Gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­run­gen – Leis­tun­gen nur noch mit elek­tro­ni­scher Gesundheitskarte

Gesetz­lich Kran­ken­ver­si­cher­te kön­nen von ihren Kran­ken­kas­sen kei­nen papier­ge­bun­de­nen Berech­ti­gungs­nach­weis („Kran­ken­schein“) verlangen.

Gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­run­gen – Leis­tun­gen nur noch mit elek­tro­ni­scher Gesundheitskarte

In den bei­den jetzt vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Ver­fah­ren hat­ten zwei Mit­glie­der einer gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se gel­tend gemacht, die elek­tro­ni­sche Gesund­heits­kar­te (eGK) und die dahin­ter ste­hen­de Tele­ma­tik­in­fra­struk­tur wie­sen Sicher­heits­män­gel auf, sen­si­ble Daten sei­en nicht aus­rei­chend vor unbe­rech­tig­tem Zugriff geschützt. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt ist dem nicht gefolgt und befand, dass gesetz­lich Kran­ken­ver­si­cher­te ihre Berech­ti­gung grund­sätz­lich mit der elek­tro­ni­schen Gesund­heits­kar­te (eGK) nach­wei­sen müs­sen, um Leis­tun­gen der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV( in Anspruch neh­men zu können.

Die eGK ist mit einem Licht­bild ver­se­hen sowie einem „Chip“. Die­ser ent­hält ver­schie­de­ne Ver­si­cher­ten­da­ten, wie z.B. Name, Geschlecht, Anschrift, Ver­si­cher­ten­sta­tus und Kran­ken­ver­si­che­rungs­num­mer als Pflicht­an­ga­ben. Die­se Daten wer­den bei Arzt­be­su­chen online mit den bei der Kran­ken­kas­se vor­lie­gen­den Daten abge­gli­chen und gege­be­nen­falls aktua­li­siert. Dafür wird die soge­nann­te Tele­ma­tik­in­fra­struk­tur genutzt, die die Akteu­re der GKV ver­netzt. Die eGK dient auch als „Schlüs­sel“ für die Authen­ti­fi­zie­rung beim Zugang zur Tele­ma­tik­in­fra­struk­tur, etwa zur elek­tro­ni­schen Patientenakte.

Die Vor­schrif­ten über die eGK ste­hen, so das Bun­des­so­zi­al­ge­richt, mit den Vor­ga­ben der Euro­päi­schen Daten­schutz­grund­ver­ord­nung in Einklang.

Der Gesetz­ge­ber will mit der eGK, soweit es um die Pflicht­an­ga­ben geht, den Miss­brauch von Sozi­al­leis­tun­gen ver­hin­dern und die Abrech­nung von Leis­tun­gen der Ärz­te erleich­tern. Er ver­folgt damit legi­ti­me Ziele.

Die Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten ist auf das zwin­gend erfor­der­li­che Maß beschränkt. Der Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz ist gewahrt. Der Gesetz­ge­ber hat ein umfang­rei­ches Netz an Rege­lun­gen erstellt, das die Daten­si­cher­heit hin­rei­chend gewähr­leis­tet. Er hat dort Rege­lun­gen regel­mä­ßig nach­ge­schärft, wo Sicher­heits­aspek­te dies erfor­der­lich gemacht haben. Zudem sind vie­le Anwen­dun­gen der Tele­ma­tik­in­fra­struk­tur, zum Bei­spiel die Pati­en­ten­ak­te, freiwillig.

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Die Mitgliedsbescheinigung der Krankenkasse

Die gesetz­li­chen Grund­la­gen zur Nut­zung der eGK ver­let­zen schließ­lich nach Ansicht des Bun­des­so­zi­al­ge­richts weder Grund­rech­te des Grund­ge­set­zes noch der Euro­päi­schen Grundrechtecharta.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 20. Janu­ar 2021 – B 1 KR 7/​20 R und B 1 KR 15/​20 R

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