Die 3. Start- und Lan­de­bahn des Flug­ha­fens Mün­chen

Die Plan­fest­stel­lung für die geplan­te 3. Start- und Lan­de­bahn des Ver­kehrs­flug­ha­fens Mün­chen ver­stößt nicht gegen zwin­gen­des Recht. Dem Vor­ha­ben ste­hen weder Grün­de des Bedarfs noch schäd­li­che Umwelt­ein­wir­kun­gen noch Grün­de des Natur­schut­zes ent­ge­gen. Die Regie­rung von Ober­bay­ern hat den ihr zuste­hen­den pla­ne­ri­schen Spiel­raum nicht über­schrit­ten.

Die 3. Start- und Lan­de­bahn des Flug­ha­fens Mün­chen

Mit die­ser Begrün­dung hat der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­grichtsshof in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len die Kla­gen gegen den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss der Regie­rung von Ober­bay­ern – Luft­amt Süd­bay­ern – für die geplan­te 3. Start- und Lan­de­bahn des Ver­kehrs­flug­ha­fens Mün­chen vom 5. Juli 2011 abge­wie­sen. Durch die Errich­tung einer 3. Bahn sol­len am Flug­ha­fen Mün­chen statt bis­her rund 90 bis zu 120 Flug­be­we­gun­gen pro Stun­de abge­wi­ckelt wer­den kön­nen. Gegen die Zulas­sungs­ent­schei­dung wen­den sich eine Rei­he betrof­fe­ner Bür­ger, deren Grund­stü­cke teil­wei­se für das Vor­ha­ben in Anspruch genom­men wer­den sol­len, die Stadt Frei­sing, die Gemein­den Berg­lern, Eit­ting, Fah­renz­hau­sen und Ober­ding, der Land­kreis Frei­sing sowie der Bund Natur­schutz (ins­ge­samt 16 Kla­gen).

Nach Auf­fas­sung des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs sei nach den gel­ten­den recht­li­chen Maß­stä­ben kein Feh­ler des ange­foch­te­nen Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses ersicht­lich sei, der eine ande­re Ent­schei­dung als die Kla­ge­ab­wei­sung zulas­se. Dem Vor­ha­ben stün­den weder Grün­de des Bedarfs noch schäd­li­che Umwelt­ein­wir­kun­gen noch Grün­de des Natur­schut­zes ent­ge­gen. Die Regie­rung von Ober­bay­ern habe den ihr zuste­hen­den pla­ne­ri­schen Spiel­raum nicht über­schrit­ten. Die Plan­fest­stel­lung ver­sto­ße nicht gegen zwin­gen­des Recht.

Hin­sicht­lich der Bedarfs­pro­gno­se für eine 3. Start- und Lan­de­bahn konn­ten nach Auf­fas­sung des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs kei­ne durch­grei­fen­den Män­gel fest­ge­stellt wer­den. Die vor­lie­gen­den Gut­ach­ten wie­sen mit ver­tret­ba­rer Metho­dik einen hin­rei­chen­den Ver­kehrs­be­darf aus. Dabei kom­me es nicht auf die heu­ti­ge Per­spek­ti­ve, son­dern auf die­je­ni­ge bei Erlass des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses im Juli 2011 an. Durch­grei­fen­de Män­gel ergä­ben sich fer­ner nicht aus der Art und Wei­se der Durch­füh­rung des behörd­li­chen Ver­fah­rens, der Fest­le­gung und Gewich­tung der pla­ne­ri­schen Zie­le, der Aus­wahl des plan­fest­ge­stell­ten Vor­ha­bens aus einer Viel­zahl geprüf­ter Vari­an­ten oder der Län­ge der geplan­ten 3. Bahn von 4.000 Metern.

