Glüh­lam­pen – Ein Aus­stieg auf Raten

"Ab dem 1. Sep­tem­ber 2009 sind Glüh­bir­nen ver­bo­ten!" – So oder ähn­lich liest man es über­all seit eini­gen Tagen. Doch so ganz stimmt das nicht:

Glüh­lam­pen – Ein Aus­stieg auf Raten

Hin­ter­grund der aktu­el­len Auf­re­gung ist die EU-Ver­ord­nung 244/​2009, die Min­dest­an­for­de­run­gen an die Effi­zi­enz von Haus­halts­lam­pen vor­schreibt. EU-weit sol­len hier­durch am Ende jähr­lich knapp 40 Tera­watt­stun­den Ener­gie – der der­zei­ti­ge jähr­li­che Strom­ver­brauch Rumä­ni­ens – ein­ge­spart wer­den und der CO2-Aus­stoß um 15 Mil­lio­nen Ton­nen sin­ken.

Doch was ist jetzt mit der all­ge­gen­wär­ti­gen Glüh­bir­ne? Nun, ent­ge­gen den land­läu­fi­gen Mel­dun­gen besteht ab heu­te kein Ver­bot für her­kömm­li­che Glüh­bir­nen. Die EU-Ver­ord­nung 244/​2009 sieht gera­de kein Ver­bot bestimm­ter Tech­ni­ken – etwa der her­kömm­li­chen Glüh­lam­pen – vor. Die EU-Ver­ord­nung stellt aller­dings Anfor­de­run­gen an die Ener­gie­ef­fi­zi­enz von übli­cher­wei­se in Pri­vat­haus­hal­ten ein­ge­setz­ten Lam­pen.
Weni­ger ener­gieeef­fi­zi­en­te Haus­halts­lam­pen, die die­se Anfor­de­run­gen nicht erfül­len, dür­fen ab einem bestimm­ten Zeit­punkt nicht mehr "in Ver­kehr gebracht", also her­ge­stellt oder in die EU impor­tiert wer­den. Dies wird natur­ge­mäß dazu füh­ren, dass ein Groß­teil der heu­te noch gebräuch­li­chen Glüh­lam­pen in Lau­fe der nächs­ten Jah­re ver­schwin­den wird. Es hin­dert aber weder den Han­del, die dort noch befind­li­chen Rest­be­stän­de wei­ter zu ver­kau­fen, noch ver­pflich­tet es Sie, Glüh­bir­nen aus­zu­tau­schen. Sie kön­nen also wei­ter­hin Ihre bis­he­ri­gen Haus­halts­lam­pen ver­wen­den. Wenn die "durch­ge­brannt" sind, kann es aller­dings sein, dass Sie hier­für kei­nen Ersatz mehr fin­den und daher not­ge­drun­gen auf Ener­gie­spar­lam­pen umstei­gen müs­sen.

Alle Lam­pen­ar­ten betrof­fen

Doch auch dies ist nicht der end­gül­ti­ge Abschied von der alt­ver­trau­ten Glüh­bir­ne. Bestimm­te Arten von Glüh­lam­pen wer­den auch in Zukunft erhält­lich sein, ein­fach weil es für bestimm­te Anfor­de­run­gen der­zeit kei­nen gleich­wer­ti­gen, ener­gie­ef­fi­zi­en­te­ren Ersatz gibt. Die Rege­lung gilt auch nicht nur für Glüh­lam­pen, son­dern für alle Lam­pen­ar­ten, also auch für Halo­gen­lam­pen, Leucht­stoff­lam­pen und LED-Lam­pen. Auch die­se dür­fen zukünf­tig nur noch in den Ver­kehr gebracht wer­den, wenn sie die jeweils gel­ten­den Ener­gie­ef­fi­zi­enz­an­for­de­run­gen ein­hal­ten.

Von der EU-Ver­ord­nung 244/​2009 eben­falls betrof­fen sind Leucht­stoff­lam­pen, ledig­lich für Leucht­stoff­lam­pen ohne ein­ge­bau­tes Vor­schalt­ge­rät ("Leucht­stoff­röh­ren") sowie für Hoch­druck­ent­la­dungs­lam­pen bestehen spe­zi­el­le Rege­lun­gen.

