rege­lung, wel­che die Ver­stro­mung der Rest­men­gen von RWE und Vat­ten­fall ermög­lich­te, mit­hin noch deut­lich gerin­ger aus. Zudem hät­ten die Ver­strom­bar­keits­de­fi­zi­te, auch ohne das erstreb­te Gesamt­aus­stiegs­da­tum in Fra­ge zu stel­len, durch eine ande­re Staf­fe­lung der kraft­werks­be­zo­ge­nen End­zeit­punk­te ver­mie­den wer­den kön­nen.

Im Ergeb­nis ist das bei den Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen Vat­ten­fall und Krüm­mel zu erwar­ten­de Ver­strom­bar­keits­de­fi­zit abso­lut und auch in Rela­ti­on zu den ursprüng­lich zuge­teil­ten und erst recht gemes­sen an den Ende 2010 noch vor­han­de­nen Rest­strom­men­gen beson­ders hoch. Es ist damit quan­ti­ta­tiv so gewich­tig, dass es sich in der Gesamt­ab­wä­gung zwi­schen Eigen­tums- und beson­de­rem Ver­trau­ens­schutz sowie der aus dem Defi­zit resul­tie­ren­den Schlech­ter­stel­lung gegen­über kon­kur­rie­ren­den Unter­neh­men auf der einen Sei­te und den für die Rege­lung spre­chen­den Gemein­wohl­grün­den auf der ande­ren Sei­te als für die Eigen­tü­mer nicht zumut­bar erweist.

Bei RWE ist das Ver­strom­bar­keits­de­fi­zit im Ver­hält­nis zu den ursprüng­li­chen Rest­strom­men­gen deut­lich gerin­ger, in abso­lu­ten Zah­len gleich­wohl beträcht­lich. Zwar lässt sich aus den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an den Ver­trau­ens­schutz nicht ablei­ten, dass die Ver­strom­bar­keit der 2002 zuge­wie­se­nen Rest­strom­men­gen ohne jede Ent­schei­dungs­mar­ge voll­stän­dig sicher­ge­stellt sein muss. Es reicht, wenn die­ses wenigs­tens im Wesent­li­chen der Fall ist. Die bei RWE ver­blei­ben­den Ver­stro­mungs­de­fi­zi­te sind aber doch nicht uner­heb­lich und ihr jeden­falls wegen der erheb­li­chen Benach­tei­li­gung gegen­über ande­ren Unter­neh­men unzu­mut­bar, die ihre Rest­strom­men­gen voll­stän­dig kon­zern­in­tern ver­wer­ten kön­nen.

Die 13. AtG-Novel­le ver­stößt gegen Art. 14 Abs. 1 GG, soweit sie kei­ne Über­gangs­fris­ten, Ent­schä­di­gungs­klau­seln oder sons­ti­ge Aus­gleichs­re­ge­lun­gen für den Fall vor­sieht, dass Inves­ti­tio­nen in Kern­kraft­wer­ke durch die Strei­chung der 2010 zuge­teil­ten Zusatz­strom­men­gen ent­wer­tet wor­den sind.

Die in die­sem Zusam­men­hang von den Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen ins Spiel gebrach­ten Zah­lun­gen der Ener­gie­kon­zer­ne in den För­der­fonds­ver­trag sind aller­dings kei­ne durch die 13. AtG-Novel­le frus­trier­ten Auf­wen­dun­gen, für die eine Aus­gleichs­re­ge­lung in die­ses Gesetz hät­te auf­ge­nom­men wer­den müs­sen. Ob, in wel­chem Umfang und unter wel­chen Bedin­gun­gen die dar­auf geleis­te­ten Zah­lun­gen der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen rück­ab­ge­wi­ckelt wer­den, ist eine Fra­ge, die zuvör­derst in dem zugrun­de lie­gen­den Ver­trags­ver­hält­nis zu klä­ren ist.

Abs. 1 GG schützt unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen berech­tig­tes Ver­trau­en in den Bestand der Rechts­la­ge als Grund­la­ge von Inves­ti­tio­nen in das Eigen­tum und sei­ne Nutz­bar­keit. Aus­gleichs­re­ge­lun­gen für frus­trier­te Inves­ti­tio­nen hät­ten nicht im Hin­blick auf die 2002er-Rest­strom­men­gen, aber im Hin­blick auf Inves­ti­tio­nen für 2010er-Zusatz­strom­men­gen vor­ge­se­hen wer­den müs­sen.

In Art. 14 Abs. 1 GG hat der rechts­staat­li­che Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes für die ver­mö­gens­wer­ten Güter eine eige­ne Aus­prä­gung gefun­den 161. Geschützt ist das Ver­trau­en in die Ver­läss­lich­keit und Bere­chen­bar­keit der unter der Gel­tung des Grund­ge­set­zes geschaf­fe­nen Rechts­ord­nung und der auf ihrer Grund­la­ge erwor­be­nen Rech­te 162. Das Eigen­tums­grund­recht schützt damit auch berech­tig­tes Ver­trau­en in den Bestand der Rechts­la­ge als Grund­la­ge von Inves­ti­tio­nen in das Eigen­tum und sei­ner Nutz­bar­keit; ob und inwie­weit ein sol­ches Ver­trau­en berech­tigt ist, hängt von den Umstän­den des Ein­zel­falls ab. Eine Garan­tie der Erfül­lung aller Inves­ti­ti­ons­er­war­tun­gen besteht nicht. Ins­be­son­de­re schützt Art. 14 Abs. 1 GG grund­sätz­lich nicht gegen Ände­run­gen der recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen wirt­schaft­li­chen Han­delns und deren Aus­wir­kun­gen auf die Markt­chan­cen. Die in berech­tig­tem Ver­trau­en auf eine Geset­zes­la­ge getä­tig­ten Inves­ti­tio­nen ins Eigen­tum erfor­dern jedoch nach Maß­ga­be des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­sat­zes sowohl hin­sicht­lich des Ob als auch hin­sicht­lich des Wie eines Aus­gleichs ange­mes­se­ne Berück­sich­ti­gung, wenn der Gesetz­ge­ber die wei­te­re Ver­wert­bar­keit des Eigen­tums direkt unter­bin­det oder erheb­lich ein­schränkt. Dabei bleibt dem Gesetz­ge­ber für die Über­lei­tung bestehen­der Rechts­la­gen, Berech­ti­gun­gen und Rechts­ver­hält­nis­se ein brei­ter Gestal­tungs­spiel­raum. Ins­be­son­de­re ist der Gesetz­ge­ber von Ver­fas­sungs wegen nicht gehal­ten, bei Sys­tem­wech­seln und der Umstel­lung von Rechts­la­gen die Betrof­fe­nen von jeder Belas­tung zu ver­scho­nen oder jeg­li­cher Son­der­last mit einer Über­gangs­re­ge­lung zu begeg­nen 163. Ein Aus­gleich hin­sicht­lich ent­wer­te­ter Inves­ti­tio­nen in das Eigen­tum ist jeden­falls dann nicht erfor­der­lich, wenn der Gesetz­ge­ber die Ein­schrän­kung der Ver­wert­bar­keit des Eigen­tums ander­wei­tig aus­gleicht; eine Dop­pel­kom­pen­sa­ti­on ist aus­ge­schlos­sen.

Gemes­sen hier­an ist die 13. AtG-Novel­le inso­fern ver­fas­sungs­wid­rig, als sie kei­ner­lei Rege­lung über den Aus­gleich für frus­trier­te Inves­ti­tio­nen vor­sieht.

