Ent­eig­nun­gen für den Braun­koh­le-Tage­bau

Nach Art. 14 Abs. 3 GG kann eine Ent­eig­nung nur durch ein hin­rei­chend gewich­ti­ges Gemein­wohl­ziel gerecht­fer­tigt wer­den, des­sen Bestim­mung dem par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­ber auf­ge­ge­ben ist. Das Gesetz muss hin­rei­chend bestimmt regeln, zu wel­chem Zweck, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen und für wel­che Vor­ha­ben ent­eig­net wer­den darf. Allein die Ermäch­ti­gung zur Ent­eig­nung für „ein dem Wohl der All­ge­mein­heit die­nen­des Vor­ha­ben“ genügt dem nicht.

Ent­eig­nun­gen für den Braun­koh­le-Tage­bau

Dient eine Ent­eig­nung einem Vor­ha­ben, das ein Gemein­wohl­ziel im Sin­ne des Art. 14 Abs. 3 Satz 1 GG för­dern soll, muss das ent­eig­ne­te Gut unver­zicht­bar für die Ver­wirk­li­chung die­ses Vor­ha­bens sein. Das Vor­ha­ben ist erfor­der­lich im Sin­ne des Art. 14 Abs. 3 GG, wenn es zum Wohl der All­ge­mein­heit ver­nünf­ti­ger­wei­se gebo­ten ist, indem es einen sub­stan­ti­el­len Bei­trag zur Errei­chung des Gemein­wohl­ziels leis­tet.

Eine Ent­eig­nung erfor­dert eine Gesamt­ab­wä­gung zwi­schen den für das kon­kre­te Vor­ha­ben spre­chen­den Gemein­wohl­be­lan­gen einer­seits und den durch sei­ne Ver­wirk­li­chung beein­träch­tig­ten öffent­li­chen und pri­va­ten Belan­gen ande­rer­seits.

Der Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes gegen Ver­let­zun­gen der Eigen­tums­ga­ran­tie wird nur genügt, wenn Rechts­schutz gegen einen Eigen­tums­ent­zug so recht­zei­tig eröff­net wird, dass im Hin­blick auf Vor­fest­le­gun­gen oder den tat­säch­li­chen Voll­zug des die Ent­eig­nung erfor­dern­den Vor­ha­bens eine grund­sätz­lich ergeb­nis­of­fe­ne Über­prü­fung aller Ent­eig­nungs­vor­aus­set­zun­gen rea­lis­tisch erwar­tet wer­den kann.

Das Grund­recht auf Frei­zü­gig­keit berech­tigt nicht dazu, an Orten im Bun­des­ge­biet Auf­ent­halt zu neh­men und zu ver­blei­ben, an denen Rege­lun­gen zur Boden­ord­nung oder Boden­nut­zung einem Dau­er­auf­ent­halt ent­ge­gen­ste­hen, sofern sie all­ge­mein gel­ten und nicht gezielt die Frei­zü­gig­keit bestimm­ter Per­so­nen oder Per­so­nen­grup­pen ein­schrän­ken sol­len.

Art. 14 GG schützt den Bestand des kon­kre­ten (Wohn-)Eigentums auch in des­sen gewach­se­nen Bezü­gen in sozia­ler Hin­sicht, soweit sie an ört­lich ver­fes­tig­ten Eigen­tums­po­si­tio­nen anknüp­fen. Art. 14 GG ver­mit­telt den von groß­flä­chi­gen Umsied­lungs­maß­nah­men in ihrem Eigen­tum Betrof­fe­nen einen Anspruch dar­auf, dass bei der Gesamt­ab­wä­gung das kon­kre­te Aus­maß der Umsied­lun­gen und die mit ihnen für die ver­schie­de­nen Betrof­fe­nen ver­bun­de­nen Belas­tun­gen berück­sich­tigt wer­den.

Bei Groß­vor­ha­ben, die mit Umsied­lun­gen und Ent­eig­nun­gen ver­bun­den sind, kon­sta­tiert das Bun­des­er­fas­sungs­ge­richt nun­mehr, dass bereits bei der Vor­ha­ben­zu­las­sung eine Gesamt­ab­wä­gung aller öffent­li­chen und pri­va­ten Belan­ge erfor­der­lich ist, die für und gegen das Vor­ha­ben spre­chen. Die­se Gesamt­ab­wä­gung ist Auf­ga­be der Fach­be­hör­den und vor­ran­gig von den Fach­ge­rich­ten zu über­prü­fen; das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt beschränkt sich auf eine Kon­trol­le unter ver­fas­sungs­recht­li­chen Aspek­ten. Rechts­schutz muss den Betrof­fe­nen hier­bei bereits gegen die Vor­ha­ben­zu­las­sung gewährt wer­den.

Im kon­kre­ten Fall zwei­er Ver­fas­sungs­be­schwer­den eines betrof­fe­nen Grund­stücks­ei­gen­tü­mers sowie des Bun­des für Umwelt und Natur­schutz Deutsch­land e.V. (BUND) ent­schied das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nun­mehr, dass die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans für den Tage­bau Garz­wei­ler den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen genügt, nicht aber die dar­auf auf­bau­en­de kon­kre­te Ent­eig­nung eines Natur­schutz­ver­ban­des. Inso­weit ver­bleibt es jedoch bei einer Fest­stel­lung der Grund­rechts­ver­let­zung, da die Kla­ge auch bei Zurück­ver­wei­sung an die Fach­ge­rich­te kei­nen wei­ter­ge­hen­den Erfolg haben könn­te.

Garz­wei­ler und der Braun­koh­le­ta­ge­bau[↑]

Der Abbau von Braun­koh­le in Deutsch­land erfolgt in groß­flä­chi­gen Tage­bau­en. Für die öko­no­misch sinn­vol­le Rea­li­sie­rung von Vor­ha­ben sind regel­mä­ßig die Inan­spruch­nah­me besie­del­ter Flä­chen und damit auch die Umsied­lung gan­zer Ort­schaf­ten not­wen­dig. Die gewon­ne­ne Braun­koh­le wird zum weit über­wie­gen­den Teil zur Ver­stro­mung ein­ge­setzt. Der Anteil von Braun­koh­le an der Strom­erzeu­gung in Deutsch­land liegt seit Jah­ren bei über 20 Pro­zent.

In Nord­rhein-West­fa­len wird Braun­koh­le auf der gesetz­li­chen Grund­la­ge des Lan­des­pla­nungs­rechts und des Berg­rechts gewon­nen.

Das Lan­des­pla­nungs­ge­setz in der Fas­sung von 1994 (LPlG 1994) 1 sieht für die Gewin­nung von Braun­koh­le eine beson­de­re Form der Lan­des­pla­nung in Gestalt von Braun­koh­len­plä­nen vor.

Die Braun­koh­len­plä­ne legen im Braun­koh­len­plan­ge­biet Zie­le der Raum­ord­nung und Lan­des­pla­nung fest, soweit es für eine geord­ne­te Braun­koh­len­pla­nung erfor­der­lich ist (§ 24 Abs. 1 LPlG 1994). Das Braun­koh­len­plan­ge­biet umfasst gemäß § 25 Abs. 2 LPlG 1994 ganz oder zum Teil das Gebiet der Krei­se Aachen, Düren, Eus­kir­chen, Erft­kreis, Heins­berg, Neuss, Rhein-Sieg-Kreis, Vier­sen sowie der kreis­frei­en Städ­te Köln und Mön­chen­glad­bach; die Abgren­zung im Ein­zel­nen über­lässt das Lan­des­pla­nungs­ge­setz einer Rechts­ver­ord­nung (§ 25 Abs. 3 LPlG 1994; vgl. die Ver­ord­nung über die Abgren­zung des Braun­koh­len­plan­ge­bie­tes vom 31.10.1989 2). Auf­ge­stellt wird ein Braun­koh­len­plan vom Braun­koh­len­aus­schuss, einem Son­der­aus­schuss des Bezirks­pla­nungs­ra­tes des Regie­rungs­be­zirks Köln (vgl. §§ 26 ff. LPlG 1994). Bei Auf­stel­lung eines Braun­koh­len­pla­nes ist in aller Regel eine Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung (§ 24 Abs. 3 LPlG 1994) und eine Prü­fung der Sozi­al­ver­träg­lich­keit durch­zu­füh­ren (§ 32 Abs. 1 LPlG 1994); außer­dem fin­det eine förm­li­che Betei­li­gung der Öffent­lich­keit statt (§ 33 LPlG 1994). Braun­koh­len­plä­ne bedür­fen der Geneh­mi­gung der Lan­des­pla­nungs­be­hör­de im Ein­ver­neh­men mit den fach­lich zustän­di­gen Minis­te­ri­en und im Beneh­men mit dem für die Lan­des­pla­nung zustän­di­gen Aus­schuss des Land­tags (§ 34 Abs. 1 Satz 1 LPlG 1994).

Braun­koh­le ist gemäß § 3 Abs. 2 BBergG 3 ein berg­frei­er Boden­schatz. Wer Braun­koh­le gewin­nen will, bedarf gemäß § 6 Satz 1 BBergG der Bewil­li­gung oder des Berg­werks­ei­gen­tums.

Gewin­nungs­be­trie­be dür­fen nur auf Grund von Plä­nen geführt wer­den, die vom Unter­neh­mer auf­ge­stellt und von der zustän­di­gen Behör­de zuge­las­sen wor­den sind (§ 51 Abs. 1 Satz 1 BBergG). Für die Errich­tung und Füh­rung eines Betrie­bes sind Haupt­be­triebs­plä­ne für einen in der Regel zwei Jah­re nicht über­schrei­ten­den Zeit­raum auf­zu­stel­len (§ 52 Abs. 1 Satz 1 BBergG). Die zustän­di­ge Behör­de kann ver­lan­gen, dass für einen bestimm­ten län­ge­ren, nach den jewei­li­gen Umstän­den bemes­se­nen Zeit­raum Rah­men­be­triebs­plä­ne auf­ge­stellt wer­den, die all­ge­mei­ne Anga­ben über das beab­sich­tig­te Vor­ha­ben, des­sen tech­ni­sche Durch­füh­rung und vor­aus­sicht­li­chen zeit­li­chen Ablauf ent­hal­ten müs­sen (§ 52 Abs. 2 Nr. 1 BBergG). Die Zulas­sung eines Betriebs­pla­nes im Sin­ne des § 52 BBergG hängt von der Erfül­lung der in § 55 Abs. 1 BBergG genann­ten Vor­aus­set­zun­gen ab, die vor­nehm­lich den Schutz vor betrieb­li­chen Gefah­ren im Blick haben, und dane­ben von der Ein­hal­tung der all­ge­mei­nen Ver­bo­te und Beschrän­kun­gen nach § 48 BBergG.

Die zwangs­wei­se Inan­spruch­nah­me eines Grund­stücks für berg­bau­li­che Zwe­cke erfolgt im Wege der so genann­ten Grund­ab­tre­tung. Vor­schrif­ten über deren "Zuläs­sig­keit und Vor­aus­set­zun­gen" ent­hal­ten die §§ 77 ff. BBergG. § 79 Abs. 1 BBergG macht die Zuläs­sig­keit der Grund­ab­tre­tung davon abhän­gig, dass sie dem Wohl der All­ge­mein­heit dient, indem nament­lich die Ver­sor­gung des Mark­tes mit Roh­stof­fen, die Erhal­tung der Arbeits­plät­ze im Berg­bau, der Bestand oder die Ver­bes­se­rung der Wirt­schafts­struk­tur oder der sinn­vol­le und plan­mä­ßi­ge Abbau der Lager­stät­te gesi­chert wer­den sol­len.

Der Braun­koh­len­ta­ge­bau "Garz­wei­ler" ist benannt nach dem im Abbau­ge­biet lie­gen­den ehe­ma­li­gen Orts­teil Garz­wei­ler der Gemein­de Jüchen. Dem ers­ten Abschnitt des Gesamt­vor­ha­bens lag der Braun­koh­len­plan Frim­mers­dorf (Garz­wei­ler I) aus dem Jahr 1984 zugrun­de. Im Jahr 1987 stell­te die Rhein­braun AG, eine Rechts­vor­gän­ge­rin der in den Aus­gangs­ver­fah­ren bei­gela­de­nen RWE Power AG, den Antrag auf Auf­stel­lung und Geneh­mi­gung eines Braun­koh­len­pla­nes für das Abbau­ge­biet Garz­wei­ler II.

Der Braun­koh­len­aus­schuss stell­te durch Beschluss vom 20.12.1994 den Braun­koh­len­plan Garz­wei­ler II auf. Die­sen geneh­mig­te das Minis­te­ri­um für Umwelt, Raum­ord­nung und Land­wirt­schaft des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len am 31.03.1995.

Der Geneh­mi­gung wie auch dem Braun­koh­len­plan lagen zugrun­de die "Leit- ent­schei­dun­gen zur künf­ti­gen Braun­koh­len­po­li­tik" der Lan­des­re­gie­rung Nord­rhein-West­fa­len vom Sep­tem­ber 1987 und deren ergän­zen­de "Leit­ent­schei­dun­gen zum Braun­koh­len­ab­bau­vor­ha­ben Garz­wei­ler II" vom Sep­tem­ber 1991. Die Leit­ent­schei­dun­gen von 1987 stütz­ten sich wesent­lich auf die Stu­die "Ener­gie­s­ze­na­ri­en Nord­rhein-West­fa­len" der PROGNOS AG und die das Abbau­vor­ha­ben Garz­wei­ler II betref­fen­den Leit­ent­schei­dun­gen aus dem Jahr 1991 auf eine ergän­zen­de Unter­su­chung die­ses Unter­neh­mens. In den Leit­ent­schei­dun­gen zum Tage­bau­vor­ha­ben Garz­wei­ler II sah sich die Lan­des­re­gie­rung auch nach noch­ma­li­ger Über­prü­fung in ihrem in den Leit­ent­schei­dun­gen von 1987 beschlos­se­nen ener­gie­po­li­ti­schen Kon­zept bestä­tigt. Danach soll trotz der erheb­li­chen Belas­tun­gen für die umzu­sie­deln­den Men­schen und für die Umwelt jeden­falls mit­tel­fris­tig an der Braun­koh­le als sicher, aus­rei­chend und kos­ten­güns­tig ver­füg­ba­rem Ener­gie­trä­ger fest­ge­hal­ten wer­den. Bei dem Anschluss­ta­ge­bau Garz­wei­ler II sei­en gegen­über alter­na­tiv im Braun­koh­len­plan­ge­biet in Fra­ge kom­men­den Neu­auf­schlüs­sen weni­ger Men­schen betrof­fen und eine gerin­ge­re Lan­dinan­spruch­nah­me erfor­der­lich. Ins­be­son­de­re wegen der hohen was­ser­wirt­schaft­lich-öko­lo­gi­schen Belas­tun­gen müs­se die von dem Unter­neh­men bean­trag­te Abbau­flä­che des Anschluss­ta­ge­baus Garz­wei­ler II aller­dings um etwa ein Drit­tel redu­ziert wer­den, was auch die Zahl der betrof­fe­nen Ein­woh­ner von rund 11.800 auf etwa 7.500 sin­ken las­se.

Im Ver­fah­ren zur Auf­stel­lung des Braun­koh­len­plans Garz­wei­ler II wur­den eine Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung und eine Sozi­al­ver­träg­lich­keits­prü­fung durch­ge­führt. Letz­te­re mün­de­te für die bis etwa 2008 vom Abbau betrof­fe­nen Ort­schaf­ten in einer genaue­ren Umsied­lungs­pla­nung. Im Plan­auf­stel­lungs­ver­fah­ren fand eine Betei­li­gung der Öffent­lich­keit mit einem mehr­wö­chi­gen Erör­te­rungs­ter­min im März 1994 statt.

Der Braun­koh­len­plan Garz­wei­ler II legt als raum­ord­ne­ri­sches Ziel fest, dass im Abbau­be­reich, des­sen all­ge­mei­ne Grö­ßen­ord­nung und annä­hern­de räum­li­che Lage durch die zeich­ne­risch dar­ge­stell­te Abbau­gren­ze bestimmt ist, die Gewin­nung von Braun­koh­le grund­sätz­lich Vor­rang vor ande­ren Nut­zungs- und Funk­ti­ons­an­sprü­chen hat. Inner­halb des so umris­se­nen Abbau­ge­biets liegt auch der Orts­teil Immer­ath der Stadt Erkel­enz. Mit der fest­ge­leg­ten Abbau­gren­ze wird nach den Erläu­te­run­gen zum Braun­koh­len­plan der Abbau­be­reich – den Leit­ent­schei­dun­gen der Lan­des­re­gie­rung ent­spre­chend – gegen­über dem Antrag der Rhein­braun AG um 1.763 Hekt­ar oder 27 Pro­zent ver­klei­nert. Die gewinn­ba­re Koh­le­men­ge redu­ziert sich dadurch um 300 Mil­lio­nen Ton­nen oder 19 Pro­zent. Die Grö­ße des dar­ge­stell­ten Abbau­be­rei­ches liegt danach bei 4.800 Hekt­ar mit einem Koh­le­vor­rat von 1,3 Mil­li­ar­den Ton­nen.

Mit Bescheid vom 16.02.2005 geneh­mig­te das Minis­te­ri­um für Ver­kehr, Ener­gie und Lan­des­pla­nung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len den Braun­koh­len­plan "Umsied­lung Immer­ath-Pesch-Lüt­zerath", der auf der Grund­la­ge des Braun­koh­len­plans Garz­wei­ler II die Umsied­lung die­ser Ort­schaf­ten näher aus­ar­bei­te­te. Dabei bestä­tig­te die Geneh­mi­gungs­be­hör­de unter Ein­be­zie­hung neue­rer wis­sen­schaft­li­cher Gut­ach­ten, dass die För­de­rung hei­mi­scher Braun­koh­le und ihre Ver­stro­mung in Nord­rhein-West­fa­len im Rah­men eines aus­ge­wo­ge­nen Ener­gie­mi­xes ange­sichts stei­gen­der Import­ab­hän­gig­keit auch künf­tig gro­ße Bedeu­tung haben wer­de und des­halb am Aus­bau­kon­zept fest­ge­hal­ten wer­de.

Nahe­zu zeit­gleich mit dem Antrag auf Auf­stel­lung und Geneh­mi­gung eines Braun­koh­len­pla­nes für das Abbau­ge­biet Garz­wei­ler II leg­te die Rechts­vor­gän­ge­rin der Bei­gela­de­nen dem sei­ner­zei­ti­gen Berg­amt Köln einen für den Abbau­zeit­raum 1997 – 2045 kon­zi­pier­ten Rah­men­be­triebs­plan "Garz­wei­ler I/​II" vor. Mit Rück­sicht auf das andau­ern­de Braun­koh­len­plan­ver­fah­ren bean­trag­te sie im Jahr 1992 eine Teil­zu­las­sung betref­fend Flä­chen, die im Abbau­be­reich Frim­mers­dorf (Garz­wei­ler I) gele­gen sind. Die Teil­zu­las­sung wur­de im Jahr 1994 aus­ge­spro­chen.

Die bei­den Aus­gangs­ver­fah­ren[↑]

  1. Der Beschwer­de­füh­rer des ers­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­rens 4 ist Eigen­tü­mer eines im Abbau­ge­biet lie­gen­den Grund­stücks im Orts­teil Immer­ath der Stadt Erkel­enz, das mit einem selbst genutz­ten Wohn­haus bebaut ist. Mit sei­ner Ver­fas­sungs­be­schwer­de greift er den Zulas­sungs­be­scheid des Berg­amts Düren sowie die ihn bestä­ti­gen­den behörd­li­chen und ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen an 5
  2. Der Beschwer­de­füh­rer des zwei­ten Ver­fah­rens 6 ist ein in Nord­rhein-West­fa­len aner­kann­ter Natur­schutz­ver­band. Er erwarb im Jahr 1998 das Eigen­tum an einem Grund­stück, das für das Abbau­vor­ha­ben in Anspruch genom­men wer­den soll­te. Mit Beschluss vom 9. Juni 2005 ent­zog die Bezirks­re­gie­rung Arns­berg ihm das Eigen­tum an dem Grund­stück und über­trug es auf die Vor­ha­ben­trä­ge­rin. Mit sei­ner Ver­fas­sungs­be­schwer­de greift der Beschwer­de­füh­rer die­sen Grund­ab­tre­tungs­be­schluss und die ihn bestä­ti­gen­den Gerichts­ent­schei­dun­gen 7 an.

Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen den Grund­ab­tre­tungs­be­schluss[↑]

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de des BUND, die sich unmit­tel­bar gegen den Grund­ab­tre­tungs­be­schluss und die sei­ne Recht­mä­ßig­keit bestä­ti­gen­den Gerichts­ent­schei­dun­gen sowie mit­tel­bar gegen die dem Grund­ab­tre­tungs­be­schluss zugrun­de lie­gen­den gesetz­li­chen Rege­lun­gen der §§ 77 und 79 BBergG rich­tet, ist zuläs­sig, soweit der Beschwer­de­füh­rer eine Ver­let­zung des Eigen­tums­grund­rechts und der grund­rechts­glei­chen Gewähr­leis­tung effek­ti­ven Rechts­schut­zes rügt. Soweit der Beschwer­de­füh­rer einen Ver­stoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG durch den Beschluss des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts über die Beschwer­de gegen die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on behaup­tet, genügt die Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht den sich aus § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG erge­ben­den Begrün­dungs­an­for­de­run­gen.

Der Zuläs­sig­keit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de steht nicht ent­ge­gen, dass der Beschwer­de­füh­rer gegen das Urteil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len 8, auf­grund des­sen sei­ne Kla­ge gegen die mit die­ser Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht ange­grif­fe­ne Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans für den Braun­koh­len­ta­ge­bau Garz­wei­ler I/​II auch in der Beru­fungs­in­stanz erfolg­los blieb, kei­ne Revi­si­on ein­ge­legt hat, obwohl sie vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zuge­las­sen wor­den war.

Aller­dings ver­langt der in § 90 Abs. 2 BVerfGG zum Aus­druck kom­men­de Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät der Ver­fas­sungs­be­schwer­de, dass Beschwer­de­füh­rer alle nach Lage der Din­ge zur Ver­fü­gung ste­hen­den pro­zes­sua­len Mög­lich­kei­ten ergrei­fen, um die gel­tend gemach­te Grund­rechts­ver­let­zung schon im fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren zu ver­hin­dern oder zu besei­ti­gen 9. Um dem Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät zu genü­gen, kann es auch gebo­ten sein, den Rechts­weg gegen einen Hoheits­akt aus­zu­schöp­fen, der dem ange­grif­fe­nen vor­aus­geht, wenn jener Grund­la­ge der spä­ter bean­stan­de­ten Belas­tung ist. Zwar ent­hält die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans man­gels ent­eig­nungs­recht­li­cher Vor­wir­kung kei­ne recht­lich bin­den­den Vor­ent­schei­dun­gen, die mit einer Kla­ge gegen den Grund­ab­tre­tungs­be­schluss nicht mehr in Fra­ge gestellt wer­den könn­ten, gleich­wohl wäre der Grund­ab­tre­tung ohne den Rah­men­be­triebs­plan die Grund­la­ge ent­zo­gen.

Den­noch war der Beschwer­de­füh­rer hier nicht aus Grün­den der Sub­si­dia­ri­tät der Ver­fas­sungs­be­schwer­de gehal­ten, Revi­si­on gegen das Beru­fungs­ur­teil im Ver­fah­ren über die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans ein­zu­le­gen, da er zum dama­li­gen Zeit­punkt davon aus­ge­hen durf­te, dass die Revi­si­on kei­ne Aus­sicht auf Erfolg haben wür­de. Bei Erge­hen des Beru­fungs­ur­teils ent­sprach es gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, dass die Zulas­sung eines Rah­men­be­triebs­plans das Eigen­tums­recht der von einem Tage­bau betrof­fe­nen Grund­stücks­ei­gen­tü­mer nicht ver­let­zen kann, weil die für den Rah­men­be­triebs­plan und sei­ne Zulas­sung maß­geb­li­chen Bestim­mun­gen des Bun­des­berg­ge­set­zes kei­ne dritt­schüt­zen­de Wir­kung gegen­über den Grund­stücks­ei­gen­tü­mern ent­fal­te­ten; erst der Grund­ab­tre­tungs­be­schluss grei­fe in ihre Rechts­stel­lung ein 10. Einen aus dama­li­ger Sicht im Hin­blick auf die gerüg­te Eigen­tums­ver­let­zung prak­tisch aus­sichts­lo­sen Rechts­be­helf zu ergrei­fen, ver­langt jeden­falls in vor­lie­gen­der Kon­stel­la­ti­on, in der sich das in Fra­ge kom­men­de Rechts­schutz­ver­fah­ren nicht auf den eigent­li­chen Angriffs­ge­gen­stand der Ver­fas­sungs­be­schwer­de bezieht, weder das Sub­si­dia­ri­täts­prin­zip noch das Gebot der Rechts­weg­er­schöp­fung 11. Dass das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt mitt­ler­wei­le mit Urteil vom 29.06.2006 12 im Aus­gangs­ver­fah­ren zu der hier eben­falls ent­schie­de­nen ers­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­de 4 sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung inso­weit auf­ge­ge­ben hat und den Bestim­mun­gen über die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans nun­mehr teil­wei­se dritt­schüt­zen­de Wir­kung zuspricht, ändert hier­an nichts, da es für die Beur­tei­lung, ob die Ein­le­gung eines Rechts­be­helfs zumut­bar ist, auf den Zeit­punkt der Ent­schei­dung hier­über ankommt.

Der Zuläs­sig­keit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de steht in Bezug auf die Ver­let­zung des Grund­ei­gen­tums nicht ent­ge­gen, dass der Beschwer­de­füh­rer das Grund­stück, auf das sich der Grund­ab­tre­tungs­be­schluss bezieht, erst Anfang 1998 und damit zu einem Zeit­punkt erwor­ben hat, zu dem der Rah­men­be­triebs­plan für den Tage­bau Garz­wei­ler I/​II bereits zuge­las­sen war, mit­hin die Inan­spruch­nah­me des Grund­stücks für die­ses Vor­ha­ben fak­tisch fest stand.

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ist für die Kla­ge­be­fug­nis des Eigen­tü­mers eines Grund­stücks, der sich gegen des­sen Beein­träch­ti­gung durch ein Vor­ha­ben wen­det, grund­sätz­lich uner­heb­lich, aus wel­chen Beweg­grün­den er das Eigen­tum an dem Grund­stück erwor­ben hat. Eine ande­re recht­li­che Beur­tei­lung ist nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts aller­dings dann gerecht­fer­tigt, wenn das Eigen­tum nur des­halb erwor­ben wor­den ist, um die Vor­aus­set­zun­gen für eine Pro­zess­füh­rung zu schaf­fen, die nach dem Rechts­schutz­sys­tem der Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung einem Eigen­tü­mer vor­be­hal­ten ist 13. Davon sei aus­zu­ge­hen, wenn die kon­kre­ten Umstän­de ohne Wei­te­res erken­nen lie­ßen, dass an der erwor­be­nen Rechts­stel­lung, wel­che die Kla­ge­be­fug­nis ver­mit­teln sol­le, kein über das Füh­ren eines erwar­te­ten Rechts­streits hin­aus­ge­hen­des Inter­es­se bestehe 14.

Im Ver­fah­ren des Beschwer­de­füh­rers gegen die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans haben Ver­wal­tungs­ge­richt 15 und Ober­ver­wal­tungs­ge­richt 8 jeweils aus­drück­lich offen gelas­sen, ob das Grund­stück als so genann­tes Sperr­grund­stück im Sin­ne die­ser Recht­spre­chung zu behan­deln ist. Im Aus­gangs­ver­fah­ren gegen den Grund­ab­tre­tungs­be­schluss hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt die Kla­ge­be­fug­nis des Beschwer­de­füh­rers aus­drück­lich bejaht 16.

Dem Beschwer­de­füh­rer steht im Hin­blick auf den bean­stan­de­ten Ent­zug des Eigen­tums an sei­nem Grund­stück jeden­falls die für das Ver­fah­ren der Ver­fas­sungs­be­schwer­de erfor­der­li­che Beschwer­de­be­fug­nis zu.

Mit dem Erwerb des Grund­stücks­ei­gen­tums hat der Beschwer­de­füh­rer die unein­ge­schränk­te Rechts­stel­lung eines Eigen­tü­mers erlangt. Als sol­cher kann er sich auf den Schutz des Grund­rechts aus Art. 14 GG beru­fen und ins­be­son­de­re bean­spru­chen, nur durch eine den Anfor­de­run­gen des Art. 14 Abs. 3 GG genü­gen­de Ent­eig­nung den Ver­lust die­ses Eigen­tums hin­neh­men zu müs­sen. Für den Schutz durch das Eigen­tums­grund­recht kommt es in aller Regel weder auf das Motiv für den Grund­er­werb noch auf des­sen Zeit­punkt oder auf die sons­ti­gen Begleit­um­stän­de an. Es genügt die for­ma­le Eigen­tü­merstel­lung, die dem Eigen­tü­mer auch im Übri­gen alle mit dem Eigen­tum ver­bun­de­nen pri­va­ten und öffent­li­chen Rech­te eröff­net. Allen­falls im hier ersicht­lich nicht gege­be­nen Aus­nah­me­fall des Art. 18 GG kann der Eigen­tü­mer den grund­recht­li­chen Eigen­tums­schutz und damit auch die ent­spre­chen­de Beschwer­de­be­fug­nis ver­lie­ren.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist schließ­lich auch nicht des­halb unzu­läs­sig, weil das Grund­stück des Beschwer­de­füh­rers mitt­ler­wei­le – und zwar schon vor Erhe­bung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de – berg­bau­lich in Anspruch genom­men wur­de. Das Grund­stück ist durch den Abbau der Braun­koh­le nicht unter­ge­gan­gen, es besteht als räum­lich abge­grenz­ter Teil der Erd­ober­flä­che (vgl. auch § 905 Satz 1 BGB), wenn auch in ver­än­der­tem Zustand, fort. Der Eigen­tums­ein­griff durch den Ent­zug des Eigen­tums dau­ert an. Durch den Voll­zug der Grund­ab­tre­tung und die tat­säch­li­che Inan­spruch­nah­me des Grund­stücks ist daher weder eine Erle­di­gung ein­ge­tre­ten noch das Rechts­schutz­be­dürf­nis für die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ent­fal­len.

