Ent­zug von Jour­na­lis­ten-Akkre­di­tie­run­gen zum Ham­bur­ger G20-Gip­fel

Der Ent­zug zwei­er G20-Akkre­di­tie­run­gen war rechts­wid­rig. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin hat den Kla­gen zwei­er Jour­na­lis­ten gegen die Bun­des­re­gie­rung wegen des Ent­zugs ihrer G20-Akkre­di­tie­run­gen statt­ge­ge­ben.

Ent­zug von Jour­na­lis­ten-Akkre­di­tie­run­gen zum Ham­bur­ger G20-Gip­fel

Die bei­den kla­gen­den Jour­na­lis­ten erhiel­ten auf ihren Antrag hin Anfang Juli 2017 zunächst per­so­na­li­sier­te Akkre­di­tie­rungs­aus­wei­se vom Bun­des­pres­se­amt für den am 7. und 8. Juli 2017 statt­fin­den­den G20-Gip­fel in Ham­burg. Nach­dem es zeit­lich unmit­tel­bar vor dem G20-Gip­fel zu erheb­li­chen Aus­schrei­tun­gen in Ham­burg kam, ent­zog das Bun­des­pres­se­amt den Jour­na­lis­ten ihre Akkre­di­tie­rungs­aus­wei­se. Zur Begrün­dung wur­de aus­ge­führt, dass die mas­si­ven Aus­schrei­tun­gen und neue nach­rich­ten­dienst­li­che Erkennt­nis­se zu vier ande­ren eben­falls akkre­di­tier­ten Jour­na­lis­ten eine Neu­be­wer­tung der Sicher­heits­la­ge erfor­der­lich gemacht hät­ten. Danach sei das Bun­des­pres­se­amt zu dem Schluss gelangt, dass die Sicher­heit und ord­nungs­ge­mä­ße Durch­füh­rung des G20-Gip­fels nur gewähr­leis­tet wer­den kön­ne, wenn den­je­ni­gen Jour­na­lis­ten, zu denen Sicher­heits­be­den­ken vor­lä­gen – wozu auch die Jour­na­lis­ten zähl­ten –, die Akkre­di­tie­rung ent­zo­gen wer­de.

Hier­ge­gen set­zen sich die Jour­na­lis­ten mit ihren nach Durch­füh­rung des G20-Gip­fels erho­be­nen Kla­gen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt zur Wehr. Sie machen ins­be­son­de­re gel­tend, es habe kein auf sie bezo­ge­ner Gefähr­dungs­sach­ver­halt vor­ge­le­gen. Weder etwai­ge Erkennt­nis­se in Bezug auf Drit­te noch die all­ge­mei­ne Sicher­heits­la­ge recht­fer­tig­ten den Ent­zug ihrer Akkre­di­tie­run­gen. Über­dies sei die Ent­schei­dung ermes­sens­feh­ler­haft, da ein mil­de­res Mit­tel, etwa die Beglei­tung der Jour­na­lis­ten wäh­rend des Gip­fels, mög­lich gewe­sen wäre.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin hat nun bei­den Kla­gen statt­ge­ge­ben:

Der Ent­zug der Akkre­di­tie­run­gen sei im Fal­le der bei­den Jour­na­lis­ten rechts­wid­rig gewe­sen. Die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen zum Wider­ruf begüns­ti­gen­der Ver­wal­tungs­ak­te wie den Akkre­di­tie­run­gen hät­ten nicht vor­ge­le­gen. Nach­träg­lich ein­ge­tre­te­ne Tat­sa­chen, die das Bun­des­pres­se­amt berech­tig­ten, die Akkre­di­tie­rung nicht zu erlas­sen, sei­en in Bezug auf die Jour­na­lis­ten nicht erkenn­bar. Auch dass ein Wider­ruf zur Ver­hü­tung oder Besei­ti­gung schwe­rer Nach­tei­le für das Gemein­wohl hät­te erfol­gen dür­fen, las­se sich nicht fest­stel­len. Davon abge­se­hen sei die Wider­rufs­ent­schei­dung auch nicht frei von Ermes­sens­feh­lern ergan­gen, ins­be­son­de­re sei eine Abwä­gung der wider­strei­ten­den Inter­es­sen im kon­kre­ten Ein­zel­fall unter­blie­ben.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urtei­le vom 20. Novem­ber 2019 – VG 27 K 516.17 und VG 27 K 519.17)

  1. EuGH, Urteil vom 10.11.2016 – C‑30/​15 P[]