Sofern Inves­ti­tio­nen im Ver­trau­en auf die im Wesent­li­chen voll­stän­di­ge Ver­strom­bar­keit der 2002er-Rest­strom­men­gen getä­tigt wur­den, bedarf es aller­dings kei­ner geson­der­ten Aus­gleichs­re­ge­lung. Inso­weit muss der Gesetz­ge­ber bereits für das Ver­strom­bar­keits­de­fi­zit eine ange­mes­se­ne Ent­schä­di­gung, Lauf­zeit­ver­län­ge­run­gen oder einen ander­wei­ti­gen Aus­gleich regeln, der auch unter Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­ge­sichts­punk­ten als Kom­pen­sa­ti­on für etwa frus­trier­te Inves­ti­tio­nen ange­mes­sen erscheint. Weil es hin­sicht­lich die­ser Men­gen zur Ver­stro­mung oder einem recht­li­chen Sur­ro­gat kom­men wird, kön­nen getä­tig­te Inves­ti­tio­nen nicht als frus­triert gel­ten. Eine dop­pel­te Kom­pen­sa­ti­on – sowohl für unver­strom­ba­re Rest­strom­men­gen als auch für frus­trier­te Inves­ti­tio­nen – ist ver­fas­sungs­recht­lich aus­ge­schlos­sen.

Für Inves­ti­tio­nen, die zur Ver­stro­mung der Ende 2010 zuge­wie­se­nen Zusatz­strom­men­gen in den Kern­kraft­wer­ken vor­ge­nom­men und durch den Ent­zug die­ser Strom­men­gen Anfang August 2011 ent­wer­tet wor­den sind, hät­te die 13. AtG-Novel­le einen ange­mes­se­nen Aus­gleich vor­se­hen müs­sen.

Ein schutz­wür­di­ges Ver­trau­en konn­te im Grund­satz ent­ste­hen. Zwar war der Gesetz­ge­ber von Ver­fas­sungs wegen nicht gehin­dert, die mit der 11. AtG-Novel­le zusätz­lich gewähr­ten Rest­men­gen zu ent­zie­hen, ohne zugleich eine Kom­pen­sa­ti­on dafür zu gewäh­ren, dass die Zusatz­men­gen nicht ver­wer­tet wer­den kön­nen. Gleich­wohl ver­dient das Ver­trau­en der Kraft­werk­be­trei­ber in den Nut­zen von Kraft­werks­in­ves­ti­tio­nen, die sie zur Ver­stro­mung die­ser Men­gen getä­tigt haben, im Grund­satz Schutz. Der 11. AtG-Novel­le lag erklär­ter­ma­ßen die poli­ti­sche Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers zugrun­de, dass die Nut­zung der Kern­ener­gie als Brü­cken­tech­no­lo­gie für einen län­ge­ren Zeit­raum fort­ge­führt wer­den soll­te. Die Kraft­werk­be­trei­ber durf­ten sich hier­durch zu Inves­ti­tio­nen in ihre Anla­gen ermu­tigt füh­len und muss­ten nicht damit rech­nen, dass der Gesetz­ge­ber noch in der­sel­ben Legis­la­tur­pe­ri­ode von der ener­gie­po­li­ti­schen Grund­satz­ent­schei­dung der 11. AtG-Novel­le wie­der Abstand neh­men wür­de.

Berech­tig­tes Ver­trau­en konn­te aller­dings nur in dem kur­zen Zeit­raum zwi­schen dem Beschluss des Bun­des­ta­ges über die 11. AtG-Novel­le am 8.12 2010 und dem Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Umwelt, Natur­schutz und Reak­tor­si­cher­heit vom 16.03.2011 über das Atom­mo­ra­to­ri­um bestehen. Ent­ge­gen der teil­wei­se von den Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen ver­tre­te­nen Auf­fas­sung konn­te schutz­wür­di­ges Ver­trau­en auf die Ver­län­ge­rung der Lauf­zei­ten dage­gen nicht schon mit der ent­spre­chen­den Absichts­er­klä­rung in der Koali­ti­ons­ver­ein­ba­rung von CDU/​CSU und FDP vom 26.10.2009 und auch noch nicht mit der Ein­brin­gung des Gesetz­ent­wurfs zur 11. AtG-Novel­le in den Deut­schen Bun­des­tag am 28.09.2010 begrün­det wer­den. Zwar kann die förm­li­che Ein­brin­gung des Ent­wurfs einer Geset­zes­än­de­rung bereits das Ver­trau­en in die bestehen­de Rechts­la­ge zer­stö­ren; berech­tig­tes Ver­trau­en auf eine neue Rechts­la­ge jedoch, des­sen spä­te­re Ent­täu­schung gege­be­nen­falls mit einem Ent­schä­di­gungs­an­spruch kom­pen­siert wer­den müss­te, kann erst mit dem Beschluss des Par­la­ments über das neue Gesetz begrün­det wer­den. Vor­her han­deln Inves­to­ren auf eige­nes Risi­ko. Mit Bekannt­wer­den des Schrei­bens des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Umwelt, Natur­schutz und Reak­tor­si­cher­heit über das Atom­mo­ra­to­ri­um vom 16.03.2011 konn­ten die Betrei­be­rin­nen von Kern­kraft­wer­ken unter den beson­de­ren Umstän­den der dama­li­gen Ereig­nis­se kein berech­tig­tes Ver­trau­en für Inves­ti­tio­nen auf der Grund­la­ge der gel­ten­den Rechts­la­ge mehr haben.

Für das Ent­ste­hen schutz­wür­di­gen Ver­trau­ens unschäd­lich ist hin­ge­gen der Umstand, dass die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der 11. AtG-Novel­le hin­sicht­lich ihres Zustan­de­kom­mens ohne Zustim­mung des Bun­des­ra­tes seit Jah­ren in Streit steht. Dis­kus­sio­nen um die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit eines Geset­zes sind nicht sel­ten. Sie stel­len die Taug­lich­keit eines Geset­zes als Ver­trau­ens­grund­la­ge des Han­delns der Rechts­ge­mein­schaft grund­sätz­lich nicht in Fra­ge, weil nur das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur Ent­schei­dung über die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit eines Geset­zes befugt ist.

Die Gemein­wohl­grün­de, die den Gesetz­ge­ber zur Revi­si­on der umfang­rei­chen Lauf­zeit­ver­län­ge­run­gen der 11. AtG-Novel­le und zur Beschleu­ni­gung des Atom­aus­stiegs bewo­gen haben, sind von beson­de­rem Gewicht. Zudem ist die Schutz­wür­dig­keit des Ver­trau­ens in den Bestand der Ende 2010 zuge­teil­ten Zusatz­strom­men­gen nicht hoch. Gleich­wohl kön­nen die über­ra­gen­den Gemein­wohl­grün­de für einen beschleu­nig­ten Atom­aus­stieg den Gesetz­ge­ber nicht von den Fol­gen der von ihm selbst gesetz­ten Ursa­che berech­tig­ten Ver­trau­ens in Inves­ti­tio­nen ent­bin­den, die wäh­rend der kur­zen Gel­tung der 11. AtG-Novel­le mit Blick auf die Lauf­zeit­ver­län­ge­rung vor­ge­nom­men wur­den.

Die Auf­nah­me eines sol­chen Anspruchs in die 13. AtG-Novel­le war nicht des­halb ent­behr­lich, weil es offen­sicht­lich kei­ne Anwen­dungs­fäl­le dafür geben wür­de. So haben etwa die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen E.ON und RWE sub­stan­ti­iert gel­tend gemacht, dass im Hin­blick auf die Lauf­zeit­ver­län­ge­rung durch die 11. AtG-Novel­le Inves­ti­tio­nen für die Kern­kraft­wer­ke Isar 1 und Unter­we­ser getä­tigt wor­den sei­en und dass das Kern­kraft­werk Bib­lis A, wenn es nicht zum Inkraft­tre­ten der 11. AtG-Novel­le gekom­men wäre, bereits Mit­te 2011 ohne wei­te­re Nach­rüs­tungs­in­ves­ti­tio­nen still­ge­legt wor­den wäre.

Es ist aller­dings nicht Auf­ga­be die­ser Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren, im Ein­zel­nen der Fra­ge nach­zu­ge­hen, ob und in wel­chem Umfang in den von den Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen genann­ten Inves­ti­ti­ons­fäl­len von Ver­fas­sungs wegen eine ange­mes­se­ne Ent­schä­di­gung gebo­ten ist.

