Fund­tie­re – und der Ersatz der Auf­wen­dun­gen des Tier­schutz­ver­eins

Ste­hen der Ablie­fe­rung eines Fund­tie­res bei der Fund­be­hör­de Grün­de des Tier­schut­zes nicht ent­ge­gen, so kann ein Tier­schutz­ver­ein den Ersatz von Auf­wen­dun­gen grund­sätz­lich nur ver­lan­gen, wenn die Fund­be­hör­de ihn beauf­tragt hat, das Tier in Obhut zu neh­men.

Fund­tie­re – und der Ersatz der Auf­wen­dun­gen des Tier­schutz­ver­eins

Das hat aktu­ell das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig auf die Kla­gen zwei­er Tier­schutz­ver­ei­ne ent­schie­den, die mit ihren Kla­gen den Ersatz von Auf­wen­dun­gen für die Unter­brin­gung und tier­ärzt­li­che Behand­lung von ins­ge­samt elf Kat­zen for­der­ten, die bei ihnen als Fund­tie­re abge­ge­ben wor­den waren. Die Tier­schutz­ver­ei­ne zeig­ten dies bei den beklag­ten Gemein­den als Fund an und wie­sen mit Blick auf anfal­len­de Kos­ten auf die Mög­lich­keit hin, die Kat­zen ander­wei­tig unter­zu­brin­gen. Die Gemein­den reagier­ten dar­auf nicht und lehn­ten es nach­fol­gend ab, Auf­wen­dun­gen zu erset­zen. Eine Ver­ein­ba­rung zwi­schen den Tier­schutz­ver­ei­nen und den beklag­ten Gemein­den über die Ver­wah­rung von Fund­tie­ren bestand nicht.

Nach unter­schied­li­chen Urtei­len der Ver­wal­tungs­ge­rich­te Regens­burg und Mün­chen 1 hat der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in Mün­chen die Kla­gen abge­wie­sen 2: Ein Ersatz­an­spruch auf der Grund­la­ge einer öffent­lich-recht­li­chen Geschäfts­füh­rung ohne Auf­trag bestehe nicht, da die Fund­be­hör­den für die Ver­wah­rung und Ver­sor­gung eines Fund­tie­res grund­sätz­lich erst zustän­dig wür­den, wenn es bei ihnen abge­lie­fert wer­de. Das sei hier nicht gesche­hen. Es sei nichts dafür ersicht­lich, dass die Kat­zen nicht hät­ten abge­lie­fert wer­den kön­nen. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat die­se Ent­schei­dun­gen nun auf der Grund­la­ge der tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs bestä­tigt:

Tie­re sind kei­ne Sachen; die Vor­schrif­ten des Fund­rechts sind auf sie aber ent­spre­chend anzu­wen­den (§ 90a BGB). Nach dem Fund­recht obliegt es dem Fin­der, den Fund anzu­zei­gen und die Fund­sa­che in Ver­wah­rung zu neh­men (§§ 965, 966 BGB). Der Fin­der ist aller­dings berech­tigt und auf Anord­nung ver­pflich­tet, die Sache der Fund­be­hör­de abzu­lie­fern (§ 967 BGB).

Eine Ver­wah­rungs­pflicht der Fund­be­hör­de, die als Grund­la­ge einer Geschäfts­füh­rung ohne Auf­trag in Betracht kom­men kann, ent­steht danach grund­sätz­lich erst mit der Ablie­fe­rung der Fund­sa­che.

Beson­de­re Umstän­de, die es aus Grün­den des Tier­schut­zes gebie­ten könn­ten, eine Ver­wah­rungs­pflicht der Fund­be­hör­de auch ohne Ablie­fe­rung anzu­neh­men, lagen hier jedoch nicht vor. Nach den Fest­stel­lun­gen des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs war nichts dafür ersicht­lich, dass es nicht tier­schutz­ge­recht gewe­sen wäre, die Kat­zen bei der jewei­li­gen Gemein­de abzu­lie­fern.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 26. April 2018 – 3 C 5.16 und 3 C 6.16

  1. VG Regens­burg, Urteil vom 05.08.2014 – RO 4 K 13.1231; VG Mün­chen, Urteil vom 16.04.2015 – M 10 K 14.5098[]
  2. BayVGH, Urtei­le vom 27.11.2015 – 5 BV 14.1737 und 5 BVB 15.1284[]