Zeit­plan

Die EU-Ver­ord­nung 244/​2009 führt die Ener­gie­ef­fi­zi­enz­an­for­de­run­gen in meh­re­ren zeit­li­chen Stu­fen ein, wobei die zu erfül­len­de Ener­gie­ef­fi­zi­enz jeweils als Ver­bin­dung aus Leis­tungs­auf­nah­me ("Watt") und Licht­aus­beu­te (Licht­strom, "Lumen") fest­ge­legt wird. Bezo­gen auf eine heu­ti­ge "Stan­dard­glüh­lam­pe" trifft es daher:

  • ab dem 1. Sep­tem­ber 2009 alle mat­ten Glüh­lam­pen und alle Glüh­lam­pen mit einer Leis­tung von mehr als 75 Watt,
  • ab dem 1. Sep­tem­ber 2010 alle Glüh­lam­pen mit einer Leis­tung von mehr als 60 Watt,
  • ab dem 1. Sep­tem­ber 2011 alle Glüh­lam­pen mit einer Leis­tung von mehr als 40 Watt,
  • ab dem 1. Sep­tem­ber 2012 alle Glüh­lam­pen mit einem Licht­strom von weni­ger als 60 Lumen (nach heu­ti­gem Stand der Tech­nik ent­spricht dies Glüh­lam­pen bis 10 Watt) und schließ­lich
  • ab 2016 alle Lam­pen, die nicht wenigs­tens die Ener­gie­ef­fi­zi­enz­klas­se B auf­wei­sen.

Spe­zi­al­lam­pen

Nicht von der EU-Ver­ord­nung betrof­fen sind Lam­pen für Spe­zi­al­an­wen­dun­gen, die auf­grund ihrer tech­ni­schen Eigen­schaf­ten oder laut der ihnen bei­gefüg­ten Pro­dukt­in­for­ma­tio­nen nicht zur Raum­be­leuch­tung im Haus­halt geeig­net sind, also etwa Pflan­zen- oder Wachs­tums­lam­pen, wie sie in der Gärt­ne­rei oder der Land­wirt­schaft Ver­wen­dung fin­den. Bei die­sen Spe­zi­al­lam­pen ist jedoch auf der Ver­pa­ckung und in jeder Art von Pro­dukt­in­for­ma­ti­on, mit der die Lam­pe in Ver­kehr gebracht wird, an gut sicht­ba­rer Stel­le und deut­lich les­bar der vor­ge­se­he­ne Ver­wen­dungs­zweck anzu­ge­ben sowie ein Hin­weis anzu­brin­gen, dass die Lam­pe zur Raum­be­leuch­tung im Haus­halt nicht geeig­net ist.

Nicht unter die Ener­gie­ef­fi­zi­enz­re­ge­lun­gen fal­len übri­gens auch far­bi­ge Lam­pen. Bevor Sie hier aller­dings auf eine "gute Idee" kom­men, eines haben die Euro­kra­ten bereits berück­sich­tigt: "Soft Tone"-Lampen oder "Soft White"-Lampen, also Glüh­lam­pen mit leicht far­bi­gem Licht, fal­len wie nor­ma­le Glüh­lam­pen unter die Ener­gie­ef­fi­zi­enz­gren­zen.

Kein Argu­ment ist auch, dass die her­kömm­li­che Glüh­bir­ne für eini­ge Ein­satz­zwe­cke – nur kur­ze Brenn­zei­ten, häu­fi­ge Schalt­vor­gän­ge, Dimm­bar­keit – bes­ser geeig­net ist als die alter­na­ti­ven "Ener­gie­spar­lam­pen", die der­zeit bis zu 2 Minu­ten benö­ti­gen, bis sie ihre Leucht­kraft ent­wi­ckelt haben, die häu­fi­ges Aus- und Ein­schal­ten mit einer ver­kürz­ten Lebens­dau­er quit­tie­ren und die sich auch nicht dim­men las­sen. All­tags­taug­lich­keit ist halt kein Zweck der EU-Lam­pen-Ver­ord­nung.