Es liegt im Gestal­tungs­er­mes­sen des Gesetz­ge­bers, die Vor­aus­set­zun­gen und den Umfang eines sol­chen Kom­pen­sa­ti­ons­an­spruchs näher zu bestim­men. Auch die Mög­lich­keit der Ein­räu­mung indi­vi­du­el­ler Lauf­zeit­ver­län­ge­run­gen als Kom­pen­sa­ti­on für frus­trier­te Inves­ti­tio­nen liegt in sei­nem Gestal­tungs­er­mes­sen. Sofern er dies mit Rück­sicht auf die dem Beschleu­ni­gungs­ziel von ihm ein­ge­räum­te über­ra­gen­de Bedeu­tung nicht in Erwä­gung zie­hen woll­te, durf­te er jedoch nicht dar­auf ver­zich­ten, jeden­falls einen Anspruch auf ange­mes­se­ne Ent­schä­di­gung für frus­trier­te Inves­ti­tio­nen vor­zu­se­hen. Denn die gebo­te­ne Ent­schä­di­gung beein­träch­tigt nicht das gesetz­li­che Beschleu­ni­gungs­ziel.

Soweit die Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen wei­te­re, auch ver­mö­gens­re­le­van­te Beein­träch­ti­gun­gen durch die 13. AtG-Novel­le gel­tend machen, han­delt es sich gemes­sen an den gewich­ti­gen Gemein­wohl­grün­den, die für die Beschleu­ni­gung des Atom­aus­stiegs spre­chen, um ver­fas­sungs­ge­mä­ße Aus­ge­stal­tun­gen von Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums.

So bedeu­ten zwar die gestaf­fel­ten Abschalt­ter­mi­ne des § 7 Abs. 1a Satz 1 AtG schon für sich genom­men, also ohne Berück­sich­ti­gung ihres Ein­flus­ses auf die Ver­stro­mungs­ka­pa­zi­tä­ten der Kern­kraft­wer­ke ins­ge­samt, einen erheb­li­chen Ein­griff in die aus dem Eigen­tums­nut­zungs­recht fol­gen­de unter­neh­me­ri­sche Hand­lungs­frei­heit, die auch die Befug­nis umfasst, über Rei­hen­fol­ge, Schwer­punkt und Dau­er des Kraft­werk­be­triebs zu ent­schei­den. Die­se Beein­träch­ti­gun­gen sind jedoch not­wen­dig mit dem Ziel fes­ter Abschalt­ter­mi­ne ver­bun­den. Sie sind den Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen zumut­bar, weil die für sie maß­geb­li­che Fra­ge, ob sie die ihnen zuge­wie­se­nen 2002er-Rest­strom­men­gen im Wesent­li­chen voll­stän­dig in ihren Kern­kraft­wer­ken wer­den ver­stromen kön­nen, zuguns­ten der Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men beant­wor­tet wur­de. Soweit die nun­mehr gesetz­lich bestimm­ten Abschalt­ter­mi­ne die Been­di­gung der gewinn­ori­en­tier­ten Eigen­tums­nut­zung an den Kern­kraft­wer­ken fixie­ren und die Abkehr von den ursprüng­lich unbe­fris­tet erteil­ten Betriebs­ge­neh­mi­gun­gen aus­drück­lich nor­mie­ren, war die dar­in lie­gen­de zen­tra­le Aus­sa­ge, der ver­bind­li­che Aus­stieg aus der fried­li­chen Nut­zung der Kern­ener­gie, bereits Gegen­stand der Atom­kon­sens­ver­ein­ba­rung von 2000/​2001 und des die­se umset­zen­den Aus­stiegs­ge­set­zes von 2002. Weder die Kon­sens­ver­ein­ba­rung noch das Aus­stiegs­ge­setz von 2002 sind jedoch Gegen­stand der vor­lie­gen­den Geset­zes­ver­fas­sungs­be­schwer­den.

Wei­te­re von den Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen gel­tend gemach­te Nach­tei­le der fes­ten Abschalt­ter­mi­ne – wie etwa län­ge­re Nach­be­triebs­pha­sen wegen der gleich­zei­ti­gen Still­le­gung meh­re­rer Kern­kraft­wer­ke und dem dadurch zu erwar­ten­den Eng­pass bei CAS­TOR-Behäl­tern, Inves­ti­tio­nen in nicht aus­ge­nutz­te Brenn­ele­men­te, Ver­trags­stra­fen infol­ge der Kün­di­gung lau­fen­der Ver­trä­ge – erwei­sen sich gleich­falls als ver­hält­nis­mä­ßi­ge Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mun­gen ihres Eigen­tums. Der­ar­ti­ge, im Ein­zel­nen mög­li­cher­wei­se durch­aus kos­ten­in­ten­si­ve Umstel­lungs­auf­wen­dun­gen sind im Zuge einer an sich zuläs­si­gen, weil von hin­rei­chen­den Gemein­wohl­grün­den getra­ge­nen Umor­ga­ni­sie­rung eines Rechts­ge­biets von den Eigen­tü­mern grund­sätz­lich hin­zu­neh­men. Abge­se­hen davon, dass die­se Auf­wen­dun­gen hier zum Teil ohne­hin auch ohne fes­te Abschalt­fris­ten zu ande­ren Zeit­punk­ten ange­fal­len wären, und sich die­se Schwie­rig­kei­ten im Wesent­li­chen auf Pro­ble­me im Zusam­men­hang mit der sofor­ti­gen Still­le­gung der ers­ten Kraft­werks­grup­pe am 6.08.2011 kon­zen­trie­ren dürf­ten, haben weder der Vor­trag der Betei­lig­ten noch die münd­li­che Ver­hand­lung erge­ben, dass die­se sons­ti­gen Eigen­tums­be­ein­träch­ti­gun­gen, die als Umstel­lungs­las­ten bei einem Sys­tem­wech­sel den Eigen­tü­mern grund­sätz­lich zumut­bar sind, hier aus­nahms­wei­se ein nicht mehr hin­nehm­ba­res Maß erreich­ten.

Die Bestim­mung von Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen an den Kern­kraft­wer­ken durch die Staf­fe­lung der Abschalt­ter­mi­ne in § 7 Abs. 1a Satz 1 AtG ver­stößt zu Las­ten von Krüm­mel und Vat­ten­fall und zu Las­ten von RWE wegen der dar­aus resul­tie­ren­den Ver­strom­bar­keits­de­fi­zi­te gegen das Gebot, die gesetz­li­chen Rege­lun­gen des Eigen­tums im Ein­klang mit Art. 3 Abs. 1 GG aus­zu­ge­stal­ten. Im Übri­gen besteht kein Grund zur Fest­stel­lung von Gleich­heits­ver­stö­ßen.

Die Staf­fe­lung der Betriebs­fris­ten in § 7 Abs. 1a Satz 1 AtG führt dane­ben aller­dings auch zu einer Ungleich­be­hand­lung der Betrei­ber in Anknüp­fung an die unter­schied­li­chen Abschalt­zei­ten, die sich vom 06.08.2011 – acht Kern­kraft­wer­ke der ers­ten Grup­pe – bis zum 31.12 2022 – drei Kraft­wer­ke der letz­ten Grup­pe – erstre­cken. Gemes­sen am Sys­tem des Aus­stiegs­ge­set­zes, inner­halb des­sen sich die 13. AtG-Novel­le bewegt, erlan­gen die unter­schied­li­chen Abschalt­zei­ten gleich­heits­recht­li­che Bedeu­tung vor allem im Hin­blick auf die die­sem Sys­tem zugrun­de lie­gen­de Vor­ga­be, den Kern­kraft­wer­ken je 32 Jah­re Lauf­zeit zu sichern. Die Aus­wir­kun­gen der zeit­li­chen Staf­fe­lung der End­zei­ten in § 7 Abs. 1a Satz 1 AtG auf die dadurch fest­ge­leg­te Gesamt­lauf­zeit der Kern­kraft­wer­ke ergibt sich aus der nach­fol­gen­den Tabel­le, die nach der dar­aus fol­gen­den Län­ge der Lauf­zei­ten geord­net ist. Die Kern­kraft­wer­ke der ers­ten Grup­pe, die mit Ablauf des 6.08.2011 ihre Berech­ti­gung zum Leis­tungs­be­trieb ver­lie­ren, sind grau unter­legt. Im Ergeb­nis errei­chen danach nahe­zu alle Kern­kraft­wer­ke die im Atom­kon­sens ange­streb­te 32-Jah­re-Lauf­zeit, mit ganz gering­fü­gi­gen Unter­schrei­tun­gen bei Phil­ipps­burg 1 und Unter­we­ser. Ledig­lich das Kern­kraft­werk Krüm­mel hat durch die Ein­ord­nung in die ers­te Abschalt­grup­pe nur eine Gesamt­lauf­zeit von gut 27 Jah­ren zur Ver­fü­gung.

