Kar­frei­tag – und der Frei­geis­ter-Tanz

Die Aner­ken­nung des Kar­frei­tags als gesetz­li­cher Fei­er­tag sowie sei­ne Aus­ge­stal­tung als Tag mit einem beson­de­ren Stil­le­schutz und die damit ver­bun­de­nen grund­rechts­be­schrän­ken­den Wir­kun­gen sind dem Grun­de nach durch die ver­fas­sungs­recht­li­che Rege­lung zum Sonn- und Fei­er­tags­schutz in Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 139 WRV gerecht­fer­tigt, da sie nie­man­dem eine inne­re Hal­tung vor­schrei­ben, son­dern ledig­lich einen äuße­ren Ruhe­rah­men schaf­fen.

Kar­frei­tag – und der Frei­geis­ter-Tanz

Für Fall­ge­stal­tun­gen, in denen eine dem gesetz­li­chen Stil­le­schutz zuwi­der­lau­fen­de Ver­an­stal­tung ihrer­seits in den Schutz­be­reich der Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG) oder der Ver­samm­lungs­frei­heit (Art. 8 Abs. 1 GG) fällt, muss der Gesetz­ge­ber jedoch die Mög­lich­keit einer Aus­nah­me von stil­le­schüt­zen­den Unter­las­sungs­pflich­ten vor­se­hen.

Damit hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt der Ver­fas­sungs­be­schwer­de einer Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft, des "Bun­des für Geis­tes­frei­heit Mün­chen", gegen die teil­wei­se Unter­sa­gung einer am Kar­frei­tag geplan­ten öffent­li­chen Ver­an­stal­tung stattgegeben:Die Rege­lun­gen des Baye­ri­schen Geset­zes über den Schutz der Sonn- und Fei­er­ta­ge (FTG), die den Kar­frei­tag als gesetz­li­chen Fei­er­tag aner­ken­nen und mit einem qua­li­fi­zier­ten Ruhe- und Stil­le­rah­men aus­stat­ten, sind nach dem Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zwar grund­sätz­lich ver­fas­sungs­ge­mäß. Aller­dings beur­teilt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Befrei­ungs­fes­tig­keit die­ses Tages, die eine Befrei­ung von den damit ver­bun­de­nen Hand­lungs­ver­bo­ten selbst aus wich­ti­gen Grün­den von vorn­her­ein aus­schließt (Art. 5 Halb­satz 2 FTG), als unver­hält­nis­mä­ßig.

Anders aus­ge­drückt: Der auf die christ­lich-reli­giö­se Tra­di­ti­on zurück­ge­hen­de Fei­er­tag neh­men wir ger­ne an, aber bit­te beläs­tigt uns nicht mit den Ein­schrän­kun­gen, die sich gera­de aus die­ser christ­li­chen Grund­la­ge erge­ben…

Der Kar­frei­tag im Baye­ri­schen Fei­er­tags­ge­setz[↑]

Das Baye­ri­sche Fei­er­tags­ge­setz (Gesetz über den Schutz der Sonn- und Fei­er­ta­ge – FTG) bestimmt sowohl kirch­li­che als auch welt­li­che Fei­er­ta­ge, an denen – wie auch all­ge­mein an Sonn­ta­gen – öffent­lich bemerk­ba­re Arbei­ten, die geeig­net sind, die Fei­er­tags­ru­he zu beein­träch­ti­gen, grund­sätz­lich ver­bo­ten sind. Dar­über hin­aus sind zu den orts­üb­li­chen Haupt­got­tes­dienst­zei­ten bestimm­te Hand­lun­gen ver­bo­ten, die geeig­net sind, den Got­tes­dienst zu stö­ren (Art. 2 FTG).

Dane­ben nor­miert der Gesetz­ge­ber einen beson­de­ren Schutz soge­nann­ter stil­ler Tage (Art. 3 FTG). Zu die­sen zäh­len neben Tagen, die auch als Sonn- und Fei­er­ta­ge geschützt sind – wie der Volks­trau­er­tag, Aller­hei­li­gen, der Toten­sonn­tag und der hier in Fra­ge ste­hen­de Kar­frei­tag – auch sol­che, die nicht unter den all­ge­mei­nen Sonn- und Fei­er­tags­schutz fal­len. An stil­len Tagen sind grund­sätz­lich ganz­tags öffent­li­che Unter­hal­tungs­ver­an­stal­tun­gen unter­sagt, die den erns­ten Cha­rak­ter des Tages nicht wah­ren. Am Kar­frei­tag sowie am Buß- und Bet­tag sind dar­über hin­aus auch Sport­ver­an­stal­tun­gen nicht erlaubt. Zudem sind am Kar­frei­tag in Räu­men mit Schank­be­trieb musi­ka­li­sche Dar­bie­tun­gen jeder Art ver­bo­ten. Tage ange­ord­ne­ter Staats­trau­er kön­nen mit dem glei­chen Schutz­ni­veau aus­ge­stat­tet wer­den wie der Kar­frei­tag. Wäh­rend die Gemein­den von den Hand­lungs­ver­bo­ten für die stil­len Tage im Ein­zel­fall aus wich­ti­gen Grün­den Befrei­ung ertei­len kön­nen, ist ihnen dies für den Kar­frei­tag aus­drück­lich ver­sagt (Art. 5 FTG).

Die ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten des Baye­ri­schen Fei­er­tags­ge­set­zes lau­ten – zum Teil aus­zugs­wei­se – in der hier maß­geb­li­chen, im Aus­gangs­fall ange­wen­de­ten und seit dem 1.06.2006 gel­ten­den Fas­sung:

Art. 1 Gesetz­li­che Fei­er­ta­ge

(1) Gesetz­li­che Fei­er­ta­ge sind

  1. im gan­zen Staats­ge­biet
    • Neu­jahr,
    • Hei­li­ge Drei Köni­ge (Epi­pha­ni­as),
    • Kar­frei­tag,
    • Oster­mon­tag,
    • der 1. Mai,
    • Chris­ti Him­mel­fahrt,
    • Pfingst­mon­tag,
    • Fron­leich­nam,
    • der 3.10.als Tag der Deut­schen Ein­heit,
    • Aller­hei­li­gen,
    • Ers­ter Weih­nachts­tag,
    • Zwei­ter Weih­nachts­tag,
  2. in Gemein­den mit über­wie­gend katho­li­scher Bevöl­ke­rung
    • Mariä Him­mel­fahrt.

Art. 2 Schutz der Sonn- und Fei­er­ta­ge

(1) An den Sonn­ta­gen und den gesetz­li­chen Fei­er­ta­gen sind öffent­lich bemerk­ba­re Arbei­ten, die geeig­net sind, die Fei­er­tags­ru­he zu beein­träch­ti­gen, ver­bo­ten, soweit auf­grund Geset­zes nichts ande­res bestimmt ist.

(2) Wäh­rend der orts­üb­li­chen Zeit des Haupt­got­tes­diens­tes sind außer­dem ver­bo­ten

  1. alle ver­meid­ba­ren lär­mer­zeu­gen­den Hand­lun­gen in der Nähe von Kir­chen und sons­ti­gen zu got­tes­dienst­li­chen Zwe­cken die­nen­den Räu­men und Gebäu­den, soweit die­se Hand­lun­gen geeig­net sind, den Got­tes­dienst zu stö­ren,
  2. öffent­li­che Unter­hal­tungs­ver­an­stal­tun­gen; erlaubt sind jedoch Sport­ver­an­stal­tun­gen und die her­kömm­li­cher­wei­se in die­ser Zeit statt­fin­den­den Ver­an­stal­tun­gen der Kunst, Wis­sen­schaft oder Volks­bil­dung, soweit sie nicht unter Num­mer 1 fal­len,
  3. Treib­jag­den.

Art. 3 Stil­le Tage

(1) Stil­le Tage sind

  • Ascher­mitt­woch,
  • Grün­don­ners­tag,
  • Kar­frei­tag,
  • Kar­sams­tag,
  • Aller­hei­li­gen,
  • der zwei­te Sonn­tag vor dem ers­ten Advent als Volks­trau­er­tag,
  • Toten­sonn­tag,
  • Buß- und Bet­tag,
  • Hei­li­ger Abend (ab 14.00 Uhr).

(2) 1 An den stil­len Tagen sind öffent­li­che Unter­hal­tungs­ver­an­stal­tun­gen nur dann erlaubt, wenn der die­sen Tagen ent­spre­chen­de erns­te Cha­rak­ter gewahrt ist. 2 Sport­ver­an­stal­tun­gen sind jedoch erlaubt, aus­ge­nom­men am Kar­frei­tag und am Buß- und Bet­tag. 3 Am Kar­frei­tag sind außer­dem in Räu­men mit Schank­be­trieb musi­ka­li­sche Dar­bie­tun­gen jeder Art ver­bo­ten.

(3) 1 Das Staats­mi­nis­te­ri­um des Innern kann aus beson­de­rem Anlaß, der eine Staats­trau­er gebie­tet, wei­te­re Tage durch Ver­ord­nung ein­ma­lig zu stil­len Tagen erklä­ren., 2 In die Ver­ord­nung kön­nen auch die in Absatz 2 Sät­ze 2 und 3 vor­ge­se­he­nen Beschrän­kun­gen für Kar­frei­tag auf­ge­nom­men wer­den.

(4) Die Vor­schrif­ten des Art. 2 blei­ben unbe­rührt.

Art. 5 Befrei­un­gen

Die Gemein­den kön­nen aus wich­ti­gen Grün­den im Ein­zel­fall von den Ver­bo­ten der Art. 2, 3 und 4 Befrei­ung ertei­len, nicht jedoch für den Kar­frei­tag.

Art. 6 Israe­li­ti­sche Fei­er­ta­ge

(1) Als israe­li­ti­sche Fei­er­ta­ge wer­den nach Maß­ga­be der Absät­ze 2 bis 5 geschützt

Art. 7 Ord­nungs­wid­rig­kei­ten

Mit Geld­bu­ße bis zu zehn­tau­send Euro kann belegt wer­den, wer vor­sätz­lich oder fahr­läs­sig

    3. ent­ge­gen Art. 3 Abs. 2
  1. an den stil­len Tagen öffent­li­che Unter­hal­tungs­ver­an­stal­tun­gen, bei denen der die­sen Tagen ent­spre­chen­de erns­te Cha­rak­ter nicht gewahrt ist, durch­führt,
  2. am Kar­frei­tag Sport­ver­an­stal­tun­gen durch­führt oder in Räu­men mit Schank­be­trieb musi­ka­li­sche Dar­bie­tun­gen erbringt,

Mitt­ler­wei­le hat das Baye­ri­sche Fei­er­tags­ge­setz im Hin­blick auf die stil­len Tage eine Ände­rung erfah­ren. Die Neu­fas­sung ist zum 1.08.2013 in Kraft getre­ten 1. Sie sieht vor, dass der Schutz der stil­len Tage grund­sätz­lich erst um 2.00 Uhr beginnt. Dies gilt jedoch wei­ter­hin nicht für den Kar­frei­tag und den Kar­sams­tag, an denen es bei einem Beginn des Schut­zes um 0.00 Uhr ver­bleibt. Auch der Umfang des Schut­zes der stil­len Tage blieb unver­än­dert, nament­lich die in Absatz 2 des Art. 3 FTG ent­hal­te­ne Bestim­mung, wel­che Akti­vi­tä­ten an die­sen Tagen ver­bo­ten sind. In der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs heißt es zu der Neu­fas­sung, es han­de­le sich um eine maß­vol­le Locke­rung, durch die der vom Gesetz­ge­ber zu gewäh­ren­de Schutz der stil­len Tage in kei­ner Wei­se auf­ge­ge­ben wer­de. Sie tra­ge dem gesell­schaft­li­chen Wan­del im Frei­zeit­ver­hal­ten und in der Fei­er­abend­ge­stal­tung vie­ler Men­schen Rech­nung, so dass die Akzep­tanz der stil­len Tage in der Bevöl­ke­rung gesi­chert wer­den kön­ne. Im Wei­te­ren wur­de zur Kon­zep­ti­on des baye­ri­schen Gesetz­ge­bers im Hin­blick auf den Schutz der stil­len Tage aus­ge­führt 2:"Der Land­tag und die Staats­re­gie­rung haben dem Schutz der Sonn- und Fei­er­ta­ge seit jeher einen hohen Stel­len­wert ein­ge­räumt. […] Die stil­len Tage sind – wie die Fei­er­ta­ge – zur Bewah­rung unse­rer christ­li­chen und kul­tu­rel­len Tra­di­tio­nen und Wer­te in Bay­ern sowie für den Zusam­men­halt unse­rer Gesell­schaft unver­zicht­bar. Fei­er­ta­ge und stil­le Tage sind wich­ti­ge Anker- und Ruhe­punk­te für die Besin­nung auf grund­le­gen­de Wer­te, ermög­li­chen das Zusam­men­sein in und mit der Fami­lie und bie­ten den Men­schen die not­wen­di­ge Ruhe und die Chan­ce, sich an kul­tu­rel­le, geschicht­li­che und reli­giö­se Grund­la­gen zu erin­nern, um Kraft zu schöp­fen für die Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Zeit. Gera­de ange­sichts der zuneh­men­den Öko­no­mi­sie­rung und Hek­tik des All­tags bedarf unser Gemein­we­sen ver­läss­li­cher gemein­sa­mer Zei­ten der Rege­ne­ra­ti­on und Besin­nung. Die stil­len Tage leis­ten hier­zu einen unver­zicht­ba­ren Bei­trag. Beson­ders zu berück­sich­ti­gen ist dabei die inhalt­li­che, in ihrer Mehr­zahl durch christ­li­che und kirch­li­che Tra­di­ti­on fun­dier­te Prä­gung die­ser Tage. Der Schutz der stil­len Tage darf und kann des­halb nicht zur belie­bi­gen Dis­po­si­ti­on gestellt wer­den."

Aller­dings müs­se der Gesetz­ge­ber den Wan­del in der Gesell­schaft wahr­neh­men und auf einen Aus­gleich der wider­strei­ten­den Posi­tio­nen bedacht sein. So habe sich in den letz­ten Jah­ren ein aus­geh­freu­di­ges Publi­kum her­aus­ge­bil­det, des­sen Tages­rhyth­mus sich zeit­lich deut­lich nach hin­ten ver­scho­ben habe und das daher die gesam­ten Rege­lun­gen zum Schutz der stil­len Tage in Fra­ge stel­le. Der gesell­schaft­li­che Wan­del habe aber kei­nes­falls alle Men­schen erfasst. Vie­le sähen kei­ne Not­wen­dig­keit, an der bis­he­ri­gen Rege­lung eine Ände­rung her­bei­zu­füh­ren, und befürch­te­ten eher, dass damit eine Kul­tur der Ruhe­lo­sig­keit ent­ste­hen kön­ne. Eine akzep­ta­ble Lösung kön­ne daher in einer behut­sa­men Ver­schie­bung des Beginns des Schut­zes der stil­len Tage auf 2.00 Uhr bestehen. Am Kar­frei­tag und Kar­sams­tag blei­be es aber bei dem bis­he­ri­gen Beginn um 0.00 Uhr 3.

Das Baye­ri­sche Ver­samm­lungs­ge­setz (Bay­VersG) ent­hält kei­ne spe­zi­fi­sche Rege­lung zu Beschrän­kun­gen oder Ver­bo­ten für die stil­len Fei­er­ta­ge. Es ent­hält ledig­lich die Gene­ral­klau­sel zur Beschrän­kung oder zum Ver­bot einer Ver­samm­lung bei einer unmit­tel­ba­ren Gefähr­dung der öffent­li­chen Sicher­heit oder Ord­nung (Art. 15 Abs. 1 Bay­VersG) sowie eine spe­zi­el­le Klau­sel für den Fall, dass eine Ver­samm­lung an einem Tag oder Ort statt­fin­den soll, dem ein an die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Gewalt- und Will­kür­herr­schaft erin­nern­der Sinn­ge­halt mit gewich­ti­ger Sym­bol­kraft zukommt (Art. 15 Abs. 2 Bay­VersG mit wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen).