Ent­eig­nung durch die Grund­ab­tre­tung[↑]

Der Beschwer­de­füh­rer wird durch die Grund­ab­tre­tung ent­eig­net. Gemes­sen an dem an die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit einer Ent­eig­nung anzu­le­gen­den Maß­stab aus Art. 14 Abs. 3 GG erweist sich die recht­li­che Grund­la­ge zur Ent­eig­nung in §§ 77 und 79 BBergG in dem hier ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Umfang als ver­fas­sungs­ge­mäß; defi­zi­tär ist aller­dings die Aus­ge­stal­tung des Bun­des­berg­ge­set­zes im Hin­blick auf die für einen Tage­bau gebo­te­ne Gesamt­ab­wä­gung und auf einen effek­ti­ven Rechts­schutz in Groß­ver­fah­ren die­ser Art. Der Grund­ab­tre­tungs­be­schluss der Ent­eig­nungs­be­hör­de und die Urtei­le des Ver­wal­tungs­ge­richts und des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts ver­let­zen Art. 14 GG, weil sie es an der gemäß Art. 14 Abs. 3 GG erfor­der­li­chen Gesamt­ab­wä­gung zwi­schen ver­folg­tem Gemein­wohl­ziel und ent­ge­gen­ste­hen­den öffent­li­chen und pri­va­ten Belan­gen feh­len las­sen. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hät­te dies nicht unbe­an­stan­det las­sen dür­fen. Zudem genügt das zur Grund­ab­tre­tung füh­ren­de Ver­fah­ren nicht den Anfor­de­run­gen an einen effek­ti­ven gericht­li­chen Rechts­schutz.

Der Grund­ab­tre­tungs­be­schluss ord­net die Ent­eig­nung des Beschwer­de­füh­rers im Hin­blick auf sein Grund­stück an.

Mit der Ent­eig­nung greift der Staat auf das Eigen­tum Ein­zel­ner zu. Sie ist auf die voll­stän­di­ge oder teil­wei­se Ent­zie­hung kon­kre­ter sub­jek­ti­ver, durch Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG gewähr­leis­te­ter Rechts­po­si­tio­nen zur Erfül­lung bestimm­ter öffent­li­cher Auf­ga­ben gerich­tet 17.

Der Grund­ab­tre­tungs­be­schluss ent­zieht dem Beschwer­de­füh­rer aus­drück­lich das Eigen­tum an sei­nem Grund­stück und über­trägt es der Bei­gela­de­nen des Aus­gangs­ver­fah­rens zur Errich­tung und Füh­rung eines Betrie­bes "Garz­wei­ler" zur Gewin­nung von Braun­koh­le. Mit die­sem geziel­ten Zugriff auf das Grund­ei­gen­tum durch einen staat­li­chen Hoheits­akt erfüllt die Grund­ab­tre­tung die Vor­aus­set­zun­gen des grund­ge­setz­li­chen Ent­eig­nungs­be­griffs. Dar­in liegt auch dann eine Ent­eig­nung, wenn als sol­che nur Fäl­le ange­se­hen wer­den, in denen hoheit­lich Güter beschafft wer­den, mit denen ein kon­kre­tes, der Erfül­lung öffent­li­cher Auf­ga­ben die­nen­des Vor­ha­ben durch­ge­führt wer­den soll 18. Denn auch dies ist bei der Über­tra­gung des Eigen­tums an dem Grund­stück zur Ermög­li­chung des Braun­koh­len­ta­ge­baus Garz­wei­ler der Fall.

Das Ver­ständ­nis der Grund­ab­tre­tung als Ent­eig­nung stimmt zudem mit dem erklär­ten Ziel des Gesetz­ge­bers bei der Neu­re­ge­lung des Berg­rechts im Jah­re 1980 über­ein, die Grund­ab­tre­tung als Ent­eig­nung im Sin­ne des Art. 14 Abs. 3 GG aus­zu­ge­stal­ten 19.

Danach ist die Grund­ab­tre­tung an Art. 14 Abs. 3 GG zu mes­sen.

Art. 14 Abs. 3 Satz 1 GG lässt die Ent­eig­nung nur zum Woh­le der All­ge­mein­heit zu. Sie darf nur durch Gesetz oder auf­grund eines Geset­zes erfol­gen, das Art und Aus­maß der Ent­schä­di­gung regelt (Art. 14 Abs. 3 Satz 2 GG).

Die Ent­eig­nung ist regel­mä­ßig ein schwe­rer Ein­griff in das ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­te Eigen­tum. Die Bestim­mung des eine Ent­eig­nung recht­fer­ti­gen­den Gemein­wohl­ziels und der Vor­ha­ben, die gene­rell zu sei­ner Ver­wirk­li­chung in Fra­ge kom­men, sowie der wesent­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für eine Ent­eig­nung sind dem par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­ber vor­be­hal­ten. Sofern die Ent­eig­nung zuguns­ten Pri­va­ter vor­ge­se­hen ist, hat das Gesetz zusätz­li­che Vor­keh­run­gen für die dau­er­haf­te Gemein­wohl­si­che­rung des ent­eig­ne­ten Gutes vor­zu­se­hen. Nur eine in jeder Hin­sicht ver­hält­nis­mä­ßi­ge Ent­eig­nung muss der Eigen­tü­mer zum gemei­nen Wohl hin­neh­men. Hin­sicht­lich der an die Erfor­der­lich­keit und Ange­mes­sen­heit der Maß­nah­me zu stel­len­den Anfor­de­run­gen ist dabei zwi­schen dem Ent­eig­nungs­akt und dem Vor­ha­ben, des­sen Ver­wirk­li­chung er dient, zu unter­schei­den. Die Ent­eig­nung muss für die Ver­wirk­li­chung des Vor­ha­bens erfor­der­lich, das Vor­ha­ben für das gemei­ne Wohl sinn­vol­ler­wei­se gebo­ten sein. Die Ange­mes­sen­heit des Ent­eig­nungs­akts ist im Ver­hält­nis zum Vor­ha­ben zu bestim­men, das sei­ner­seits einer Gesamt­ab­wä­gung mit allen betrof­fe­nen öffent­li­chen und pri­va­ten Belan­gen stand­hal­ten muss. Art. 14 GG garan­tiert dem Eigen­tü­mer einen Anspruch auf effek­ti­ven Rechts­schutz gegen die Ent­eig­nung, dem auch das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren Rech­nung tra­gen muss.

Das Eigen­tum ist ein ele­men­ta­res Grund­recht und sein Schutz von beson­de­rer Bedeu­tung für den sozia­len Rechts­staat 20. Der Eigen­tums­ga­ran­tie kommt im Gefü­ge der Grund­rech­te ins­be­son­de­re die Auf­ga­be zu, dem Trä­ger des Grund­rechts einen Frei­heits­raum im ver­mö­gens­recht­li­chen Bereich zu sichern und ihm dadurch eine eigen­ver­ant­wort­li­che Gestal­tung sei­nes Lebens zu ermög­li­chen. Das ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­te Eigen­tum ist durch Pri­vat­nüt­zig­keit und grund­sätz­li­che Ver­fü­gungs­be­fug­nis des Eigen­tü­mers über den Eigen­tums­ge­gen­stand gekenn­zeich­net 21. Es soll ihm als Grund­la­ge pri­va­ter Initia­ti­ve und in eigen­ver­ant­wort­li­chem pri­va­tem Inter­es­se von Nut­zen sein 22. Dabei genießt es einen beson­ders aus­ge­präg­ten Schutz, soweit es um die Siche­rung der per­sön­li­chen Frei­heit des Ein­zel­nen geht 23. Zugleich soll der Gebrauch des Eigen­tums dem Wohl der All­ge­mein­heit die­nen 24. Hier­in liegt die Absa­ge an eine Eigen­tums­ord­nung, in der das Indi­vi­dual­in­ter­es­se den unbe­ding­ten Vor­rang vor den Inter­es­sen der Gemein­schaft hat 25.

Die Eigen­tums­ga­ran­tie schützt den kon­kre­ten Bestand in der Hand der ein­zel­nen Eigen­tü­mer 26. Im Fal­le einer ver­fas­sungs­ge­mä­ßen Ent­eig­nung tritt an die Stel­le der Bestands­ga­ran­tie eine Wert­ga­ran­tie, die sich auf Gewäh­rung einer vom Gesetz­ge­ber dem Grun­de nach zu bestim­men­den Ent­schä­di­gung rich­tet 27. Dies ändert aller­dings nichts dar­an, dass Art. 14 GG in ers­ter Linie den Bestand des Eigen­tums in sei­ner frei­heits­si­chern­den Funk­ti­on schützt, nicht nur sei­nen Wert. Der hoheit­li­che Zugriff auf kon­kre­te Eigen­tums­po­si­tio­nen durch Ent­eig­nung ist daher regel­mä­ßig ein schwe­rer Ein­griff in das durch Art. 14 Abs. 1 GG geschütz­te, nach Maß­ga­be des ein­fa­chen Rechts aus­ge­stal­te­te Eigen­tum. In beson­de­rem Maße gilt dies ange­sichts der von vorn­her­ein begrenz­ten Ver­füg­bar­keit die­ses Ver­mö­gens­guts bei Grund­stücks­ent­eig­nun­gen. Zusätz­li­che Schwe­re erlangt der das Grund­ei­gen­tum ent­zie­hen­de Zugriff, wenn er auf Eigen­tum trifft, das zu dau­er­haf­tem Woh­nen genutzt wird, und damit gewach­se­ne sozia­le Bezie­hun­gen der Eigen­tü­mer zu ihrem auch ört­lich gepräg­ten Umfeld zer­stört. Zwar vari­iert das Gewicht des Ent­eig­nungs­ein­griffs je nach Bedeu­tung der kon­kret ent­zo­ge­nen Rechts­po­si­ti­on für die Lebens- und Frei­heits­ge­stal­tung der Betrof­fe­nen sowie danach, ob sie ganz oder nur teil­wei­se genom­men wird. Es ist als hoheit­li­che Ver­schie­bung der Eigen­tums­zu­ord­nung typi­scher­wei­se von hoher Inten­si­tät. Dem ist bei der Aus­le­gung und Anwen­dung der ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben einer Ent­eig­nung nach Art. 14 Abs. 3 GG wie auch der Ent­eig­nungs­ge­set­ze Rech­nung zu tra­gen. Ins­be­son­de­re ver­langt dies stets eine der Schwe­re des Eigen­tums­ein­griffs ent­spre­chen­de stren­ge Prü­fung der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der Ent­eig­nung.

Eine Ent­eig­nung kann nur durch ein Gemein­wohl­ziel von beson­de­rem Gewicht gerecht­fer­tigt wer­den; sei­ne Bestim­mung ist dem par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­ber vor­be­hal­ten. Die Anfor­de­run­gen an die Bestimmt­heit der gesetz­li­chen Rege­lung hän­gen vom jewei­li­gen Gemein­wohl­ziel und den zu sei­ner Errei­chung vor­ge­se­he­nen Vor­ha­ben ab.

Das in Art. 14 Abs. 3 Satz 1 GG ver­lang­te Gemein­wohl­ziel ist die vom Grund­ge­setz gefor­der­te zen­tra­le mate­ri­el­le Recht­mä­ßig­keits­vor­aus­set­zung einer jeden Ent­eig­nung. Unge­ach­tet aller ande­ren Anfor­de­run­gen ist die Ent­eig­nung nur dann, nur inso­weit und nur solan­ge ver­fas­sungs­ge­mäß, als sie zum Wohl der All­ge­mein­heit erfolgt 28.

Es ist nach Art. 14 Abs. 3 Satz 2 GG dem demo­kra­tisch legi­ti­mier­ten, par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­ber vor­be­hal­ten, die­je­ni­gen Zie­le des Gemein­wohls fest­zu­le­gen, deren Errei­chung erfor­der­li­chen­falls auch mit­tels Ent­eig­nung durch­ge­setzt wer­den soll 29. Vor allem mit Rück­sicht dar­auf, dass die Ein­schät­zung, wel­che Zie­le für die Gesell­schaft beson­ders wich­tig sind, im Lau­fe der Zeit Ver­än­de­run­gen unter­lie­gen kann, ist die Auf­ga­be, die eine Ent­eig­nung tra­gen­den Gemein­wohl­zie­le aus­zu­wäh­len, allein dem Gesetz­ge­ber über­ant­wor­tet.

Bei der Aus­wahl der Gemein­wohl­zie­le steht dem Gesetz­ge­ber ein wei­ter Spiel­raum zu. Er ist nur ein­ge­schränk­ter ver­fas­sungs­ge­richt­li­cher Kon­trol­le zugäng­lich, da das Grund­ge­setz ledig­lich in begrenz­tem Umfang einen Maß­stab für die Bestim­mung des gemei­nen Wohls im Sin­ne des Art. 14 Abs. 3 Satz 1 GG zur Ver­fü­gung stellt. Ins­be­son­de­re lässt sich dem Grund­ge­setz kei­ne umfas­sen­de, all­ge­mei­ne Bestim­mung der Gemein­wohl­zie­le ent­neh­men, die eine Ent­eig­nung zu tra­gen ver­mö­gen. Von Ver­fas­sungs wegen von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen sind ledig­lich Ent­eig­nungs­zwe­cke, die aus­schließ­lich im Inter­es­se Pri­va­ter lie­gen 30, die rein fis­ka­li­schen Inter­es­sen die­nen 31 oder die vom Grund­ge­setz miss­bil­lig­te Zie­le ver­fol­gen.

Das vom Gesetz­ge­ber bestimm­te Gemein­wohl­ziel muss grund­sätz­lich geeig­net sein, die für die Errei­chung die­ses Ziels typi­scher­wei­se in Betracht kom­men­den Ent­eig­nun­gen zu recht­fer­ti­gen. Je nach gere­gel­tem Lebens­sach­ver­halt kön­nen infol­ge­des­sen die Anfor­de­run­gen an sei­ne Bedeu­tung vari­ie­ren. Weder wiegt jede Ent­eig­nung gleich schwer, noch ver­mag jedes legi­ti­me Gemein­wohl­ziel Ent­eig­nun­gen jeg­li­cher Schwe­re zu recht­fer­ti­gen. Auch bei die­ser Gewich­tung steht dem Gesetz­ge­ber ein Ein­schät­zungs­spiel­raum zu, der einer ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Ver­tret­bar­keits­kon­trol­le unter­liegt. Ange­sichts der Schwe­re des Eigen­tums­ein­griffs, die grund­sätz­lich jeder Ent­eig­nung inne wohnt, muss das nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers mit Ent­eig­nungs­mög­lich­keit durch­setz­ba­re Gemein­wohl­ziel aller­dings von beson­de­rem Gewicht sein. Nicht jedes belie­bi­ge öffent­li­che Inter­es­se reicht hier­für aus 32.

Das zur Ent­eig­nung ermäch­ti­gen­de Gesetz muss hin­rei­chend bestimmt regeln, zu wel­chem Zweck, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen und für wel­che Vor­ha­ben ent­eig­net wer­den darf 33.

Wie kon­kret der Gesetz­ge­ber in dem jewei­li­gen Ent­eig­nungs­ge­setz das die Ent­eig­nung legi­ti­mie­ren­de Gemein­wohl benen­nen muss, lässt sich nicht all­ge­mein fest­le­gen. Dies hängt unter ande­rem von des­sen Zusam­men­spiel mit den das ange­streb­te Gemein­wohl­ziel för­dern­den Vor­ha­ben und deren Kon­kre­ti­sie­rung im Ent­eig­nungs­ge­setz ab.

Nur sel­ten wird ein gesetz­lich bestimm­tes Gemein­wohl­ziel unmit­tel­bar durch ein­zel­ne Ent­eig­nungs­maß­nah­men ver­wirk­licht wer­den. In die­sem Fall genügt eine prä­zi­se Bestim­mung des Ent­eig­nungs­ziels durch den Gesetz­ge­ber, sofern in die­ser zugleich das dabei letzt­lich ver­folg­te Gemein­wohl­ziel erkenn­bar ist. Zumeist wird es zwi­schen der Inan­spruch­nah­me ein­zel­ner Eigen­tums­po­si­tio­nen und dem Errei­chen des ange­streb­ten Gemein­wohl­ziels in zumin­dest noch einem Zwi­schen­schritt der Rea­li­sie­rung kon­kre­ter Vor­ha­ben – etwa des Baus einer Stra­ße, eines Schie­nen­wegs, eines Flug­ha­fens oder, wie hier, eines Berg­bau­ge­win­nungs­be­triebs – bedür­fen, zu deren Ver­wirk­li­chung die Ent­eig­nungs­maß­nah­men erfor­der­lich sind. In die­sen Fäl­len muss der Gesetz­ge­ber zwar nicht die kon­kre­ten Ein­zel­vor­ha­ben bestim­men, wozu er in aller Regel auch nicht in der Lage sein wird 34. Er ist aber gehal­ten, die Vor­ha­ben der Art nach zu benen­nen, über deren Ver­wirk­li­chung das ange­streb­te Gemein­wohl­ziel erreicht wer­den soll 35. Ergibt sich aus gesetz­lich ihrer Art nach hin­rei­chend bestimm­ten Vor­ha­ben zugleich ein­deu­tig der vom Gesetz­ge­ber ange­streb­te Gemein­wohl­zweck, ist die aus­drück­li­che Benen­nung des Gemein­wohls im Gesetz ent­behr­lich. Umge­kehrt ent­las­tet ihn eine prä­zi­se Umschrei­bung des ver­folg­ten Gemein­wohl­ziels von einer nähe­ren Fest­le­gung der zu sei­ner Errei­chung zuläs­si­gen Vor­ha­ben, wenn dafür von vorn­her­ein nur Vor­ha­ben bestimm­ter Art in Fra­ge kom­men, die mit der Fest­le­gung des Gemein­wohl­ziels ersicht­lich legi­ti­miert sein sol­len.

Den ver­fas­sungs­recht­li­chen Bestimmt­heits­an­for­de­run­gen aus Art. 14 Abs. 3 Satz 2 GG genügt hin­ge­gen eine Rege­lung nicht, die die Ent­schei­dung, für wel­che Vor­ha­ben und zu wel­chen Zwe­cken ent­eig­net wer­den darf, fak­tisch in die Hand der Ver­wal­tung legt 36. Ent­eig­nungs­ge­set­ze, die eine Ent­eig­nung gestat­ten, um "ein dem Wohl der All­ge­mein­heit die­nen­des Vor­ha­ben" zu ver­wirk­li­chen und dabei weder das Vor­ha­ben noch das Wohl der All­ge­mein­heit näher prä­zi­sie­ren, wie­der­ho­len nur den Wort­laut des Grund­ge­set­zes und ver­feh­len damit die dem Gesetz­ge­ber vor­be­hal­te­ne Kon­kre­ti­sie­rungs­auf­ga­be.

Die Ver­fas­sung schließt Ent­eig­nun­gen zuguns­ten Pri­va­ter nicht aus 37. Die Ent­eig­nung zuguns­ten Pri­va­ter stellt aller­dings beson­de­re Anfor­de­run­gen an die Bestim­mung des ver­folg­ten Zie­les, die gesetz­li­che Aus­ge­stal­tung der Vor­aus­set­zun­gen und an die wei­te­ren Gel­tungs­be­din­gun­gen einer sol­chen Ent­eig­nung. Dabei bedarf es einer beson­ders sorg­fäl­ti­gen Prü­fung, ob hin­ter dem ver­folg­ten Gemein­wohl­ziel ein auch unter Berück­sich­ti­gung der Pri­vat­nüt­zig­keit der Ent­eig­nung hin­rei­chend schwer­wie­gen­des, spe­zi­fisch öffent­li­ches Inter­es­se steht 38.

Ord­net der Staat Ent­eig­nun­gen zuguns­ten Pri­va­ter an, kann er sich trotz der grund­sätz­li­chen Gemein­wohl­ver­pflich­tung des Eigen­tums (Art. 14 Abs. 2 GG) nicht ohne wei­te­res dar­auf ver­las­sen, dass die ent­eig­nungs­be­güns­tig­ten Pri­va­ten tat­säch­lich das Gemein­wohl­ziel ver­fol­gen, das der Staat mit der Ent­eig­nung errei­chen oder zumin­dest för­dern will. Es bedarf daher in die­sen Fäl­len gesetz­li­cher Regeln, die sicher­stel­len, dass begüns­tig­te Pri­va­te das ent­eig­ne­te Gut zur Ver­wirk­li­chung des die Ent­eig­nung legi­ti­mie­ren­den Ziels ver­wen­den wer­den und dass die­se Nut­zung dau­er­haft erfolgt, soweit sie nicht der Natur der Ver­wen­dung gemäß auf eine ein­ma­li­ge Inan­spruch­nah­me beschränkt ist 39.

Bei Ent­eig­nun­gen zuguns­ten Pri­va­ter, die nur mit­tel­bar dem gemei­nen Wohl die­nen, sind erhöh­te Anfor­de­run­gen an die Klar­heit und Bestimmt­heit der gesetz­li­chen Ent­eig­nungs­re­geln zu stel­len. So hat der Gesetz­ge­ber unzwei­deu­tig zu regeln, ob und für wel­che Vor­ha­ben eine sol­che Ent­eig­nung statt­haft sein soll 40. Die Ver­ant­wor­tung dafür, wel­ches kon­kre­te Vor­ha­ben zur Errei­chung des Gemein­wohl­ziels ver­wirk­licht wer­den soll, wel­ches Eigen­tum als dafür geeig­net her­an­zu­zie­hen ist und ob des­sen Ent­eig­nung im Ein­zel­fall ver­hält­nis­mä­ßig ist, muss in den Hän­den des Staa­tes blei­ben. Dies gilt in den Fäl­len der Ent­eig­nung von Grund und Boden vor allem für die Aus­wahl der zu ent­eig­nen­den Grund­stü­cke. Damit ist nicht aus­ge­schlos­sen, dass der Pri­va­te wesent­li­che Vor­ar­bei­ten bei der Pla­nung des Vor­ha­bens leis­tet, dabei auch sei­ne Vor­stel­lun­gen über die künf­ti­ge betrieb­li­che Ent­wick­lung zugrun­de legt und hier­für sei­nen Flä­chen­be­darf anmel­det, solan­ge die ver­bind­li­che Ent­schei­dung über jede Ent­eig­nung nicht nur for­mal, son­dern auch inhalt­lich beim Staat ver­bleibt.

Die Siche­rung der dau­er­haf­ten Gemein­wohl­nut­zung des ent­eig­ne­ten Gutes bedarf umso genaue­rer und detail­lier­te­rer gesetz­li­cher Vor­ga­ben, je weni­ger schon der Geschäfts­ge­gen­stand des pri­va­ten Unter­neh­mens, zu des­sen Guns­ten die Ent­eig­nung erfolgt, dar­auf aus­ge­rich­tet ist, dem gemei­nen Wohl zu die­nen 40. Das kann eine Regu­lie­rung des pri­vat­wirt­schaft­li­chen Han­delns erfor­dern, die durch gesetz­li­che Ver­pflich­tun­gen gegen­über ande­ren Pri­va­ten oder der All­ge­mein­heit oder durch geeig­ne­te und effek­ti­ve Zulassungs‑, Über­wa­chungs- und Ein­griffs­rech­te einer Behör­de die Rück­bin­dung des Pri­va­ten an sei­ne Ver­pflich­tung auf das Gemein­wohl­ziel sicher­stellt, solan­ge er den Nut­zen aus einer Ent­eig­nung zieht.

Die Ent­eig­nung ist nur zuläs­sig, wenn sie zur Errei­chung des Gemein­wohl­ziels geeig­net – was hier kei­ner eige­nen Befas­sung bedarf – und erfor­der­lich ist 41. Hier­bei ist zu unter­schei­den zwi­schen der Erfor­der­lich­keit der ein­zel­nen Ent­eig­nungs­maß­nah­me für die Ver­wirk­li­chung des dem Gemein­wohl die­nen­den kon­kre­ten Vorha- bens – bei­spiels­wei­se einer bestimm­ten Stra­ße, eines Schie­nen­wegs oder einer Strom­ver­sor­gung­s­tras­se – und der Gemein­woh­l­erfor­der­lich­keit die­ses Vor­ha­bens selbst.

Eine kon­kre­te Ent­eig­nung dient in aller Regel nicht unmit­tel­bar dem vom Gesetz­ge­ber als "ent­eig­nungs­fä­hig" bestimm­ten Wohl der All­ge­mein­heit, son­dern der Ver­wirk­li­chung eines kon­kre­ten Vor­ha­bens, das sei­ner­seits zur Errei­chung des Gemein­wohl­ziels füh­ren oder es sub­stan­ti­ell för­dern soll. Die Erfor­der­lich­keit der ein­zel­nen Ent­eig­nungs­maß­nah­me bestimmt sich in Bezug auf die­ses kon­kre­te Vor­ha­ben. Die Ent­eig­nung ist danach nur erfor­der­lich, wenn und soweit sie für die Ver­wirk­li­chung des jewei­li­gen Vor­ha­bens unver­zicht­bar ist, es hier­für also kein mil­de­res Mit­tel gibt, das gleich geeig­net wäre. Kann das Vor­ha­ben hin­ge­gen in glei­cher Wei­se auch ohne den Ent­zug pri­va­ten Eigen­tums – etwa statt der Ent­eig­nung von Grund­stü­cken durch die Inan­spruch­nah­me öffent­li­chen oder von pri­va­ter Sei­te frei­wil­lig zur Ver­fü­gung gestell­ten Grund und Bodens 42 – ver­wirk­licht wer­den, ist die Ent­eig­nung unzu­läs­sig.

Das kon­kre­te Vor­ha­ben sei­ner­seits muss nicht glei­cher­ma­ßen unver­zicht­bar für das Errei­chen des gesetz­lich vor­ge­ge­be­nen Gemein­wohl­ziels sein wie die ein­zel­ne Ent­eig­nungs­maß­nah­me im Hin­blick auf das Vor­ha­ben. Für die Erfor­der­lich­keit des Vor­ha­bens genügt viel­mehr, dass es zum Wohl der All­ge­mein­heit ver­nünf­ti­ger­wei­se gebo­ten ist. Das ist der Fall, wenn das kon­kre­te Vor­ha­ben in der Lage ist, einen sub­stan­ti­el­len Bei­trag zur Errei­chung des Gemein­wohl­ziels zu leis­ten. Einen strik­te­ren Erfor­der­lich­keits­maß­stab ver­langt der Gemein­wohl­be­zug in Art. 14 Abs. 3 Satz 1 GG nicht. Wür­de das Grund­ge­setz ein unab­weis­ba­res Bedürf­nis für das jewei­li­ge Vor­ha­ben vor­aus­set­zen, stell­te es eine zumeist uner­füll­ba­re Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zung für eine Ent­eig­nung und damit im prak­ti­schen Ergeb­nis ein weit­ge­hen­des Ver­bot der Ent­eig­nung auf. Denn es wird sel­ten vor­kom­men, dass die mit einem kon­kre­ten Vor­ha­ben wie der Tras­se einer bestimm­ten Stra­ße, Eisen­bahn­li­nie oder Ener­gie­ver­sor­gungs­lei­tung oder dem Abbau eines Roh­stof­fes an einer bestimm­ten Stel­le ver­folg­ten Gemein­wohl­zie­le allein durch die Ver­wirk­li­chung eben die­ses Vor­ha­bens erreicht oder jeden­falls wesent­lich geför­dert wer­den kön­nen. Zumeist wer­den ande­re ver­gleich­ba­re Vor­ha­ben in Fra­ge kom­men, die dem ver­folg­ten Gemein­wohl­ziel die­nen. Dass die Ent­eig­nung zum Wohl der All­ge­mein­heit auf den Son­der­fall eines für das in Rede ste­hen­de Gemein­wohl­ziel ein­zig mög­li­chen Vor­ha­bens redu­ziert wer­den soll­te, kann der Rege­lung des Ent­eig­nungs­rechts im Grund­ge­setz nicht ent­nom­men wer­den.

Dass das Vor­ha­ben ledig­lich erfor­der­lich in dem Sin­ne sein muss, dass es "ver­nünf­ti­ger­wei­se gebo­ten" ist, ent­spricht auch der stän­di­gen ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung 43, wur­de von den Aus­gangs­ge­rich­ten der bei­den hier ent­schie­de­nen Ver­fah­ren eben­falls ver­tre­ten und deckt sich mit den an die so genann­te Plan­recht­fer­ti­gung gestell­ten Anfor­de­run­gen der Recht­spre­chung im Fach- und Bau­leit­pla­nungs­recht 44.

Wie jeder staat­li­che Ein­griff in ein Grund­recht ist die Ent­eig­nung nur mit Art. 14 Abs. 3 GG ver­ein­bar, wenn sie sich als ver­hält­nis­mä­ßig im enge­ren Sin­ne erweist 45. Bei die­ser Prü­fung ist wie­der­um zwi­schen der ein­zel­nen Ent­eig­nungs­maß­nah­me und dem kon­kre­ten Vor­ha­ben, für das ent­eig­net wird, zu unter­schei­den.

Die ein­zel­ne Ent­eig­nungs­maß­nah­me ist dann mit dem Über­maß­ver­bot ver­ein­bar, wenn der Bei­trag, den das ent­zo­ge­ne Eigen­tums­recht zur Ver­wirk­li­chung des Vor­ha­bens leis­tet, nicht außer Ver­hält­nis zu dem Gewicht des Ein­griffs steht, den der kon­kre­te Eigen­tums­ent­zug für den betrof­fe­nen Rechts­in­ha­ber bedeu­tet. Die nach Art. 14 Abs. 3 GG für die Ent­eig­nung geschul­de­te Ent­schä­di­gung ist ohne Belang für die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit des Ein­griffs; sie min­dert das Gewicht des Ein­griffs nicht, denn sie ist ledig­lich die zwin­gen­de Fol­ge einer im Übri­gen ver­fas­sungs­ge­mä­ßen Ent­eig­nung 46.

Der Eigen­tü­mer muss eine Ent­eig­nung nur dann hin­neh­men, wenn sie dem Gemein­wohl dient. Die kon­kre­te Ent­eig­nungs­maß­nah­me dient dem Gemein­wohl nicht, wenn die Bedeu­tung des Vor­ha­bens, zu des­sen Ver­wirk­li­chung die Ent­eig­nung gebo­ten ist, für das kon­kret ver­folg­te Gemein­wohl­ziel nicht ihrer­seits in einem ange­mes­se­nen Ver­hält­nis zu den durch das Vor­ha­ben beein­träch­tig­ten Belan­gen steht. Ob dies der Fall ist, muss anhand einer Gesamt­ab­wä­gung zwi­schen den für das Vor­ha­ben spre­chen­den Gemein­wohl­be­lan­gen einer­seits und den durch sei­ne Ver­wirk­li­chung beein­träch­tig­ten öffent­li­chen und pri­va­ten Belan­gen ande­rer­seits ent­schie­den wer­den. In die­ser Gesamt­ab­wä­gung ist auf der einen Sei­te zu wer­ten und zu wür­di­gen, ob und inwie­weit das jewei­li­ge Vor­ha­ben das Gemein­wohl­ziel zu för­dern in der Lage ist, wobei die grund­sätz­li­che "Ent­eig­nungs­wür­dig­keit" des ver­folg­ten gemei­nen Wohls bereits durch den Gesetz­ge­ber vor­ge­ge­ben wird. Dem sind auf der ande­ren Sei­te nicht nur die durch das Vor­ha­ben nach­tei­lig betrof­fe­nen pri­va­ten Rechts­po­si­tio­nen in ihrer Gesamt­heit, son­dern auch die ihm ent­ge­gen­ste­hen­den öffent­li­chen Belan­ge gegen­über­zu­stel­len.

