Grund­si­che­rung, kom­mu­na­les Bil­dungs­pa­ket – und das Selbst­ver­wal­tungs­recht der Kom­mu­nen

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat § 34 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und Satz 2, Abs. 4 bis Abs. 7 und § 34a Sozi­al­ge­setz­buch Zwölf­tes Buch (SGB XII) in der Fas­sung vom 24.03.2011 in Ver­bin­dung mit § 3 Abs. 2 Satz 1 SGB XII ‑das „kom­mu­na­le Bil­dungs­pa­ket“- für unver­ein­bar mit dem Grund­ge­setz erklärt. Die Rege­lun­gen stel­len eine unzu­läs­si­ge Auf­ga­ben­über­tra­gung auf die Kom­mu­nen dar und ver­let­zen die beschwer­de­füh­ren­den Städ­te in ihrem Recht auf Selbst­ver­wal­tung. Die Rege­lun­gen blei­ben jedoch bis zum 31.12.2021 wei­ter anwend­bar.

Grund­si­che­rung, kom­mu­na­les Bil­dungs­pa­ket – und das Selbst­ver­wal­tungs­recht der Kom­mu­nen

Dage­gen ent­spre­chen die in § 34 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 und Abs. 3 SGB XII gere­gel­ten Auf­ga­ben – Bedar­fe für mehr­tä­gi­ge Klas­sen­fahr­ten und Schul­be­darfs­pa­ket – inhalts­gleich bereits frü­her auf die Kom­mu­nen als ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe über­tra­ge­nen Auf­ga­ben und sind mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar.

  1. Art. 28 Abs. 2 GG wird durch das Durch­griffs­ver­bot des Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG näher aus­ge­stal­tet. Es unter­sagt dem Bund, den Kom­mu­nen neue Auf­ga­ben zu über­tra­gen.
  2. Ein Fall des Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG liegt vor, wenn ein Bun­des­ge­setz den Kom­mu­nen erst­mals eine bestimm­te Auf­ga­be zuweist oder eine damit funk­tio­nal äqui­va­len­te Erwei­te­rung einer bun­des­ge­setz­lich bereits zuge­wie­se­nen Auf­ga­be vor­nimmt.
  3. Eine Anpas­sung bun­des­ge­setz­lich bereits zuge­wie­se­ner Auf­ga­ben an ver­än­der­te öko­no­mi­sche und sozia­le Umstän­de ist nach Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG zuläs­sig.

Dies ent­schied das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt jetzt auf die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de meh­re­rer kreis­frei­er Städ­te aus Nord­rhein-West­fa­len, die sich mit der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen §§ 34 und 34a SGB XII in der Fas­sung von Art. 3 Nr. 12 des Geset­zes zur Ermitt­lung von Regel­be­dar­fen und zur Ände­rung des Zwei­ten und Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch vom 24.03.2011 [1] wen­den. Sie sehen in den ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten einen Ver­stoß gegen Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG, weil die­se die ihnen als ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe bereits zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben wesent­lich ver­än­dert, erwei­tert und um neue Auf­ga­ben ergänzt hät­ten.

  1. § 34 Absatz 1, Absatz 2 Satz 1 Num­mer 1 und Satz 2, Absatz 4 bis Absatz 7 und § 34a Sozi­al­ge­setz­buch Zwölf­tes Buch in der Fas­sung von Arti­kel 3 Num­mer 12 des Geset­zes zur Ermitt­lung von Regel­be­dar­fen und zur Ände­rung des Zwei­ten und Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch vom 24.03.2011 [2] sind in Ver­bin­dung mit § 3 Absatz 2 Satz 1 Sozi­al­ge­setz­buch Zwölf­tes Buch in der Fas­sung vom 27.12.2003 [3] mit Arti­kel 28 Absatz 2 Satz 1 und Satz 3 in Ver­bin­dung mit Arti­kel 84 Absatz 1 Satz 7 des Grund­ge­set­zes unver­ein­bar.
  2. Die Vor­schrif­ten sind bis zu einer Neu­re­ge­lung, spä­tes­tens bis zum 31.12.2021, wei­ter anwend­bar.
  3. Im Übri­gen wird die Ver­fas­sungs­be­schwer­de zurück­ge­wie­sen.

Das kom­mu­na­le Bil­dungs­pa­ket

§§ 34 und 34a SGB XII fin­den sich im Drit­ten Kapi­tel des Sozi­al­ge­setz­bu­ches XII („Hil­fe zum Lebens­un­ter­halt“). § 34 SGB XII bestimmt, für wel­che Bedar­fe Leis­tun­gen für Bil­dung und Teil­ha­be erbracht wer­den. § 34a SGB XII ent­hält Vor­ga­ben für die Gewäh­rung der Bedar­fe. In der ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Fas­sung (Gel­tungs­zeit­raum vom 01.01.2011 bis zum 31.07.2013) haben die Rege­lun­gen fol­gen­den Wort­laut:

§ 34 Bedar­fe für Bil­dung und Teil­ha­be

(1) Bedar­fe für Bil­dung nach den Absät­zen 2 bis 7 von Schü­le­rin­nen und Schü­lern, die eine all­ge­mein- oder berufs­bil­den­de Schu­le besu­chen, sowie Bedar­fe von Kin­dern und Jugend­li­chen für Teil­ha­be am sozia­len und kul­tu­rel­len Leben in der Gemein­schaft nach Absatz 6 wer­den neben den maß­ge­ben­den Regel­be­darfs­stu­fen geson­dert berück­sich­tigt. Leis­tun­gen hier­für wer­den nach den Maß­ga­ben des § 34a geson­dert erbracht.

(2) Bedar­fe wer­den bei Schü­le­rin­nen und Schü­lern in Höhe der tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen aner­kannt für

  1. Schul­aus­flü­ge und
  2. mehr­tä­gi­ge Klas­sen­fahr­ten im Rah­men der schul­recht­li­chen Bestim­mun­gen.

Für Kin­der, die eine Kin­der­ta­ges­ein­rich­tung besu­chen, gilt Satz 1 ent­spre­chend.

(3) Bedar­fe für die Aus­stat­tung mit per­sön­li­chem Schul­be­darf wer­den bei Schü­le­rin­nen und Schü­lern für den Monat, in dem der ers­te Schul­tag liegt, in Höhe von 70 Euro und für den Monat, in dem das zwei­te Schul­halb­jahr beginnt, in Höhe von 30 Euro aner­kannt.

(4) Für Schü­le­rin­nen und Schü­ler, die für den Besuch der nächst­ge­le­ge­nen Schu­le des gewähl­ten Bil­dungs­gangs auf Schü­ler­be­för­de­rung ange­wie­sen sind, wer­den die dafür erfor­der­li­chen tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen berück­sich­tigt, soweit sie nicht von Drit­ten über­nom­men wer­den und es der leis­tungs­be­rech­tig­ten Per­son nicht zuge­mu­tet wer­den kann, sie aus dem Regel­be­darf zu bestrei­ten.

(5) Für Schü­le­rin­nen und Schü­ler wird eine schu­li­sche Ange­bo­te ergän­zen­de ange­mes­se­ne Lern­för­de­rung berück­sich­tigt, soweit die­se geeig­net und zusätz­lich erfor­der­lich ist, um die nach den schul­recht­li­chen Bestim­mun­gen fest­ge­leg­ten wesent­li­chen Lern­zie­le zu errei­chen.

(6) Bei Teil­nah­me an einer gemein­schaft­li­chen Mit­tags­ver­pfle­gung wer­den die ent­ste­hen­den Mehr­auf­wen­dun­gen berück­sich­tigt für

  1. Schü­le­rin­nen und Schü­ler und
  2. Kin­der, die eine Tages­ein­rich­tung besu­chen oder für die Kin­der­ta­ges­pfle­ge geleis­tet wird.

Für Schü­le­rin­nen und Schü­ler gilt dies unter der Vor­aus­set­zung, dass die Mit­tags­ver­pfle­gung in schu­li­scher Ver­ant­wor­tung ange­bo­ten wird. In den Fäl­len des Sat­zes 2 ist für die Ermitt­lung des monat­li­chen Bedarfs die Anzahl der Schul­ta­ge in dem Land zugrun­de zu legen, in dem der Schul­be­such statt­fin­det.

(7) Für Leis­tungs­be­rech­tig­te bis zur Voll­endung des 18. Lebens-jah­res wird ein Bedarf zur Teil­ha­be am sozia­len und kul­tu­rel­len Leben in der Gemein­schaft in Höhe von ins­ge­samt 10 Euro monat­lich berück­sich­tigt für

  1. Mit­glieds­bei­trä­ge in den Berei­chen Sport, Spiel, Kul­tur und Gesel­lig­keit,
  2. Unter­richt in künst­le­ri­schen Fächern (zum Bei­spiel Musik­un­ter­richt) und ver­gleich­ba­re ange­lei­te­te Akti­vi­tä­ten der kul­tu­rel­len Bil­dung und
  3. die Teil­nah­me an Frei­zei­ten.

§ 34a Erbrin­gung der Leis­tun­gen für Bil­dung und Teil­ha­be 

(1) Leis­tun­gen zur Deckung der Bedar­fe nach § 34 Absatz 2 und 4 bis 7 wer­den auf Antrag erbracht. Einer nach­fra­gen­den Per­son wer­den, auch wenn kei­ne Regel­sät­ze zu gewäh­ren sind, für Bedar­fe nach § 34 Leis­tun­gen erbracht, wenn sie die­se nicht aus eige­nen Kräf­ten und Mit­teln voll­stän­dig decken kann. Die Leis­tun­gen zur Deckung der Bedar­fe nach § 34 Absatz 7 blei­ben bei der Erbrin­gung von Leis­tun­gen nach dem Sechs­ten Kapi­tel unbe­rück­sich­tigt.

(2) Leis­tun­gen zur Deckung der Bedar­fe nach § 34 Absatz 2 und 5 bis 7 wer­den erbracht durch Sach- und Dienst­leis­tun­gen, ins­be­son­de­re in Form von per­so­na­li­sier­ten Gut­schei­nen oder Direkt­zah­lun­gen an Anbie­ter von Leis­tun­gen zur Deckung die­ser Bedar­fe (Anbie­ter); die zustän­di­gen Trä­ger der Sozi­al­hil­fe bestim­men, in wel­cher Form sie die Leis­tun­gen erbrin­gen. Die Bedar­fe nach § 34 Absatz 3 und 4 wer­den jeweils durch Geld­leis­tun­gen gedeckt.

(3) Wer­den die Bedar­fe durch Gut­schei­ne gedeckt, gel­ten die Leis­tun­gen mit Aus­ga­be des jewei­li­gen Gut­scheins als erbracht. Die zustän­di­gen Trä­ger der Sozi­al­hil­fe gewähr­leis­ten, dass Gut­schei­ne bei geeig­ne­ten vor­han­de­nen Anbie­tern oder zur Wahr­neh­mung ihrer eige­nen Ange­bo­te ein­ge­löst wer­den kön­nen. Gut­schei­ne kön­nen für den gesam­ten Bewil­li­gungs­zeit­raum im Vor­aus aus­ge­ge­ben wer­den. Die Gül­tig­keit von Gut­schei­nen ist ange­mes­sen zu befris­ten. Im Fall des Ver­lus­tes soll ein Gut­schein erneut in dem Umfang aus­ge­stellt wer­den, in dem er noch nicht in Anspruch genom­men wur­de.

(4) Wer­den die Bedar­fe durch Direkt­zah­lun­gen an Anbie­ter gedeckt, gel­ten die Leis­tun­gen mit der Zah­lung als erbracht. Eine Direkt­zah­lung ist für den gesam­ten Bewil­li­gungs­zeit­raum im Vor­aus mög­lich.

(5) Im begrün­de­ten Ein­zel­fall kann der zustän­di­ge Trä­ger der Sozi­al­hil­fe einen Nach­weis über eine zweck­ent­spre­chen­de Ver­wen­dung der Leis­tung ver­lan­gen. Soweit der Nach­weis nicht geführt wird, soll die Bewil­li­gungs­ent­schei­dung wider­ru­fen wer­den.

Die Zustän­dig­keit der beschwer­de­füh­re­ren­den Städ­te als ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe für die Erfül­lung der auf­ge­führ­ten Auf­ga­ben ergibt sich aus §§ 3, 97 und 98 SGB XII. Die Vor­schrif­ten haben – soweit hier von Bedeu­tung – fol­gen­den Wort­laut:

§ 3 Trä­ger der Sozi­al­hil­fe

(1) Die Sozi­al­hil­fe wird von ört­li­chen und über­ört­li­chen Trä­gern geleis­tet.

(2) Ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe sind die kreis­frei­en Städ­te und die Krei­se, soweit nicht nach Lan­des­recht etwas ande­res bestimmt wird. Bei der Bestim­mung durch Lan­des­recht ist zu gewähr­leis­ten, dass die zukünf­ti­gen ört­li­chen Trä­ger mit der Über­tra­gung die­ser Auf­ga­ben ein­ver­stan­den sind, nach ihrer Leis­tungs­fä­hig­keit zur Erfül­lung der Auf­ga­ben nach die­sem Buch geeig­net sind und dass die Erfül­lung die­ser Auf­ga­ben in dem gesam­ten Kreis­ge­biet sicher­ge­stellt ist.

(3) Die Län­der bestim­men die über­ört­li­chen Trä­ger der Sozi­al­hil­fe.

§ 97 Sach­li­che Zustän­dig­keit 

(1) Für die Sozi­al­hil­fe sach­lich zustän­dig ist der ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe, soweit nicht der über­ört­li­che Trä­ger sach­lich zustän­dig ist.

(2) Die sach­li­che Zustän­dig­keit des über­ört­li­chen Trä­gers der Sozi­al­hil­fe wird nach Lan­des­recht bestimmt. Dabei soll berück­sich­tigt wer­den, dass so weit wie mög­lich für Leis­tun­gen im Sin­ne von § 8 Nr. 1 bis 6 jeweils eine ein­heit­li­che sach­li­che Zustän­dig­keit gege­ben ist.

(3) Soweit Lan­des­recht kei­ne Bestim­mung nach Absatz 2 Satz 1 ent­hält, ist der über­ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe für

  1. Leis­tun­gen der Ein­glie­de­rungs­hil­fe für behin­der­te Men­schen nach den §§ 53 bis 60,
  2. Leis­tun­gen der Hil­fe zur Pfle­ge nach den §§ 61 bis 66,
  3. Leis­tun­gen der Hil­fe zur Über­win­dung beson­de­rer sozia­ler Schwie­rig­kei­ten nach den §§ 67 bis 69,
  4. Leis­tun­gen der Blin­den­hil­fe nach § 72 sach­lich zustän­dig.

§ 98 Ört­li­che Zustän­dig­keit 

(1) Für die Sozi­al­hil­fe ört­lich zustän­dig ist der Trä­ger der Sozi­al­hil­fe, in des­sen Bereich sich die Leis­tungs­be­rech­tig­ten tat­säch­lich auf­hal­ten. Für Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung im Alter und bei Erwerbs­min­de­rung ist der Trä­ger der Sozi­al­hil­fe ört­lich zustän­dig, in des­sen Bereich der gewöhn­li­che Auf­ent­halts­ort des Leis­tungs­be­rech­tig­ten liegt. Die­se Zustän­dig­keit bleibt bis zur Been­di­gung der Leis­tung auch dann bestehen, wenn die Leis­tung außer­halb sei­nes Bereichs erbracht wird.

§ 3 Trä­ger der Sozi­al­hil­fe

(1) Die Sozi­al­hil­fe wird von ört­li­chen und über­ört­li­chen Trä­gern geleis­tet.

(2) Ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe sind die kreis­frei­en Städ­te und die Krei­se, soweit nicht nach Lan­des­recht etwas ande­res bestimmt wird. Bei der Bestim­mung durch Lan­des­recht ist zu gewähr­leis­ten, dass die zukünf­ti­gen ört­li­chen Trä­ger mit der Über­tra­gung die­ser Auf­ga­ben ein­ver­stan­den sind, nach ihrer Leis­tungs­fä­hig­keit zur Erfül­lung der Auf­ga­ben nach die­sem Buch geeig­net sind und dass die Erfül­lung die­ser Auf­ga­ben in dem gesam­ten Kreis­ge­biet sicher­ge­stellt ist.

(3) Die Län­der bestim­men die über­ört­li­chen Trä­ger der Sozi­al­hil­fe.

§ 97 Sach­li­che Zustän­dig­keit 

(1) Für die Sozi­al­hil­fe sach­lich zustän­dig ist der ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe, soweit nicht der über­ört­li­che Trä­ger sach­lich zustän­dig ist.

(2) Die sach­li­che Zustän­dig­keit des über­ört­li­chen Trä­gers der Sozi­al­hil­fe wird nach Lan­des­recht bestimmt. Dabei soll berück­sich­tigt wer­den, dass so weit wie mög­lich für Leis­tun­gen im Sin­ne von § 8 Nr. 1 bis 6 jeweils eine ein­heit­li­che sach­li­che Zustän­dig­keit gege­ben ist.

(3) Soweit Lan­des­recht kei­ne Bestim­mung nach Absatz 2 Satz 1 ent­hält, ist der über­ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe für

  1. Leis­tun­gen der Ein­glie­de­rungs­hil­fe für behin­der­te Men­schen nach den §§ 53 bis 60,
  2. Leis­tun­gen der Hil­fe zur Pfle­ge nach den §§ 61 bis 66,
  3. Leis­tun­gen der Hil­fe zur Über­win­dung beson­de­rer sozia­ler Schwie­rig­kei­ten nach den §§ 67 bis 69,
  4. Leis­tun­gen der Blin­den­hil­fe nach § 72 sach­lich zustän­dig.

§ 98 Ört­li­che Zustän­dig­keit

(1) Für die Sozi­al­hil­fe ört­lich zustän­dig ist der Trä­ger der Sozi­al­hil­fe, in des­sen Bereich sich die Leis­tungs­be­rech­tig­ten tat­säch­lich auf­hal­ten. Für Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung im Alter und bei Erwerbs­min­de­rung ist der Trä­ger der Sozi­al­hil­fe ört­lich zustän­dig, in des­sen Bereich der gewöhn­li­che Auf­ent­halts­ort des Leis­tungs­be­rech­tig­ten liegt. Die­se Zustän­dig­keit bleibt bis zur Been­di­gung der Leis­tung auch dann bestehen, wenn die Leis­tung außer­halb sei­nes Bereichs erbracht wird.

