Hartz IV-Regel­be­darf "noch" ver­fas­sungs­ge­mäß

Zur Gewähr­leis­tung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums (Art. 1 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 1 GG) dür­fen die Anfor­de­run­gen des Grund­ge­set­zes, tat­säch­lich für eine men­schen­wür­di­ge Exis­tenz Sor­ge zu tra­gen, im Ergeb­nis nicht ver­fehlt wer­den und muss die Höhe exis­tenz­si­chern­der Leis­tun­gen ins­ge­samt trag­fä­hig begründ­bar sein.

Hartz IV-Regel­be­darf

Der Gesetz­ge­ber ist von Ver­fas­sungs wegen nicht gehin­dert, aus der grund­sätz­lich zuläs­si­gen sta­tis­ti­schen Berech­nung der Höhe exis­tenz­si­chern­der Leis­tun­gen nach­träg­lich in Ori­en­tie­rung am Waren­korb­mo­dell ein­zel­ne Posi­tio­nen her­aus­zu­neh­men. Der exis­tenz­si­chern­de Regel­be­darf muss jedoch ent­we­der ins­ge­samt so bemes­sen sein, dass Unter­de­ckun­gen intern aus­ge­gli­chen oder durch Anspa­ren gedeckt wer­den kön­nen, oder ist durch zusätz­li­che Leis­tungs­an­sprü­che zu sichern.

Die Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts nach dem Zwei­ten Buch des Sozi­al­ge­setz­bu­ches sind damit nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts der­zeit noch ver­fas­sungs­ge­mäß. Die Anfor­de­run­gen des Grund­ge­set­zes, tat­säch­lich für eine men­schen­wür­di­ge Exis­tenz Sor­ge zu tra­gen, wer­den im Ergeb­nis nicht ver­fehlt. Ins­ge­samt ist die vom Gesetz­ge­ber fest­ge­leg­te Höhe der exis­tenz­si­chern­den Leis­tun­gen trag­fä­hig begründ­bar. Soweit die tat­säch­li­che Deckung exis­ten­zi­el­ler Bedar­fe in Ein­zel­punk­ten zwei­fel­haft ist, hat der Gesetz­ge­ber eine trag­fä­hi­ge Bemes­sung der Regel­be­dar­fe bei ihrer anste­hen­den Neu­er­mitt­lung auf der Grund­la­ge der Ein­kom­mens- und Ver­brauchs­stich­pro­be 2013 sicher­zu­stel­len.

Die gesetz­li­che Rege­lung[↑]

Die kon­kre­ten Nor­men­kon­troll­ver­fah­ren und die Ver­fas­sungs­be­schwer­de betref­fen die Fra­ge, ob das Gesetz zur Ermitt­lung von Regel­be­dar­fen und zur Ände­rung des Zwei­ten und Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch vom 24.03.2011 1 den Anfor­de­run­gen aus Art. 1 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 1 GG auf Gewähr­leis­tung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums gerecht wird. Gegen­stand die­ser Ver­fah­ren sind die Leis­tun­gen für den Regel­be­darf für Allein­ste­hen­de, für zusam­men­le­ben­de Voll­jäh­ri­ge sowie für Jugend­li­che im Alter zwi­schen 15 und 18 Jah­ren und für Kin­der bis zu sechs Jah­ren.

Das Gesetz zur Ermitt­lung von Regel­be­dar­fen und zur Ände­rung des Zwei­ten und Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch vom 24.03.2011 1 trat, vor­be­halt­lich von Art. 14 Abs. 2 und 3 die­ses Geset­zes, rück­wir­kend am 1.01.2011 in Kraft. Der maß­geb­li­che Gesetz­ent­wurf wur­de am 26.10.2010 in den Bun­des­tag ein­ge­bracht 2 und im Ver­mitt­lungs­ver­fah­ren ver­än­dert 3; Bun­des­tag 4 und Bun­des­rat 5 stimm­ten dem Gesetz am 25.02.2011 zu.

Das im Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch (SGB II) gere­gel­te Grund­si­che­rungs­recht für Arbeit­su­chen­de zielt dar­auf, Hil­fe­be­dürf­tig­keit ins­be­son­de­re durch "Ein­glie­de­rung in Arbeit" zu been­den oder zumin­dest zu ver­rin­gern (§ 1 Abs. 3 Nr. 1 SGB II) und den Lebens­un­ter­halt eines Men­schen zu decken (§ 1 Abs. 3 Nr. 2 SGB II); dane­ben sichern Vor­schrif­ten im Fünf­ten und Elf­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch (SGB V und SGB XI) Betrof­fe­ne gegen die Risi­ken von Krank­heit und Pfle­ge­be­dürf­tig­keit ab. Die Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts nach dem Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch sol­len vom Gesetz­ge­ber aner­kann­te, eine men­schen­wür­di­ge Exis­tenz sichern­de Bedar­fe abde­cken.

§ 19 SGB II legt fest, wer die­se Leis­tun­gen bezie­hen kann und wel­che Bedar­fe grund­sätz­lich aner­kannt wer­den. Leis­tun­gen erhal­ten erwerbs­fä­hi­ge Leis­tungs­be­rech­tig­te zwi­schen Voll­endung ihres 15. Lebens­jah­res und in der Regel dem Ablauf des Monats, in dem sie 65 Jah­re alt gewor­den sind, die nicht auf abseh­ba­re Zeit außer­stan­de sind, unter den übli­chen Bedin­gun­gen des all­ge­mei­nen Arbeits­markts min­des­tens drei Stun­den täg­lich erwerbs­tä­tig zu sein, die hil­fe­be­dürf­tig sind und die ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in Deutsch­land haben (§ 7 Abs. 1 Satz 1 SGB II).

Der Gesetz­ge­ber unter­schei­det bei den Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen nach unter­schied­li­chen Bedar­fen. Aus­gangs­punkt ist der Anspruch auf Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts für den Regel­be­darf (§ 20 SGB II) neben bestimm­ten Mehr­be­dar­fen (§ 21 Abs. 2 bis 5, § 23 Nr. 2 bis 4 SGB II), Leis­tun­gen für die tat­säch­li­chen ange­mes­se­nen Auf­wen­dun­gen für Unter­kunft und Hei­zung (§ 19 Abs. 1 Satz 3 SGB II) und einer Pau­scha­le bei dezen­tra­ler Warm­was­ser­er­zeu­gung (§ 21 Abs. 7 SGB II). Dazu kommt der Anspruch auf Leis­tun­gen für einen im Ein­zel­fall unab­weis­ba­ren, lau­fen­den, nicht nur ein­ma­li­gen beson­de­ren Bedarf (§ 21 Abs. 6 SGB II). Für einen ein­ma­li­gen, nach den Umstän­den unab­weis­ba­ren Bedarf, der grund­sätz­lich vom Regel­be­darf umfasst ist, der im Ein­zel­fall jedoch nicht oder nicht aus­rei­chend gedeckt ist, kann hin­ge­gen ein Dar­le­hen gewährt wer­den (§ 24 Abs. 1 SGB II), das ab dem Monat nach der Aus­zah­lung mit monat­lich 10 % des maß­ge­ben­den Regel­be­darfs zu til­gen ist (§ 42a Abs. 2 Satz 1 SGB II). Es besteht zudem ein Anspruch auf bestimm­te ein­ma­li­ge Bei­hil­fen, unter ande­rem für die Erst­aus­stat­tung der Woh­nung mit Haus­halts­ge­rä­ten und für Anschaf­fung und Repa­ra­tur von ortho­pä­di­schen Schu­hen (§ 24 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 bis 3 SGB II); im Ermes­sen steht ein Zuschuss für Woh­nungs­be­schaf­fungs- und Umzugs­kos­ten und für Miet­kau­tio­nen (§ 22 Abs. 6 SGB II). Schließ­lich ist in § 28 SGB II seit dem Jahr 2011 ein geson­der­ter Bedarf für Bil­dung und Teil­ha­be von Kin­dern, Jugend­li­chen und jun­gen Erwach­se­nen aner­kannt.

Der Umfang der Leis­tun­gen für den Regel­be­darf wird grund­sätz­lich in § 20 Abs. 2 bis 4 SGB II sowie ergän­zend in § 23 Nr. 1 SGB II bestimmt. Die Leis­tun­gen sol­len das phy­si­sche und sozio­kul­tu­rel­le Exis­tenz­mi­ni­mum sichern (§ 20 Abs. 1 Satz 1 und 2 SGB II) 6.

Der exis­tenz­si­chern­de Regel­be­darf soll in Form eines monat­li­chen Pau­schal­be­trags gedeckt wer­den (§ 20 Abs. 1 Satz 3 SGB II). Über die Ver­wen­dung der Leis­tun­gen sol­len die Berech­tig­ten selbst ent­schei­den und dabei auch unre­gel­mä­ßig anfal­len­de Bedar­fe berück­sich­ti­gen (§ 20 Abs. 1 Satz 4 SGB II). Der Gesetz­ge­ber geht davon aus, dass der Pau­schal­be­trag einen inter­nen Aus­gleich zwi­schen ver­schie­de­nen Bedarfs­po­si­tio­nen ermög­licht, die nicht immer oder nicht bei allen anfal­len 7.

Bei den Regel­be­darfs­leis­tun­gen wird nach dem Lebens­al­ter und der Lebens­si­tua­ti­on der Bedürf­ti­gen unter­schie­den. So erfolgt eine Fest­set­zung für allein­ste­hen­de erwach­se­ne Leis­tungs­be­rech­tig­te, eine wei­te­re für Erwach­se­ne, die mit ande­ren zusam­men in einer soge­nann­ten Bedarfs­ge­mein­schaft leben; dane­ben wird der Regel­be­darf für Fami­li­en­haus­hal­te fest­ge­setzt, in denen Erwach­se­ne Kin­der ver­sor­gen (§ 20 Abs. 2 und 4 SGB II), und eigen­stän­dig für Kin­der und Jugend­li­che bis 15 Jah­re (§ 23 Nr. 1 SGB II). Die­se Staf­fe­lung liegt auch der Bil­dung der für die kon­kre­te Berech­nung des Regel­be­darfs maß­geb­li­chen, im Regel­be­darfs-Ermitt­lungs­ge­setz (RBEG) nor­mier­ten Regel­be­darfs­stu­fen zugrun­de (§ 8 RBEG).

Geson­dert gere­gelt sind Leis­tun­gen für Bil­dung und Teil­ha­be am sozia­len und kul­tu­rel­len Leben in der Gemein­schaft in § 28 und § 29 SGB II. Mit den Leis­tun­gen für Schü­le­rin­nen und Schü­ler wer­den bestimm­te Kos­ten erstat­tet und für sozia­le und kul­tu­rel­le Akti­vi­tä­ten für Kin­der und Jugend­li­che gibt es ein monat­li­ches Bud­get von 10 € (§ 28 Abs. 7 SGB II), das für bestimm­te vor­han­de­ne Ange­bo­te ein­ge­setzt wer­den kann (§ 29 SGB II). Wei­te­re tat­säch­li­che Kos­ten, die für die Nut­zung sol­cher Ange­bo­te ent­ste­hen, kön­nen seit August 2013 aus­nahms­wei­se eben­falls über­nom­men wer­den (§ 28 Abs. 7 Satz 2 SGB II 8).