Ein Vor­ha­ben dient damit nicht dem Wohl der All­ge­mein­heit im Sin­ne des Art. 14 Abs. 3 Satz 1 GG, wenn die Gesamt­ab­wä­gung ergibt, dass die durch das Vor­ha­ben beein­träch­tig­ten öffent­li­chen und pri­va­ten Belan­ge die für das Vor­ha­ben spre­chen­den Gemein­wohl­grün­de über­wie­gen. In die­sem Fall muss der Eigen­tü­mer die Ent­eig­nung nicht hin­neh­men.

Die Gewähr­leis­tung effek­ti­ven Rechts­schut­zes stellt ein wesent­li­ches Ele­ment der Eigen­tums­ga­ran­tie des Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG dar 47. Von einer Ent­eig­nung Betrof­fe­ne haben einen Anspruch dar­auf, dass letzt­lich durch ein Gericht geprüft und ent­schie­den wird, ob die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen einer Ent­eig­nung in ihrem Fall vor­lie­gen. Die recht­spre­chen­de Gewalt muss die Ent­eig­nung in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht und dabei ins­be­son­de­re auch ihre Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit prü­fen 48. Erfor­der­lich ist eine indi­vi­du­el­le Prü­fung, ob die Ent­eig­nung gegen­über den ein­zel­nen Betrof­fe­nen dem Grun­de und dem Umfang nach berech­tigt ist.

Die Über­prü­fung muss den Anfor­de­run­gen an eine effek­ti­ve gericht­li­che Kon­trol­le genü­gen, wie sie auch durch Art.19 Abs. 4 Satz 1 GG garan­tiert wird 49. Der Rechts­schutz darf nicht durch die Aus­ge­stal­tung des zur Ent­eig­nung füh­ren­den Ver­wal­tungs­ver­fah­rens unmög­lich gemacht, unzu­mut­bar erschwert oder fak­tisch ent­wer­tet wer­den.

In dem damit bestimm­ten Rah­men hat der Gesetz­ge­ber bei der Gestal­tung des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens, das zu einer Ent­eig­nung führt, einen wei­ten Spiel­raum. Er kann sich hier von Zweck­mä­ßig­keits­er­wä­gun­gen, auch sol­chen der Ver­fah­rens­öko­no­mie und Ver­fah­rens­be­schleu­ni­gung, lei­ten las­sen. So ist es ihm grund­sätz­lich unbe­nom­men, gera­de für kom­ple­xe Lebens­sach­ver­hal­te Ver­fah­rens­stu­fun­gen vor­zu­se­hen, die zu einer ver­bind­li­chen Abschich­tung des Sach- und Streit­stof­fes füh­ren 50. Der Gesetz­ge­ber darf aller­dings kei­ne Ver­fah­rens­ge­stal­tung wäh­len, die den aus dem Eigen­tums­grund­recht in Ver­bin­dung mit Art.19 Abs. 4 Satz 1 GG fol­gen­den Anspruch des Bür­gers auf effek­ti­ven gericht­li­chen Rechts­schutz gegen Hoheits­ak­te, die in sei­ne Rech­te ein­grei­fen, unzu­mut­bar erschwert oder gar fak­tisch unmög­lich macht 51.

Eine Ver­fah­rens­stu­fung kann früh­zei­ti­gen indi­vi­du­el­len Rechts­schutz sowie die Reduk­ti­on kom­ple­xer Streit­stof­fe för­dern. Mit Art. 14 in Ver­bin­dung mit Art.19 Abs. 4 Satz 1 GG ver­ein­bar sind ech­te Ver­fah­rens­stu­fun­gen in Form bin­den­der Vor­ent­schei­dun­gen, die durch den Angriff gegen die End­ent­schei­dung nicht mehr oder nur ein­ge­schränkt einer gericht­li­chen Über­prü­fung zuge­führt wer­den kön­nen, aller­dings nur, sofern – ers­tens – sich die Bin­dung einer Behör­de an vor­an­ge­hen­de Fest­stel­lun­gen oder Ent­schei­dun­gen einer ande­ren Behör­de hin­rei­chend klar aus einer gesetz­li­chen Bestim­mung ergibt, – zwei­tens – gegen die mit Bin­dungs­wir­kung aus­ge­stat­te­te Teil- oder Vor­ent­schei­dung ihrer­seits effek­ti­ver Rechts­schutz zur Ver­fü­gung steht und – drit­tens – die Auf­spal­tung des Rechts­schut­zes mit einer etwai­gen Anfech­tungs­last gegen­über der Vor­ent­schei­dung für die Betrof­fe­nen klar erkenn­bar und nicht mit unzu­mut­ba­ren Risi­ken und Las­ten ver­bun­den ist 50.

Wählt der Gesetz­ge­ber eine Ver­fah­rens­ge­stal­tung, die den Betrof­fe­nen – wie bei ein­fa­chen Sach­ver­hal­ten die Regel (vgl. § 44a VwGO) – Rechts­schutz erst gegen den ein Ver­fah­ren abschlie­ßen­den Hoheits­akt eröff­net, ist dies auch in kom­ple­xen Ver­fah­ren nicht von vorn­her­ein ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken aus­ge­setzt, zumal Betrof­fe­ne dadurch in die­sen Fäl­len von einer vor­he­ri­gen Anfech­tungs­last befreit sind. Das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren und die gericht­li­che Kon­troll­be­fug­nis müs­sen bei sol­chen Ver­fah­rens­ge­stal­tun­gen aller­dings so beschaf­fen sein, dass auch in umfang­rei­chen und lang­wie­ri­gen Ver­wal­tungs­ver­fah­ren eine umfas­sen­de und effek­ti­ve Prü­fung des abschlie­ßen­den Ein­griffs­akts, ein­schließ­lich ihn tra­gen­der, von den Betrof­fe­nen aber nicht selb­stän­dig angreif­ba­rer Vor­ent­schei­dun­gen, gewähr­leis­tet ist. Ist eine sol­che, durch die Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes grund­sätz­lich garan­tier­te Kon­trol­le des ange­grif­fe­nen Hoheits­akts zwar recht­lich vor­ge­se­hen, ins­be­son­de­re mit Rück­sicht auf die Dau­er und Kom­ple­xi­tät der Ver­wal­tungs­ver­fah­ren aber rea­lis­ti­scher­wei­se regel­mä­ßig nicht zu erwar­ten, ist dies mit Art. 14 in Ver­bin­dung mit Art.19 Abs. 4 Satz 1 GG nicht ver­ein­bar. Dies ist der Fall, wenn Rechts­schutz erst zu einem Zeit­punkt eröff­net wird, zu dem im Hin­blick auf Vor­fest­le­gun­gen oder den weit­ge­hen­den tat­säch­li­chen Voll­zug des zugrun­de lie­gen­den Vor­ha­bens eine grund­sätz­lich ergeb­nis­of­fe­ne Über­prü­fung aller Ent­eig­nungs­vor­aus­set­zun­gen nicht mehr erwar­tet wer­den kann. In glei­cher Wei­se defi­zi­tär ist der Rechts­schutz, wenn zu die­sem Zeit­punkt selbst bei Erfolg des Begeh­rens die Ver­let­zung des Eigen­tums regel­mä­ßig nicht mehr ver­hin­dert und auch nicht rück­gän­gig gemacht wer­den kann.

Die mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de mit­tel­bar ange­grif­fe­nen Ent­eig­nungs­re­ge­lun­gen in §§ 79 und 77 BBergG sind – jeden­falls in dem für das Aus­gangs­ver­fah­ren ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Umfang – mit Art. 14 Abs. 3 GG ver­ein­bar. Im Übri­gen erwei­sen sich die Bestim­mun­gen des Bun­des­berg­ge­set­zes hin­sicht­lich der Anfor­de­run­gen an Ent­eig­nun­gen zuguns­ten Pri­va­ter als ver­fas­sungs­ge­mäß, im Hin­blick auf die gebo­te­ne Gesamt­ab­wä­gung und den erfor­der­li­chen effek­ti­ven Rechts­schutz hin­ge­gen als teil­wei­se unzu­läng­lich.

§ 79 Abs. 1 BBergG steht bei ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung der dor­ti­gen Gemein­wohl­klau­sel in Ein­klang mit Art. 14 Abs. 3 GG, soweit er die Ver­sor­gung des Mark­tes mit Roh­stof­fen als Gemein­wohl­ziel benennt und sofern dies auf die in § 3 BBergG auf­ge­zähl­ten Boden­schät­ze begrenzt wird. Die Siche­rung des sinn­vol­len und plan­mä­ßi­gen Abbaus der Lager­stät­ten ist kein selb­stän­dig tra­gen­der Ent­eig­nungs­grund . Die übri­gen Ent­eig­nungs­zwe­cke nach § 79 Abs. 1 BBergG bedür­fen hier kei­ner abschlie­ßen­den Bewer­tung.

Nach § 79 Abs. 1 BBergG ist die Grund­ab­tre­tung im ein­zel­nen Fall zuläs­sig, wenn sie dem Woh­le der All­ge­mein­heit dient, ins­be­son­de­re die Ver­sor­gung des Mark­tes mit Roh­stof­fen, die Erhal­tung der Arbeits­plät­ze im Berg­bau, der Bestand oder die Ver­bes­se­rung der Wirt­schafts­struk­tur oder der sinn­vol­le und plan­mä­ßi­ge Abbau der Lager­stät­te gesi­chert wer­den sol­len, und der Grund­ab­tre­tungs­zweck unter Beach­tung der Stand­ort­ge­bun­den­heit des Gewin­nungs­be­trie­bes auf ande­re zumut­ba­re Wei­se nicht erreicht wer­den kann.

Die Vor­schrift legt nach ihrem Wort­laut ein Ver­ständ­nis dahin­ge­hend nahe, dass eine Grund­ab­tre­tung gene­rell zuläs­sig ist, wenn sie "dem Woh­le der All­ge­mein­heit dient", und dass die danach kon­kret benann­ten Ent­eig­nungs­zwe­cke, wie die Ver­knüp­fung "ins­be­son­de­re" zeigt, ledig­lich als Bei­spie­le und nicht abschlie­ßend eini­ge für berg­recht­li­che Gewin­nungs­be­trie­be typi­sche und beson­ders gewich­ti­ge Gemein­wohl­zie­le her­vor­he­ben sol­len. In einer solch wei­ten Deu­tung wäre die Bestim­mung mit dem Grund­ge­setz nicht ver­ein­bar. Es ist dem par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­ber auf­ge­ge­ben, die Gemein­wohl­zie­le näher zu bestim­men, zu deren För­de­rung ent­eig­net wer­den darf. Eine gesetz­li­che Ent­eig­nungs­er­mäch­ti­gung, die sich dar­auf beschränkt, die den Gesetz­ge­ber anlei­ten­de Gemein­wohl­klau­sel des Art. 14 Abs. 3 Satz 1 GG ledig­lich zu wie­der­ho­len, wird die­ser aus dem Eigen­tums­schutz resul­tie­ren­den Vor­ga­be eige­ner gesetz­ge­be­ri­scher Ent­schei­dung nicht gerecht. Sie über­lässt die Ent­schei­dung, zu wel­chen Zwe­cken zuguns­ten berg­recht­li­cher Gewin­nungs­be­trie­be ent­eig­net wer­den darf, letzt­lich allein der Ver­wal­tung. Das wider­spricht dem Geset­zes­vor­be­halt in Art. 14 Abs. 3 Satz 2 GG.

Die Auf­zäh­lung der kon­kret benann­ten Ent­eig­nungs­zwe­cke in § 79 Abs. 1 BBergG ändert nichts an der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Vor­schrift, sofern sie ledig­lich als beson­ders prä­gnan­te Bei­spie­le ver­stan­den wer­den, wel­che die Ent­eig­nung zu ande­ren Zwe­cken aber nicht aus­schlie­ßen. Selbst wenn danach die wei­te­ren Ent­eig­nungs­zwe­cke den aus­drück­lich benann­ten Regel­bei­spie­len nach Art und Gewicht gleich sein müss­ten, läge ihre Aus­wahl allein in Hän­den der Ver­wal­tung. Dies aber ist nach Art. 14 Abs. 3 Satz 2 GG dem Gesetz­ge­ber vor­be­hal­ten.

§ 79 Abs. 1 BBergG hat jedoch vor dem Geset­zes­vor­be­halt des Art. 14 Abs. 3 GG Bestand, weil die Auf­zäh­lung der dort aus­drück­lich genann­ten Ent­eig­nungs­zwe­cke abschlie­ßend ver­stan­den wer­den kann, über die hin­aus die Vor­schrift kei­nen wei­te­ren Ent­eig­nungs­weck zulässt. Die­se Aus­le­gung tritt zum Wort­laut der Norm und zu dem erkenn­ba­ren Wil­len des Gesetz­ge­bers 52 nicht in Wider­spruch. § 79 Abs. 1 BBergG kann vor dem Hin­ter­grund der ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben so gele­sen wer­den, dass er Grund­ab­tre­tun­gen nur in den dort genann­ten Fäl­len zulässt, weil sie dem Wohl der All­ge­mein­heit die­nen. Auch die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Vor­schrift spricht dafür, dass der Gesetz­ge­ber die Ent­eig­nungs­er­mäch­ti­gung nicht für wei­te­re, unbe­nann­te Fäl­le offen hal­ten woll­te. Zwar wur­de noch in der Begrün­dung des Regie­rungs­ent­wurfs zu einem Bun­des­berg­ge­setz aus dem Jah­re 1977 die ursprüng­lich vor­ge­se­he­ne Bei­spielsauf­zäh­lung als "ins­be­son­de­re, aber nicht aus­schließ­lich" bezeich­net 53. Beschluss­emp­feh­lung und Bericht des feder­füh­ren­den Aus­schus­ses haben dann jedoch die im Regie­rungs­ent­wurf noch nicht ent­hal­te­ne vier­te Fall­grup­pe ("oder der sinn­vol­le und plan­mä­ßi­ge Abbau der Lager­stät­te") in den Ent­wurf ein­ge­fügt und in die­sem Zusam­men­hang dar­auf hin­ge­wie­sen, dass eine aus­drück­li­che Fest­stel­lung im Gesetz, wonach die Gewin­nung von Boden­schät­zen schlecht­hin dem All­ge­mein­wohl die­ne, die Gren­zen des Art. 14 GG über­schrei­te 54. Dies lässt ein enges Ver­ständ­nis des § 79 Abs. 1 BBergG erken­nen, das eine ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung recht­fer­tigt, dem­zu­fol­ge die Vor­schrift Ent­eig­nun­gen allen­falls zu den dort aus­drück­lich genann­ten Ent­eig­nungs­zwe­cken zulässt. Da es mög­lich ist, § 79 Abs. 1 BBergG in die­ser Wei­se ver­fas­sungs­kon­form aus­zu­le­gen, bedarf es nicht der Fest­stel­lung der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des ansons­ten zu weit grei­fen­den Teils der Ent­eig­nungs­er­mäch­ti­gung.

Mit Art. 14 Abs. 3 GG ver­ein­bar ist § 79 Abs. 1 BBergG danach, soweit er Ent­eig­nun­gen zulässt, die der Ver­sor­gung des Mark­tes mit Roh­stof­fen die­nen 55. Die Ent­eig­nungs­er­mäch­ti­gung stellt in die­ser Vor­aus­set­zung Ziel­kon­for­mi­tät mit § 1 Nr. 1 BBergG her, der die Siche­rung der Roh­stoff­ver­sor­gung als einen der zen­tra­len Zwe­cke des Bun­des­berg­ge­set­zes bestimmt. Roh­stof­fe, zu deren Gewin­nung für Zwe­cke der Markt­ver­sor­gung ent­eig­net wer­den darf, kön­nen nach der Sys­te­ma­tik des Bun­des­berg­ge­set­zes nur die in § 3 BBergG nament­lich auf­ge­zähl­ten berg­frei­en und grund­ei­ge­nen Boden­schät­ze sein, zu denen auch die Braun­koh­le zählt.

Mit die­ser Begren­zung auf die in § 3 BBergG auf­ge­zähl­ten Boden­schät­ze ist die Ermäch­ti­gung zur Grund­ab­tre­tung in § 79 Abs. 1 BBergG hin­rei­chend bestimmt. Sie ver­weist mit der Gewin­nung von Roh­stof­fen für die Ver­sor­gung des Mark­tes auf ein Gemein­wohl­ziel, das auch ange­sichts der inso­weit zurück­ge­nom­me­nen Kon­troll­dich­te durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ver­fas­sungs­recht­lich nicht bean­stan­det wer­den kann und Ent­eig­nun­gen von Grund­stü­cken oder Rech­ten an Grund­stü­cken grund­sätz­lich zu tra­gen ver­mag. Nach der Vor­stel­lung des Gesetz­ge­bers kommt die­sem Ver­sor­gungs­zweck für die Lebens­fä­hig­keit einer moder­nen Indus­trie­ge­sell­schaft wie die der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ein beson­ders hoher Stel­len­wert zu 56. Einer Beschrän­kung der Ent­eig­nungs­mög­lich­kei­ten auf ein­zel­ne, beson­ders gewich­ti­ge der in § 3 BBergG genann­ten Boden­schät­ze durch den Gesetz­ge­ber bedarf es aus ver­fas­sungs­recht­li­cher Sicht nicht zwin­gend. In wel­chem Aus­maß Ent­eig­nun­gen zum Zwe­cke der Gewin­nung von Roh­stof­fen für die Ver­sor­gung des kon­kre­ten Mark­tes gerecht­fer­tigt sein kön­nen, ist nach deren Bedeu­tung für das Gemein­wohl und nach der Gesamt­ab­wä­gung zwi­schen der Gemein­wohl­dien­lich­keit eines kon­kre­ten Gewin­nungs­vor­ha­bens und den dadurch beein­träch­tig­ten öffent­li­chen und pri­va­ten Belan­gen zu ent­schei­den.

Der in § 79 Abs. 1 BBergG genann­te Ent­eig­nungs­zweck einer Siche­rung des sinn­vol­len und plan­mä­ßi­gen Abbaus der Lager­stät­ten ver­mag nur im Zusam­men­hang mit einem Abbau von Boden­schät­zen zur Ver­sor­gung des Mark­tes mit Roh­stof­fen Ent­eig­nun­gen zu legi­ti­mie­ren. In die­sem Rah­men kann auch eine Ent­eig­nung, die für sich genom­men nur den sinn­vol­len und plan­mä­ßi­gen Abbau einer bestimm­ten Lager­stät­te sichert, dem Gemein­wohl die­nen. Das Gemein­wohl­ziel eines sinn­vol­len und plan­mä­ßi­gen Abbaus einer Lager­stät­te allein ohne Rück­sicht auf den Boden­schatz und sei­ne Bedeu­tung für die Ver­sor­gung des Mark­tes über­schrei­tet hin­ge­gen selbst den wei­ten Ein­schät­zungs- und Aus­wahl­spiel­raum, der dem Gesetz­ge­ber hier zusteht. Denn er lie­ße auch Ent­eig­nun­gen zur Opti­mie­rung pri­va­ter Gewin­nungs­be­trie­be zu, selbst wenn sie kei­nen Boden­schatz för­dern, an dem ein Gemein­wohl­in­ter­es­se besteht. Das wäre mit der Ver­fas­sung nicht ver­ein­bar.

Da die hier in Streit ste­hen­de Ent­eig­nung für den Braun­koh­len­ta­ge­bau Garz­wei­ler I/​II dem Grun­de nach auf die Ermäch­ti­gung zur Ent­eig­nung für die Sicher­stel­lung der Ver­sor­gung des Mark­tes mit Roh­stof­fen gestützt wer­den kann, bedarf es kei­ner Ent­schei­dung, ob die bei­den übri­gen, in § 79 Abs. 1 BBergG für eine Ent­eig­nung genann­ten Tat­be­stands­va­ri­an­ten, "die Erhal­tung der Arbeits­plät­ze im Berg­bau" und "der Bestand oder die Ver­bes­se­rung der Wirt­schafts­struk­tur", den Anfor­de­run­gen des Art. 14 Abs. 3 GG an eine hin­rei­chend bestimm­te Gemein­wohl­prä­zi­sie­rung genü­gen 57. Die Beschrei­bung bei­der Gemein­wohl­zie­le ist aller­dings so all­ge­mein und unspe­zi­fisch gehal­ten, dass auch unter Berück­sich­ti­gung der gene­rel­len Beschrän­kung der Ent­eig­nungs­er­mäch­ti­gung auf den Anwen­dungs­be­reich des Bun­des­berg­ge­set­zes Zwei­fel blei­ben, ob der Ver­wal­tung bei der Ent­schei­dung, ob ein Vor­ha­ben dem Wohl der All­ge­mein­heit im Sin­ne von Art. 14 Abs. 3 Satz 1 GG dient, kein zu gro­ßer Spiel­raum ein­ge­räumt ist, zumal wenn es sich um eine Ent­eig­nung zuguns­ten Pri­va­ter han­delt.

Der Gesetz­ge­ber hat mit hin­rei­chen­der Bestimmt­heit die Vor­ha­ben der Art nach benannt, für deren Ver­wirk­li­chung unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 79 BBergG ent­eig­net wer­den darf. Nach § 77 Abs. 1 BBergG kann auf Antrag des Unter­neh­mers eine Grund­ab­tre­tung durch­ge­führt wer­den, soweit für die Errich­tung oder Füh­rung eines Gewin­nungs­be­triebs oder Auf­be­rei­tungs­be­triebs die Benut­zung eines Grund­stücks not­wen­dig ist. Was unter einem Gewin­nungs- und was unter einem Auf­be­rei­tungs­be­trieb zu ver­ste­hen ist, ergibt sich aus § 4 Abs. 2, 3 und 8 BBergG. Eine genaue­re Umschrei­bung der Vor­ha­ben, zuguns­ten derer ent­eig­net wer­den darf, ist mit Rück­sicht auf die damit ver­folg­ba­ren Gemein­wohl­zie­le der Sicher­stel­lung der Ver­sor­gung des Mark­tes mit Roh­stof­fen und in die­sem Zusam­men­hang der Siche­rung des sinn­vol­len und plan­mä­ßi­gen Abbaus der Lager­stät­ten von Ver­fas­sungs wegen nicht gebo­ten. Die Fest­le­gung auf Gewin­nungs- und Auf­be­rei­tungs­be­trie­be und die damit zusam­men­hän­gen­den Tätig­kei­ten und Ein­rich­tun­gen als mög­li­che Pro­jek­te, zu deren Guns­ten ent­eig­net wer­den darf, ent­spricht der Sys­te­ma­tik des Bun­des­berg­rechts. Eine wei­ter­ge­hen­de gesetz­li­che Kon­kre­ti­sie­rung der Vor­ha­ben ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht gebo­ten.

Von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den sind die Bestim­mun­gen des Bun­des­berg­ge­set­zes über die Grund­ab­tre­tung, soweit sie – wie in aller Regel – die Ent­eig­nung zuguns­ten eines pri­va­ten Berg­bau­trei­ben­den ermög­li­chen.

Der für das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren maß­geb­li­che Grund­ab­tre­tungs­zweck, die Ver­sor­gung des Mark­tes mit bestimm­ten, im Bun­des­berg­ge­setz benann­ten Roh­stof­fen zu sichern, wird regel­mä­ßig bereits unmit­tel­bar durch die Geschäfts­tä­tig­keit des Berg­bau­un­ter­neh­mens, näm­lich durch das Gewin­nen des Roh­stof­fes und des­sen Ver­äu­ße­rung am Markt, erreicht. In Über­ein­stim­mung hier­mit hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­ner Leit­ent­schei­dung vom 14.12.1990 zur Ent­eig­nung im Berg­recht aus­ge­führt, wenn ein Berg­bau­un­ter­neh­mer zur Siche­rung der Roh­stoff­ver­sor­gung Boden­schät­ze auf­su­che und gewin­ne, erfül­le er damit – wenn auch mit dem Motiv des Erwirt­schaf­tens eines Gewinns – unmit­tel­bar den Zweck, den das Bun­des­berg­ge­setz als dem öffent­li­chen Nut­zen die­nend bestim­me 58. Damit kommt auch ein pri­va­tes Berg­bau­un­ter­neh­men der Art von Unter­neh­men nahe, die bereits ihrem Geschäfts­ge­gen­stand nach der Daseins­vor­sor­ge zuge­ord­net wer­den mit der Fol­ge, dass es genügt, wenn hin­rei­chen­de Vor­keh­run­gen dafür getrof­fen sind, dass die selbst­ge­stell­te "öffent­li­che" Auf­ga­be ord­nungs­ge­mäß erfüllt wird 59.

Die­sen Anfor­de­run­gen genügt das Bun­des­berg­ge­setz. So steht es dem Unter­neh­men nur bedingt frei, zu wel­chem Zeit­punkt es den Roh­stoff gewinnt, des­sen Abbau ihm unter Inan­spruch­nah­me frem­den Grund­ei­gen­tums gestat­tet ist. Das Bun­des­berg­ge­setz schreibt vor, dass die Behör­de ihm dies­be­züg­lich eine Frist set­zen muss (§ 81 Abs. 1 Satz 2 BBergG; vgl. auch § 95 BBergG). Hält der Grund­ab­tre­tungs­be­güns­tig­te die Frist nicht ein oder gibt er den Grund­ab­tre­tungs­zweck vor Ablauf der Frist auf, so ist die Grund­ab­tre­tung grund­sätz­lich auf­zu­he­ben (vgl. § 96 BBergG).

Wei­ter­ge­hen­de Rege­lun­gen über eine dau­er­haf­te Siche­rung des Ent­eig­nungs­zwecks sind bei berg­recht­li­chen Grund­ab­tre­tun­gen von Ver­fas­sungs wegen nicht gebo­ten. Ist der Roh­stoff, für des­sen Gewin­nung eine Grund­ab­tre­tung erfor­der­lich war, gewon­nen, darf der Gesetz­ge­ber davon aus­ge­hen, dass er dem Markt zur Ver­fü­gung gestellt wird, ohne dass es hier­für ergän­zen­der gemein­wohl­si­chern­der Vor­keh­run­gen bedürf­te.

Die im Bun­des­berg­ge­setz ent­hal­te­ne gesetz­li­che Aus­ge­stal­tung für die Zulas­sung und den Betrieb von Auf­be­rei­tungs- und Gewin­nungs­be­trie­ben bis hin zu hier­für erfor­der­li­chen Grund­ab­tre­tun­gen wirft aller­dings ver­fas­sungs­recht­li­che Fra­gen auf. Zum einen fehlt es an aus­drück­li­chen gesetz­li­chen Vor­ga­ben für die gebo­te­ne Gesamt­ab­wä­gung; zum ande­ren ist effek­ti­ver, ins­be­son­de­re recht­zei­ti­ger Rechts­schutz gegen die Grund­ab­tre­tung, jeden­falls bei Groß­vor­ha­ben, nicht zuver­läs­sig gewähr­leis­tet.

Eine Ent­eig­nung erfolgt nur dann im Sin­ne des Art. 14 Abs. 3 Satz 1 GG zum Woh­le der All­ge­mein­heit, wenn das Vor­ha­ben, zu des­sen Ver­wirk­li­chung es der Ent­eig­nung bedarf, sei­ner­seits dem Gemein­wohl dient. Gemein­wohl­dien­lich ist ein Vor­ha­ben aber nur, wenn neben sei­ner Eig­nung, das gesetz­lich vor­ge­ge­be­ne Gemein­wohl­ziel sub­stan­ti­ell zu för­dern, eine Gesamt­ab­wä­gung der für das Vor­ha­ben spre­chen­den Gemein­wohl­grün­de mit den durch sei­ne Ver­wirk­li­chung beein­träch­tig­ten öffent­li­chen und pri­va­ten Belan­gen zuguns­ten des Vor­ha­bens aus­fällt. Das ist dann nicht der Fall, wenn die durch das Vor­ha­ben beein­träch­tig­ten öffent­li­chen und pri­va­ten Belan­ge über­wie­gen.

Vor allem bei der Zulas­sung kom­ple­xer Vor­ha­ben wie einem Braun­koh­len­ta­ge­bau, dem ein zeit­auf­wän­di­ges, viel­schich­ti­ges Ver­fah­ren vor­aus­geht, bedarf es kla­rer und trans­pa­ren­ter Regeln, die gera­de auch die Gesamt­ab­wä­gung als Kern­stück einer sol­chen Zulas­sung im Ver­fah­rens­ab­lauf, in der Zuord­nung der Ver­ant­wort­lich­kei­ten und in der Grund­struk­tur ihrer Ent­schei­dungs­vor­aus­set­zun­gen ein­deu­tig fest­le­gen. Das ist nicht nur not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung eines rechts­staat­li­chen Ver­fah­rens, das die Ver­wal­tung lei­tet und dem Begüns­tig­ten Sicher­heit gibt, son­dern auch zum Schut­ze der Eigen­tums­be­trof­fe­nen durch Art. 14 GG gefor­dert.

Die Rege­lun­gen des Bun­des­berg­ge­set­zes schrei­ben weder in den Be-stim­mun­gen über die Auf­su­chung und Gewin­nung von Boden­schät­zen und über die Zulas­sung von Betriebs­plä­nen (Drit­ter Teil, §§ 39 bis 57c) noch in denen über die Grund­ab­tre­tung (Sie­ben­ter Teil, §§ 77 ff.) die erfor­der­li­che Gesamt­ab­wä­gung aus­drück­lich vor.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat aller­dings inzwi­schen mit sei­nem Urteil vom 29.06.2006 60, das im Aus­gangs­ver­fah­ren zu der ers­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­de 4 ergan­gen ist, auf die­se Unzu­läng­lich­kei­ten der Zulas­sungs­be­stim­mun­gen für berg­bau­li­che Betrie­be reagiert und über § 48 Abs. 2 BBergG auch eine Abwä­gung der Inter­es­sen der betrof­fe­nen Grund­ei­gen­tü­mer mit den berech­tig­ten Belan­gen des Berg­baus gefor­dert 61. Die­ses Ver­ständ­nis des ein­fa­chen Rechts gibt Raum für die von Ver­fas­sungs wegen gebo­te­ne Gesamt­ab­wä­gung bei der Zulas­sung eines Rah­men­be­triebs­plans.