Mit Wir­kung zum 1.01.2020 (Gesetz zur Stär­kung der Teil­ha­be und Selbst­be­stim­mung von Men­schen mit Behin­de­run­gen vom 23.12.2016 – Bun­des­teil­ha­be­ge­setz [4]) wur­den § 97 Abs. 3 Nr. 1 SGB XII auf­ge­ho­ben, § 98 Abs. 5 SGB XII geän­dert und Absatz 6 ange­fügt. Mit dem Gesetz zur ziel­ge­nau­en Stär­kung von Fami­li­en und ihren Kin­dern durch die Neu­ge­stal­tung des Kin­der­zu­schlags und die Ver­bes­se­rung der Leis­tun­gen für Bil­dung und Teil­ha­be (Star­ke-Fami­li­en-Gesetz) vom 29.04.2019 wur­de – mit Wir­kung zum 1.08.2019 – § 98 Abs. 1a SGB XII ein­ge­fügt [5], der – in Abwei­chung zu Absatz 1 – die ört­li­che und sach­li­che Zustän­dig­keit des Sozi­al­hil­fe­trä­gers bei der Aus­zah­lung von Leis­tun­gen nach § 34 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1, § 34a Abs. 7 SGB XII regelt.

Die bun­des­recht­li­chen Rege­lun­gen wer­den durch das Lan­des­aus­füh­rungs­ge­setz zum Sozi­al­ge­setz­buch Zwölf­tes Buch für das Land Nord­rhein-West­fa­len [6] vom 16.12.2004 [7], zuletzt geän­dert durch Arti­kel 2 des Aus­füh­rungs­ge­set­zes des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len zur Umset­zung des Bun­des­teil­ha­be­ge­set­zes vom 21.07.2018 [8]. Des­sen § 1 hat­te bis zum 16.03.2013 fol­gen­den Wort­laut:

Die Krei­se und kreis­frei­en Städ­te als ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe (ört­li­che Trä­ger) und die Land­schafts­ver­bän­de als über­ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe (über­ört­li­che Trä­ger) füh­ren die Auf­ga­ben der Sozi­al­hil­fe als Selbst­ver­wal­tungs­an­ge­le­gen­heit durch.

Die in §§ 34 und 34a SGB XII gere­gel­ten Bedar­fe für Bil­dung und Teil­ha­be wur­den größ­ten­teils durch das Gesetz zur Ermitt­lung von Regel­be­dar­fen und zur Ände­rung des Zwei­ten und Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch vom 24.03.2011 rück­wir­kend zum 1.01.2011 in das Sozi­al­ge­setz­buch XII auf­ge­nom­men. Der Gesetz­ge­ber reagier­te damit auf das Hartz IV, Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 09.02.2010 [9]. Die­ses hat­te ihm unter ande­rem auf­ge­ge­ben, alle exis­tenz­not­wen­di­gen Auf­wen­dun­gen in einem trans­pa­ren­ten und sach­ge­rech­ten Ver­fah­ren nach dem tat­säch­li­chen Bedarf fol­ge­rich­tig und rea­li­täts­ge­recht zu bemes­sen [10], und die bis­he­ri­ge Ermitt­lung des Exis­tenz­mi­ni­mums eines Kin­des bis zur Voll­endung des 14. Lebens­jah­res als ver­fas­sungs­recht­lich nicht mehr ver­tret­bar ein­ge­stuft [11]. Nament­lich der beson­de­re kin­der- und alters­spe­zi­fi­sche Bedarf, der vor allem bei schul­pflich­ti­gen Kin­dern zu erwar­ten ist, war bei der Berech­nung des Exis­tenz­mi­ni­mums bis dahin nicht aus­rei­chend ermit­telt, son­dern ledig­lich von der Regel­leis­tung Allein­ste­hen­der abge­lei­tet wor­den. Auf­grund des frei­hän­dig und ohne empi­ri­sche oder metho­di­sche Fun­die­rung fest­ge­setz­ten Abschlags von 40 % der Regel­leis­tung für Allein­ste­hen­de waren ins­be­son­de­re die not­wen­di­gen Auf­wen­dun­gen für Schul­bü­cher, Schul­hef­te, Taschen­rech­ner und ande­res mehr unbe­rück­sich­tigt geblie­ben, die zum Bedarf eines schul­pflich­ti­gen Kin­des gehö­ren. Kin­der sei­en kei­ne klei­nen Erwach­se­nen, und der Bedarf zur Sicher­stel­lung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums sei an den kind­li­chen Ent­wick­lungs­pha­sen und dem für ihre Per­sön­lich­keits­ent­fal­tung Erfor­der­li­chen aus­zu­rich­ten [12].

Vor die­sem Hin­ter­grund woll­te der Gesetz­ge­ber mit der Aner­ken­nung der vor­lie­gend in Rede ste­hen­den Bedar­fe für Bil­dung und Teil­ha­be für Kin­der und Jugend­li­che aus beson­ders för­de­rungs­be­dürf­ti­gen Haus­hal­ten ein gleich­be­rech­tig­tes Maß an Teil­ha­be am Leben der Gesell­schaft gewähr­leis­ten und einen gleich­ar­ti­gen Zugang zu Bil­dung im schu­li­schen und außer­schu­li­schen Bereich ermög­li­chen. Auf die­se Wei­se soll­te das men­schen­wür­di­ge Exis­tenz­mi­ni­mum von Kin­dern und Jugend­li­chen sicher­ge­stellt wer­den [13].

Die wei­te­re Ent­wick­lung der Vor­schrif­ten zum kom­mu­na­len Bil­dungs­pa­ket

§§ 34 und 34a SGB XII wur­den seit Erhe­bung der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de mehr­fach geän­dert; die­se Ände­run­gen sind nicht Gegen­stand des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens.

Vor dem kom­mu­na­len Bil­dungs­pa­ket bestehen­de Rege­lun­gen

Bereits in dem durch Gesetz vom 27.12.2003 [14] auf­ge­ho­be­nen Bun­des­so­zi­al­hil­fe­ge­setz (BSHG) waren Bil­dungs- und Teil­ha­be­leis­tun­gen bezie­hungs­wei­se die Berück­sich­ti­gung beson­de­rer Bedar­fe von Kin­dern und Jugend­li­chen nor­miert. So ent­hielt § 21 Abs. 1a Nr. 3 BSHG eine Rege­lung über die Gewäh­rung ein­ma­li­ger Leis­tun­gen für die Beschaf­fung beson­de­rer Lern­mit­tel für Schü­le­rin­nen und Schü­ler. Dane­ben sah § 12 Abs. 2 BSHG in der bis zum 31.07.1996 gel­ten­den Fas­sung vor, dass bei Kin­dern und Jugend­li­chen der not­wen­di­ge Lebens­un­ter­halt auch den beson­de­ren, vor allem durch das Wachs­tum beding­ten Bedarf umfasst. Ab dem 1.08.1996 stell­te § 12 Abs. 2 BSHG in der Fas­sung des Geset­zes vom 23.07.1996 [15] auf den bei Kin­dern und Jugend­li­chen durch ihre Ent­wick­lung und ihr Her­an­wach­sen beding­ten Bedarf ab. Die­se For­mu­lie­rung fand sodann Ein­gang in § 27 Abs. 2 SGB XII in der Fas­sung des Geset­zes vom 27.12.2003 [16]. Danach umfasst der not­wen­di­ge Lebens­un­ter­halt bei Kin­dern und Jugend­li­chen auch deren beson­de­ren, ins­be­son­de­re durch ihre Ent­wick­lung und ihr Her­an­wach­sen beding­ten Bedarf. Die­ser wur­de vor dem Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 09.02.2010 [17] durch § 31 Abs. 1 Nr. 3 (Leis­tun­gen für mehr­tä­gi­ge Klas­sen­fahr­ten) und § 28a SGB XII in der bis zum 31.12.2010 gel­ten­den Fas­sung (Schul­be­darfs­pa­ket) kon­kre­ti­siert.

Die Zustän­dig­keit von Krei­sen und kreis­frei­en Städ­ten als ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe ergibt sich seit dem 1.01.2005 aus § 3 SGB XII. Die­ser wur­de durch das Gesetz vom 27.12.2003 [18] ein­ge­führt und hat die inhalts­glei­chen Rege­lun­gen in § 9, § 96 Abs. 1 Satz 1 BSHG abge­löst. Nach § 3 Abs. 1 SGB XII wer­den die Auf­ga­ben der Sozi­al­hil­fe von ört­li­chen und über­ört­li­chen Trä­gern erfüllt. Ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe sind nach § 3 Abs. 2 Satz 1 SGB XII die kreis­frei­en Städ­te und die Krei­se, soweit nicht das jewei­li­ge Lan­des­recht etwas ande­res bestimmt.

§ 97 SGB XII regelt die Abgren­zung der sach­li­chen Zustän­dig­keit von ört­li­chen und über­ört­li­chen Trä­gern der Sozi­al­hil­fe. Nach § 97 Abs. 2 Satz 1 SGB XII erfolgt die Bestim­mung der sach­li­chen Zustän­dig­keit des über­ört­li­chen Trä­gers nach Lan­des­recht; Rege­lun­gen hier­zu fin­den sich – mit Aus­nah­me von Ham­burg – in den Aus­füh­rungs­ge­set­zen der Län­der zum Sozi­al­ge­setz­buch XII.

§ 98 SGB XII betrifft die ört­li­che Zustän­dig­keit der Trä­ger der Sozi­al­hil­fe und ent­hält in Absatz 1a seit dem 1.08.2019 eine Spe­zi­al­re­ge­lung für die Fäl­le des § 34 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und § 34a Abs. 7 SGB XII.

Ver­wal­tungs­auf­fas­sun­gen zum kom­mu­na­len Bil­dungs­pa­ket

Der Deut­sche Bun­des­tag, der Bun­des­rat, das Bun­des­kanz­ler­amt, das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz und für Ver­brau­cher­schutz, das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern, für Bau und Hei­mat, das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les sowie sämt­li­che Lan­des­re­gie­run­gen und der Deut­sche Land­kreis­tag hat­ten Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me. Davon haben das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les, das Minis­te­ri­um für Arbeit, Gesund­heit und Sozia­les des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, und der Deut­sche Land­kreis­tag Gebrauch gemacht.

Die Stel­lung­nah­me des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Arbeit und Sozia­les

Nach Aus­kunft des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Arbeit und Sozia­les lie­gen kei­ne Daten zu dem zusätz­li­chen Auf­wand und den zusätz­li­chen Kos­ten der Kom­mu­nen auf­grund des Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­kets vor, sodass hier­zu qua­li­fi­zier­te Schät­zun­gen vor­ge­nom­men wor­den sei­en. Eine exak­te Ermitt­lung, in wel­chem Umfang die Stei­ge­rung der Net­to­aus­ga­ben für Leis­tun­gen der Hil­fe zum Lebens­un­ter­halt im Jahr 2011 gegen­über dem Jahr 2010 auf die Ein­füh­rung des Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­kets und nicht (auch) auf ande­re Ursa­chen zurück­ge­führt wer­den kön­ne, sei auf­grund der vor­lie­gen­den sta­tis­ti­schen Daten nicht mög­lich.

Auf der Grund­la­ge der erst­mals für das Jahr 2017 ver­füg­ba­ren Bil­dungs- und Teil­ha­be­sta­tis­tik sei eine Dar­stel­lung der Anzahl der nach dem Drit­ten Kapi­tel des Sozi­al­ge­setz­bu­ches XII leis­tungs­be­rech­tig­ten Per­so­nen mit Anspruch auf Leis­tun­gen nach dem Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­ket mög­lich: 98 % der Leis­tungs­be­rech­tig­ten, die Bil­dungs- und Teil­ha­be­leis­tun­gen in Anspruch näh­men, hät­ten das 18. Lebens­jahr noch nicht voll­endet. Im ers­ten Quar­tal des Jah­res 2018 hät­ten in Nord­rhein-West­fa­len 2.643 Per­so­nen Leis­tun­gen nach dem Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­ket erhal­ten und die dies­be­züg­li­chen Aus­ga­ben 286.240 Euro betra­gen. Davon sei­en die Kos­ten für mehr­tä­gi­ge Klas­sen­fahr­ten und/​oder per­sön­li­chen Schul­be­darf in Abzug zu brin­gen, da die­se Leis­tun­gen bereits vor Ein­füh­rung des Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­kets gesetz­lich vor­ge­se­hen gewe­sen sei­en (unter Bezug­nah­me auf § 31 Abs. 1 Nr. 3 und § 28a SGB XII a.F.).

Unter Berück­sich­ti­gung einer wegen unvoll­stän­di­ger Daten­über­mitt­lung mög­li­chen Unte­r­er­fas­sung der Leis­tungs­be­zie­her sowie der ent­spre­chen­den Kos­ten um 100 % könn­ten in Nord­rhein-West­fa­len etwa 3.000 bis 4.000 Schü­le­rin­nen und Schü­ler pro Jahr Bil­dungs- und Teil­ha­be­leis­tun­gen in Anspruch neh­men. Die Kos­ten hier­für (ohne Bedar­fe für mehr­tä­gi­ge Klas­sen­fahr­ten und per­sön­li­chen Schul­be­darf) könn­ten sich auf 1, 516 Mil­lio­nen Euro pro Jahr belau­fen; das ent­spre­che rund 3, 5 Pro­mil­le der gesam­ten Net­to­aus­ga­ben des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len für Leis­tun­gen der Hil­fe zum Lebens­un­ter­halt nach dem Drit­ten Kapi­tel des Sozi­al­ge­setz­bu­ches XII. Für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land könn­te sich die Zahl der Emp­fän­ger von Bil­dungs- und Teil­ha­be­leis­tun­gen auf etwa 16.000 bis 18.000 Per­so­nen im Jahr belau­fen. Die Kos­ten hier­für sum­mier­ten sich auf jähr­lich 6, 89 Mil­lio­nen Euro, was rund 4, 6 Pro­mil­le der gesam­ten Net­to­aus­ga­ben für Leis­tun­gen der Hil­fe zum Lebens­un­ter­halt nach dem Drit­ten Kapi­tel des Sozi­al­ge­setz­bu­ches XII ent­spre­che.

Die Stel­lung­nah­me des Minis­te­ri­ums für Arbeit, Gesund­heit und Sozia­les des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len

Nach Ansicht des Minis­te­ri­ums für Arbeit, Gesund­heit und Sozia­les des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len ver­än­dern die ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen die bestehen­den Auf­ga­ben der Kom­mu­nen als ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe nicht wesent­lich. Im Bereich des Sozi­al­ge­setz­bu­ches XII sei die Zahl poten­zi­el­ler Bezie­her und tat­säch­li­cher Emp­fän­ger von Bil­dungs- und Teil­ha­be­leis­tun­gen ver­gleichs­wei­se gering, sodass die kom­mu­na­len Trä­ger der Sozi­al­hil­fe hier­durch nicht über­mä­ßig belas­tet wür­den. Nach Anga­ben des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes hät­ten im August 2017 im Gel­tungs­be­reich des Drit­ten Kapi­tels des Sozi­al­ge­setz­bu­ches XII in Nord­rhein-West­fa­len 2.519 Per­so­nen Leis­tun­gen des Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­kets empfangen.02.200 von ihnen hät­ten den Schul­be­darf erhal­ten, der bereits vor der Ein­füh­rung der gegen­ständ­li­chen Vor­schrif­ten als geson­der­te Leis­tung habe bewil­ligt wer­den kön­nen (unter Bezug­nah­me auf § 28a SGB XII a.F.).

Der von den Kom­mu­nen beklag­te hohe admi­nis­tra­ti­ve Umset­zungs­auf­wand bezie­he sich auf die Leis­tungs­er­brin­gung nach dem Sozi­al­ge­setz­buch II. Sie könn­ten für die Gewäh­rung von Leis­tun­gen nach dem Sozi­al­ge­setz­buch XII zudem auf die auf­wen­di­gen Struk­tu­ren und Vor­dru­cke für das Sozi­al­ge­setz­buch II zurück­grei­fen. Hier­durch kön­ne der Ver­wal­tungs­auf­wand ver­rin­gert wer­den; es ergä­ben sich Syn­er­gie­ef­fek­te.

Die Stel­lung­nah­me des Deut­schen Land­kreis­ta­ges

Nach Auf­fas­sung des Deut­schen Land­kreis­ta­ges durf­ten die mit §§ 34 und 34a SGB XII neu geschaf­fe­nen (zusätz­li­chen) Auf­ga­ben wegen Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG den Kom­mu­nen nicht auf­er­legt wer­den. Das Durch­griffs­ver­bot schüt­ze die­se vor finan­zi­el­len Belas­tun­gen und die Län­der vor Ein­grif­fen in ihre Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit. Es oblie­ge daher den Län­dern, die zustän­di­gen Behör­den zu bestim­men und die not­wen­di­ge Finan­zie­rung der Kom­mu­nen sicher­zu­stel­len. Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG sei tat­be­stand­lich nur dann nicht ein­schlä­gig, wenn durch die bun­des­ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten weder die finan­zi­el­le Situa­ti­on der Kom­mu­nen ver­än­dert noch die Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit der Län­der berührt wer­de. Dies sei bei den streit­ge­gen­ständ­li­chen Rege­lun­gen jedoch nicht der Fall.

Zuläs­sik­geit der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de

Die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de ist zuläs­sig. Die Städ­te sind beschwer­de­be­fugt. Das Sub­si­dia­ri­täts­er­for­der­nis ist erfüllt. Die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de ist frist­ge­recht erho­ben wor­den. Schließ­lich ent­fal­tet der Beschluss vom 23.07.2014 [19] kei­ne ent­ge­gen­ste­hen­de Rechts­kraft.

Beschwer­de­be­fug­nis der Städ­te

Mit der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de (Art. 93 Abs. 1 Nr. 4b GG, § 91 Satz 1 BVerfGG) kann grund­sätz­lich allein die Ver­let­zung der Garan­tie kom­mu­na­ler Selbst­ver­wal­tung (Art. 28 Abs. 2 GG) gerügt wer­den [20]. Eine Beru­fung auf ande­re Bestim­mun­gen des Grund­ge­set­zes ist nur mög­lich, wenn die­se zumin­dest geeig­net sind, das ver­fas­sungs­recht­li­che Bild kom­mu­na­ler Selbst­ver­wal­tung mit­zu­be­stim­men [21].