Mit die­sen Rege­lun­gen hat der Gesetz­ge­ber die Bemes­sung der Regel­be­dar­fe nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 09.02.2010 9 neu kon­zi­piert. Die Regel­be­dar­fe wer­den nun nicht mehr in einer Ver­ord­nung als "Eck­re­gel­sät­ze" fest­ge­legt (vgl. § 2 RSV a.F.), son­dern gemäß § 20 Abs. 5 Satz 2 SGB II in Ver­bin­dung mit § 28 SGB XII und dem Regel­be­darfs-Ermitt­lungs­ge­setz durch ein Par­la­ments­ge­setz. Der Regel­be­darf wird auf der Grund­la­ge von Erhe­bun­gen über die Kon­sum­aus­ga­ben bestimm­ter Haus­hal­te ermit­telt, die durch Son­der­aus­wer­tun­gen ergänzt wer­den, um bestimm­te Regel­be­darfs­stu­fen fest­zu­set­zen. Jedoch wer­den nicht alle in der Ein­kom­mens- und Ver­brauchs­stich­pro­be (EVS) erfass­ten Aus­ga­be­po­si­tio­nen als regel­be­darfs­re­le­vant über­nom­men.

Der Regel­be­darf soll nach dem Stand und der Ent­wick­lung von Net­to­ein­kom­men, Ver­brau­cher­ver­hal­ten und Lebens­hal­tungs­kos­ten ermit­telt wer­den (§ 28 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. § 27a Abs. 2 SGB XII). Dies geschieht auf der Grund­la­ge der Daten der durch das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt unter Mit­hil­fe der Sta­tis­ti­schen Lan­des­äm­ter etwa alle fünf Jah­re ermit­tel­ten EVS. Sie erfasst Ein­nah­men und Aus­ga­ben, Ver­mö­gen und Schul­den und die Aus­stat­tung pri­va­ter Haus­hal­te mit Gebrauchs­gü­tern und die Wohn­si­tua­ti­on. Dazu wer­den Haus­hal­te nach einem für die Län­der und die sozia­le Schich­tung reprä­sen­ta­ti­ven Quo­ten­plan in Anleh­nung an den Mikro­zen­sus als Stich­pro­ben befragt; für die EVS 2008 wur­den 55.110 und damit 0, 2 % der pri­va­ten Haus­hal­te mit einem monat­li­chen Net­to­ein­kom­men von weni­ger als 18.000 € erfasst. Die Haus­hal­te zeich­nen über ein Jahr hin­weg quar­tals­wei­se alle Ein­nah­men und Aus­ga­ben in einem Haus­halts­buch auf; im Nach­gang wer­den die Ein­tra­gun­gen durch Kon­troll­fra­gen veri­fi­ziert. Die Ergeb­nis­se wer­den auf die Gesamt­be­völ­ke­rung hoch­ge­rech­net. Machen nur weni­ge Haus­hal­te Anga­ben, wird der erho­be­ne Wert nach inter­nen Vor­ga­ben des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes zum Daten­schutz nicht ver­öf­fent­licht, son­dern bei unter 25 Haus­hal­ten mit "/​" und bei unter 100 mit "()" aus­ge­wie­sen. Die EVS von 2013 ist bis­lang nicht aus­ge­wer­tet, wes­halb den hier in Rede ste­hen­den Sät­zen die Wer­te der EVS von 2008 zugrun­de lie­gen.

Die Höhe des Regel­be­darfs ori­en­tiert sich dar­an, was Men­schen in bestimm­ten, nach Ein­kom­men geschich­te­ten "Refe­renz­haus­hal­ten" aus­ge­ben. Dabei unter­schei­det der Gesetz­ge­ber zwi­schen Ein­per­so­nen­haus­hal­ten und Fami­li­en­haus­hal­ten, die er als Haus­hal­te eines Paa­res mit einem Kind defi­niert (§ 28 Abs. 3 Satz 2 und 4 SGB XII, § 2 RBEG). In Son­der­aus­wer­tun­gen zur EVS wer­den die Aus­ga­ben bestimm­ter, sta­tis­tisch in hin­rei­chend signi­fi­kan­ter Zahl zu erfas­sen­der Haus­hal­te "unte­rer Ein­kom­mens­grup­pen" als Refe­renz­haus­hal­te berück­sich­tigt (§ 28 Abs. 2 und 3 SGB XII, § 4 RBEG). Der Gesetz­ge­ber ent­schied, sich bei Ein­per­so­nen­haus­hal­ten nicht wie zuvor an den unte­ren 20 % der nach ihrem Net­to­ein­kom­men geschich­te­ten Ein­per­so­nen­haus­hal­te mit Aus­nah­me der Haus­hal­te im Für­sor­ge­leis­tungs­be­zug, son­dern an den unte­ren 15 % als Refe­renz­haus­hal­te zu ori­en­tie­ren. In den Fami­li­en­haus­hal­ten hat er den Regel­be­darf von Erwach­se­nen eben­falls auf die­ser Grund­la­ge von 15 % fest­ge­setzt, den Regel­be­darf für Kin­der und Jugend­li­che dem­ge­gen­über aus den Ver­brauchs­aus­ga­ben der unte­ren 20 % der Fami­li­en­haus­hal­te ermit­telt.

Bestimm­te Haus­hal­te wer­den nicht als Refe­renz­haus­hal­te berück­sich­tigt. Her­aus­ge­rech­net wer­den danach Haus­hal­te, in denen im Erhe­bungs­zeit­raum aus­schließ­lich Hil­fe zum Lebens­un­ter­halt nach dem Drit­ten Kapi­tel des Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch (SGB XII), Grund­si­che­rung im Alter und bei Erwerbs­min­de­rung nach dem Vier­ten Kapi­tel des Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch und Arbeits­lo­sen­geld II oder Sozi­al­geld nach dem Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch (§ 3 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 RBEG) bezo­gen wur­de (§ 28 Abs. 3 Satz 3 SGB XII). Ein­be­zo­gen wur­den jedoch Haus­hal­te, in denen dane­ben wei­te­res Ein­kom­men zur Ver­fü­gung stand, also meist Hin­zu­ver­diens­te aus Erwerbs­tä­tig­keit ("Auf­sto­cker"), und Haus­hal­te mit Stu­die­ren­den, die Leis­tun­gen nach dem Bun­des­aus­bil­dungs­för­de­rungs­ge­setz (BAföG) erhiel­ten. Nicht aus­ge­schlos­sen waren auch Haus­hal­te von Per­so­nen mit vor­ma­li­gem Bezug von Arbeits­lo­sen­hil­fe oder ‑geld und Haus­hal­te, die zwar auf exis­tenz­si­chern­de Leis­tun­gen ange­wie­sen wären, aber kei­ne Anträ­ge auf sol­che Leis­tun­gen stell­ten ("ver­deck­te Armut").

Die in der EVS aus­ge­wie­se­nen Ver­brauchs­aus­ga­ben der Refe­renz­haus­hal­te sind die Grund­la­ge für die Bestim­mung von sechs Regel­be­darfs­stu­fen (§ 8 Abs. 1 RBEG und Anla­ge zu § 28 SGB XII). Sie gel­ten für das Leis­tungs­sys­tem des SGB XII; für das SGB II gel­ten mit § 20 und § 23 spe­zi­el­le­re eige­ne Rege­lun­gen. Die Beträ­ge des § 8 RBEG gel­ten nur für das Jahr 2011, denn die Anla­ge zu § 28 SGB XII wird jähr­lich zum 1.01.ergänzt.

Die Regel­be­darfs­stu­fe 1 für allein­ste­hen­de oder allein­er­zie­hen­de Erwach­se­ne im eige­nen Haus­halt wur­de aus den Aus­ga­ben der Ein­per­so­nen­haus­hal­te ermit­telt; die Regel­be­darfs­stu­fe 2 für Erwach­se­ne, die als Paar zusam­men­le­ben, errech­net sich aus 90 % und die Regel­be­darfs­stu­fe 3 für Erwach­se­ne, die weder einen eige­nen Haus­halt füh­ren noch als Paar wirt­schaf­ten, aus 80 % von der Regel­be­darfs­stu­fe 1 10. Die Regel­be­darfs­stu­fen 4 bis 6 für Kin­der und Jugend­li­che wer­den aus den Aus­ga­ben der Fami­li­en­haus­hal­te berech­net 11.

Die Höhe der Regel­be­darfs­leis­tun­gen beruht zudem auf der Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers, nicht alle, son­dern nur bestimm­te in der EVS erho­be­ne Aus­ga­ben als regel­be­darfs­re­le­vant anzu­er­ken­nen.

Regel­be­darfs­re­le­vant sind nach § 28 Abs. 4 SGB XII nur sol­che Aus­ga­ben, die eine ein­fa­che Lebens­wei­se ermög­li­chen, wie sie ein­kom­mens­schwa­che Haus­hal­te füh­ren, und die nicht ander­wei­tig abge­deckt sind oder bun­des­weit begüns­tigt wer­den.

Bestimm­te Posi­tio­nen in den Abtei­lun­gen der Ver­brauchs­aus­ga­ben der EVS sind aus der Berech­nung des Regel­be­darfs aus­drück­lich her­aus­ge­nom­men 12 oder nur antei­lig berück­sich­tigt.

Die Ermitt­lung des Regel­be­darfs für Ein­per­so­nen­haus­hal­te beruht auf Anga­ben von 1.678 Haus­hal­ten. Sie baut mit einer Son­der­aus­wer­tung der EVS 2008 auf einer Son­der­aus­wer­tung der EVS 2003 auf 13, weicht aber teils auch von die­ser ab. Die berück­sich­tig­ten Aus­ga­ben set­zen sich für Ein­per­so­nen­haus­hal­te aus ins­ge­samt 11 ver­schie­de­nen Abtei­lun­gen in der Sys­te­ma­tik der EVS zusam­men und betra­gen ins­ge­samt 361, 81 € (§ 5 RBEG).

Bei der EVS 2008 wur­den die Ver­brauchs­po­si­tio­nen Alko­hol, Tabak­wa­ren, che­mi­sche Rei­ni­gung, Schnitt­blu­men, Geld­spen­den, Gerichts­kos­ten (Stra­fen), Rasen­mä­her und die Repa­ra­tur von Hand­werks­ge­rä­ten her­aus­ge­nom­men. Hin­ge­gen wur­den Posi­tio­nen wie War­tungs- und Repa­ra­tur­kos­ten, Anschaf­fung von Com­pu­tern, Sport- und Cam­ping­ar­ti­kel, Gebüh­ren für Kur­se sowie Gebüh­ren für den Per­so­nal­aus­weis neu berück­sich­tigt.

Ande­re Aus­ga­be­po­si­tio­nen der EVS hat der Gesetz­ge­ber nur antei­lig als regel­be­darfs­re­le­vant aner­kannt. Bei den Ver­brauchs­po­si­tio­nen der Abtei­lun­gen 05 ("Motor­be­trie­be­ne Werk­zeu­ge und Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de für Haus und Gar­ten") und 12 ("Uhren") wer­den mit einem Wägungs­sche­ma des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes die Antei­le bestimmt, mit denen ein­zel­ne Pro­duk­te in den Ver­brau­cher­preis­in­dex ein­ge­hen 14. Bei ande­ren Aus­ga­be­po­si­tio­nen wur­den Son­der­aus­wer­tun­gen durch­ge­führt 13. Dies betrifft die Haus­halts­ener­gie, wo die Son­der­aus­wer­tung nur Haus­hal­te aus­ge­wer­tet hat, die ange­ge­ben hat­ten, nicht mit Strom zu hei­zen. Es betrifft den Bereich Ver­kehr mit einer Son­der­aus­wer­tung der Haus­hal­te ohne Aus­ga­ben für Kraft­stof­fe und Schmier­mit­tel, weil der Gesetz­ge­ber davon aus­ging, dass sie kein pri­va­tes Kraft­fahr­zeug nutz­ten. Schließ­lich berück­sich­tig­te eine Son­der­aus­wer­tung zu Kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tun­gen nur Haus­hal­te mit Aus­ga­ben ledig­lich für Fest­netz- oder Inter­net­an­schluss ohne Aus­ga­ben für Mobil­te­le­fo­ne oder "Kom­bi­pa­ke­te".