Der Aus­gangs­fall[↑]

Der "Bund für Geis­tes­frei­heit Mün­chen" i ist Mit­glied des "Dach­ver­bands Frei­er Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten e.V." und seit dem Jahr 1947 eine aner­kann­te Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts. Er ver­steht sich als Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft, die nach ihrem Grund­satz­pro­gramm die Inter­es­sen und Rech­te von Kon­fes­si­ons­lo­sen auf der Basis der Auf­klä­rung und des welt­li­chen Huma­nis­mus ver­tritt. Danach för­dert er den kon­struk­ti­ven und fried­li­chen Aus­tausch von Ide­en, kri­ti­siert jeden Dog­ma­tis­mus und ver­tritt kei­ne abso­lu­ten Wahr­hei­ten. Zu den huma­nis­ti­schen Grund­sät­zen zählt er Ethik und Wis­sen­schaft, die mensch­li­che Eigen­ver­ant­wor­tung, Tole­ranz, Frie­den, Gleich­be­rech­ti­gung, das Recht auf Selbst­be­stim­mung sowie die Men­schen­rech­te. Er tritt zudem für eine strik­te Tren­nung von Kir­che und Staat ein und ver­folgt das Ziel, die Pri­vi­le­gi­en der Kir­chen abzu­bau­en 4.

Im Rah­men einer all­jähr­lich am Kar­frei­tag vom Bund für Geis­tes­frei­heit durch­ge­führ­ten Ver­an­stal­tung plan­te die­ser für den Kar­frei­tag des Jah­res 2007 in den Räum­lich­kei­ten einer kon­zes­sio­nier­ten Gast­stät­te, im Ober­an­ger­thea­ter in Mün­chen, die Durch­füh­rung einer Ver­an­stal­tung, die in der Pres­se sowie im Inter­net wie folgt ange­kün­digt wur­de: "Reli­gi­ons­freie Zone Mün­chen 2007: ‚Dadn Sie even­tu­ell mit mir vögeln?‘ 6. Athe­is­ti­sche Film­nacht, mit Pra­li­nen­buf­fet und Hei­den­spaß-Par­ty". Hier­bei wur­de unter dem Mot­to "Frei­geis­ter-Kino" eine Vor­füh­rung der Fil­me "Cho­co­lat" (17.00 Uhr) und "Wer frü­her stirbt ist län­ger tot" (20.00 Uhr), sowie ein Scho­ko-Buf­fet (19.30 Uhr) ange­bo­ten; wei­ter war unter dem Mot­to "Hei­den­spaß statt Höl­len­qual" ab 22.30 Uhr eine "Hei­den­spaß-Par­ty" als "Frei­geis­ter-Tanz mit der Rock­band ‚Hei­lig‘" vor­ge­se­hen. Bewor­ben wur­de die Par­ty mit dem Text: "Mit Live-Musik fei­ern wir fröh­lich an einem Tag, an dem allen Bürger/​Innen die­ser Repu­blik das öffent­li­che Tan­zen aus christ­li­chen Grün­den unter­sagt ist!" Der Ein­tritts­preis betrug pro Film inklu­si­ve Scho­ko-Buf­fet 7, 50 € und für die Par­ty inklu­si­ve Scho­ko-Buf­fet eben­falls 7, 50 €. In einer Pres­se­mit­tei­lung im Vor­feld der Unter­sa­gung bezeich­ne­te der Bund für Geis­tes­frei­heit die Ver­an­stal­tung als "poli­ti­sche Ver­an­stal­tung mit dem Zweck, auf das aus unse­rer Sicht nicht zeit­ge­mä­ße und unde­mo­kra­ti­sche Fei­er­tags­ge­setz hin­zu­wei­sen und eine Über­ar­bei­tung zu errei­chen" 5.

Nach Anhö­rung des Bun­des für Geis­tes­frei­heit unter­sag­te das Kreis­ver­wal­tungs­re­fe­rat der Lan­des­haupt­stadt Mün­chen die Ver­an­stal­tung für den ab 22.30 Uhr vor­ge­se­he­nen Teil "Hei­den­spaß-Par­ty" und droh­te für den Fall der Nicht­be­fol­gung ein Zwangs­geld an. Es erklär­te die Unter­sa­gung für sofort voll­zieh­bar. Ver­gnü­gun­gen, die nicht dem Ernst des Tages ent­sprä­chen, sei­en gemäß Art. 3 FTG an stil­len Fei­er­ta­gen ver­bo­ten. Am Kar­frei­tag dürf­ten in Räu­men mit Schank­be­trieb kei­ne musi­ka­li­schen Dar­bie­tun­gen statt­fin­den, und eine Befrei­ung von die­sem Ver­bot sei nicht mög­lich. Die Ver­an­stal­tung in der kon­zes­sio­nier­ten Gast­stät­te sei gegen Ent­rich­tung von Ein­tritt jeder­mann zugäng­lich. Sie sei eine öffent­li­che Tanz­ver­an­stal­tung, mit der bewusst gegen das Fei­er­tags­ge­setz ver­sto­ßen wer­den sol­le. Es han­de­le sich nicht um eine Ver­samm­lung, die durch das Grund­recht der Ver­samm­lungs­frei­heit gedeckt sei, da die Ver­an­stal­tung ihrem Schwer­punkt und ihrem Gesamt­ge­prä­ge nach auf Spaß, Tanz oder Unter­hal­tung ange­legt und die Mei­nungs­kund­ga­be nur bei­läu­fi­ger Neben­akt sei. Die ange­führ­ten Ele­men­te wie "Ver­brei­tung schrift­li­chen Mate­ri­als", "Auf­nah­me zwei­er Ehren­mit­glie­der" und "Reden" lie­ßen kei­nen ande­ren Schluss zu, da ihnen zumin­dest in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung allen­falls unter­ge­ord­ne­te Bedeu­tung bei­zu­mes­sen sei. Selbst wenn man den Ver­samm­lungs­cha­rak­ter zunächst im Ver­an­stal­tungs­ver­lauf beja­he, sei die­ser mit dem Beginn der "Hei­den­spaß-Par­ty" erle­digt. Da es sich bei die­ser um eine Musik- und Tanz­ver­an­stal­tung han­de­le, mach­ten ins­be­son­de­re auch ver­hal­tens­be­zo­ge­ne Auf­la­gen kei­nen Sinn. Die Unter­sa­gung rich­te sich nicht gegen die geplan­ten Film­vor­füh­run­gen, da die­se nach Aus­kunft der Frei­wil­li­gen Selbst­kon­trol­le der Film­wirt­schaft auch an stil­len Tagen öffent­lich vor­ge­führt wer­den könn­ten.

Der Bund für Geis­tes­frei­heit erhob gegen die Unter­sa­gungs­ver­fü­gung Wider­spruch und bean­trag­te erfolg­los die Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes. Danach nahm er von der Durch­füh­rung der beab­sich­tig­ten "Hei­den­spaß-Par­ty" Abstand. Das Wider­spruchs­ver­fah­ren wur­de nach Erle­di­gung der Sache wegen Ter­min­ab­laufs ein­ge­stellt. Der Bescheid beließ die Kos­ten­last für das Ver­fah­ren jedoch beim Bund für Geis­tes­frei­heit.

Das ver­wal­tungs­ge­richt­li­che Ver­fah­ren[↑]

Der Bund für Geis­tes­frei­heit bean­trag­te im Kla­ge­weg, die Rechts­wid­rig­keit der Unter­sa­gungs­ver­fü­gung fest­zu­stel­len. In der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt führ­te er zum Cha­rak­ter der Ver­an­stal­tung aus, es habe vor Ort Infor­ma­ti­ons­stän­de über sei­ne Arbeit gege­ben. Zudem sei­en wäh­rend der gesam­ten Ver­an­stal­tung Reden gehal­ten wor­den. Auch wäh­rend des Tanz­teils sei dies vor­ge­se­hen gewe­sen. In den Reden hät­ten Vor­stands­mit­glie­der über die Arbeit des Bun­des für Geis­tes­frei­heit berich­tet. Die­se sei­en nicht auf dem ver­teil­ten Fly­er ange­kün­digt wor­den, da das als weni­ger attrak­tiv habe emp­fun­den wer­den kön­nen. Sei­ne Ver­an­stal­tung "lebe davon", gera­de am Kar­frei­tag statt­zu­fin­den.

Das Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richt Mün­chen wies die Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge ab 6. Die Unter­sa­gungs­ver­fü­gung ver­sto­ße nicht gegen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, da die Behör­de auch ver­gleich­ba­re Ver­an­stal­tun­gen nicht dul­de. Im kon­kre­ten Fall habe die Behör­de berück­sich­ti­gen dür­fen, dass die Ver­an­stal­tung des Bun­des für Geis­tes­frei­heit öffent­lich­keits­wirk­sam und bewusst pro­vo­kant als Ver­stoß gegen den gesetz­li­chen Schutz des Kar­frei­tags ange­kün­digt wor­den sei.

Die Frei­heit des welt­an­schau­li­chen Bekennt­nis­ses (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG) kol­li­die­re vor­lie­gend mit Grund­rech­ten Drit­ter, nament­lich der Reli­gi­ons­aus­übungs­frei­heit der christ­lich gepräg­ten Bür­ger, nach deren Emp­fin­den musi­ka­li­sche Dar­bie­tun­gen in Gast­stät­ten mit der reli­giö­sen Bedeu­tung des Kar­frei­tags unver­ein­bar sei­en. Glei­cher­ma­ßen bestehe ein Span­nungs­ver­hält­nis zum Ver­fas­sungs­auf­trag aus Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 139 der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung (WRV) zum Schutz der Sonn- und Fei­er­ta­ge. Die Mehr­heit der Staats­bür­ger sei nach wie vor christ­lich geprägt. Der Kar­frei­tag sei der Über­lie­fe­rung nach der Todes­tag Chris­ti und damit einer der höchs­ten christ­li­chen Fei­er­ta­ge, so dass gewich­ti­ge Grün­de für den Schutz des Tages als "stil­ler Gedenk­tag" sprä­chen.

Dem­ge­gen­über wie­ge der Ein­griff in den Rechts­kreis des Bun­des für Geis­tes­frei­heit ver­gleichs­wei­se gering. Er kön­ne ent­ge­gen sei­nem Selbst­ver­ständ­nis nicht die Inter­es­sen aller kon­fes­si­ons­lo­sen und athe­is­tisch gepräg­ten Bür­ger wahr­neh­men, son­dern ledig­lich eige­ne Inter­es­sen als Bekennt­nis­ge­mein­schaft und die sei­ner cir­ca 5.000 Mit­glie­der auf Lan­des­ebe­ne. Zudem bestehe ein abso­lu­tes Ver­bot musi­ka­li­scher Dar­bie­tun­gen nur an einem Tag im Jahr, am Kar­frei­tag, und nur in Räu­men mit Schank­be­trieb, das heißt im Wesent­li­chen in Gast­stät­ten, die als Orte des sozia­len Lebens gesamt­ge­sell­schaft­li­che Bedeu­tung hät­ten. Dem Bund für Geis­tes­frei­heit blei­be es unbe­nom­men, außer­halb die­ser engen Begren­zung die Ver­an­stal­tung durch­zu­füh­ren und sei­ner Geis­tes­hal­tung ent­spre­chend gegen den gel­ten­den Schutz des Kar­frei­tags vor­zu­ge­hen.

Der Gesetz­ge­ber sei auch unab­hän­gig von die­ser Inter­es­sen­be­wer­tung im Kon­flikt zwi­schen den wider­strei­ten­den Grund­rech­ten aus Art. 4 GG nicht zur Aus­schal­tung aller welt­an­schau­lich-reli­giö­sen Bezü­ge im gesell­schaft­li­chen Leben ver­pflich­tet; er müs­se die unge­stör­te Reli­gi­ons­aus­übung nicht auf reli­giö­se Begeg­nungs­stät­ten beschrän­ken. Das Gebot staat­li­cher Neu­tra­li­tät in reli­gi­ös-welt­an­schau­li­cher Hin­sicht habe nicht zur Kon­se­quenz, dass aus allen staat­lich beherrsch­ten oder staat­lich gestal­te­ten Lebens­be­rei­chen das reli­giö­se Moment ver­drängt wer­de. Ein der­ar­ti­ges lai­zis­ti­sches Ver­ständ­nis die­ses Gebots sei nicht wirk­lich neu­tral, son­dern wür­de eine lai­zis­ti­sche Welt­an­schau­ung beson­ders beto­nen.

Nichts ande­res erge­be sich aus dem vom Bund für Geis­tes­frei­heit bean­spruch­ten Recht auf Ver­samm­lungs­frei­heit (Art. 8 Abs. 1 GG). Die unter­bun­de­ne "Hei­den­spaß-Par­ty" genie­ße nicht den Schutz der Ver­samm­lungs­frei­heit. Bei soge­nann­ten "gemisch­ten" Ver­an­stal­tun­gen kom­me es dar­auf an, wel­che Ele­men­te die­se ins­ge­samt präg­ten. Auch bei Betrach­tung der gesam­ten für den Kar­frei­tag 2007 geplan­ten Ver­an­stal­tung sei davon aus­zu­ge­hen, dass die­je­ni­gen Ele­men­te, die nicht auf die Teil­ha­be an der öffent­li­chen Mei­nungs­bil­dung abziel­ten, jene Ele­men­te, die auf Teil­ha­be an der öffent­li­chen Mei­nungs­bil­dung gerich­tet sei­en, bei Wei­tem über­wö­gen. Die Ver­an­stal­tung stel­le sich, aus­ge­hend von ihrer Vor­ankün­di­gung in Pres­se, Inter­net und auf Fly­ern, für den durch­schnitt­li­chen Betrach­ter als Unter­hal­tungs- und Ver­gnü­gungs­ver­an­stal­tung dar.

Der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof wies die dage­gen vom Bund für Geis­tes­frei­heit ein­ge­leg­te und zuge­las­se­ne Beru­fung zurück 7.

Er folg­te im Wesent­li­chen der Argu­men­ta­ti­on des Ver­wal­tungs­ge­richts. Ver­an­stal­tun­gen, die der blo­ßen Zur­schau­stel­lung eines Lebens­ge­fühls dien­ten oder die als eine auf Unter­hal­tung aus­ge­rich­te­te öffent­li­che Mas­sen­par­ty gedacht sei­en, fie­len nicht unter den Ver­samm­lungs­be­griff. Es sei geplant gewe­sen, das Anlie­gen des Bun­des für Geis­tes­frei­heit im Wege der Selbst­hil­fe bereits in die Tat umzu­set­zen. Das genie­ße nicht den Schutz des Art. 8 GG. Das Ver­bot des Art. 3 Abs. 2 Satz 3 FTG sei auch nicht ver­fas­sungs­wid­rig. Der Bund für Geis­tes­frei­heit wen­de sich nicht dage­gen, dass der Kar­frei­tag als gesetz­li­cher Fei­er­tag geschützt sei. Viel­mehr mei­ne er, der gesetz­ge­be­ri­sche Gestal­tungs­frei­raum sei dann über­schrit­ten, wenn die Fei­er­tags­re­geln nicht nur im öffent­li­chen Raum, son­dern auch in den halb-öffent­li­chen Raum hin­ein­wirk­ten und zudem eine Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft beträ­fen.