Kern­kraft­werk Lauf­zeit­ende Kon­zern Lauf­zeit in Kalen­der­jah­ren
Krüm­mel 06.08.2011 Vfall/E.ON 27, 36
Phil­ipps­burg 1 06.08.2011 EnBW 31, 37
Unter­we­ser 06.08.2011 E.ON 31, 92
Isar 1, /​td 06.08.2011 E.ON 32, 38
Gund­rem­min­gen B, /​td 31.12.2017 RWE/E.ON 33, 45
Gra­fen­rhein­feld 31.12.2015 (06.15) E.ON 33, 54
Neckar­west­heim 2, /​td 31.12.2022, /​td EnBW 33, 71
Bib­lis B 06.08.2011 RWE 34, 49, /​td
Bruns­büt­tel 06.08.2011 E.ON/Vfall 34, 49
Ems­land 31.12.2022 RWE/E.ON 34, 54
Neckar­west­heim 1 06.08.2011 EnBW 34, 68
Phil­ipps­burg 2, /​td 31.12.2019 EnBW 34, 71
Isar 2 31.12.2022 E.ON 34, 73, /​td
Brok­dorf 31.12.2021 E.ON/Vfall 35, 03
Bib­lis A, /​td 06.08.2011 RWE 36, 44, /​td
Grohn­de 31.12.2021 E.ON 36, 92
Gund­rem­min­gen C 31.12.2021 RWE/E.ON 36, 95

Die durch die Staf­fe­lung der Aus­lauf­fris­ten für die Berech­ti­gung zum Leis­tungs­be­trieb unter­schied­lich lan­gen Lauf­zei­ten der ein­zel­nen Kern­kraft­wer­ke sind nur im Hin­blick auf das Kern­kraft­werk Krüm­mel gleich­heits­wid­rig. Inso­weit geht die eigen­tums­recht­li­che Bedeu­tung des Gleich­heits­ver­sto­ßes aller­dings nicht über die Unzu­mut­bar­keit hin­aus, die bereits hin­sicht­lich der feh­len­den Ver­strom­bar­keit von Rest­strom­men­gen aus dem Jah­re 2002 fest­ge­stellt wur­de.

Die mit der Staf­fe­lung der Abschalt­zei­ten ver­bun­de­ne Ungleich­be­hand­lung der Kraft­werks­be­trei­ber in Anknüp­fung an die ein­zel­nen Kern­kraft­wer­ke im Übri­gen ver­letzt nicht das Gebot gleich­heits­ge­rech­ter Aus­ge­stal­tung von Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums. Soweit die dies­be­züg­li­chen Dif­fe­ren­zie­run­gen sich über­haupt als Ungleich­be­hand­lun­gen inner­halb des engen Krei­ses der Betrei­ber­ge­sell­schaf­ten, die allein als Grund­rechts­trä­ger in Betracht kom­men, aus­wir­ken, sind sie von dem beträcht­li­chen Gestal­tungs­spiel­raum getra­gen, der dem Gesetz­ge­ber in kom­ple­xen Ent­schei­dungs­si­tua­tio­nen, wie der hier vor­lie­gen­den, zusteht, die von Pro­gno­se­un­si­cher­hei­ten im Hin­blick auf künf­ti­ge Ent­wick­lun­gen belas­tet ist. Die in der Abwä­gung zwi­schen dem legi­ti­men Beschleu­ni­gungs­ziel der 13. AtG-Novel­le, der Not­wen­dig­keit der Gewähr­leis­tung von regio­na­ler Ver­sor­gungs­si­cher­heit und der Berück­sich­ti­gung der berech­tig­ten Eigen­tums- und Ver­trau­ens­schutz­in­ter­es­sen der betrof­fe­nen Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men mit § 7 Abs. 1a Satz 1 AtG getrof­fe­ne Ent­schei­dung hält – abge­se­hen vom Fall des Kern­kraft­werks Krüm­mel – auch einer über die blo­ße Will­kür­prü­fung hin­aus­ge­hen­den ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Gleich­be­hand­lungs­kon­trol­le stand. Dies gilt ins­be­son­de­re des­halb, weil die Ungleich­be­hand­lun­gen der ein­zel­nen Kern­kraft­wer­ke zwi­schen den Grup­pen des § 7 Abs. 1a Satz 1 AtG und inner­halb die­ser Grup­pen sämt­lich Dif­fe­ren­zie­run­gen jen­seits oder allen­falls auf der 32-Jah­re-Lauf­zeit­gren­ze betref­fen, sich also im "Über­schuss­be­reich" von Bes­ser­stel­lun­gen unter­schied­li­chen Aus­ma­ßes bewe­gen und so auch nicht ursäch­lich für die Kapa­zi­täts­de­fi­zi­te von RWE und Vat­ten­fall sind. Soweit die Staf­fe­lung danach ein­zel­ne Kern­kraft­wer­ke bes­ser stellt als ande­re und die damit ver­bun­de­nen unter­neh­me­ri­schen Gestal­tungs­vor­tei­le sich nicht ohne­hin – wie bei­spiels­wei­se bei den Kern­kraft­wer­ken Gund­rem­min­gen B und C – inner­halb des­sel­ben Kon­zerns auf­he­ben, sind die damit ver­bun­de­nen Unter­schie­de in der Vor­teils­ge­wäh­rung ange­sichts ihres eher gerin­gen Gewichts mit Rück­sicht auf den gera­de in der­art kom­ple­xen Ent­schei­dungs­si­tua­tio­nen wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers von den Betrof­fe­nen hin­zu­neh­men.

3. AtG-Novel­le – und die Berufs­frei­heit, Art. 12 GG[↑]

Die Rege­lun­gen der 13. AtG-Novel­le gestal­ten nicht nur Eigen­tums­rech­te an den Atom­an­la­gen aus und schrän­ken sie ein; sie grei­fen zugleich auch mit­tel­bar in die Berufs­frei­heit der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen ein, indem sie die Been­di­gung ihrer unter­neh­me­ri­schen Betä­ti­gung im Bereich der fried­li­chen Nut­zung der Kern­ener­gie beschleu­ni­gen. Sie sind des­halb auch an Art. 12 GG zu mes­sen 164.

Es bedarf hier aber kei­ner nähe­ren Prü­fung des ange­grif­fe­nen Geset­zes am Maß­stab des Art. 12 GG, da sich dar­aus kei­ne wei­ter­ge­hen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Kon­se­quen­zen im Hin­blick auf die­se Rege­lun­gen erge­ben, als sie in Aus­ein­an­der­set­zung mit den ver­schie­de­nen Stand­punk­ten der Betei­lig­ten für das Eigen­tums­recht ermit­telt wur­den. Der Schutz der Berufs­frei­heit für die unter­neh­me­ri­sche Betä­ti­gung geht in die­sem Fall nicht wei­ter als der des Eigen­tums­rechts für des­sen beruf­li­che Nut­zung.

3. AtG-Novel­le als unzu­läs­si­ges Ein­zel­fall­ge­setz[↑]

Die 13. AtG-Novel­le, nament­lich § 7 Abs. 1a Satz 1 AtG, ist kein nach Art.19 Abs. 1 Satz 1 GG ver­bo­te­nes Ein­zel­fall­ge­setz.

Abs. 1 Satz 1 GG ent­hält zwar kein Grund­recht 165. Unge­ach­tet des­sen unter­fällt ein Gesetz im Rah­men einer zuläs­si­ger­wei­se erho­be­nen Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Kon­trol­le auch anhand die­ses Maß­stabs 166. Geset­ze, die – wie hier die 13. AtG-Novel­le – gestal­tend in geschütz­te Eigen­tums­rechts­po­si­tio­nen ein­grei­fen, sind an Art.19 Abs. 1 Satz 1 GG zu mes­sen 167.