Das ist mit Blick auf Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG der Fall. Durch ihn wird der Gewähr­leis­tungs­ge­halt von Art. 28 Abs. 2 Satz 1 und Satz 3 GG näher kon­kre­ti­siert. Die Städ­te haben die mög­li­che Ver­let­zung von Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­legt. Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG führt inso­weit zu kei­ner abwei­chen­den Beur­tei­lung. Die Städ­te sind von den ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen selbst, gegen­wär­tig und unmit­tel­bar betrof­fen.

Kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung – und der Gewähr­leis­tung­vor­be­halt

Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG garan­tiert den Gemein­den einen grund­sätz­lich alle Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft umfas­sen­den Auf­ga­ben­be­reich sowie die Befug­nis zur eigen­ver­ant­wort­li­chen Füh­rung der Geschäf­te in die­sem Bereich [22]. Er schützt die Kom­mu­nen grund­sätz­lich vor einer Ent­zie­hung von Auf­ga­ben der ört­li­chen Gemein­schaft [23]; sein Gewähr­leis­tungs­be­reich kann aber auch durch eine Zuwei­sung neu­er, mate­ri­ell staat­li­cher Auf­ga­ben beein­träch­tigt wer­den [24]. Art. 28 Abs. 2 Satz 1 und Satz 2 GG ver­bür­gen den Kom­mu­nen zudem Eigen­ver­ant­wort­lich­keit bei der Art und Wei­se der Auf­ga­ben­er­le­di­gung und der Orga­ni­sa­ti­on ihrer Ver­wal­tung ein­schließ­lich der Ent­schei­dun­gen über die Auf­stel­lung des Haus­halts sowie der Aus­wahl und der Ver­wen­dung ihres Per­so­nals [25]. In Art. 28 Abs. 2 Satz 3 und Art. 106 Abs. 5 bis Abs. 7 GG wird die Finanz­ho­heit als wei­te­re Dimen­si­on der Eigen­ver­ant­wort­lich­keit beson­ders her­vor­ge­ho­ben [26].

Im Zuge der Föde­ra­lis­mus­re­form I wur­de mit dem 52. Gesetz zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes vom 28.08.2006 [27]Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG in das Grund­ge­setz auf­ge­nom­men [28]. Danach dür­fen Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den durch Bun­des­ge­setz Auf­ga­ben nicht (mehr) über­tra­gen wer­den [29]. Eine Ver­let­zung des damit nor­mier­ten Durch­griffs­ver­bots kann mit der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de gerügt wer­den.

Zwar folgt die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de, selbst wenn sie aus­schließ­lich gegen Rechts­nor­men gerich­tet wer­den kann, nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht den Regeln der abs­trak­ten Nor­men­kon­trol­le. Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de kön­nen sich im Ver­fah­ren des­halb nur ein­ge­schränkt dar­auf beru­fen, dass eine gesetz­li­che Rege­lung jen­seits des Art. 28 Abs. 2 GG auch sons­ti­ges Ver­fas­sungs­recht ver­letzt. Zuläs­si­ger­wei­se kann jedoch gerügt wer­den, dass das ange­grif­fe­ne Gesetz unter Ver­stoß gegen die grund­ge­setz­li­che Ver­tei­lung der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­ten­zen zustan­de gekom­men ist, weil die Art. 70 ff. GG ihrem Inhalt nach geeig­net sind, das ver­fas­sungs­recht­li­che Bild der Selbst­ver­wal­tung mit­zu­be­stim­men [30]. Nach Art. 70 GG gehö­ren Gemein­de­an­ge­le­gen­hei­ten grund­sätz­lich zur Gesetz­ge­bungs­be­fug­nis der Län­der. Ein­grif­fe des Bun­des­ge­setz­ge­bers in das kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tungs­recht sind hier­nach grund­sätz­lich ver­bo­ten, soweit nicht die Ver­fas­sung selbst beson­de­re Kom­pe­tenz­nor­men bereit­hält, die den Bund auch zu einer Ein­schrän­kung der gemeind­li­chen Selbst­ver­wal­tung ermäch­ti­gen [31]. Das hat der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber durch den Erlass von Art. 84 Abs. 1 Satz 7 und Art. 85 Abs. 1 Satz 2 GG unter­stri­chen [32].

Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG dient nicht nur dem Schutz der Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit der Län­der [33], son­dern dane­ben vor allem der Stär­kung und der Absi­che­rung der kom­mu­na­len Finanz­ho­heit [34]. Er kon­kre­ti­siert und arron­diert den Garan­tie­ge­halt des Art. 28 Abs. 2 GG.

Das Schrift­tum geht daher nahe­zu ein­hel­lig davon aus, dass Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG nach Wort­laut, Ziel­set­zung und Ent­ste­hungs­ge­schich­te eine Schutz­rich­tung zuguns­ten der Kom­mu­nen auf­weist und sei­ne Ver­let­zung mit der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de gel­tend gemacht wer­den kann [35].

Mög­li­che Rechts­ver­let­zung

Die Städ­te haben sub­stan­ti­iert die Mög­lich­keit auf­ge­zeigt, dass §§ 34 und 34a SGB XII gegen Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG ver­sto­ßen und sie dadurch in ihrem Recht auf Selbst­ver­wal­tung aus Art. 28 Abs. 2 Satz 1 und Satz 3 GG ver­letzt sind (§ 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG).

Wann eine Auf­ga­ben­über­tra­gung nach Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG vor­liegt, ist bis­lang nicht geklärt. Offen ist ins­be­son­de­re, ob vom Wort­laut der Norm nur die unmit­tel­ba­re Über­tra­gung neu­er Auf­ga­ben vom Bund auf die Kom­mu­nen erfasst wird [36], ob zwi­schen einer unzu­läs­si­gen Über­tra­gung neu­er Auf­ga­ben und einer zuläs­si­gen quan­ti­ta­ti­ven Mehr­be­las­tung bei der Erfül­lung bestehen­der Auf­ga­ben zu dif­fe­ren­zie­ren ist [37] oder ob inso­weit bereits jede inhalt­li­che und kos­ten­träch­ti­ge Ände­rung und Erwei­te­rung einer bereits zuge­wie­se­nen Auf­ga­be genügt [38].

Die Städ­te haben nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt, dass §§ 34 und 34a SGB XII als neue Leis­tungs­tat­be­stän­de dem Durch­griffs­ver­bot unter­fal­len und dass die Erwei­te­rung des Krei­ses der Leis­tungs­be­rech­tig­ten ihnen als ört­li­chen Trä­gern der Sozi­al­hil­fe neue kos­ten­in­ten­si­ve Auf­ga­ben auf­er­legt hat, die nicht ledig­lich eine quan­ti­ta­ti­ve Mehr­be­las­tung dar­stel­len. Die ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen sei­en mehr als eine blo­ße Anpas­sung des gel­ten­den Leis­tungs­rechts an ver­än­der­te wirt­schaft­li­che und sozia­le Ver­hält­nis­se. Zudem lös­ten die Bewil­li­gung neu­er Leis­tun­gen nach dem Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­ket und die Koope­ra­tio­nen mit den Anbie­tern einen erheb­li­chen zusätz­li­chen (Verwaltungs-)Aufwand aus. Ins­ge­samt ergä­ben sich hier­durch quan­ti­ta­ti­ve und qua­li­ta­ti­ve Ände­run­gen ihres bis­he­ri­gen Auf­ga­ben­be­stan­des.

Somit ist eine Ver­let­zung von Art. 84 Abs. 1 Satz 7 in Ver­bin­dung mit Art. 28 Abs. 2 GG jeden­falls nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen. Hier­an ändern die nach Erhe­bung der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de vor­ge­nom­me­nen – nicht ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen – Ände­run­gen von §§ 34 und 34a SGB XII nichts, da sie den über­tra­ge­nen kom­mu­na­len Auf­ga­ben­be­stand im Wesent­li­chen unbe­rührt gelas­sen haben.

Die Über­gangs­vor­schrift des Art. 125a Abs. 1 S. 1 GG

Die­ser Befund wird durch die Über­gangs­vor­schrift des Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG nicht infra­ge gestellt. Zwar blei­ben danach bun­des­ge­setz­li­che Auf­ga­ben­über­tra­gun­gen, die vor dem 1.09.2006 vor­ge­nom­men wor­den sind, unbe­rührt [39]. Inso­weit gel­ten § 3 Abs. 2 Satz 1, § 97 Abs. 1 SGB XII als bun­des­ge­setz­li­che Auf­ga­ben­zu­wei­sung an kreis­freie Städ­te und Krei­se als ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe vor­be­halt­lich des Art. 125a Abs. 1 Satz 2 GG fort, weil die­se bereits vor die­sem Zeit­punkt erfolgt ist.

Unge­klärt ist aber, ob der Bund die de lege lata bestehen­den kom­mu­na­len Auf­ga­ben­zu­wei­sun­gen in die­sem Rah­men modi­fi­zie­ren und gege­be­nen­falls sogar neue Auf­ga­ben über­tra­gen kann. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die­se Fra­ge im Urteil zu den Hartz IV-Arbeits­ge­mein­schaf­ten aus­drück­lich offen­ge­las­sen [40]. Die Städ­te haben im Sin­ne von § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG hin­rei­chend sub­stan­ti­iert gel­tend gemacht, dass die ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten über die – im Ein­zel­nen strei­ti­gen – Gren­zen des Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG hin­aus­gin­gen und jeden­falls nicht mehr von einer etwai­gen Ände­rungs­kom­pe­tenz des Bun­des gedeckt sei­en.

Selbst­be­trof­fen­heit der Städ­te

Das – grund­sätz­lich auch im Rah­men der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de beacht­li­che [41] – Erfor­der­nis, durch die ange­grif­fe­ne Rege­lung selbst, gegen­wär­tig und unmit­tel­bar betrof­fen zu sein, ist eben­falls erfüllt. Als ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe gemäß § 3 Abs. 2 Satz 1 SGB XII müs­sen die Städ­te die in §§ 34 und 34a SGB XII gere­gel­ten Leis­tun­gen für Bil­dung und Teil­ha­be erbrin­gen und die dort nie­der­ge­leg­ten Ver­fah­rens­an­for­de­run­gen erfül­len. Eines wei­te­ren Aus­füh­rungs­akts bedarf es inso­weit nicht.

Sub­si­dia­ri­tät der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de

Die Zuläs­sig­keit der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de schei­tert nicht an deren Sub­si­dia­ri­tät (Art. 93 Abs. 1 Nr. 4b GG, § 91 BVerfGG). Als Aus­druck der den Län­dern zukom­men­den Ver­fas­sungs­au­to­no­mie [42] ist eine Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de zum Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nur zuläs­sig, wenn die betrof­fe­ne Kom­mu­ne dane­ben kei­ne Beschwer­de zum Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt erhe­ben kann. Eine sol­che Beschwer­de ist aus­ge­schlos­sen, soweit eine Ver­let­zung von Art. 28 Abs. 2 GG durch Bun­des­recht im Raum steht, weil die­ses von vorn­her­ein nicht am Maß­stab des Lan­des­ver­fas­sungs­rechts gemes­sen wer­den kann [43].

Die Städ­te rügen die Unver­ein­bar­keit bun­des­recht­li­cher Vor­schrif­ten mit Art. 84 Abs. 1 Satz 7 in Ver­bin­dung mit Art. 28 Abs. 2 Satz 1 und Satz 3 GG. Dafür ist eine Zustän­dig­keit des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs für das Land Nord­rhein-West­fa­len von vorn­her­ein nicht gege­ben (vgl. § 12 Nr. 8, § 52 Abs. 1 VGHG NW), sodass für die Anwen­dung des Sub­si­dia­ri­täts­grund­sat­zes kein Raum ist [44].

Beschwer­de­first für die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de

Die Städ­te haben die Frist des § 93 Abs. 3 BVerfGG gewahrt. Die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de ist inner­halb eines Jah­res nach Inkraft­tre­ten der ange­grif­fe­nen Norm ein­zu­le­gen [45]. Bei einem rück­wir­kend in Kraft tre­ten­den Gesetz beginnt die Frist mit des­sen Ver­kün­dung [46].

Das Gesetz zur Ermitt­lung von Regel­be­dar­fen und zur Ände­rung des Zwei­ten und Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch vom 24.03.2011 ist zwar rück­wir­kend zum 1.01.2011 in Kraft gesetzt, jedoch erst am 29.03.2011 im Bun­des­ge­setz­blatt ver­kün­det wor­den. Die am 27.03.2012 beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ein­ge­gan­ge­ne Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de wur­de somit frist­ge­recht erho­ben.

Der Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 23.07.2014

Der Beschluss vom 23.07.2014 [19] steht einer Über­prü­fung der §§ 34 und 34a SGB XII im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren nicht ent­ge­gen. Er ent­fal­tet ins­be­son­de­re kei­ne ent­ge­gen­ste­hen­de Rechts­kraft, weil er einen ande­ren Streit­ge­gen­stand betraf, zu dem §§ 34 und 34a SGB XII nicht gehör­ten. Sie fin­den im Beschluss kei­ne Erwäh­nung.

Das Recht auf kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung

Die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de ist im Wesent­li­chen begrün­det. Die ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen der §§ 34 und 34a SGB XII stel­len – mit Aus­nah­me von § 34 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 und Abs. 3 SGB XII – eine nach Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG unzu­läs­si­ge Auf­ga­ben­über­tra­gung dar und ver­let­zen die Städ­te in ihrem Recht auf Selbst­ver­wal­tung aus Art. 28 Abs. 2 Satz 1 und Satz 3 GG. Die Rege­lun­gen in § 34 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und Satz 2, Abs. 4 bis Abs. 7 sowie § 34a SGB XII haben für die Städ­te als ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe in erheb­li­chem Umfang neue Auf­ga­ben begrün­det. Dage­gen ent­spre­chen die in § 34 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 und Abs. 3 SGB XII gere­gel­ten Auf­ga­ben den inhalts­gleich bereits frü­her über­tra­ge­nen Auf­ga­ben und haben daher nach Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG Bestand.

Kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung- und das Durch­griffs­ver­bot

Art. 28 Abs. 2 GG ver­bürgt Krei­sen und Gemein­den das Recht auf Selbst­ver­wal­tung. Die­ses wird durch das Durch­griffs­ver­bot des Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG näher aus­ge­stal­tet, das dem Bund unter­sagt, den Kom­mu­nen neue Auf­ga­ben zu über­tra­gen. Eine Anpas­sung nach Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG bun­des­ge­setz­lich bereits zuge­wie­se­ner Ver­wal­tungs­auf­ga­ben an ver­än­der­te öko­no­mi­sche und sozia­le Umstän­de ist jedoch zuläs­sig. Ein Fall des Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG liegt vor, wenn ein Bun­des­ge­setz den Kom­mu­nen erst­mals eine bestimm­te (Verwaltungs-)Aufgabe zuweist oder eine damit funk­tio­nal äqui­va­len­te Erwei­te­rung einer bun­des­ge­setz­lich bereits zuge­wie­se­nen Auf­ga­be vor­nimmt.

Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG ent­hält ein ver­fas­sungs­recht­li­ches Auf­ga­ben­ver­tei­lungs­prin­zip hin­sicht­lich aller Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft zuguns­ten der Gemein­den und schützt die­se vor einer unge­recht­fer­tig­ten Ent­zie­hung ihrer Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­ben. Er gewähr­leis­tet die Eigen­ver­ant­wort­lich­keit der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung und unter­wirft die Auf­er­le­gung neu­er Auf­ga­ben einem Recht­fer­ti­gungs­er­for­der­nis.

Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG sta­tu­iert ein ver­fas­sungs­recht­li­ches Auf­ga­ben­ver­tei­lungs­prin­zip hin­sicht­lich aller Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft zuguns­ten der Gemein­den [47]. Der Ent­zug einer sol­chen Ange­le­gen­heit bedarf eines sach­li­chen Grun­des. Dar­über hin­aus muss er dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit Rech­nung tra­gen [48].

Hat der Gesetz­ge­ber Krei­sen und Gemein­den Auf­ga­ben zur eigen­ver­ant­wort­li­chen Wahr­neh­mung zuge­wie­sen, gewähr­leis­tet Art. 28 Abs. 2 GG das Recht, die zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben eigen­ver­ant­wort­lich zu erle­di­gen [49]. Dar­aus folgt eine Gebiets, Pla­nungs, Orga­ni­sa­ti­ons, Finanz- und Per­so­nal­ho­heit der Kom­mu­nen, deren effek­ti­ve Inan­spruch­nah­me der Staat im Inter­es­se einer funk­ti­ons­ge­rech­ten Auf­ga­ben­wahr­neh­mung garan­tie­ren muss [50].

Eine Rege­lung gemeind­li­cher Ange­le­gen­hei­ten in eige­ner Ver­ant­wor­tung ist ohne eine gewis­se Selbst­stän­dig­keit bei der Orga­ni­sa­ti­on der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung nicht vor­stell­bar [51]. Eine umfas­sen­de staat­li­che Steue­rung kom­mu­na­ler Orga­ni­sa­ti­on wider­sprä­che der Garan­tie kom­mu­na­ler Selbst­ver­wal­tung [52], sodass zu der von Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG garan­tier­ten Eigen­ver­ant­wort­lich­keit eine grund­sätz­li­che Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit gehört [53]. Sie gewähr­leis­tet den Gemein­den prin­zi­pi­ell das Recht, die Wahr­neh­mung der eige­nen Auf­ga­ben, Abläu­fe und Ent­schei­dungs­zu­stän­dig­kei­ten im Ein­zel­nen fest­zu­le­gen und damit über Gewich­tung, Qua­li­tät und Inhalt der Ent­schei­dun­gen zu befin­den. Die Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit ver­bie­tet somit staat­li­che Rege­lun­gen, die eine eigen­stän­di­ge orga­ni­sa­to­ri­sche Gestal­tungs­fä­hig­keit ersti­cken wür­den, und eröff­net den Kom­mu­nen unter ande­rem die Mög­lich­keit, für die Wahr­neh­mung ein­zel­ner Ver­wal­tungs­auf­ga­ben aus meh­re­ren vom Gesetz­ge­ber zur Ver­fü­gung gestell­ten Orga­ni­sa­ti­ons­for­men aus­zu­wäh­len [54].