Dem sei nicht zu fol­gen. Das erge­be sich schon aus dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Schutz­auf­trag (Art. 140 GG, Art. 139 WRV). Wider­strei­ten­de Inter­es­sen habe der Gesetz­ge­ber mit dem Fei­er­tags­ge­setz zu einem gerech­ten Aus­gleich gebracht. Es sei nicht zu bean­stan­den, dass die ange­grif­fe­ne Rege­lung Rück­sicht auf die reli­giö­sen Emp­fin­dun­gen der Mehr­heit der christ­lich gepräg­ten Bür­ger neh­me. Der Gesetz­ge­ber dür­fe trotz des durch­aus zutref­fen­den Hin­wei­ses des Bun­des für Geis­tes­frei­heit dar­auf, dass immer weni­ger Men­schen im Bun­des­ge­biet christ­li­chen Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ange­hör­ten, nach wie vor davon aus­ge­hen, dass der­ar­ti­ge musi­ka­li­sche Dar­bie­tun­gen den reli­giö­sen und sitt­li­chen Vor­stel­lun­gen der Mehr­heit der Bevöl­ke­rung nicht ent­sprä­chen und die­se in ihrem Grund­recht aus Art. 4 Abs. 1 GG beein­träch­tig­ten.

Auch der Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit sei hin­rei­chend beach­tet. Zutref­fend habe das Ver­wal­tungs­ge­richt ange­nom­men, dass der bean­stan­de­te Ein­griff ver­gleichs­wei­se gering­fü­gig sei, denn das fei­er­tags­ge­setz­li­che abso­lu­te Ver­bot betref­fe nur einen ein­zi­gen Kalen­der­tag im Jahr. Anders- oder Nicht­gläu­bi­ge müss­ten weder an den Fei­ern der Chris­ten teil­neh­men noch sei­en sie gezwun­gen, den Tag ernst und fei­er­lich zu bege­hen. Für Nicht­chris­ten sei es damit ohne Wei­te­res mög­lich und zumut­bar, den Beschrän­kun­gen aus­zu­wei­chen. Nicht mög­lich sei dies aller­dings für Chris­ten, die den Tag ernst und still bege­hen woll­ten, jedoch über rei­ße­ri­sche Wer­bung dar­auf auf­merk­sam gemacht wür­den, dass eine öffent­li­che Ver­an­stal­tung geplant sei, bei der in äußerst pro­vo­kan­ter Wei­se der erns­te Cha­rak­ter des Kar­frei­tags ad absur­dum geführt wer­den sol­le. Es spie­le kei­ne Rol­le, dass die Öffent­lich­keit von der Tanz­ver­an­stal­tung selbst kei­ne Notiz hät­te neh­men kön­nen, weil Lärm­im­mis­sio­nen nicht nach außen gedrun­gen wären und der Ver­an­stal­tungs­ort nicht in unmit­tel­ba­rer Nähe zu christ­li­chen Gebets­räu­men lie­ge. Ein Christ kön­ne sich dem Gedan­ken an das Vor­ha­ben des Bun­des für Geis­tes­frei­heit gera­de nicht ent­zie­hen. Unter Berück­sich­ti­gung des Tole­ranz­ge­bots und des hier­aus fol­gen­den Bemü­hens aller Betei­lig­ten, Rech­te und Emp­fin­dun­gen des jeweils Anders­den­ken­den so wenig wie mög­lich zu beein­träch­ti­gen, füh­re die gering­fü­gi­ge Grund­rechts­be­ein­träch­ti­gung des Bun­des für Geis­tes­frei­heit nicht zur Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des Art. 3 Abs. 2 Satz 3 FTG. Auch der Sta­tus des Bun­des für Geis­tes­frei­heit als Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft wer­de durch den Fei­er­tags­schutz nicht beein­träch­tigt. Das Ver­bot der Durch­füh­rung von musi­ka­li­schen Dar­bie­tun­gen am Kar­frei­tag gel­te all­ge­mein. Die musi­ka­li­sche Dar­bie­tung ände­re ihren Cha­rak­ter nicht dadurch, dass sie von einer Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft orga­ni­siert wer­de. Sie sei nicht anders zu bewer­ten als die eines Dis­ko­the­ken­be­trei­bers oder Gast­wirts, der eine Musi­ker­grup­pe in sei­nem Lokal auf­tre­ten las­se. Schon gar nicht sei der Tanz als Bekun­dung einer Welt­an­schau­ung, kul­ti­schen Hand­lung oder als reli­giö­ses Sym­bol zu sehen, das die den Kar­frei­tag bege­hen­den Chris­ten tole­rie­ren müss­ten. Der Bund für Geis­tes­frei­heit wer­de in sei­ner Reli­gi­ons­lo­sig­keit weder ange­grif­fen noch behin­dert, son­dern ledig­lich in einer Tätig­keit beschränkt, die nicht in einem direk­ten Zusam­men­hang mit sei­nem Sta­tus ste­he.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt wies die Beschwer­de gegen die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on zurück 8. Ein Revi­si­ons­zu­las­sungs­grund sei nicht dar­ge­tan. Es stel­le sich kei­ne Grund­satz­fra­ge. Die vom Ver­wal­tungs­ge­richts­hof vor­ge­nom­me­ne Unter­schei­dung zwi­schen den Film­vor­füh­run­gen und der nach­fol­gen­den Tanz­ver­an­stal­tung beru­he auf den Umstän­den des Ein­zel­falls. Soweit die unter­schied­li­che Bewer­tung von Film­vor­füh­run­gen einer­seits und von Live­auf­trit­ten einer Musik­grup­pe ande­rer­seits als will­kür­lich bean­stan­det wer­de, sei damit kei­ne unge­klär­te Fra­ge der Aus­le­gung einer bun­des­recht­li­chen Norm auf­ge­wor­fen. Hier gehe es um die Lösung eines behaup­te­ten kon­kre­ten Kon­flikts zwei­er ver­fas­sungs­recht­li­cher Posi­tio­nen. Bei der Tanz­ver­an­stal­tung han­de­le es sich aber auch nicht um den Aus­druck eines bestimm­ten Bekennt­nis­ses und schon gar nicht um die Bekun­dung einer Welt­an­schau­ung. Abge­se­hen davon sei geklärt, dass der Schutz­ge­halt des Art. 4 Abs. 1 und 2 GG durch Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 139 WRV kon­kre­ti­siert wer­de, der den Sonn­tag und die staat­lich aner­kann­ten Fei­er­ta­ge kraft Ver­fas­sungs­rechts einem beson­de­ren staat­li­chen Schutz­auf­trag unter­stel­le, der – zumin­dest auch – in der christ­lich-abend­län­di­schen Tra­di­ti­on wur­ze­le und kalen­da­risch an sie anknüp­fe. Es sei Auf­ga­be des Gesetz­ge­bers, im Rah­men der ihm zukom­men­den Gestal­tungs­macht den ver­fas­sungs­recht­lich vor­ge­schrie­be­nen Fei­er­tags­schutz mit ande­ren bedeut­sa­men Belan­gen zum Aus­gleich zu brin­gen 9.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de[↑]

Hier­ge­gen rich­tet sich die Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft, mit der die­se ins­be­son­de­re eine Ver­let­zung ihrer Reli­gi­ons- und Welt­an­schau­ungs­frei­heit sowie der Ver­samm­lungs­frei­heit rügt (Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 8 Abs. 1 GG).

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt beur­teil­te die Ver­fas­sungs­be­schwer­de als zuläs­sig und begrün­det.

Die den ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen zugrun­de­lie­gen­den Rege­lun­gen des Baye­ri­schen Fei­er­tags­ge­set­zes sind zwar inso­weit ver­fas­sungs­ge­mäß, wie der Gesetz­ge­ber den Kar­frei­tag als gesetz­li­chen Fei­er­tag aner­kannt und mit einem qua­li­fi­zier­ten, den Tag als Gan­zes erfas­sen­den Ruhe- und Stil­le­schutz aus­ge­stat­tet hat (Art. 3 Abs. 2 Satz 1 und 3 FTG). Die Befrei­ungs­fes­tig­keit die­ses Tages, die die Ertei­lung einer Befrei­ung von bestimm­ten Hand­lungs­ver­bo­ten selbst aus wich­ti­gen Grün­den von vorn­her­ein aus­schließt (Art. 5 Halb­satz 2 FTG), erweist sich jedoch als unver­hält­nis­mä­ßig. Sie wird der Bedeu­tung und Trag­wei­te der Grund­rech­te, ins­be­son­de­re der Welt­an­schau­ungs­frei­heit (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG) sowie der Ver­samm­lungs­frei­heit (Art. 8 Abs. 1 GG), nicht gerecht.

Die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen der Behör­den und der tat­sa­chen­in­stanz­li­chen Gerich­te beru­hen auf die­sem Feh­len einer Befrei­ungs­mög­lich­keit und ver­let­zen den Bund für Geis­tes­frei­heit in sei­nen Grund­rech­ten aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG sowie Art. 8 Abs. 1 GG. Die unter­sag­te Teil­ver­an­stal­tung des Bun­des für Geis­tes­frei­heit fiel in den Schutz­be­reich die­ser Grund­rech­te. Sie wäre unter den hier gege­be­nen Umstän­den bei ver­fas­sungs­kon­for­mem Ver­ständ­nis aus­nahms­wei­se zu gestat­ten gewe­sen.

Hier­nach ist der Aus­schluss jeg­li­cher Befrei­ungs­mög­lich­keit für den beson­de­ren Ruhe- und Stil­le­schutz des Kar­frei­tags (Art. 5 Halb­satz 2 FTG) für unver­ein­bar mit Art. 4 Abs. 1 und 2 sowie Art. 8 Abs. 1 GG und nich­tig zu erklä­ren (§ 95 Abs. 3 BVerfGG). Mit die­sen Grund­rech­ten des Bun­des für Geis­tes­frei­heit sind auch die ange­grif­fe­nen Ver­wal­tungs­ent­schei­dun­gen und die Urtei­le des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts Mün­chen sowie des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs unver­ein­bar. Das Urteil des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs ist auf­zu­he­ben. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ver­weist die Sache an den Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof zurück (§ 95 Abs. 2 BVerfGG), der zur Aus­le­gung des lan­des­recht­li­chen Fei­er­tags­rechts beru­fen ist (vgl. § 137 VwGO). Damit wird der Beschluss des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts gegen­stands­los, der sich aus­schließ­lich zur Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on ver­hält.

  1. Arti­kel 5 Halb­satz 2 des Baye­ri­schen Geset­zes über den Schutz der Sonn- und Fei­er­ta­ge ist mit Arti­kel 4 Absatz 1 und 2 sowie mit Arti­kel 8 Absatz 1 des Grund­ge­set­zes unver­ein­bar und nich­tig.
    1. Das Urteil des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs vom 07.04.2009 – 10 BV 08.1494, das Urteil des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts Mün­chen vom 12.03.2008 – M 18 K 07.2274, der Wider­spruchs­be­scheid der Regie­rung von Ober­bay­ern vom 23.05.2007 – 10 – 2172‑2 – 07 – und der Bescheid der Lan­des­haupt­stadt Mün­chen vom 03.04.2007 – KVR‑I/​321AG2 – ver­let­zen den Bund für Geis­tes­frei­heit in sei­nen Grund­rech­ten aus Arti­kel 4 Absatz 1 und 2 sowie aus Arti­kel 8 Absatz 1 des Grund­ge­set­zes.
    2. Das Urteil des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs vom 07.04.2009 – 10 BV 08.1494 – wird auf­ge­ho­ben. Die Sache wird an den Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof zurück­ver­wie­sen. Damit wird der Beschluss des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 21.12 2009 – BVerwG 6 B 35.09 – gegen­stands­los.
  2. Der Frei­staat Bay­ern hat dem Bund für Geis­tes­frei­heit sei­ne not­wen­di­gen Aus­la­gen zu erstat­ten.

Der Kar­frei­tag als stil­ler Fei­er­tag[↑]

Die Aner­ken­nung des Kar­frei­tags als gesetz­li­cher Fei­er­tag und sei­ne Aus­ge­stal­tung als Tag mit einem beson­de­ren äuße­ren Ruhe­rah­men ist von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den. Das Ver­bot von öffent­li­chen Unter­hal­tungs­ver­an­stal­tun­gen, die den erns­ten Cha­rak­ter des Tages nicht wah­ren, und von musi­ka­li­schen Dar­bie­tun­gen in Räu­men mit Schank­be­trieb (Art. 3 Abs. 2 Satz 1 und 3 FTG) greift zwar in die all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit der Men­schen (Art. 2 Abs. 1 GG) und unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen auch in die Berufs­frei­heit (Art. 12 Abs. 1 GG) sowie die Kunst­frei­heit (Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG) ein. In beson­ders gela­ger­ten Fäl­len kann sie – wie im Fal­le des Bun­des für Geis­tes­frei­heit gel­tend gemacht – auch die grund­recht­lich geschütz­te Welt­an­schau­ungs­frei­heit (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG) und die Ver­samm­lungs­frei­heit (Art. 8 Abs. 1 GG) berüh­ren. Die Ein­grif­fe sind jedoch dem Grun­de nach durch die ver­fas­sungs­recht­li­che Rege­lung in Art. 139 WRV (i.V.m. Art. 140 GG) gerecht­fer­tigt. Die­se schreibt dem Gesetz­ge­ber die Befug­nis zu, Fei­er­ta­ge nicht nur gesetz­lich anzu­er­ken­nen, son­dern ihren ver­fas­sungs­recht­lich fest­ge­leg­ten Zweck, Tage der Arbeits­ru­he und der see­li­schen Erhe­bung zu sein, auch nach Art und Maß näher aus­zu­ge­stal­ten.

Die Aner­ken­nung des Kar­frei­tags als Fei­er­tag und sei­ne Aus­ge­stal­tung als stil­ler Tag grei­fen zunächst in die all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit (Art. 2 Abs. 1 GG) sowie in die Berufs­frei­heit (Art. 12 Abs. 1 GG) ein, weil die typi­sche werk­täg­li­che Geschäf­tig­keit an die­sem Tag – wie auch an Sonn­ta­gen – grund­sätz­lich zu ruhen hat 10. Das Ver­bot bestimm­ter öffent­li­cher Unter­hal­tungs­ver­an­stal­tun­gen und musi­ka­li­scher Dar­bie­tun­gen in Räu­men mit Schank­be­trieb (Art. 3 Abs. 2 Satz 1 und 3 FTG) betrifft dane­ben die Frei­heit all der­je­ni­gen, die auch am Kar­frei­tag an sol­chen Ver­an­stal­tun­gen teil­neh­men oder sie durch­füh­ren möch­ten. Berufs­mä­ßi­ge Ver­an­stal­ter, die Betrei­ber von Schank­be­trie­ben sowie berufs­mä­ßi­ge Musi­ker kön­nen dadurch in ihrer Berufs­frei­heit, Künst­ler, die zur Unter­hal­tung oder als Musi­ker auf­tre­ten, mög­li­cher­wei­se auch in ihrer Kunst­frei­heit (Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG) betrof­fen sein. In beson­ders gela­ger­ten Fall­ge­stal­tun­gen kann – wie der vor­lie­gen­de Fall zeigt – auch die Ver­samm­lungs­frei­heit sowie die Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit, nament­lich in ihrer Aus­prä­gung als Welt­an­schau­ungs­frei­heit, berührt sein (Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 8 Abs. 1 GG).

