Die Demo am 1. Mai

Die Ände­rung der Stre­cken­füh­rung einer Demons­tra­ti­on ist dann recht­mä­ßig, wenn nach der Gefah­ren­pro­gno­se damit zu rech­nen ist, dass – wie in vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­ren – mit erheb­li­chen Aus­schrei­tun­gen zu rech­nen ist und bei der ursprüng­li­chen Stre­cken­füh­rung eine erheb­li­che Gefahr für Leib und Leben von Ver­samm­lungs­teil­neh­mern, Poli­zei­be­am­ten und sons­ti­gen Per­so­nen zu befürch­ten ist.

Die Demo am 1. Mai

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Fall der für den 1. Mai 2013 in Ber­lin ange­mel­de­ten "Revo­lu­tio­nä­ren 1. Mai Demo", des­sen Stre­cken­füh­rung durch den Poli­zei­prä­si­den­ten abge­än­dert wor­den ist. Die Demons­tra­ti­on soll­te vom Lau­sit­zer Platz bis Unter den Lin­den ursprüng­lich ent­lang der Rudi-Dutsch­ke-Stra­ße, Koch­stra­ße und Wil­helm­stra­ße bis an die Leip­zi­ger Stra­ße her­an füh­ren. Der Poli­zei­prä­si­dent hat dies jedoch u.a. zum Schutz der Glas­front der Axel-Sprin­ger-Pas­sa­ge und des gegen­über lie­gen­den Job­cen­ter Fried­richs­hain-Kreuz­berg unter­sagt und ange­ord­net, dass der Auf­zug statt­des­sen ab der Kreu­zung Oranienstraße/​Lindenstraße/​Rudi-Dutsch­ke-Stra­ße/A­xel-Sprin­ger-Stra­ße über die Axel-Sprin­ger-Stra­ße und Leip­zi­ger Stra­ße zur Wil­helm­stra­ße zu füh­ren ist. Dage­gen hat sich der Anmel­der der Demons­tra­ti­on gewehrt und das Ver­wal­tungs­ge­richt ange­ru­fen.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­gwe­richts Ber­lin ste­he die Demons­tra­ti­on in der Tra­di­ti­on der Auf­zü­ge der ver­gan­ge­nen Jah­re und wer­de von den­sel­ben lin­ken bis links­ex­tre­mis­ti­schen Grup­pie­run­gen getra­gen. Auch in die­sem Jahr sei mit erheb­li­chen gewalt­tä­ti­gen Aus­schrei­tun­gen zu rech­nen. Die lan­ge Glas­front der Axel-Sprin­ger-Pas­sa­ge und das gegen­über lie­gen­de Job­cen­ter Fried­richs­hain-Kreuz­berg sei­en als tra­di­tio­nel­le Reiz­ob­jek­te der Sze­ne beson­ders gefähr­det. Neben der Beschä­di­gung der Glas­front der Pas­sa­ge sei eine erheb­li­che Gefahr für Leib und Leben von Ver­samm­lungs­teil­neh­mern, Poli­zei­be­am­ten und sons­ti­gen Per­so­nen durch Glas­bruch­stü­cke zu befürch­ten. Dage­gen wer­de das Selbst­be­stim­mungs­recht des Anmel­ders, die Weg­stre­cke der Demons­tra­ti­on selbst zu bestim­men, durch die Rou­ten­än­de­rung nur gering­fü­gig beein­träch­tigt.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschluss vom 29. April 2013 – 1 L 130.13