Der Düs­sel­dor­fer „Licht-aus!“-Appell – oder: Der Bür­ger­meis­ter und die Hass-Demons­tra­ti­on

Der Auf­ruf des Düs­sel­dor­fer Ober­bür­ger­meis­ters, anläss­lich einer "Dügi­da"-Demons­tra­ti­on das Licht aus­zu­schal­ten, das tat­säch­li­che Aus­schal­ten der Beleuch­tung an städ­ti­schen Gebäu­den sowie sei­ne Bit­te, an einer Gegen­de­mons­tra­ti­on teil­zu­neh­men, waren nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts rechts­wid­rig.

Der Düs­sel­dor­fer „Licht-aus!“-Appell – oder: Der Bür­ger­meis­ter und die Hass-Demons­tra­ti­on

Die Klä­ge­rin mel­de­te für den Abend des 12. Janu­ar 2015 in Düs­sel­dorf eine Ver­samm­lung mit dem Mot­to „Düs­sel­dor­fer gegen die Isla­mi­sie­rung des Abend­lan­des“ an. Aus Anlass die­ser Ver­samm­lung hat­te der Düs­sel­dor­fer Ober­bür­ger­meis­ter vom 7. bis zum 11. Janu­ar 2015 auf dem Inter­net­por­tal der Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf die Erklä­rung „Lich­ter aus! Düs­sel­dorf setzt Zei­chen gegen Into­le­ranz“ ein­ge­stellt. Dar­in kün­dig­te er an, dass am 12. Janu­ar 2015 ab Beginn der Demons­tra­ti­on an ver­schie­de­nen öffent­li­chen Gebäu­den der Stadt die Beleuch­tung aus­ge­schal­tet wer­de. Zugleich rief er die Düs­sel­dor­fer Bür­ger und Geschäfts­leu­te auf, die Beleuch­tung an ihren Gebäu­den eben­falls aus­zu­schal­ten, um ein „Zei­chen gegen Into­le­ranz und Ras­sis­mus“ zu set­zen. Dar­über hin­aus bat er in der Erklä­rung um die Teil­nah­me an einer par­al­lel statt­fin­den­den Gegen­de­mons­tra­ti­on. Die ange­mel­de­te Ver­samm­lung fand am 12. Janu­ar 2015 statt. Wäh­rend ihrer Dau­er wur­de die Beleuch­tung am Rat­haus sowie an wei­te­ren städ­ti­schen Gebäu­den aus­ge­schal­tet.

Die Klä­ge­rin begehrt die Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit die­ser Maß­nah­men. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf hat ihre Kla­ge als unzu­läs­sig abge­wie­sen 1. Dage­gen hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len den Auf­ruf des Ober­bür­ger­meis­ters, das Licht aus­zu­schal­ten, sowie das Aus­schal­ten der Beleuch­tung an städ­ti­schen Gebäu­den als rechts­wid­rig beur­teilt; die Bit­te, an einer fried­li­chen Gegen­de­mons­tra­ti­on teil­zu­neh­men, hat es dage­gen als recht­mä­ßig bestä­tigt 2. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat das Urteil der Vor­in­stanz geän­dert und fest­ge­stellt, dass auch der Auf­ruf zur Teil­nah­me an einer Gegen­de­mons­tra­ti­on rechts­wid­rig war:

Der Ober­bür­ger­meis­ter ist als kom­mu­na­ler Wahl­be­am­ter zwar grund­sätz­lich befugt, sich im Rah­men sei­nes Auf­ga­ben­be­reichs zu The­men der ört­li­chen Gemein­schaft öffent­lich zu äußern. Die­se Befug­nis unter­liegt jedoch Gren­zen. Aus dem Demo­kra­tie­prin­zip folgt, dass ein Amts­trä­ger sich zwar am poli­ti­schen Mei­nungs­bil­dungs­pro­zess der Bevöl­ke­rung betei­li­gen, ihn aber nicht len­ken und steu­ern darf. Eben­so sind ihm Äuße­run­gen nicht gestat­tet, die die Ebe­ne des ratio­na­len Dis­kur­ses ver­las­sen oder die Ver­tre­ter ande­rer Mei­nun­gen aus­gren­zen.

Danach erwie­sen sich die in Rede ste­hen­den Maß­nah­men des Düs­sel­dor­fer Ober­bür­ger­meis­ters nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts als rechts­wid­rig. Der Auf­ruf zur Teil­nah­me an einer Gegen­de­mons­tra­ti­on griff in unzu­läs­si­ger Wei­se in den Mei­nungs­bil­dungs­pro­zess der Bevöl­ke­rung ein. Mit dem Auf­ruf, das Licht aus­zu­schal­ten, und dem tat­säch­li­chen Aus­schal­ten der Beleuch­tung an städ­ti­schen Gebäu­den wur­den die Gren­zen der Äuße­rungs­be­fug­nis, sich in sach­li­cher und ratio­na­ler Wei­se mit den Gescheh­nis­sen in der Stadt Düs­sel­dorf aus­ein­an­der­zu­set­zen, über­schrit­ten und der Bereich poli­ti­scher Kom­mu­ni­ka­ti­on durch dis­kur­si­ve Aus­ein­an­der­set­zung ver­las­sen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 13. Sep­tem­ber 2017 – 10 C 6.16

  1. VG Düs­sel­dorf, Urteil vom 28.08.2015 – 1 K 1369/​15[]
  2. OVG Müns­ter, Urteil vom 04.11.2016 – 15 A 2293/​15[]