Die­sel­fahr­zeu­ge: Soft­ware Update oder Still­le­gung

Bei Die­sel­fahr­zeu­gen, die werks­sei­tig mit einer unzu­läs­si­gen Abschalt­ein­rich­tung ver­se­hen sind, darf der Betrieb der Pkw ver­sagt wer­den, wenn die Fahr­zeug­hal­ter die Nach­rüs­tung ver­wei­gern.

Die­sel­fahr­zeu­ge: Soft­ware Update oder Still­le­gung

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len ent­schie­den und die Kla­gen von sechs Fahr­zeug­hal­tern abge­wie­sen. Geklagt hat­ten die Hal­ter von Pkw der Mar­ke VW, Audi und Ško­da, die mit einem Die­sel­mo­tor des Typs EA 189 ( EURO 5 ) aus­ge­stat­tet und werks­sei­tig mit einer Abschalt­ein­rich­tung ver­se­hen sind. Die­se sog. Schum­mel­soft­ware bewirkt auf dem Prüf­stand nied­ri­ge­re Abgas­wer­te als im Stra­ßen­be­trieb. Da die Klä­ger auch nach schrift­li­cher Auf­for­de­rung zur Män­gel­be­sei­ti­gung nicht an der vom Kraft­fahrt Bun­des­amt (KBA) ange­ord­ne­ten Rück­ruf­ak­ti­on der Her­stel­ler teil­nah­men und kein Soft­ware Update auf­spie­len lie­ßen, unter­sag­ten die Lan­des­haupt­stadt Mün­chen bzw. die Land­rats­äm­ter Erding und Lands­berg am Lech den Betrieb der Pkw im öffent­li­chen Ver­kehr. Dage­gen haben sechs Fahr­zeug­hal­ter Kla­ge erho­ben und gel­tend gemacht, es sei ihnen nicht zumut­bar, das Update auf­spie­len zu las­sen.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen aus­ge­führt, dass die Pkw durch das Soft­ware Update wie­der der vom KBA aus­ge­spro­che­nen Typen­ge­neh­mi­gung ent­spre­chen wür­den. Außer­dem wür­de allein dadurch die Vor­schrifts­mä­ßig­keit wie­der­her­ge­stellt wer­den. Soll­te das Update – wie von den Klä­gern befürch­tet – tat­säch­lich Män­gel an den Pkw her­vor­ru­fen, sei es ange­sichts des über­wie­gen­den öffent­li­chen Inter­es­ses an einer Redu­zie­rung einer Gesamt­bi­lanz des Stick­oxid­aus­sto­ßes nicht unver­hält­nis­mä­ßig, das Update zu for­dern. Hin­sicht­lich etwai­ger aus dem Update fol­gen­der Schä­den kön­ne der Fahr­zeug­hal­ter dar­auf ver­wie­sen wer­den, die­se gegen­über dem Pkw-Her­stel­ler bzw. Händ­ler gel­tend zu machen. Letzt­lich neh­me die Betriebs­un­ter­sa­gung den Klä­gern auch kei­ne Beweis­mög­lich­kei­ten in einem Zivil­pro­zess.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Mün­chen, sei ein "maß­vol­les Vor­ge­hen" der Behör­den ange­zeigt, da letzt­lich nicht die Fahr­zeug­hal­ter für die Ent­ste­hung des Abgas­skan­dals ver­ant­wort­lich sei­en. Im Sin­ne eines maß­vol­len Vor­ge­hens müss­ten die Behör­den bspw. vor­ran­gig ein Zwangs­geld andro­hen, bevor die zwangs­wei­se Außer­be­trieb­set­zung ange­droht wer­den dür­fe.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen hat die Beru­fung wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung der Sache zuge­las­sen. Die unter­le­ge­nen Klä­ger kön­nen gegen die Urtei­le inner­halb eines Monats nach Bekannt­ga­be der voll­stän­di­gen Ent­schei­dungs­grün­de beim Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in Mün­chen unmit­tel­bar Beru­fung ein­le­gen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen, Urtei­le vom 28. Novem­ber 2018 – M 23 K 18.2902 u.a.