Schließ­lich regelt das Gesetz nicht ein­deu­tig, ob die nach Art. 14 Abs. 3 GG gebo­te­ne Gesamt­ab­wä­gung jeden­falls im Rah­men der jewei­li­gen Grund­ab­tre­tung für das Gesamt­vor­ha­ben vor­zu­neh­men ist und wie sich die­se zu der schon zuvor bei der Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans gefor­der­ten Abwä­gung ver­hält; in den §§ 77 ff. BBergG über die Grund­ab­tre­tung wird die Gesamt­ab­wä­gung nicht erwähnt.

Es ent­spricht aller­dings seit lan­gem gefes­tig­ter ver­wal­tungs­ge­richt­li­cher Recht­spre­chung, dass zur Gewin­nung eines Boden­schat­zes eine Ent­eig­nung im Ein­zel­fall nur auf­grund einer Gesamt­ab­wä­gung zuläs­sig ist. Im Rah­men die­ser Abwä­gung ist nicht nur zu prü­fen, ob das öffent­li­che Inter­es­se an der Gewin­nung gera­de des bestimm­ten Boden­schat­zes zur Ver­sor­gung des Mark­tes mit Roh­stof­fen und damit im Ergeb­nis gleich­lau­fend das durch eine Berg­bau­be­rech­ti­gung gesi­cher­te Inter­es­se des Berg­bau­trei­ben­den an des­sen Gewin­nung und Ver­wer­tung 62 so gewich­tig sind, dass es den Zugriff auf pri­va­tes Eigen­tum erfor­dert. Zu prü­fen ist auch, ob ande­re, gewich­ti­ge­re All­ge­mein­wohl­in­ter­es­sen, bei­spiels­wei­se sol­che des Land­schafts­schut­zes, des Denk­mal­schut­zes, der Was­ser­wirt­schaft, der Raum­ord­nung oder des Städ­te­baus, der Gewin­nung des Boden­schat­zes an die­ser Stel­le ent­ge­gen­ste­hen 63. Hier­zu zählt bei Vor­ha­ben, die in grö­ße­rem Aus­maß Umsied­lun­gen erfor­dern, ins­be­son­de­re auch eine nähe­re Wür­di­gung des Aus­ma­ßes sol­cher Umsied­lun­gen ins­ge­samt, ihrer kon­kre­ten Bedeu­tung für die Gesamt­heit der Betrof­fe­nen sowie der inso­weit getrof­fe­nen Aus­gleichs­maß­nah­men. Eine die­se öffent­li­chen Belan­ge ein­be­zie­hen­de Ent­schei­dung kön­nen nach ver­wal­tungs­ge­richt­li­cher Recht­spre­chung auch Pri­va­te ver­lan­gen, deren Eigen­tum für das Vor­ha­ben in Anspruch genom­men wer­den soll; denn ein Vor­ha­ben, das zwar dem gesetz­lich bestimm­ten Ent­eig­nungs­zweck dient, dem aber über­wie­gen­de öffent­li­che Belan­ge ande­rer Art ent­ge­gen­ste­hen, dient nicht dem All­ge­mein­wohl; dafür ist eine Ent­eig­nung nicht zuläs­sig 64.

Jeden­falls für die im Rah­men der vor­lie­gen­den Ver­fas­sungs­be­schwer­de maß­geb­li­che Gesamt­ab­wä­gung, die anläss­lich der Ent­schei­dung über die Grund­ab­tre­tung vor­zu­neh­men ist, hat die­se gefes­tig­te ver­wal­tungs­ge­richt­li­che Recht­spre­chung die inso­weit unkla­re Rechts­la­ge hin­rei­chend prä­zi­siert. Danach hat die Ent­eig­nungs­be­hör­de bei der Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung der Ent­eig­nung eine Gesamt­ab­wä­gung sämt­li­cher für und gegen das Vor­ha­ben spre­chen­der Belan­ge im vor­ste­hend beschrie­be­nen Sinn vor­zu­neh­men, deren gericht­li­che Über­prü­fung die Ent­eig­nungs­be­trof­fe­nen ver­lan­gen kön­nen.

Die­se aus Anlass der Ent­eig­nung vor­zu­neh­men­de Gesamt­ab­wä­gung ist nicht des­halb hin­fäl­lig, weil auch für die Ent­schei­dung über die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans – vor­lie­gend für das Vor­ha­ben Garz­wei­ler I/​II – der Sache nach schon eine Gesamt­ab­wä­gung gebo­ten ist. Da kei­ne förm­li­che Bin­dungs­wir­kung, ins­be­son­de­re kei­ne ent­eig­nungs­recht­li­che Vor­wir­kung, der Zulas­sungs­ent­schei­dun­gen über den Rah­men- oder die Haupt­be­triebs­plä­ne für ein nach­fol­gen­des Grund­ab­tre­tungs­ver­fah­ren im Gesetz vor­ge­se­hen ist 65, macht eine Gesamt­ab­wä­gung im Ver­fah­ren über den Rah­men­be­triebs­plan die Gesamt­ab­wä­gung im Grund­ab­tre­tungs­be­schluss, selbst wenn sie sich inhalt­lich weit­ge­hend ent­spre­chen, nicht ent­behr­lich.

Die gesetz­li­che Aus­ge­stal­tung der Rechts­schutz­mög­lich­kei­ten gegen berg­recht­li­che Gewin­nungs­be­trie­be in der für den Beschwer­de­füh­rer damals noch maß­geb­li­chen Aus­le­gung durch die Ver­wal­tungs­ge­rich­te vor dem Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 29.06.2006 66 genüg­te jeden­falls für Braun­koh­len­ta­ge­baue nicht den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an effek­ti­ven Rechts­schutz, da sie den Eigen­tums­be­trof­fe­nen eine Kla­ge­mög­lich­keit erst gegen die Ent­eig­nungs­ent­schei­dung und damit zu spät eröff­ne­te.

Von einer Ent­eig­nung Betrof­fe­ne haben einen Anspruch dar­auf, dass letzt­ver­bind­lich durch ein Gericht ent­schie­den wer­den kann, ob die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen einer Ent­eig­nung in ihrem Fall vor­lie­gen. Die recht­spre­chen­de Gewalt muss die Ent­eig­nung in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht auf ihre Recht­mä­ßig­keit prü­fen 48. Effek­ti­ver Rechts­schutz ver­langt auch recht­zei­ti­gen Rechts­schutz. Der Bür­ger hat einen Anspruch dar­auf, dass ihm vor der Schaf­fung voll­ende­ter Tat­sa­chen Rechts­schutz gegen belas­ten­de Hoheits­ak­te eröff­net ist 67.

Baut eine Ent­eig­nung auf behörd­li­chen Vor­ent­schei­dun­gen auf, die einer gericht­li­chen Kon­trol­le noch nicht zugäng­lich waren, ver­langt die aus Art. 14 Abs. 1 GG abge­lei­te­te Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes, dass mit der Anfech­tung der Ent­eig­nung auch die­se Vor­ent­schei­dun­gen einer umfas­sen­den gericht­li­chen Über­prü­fung unter­zo­gen wer­den kön­nen. Andern­falls müss­ten betrof­fe­ne Eigen­tü­mer Ein­grif­fe in ihr Grund­recht auf­grund behörd­li­cher (Vor-)Entscheidungen hin­neh­men, gegen die ihnen Rechts­schutz gänz­lich ver­sagt geblie­ben wäre. Das wäre mit der Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes nicht ver­ein­bar.

Für das der Ver­fas­sungs­be­schwer­de zugrun­de lie­gen­de Aus­gangs­ver­fah­ren war den spä­ter durch eine Grund­ab­tre­tung Eigen­tums­be­trof­fe­nen nach dama­li­ger Rechts­la­ge kei­ne Mög­lich­keit geson­der­ten Rechts­schut­zes gegen die das Abbau­vor­ha­ben zulas­sen­den behörd­li­chen Vor­ent­schei­dun­gen eröff­net, selbst wenn zu die­sem Zeit­punkt die nach­fol­gen­de Grund­stücks­inan­spruch­nah­me bereits abseh­bar war. Der Grund­ab­tre­tungs­be­schluss zuguns­ten des Braun­koh­len­ta­ge­baus Garz­wei­ler war des­halb für den Beschwer­de­füh­rer der ers­te angreif­ba­re Hoheits­akt. Sei­ne zuvor gegen die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans von ihm ergrif­fe­nen Rechts­be­hel­fe blie­ben erfolg­los, weil ihn nach damals gefes­tig­ter ver­wal­tungs­ge­richt­li­cher Recht­spre­chung die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans nicht in eige­nen Rech­ten ver­let­zen konn­te. Dem­entspre­chend stand der grund­sätz­li­che Anspruch des Beschwer­de­füh­rers auf gericht­li­che Kon­trol­le des Ent­eig­nungs­ak­tes ein­schließ­lich der Gesamt­ab­wä­gung für das damit kon­kret ver­folg­te Vor­ha­ben Tage­bau Garz­wei­ler I/​II anläss­lich sei­ner Kla­ge gegen den Grund­ab­tre­tungs­be­schluss außer Fra­ge. Die zwi­schen­zeit­lich vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt durch die Ände­rung sei­ner Recht­spre­chung auch für den Eigen­tums­be­trof­fe­nen eröff­ne­te Mög­lich­keit, bereits die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans anzu­grei­fen 68, ändert hier­an nichts, da sie erst nach gegen­über dem Beschwer­de­füh­rer rechts­kräf­ti­gem Abschluss des Ver­fah­rens über die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans Garz­wei­ler erfolg­te.

Die­ses dem Bun­des­berg­ge­setz nach ursprüng­li­chem fach­ge­richt­li­chem Ver­ständ­nis zugrun­de lie­gen­de Rechts­schutz­kon­zept konn­te die ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­pflich­tung zur Gewäh­rung effek­ti­ven Rechts­schut­zes ein­lö­sen, solan­ge die Betriebs­plan­zu­las­sung für einen Gewin­nungs­be­trieb und etwa not­wen­dig wer­den­de Grund­ab­tre­tun­gen zeit­lich so nahe bei­ein­an­der lie­gen, dass das Gesamt­ver­fah­ren weder inhalt­lich noch zeit­lich eine Dimen­si­on erreicht, die Kor­rek­tu­ren des Vor­ha­bens anläss­lich des Angriffs gegen die Ent­eig­nungs­ent­schei­dung aus­schließt. Ein sol­ches Kon­zept hält zwar das Betriebs­plan­zu­las­sungs­ver­fah­ren von Rechts­strei­tig­kei­ten durch Drit­te frei, belas­tet aber eigen­tums­be­trof­fe­ne Drit­te mit der Not­wen­dig­keit, bis zur Ent­eig­nung mit Rechts­schutz­be­geh­ren zuwar­ten zu müs­sen, und Unter­neh­men mit dem Risi­ko einer spä­ten Abän­de­rungs­ent­schei­dung des frü­her geneh­mig­ten Betriebs­plans. Gegen ein sol­ches Kon­zept bestehen kei­ne durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Ein­wän­de, solan­ge effek­ti­ver Rechts­schutz auch fak­tisch mög­lich und zumut­bar bleibt.

Für kom­ple­xe Groß­ver­fah­ren – wie hier den Braun­koh­len­ta­ge­bau Garz­wei­ler, deren Pla­nung und Geneh­mi­gung auf zahl­rei­chen Ent­schei­dungs­ebe­nen erfolgt, sich über vie­le Jah­re erstreckt und bei denen auch in tat­säch­li­cher Hin­sicht im Lau­fe die­ses Zeit­raums Fest­le­gun­gen erfol­gen, deren Kor­rek­tur rea­lis­tisch nicht, jeden­falls nicht in sub­stan­ti­el­ler Wei­se, erwar­tet wer­den kann, genügt ein Rechts­schutz­kon­zept, das den in ihren Rech­ten Betrof­fe­nen erst ganz am Ende des Ver­fah­rens die ers­te Rechts­schutz­mög­lich­keit eröff­net, hin­ge­gen nicht ver­fas­sungs­recht­li­chen Effek­ti­vi­täts­an­for­de­run­gen. Der Rechts­be­helf des von einer Ent­eig­nung betrof­fe­nen Grund­ei­gen­tü­mers hat unter sol­chen Bedin­gun­gen, selbst wenn sei­ne Ein­wän­de gegen die Gemein­wohl­dien­lich­keit des Vor­ha­bens im Aus­gangs­punkt berech­tigt erschie­nen, regel­mä­ßig kei­ne rea­lis­ti­schen Erfolgs­chan­cen mehr. Die für einen effek­ti­ven Rechts­schutz gegen die Ent­eig­nung gebo­te­ne Inzi­dent­kon­trol­le des Vor­ha­bens – wie hier des Tage­baus Garz­wei­ler I/​II – kommt typi­scher­wei­se zu spät und schmä­lert damit wesent­lich die Erfolgs­aus­sich­ten auch berech­tig­ter Ein­wän­de gegen die kon­kre­te Ent­eig­nung. Es kann nicht ernst­haft erwar­tet wer­den, dass die im Jah­re 2005 mit der Kla­ge gegen den Grund­ab­tre­tungs­be­schluss vor­ge­brach­ten Ein­wän­de gegen den Braun­koh­len­ta­ge­bau Garz­wei­ler, des­sen Pla­nun­gen auf das Jahr 1987 zurück­ge­hen, für den über meh­re­re Jah­re ein Braun­koh­len­plan und Umsied­lungs­plä­ne erstellt wur­den, für den in einem wie­der­um mehr­jäh­ri­gen Ver­fah­ren ein Rah­men­be­triebs­plan auf­ge­stellt und im Jah­re 1997 zuge­las­sen wur­de und des­sen 4.800 Hekt­ar gro­ße Flä­che (Garz­wei­ler II) seit dem Jahr 2006 abge­baut wird, im Rah­men der Inzi­dent­prü­fung auf die Kla­ge gegen die Ent­eig­nung eines Grund­stücks den Tage­bau in glei­cher Wei­se grund­sätz­lich in Fra­ge stel­len, wie dies bei einer frü­he­ren Kla­ge der Fall sein könn­te. Des­glei­chen sind in einer sol­chen Situa­ti­on dem Begeh­ren auf Ver­scho­nung eines Grund­stücks, das inmit­ten des groß­flä­chi­gen Tage­baus liegt, und des­sen kon­kre­te Inan­spruch­nah­me des­halb schon lan­ge vor der Ent­eig­nungs­de­tail­pla­nung für den Tage­bau fest steht, zu einem so spä­ten Zeit­punkt rea­lis­ti­scher­wei­se kaum Erfolgs­chan­cen ein­zu­räu­men. Ist gericht­li­cher Rechts­schutz in solch kom­ple­xen Groß­ver­fah­ren erst­mals gegen die Grund­ab­tre­tung eröff­net, kommt er regel­mä­ßig zu spät, weil er grund­sätz­lich nicht mehr auf eine Kor­rek­tu­ren zugäng­li­che Pro­jekt­la­ge trifft.

Der Grund­ab­tre­tungs­be­schluss und die sei­ne Recht­mä­ßig­keit bestä­ti­gen­den Ent­schei­dun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts und des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts ver­let­zen das Eigen­tums­grund­recht des Beschwer­de­füh­rers, weil sie die für eine Ent­eig­nung erfor­der­li­che Gesamt­ab­wä­gung der für und gegen den Tage­bau spre­chen­den Belan­ge nicht in einer den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen genü­gen­den Wei­se durch­ge­führt oder kon­trol­liert haben. Die Ent­eig­nung des Grund­stücks des Beschwer­de­füh­rers durf­te von der Ent­eig­nungs­be­hör­de zwar als erfor­der­lich für den wirt­schaft­li­chen und sach­ge­mä­ßen Betrieb des Tage­baus Garz­wei­ler II ange­se­hen wer­den, die gebo­te­ne Gesamt­ab­wä­gung in Bezug auf das Vor­ha­ben haben aber weder die Ent­eig­nungs­be­hör­de noch die sie bestä­ti­gen­den Gerich­te vor­ge­nom­men.

Das Grund­stück des Beschwer­de­füh­rers liegt inmit­ten des Tage­baus Garz­wei­ler I/​II. Sein Abbau ist für eine tech­nisch und wirt­schaft­lich sach­ge­mä­ße Betriebs­füh­rung (vgl. § 77 Abs. 2 BBergG) im Sin­ne des zuge­las­se­nen Rah­men­be­triebs­plans erfor­der­lich. Eine Umfah­rung des Grund­stücks im Rah­men des Braun­koh­len­ab­baus wür­de nach den inso­weit nicht ange­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts dazu füh­ren, dass etwa 60 Mil­lio­nen Ton­nen Braun­koh­le nicht gewon­nen wer­den könn­ten, zugleich wür­de dem Grund­stück jede sinn­vol­le ander­wei­ti­ge Nut­zungs­mög­lich­keit genom­men. Eige­ne Grund­stü­cke des Betrei­bers ste­hen für die­sen Zweck natur­ge­mäß ohne­hin nicht zur Ver­fü­gung. Der Abbau die­ses Grund­stücks ist damit für die Umset­zung des Vor­ha­bens Tage­bau Garz­wei­ler I/​II im ent­eig­nungs­recht­li­chen Sin­ne erfor­der­lich. Dar­auf, ob gera­de die unter dem Grund­stück des Beschwer­de­füh­rers lie­gen­de Braun­koh­le für die Ener­gie­ver­sor­gung unver­zicht­bar ist, kommt es nicht an. Bezugs­punkt der Erfor­der­lich­keits­prü­fung für die Inan­spruch­nah­me des Grund­stücks ist das kon­kre­te Vor­ha­ben, nicht das mit ihm ver­folg­te Gemein­wohl­ziel.

Ob das Vor­ha­ben, zu des­sen Guns­ten ent­eig­net wird, dem Gemein­wohl dient, wie Art. 14 Abs. 3 Satz 1 GG es ver­langt, hängt zunächst davon ab, ob die­ses Vor­ha­ben ver­nünf­ti­ger­wei­se gebo­ten ist, um das kon­kret ver­folg­te Gemein­wohl­ziel zu errei­chen oder jeden­falls sub­stan­ti­ell zu för­dern. Dar­über hin­aus bedarf es einer Gesamt­ab­wä­gung zwi­schen den für das Vor­ha­ben spre­chen­den Gemein­wohl­be­lan­gen und den durch sei­ne Ver­wirk­li­chung beein­träch­tig­ten öffent­li­chen und pri­va­ten Belan­gen. Die­se Gesamt­ab­wä­gung im Hin­blick auf das Tage­bau­vor­ha­ben Garz­wei­ler I/​II ist hier schon des­halb anläss­lich der Grund­ab­tre­tung gebo­ten, weil die Zulas­sung des Vor­ha­bens durch den Rah­men­be­triebs­plan für den Beschwer­de­füh­rer aus­ge­hend von der dama­li­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vor­her nicht anfecht­bar war.

Da die ange­grif­fe­nen Beschlüs­se der Ent­eig­nungs­be­hör­de und des sie bestä­ti­gen­den Ver­wal­tungs- und Ober­ver­wal­tungs­ge­richts den Beschwer­de­füh­rer bereits des­halb in Art. 14 Abs. 1 und 3 GG ver­let­zen, weil kei­ner von ihnen die erfor­der­li­che Gesamt­ab­wä­gung in Bezug auf den Tage­bau Garz­wei­ler I/​II vor­ge­nom­men hat, bedarf es hier kei­ner Ent­schei­dung dar­über, ob der Tage­bau Garz­wei­ler I/​II für die Siche­rung der Ener­gie­ver­sor­gung ver­nünf­ti­ger­wei­se gebo­ten ist.

Die Bezirks­re­gie­rung hat sich in dem Grund­ab­tre­tungs­be­schluss als Ent­eig­nungs­be­hör­de zwar ein­ge­hend mit der Bedeu­tung des Tage­baus Garz­wei­ler für die Ver­sor­gung des Ener­gie­mark­tes mit Braun­koh­le befasst. Eine auch nur annä­hernd aus­rei­chen­de Zusam­men­stel­lung und Bewer­tung der dem Vor­ha­ben ent­ge­gen­ste­hen­den öffent­li­chen Belan­ge, ins­be­son­de­re des Natur- und Was­ser­schut­zes, und vor allem eine Gewich­tung der in der Sum­me betrof­fe­nen pri­va­ten Belan­ge, vor allem der Umsied­lungs­be­trof­fe­nen, ent­hält der Beschluss hin­ge­gen nicht. Dass und wie die gebo­te­ne Gesamt­ab­wä­gung auf die­ser Grund­la­ge erfolgt sein könn­te, ist nicht erkenn­bar.

Ent­spre­chen­des gilt für das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts. Auch in ihm fin­det kei­ne sub­stan­ti­el­le Abwä­gung mit den betrof­fe­nen ori­gi­när öffent­li­chen und in ihrer Sum­me eben­falls als öffent­li­che Belan­ge im Sin­ne des § 48 Abs. 2 BBergG aggre­gier­ten pri­va­ten Eigen­tums­be­lan­gen, ins­be­son­de­re der Umzu­sie­deln­den, statt.

Auch das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nimmt in dem Urteil vom 21.12.2007 69 nicht die nach Art. 14 Abs. 3 GG gebo­te­ne Gesamt­ab­wä­gung vor.

Aller­dings hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt im Aus­gangs­punkt zutref­fend erkannt, dass Art. 14 Abs. 3 GG eine Gesamt­ab­wä­gung vor­schreibt. Es hat sie in ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Wei­se dahin umschrie­ben, dass nicht nur zu prü­fen sei, ob das öffent­li­che Inter­es­se an der Gewin­nung gera­de des bestimm­ten Boden­schat­zes, hier von Braun­koh­le, zur Ver­sor­gung des Mark­tes so gewich­tig sei, dass es den Zugriff auf pri­va­tes Ober­flä­chen­ei­gen­tum erfor­de­re, son­dern auch, ob ande­re, gewich­ti­ge­re All­ge­mein­wohl­in­ter­es­sen, zum Bei­spiel sol­che des Land­schafts­schut­zes, des Denk­mal­schut­zes, der Was­ser­wirt­schaft, der Raum­ord­nung oder des Städ­te­baus, der Gewin­nung des Boden­schat­zes an der in Rede ste­hen­den Stel­le ent­ge­gen­stün­den. Dass das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt dabei zu den ent­ge­gen­ste­hen­den öffent­li­chen Belan­gen zu Recht auch die der umsied­lungs­be­trof­fe­nen Eigen­tü­mer zählt, ergibt sich aus deren Erör­te­rung im Rah­men der Abwä­gung.

Die­se Gesamt­ab­wä­gung kann grund­sätz­lich auch noch im Gerichts­ver­fah­ren nach­ge­holt wer­den, wenn dafür eine aus­rei­chen­de Tat­sa­chen­grund­la­ge vor­han­den ist. Denn die Grund­ab­tre­tung ist gesetz­lich nicht als eine pla­ne­ri­sche Ent­schei­dung mit Gestal­tungs­frei­heit der Behör­de, son­dern als eine gebun­de­ne Ent­schei­dung aus­ge­stal­tet, die des­halb durch nach­voll­zie­hen­des Abwä­gen auch von den Gerich­ten vor­ge­nom­men wer­den kann 70.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat jedoch die der Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans für den Tage­bau Garz­wei­ler I/​II zumin­dest der Sache nach zugrun­de lie­gen­de Gesamt­ab­wä­gung nicht aus­rei­chend nach­voll­zo­gen und ist damit der gebo­te­nen gericht­li­chen Kon­trol­le nicht gerecht gewor­den. Dadurch hat es das Eigen­tums­grund­recht des Beschwer­de­füh­rers ver­letzt.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat sei­ne Prü­fung der sich bei der Gesamt­ab­wä­gung gegen­über­ste­hen­den Belan­ge, die für und gegen den Braun­koh­len­ta­ge­bau Garz­wei­ler spre­chen, aus­drück­lich inso­weit ein­ge­schränkt, als über sie bereits im Rah­men der Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans ent­schie­den wor­den sei. Die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans sei dem Beschwer­de­füh­rer gegen­über bestands­kräf­tig, weil sei­ne Kla­ge dage­gen mit der Zurück­wei­sung der Beru­fung durch das Urteil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts vom 07.06.2005 8 rechts­kräf­tig abge­wie­sen wor­den sei. Infol­ge­des­sen ver­weist das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in dem hier ange­grif­fe­nen Urteil zu zahl­rei­chen Fest­stel­lun­gen und Tat­sa­chen­wür­di­gun­gen ohne eige­ne Sach­prü­fung auf die nach sei­ner Auf­fas­sung auch im Aus­gangs­ver­fah­ren über die Grund­ab­tre­tung bin­den­den Erkennt­nis­se zum Rah­men­be­triebs­plan: so etwa zur ener­gie­po­li­ti­schen Erfor­der­lich­keit des Braun­koh­len­ab­baus aus dem Tage­bau Garz­wei­ler, zu den Beein­träch­ti­gun­gen der Bewoh­ner durch Umsied­lungs­maß­nah­men, zur Umge­stal­tung der Land­schaft ins­be­son­de­re im Hin­blick auf Beein­träch­ti­gun­gen von Fau­na-Flo­ra-Habi­tat-Gebie­ten, zu Vor­ga­ben der natur­schutz­recht­li­chen Ein­griffs­re­ge­lung, zu Belan­gen des Wald­schut­zes und des Boden­schut­zes sowie zu lan­des­pla­ne­ri­schen Anfor­de­run­gen.

Hier­bei lässt das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt unbe­rück­sich­tigt, dass in jenem Urteil vom 07.06.2005, aus dem es die Bestands­kraft der Rah­men­be­triebs­plan­zu­las­sung und damit die Bin­dung des Beschwer­de­füh­rers her­lei­tet, auf des­sen Kla­ge hin gera­de kei­ne Sach­prü­fung der Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans durch­ge­führt wor­den ist. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat dies in Über­ein­stim­mung mit der dama­li­gen bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung damit begrün­det, dass die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans nach ihrem Rege­lungs­ge­gen­stand und ihrer Rege­lungs­wir­kung Grund­rech­te und sub­jek­ti­ve Rech­te von Dritt­be­trof­fe­nen wie den Beschwer­de­füh­rer nicht ver­let­zen kön­ne. In dem für die Braun­koh­len­pla­nung gel­ten­den Sys­tem gestuf­ter Betrof­fen­heit kom­me es erst im Grund­ab­tre­tungs­ver­fah­ren zu einem Ein­griff in das Eigen­tums­recht eines vom Abbau betrof­fe­nen Ober­flä­chen­ei­gen­tü­mers. Die­ser kön­ne die Recht­mä­ßig­keit der berg­bau­li­chen Maß­nah­me im Grund­ab­tre­tungs­ver­fah­ren unein­ge­schränkt über­prü­fen las­sen. Unge­ach­tet der Bestands­kraft der Rah­men­be­triebs­plan­zu­las­sung brau­che sich der Beschwer­de­füh­rer danach kei­ne Bin­dungs­wir­kungs­wir­kung jener Ent­schei­dung ent­ge­gen­hal­ten zu las­sen. Andern­falls müss­te er für sei­ne Ent­eig­nung maß­geb­li­che Vor­ent­schei­dun­gen hin­neh­men, ohne dass ihm dage­gen jemals die Mög­lich­keit effek­ti­ven Rechts­schut­zes eröff­net gewe­sen wäre. Die­se vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ver­tre­te­ne Auf­fas­sung ist mit der Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes gegen Eigen­tums­ein­grif­fe nach Art. 14 Abs. 1 und 3 GG nicht ver­ein­bar.

Der Vor­wurf unzu­rei­chen­der Sach­prü­fung durch das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt kann auch nicht mit der vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­nem – hier eben­falls ange­grif­fe­nen – Beschluss über die Beschwer­de gegen die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on ver­tre­te­nen Auf­fas­sung ent­kräf­tet wer­den, das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt habe sich zwar auf die (ein­ge­schränk­te) Bin­dungs­wir­kung der Vor­ent­schei­dung beru­fen, dann aber die ein­zel­nen Gesichts­punk­te doch jeweils in der Sache voll­stän­dig durch­ge­prüft 70. Es trifft zwar zu, dass das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt sich nicht mit dem jewei­li­gen Ver­weis auf die Bin­dungs­wir­kung der bestands­kräf­ti­gen Rah­men­be­triebs­plan­zu­las­sung begnügt hat, son­dern zu den ein­zel­nen Streit­punk­ten erneut in eine Sach­prü­fung ein­ge­tre­ten ist. Dabei wird aller­dings nicht deut­lich, ob es sich inso­weit um eine Voll­prü­fung han­delt oder wie­der­um um eine nur ein­ge­schränk­te Prü­fung, näm­lich begrenzt auf die Fra­ge, ob seit der rechts­kräf­ti­gen Ent­schei­dung über die Rah­men­be­triebs­plan­zu­las­sung ent­schei­dungs­er­heb­li­che Ver­än­de­run­gen der tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se ein­ge­tre­ten sind (so der eige­ne Prü­fungs­an­satz des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts). Wäh­rend die ein­lei­ten­den Aus­füh­run­gen zur Sach­prü­fung auf eine ech­te Alter­na­tiv­be­grün­dung in Form einer Voll­prü­fung hin­wei­sen, erweckt das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt an zahl­rei­chen ande­ren Stel­len sei­nes Urteils den Ein­druck, es gehe ledig­lich der Fra­ge nach, ob eine wesent­li­che Ände­rung der Sach­la­ge ein­ge­tre­ten sei. Ins­be­son­de­re geht es selbst in kei­ner Wei­se näher – auch nicht, indem es sich ander­wei­ti­ge Fest­stel­lun­gen und Bewer­tun­gen zu eigen mach­te – auf das Aus­maß und die Aus­wir­kun­gen der Umsied­lungs­maß­nah­men ein, son­dern ver­weist auch für die­sen beson­ders belas­ten­den Aspekt des Pro­jekts im Wesent­li­chen nur auf die Fest­stel­lungs­wir­kun­gen der Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans sowie auf die feh­len­de Schutz­wir­kung des Art. 11 Abs. 1 GG . Im Übri­gen hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt an kei­ner Stel­le sei­nes Urteils sei­ne Ein­gangs­fest­le­gung auf einen im Hin­blick auf die Bin­dungs­wir­kung der Rah­men­be­triebs­plan­zu­las­sung ein­ge­schränk­ten Prü­fungs­maß­stab ein­deu­tig zuguns­ten einer alter­na­ti­ven Voll­prü­fung auf­ge­ge­ben. Dar­an muss es sich fest­hal­ten las­sen.

Auch die ange­grif­fe­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ver­letzt mit der Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on die Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes aus Art.19 Abs. 4 Satz 1 GG. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nimmt die nur ein­ge­schränk­te Sach­prü­fung durch das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hin, obwohl das ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­ne Ver­ständ­nis des inso­weit zu bean­stan­den­den Urteils nach dem eige­nen Ansatz des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ansons­ten zur Zulas­sung der Revi­si­on hät­te füh­ren müs­sen. Damit wird der Zugang zur Revi­si­ons­in­stanz in sach­lich nicht ver­tret­ba­rer Wei­se ein­ge­schränkt 71.