Für die Ermitt­lung der exis­tenz­si­chern­den Bedar­fe von Kin­dern und Jugend­li­chen wur­den 523 Haus­hal­te eines Paa­res mit einem Kind unter 18 Jah­ren, bei Paa­ren mit einem Kind unter sechs Jah­ren 237 Haus­hal­te, bei einem Kind zwi­schen sechs und 13 Jah­ren 184 Haus­hal­te und bei einem Kind zwi­schen 14 und 17 Jah­ren 115 Haus­hal­te berück­sich­tigt 15. Da die EVS die Kon­sum­aus­ga­ben die­ser Haus­hal­te ins­ge­samt erfasst, wur­de der Bedarf für Kin­der und Jugend­li­che dar­aus typi­siert berech­net.

In dem Berech­nungs­sche­ma wer­den drei Alters­grup­pen unter­schie­den: Kin­der bis zum 6. Lebens­jahr, von Beginn des 7. bis zur Voll­endung des 14. Lebens­jah­res und von Beginn des 15. bis zur Voll­endung des 18. Lebens­jah­res. Der Gesetz­ge­ber stützt sich dabei auf die bereits in den 1980er Jah­ren ein­ge­setz­te Arbeits­grup­pe "Lebens­hal­tungs­auf­wen­dun­gen Kin­der" des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Jugend, Fami­lie, Frau­en und Gesund­heit, wonach mit dem Zeit­punkt der Ein­schu­lung, also etwa mit sechs Jah­ren, der Wohn­raum­be­darf in der Regel stei­ge und sich durch den Schul­be­such der Ver­brauch ver­än­de­re, und weil mit dem Ein­set­zen der Puber­tät, also etwa ab dem 12. Lebens­jahr, erneut der Raum­be­darf und der Kalo­ri­en­ver­brauch stie­gen und sich auch Frei­zeit­be­dürf­nis­se änder­ten 16.

Die Haus­halts­aus­ga­ben wer­den Kin­dern und Jugend­li­chen dann mit Hil­fe von Ver­tei­lungs­schlüs­seln zuge­ord­net. Hier stützt sich der Gesetz­ge­ber auf die Stu­die "Kos­ten eines Kin­des" im Auf­trag des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend auf Basis der EVS 1988 17 und für ein­zel­ne Posi­tio­nen auf wei­ter dif­fe­ren­zie­ren­de Gut­ach­ten. Sie unter­schei­den teil­wei­se nach Alter und Geschlecht des Kin­des oder, für bestimm­te Ver­brauchs­po­si­tio­nen wie Innen­aus­stat­tung, Haus­halts­ge­rä­te und ‑gegen­stän­de, nach dem Anteil des Kin­der­zim­mers an der gesam­ten Wohn­flä­che, dif­fe­ren­ziert nach alten und neu­en Bun­des­län­dern, oder, bei den Ver­kehrs­aus­ga­ben nach der Nut­zung von Fahr­rad oder öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln. Aus­ga­ben für Gesund­heit, Tele­fon, Zei­tun­gen und Bücher rech­net der Gesetz­ge­ber den Erwach­se­nen und dem Kind jeweils zu einem Drit­tel zu; Aus­ga­ben für Beklei­dung und Schu­he wur­den ab 2003 für Kin­der bis zum Alter unter 14 Jah­ren erho­ben und für Jugend­li­che ab 14 Jah­ren gleich­mä­ßig auf alle Per­so­nen im Haus­halt ver­teilt. Bei Kühl­schrän­ken, Wasch­ma­schi­nen und ande­ren Haus­halts­ge­rä­ten sowie bei der Kör­per­pfle­ge stützt sich der Gesetz­ge­ber auf Ver­tei­lungs­schlüs­sel einer Ska­la der Orga­ni­sa­ti­on für Wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (OECD), die Ein­kom­men und damit das Wohl­stands­ni­veau von Haus­hal­ten unab­hän­gig von deren Grö­ße und Zusam­men­set­zung ver­gleicht und dazu die Kos­ten je Per­son nach Haus­halts­grö­ße abge­stuft fest­setzt 18. Schließ­lich wer­den eini­ge Aus­ga­ben, für Pra­xis­ge­büh­ren, Post- und Kurier­diens­te sowie für Finanz­dienst­leis­tun­gen und Mit­glieds­bei­trä­ge voll­stän­dig den Erwach­se­nen zuge­ord­net, ande­re, für Spiel­wa­ren und Hob­bys, nur Kin­dern.

Um mit den Leis­tun­gen für den Regel­be­darf den jeweils aktu­el­len Bedarf sichern zu kön­nen, wird deren Höhe nach einer neu­en EVS neu ermit­telt (§ 28 SGB XII) und dann neu fest­ge­setzt oder aber, in den Jah­ren dazwi­schen, jeweils zum 1.01.fortgeschrieben (§ 28a Abs. 1 Satz 1 SGB XII) und durch Regel­be­darfs­stu­fen-Fort­schrei­bungs­ver­ord­nun­gen bekannt gege­ben (§ 20 Abs. 5 SGB II, § 40 SGB XII).

Die regel­mä­ßi­ge Fort­schrei­bung setzt in der jewei­li­gen Ver­ord­nung den für die Regel­be­darfs­stu­fen maß­geb­li­chen Vom­hun­dert­satz fest und ändert die Beträ­ge für die Regel­be­darfs­stu­fen in der Anla­ge zu § 28 SGB XII bis zum 31.10.für das fol­gen­de Kalen­der­jahr (§ 40 Satz 3 SGB XII). Der Vom­hun­dert­satz ist dabei nicht mehr wie nach der frü­he­ren Rege­lung an den aktu­el­len Ren­ten­wert in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung (§ 4 RSV a.F.) gekop­pelt, son­dern an die bun­des­durch­schnitt­li­che Ent­wick­lung der Prei­se für regel­be­darfs­re­le­van­te Güter und Dienst­leis­tun­gen sowie die bun­des­durch­schnitt­li­che Ent­wick­lung der Net­to­löh­ne und ‑gehäl­ter (§ 28a Abs. 2 Satz 1 SGB XII). Auch die­se Daten wer­den im Auf­trag des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Arbeit und Sozia­les durch das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt ermit­telt (§ 28a Abs. 3 SGB XII). Dabei wird in einem Mischin­dex die Preis­ent­wick­lung zu 70 % und die Lohn- und Gehalts­ent­wick­lung zu 30 % berück­sich­tigt (§ 28a Abs. 2 Satz 3 SGB XII), da die Preis­ent­wick­lung den rea­len Wert der Leis­tun­gen zur Deckung des phy­si­schen Exis­tenz­mi­ni­mums siche­re 19, wohin­ge­gen die Lohn­ent­wick­lung den all­ge­mei­nen Wohl­stand wider­spie­ge­le. Für die Regel­be­dar­fe für Kin­der und Jugend­li­che gal­ten, solan­ge sich durch die Fort­schrei­bung für sie kei­ne höhe­ren Beträ­ge erga­ben, wei­ter­hin die höhe­ren Euro-Beträ­ge aus der Zeit vor Inkraft­tre­ten der Neu­re­ge­lun­gen zum 1.01.2011 (§ 77 Abs. 4 SGB II). Die­se Über­gangs­re­ge­lung ist seit 2013 obso­let gewor­den, da seit­her die fort­ge­schrie­be­nen Regel­be­darfs­stu­fen 4 bis 6 die Beträ­ge in § 77 Abs. 4 SGB II über­schrit­ten.

Für 2011 und für 2012 fan­den geson­der­te Fort­schrei­bun­gen statt.

Für die Fort­schrei­bung zum 1.01.2011 wäre nach § 7 Abs. 1 RBEG in Ver­bin­dung mit § 28a Abs. 2 SGB XII die Ver­än­de­rungs­ra­te im Ver­gleich 2009/​10 zu 2008/​09 maß­geb­lich gewe­sen, was eine Höhe des Regel­be­darfs für Allein­ste­hen­de mit 367 € erge­ben hät­te. Der Gesetz­ge­ber gab mit § 7 Abs. 2 RBEG als Ver­än­de­rungs­ra­te jedoch die Jah­res­wer­te 2009 im Ver­gleich mit 2008 vor, ließ also die Ent­wick­lung der Prei­se und Net­to­ein­kom­men im ers­ten Halb­jahr 2010 unbe­rück­sich­tigt, wor­aus sich ein Regel­be­darf für Allein­ste­hen­de von monat­lich 364 € ergab. Der Gesetz­ge­ber woll­te sich wie in der Neu­be­mes­sung an Jah­res­er­geb­nis­sen ori­en­tie­ren 20. Eine wei­te­re Beson­der­heit galt für die Fort­schrei­bung der Regel­be­dar­fe zum 1.01.2012. Anders als nach § 28a Abs. 2 Satz 2 SGB XII wur­de ein Ver­gleich des Zeit­raums vom 01.07.2009 bis 30.06.2010 mit dem Jah­res­durch­schnitts­wert 2009 durch­ge­führt 21, was eine Erhö­hung des Regel­be­darfs für Allein­ste­hen­de um 3 € bewirk­te. Sodann wur­den die Sät­ze ent­spre­chend § 28a SGB XII durch § 1 RBSFV 2012 um 1, 99 % erhöht, was sich bei Allein­ste­hen­den auf 7 € belief (§ 138 Nr. 2 i.V.m. § 28 Abs. 4 Satz 5 SGB XII). Seit 2011 erga­ben sich fol­gen­de Wer­te für die Regel­be­darfs­stu­fen:

gül­tig ab Regel­bedarfs­stufe 1 Regel­bedarfs­stufe 2 Regel­bedarfs­stufe 3 Regel­bedarfs­stufe 4 Regel­bedarfs­stufe 5 Regel­bedarfs­stufe 6
1.01.2011 364 € 328 € 291 € 287 € 251 € 215 €
1.01.2012 374 € 337 € 299 € 287 € 251 € 219 €
1.01.2013 382 € 345 € 306 € 289 € 255 € 224 €
1.01.2014 391 € 353 € 313 € 296 € 261 € 229 €

Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les hat­te dem Deut­schen Bun­des­tag nach § 10 Abs. 1 RBEG bis zum 1.07.2013 einen unter Mit­wir­kung des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes sowie von Sach­ver­stän­di­gen zu erstel­len­den Bericht zur Regel­be­darfs­er­mitt­lung vor­zu­le­gen, was am 26.06.2013 geschah 22. Gegen­stand des Berichts waren Unter­su­chun­gen und Vor­schlä­ge für die Berech­nung der Regel­be­dar­fe in bestimm­ten Teil­be­rei­chen. Dazu gehört die Abgren­zung zwi­schen den Refe­renz­haus­hal­ten und den Haus­hal­ten, deren Mit­tel tat­säch­lich nicht zur Deckung ihres Grund­si­che­rungs­be­darfs aus­rei­chen, die Ver­tei­lungs­schlüs­sel für die Ver­brauchs­aus­ga­ben von Fami­li­en­haus­hal­ten und die Bestim­mung von Regel­be­darfs­stu­fen für Kin­der und Jugend­li­che und die Berech­nung der Regel­be­dar­fe von Erwach­se­nen in einem Mehr­per­so­nen­haus­halt. Für den Bericht ver­gab das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les zwei For­schungs­auf­trä­ge. Das nach §§ 280 bis 282 SGB III für die Bun­des­agen­tur für Arbeit täti­ge Insti­tut für Arbeits­markt- und Berufs­for­schung (IAB) führ­te aus, dass Haus­hal­te "ver­deck­ter Armut", also ohne zurei­chen­de eige­ne Mit­tel, aber auch ohne Leis­tungs­be­zug, sta­tis­tisch nicht erfass­bar sei­en und nur im Rah­men von Modell­be­rech­nun­gen simu­liert wer­den könn­ten, was ein hohes Maß an Unsi­cher­heit auf­wei­se. Auch eine Fest­le­gung von Min­dest­ein­kom­mens­gren­zen zur Iden­ti­fi­ka­ti­on der ver­deck­ten Armut garan­tie­re nicht, dass die­se ein­deu­tig iden­ti­fi­ziert wür­den 23. Die Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum (RUB) kam zu dem Ergeb­nis, dass die Vor­ga­ben des Regel­be­darfs-Ermitt­lungs­ge­set­zes für die Regel­be­darfs­stu­fen deut­lich ange­mes­se­ner und sach­ge­rech­ter sei­en als alter­na­ti­ve Metho­den 24.