Die Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit ist nach Art. 28 Abs. 2 GG zwar ledig­lich im Rah­men der Geset­ze gewähr­leis­tet. Bei ihrer Orga­ni­sa­ti­on sind Gemein­den oder Gemein­de­ver­bän­de an die Vor­ga­ben des Gesetz­ge­bers nicht nur gebun­den [55], viel­mehr gilt ihre Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit grund­sätz­lich allein nach Maß­ga­be der gesetz­li­chen Aus­ge­stal­tung. Um der ver­fas­sungs­recht­lich gefor­der­ten Eigen­ver­ant­wort­lich­keit gerecht zu wer­den, muss der Gesetz­ge­ber aller­dings der geschicht­li­chen Ent­wick­lung und den ver­schie­de­nen Erschei­nungs­for­men der Selbst­ver­wal­tung Rech­nung tra­gen [56] und den Kom­mu­nen bei der Aus­ge­stal­tung ihrer inter­nen Orga­ni­sa­ti­on eine hin­rei­chen­de (Mit-)Verantwortung für die orga­ni­sa­to­ri­sche Bewäl­ti­gung ihrer Auf­ga­ben belas­sen. Sei­ne Vor­ga­ben dür­fen die Gemein­den aus die­ser Ver­ant­wor­tung nicht ver­drän­gen. Den Gemein­den müs­sen nicht nur ins­ge­samt nen­nens­wer­te orga­ni­sa­to­ri­sche Befug­nis­se ver­blei­ben, es muss ihnen zudem ein hin­rei­chen­der orga­ni­sa­to­ri­scher Spiel­raum bei der Wahr­neh­mung ihrer Auf­ga­ben offen­ge­hal­ten wer­den. Unter­schie­de zwi­schen Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­ben und Auf­ga­ben des über­tra­ge­nen Wir­kungs­krei­ses mögen dabei eine Rol­le spie­len; in jedem Fall muss jedoch gewähr­leis­tet sein, dass die Gemein­den bei ihrer inne­ren Orga­ni­sa­ti­on indi­vi­du­ell auf die beson­de­ren Anfor­de­run­gen vor Ort durch eige­ne orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men reagie­ren kön­nen [57]. Der Kern der Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit darf nicht aus­ge­höhlt wer­den [58].

Zur Eigen­ver­ant­wort­lich­keit der Kom­mu­nen gehört auch ihre Finanz­ho­heit [26]. Die­se umfasst jeden­falls das Recht zu einer eigen­ver­ant­wort­li­chen Ein­nah­men- und Aus­ga­ben­wirt­schaft [59]. Der effek­ti­ve Gewähr­leis­tungs­be­reich kom­mu­na­ler Selbst­ver­wal­tung im All­ge­mei­nen und der Finanz­ho­heit im Beson­de­ren ist in unver­hält­nis­mä­ßi­ger Wei­se ein­ge­schränkt, wenn die Kom­mu­nen ihre eige­nen Auf­ga­ben nicht mehr wahr­neh­men und man­gels finan­zi­el­len Spiel­raums Prio­ri­täts­ent­schei­dun­gen bezüg­lich der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung nicht mehr tref­fen kön­nen.

Vor die­sem Hin­ter­grund gewähr­leis­tet Art. 28 Abs. 2 Satz 3 GG die Grund­la­gen finan­zi­el­ler Eigen­ver­ant­wor­tung. Zwar ist hier noch man­ches unge­klärt, etwa ob Art. 28 Abs. 2 Satz 3 GG den sach­li­chen Gewähr­leis­tungs­be­reich von Art. 28 Abs. 2 Satz 1 und Satz 2 GG erwei­tert oder zumin­dest mate­ri­ell-recht­lich ver­stärkt und ob eine ange­mes­se­ne Finanz­aus­stat­tung oder jeden­falls eine finan­zi­el­le Min­dest­aus­stat­tung Teil der kom­mu­na­len Finanz­ho­heit ist [60]. Das kann hier jedoch dahin­ste­hen, weil sich Art. 28 Abs. 2 Satz 3 GG zumin­dest ent­neh­men lässt, dass zwi­schen der Zuwei­sung von Auf­ga­ben und der Zuwei­sung von Finanz­mit­teln ein Kon­nex besteht. Inso­weit liegt ihm die Vor­stel­lung einer auf­ga­ben­ge­rech­ten kom­mu­na­len Finanz­aus­stat­tung zugrun­de [61].

Der Zusam­men­hang von Auf­ga­ben­wahr­neh­mung und Finanz­aus­stat­tung der Kom­mu­nen wird noch kla­rer, wenn die Recht­spre­chung der Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te zu den mit Art. 28 Abs. 2 GG weit­ge­hend über­ein­stim­men­den lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen Garan­tien kom­mu­na­ler Selbst­ver­wal­tung in den Blick genom­men wird. Die­se ver­bür­gen größ­ten­teils einen Anspruch auf finan­zi­el­le Min­dest­aus­stat­tung, der zum nicht wei­ter beschränk­ba­ren Kern kom­mu­na­ler Selbst­ver­wal­tung gerech­net wird, wäh­rend die dar­über hin­aus­ge­hen­den Vor­ga­ben der Lan­des­ver­fas­sun­gen zur ange­mes­se­nen Finanz­aus­stat­tung der Kom­mu­nen und dem Grund­satz der Kon­ne­xi­tät durch­aus diver­gie­ren [62]. Über­wie­gend wird jeden­falls ange­nom­men, dass für die Wahr­neh­mung frei­wil­li­ger Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­ben eine soge­nann­te freie Spit­ze ver­blei­ben muss, soll die Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung nicht aus­ge­höhlt wer­den [63]. Dadurch soll sicher­ge­stellt wer­den, dass die Kom­mu­nen zusätz­li­che frei­wil­li­ge Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­ben in einem beschei­de­nen, aber doch merk­li­chen Umfang wahr­neh­men kön­nen [64].

Zu der durch Art. 28 Abs. 2 GG geschütz­ten Eigen­ver­ant­wort­lich­keit der Kom­mu­nen gehört dane­ben ihre Per­so­nal­ho­heit [65], das heißt die Befug­nis, die Gemein­de­be­am­ten und sons­ti­gen Beschäf­tig­ten aus­zu­wäh­len, anzu­stel­len, zu beför­dern und zu ent­las­sen [66]. Für die Aus­ge­stal­tung durch den Gesetz­ge­ber und ihre Beschränk­bar­keit unter Beach­tung des Grund­sat­zes der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit gilt das zur Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit Aus­ge­führ­te ent­spre­chend.

Schließ­lich schützt Art. 28 Abs. 2 GG die Kom­mu­nen nicht nur vor einer (unver­hält­nis­mä­ßi­gen) Ent­zie­hung von Auf­ga­ben, son­dern gleich­falls vor einer ent­spre­chen­den Auf­ga­ben­zu­wei­sung [67]. Die Kom­mu­nen müs­sen die Erle­di­gung neu zuge­wie­se­ner Auf­ga­ben inner­halb ihrer Ver­wal­tung orga­ni­sie­ren und hier­für die not­wen­di­gen finan­zi­el­len und per­so­nel­len Res­sour­cen bereit­stel­len. Das kann mit der Gefahr ein­her­ge­hen, dass für die Wahr­neh­mung frei­wil­li­ger Auf­ga­ben Res­sour­cen nicht mehr in aus­rei­chen­dem Umfang zur Ver­fü­gung ste­hen [68]. Ten­den­zi­ell ist die Zuwei­sung einer neu­en Auf­ga­be an die Kom­mu­nen daher geeig­net, die Über­nah­me, die Bei­be­hal­tung und den Aus­bau bestehen­der frei­wil­li­ger Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­ben zu erschwe­ren oder gar zu ver­hin­dern [69].

Art. 28 Abs. 2 GG wird durch das Durch­griffs­ver­bot des Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG näher aus­ge­stal­tet, das dem Bund grund­sätz­lich unter­sagt, Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den neue Auf­ga­ben zu über­tra­gen. Wort­laut, , Sys­te­ma­tik, Ziel­set­zung und Ent­ste­hungs­ge­schich­te gebie­ten dabei eine wei­te Aus­le­gung der Norm.

Der Begriff der Auf­ga­be in Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG ist bereits nach sei­nem Wort­laut weit zu ver­ste­hen [70]. Ange­lehnt an Art. 30 GG erfasst er alle sach­li­chen Berei­che des Ver­wal­tungs­han­delns und gilt glei­cher­ma­ßen für hoheit­li­che, schlicht-hoheit­li­che oder pri­vat­recht­li­che Tätig­kei­ten [71] zur Erfül­lung (verfassungs-)rechtlich oder poli­tisch defi­nier­ter Gemein­wohl­zie­le, die nicht zwin­gend durch den Staat selbst wahr­zu­neh­men sind [72].

Sys­te­ma­ti­sche Über­le­gun­gen erhär­ten die­sen Befund. Das Durch­griffs­ver­bot des Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG fin­det sich im VIII. Abschnitt des Grund­ge­set­zes, der der Aus­füh­rung der Bun­des­ge­set­ze und der Bun­des­ver­wal­tung gewid­met ist. Bezugs­punkt der Art. 83 ff. GG sind die in den Bun­des­ge­set­zen gere­gel­ten Sach­kom­pe­ten­zen sowie die Ver­tei­lung der Sach- und der Wahr­neh­mungs­kom­pe­tenz [73]. Die Rege­lun­gen knüp­fen an die Exis­tenz mate­ri­el­len Bun­des­rechts an [74] und damit an die Ver­tei­lung der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­ten­zen in den Art. 70 ff. GG.

Das Durch­griffs­ver­bot steht in Zusam­men­hang mit der dem Bund in Art. 84 Abs. 1 Satz 2 GG eröff­ne­ten Mög­lich­keit, beim lan­des­ei­ge­nen Voll­zug der Bun­des­ge­set­ze abwei­chend vom Regel­fall auch die Ein­rich­tung der Behör­den und das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren zu regeln. Dies war zunächst an eine Zustim­mung des Bun­des­ra­tes gebun­den; die­se Rege­lung ist 2006 mit der Föde­ra­lis­mus­re­form I durch eine dif­fe­ren­zier­te Rege­lung ersetzt wor­den, die den Län­dern mit Blick auf die Ein­rich­tung der Behör­den Abwei­chungs­rech­te ein­räumt und den Bund im Gegen­zug ermäch­tigt, eine der­ar­ti­ge Abwei­chung bei der Rege­lung des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens mit Zustim­mung des Bun­des­ra­tes aus­zu­schlie­ßen. Aus­ge­schlos­sen ist aus­weis­lich von Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG jedoch eine bun­des­recht­li­che Rege­lung über die Ein­rich­tung der Behör­den, die den Kom­mu­nen die Erle­di­gung einer Ver­wal­tungs­auf­ga­be auf­gibt [75].

Soweit sei­ne Gesetz­ge­bungs­be­fug­nis­se nach Art. 70 ff. GG rei­chen, kann der Bund auch wei­ter­hin Auf­ga­ben regeln, deren Durch­füh­rung aus ande­ren Grün­den in ver­fas­sungs­kon­for­mer Wei­se den Kom­mu­nen obliegt, und zwar selbst dann, wenn es sich mate­ri­ell um Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft im Sin­ne von Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG han­delt [76]. In die­sem Rah­men kann er bestehen­de Rege­lun­gen ohne Wei­te­res ändern, erwei­tern, ver­bes­sern oder kon­zep­tio­nell neu aus­rich­ten [77], selbst wenn damit Mehr­be­las­tun­gen für die Kom­mu­nen ver­bun­den sein soll­ten [78]. Bei der Aus­le­gung der Sach­ge­setz­ge­bungs­kom­pe­ten­zen ist das Durch­griffs­ver­bot ohne Belang.

Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG ver­wehrt es dem Bund, von der Grund­re­gel des Art. 84 Abs. 1 Satz 1 GG abzu­wei­chen, die von einem prin­zi­pi­el­len Aus­ein­an­der­fal­len von Sach­ge­setz­ge­bungs- und Orga­ni­sa­ti­ons­kom­pe­tenz beim lan­des­ei­ge­nen Voll­zug der Bun­des­ge­set­ze aus­geht. Er schreibt die­se Kon­zep­ti­on mit Blick auf die Kom­mu­nen punk­tu­ell fest und begrenzt somit die sonst im poli­ti­schen Ermes­sen ste­hen­de Kom­pe­tenz des Bun­des zum Ein­griff in die Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit der Län­der [79].

Teleo­lo­gi­sche Gesichts­punk­te legen eben­falls ein wei­tes Ver­ständ­nis des Durch­griffs­ver­bots nahe.

Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG dient zum einen der Siche­rung der Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit der Län­der [80] und trägt damit der Zwei­stu­fig­keit des Staats­auf­baus in Deutsch­land (vgl. Art. 106 Abs. 9 GG) Rech­nung.

Zum ande­ren bezweckt das Durch­griffs­ver­bot aber vor allem, dass den Kom­mu­nen Auf­ga­ben nicht ohne Sicher­stel­lung einer adäqua­ten Kos­ten­er­stat­tung über­tra­gen wer­den [81], und dient damit dem Schutz kom­mu­na­ler Finanz­ho­heit [82]. Indem Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG es dem Bund unter­sagt, den Kom­mu­nen Auf­ga­ben zuzu­wei­sen, ent­las­tet er die Kom­mu­nen zugleich von Kos­ten, zu deren Finan­zie­rung weder der Bund noch das Land ver­pflich­tet wären [83]. Erfolgt die Auf­ga­ben­zu­wei­sung hin­ge­gen durch den Lan­des­ge­setz­ge­ber, grei­fen die lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen Kon­ne­xi­täts­re­ge­lun­gen [84]. Der Sache nach sichert Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG damit die Anwend­bar­keit der lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen Kon­ne­xi­täts­re­ge­lun­gen auch bei der Voll­zie­hung von Bun­des­ge­set­zen durch die Kom­mu­nen [85] und schützt auf die­se Wei­se zugleich die Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie des Art. 28 Abs. 2 GG schlecht­hin [86].

Bei­de Ziel­set­zun­gen spre­chen gegen eine enge Aus­le­gung des Begriffs der Auf­ga­ben­über­tra­gung in Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG. Ihn auf die Erbrin­gung von Geld­leis­tun­gen oder geld­wer­ten Sach­leis­tun­gen gegen­über Drit­ten zu beschrän­ken, wie teil­wei­se im Schrift­tum vor­ge­schla­gen [87], blen­de­te die Ein­grif­fe in die Orga­ni­sa­ti­ons, Finanz- und Per­so­nal­ho­heit aus, die von Auf­ga­ben aus­ge­löst wer­den, die ande­re Leis­tun­gen zum Gegen­stand haben oder kei­ne Außen­wir­kung besit­zen [88]. Der Ziel­set­zung von Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG wird man nur gerecht, wenn man dar­un­ter alle bun­des­ge­setz­li­chen Rege­lun­gen fasst, die den Bestand an kom­mu­na­len Auf­ga­ben erwei­tern oder die Art und Wei­se ihrer eigen­ver­ant­wort­li­chen Erle­di­gung beein­flus­sen [89].

Die Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en bestä­ti­gen die­ses Ergeb­nis. Der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber woll­te ein­ge­denk der Zwei­stu­fig­keit des Staats­auf­baus in Deutsch­land und der Zuord­nung der Kom­mu­nen zu den Län­dern (Art. 106 Abs. 9 GG), dass aus­schließ­lich die Län­der Adres­sa­ten von Auf­ga­ben­über­tra­gun­gen durch den Bund sind (Art. 84 Abs. 1 Satz 1 GG) und eine Auf­ga­ben­über­tra­gung auf die Kom­mu­nen nur noch durch Lan­des­recht erfolgt, wofür das jewei­li­ge Lan­des­ver­fas­sungs­recht maß­geb­lich ist [90]. Da die­ses in allen Flä­chen­län­dern Kon­ne­xi­täts­re­ge­lun­gen kennt, die das Land – wenn auch in unter­schied­li­chem Umfang – zu einem Mehr­be­las­tungs­aus­gleich ver­pflich­ten [91], wur­de in der aus­schließ­li­chen Zustän­dig­keit der Län­der zur Auf­ga­ben­über­tra­gung auf die Kom­mu­nen zugleich ein Schutz vor der in der Ver­gan­gen­heit häu­fig kri­ti­sier­ten Über­tra­gung kos­ten­in­ten­si­ver Auf­ga­ben durch den Bund gese­hen [92].

Art. 84 Abs. 1 GG a.F. betraf aus­schließ­lich das Rechts­ver­hält­nis von Bund und Län­dern. Das dort nor­mier­te Zustim­mungs­er­for­der­nis des Bun­des­ra­tes zu Bun­des­ge­set­zen, die die Ein­rich­tung der (Landes-)Behörden und das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren regel­ten, soll­te die Län­der vor unge­hemm­ten Über­grif­fen des Bun­des in ihre Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit schüt­zen [93]. Die Kom­mu­nen hat­ten die Vor­schrift nicht im Blick [94]. Unter die Ein­rich­tung der Behör­den fiel in die­sem Zusam­men­hang auch die Zuwei­sung von Auf­ga­ben an die Gemein­den [95]. Obwohl Art. 84 Abs. 1 GG a.F. dem Bun­des­ge­setz­ge­ber inso­weit ledig­lich punk­tu­el­le und für den Voll­zug not­wen­di­ge Annex­re­ge­lun­gen gestat­te­te [96], ent­hielt er jeden­falls kein Ver­bot einer Auf­ga­ben­zu­wei­sung an die kom­mu­na­le Ebe­ne [97].

In der Staats­pra­xis ent­wi­ckel­te sich die eigent­lich als Aus­nah­me­fall kon­zi­pier­te Befug­nis des Bun­des zur Rege­lung der Ein­rich­tung der Behör­den und des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens nach Art. 84 Abs. 1 GG a.F. rasch zum Regel­fall. Das betraf auch die Kom­mu­nen [98]. Dadurch ergab sich für die­se eine pre­kä­re Situa­ti­on [99], weil nach dem Kon­ne­xi­täts­ge­bot des Art. 104a Abs. 1 GG die Finan­zie­rungs­last der Voll­zugs­zu­stän­dig­keit folgt [100], sodass eine bun­des­ge­setz­li­che Auf­ga­ben­zu­wei­sung nach Art. 84 Abs. 1 GG die Finan­zie­rungs­ver­ant­wort­lich­kei­ten nicht berührt [101]. Das gilt eben­so für die Kom­mu­nen, die aus­weis­lich des Art. 106 Abs. 9 GG jeden­falls im Rah­men der Finanz­ver­fas­sung durch die Län­der media­ti­siert wer­den. Damit konn­te der Bund den Kom­mu­nen grund­sätz­lich Auf­ga­ben auf­er­le­gen, ohne für eine ent­spre­chen­de Finan­zie­rung sor­gen zu müs­sen. Von einer mit­tel­ba­ren Berück­sich­ti­gung im Rah­men des Deckungs­quo­ten­ver­fah­rens (Art. 106 Abs. 4 GG) oder des Bund-Län­der-Finanz­aus­gleichs (Art. 107 GG) sowie Son­der­kon­stel­la­tio­nen (Art. 106 Abs. 8 GG) abge­se­hen, sieht das Grund­ge­setz eine Erstat­tung bun­des­ge­setz­lich ver­an­lass­ter Kos­ten bei den Kom­mu­nen nicht vor [102]. Eine Ände­rung des Kon­ne­xi­täts­ge­bo­tes in Art. 104a Abs. 1 GG ist zwar immer wie­der gefor­dert wor­den [103], ohne dass dies aber Erfolg gehabt hät­te.

