Die ille­ga­len Par­tei­spen­den der AfD-Fraktionsvorsitzenden

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin hat die Kla­ge der Par­tei „Alter­na­ti­ve für Deutsch­land“ gegen den wegen ille­ga­ler Par­tei­spen­den ergan­ge­nen Zah­lungs­be­scheid des Bun­des­tags­prä­si­den­ten abge­wie­sen. Die AfD muss daher wegen der Annah­me anony­mer Spen­den eine Sank­ti­on in Höhe von ca. 396.000 € an die Ver­wal­tung des Deut­schen Bun­des­tags zahlen.

Die ille­ga­len Par­tei­spen­den der AfD-Fraktionsvorsitzenden

Vor der Bun­des­tags­wahl 2017 gin­gen auf dem Geschäfts­kon­to des Kreis­ver­bands Boden­see­kreis der AfD 17 Ein­zel­zah­lun­gen in Höhe von ins­ge­samt ca. 132.000 Euro ein. Die Über­wei­sun­gen erfolg­ten durch zwei schwei­ze­ri­sche Unter­neh­men und hat­ten den Ver­wen­dungs­zweck „Wahl­kampf­spen­de Ali­ce Wei­del Social Media“. Die Schatz­meis­te­rin des Kreis­ver­bands über­wies die ein­ge­gan­ge­nen Gel­der jeweils ca. einen Monat nach deren Ein­gang auf ein wei­te­res Kon­to des Kreis­ver­bands, für das sie und Frau Dr. Wei­del ver­fü­gungs­be­rech­tigt waren. Im April 2018 über­wies die Kreis­schatz­meis­te­rin die Spen­den mit Aus­nah­me einer Ein­zel­spen­de an eines der schwei­ze­ri­schen Unter­neh­men zurück. Die nicht zurück­über­wie­se­ne Spen­de lei­te­te der AfD-Bun­des­ver­band spä­ter an den Bun­des­tags­prä­si­den­ten weiter.

Nach­dem im Novem­ber 2018 ver­schie­de­ne Medi­en über die Spen­den berich­tet hat­ten und sich her­aus­stell­te, dass die bei­den schwei­ze­ri­schen Unter­neh­men nicht die wirk­li­chen Spen­der waren, erließ der Prä­si­dent des Deut­schen Bun­des­tags einen Bescheid und ver­pflich­te­te die Klä­ge­rin zur Zah­lung in Höhe des Drei­fa­chen der rechts­wid­rig ange­nom­me­nen Spen­de. Hier­ge­gen wand­te sich die Klä­ge­rin mit der Begrün­dung, bei den Spen­den han­de­le es sich um Direkt­spen­den an Ali­ce Wei­del, die nicht dem Par­tei­en­gesetz unterfielen.

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Die­ser Argu­men­ta­ti­on folg­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin nicht:

Soge­nann­te Direkt­spen­den sei­en nur sol­che Spen­den, die direkt also ohne Umweg über die Par­tei­kas­se einem Par­tei­mit­glied (z.B. einem Abge­ord­ne­ten, sons­ti­gen Man­dats­trä­ger oder Wahl­kampf­kan­di­da­ten) für sei­ne eige­nen poli­ti­schen Zwe­cke zuge­wandt werden.

Bei den 17 Zah­lun­gen han­de­le es sich hin­ge­gen um Spen­den im Sin­ne des Par­tei­en­geset­zes. Denn die Zuwen­dun­gen sei­en unmit­tel­bar auf dem Par­tei­kon­to ein­ge­gan­gen, wirt­schaft­lich der Par­tei zuge­flos­sen und auch nach der Umbu­chung im Ver­fü­gungs­be­reich der Par­tei ver­blie­ben. Der ange­ge­be­ne Ver­wen­dungs­zweck ste­he dem nicht ent­ge­gen, denn es gebe auch zweck­ge­bun­de­ne Parteispenden.

Die AfD habe die Spen­den auch nicht unver­züg­lich, son­dern erst zwi­schen sie­ben und neun Mona­ten nach Zah­lungs­ein­gang an die Spen­der zurück­über­wie­sen. Die Annah­me der Spen­den sei unzu­läs­sig, weil der wirk­li­che Spen­der der Par­tei nicht bekannt gewe­sen sei. Auch die Wei­ter­lei­tung der rest­li­chen Ein­zel­spen­de an die Bun­des­tags­ver­wal­tung sei nicht unver­züg­lich erfolgt. 

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 16. Juni 2021 – VG 2 K 209/​20

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