Die Aus­gangs­sach­ver­hal­te

Der Vor­la­ge­be­schluss des Sozi­al­ge­richts Ber­lin

Der Vor­la­ge des Sozi­al­ge­richts Ber­lin 2526 liegt eine Kla­ge mit­ein­an­der ver­hei­ra­te­ter Eltern und ihres Kin­des zugrun­de, die für Janu­ar 2011 bis Juni 2012 Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts nach dem SGB II erhiel­ten. Dem lag bei den Eltern für 2011 ein monat­li­cher Regel­be­darf von je 328 €, für 2012 von je 337 € und für den min­der­jäh­ri­gen Klä­ger, der im streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum Schü­ler an einem Gym­na­si­um war, ein monat­li­cher Bedarf von 287 € für bei­de Jah­re zugrun­de. Der Schü­ler erhielt im August 2011 dane­ben Leis­tun­gen für den Schul­be­darf in Höhe von 70 €. Das Aus­gangs­ver­fah­ren zielt unter Berück­sich­ti­gung eines höhe­ren Regel­be­darfs auf höhe­re Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts nach dem SGB II.

Das Sozi­al­ge­richt hat das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Fra­ge vor­ge­legt, ob § 19 Abs. 1 Satz 1 und 3, Abs. 3 Satz 1, § 20 Abs. 1 und 2 Satz 2 Nr. 1, Abs. 4 und 5, § 77 Abs. 4 Nr. 1 SGB II in der Fas­sung von Art. 2 des Geset­zes zur Ermitt­lung von Regel­be­dar­fen und zur Ände­rung des Zwei­ten und Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch vom 24.03.2011 in Ver­bin­dung mit § 28a SGB XII in der Fas­sung von Art. 3 die­ses Geset­zes und § 8 Abs. 1 Nr. 2 und 4, Abs. 2 Nr. 1 RBEG, ver­kün­det als Art. 1 die­ses Geset­zes, mit dem Grund­recht auf Gewähr­leis­tung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums ver­ein­bar sind. Das Sozi­al­ge­richt hält die Nor­men über die pau­scha­lier­ten Regel­be­dar­fe einer­seits für Part­ne­rin­nen und Part­ner einer Bedarfs­ge­mein­schaft, die voll­jäh­rig sind, sowie ande­rer­seits für leis­tungs­be­rech­tig­te Jugend­li­che vom Beginn des 15. bis zur Voll­endung des 18. Lebens­jah­res für unver­ein­bar mit Art. 1 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 1 GG. Dies sei ent­schei­dungs­er­heb­lich, denn soll­ten die Vor­schrif­ten gül­tig sein, sei­en die Kla­gen unbe­grün­det und folg­lich abzu­wei­sen. Die maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten ver­stie­ßen in mehr­fa­cher Hin­sicht gegen das Grund­ge­setz.

Die Refe­renz­grup­pe für die Ermitt­lung der Bedar­fe für Allein­ste­hen­de – und davon abge­lei­tet für Erwach­se­ne in einer Bedarfs­ge­mein­schaft – sei feh­ler­haft fest­ge­legt wor­den; die Ent­schei­dung für die unte­ren 15 % der Allein­ste­hen­den-Haus­hal­te sei nicht schlüs­sig und nicht trag­fä­hig begrün­det wor­den. Die Fest­le­gung der Refe­renz­grup­pe der Ein­per­so­nen­haus­hal­te füh­re zu Zir­kel­schlüs­sen bei der Bedarfs­er­mitt­lung. Es wür­den Haus­hal­te mit Erwerbs­ein­kom­men berück­sich­tigt, die ergän­zend (als "Auf­sto­cker") Für­sor­ge­leis­tun­gen bezö­gen, was Für­sor­ge­be­dürf­ti­ge selbst zum Maß­stab für den Regel­be­darf mache. Dane­ben sei­en stu­den­ti­sche Haus­hal­te in die Refe­renz­grup­pen ein­be­zo­gen wor­den, ohne den Bezug von Leis­tun­gen nach dem Bun­des­aus­bil­dungs­för­de­rungs­ge­setz aus­zu­schlie­ßen, obwohl das Aus­bil­dungs­för­de­rungs­recht auch eine exis­tenz­si­chern­de Auf­ga­be zu erfül­len habe. Die Fest­set­zung des Regel­be­darfs für leis­tungs­be­rech­tig­te Jugend­li­che vom Beginn des 15. bis zur Voll­endung des 18. Lebens­jah­res sei feh­ler­haft, da nur sehr weni­ge Fami­li­en­haus­hal­te mit nur einem Kind berück­sich­tigt wor­den sei­en; dies sei schon auf­grund der Pflicht zur beson­de­ren Sor­ge für Fami­li­en mit Kin­dern aus Art. 6 GG unzu­läs­sig. Der exis­ten­ti­el­le Bedarf für lang­le­bi­ge Kon­sum­gü­ter sei nicht gedeckt, auch unter Berück­sich­ti­gung des vom Gesetz­ge­ber gefor­der­ten Anspar­mo­dells. Die Daten sei­en sta­tis­tisch nicht hin­rei­chend signi­fi­kant und es las­se sich nicht nach­voll­zie­hen, wie der Bedarf durch ein Dar­le­hen für die Anschaf­fung lang­le­bi­ger Gebrauchs­ge­gen­stän­de (§ 24 Abs. 1 SGB II) gedeckt wer­den sol­le, wenn dies eine zehn­pro­zen­ti­ge Redu­zie­rung der Leis­tungs­aus­zah­lun­gen durch Auf­rech­nung (§ 42a Abs. 2 Satz 1 SGB II) zur Fol­ge habe. Durch die umfang­rei­che Strei­chung von Gütern und Dienst­leis­tun­gen aus dem Kata­log der EVS 2008 sei ein inter­ner Aus­gleich nicht mehr mög­lich. Der Gesetz­ge­ber hät­te dies jeden­falls kon­trol­lie­ren müs­sen.

Der Aus­schluss bestimm­ter Posi­tio­nen der EVS aus der Ermitt­lung der Regel­be­dar­fe sei ent­we­der nicht hin­rei­chend sta­tis­tisch belegt oder nicht sach­ge­recht nach­voll­zieh­bar begrün­det. Wür­de Mobi­li­täts­be­darf mit Haus­hal­ten berech­net, die über­haupt kei­ne Aus­ga­ben für Ver­kehr gehabt hät­ten, müss­te der Gesetz­ge­ber dies rea­lis­tisch sub­sti­tu­ie­ren. Die Umrech­nung der Aus­ga­ben für alko­ho­li­sche Geträn­ke in sol­che für nicht­al­ko­ho­li­sche Geträn­ke las­se wie die Strei­chung der Aus­ga­ben für Schnitt­blu­men oder Zim­mer­pflan­zen den Teil­ha­be­as­pekt außer Acht. Nicht hin­rei­chend begrün­det sei es, Kos­ten der che­mi­schen Rei­ni­gung nicht zu berück­sich­ti­gen; die Annah­me des Gesetz­ge­bers, dass Rei­ni­gungs­kos­ten nur bei höher­wer­ti­ger Klei­dung anfie­len, sei nicht sta­tis­tisch belegt. Bei Jugend­li­chen unter­stel­le der Gesetz­ge­ber ganz ohne sta­tis­ti­sches Mate­ri­al einen Alko­hol- und Tabak­kon­sum wie bei Erwach­se­nen, obwohl Stu­di­en einen deut­li­chen Rück­gang im Kon­sum­ver­hal­ten ver­zeich­ne­ten. Die Strei­chung von Aus­ga­ben für außer­schu­li­schen Unter­richt und Hob­by­kur­se sei unzu­läs­sig. Der Gesetz­ge­ber ver­wei­se zu Unrecht auf die in § 28 SGB II vor­ge­se­he­nen Teil­ha­be­leis­tun­gen, da der dor­ti­ge abschlie­ßen­de Leis­tungs­ka­ta­log den tat­säch­lich ent­ste­hen­den Bedarf nicht in jedem Fall abde­cke und in den Gemein­den Leis­tungs­an­ge­bo­te fehl­ten.

Nach ein­fa­chem Recht könn­ten kei­ne höhe­ren als die fest­ge­setz­ten Leis­tun­gen bean­sprucht wer­den. Aus­le­gungs­spiel­räu­me sei­en auch unter sys­te­ma­ti­scher Berück­sich­ti­gung grund­ge­setz­li­cher Vor­ga­ben nicht vor­han­den. Eine ver­fas­sungs­kon­for­me Situa­ti­on las­se sich auch nicht mit der Här­te­fall­re­ge­lung des § 21 Abs. 6 SGB II her­stel­len, denn deren stren­ge Vor­aus­set­zun­gen lägen nicht vor.

Der zwei­te Vor­la­ge­be­schluss des Sozi­al­ge­richts Ber­lin

Der Vor­la­ge 27 im zwei­ten Nor­men­kon­troll­ver­fah­ren 28 liegt die Kla­ge eines 1961 gebo­re­nen allein­ste­hen­den Klä­gers zugrun­de, der für Sep­tem­ber 2011 bis August 2012 Arbeits­lo­sen­geld II erhielt. Die Leis­tung belief sich im Jahr 2011 für den Regel­be­darf auf monat­lich 364 € und im Jahr 2012 auf monat­lich 374 €. Er klagt auf wei­te­re Leis­tun­gen für den Regel­be­darf in Höhe von monat­lich ins­ge­samt 487 € für den Bewil­li­gungs­zeit­raum. Das Sozi­al­ge­richt hat das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Fra­ge vor­ge­legt, ob § 19 Abs. 1 Satz 1 und 3, Abs. 3 Satz 1, § 20 Abs. 1 und 2 Satz 1, Abs. 5 SGB II in der Fas­sung von Art. 2 des Geset­zes zur Ermitt­lung von Regel­be­dar­fen und zur Ände­rung des Zwei­ten und Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch vom 24.03.2011 1 in Ver­bin­dung mit § 28a SGB XII in der Fas­sung von Art. 3 die­ses Geset­zes und § 8 Abs. 1 Nr. 1 RBEG, ver­kün­det als Art. 1 die­ses Geset­zes, mit dem Grund­recht auf Gewähr­leis­tung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums ver­ein­bar sind.

