Der Bun­des­nach­rich­ten­dienst, der geschütz­te Tele­fon­ver­kehr – und die Spei­che­rung von Meta­da­ten

Bun­des­nach­rich­ten­dienst muss die Spei­che­rung und Nut­zung der Meta­da­ten von durch Art. 10 GG geschütz­ten Tele­fon­ver­keh­ren in der Datei VERAS unter­las­sen.

Der Bun­des­nach­rich­ten­dienst, der geschütz­te Tele­fon­ver­kehr – und die Spei­che­rung von Meta­da­ten

Dies ent­schied jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig und hat damit den bei­den Kla­gen eines Rechts­an­walts und eines Ver­eins auf Unter­las­sung der Spei­che­rung und Nut­zung von Meta­da­ten (Ver­bin­dungs­da­ten) aus ihren Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­keh­ren in der vom Bun­des­nach­rich­ten­dienst (BND) betrie­be­nen Datei VERAS (für: Ver­kehrs­da­ten­ana­ly­se­sys­tem) teil­wei­se statt­ge­ge­ben.

In der Datei VERAS spei­chert der BND Tele­fo­nie-Meta­da­ten aus lei­tungs­ver­mit­tel­ten Ver­keh­ren mit dem Aus­land und nutzt sie für nach­rich­ten­dienst­li­che Ana­ly­sen. Soweit die Daten – wie u.a. Tele­fon­num­mern – für sich genom­men indi­vi­dua­li­sier­bar sind, anony­mi­siert sie der BND vor der Spei­che­rung. Die Daten erlangt der BND aus Anlass der stra­te­gi­schen Fern­mel­de­über­wa­chung, der Aus­land-Aus­land-Fern­mel­de­auf­klä­rung und des Aus­tau­sches mit ande­ren Nach­rich­ten­diens­ten.

Da in VERAS kei­ne Meta­da­ten aus Inter­net- und E‑Mail-Ver­keh­ren gespei­chert wer­den, sind die Kla­gen nur hin­sicht­lich der Tele­fo­nie-Meta­da­ten zuläs­sig. Inso­weit sind die Kla­gen auch begrün­det. Die Klä­ger kön­nen die Spei­che­rung und Nut­zung ihrer Tele­fo­nie-Meta­da­ten auf Grund des öffent­lich-recht­li­chen Unter­las­sungs­an­spruchs abweh­ren.

Die Erhe­bung, Spei­che­rung und Nut­zung von Tele­fo­nie-Meta­da­ten grei­fen unge­ach­tet der vor der Spei­che­rung durch den BND vor­ge­nom­me­nen Anony­mi­sie­rung in das Fern­mel­de­ge­heim­nis nach Art. 10 Abs. 1 GG ein. Daher sind die­se Ein­grif­fe nur zuläs­sig, wenn die Erhe­bung der Daten und ihre wei­te­re Ver­wen­dung auf eine gesetz­li­che Grund­la­ge gestützt wer­den kann. An einer sol­chen gesetz­li­chen Rege­lung fehlt es gegen­wär­tig.

Ins­be­son­de­re kom­men die Rege­lun­gen zur stra­te­gi­schen Fern­mel­de­über­wa­chung nach dem Gesetz zur Beschrän­kung des Brief‑, Post- und Fern­mel­de­ge­heim­nis­ses (G 10) nicht zur Anwen­dung. Zwar erhebt der BND die­se Daten aus Anlass einer sol­chen Über­wa­chung. In § 5 G 10 fin­det sich eine gesetz­li­che Grund­la­ge für die­se Ein­grif­fe aber nur inso­weit, als der BND Meta­da­ten eben­so wie Inhalts­da­ten erhe­ben darf, um sie anhand von förm­lich fest­ge­leg­ten inhalt­li­chen und for­ma­len Such­be­grif­fen aus­zu­wer­ten und so Erkennt­nis­se über den Inhalt von Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­keh­ren zu erhal­ten. Die­se Erkennt­nis­se kön­nen als Infor­ma­tio­nen im Hin­blick auf abschlie­ßend umschrie­be­ne Gefah­ren­be­rei­che genutzt wer­den. Die dar­über hin­aus­ge­hen­de Pra­xis der Spei­che­rung und Nut­zung von Tele­fo­nie-Meta­da­ten ist von die­sem Zweck der Daten­er­he­bung nicht gedeckt. An der Rechts­wid­rig­keit die­ser Pra­xis des BND ändert die vor der Spei­che­rung erfolg­te Anony­mi­sie­rung der Daten der von Art. 10 GG geschütz­ten Per­so­nen nichts. Die­se steht der ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Löschung nicht gleich.

Auch die gesetz­li­chen Rege­lun­gen der Aus­land-Aus­land-Fern­mel­de­auf­klä­rung und der Zusam­men­ar­beit mit aus­län­di­schen Nach­rich­ten­diens­ten ent­hal­ten hier­für kei­ne Rechts­grund­la­ge.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 13. Dezem­ber 2017 – 6 A 6.16 und 6 A 7.16