Schließ­lich ver­let­zen die Gerich­te in den ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen die hier aus Art. 14 GG fol­gen­de Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes auch des­halb, weil sie auf einer Aus­ge­stal­tung und Aus­le­gung des Bun­des­berg­ge­set­zes beru­hen, die zu dem für sie jeweils maß­geb­li­chen Ent­schei­dungs­zeit­punkt ein struk­tu­rel­les Rechts­schutz­de­fi­zit auf­wies. Der für Ober­flä­chen­ei­gen­tü­mer erst gegen die ein­zel­ne Grund­ab­tre­tungs­ent­schei­dung eröff­ne­te gericht­li­che Rechts­schutz konn­te bei über Jahr­zehn­te lau­fen­den Groß­vor­ha­ben wie dem Tage­bau Garz­wei­ler trotz for­mal gewähr­leis­te­ter Inzi­dent­prü­fung der Rah­men­be­triebs­plan­zu­las­sung im Rah­men der Anfech­tung der Grund­ab­tre­tung nicht die gebo­te­ne tat­säch­li­che Effek­ti­vi­tät garan­tie­ren, weil er dafür zu spät kam.

Fol­gen der Grund­rechts­ver­let­zung[↑]

Der Grund­ab­tre­tungs­be­schluss und die Ent­schei­dun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts und des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts ver­let­zen den Beschwer­de­füh­rer in sei­nen Grund­rech­ten aus Art. 14 Abs. 1 Satz 1 und Art.19 Abs. 4 Satz 1 GG, jeweils in Ver­bin­dung mit Art.19 Abs. 3 GG; der Beschluss des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ver­letzt ihn zudem in Art.19 Abs. 4 Satz 1 GG.

Trotz des Erfol­ges der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ver­bleibt es bei der Fest­stel­lung der Ver­fas­sungs­ver­stö­ße durch die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen. Eine Auf­he­bung und Zurück­ver­wei­sung der Sache an das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt oder das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt erüb­rigt sich.

Eine Zurück­ver­wei­sung kommt zum einen des­halb nicht in Betracht, weil die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Inan­spruch­nah­me des Grund­stücks des Beschwer­de­füh­rers und der sie bestä­ti­gen­den Gerichts­ent­schei­dun­gen damit fest­steht, soweit sie auf einer unzu­rei­chen­den Gesamt­ab­wä­gung und der Ver­let­zung der Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes beru­hen. Eine erneu­te Sach­ent­schei­dung nach einer Zurück­ver­wei­sung könn­te dem Beschwer­de­füh­rer kei­nen über die­se Fest­stel­lung hin­aus­ge­hen­den Vor­teil ver­schaf­fen, weil das Grund­stück mitt­ler­wei­le durch den Tage­bau in Anspruch genom­men ist und eine Rück­ga­be an den Beschwer­de­füh­rer bis zur Rekul­ti­vie­rung des Tage­baus fak­tisch ohne Wert wäre 72. Dass der Beschwer­de­füh­rer selbst die Rück­ga­be des Grund­stücks nach die­sem Zeit­punkt nicht anstrebt, ergibt sich dar­aus, dass er selbst wei­ter­ge­hend die Ent­zie­hung des Eigen­tums nach § 82 Abs. 2 BBergG bean­tragt hat, nach­dem ihm zunächst nur das Recht zum Besitz dar­an ent­zo­gen und eine beschränkt per­sön­li­che Dienst­bar­keit zuguns­ten der Bei­gela­de­nen des Aus­gangs­ver­fah­rens dar­an ein­ge­tra­gen wer­den soll­te. Damit ver­zich­te­te er zugleich auf den ihm ansons­ten kraft Geset­zes zuste­hen­den Rück­ga­be­an­spruch nach § 81 Abs. 3 BBergG.

Eine Zurück­ver­wei­sung der Sache an die Fach­ge­rich­te schei­det zum ande­ren auch des­halb aus, weil sicher abseh­bar ist, dass die­se bei einer erneu­ten Sach­ent­schei­dung zu dem Ergeb­nis gelan­gen wür­den, dass der Tage­bau Garz­wei­ler I/​II zur Siche­rung der Ener­gie­ver­sor­gung zu dem ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Zeit­punkt als ver­nünf­ti­ger­wei­se gebo­ten ange­se­hen wer­den durf­te und dass auch die Gesamt­ab­wä­gung zu dem Tage­bau bei nach­voll­zie­hen­der Prü­fung durch die Gerich­te Bestand haben wür­de 73. Bei­des ergibt sich aus der Begrün­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu den ent­spre­chen­den Fra­gen, die sich anläss­lich der Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans stel­len 6.

Zuläs­sig­keit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen den Rah­men­be­triebs­plan[↑]

Die gegen die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans für den Tage­bau Garz­wei­ler I/​II und die sie bestä­ti­gen­den Gerichts­ent­schei­dun­gen gerich­te­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist mit der Rüge einer Ver­let­zung von Art. 11 und Art. 14 GG zuläs­sig. Die Ver­let­zung die­ser Grund­rech­te erscheint im Hin­blick auf die Wir­kung, die der Zulas­sung eines Rah­men­be­triebs­plans für die Rechts­stel­lung Drit­ter nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zukommt, zumin­dest mög­lich.

Die behaup­te­ten Grund­rechts­ver­let­zun­gen sind hin­rei­chend sub­stan­ti­iert gel­tend gemacht, auch im Hin­blick auf Art. 14 Abs. 1 GG. Dass der Beschwer­de­füh­rer das Eigen­tums­grund­recht nicht aus­drück­lich benennt, ist unschäd­lich 74. Er hat aus­rei­chend deut­lich gemacht, dass er sich in ers­ter Linie gegen den Ver­lust sei­ner Hei­mat wen­det, den er durch die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans maß­geb­lich vor­ent­schie­den sieht. Die Ent­wer­tung des Haus- und Woh­nungs­ei­gen­tums ist dar­in eben­so ein­be­zo­gen wie der Ver­lust des sozia­len Umfelds. Sofern die beson­de­re Bezie­hung von Bewoh­nern einer Sied­lung zu ihrem Wohn­um­feld auch durch das Haus- oder Woh­nungs­ei­gen­tum ver­fas­sungs­recht­lich geschützt wird, ist mit die­sem Vor­brin­gen zuläs­si­ger­wei­se der Sache nach eine Ver­let­zung von Art. 14 GG gerügt. Ob das Eigen­tums­grund­recht die­sen Schutz gegen die zwangs­wei­se Durch­set­zung von Umsied­lun­gen umfasst, ist im Rah­men der Begründ­etheit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de zu ent­schei­den.

Rah­men­be­triebs­plan als Ein­griff in die Frei­zü­gig­keit[↑]

Das Grund­recht auf Frei­zü­gig­keit schützt den Beschwer­de­füh­rer nicht vor der sich durch die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans für den Tage­bau Garz­wei­ler I/​II abzeich­nen­den Not­wen­dig­keit, sein Wohn­grund­stück auf­zu­ge­ben und weg­zu­zie­hen, da sich der Schutz­be­reich von Art. 11 Abs. 1 GG nicht auf die Abwehr staat­li­cher Maß­nah­men zur Rege­lung der Boden­nut­zung erstreckt, die letzt­lich zur unfrei­wil­li­gen Auf­ga­be des Wohn­sit­zes füh­ren. Das Grund­recht auf Frei­zü­gig­keit ver­mit­telt auch kein eigen­stän­di­ges Recht auf Hei­mat, ohne dass dies zu einer Schutz­lü­cke für die Betrof­fe­nen führt. Die­ses Ver­ständ­nis des Grund­rechts auf Frei­zü­gig­keit ent­spricht im Ergeb­nis auch der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te.

Art. 11 GG gewähr­leis­tet in Aner­ken­nung frei­er und selbst­be­stimm­ter Lebens­ge­stal­tung allen Deut­schen Frei­zü­gig­keit im gan­zen Bun­des­ge­biet. Mit der frei­en Wahl des Auf­ent­halts- und Wohn­orts schützt er die eige­ne Lebens­pla­nung und ‑gestal­tung vor staat­li­cher Ein­mi­schung.

Das Grund­recht auf Frei­zü­gig­keit steht his­to­risch in der Tra­di­ti­on der im Mit­tel­al­ter den Frei­en vor­be­hal­te­nen Frei­zü­gig­keit 75. In den deut­schen Ver­fas­sun­gen des 19. und des begin­nen­den 20. Jahr­hun­derts wur­de das Recht auf Frei­zü­gig­keit dann allen Staats­bür­gern garan­tiert; es war damals eng mit der Berufs- und Gewer­be­frei­heit ver­knüpft (vgl. § 133 der Pauls­kir­chen­ver­fas­sung von 1849 und Art. 111 WRV sowie § 1 des Frei­zü­gig­keits­ge­set­zes des Nord­deut­schen Bun­des von 1867 76; eben­so auch noch der ers­te Ent­wurf eines Grund­rechts auf Frei­zü­gig­keit im Par­la­men­ta­ri­schen Rat 77). Unge­ach­tet der Gewähr­leis­tung der Berufs­frei­heit als eigen­stän­di­ges Grund­recht in Art. 12 GG ist die Garan­tie der frei­en Wahl von Auf­ent­halts- und Wohn­ort in einer arbeits­tei­li­gen und aus­dif­fe­ren­zier­ten Gesell­schaft Grund­be­din­gung einer frei­en Berufs­wahl und eigen­ver­ant­wor­te­ten Siche­rung des Lebens­un­ter­halts. Das Grund­recht auf Frei­zü­gig­keit gewähr­leis­tet aber auch unab­hän­gig von sei­nen Bezü­gen zur Berufs­wahl die freie Wahl des Auf­ent­halts- und Wohn­orts als Aus­druck selbst­be­stimm­ter Lebens­ge­stal­tung. Es aner­kennt das Recht, sich in frei­er Ent­schei­dung jeder­zeit an grund­sätz­lich jeden Ort im Bun­des­ge­biet unge­hin­dert und ohne behörd­li­che Erlaub­nis bege­ben und dort auf­hal­ten zu kön­nen.

Frei­zü­gig­keit im Sin­ne des Art. 11 Abs. 1 GG bedeu­tet das Recht, an jedem Ort inner­halb des Bun­des­ge­biets Auf­ent­halt und Wohn­sitz zu neh­men 78. Hier­zu zählt die Ein­rei­se nach Deutsch­land zum Zwe­cke der Wohn­sitz­nah­me 79 und die Frei­zü­gig­keit zwi­schen Län­dern, Gemein­den und inner­halb einer Gemein­de 80.

Das Grund­recht auf Frei­zü­gig­keit garan­tiert nicht nur die Frei­heit des Zuzugs zu einem Ort im Bun­des­ge­biet, es schützt auch das Ver­blei­ben an dem in Frei­zü­gig­keit gewähl­ten Ort und damit grund­sätz­lich auch vor erzwun­ge­nen Umsied­lun­gen. Dass Art. 11 Abs. 1 GG neben der Frei­heit des Zie­hens auch das Recht schützt, an einem in Aus­übung die­ser Frei­heit gewähl­ten Ort frei von staat­li­chem Zwang zum Ver­las­sen oder zum Weg­zug ver­blei­ben zu dür­fen, ist mitt­ler­wei­le in der Recht­spre­chung aner­kannt 81 und ent­spricht ein­hel­li­ger Auf­fas­sung im rechts­wis­sen­schaft­li­chen Schrift­tum 82.

Das Recht, an jedem Ort im Bun­des­ge­biet Auf­ent­halt oder Wohn­sitz zu neh­men, könn­te aus­ge­höhlt und ent­wer­tet wer­den, wenn das Grund­recht nicht auch das Recht umfass­te, an dem frei gewähl­ten Ort ver­wei­len oder woh­nen zu dür­fen. Sonst stün­de den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern kein dem Zuzugs­recht ver­gleich­ba­rer ver­fas­sungs­recht­li­cher Schutz dage­gen zu, unmit­tel­bar nach Wahr­neh­mung des Frei­zü­gig­keits­rechts sogleich wie­der durch staat­li­che Maß­nah­men von dem gewähl­ten Ort ver­wie­sen oder ver­trie­ben zu wer­den.

Das Grund­recht auf Frei­zü­gig­keit berech­tigt aller­dings nicht dazu, an Orten im Bun­des­ge­biet Auf­ent­halt zu neh­men und zu ver­blei­ben, an denen Rege­lun­gen zur Boden­ord­nung oder Boden­nut­zung einem Dau­er­auf­ent­halt ent­ge­gen­ste­hen und so bereits den Zuzug aus­schlie­ßen oder ein­schrän­ken oder, wenn sie erst nach­träg­lich auf­ge­stellt wer­den, letzt­lich zum Weg­zug zwin­gen. Sol­che Rege­lun­gen berüh­ren jeden­falls dann nicht den Schutz­be­reich von Art. 11 Abs. 1 GG, wenn sie all­ge­mein gel­ten und nicht gezielt die Frei­zü­gig­keit bestimm­ter Per­so­nen oder Per­so­nen­grup­pen tref­fen sol­len.

Art. 11 Abs. 1 GG gewährt ein Recht zum Zuzug und Auf­ent­halt grund­sätz­lich nur dort, wo jeder Auf­ent­halt und Wohn­sitz neh­men kann. Einen Anspruch auf Schaf­fung und Erhalt der recht­li­chen und tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für einen Dau­er­auf­ent­halt ver­mit­telt Art. 11 Abs. 1 GG dage­gen nicht. Die Aus­ge­stal­tung der recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die mit einem Auf­ent­halt ver­bun­de­ne kon­kret zuläs­si­ge Boden­nut­zung an einem bestimm­ten Ort berührt daher grund­sätz­lich nicht den Schutz­be­reich der Frei­zü­gig­keit, son­dern formt die Wahr­neh­mungs­vor­aus­set­zun­gen die­ses Grund­rechts aus 83. Zu den Nor­men, die in die­ser Wei­se die Vor­aus­set­zun­gen der Wahr­neh­mung des Grund­rechts gestal­ten, gehö­ren bei dem not­wen­dig auf die Nut­zung des Rau­mes ange­wie­se­nen Frei­zü­gig­keits­recht nament­lich die Bestim­mun­gen über die Boden­nut­zung wie etwa das Bau‑, das Raumordnungs‑, das Infrastrukturplanungs‑, das Natur- und Land­schafts­schutz- oder – wie hier – das Berg­recht.

Die­se Ein­ord­nung der die Boden­nut­zung regeln­den Vor­schrif­ten außer­halb des Schutz­be­reichs der Frei­zü­gig­keit gilt nicht nur für Beschrän­kun­gen des Zuzugs, son­dern auch für sol­che Rege­lun­gen, die zu einem Weg­zug oder zum Ver­las­sen eines dau­er­haf­ten Auf­ent­halts ver­an­las­sen oder gar dazu zwin­gen. Eben­so wie bei­spiels­wei­se das bau­pla­nungs­recht­li­che Hin­der­nis für einen Zuzug ist auch die Ent­eig­nung eines Haus­grund­stücks für eine nach­träg­lich geplan­te Infra­struk­tur­maß­nah­me Fol­ge bestehen­der oder ver­än­der­ter Wahr­neh­mungs­be­din­gun­gen des Frei­zü­gig­keits­rechts, berührt aber nicht den Schutz­be­reich die­ses Grund­rechts. Ande­res kann dann gel­ten, wenn sol­che Rege­lun­gen nicht all­ge­mein gel­ten, son­dern direkt auf die Ein­schrän­kung der Frei­zü­gig­keit bestimm­ter Per­so­nen oder Per­so­nen­grup­pen zie­len. Eine sol­che Fall­ge­stal­tung liegt hier jedoch ersicht­lich nicht vor.

Ent­ste­hungs­ge­schich­te sowie Schutz­zweck und Sys­te­ma­tik stüt­zen die­ses Ver­ständ­nis des Frei­zü­gig­keits­rechts.

Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Art. 11 GG zeigt, dass die Dis­kus­si­on um die Auf­nah­me die­ses Grund­rechts in das Grund­ge­setz und um sei­ne Aus­ge­stal­tung stark von den beson­de­ren Her­aus­for­de­run­gen West­deutsch­lands ange­sichts der gro­ßen Zahl von Flücht­lin­gen in der ame­ri­ka­ni­schen, der bri­ti­schen und der fran­zö­si­schen Besat­zungs­zo­ne und der Erwar­tung wei­te­rer ein­rei­se­be­rei­ter Deut­scher geprägt war. Dabei ging es in ers­ter Linie um die Fra­ge, ob unter den dama­li­gen Bedin­gun­gen über­haupt allen Deut­schen ein Recht auf Frei­zü­gig­keit ein­ge­räumt wer­den kön­ne 84. Anhalts­punk­te dafür, dass mit dem Recht auf Frei­zü­gig­keit und sei­ner bewusst engen Schran­ken­re­ge­lung die auch damals schon bestehen­den und prak­ti­zier­ten recht­li­chen Mög­lich­kei­ten der Pla­nung und Gestal­tung von Boden­nut­zung – bei­spiels­wei­se durch die Errich­tung von Tal­sper­ren oder den Bau von Stra­ßen und Schie­nen­we­gen – spür­bar ein­ge­schränkt wer­den soll­ten, las­sen sich den Mate­ria­li­en zu Art. 11 GG an kei­ner Stel­le ent­neh­men. Die aus­führ­li­che Dis­kus­si­on der Schran­ken­pro­ble­ma­tik in der Sechs­und­drei­ßigs­ten Sit­zung des Aus­schus­ses für Grund­satz­fra­gen am 27.01.1949 85 legt im Gegen­teil den Schluss nahe, dass im Par­la­men­ta­ri­schen Rat feh­len­de tat­säch­li­che und recht­li­che Bedin­gun­gen für eine Wohn­sitz­nah­me – etwa feh­len­der Wohn­raum in einem Kata­stro­phen­ge­biet – nicht als Ein­schrän­kung des Frei­zü­gig­keits­grund­rechts ver­stan­den wur­den 86.

Das Grund­recht auf Frei­zü­gig­keit ent­fal­tet sei­nen frei­heit­li­chen Schutz­ge­halt, indem es allen Deut­schen die Mög­lich­keit garan­tiert, unge­hin­dert von staat­li­chen Restrik­tio­nen von Ort zu Ort zie­hen und dort Auf­ent­halt und Wohn­sitz neh­men zu kön­nen, sei es zum Zwe­cke der Berufs­aus­übung, sei es aus sonst frei gewähl­ten Grün­den der eige­nen Lebens­ge­stal­tung. Die­se Frei­zü­gig­keit wird in ihrem frei­heit­li­chen Gewähr­leis­tungs­ge­halt nicht geschmä­lert durch die Berück­sich­ti­gung all­ge­mein gel­ten­der Rege­lun­gen der Boden­nut­zung und ver­langt des­halb auch nicht die Frei­stel­lung von ihnen.

Die boden­recht­li­che Eig­nung oder Zuläs­sig­keit des ange­streb­ten Auf­ent­halts oder der aus­ge­üb­ten Wohn­sitz­nah­me garan­tiert Art. 11 Abs. 1 GG nicht. Wären die all­ge­mei­nen Regeln der Boden­nut­zung oder Boden­ord­nung und ihre Umset­zung als Ein­grif­fe in den Schutz­be­reich des Grund­rechts auf Frei­zü­gig­keit zu ver­ste­hen, wäre ange­sichts der engen Schran­ken des Art. 11 Abs. 2 GG eine sinn­vol­le Steue­rung der Sied­lungs­ent­wick­lung und ander­wei­ti­gen Boden­nut­zung mit Hil­fe des Raum­ord­nungs- und Bau­pla­nungs­rechts und der sons­ti­gen Instru­men­te raum­be­zo­ge­ner Fach­pla­nung kaum mög­lich. Die Aus­ge­stal­tung der Ein­schrän­kungs­mög­lich­kei­ten des Frei­zü­gig­keits­rechts in Art. 11 Abs. 2 GG spricht gegen ein die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der Boden­nut­zung ein­schlie­ßen­des Schutz­be­reichs­ver­ständ­nis des Art. 11 Abs. 1 GG. Danach darf das Frei­zü­gig­keits­recht nur durch Gesetz oder auf­grund eines Geset­zes und nur für die Fäl­le ein­ge­schränkt wer­den, in denen eine aus­rei­chen­de Lebens­grund­la­ge nicht vor­han­den ist und der All­ge­mein­heit dar­aus beson­de­re Las­ten ent­ste­hen wür­den oder in denen es zur Abwehr einer dro­hen­den Gefahr für den Bestand oder die frei­heit­li­che demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung des Bun­des oder eines Lan­des, zur Bekämp­fung von Seu­chen­ge­fahr, Natur­ka­ta­stro­phen oder beson­ders schwe­ren Unglücks­fäl­len, zum Schut­ze der Jugend vor Ver­wahr­lo­sung oder um straf­ba­ren Hand­lun­gen vor­zu­beu­gen, erfor­der­lich ist. Kei­ner der genann­ten Fäl­le erfasst Kon­stel­la­tio­nen, in denen auf­grund raum­be­deut­sa­mer Pla­nun­gen oder sons­ti­ger Maß­nah­men der Boden­nut­zung durch den Staat Betrof­fe­ne am Zuzug gehin­dert oder zur Auf­ga­be des Wohn­sit­zes oder zum Wech­sel des Auf­ent­halts­or­tes gezwun­gen wer­den. Es gibt auch kei­ner­lei Anhalts­punk­te dafür, dass raum­be­an­spru­chen­de Groß­pro­jek­te oder sons­ti­ge raum­be­deut­sa­me Pla­nun­gen unter der Gel­tung des Grund­ge­set­zes nicht mehr zuläs­sig sei­en oder untrag­bar erschwert wer­den soll­ten.

Ein eigen­stän­di­ges Recht auf Hei­mat im Sin­ne des mit dem gewähl­ten Wohn­sitz dau­er­haft ver­bun­de­nen städ­te­bau­li­chen und sozia­len Umfelds 87 gewähr­leis­tet Art. 11 Abs. 1 GG nicht.

Der Par­la­men­ta­ri­sche Rat hat es mit Blick auf die Fol­gen von Flucht und Ver­trei­bung bewusst abge­lehnt, ein eige­nes Recht auf Hei­mat in das Grund­ge­setz auf­zu­neh­men 88. Hat ein gewähl­ter und inne­ge­hab­ter Wohn­sitz je nach zeit­li­cher Ver­fes­ti­gung im Hin­blick auf die damit ver­bun­de­nen sozia­len Kon­tak­te und Bin­dun­gen im räum­li­chen Umfeld und sei­ne Ver­wur­ze­lung im kon­kre­ten städ­te­bau­li­chen Kon­text für den Woh­nungs­in­ha­ber eine beson­de­re Qua­li­tät, so ver­leiht das dem aus Art. 11 Abs. 1 GG flie­ßen­den Blei­be­recht erhöh­tes Gewicht, sofern der Schutz­be­reich die­ses Grund­rechts über­haupt berührt ist. Gera­de umfang­rei­che Umsied­lun­gen, wie bei­spiel­wei­se die dem groß­flä­chi­gen Tage­bau geschul­de­ten, füh­ren zu außer­ge­wöhn­li­chen Belas­tun­gen gewach­se­ner sozia­ler Bezie­hun­gen und ört­lich-räum­li­cher Ver­bin­dun­gen, da sie das Ver­schwin­den gan­zer Gemein­den ein­schließ­lich aller zuge­hö­ri­ger Bau­lich­kei­ten und Infra­struk­tur­ein­rich­tun­gen zur Fol­ge haben kön­nen. All dem ist im Rah­men der Prü­fung der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit eines Ein­griffs in das Grund­recht auf Frei­zü­gig­keit oder, sofern des­sen Schutz­be­reich nicht berührt ist, des sonst dadurch betrof­fe­nen Grund­rechts ange­mes­sen Rech­nung zu tra­gen.

Eine ver­fas­sungs­recht­li­che Schutz­lü­cke ergibt sich für die Betrof­fe­nen weder dadurch, dass das Grund­ge­setz kein eigen­stän­di­ges Recht auf Hei­mat vor­sieht, noch dadurch, dass ein durch Maß­nah­men zur Boden­ord­nung und Rege­lun­gen der Boden­nut­zung ver­ur­sach­ter Zwang zur Auf­ga­be des Auf­ent­halts oder Wohn­sit­zes kei­ne Beein­träch­ti­gung des Schutz­be­reichs von Art. 11 Abs. 1 GG bedeu­tet. Die mit dem Ver­lust der sozia­len und räum­lich-städ­te­bau­li­chen Bezie­hun­gen ein­her­ge­hen­den beson­de­ren Belas­tun­gen der Betrof­fe­nen fin­den näm­lich Berück­sich­ti­gung im Rah­men des Grund­rechts­schut­zes aus Art. 14 Abs. 1 und 3 GG, sofern es sich um Eigen­tums­ein­grif­fe han­delt, ansons­ten über Art. 2 Abs. 1 GG.

Die­se Aus­le­gung des Art. 11 GG steht nicht in Wider­spruch zur Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te. Die­ser hat in den durch den Braun­koh­len­ta­ge­bau Hor­no beding­ten Umsied­lun­gen einen Ein­griff sowohl in das Recht auf Ach­tung des Pri­vat- und Fami­li­en­le­bens aus Art. 8 EMRK als auch in das im Pro­to­koll Nr. 4 zur Kon­ven­ti­on zum Schut­ze der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten ver­bürg­te Frei­zü­gig­keits­recht gese­hen 89. Der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te hält den Ein­griff nach Maß­ga­be der gegen­über Art. 11 Abs. 2 GG groß­zü­gi­ge­ren Schran­ken­re­ge­lung im Pro­to­koll Nr. 4 zur Kon­ven­ti­on zum Schut­ze der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten für gerecht­fer­tigt. Das wider­spricht im Ergeb­nis nicht der Aus­le­gung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, das aus­ge­hend von dem stren­gen Schran­ken­re­gime des Art. 11 Abs. 2 GG den Schutz­be­reich des Grund­rechts auf Frei­zü­gig­keit nicht berührt sieht, son­dern Schutz gegen die von Umsied­lungs­maß­nah­men aus­ge­hen­den beson­de­ren Belas­tun­gen vor allem über Art. 14 oder Art. 2 Abs. 1 GG gewährt. Die Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und ihre Inter­pre­ta­ti­on durch den Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te sind als Aus­le­gungs­hil­fe bei der Aus­le­gung der Grund­rech­te und rechts­staat­li­chen Grund­sät­ze des Grund­ge­set­zes her­an­zu­zie­hen 90. Die Her­an­zie­hung als Aus­le­gungs­hil­fe ver­langt kei­ne sche­ma­ti­sche Par­al­le­li­sie­rung der Aus­sa­gen des Grund­ge­set­zes mit denen der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, son­dern ein Auf­neh­men von deren Wer­tun­gen, soweit dies metho­disch ver­tret­bar und mit den Vor­ga­ben des Grund­ge­set­zes ver­ein­bar ist 91.

Rah­men­be­triebs­plan als Ein­griff in das Eigen­tums­recht[↑]

Der Beschwer­de­füh­rer wird nicht in sei­nem Eigen­tums­grund­recht ver­letzt.

Art. 14 GG schützt den Bestand des kon­kre­ten (Wohn-)Eigentums auch in sei­nen sozia­len Bezü­gen. In die­se Aus­prä­gung des Eigen­tums­grund­rechts greift die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans ein. Der Ein­griff ist jedoch gerecht­fer­tigt.

Der Eigen­tums­ga­ran­tie kommt im Gefü­ge der Grund­rech­te die Auf­ga­be zu, dem Trä­ger des Grund­rechts einen Frei­raum im ver­mö­gens­recht­li­chen Bereich zu sichern und ihm dadurch eine eigen­ver­ant­wort­li­che Gestal­tung sei­nes Lebens zu ermög­li­chen 92. Es genießt einen beson­ders aus­ge­präg­ten Schutz, soweit es um die Siche­rung der per­sön­li­chen Frei­heit Ein­zel­ner geht 23. Die­ser Schutz schließt die Bezü­ge des Eigen­tums­ge­gen­stands zu sei­ner sozia­len Umwelt ein.

Die Eigen­tums­ga­ran­tie schützt den kon­kre­ten Bestand in der Hand der ein­zel­nen Eigen­tü­mer 26 und ver­leiht ihnen die Befug­nis, Drit­te von Besitz und Nut­zung aus­zu­schlie­ßen 93. Die Bestands­ga­ran­tie erfasst bei einer aus­ge­üb­ten Grund­stücks­nut­zung den recht­li­chen und tat­säch­li­chen Zustand, der im Zeit­punkt der hoheit­li­chen Maß­nah­me vor­han­den ist 94. Zum Bestand des der­art geschütz­ten Wohn­ei­gen­tums gehö­ren danach auch des­sen gewach­se­ne Bezü­ge in sozia­ler und städ­te­bau­li­cher Hin­sicht, soweit sie an ört­lich ver­fes­tig­ten Eigen­tums­po­si­tio­nen anknüp­fen. Dies gilt für mit Wohn­ge­bäu­den bebau­tes Grund­ei­gen­tum eben­so wie für Eigen­tums­woh­nun­gen oder beschränk­te ding­li­che Rech­te, die eine Nut­zung als Woh­nung ermög­li­chen. Der Schutz umfasst zudem das Besitz­recht der Mie­ter von Wohn­räu­men, für die in glei­cher Wei­se die Woh­nung den Mit­tel­punkt ihrer pri­va­ten Exis­tenz bil­det 95. Nicht anders als bei den Eigen­tü­mern im sachen­recht­li­chen Sin­ne sind nament­lich bei Umsied­lun­gen gan­zer Ort­schaf­ten auch die Nut­zungs- und Ver­fü­gungs­be­fug­nis­se der Mie­ter berührt. Der ver­fas­sungs­recht­li­che Schutz des Eigen­tums ver­schafft damit zwar kei­nen Anspruch auf Erhalt oder gar Schaf­fung eines bestimm­ten Wohn­um­felds. Soweit mit einer tat­säch­lich inne­ge­hab­ten Woh­nung jedoch fes­te sozia­le Bin­dun­gen in das ört­li­che Umfeld und des­sen städ­te­bau­li­che Gege­ben­hei­ten ver­bun­den sind, ist die­se Ver­wur­ze­lung bei Ein­grif­fen in das Eigen­tums­grund­recht ange­mes­sen zu berück­sich­ti­gen. Denn das Eigen­tums­grund­recht ist in ers­ter Linie Grund­la­ge per­sön­li­cher Frei­heit und Selbst­ent­fal­tung 23 auch in sei­nen kon­kre­ten ört­li­chen und sozia­len Bezü­gen. Ein gewis­ser Schutz des gewach­se­nen sozia­len Umfelds, der in der Lite­ra­tur zum Teil unter dem Begriff der "Hei­mat" in Art. 11 GG ver­or­tet wird, ist damit im Ergeb­nis durch Art. 14 Abs. 1 GG gewähr­leis­tet. Dabei wiegt der Ein­griff in Art. 14 Abs. 1 GG umso schwe­rer, je umfas­sen­der und für die Frei­heits­ent­fal­tung gra­vie­ren­der die mit dem Ent­zug von Wohn­ei­gen­tum ver­bun­de­ne Beein­träch­ti­gung oder gar Ver­nich­tung des Wohn­um­felds ist.