Das Gericht hält die vor­ge­leg­ten Rege­lun­gen hin­sicht­lich der Leis­tungs­hö­he des Regel­be­darfs für einen allein­ste­hen­den Leis­tungs­be­rech­tig­ten aus den Grün­den des Aus­gangs­ver­fah­rens der Vor­la­ge 1 BvL 10/​12 für unver­ein­bar mit Art. 1 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 1 GG. Dies sei ent­schei­dungs­er­heb­lich, denn soll­ten die Vor­schrif­ten gül­tig sein, sei die Kla­ge unbe­grün­det und folg­lich abzu­wei­sen. Nach ein­fa­chem Recht kön­ne der Klä­ger des Aus­gangs­ver­fah­rens kei­ne höhe­ren als die fest­ge­setz­ten Leis­tun­gen bean­spru­chen.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de 29 zielt auf höhe­re Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts nach dem SGB II für den Bewil­li­gungs­zeit­raum von Mai bis Okto­ber 2011. Für den im Okto­ber 2009 gebo­re­nen Beschwer­de­füh­rer zu 3) wur­den Leis­tun­gen unter Berück­sich­ti­gung eines monat­li­chen Regel­be­darfs von 215 € bewil­ligt, bei den Beschwer­de­füh­ren­den zu 1) und 2) war dies ein Betrag von je 328 €. Ihre Kla­ge gegen den Bescheid des zustän­di­gen Job­cen­ters Del­men­horst hat­te vor dem Sozi­al­ge­richt Olden­burg kei­nen Erfolg 30; das Bun­des­so­zi­al­ge­richt wies die hier­ge­gen gerich­te­te Sprung­re­vi­si­on zurück 31.

Die Sozi­al­ge­rich­te waren der Auf­fas­sung, dass die Höhe des Regel­be­darfs nicht ver­fas­sungs­wid­rig zu nied­rig bemes­sen und daher die Fest­set­zung des Regel­be­darfs für den Beschwer­de­füh­rer zu 3) nicht zu bean­stan­den sei. Es sei ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bemän­geln, den Bedarf mit­tels eines Ver­tei­lungs­schlüs­sels in Ablei­tung vom Bedarf des Haus­halts fest­zu­le­gen, denn die­ser beru­he auf einer vom zustän­di­gen Bun­des­mi­nis­te­ri­um ein­ge­rich­te­ten Arbeits­grup­pe mit Sach­ver­stän­di­gen und auf Modell­rech­nun­gen des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes. Soweit kei­ne kon­kret bezif­fer­ten Auf­wen­dun­gen in die Bemes­sung ein­ge­flos­sen sei­en, hät­ten nicht genü­gend Haus­hal­te Anga­ben zu ihrem Ver­brauchs­ver­hal­ten gemacht. Auch die ein­zel­nen Bedarfs­po­si­tio­nen sei­en nicht feh­ler­haft bemes­sen. So wür­den für "Kin­der­schu­he" bereits ab der Geburt monat­lich 7, 02 € berück­sich­tigt, obwohl der Mensch in der Regel erst ab einem Jahr zu lau­fen begin­ne. Des­glei­chen sei­en zwar nur 2, 19 € für "sons­ti­ge Ver­brauchs­gü­ter für die Kör­per­pfle­ge" ange­setzt, doch gel­te dies bis zum sechs­ten Lebens­jahr; der Gesetz­ge­ber dür­fe hier bei­spiels­wei­se für Win­deln auf einen inter­nen Aus­gleich im Zeit­ver­lauf set­zen. Die Auf­spal­tung der Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts für Kin­der in der Alters­stu­fe des Beschwer­de­füh­rers in einen Regel­be­darf und einen Bil­dungs- und Teil­ha­be­be­darf nach § 28 SGB II ver­let­ze sein Grund­recht nicht, denn die Her­aus­nah­me vor­mals regel­be­darfs­re­le­van­ter Posi­tio­nen durch das Regel­be­darfs-Ermitt­lungs­ge­setz aus dem Regel­be­darf wer­de durch die Bil­dungs- und Teil­ha­be­leis­tun­gen aus­ge­gli­chen. Die behaup­te­te Kür­zung des Regel­be­darfs von Kin­dern wegen der Leis­tun­gen für den per­sön­li­chen Schul­be­darf trä­fe den Beschwer­de­füh­rer zu 3) alters­be­dingt nicht.

Mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de wird eine Ver­let­zung von Art. 1 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 1 GG gerügt. Die Bedarfs­er­mitt­lung genü­ge nicht den Anfor­de­run­gen, die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt an die Berech­nung gestellt habe, denn sie sei nicht hin­rei­chend trans­pa­rent, rea­lis­tisch und nach­voll­zieh­bar. Es sei­en Haus­hal­te mit von vorn­her­ein gerin­gem Kon­sum­ver­hal­ten ein­be­zo­gen wor­den, nament­lich Per­so­nen, die vor­mals Arbeits­lo­sen­geld oder ‑hil­fe bezo­gen hät­ten, und Men­schen, die Leis­tun­gen nach dem Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz bezo­gen. Die Regel­be­dar­fe für Kin­der sei­en nicht rea­li­täts­ge­recht ermit­telt, da ihnen ein Ver­tei­lungs­schlüs­sel und kei­ne Erhe­bung zugrun­de lägen. So sei unbe­ach­tet geblie­ben, dass Kin­der im Wachs­tum einen erhöh­ten Bedarf an Klei­dung und Schu­hen hät­ten. Hier sei die Aus­wer­tung der EVS 2008 feh­ler­haft, denn dort hät­ten Paar­haus­hal­te mit einem Kind unter sechs Jah­ren Aus­ga­ben für Schu­he in Höhe von 7, 02 € je Monat ange­ge­ben, wäh­rend Paar­haus­hal­te mit einem Kind zwi­schen sie­ben und 14 Jah­ren hier­für mehr auf­ge­bracht hät­ten; dies sei nicht nach­voll­zieh­bar, denn vom Baby- bis zum Ein­schu­lungs­al­ter wüch­sen Füße beson­ders schnell, wes­halb Schu­he für Klein­kin­der häu­fi­ger gekauft wer­den müss­ten und die­se sei­en auch teu­rer als Schu­he für Älte­re.

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Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts[↑]

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­schied, dass § 20 Abs. 2 Satz 1 und 2 Nr. 1, Abs. 4 und 5, § 23 Nr. 1, § 77 Abs. 4 Nr. 1 und 2 SGB II und § 8 Abs. 1 Nr. 1, 2, 4 und 6, Abs. 2 Nr. 1 und 3 RBEG, jeweils in Ver­bin­dung mit § 20 Abs. 1 Satz 1 und 2 SGB II und § 28a SGB XII, sowie die Anla­ge zu § 28 SGB XII sowie § 2 RBSFV 2012, § 2 RBSFV 2013 und § 2 RBSFV 2014 mit dem Grund­recht auf Gewähr­leis­tung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums aus Art. 1 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit dem Sozi­al­staats­prin­zip des Art.20 Abs. 1 GG der­zeit noch ver­ein­bar sind. Gleich­zei­tig mach­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt aber auch nähe­re Aus­füh­run­gen zum Anpas­sungs­be­darf im Zuge der nächs­ten Neu­er­mitt­lung der Höhe der Regel­be­dar­fe.

Die Ent­schei­dung über die Ermitt­lung und die Höhe der Leis­tun­gen für den Regel­be­darf betrifft über die aus­drück­lich ange­grif­fe­nen Nor­men hin­aus auch deren wei­te­re Fas­sun­gen und Nach­fol­ge­re­ge­lun­gen 32.

Das Grund­recht auf ein men­schen­wür­di­ges Exis­tenz­mi­ni­mum[↑]

Das Grund­ge­setz garan­tiert mit Art. 1 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 1 GG ein Grund­recht auf Gewähr­leis­tung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums. Art. 1 Abs. 1 GG begrün­det die­sen Anspruch; das Sozi­al­staats­ge­bot des Art.20 Abs. 1 GG erteilt dem Gesetz­ge­ber den Auf­trag, ein men­schen­wür­di­ges Exis­tenz­mi­ni­mum tat­säch­lich zu sichern. Das Grund­recht ist dem Grun­de nach unver­füg­bar und muss durch einen Leis­tungs­an­spruch ein­ge­löst wer­den, bedarf aber der Kon­kre­ti­sie­rung und ste­ti­gen Aktua­li­sie­rung durch den Gesetz­ge­ber, der die zu erbrin­gen­den Leis­tun­gen an dem jewei­li­gen Ent­wick­lungs­stand des Gemein­we­sens und den bestehen­den Lebens­be­din­gun­gen im Hin­blick auf die kon­kre­ten Bedar­fe der Betrof­fe­nen aus­zu­rich­ten hat. Dem Gesetz­ge­ber steht ein Gestal­tungs­spiel­raum zu 33. Dabei ist er auch durch völ­ker­recht­li­che Ver­pflich­tun­gen gebun­den 34.

Der ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­te Leis­tungs­an­spruch auf Gewähr­leis­tung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums erstreckt sich nur auf die unbe­dingt erfor­der­li­chen Mit­tel zur Siche­rung sowohl der phy­si­schen Exis­tenz als auch zur Siche­rung eines Min­dest­ma­ßes an Teil­ha­be am gesell­schaft­li­chen, kul­tu­rel­len und poli­ti­schen Leben 35.

Der Gesetz­ge­ber muss bei der Aus­ge­stal­tung der Leis­tun­gen zur Siche­rung des men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums die ent­spre­chen­den Bedar­fe der Hil­fe­be­dürf­ti­gen zeit- und rea­li­täts­ge­recht erfas­sen. Ihm kommt ein Gestal­tungs­spiel­raum bei der Bestim­mung von Art und Höhe der Leis­tun­gen zur Siche­rung des Exis­tenz­mi­ni­mums zu. Er hat einen Ent­schei­dungs­spiel­raum bei der Beur­tei­lung der tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se eben­so wie bei der wer­ten­den Ein­schät­zung des not­wen­di­gen Bedarfs. Ent­schei­dend ist, dass der Gesetz­ge­ber sei­ne Ent­schei­dung an den kon­kre­ten Bedar­fen der Hil­fe­be­dürf­ti­gen aus­rich­tet 36 und die Leis­tun­gen zur Kon­kre­ti­sie­rung des grund­recht­lich fun­dier­ten Anspruchs trag­fä­hig begrün­det wer­den kön­nen 37.

Die sich aus der Ver­fas­sung erge­ben­den Anfor­de­run­gen an die metho­disch sach­ge­rech­te Bestim­mung grund­recht­lich garan­tier­ter Leis­tun­gen bezie­hen sich nicht auf das Ver­fah­ren der Gesetz­ge­bung, son­dern auf des­sen Ergeb­nis­se 38. Das Grund­recht auf Gewähr­leis­tung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums aus Art. 1 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs.1 GG bringt für den Gesetz­ge­ber kei­ne spe­zi­fi­schen Pflich­ten im Ver­fah­ren mit sich; ent­schei­dend ist, ob sich die Höhe exis­tenz­si­chern­der Leis­tun­gen durch rea­li­täts­ge­rech­te, schlüs­si­ge Berech­nun­gen sach­lich dif­fe­ren­ziert begrün­den lässt. Das Grund­ge­setz ent­hält in den Art. 76 ff. GG zwar inso­fern Vor­ga­ben für das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren, die auch die Trans­pa­renz der Ent­schei­dun­gen des Gesetz­ge­bers sichern. Das par­la­men­ta­ri­sche Ver­fah­ren mit der ihm eige­nen Öffent­lich­keits­funk­ti­on 39 sichert so, dass die erfor­der­li­chen gesetz­ge­be­ri­schen Ent­schei­dun­gen öffent­lich ver­han­delt (Art. 42 Abs. 1 Satz 1 GG) und ermög­licht, dass sie in der brei­te­ren Öffent­lich­keit dis­ku­tiert wer­den 40. Die Ver­fas­sung schreibt jedoch nicht vor, was, wie und wann genau im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren zu begrün­den und zu berech­nen ist, son­dern lässt Raum für Ver­hand­lun­gen und für den poli­ti­schen Kom­pro­miss. Das Grund­ge­setz ver­pflich­tet den Gesetz­ge­ber inso­fern auch nicht, durch Ein­be­zie­hung aller denk­ba­ren Fak­to­ren eine opti­ma­le Bestim­mung des Exis­tenz­mi­ni­mums vor­zu­neh­men; dar­um zu rin­gen ist viel­mehr Sache der Poli­tik 41. Ent­schei­dend ist, dass die Anfor­de­run­gen des Grund­ge­set­zes, tat­säch­lich für eine men­schen­wür­di­ge Exis­tenz Sor­ge zu tra­gen, im Ergeb­nis nicht ver­fehlt wer­den.