Die lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen Kon­ne­xi­täts­ge­bo­te erfas­sen die­se Kon­stel­la­tio­nen nicht. Sie kom­men regel­mä­ßig nur zur Anwen­dung, wenn das Land – und nicht der Bund – den Kom­mu­nen Auf­ga­ben über­trägt [104].

Dem­nach soll­te das Durch­griffs­ver­bot des Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG einer­seits zur Ent­flech­tung der Zustän­dig­kei­ten von Bund, Län­dern und Kom­mu­nen bei­tra­gen und die Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit der Län­der stär­ken [105], ande­rer­seits aber die als miss­lich emp­fun­de­ne finanz­ver­fas­sungs­recht­li­che Stel­lung der Kom­mu­nen ver­bes­sern [106]. Dabei ging es weni­ger um eine Redu­zie­rung des kom­mu­na­len Auf­ga­ben­be­stan­des denn um die finanz­ver­fas­sungs­recht­li­che Absi­che­rung von Krei­sen und Gemein­den [107]. In der Föde­ra­lis­mus­kom­mis­si­on bestand daher früh­zei­tig Ein­ver­neh­men dar­über, dass – da eine Ände­rung des Kon­ne­xi­täts­ge­bo­tes von Art. 104a Abs. 1 GG unrea­lis­tisch erschien – zumin­dest der bun­des­ge­setz­li­che Durch­griff auf die Kom­mu­nen aus­ge­schlos­sen wer­den soll­te [108]. Im Hin­blick dar­auf fin­det sich bereits im Vor­schlag der Vor­sit­zen­den der Kom­mis­si­on vom 13.12.2004 die For­mu­lie­rung, die spä­ter in Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG Ein­gang fin­den soll­te [109].

Eine Zuwei­sung von Auf­ga­ben an die Kom­mu­nen soll­te somit nur noch durch die Län­der erfol­gen und hier­für soll­ten die lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen Kon­ne­xi­täts­ge­bo­te gel­ten. Auf die­se Wei­se soll­te sicher­ge­stellt wer­den, dass die Kom­mu­nen eine ange­mes­se­ne Erstat­tung des mit einer Auf­ga­ben­über­tra­gung ver­bun­de­nen finan­zi­el­len Mehr­be­darfs erhal­ten [110].

Dass die Kom­mu­nen auch für bereits durch Bun­des­ge­setz über­tra­ge­ne Auf­ga­ben nach­träg­lich einen finan­zi­el­len Aus­gleich erhal­ten soll­ten, stand dage­gen nie zur Debat­te. Es ging dar­um, ihren finanz­ver­fas­sungs­recht­li­chen Sta­tus quo nicht wei­ter zu ver­schlech­tern. Eine mit­tel­ba­re Siche­rung ergibt sich inso­weit allein aus Art. 104a Abs. 4 GG. Danach bedarf eine bun­des­ge­setz­li­che Rege­lung von Geld­leis­tun­gen, geld­wer­ten Sach­leis­tun­gen oder ver­gleich­ba­ren Dienst­leis­tun­gen gegen­über Drit­ten der Zustim­mung des Bun­des­ra­tes [111].

Nach alle­dem gebie­ten Wort­laut, Sys­te­ma­tik, Ziel­set­zung und Ent­ste­hungs­ge­schich­te, das Durch­griffs­ver­bot des Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG weit aus­zu­le­gen. Für eine wei­te Aus­le­gung spricht zudem das Gebot, Ver­fas­sungs­nor­men so zu inter­pre­tie­ren, dass sie ihre Wirk­kraft mög­lichst ent­fal­ten [112]. Dabei erfasst das Durch­griffs­ver­bot allein die bun­des­ge­setz­li­che Zuwei­sung von Ver­wal­tungs­auf­ga­ben an die Kom­mu­nen, nicht jedoch mate­ri­el­le Ände­run­gen des Fach­rechts. Die­se rich­ten sich wei­ter­hin nach den Art. 70 ff. GG.

Einer teleo­lo­gi­schen Reduk­ti­on der Vor­schrift, wie sie auch im Schrift­tum mit unter­schied­li­chen Nuan­cen ver­tre­ten wird [113], bedarf es nicht. So fin­det eine Beschrän­kung auf Auf­ga­ben mit erheb­li­chen Kos­ten­fol­gen [114] schon im Wort­laut der Vor­schrift kei­ne Stüt­ze und wäre zudem mit sub­stan­ti­el­len Abgren­zungs­schwie­rig­kei­ten und einer ent­spre­chen­den Rechts­un­si­cher­heit ver­bun­den. Einer Anwen­dung von Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG nach Maß­ga­be der lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen Kon­ne­xi­täts­ge­bo­te steht der Vor­rang des Grund­ge­set­zes (Art.20 Abs. 3 GG) ent­ge­gen [115].

Eine Schran­ke fin­det das Durch­griffs­ver­bot in der Über­gangs­re­ge­lung des Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG. Danach gilt Recht, das als Bun­des­recht erlas­sen wor­den ist, aber wegen Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG nicht mehr wirk­sam erlas­sen wer­den könn­te, als Bun­des­recht fort. Was der Bund auf der Grund­la­ge von Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG regeln darf, stellt eine zuläs­si­ge Anpas­sung des kom­mu­na­len Auf­ga­ben­be­stan­des dar; was dar­über hin­aus­geht, ver­stößt gegen Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG.

Die Vor­schrift dient der Rechts­si­cher­heit, der Ver­mei­dung eines Rege­lungs­va­ku­ums [116] und soll einer Ver­stei­ne­rung des Bun­des­rechts ent­ge­gen­wir­ken. In der Begrün­dung zu Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG fin­det sich die Unter­schei­dung zwi­schen einer unzu­läs­si­gen Über­tra­gung neu­er und einer zuläs­si­gen Erwei­te­rung bestehen­der Auf­ga­ben [117], sodass nicht jede Ver­än­de­rung einer bun­des­ge­setz­lich bereits über­tra­ge­nen Auf­ga­be dem Durch­griffs­ver­bot unter­fällt. For­de­run­gen, eine bun­des­ge­setz­li­che Erwei­te­rung bereits über­tra­ge­ner Auf­ga­ben im Geset­zes­text oder zumin­dest in der Begrün­dung aus­zu­schlie­ßen [118], konn­ten sich nicht durch­set­zen [119]. In die­sem Fall hät­te der Bund sein Fach­recht nur noch ändern kön­nen, wenn er zudem die Zustän­dig­keits­zu­wei­sun­gen an die Kom­mu­nen auf­ge­ho­ben hät­te [120], was das Risi­ko einer Ver­stei­ne­rung des Bun­des­rechts begrün­det hät­te [121].

Als Über­gangs- und Aus­nah­me­re­ge­lung ist Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG eng aus­zu­le­gen [122]. Zwar hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem Urteil vom 20.12.2007 zu den Arbeits­ge­mein­schaf­ten nach dem SGB II offen­ge­las­sen, ob und in wel­chem Umfang der Bund Auf­ga­ben­zu­wei­sun­gen an die Kom­mu­nen modi­fi­zie­ren oder sogar neue Auf­ga­ben über­tra­gen kann [40]. Das Schrift­tum spricht sich aller­dings zu Recht über­wie­gend für eine ein­ge­schränk­te Ände­rungs­kom­pe­tenz des Bun­des auf der Grund­la­ge von Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG aus [123].

Auf der Grund­la­ge von Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG kann der Bund Ände­run­gen an bun­des­ge­setz­lich den Kom­mu­nen zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben vor­neh­men, sofern damit kei­ne mate­ri­ell-recht­li­chen Erwei­te­run­gen ver­bun­den sind, die den Auf­ga­ben eine ande­re Bedeu­tung und Trag­wei­te ver­lei­hen und zu einer ent­spre­chend stär­ke­ren Beein­träch­ti­gung der kom­mu­na­len Eigen­ver­ant­wor­tung füh­ren [124].

Die Über­gangs­re­ge­lung des Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG ermäch­tigt den Bund jeden­falls zur Auf­he­bung bestehen­der Rege­lun­gen [125], zur Berich­ti­gung des Fach­rechts, klei­ne­ren Anpas­sun­gen, Aktua­li­sie­run­gen oder zur Ver­län­ge­rung der Gel­tungs­dau­er einer Rege­lung. Der­ar­ti­ge Abrun­dun­gen einer bereits zuge­wie­se­nen Auf­ga­be stel­len die wesent­li­chen Inhal­te und Struk­tu­ren der bis­he­ri­gen bun­des­recht­li­chen Rege­lung nicht infra­ge. Eine grund­le­gen­de Neu­kon­zep­ti­on oder Umge­stal­tung der Mate­rie unter Bei­be­hal­tung der Auf­ga­ben­zu­wei­sung an die Kom­mu­nen ist dem Bund auf die­ser Grund­la­ge jedoch ver­wehrt [126].

Ein Fall des Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG liegt dem­nach vor, wenn ein Bun­des­ge­setz den Kom­mu­nen erst­mals eine bestimm­te (Verwaltungs-)Aufgabe zuweist oder eine damit funk­tio­nal äqui­va­len­te Erwei­te­rung einer bun­des­ge­setz­lich bereits zuge­wie­se­nen Auf­ga­be vor­nimmt.

Eine Auf­ga­ben­über­tra­gung im Sin­ne des Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG ist zu beja­hen, wenn Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den durch Bun­des­ge­setz eine bestimm­te Tätig­keit zur Pflicht gemacht und ihnen inso­weit die Sach- und/​oder die Wahr­neh­mungs­kom­pe­tenz zuge­wie­sen wird. Das ist jeden­falls dann der Fall, wenn den Kom­mu­nen Tätig­kei­ten gegen­über dem Bür­ger auf­er­legt und sie zu deren Erfül­lung ver­pflich­tet wer­den. Dane­ben erfasst die Vor­schrift bun­des­ge­setz­lich ange­ord­ne­te Vor­ga­ben für die kom­mu­na­le Ver­wal­tungs­tä­tig­keit wie Infor­ma­ti­ons, Berichts- und Kon­troll­pflich­ten [127]. Sie berüh­ren nicht nur die kom­mu­na­le Orga­ni­sa­ti­ons- und Per­so­nal­ho­heit, son­dern wegen der damit typi­scher­wei­se ver­bun­de­nen Kos­ten auch die Finanz­ho­heit [128].

Eine Erwei­te­rung bereits bun­des­ge­setz­lich über­tra­ge­ner Auf­ga­ben unter­fällt dem Durch­griffs­ver­bot des Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG dann, wenn sie in ihren Wir­kun­gen auf das Schutz­gut des Art. 28 Abs. 2 GG einer erst­ma­li­gen Auf­ga­ben­über­tra­gung gleich­kommt [129].

Vor die­sem Hin­ter­grund ist eine – mit einer erst­ma­li­gen Auf­ga­ben­über­tra­gung durch Bun­des­ge­setz funk­tio­nal äqui­va­len­te – Erwei­te­rung einer bun­des­ge­setz­lich bereits über­tra­ge­nen Auf­ga­be anzu­neh­men, wenn ihre Maß­stä­be, Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen oder Stan­dards so ver­än­dert wer­den, dass damit mehr als uner­heb­li­che Aus­wir­kun­gen auf die Orga­ni­sa­ti­ons, Per­so­nal- und Finanz­ho­heit der Kom­mu­nen ver­bun­den sind [130]. Für das regu­la­to­ri­sche Inter­es­se des Bun­des ist dage­gen nur Raum, wenn die Aus­wir­kun­gen auf die Eigen­ver­ant­wort­lich­keit der Kom­mu­nen gering sind [124]. Eine Ände­rung bun­des­ge­setz­lich zuge­wie­se­ner Auf­ga­ben über­schrei­tet daher die Über­gangs­kom­pe­tenz von Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG und stellt eine nach Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG unzu­läs­si­ge Auf­ga­ben­über­tra­gung dar, wenn sie neue Leis­tungs­tat­be­stän­de schafft, bestehen­de Leis­tungs­tat­be­stän­de auf neue Grup­pen von Berech­tig­ten aus­wei­tet oder wenn sie die Dau­er eines Leis­tungs­be­zugs so ver­län­gert, dass damit zugleich ihr Cha­rak­ter ver­än­dert wird. Eine unzu­läs­si­ge Ände­rung bun­des­ge­setz­li­cher Auf­ga­ben­zu­wei­sun­gen liegt fer­ner vor, wenn das Ände­rungs­ge­setz den Kom­mu­nen neue Berichts, Infor­ma­ti­ons- oder Orga­ni­sa­ti­ons­pflich­ten auf­er­legt.

Auf­ga­ben­über­tra­gung durch die Neu­re­ge­lung zum kom­mu­na­len Bil­dungs­pa­ket

Nach die­sen Maß­stä­ben erwei­tern die Rege­lun­gen in § 34 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und Satz 2, Abs. 4 bis Abs. 7, § 34a SGB XII in der Fas­sung vom 24.03.2011 die bis dahin den ört­li­chen Trä­gern der Sozi­al­hil­fe zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben in einer gegen Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG ver­sto­ßen­den Wei­se und ver­let­zen die Städ­te des­halb in ihrem Recht aus Art. 28 Abs. 2 Satz 1 und Satz 3 GG. Sie über­schrei­ten die Gren­zen des­sen, was dem Bund nach Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG an Fort­ent­wick­lung sei­nes Rege­lungs­werks erlaubt ist. Auf die Anzahl der tat­säch­li­chen Anwen­dungs­fäl­le und den finan­zi­el­len Auf­wand für deren Bear­bei­tung kommt es nicht an.

Durch den Erlass des Sozi­al­ge­setz­bu­ches XII hat der Bun­des­ge­setz­ge­ber von der kon­kur­rie­ren­den Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz in Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG Gebrauch gemacht [131]. Die Vor­aus­set­zun­gen des Art. 72 Abs. 2 GG lagen vor. Eine Rege­lung durch den Bund ist für die Her­stel­lung gleich­wer­ti­ger Lebens­ver­hält­nis­se im Bun­des­ge­biet und die Wah­rung der Rechts- oder Wirt­schafts­ein­heit im gesamt­staat­li­chen Inter­es­se erfor­der­lich. Durch eine ein­heit­li­che Bun­des­ge­setz­ge­bung im Bereich öffent­li­cher Für­sor­ge wird ver­hin­dert, dass sich das Sozi­al­ge­fü­ge in Deutsch­land aus­ein­an­der­ent­wi­ckelt [132].

Die Städ­te sind für die Gewäh­rung der Bedar­fe der Bil­dung und Teil­ha­be nach §§ 34 und 34a SGB XII zustän­dig. Nach § 3 Abs. 1 und Abs. 2 Satz 1 SGB XII sind kreis­freie Städ­te und Krei­se als ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe ört­lich zustän­dig, soweit nicht durch Lan­des­recht etwas ande­res bestimmt wird. Sach­lich zustän­dig ist nach § 97 Abs. 1 SGB XII grund­sätz­lich der ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe, soweit nicht der über­ört­li­che Trä­ger nach Lan­des­recht (§ 97 Abs. 2 Satz 1 SGB XII) oder ohne lan­des­recht­li­che Zuwei­sung (§ 97 Abs. 3 Nr. 1 bis Nr. 4 SGB XII) sach­lich zustän­dig ist.

In den Aus­füh­rungs­ge­set­zen der Län­der zum Sozi­al­ge­setz­buch XII fin­den sich zwar wei­te­re Bestim­mun­gen über die Zustän­dig­keit und die Durch­füh­rung der dort gere­gel­ten Auf­ga­ben [133]. Eine abwei­chen­de Zustän­dig­keit der ört­li­chen Trä­ger ergibt sich hier­aus aber nicht. § 1 AG-SGB XII NRW stellt kei­ne Erset­zungs­re­ge­lung im Sin­ne von Art. 125a Abs. 1 Satz 2 GG dar; das Aus­füh­rungs­ge­setz ist am 1.01.2005 – und somit vor dem 1.09.2006 – in Kraft getre­ten. Maß­geb­lich für die Zustän­dig­keit und die Leis­tungs­pflicht für die Erbrin­gung der Bedar­fe für Bil­dung und Teil­ha­be nach §§ 34 und 34a SGB XII durch die ört­li­chen Trä­ger der Sozi­al­hil­fe ist daher nach wie vor § 3 Abs. 2 SGB XII.

§ 34 SGB XII ent­hält aus­weis­lich des Absat­zes 1 in Absatz 2 bis Absatz 7 Tat­be­stän­de, mit denen Mehr­be­dar­fe neben den ein­schlä­gi­gen Regel­be­darfs­stu­fen geson­dert berück­sich­tigt und nach Maß­ga­be des § 34a SGB XII geson­dert erbracht wer­den. Zuvor hat­te allein § 31 Abs. 1 Nr. 3 SGB XII in der bis zum 31.12.2010 [134] gel­ten­den Fas­sung – wie nun § 34 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 SGB XII – bereits beson­de­re Bedar­fe für mehr­tä­gi­ge Klas­sen­fahr­ten im Rah­men schul­recht­li­cher Bestim­mun­gen berück­sich­tigt [135]. Dar­über hin­aus ist die erst mit Wir­kung zum 1.01.2009 ein­ge­führ­te und sei­ner­zeit nicht ange­grif­fe­ne Vor­schrift des § 28a Satz 1 SGB XII a.F. [136], wonach Schü­ler unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen eine pau­scha­le Zusatz­leis­tung in Höhe von 100 Euro erhiel­ten, in § 34 Abs. 3 SGB XII auf­ge­gan­gen [137].