Die­se Grund­rech­te unter­lie­gen teils dem Vor­be­halt gesetz­li­cher Aus­übungs­re­ge­lun­gen (Art. 12 Abs. 1 GG), teils sind sie mit einem aus­drück­li­chen Vor­be­halt der gesetz­li­chen Ein­schränk­bar­keit ver­se­hen (Art. 2 Abs. 1 GG). Soweit dies nicht der Fall ist, kommt eine Beschrän­kung nur auf der Grund­la­ge ver­fas­sungs­im­ma­nen­ter Schran­ken in Betracht. Das gilt hin­sicht­lich der Kunst­frei­heit, aber vor allem auch für die Welt­an­schau­ungs­frei­heit und die Frei­heit von Ver­samm­lun­gen, die nicht unter frei­em Him­mel statt­fin­den (Art. 5 Abs. 3 Satz 1, Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 8 Abs. 1 GG).

Die­se Ein­grif­fe recht­fer­ti­gen sich dem Grun­de nach aus der ver­fas­sungs­recht­li­chen Garan­tie des Sonn- und Fei­er­tags­schut­zes sowie der dem Gesetz­ge­ber von Ver­fas­sungs wegen ver­lie­he­nen Befug­nis, Fei­er­ta­ge anzu­er­ken­nen und die Art und das Aus­maß ihres Schut­zes zu regeln (Art. 140 GG i.V.m. Art. 139 WRV).

Nach Art. 139 WRV (i.V.m. Art. 140 GG) blei­ben der Sonn­tag und die staat­lich aner­kann­ten Fei­er­ta­ge als Tage der Arbeits­ru­he und der see­li­schen Erhe­bung gesetz­lich geschützt. Die Bestim­mung ent­hält einen objek­tiv­recht­li­chen Schutz­auf­trag, der dem Staat die Gewähr­leis­tung von Fei­er­ta­gen auf­gibt. An die­sen Tagen soll im zeit­li­chen Gleich­klang grund­sätz­lich die Geschäf­tig­keit in Form der Erwerbs­ar­beit, ins­be­son­de­re der Ver­rich­tung abhän­gi­ger Arbeit, ruhen, damit der Ein­zel­ne die­se Tage allein oder in Gemein­schaft mit ande­ren unge­hin­dert von werk­täg­li­chen Ver­pflich­tun­gen und Bean­spru­chun­gen nut­zen kann. Geschützt ist damit der all­ge­mein wahr­nehm­ba­re Cha­rak­ter des Tages als Tag der Arbeits­ru­he. Die sozia­le Bedeu­tung des Sonn- und Fei­er­tags­schut­zes im welt­li­chen Bereich resul­tiert dabei wesent­lich aus der syn­chro­nen Tak­tung des sozia­len Lebens 11. Dabei ver­folgt die Rege­lung in der säku­la­ri­sier­ten Gesell­schaft und Staats­ord­nung zunächst die pro­fa­nen Zie­le der per­sön­li­chen Ruhe, Erho­lung und Zer­streu­ung. Zugleich zielt Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 139 WRV damit auf die Mög­lich­keit zur see­li­schen Erhe­bung, die glei­cher­ma­ßen allen Men­schen unbe­scha­det einer reli­giö­sen Bin­dung eröff­net wer­den soll 12. Sie ist auch Garant für die Wahr­neh­mung von Grund­rech­ten, die der Per­sön­lich­keits­ent­fal­tung die­nen 13.

Nach ihrer Ent­ste­hungs­ge­schich­te, ihrer sys­te­ma­ti­schen Ver­an­ke­rung in den in das Grund­ge­setz inkor­po­rier­ten Kir­chen­ar­ti­keln der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung und nach ihren Rege­lungs­zwe­cken hat die Vor­schrift neben die­ser welt­lich-sozia­len auch eine reli­gi­ös-christ­li­che Bedeu­tung 14. Anknüp­fend an die in christ­li­cher Tra­di­ti­on ent­stan­de­nen Fei­er­ta­ge zielt sie auch auf die Mög­lich­keit der Reli­gi­ons­aus­übung und dar­auf, dass Gläu­bi­ge die­sen Tagen ein Gesamt­ge­prä­ge geben kön­nen, wie es ihrem Glau­ben ent­spricht.

Indem in Art. 139 WRV der Schutz der Sonn- und Fei­er­ta­ge als gesetz­li­cher Schutz beschrie­ben wird, garan­tiert die Ver­fas­sung zunächst die Insti­tu­ti­on der Sonn- und Fei­er­ta­ge unmit­tel­bar. Sie über­ant­wor­tet damit die Aus­wahl sowie die Art und das Aus­maß des Schut­zes der gesetz­li­chen Aus­ge­stal­tung. Der Gesetz­ge­ber darf in sei­nen Rege­lun­gen dabei auch ande­re Belan­ge als den Schutz der Arbeits­ru­he und der see­li­schen Erhe­bung zur Gel­tung brin­gen. Ihm ist ein Aus­gleich zwi­schen dem Fei­er­tags­schutz (Art. 140 GG i.V.m. Art. 139 WRV) einer­seits und ande­ren Grund­rech­ten, nament­lich Art. 12 Abs. 1 GG, aber auch Art. 2 Abs. 1 GG ande­rer­seits auf­ge­ge­ben 15. Grund­sätz­lich ist es ihm des­halb im Rah­men sei­nes Gestal­tungs­spiel­raums mög­lich, bestimm­te Fei­er­ta­ge beson­ders zu schüt­zen, wenn ihm ein spe­zi­fi­scher Schutz für den Cha­rak­ter des Fei­er­tags gebo­ten oder auch nur sinn­voll erscheint.

Nach die­sen Grund­sät­zen ist die Aus­wahl des Kar­frei­tags als gesetz­li­cher Fei­er­tag von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den. Sie lässt sich auf die gesetz­ge­be­ri­sche Befug­nis aus Art. 139 WRV (i.V.m. Art. 140 GG) stüt­zen und ist auch nicht neu­tra­li­täts­wid­rig oder gleich­heits­wid­rig.

WRV stellt klar, dass die staat­lich aner­kann­ten Fei­er­ta­ge gesetz­lich geschützt "blei­ben". Damit ist die Aus­wahl grund­sätz­lich dem Gesetz­ge­ber über­las­sen, der aller­dings einen unan­tast­ba­ren Kern­be­stand an Fei­er­ta­gen zu bewah­ren hat 16. Aus der For­mu­lie­rung "blei­ben geschützt" wird die his­to­ri­sche Anknüp­fung des Schutz­auf­tra­ges auf der Ver­fas­sungs­ebe­ne deut­lich. Der Ver­fas­sungs­ge­ber hat zunächst in den Jah­ren 1918/​19 und spä­ter bei der Ent­ste­hung des Grund­ge­set­zes im Jahr 1949 lebens­welt­lich und recht­lich einen über­kom­men­den Bestand an typi­schen Fei­er­ta­gen vor­ge­fun­den, der ganz über­wie­gend am Kir­chen­jahr ori­en­tiert und in den christ­li­chen Reli­gio­nen ver­wur­zelt war. Ihn woll­te er damals ersicht­lich im Grund­satz fort­ge­schrie­ben wis­sen, ohne dass damit aller­dings die Dis­po­si­ti­ons­frei­heit des Fei­er­tags­ge­setz­ge­bers über die kon­kre­te Bestim­mung ein­zel­ner Tage und deren Aus­ge­stal­tung im Grund­satz ein­ge­schränkt wer­den soll­te. Damit kommt dem Gesetz­ge­ber auch die Befug­nis zu, ent­ste­hungs­ge­schicht­lich vor­ge­fun­de­ne Fei­er­ta­ge fort­zu­schrei­ben. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat schon in sei­ner Ent­schei­dung zum Ber­li­ner Laden­öff­nungs­ge­setz her­vor­ge­ho­ben, dass die Ver­fas­sung selbst damit in Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 139 WRV hin­sicht­lich der Fei­er­ta­ge eine Wer­tung vor­nimmt, die auch in der christ­lich-abend­län­di­schen Tra­di­ti­on wur­zelt und kalen­da­risch an die­se anknüpft 17.

Die grund­sätz­li­che Pflicht des Staa­tes zu welt­an­schau­lich-reli­giö­ser Neu­tra­li­tät, die in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts aus der Zusam­men­schau ver­schie­de­ner Ver­fas­sungs­be­stim­mun­gen im Wege der Inter­pre­ta­ti­on ent­wi­ckelt wor­den ist 18, steht der Aus­wahl des Kar­frei­tags als aner­kann­ter Fei­er­tag nicht ent­ge­gen. Denn sei­ne Aner­ken­nung ist in Art. 139 WRV und damit in der Ver­fas­sung selbst ange­legt. Sie erweist sich nicht als neu­tra­li­täts­wid­ri­ges Pri­vi­leg.

Dem Gesetz­ge­ber ist es nach Art. 139 WRV nicht ver­wehrt, im Rah­men sei­ner Gestal­tungs­frei­heit als Fei­er­ta­ge auch sol­che aus­zu­wäh­len, die auf­grund von Tra­di­tio­nen, kul­tu­rel­ler oder welt­an­schau­lich-reli­giö­ser Prä­gung für gro­ße Bevöl­ke­rungs­tei­le wich­tig sind. Der Bezug der Vor­schrift auf die damals aner­kann­ten Fei­er­ta­ge ver­deut­licht, dass dem Gesetz­ge­ber hier­bei ins­be­son­de­re die Anknüp­fung an christ­lich gepräg­te Tra­di­tio­nen eröff­net wird und er den Bedürf­nis­sen nach einer ent­spre­chen­den Gestal­tung der Fei­er­ta­ge fol­gen darf. Dass der Gesetz­ge­ber danach der gewach­se­nen und für wei­te Tei­le der Bevöl­ke­rung bis heu­te fort­dau­ern­den beson­de­ren Bedeu­tung des Chris­ten­tums Rech­nung trägt, macht dies nicht zu einer ver­fas­sungs­wid­ri­gen Pri­vi­le­gie­rung einer "Mehr­heits­re­li­gi­on", son­dern ist Aus­druck der Prä­ge­kraft der Geschich­te. Art. 139 WRV erlaubt dem Gesetz­ge­ber mit der Bestim­mung der Fei­er­ta­ge aller­dings kei­ne inhalt­li­che Iden­ti­fi­zie­rung mit bestimm­ten Reli­gio­nen oder Kon­fes­sio­nen. Er trägt dem zum Bei­spiel dadurch Rech­nung, dass er Ange­hö­ri­gen klei­ne­rer Reli­gi­ons- und Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten an ihren eige­nen hohen Fei­er­ta­gen ihrer­seits die Mög­lich­keit gibt, die­se ange­mes­sen zu bege­hen. Außer­dem dür­fen Bevöl­ke­rungs­tei­len ande­rer kul­tu­rel­ler und welt­an­schau­lich-reli­giö­ser Prä­gung durch die Aus­wahl des Fei­er­ta­ges und sei­nen Schutz inso­fern kei­ne unzu­mut­ba­ren Belas­tun­gen auf­er­legt wer­den, als nie­mand gezwun­gen wer­den darf, die­sen Tag ent­spre­chend einer bestimm­ten reli­giö­sen Über­lie­fe­rung oder auch nur im Sin­ne inne­rer Ein­kehr zu bege­hen. Die gesetz­li­chen Unter­las­sungs­pflich­ten dür­fen ledig­lich einen äuße­ren Rah­men für Ruhe und see­li­sche Erhe­bung schaf­fen.

Die vom baye­ri­schen Fei­er­tags­ge­setz­ge­ber vor­ge­nom­me­ne Aus­wahl des Kar­frei­tags als staat­lich aner­kann­ter Fei­er­tag erweist sich damit nicht als offen­sicht­lich fehl­sam. Sie hält sich viel­mehr im Rah­men des Ein­schät­zungs- und Wer­tungs­spiel­raums, der dem Gesetz­ge­ber zukommt. Der Gesetz­ge­ber schreibt hier­mit die Sta­tu­ie­rung eines seit lan­gem auch gesell­schaft­lich aner­kann­ten Fei­er­tags fort, der für die Ange­hö­ri­gen der christ­li­chen Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten tra­di­tio­nell von gro­ßer Bedeu­tung ist. Eine bestimm­te inne­re Hal­tung wird dabei nie­man­dem vor­ge­schrie­ben. Viel­mehr wird ledig­lich – wie an ande­ren, zum Teil auch an säku­la­ren Fei­er­ta­gen – ein äuße­rer Rah­men geschaf­fen. Die Mög­lich­keit der Ange­hö­ri­gen ande­rer Reli­gio­nen und Welt­an­schau­un­gen, ihre Fei­er­ta­ge ange­mes­sen zu bege­hen, wird hier­durch nicht ein­ge­schränkt (vgl. z.B. Art. 6 FTG).

Der Kar­frei­tag als stil­ler Fei­er­tag[↑]

Dem Grun­de nach recht­fer­tigt Art. 139 WRV (i.V.m. Art. 140 GG) über­dies die Aus­ge­stal­tung des Kar­frei­tags als eines beson­de­ren Rege­lun­gen unter­lie­gen­den stil­len Tages und damit die Schaf­fung eines qua­li­fi­zier­ten Ruhe­schut­zes.

Indem dem Gesetz­ge­ber die Auf­ga­be über­ant­wor­tet wor­den ist, das Aus­maß des Fei­er­tags­schut­zes gesetz­lich zu gestal­ten 10, hat er auch die Mög­lich­keit, Fei­er­ta­ge mit ver­schie­de­nem Cha­rak­ter vor­zu­se­hen. Inso­weit steht es ihm auch frei, für bestimm­te Tage durch beson­de­re Unter­las­sungs­pflich­ten einen sich von der blo­ßen Arbeits­ru­he unter­schei­den­den oder über die­se hin­aus­ge­hen­den äuße­ren Ruhe- und Stil­le­schutz zu schaf­fen, wie es das Baye­ri­sche Fei­er­tags­ge­setz für den Kar­frei­tag als stil­len Fei­er­tag regelt. Wie umfas­send er die­sen Schutz im Ein­zel­nen fas­sen darf, ist eine Fra­ge der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der Rege­lung.

Auch die Schaf­fung eines beson­de­ren Ruhe­schut­zes, der der gefes­tig­ten Bedeu­tung des Kar­frei­tags nach christ­li­cher Über­lie­fe­rung ent­spricht, begeg­net dem Grun­de nach kei­nen durch­grei­fen­den Beden­ken im Blick auf das grund­ge­setz­li­che Neu­tra­li­täts­ver­ständ­nis.

Der Begriff der "see­li­schen Erhe­bung" (Art. 139 WRV) hat nach der ent­ste­hungs­ge­schicht­li­chen Bedeu­tung und sys­te­ma­ti­schen Stel­lung in der Ver­fas­sung neben einer reli­giö­sen auch welt­an­schau­li­che und ethi­sche Bedeu­tung. In Kon­kre­ti­sie­rung der Bedin­gun­gen für die Mög­lich­keit "see­li­scher Erhe­bung" kann der Gesetz­ge­ber ohne Ver­stoß gegen das Neu­tra­li­täts­prin­zip ver­schie­de­ne For­men von Sonn- und Fei­er­ta­gen schaf­fen. Das Prin­zip der staat­li­chen Neu­tra­li­tät begrenzt jedoch die inhalt­li­che Kon­kre­ti­sie­rung reli­giö­ser, welt­an­schau­li­cher und ander­wei­ti­ger Bezü­ge die­ser Tage. Denn dem Staat ist die inhalt­li­che Ein­fluss­nah­me auf die "see­li­sche Erhe­bung" der Bevöl­ke­rung ver­sagt. Er darf gesell­schaft­li­che Befun­de und Bedürf­nis­se zwar in sei­ner Recht­set­zung auf­grei­fen, das säku­la­ri­sier­te Gemein­we­sen jedoch nicht in spe­zi­fi­scher Wei­se reli­gi­ös oder welt­an­schau­lich zu prä­gen ver­su­chen. Dem­ge­mäß stellt die Ver­fas­sung mit dem Sonn- und Fei­er­tags­schutz und dem Auf­trag zu sei­ner gesetz­li­chen Umset­zung ledig­lich einen geschütz­ten Rah­men zur Ver­fü­gung, der eine in reli­giö­ser oder ande­rer Wei­se qua­li­fi­zier­te Bege­hung sol­cher Tage nur ermög­licht. Die inhalt­li­che Aus­fül­lung die­ses Frei­raums obliegt den Ein­zel­nen allein oder in Gemein­schaft.