Das Grund­ge­setz schreibt inso­fern auch kei­ne bestimm­te Metho­de vor, wodurch der dem Gesetz­ge­ber zuste­hen­de Gestal­tungs­spiel­raum begrenzt wür­de. Es kommt dem Gesetz­ge­ber zu, die Metho­de zur Ermitt­lung der Bedar­fe und zur Berech­nung der Leis­tun­gen zur Siche­rung einer men­schen­wür­di­gen Exis­tenz im Rah­men der Taug­lich­keit und Sach­ge­rech­tig­keit selbst aus­zu­wäh­len 42. Die getrof­fe­ne Ent­schei­dung ver­än­dert aller­dings nicht die grund­recht­li­chen Maß­stä­be. Daher darf kei­ne Metho­de gewählt wer­den, die Bedar­fe von vorn­her­ein aus­blen­det, wenn die­se ansons­ten als exis­tenz­si­chernd aner­kannt wor­den sind 43. Wer­den hin­sicht­lich bestimm­ter Per­so­nen­grup­pen unter­schied­li­che Metho­den zugrun­de gelegt, muss dies sach­lich zu recht­fer­ti­gen sein 42.

Die Ergeb­nis­se eines sach­ge­rech­ten Ver­fah­rens zur Bestim­mung grund­recht­lich garan­tier­ter Ansprü­che sind fort­wäh­rend zu über­prü­fen und wei­ter zu ent­wi­ckeln 42.

Der Gestal­tungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers[↑]

Dem Gestal­tungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers bei der Bemes­sung des Exis­tenz­mi­ni­mums ent­spricht eine zurück­hal­ten­de Kon­trol­le durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt. Das Grund­ge­setz selbst gibt kei­nen exakt bezif­fer­ten Anspruch vor 44. Des­we­gen kann auch der Umfang die­ses Anspruchs im Hin­blick auf die Arten des Bedarfs und die dafür erfor­der­li­chen Mit­tel nicht unmit­tel­bar aus der Ver­fas­sung abge­lei­tet wer­den 45. Dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt kommt nicht die Auf­ga­be zu, zu ent­schei­den, wie hoch ein Anspruch auf Leis­tun­gen zur Siche­rung des Exis­tenz­mi­ni­mums sein muss; es ist zudem nicht sei­ne Auf­ga­be, zu prü­fen, ob der Gesetz­ge­ber die gerech­tes­te, zweck­mä­ßigs­te und ver­nünf­tigs­te Lösung zur Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben gewählt hat 46. Aus ver­fas­sungs­recht­li­cher Sicht kommt es viel­mehr ent­schei­dend dar­auf an, dass die Unter­gren­ze eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums nicht unter­schrit­ten wird und die Höhe der Leis­tun­gen zu des­sen Siche­rung ins­ge­samt trag­fä­hig begründ­bar ist.

Da das Grund­ge­setz selbst kei­ne exak­te Bezif­fe­rung des Anspruchs auf exis­tenz­si­chern­de Leis­tun­gen vor­gibt, beschränkt sich die mate­ri­el­le Kon­trol­le der Höhe von Sozi­al­leis­tun­gen zur Siche­rung einer men­schen­wür­di­gen Exis­tenz dar­auf, ob die Leis­tun­gen evi­dent unzu­rei­chend sind 47. Die­se Kon­trol­le bezieht sich im Wege einer Gesamt­schau 48 auf die Höhe der Leis­tun­gen ins­ge­samt und nicht auf ein­zel­ne Berech­nungs­ele­men­te, die dazu die­nen, die­se Höhe zu bestim­men. Evi­dent unzu­rei­chend sind Sozi­al­leis­tun­gen nur, wenn offen­sicht­lich ist, dass sie in der Gesamt­sum­me kei­nes­falls sicher­stel­len kön­nen, Hil­fe­be­dürf­ti­gen in Deutsch­land ein Leben zu ermög­li­chen, das phy­sisch, sozi­al und kul­tu­rell als men­schen­wür­dig anzu­se­hen ist.

Jen­seits die­ser Evi­denz­kon­trol­le über­prüft das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, ob Leis­tun­gen jeweils aktu­ell auf der Grund­la­ge ver­läss­li­cher Zah­len und schlüs­si­ger Berech­nungs­ver­fah­ren im Ergeb­nis zu recht­fer­ti­gen sind. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt setzt sich dabei nicht mit eige­ner Sach­kom­pe­tenz an die Stel­le des Gesetz­ge­bers, son­dern über­prüft ledig­lich die gesetz­ge­be­ri­schen Fest­le­gun­gen zur Berech­nung von grund­ge­setz­lich nicht exakt bezif­fer­ba­ren, aber grund­recht­lich garan­tier­ten Leis­tun­gen. Las­sen sich die­se nach­voll­zieh­bar und sach­lich dif­fe­ren­ziert trag­fä­hig begrün­den, ste­hen sie mit Art. 1 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 1 GG in Ein­klang 49.

Die gesetz­ge­be­ri­schen Fest­le­gun­gen zur Berech­nung der Höhe exis­tenz­si­chern­der Leis­tun­gen müs­sen sach­lich ver­tret­bar sein. Auch ein poli­tisch aus­ge­han­del­ter Kom­pro­miss darf nicht zu sach­lich nicht begründ­ba­ren Ergeb­nis­sen füh­ren, wobei schlicht gegrif­fe­ne Zah­len eben­so wie Schät­zun­gen ins Blaue hin­ein den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen nicht genü­gen 50.

Die Art und die Höhe der Leis­tun­gen müs­sen sich mit einer Metho­de erklä­ren las­sen, nach der die erfor­der­li­chen Tat­sa­chen im Wesent­li­chen voll­stän­dig und zutref­fend ermit­telt wer­den und nach der sich die Berech­nungs­schrit­te mit einem nach­voll­zieh­ba­ren Zah­len­werk inner­halb die­ses Ver­fah­rens im Rah­men des Ver­tret­ba­ren bewe­gen. Die Berech­nung des Exis­tenz­mi­ni­mums anhand eines Waren­kor­bes not­wen­di­ger Güter und Dienst­leis­tun­gen mit anschlie­ßen­der Ermitt­lung und Bewer­tung der dafür zu ent­rich­ten­den Prei­se ist in glei­cher Wei­se wie der Ein­satz einer Ver­brauchs­sta­tis­tik für die Berech­nung der Leis­tungs­hö­he zuläs­sig 51. Ent­schei­det sich der Gesetz­ge­ber für das Sta­tis­tik­mo­dell, muss er Vor­keh­run­gen gegen die damit ein­her­ge­hen­den spe­zi­fi­schen Risi­ken der Unter­de­ckung aktu­ell exis­tenz­si­chern­der Bedar­fe tref­fen. Er ist von Ver­fas­sungs wegen nicht gehin­dert, aus der Sta­tis­tik in Ori­en­tie­rung an einem Waren­korb­mo­dell nach­träg­lich ein­zel­ne Posi­tio­nen wie­der her­aus­zu­neh­men. Wenn er aber in die­ser Wei­se Ele­men­te aus dem Waren­korb­mo­dell in die Berech­nung ein­führt, muss er sicher­stel­len, dass das Exis­tenz­mi­ni­mum gleich­wohl tat­säch­lich gesi­chert ist. Die Leis­tun­gen müs­sen ent­we­der ins­ge­samt so bemes­sen sein, dass ent­ste­hen­de Unter­de­ckun­gen intern aus­ge­gli­chen wer­den kön­nen 52, oder dass Mit­tel zur Deckung unter­schied­li­cher Bedar­fe eigen­ver­ant­wort­lich ange­spart und die Bedar­fe so gedeckt wer­den 53, oder es muss ein Anspruch auf den ander­wei­ti­gen Aus­gleich sol­cher Unter­de­ckun­gen bestehen.

Der Gesetz­ge­ber kommt sei­ner Pflicht zur Aktua­li­sie­rung von Leis­tungs­be­trä­gen zur Siche­rung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums nach, wenn er die Ent­wick­lung der tat­säch­li­chen Lebens­hal­tungs­kos­ten zur Deckung des exis­tenz­not­wen­di­gen Bedarfs durch regel­mä­ßi­ge Neu­be­rech­nun­gen und Fort­schrei­bun­gen berück­sich­tigt 54. Auf Ände­run­gen der wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen wie auf Preis­stei­ge­run­gen oder auf die Erhö­hung von Ver­brauch­steu­ern muss zeit­nah reagiert wer­den, um sicher­zu­stel­len, dass der aktu­el­le Bedarf gedeckt wird 55.

Der aktu­el­le Regel­be­darf[↑]

Nach die­sen Maß­stä­ben genü­gen die vor­ge­leg­ten Vor­schrif­ten für den ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Zeit­raum in der erfor­der­li­chen Gesamt­schau noch den Vor­ga­ben von Art. 1 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 1 GG. Der Gesetz­ge­ber hat den Anspruch auf Leis­tun­gen zur Siche­rung des Regel­be­darfs nach dem Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch zur Siche­rung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums und die Anpas­sung der Leis­tungs­hö­he mit den Rege­lun­gen der § 20 Abs. 2 Satz 1 und 2 Nr. 1, Abs. 4, Abs. 5, § 23 Nr. 1, § 77 Abs. 4 Nr. 1 und 2 SGB II und § 8 Abs. 1 Nr. 1, 2, 4 und 6, Abs. 2 Nr. 1 und 3 RBEG, jeweils in Ver­bin­dung mit § 20 Abs. 1 Satz 1 und 2 SGB II und § 28a SGB XII, sowie der Anla­ge zu § 28 SGB XII sowie § 2 RBSFV 2012, § 2 RBSFV 2013 und § 2 RBSFV 2014 gesetz­lich gesi­chert. Es lässt sich nicht fest­stel­len, dass die Leis­tun­gen evi­dent unzu­rei­chend fest­ge­setzt sind. Die Vor­ga­ben für die Bestim­mung der Leis­tungs­hö­he genü­gen der­zeit den Anfor­de­run­gen an eine sach­an­ge­mes­se­ne Berech­nung der Leis­tungs­hö­he; der Gesetz­ge­ber hat jedoch nach Maß­ga­be der Grün­de dafür Sor­ge zu tra­gen, dass erkenn­ba­re Risi­ken einer Unter­de­ckung exis­tenz­si­chern­der Bedar­fe nicht ein­tre­ten wer­den. Die Vor­ga­ben für die Fort­schrei­bung des Regel­be­darfs sind mit der Ver­fas­sung ver­ein­bar. Ein Ver­stoß gegen wei­te­re Grund­rech­te liegt nicht vor.

Die Evi­denz­kon­trol­le zielt allein auf die offen­kun­di­ge Unter­schrei­tung der ins­ge­samt not­wen­di­gen Höhe exis­tenz­si­chern­der Leis­tun­gen und grund­sätz­lich nicht auf ein­zel­ne Posi­tio­nen der Berech­nung. Danach erweist sich die Bestim­mung der Leis­tun­gen zur Siche­rung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums nach den ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten nicht als evi­dent unzu­rei­chend. Die Fest­set­zung der Gesamt­sum­me für den Regel­be­darf lässt nicht erken­nen, dass der exis­tenz­si­chern­de Bedarf offen­sicht­lich nicht gedeckt wäre.