Abs. 1 Satz 1 GG bestimmt, dass ein Gesetz, soweit nach dem Grund­ge­setz ein Grund­recht durch Gesetz oder auf Grund eines Geset­zes ein­ge­schränkt wer­den kann, all­ge­mein und nicht nur für den Ein­zel­fall gel­ten muss. Das schließt die Rege­lung eines Ein­zel­falls nicht aus, wenn der Sach­ver­halt so beschaf­fen ist, dass es nur einen Fall die­ser Art gibt und die Rege­lung die­ses sin­gu­lä­ren Sach­ver­halts von sach­li­chen Grün­den getra­gen wird. Art.19 Abs. 1 Satz 1 GG ent­hält letzt­lich eine Kon­kre­ti­sie­rung des all­ge­mei­nen Gleich­heits­sat­zes; danach ist es dem Gesetz­ge­ber ver­bo­ten, aus einer Rei­he gleich­ge­la­ger­ter Sach­ver­hal­te einen Fall her­aus­zu­grei­fen und zum Gegen­stand einer Son­der­re­gel zu machen 168.

Gemes­sen hier­an ver­stößt § 7 Abs. 1a Satz 1 AtG nicht gegen das Ver­bot grund­rechts­ein­schrän­ken­der Ein­zel­fall­ge­set­ze. Zwar ist die­se Bestim­mung über die ver­bind­li­chen Abschalt­ter­mi­ne nicht all­ge­mein gefasst; viel­mehr erfolgt für jedes in Betrieb befind­li­che Kern­kraft­werk eine eige­ne Fest­le­gung, so dass eine Rege­lung für meh­re­re Ein­zel­fäl­le vor­liegt. Das Gesetz greift damit aber nicht aus einer Viel­zahl gleich­ge­la­ger­ter Fäl­le einen ein­zel­nen Fall oder eine bestimm­te Grup­pe her­aus, son­dern regelt abschlie­ßend alle ver­blei­ben­den Fäl­le. Die Will­kür einer gesetz­li­chen Ein­zel­fall­re­ge­lung, vor der Art.19 Abs. 1 Satz 1 GG schüt­zen will, ist hier nicht gege­ben.

Fest­ge­stell­te Ver­fas­sungs­ver­sto­ße[↑]

Die 13. AtG-Novel­le ver­letzt in Tei­len Art. 14 Abs. 1 GG, weil sie zu einer unzu­mut­ba­ren Beschrän­kung des aus dem Anla­gen­ei­gen­tum flie­ßen­den Rechts der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen Krüm­mel und Vat­ten­fall sowie RWE führt, die ihren Kern­kraft­wer­ken in Anla­ge 3 Spal­te 2 zum Atom­ge­setz zuge­teil­ten Rest­strom­men­gen kon­zern­in­tern zu ver­wer­ten.

Die 13. AtG-Novel­le ver­letzt auch dadurch Art. 14 Abs. 1 GG, dass sie kei­ne Aus­gleichs- oder sons­ti­gen ange­mes­se­ne Kom­pen­sa­ti­ons­lö­sun­gen vor­sieht für Inves­ti­tio­nen, die im berech­tig­ten Ver­trau­en auf die jeweils zuge­teil­ten Strom­kon­tin­gen­te in den Kern­kraft­wer­ken getä­tigt, durch die fes­ten Abschalt­ter­mi­ne aber ent­wer­tet wur­den.

Alle Ver­let­zun­gen von Art. 14 Abs. 1 GG haben ihre wesent­li­che Ursa­che in den durch § 7 Abs. 1a Satz 1 AtG für die Kern­kraft­wer­ke gestaf­felt ein­ge­führ­ten fes­ten End­ter­mi­nen für das Erlö­schen der Berech­ti­gung zum Leis­tungs­be­trieb. Die Vor­schrift ver­stößt inso­weit gegen das Eigen­tums­grund­recht.

Unver­ein­bar­keit und Fort­gel­tung der 3. AtG-Novel­le[↑]

§ 7 Abs. 1a Satz 1 AtG ist in dem fest­ge­stell­ten Umfang für unver­ein­bar mit Art. 14 Abs. 1 GG zu erklä­ren. Sei­ne Fort­gel­tung bis zur Neu­re­ge­lung des Atom­ge­set­zes durch Behe­bung der bean­stan­de­ten Ver­fas­sungs­ver­stö­ße ist anzu­ord­nen. Der Gesetz­ge­ber ist ver­pflich­tet, eine Neu­re­ge­lung spä­tes­tens bis zum 30.06.2018 zu tref­fen.

Die fest­ge­stell­ten Ver­fas­sungs­ver­stö­ße füh­ren hier nicht zur Nich­tig­keit von § 7 Abs. 1a Satz 1 AtG son­dern ledig­lich zur Fest­stel­lung sei­ner Unver­ein­bar­keit mit dem Grund­ge­setz ver­bun­den mit einer Fort­gel­tungs­an­ord­nung bis zu einer Neu­re­ge­lung.

Dies ist des­halb ange­zeigt, weil dem Gesetz­ge­ber ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung ste­hen, die Ver­fas­sungs­ver­stö­ße zu besei­ti­gen 169. Zudem wür­de eine Nich­tig­erklä­rung des § 7 Abs. 1a Satz 1 AtG zu einem Rechts­zu­stand füh­ren, der mit dem vom Gesetz­ge­ber im Grund­satz ver­fas­sungs­ge­mäß ange­streb­ten Rechts­zu­stand noch weni­ger in Ein­klang stün­de als die befris­te­te Wei­ter­gel­tung des für ver­fas­sungs­wid­rig befun­de­nen Rechts­zu­stands 170.

Die fest­ge­stell­ten Ver­fas­sungs­ver­stö­ße berüh­ren das Haupt­ziel der 13. AtG-Novel­le, die Beschleu­ni­gung des Atom­aus­stiegs, nicht im Kern. Die Rück­nah­me der Ende 2010 in gro­ßem Umfang zuge­teil­ten Zusatz­strom­men­gen, die Ein­füh­rung fes­ter End­ter­mi­ne für den Betrieb der ein­zel­nen Kern­kraft­wer­ke und die Staf­fe­lung der Abschalt­fris­ten haben sich im Grund­satz als ver­ein­bar mit dem Grund­ge­setz erwie­sen. Die ver­fas­sungs­recht­lich zu bean­stan­den­den Defi­zi­te sind zwar nicht uner­heb­lich, betref­fen jedoch gemes­sen an der Gesamt­re­ge­lung nur Rand­be­rei­che. Die Gesamt­re­ge­lung durch Nich­tig­erklä­rung des § 7 Abs. 1a Satz 1 AtG aus­zu­he­beln, wäre daher nicht gerecht­fer­tigt.

Rege­lungs­op­tio­nen des Gesetz­ge­bers – Ver­strom­bar­keits­de­fi­zit[↑]

Dem Gesetz­ge­ber ste­hen ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung, die fest­ge­stell­ten Ver­fas­sungs­ver­stö­ße zu besei­ti­gen.