§ 34a SGB XII regelt das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren für die Bean­spru­chung und Gewäh­rung der Leis­tun­gen nach § 34 SGB XII [138] und stellt Maß­ga­ben für die Art der Erbrin­gung auf [139]. Mit den Rege­lun­gen in § 34a Abs. 1 bis Abs. 4 sowie Abs. 5 Satz 2 SGB XII ver­gleich­ba­re Vor­schrif­ten bestan­den vor dem Erlass nicht. Ledig­lich die zum 1.01.2009 ein­ge­füg­te Vor­schrift des § 28a Satz 2 SGB XII a.F. [140] ent­hielt eine mit § 34a Abs. 5 Satz 1 SGB XII in der Fas­sung vom 24.03.2011 inhalts­glei­che Rege­lung, aller­dings beschränkt auf die zusätz­li­che Leis­tung für die Schu­le [141].

Nur in die­sem (eng) begrenz­ten Umfang war den Kom­mu­nen bereits bei Inkraft­tre­ten der §§ 34 und 34a SGB XII als ört­li­chen Trä­gern der Sozi­al­hil­fe die Auf­ga­be über­tra­gen, Bedar­fe der Bil­dung und Teil­ha­be abzu­de­cken. Dane­ben gab es kei­ne Rege­lun­gen zu ent­spre­chen­den Bedar­fen; sie waren viel­mehr mit den Regel­be­dar­fen abge­gol­ten [142].

Die zu berück­sich­ti­gen­den Bedar­fe sind im Ver­gleich zu die­sen Rege­lun­gen durch das streit­ge­gen­ständ­li­che Gesetz deut­lich aus­ge­wei­tet wor­den. Auf­grund der § 34 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und Satz 2, Abs. 4 bis Abs. 7, § 34a SGB XII müs­sen die Kom­mu­nen nun­mehr einem erwei­ter­ten Kreis an Leis­tungs­be­rech­tig­ten zusätz­li­che Leis­tun­gen gewäh­ren. Bedar­fe für Schul­aus­flü­ge – und nicht ledig­lich für mehr­tä­gi­ge Klas­sen­fahr­ten – wer­den aner­kannt (§ 34 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 SGB XII); die­se Bedar­fe wer­den zudem auf Kin­der, die eine Kin­der­ta­ges­ein­rich­tung besu­chen, erstreckt (§ 34 Abs. 2 Satz 2 SGB XII). Erst­mals wer­den Bedar­fe für die Schü­ler­be­för­de­rung (§ 34 Abs. 4 SGB XII), die Lern­för­de­rung (§ 34 Abs. 5 SGB XII) und die Mit­tags­ver­pfle­gung (§ 34 Abs. 6 SGB XII) aner­kannt. Schließ­lich wer­den für alle Kin­der und Jugend­li­che Bedar­fe für die Teil­nah­me am sozia­len und kul­tu­rel­len Leben in der Gemein­schaft berück­sich­tigt (§ 34 Abs. 7 SGB XII). Anspruchs­be­rech­tigt sind zudem nicht mehr nur Schü­le­rin­nen und Schü­ler (§ 34 Abs. 2 Satz 1, Abs. 3 bis Abs. 5, Abs. 6 Satz 1 Nr. 1 SGB XII), son­dern auch Kin­der, die eine Kin­der­ta­ges­ein­rich­tung besu­chen (§ 34 Abs. 2 Satz 2, Abs. 6 Satz 1 Nr. 2 SGB XII) oder für die Kin­der­ta­ges­pfle­ge geleis­tet wird (§ 34 Abs. 6 Satz 1 Nr. 2 SGB XII). Zudem sind nun­mehr alle Kin­der und Jugend­li­chen vor Voll­endung des 18. Lebens­jah­res leis­tungs­be­rech­tigt (§ 34 Abs. 7 SGB XII). Schließ­lich wer­den die Leis­tun­gen nach § 34 SGB XII – wenn­gleich unter ein­schrän­ken­den Vor­aus­set­zun­gen – auch gegen­über Per­so­nen erbracht, denen kei­ne Regel­leis­tun­gen zu gewäh­ren sind (§ 34a Abs. 1 Satz 2 SGB XII).

Im Hin­blick auf das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren wer­den den Kom­mu­nen – unbe­scha­det der bereits in § 28a Satz 2 SGB XII a.F. vor­ge­se­he­nen Mög­lich­keit, Nach­wei­se über die zweck­ent­spre­chen­de Mit­tel­ver­wen­dung zu ver­lan­gen – eben­falls neue Las­ten auf­ge­bür­det. So hängt die Berück­sich­ti­gung der Bedar­fe von ver­schie­de­nen tat­be­stand­li­chen Restrik­tio­nen ab (§ 34 Abs. 4 und Abs. 6 SGB XII) und dane­ben von unbe­stimm­ten, eine indi­vi­du­el­le Wer­tung vor­aus­set­zen­den Rechts­be­grif­fen wie Ange­mes­sen­heit oder Erfor­der­lich­keit (§ 34 Abs. 5 SGB XII). Das führt – trotz einer gewis­sen Ver­fah­rens­ver­ein­fa­chung auf­grund von Pau­scha­lie­run­gen (§ 34 Abs. 3 und Abs. 7 SGB XII) – zu einer erheb­li­chen orga­ni­sa­to­ri­schen und per­so­nel­len Mehr­be­las­tung beim Voll­zug der in Rede ste­hen­den Bestim­mun­gen gegen­über Bür­ge­rin­nen und Bür­gern, aber auch bei der Erar­bei­tung not­wen­di­ger Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten. Dass es § 34a Abs. 2 Satz 1 SGB XII den zustän­di­gen Trä­gern der Sozi­al­hil­fe über­lässt, in wel­cher Form sie die Leis­tun­gen nach § 34 Abs. 2 und Abs. 5 bis Abs. 7 SGB XII erbrin­gen, erhöht den Ver­wal­tungs­auf­wand eben­falls. Pau­scha­le Abrech­nun­gen mit den Leis­tungs­an­bie­tern waren den Kom­mu­nen nach der streit­ge­gen­ständ­li­chen Fas­sung des § 34a SGB XII zunächst nicht gestat­tet, was den Voll­zugs­auf­wand für sie – bis zum Inkraft­tre­ten des § 34a Abs. 2 Satz 4 SGB XII mit Wir­kung zum 1.08.2013 [143] – wei­ter erhöht hat. Schließ­lich tref­fen sie Koor­di­na­ti­ons- und Über­wa­chungs­pflich­ten in Bezug auf die Leis­tungs­an­bie­ter (§ 34a Abs. 3 Satz 2 SGB XII: „geeig­ne­te vor­han­de­ne Anbie­ter“).

Nach alle­dem erwei­tern die in § 34 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und Satz 2, Abs. 4 bis Abs. 7, § 34a SGB XII gere­gel­ten Auf­ga­ben den zuvor bestehen­den Auf­ga­ben­be­stand der Kom­mu­nen im Rah­men des Sozi­al­ge­setz­bu­ches XII durch die Schaf­fung neu­er Leis­tungs­tat­be­stän­de, die Aus­deh­nung des Krei­ses der Berech­tig­ten und die Sta­tu­ie­rung zusätz­li­cher Ver­wal­tungs­an­for­de­run­gen. Dar­in liegt ein Ver­stoß gegen das Durch­griffs­ver­bot des Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG.

Die auf einer Ände­rung des mate­ri­el­len Rechts beru­hen­de Aus­wei­tung der kom­mu­na­len Leis­tungs­ver­pflich­tung hält sich nicht mehr inner­halb der Gren­zen des Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG. Zwar gilt die Zustän­dig­keits­zu­wei­sung des § 3 Abs. 2 Satz 1 SGB XII, die vor dem 1.09.2006 erlas­sen wur­de, auf­grund von Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG fort. Die Rege­lun­gen in § 34 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und Satz 2, Abs. 4 bis Abs. 7, § 34a SGB XII haben den mate­ri­el­len Inhalt die­ser Zuwei­sung jedoch grund­le­gend ver­än­dert und stel­len sich inso­weit über­wie­gend als Zuwei­sung neu­er Auf­ga­ben dar.

Allein mit der Berück­sich­ti­gung des Auf­wands für mehr­tä­gi­ge Klas­sen­fahr­ten (§ 34 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 SGB XII) und die Aus­stat­tung mit per­sön­li­chem Schul­be­darf (§ 34 Abs. 3 SGB XII) wird an bereits bei Ein­füh­rung der streit­ge­gen­ständ­li­chen Rege­lun­gen bestehen­de Leis­tungs­tat­be­stän­de (§ 31 Abs. 1 Nr. 3, § 28a Satz 1 SGB XII a.F.) ange­knüpft. Im Übri­gen ent­hal­ten § 34 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und Satz 2, Abs. 4 bis Abs. 7, § 34a SGB XII jedoch zahl­rei­che neue Leis­tungs­tat­be­stän­de, die die von den Kom­mu­nen als ört­li­chen Trä­gern der Sozi­al­hil­fe gemäß § 3 Abs. 2 Satz 1 SGB XII wahr­zu­neh­men­den Auf­ga­ben erheb­lich erwei­tern. Sie begrün­den zudem neue Leis­tun­gen für neue Per­so­nen­grup­pen. Die Leis­tungs­tat­be­stän­de wer­den außer­dem erheb­lich aus­ge­wei­tet und ver­schie­de­ne – bis­lang pau­schal mit den Regel­be­dar­fen abge­gol­te­ne – Bedar­fe zu Son­der­be­dar­fen aus­ge­formt. Das über­schrei­tet die dem Bund nach Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG ver­blei­ben­de Anpas­sungs­kom­pe­tenz.

Dass es den Län­dern nach Art. 125a Abs. 1 Satz 2 GG (wei­ter­hin) unbe­nom­men ist, die Zustän­dig­keits­zu­wei­sung des § 3 Abs. 2 Satz 1 SGB XII auf­zu­he­ben und durch eine eige­ne Zuwei­sung oder eine ande­re Rege­lung zu erset­zen, ändert hier­an nichts, da sie von die­ser Mög­lich­keit bis­lang kei­nen Gebrauch gemacht haben.

Der Ver­stoß gegen das Durch­griffs­ver­bot wird schließ­lich nicht dadurch infra­ge gestellt, dass Umfang und Volu­men der Leis­tun­gen im Ver­gleich zu ande­ren Sozi­al­leis­tun­gen eher gering aus­fal­len [144]. Ob und inwie­weit der durch das Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­ket ver­ur­sach­te Mehr­auf­wand für die Kom­mu­nen prak­tisch ins Gewicht fällt, spielt nur bei der Erwei­te­rung bestehen­der, nicht aber bei der Schaf­fung neu­er Leis­tungs­tat­be­stän­de, wie sie mit §§ 34 und 34a SGB XII vor allem ver­bun­den ist, eine Rol­le.

Hin­sicht­lich der Bedar­fe für mehr­tä­gi­ge Klas­sen­fahr­ten (§ 34 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 SGB XII) und die Aus­stat­tung mit per­sön­li­chem Schul­be­darf (§ 34 Abs. 3 SGB XII) ist die Ver­fas­sungs­be­schwer­de hin­ge­gen unbe­grün­det. Die Berück­sich­ti­gung die­ser Bedar­fe war – wie dar­ge­legt – bereits vor Inkraft­tre­ten der streit­ge­gen­ständ­li­chen Rege­lun­gen in § 31 Abs. 1 Nr. 3 und § 28a Satz 1 SGB XII a.F. vor­ge­se­hen. Die Städ­te waren als ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe dafür nach § 3 Abs. 2 Satz 1 SGB XII zustän­dig. Inso­fern hat sich der kom­mu­na­le Auf­ga­ben­be­stand nicht ver­än­dert, eine Auf­ga­ben­über­tra­gung unter Ver­stoß gegen Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG schei­det aus.

Fort­gel­tungs­an­ord­nung bis Ende 2021

§ 34 Abs. 1, Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und Satz 2, Abs. 4 bis Abs. 7, § 34a in Ver­bin­dung mit § 3 Abs. 2 Satz 1 SGB XII sind mit Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG unver­ein­bar. Sie sind bis zum 31.12.2021 jedoch wei­ter anwend­bar.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt erklärt nach § 95 Abs. 3 Satz 1 in Ver­bin­dung mit § 78 Satz 1 BVerfGG ein Gesetz grund­sätz­lich für nich­tig, das nach sei­ner Über­zeu­gung mit dem Grund­ge­setz unver­ein­bar ist. Die Mög­lich­keit der blo­ßen Unver­ein­bar­keits­er­klä­rung einer ver­fas­sungs­wid­ri­gen Norm ergibt sich aus § 31 Abs. 2 Satz 2 und Satz 3 BVerfGG. Die­se ist regel­mä­ßig gebo­ten, wenn der Gesetz­ge­ber ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten hat, den Ver­fas­sungs­ver­stoß zu besei­ti­gen [145], oder wenn die sofor­ti­ge Ungül­tig­keit der zu bean­stan­den­den Norm dem Schutz über­ra­gen­der Güter des Gemein­wohls die Grund­la­ge ent­zie­hen wür­de und eine Abwä­gung mit den betrof­fe­nen Grund­rech­ten ergibt, dass der Ein­griff für eine Über­gangs­zeit hin­zu­neh­men ist [146]. Eine blo­ße Unver­ein­bar­keits­er­klä­rung erfolgt dann, wenn die Nach­tei­le des sofor­ti­gen Außer­kraft­tre­tens gegen­über den Nach­tei­len über­wie­gen, die mit der vor­läu­fi­gen Wei­ter­gel­tung ver­bun­den wären [147]. Neben den Grund­rech­ten [148] wer­den vor allem das Rechts- und das Sozi­al­staats­prin­zip [149] als ver­fas­sungs­recht­li­che Grün­de aner­kannt, wel­che die befris­te­te Wei­ter­gel­tung einer nicht ver­fas­sungs­kon­for­men Rege­lung recht­fer­ti­gen kön­nen [150]. Eine sol­che kommt ins­be­son­de­re in Betracht, wenn mit der Nich­tig­erklä­rung ein recht­li­ches Vaku­um auf­trä­te und sowohl bei den Behör­den als auch bei den Rechts­un­ter­wor­fe­nen Unsi­cher­heit über die Rechts­la­ge ent­stün­de [151]. Die Fest­stel­lung der Unver­ein­bar­keit einer Rechts­la­ge mit dem Grund­ge­setz darf zudem nicht dazu füh­ren, dass der Ver­wal­tung zeit­wei­lig die Erfül­lung ver­fas­sungs­recht­li­cher Pflicht­auf­ga­ben man­gels hin­rei­chen­der gesetz­li­cher Grund­la­ge unmög­lich gemacht wird [152].

Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen hier vor. Die aus dem Aus­spruch der Nich­tig­keit fol­gen­de Ver­wer­fung der §§ 34 und 34a SGB XII hät­te erheb­li­che Unsi­cher­hei­ten zur Fol­ge und zöge nach einer (rück­wir­ken­den) Neu­re­ge­lung gra­vie­ren­de ver­wal­tungs­recht­li­che Pro­ble­me nach sich [153]. Bis zu einer Neu­re­ge­lung könn­ten die Trä­ger der Sozi­al­hil­fe man­gels gesetz­li­cher Grund­la­ge kei­ne Leis­tun­gen der Bil­dung und Teil­ha­be gewäh­ren, sodass ein men­schen­wür­di­ges Exis­tenz­mi­ni­mum im Sin­ne des Beschlus­ses des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 23.07.2014 [19] für Kin­der und Jugend­li­che nicht mehr gewähr­leis­tet wer­den könn­te. Bis zu einer Neu­re­ge­lung wür­de somit ein ver­fas­sungs­wid­ri­ger Zustand geschaf­fen, des­sen rück­wir­ken­de Hei­lung nicht durch­gän­gig mög­lich wäre. Dabei ist der Anspruch auf ein men­schen­wür­di­ges Exis­tenz­mi­ni­mum unver­füg­bar und die staat­li­che Pflicht zu sei­ner Gewähr­leis­tung selbst zur Errei­chung ande­rer Zie­le nicht rela­ti­vier­bar [154].