Die zu erwar­ten­den zusätz­li­chen Belas­tun­gen der Anwoh­ner durch eine nicht uner­heb­li­che Meh­rung des Flug­lärms oder durch Luft­schad­stof­fe hal­ten sich nach den Fest­stel­lun­gen des Gerichts inner­halb der vom Gesetz- bzw. Ver­ord­nungs­ge­ber gezo­ge­nen Gren­zen. Unzu­mut­ba­ren Gefah­ren, nament­lich etwa durch sog. Wir­bel­schlep­pen (von Flug­zeu­gen aus­ge­hen­de, teil­wei­se bis zum Boden absin­ken­de Luft­wir­bel) oder durch poten­zi­el­le Flug­un­fäl­le, wäre die Nach­bar­schaft des Flug­ha­fens nach Über­zeu­gung des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs im Zuge von Errich­tung und Betrieb einer 3. Start und Lan­de­bahn eben­falls nicht aus­ge­setzt.

Im Pri­vat­ei­gen­tum von Klä­gern ste­hen­de Grund­stü­cke wür­den – gemes­sen an der Eigen­tums­ga­ran­tie des Grund­ge­set­zes – nicht zu Unrecht für das im Wohl der All­ge­mein­heit lie­gen­de Vor­ha­ben in Anspruch genom­men. Auch das sog. Ent­schä­di­gungs­ge­biet für Über­nah­me­an­sprü­che im Frei­sin­ger Orts­teil Atta­ching habe die Regie­rung von Ober­bay­ern im Plan­fest­stel­lungs­be­schluss nicht zu klein­räu­mig fest­ge­setzt. Inner­halb die­ses Gebiets kön­nen Eigen­tü­mer wegen der dor­ti­gen Inten­si­tät der Belas­tun­gen gegen Über­eig­nung ihrer Grund­stü­cke an den Flug­ha­fen­be­trei­ber eine Ent­schä­di­gung in Höhe des Ver­kehrs­werts ver­lan­gen. Nach Auf­fas­sung des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs ver­lie­ren Wohn­grund­stü­cke jeden­falls außer­halb die­ses Gebiets durch die zu erwar­ten­den Aus­wir­kun­gen der geplan­ten 3. Start- und Lan­de­bahn nicht in einem Maß an Wert, der die Recht­mä­ßig­keit des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses in Zwei­fel zieht.

In recht­lich geschütz­te Belan­ge der kla­gen­den Kom­mu­nen sowie des Land­krei­ses Frei­sing, nament­lich in die kom­mu­na­le Pla­nungs­ho­heit, grei­fe die geplan­te Errich­tung einer 3. Start- und Lan­de­bahn nicht unzu­läs­sig ein.

Der Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ver­moch­te auch kei­ne durch­grei­fen­den Ver­stö­ße des plan­fest­ge­stell­ten Vor­ha­bens gegen natio­na­les oder euro­päi­sches Natur­schutz­recht zu erken­nen. Zwar stel­le die geplan­te 3. Start- und Lan­de­bahn nicht zuletzt einen erheb­li­chen Ein­griff in das im Flug­ha­fen­be­reich gele­ge­ne Euro­päi­sche Vogel­schutz­ge­biet "Nörd­li­ches Erdin­ger Moos" dar. Ein sol­cher Ein­griff, unter ande­rem mit Aus­wir­kun­gen zulas­ten euro­pä­isch geschütz­ter Vogel­ar­ten wie bei­spiels­wei­se Kie­bitz oder Gro­ßer Brach­vo­gel, sei jedoch aus­nahms­wei­se ins­be­son­de­re des­halb recht­lich zuläs­sig, weil im maß­geb­li­chen Zeit­punkt des Erlas­ses des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses zwin­gen­de Grün­de des über­wie­gen­den öffent­li­chen Inter­es­ses für das Vor­ha­ben strit­ten. Zudem sei­en die von der Regie­rung von Ober­bay­ern ange­ord­ne­ten umfang­rei­chen natur­schutz­fach­li­chen Aus­gleich­maß­nah­men hin­rei­chend. Die gewähr­ten Aus­nah­men von arten­schutz­recht­li­chen Ver­bo­ten sei­en im Ergeb­nis nicht zu bean­stan­den. Vor­schrif­ten zuguns­ten des Schut­zes von Kli­ma und Was­ser stün­den dem Vor­ha­ben nicht ent­ge­gen.

Baye­ri­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Febru­ar 2014 – 8 A 11.40040 u.a.