Die Unver­ein­bar­keit der den Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen Krüm­mel und Vat­ten­fall wie auch der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin RWE zur Ver­fü­gung ste­hen­den Ver­stro­mungs­ka­pa­zi­tä­ten mit Art. 14 Abs. 1 GG hat ihre Ursa­che vor allem dar­in, dass inner­halb der durch § 7 Abs. 1a Satz 1 AtG gesetz­ten Abschalt­fris­ten kei­ne im Wesent­li­chen voll­stän­di­ge Ver­stro­mung der ihnen 2002 zuge­teil­ten Rest­strom­men­gen in Kern­kraft­wer­ken zu erwar­ten ist, die ganz oder antei­lig in der Hand des betrof­fe­nen Kon­zerns lie­gen. Dem könn­te etwa mit einer ent­spre­chen­den Ver­län­ge­rung der Lauf­zei­ten ein­zel­ner kon­zern­ei­ge­ner Kern­kraft­wer­ke Rech­nung getra­gen wer­den. Für die­sen Weg ist jedoch kein Vor­rang durch die Ver­fas­sung vor­ge­ge­ben, er liegt wie auch ande­re Aus­gleichs­mög­lich­kei­ten im poli­ti­schen Gestal­tungs­er­mes­sen des Gesetz­ge­bers. Eine Kom­pen­sa­ti­on der Ver­stro­mungs­de­fi­zi­te könn­te womög­lich auch durch gesetz­li­che Sicher­stel­lung einer Wei­ter­ga­be­mög­lich­keit von nicht mehr ver­strom­ba­ren Elek­tri­zi­täts­men­gen an Kon­zer­ne mit über­schie­ßen­den Ver­stro­mungs­ka­pa­zi­tä­ten zu öko­no­misch zumut­ba­ren Bedin­gun­gen erfol­gen. Ins­be­son­de­re bleibt es dem Gesetz­ge­ber aber auch unbe­nom­men, einen ange­mes­se­nen finan­zi­el­len Aus­gleich für auf­grund der gesetz­li­chen Rege­lung nicht ver­strom­ba­re Rest­strom­men­gen vor­zu­se­hen, zumal mit der gesetz­ge­be­ri­schen Ent­schei­dung für den Atom­aus­stieg die Auf­ga­be des Bestands der Kern­kraft­wer­ke ohne­hin fest­steht. Der Aus­gleich braucht auch nur das zur Her­stel­lung der Ange­mes­sen­heit erfor­der­li­che Maß zu errei­chen, das nicht zwin­gend dem vol­len Wert­er­satz ent­spre­chen muss.

Mit einer Neu­re­ge­lung, wel­che die Ver­stro­mungs­de­fi­zi­te der Kern­kraft­werks­be­trei­be­rin­nen Krüm­mel und Vat­ten­fall sowie RWE im Wesent­li­chen voll­stän­dig behebt, erle­digt sich auch ihre gleich­heits­wid­ri­ge Schlech­ter­stel­lung.

Rege­lungs­op­tio­nen des Gesetz­ge­bers – Ver­strom­bar­keits­de­fi­zit[↑]

Eine gesetz­li­che Grund­la­ge für Aus­gleichs­an­sprü­che wegen frus­trier­ter Inves­ti­tio­nen bedarf der nähe­ren Aus­ge­stal­tung durch den Gesetz­ge­ber.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 6. Dezem­ber 2016 – 1 BvR 2821/​111 BvR 1456/​121 BvR 321/​12