Die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans für den Tage­bau Garz­wei­ler I/​II vom 22.12.1997 greift in das Eigen­tum des Beschwer­de­füh­rers an sei­nem inmit­ten des Abbau­ge­biets lie­gen­den Haus­grund­stück ein.

Die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans ent­zieht dem Beschwer­de­füh­rer aller­dings nicht das Eigen­tum an sei­nem Grund­stück. Anders als die meis­ten Plan­fest­stel­lungs­be­schlüs­se zu Infra­struk­tur­vor­ha­ben ent­fal­tet die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans auch kei­ne so genann­te ent­eig­nungs­recht­li­che Vor­wir­kung für spä­ter zur Ver­wirk­li­chung des Tage­baus womög­lich erfor­der­lich wer­den­de Ent­eig­nun­gen. Das Bun­des­berg­ge­setz sieht nach der maß­geb­li­chen Aus­le­gung durch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt 96 eine sol­che Bin­dungs­wir­kung der Rah­men­be­triebs­plan­zu­las­sung für ein nach­fol­gen­des Ent­eig­nungs­ver­fah­ren weder ins­ge­samt noch in Ent­schei­dungs­tei­len vor. Die Anord­nung der Bin­dung an Ergeb­nis­se vor­ge­la­ger­ter Ver­fah­rens­stu­fen durch Gesetz ist für die Annah­me einer ent­eig­nungs­recht­li­chen Vor­wir­kung jedoch unver­zicht­bar 97.

Die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans greift aber des­halb in das Eigen­tum des Beschwer­de­füh­rers ein, weil sie auch zu sei­nen Las­ten die Fest­stel­lung der grund­sätz­li­chen Zulas­sungs­fä­hig­keit des Tage­bau­vor­ha­bens ent­hält, weil mit ihr gra­vie­ren­de fak­ti­sche Aus­wir­kun­gen auf das Wohn­um­feld sei­nes Grund­stücks in der betrof­fe­nen Gemein­de ein­her­ge­hen und weil die Zulas­sung und die damit eröff­ne­te Ver­wirk­li­chung des Tage­baus den spä­te­ren Rechts­schutz gegen eine Grund­ab­tre­tung weit­ge­hend ent­wer­ten.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat in dem vom Beschwer­de­füh­rer im Aus­gangs­ver­fah­ren im ers­ten Durch­gang erstrit­te­nen, hier nicht ange­grif­fe­nen Urteil vom 29.06.2006 ent­schie­den, dass die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans mit Blick auf § 48 Abs. 2 Satz 1 BBergG die Fest­stel­lung ent­hal­te, die beab­sich­tig­te Gewin­nung von Braun­koh­le kön­ne nicht aus über­wie­gen­den öffent­li­chen Inter­es­sen, also auch nicht unter Berück­sich­ti­gung des Eigen­tums­schut­zes, beschränkt oder unter­sagt wer­den 98. Aus die­ser für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt grund­sätz­lich maß­geb­li­chen Aus­le­gung des ein­fa­chen Rechts hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt unter Ände­rung sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung 99 den Schluss gezo­gen, dass die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans mit die­ser Fest­stel­lung den Beschwer­de­füh­rer als Grund­stücks­ei­gen­tü­mer belas­te und des­halb eine auch ihm gegen­über wirk­sa­me recht­li­che Rege­lung ent­fal­te, wes­halb sie von ihm ange­foch­ten wer­den kön­ne 98. Der für die Betriebs­plan­zu­las­sung erheb­li­che § 48 Abs. 2 Satz 1 BBergG ent­fal­te damit zuguns­ten des Grund­stücks­ei­gen­tü­mers dritt­schüt­zen­de Wir­kung 68.

Für die so ver­stan­de­ne Zulas­sungs­fä­hig­keit des Vor­ha­bens kommt es nach der ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung auch dar­auf an, ob das Abbau­vor­ha­ben durch die Not­wen­dig­keit gerecht­fer­tigt ist, den dort anste­hen­den Boden­schatz zur Siche­rung der Roh­stoff­ver­sor­gung abzu­bau­en, und ob des­halb die groß­flä­chi­ge Inan­spruch­nah­me von Grund­stü­cken mit der Umsied­lung zahl­rei­cher Men­schen unter völ­li­ger Umge­stal­tung der Land­schaft mit öffent­li­chen Inter­es­sen ver­ein­bar ist. Ein Tage­bau­vor­ha­ben wider­spre­che dem öffent­li­chen Inter­es­se im Sin­ne des § 48 Abs. 2 BBergG, wenn bereits bei der Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans erkenn­bar sei, dass die Ver­wirk­li­chung des Vor­ha­bens dar­an schei­tern müs­se, dass die dafür erfor­der­li­che Inan­spruch­nah­me des Eigen­tums pri­va­ter Drit­ter nicht durch Belan­ge des All­ge­mein­wohls gerecht­fer­tigt sei 100.

Mit die­sem gewan­del­ten Ver­ständ­nis des § 48 Abs. 2 BBergG bei der Zulas­sung eines Rah­men­be­triebs­plans weist das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt der Rah­men­be­triebs­plan­zu­las­sung erst­mals eine Rechts­wir­kung zu, die auch zu einem Ein­griff in das Eigen­tum der vom Tage­bau betrof­fe­nen Grund­stücks­ei­gen­tü­mer führt, selbst wenn damit noch kei­ne Gestat­tungs­wir­kung für den Berg­bau­trei­ben­den ver­bun­den ist. Denn die mit der Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans erfolg­te Fest­stel­lung der grund­sätz­li­chen Zulas­sungs­fä­hig­keit des Vor­ha­bens 101 über­win­det mit Wir­kung für die wei­te­ren Schrit­te der Betriebs­pla­nung ent­ge­gen­ste­hen­de Eigen­tü­mer­inter­es­sen als Teil der nach § 48 Abs. 2 BBergG zu berück­sich­ti­gen­den öffent­li­chen Inter­es­sen. Zudem bleibt die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans jeden­falls für den Eigen­tü­mer, der sie – wie der Beschwer­de­füh­rer – erfolg­los ange­foch­ten hat, nicht ohne Bedeu­tung für das nach­fol­gen­de Grund­ab­tre­tungs­ver­fah­ren 102, da für ihn damit bestands­kräf­tig fest­steht, dass das Vor­ha­ben einer tech­nisch und wirt­schaft­lich sach­ge­mä­ßen Betriebs­pla­nung und Betriebs­füh­rung ent­spricht und die Benut­zung der Grund­stü­cke für das Abbau­vor­ha­ben unter die­sem Gesichts­punkt not­wen­dig ist.

Die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans greift auch des­halb in das Grund­ei­gen­tum des Beschwer­de­füh­rers ein, weil spä­tes­tens mit die­ser Ent­schei­dung in den von einem Tage­bau betrof­fe­nen Gemein­den der Abwan­de­rungs­pro­zess von Men­schen, Betrie­ben und sons­ti­gen öffent­li­chen und pri­va­ten Ein­rich­tun­gen ange­sto­ßen wird, der zu einer zuneh­mend mas­si­ven Ver­än­de­rung des mit einem Wohn­ei­gen­tum ver­bun­de­nen sozia­len und städ­te­bau­li­chen Umfelds führt, so dass ange­sichts der voll­stän­di­gen Besei­ti­gung der sozia­len Bezü­ge des Wohn­ei­gen­tums bereits zu die­sem Zeit­punkt das Eigen­tum nach­hal­tig beein­träch­tigt ist. Die­ser vom Beschwer­de­füh­rer im Ver­fah­ren vor­ge­tra­ge­ne Umstand wur­de vom Ers­ten Bei­geord­ne­ten der Stadt Erkel­enz in der münd­li­chen Ver­hand­lung über­zeu­gend und sub­stan­ti­iert bestä­tigt 103 und hat auch kei­nen Wider­spruch erfah­ren. Damit liegt in Fäl­len des groß­räu­mi­gen Tage­baus in der Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans ange­sichts des Gewichts und der Dau­er­haf­tig­keit der durch ihn her­bei­ge­führ­ten nach­tei­li­gen Ver­än­de­run­gen ein einem direk­ten recht­li­chen Ein­griff ver­gleich­ba­res funk­tio­na­les Äqui­va­lent 104.

Schließ­lich ent­fal­tet die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans Ein­griffs­wir­kung in das Eigen­tum des Beschwer­de­füh­rers, weil ihr zwar kei­ne ent­eig­nungs­recht­li­che Vor­wir­kung, aber doch recht­li­che Vor­wir­kung im Hin­blick auf sei­ne Rechts­schutz­mög­lich­kei­ten gegen die spä­te­re Grund­ab­tre­tung zukommt. Jeden­falls für Grund­stü­cke, die – wie das des Beschwer­de­füh­rers – inmit­ten des Abbau­ge­biets lie­gen, steht mit der Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans dem Grun­de nach fest, dass sie, wenn kei­ne Eini­gung von Eigen­tü­mer und Berg­bau­trei­ben­dem zustan­de kommt, durch Grund­ab­tre­tung in Anspruch genom­men wer­den. Mit zuneh­men­der Ver­wirk­li­chung des durch die Rah­men­be­triebs­plan­zu­las­sung als grund­sätz­lich geneh­mi­gungs­fä­hig fest­ste­hen­den Tage­bau­vor­ha­bens ver­rin­gern sich die tat­säch­li­chen Erfolgs­aus­sich­ten eines Rechts­be­helfs gegen eine spä­te­re Grund­ab­tre­tung, soweit er sich auf die Rechts­wid­rig­keit des der Ent­eig­nung zugrun­de lie­gen­den Vor­ha­bens stützt.

Der Ein­griff in das Eigen­tum des Beschwer­de­füh­rers durch die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans ist gerecht­fer­tigt.

Aus­ge­hend davon, dass bei groß­flä­chi­gen Tage­bau­en für Grund­stü­cke, die im Plan­ge­biet lie­gen, mit der Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans die Vor­ent­schei­dung über ihre künf­ti­ge Inan­spruch­nah­me fällt, schützt Art. 14 Abs. 1 GG Eigen­tü­mer bereits dann vor einer sol­chen Zulas­sung, wenn erkenn­bar ist, dass ihr Grün­de ent­ge­gen­ste­hen, die auch spä­te­re Ent­schei­dun­gen über Grund­ab­tre­tun­gen not­wen­dig zu Fall brin­gen müss­ten. Der mit der Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans ver­bun­de­ne Ein­griff in das Eigen­tum der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer ist daher nur gerecht­fer­tigt, wenn die Vor­aus­set­zun­gen einer Ent­eig­nung für den Tage­bau jeden­falls dem Grun­de nach erfüllt sind. Nicht gebo­ten ist indes­sen, dass sämt­li­che Anfor­de­run­gen an eine recht­mä­ßi­ge Ent­eig­nung im Ein­zel­fall vor­lie­gen, denn die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans ist noch kei­ne Ent­eig­nung.

Die Rah­men­be­triebs­plan­zu­las­sung für einen Tage­bau ist danach gegen­über dem betrof­fe­nen Grund­stücks- oder sons­ti­gen Wohn­ei­gen­tü­mer mit Blick auf die dadurch dem Grun­de nach legi­ti­mier­te künf­ti­ge Ent­eig­nung nur ver­fas­sungs­ge­mäß, wenn das mit dem Tage­bau­vor­ha­ben ver­folg­te Gemein­wohl­ziel sich aus einer hin­rei­chend prä­zi­sen, gesetz­li­chen Gemein­wohl­be­stim­mung ablei­ten lässt, das Vor­ha­ben zur Errei­chung des Gemein­wohl­ziels ver­nünf­ti­ger­wei­se gebo­ten ist, die Zulas­sungs­ent­schei­dung nicht in einem Ent­schei­dungs­fin­dungs­pro­zess zustan­de gekom­men ist, der ver­fas­sungs­recht­li­che Min­dest­an­for­de­run­gen ver­fehlt, und die Zulas­sung ver­tret­bar auf der Grund­la­ge einer umfas­sen­den Gesamt­ab­wä­gung aller für und gegen das Vor­ha­ben spre­chen­den Belan­ge erfolgt.

Mit dem Abbau von Braun­koh­le wird ein gesetz­lich hin­rei­chend bestimm­tes und aus­rei­chend trag­fä­hi­ges Gemein­wohl­ziel umge­setzt. Um dies zu errei­chen, durf­ten die Gerich­te den Braun­koh­len­ta­ge­bau Garz­wei­ler I/​II als zum ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Zeit­punkt ver­nünf­ti­ger­wei­se gebo­ten anse­hen. Zwar lässt die gesetz­li­che Aus­ge­stal­tung der Vor­ha­ben­zu­las­sung für groß­flä­chi­ge Tage­baue kon­se­quent auf­ein­an­der abge­stimm­te Rege­lun­gen über die gestuf­te Abar­bei­tung des der Vor­ha­ben­zu­las­sung zugrun­de lie­gen­den Ent­schei­dungs­pro­gramms ver­mis­sen, anhand derer sich die Auf­tei­lung der Ent­schei­dungs­ver­ant­wor­tung für die Braun­koh­len­pla­nung einer­seits und für die kon­kre­te Vor­ha­ben­zu­las­sung nach dem Bun­des­berg­ge­setz ande­rer­seits in aller Klar­heit erken­nen lie­ße. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat den bestehen­den Rege­lun­gen jedoch eine Ver­knüp­fung zwi­schen Braun­koh­len­pla­nung und berg­recht­li­cher Betriebs­pla­nung wie auch die not­wen­di­ge Rege­lung zur Fra­ge einer hier­bei vor­zu­neh­men­den Gesamt­ab­wä­gung ent­nom­men, die ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den sind. Zugleich erweist sich der Ablauf der kon­kre­ten Pla­nung und Zulas­sung des Tage­baus Garz­wei­ler I/​II als ver­fas­sungs­recht­lich hin­nehm­bar. Schließ­lich ist auch die erfor­der­li­che Gesamt­ab­wä­gung aller für und gegen das Vor­ha­ben spre­chen­den Belan­ge jeden­falls in der nach­voll­zie­hen­den Abwä­gung durch das ange­grif­fe­ne Urteil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len noch ver­fas­sungs­ge­mäß; das Vor­ha­ben erweist sich danach als ver­hält­nis­mä­ßig.

In § 79 Abs. 1 BBergG hat der Gesetz­ge­ber mit der "Ver­sor­gung des Mark­tes mit Roh­stof­fen" ein Gemein­wohl­ziel hin­rei­chend bestimmt fest­ge­legt, das Ent­eig­nun­gen zu tra­gen in der Lage ist. Die Braun­koh­le zählt zu den in § 3 Abs. 3 BBergG genann­ten berg­frei­en Boden­schät­zen. Der im Lan­des­pla­nungs­ge­setz von Nord­rhein-West­fa­len in den Bestim­mun­gen über die Braun­koh­len­pla­nung (§§ 24 ff. LPlG 1994, §§ 37 ff. LPlG 2005) vor­aus­ge­setz­te Abbau von Braun­koh­le und die in den Leit­ent­schei­dun­gen der Lan­des­re­gie­rung auf den Braun­koh­len­ab­bau im Rhei­ni­schen Braun­koh­len­plan­ge­biet erfolg­te wei­te­re Kon­kre­ti­sie­rung des Gemein­wohl­ziels auf die Ver­sor­gung des Ener­gie­mark­tes mit Braun­koh­le hal­ten sich im Rah­men der gesetz­li­chen Vor­ga­be aus § 79 Abs. 1 BBergG. Durch­grei­fen­de Zwei­fel an der grund­sätz­li­chen Eig­nung der Braun­koh­len­för­de­rung zur Ver­sor­gung des Ener­gie­mark­tes als Gemein­wohl­ziel im Sin­ne des Art. 14 Abs. 3 Satz 1 GG bestehen ange­sichts der inso­weit nur ein­ge­schränk­ten Über­prü­fungs­be­fug­nis des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht.

Schon bei der gene­rel­len Fest­le­gung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len auf die wei­te­re Braun­koh­len­nut­zung über einen län­ge­ren Zeit­raum stand fest, dass die Gewin­nung der Braun­koh­le nur im Tage­bau und damit nur mit gra­vie­ren­den Ein­grif­fen in vor­han­de­ne Sied­lungs­struk­tu­ren und unter mas­si­ven Belas­tun­gen von Was­ser­haus­halt, Natur und Land­schaft erfol­gen kann. Des­halb bedurf­te es der Bestim­mung eines Gemein­wohl­grun­des von sol­chem Gewicht, dass er Ent­eig­nun­gen unter Inkauf­nah­me die­ser Nach­tei­le zu tra­gen grund­sätz­lich in der Lage war.

Die im Rah­men der all­ge­mei­nen Gemein­wohl­be­stim­mung des § 79 Abs. 1 BBergG im Zuge der lan­des­pla­nungs­recht­li­chen Braun­koh­len­pla­nung getrof­fe­nen Leit­ent­schei­dun­gen der Lan­des­re­gie­rung Nord­rhein-West­fa­len von 1987 und 1991 für eine län­ger­fris­ti­ge Braun­koh­len­ge­win­nung aus dem Rhei­ni­schen Braun­koh­len­re­vier kon­kre­ti­sie­ren ein sol­ches Gemein­wohl­ziel von ganz beson­de­rem Gewicht für das Land wie auch für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat schon mehr­fach die über­ra­gen­de Bedeu­tung der Siche­rung der Ener­gie­ver­sor­gung für das Gemein­wohl betont. Es hat dabei die Siche­rung der Ener­gie­ver­sor­gung durch geeig­ne­te Maß­nah­men als öffent­li­che Auf­ga­be von größ­ter Bedeu­tung bezeich­net und die Ener­gie­ver­sor­gung zum Bereich der Daseins­vor­sor­ge gerech­net, deren Leis­tung der Bür­ger zur Siche­rung einer men­schen­wür­di­gen Exis­tenz unum­gäng­lich bedarf 105. Die stän­di­ge Ver­füg­bar­keit aus­rei­chen­der Ener­gie­men­gen ist zudem eine ent­schei­den­de Vor­aus­set­zung für die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der gesam­ten Wirt­schaft 106.

Es ist zual­ler­erst eine ener­gie­po­li­ti­sche Ent­schei­dung des Bun­des und der Län­der, mit wel­chen Ener­gie­trä­gern und in wel­cher Kom­bi­na­ti­on der ver­füg­ba­ren Ener­gie­trä­ger sie eine zuver­läs­si­ge Ener­gie­ver­sor­gung sicher­stel­len wol­len. Hier­bei steht ihnen ein wei­ter Gestal­tungs- und Ein­schät­zungs­spiel­raum zur Ver­fü­gung. Die­se Ent­schei­dung ist von einer Viel­zahl von Fak­to­ren abhän­gig, wie etwa der Ver­sor­gungs­si­cher­heit bei Nut­zung einer bestimm­ten Ener­gie­quel­le, der aus ihrer Ver­wen­dung resul­tie­ren­den Kos­ten für Wirt­schaft und Ver­brau­cher, ihrem Ein­fluss auf Kli­ma- und Umwelt­schutz, den Aus­wir­kun­gen auf den Arbeits­markt oder der gebo­te­nen Rück­sicht­nah­me auf euro­päi­sche oder inter­na­tio­na­le Ver­pflich­tun­gen. Bei der Gewich­tung der ein­zel­nen Fak­to­ren haben Bund und Län­der einen erheb­li­chen Ein­schät­zungs­spiel­raum. Auch die Beur­tei­lung des Zusam­men­spiels der ver­schie­de­nen Fak­to­ren hängt wie­der­um von poli­ti­schen Wer­tun­gen und in erheb­li­chem Umfang von pro­gnos­ti­schen Ein­schät­zun­gen ab.

Es bedarf hier kei­ner Ent­schei­dung, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen der Gesetz­ge­ber auf Bun­des- oder Lan­des­ebe­ne ener­gie­ver­sor­gungs­po­li­ti­sche Grund­ent­schei­dun­gen an sich zie­hen kann oder sie ihm vor­be­hal­ten sind. Hier war der Land­tag von Nord­rhein-West­fa­len über die "Leit­ent­schei­dun­gen zur künf­ti­gen Braun­koh­le­po­li­tik" und zum "Braun­koh­len­ab­bau­vor­ha­ben Garz­wei­ler" unter­rich­tet wor­den, zudem war der für die Lan­des­pla­nung zustän­di­ge Aus­schuss des Land­tags (§ 34 Abs. 1 Satz 1 LPIG 1994) an der Ent­schei­dung über den Braun­koh­len­plan betei­ligt. Die Ent­schei­dung für den mit­tel­fris­ti­gen Abbau vor­han­de­ner Braun­koh­len­la­ger­stät­ten zur Gewähr­leis­tung eines siche­ren Ener­gie­mi­xes ist kei­ne Auf­ga­be, die durch förm­li­ches Gesetz hät­te eigens beschlos­sen wer­den müs­sen und damit dem Lan­des- oder Bun­des­ge­setz­ge­ber von Ver­fas­sungs wegen vor­be­hal­ten war. Der Lan­des­ge­setz­ge­ber konn­te sich daher dar­auf beschrän­ken, die ener­gie­po­li­ti­schen Grund­ent­schei­dun­gen der Lan­des­re­gie­rung durch ent­spre­chen­de Rege­lun­gen im Lan­des­pla­nungs­ge­setz mit­zu­tra­gen und nor­ma­tiv zu beglei­ten.

Einer ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Kon­trol­le sind die­se Ent­schei­dun­gen der Bun­des- oder Lan­des­re­gie­rung nur sehr begrenzt zugäng­lich. Das Grund­ge­setz bie­tet kei­nen Maß­stab für die zu einem bestimm­ten Zeit­punkt allein ver­fas­sungs­ge­mä­ße oder auch nur ver­fas­sungs­recht­lich vor­zugs­wür­di­ge Ener­gie­po­li­tik des Bun­des oder eines Lan­des. Ener­gie­po­li­ti­sche Grund­ent­schei­dun­gen kön­nen daher vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nur dar­auf über­prüft wer­den, ob sie offen­sicht­lich und ein­deu­tig unver­ein­bar sind mit ver­fas­sungs­recht­li­chen Wer­tun­gen, wie sie ins­be­son­de­re in den Grund­rech­ten oder den Staats­ziel­be­stim­mun­gen, hier nament­lich dem Umwelt­schutz (Art.20a GG), zum Aus­druck kom­men. Dies gilt auch dann, wenn, wie im vor­lie­gen­den Fall, die ener­gie­po­li­ti­sche Ent­schei­dung zugleich ein Ent­eig­nun­gen tra­gen­des Gemein­wohl­ziel im Sin­ne des Art. 14 Abs. 3 Satz 1 GG kon­kre­ti­siert.

Das Ver­fah­ren der Ver­fas­sungs­be­schwer­de, vor allem die münd­li­che Ver­hand­lung, hat nicht erge­ben, dass die ener­gie­po­li­ti­sche Grund­ent­schei­dung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len für die mit­tel­fris­ti­ge Auf­recht­erhal­tung und Fort­füh­rung der Braun­koh­len­ge­win­nung – auch soweit sie die kon­kre­te Ent­schei­dung für den Tage­bau Garz­wei­ler I/​II betrifft – offen­sicht­lich und ein­deu­tig mit ver­fas­sungs­recht­li­chen Wer­tun­gen nicht in Ein­klang zu brin­gen ist.

Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­nem mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ange­grif­fe­nen Urteil als letz­te Tat­sa­chen­in­stanz im fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren für die gericht­li­che Beur­tei­lung auf die Sach- und Rechts­la­ge im Zeit­punkt der Wider­spruchs­ent­schei­dung abge­stellt hat 107. Die Ent­schei­dung über den Wider­spruch gegen die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans ist am 24.02.2000 ergan­gen. Die­ser Zeit­punkt ist im Rah­men einer Urteils­ver­fas­sungs­be­schwer­de grund­sätz­lich auch für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bei sei­ner Über­prü­fung maß­geb­lich.

Selbst wenn man inso­weit auf den Zeit­punkt des Urteils des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts vom 21.12.2007 oder gar auf den Zeit­punkt der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Senat abstel­len woll­te, ergä­be sich nicht in durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zu bean­stan­den­der Wei­se offen­sicht­lich und ein­deu­tig die Unhalt­bar­keit der Ent­schei­dung für das Tage­bau­vor­ha­ben. Die Lan­des­re­gie­rung Nord­rhein-West­fa­len hat im Ver­fah­ren der Ver­fas­sungs­be­schwer­de vor­ge­tra­gen, dass die Braun­koh­le unter den der­zeit gege­be­nen tat­säch­li­chen und recht­li­chen Bedin­gun­gen einen wesent­li­chen Bei­trag zur deut­schen und nord­rhein-west­fä­li­schen Ener­gie­ver­sor­gung leis­te. Auf­grund ihrer Bedeu­tung für die Ver­sor­gungs­si­cher­heit und zur Preis­sta­bi­li­tät blei­be sie in Nord­rhein-West­fa­len trotz der von ihr aus­ge­hen­den Umwelt­be­las­tun­gen auch für den Zeit­raum 2020 – 2030 ein wesent­li­cher Bestand­teil des ange­streb­ten Ener­gie­mi­xes.

Für die Ver­stro­mung von Braun­koh­le wird von der Bun­des­re­gie­rung, der Lan­des­re­gie­rung Nord­rhein-West­fa­len, der Bei­gela­de­nen des Aus­gangs­ver­fah­rens, der Ver­ei­ni­gung Roh­stof­fe und Berg­bau e.V. und des Bun­des­ver­bands der Ener­gie- und Was­ser­wirt­schaft e.V. im Wesent­li­chen über­ein­stim­mend ins­be­son­de­re ihre siche­re Ver­füg­bar­keit als ein­hei­mi­scher Pri­mär­ener­gie­trä­ger ins Feld geführt. Die Ver­stro­mung von Braun­koh­le tra­ge des­halb dazu bei, die Import­ab­hän­gig­keit von ande­ren Ener­gie­trä­gern zu min­dern. Die­sem Umstand kom­me nicht zuletzt auch des­halb Bedeu­tung zu, weil der Bedarf an ande­ren fos­si­len Ener­gie­trä­gern, ins­be­son­de­re an Erd­gas, durch Import aus poli­tisch unsi­che­ren Gegen­den gedeckt wer­den müs­se. Die Strom­ge­win­nung aus Braun­koh­le sei jah­res- und tages­zeit­un­ab­hän­gig und des­halb ins­be­son­de­re zur Siche­rung der so genann­ten Grund­last von wesent­li­cher Bedeu­tung. Die Erzeu­gungs­kos­ten sei­en ins­be­son­de­re im Ver­gleich zu den­je­ni­gen der erneu­er­ba­ren Ener­gi­en gering; Braun­koh­le leis­te damit einen Bei­trag zu einer bezahl­ba­ren Strom­ver­sor­gung. Die Erzeu­gung wer­de dar­über hin­aus nicht staat­lich sub­ven­tio­niert. Schließ­lich brin­ge die Ver­stro­mung von Braun­koh­le in den Abbau­ge­bie­ten einen nicht uner­heb­li­chen Bedarf an Arbeits­kräf­ten mit sich. Zuguns­ten der wei­te­ren Ver­stro­mung von Braun­koh­le wird auch ange­führt, dass moder­ne Braun­koh­len­kraft­wer­ke eben­so fle­xi­bel betrie­ben wer­den könn­ten wie etwa Gas­kraft­wer­ke.

Die­se Ein­schät­zung der Vor­tei­le einer Ver­stro­mung von Braun­koh­le hat sich im Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren weder in den tat­säch­li­chen Annah­men als offen­sicht­lich falsch noch in ihrer Bewer­tung als unver­tret­bar erwie­sen. Die dage­gen vom Beschwer­de­füh­rer, vom Öko-Insti­tut e.V. und vom Umwelt­bun­des­amt vor­ge­brach­ten Ein­wän­de set­zen vor allem ande­re Schwer­punk­te. Sie stel­len eini­ge der tat­säch­li­chen Annah­men der Befür­wor­ter der Braun­koh­len­ver­stro­mung in Fra­ge, indem sie ins­be­son­de­re der Braun­koh­len­ver­stro­mung ihre Bedeu­tung für die Grund­last abspre­chen, unter Ver­weis auf die Frei­heit von För­der­ab­ga­ben sowie die Befrei­ung von Was­ser­ent­nah­me­ent­gel­ten die Sub­ven­ti­ons­frei­heit des Braun­koh­len­ab­baus bestrei­ten sowie gel­tend machen, dass zu den Erzeu­gungs­kos­ten die Umwelt­kos­ten hin­zu­ge­rech­net wer­den müss­ten. Dies betrifft letzt­lich Wer­tungs­fra­gen, die nicht ver­fas­sungs­recht­lich zu ent­schei­den sind.

Die Haupt­ein­wän­de der Geg­ner der wei­te­ren Ver­stro­mung von Braun­koh­le zie­len vor allem auf die nach ihrer Ein­schät­zung weit über­wie­gen­den Nach­tei­le bei der Nut­zung die­ser Ener­gie­quel­le. Dies sind nament­lich die mit der Gewin­nung und Nut­zung der Braun­koh­le ver­bun­de­nen erheb­li­chen Belas­tun­gen für Mensch und Umwelt.

In ers­ter Linie genannt wur­de und wird inso­weit die Umsied­lung der gro­ßen Zahl von Men­schen, die aus ihrem sozia­len Umfeld her­aus­ge­ris­sen wer­den. Wei­te­rer Kri­tik­punkt war und ist der mit der Ver­bren­nung ver­bun­de­ne Aus­stoß kli­ma­schäd­li­chen Koh­len­di­oxids. Der Abbau von Braun­koh­le füh­re zudem zu mas­si­ven Ein­grif­fen in den Was­ser- wie auch den Natur­haus­halt. Durch die Braun­koh­len­ge­win­nung im Tage­bau gin­gen wert­vol­le Böden ver­lo­ren. Die Wie­der­her­stel­lung und Rekul­ti­vie­rung der Flä­chen neh­me lan­ge Zeit in Anspruch. Ob der – im Fal­le von Garz­wei­ler vor­aus­sicht­lich rund 23 Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ße – Rest­see für Frei­zeit­nut­zun­gen in Betracht kom­men und einen Bei­trag für den Natur­schutz und die bio­lo­gi­sche Viel­falt leis­ten wer­de, sei nicht mit Sicher­heit vor­her­seh­bar.