Der Gesetz­ge­ber hat die Leis­tungs­hö­he hier auch nicht dadurch evi­dent unter­schrit­ten, dass er die Fort­schrei­bung an dem regel­mä­ßig berech­ne­ten Ver­brau­cher­preis­in­dex 56 ori­en­tiert und für den Haus­halts­strom kei­nen Son­der­in­dex genutzt hat, der die unge­wöhn­lich hohen Preis­stei­ge­run­gen im ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Zeit­raum hät­te bes­ser abbil­den kön­nen. Aus der immer vor­han­de­nen Mög­lich­keit, den Preis­an­stieg exis­tenz­si­chern­der Leis­tun­gen genau­er abzu­bil­den, folgt nicht, dass die nach dem Ver­brau­cher­index ange­pass­te Gesamt­sum­me der Leis­tun­gen für den Regel­be­darf evi­dent unzu­rei­chend ist. Auch liegt im Fall des Haus­halts­stroms kei­ne über Jahr­zehn­te rei­chen­de Ver­än­de­rung mit einem stän­dig anwach­sen­den Preis­an­stieg vor, die der Gesetz­ge­ber nicht beach­tet hät­te 57. Für den ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Zeit­raum ist jeden­falls nicht ersicht­lich, dass der Anstieg der Strom­kos­ten der­art extrem aus­ge­fal­len wäre, dass der Gesetz­ge­ber dies hät­te geson­dert aus­glei­chen müs­sen.

Die Bestim­mung der Höhe der Leis­tun­gen für den Regel­be­darf durch den Gesetz­ge­ber im Rah­men des Zwei­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch genügt den Anfor­de­run­gen an eine hin­rei­chend trans­pa­ren­te, jeweils aktu­ell auf der Grund­la­ge ver­läss­li­cher Zah­len und schlüs­si­ger Berech­nungs­ver­fah­ren trag­fä­hig zu recht­fer­ti­gen­de Bemes­sung der Leis­tungs­hö­he. Der Gesetz­ge­ber hat die rele­van­ten Bedarfs­ar­ten berück­sich­tigt, die für ein­zel­ne Bedarfs­po­si­tio­nen auf­zu­wen­den­den Kos­ten mit einer von ihm gewähl­ten, im Grund­satz taug­li­chen und im Ein­zel­fall mit hin­rei­chen­der sach­li­cher Begrün­dung ange­pass­ten Metho­de sach­ge­recht, also im Wesent­li­chen voll­stän­dig und zutref­fend ermit­telt und auf die­ser Grund­la­ge die Höhe des Gesamt­be­darfs bestimmt 58. Es ist nicht erkenn­bar, dass er für die Siche­rung einer men­schen­wür­di­gen Exis­tenz rele­van­te Bedarfs­ar­ten über­se­hen und die zu ihrer Deckung erfor­der­li­chen Leis­tun­gen durch gesetz­li­che Ansprü­che nicht gesi­chert hat. Selbst wenn die Leis­tungs­hö­he für den Regel­be­darf in der Sum­me einer poli­ti­schen Ziel­vor­stel­lung ent­spro­chen haben mag, ist sie ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den, wenn sie sich mit Hil­fe ver­läss­li­cher Daten trag­fä­hig begrün­den lässt. Zur Bestim­mung der Höhe der Leis­tun­gen für den Regel­be­darf hat sich der Gesetz­ge­ber mit dem Sta­tis­tik­mo­dell auf eine Metho­de gestützt, die grund­sätz­lich geeig­net ist, die zur Siche­rung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums not­wen­di­gen Leis­tun­gen bedarfs­ge­recht zu bemes­sen. Er stützt sich im Aus­gangs­punkt mit der Ein­kom­mens- und Ver­brauchs­stich­pro­be (EVS) auch auf geeig­ne­te empi­ri­sche Daten. Soweit von der Ori­en­tie­rung an den so ermit­tel­ten Daten durch die Her­aus­nah­me und durch Kür­zun­gen ein­zel­ner Posi­tio­nen abge­wi­chen wird, bestehen im Rah­men der erfor­der­li­chen Gesamt­be­trach­tung kei­ne durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken. Die damit ein­her­ge­hen­den spe­zi­fi­schen Risi­ken der Unter­de­ckung müs­sen aller­dings im Rah­men der nächs­ten Aktua­li­sie­rung der Regel­be­dar­fe bewäl­tigt wer­den. Die gel­tend gemach­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Ein­wän­de gegen den Regel­be­darf für Kin­der und Jugend­li­che grei­fen nicht durch.

Der Gesetz­ge­ber hat die zur Siche­rung einer men­schen­wür­di­gen Exis­tenz erfor­der­li­chen Leis­tun­gen durch gesetz­li­che Ansprü­che gesi­chert. Es ist nicht zu erken­nen, dass er rele­van­te Bedarfs­ar­ten über­se­hen hät­te. Die zu über­prü­fen­den Rege­lun­gen nor­mie­ren ein Sys­tem von Leis­tungs­an­sprü­chen, das – ohne vom Grund­ge­setz als ein­zig mög­li­ches vor­ge­ge­ben zu sein – grund­sätz­lich kei­ne sub­stan­ti­el­len Defi­zi­te ent­hält. Der Regel­be­darf zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts dient nach der Defi­ni­ti­on in § 20 Abs. 1 Satz 1 SGB II dazu, die phy­si­sche Sei­te des Exis­tenz­mi­ni­mums zu sichern und des­sen sozia­le Sei­te abzu­de­cken, denn er umfasst auch die per­sön­li­chen Bedürf­nis­se des täg­li­chen Lebens ein­schließ­lich der Teil­ha­be am sozia­len und kul­tu­rel­len Leben in der Gemein­schaft. Die Vor­ga­ben der § 5 Abs. 1 Nr. 2a und § 10 SGB V, § 20 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2a und § 25 SGB XI tra­gen der Für­sor­ge­pflicht bei Krank­heit und Pfle­ge­be­dürf­tig­keit Rech­nung. Zudem sind nach § 21 SGB II auch beson­de­re Mehr­be­dar­fe zur Siche­rung einer men­schen­wür­di­gen Exis­tenz gedeckt und mit § 21 Abs. 6 SGB II liegt eine Rege­lung vor, die einen Anspruch auf Leis­tun­gen für einen unab­weis­ba­ren, lau­fen­den, nicht nur ein­ma­li­gen beson­de­ren Bedarf vor­sieht. Nach § 22 Abs. 1 SGB II wer­den die ange­mes­se­nen Kos­ten für Unter­kunft und Hei­zung über­nom­men. Mit § 28 SGB II berück­sich­tigt der Gesetz­ge­ber für Kin­der und Jugend­li­che auch Bedar­fe für Bil­dung und Teil­ha­be am sozia­len und kul­tu­rel­len Leben in der Gemein­schaft.

Der Gesetz­ge­ber ver­letzt sei­nen grund­ge­setz­li­chen Aus­ge­stal­tungs­auf­trag zur Siche­rung des men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums nicht, weil sich die Leis­tungs­hö­he für den Regel­be­darf im Ergeb­nis trag­fä­hig auf der Grund­la­ge ver­läss­li­cher Daten recht­fer­ti­gen lässt. Der für das Jahr 2011 ermit­tel­te Regel­be­darf der Stu­fe 1 nach § 8 Abs. 1 Nr. 1 RBEG ent­spricht zwar mit 364 € exakt dem Betrag, der sich auf der Grund­la­ge des 2008 gel­ten­den Regel­sat­zes, der um den jewei­li­gen aktu­el­len Ren­ten­wert in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung nach § 4 RSV in der Fas­sung bis 31.12 2010 fort­ge­schrie­ben wor­den wäre, erge­ben hät­te 59. Da sich dies auf der Grund­la­ge belast­ba­rer Zah­len nach­voll­zie­hen und nach Maß­ga­be ver­tret­ba­rer Wer­tun­gen ver­fas­sungs­recht­lich recht­fer­ti­gen lässt, in sich nicht unsach­lich ist und nicht auf schlicht gegrif­fe­nen Zah­len oder Schät­zun­gen ins Blaue hin­ein beruht 60, ist ein sol­ches Ergeb­nis von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den.

Die in § 20 Abs. 5 Satz 2 SGB II in Ver­bin­dung mit § 28 SGB XII und dem Regel­be­darfs-Ermitt­lungs­ge­setz vor­ge­ge­be­ne Ori­en­tie­rung an der EVS ist als sta­tis­ti­sches Berech­nungs­mo­dell ein im Grund­satz geeig­ne­tes Ver­fah­ren, die zur Siche­rung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums not­wen­di­gen Leis­tun­gen rea­li­täts­ge­recht zu bemes­sen 61. Die Fest­le­gung in § 28 Abs. 2 SGB XII, dass bei der Ermitt­lung der bun­des­durch­schnitt­li­chen Regel­be­darfs­stu­fen der Stand und die Ent­wick­lung von Net­to­ein­kom­men, das Ver­brauchs­ver­hal­ten und die Lebens­hal­tungs­kos­ten auf der Grund­la­ge der durch die EVS nach­ge­wie­se­nen tat­säch­li­chen Ver­brauchs­aus­ga­ben unte­rer Ein­kom­mens­grup­pen zu berück­sich­ti­gen sind, ist nicht unsach­lich und trag­fä­hig begründ­bar. Es ist im Aus­gangs­punkt ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den, wenn der Gesetz­ge­ber in § 28 Abs. 2 SGB XII inso­weit das Ein­kom­men in Bezug nimmt, als für die Fest­le­gung der Regel­be­dar­fe nach den hier zu prü­fen­den Vor­schrif­ten nur die tat­säch­li­chen Ver­brauchs­aus­ga­ben unte­rer Ein­kom­mens­grup­pen her­an­ge­zo­gen wer­den. Dies ist Teil der Aus­rich­tung auf den Ent­wick­lungs­stand des Gemein­we­sens und die bestehen­den Lebens­be­din­gun­gen 62; es stellt einen Bezug zu den Erwerbs­tä­ti­gen her 63, ermög­licht aber für sich genom­men kei­ne Unter­schrei­tung der ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Min­dest­hö­he der exis­tenz­si­chern­den Leis­tun­gen.

Der Gesetz­ge­ber hat das sta­tis­tisch ermit­tel­te Aus­ga­be­ver­hal­ten aller­dings nicht unver­än­dert zugrun­de gelegt. Für die Fest­le­gung der Regel­be­dar­fe nach den hier zu prü­fen­den Vor­schrif­ten sind die tat­säch­li­chen Ver­brauchs­aus­ga­ben unte­rer Ein­kom­mens­grup­pen, wie sie sich aus der EVS erge­ben, nur der Aus­gangs­punkt; dazu kom­men Son­der­aus­wer­tun­gen, Berech­nun­gen mit Hil­fe eige­ner Ver­tei­lungs­schlüs­sel sowie eine Bewer­tung der sich aus der Ver­brauchs­sta­tis­tik erge­ben­den Aus­ga­be­pos­ten dar­auf­hin, ob sie zur Gewähr­leis­tung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums erfor­der­lich sind. Soweit dar­aus Unter­de­ckun­gen ent­ste­hen kön­nen, ist dem Rech­nung zu tra­gen. Ent­schei­dend ist, dass im Ergeb­nis eine men­schen­wür­di­ge Exis­tenz tat­säch­lich gesi­chert ist.

Die Ermitt­lung der Regel­be­dar­fe stützt sich im Aus­gangs­punkt mit der EVS auf geeig­ne­te empi­ri­sche Daten 64.