  1. BGBl I S. 1704[][][]
  2. BGBl I S. 814[]
  3. BT-Drs. 14/​6890, S. 16[]
  4. BVerw­GE 80, 207[]
  5. BVerw­GE 106, 115[]
  6. BGHZ 134, 268[]
  7. BGBl I S. 1351[][][]
  8. BT-Drs. 14/​6890, S. 13 ff.[]
  9. BGBl I S. 1814[][]
  10. BGBl I S. 1807[]
  11. Hess. VGH, Urtei­le vom 27.02.2013 – 6 C 824/​11.T, EnWZ 2013, S. 233; und 6 C 825/​11.T, DVBl 2013, S. 726[]
  12. BVerwG, Beschlüs­se vom 20.12 2013 – 7 B 18.13; und BVerwG 7 B 19.13, jeweils DVBl 2014, S. 303[]
  13. S. 11 des Berichts[]
  14. vgl. BT-Drs. 17/​6070, S. 1[]
  15. BT-Drs., a.a.O., S. 5[]
  16. vgl. Stel­lung­nah­me der Reak­tor-Sicher­heits­kom­mis­si­on "Anla­gen­spe­zi­fi­sche Sicher­heits­über­prü­fung – RSK-SÜ – deut­scher Kern­kraft­wer­ke unter Berück­sich­ti­gung der Ereig­nis­se in Fukushima‑I – Japan -", S. 15 f.[]
  17. vgl. Bericht der Ethik­kom­mis­si­on "Siche­re Ener­gie­ver­sor­gung" vom 30.05.2011, S. 11 f.[]
  18. BT-Drs., a.a.O., S. 6[]
  19. BT-Drs. 14/​6890[]
  20. BVerfG, Beschluss­emp­feh­lung und Bericht vom 29.06.2011, BT-Drs. 17/​6361, S. 15[]
  21. BVerfG – 1 BvR 2821/​11[]
  22. BVerfG – 1 BvR 312/​12[]
  23. BVerfG – 1 BvR 1456/​12[]
  24. BGBl. 2011 Sei­te 1704[]
  25. vgl. BVerfGE 66, 116, 130; 129, 78, 91; 134, 242, 284 Rn. 148 für Art. 14 GG, BVerfGE 106, 275, 298; 115, 205, 227 ff.; 126, 112, 136 für Art. 12 GG und BVerfGE 95, 267, 317; 99, 367, 389 für Art. 3 GG[]
  26. vgl. BVerfGE 132, 99, 119 f. Rn. 52 f. m.w.N.[]
  27. vgl. BVerfGE 4, 27, 30; 15, 256, 262; 21, 362, 368 ff.; 35, 263, 271; 45, 63, 78; 61, 82, 100 f.[]
  28. vgl. BVerfGE 45, 63, 78; 68, 193, 206 m.w.N.[]
  29. vgl. BVerfGE 15, 256, 262; 21, 362, 369 f.[]
  30. vgl. BVerfGE 4, 27, 30; 21, 362, 370[]
  31. vgl. BVerfGE 21, 362, 369; 61, 82, 101; 68, 193, 206[]
  32. vgl. BVerfGE 45, 63, 79; 61, 82, 102[]
  33. vgl. BVerfGE 31, 314, 321 f.; 74, 297, 317 f.; 93, 85, 93; 107, 299, 309 f.[]
  34. vgl. BVerfGE 19, 129, 132; 30, 112, 119 f.; 42, 312, 321 f.; 70, 138, 160 f.[]
  35. vgl. BVerfGE 45, 63, 79 f.; 68, 193, 212 f.[]
  36. vgl. ent­spre­chend zur Fra­ge der Grund­rechts­bin­dung BVerfGE 128, 226, 244, 246 f.[]
  37. BVerfGE 128, 226[]
  38. BVerfG, a.a.O., S. 244, 246 f.[]
  39. vgl. BVerfGE 75, 192, 196; 128, 226, 244 f.[]
  40. vgl. BVerfGE 61, 82, 100 f.[]
  41. BVerfGE 61, 82, 108 f.[]
  42. zur Euro­pa­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes vgl. BVerfGE 123, 267, 354; 126, 286, 303, 327; 136, 69, 91 Rn. 43[]
  43. vgl. EuGH, Urteil vom 26.06.2008, Bur­da, – C‑284/​06, EU:C:2008:365[]
  44. vgl. grund­le­gend EuGH, Urteil vom 31.03.1993, Kraus, ?- C‑19/​92, EU:C:1993:125, Rn.?32; stRspr[]
  45. vgl. EuGH, Urteil vom 24.03.2011, Kommission/​Spa­ni­en, – C‑400/​08, EU:C:2011:172, Rn. 73; stRspr[]
  46. vgl. BVerfGE 131, 268, 295 f. unter Ver­weis auf BVerfGE 111, 307, 315 ff. und 128, 326, 366 ff.[]
  47. vgl. EGMR, Isla­mic Repu­blic of Iran Ship­ping Lines v. Tur­key, Urteil vom 13.12 2007, Nr. 40998/​98, § 79 ff.[]
  48. vgl. EGMR, Lith­gow and others v. United King­dom, Urteil vom 08.07.1986, Nr. 9006/​80, § 205; EGMR, Lean­der v. Swe­den, Urteil vom 26.03.1987, Nr. 9248/​81, § 77[]
  49. vgl. EGMR, Lith­gow and others v. United King­dom, Urteil vom 08.07.1986, Nr. 9006/​80, § 206[]
  50. vgl. EGMR, Lean­der v. Swe­den, Urteil vom 26.03.1987, Nr. 9248/​81, § 77[]
  51. vgl. BVerfGE 128, 226, 244, 246 f.[]
  52. vgl. BVerfGE 128, 226, 246 f.[]
  53. zu die­sen Vor­aus­set­zun­gen vgl. BVerfGE 97, 157, 164; 102, 197, 206; 108, 370, 384; stRspr[]
  54. vgl. BVerfGE 68, 319, 325 f.; 74, 69, 74[]
  55. vgl. BVerfGE 79, 1, 20; 97, 157, 165[]
  56. vgl. BVerwG, Urteil vom 23.08.2007 – BVerwG 7 C 13.06, NVwZ 2007, S. 1311, 1312 f.; Urteil vom 28.01.2010 – BVerwG 8 C 19.09, BVerw­GE 136, 54, 58 ff.; jew. m.w.N.; vgl. auch BVerfGE 115, 81, 91 ff. zur Not­wen­dig­keit der Aner­ken­nung fach­ge­richt­li­chen Rechts­schut­zes aus Art.19 Abs. 4 GG für unter­ge­setz­li­che Rechts­sät­ze[]
  57. vgl. BVerfGE 14, 263, 277[]
  58. vgl. BVerfGE 31, 229, 240; 50, 290, 339; 52, 1, 30; 100, 226, 241; 102, 1, 15; stRspr[]
  59. vgl. BVerfGE 100, 226, 241[]
  60. vgl. BVerfGE 50, 290, 340; stRspr[]
  61. vgl. BVerfGE 134, 242, 290 f. Rn. 167 f.[]
  62. vgl. BVerfGE 24, 367, 400; 38, 175, 181, 184 f.; 56, 249, 260[]
  63. vgl. BVerfGE 72, 175, 195; 83, 201, 208[]
  64. vgl. BVerfGE 24, 367, 397; 46, 268, 285; 56, 249, 261; 58, 300, 323[]
  65. vgl. BVerfGE 134, 242, 290 f. Rn. 168[]
  66. vgl. BVerfGE 25, 112, 118[]
  67. vgl. BVerfGE 20, 351, 361; 50, 290, 340[]
  68. vgl. BVerfGE 21, 73, 83; 31, 229, 242; 36, 281, 292; 37, 132, 140; 42, 263, 294; 50, 290, 339 f.; 53, 257, 292; 100, 226, 241[]
  69. vgl. nur BVerfGE 49, 89, 142 f., 146 f.; 53, 30, 55 ff.[]
  70. vgl. BVerfGE 49, 89, 145 ff.[]
  71. BT-Drs. 17/​3051, S. 6[]
  72. vgl. BVerfGE 97, 350, 370; 101, 54, 75; 105, 17, 30; 110, 141, 173[]
  73. BVerfGE 40, 65, 83[]
  74. BVerfGE 14, 288, 293?f.; 18, 392, 397; 30, 292, 334; 53, 257, 291?f.; 69, 272, 300; 72, 9, 19?f.; 72, 175, 193; 97, 67, 83[]
  75. offen hin­ge­gen noch BVerfGK 16, 473, 478 f. und BVerfGK 17, 88, 94 f.; vgl. auch BVerfGE 17, 232, 247 f.[]
  76. vgl. BT-Drs. 14/​6890, S. 15 f.[][]
  77. vgl. BT-Drs. 17/​3051, S. 1[][][]
  78. BVerfGE 58, 300, 353[]
  79. BVerfGE 123, 185, 259[]
  80. BVerfGE 105, 272, 278[]
  81. vgl. etwa BGHZ 23, 157, 162; 45, 150, 154; 48, 58, 61; 133, 265, 267; BVerwG, Beschluss vom 11.01.1983 – BVerwG 8 B 91.82, NJW 1983, S. 1810, 1811; Beschluss vom 20.07.1992 – BVerwG 7 B 186.91, NVwZ 1993, S. 63, 64; BVerw­GE 121, 382, 391; 143, 249, 268 f.[]
  82. vgl. dazu BVerfGE 17, 232, 247 f.; 51, 193, 221 f.; 58, 300, 353; 66, 116, 145 f.; 68, 193, 222 f.; 84, 212, 232; 87, 363, 394; 96, 375, 397; 105, 252, 278; 123, 186, 259[]
  83. vgl. BVerfGE 101, 239, 259; 102, 1, 15 f.; 104, 1, 9; 134, 242, 289 Rn. 161 stRspr[]
  84. vgl. BVerfGE 24, 367, 394; 52, 1, 27; 83, 201, 211[]
  85. vgl. BVerfGE 52, 1, 26 ff.; 58, 137, 144 f.; 70, 191, 200; 72, 66, 78 f.[]
  86. vgl. BVerfGE 100, 226, 240; 102, 1, 16[]
  87. Ossen­bühl, Ver­fas­sungs­recht­li­che Fra­gen eines beschleu­nig­ten Aus­stiegs aus der Kern­ener­gie, 2012, S. 45[]
  88. vgl. BVerfGE 24, 367, 394; 45, 297, 332; 83, 201, 211[]
  89. BVerfGE 104, 1, 10 mit Ver­wei­sung auf BVerfGE 38, 175, 179 f.[]
  90. vgl. BVerfGE 126, 331, 359; die Fra­ge wie­der­um offen gelas­sen in BVerfGE 134, 242, 289 Rn. 162[]
  91. vgl. Der Par­la­men­ta­ri­sche Rat 1948 – 1949, Akten und Pro­to­kol­le, Bd. 5/​1 Aus­schuß für Grund­satz­fra­gen, 1993, S. 734[]