Aus­weis­lich der Begrün­dung zum Ent­wurf der Neu­fas­sung des Fei­er­tags­ge­set­zes 19 bezweckt der Gesetz­ge­ber mit den beson­de­ren Vor­schrif­ten zum Kar­frei­tags­schutz und ihren Unter­las­sungs­pflich­ten, der christ­li­chen Bevöl­ke­rung die äuße­ren Bedin­gun­gen zu schaf­fen, um den Tag bedeu­tungs­ge­recht zu bege­hen. Die­se schaf­fen dar­über hin­aus frei­lich einen Tag der beson­de­ren Stil­le mit Wir­kung gegen­über allen und damit auch dem nicht reli­gi­ös-christ­li­chen Teil der Bevöl­ke­rung. Wenn der Gesetz­ge­ber damit einen Tag auf beson­de­re Wei­se aus­ge­stal­tet, ist dies im Sin­ne der syn­chro­nen Tak­tung des sozia­len Lebens jedoch nicht zu bean­stan­den 20. Maß­geb­lich ist, dass auf­grund der gesetz­li­chen Unter­las­sungs­pflich­ten ledig­lich ein äuße­rer Cha­rak­ter des Tages sicher­ge­stellt wird. Die­se stel­len den Kar­frei­tag als Tag der Arbeits­ru­he und see­li­schen Erhe­bung zwar unter spe­zi­fi­sche äuße­re Bedin­gun­gen, belas­sen deren inhalt­li­che Aus­fül­lung aber den Ein­zel­nen selbst. Dem Gesetz­ge­ber wäre es indes­sen von Ver­fas­sungs wegen unter­sagt, bei der Gestal­tung des Maßes des Schut­zes Rege­lun­gen zu wäh­len, die als Iden­ti­fi­zie­rung mit einer bestimm­ten Reli­gi­on begrif­fen wer­den müss­ten. Der Zweck der "see­li­schen Erhe­bung" (Art. 139 WRV) ist als ein ledig­lich säku­la­rer inso­fern zu ver­ste­hen, als der Staat selbst den äuße­ren Ruhe- und Stil­le­rah­men nicht mit reli­giö­sem oder welt­an­schau­li­chem Gehalt zu fül­len ver­mag. Dies ist viel­mehr der pri­va­ten und gesell­schaft­li­chen Selbst­be­stim­mung – auch der Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten – über­las­sen. Gesetz­ge­be­ri­sche Rege­lun­gen schaf­fen also nur den Frei­raum zu ent­spre­chen­der indi­vi­du­el­ler und gemein­schaft­li­cher Ent­fal­tung. Des­halb erweist sich der beson­de­re Ruhe­schutz ledig­lich als Ange­bot, das zugleich aber Raum für indi­vi­du­ell emp­fun­de­ne Bedürf­nis­se lässt, auch wenn die­se nicht im Ein­klang mit den gesetz­ge­be­ri­schen Moti­ven ste­hen, wel­che den Zwe­cken der Aus­ge­stal­tung unter­legt sind 21. Anders als der Bund für Geis­tes­frei­heit meint, wird Anders­gläu­bi­gen oder nicht­re­li­giö­sen Men­schen durch die gesetz­li­chen Unter­las­sungs­pflich­ten, die den äuße­ren Ruhe­rah­men des Tages sicher­stel­len sol­len, kei­ne reli­gi­ös begrün­de­te "Hal­tung" vor­ge­schrie­ben. Sie dür­fen ihre ande­re Welt­an­schau­ung auch an die­sem Tage leben, wenn auch nur mit den aus den spe­zi­fi­schen Betä­ti­gungs­ver­bo­ten fol­gen­den, auf öffent­lich­keits­wirk­sa­me Hand­lun­gen begrenz­ten Ein­schrän­kun­gen.

Der gesetz­ge­be­ri­schen Aus­stat­tung des Kar­frei­tags mit einem beson­de­ren Ruhe­schutz steht auch nicht der vom Bund für Geis­tes­frei­heit erho­be­ne Ein­wand ent­ge­gen, zwi­schen der Fei­er­tags­wirk­lich­keit und den reli­giö­sen oder welt­li­chen Idea­len, die zur Aner­ken­nung als Fei­er­tag geführt hät­ten, bestehe eine erheb­li­che Dis­kre­panz. Dem Gesetz­ge­ber ist es nicht ver­wehrt, Fei­er­ta­ge zu schüt­zen, die nicht von allen als sol­che began­gen wer­den. Es ist Teil sei­ner demo­kra­tisch legi­ti­mier­ten Aus­ge­stal­tungs­frei­heit, über die Aus­wahl auch sol­cher Tage zu ent­schei­den, die nur für Tei­le der Bevöl­ke­rung eine spe­zi­fisch gepräg­te Rol­le spie­len. Auf die Fra­ge, wie vie­le der Kir­chen­an­ge­hö­ri­gen den Kar­frei­tag in sei­ner reli­giö­sen Bedeu­tung in Gemein­schaft oder zurück­ge­zo­gen in Pri­vat­heit bege­hen, kommt es inso­weit nicht an.

Hand­lungs­ver­bot an Kar­frei­tag – und die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit[↑]

Dem Grun­de nach recht­fer­tigt Art. 139 WRV (i.V.m. Art. 140 GG) über­dies die Aus­ge­stal­tung des Kar­frei­tags als eines beson­de­ren Rege­lun­gen unter­lie­gen­den stil­len Tages und damit die Schaf­fung eines qua­li­fi­zier­ten Ruhe­schut­zes.

Indem dem Gesetz­ge­ber die Auf­ga­be über­ant­wor­tet wor­den ist, das Aus­maß des Fei­er­tags­schut­zes gesetz­lich zu gestal­ten 10, hat er auch die Mög­lich­keit, Fei­er­ta­ge mit ver­schie­de­nem Cha­rak­ter vor­zu­se­hen. Inso­weit steht es ihm auch frei, für bestimm­te Tage durch beson­de­re Unter­las­sungs­pflich­ten einen sich von der blo­ßen Arbeits­ru­he unter­schei­den­den oder über die­se hin­aus­ge­hen­den äuße­ren Ruhe- und Stil­le­schutz zu schaf­fen, wie es das Baye­ri­sche Fei­er­tags­ge­setz für den Kar­frei­tag als stil­len Fei­er­tag regelt. Wie umfas­send er die­sen Schutz im Ein­zel­nen fas­sen darf, ist eine Fra­ge der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der Rege­lung.

Auch die Schaf­fung eines beson­de­ren Ruhe­schut­zes, der der gefes­tig­ten Bedeu­tung des Kar­frei­tags nach christ­li­cher Über­lie­fe­rung ent­spricht, begeg­net dem Grun­de nach kei­nen durch­grei­fen­den Beden­ken im Blick auf das grund­ge­setz­li­che Neu­tra­li­täts­ver­ständ­nis.

Der Begriff der "see­li­schen Erhe­bung" (Art. 139 WRV) hat nach der ent­ste­hungs­ge­schicht­li­chen Bedeu­tung und sys­te­ma­ti­schen Stel­lung in der Ver­fas­sung neben einer reli­giö­sen auch welt­an­schau­li­che und ethi­sche Bedeu­tung. In Kon­kre­ti­sie­rung der Bedin­gun­gen für die Mög­lich­keit "see­li­scher Erhe­bung" kann der Gesetz­ge­ber ohne Ver­stoß gegen das Neu­tra­li­täts­prin­zip ver­schie­de­ne For­men von Sonn- und Fei­er­ta­gen schaf­fen. Das Prin­zip der staat­li­chen Neu­tra­li­tät begrenzt jedoch die inhalt­li­che Kon­kre­ti­sie­rung reli­giö­ser, welt­an­schau­li­cher und ander­wei­ti­ger Bezü­ge die­ser Tage. Denn dem Staat ist die inhalt­li­che Ein­fluss­nah­me auf die "see­li­sche Erhe­bung" der Bevöl­ke­rung ver­sagt. Er darf gesell­schaft­li­che Befun­de und Bedürf­nis­se zwar in sei­ner Recht­set­zung auf­grei­fen, das säku­la­ri­sier­te Gemein­we­sen jedoch nicht in spe­zi­fi­scher Wei­se reli­gi­ös oder welt­an­schau­lich zu prä­gen ver­su­chen. Dem­ge­mäß stellt die Ver­fas­sung mit dem Sonn- und Fei­er­tags­schutz und dem Auf­trag zu sei­ner gesetz­li­chen Umset­zung ledig­lich einen geschütz­ten Rah­men zur Ver­fü­gung, der eine in reli­giö­ser oder ande­rer Wei­se qua­li­fi­zier­te Bege­hung sol­cher Tage nur ermög­licht. Die inhalt­li­che Aus­fül­lung die­ses Frei­raums obliegt den Ein­zel­nen allein oder in Gemein­schaft.

Aus­weis­lich der Begrün­dung zum Ent­wurf der Neu­fas­sung des Fei­er­tags­ge­set­zes 19 bezweckt der Gesetz­ge­ber mit den beson­de­ren Vor­schrif­ten zum Kar­frei­tags­schutz und ihren Unter­las­sungs­pflich­ten, der christ­li­chen Bevöl­ke­rung die äuße­ren Bedin­gun­gen zu schaf­fen, um den Tag bedeu­tungs­ge­recht zu bege­hen. Die­se schaf­fen dar­über hin­aus frei­lich einen Tag der beson­de­ren Stil­le mit Wir­kung gegen­über allen und damit auch dem nicht reli­gi­ös-christ­li­chen Teil der Bevöl­ke­rung. Wenn der Gesetz­ge­ber damit einen Tag auf beson­de­re Wei­se aus­ge­stal­tet, ist dies im Sin­ne der syn­chro­nen Tak­tung des sozia­len Lebens jedoch nicht zu bean­stan­den 20. Maß­geb­lich ist, dass auf­grund der gesetz­li­chen Unter­las­sungs­pflich­ten ledig­lich ein äuße­rer Cha­rak­ter des Tages sicher­ge­stellt wird. Die­se stel­len den Kar­frei­tag als Tag der Arbeits­ru­he und see­li­schen Erhe­bung zwar unter spe­zi­fi­sche äuße­re Bedin­gun­gen, belas­sen deren inhalt­li­che Aus­fül­lung aber den Ein­zel­nen selbst. Dem Gesetz­ge­ber wäre es indes­sen von Ver­fas­sungs wegen unter­sagt, bei der Gestal­tung des Maßes des Schut­zes Rege­lun­gen zu wäh­len, die als Iden­ti­fi­zie­rung mit einer bestimm­ten Reli­gi­on begrif­fen wer­den müss­ten. Der Zweck der "see­li­schen Erhe­bung" (Art. 139 WRV) ist als ein ledig­lich säku­la­rer inso­fern zu ver­ste­hen, als der Staat selbst den äuße­ren Ruhe- und Stil­le­rah­men nicht mit reli­giö­sem oder welt­an­schau­li­chem Gehalt zu fül­len ver­mag. Dies ist viel­mehr der pri­va­ten und gesell­schaft­li­chen Selbst­be­stim­mung – auch der Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten – über­las­sen. Gesetz­ge­be­ri­sche Rege­lun­gen schaf­fen also nur den Frei­raum zu ent­spre­chen­der indi­vi­du­el­ler und gemein­schaft­li­cher Ent­fal­tung. Des­halb erweist sich der beson­de­re Ruhe­schutz ledig­lich als Ange­bot, das zugleich aber Raum für indi­vi­du­ell emp­fun­de­ne Bedürf­nis­se lässt, auch wenn die­se nicht im Ein­klang mit den gesetz­ge­be­ri­schen Moti­ven ste­hen, wel­che den Zwe­cken der Aus­ge­stal­tung unter­legt sind 21. Anders als der Bund für Geis­tes­frei­heit meint, wird Anders­gläu­bi­gen oder nicht­re­li­giö­sen Men­schen durch die gesetz­li­chen Unter­las­sungs­pflich­ten, die den äuße­ren Ruhe­rah­men des Tages sicher­stel­len sol­len, kei­ne reli­gi­ös begrün­de­te "Hal­tung" vor­ge­schrie­ben. Sie dür­fen ihre ande­re Welt­an­schau­ung auch an die­sem Tage leben, wenn auch nur mit den aus den spe­zi­fi­schen Betä­ti­gungs­ver­bo­ten fol­gen­den, auf öffent­lich­keits­wirk­sa­me Hand­lun­gen begrenz­ten Ein­schrän­kun­gen.

Der gesetz­ge­be­ri­schen Aus­stat­tung des Kar­frei­tags mit einem beson­de­ren Ruhe­schutz steht auch nicht der vom Bund für Geis­tes­frei­heit erho­be­ne Ein­wand ent­ge­gen, zwi­schen der Fei­er­tags­wirk­lich­keit und den reli­giö­sen oder welt­li­chen Idea­len, die zur Aner­ken­nung als Fei­er­tag geführt hät­ten, bestehe eine erheb­li­che Dis­kre­panz. Dem Gesetz­ge­ber ist es nicht ver­wehrt, Fei­er­ta­ge zu schüt­zen, die nicht von allen als sol­che began­gen wer­den. Es ist Teil sei­ner demo­kra­tisch legi­ti­mier­ten Aus­ge­stal­tungs­frei­heit, über die Aus­wahl auch sol­cher Tage zu ent­schei­den, die nur für Tei­le der Bevöl­ke­rung eine spe­zi­fisch gepräg­te Rol­le spie­len. Auf die Fra­ge, wie vie­le der Kir­chen­an­ge­hö­ri­gen den Kar­frei­tag in sei­ner reli­giö­sen Bedeu­tung in Gemein­schaft oder zurück­ge­zo­gen in Pri­vat­heit bege­hen, kommt es inso­weit nicht an.

Ver­bot von Aus­nah­me­ge­neh­mi­gun­gen für Kar­frei­tag[↑]

Beson­der­hei­ten für den zu fin­den­den ange­mes­se­nen Aus­gleich kön­nen sich jedoch aus ande­ren berühr­ten Grund­rech­ten erge­ben. In Betracht kom­men inso­weit ins­be­son­de­re die Ver­samm­lungs­frei­heit (Art. 8 Abs. 1 GG) und die Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit in der Aus­prä­gung als Welt­an­schau­ungs­frei­heit (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG).

Die Ver­bots­vor­schrif­ten des Art. 3 Abs. 2 Satz 1 und 3 FTG kön­nen im Ein­zel­fall auch in ande­re Grund­rech­te als die all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit und die Berufs­frei­heit ein­grei­fen. Die Ver­bo­te betref­fen Unter­hal­tungs­ver­an­stal­tun­gen sowie musi­ka­li­sche Dar­bie­tun­gen in Räu­men mit Schank­be­trieb unab­hän­gig davon, ob sie durch wei­te­re Grund­rech­te geschützt sind, wie ins­be­son­de­re auch dann, wenn es sich hier­bei zugleich um Ver­samm­lun­gen oder um Mani­fes­ta­tio­nen der Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit in der Aus­prä­gung als Welt­an­schau­ungs­frei­heit han­delt.