Mit Rück­sicht auf die­se Erwä­gun­gen ord­net das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Fort­gel­tung der für ver­fas­sungs­wid­rig befun­de­nen Nor­men bis zu einer Neu­re­ge­lung und spä­tes­tens bis zum 31.12.2021 an.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 7. Juli 2020 – 2 BvR 696/​12

  1. BGBl I S. 453, 484 f.[]
  2. BGBl. I S. 453[]
  3. BGBl. I S. 3022[]
  4. BGBl I S. 3234, 3326[]
  5. BGBl I S. 530, 535[]
  6. AG-SGB XII NRW[]
  7. GVBl. NW, S. 816, 816[]
  8. GVBl. NRW, S. 414, 416[]
  9. BVerfGE 125, 175 ff.; vgl. BT-Drs. 17/​3958, S. 1[]
  10. vgl. BVerfGE 125, 175, 225[]
  11. vgl. BVerfGE 125, 175, 245[]
  12. vgl. BVerfGE 125, 175, 245 f.[]
  13. vgl. BT-Drs. 17/​3404, S. 42 f., 124[]
  14. BGBl I S. 3022, 3070[]
  15. BGBl I S. 1088, 1088[]
  16. BGBl I S. 3022, 3030[]
  17. BVerfGE 125, 175 ff.[]
  18. BGBl I S. 3022, 3025; vgl. BR-Drs. 559/​03, S. 180; vgl. auch BT-Drs. 15/​1514, S. 55; 15/​1636, S. 8, 12 f.; 15/​1734, S. 13[]
  19. BVerfGE 137, 34 ff.[][][]
  20. vgl. BVerfGE 119, 331, 356 ff.; Beth­ge, in: Maun­z/­Schmidt-Bleib­treu/­Klein/­ders., BVerfGG, § 91 Rn. 56, Dezem­ber 2014[]
  21. vgl. BVerfGE 1, 167, 181; 56, 298, 310; 71, 25, 37; 91, 228, 242; 119, 331, 357; 125, 141, 158[]
  22. vgl. BVerfGE 21, 117, 128 f.; 23, 353, 365; 26, 228, 237 f.; 50, 195, 201; 56, 298, 312; 59, 216, 226; 79, 127, 143; 83, 363, 382; 91, 228, 236; 110, 370, 400; 137, 108, 158 Rn. 116, 163 Rn. 129; 147, 185, 221 Rn. 74[]
  23. vgl. BVerfGE 79, 127, 154; 119, 331, 354 f.; 137, 108, 178 f. Rn. 166; 138, 1, 21 Rn. 58; 147, 185, 224 Rn. 81[]
  24. vgl. BVerfGE 119, 331, 354; 137, 108, 178 f. Rn. 166; 147, 185, 220 Rn. 68, 227 f. Rn. 89[]
  25. vgl. BVerfGE 83, 363, 382; 91, 228, 245; 107, 1, 14; 119, 331, 362; 147, 185, 221 Rn. 74[]
  26. vgl. BVerfGE 22, 180, 208; 23, 353, 365 ff.; 26, 172, 180 ff.; 26, 228, 244; 52, 95, 117; 71, 25, 36; 103, 332, 358; 119, 331, 361; 125, 141, 159; 138, 1, 21 f. Rn. 59; 140, 99, 110 Rn.19; 147, 185, 227 Rn. 88[][]
  27. BGBl I S.2034, 2035 f.[]
  28. umfas­send zur Ent­ste­hungs­ge­schich­te Hen­ne­ke, NdsVBl 2007, S. 57, 58 ff.[]
  29. vgl. BVerfGE 147, 185, 240 Rn. 123[]
  30. vgl. BVerfGE 137, 108, 162 Rn. 127[]
  31. vgl. BVerfGE 1, 167, 176; 56, 298, 310; 137, 108, 162 Rn. 126 f.[]
  32. vgl. BVerfGE 137, 108, 162 Rn. 127; 147, 185, 240 Rn. 123[]
  33. vgl. BVerfGE 137, 108, 165 Rn. 136; Förs­ter­ling, Der Land­kreis 2007, S. 56, 58[]
  34. vgl. Scho­ch, DVBl 2007, S. 261, 262 f.; F. Kirch­hof, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 84 Rn. 158, Janu­ar 2011[]
  35. vgl. Scho­ch, DVBl 2007, S. 261, 263; Hen­ne­ke, VBlBW 2008, S. 241, 243; Mey­er, NVwZ 2008, S. 275, 276; Burger/​Faber, Komm­Jur 2011, S. 161, 168; Engel­ken, Das Kon­ne­xi­täts­prin­zip im Lan­des­ver­fas­sungs­recht, 2. Aufl.2012, S. 72; Bau­er, Der Prü­fungs­maß­stab im Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren, 2013, S. 126; Becker, Der Land­kreis 6/​2014, S. 232, 236 f.; Beth­ge, in: Maun­z/­Schmidt-Bleib­treu/­Klein/­ders., BVerfGG, § 91 Rn. 60, Dezem­ber 2014; Lück, Der Bei­trag der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de nach Art. 93 Abs. 1 Nr. 4b GG, § 91 BVerfGG zum Schutz der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung, 2014, S. 332 ff.; Diehm, in: Burkiczak/​Dollinger/​Schorkopf, BVerfGG, 2015, § 91 Rn. 22; Scheff­c­zyk, in: Walter/​Grünewald, Beck­OK BVerfGG, § 91 Rn. 44, 1.01.2020; a.A. Knit­ter, Das Auf­ga­ben­über­tra­gungs­ver­bot des Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG, 2008, S.208; dies., NdsVBl 2009, S. 73, 77[]
  36. vgl. BVerw­GE 156, 102, 110 Rn. 28[]
  37. vgl. Wolff, in: Hömig/​ders., GG, 12. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 13; Dittmann/​Winkler, in: Sachs, GG, 8. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 16; Jarass, in: ders./Pieroth, GG, 16. Aufl.2020, Art. 125a Rn. 8[]
  38. vgl. Hen­ne­ke, in: Schmidt-Bleib­treu/Hof­man­n/­ders., GG, 14. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 43; Her­mes, in: Drei­er, GG, Bd. 3, 3. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 9[]
  39. vgl. BVerfGE 119, 331, 359 f.; Dittmann/​Winkler, in: Sachs, GG, 8. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 15; Her­mes, in: Drei­er, GG, Bd. 3, 3. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 76; Tru­te, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 7. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 60[]
  40. vgl. BVerfGE 119, 331, 359 f.[][]
  41. vgl. BVerfGE 59, 216, 225; 71, 25, 34 f.; 107, 1, 8; 110, 370, 381 f.; 147, 185, 209 Rn. 43[]
  42. vgl. BVerfGE 147, 185, 209 Rn. 45[]
  43. vgl. für Bay­ern Möstl, in: Lindner/ders./Wolff, Ver­fas­sung des Frei­staa­tes Bay­ern, 2. Aufl.2017, Vorb. B Rn. 5; für Nord­rhein-West­fa­len Men­zel, in: Löwer/​Tettinger, Kom­men­tar zur Ver­fas­sung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, 2002, Ein­füh­rung Rn. 17[]
  44. vgl. BVerfGE 1, 167, 173; 26, 172, 180[]
  45. vgl. BVerfGE 76, 107, 115; 79, 127, 142; 107, 1, 8; 137, 108, 139 Rn. 70; 147, 185, 217 Rn. 63[]
  46. vgl. BVerfGE 1, 415, 416 f.; 3, 58, 75; 6, 132, 134; 12, 81, 87 f.; 62, 374, 382; 64, 367, 376[]
  47. vgl. BVerfGE 79, 127, 150 f.; 83, 363, 383; 91, 228, 236; 110, 370, 400; 137, 108, 156 Rn. 114; 138, 1, 19 Rn. 54; 147, 185, 223 Rn. 79[]
  48. vgl. BVerfGE 79, 127, 153 ff.; 138, 1, 19 f. Rn. 55; 147, 185, 223 f. Rn. 80; Löwer, in: v. Münch/​Kunig, GG, Bd. 1, 6. Aufl.2012, Art. 28 Rn. 55; Meh­de, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 28 Rn. 118 ff., Novem­ber 2012; Drei­er, in: ders., GG, Bd. 2, 3. Aufl.2015, Art. 28 Rn. 114, 118; Nierhaus/​Engels, in: Sachs, GG, 8. Aufl.2018, Art. 28 Rn. 72 f.; Schwarz, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 2, 7. Aufl.2018, Art. 28 Rn.194 ff.; Hel­ler­mann, in: Epping/​Hillgruber, Beck­OK GG, Art. 28 Rn. 48.1, 15.05.2020[]
  49. vgl. BVerfGE 21, 117, 129; 23, 353, 365; 83, 363, 383; 119, 331, 354, 361; 137, 108, 157 f. Rn. 115 f.[]
  50. vgl. BVerfGE 138, 1, 21 f. Rn. 59[]
  51. vgl. BVerfGE 91, 228, 237 f.; 137, 108, 158 Rn. 117[]
  52. vgl. BVerfGE 91, 228, 239; 137, 108, 158 Rn. 117; 138, 1, 17 Rn. 49; 147, 185, 221 Rn. 74[]
  53. vgl. BVerfGE 38, 258, 278 ff.; 52, 95, 117; 78, 331, 341; 83, 363, 382; 91, 228, 236[]
  54. vgl. BVerfGE 137, 108, 158 Rn. 117; Schmidt-Jort­zig, in: v. Muti­us, Fest­ga­be für v. Unruh, 1983, S. 525, 527[]
  55. vgl. BVerfGE 83, 363, 382; 91, 228, 238; 137, 108, 159 Rn. 118[]
  56. vgl. BVerfGE 59, 216, 226; 76, 107, 118; 79, 127, 146; 137, 108, 159 Rn. 119; stRspr[]
  57. vgl. BVerfGE 79, 127, 147; 91, 228, 239 f.; 137, 108, 159 Rn. 119[]
  58. vgl. BVerfGE 1, 167, 174 f.; 79, 127, 146; 137, 108, 159 Rn. 119; stRspr[]
  59. vgl. BVerfGE 83, 363, 385 f.; 119, 331, 361; 125, 141, 159[]
  60. vgl. BVerfGE 26, 172, 181; 71, 25, 36; 83, 363, 386; 119, 331, 361; BVerfGK 4, 223, 226; 10, 365, 369 f.[]
  61. vgl. Schwarz, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 2, 7. Aufl.2018, Art. 28 Rn. 244 f., 247[]
  62. vgl. BVerw­GE 145, 378, 379 Rn. 11, 380 f. Rn. 13, 389 f. Rn.31, 33; BVerwG, Urteil des 10. Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 29.05.2019 – 10 C 6/​18 13; StGH BW, Urteil vom 10.05.1999 – 2/​97 86 ff.; Bay­VerfGH, Ent­schei­dung vom 18.04.1996 – Vf. 13-VII-93 88 f.; VerfGBbg, Urteil vom 20.11.2008 – 30/​07 66; StGH HE, Urteil vom 21.05.2013 – P.St. 2361 92, 96; LVerfG MV, Urteil vom 30.06.2011 – 10/​10 49 f.; NdsStGH, Urteil vom 11.06.2007 – 1/​05 59, 96; VerfGH NRW, Urteil vom 23.03.2010 – 19/​08 60; Urteil vom 12.10.2010 – 12/​09 59 f.; Urteil vom 19.07.2011 – 32/​08 55, 75; Urteil vom 06.05.2014 – 9/​12 58; VerfGH RP, Ent­schei­dung vom 18.03.1992 – VGH 2/​91 34; Urteil vom 16.03.2001 – VGH B 8/​00 23; VerfGH Saar­land, Urteil vom 10.01.1994 – Lv 2/​92 32; Sächs­VerfGH, Urteil vom 26.08.2010 – Vf. 129-VIII-09 131, 133 f.; LVerfG LSA, Urteil vom 20.10.2015 – LVG 2/​15 93; ThVerfGH, Urteil vom 21.06.2005 – 28/​03 133 f., 137, 142 f., 156, 162, 185; Beschluss vom 07.03.2018 – 1/​14 128 f., 149[]
  63. vgl. Bay­VerfGH, Ent­schei­dung vom 28.11.2007 – Vf. 15-VII-05 217; LVerfG MV, Urteil vom 30.06.2011 – 10/​10 77; ThVerfGH, Urteil vom 12.10.2004 – 16/​02 87; Beschluss vom 18.06.2014 – 22/​13 73; Volk­mann, DÖV 2001, S. 497, 501; Löwer, in: v. Münch/​Kunig, GG, Bd. 1, 6. Aufl.2012, Art. 28 Rn. 102; Meh­de, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 28 Abs. 2 Rn. 84 Fn. 1, Novem­ber 2012; Drei­er, in: ders., GG, Bd. 2, 3. Aufl.2015, Art. 28 Rn. 146; Nierhaus/​Engels, in: Sachs, GG, 8. Aufl.2018, Art. 28 Rn. 84, 89; a.A. VerfGH NRW, Urteil vom 01.12.1998 – 5/​97 48[]
  64. vgl. BVerw­GE 145, 378, 383 f. Rn.19; LVerfG MV, Urteil vom 26.01.2012 – 33/​10 101; ThVerfGH, Urteil vom 18.03.2010 – 52/​08 33 f.; Hufen, DÖV 1998, S. 276, 280[]
  65. vgl. BVerfGE 1, 167, 175; 8, 332, 359; 9, 268, 289; 17, 172, 181; 83, 363, 382; 91, 228, 245; vgl. auch BVerfGE 119, 331, 381[]
  66. vgl. BVerfGE 17, 172, 181 f.; 91, 228, 245[]
  67. vgl. BVerfGE 119, 331, 354; vgl. auch BVerfGE 138, 1, 28 Rn. 75; 147, 185, 220 Rn. 68, 227 f. Rn. 89, 241 Rn. 125, 242 Rn. 127; Hufen, DÖV 1998, S. 276, 281 f.; Hen­ne­ke, ZG 2015, S. 12, 19[]
  68. vgl. BVerfGE 119, 331, 354; 137, 108, 157 f. Rn. 115; VerfGBbg, Urteil vom 20.10.2017 – 63/​15 97; Wagner/​Rechenbach, ZRP 2003, S. 308, 314; Brü­ning, JURA 2015, S. 592, 597; Scho­ch, DVBl 2016, S. 1007, 1009; Luthe, in: Hauck/​Noftz, SGB XII, § 3 Rn. 9a, Novem­ber 2018; vgl. auch BVerfGE 138, 1, 17 Rn. 49; 147, 185, 221 Rn. 74[]
  69. vgl. Meh­de, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 28 Abs. 2 Rn. 100, Novem­ber 2012; Schwarz, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 2, 7. Aufl.2018, Art. 28 Rn. 231[]
  70. vgl. Battis/​Kersten/​Mitschang, ZG 2010, S. 246, 252; Schaks, NZS 2016, S. 761, 766[]
  71. vgl. Hen­ne­ke, NdsVBl 2007, S. 57, 65 f.; Scho­ch, DVBl 2007, S. 261, 263, 266; Knit­ter, NdsVBl 2009, S. 73, 73[]
  72. vgl. BVerfGE 38, 281, 299[]
  73. vgl. zur Sach­kom­pe­tenz BVerfGE 93, 319, 342; 101, 141, 147; 102, 167, 172; 104, 249, 264 ff.; 108, 1, 15; 108, 186, 234; 113, 128, 146 f.; 119, 331, 365; 122, 316, 333; 123, 132, 140 f.; 126, 77, 101 f.; 135, 155, 206 Rn. 121; 139, 194, 226 Rn. 109; 145, 171, 233 Rn. 8; zur Wahr­neh­mungs­kom­pe­tenz BVerfGE 81, 310, 332; 100, 249, 259, 261; 104, 249, 264 ff.; 119, 331, 374, 380; 126, 77, 101 f.[]
  74. vgl. Pieroth, in: Fest­schrift für Fried­rich E. Schnapp, 2008, S. 221; Meß­mann, DÖV 2010, S. 726, 726[]
  75. vgl. Semm­ler, Die Kom­mu­nen nach der Föde­ra­lis­mus­re­form 2006, 2012, S. 88[]
  76. vgl. F. Kirch­hof, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 84 Rn. 168, Janu­ar 2011; Pieroth, in: Jarass/​ders., GG, 15. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 13; Tru­te, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 7. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 58[]
  77. vgl. Engel­ken, VBlBW 2008, S. 457, 460[]
  78. vgl. F. Kirch­hof, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 84 Rn. 162, Janu­ar 2011; a.A. Hen­ne­ke, in: ders., Kom­mu­nen in den Föde­ra­lis­mus­re­for­men I und II, VBlBW 2008, S. 135, 145[]
  79. vgl. Tru­te, in: Starck, Föde­ra­lis­mus­re­form, 2007, S. 78; Semm­ler, Die Kom­mu­nen nach der Föde­ra­lis­mus­re­form 2006, 2012, S. 81; Haratsch, in: Sodan, GG, 4. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 7[]
  80. vgl. Ditt­mann, in: Fest­schrift für Wer­ner Frot­scher, 2007, S. 253, 258; Hen­ne­ke, Der Land­kreis 2013, S. 232, 233; Tru­te, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 7. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 56; Marnich/​Schilling, in: Schweisfurth/​Wallmann, Haus­halts- und Finanz­wirt­schaft der Kom­mu­nen in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, 2019, S. 187, 194[]
  81. vgl. BVerw­GE 153, 367, 380 Rn. 44; Oeb­be­cke, in: Isensee/​Kirchhof, HStR VI, 3. Aufl.2008, § 136 Rn. 32; F. Kirch­hof, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 84 Rn. 25, 155, 158, Janu­ar 2011; Broß/​Mayer, in: v. Münch/​Kunig, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2012, Art. 84 Rn. 28; Dittmann/​Winkler, in: Sachs, GG, 8. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 14; Her­mes, in: Drei­er, GG, Bd. 3, 3. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 72; Wolff, in: Hömig/​ders., GG, 12. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 13; Korio­th, in: Schweisfurth/​Wallmann, Haus­halts- und Finanz­wirt­schaft der Kom­mu­nen in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, 2019, S. 49, 51[]
  82. vgl. BT-Drs. 16/​8688, S. 18; Kom­mis­si­on von Bun­des­tag und Bun­des­rat zur Moder­ni­sie­rung der bun­des­staat­li­chen Ord­nung, Arbeits­un­ter­la­ge 68, S. 5 f.[]
  83. vgl. StGH BW, Urteil vom 14.10.1993 – GR 2/​92 39; Urteil vom 05.10.1998 – GR 4/​97 32; Urteil vom 10.05.1999 – GR 2/​97 71[]
  84. vgl. Bay­VerfGH, Ent­schei­dung vom 28.11.2007 – Vf. 15-VII-05196 f., 269; VerfGBbg, Beschluss vom 21.09.2018 – 34/​17 24; StGH HE, Urteil vom 06.06.2012 – P.St. 2292 66 f.; LVerfG MV, Urteil vom 26.11.2009 – 9/​08 54, 58 ff.; VerfGH NRW, Urteil vom 10.01.2017 – 8/​15 34, 37 f., 40; VerfGH RP, Urteil vom 18.03.2016 – VGH N 9/​14 u.a. 91; VerfGH Saar­land, Beschluss vom 13.03.2006 – Lv 2/​05 84 ff.; LVerfG LSA, Urteil vom 20.10.2015 – LVG 2/​14 88 ff., 112 f.; ThVerfGH, Urteil vom 21.06.2005 – 28/​03 145 ff.[]