Geg­ner der Ver­stro­mung von Braun­koh­le sehen in ihr zudem ein Hin­der­nis für den wei­te­ren Aus­bau der erneu­er­ba­ren Ener­gi­en. Die­ser Aus­bau hat ihrer Auf­fas­sung nach auch das Poten­ti­al, dass mehr Arbeits­plät­ze geschaf­fen wür­den als bei einem Fest­hal­ten an der Ver­stro­mung von Braun­koh­le erhal­ten blie­ben.

Die ener­gie­po­li­ti­sche Ent­schei­dung der Lan­des­re­gie­rung Nord­rhein West­fa­len für die auf mitt­le­re Frist aus­ge­leg­te wei­te­re Gewin­nung von Braun­koh­le zur Ver­stro­mung kann auch unter Berück­sich­ti­gung die­ser Ein­wän­de aus ver­fas­sungs­recht­li­cher Sicht ange­sichts des Ein­schät­zungs- und Beur­tei­lungs­spiel­raums, der sich sowohl auf die Ener­gie­po­li­tik wie auch auf die eine Ent­eig­nung tra­gen­den Gemein­wohl­zie­le bezieht, nicht als offen­sicht­lich und ein­deu­tig ver­fehlt ange­se­hen wer­den. Die Bewer­tung der gra­vie­ren­den Belas­tun­gen für Mensch und Umwelt, die unbe­strit­ten mit dem Abbau und der Ver­stro­mung von Braun­koh­le ver­bun­den sind, obliegt auch in Anbe­tracht der ver­fas­sungs­recht­li­chen Wer­tun­gen von Art. 14 Abs. 1 und Art.20a GG der poli­ti­schen Ein­schät­zungs­prä­ro­ga­ti­ve von Exe­ku­ti­ve und Legis­la­ti­ve. Sie sind jeden­falls nicht offen­sicht­lich in einer Wei­se feh­ler­haft, dass die von den zustän­di­gen staat­li­chen Stel­len getrof­fe­ne ener­gie­po­li­ti­sche Ent­schei­dung für die­ses Kon­zept einer Siche­rung der Ener­gie­ver­sor­gung nach dem inso­weit zurück­ge­nom­me­nen Prü­fungs­maß­stab des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts von Ver­fas­sungs wegen zu bean­stan­den wäre. Für die­ses Kon­zept, das die jeder­zei­ti­ge Ver­füg­bar­keit eines tra­di­tio­nel­len Roh­stoffs für einen siche­ren Ener­gie­mix in den Vor­der­grund stellt, führt die Lan­des­re­gie­rung jeden­falls gewich­ti­ge Gemein­wohl­grün­de an. Ob es das zum maß­geb­li­chen Zeit­punkt ener­gie­po­li­tisch, öko­no­misch und öko­lo­gisch sinn­volls­te Ener­gie­ver­sor­gungs­kon­zept ist, ist nicht vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zu ent­schei­den. Mit der Fest­le­gung auf die wei­te­re Ver­stro­mung der Braun­koh­le ist jeden­falls eine von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den­de Kon­kre­ti­sie­rung des Gemein­wohl­ziels "Ver­sor­gung des Mark­tes mit Roh­stof­fen" im Sin­ne des § 79 Abs. 1 BBergG für den wich­ti­gen Ener­gie­teil­markt erfolgt. Eine hier­von zu tren­nen­de, für das jewei­li­ge Tage­bau­vor­ha­ben im Ein­zel­fall zu ent­schei­den­de Fra­ge ist es hin­ge­gen, ob die mit einem kon­kre­ten Vor­ha­ben ver­bun­de­nen Belas­tun­gen für Mensch und Umwelt von den mit dem Vor­ha­ben erwar­te­ten Ver­sor­gungs­vor­tei­len über­wo­gen wer­den.

Der Braun­koh­len­ta­ge­bau Garz­wei­ler I/​II ist erfor­der­lich für das Errei­chen des Gemein­wohl­ziels, durch die Gewin­nung und Ver­stro­mung von Braun­koh­le einen wesent­li­chen Bei­trag zu dem nach der maß­geb­li­chen ener­gie­po­li­ti­schen Ent­schei­dung ange­streb­ten Ener­gie­mix für das Land Nord­rhein-West­fa­len und für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zu leis­ten. Für die Erfor­der­lich­keit des Tage­baus Garz­wei­ler genügt dabei, dass er zum Wohl der All­ge­mein­heit ver­nünf­ti­ger­wei­se gebo­ten ist. Das ist der Fall, wenn die Braun­koh­len­ge­win­nung aus die­sem Tage­bau einen sub­stan­ti­el­len Bei­trag zur Errei­chung des Gemein­wohl­ziels der siche­ren Strom­en­er­gie­ver­sor­gung in ers­ter Linie für das Land Nord­rhein-West­fa­len aber auch für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zu leis­ten in der Lage ist. Die Unver­zicht­bar­keit gera­de die­ses Tage­baus für die Ener­gie­ver­sor­gung ver­langt Art. 14 Abs. 3 GG dage­gen nicht.

Dass der Braun­koh­len­ab­bau im Tage­bau Garz­wei­ler I/​II ein wesent­li­cher Bau­stein im Ener­gie­kon­zept der Lan­des­re­gie­rung Nord­rhein-West­fa­len ist und nach den dort zu erschlie­ßen­den Braun­koh­len­vor­rä­ten einen sub­stan­ti­el­len Bei­trag zur Errei­chung die­ses Ziels leis­ten kann, ergibt sich unmit­tel­bar aus dem bereits erziel­ten und noch pro­gnos­ti­zier­ten Ertrag die­ses Tage­baus. Dem­zu­fol­ge ist auch das ange­grif­fe­ne Urteil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len inso­weit ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Es begrün­det im Ein­zel­nen den sub­stan­ti­el­len Bei­trag des pro­gnos­ti­zier­ten Ertrags an Braun­koh­le aus dem Tage­bau Garz­wei­ler als ver­nünf­ti­ger­wei­se gebo­ten und steht damit in grund­sätz­li­cher Über­ein­stim­mung mit die­sem Maß­stab 107.

Die gesetz­li­che Aus­ge­stal­tung des Ent­schei­dungs­fin­dungs­pro­zes­ses zur Zulas­sung eines Braun­koh­len­ta­ge­bau­vor­ha­bens in Nord­rhein-West­fa­len weist unter den Gesichts­punk­ten einer kla­ren Ver­tei­lung von Ent­schei­dungs­ver­ant­wor­tung wie auch der ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an ein trans­pa­ren­tes und kla­res Ver­fah­ren, wie sie sich aus rechts­staat­li­chen Grund­sät­zen und den Vor­ga­ben für einen effek­ti­ven Grund­rechts­schutz 108 – hier vor allem des Eigen­tums­grund­rechts – erge­ben, Defi­zi­te auf. Dies gilt zum einen für die Fra­ge nach dem Ver­hält­nis zwi­schen der Braun­koh­len­pla­nung nach dem nord­rhein-west­fä­li­schen Lan­des­pla­nungs­recht und der Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans nach dem Bun­des­berg­ge­setz und zum ande­ren für die Fra­ge, ob eine ein­heit­li­che Gesamt­ab­wä­gung über ein Tage­bau­vor­ha­ben gebo­ten und hin­rei­chend klar gere­gelt ist.

Der Gesetz­ge­ber hat nicht aus­drück­lich ent­schie­den, ob und mit wel­cher Ver­bind­lich­keit die in der lan­des­pla­ne­ri­schen Braun­koh­len­pla­nung gewon­ne­nen Erkennt­nis­se und die dort getrof­fe­nen Abwä­gungs­ent­schei­dun­gen mit der auf­grund des Bun­des­berg­ge­set­zes erfol­gen­den Rah­men­be­triebs­pla­nung und einer dort vor­zu­neh­men­den Gesamt­ab­wä­gung ver­knüpft sind. Zwar bestimmt § 24 LPlG 1994, dass die Braun­koh­len­plä­ne im Braun­koh­len­plan­ge­biet Zie­le der Raum­ord­nung und Lan­des­pla­nung fest­le­gen, soweit dies für eine geord­ne­te Braun­koh­len­pla­nung erfor­der­lich ist. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat hier­zu jedoch ent­schie­den, dass kei­ne Bin­dung des Berg­bau­trei­ben­den an die Zie­le der Raum­ord­nung, wie sie in einem Braun­koh­len­plan zum Aus­druck kom­men, bestehe, weil die Raum­ord­nungs­klau­sel des § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 ROG 1998 auf die Zulas­sung eines fakul­ta­ti­ven Rah­men­be­triebs­plans nicht anwend­bar ist 109. Auch die Vor­schrift des § 34 Abs. 5 Satz 2 LPlG 1994, wonach die Betriebs­plä­ne der im Braun­koh­len­plan­ge­biet gele­ge­nen berg­bau­li­chen Betrie­be mit den Braun­koh­len­plä­nen in Ein­klang zu brin­gen sind, kann als lan­des­recht­li­che Rege­lung aus kom­pe­tenz­recht­li­chen Grün­den unmit­tel­bar kei­ne Bin­dung im bun­des­recht­lich gere­gel­ten Zulas­sungs­ver­fah­ren begrün­den. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die­se unbe­frie­di­gen­de Rechts­la­ge jedoch durch Aus­le­gung von § 48 Abs. 2 Satz 1 BBergG in einer Wei­se auf­ge­löst, die ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen noch genügt. Es hat fest­ge­stellt, dass ein groß­flä­chi­ger Tage­bau nicht auf­grund eines Rah­men­be­triebs­plans ins Werk gesetzt wer­den kann, ohne dass die Berg­be­hör­de zuvor fest­ge­stellt hät­te, dass dem Vor­ha­ben ins­ge­samt kei­ne öffent­li­chen Inter­es­sen ent­ge­gen­ste­hen. Soweit die­se öffent­li­chen Inter­es­sen in einem lan­des­pla­ne­ri­schen Braun­koh­len­ver­fah­ren ermit­telt wor­den sind und in die Dar­stel­lung von Zie­len der Raum­ord­nung ein­ge­gan­gen sind, ist nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts § 48 Abs. 2 Satz 1 BBergG die bun­des­recht­li­che Norm, über wel­che die Zie­le der Raum­ord­nung für das Zulas­sungs­ver­fah­ren ver­bind­lich gemacht wer­den kön­nen 110. Obwohl im bun­des­recht­lich gere­gel­ten betriebs­plan­recht­li­chen Zulas­sungs­ver­fah­ren kein Raum für die unmit­tel­ba­re Anwen­dung wei­te­rer Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen lan­des­recht­li­cher Art ist, ergibt sich dem­nach die in § 34 Abs. 5 Satz 2 LPlG 1994 vor­ge­se­he­ne Pflicht die Betriebs­plä­ne der im Braun­koh­len­plan­ge­biet gele­ge­nen berg­bau­li­chen Betrie­be mit den Braun­koh­len­plä­nen in Ein­klang zu brin­gen, über die Öff­nungs­klau­sel des § 48 Abs. 2 Satz 1 BBergG 111. Damit ist eine gesetz­li­che Ver­tei­lung der Ent­schei­dungs­ver­ant­wor­tung sicher­ge­stellt, die ver­fas­sungs­recht­li­chen Min­dest­an­for­de­run­gen genügt.

Gesetz­lich nicht ein­deu­tig gere­gelt ist auch die für die mate­ri­el­le Recht­mä­ßig­keit der Rah­men­be­triebs­plan­zu­las­sung zen­tra­le Fra­ge nach der Not­wen­dig­keit einer Gesamt­ab­wä­gung der für und gegen das Vor­ha­ben spre­chen­den öffent­li­chen und pri­va­ten Belan­ge. Gleich­wohl genü­gen die Rege­lun­gen in der vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt gefun­de­nen Deu­tung auch inso­weit noch den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an eine trans­pa­ren­te und kla­re Aus­ge­stal­tung des Ver­fah­rens und des mate­ri­el­len Ent­schei­dungs­fin­dungs­pro­zes­ses sowie an ein­deu­ti­ge Ver­ant­wor­tungs­zu­wei­sun­gen.

Auch die tat­säch­li­chen Ver­fah­rens­schrit­te, die zur Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans für den Braun­koh­len­ta­ge­bau Garz­wei­ler I/​II geführt haben, – soweit sie ver­fas­sungs­recht­lich von Bedeu­tung sind – ste­hen nicht in Wider­spruch zu den Min­dest­an­for­de­run­gen, die unter dem Gesichts­punkt kla­rer Zuwei­sung von Ent­schei­dungs­ver­ant­wor­tung zu stel­len sind und die dem Grund­recht auf Eigen­tum für ein letzt­lich zur Ent­eig­nung füh­ren­des Ver­fah­ren ent­nom­men wer­den kön­nen.

Die Grund­ent­schei­dung für den Abbau von Braun­koh­le im Rhei­ni­schen Braun­koh­len­re­vier hat die Lan­des­re­gie­rung Nord­rhein-West­fa­len in ihren Leit­ent­schei­dun­gen zur künf­ti­gen Braun­koh­le­po­li­tik aus dem Jah­re 1987 und in den Leit­ent­schei­dun­gen zum Braun­koh­len­ab­bau­vor­ha­ben Garz­wei­ler II aus dem Jah­re 1991 getrof­fen.

Es ent­spricht der Auf­tei­lung der Ver­ant­wor­tung im funk­ti­ons­tei­lig geglie­der­ten Staat, dass die Leit­ent­schei­dun­gen für das lang­fris­ti­ge Kon­zept des Braun­koh­len­ab­baus im Rhei­ni­schen Braun­koh­len­ge­biet auf der Ebe­ne der Lan­des­re­gie­rung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len getrof­fen wer­den, da es um eine zen­tra­le Fra­ge der Ener­gie­po­li­tik des Lan­des geht 112, bei deren Ent­schei­dung zahl­rei­che ande­re Fak­to­ren, wie ins­be­son­de­re auch die Ein­bin­dung in die Ener­gie­po­li­tik der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und die der Euro­päi­schen Uni­on zu beach­ten sind. Die Grund­satz­ent­schei­dung auf die­ser Ebe­ne zu tref­fen, ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Es ist nicht erkenn­bar und wur­de in der münd­li­chen Ver­hand­lung auch nicht gel­tend gemacht, dass die Kom­pe­tenz über die Ent­schei­dung die­ser Grund­satz­fra­ge durch Gesetz dem Bund oder einem ande­ren Lan­des­or­gan über­tra­gen wäre. Dass mit einer sol­chen Leit­ent­schei­dung – ins­be­son­de­re wenn sie ein kon­kre­tes Vor­ha­ben betrifft wie die Leit­ent­schei­dun­gen zum Braun­koh­len­ab­bau­vor­ha­ben Garz­wei­ler II aus dem Jah­re 1991 – Vor­fest­le­gun­gen für künf­ti­ge behörd­li­che Aus­wahl- und Zulas­sungs­ent­schei­dun­gen wie hier den Rah­men­be­triebs­plan getrof­fen wer­den, ist unver­meid­bar, kann aber hin­ge­nom­men wer­den, sofern in Fol­ge­ent­schei­dun­gen mit Außen­wir­kung gegen­über Dritt­be­trof­fe­nen unein­ge­schränkt die recht­li­che Ver­ant­wor­tung für die Grund­ent­schei­dung über­nom­men wer­den muss. Dies ist hier der Fall.

Auf die Vor­la­ge eines Rah­men­be­triebs­plans "Garz­wei­ler I/​II" im Jah­re 1987 durch die Rechts­vor­gän­ge­rin der Bei­gela­de­nen im Aus­gangs­ver­fah­ren hat der Braun­koh­len­aus­schuss in einem auf­wen­di­gen Ver­fah­ren nach den Vor­ga­ben des Lan­des­pla­nungs­ge­set­zes Nord­rhein-West­fa­len einen Braun­koh­len­plan auf­ge­stellt, der schließ­lich 1995 als Braun­koh­len­plan "Garz­wei­ler II" geneh­migt wur­de.

Der Braun­koh­len­plan "Garz­wei­ler II" nennt als "Ziel" den grund­sätz­li­chen Vor­rang der Gewin­nung von Braun­koh­le vor ande­ren Nut­zungs- und Funk­ti­ons­an­sprü­chen im Abbau­ge­biet. Er erstreckt sich auf eine Flä­che von 4.800 Hekt­ar und ist damit ent­spre­chend der in den Leit­ent­schei­dun­gen der Lan­des­re­gie­rung aus dem Jahr 1991 vor­ge­nom­me­nen Ein­schrän­kung 1.763 Hekt­ar klei­ner als ursprüng­lich bean­tragt. Den Koh­le­vor­rat bezif­fert der Braun­koh­len­plan auf 1,3 Mil­li­ar­den Ton­nen. Er ent­hält auch eine zusam­men­fas­sen­de Dar­stel­lung und Bewer­tung der Umwelt­aus­wir­kun­gen (vgl. § 33 Abs. 4 LPlG 1994). Umfas­send wid­met er sich der Pro­ble­ma­tik der not­wen­di­gen Umsied­lun­gen. "Ziel" ist, zur Mini­mie­rung der im Inter­es­se der Ener­gie­ver­sor­gung erfor­der­li­chen Ein­grif­fe des Braun­koh­len­ta­ge­baus in die Lebens­ver­hält­nis­se der Betrof­fe­nen eine größt­mög­li­che Gemein­sam­keit der Umsied­lungs­maß­nah­men anzu­stre­ben 113. Für die Umsied­lung der Bevöl­ke­rung der Gemein­den, die am zeit­nächs­ten erfol­gen soll (Otzen­rath, Spen­rath und Holz), sieht der Braun­koh­len­plan bereits Umsied­lungs­flä­chen nörd­lich des Abbau­ge­biets vor.

Die Erar­bei­tung des Braun­koh­len­pla­nes hat­te der Braun­koh­len­aus­schuss im März 1993 auf der Grund­la­ge zahl­rei­cher in den vor­aus­ge­gan­gen Jah­ren durch­ge­führ­ter Unter­su­chun­gen, ins­be­son­de­re zur Umwelt­ver­träg­lich­keit, aber auch zur Sozi­al­ver­träg­lich­keit von Umsied­lun­gen beschlos­sen. Sodann waren der Ent­wurf des Pla­nes öffent­lich aus­ge­legt und die zahl­rei­chen Ein­wen­dun­gen öffent­lich erör­tert wor­den.

Der Braun­koh­len­plan ist Teil der Lan­des­pla­nung, nicht aber der Rah­men­be­triebs­pla­nung nach dem Bun­des­berg­ge­setz. Recht­li­che Ver­bind­lich­keit erlan­gen die Ergeb­nis­se der Braun­koh­len­pla­nung für die bun­des­berg­recht­li­che Rah­men­be­triebs­pla­nung nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts als dem Rah­men­be­triebs­plan etwa ent­ge­gen­ste­hen­de öffent­li­che Inter­es­sen im Sin­ne des § 48 Abs. 2 Satz 1 BBergG. Im Fal­le der im Aus­gangs­ver­fah­ren kon­kret in Streit ste­hen­den Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans für den Tage­bau Garz­wei­ler I/​II baut die Ent­schei­dung der Zulas­sungs­be­hör­de wie auch deren Kon­trol­le durch die Gerich­te aus­drück­lich unmit­tel­bar auf den Erkennt­nis­sen und Ergeb­nis­sen des Braun­koh­len­plans auf, ver­wer­tet die­se und stützt dar­auf ihre Gesamt­ab­wä­gung. Ein ver­fas­sungs­recht­lich rele­van­tes Defi­zit im Ent­schei­dungs­fin­dungs­pro­zess ist danach im kon­kre­ten Fall inso­weit jeden­falls nicht zu bekla­gen.

Das Bun­des­berg­ge­setz schreibt nach der neue­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts bei der Zulas­sung von Rah­men­be­triebs­plä­nen jeden­falls für groß­flä­chi­ge Tage­baue eine Gesamt­ab­wä­gung vor; eine sol­che ist auch von Ver­fas­sungs wegen gebo­ten. Die­se Gesamt­ab­wä­gung wur­de im Fall des Tage­baus Garz­wei­ler I/​II in ver­fas­sungs­recht­lich letzt­lich nicht zu bean­stan­den­der Wei­se vor­ge­nom­men. Der Tage­bau erweist sich im Ergeb­nis die­ser Gesamt­ab­wä­gung als ver­fas­sungs­ge­mäß.

Ein Ein­griff in das Eigen­tum durch die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans ist nur hin­zu­neh­men, wenn sie auf einer umfas­sen­den Gesamt­ab­wä­gung beruht. Dies ergibt sich schon aus dem Fach­recht, ist aber auch von Ver­fas­sungs wegen gebo­ten.

Nach der für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt grund­sätz­lich maß­geb­li­chen Aus­le­gung des ein­fa­chen Rechts durch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bedarf die Zulas­sung eines Rah­men­be­triebs­plans einer Gesamt­ab­wä­gung aller für und gegen das Vor­ha­ben spre­chen­der Belan­ge.

In den Fäl­len, in denen für einen berg­bau­li­chen Gewin­nungs­be­trieb ein Rah­men­be­triebs­plan auf­ge­stellt wird (§§ 51, 52 Abs. 2, 2a und 2b BBergG), ist des­sen Zulas­sung nicht nur nach der Kon­zep­ti­on des Bun­des­berg­ge­set­zes, son­dern auch in der Pra­xis, wie der Ver­tre­ter des Beklag­ten des Aus­gangs­ver­fah­rens in der münd­li­chen Ver­hand­lung bestä­tigt hat, die auf der Ebe­ne des Bun­des­berg­ge­set­zes zen­tra­le Ent­schei­dung im mehr­stu­fi­gen Ver­fah­ren der Zulas­sung eines sol­chen Berg­bau­be­triebs. Hier ist das Vor­ha­ben auf sei­ne Ver­ein­bar­keit mit den Vor­ga­ben des § 55 Abs. 1 BBergG zu prü­fen, die in ers­ter Linie die Zuver­läs­sig­keit des Unter­neh­mers, die Gefah­ren­vor­sor­ge und Belan­ge des Umwelt­schut­zes zum Gegen­stand haben. Dane­ben ist nach § 48 Abs. 2 Satz 1 BBergG zu ent­schei­den, ob ande­re über­wie­gen­de öffent­li­che Inter­es­sen ent­ge­gen­ste­hen, dar­un­ter auch die aggre­gier­ten Belan­ge der betrof­fe­nen Grund­stücks­ei­gen­tü­mer 114. Für die Prü­fung der Zulas­sungs­fä­hig­keit des Gesamt­vor­ha­bens kommt es nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts dem­nach dar­auf an, ob das Abbau­vor­ha­ben durch die Not­wen­dig­keit gerecht­fer­tigt ist, den dort anste­hen­den Boden­schatz zur Siche­rung der Roh­stoff­ver­sor­gung abzu­bau­en, und ob des­halb die groß­flä­chi­ge Inan­spruch­nah­me von Grund­stü­cken mit der Umsied­lung zahl­rei­cher Men­schen unter völ­li­ger Umge­stal­tung der Land­schaft mit öffent­li­chen Inter­es­sen ver­ein­bar ist. In die­sem Rah­men sind auch die Inter­es­sen der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer mit den berech­tig­ten Belan­gen des Berg­baus abzu­wä­gen.

Eine sol­che Gesamt­ab­wä­gung aller erheb­li­chen Belan­ge ist für die hier in Fra­ge ste­hen­de Zulas­sung eines Rah­men­be­triebs­plans von der Ver­fas­sung gebo­ten.

Jeden­falls bei kom­ple­xen Vor­ha­ben wie den Braun­koh­len­ta­ge­bau­en ist auch von Ver­fas­sungs wegen eine Aus­ge­stal­tung der Ent­schei­dungs­fin­dung erfor­der­lich, wel­che die Zulas­sung des Vor­ha­bens nur auf der Grund­la­ge einer Gesamt­ab­wä­gung aller für und gegen das Vor­ha­ben spre­chen­den Belan­ge gestat­tet. Die­se Gesamt­ab­wä­gung muss als grund­sätz­lich ein­heit­li­che Ent­schei­dung vor­ge­se­hen sein, in aller Regel vor Beginn des Abbau­be­triebs erfol­gen und auch von den Eigen­tums­be­trof­fe­nen recht­zei­tig angreif­bar sein.

Rechts­staat­lich, unter dem Gesichts­punkt demo­kra­ti­scher Legi­ti­ma­ti­on und, soweit die Vor­ha­ben Eigen­tum in Anspruch neh­men, auch durch Art. 14 GG gebo­ten ist ein Maß an Trans­pa­renz und Klar­heit des Ent­schei­dungs­fin­dungs­pro­zes­ses, das hin­rei­chend deut­lich wer­den lässt, wer an wel­cher Stel­le des Ver­fah­rens ver­ant­wort­lich dar­über ent­schei­det, ob ein Boden­schatz groß­flä­chig abge­baut wer­den darf, und an wel­cher Stel­le dies zu wes­sen Guns­ten gesche­hen soll. Nur eine ein­heit­li­che Gesamt­ab­wä­gung aller für und gegen das Vor­ha­ben spre­chen­den öffent­li­chen und pri­va­ten Belan­ge im Rah­men der Zulas­sungs­ent­schei­dung kann gewähr­leis­ten, dass die Zulas­sung eines Berg­bau­be­triebs nicht durch die Seg­men­tie­rung ein­zel­ner Ent­schei­dungs­ge­gen­stän­de fehl­ge­wich­tet und damit ver­fälscht wird. Schließ­lich ver­langt die auch im Eigen­tums­grund­recht wur­zeln­de Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes gegen Eigen­tums­ein­grif­fe 47, dass jeden­falls in kom­ple­xen Groß­ver­fah­ren den von der Inan­spruch­nah­me ihres Eigen­tums bedroh­ten Eigen­tü­mern Rechts­schutz bereits gegen die Ent­schei­dung über die Zulas­sung des Vor­ha­bens gewährt wird. Wird in sol­chen Groß­ver­fah­ren Rechts­schutz erst gegen die Ent­eig­nungs­ent­schei­dung eröff­net, wird er typi­scher­wei­se zu spät kom­men, sofern der Erfolg des Rechts­be­helfs von der inzi­dent zu prü­fen­den Recht­mä­ßig­keit des Gesamt­vor­ha­bens abhängt und die­ses bereits seit lan­gem ins Werk gesetzt wur­de.

In der Sache unter­schei­det sich die bei der Zulas­sungs­ent­schei­dung gefor­der­te Gesamt­ab­wä­gung natur­ge­mäß nicht von der­je­ni­gen, die nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts im Rah­men eines Angriffs gegen eine Ent­eig­nungs­ent­schei­dung nach­voll­zie­hend zu prü­fen ist, soweit es dar­um geht, ob das Vor­ha­ben dem Wohl der All­ge­mein­heit dient. Es ist jeweils die­sel­be Gesamt­ab­wä­gung zu dem Vor­ha­ben, die beim Angriff gegen die Zulas­sung des Betriebs­plans unmit­tel­bar, bei der Anfech­tung der Grund­ab­tre­tung inzi­dent Gegen­stand des Rechts­schutz­be­geh­rens ist; Unter­schie­de erge­ben sich inso­weit allen­falls im Hin­blick auf den gerin­ge­ren Kon­kre­ti­sie­rungs­grad der Rah­men­be­triebs­pla­nung gegen­über einem den Abbau gestat­ten­den Haupt­be­triebs­plan, in des­sen Voll­zug die Grund­ab­tre­tun­gen erfol­gen. Dem­entspre­chend unter­schei­det sich die gericht­li­che Prü­fungs­tie­fe auch nicht gegen­über bei­den For­men der Gesamt­ab­wä­gung. Da die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans unter ande­rem nur erfol­gen darf, wenn nicht bereits zu die­sem Zeit­punkt erkenn­bar ist, dass die Ver­wirk­li­chung des Vor­ha­bens dar­an schei­tern muss, dass die dafür erfor­der­li­che Inan­spruch­nah­me des Eigen­tums pri­va­ter Drit­ter nicht durch Belan­ge des All­ge­mein­wohls gerecht­fer­tigt ist 100, ist auf die Kla­ge von Eigen­tums­be­trof­fe­nen schon hier zu prü­fen, ob die Vor­aus­set­zun­gen für Ent­eig­nun­gen nach Maß­ga­be einer Gesamt­ab­wä­gung (also gesetz­li­che Bestim­mung des Gemein­wohl­ziels, Not­wen­dig­keit und Ver­hält­nis­mä­ßig­keit des Vor­ha­bens) erfüllt sind. Für Pro­jek­te, die – wie vor­lie­gend – groß­flä­chi­ge Umsied­lungs­maß­nah­men zur Fol­ge haben, sind dabei ins­be­son­de­re auch das kon­kre­te Aus­maß der Umsied­lun­gen und die mit ihnen für die ver­schie­de­nen Betrof­fe­nen ver­bun­de­nen Belas­tun­gen sowie auch die getrof­fe­nen bezie­hungs­wei­se mög­li­chen Aus­gleichs­maß­nah­men näher in den Blick zu neh­men und sach­hal­tig zu wür­di­gen.

Die erfor­der­li­che Gesamt­ab­wä­gung für den Tage­bau Garz­wei­ler I/​II wur­de durch­ge­führt. Das Berg­amt Düren aller­dings hat dem dama­li­gen Ver­ständ­nis der Rechts­la­ge zu den §§ 48, 55 BBergG ent­spre­chend bei sei­ner Ent­schei­dung über die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans Garz­wei­ler I/​II vom 22.12.1997 kei­ne Gesamt­ab­wä­gung aller für und gegen das Vor­ha­ben spre­chen­den Belan­ge vor­ge­nom­men; ins­be­son­de­re hat es die Belan­ge der Eigen­tums­be­trof­fe­nen und damit auch der Umzu­sie­deln­den nicht in sei­ne Ent­schei­dung ein­be­zo­gen. Eine sol­che Gesamt­ab­wä­gung wur­de dann aber der Sache nach durch die mitt­ler­wei­le zustän­dig gewor­de­ne Bezirks­re­gie­rung Arns­berg wäh­rend des Ver­fah­rens vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nach­ge­holt, nach­dem das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt im Urteil vom 29.06.2006 12 sei­ne Recht­spre­chung zur Berück­sich­ti­gungs­fä­hig­keit der Belan­ge Eigen­tums­be­trof­fe­ner nach § 48 Abs. 2 Satz 1 BBergG bei der Zulas­sung eines Rah­men­be­triebs­plans geän­dert hat­te.