Sol­che Kon­stel­la­tio­nen sind als Wir­kun­gen des Kar­frei­tags­schut­zes spe­zi­fi­sche Aus­nah­men. Denn die von der gesetz­li­chen Rege­lung erfass­ten Unter­hal­tungs­ver­an­stal­tun­gen und musi­ka­li­schen Dar­bie­tun­gen in Räu­men mit Schank­be­trieb wer­den in der Regel nicht als Ver­samm­lun­gen im Sin­ne des Art. 8 GG oder als Aus­übung der Bekennt­nis­frei­heit zu qua­li­fi­zie­ren sein, eben­so wie umge­kehrt Ver­samm­lun­gen nor­ma­ler­wei­se nicht als Unter­hal­tungs­ver­an­stal­tun­gen auf­zu­fas­sen sind und des­halb als sol­che schon tat­be­stand­lich nicht unter das Fei­er­tags­ge­setz fal­len. Auch sind Musik- und Tanz­ver­an­stal­tun­gen mit Ver­gnü­gungs­cha­rak­ter ihrer Natur nach zumeist nicht auf die Teil­ha­be an der öffent­li­chen Mei­nungs­bil­dung gerich­tet 22. Sie wer­den regel­mä­ßig auch nicht Aus­druck reli­giö­ser oder welt­an­schau­li­cher Betä­ti­gung im Sin­ne des Art. 4 Abs. 1 und 2 GG sein.

Lie­gen jedoch sol­che Fall­ge­stal­tun­gen vor, kann dies zu einer vom Regel­fall abwei­chen­den Beur­tei­lung der Ange­mes­sen­heit von Ver­bo­ten zum Schutz des stil­len Cha­rak­ters füh­ren. Das Ver­bot stößt hier nicht allein auf ein schlich­tes wirt­schaft­li­ches Erwerbs­in­ter­es­se oder allein auf ein Ver­gnü­gungs- und Erho­lungs­in­ter­es­se von Ver­an­stal­tern, Künst­lern und poten­zi­el­len Besu­chern, son­dern betrifft wegen der beson­de­ren Bedeu­tung der Ver­samm­lungs­frei­heit als wesent­li­ches Ele­ment "demo­kra­ti­scher Offen­heit" 23 die Teil­ha­be am öffent­li­chen Mei­nungs­bil­dungs­pro­zess und damit eine ihrer­seits für das Gemein­we­sen gewich­ti­ge grund­recht­li­che Gewähr­leis­tung. Die Durch­füh­rung sol­cher Ver­an­stal­tun­gen stellt den grund­sätz­li­chen Ruhe- und Stil­le­schutz am Kar­frei­tag nicht glei­cher­ma­ßen in Fra­ge und hat ein ande­res Gewicht. Ent­spre­chen­des gilt für Ver­an­stal­tun­gen, die dem Schutz der Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit, ins­be­son­de­re auch in der Aus­prä­gung als Welt­an­schau­ungs­frei­heit, unter­fal­len.

In die­sen Fäl­len kann sich der beson­de­re Schutz der stil­len Tage gegen­über den betrof­fe­nen Grund­rech­ten nur nach Maß­ga­be einer Abwä­gung im Ein­zel­fall durch­set­zen. Maß­geb­lich ist hier­für ins­be­son­de­re, in wel­chem Umfang die Ver­an­stal­tung zu kon­kre­ten Beein­träch­ti­gun­gen führt. Auch hier kann im Ein­zel­fall der Ruhe- und Stil­le­schutz über­wie­gen und erlaubt dann die­se Beschrän­kun­gen. Es ist in die­sen Fäl­len jedoch ein scho­nen­der Aus­gleich zu suchen, der mög­lichst alle Inter­es­sen zur Gel­tung bringt. Dies gilt unab­hän­gig davon, ob es sich um den Ruhe­schutz nach Satz 1 oder nach Satz 3 des Art. 3 Abs. 2 FTG han­delt.

Wer­den auch Ver­an­stal­tun­gen, die in der genann­ten Wei­se einem beson­de­ren Grund­rechts­schutz unter­lie­gen, von den Ver­bots­re­geln erfasst, muss der Gesetz­ge­ber einen Aus­nah­me­tat­be­stand vor­se­hen, der es ermög­licht, Befrei­un­gen von den Unter­las­sungs­pflich­ten des Art. 3 Abs. 1 und 2 FTG zu ertei­len 24. Nach Maß­ga­be der gebo­te­nen Abwä­gung sind die­se gege­be­nen­falls mit Auf­la­gen hin­sicht­lich Dau­er, Ort und Grö­ße der Ver­an­stal­tung oder etwa hin­sicht­lich der Laut­stär­ke einer etwai­gen Beschal­lung zu ver­se­hen.

Der Ertei­lung von Befrei­un­gen für Ver­an­stal­tun­gen bei Grund­rechts­kon­flik­ten der beschrie­be­nen Art steht – anders als der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof im Aus­gangs­ver­fah­ren gemeint hat – auch nicht die Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit christ­li­cher Bevöl­ke­rungs­tei­le ent­ge­gen. Unab­hän­gig davon, ob es zutrifft, dass sich die­se dem Gedan­ken an ihren eige­nen reli­giö­sen oder sitt­li­chen Vor­stel­lun­gen wider­spre­chen­de Ver­hal­tens­wei­sen tat­säch­lich nicht ent­zie­hen kön­nen, lässt sich inso­weit aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG – auch im Zusam­men­spiel mit Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 139 WRV – kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Posi­ti­on ablei­ten, die in sol­chen Kon­stel­la­tio­nen der Grund­rechts­aus­übung durch ande­re Reli­gi­ons- oder Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten oder etwa der Aus­übung der Ver­samm­lungs­frei­heit ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den könn­te. Aus der Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit der christ­li­chen Bevöl­ke­rung und der Fei­er­tags­ga­ran­tie ergibt sich kei­ne staat­li­che Ver­pflich­tung, die reli­gi­ös-christ­li­chen Fei­er­ta­ge unter den Schutz einer näher aus­zu­ge­stal­ten­den gene­rel­len Ruhe zu stel­len oder der Aus­ge­stal­tung des Fei­er­tags­rechts das Ver­ständ­nis bestimm­ter Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten von nach deren Leh­re beson­de­ren Tagen zugrun­de zu legen. Ins­be­son­de­re schützt Art. 4 Abs. 1 und 2 GG Gläu­bi­ge nicht davor, mit Wer­bung dar­auf auf­merk­sam gemacht zu wer­den, dass ande­re in pro­vo­kan­ter Wei­se den ernst­haf­ten Cha­rak­ter des Kar­frei­tags in Fra­ge stel­len. Gewähr­leis­tet ist inso­weit viel­mehr nur ein Min­dest­schutz­ni­veau, wobei der Fei­er­tags­schutz auch nicht nur auf einen reli­giö­sen oder welt­an­schau­li­chen Sinn­ge­halt beschränkt ist 25. Dar­über hin­aus begrün­det die eige­ne Glau­bens­frei­heit in einer Gesell­schaft, die unter­schied­li­chen Glau­bens­über­zeu­gun­gen Raum gibt, grund­sätz­lich kein Recht dar­auf, von der Kon­fron­ta­ti­on mit Bekun­dun­gen eines nicht geteil­ten Glau­bens oder einer nicht geteil­ten Welt­an­schau­ung ver­schont zu blei­ben 26.

Anders als für den Schutz der sons­ti­gen stil­len Tage schließt Art. 5 Halb­satz 2 FTG eine Befrei­ung für den Kar­frei­tag aus­drück­lich aus. Das lässt sich in die­ser Stren­ge für Fall­ge­stal­tun­gen, bei denen die Vor­aus­set­zun­gen des Ver­bots nach Art. 3 Abs. 2 Satz 1 und 3 FTG und damit der Schutz des Fei­er­ta­ges mit den Gewähr­leis­tun­gen der Ver­samm­lungs­frei­heit oder der Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit ande­rer zusam­men­tref­fen, nicht mehr als ange­mes­se­ner Aus­gleich der ver­fas­sungs­recht­li­chen Posi­tio­nen begrei­fen. Der strik­te Befrei­ungs­aus­schluss des Art. 5 Halb­satz 2 FTG ist des­halb mit den grund­recht­li­chen Ver­bür­gun­gen aus Art. 8 Abs. 1 und Art. 4 Abs. 1 und 2 GG unver­ein­bar.

Die "Heidenspaß"-Veranstaltung der Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft[↑]

Die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen der Behör­den und der tat­sa­chen­in­stanz­li­chen Gerich­te wer­den den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen nicht gerecht und konn­ten die­sen ange­sichts der Geset­zes­la­ge auch nicht genü­gen; sie ver­let­zen den Bund für Geis­tes­frei­heit in sei­nen Grund­rech­ten aus Art. 4 Abs. 1 und 2 sowie Art. 8 Abs. 1 GG. Der vom Bund für Geis­tes­frei­heit geplan­ten "Hei­den­spaß-Par­ty" ab 22.30 Uhr ist als gemisch­ter Ver­an­stal­tung der Schutz der Ver­samm­lungs­frei­heit sowie der Welt­an­schau­ungs­frei­heit nicht zu ver­sa­gen, was im Rah­men einer zwin­gend zu ermög­li­chen­den Ent­schei­dung über die Befrei­ung vom Ver­an­stal­tungs­ver­bot gemäß Art. 3 Abs. 1 und Abs. 2 Satz 1 und 3 FTG zu berück­sich­ti­gen gewe­sen wäre.

Der unter­sag­te Ver­an­stal­tungs­teil ist – abwei­chend von der Beur­tei­lung im Aus­gangs­ver­fah­ren – dem Schutz­be­reich der Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit in ihrer Aus­prä­gung als Welt­an­schau­ungs­frei­heit zuzu­ord­nen (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG).

Der Bund für Geis­tes­frei­heit kann als Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft in Form der Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts das Grund­recht der Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit grund­sätz­lich für sich in Anspruch neh­men. Es ist nicht erkenn­bar, dass sein poli­ti­sches Wir­ken nach sei­nem Grund­satz­pro­gramm und sei­nem Auf­tre­ten so sehr im Vor­der­grund stün­de, dass es sein welt­an­schau­li­ches Wir­ken nach den Grund­sät­zen der Auf­klä­rung und des Huma­nis­mus gleich­sam ver­drän­gen oder zur Neben­sa­che her­ab­sin­ken las­sen wür­de.

Dass der Bund für Geis­tes­frei­heit auch ande­re Zwe­cke ver­folgt als die blo­ße Pfle­ge und För­de­rung eines welt­an­schau­li­chen Bekennt­nis­ses, steht im Übri­gen der Ein­ord­nung als Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft nicht ent­ge­gen. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat im Hin­blick auf wirt­schaft­li­che Akti­vi­tä­ten bereits fest­ge­stellt, dass die­se die Annah­me einer Welt­an­schau­ung im Sin­ne des Art. 4 Abs. 1 GG jeden­falls dann nicht hin­dern, wenn die ide­el­len Ziel­set­zun­gen der Gemein­schaft nicht nur als Vor­wand für die wirt­schaft­li­chen Akti­vi­tä­ten die­nen und die Tätig­keit der Gemein­schaft nicht über­wie­gend auf Gewinn­erzie­lung gerich­tet ist 27. Über­trägt man die­se Maß­stä­be auf die rechts- und all­ge­mein­po­li­ti­schen Akti­vi­tä­ten des Bun­des für Geis­tes­frei­heit, bestehen kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass der Bund für Geis­tes­frei­heit sein welt­an­schau­li­ches Bekennt­nis nur als Vor­wand für sei­ne poli­ti­schen Ziel­set­zun­gen benutzt oder dass letz­te­re über­wie­gen­der Zweck der Gemein­schaft wären. Viel­mehr kön­nen die poli­ti­schen For­de­run­gen des Bun­des für Geis­tes­frei­heit nach einer deut­li­che­ren Tren­nung von Kir­che und Staat als Kon­se­quenz sei­ner huma­nis­tisch gepräg­ten Welt­an­schau­ung gewer­tet wer­den.

Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, ins­be­son­de­re den christ­li­chen Kir­chen, wird seit jeher die Berech­ti­gung zuge­stan­den, sich zu poli­ti­schen Tages­fra­gen zu äußern. Sie betei­li­gen sich aktiv am öffent­li­chen, poli­ti­schen Leben sowie an der Gestal­tung von Staat, Gesell­schaft und Rechts­ord­nung und neh­men dar­auf erheb­li­chen Ein­fluss. Ihnen wird des­halb im poli­ti­schen Raum grund­sätz­lich ein "Öffent­lich­keits­an­spruch" zuer­kannt, ohne dass sie dadurch Gefahr lie­fen, die ihnen durch Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 WRV gewähr­leis­te­te Rechts­stel­lung zu ver­lie­ren. Sie haben den Anspruch, als geist­li­che Gemein­schaf­ten in frei­er Betä­ti­gung in die Öffent­lich­keit zu wir­ken sowie das öffent­li­che Leben vom Stand­punkt der Reli­gi­on aus zu beglei­ten und zu bewer­ten.

Im Hin­blick auf die Gleich­stel­lung der Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten und ande­rer Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten kann dem Bund für Geis­tes­frei­heit ein ver­gleich­ba­rer "Öffent­lich­keits­an­spruch" und damit ein Recht zur poli­ti­schen Äuße­rung nicht abge­spro­chen wer­den. Viel­mehr hält sich die poli­ti­sche Tätig­keit des Bun­des für Geis­tes­frei­heit in Fra­gen des Fei­er­tags­schut­zes im Rah­men des­sen, was Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten – wie auch Kir­chen und ande­ren Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten – unter dem Gesichts­punkt des Öffent­lich­keits­an­spruchs an zuläs­si­ger Betä­ti­gung zuzu­bil­li­gen ist.

Zum Schutz­be­reich des Art. 4 Abs. 1 und 2 GG gehö­ren bei der kor­po­ra­ti­ven Inan­spruch­nah­me nicht nur kul­ti­sche Hand­lun­gen sowie die Beach­tung und Aus­übung reli­giö­ser Gebo­te und Gebräu­che, son­dern auch die reli­giö­se Erzie­hung, frei­re­li­giö­se und athe­is­ti­sche Fei­ern und ande­re Äuße­run­gen des reli­giö­sen und welt­an­schau­li­chen Lebens sowie all­ge­mein die Pfle­ge und För­de­rung des jewei­li­gen Bekennt­nis­ses 28. Die­se Frei­heit, die wesent­li­cher Bestand­teil der Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit ist, steht Reli­gi­ons- und Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten glei­cher­ma­ßen zu. Art. 4 GG schützt auch die Frei­heit, für den eige­nen Glau­ben und die eige­ne Welt­an­schau­ung zu wer­ben, und das Recht, ande­re von deren Reli­gi­on oder Welt­an­schau­ung abzu­wer­ben 29. Wel­che Hand­lun­gen im Ein­zel­fall erfasst sind, bestimmt sich im Wesent­li­chen nach der Eigen­de­fi­ni­ti­on und dem Selbst­ver­ständ­nis der jewei­li­gen Reli­gi­ons- oder Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft. Denn Teil der grund­recht­lich gewähr­leis­te­ten Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit ist auch und gera­de, dass eine staat­li­che Bestim­mung genu­in reli­giö­ser – und ent­spre­chend auch welt­an­schau­li­cher – Fra­gen unter­bleibt. Das hin­dert den Staat aller­dings nicht, das tat­säch­li­che Ver­hal­ten einer Reli­gi­ons- oder Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft und ihrer Mit­glie­der nach welt­li­chen Kri­te­ri­en zu beur­tei­len, auch wenn die­ses Ver­hal­ten letzt­lich reli­gi­ös oder sonst welt­an­schau­lich moti­viert ist 30. Für reli­giö­se Betä­ti­gun­gen hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bereits ent­schie­den, dass dann, wenn bei Betrach­tung von außen ein Zusam­men­hang mit der Reli­gi­ons­aus­übung nicht zwin­gend erscheint, es dem Staat grund­sätz­lich ver­wehrt ist, eige­ne Bewer­tun­gen und Gewich­tun­gen sol­cher Vor­gän­ge an die Stel­le der­je­ni­gen der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft zu set­zen 31. Die staat­li­chen Orga­ne dür­fen aller­dings prü­fen und ent­schei­den, ob hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­legt ist, dass sich das Ver­hal­ten tat­säch­lich nach geis­ti­gem Gehalt und äuße­rer Erschei­nung in plau­si­bler Wei­se dem Schutz­be­reich des Art. 4 GG zuord­nen lässt, also tat­säch­lich eine als reli­gi­ös – und ent­spre­chend: als welt­an­schau­lich – anzu­se­hen­de Moti­va­ti­on hat 32.