  85. vgl. Semm­ler, Die Kom­mu­nen nach der Föde­ra­lis­mus­re­form 2006, 2012, S. 97; Sel­mer, NVwZ 2009, S. 1255, 1255 f.[]
  86. vgl. F. Kirch­hof, in: Fest­schrift für Rupert Scholz, 2007, S. 637, 648; ders., in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 84 Rn. 25, Janu­ar 2011; Ris­se, in: Fest­schrift zum 70. Geburts­tag für Hans-Peter Schnei­der, 2008, S. 271, 278 f.; Dittmann/​Winkler, in: Sachs, GG, 8. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 14; Mann, in: Kahl/​Waldhoff/​Walter, Bon­ner Kom­men­tar zum Grund­ge­setz, Art. 28 Rn. 250, Febru­ar 2018[]
  87. vgl. Broß/​Mayer, in: v. Münch/​Kunig, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2012, Art. 84 Rn. 34[]
  88. vgl. F. Kirch­hof, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 84 Rn. 162, Janu­ar 2011; Her­mes, in: Drei­er, GG, Bd. 3, 3. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 73; vgl. auch Schaks, NZS 2016, S. 761, 766 f.[]
  89. vgl. Burger/​Faber, Komm­Jur 2011, S. 161, 164; Her­mes, in: Drei­er, GG, Bd. 3, 3. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 74 f.[]
  90. vgl. BT-Drs. 16/​813, S. 15[]
  91. vgl. VerfGBbg, Urteil vom 30.04.2013 – 49/​11 89 f., 99, 104; VerfGH RP, Beschluss vom 30.10.2015 – VGH N 65/​14 83; Urteil vom 18.03.2016 – VGH N 9/​14 u.a. 91; LVerfG LSA, Urteil vom 20.10.2015 – LVG 2/​14 95; ThVerfGH, Urteil vom 21.06.2005 – 28/​03 143, 147 f., 153 f., 161 f., 165 f.; Hen­ne­ke, DVBl 2015, S. 171, 177 f.[]
  92. vgl. BT-Drs. 16/​2069, S. 4[]
  93. vgl. BVerfGE 119, 331, 358[]
  94. krit. Hen­ne­ke, ZG 2015, S. 12, 20, 33; Suer­baum, in: Epping/​Hillgruber, Beck­OK GG, Art. 84 Rn. 28.1, 15.05.2020[]
  95. vgl. BVerfGE 22, 180, 209 f.; 39, 96, 109; 77, 288, 299; 119, 331, 358 f., 369 f.[]
  96. vgl. BVerfGE 22, 180, 209 f.; 77, 288, 299; 119, 331, 359[]
  97. vgl. BVerfGE 119, 331, 358 f.; Rem­mert, Ver­wArch 2003, S. 459, 475; Ris­se, in: Fest­schrift zum 70. Geburts­tag für Hans-Peter Schnei­der, 2008, S. 271, 274; Hen­ne­ke, in: Schmidt-Bleib­treu/Hof­man­n/­ders., GG, 14. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 28[]
  98. vgl. Scho­ch, Der Land­kreis 2004, S. 367, 368; Hen­ne­ke, Der Land­kreis 2007, S. 171, 172; F. Kirch­hof, in: Fest­schrift für Rupert Scholz, 2007, S. 637, 648; Schie­der­mair, DÖV 2007, S. 726, 731; Ris­se, in: Fest­schrift zum 70. Geburts­tag für Hans-Peter Schnei­der, 2008, S. 271, 274; Burger/​Faber, Komm­Jur 2011, S. 161, 163; für den Bereich Sozi­al­leis­tun­gen Hen­ne­ke, Der Land­kreis 2013, S. 232, 232[]
  99. vgl. BT-Drs. 16/​1247, S. 4; BR-Drs. 43/​03, S. 1[]
  100. vgl. BVerfGE 113, 167, 204, 206 f.; 116, 271, 310; F. Kirch­hof, Gut­ach­ten für den 61. Deut­schen Juris­ten­tag, 1996, D 87; Heint­zen, in: v. Münch/​Kunig, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2012, Art. 104a Rn. 11; Hel­ler­mann, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 7. Aufl.2018, Art. 104a Rn. 40; Heun, in: Drei­er, GG, Bd. 3, 3. Aufl.2018, Art. 104a Rn. 12; Kie­ne­mund, in: Hömig/​Wolff, GG, 12. Aufl.2018, Art. 104a Rn. 2; Schwarz, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 104a Rn. 21, Novem­ber 2018; Siek­mann, in: Sachs, GG, 8. Aufl.2018, Art. 104a Rn. 2; Kube, in: Epping/​Hillgruber, Beck­OK GG, Art. 104a Rn. 9, 15.05.2020[]
  101. vgl. BVerfGE 22, 180, 209 f.; Rem­mert, Ver­wArch 2003, S. 459, 465 f.; Ipsen, NJW 2006, S. 2801, 2802[]
  102. vgl. Scho­ch, Der Land­kreis 2004, S. 367, 368; Korio­th, in: Schweisfurth/​Wallmann, Haus­halts- und Finanz­wirt­schaft der Kom­mu­nen in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, 2019, S. 49, 51[]
  103. vgl. BT-Drs. 15/​1247, S. 4 f.; 16/​1677, S. 2; BR-Drs. 43/​03, S. 1; Kom­mis­si­on von Bun­des­tag und Bun­des­rat zur Moder­ni­sie­rung der bun­des­staat­li­chen Ord­nung, Arbeits­un­ter­la­ge 23, S. 2; F. Kirch­hof, Gut­ach­ten für den 61. Deut­schen Juris­ten­tag, 1996, D 93 f., 97; Scho­ch, Der Land­kreis 2004, S. 367, 370; Hen­ne­ke, Der Land­kreis 2010, S. 3, 6 f.[]
  104. vgl. VerfGBbg, Urteil vom 30.04.2013 – 49/​11 73 ff.; VerfGH NRW, Urteil vom 09.12.2014 – 11/​13 75 ff.; Rem­mert, Ver­wArch 2003, S. 459, 477; Scho­ch, Der Land­kreis 2004, S. 367, 368; Häde, JZ 2006, S. 930, 939; F. Kirch­hof, in: Fest­schrift für Rupert Scholz, 2007, S. 637, 649; ders., in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 84 Rn. 156, Janu­ar 2011; Wis­sen­schaft­li­che Diens­te des Deut­schen Bun­des­ta­ges, WD 3 – 3000 – 381/​10, S. 4; Broß/​Mayer, in: v. Münch/​Kunig, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2012, Art. 84 Rn. 28, 32; Wendt, DÖV 2017, S. 1, 4; Dittmann/​Winkler, in: Sachs, GG, 8. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 14; Tru­te, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 7. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 4, 57; vgl. auch BT-Drs. 16/​813, S. 15[]
  105. vgl. Häde, JZ 2006, S. 930, 931; Engel­ken, DÖV 2015, S. 184, 190[]
  106. vgl. BT-Drs. 15/​1685, S. 1; BR-Drs. 750/​03, S. 1 f.; Tru­te, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 7. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 52[]
  107. vgl. Semm­ler, Die Kom­mu­nen nach der Föde­ra­lis­mus­re­form 2006, 2012, S. 76 f.; Tru­te, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 7. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 4; vgl. auch Ipsen, NJW 2006, S. 2801, 2805[]
  108. vgl. Kom­mis­si­on von Bun­des­tag und Bun­des­rat zur Moder­ni­sie­rung der bun­des­staat­li­chen Ord­nung, Ste­no­gra­phi­scher Bericht – 8. Sit­zung, S. 166, D; Kom­mis­si­ons­druck­sa­che 79, S. 1 f.; Hen­ne­ke, NdsVBl 2007, S. 57, 60; Semm­ler, Die Kom­mu­nen nach der Föde­ra­lis­mus­re­form 2006, 2012, S. 75 f.; vgl. auch Knit­ter, Das Auf­ga­ben­über­tra­gungs­ver­bot des Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG, 2008, S. 96 f.[]
  109. vgl. Kom­mis­si­on von Bun­des­tag und Bun­des­rat zur Moder­ni­sie­rung der bun­des­staat­li­chen Ord­nung, Arbeits­un­ter­la­ge 104, S. 2[]
  110. vgl. BT-Drs. 16/​5032, S. 2, 69; 16/​8688, S. 18; BR-Drs. 651/​06, S. 17; VerfGBbg, Urteil vom 30.04.2013 – 49/​11 71; VerfGH NRW, Urteil vom 09.12.2014 – 11/​13 83, 87; Bur­gi, DVBl 2007, S. 70, 76; Kluth, LKV 2009, S. 337, 339; F. Kirch­hof, NZS 2010, S. 65, 68[]
  111. vgl. auch BT-Drs. 16/​2069, S. 16; 16/​8688, S.19; 16/​2069, S. 16; Kom­mis­si­on von Bun­des­tag und Bun­des­rat zur Moder­ni­sie­rung der bun­des­staat­li­chen Ord­nung, Arbeits­un­ter­la­ge 23, S. 2; Pieroth, in: Fest­schrift für Fried­rich E. Schnapp, 2008, S. 213, 222; Semm­ler, Die Kom­mu­nen nach der Föde­ra­lis­mus­re­form 2006, 2012, S. 66, 91[]
  112. vgl. all­ge­mein hier­zu BVerfGE 6, 55, 72; 32, 54, 71; 39, 1, 38; 43, 154, 167; 51, 97, 110; 103, 142, 153; Drei­er, in: ders., GG, Bd. 1, 3. Aufl.2013, Art. 1 Abs. 3 Rn. 86; Hopf­auf, in: Schmidt-Bleib­treu/Hof­man­n/Hen­ne­ke, GG, 14. Aufl.2018, Ein­lei­tung Rn. 215[]
  113. vgl. BT-Drs. 16/​2069, S. 4, 13; Ingold, DÖV 2010, S. 134, 137; ders., DÖV 2010, S. 732, 732; F. Kirch­hof, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 84 Rn. 162, 168, Janu­ar 2011; Böhm/​Schwarz, DVBl 2012, S. 540, 542; Sie­gel, DÖV 2018, S. 185, 188; Wolff, in: Hömig/​ders., GG, 12. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 14[]
  114. vgl. BT-Drs. 16/​2069, S. 4; Sie­gel, DÖV 2018, S. 185, 192[]
  115. vgl. auch Kluth, LKV 2009, S. 337, 337; Engel­ken, NVwZ 2015, S. 342, 343; Tru­te, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 7. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 52[]
  116. vgl. Kal­l­er­hoff, Die über­gangs­recht­li­che Fort­gel­tung von Bun­des­recht nach dem Grund­ge­setz, 2010, S. 56 f.; Wit­treck, in: Drei­er, GG, Bd. 3, 3. Aufl.2018, Art. 125a Rn. 7[]
  117. vgl. BT-Drs. 16/​3971, S. 7; 16/​3989, S. 2; vgl. auch Kom­mis­si­on von Bun­des­tag und Bun­des­rat zur Moder­ni­sie­rung der bun­des­staat­li­chen Ord­nung, Arbeits­un­ter­la­ge 33, S. 2 f.; Arbeits­un­ter­la­ge 49, S. 3[]
  118. vgl. Hen­ne­ke, DVBl 2011, S. 125, 129[]
  119. vgl. BT-Drs. 16/​10173, S. 11[]
  120. vgl. Scho­ch, DVBl 2007, S. 261, 269; Schnei­der, Der neue deut­sche Bun­des­staat, 2013, S. 143[]
  121. vgl. BT-Drs. 16/​3989, S. 2; Wis­sen­schaft­li­che Diens­te des Deut­schen Bun­des­ta­ges, WD 3 – 3000 – 255/​09, S. 42; WD 3 – 3010 – 321/​09, S. 38[]
  122. vgl. BVerfGE 111, 10, 31; 111, 226, 268 f.; 112, 226, 250[]
  123. vgl. F. Kirch­hof, in: Fest­schrift für Rupert Scholz, 2007, S. 637, 648; Scho­ch, DVBl 2007, S. 261, 264[]
  124. vgl. Bur­gi, DVBl 2007, S. 70, 77; Groß, in: Friauf/​Höfling, Ber­li­ner Kom­men­tar zum Grund­ge­setz, Bd. 4, Art. 84 Rn. 22, 20. Erg.-Lfg. IV/​07; Dittmann/​Winkler, in: Sachs, GG, 8. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 16[][]
  125. vgl. BT-Drs. 16/​813, S.20; Lind­ner, NVwZ 2007, S. 180, 181 f.; Degen­hart, in: Sachs, GG, 8. Aufl.2018, Art. 125a Rn. 7[]
  126. vgl. BVerfGE 111, 10, 31; 111, 226, 268 ff.; 112, 226, 250, 252 f.; 148, 147, 181 f. Rn. 89; Knit­ter, Das Auf­ga­ben­über­tra­gungs­ver­bot des Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG, 2008, S.200; Jarass, in: ders./Pieroth, GG, 16. Aufl.2020, Art. 125a Rn. 8[]
  127. vgl. Bur­gi, DVBl 2007, S. 70, 77; Hen­ne­ke, NdsVBl 2007, S. 57, 66; ders., DVBl 2011, S. 125, 127; ders., in: Schmidt-Bleib­treu/Hof­man­n/­ders., GG, 14. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 41; Pieroth, in: Jarass/​ders., GG, 15. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 14; im Ergeb­nis eben­so Schie­der­mair, DÖV 2007, S. 726, 731; a.A. F. Kirch­hof, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 84 Rn. 162, Janu­ar 2011; Burger/​Faber, Komm­Jur 2011, S. 161, 164; Wolff, in: Hömig/​ders., GG, 12. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 14[]
  128. vgl. Kahl/​Schmidtchen, LKV 2011, S. 439, 441 f.[]
  129. vgl. Bur­gi, DVBl 2007, S. 70, 77; Hen­ne­ke, NdsVBl 2007, S. 57, 66; Scho­ch, DVBl 2007, S. 261, 265; Knit­ter, Das Auf­ga­ben­über­tra­gungs­ver­bot des Art. 84 Abs. 1 Satz 7 GG, 2008, S. 103 f.; Semm­ler, Die Kom­mu­nen nach der Föde­ra­lis­mus­re­form 2006, 2012, S. 87; Ber­ger, DÖV 2018, S. 799, 806[]
  130. vgl. BT-Drs. 16/​2069, S. 24; Ingold, DÖV 2010, S. 134, 135 f.; Her­mes, in: Drei­er, GG, Bd. 3, 3. Aufl.2018, Art. 84 Rn. 72, 78[]
  131. zum Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­ket BT-Drs. 17/​14717, S. 8[]
  132. vgl. BT-Drs. 17/​3404, S. 42[]
  133. vgl. Scho­ch, in: Bie­ritz-Har­der/­Con­ra­dis/­Thie, SGB XII, 11. Aufl.2018, § 3 Rn. 13[]
  134. Gesetz vom 24.03.2011, BGBl I S. 453, 483[]
  135. vgl. Fal­ter­baum, in: Hauck/​Noftz, SGB XII, § 34 Rn. 29, Sep­tem­ber 2018[]
  136. Gesetz vom 22.12.2008, BGBl I S. 2955, 2957; geän­dert mit Wir­kung zum 23.07.2009 durch Gesetz vom 16.07.2009, BGBl I S.1959, 1968[]
  137. vgl. Fal­ter­baum, in: Hauck/​Noftz, SGB XII, § 34 Rn. 35, Sep­tem­ber 2018; Gru­be, in: ders./Wahrendorf, SGB XII, 6. Aufl.2018, § 34 Rn. 18, 33[]
  138. vgl. Geb­hardt, in: Rolfs/​Giesen/​Kreikebohm/​Udsching, Beck­OK Sozi­al­recht, § 34a SGB XII Rn. 1, 1.03.2020[]
  139. vgl. Gru­be, in: ders./Wahrendorf, SGB XII, 6. Aufl.2018, § 34 Rn. 1; Krauß, in: Knickrehm/​Kreikebohm/​Waltermann, Kom­men­tar zum Sozi­al­recht, 6. Aufl.2019, § 34a SGB XII Rn. 1; Luik, in: Schlegel/​Voelzke, juris­PK-SGB XII, 3. Aufl.2020, § 34a Rn. 32[]
  140. Gesetz vom 22.12.2008, BGBl I S. 2955, 2957[]
  141. vgl. Fal­ter­baum, in: Hauck/​Noftz, SGB XII, § 34a Rn. 6 f., Mai 2014; vgl. auch Luik, in: Schlegel/​Voelzke, juris­PK-SGB XII, 3. Aufl.2020, § 34a Rn. 14[]
  142. vgl. Fal­ter­baum, in: Hauck/​Noftz, SGB XII, § 34 Rn. 10, Sep­tem­ber 2018; Geb­hardt, in: Rolfs/​Giesen/​Kreikebohm/​Udsching, Beck­OK Sozi­al­recht, § 34 SGB XII Rn. 1, 1.03.2020[]
  143. Gesetz vom 07.05.2013, BGBl I S. 1167, 1167[]
  144. vgl. BT-Drs.19/2268, S. 3, 19 f.; Gru­be, in: ders./Wahrendorf, SGB XII, 6. Aufl.2018, § 34 Rn. 8; Krauß, in: Knickrehm/​Kreikebohm/​Waltermann, Kom­men­tar zum Sozi­al­recht, 6. Aufl.2019, § 34 SGB XII Rn. 2[]
  145. vgl. BVerfGE 99, 280, 298; 105, 73, 133; 117, 1, 69; 122, 210, 244 f.; 126, 268, 284 f.; 133, 377, 422 Rn. 104; 138, 136, 249 Rn. 286; 145, 106, 166 Rn. 152; 147, 253, 362 f. Rn. 252; 148, 147, 211 Rn. 165; 149, 222, 290 Rn. 151; BVerfG, Urteil vom 05.11.2019 – 1 BvL 7/​16, Rn. 212; stRspr[]
  146. vgl. BVerfGE 33, 1, 13; 109, 190, 235 f.; 141, 220, 351 Rn. 355; 150, 244, 306 Rn. 168; 150, 309, 343 f. Rn. 94; BVerfG, Urteil vom 19.05.2020 – 1 BvR 2835/​17, Rn. 329; stRspr[]
  147. vgl. BVerfGE 33, 303, 347; 61, 319, 356; 83, 130, 154; 85, 386, 401; 87, 153, 177 f.; 128, 282, 321 f.; 147, 253, 363 Rn. 252; 149, 222, 290 Rn. 151; stRspr[]
  148. vgl. BVerfGE 83, 130, 154; 92, 158, 186[]
  149. vgl. BVerfGE 37, 217, 261; 73, 40, 101 f.; 119, 331, 383 f.[]
  150. vgl. BVerfGE 137, 108, 171 Rn. 148[]
  151. vgl. BVerfGE 37, 217, 261; 73, 40, 102; 92, 53, 74; 137, 108, 171 Rn. 148[]
  152. vgl. BVerfGE 83, 130, 152 ff.; 137, 108, 171 f. Rn. 148; vgl. auch BVerfGE 51, 268, 290 f.[]
  153. vgl. BVerfGE 138, 136, 250 Rn. 289[]
  154. vgl. BVerfGE 45, 187, 229; 125, 175, 222; 132, 134, 173 Rn. 95; 137, 34, 72 Rn. 74; 142, 353, 369 f. Rn. 36; BVerfG, Urteil vom 05.11.2019 – 1 BvL 7/​16, Rn. 120[]