  92. Die Ver­fas­sung des Deut­schen Reichs vom 11.08.1919, 14. Aufl.1933, S. 707 ff.[]
  93. vgl. dazu Wie­land, in: Drei­er, GG, Bd. 1, 3. Aufl.2013, Art. 14 Rn. 1 ff.[]
  94. vgl. Wie­land, in: Drei­er, GG, Bd. 1, 3. Aufl.2013, Art. 14 Rn. 2 ff.; Papier, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 14 Rn.20 ff., Juli 2010[]
  95. vgl. BVerfGE 25, 371, 407 Akti­en; BVerfGE 31, 229, 239 Urhe­ber­rech­te; BVerfGE 36, 281, 290 f. Patent­rech­te; BVerfGE 53, 257, 288 ff. sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Ansprü­che; BVerfGE 53, 336, 348 f. öffent­lich-recht­li­che Erstat­tungs­an­sprü­che; BVerfGE 89, 1, 5 ff. Besitz­recht des Mie­ters; vgl. dazu Ossenbühl/​Cornils, Staats­haf­tungs­recht, 6. Aufl.2013, S. 157 ff.[]
  96. so z.B. die Ent­zie­hung delik­tisch erlang­ten Eigen­tums als Neben­fol­ge einer straf­recht­li­chen Ver­ur­tei­lung, BVerfGE 110, 1, 24 f.; das Ein­fuhr- und Ver­brin­gungs­ver­bot bestimm­ter Hun­de­ras­sen, BVerfGE 110, 141, 167; die Sicher­stel­lung und Beschlag­nah­me von Gegen­stän­den zu Beweis­zwe­cken – BVerfGK 17, 550, 557[]
  97. vgl. BVerfGE 58, 300, 330 f.[]
  98. vgl. BVerfGE 22, 387, 422 f.; 110, 1, 24 f.[]
  99. vgl. Ossenbühl/​Cornils, Staats­haf­tungs­recht, 6. Aufl.2013, S.209[]
  100. vgl. Dürig, JZ 1954, S. 4, 9 f.; Schwarz, DVBl 2014, S. 133, 138[]
  101. vgl. BVerfGE 58, 137, 149 f.; 79, 174, 192; 83, 201, 212 f.; 100, 226, 244[]
  102. BVerfGE 100, 226, 244[]
  103. vgl. BVerfGE 100, 226, 244 ff.[]
  104. vgl. BVerfGE 100, 226, 244, 246 f.[]
  105. vgl. dazu BVerfGE 102, 1, 17 f., 21[]
  106. vgl. BVerfGE 25, 112, 118; 50, 290, 340 f.; 100, 226, 241[]
  107. vgl. BVerfGE 100, 226, 240[]
  108. vgl. BVerfGE 75, 78, 97 f.; 110, 1, 28; 126, 331, 359 f.[]
  109. vgl. nur BVerfGE 50, 290, 340 f.; 70, 191, 201; 102, 1, 16 f.; je mit wei­te­ren Nach­wei­sen aus der Recht­spre­chung[]
  110. vgl. BVerfGE 24, 367, 389; 52, 1, 30; 70, 191, 201; 112, 93, 110; 126, 331, 360[]
  111. vgl. BVerfGE 36, 281, 293; 72, 9, 23; 75, 78, 105; 95, 64, 82; 101, 239, 257; 117, 272, 294; 122, 374, 391[]
  112. vgl. BVerfGE 21, 73, 84; 34, 139, 146; 37, 132, 143; 49, 382, 395; 87, 114, 139; 102, 1, 16 f.; 126, 331, 360[]
  113. vgl. BVerfGE 31, 275, 284 ff., 289 f.; 36, 281, 293; 42, 263, LS 4 und S. 294; 58, 300, 351[]
  114. vgl. BVerfGE 78, 58, 75[]
  115. vgl. BVerfGE 83, 201, 212; 102, 1, 16[]
  116. vgl. BVerfGE 31, 275, 290; 70, 191, 201 f. m.w.N.[]
  117. vgl. BVerfGE 42, 263, 294 f.; 58, 300, 351[]
  118. vgl. BVerfGE 83, 201, 212[]
  119. vgl. BVerfGE 83, 201, 213; hier­auf ver­wei­send BVerfGE 102, 1, 16[]
  120. vgl. BVerfGE 105, 252, 277 f.; 110, 274, 290; eben­so zu Art. 12 GG BVerfGE 121, 317, 383[]
  121. vgl. etwa BVerfGE 95, 1, 23 f. im Fal­le einer Fach­pla­nung durch Gesetz; BVerfGE 86, 90, 108 f. bei Gemein­de­neu­glie­de­run­gen oder BVerfGE 139, 64, 127 Rn. 130 in Fra­gen der Rich­ter­be­sol­dung[]
  122. vgl. zuletzt BVerfGE 139, 148, 176 f. Rn. 55[]
  123. BVerfGE 139, 148, 176 f. Rn. 55 m.w.N.[]
  124. vgl. für die Kern­kraft BVerfGE 49, 89, 134 f.[]
  125. BVerfGE 50, 290, 332 ff.[]
  126. vgl. BVerfGE 95, 1, 23 f.[]
  127. vgl. BVerfGE 132, 134, 162 Rn. 70; 137, 34, 73 f. Rn. 77; für den Son­der­fall der Höhe der Besol­dung anders BVerfGE 130, 263, 301 f.; 139, 64, 126 f. Rn. 129 f.[]
  128. BT-Drs. 17/​6070, S. 1[]
  129. BT-Drs. 17/​6070, S. 5[]
  130. vgl. dazu BVerfGE 121, 317, 350; 134, 242, 292 f. Rn. 172[]
  131. vgl. BVerfGE 126, 331, 361 m.w.N.[]
  132. vgl. BVerfGE 121, 317, 354 m.w.N.[]
  133. vgl. BT-Drs. 17/​6070, S. 5[]
  134. vgl. all­ge­mein BVerfGE 121, 317, 354; 126, 331, 362 m.w.N.[]
  135. vgl. Begrün­dung zum Ent­wurf eines Elf­ten Geset­zes zur Ände­rung des Atom­ge­set­zes, BT-Drs. 17/​3051, S. 1[]
  136. vgl. Bun­des­amt für Strah­len­schutz, Bekannt­ma­chung der erzeug­ten, über­tra­ge­nen und ver­blei­ben­den Elek­tri­zi­täts­men­gen nach § 7 Abs. 1c des Atom­ge­set­zes – Jah­res­mel­dung 2010 – vom 21.03.2011, BAnz. Nr. 53 vom 05.04.2011, S. 1277[]
  137. BVerfGE 49, 89, 127[]
  138. BVerfG, a.a.O. S. 146[]
  139. vgl. BT-Drs. 17/​3049, S. 8 f.[]
  140. vgl. Bericht der Reak­tor-Sicher­heits­kom­mis­si­on vom 16.05.2011, S. 22 f.; Bericht der Ethik-Kom­mis­si­on "Siche­re Ener­gie­ver­sor­gung" vom 30.05.2011, S. 11[]
  141. vgl. BT-Drs. 17/​6070, S. 1, 5[]
  142. vgl. bereits BVerfGE 49, 89, 127[]
  143. BAnz. Nr. 52 vom 30.03.2012, S. 1308[]
  144. vgl. BVerfGE 102, 68, 97 f.; eben­so BVerfGE 116, 96, 131[]
  145. vgl. die Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs der Frak­tio­nen SPD und BÜNDNIS 90/​DIE GRÜNEN, BT-Drs. 14/​6890, S. 1[]
  146. BT-Drs. 14/​6890, S. 13[]
  147. vgl. BT-Drs. 14/​6890, S. 16[]
  148. vgl. BT-Drs. 14/​6890, S. 13[]
  149. vgl. BVerfGE 104, 249, 268[]
  150. vgl. BVerfGE 21, 73, 84; 34, 139, 146; 37, 132, 143; 49, 382, 395; 87, 114, 139; 102, 1, 16 f.[]
  151. vgl. BVerfGE 126, 400, 416; 129, 49, 69; 132, 179, 188 Rn. 30[]
  152. vgl. Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs BT-Drs. 17/​6070, S. 6[]
  153. vgl. BT-Drs. 17/​6070, S. 6[]
  154. BT-Drs., a.a.O., S. 7[]
  155. vgl. BVerfGE 117, 1, 32 unter Ver­wei­sung auf BVerfGE 93, 121, 147 f.; 99, 280, 296; 105, 73, 112; 110, 274, 293[]
  156. vgl. BVerfGE 140, 65, 85 Rn. 45 unter Ver­wei­sung auf BVerfGE 118, 79, 101[]
  157. vgl. BVerfGE 140, 65, 79 f. Rn. 33[]
  158. vgl. dazu BVerfGE 84, 348, 359 f.; 126, 268, 278 f.; 133, 377, 412 f. Rn. 86 ff. jew. m.w.N.[]
  159. BVerfGE 84, 348, 360 m.w.N.[]
  160. vgl. etwa die Bekannt­ma­chung des Bun­des­amts für Strah­len­schutz vom 31.10.2015, Spal­te 4, oben A VI 1, Rn. 166[]
  161. vgl. BVerfGE 58, 81, 120[]
  162. vgl. BVerfGE 101, 239, 262; 132, 302, 317; 135, 1, 21 Rn. 60[]
  163. vgl. BVerfGE 131, 47, 57 f.[]
  164. zur gemein­sa­men Anwend­bar­keit von Eigen­tums- und Berufs­frei­heit vgl. BVerfGE 50, 290, 361 f.; 110, 141, 166 f.; 128, 1, 36 ff.[]
  165. vgl. BVerfGE 1, 264, 280; 117, 302, 310[]
  166. vgl. BVerfGE 13, 225, 228 f.; 24, 367, 396; 134, 33, 88 ff.[]
  167. zum Anwen­dungs­be­reich der Vor­schrift vgl. BVerfGE 24, 367, 396 f.; 25, 371, 399; 64, 72, 80 f.; 134, 33, 88 f. Rn. 127 ff. einer­seits und BVerfGE 13, 225, 328 f.; 139, 148, 176 Rn. 53 ande­rer­seits[]
  168. vgl. BVerfGE 85, 360, 374; 134, 33, 88 f.; 139, 148, 176 Rn. 53[]
  169. zu die­ser Fall­grup­pe ins­be­son­de­re bei Gleich­heits­ver­stö­ßen vgl. BVerfGE 99, 280, 298; 105, 73, 133; 107, 27, 57; 117, 1, 69; 122, 210, 245; 126, 400, 431; stRspr[]
  170. zu die­ser Fall­grup­pe vgl. BVerfGE 83, 130, 154; 92, 53, 73; 111, 191, 224; 117, 163, 201[]