Die hier in Rede ste­hen­de Ver­an­stal­tung ("Hei­den­spaß-Par­ty") ist nach die­sen Maß­stä­ben als Aus­übung der Welt­an­schau­ungs­frei­heit zu beur­tei­len. Dies ist auf der Grund­la­ge der von den Fach­ge­rich­ten getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen, der bei­gezo­ge­nen Akten des Aus­gangs­ver­fah­rens und der ver­füg­ba­ren Erklä­run­gen, die der Bund für Geis­tes­frei­heit vor der Ver­an­stal­tung abge­ge­ben hat, hin­rei­chend plau­si­bel dar­ge­tan.

Bei der Ein­ord­nung und Plau­si­bi­li­sie­rung des welt­an­schau­li­chen Cha­rak­ters der Ver­an­stal­tung ist zu berück­sich­ti­gen, dass sich Beson­der­hei­ten dar­aus erge­ben, dass die zugrun­de­lie­gen­de Welt­an­schau­ung nicht an Gott­hei­ten, hei­li­gen Schrif­ten oder Reli­gi­ons­stif­tern aus­ge­rich­tet ist. Das ange­kün­dig­te Erschei­nungs­bild und der inhalt­li­che Gehalt der Ver­an­stal­tung sind mit Rück­sicht dar­auf zu beur­tei­len, dass der Bund für Geis­tes­frei­heit auf der Grund­la­ge der Prin­zi­pi­en der Auf­klä­rung und des welt­li­chen Huma­nis­mus und einer athe­is­ti­schen Anschau­ung sich auch an der Begrenzt­heit mensch­li­chen Erkennt­nis­ver­mö­gens und strik­ter wis­sen­schaft­li­cher Ratio­na­li­tät ori­en­tiert. Dem Bund für Geis­tes­frei­heit ist eben­so wie Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten zuzu­ge­ste­hen, auf der Grund­la­ge der von ihm ver­tre­te­nen sinn­stif­ten­den Prin­zi­pi­en in die Öffent­lich­keit zu wir­ken sowie das öffent­li­che Leben vom Stand­punkt sei­ner Welt­an­schau­ung aus zu beglei­ten und zu bewer­ten. Der Bund für Geis­tes­frei­heit selbst weist zutref­fend dar­auf hin, dass die akti­ve Bekennt­nis­frei­heit einer athe­is­ti­schen Welt­an­schau­ungs­frei­heit es mit sich brin­ge, dass nicht nur posi­ti­ve Grund­sät­ze wie Huma­nis­mus, Auf­klä­rung, Tole­ranz und Libe­ra­li­tät wer­bend ver­brei­tet wür­den, son­dern stets auch eine Abgren­zung von the­is­ti­schen Anschau­un­gen nötig sei. Die Gott­lo­sig­keit sei ein wesent­li­ches Unter­schei­dungs­kri­te­ri­um und gleich­zei­tig Bin­de­glied einer athe­is­ti­schen Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft. Dies erfor­de­re not­wen­di­ger­wei­se auch eine Abgren­zung von den Fei­er­ta­gen der Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten. Der Wunsch, am Kar­frei­tag zu tan­zen, sei daher Ele­ment der akti­ven Betä­ti­gung sei­nes welt­an­schau­li­chen Bekennt­nis­ses. Mit der Ver­an­stal­tung habe er sei­ne frei­geis­ti­ge Welt­an­schau­ung pla­ka­tiv prä­sen­tie­ren und aus­le­ben wol­len.

Unter den gege­be­nen Umstän­den, ins­be­son­de­re dem engen Zusam­men­hang mit dem ers­ten Teil der Ver­an­stal­tung, der zwei­fels­frei welt­an­schau­lich geprägt war, erscheint es danach trotz bestehen­der Zwei­fel noch hin­rei­chend plau­si­bel, von einer welt­an­schau­li­chen Prä­gung auch der soge­nann­ten "Hei­den­spaß-Par­ty" ab 22.30 Uhr aus­zu­ge­hen, deren "Frei­geis­ter-Tanz" mit dem Auf­tritt der Rock­band "Hei­lig" sich trotz des deut­lich mit­prä­gen­den Ver­gnü­gungs­cha­rak­ters noch als welt­an­schau­li­che Aus­rich­tung der Ver­an­stal­tung begrei­fen lässt, zumal wenn der the­ma­ti­sche Zusam­men­hang mit dem ers­ten Ver­an­stal­tungs­teil hin­zu­ge­nom­men wird.

Dabei ist auch zu berück­sich­ti­gen, dass sich die Ver­an­stal­tung auf der Grund­la­ge ihrer Ankün­di­gun­gen als durch­aus pro­vo­ka­ti­ve Gegen­ver­an­stal­tung zum christ­lich ver­wur­zel­ten, stil­len Kar­frei­tag dar­stell­te; und vom Bund für Geis­tes­frei­heit auch gezielt als sol­che ver­stan­den, bewor­ben und geplant wur­de. Er selbst bezeich­net sie in sei­ner Ver­fas­sungs­be­schwer­de­schrift als pro­vo­kan­te Alter­na­tiv­ver­an­stal­tung, als "ideo­lo­gie­be­haf­te­te Ver­an­stal­tung" mit "pro­vo­kan­ten Paro­len" und hebt her­vor, sie habe den "zwei­fels­frei­en Zweck der (pole­mi­schen) Ver­kün­dung" und der Wer­bung für die eige­ne Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft sowie die dar­aus resul­tie­ren­den Lebens­for­men. Sie sei als kon­kre­tes Werk­zeug zur Ver­brei­tung der eige­nen Über­zeu­gung vor­ge­se­hen gewe­sen. Ins­be­son­de­re die frei­geis­ti­gen Tex­te der Rock­band hät­ten sei­ne Bot­schaft ver­kün­den sol­len.

Der the­ma­ti­sche Schwer­punkt des zwei­ten Ver­an­stal­tungs­teils liegt damit zwar erkenn­bar weni­ger als beim ers­ten, aber eben auch in der gemein­sa­men Selbst­ver­ge­wis­se­rung über die eige­nen Grund­sät­ze, mehr noch indes­sen in der kol­lek­ti­ven Ableh­nung des Fei­er­tags christ­li­chen Ursprungs. Da auch die­se Abgren­zung in nach­voll­zieh­ba­rer Wei­se dem Grund­satz­pro­gramm des Bun­des für Geis­tes­frei­heit ent­spricht, müs­sen bestehen­de Zwei­fel, ob es sich nicht etwa doch um eine ganz über­wie­gend poli­tisch gepräg­te oder vom Ver­gnü­gungs­cha­rak­ter domi­nier­te Ver­an­stal­tung han­del­te, zu Guns­ten des Grund­rechts­schut­zes des Bun­des für Geis­tes­frei­heit zurück­tre­ten.

Der dem ent­ge­gen gesetz­te Ein­wand, es sei kein Gebot des Bun­des für Geis­tes­frei­heit als Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft nach Art einer Glau­bens­re­gel ersicht­lich, auf das die Durch­füh­rung der beab­sich­tig­ten Ver­an­stal­tung gera­de an einem Kar­frei­tag gestützt wer­den kön­ne, greift nicht durch. Art. 4 Abs. 1 und 2 GG schützt nicht nur die Befol­gung impe­ra­ti­ver Glau­bens­sät­ze 33, son­dern greift dar­über hin­aus. Das Maß der reli­gi­ons­in­ter­nen oder welt­an­schau­ungs­in­ter­nen Ver­bind­lich­keit eines Ver­hal­tens beein­flusst ledig­lich die Schwe­re eines Ein­griffs und das Gewicht des Belangs im Rah­men der Abwä­gung mit kol­li­die­ren­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Posi­tio­nen, nicht jedoch die Zuord­nung zum Schutz­be­reich des Grund­rechts. Dabei ist mit in Betracht zu zie­hen, dass der "Kar­frei­tags­pro­test" letzt­lich im Grund­satz­pro­gramm des Bun­des für Geis­tes­frei­heit mit sei­nen in die Welt hin­ein­wir­ken­den Ziel­set­zun­gen grün­det. Eben­so wenig ist die Kos­ten­pflich­tig­keit des Ver­an­stal­tungs­teils der Eröff­nung des Schutz­be­reichs hin­der­lich. Da die Höhe des Ein­tritts­prei­ses von 7, 50 € nicht auf die Absicht der Erwirt­schaf­tung eines nen­nens­wer­ten Gewinns hin­deu­tet, son­dern sich eher in einem Kos­ten­bei­trag erschöpft, ist von vorn­her­ein aus­zu­schlie­ßen, dass geschäft­li­che und wirt­schaft­li­che Inter­es­sen so domi­nie­rend gewe­sen sein könn­ten, dass sie der Ver­an­stal­tung ihren aus der Ankün­di­gung fol­gen­den welt­an­schau­li­chen Cha­rak­ter zu neh­men ver­möch­ten.

Dar­über hin­aus konn­te der Bund für Geis­tes­frei­heit für die unter­sag­te Ver­an­stal­tung auch den Schutz der Ver­samm­lungs­frei­heit in Anspruch neh­men (Art. 8 Abs. 1 GG). Zwar bestehen auch in die­sem Zusam­men­hang Zwei­fel, ob es sich nicht im Schwer­punkt um eine blo­ße Ver­gnü­gungs­ver­an­stal­tung gehan­delt hät­te. Die­se Zwei­fel sind jedoch im Sin­ne der Ver­samm­lungs­frei­heit auf­zu­lö­sen.

Der Schutz des Art. 8 GG ist nicht auf Ver­an­stal­tun­gen beschränkt, auf denen argu­men­tiert und gestrit­ten wird, son­dern umfasst viel­fäl­ti­ge For­men gemein­sa­men Ver­hal­tens bis hin zu nicht ver­ba­len Aus­drucks­for­men. Aller­dings reicht es für die Eröff­nung des Schutz­be­reichs des Grund­rechts nicht aus, dass die Teil­neh­mer bei ihrer gemein­schaft­li­chen kom­mu­ni­ka­ti­ven Ent­fal­tung durch einen belie­bi­gen Zweck ver­bun­den sind. Viel­mehr muss die Zusam­men­kunft gera­de auf die Teil­ha­be an der öffent­li­chen Mei­nungs­bil­dung gerich­tet sein 34. Volks­fes­te und Ver­gnü­gungs­ver­an­stal­tun­gen fal­len eben­so wenig in den Schutz­be­reich wie Ver­an­stal­tun­gen, die der blo­ßen Zur­schau­stel­lung eines Lebens­ge­fühls die­nen und die als eine auf Spaß und Unter­hal­tung aus­ge­rich­te­te öffent­li­che Mas­sen­par­ty gedacht sind 35.

Ande­rer­seits erstreckt sich der Schutz­be­reich der Ver­samm­lungs­frei­heit auch auf sol­che Ver­an­stal­tun­gen, die ihre kom­mu­ni­ka­ti­ven Zwe­cke unter Ein­satz von Musik und Tanz ver­wirk­li­chen. Das ist der Fall, wenn die­se Mit­tel zur kom­mu­ni­ka­ti­ven Ent­fal­tung gezielt ein­ge­setzt wer­den, um auf die öffent­li­che Mei­nungs­bil­dung ein­zu­wir­ken. Von der Ver­samm­lungs­frei­heit sind sol­che Ver­an­stal­tun­gen bei­spiels­wei­se auch dann erfasst, wenn sie sich dafür ein­set­zen, dass bestimm­te Musik- und Tanz­ver­an­stal­tun­gen auch in Zukunft ermög­licht wer­den. Geschützt ist durch Art. 8 GG in sol­chen Fäl­len die kom­mu­ni­ka­ti­ve Ein­fluss­nah­me auf die öffent­li­che Mei­nung, um auf die zukünf­ti­ge Durch­füh­rung sol­cher Ver­an­stal­tun­gen hin­zu­wir­ken, nicht aber das Abhal­ten der Musik- und Tanz­ver­an­stal­tun­gen selbst. Eine Musik- und Tanz­ver­an­stal­tung wird jedoch nicht allein dadurch zu einer Ver­samm­lung im Sin­ne von Art. 8 GG, dass bei ihrer Gele­gen­heit auch Mei­nungs­kund­ga­ben erfol­gen 36.

Ent­hält eine Ver­an­stal­tung sowohl Ele­men­te, die auf die Teil­ha­be an der öffent­li­chen Mei­nungs­bil­dung gerich­tet sind, als auch sol­che, die die­sem Zweck nicht zuzu­rech­nen sind, ist ent­schei­dend, ob eine der­art gemisch­te Ver­an­stal­tung ihrem Gesamt­ge­prä­ge nach eine Ver­samm­lung ist 37.

Die Beur­tei­lung, ob eine gemisch­te Ver­an­stal­tung ihrem Gesamt­ge­prä­ge nach eine Ver­samm­lung dar­stellt, ist im Wege einer Gesamt­schau aller rele­van­ten tat­säch­li­chen Umstän­de vor­zu­neh­men. Dabei sind zunächst alle die­je­ni­gen Moda­li­tä­ten der geplan­ten Ver­an­stal­tung zu erfas­sen, die auf die Teil­ha­be an der öffent­li­chen Mei­nungs­bil­dung zie­len. Sodann sind die nicht auf die Mei­nungs­bil­dung zie­len­den Moda­li­tä­ten, wie etwa Tanz, Musik und Unter­hal­tung, zu wür­di­gen und zu gewich­ten und die unter­schied­li­chen Ele­men­te zuein­an­der in Bezie­hung zu set­zen. Ist ein Über­ge­wicht des einen oder des ande­ren Bereichs nicht zwei­fels­frei fest­zu­stel­len, ist die Ver­an­stal­tung wie eine Ver­samm­lung zu behan­deln 38. Auf das Niveau der Ver­an­stal­tung und des Bei­trags zur Mei­nungs­bil­dung kommt es dabei nicht an.

Die Gesamt­schau aller Umstän­de, die wegen ihrer unmit­tel­ba­ren Grund­rechts­re­le­vanz vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ver­fas­sungs­recht­lich über­prüf­bar ist, führt hier zu dem Ergeb­nis, dass auch der unter­sag­te Ver­an­stal­tungs­teil, die so bezeich­ne­te "Hei­den­spaß-Par­ty", dem Schutz­be­reich der Ver­samm­lungs­frei­heit zuzu­ord­nen ist.