Die Bezirks­re­gie­rung sah sich auf­grund des Urteils des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zu einer Über­prü­fung der Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans ver­an­lasst und gab dem Beschwer­de­füh­rer hier­für Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me, die die­ser auch wahr­nahm. Sie ist sodann unter Ver­wer­tung zahl­rei­cher wei­te­rer Unter­la­gen, nicht zuletzt sol­cher aus dem Braun­koh­len­plan­ver­fah­ren, in des­sen Rah­men betrof­fe­ne Bür­ger in gro­ßer Zahl Stel­lung genom­men hat­ten, zu dem Ergeb­nis gekom­men, an der Zulas­sungs­ent­schei­dung fest­zu­hal­ten. Dies hat sie in einem aus­führ­li­chen Schrift­satz an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt im Rah­men der Fort­set­zung des Ver­fah­rens dar­ge­legt.

Mit Rück­sicht dar­auf, dass es sich bei der Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans nach § 55 BBergG um eine gebun­de­ne Ent­schei­dung han­delt, ste­hen weder der "Nach­bes­se­rung" der ursprüng­lich defi­zi­tä­ren Ent­schei­dung durch eine spä­ter erfolg­te Gesamt­ab­wä­gung noch ihrer gericht­li­chen Kon­trol­le als nach­voll­zie­hen­de Gesamt­ab­wä­gungs­ent­schei­dung durch­grei­fen­de ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken aus dem auch das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren vor­prä­gen­den Eigen­tums­grund­recht ent­ge­gen.

Dass die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans den von Ver­fas­sungs wegen gebo­te­nen Anfor­de­run­gen an eine Gesamt­ab­wä­gung aller für und gegen das Vor­ha­ben spre­chen­den Belan­ge stand hält, ergibt sich aus dem die­se Abwä­gung nach­voll­zie­hen­den, hier mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ange­grif­fe­nen Urteil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts.

Dabei ist es aller­dings nicht Auf­ga­be des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, die­se der Zulas­sungs­be­hör­de und den Fach­ge­rich­ten oblie­gen­de Auf­ga­be der Gesamt­ab­wä­gung selbst wahr­zu­neh­men und sich an ihre Stel­le zu set­zen. Die Fest­stel­lung und Wür­di­gung des Tat­be­stan­des, die Aus­le­gung des ein­fa­chen Rechts und sei­ne Anwen­dung auf den ein­zel­nen Fall sind viel­mehr allein Sache der dafür all­ge­mein zustän­di­gen Gerich­te und der Nach­prü­fung durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­zo­gen, sofern nicht Aus­le­gungs­feh­ler sicht­bar wer­den, die auf einer grund­sätz­lich unrich­ti­gen Anschau­ung von der Bedeu­tung eines Grund­rechts, ins­be­son­de­re vom Umfang sei­nes Schutz­be­reichs beru­hen und auch in ihrer mate­ri­el­len Bedeu­tung für den kon­kre­ten Rechts­fall von eini­gem Gewicht sind 115. Die Gesamt­ab­wä­gung aller für und gegen ein Groß­vor­ha­ben, wie den Tage­bau Garz­wei­ler, spre­chen­den Belan­ge ist ein kom­ple­xer Vor­gang, der in gro­ßem Umfang von Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen, Bewer­tun­gen und pro­gnos­ti­schen Ein­schät­zun­gen abhängt. Die­se vor­zu­neh­men oder zu kon­trol­lie­ren, ist in ers­ter Linie Auf­ga­be der Fach­ge­rich­te. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ist bei der Kon­trol­le der fach­ge­richt­li­chen und fach­be­hörd­li­chen Ent­schei­dun­gen dar­auf beschränkt zu über­prü­fen, ob ihnen bei der Tat­sa­chen­er­mitt­lung ver­fas­sungs­recht­lich erheb­li­che Feh­ler unter­lau­fen sind oder ob sie bei der Gesamt­ab­wä­gung die Bedeu­tung der betrof­fe­nen Grund­rech­te – ins­be­son­de­re des Art. 14 Abs. 1 GG – oder sons­ti­ger grund­ge­setz­li­cher Wer­tun­gen grund­sätz­lich ver­kannt haben.

Aus­ge­hend hier­von erweist sich die Gesamt­ab­wä­gung für das Vor­ha­ben Garz­wei­ler I/​II, soweit es im Rah­men der Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans zur Ent­schei­dung steht, in der Kon­trol­le durch das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt als noch ver­ein­bar mit Art. 14 Abs. 1 GG.

Vor dem Hin­ter­grund des zurück­ver­wei­sen­den Urteils des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 29.06.2006 12 hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in der ange­grif­fe­nen Ent­schei­dung die Auf­fas­sung ent­wi­ckelt, dass es für die Zulas­sungs­fä­hig­keit des Vor­ha­bens Garz­wei­ler I/​II dar­auf ankom­me, ob das Abbau­vor­ha­ben durch die Not­wen­dig­keit gerecht­fer­tigt sei, den dort anste­hen­den Boden­schatz zur Siche­rung der Roh­stoff­ver­sor­gung abzu­bau­en, und ob des­halb die groß­flä­chi­ge Inan­spruch­nah­me von Grund­stü­cken mit der Umsied­lung zahl­rei­cher Men­schen und das völ­li­ge Umge­stal­ten der Land­schaft mit öffent­li­chen Inter­es­sen ver­ein­bar sei 107. Es sah sich daher zu einer Über­prü­fung ver­an­lasst, die der nahe kom­me, wel­che bei einer ent­eig­nungs­recht­li­chen Vor­wir­kung des Rah­men­be­triebs­plans ver­an­lasst wäre. Der damit vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt gewähl­te Prü­fungs­an­satz ent­spricht im grund­sätz­li­chen Zugriff dem der von Ver­fas­sungs wegen gebo­te­nen Gesamt­ab­wä­gung und ist so ver­fas­sungs­recht­lich noch ver­tret­bar.

Die Bedeu­tung des Braun­koh­len­ab­baus aus dem Tage­bau Garz­wei­ler I/​II hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt im Rah­men der Prü­fung der Erfor­der­lich­keit des Vor­ha­bens ein­ge­hend gewür­digt. Es hat dabei in ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Wei­se im Grund­satz auf den Zeit­punkt der Ent­schei­dung über den Wider­spruch gegen die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans im Jah­re 2000 abge­stellt und zudem zu Recht erwo­gen, ob seit­her wesent­li­che neue Erkennt­nis­se oder ener­gie­po­li­ti­sche Leit­ent­schei­dun­gen die Braun­koh­len­ver­stro­mung in einem völ­lig ande­ren Licht erschei­nen lie­ßen. Dies hat es im Ergeb­nis ver­neint.

Aus­ge­hend von den im geplan­ten Abbau­zeit­raum 2001 bis 2045 aus dem Tage­bau Garz­wei­ler I/​II zu erwar­ten­den Braun­koh­le­men­gen hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des­sen nicht uner­heb­li­chen Bei­trag zur Strom­erzeu­gung in Nord­rhein-West­fa­len und auch im Bun­des­ge­biet pro­gnos­ti­ziert, das Abbau­vor­ha­ben sodann im Hin­blick auf die Leit­ent­schei­dun­gen der Lan­des­re­gie­rung Nord­rhein-West­fa­len aus den Jah­ren 1987 und 1991 gewür­digt und auf sei­ne Ver­ein­bar­keit mit der Kli­ma­schutz­po­li­tik Deutsch­lands und der Euro­päi­schen Uni­on sowie mit der Staats­ziel­be­stim­mung Umwelt­schutz in Art.20a GG hin­ter­fragt und für ins­ge­samt hin­rei­chend gewich­tig gehal­ten. Die­se Ein­schät­zung von der gro­ßen Bedeu­tung der Braun­koh­len­ver­stro­mung für die Ener­gie­ver­sor­gung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land sowie von dem im maß­geb­li­chen Zeit­raum ent­schei­den­den Anteil der Braun­koh­len­ge­win­nung aus dem Tage­bau Garz­wei­ler I/​II hier­an und von der über­ra­gen­den gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Bedeu­tung einer siche­ren Ener­gie­ver­sor­gung über­haupt ist mit Rück­sicht auf die inso­weit begrenz­te Kon­troll­dich­te des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Sie steht in Ein­klang mit der oben erfolg­ten Ein­schät­zung des Braun­koh­len­ab­baus als legi­ti­mes Gemein­wohl­ziel im Sin­ne des Art. 14 Abs. 3 Satz 1 GG.

Was die Inter­es­sen der durch den Tage­bau Garz­wei­ler I/​II in ihrem Wohn­ei­gen­tum, aber auch der in sons­ti­gem Grund­ei­gen­tum Betrof­fe­nen anbe­langt, die sich in der Sum­me zu einem beson­ders gewich­ti­gen Gemein­wohl­be­lang zusam­men­fü­gen, der dem Tage­bau ent­ge­gen­steht, sind zwar durch­aus Zwei­fel ange­bracht, ob das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt die­sen zen­tra­len Belang mit dem ihm zukom­men­den Gewicht in die Gesamt­ab­wä­gung ein­ge­stellt hat. Sie erwei­sen sich jedoch letzt­lich als nicht durch­schla­gend.

Die beson­de­ren Bezü­ge der Eigen­tü­mer oder Mie­ter von Haus­grund­stü­cken und Woh­nun­gen zu ihrem Wohn­um­feld in sozia­ler und städ­te­bau­li­cher Hin­sicht sind in ihrem Bestand und in ihrer aus die­sen gewach­se­nen, dau­er­haf­ten Bezie­hun­gen fol­gen­den beson­de­ren Wer­tig­keit durch das Eigen­tums­grund­recht geschützt. Bei die­ser recht­li­chen Ein­ord­nung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt den Bezug der Eigen­tums­ga­ran­tie auf den sozia­len Kon­text ("Hei­mat­be­zug") nicht gewür­digt; die beson­de­re Belas­tung der durch den Tage­bau mit Umsied­lung und so auch mit Ent­wur­ze­lung bedroh­ten Bewoh­ner des Tage­bau­ge­biets hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt statt­des­sen unter dem Gesichts­punkt einer Ver­let­zung des Grund­rechts auf Frei­zü­gig­keit erwo­gen, dies inso­weit aber im Ergeb­nis zutref­fend ver­neint 107.

Die unzu­tref­fen­de Ein­ord­nung die­ses Belangs unter Art. 11 GG ist letzt­lich unschäd­lich, da davon aus­zu­ge­hen ist, dass das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt gleich­wohl die von dem Umsied­lungs­druck auf die Betrof­fe­nen aus­ge­hen­den Belas­tun­gen nach Umfang und Gewicht rich­tig erkannt und ein­ge­schätzt hat. Zwar hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt die Umsied­lungs­fra­ge im Rah­men von Art. 11 GG nur knapp abge­han­delt und dabei noch nicht ein­mal die Zahl der Umsied­lungs­be­trof­fe­nen aus­drück­lich auf­ge­führt. Gleich­wohl steht außer Zwei­fel, dass dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, wie schon zuvor dem Ver­wal­tungs­ge­richt und eben­so der für die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans und für die Ent­schei­dung des Wider­spruchs hier­ge­gen jeweils zustän­di­gen Behör­de, die Dimen­si­on der Umsied­lungs­fra­ge nach der Zahl der Betrof­fe­nen und den mit der Umsied­lung ver­bun­de­nen spe­zi­fi­schen Belas­tun­gen bekannt und bewusst war. Die mit rund 7.000 gro­ße Zahl der durch den Tage­bau Garz­wei­ler I/​II Umsied­lungs­be­trof­fe­nen war von Beginn der Pla­nung die­ses Vor­ha­bens an als das – neben den damit ver­bun­de­nen Schwie­rig­kei­ten der Grund­was­ser­be­wirt­schaf­tung – zen­tra­le Pro­blem die­ses Pro­jekts dis­ku­tiert wor­den. Dem­entspre­chend hat sich die Braun­koh­len­pla­nung zum Tage­bau Garz­wei­ler I/​II inten­siv und ein­ge­hend mit der Erhe­bung der Umsied­lungs­be­las­tun­gen und der Mini­mie­rung der Umsied­lungs­fol­gen befasst. Eigens hier­für wur­de nicht zuletzt der Braun­koh­len­plan "Umsied­lung Immer­ath-Pesch-Lüt­zerath" aus dem Jahr 2005 erstellt.

Wie bereits aus­ge­führt hat die Bezirks­re­gie­rung nach dem zurück­ver­wei­sen­den Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts die Zulas­sung des Rah­men­be­triebs­plans im Beru­fungs­ver­fah­ren vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt einer erneu­ten ein­ge­hen­den Über­prü­fung unter aus­drück­li­cher Ver­wer­tung auch der Erkennt­nis­se aus dem Braun­koh­len­plan­ver­fah­ren unter­zo­gen und die dar­aus gewon­ne­nen Erkennt­nis­se in das Beru­fungs­ver­fah­ren ein­be­zo­gen. Vor die­sem Hin­ter­grund ist es aus­ge­schlos­sen, dass dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Umfang und Gewicht der Umsied­lungs­be­lan­ge bei sei­ner Ent­schei­dung aus dem Blick gera­ten sein könn­ten. Es hat im Gegen­teil die Belan­ge der Umsied­lungs­be­trof­fe­nen aus­drück­lich in sei­ne nach­voll­zie­hen­de Gesamt­ab­wä­gung ein­be­zo­gen. Dies ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht als unver­tret­bar zu bean­stan­den.

Schließ­lich ist die Bestä­ti­gung der Gesamt­ab­wä­gung durch das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt auch kei­nen durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Ein­wän­den aus­ge­setzt, soweit sie auf der Aus­ein­an­der­set­zung mit den sons­ti­gen, dem Tage­bau Garz­wei­ler I/​II ent­ge­gen­ste­hen­den öffent­li­chen Belan­gen, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die Umge­stal­tung der Land­schaft, beru­hen. Man­gels sub­stan­ti­ier­ter Rügen des Beschwer­de­füh­rers hier­zu bedarf es kei­ner nähe­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Erwä­gun­gen zu die­sen Belan­gen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 17. Dezem­ber 2013 – 1 BvR 3139/​08 und 1 BvR 3386/​08

  1. Lan­des­pla­nungs­ge­setz in der für die Ver­fas­sungs­be­schwer­den im Wesent­li­chen maß­geb­li­chen Fas­sung auf­grund der Neu­be­kannt­ma­chung vom 29.06.1994, GV. NRW S. 474[]
  2. GV. NRW S. 538[]
  3. Bun­des­berg­ge­setz vom 13.08.1980, BGBl I S. 1310[]
  4. BVerfG – 1 BvR 3139/​08[][][]
  5. VG Aachen, Urteil vom 10.12.2001 – 9 K 691/​00; OVG NRW, Urteil vom 21.12.2007 – 11 A 1194/​02; BVerwG, Beschluss vom 29.09.2008 – 7 B 20.08, NVwZ 2009, S. 331[]
  6. BVerfG – 1 BvR 3386/​08[][]
  7. VG Düs­sel­dorf, Urteil vom 06.06.2006 – 3 K 3061/​05; OVG NRW, Urteil vom 21.12.2007 – 11 A 3051/​06; BVerwG, Beschlüs­se vom 20.10.2008 – 7 B 21.08; und vom 26.11.2008 – 7 B 52.08 (7 B 21.08) []
  8. OVG NRW, Urteil vom 07.06.2005 – 11 A 1193/​02[][][]
  9. vgl. BVerfGE 107, 395, 414; 112, 50, 60; BVerfG, Beschluss 16.07.2013 – 1 BvR 3057/​11, NJW 2013, S. 3506, 3507 [Tz. 27][]
  10. vgl. ins­be­son­de­re BVerwG, Urteil vom 14.12.1990 – 7 C 18.90, NVwZ 1991, S. 992; OVG Bran­den­burg, Beschluss vom 28.09.2000 – 4 B 130/​00, jeweils m.w.N.[]
  11. vgl. BVerfG, Beschluss vom 16.07.2013 – 1 BvR 3057/​11, NJW 2013, 3506, 3507 [Tz. 22 f.][]
  12. BVerw­GE 126, 205[][][]
  13. vgl. BVerw­GE 72, 15, 16; 112, 135, 137; 131, 274, 286; zuletzt BVerwG, Urteil vom 25.01.2012 – 9 A 6.10, NVwZ 2012, 567[]
  14. vgl. BVerwG, Urteil vom 25.01.2012 – 9 A 6.10, NVwZ 2012, S. 567, 568[]
  15. VG Düs­sel­dorf, Urteil vom 10.12.2001 – 9 K 2800/​00[]
  16. OVG NRW, Urteil vom 21.12.2007 – 11 A 3051/​06[]
  17. vgl. BVerfGE 101, 239, 259; 102, 1, 15 f.; 104, 1, 9; stRspr[]
  18. so BVerfGE 104, 1, 10[]
  19. vgl. BT-Drs. 8/​1315, S. 125; 8/​3965, S. 130 und 139[]
  20. vgl. BVerfGE 14, 263, 277[]
  21. vgl. BVerfGE 31, 229, 240; 50, 290, 339; 52, 1, 30; 100, 226, 241; 102, 1, 15; stRspr[]
  22. vgl. BVerfGE 100, 226, 241[]
  23. vgl. BVerfGE 50, 290, 340; stRspr[][][]
  24. Art. 14 Abs. 2 GG[]
  25. vgl. BVerfGE 21, 73, 83; 102, 1, 15[]
  26. vgl. BVerfGE 24, 367, 400; 38, 175, 181, 184 f.; 56, 249, 260[][]
  27. vgl. BVerfGE 24, 367, 397; 46, 268, 285; 56, 249, 261; 58, 300, 323[]
  28. vgl. BVerfGE 24, 367, 403; 38, 175, 180; 56, 249, 259 f.[]
  29. vgl. BVerfGE 56, 249, 261 f.; 74, 264, 285[]
  30. vgl. BVerfGE 74, 264, 284 ff.[]
  31. vgl. BVerfGE 38, 175, 179 f.[]
  32. vgl. BVerfGE 74, 264, 289[]
  33. vgl. BVerfGE 56, 249, 261; 74, 264, 285; ähn­lich bereits BVerfGE 24, 367, 403[]
  34. zum Son­der­fall der Pla­nung durch den Gesetz­ge­ber vgl. BVerfGE 95, 1[]
  35. vgl. BVerfGE 24, 367, 403; 56, 249, 261; 74, 264, 285[]
  36. vgl. BVerfGE 74, 264, 285 f.[]
  37. vgl. BVerfGE 66, 248, 257; 74, 264, 284[]
  38. vgl. BVerfGE 74, 264, 281 ff., 289[]
  39. vgl. BVerfGE 38, 175, 180; 74, 264, 286[]
  40. vgl. BVerfGE 74, 264, 285[][]
  41. vgl. BVerfGE 24, 367, 404; 45, 297, 322; 56, 249, 261 f.[]
  42. vgl. BVerwG, Urteil vom 23.08.1996 – 4 A 29.95, NVwZ 1997, 486, 488 und Urteil vom 24.03.2011 – 7 A 3.10, NVwZ 2011, 1124, 1127 [Tz. 48] m.w.N.[]
  43. vgl. BVerw­GE 132, 261, 273 [Rn. 50] m.w.N.[]
  44. vgl. etwa BVerw­GE 120, 1, 3; 125, 116, 177 [Rn. 182]; 127, 95, 102 [Rn. 33 f.] und zu § 1 Abs. 3 Bau­GB BVerw­GE 119, 25, 28 ff., ins­be­son­de­re 32; fer­ner BVerw­GE 116, 144, 146 f.[]
  45. vgl. BVerfGE 24, 367, 404[]
  46. vgl. BVerfGE 24, 367, 401; 38, 175, 185[]
  47. vgl. BVerfGE 45, 297, 322[][]
  48. vgl. BVerfGE 45, 297, 322; 74, 264, 282 f.[][]
  49. vgl. dazu BVerfGE 129, 1, 20 m.w.N.[]
  50. vgl. BVerfGE 129, 1, 32 f.[][]
  51. vgl. BVerfGE 61, 82, 109 ff.; 83, 182, 198; 129, 1, 32 f.[]
  52. vgl. BVerfGE 98, 17, 45; 101, 54, 86; 128, 157, 179 m.w.N.[]
  53. BT-Drs. 8/​1315, S. 126[]
  54. BT-Drs. 8/​3965, S. 139[]
  55. eben­so BVerw­GE 87, 241, 246 ff.; 132, 261, 265 f.[]
  56. vgl. BT-Drs. 8/​1315, S. 67 und 74; 8/​3965, S. 130 f.; fer­ner BVerw­GE 87, 241, 250[]
  57. vgl. bereits BVerfGE 74, 264, 287, 293; BVerw­GE 87, 241, 248[]
  58. vgl. BVerw­GE 87, 241, 249[]
  59. vgl. BVerfGE 74, 264, 286 unter Hin­weis auf BVerfGE 66, 248, 258[]
  60. BVerwG, Urteil vom 29.06.2006, BVerw­GE 126, 205, 208 ff. [Rn. 17 ff.][]
  61. BVerwG, a.a.O., S. 210 [Rn.20][]
  62. vgl. dazu BVerfGE 77, 130, 136[]
  63. vgl. BVerw­GE 87, 241, 251 f. zur Braun­koh­le; BVerwG, Urteil vom 24.06.2010 – 7 C 16.09[]
  64. vgl. BVerw­GE 87, 241, 252 unter Ver­wei­sung auf BVerw­GE 67, 74, 76 ff.; 72, 15, 25 f.; 74, 109, 110 f.; 85, 44, 51[]
  65. vgl. den ange­grif­fe­nen Beschluss des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 20.10.2008 – 7 B 21.08[]
  66. BVerwG, Urteil vom 29.06.2006, BVerw­GE 126, 205[]
  67. vgl. BVerfGE 37, 150, 153; 93, 1, 13[]
  68. vgl. BVerw­GE 126, 205, 208 [Rn. 16][][]
  69. OVG NRW, Urteil vom 21.2.2007 – 11 A 3051/​06[]
  70. vgl. BVerwG, Beschluss vom 20.10.2008 – 7 B 21.08[][]
  71. vgl. zu die­sem Maß­stab BVerfG, Beschluss vom 16.07.2013 – 1 BvR 3057/​11, NJW 2013, 3506, 3508 [Tz. 34][]
  72. vgl. BVerfGE 44, 353, 383; 50, 234, 243 zu Aus­nah­men von § 95 Abs. 2 BVerfGG[]
  73. vgl. BVerfGE 89, 381, 394[]
  74. vgl. BVerfGE 123, 186, 222 f.[]
  75. vgl. Dur­ner, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 11 Rn. 6 [August 2012][]
  76. Bun­des-Gesetz­blatt des Nord­deut­schen Bun­des 1867, S. 55[]
  77. vgl. Fünf­te Sit­zung des Aus­schus­ses für Grund­satz­fra­gen, 29.09.1948, in: Der Par­la­men­ta­ri­sche Rat 1948 – 1949, Akten und Pro­to­kol­le, Bd. 5/​I, Aus­schuss für Grund­satz­fra­gen, S. 88 ff.[]
  78. vgl. BVerfGE 2, 266, 273; 43, 203, 211; 80, 137, 150; 110, 177, 190 f.[]
  79. vgl. BVerfGE 2, 266, 273; 43, 203, 211; 110, 177, 191[]
  80. vgl. BVerfGE 110, 177, 191; sie­he auch BVerfGE 8, 95, 97[]
  81. vgl. den ange­grif­fe­nen und inso­weit auch nicht bean­stan­de­ten Beschluss des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 29.09.2008 – 7 B 20.08, NVwZ 2009, 331, Tz. 7; BbgVerfG, Urteil vom 18.06.1998 – VfG­Bbg 27/​97, LKV 1998, 395, 406; und Beschluss vom 28.06.2001 – VfG­Bbg 44/​00[]
  82. vgl. nur Dur­ner, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 11 Rn. 91 [August 2012]; Gnat­zy, in: Schmidt-Bleib­treu/K­lein, GG, 12. Aufl.2011, Art. 11 Rn. 8; F. Wol­len­schlä­ger, in: Drei­er, GG, Bd. I, 3. Aufl.2013, Art. 11 Rn. 37; Guckel­ber­ger, in: Fest­schrift für Wil­fried Fied­ler, 2011, S. 123, 135; Hail­bron­ner, in: Isensee/​Kirchhof, HStR VII, 3. Aufl.2009, § 152 Rn. 46; Jarass, in: ders./Pieroth, GG, 12. Aufl.2012, Art. 11 Rn. 3; Kunig, in: von Münch/​Kunig, GG, Bd. 1, 6. Aufl.2012, Art. 11 Rn. 18; Per­ni­ce, in: Drei­er, GG, Bd. I, 2. Aufl.2004, Art. 11 Rn. 17; Zie­kow, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum GG, Bd. 1, Art. 11 Rn. 58 [2002]; jeweils m.w.N.[]
  83. im Wesent­li­chen eben­so der ange­grif­fe­ne Beschluss des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 29.09.2008 – 7 B 20.08, NVwZ 2009, 331, Tz. 8 f.; fer­ner BbgVerfG, Beschluss vom 28.06.2001 – VfG­Bbg 44/​00; sowie Dur­ner, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 11 Rn. 121 [August 2012]; Gnat­zy, in: Schmidt-Bleib­treu/K­lein, GG, 12. Aufl.2011, Art. 11 Rn. 11a; Gusy, in: von Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 1, 6. Aufl.2010, Art. 11 Rn. 29; Rittstieg, in: AK-GG, 3. Aufl.2001, Art. 11 Rn. 31; Pieroth/​Schlink/​Kingreen/​Poscher, Grund­rech­te, 29. Aufl.2013, Rn. 867; Stern [Sachs], Staats­recht, Bd. IV/​1, 2006, S. 1142; ande­rer Ansicht etwa Guckel­ber­ger, in: Fest­schrift für Wil­fried Fied­ler, 2011, S. 123, 142; Ran­delz­ho­fer, in: Bon­ner Kom­men­tar zum GG, Art. 11 Rn. 43 [Okto­ber 1981][]
  84. vgl. Drit­te und Fünf­te Sit­zung des Aus­schus­ses für Grund­satz­fra­gen, 21. und 29.09.1948, in: Der Par­la­men­ta­ri­sche Rat 1948 – 1949, Akten und Pro­to­kol­le, Bd. 5/​I, Aus­schuss für Grund­satz­fra­gen, S. 59 und 89; Drei­und­zwan­zigs­te Sit­zung des Aus­schus­ses für Grund­satz­fra­gen, 19.11.1948, in: Der Par­la­men­ta­ri­sche Rat 1948 – 1949, Akten und Pro­to­kol­le, Bd. 5/​II, Aus­schuss für Grund­satz­fra­gen, S. 613; Vier­und­vier­zigs­te Sit­zung des Haupt­aus­schus­ses, 19.01.1949, in: Der Par­la­men­ta­ri­sche Rat 1948 – 1949, Akten und Pro­to­kol­le, Bd. 14/​2, Haupt­aus­schuss, S. 1390 ff.[]
  85. vgl. Der Par­la­men­ta­ri­sche Rat 1948 – 1949, Akten und Pro­to­kol­le, Bd. 5/​II, Aus­schuß für Grund­satz­fra­gen, S. 1038 ff.[]
  86. vgl. dazu die Aus­füh­run­gen des Abge­ord­ne­ten von Man­goldt, a.a.O., S. 1044 f.[]
  87. in die­se Rich­tung Baer, NVwZ 1997, 27, 30 ff.; Per­ni­ce, in: Drei­er, GG, Bd. I, 2. Aufl.2004, Art. 11 Rn. 17[]
  88. vgl. Zwei­und­vier­zigs­te Sit­zung des Haupt­aus­schus­ses, 18.01.1949, in: Der Par­la­men­ta­ri­sche Rat 1948 – 1949, Akten und Pro­to­kol­le, Bd. 14/​2, Haupt­aus­schuss, S. 1293 ff. und Par­la­men­ta­ri­scher Rat, Ste­no­gra­phi­scher Bericht, 9. Sit­zung, 6.05.1949, S. 175[]
  89. vgl. EGMR, Ent­schei­dung vom 25.05.2000 – Beschwer­de Nr. 46346/​99 (Noack), LKV 2001, 69, 71 f.[]
  90. vgl. BVerfGE 111, 307, 315 ff.; 128, 326, 366 ff.; 131, 268, 295 f.[]
  91. vgl. BVerfGE 111, 307, 315 ff.; 128, 326, 366 ff.; 131, 268, 295[]
  92. vgl. BVerfGE 97, 350, 370 f.; stRspr[]
  93. vgl. BVerfGE 101, 54, 74 f.[]
  94. vgl. BVerfGE 58, 300, 352[]
  95. vgl. dazu BVerfGE 89, 1, 6 f.[]
  96. vgl. den ange­grif­fe­nen Beschluss vom 29.09.2008 – 7 B 20.08, NVwZ 2009, 331, Tz. 10 und S. 332 [Tz. 14]; sowie BVerw­GE 126, 205, 213 [Rn. 26][]
  97. all­ge­mein zu die­ser Rechts­fi­gur vgl. BVerfGE 56, 249, 264; 74, 264, 282; 95, 1, 22 sowie zum Geset­zes­vor­be­halt für ech­te Ver­fah­rens­stu­fun­gen BVerfGE 129, 1, 32 f.[]
  98. vgl. BVerw­GE 126, 205, 212 [Rn. 23][][]
  99. vgl. BVerwG, Urteil vom 14.12.1990 – 7 C 18.90, NVwZ 1991, 992[]
  100. vgl. BVerw­GE 126, 205, 209 f. [Rn.19][][]
  101. vgl. BVerw­GE 126, 205, 212 [Rn. 25][]
  102. vgl. BVerw­GE 126, 205, 213 [Rn. 26][]
  103. vgl. auch BVerw­GE 126, 205, 212 [Rn. 24][]
  104. zu die­ser Rechts­fi­gur BVerfGE 116, 202, 222; 118, 1, 20; 120, 378, 406[]
  105. vgl. BVerfGE 66, 248, 258; fer­ner 25, 1, 16; 30, 292, 323; 53, 30, 58; 91, 186, 206[]
  106. vgl. BVerfGE 30, 292, 324[]
  107. BVerwG, Urteil vom 21.12.2007 – 11 A 1194/​02[][][][]
  108. vgl. BVerfGE 53, 30, 59 ff.[]
  109. vgl. BVerw­GE 126, 205, 210 f. [Rn. 21][]
  110. BVerwG, a.a.O.[]
  111. vgl. OVG Bran­den­burg, Beschluss vom 28.09.2000 – 4 B 130/​00[]
  112. vgl. BVerfGE 49, 89, 124 ff.[]
  113. eben­so im Übri­gen der im Febru­ar 2005 geneh­mig­te Braun­koh­len­plan "Umsied­lung Immer­ath-Pesch-Lüt­zerath" unter 2.2[]
  114. vgl. BVerw­GE 126, 205, 209 f. [Rn. 18 ff.][]
  115. vgl. BVerfGE 18, 85, 92 f.[]