Die unter­sag­te Teil­ver­an­stal­tung war in ein Gesamt­kon­zept ein­ge­bet­tet, das gewich­ti­ge Ele­men­te der Mei­nungs­kund­ga­be ent­hielt. Sie war geplant in Umset­zung des Grund­satz­pro­gramms des Bun­des für Geis­tes­frei­heit, das neben den Grund­sät­zen der Auf­klä­rung und des welt­li­chen Huma­nis­mus eine kon­se­quen­te Tren­nung von Staat und Kir­che ein­for­dert. Nach sei­ner Sat­zung ver­steht sich der Bund für Geis­tes­frei­heit als Inter­es­sen­ver­tre­tung von kir­chen­frei­en Men­schen mit frei­geis­ti­ger, agnos­ti­scher oder athe­is­ti­scher Anschau­ung. Die "6. Athe­is­ti­sche Film­nacht, mit Pra­li­nen­bü­fett und Hei­den­spaß-Par­ty" am Kar­frei­tag war eine Ver­an­stal­tung in einer Ver­an­stal­tungs­rei­he des Bun­des für Geis­tes­frei­heit. Der Bund für Geis­tes­frei­heit hat­te sie in einer Pres­se­mit­tei­lung vom 02.04.2007 als "poli­ti­sche Ver­an­stal­tung" ange­kün­digt. Die Ver­an­stal­tung war erkenn­bar in die­sem Sin­ne als pro­vo­ka­ti­ve Kund­ga­be sei­ner Ziel­set­zung der Tren­nung von Kir­che und Staat, der Ver­rin­ge­rung des kirch­li­chen Ein­flus­ses auf den Staat und kon­kret der gesetz­li­chen Beschrän­kun­gen im Fei­er­tags­ge­setz ange­legt. Durch die bewuss­te Pro­vo­ka­ti­on soll­te sei­nem Anlie­gen Gehör geschenkt wer­den. Die Wer­bung und Pres­se­mit­tei­lung im Vor­feld spra­chen von einem "Pro­test gegen die Dis­kri­mi­nie­rung Ungläu­bi­ger und Anders­gläu­bi­ger" sowie von einer "poli­ti­schen Ver­an­stal­tung mit dem Zweck, auf das aus unse­rer Sicht nicht zeit­ge­mä­ße und unde­mo­kra­ti­sche Fei­er­tags­ge­setz hin­zu­wei­sen und eine Über­ar­bei­tung zu errei­chen". Aus der Pres­se­mit­tei­lung geht wei­ter her­vor, die Ver­an­stal­tung habe aus Erläu­te­run­gen der Anlie­gen des Bun­des für Geis­tes­frei­heit, den Film­vor­füh­run­gen mit Scho­ko­la­den­buf­fet, der anschlie­ßen­den öffent­li­chen Auf­nah­me zwei­er Ehren­mit­glie­der mit Vor­stel­lung sei­ner Zie­le sowie schließ­lich der Par­ty bestehen sol­len. Hier­zu betont der Bund für Geis­tes­frei­heit, sowohl die Fil­me als auch die Musik­dar­bie­tung hät­ten durch Wort­bei­trä­ge auf­ge­lo­ckert wer­den sol­len. Vor Ort sei­en Wer­be­ma­te­ri­al über sei­ne Ziel­set­zung ver­teilt, Ehren­mit­glied­schaf­ten ver­lie­hen und über die gesam­te Ver­an­stal­tung hin Reden gehal­ten wor­den.

Im Hin­blick auf die Gesamt­ver­an­stal­tung war damit die Mei­nungs­kund­ga­be nicht nur bei­läu­fi­ger Neben­akt. Die ihr imma­nen­te bewuss­te Pro­vo­ka­ti­on und der demons­tra­tiv her­aus­ge­stell­te Ver­gnü­gungs­cha­rak­ter dien­ten dazu, die Auf­fas­sung des Bun­des für Geis­tes­frei­heit und sei­ne Pro­gram­ma­tik zu der sei­nes Erach­tens kri­tisch zu bewer­ten­den, im Fei­er­tags­ge­setz auf­ge­grif­fe­nen Prä­gung des Tages kund­zu­tun. Die dar­in zum Aus­druck kom­men­de grund­sätz­li­che Posi­ti­on ist wesent­li­ches Ele­ment der Welt­an­schau­ung des Bun­des für Geis­tes­frei­heit und sei­nes auch in den welt­li­chen Raum hin­ein­wir­ken­den Grund­satz­pro­gramms.

Die­se zunächst star­ken Ele­men­te der Mei­nungs­kund­ga­be sind im Hin­blick auf die am Ende der Gesamt­ver­an­stal­tung geplan­te und unter­sag­te "Hei­den­spaß-Par­ty" indes­sen nicht mehr ein­deu­tig. Die Ver­an­stal­tungs­an­kün­di­gung bezieht den Pro­test gegen die behaup­te­te Dis­kri­mi­nie­rung Nicht­gläu­bi­ger zunächst nur auf den ers­ten Ver­an­stal­tungs­teil mit den Film­vor­füh­run­gen. Im Wei­te­ren heißt es dann: "Und damit alle rich­tig in Stim­mung kom­men, gibt es anschlie­ßend einen Frei­geis­ter-Tanz mit der Rock-Band , Hei­lig‘". Das Pro­gramm beschreibt den Par­ty-Teil wie folgt: "Mit Live-Musik fei­ern wir fröh­lich an einem Tag, an dem allen Bürger/​Innen die­ser Repu­blik das öffent­li­che Tan­zen aus christ­li­chen Grün­den unter­sagt ist." Einer­seits wird aus die­ser For­mu­lie­rung zwar ansatz­wei­se deut­lich, dass auch mit der Par­ty ein Kon­trast­punkt zum christ­li­chen Glau­ben und zum gesetz­li­chen beson­de­ren Ruhe­schutz gesetzt wer­den soll­te. Ander­seits ist hier jedoch unüber­seh­bar davon die Rede, dass "fröh­lich gefei­ert" wer­den sol­le. Zwar trug der Bund für Geis­tes­frei­heit im Rah­men der münd­li­chen Ver­hand­lung des Ver­wal­tungs­ge­richts vor, Rede­bei­trä­ge sei­en auch wäh­rend der Par­ty beab­sich­tigt gewe­sen. Dies wur­de indes aus den öffent­li­chen Äuße­run­gen des Bun­des für Geis­tes­frei­heit vor Unter­sa­gung der Par­ty nicht deut­lich. Auch wenn einem durch­schnitt­li­chen Beob­ach­ter der mei­nungs­bil­den­de Cha­rak­ter des Beginns der Ver­an­stal­tung nicht ent­ge­hen konn­te, trug die ange­kün­dig­te "Hei­den­spaß-Par­ty" dem­nach auch deut­li­che Züge einer sich anschlie­ßen­den Ver­gnü­gungs­ver­an­stal­tung.

Den­noch ist die Ver­an­stal­tung bei Gesamt­sicht auf alle Umstän­de als Ver­samm­lung im Sin­ne des Art. 8 Abs. 1 GG zu beur­tei­len. Wer­den die unter­schied­li­chen Ele­men­te der Ver­samm­lung zuein­an­der in Bezie­hung gesetzt, ist zu beach­ten, dass der unter­sag­te Ver­an­stal­tungs­teil im Rah­men eines Gesamt­kon­zepts steht. Der Bund für Geis­tes­frei­heit hat­te eine ein­heit­li­che Ver­an­stal­tung mit ver­schie­de­nen, unter­schied­lich gestal­te­ten Pro­gramm­punk­ten ange­kün­digt, deren letz­ter die "Hei­den­spaß-Par­ty" war. Die­se Auf­tei­lung war erkenn­bar der mehr­stün­di­gen Gesamt­dau­er geschul­det. Hier­bei war der unter­sag­te letz­te Teil als Schluss der Gesamt­ver­an­stal­tung vor­ge­se­hen. Hin­zu kommt, dass auch inso­weit durch die im Pro­gramm gege­be­ne Erläu­te­rung und die Bezeich­nung als "Frei­geis­ter-Tanz" mit der Rock­band "Hei­lig" ein Bezug zum poli­ti­schen Anlie­gen des Bun­des für Geis­tes­frei­heit her­ge­stellt war und die Ableh­nung der Kar­frei­tags­ru­he auch durch Tanz und Musik ver­sinn­bild­licht wer­den soll­te. Unter die­sen beson­de­ren Umstän­den und unter Berück­sich­ti­gung des ein­heit­li­chen Ver­an­stal­tungs­kon­zepts lässt sich die Ver­an­stal­tung in ihrer Gesamt­heit vor­lie­gend noch als Ver­samm­lung im Sin­ne des Art. 8 Abs. 1 GG qua­li­fi­zie­ren.

Fällt die Ver­an­stal­tung des Bun­des für Geis­tes­frei­heit folg­lich unter den Schutz sowohl des Art. 4 Abs. 1 und 2 GG als auch unter den Schutz des Art. 8 Abs. 1 GG, so durf­te nach den dar­ge­leg­ten Maß­stä­ben dem Fei­er­tags­schutz nicht der unbe­ding­te Vor­rang gege­ben und Art. 3 Abs. 2 FTG nicht unein­ge­schränkt ange­wandt wer­den. Viel­mehr bedurf­te es einer Abwä­gung im Ein­zel­fall.

Im Ergeb­nis die­ser Abwä­gung wäre hier im Blick auf bei­de Grund­rech­te eine Befrei­ung zu ertei­len gewe­sen. Das in Art. 5 FTG eröff­ne­te Befrei­ungs­er­mes­sen wäre – von der Nich­tig­keit des Befrei­ungs­aus­schlus­ses für den Kar­frei­tag aus­ge­hend – im vor­lie­gen­den Fall auf Null redu­ziert gewe­sen. Die Ver­an­stal­tung fand in einem geschlos­se­nen Raum mit über­schau­ba­rer Teil­neh­mer­zahl statt und soll­te auch in ihrem zwei­ten Teil dort abge­hal­ten wer­den. An dem kon­kre­ten Ver­an­stal­tungs­ort hat­te sie ver­gleichs­wei­se gerin­ge Aus­wir­kun­gen auf den öffent­li­chen Ruhe- und Stil­l­e­cha­rak­ter des Tages. Ange­sichts ihres the­ma­ti­schen Bezu­ges zum Kar­frei­tag kam es auch maß­geb­lich dar­auf an, die Ver­an­stal­tung gera­de an die­sem Tag abzu­hal­ten. Das Gewicht der Grund­rech­te des Bun­des für Geis­tes­frei­heit und der ver­gleichs­wei­se gerin­ge­re Ein­fluss auf den beson­de­ren äuße­ren Ruhe­schutz des Kar­frei­tags füh­ren unter den hier gege­be­nen Bedin­gun­gen dazu, dass bei ver­fas­sungs­kon­for­mem Ver­ständ­nis vom Vor­lie­gen wich­ti­ger Grün­de für eine Befrei­ung im Sin­ne des Art. 5 FTG aus­ge­gan­gen wer­den muss­te. Das galt zumal unter Berück­sich­ti­gung der Mög­lich­keit, dem Ruhe- und Stil­le­schutz auch durch Auf­la­gen dadurch gerecht zu wer­den, dass etwa eine Ein­schrän­kung der zuläs­si­gen Laut­stär­ke hät­te erfol­gen kön­nen, wel­che die Aus­wir­kun­gen für den Ruhe­rah­men in sei­ner Bedeu­tung für den all­ge­mein wahr­nehm­ba­ren Cha­rak­ter des Tages als Gan­zes gege­be­nen­falls wei­ter begrenzt hät­te.

Sind in der hier gege­be­nen Fall­ge­stal­tung, in der eine Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft in einer öffent­li­chen Ver­an­stal­tung für ihre Welt­an­schau­ung wirbt, sowohl das Grund­recht auf Glau­bens- und Bekennt­nis­frei­heit aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG als auch die Ver­samm­lungs­frei­heit aus Art. 8 Abs. 1 GG berührt, ste­hen bei­de Grund­rech­te in Ide­al­kon­kur­renz.

Da die ange­grif­fe­nen Ver­wal­tungs­ent­schei­dun­gen und die Urtei­le des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts sowie des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen nicht gerecht wer­den und ange­sichts der bis­he­ri­gen Geset­zes­la­ge auch nicht genü­gen konn­ten, ver­let­zen sie den Bund für Geis­tes­frei­heit in sei­nen Grund­rech­ten aus Art. 4 Abs. 1 und 2 sowie aus Art. 8 Abs. 1 GG.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 27. Okto­ber 2016 – 1 BvR 458/​10

  1. BayGVBl 2013, S. 402; BayL­T­Drucks 16/​15696[]
  2. BayL­T­Drucks 16/​15696 S. 3[]
  3. BayL­T­Drucks 16/​15696, S. 3 f.[]
  4. vgl. Grund­satz­pro­gramm des Bun­des für Geis­tes­frei­heit Mün­chen vom 27.02.1993[]
  5. Pres­se­mit­tei­lung des Bun­des für Geis­tes­frei­heit vom 02.04.2007[]
  6. VG Mün­chen, Urteil vom 12.03.2008 – M 18 K 07.2274[]
  7. BayVGH, Urteil vom 07.04.2009 – 10 BV 08.1494[]
  8. BVerwG, Beschluss vom 21.12 2009 – BVerwG 6 B 35.09[]
  9. Bezug­nah­me auf BVerfGE 125, 39[]
  10. vgl. BVerfGE 125, 39, 85[][][]
  11. vgl. BVerfGE 125, 39, 82[]
  12. vgl. BVerfGE 111, 10, 51; 125, 39, 86[]
  13. vgl. BVerfGE 125, 39, 80[]
  14. vgl. BVerfGE 125, 39, 80 f.[]
  15. vgl. BVerfGE 111, 10, 50; 125, 39, 85[]
  16. vgl. BVerfGE 111, 10, 50[]
  17. vgl. BVerfGE 125, 39, 84[]
  18. vgl. BVerfGE 138, 296, 238 f. m.w.N. zur stRspr[]
  19. BayL­T­Drucks 16/​15696, S. 3[][]
  20. vgl. BVerfGE 125, 39, 82 f.[][]
  21. vgl. BVerfGE 111, 10, 51[][]
  22. vgl. BVerfGE 104, 92, 104[]
  23. vgl. BVerfGE 69, 315, 346[]
  24. zur Bedeu­tung von Aus­nah­me­tat­be­stän­den beim Fei­er­tags­schutz vgl. BVerfGE 111, 10, 52[]
  25. vgl. BVerfGE 125, 39, 79, 85[]
  26. vgl. BVerfGE 93, 1, 16; 138, 296, 336 Rn. 104[]
  27. vgl. BVerfGE 105, 279, 293, "Osho-Bewe­gung"; vgl. auch BVerfGK 9, 371, 377 zur "Mun-Ver­ei­ni­gung"[]
  28. vgl. BVerfGE 53, 366, 392; 105, 279, 293 f.[]
  29. BVerfGE 105, 279, 294[]
  30. vgl. BVerfGE 102, 370, 394[]
  31. vgl. BVerfGE 104, 337, 354 f.; 137, 273, 315 f. Rn. 116[]
  32. vgl. BVerfGE 138, 296, 329 Rn. 86; sie­he auch BVerfGE 83, 341, 353; 108, 282, 298 f.[]
  33. vgl. BVerfGE 32, 98, 106 f.; 108, 282, 297[]
  34. vgl. BVerfGE 104, 92, 104; stRspr[]
  35. vgl. BVerfG, Beschluss vom 12.07.2001 – 1 BvQ 28/​01, 30/​01, NJW 2001, S. 2459, 2460, "Fuckparade/​Love Para­de"[]
  36. vgl. BVerfG, Beschluss vom 12.07.2001 – 1 BvQ 28/​01, 30/​01, NJW 2001, S. 2459, 2460 f.; BVerw­GE 129, 42, 45 ff.[]
  37. vgl. BVerfG, Beschluss vom 12.07.2001 – 1 BvQ 28/​01, 30/​01, NJW 2001, S. 2459, 2460; BVerw­GE 129, 42, 45 ff.[]
  38. vgl. BVerw­GE 129, 42, 45 ff.[]