Der Gesetz­ge­ber ist nicht gehal­ten, für die Berech­nung jeder Leis­tung eige­ne Erhe­bun­gen durch­zu­füh­ren, son­dern darf sich auch dafür ent­schei­den, vor­han­de­ne Daten zu nut­zen. Mit der EVS wird zwar der Ver­brauch und nicht der Bedarf ermit­telt, doch ist es in einer Gesell­schaft, in der sich Men­schen im Regel­fall nicht mit eige­nen Erzeug­nis­sen ver­sor­gen, hin­rei­chend plau­si­bel; vom Ver­brauch auf den Bedarf zu schlie­ßen. Da die EVS Aus­stat­tung und Kon­sum­ver­hal­ten pri­va­ter Haus­hal­te im Wege von frei­wil­li­gen Befra­gun­gen in Stich­pro­ben ermit­telt, ist die­se Daten­grund­la­ge wie jede ande­re empi­ri­sche Erhe­bung auch nicht feh­ler­frei. Doch bil­det die EVS in sta­tis­tisch hin­rei­chend zuver­läs­si­ger Wei­se das Ver­brauchs­ver­hal­ten der Bevöl­ke­rung ab. Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt ver­sucht, die frei­wil­li­gen Ein­tra­gun­gen in den Haus­halts­bü­chern der befrag­ten Refe­renz­grup­pen durch Kon­troll­fra­gen fach­lich ange­mes­sen zu veri­fi­zie­ren und kon­trol­liert die Ergeb­nis­se durch Plau­si­bi­li­täts­prü­fun­gen. Es ist auch nicht zu bean­stan­den, dass in die Berech­nung der Regel­be­dar­fe Ein­zel­pos­ten aus der EVS ein­flie­ßen, die nicht mit ver­öf­fent­lich­ten Zah­len belegt sind. Bestimm­te Daten wer­den aus Grün­den des auch hier zu beach­ten­den Daten­schut­zes durch das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt nume­risch nicht genau aus­ge­wie­sen, son­dern bei Fall­zah­len unter 25 neu­tral 65 oder bei Fall­zah­len unter 100 durch Klam­mern gekenn­zeich­net. Der Gesetz­ge­ber gibt in § 28 Abs. 3 Satz 4 SGB XII auch vor, dass die Daten­grund­la­ge zur Bestim­mung exis­tenz­si­chern­der Leis­tun­gen hin­rei­chend groß sein muss.

Die vom Gesetz­ge­ber getrof­fe­ne Aus­wahl der für die Ermitt­lung des Regel­be­darfs zu berück­sich­ti­gen­den Refe­renz­haus­hal­te ist von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den.

Es ist grund­sätz­lich zuläs­sig, dass der Gesetz­ge­ber die Höhe der Leis­tun­gen für den Regel­be­darf an dem in der EVS ermit­tel­ten Ver­brauchs­ver­hal­ten der unte­ren Ein­kom­mens­grup­pen ori­en­tiert. Er darf davon aus­ge­hen, dass in höhe­ren Ein­kom­mens­grup­pen Aus­ga­ben in wach­sen­dem Umfang über das zur Deckung des Exis­tenz­mi­ni­mums Not­wen­di­ge hin­aus getä­tigt wer­den 66.

Der Gesetz­ge­ber ist von Ver­fas­sungs wegen nicht gehal­ten, sich bei der Bestim­mung der Höhe der Regel­leis­tun­gen wie zuvor bei der EVS 2003 an den unte­ren 20 % der nach ihrem Net­to­ein­kom­men geschich­te­ten Ein­per­so­nen­haus­hal­te zu ori­en­tie­ren. Die Ent­schei­dung, nun in Bezug auf die EVS 2008 nach § 4 Nr. 1 RBEG die Grup­pe nur der unte­ren 15 % der Haus­hal­te als Bezugs­grö­ße zu set­zen, ver­letzt die Ver­fas­sung nicht. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat nicht zu prü­fen, ob die Wahl einer ande­ren Refe­renz­grup­pe ange­mes­se­ner gewe­sen wäre. Ent­schei­dend ist, dass die Wahl der Refe­renz­grup­pe sach­lich ver­tret­bar ist. Dies ist hier der Fall. Die erfass­ten obers­ten Ein­kom­men lagen aus­weis­lich der Stel­lung­nah­me des Pari­tä­ti­schen Gesamt­ver­ban­des sogar höher als bei der EVS 2003.

Die Refe­renz­grup­pe ist auch so breit gefasst, dass sta­tis­tisch zuver­läs­si­ge Daten erho­ben wer­den kön­nen 67. In § 28 Abs. 3 Satz 4 SGB XII ist für die Grup­pen­grö­ße vor­ge­ge­ben, dass die­se einen für sta­tis­ti­sche Zwe­cke hin­rei­chend gro­ßen Stich­pro­ben­um­fang haben muss; sie wur­de abhän­gig vom Anteil der her­aus­ge­rech­ne­ten Haus­hal­te fest­ge­legt 68 und war mit 1.678 Ein­per­so­nen­haus­hal­ten 69 hin­rei­chend groß.

Des­glei­chen ist von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den, dass der Gesetz­ge­ber den Regel­be­darf bei Ein­per­so­nen­haus­hal­ten und damit die Regel­be­darfs­stu­fe 1 als Aus­gangs­wert für die Fest­le­gung der Höhe der Leis­tun­gen für den Regel­be­darf auch der­je­ni­gen Erwach­se­nen nutzt, die mit ande­ren eben­falls leis­tungs­be­rech­tig­ten Erwach­se­nen einen gemein­sa­men Haus­halt füh­ren, also die Regel­be­darfs­stu­fe 2 für zwei erwach­se­ne leis­tungs­be­rech­tig­te Per­so­nen als Ehe­gat­tin und ‑gat­te, Lebens­part­ne­rin­nen oder ‑part­ner oder in ehe­ähn­li­cher oder lebens­part­ner­schafts­ähn­li­cher Gemein­schaft (§ 8 Abs. 1 Nr. 2 RBEG). Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat zu die­ser Fra­ge der Bedarfs­ge­mein­schaf­ten bereits ent­schie­den, dass der Bedarf einer wei­te­ren erwach­se­nen Per­son in einer Höhe von 80 % von dem sta­tis­tisch ermit­tel­ten Bedarf der Allein­ste­hen­den abge­lei­tet wer­den darf 70, da die Erhe­bung nach Haus­hal­ten geeig­net ist, den tat­säch­li­chen Bedarf auch für sol­che Lebens­si­tua­tio­nen zu ermit­teln. Dem­entspre­chend ist die Bestim­mung des Regel­be­darfs zusam­men­le­ben­der und gemein­sam wirt­schaf­ten­der Erwach­se­ner in Höhe von 90 % des im SGB II für eine allein­ste­hen­de Per­son gel­ten­den Regel­be­darfs nicht zu bean­stan­den.

Es bestehen kei­ne durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken in Bezug auf die Berech­nung der Leis­tun­gen für den Regel­be­darf anhand der Refe­renz­grup­pe der Fami­li­en­haus­hal­te. Soweit bean­stan­det wird, die­se sei­en nicht sach­ge­recht ermit­telt wor­den, über­zeugt dies nicht. Es ist jeden­falls im Aus­gangs­punkt nicht erkenn­bar, dass die Grö­ße der Stich­pro­be nicht hin­rei­chen wür­de, um den Regel­be­darf sta­tis­tisch zu ermit­teln. Die Höhe der exis­tenz­si­chern­den Grund­leis­tun­gen lässt sich auch dann trag­fä­hig begrün­den, wenn nicht jeder ein­zel­ne Wert unab­hän­gig von daten­schutz­recht­li­chen Erwä­gun­gen auch nume­risch aus­ge­wie­sen ist. Die hin­ter den neu­tral gekenn­zeich­ne­ten Fel­dern ste­hen­den Wer­te wer­den in der Sum­me berück­sich­tigt 13, so dass hier kei­ne ver­fas­sungs­recht­lich rele­van­ten Ein­bu­ßen zu ver­zeich­nen sind.

Der Gesetz­ge­ber hat nach § 3 Abs. 1 RBEG die­je­ni­gen Haus­hal­te aus der Berech­nung her­aus­ge­nom­men, die in der Ermitt­lung exis­tenz­si­chern­der Bedar­fe zu Zir­kel­schlüs­sen füh­ren wür­den 67, weil sie ihrer­seits für­sor­ge­be­dürf­tig sind. Was Men­schen zur Exis­tenz­si­che­rung benö­ti­gen, kann trag­fä­hig nicht in Ori­en­tie­rung gera­de an den Per­so­nen bemes­sen wer­den, die mit gleich viel oder mit gerin­ge­ren finan­zi­el­len Mit­teln aus­kom­men müs­sen, als ihnen exis­tenz­si­chernd zuste­hen.

Aus der Berech­nung der Höhe der Leis­tun­gen für den Regel­be­darf sind Haus­hal­te, soweit erhe­bungs­tech­nisch mög­lich, aus­ge­nom­men, deren Net­to­ein­kom­men nicht das Niveau der Leis­tun­gen nach dem Zwei­ten und Zwölf­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch ein­schließ­lich der Leis­tun­gen für Unter­kunft und Hei­zung über­schrei­tet 71. Es wer­den kei­ne Haus­hal­te berück­sich­tigt, in denen Leis­tungs­be­rech­tig­te leb­ten, die im Erhe­bungs­zeit­raum aus­schließ­lich Hil­fe zum Lebens­un­ter­halt nach dem Drit­ten Kapi­tel des SGB XII (§ 3 Abs. 1 Nr. 1 RBEG), Grund­si­che­rung im Alter und bei Erwerbs­min­de­rung nach dem Vier­ten Kapi­tel des SGB XII (§ 3 Abs. 1 Nr. 2 RBEG) und Arbeits­lo­sen­geld II oder Sozi­al­geld nach dem SGB II (§ 3 Abs. 1 Nr. 3 RBEG) bezo­gen haben, also über kein wei­te­res Ein­kom­men ver­füg­ten. Damit sind nun 8, 6 % im Gegen­satz zu 0, 5 % im Jah­re 2003 der Haus­hal­te aus der Refe­renz­grup­pe her­aus­ge­nom­men wor­den 72.

Nicht her­aus­ge­nom­men hat der Gesetz­ge­ber die­je­ni­gen, die neben den Leis­tun­gen nach dem SGB II oder SGB XII über wei­te­res Ein­kom­men ver­füg­ten, meist als soge­nann­te "Auf­sto­cker" über Hin­zu­ver­diens­te aus Erwerbs­tä­tig­keit (§ 3 Abs. 2 Nr. 1 RBEG). Da die­ses wei­te­re Ein­kom­men wegen der Absetz- bezie­hungs­wei­se Frei­be­trä­ge des § 11b SGB II nur teil­wei­se bedarfs­min­dernd nach § 9 und § 11 SGB II berück­sich­tigt wird, liegt das Gesamt­ein­kom­men die­ser Haus­hal­te ober­halb des Für­sor­ge­ni­veaus im Bereich des SGB II. Aller­dings zei­gen die Frei­be­trä­ge, dass die zusätz­li­chen Mit­tel gera­de für die Erwerbs­tä­tig­keit gebraucht wer­den, also nicht ohne Wei­te­res als exis­tenz­si­chern­de Leis­tun­gen zur Ver­fü­gung ste­hen. Da sie jedoch in der Sum­me tat­säch­lich über dem Sozi­al­hil­fe­ni­veau lie­gen, hält es sich im Rah­men des gesetz­ge­be­ri­schen Ein­schät­zungs- und Wer­tungs­spiel­raums, die­se Haus­hal­te nicht aus der Ermitt­lung der Ver­brauchs­aus­ga­ben her­aus­zu­neh­men 73.

Die Berech­nung der Höhe der Leis­tun­gen für den Regel­be­darf stößt nicht auf ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken, weil der Gesetz­ge­ber in der Refe­renz­grup­pe der Ein­per­so­nen­haus­hal­te auch sol­che Per­so­nen berück­sich­tigt hat, die trotz Anspruchs auf Sozi­al­leis­tun­gen sol­che nicht bezo­gen haben und ihre Aus­ga­ben also aus ande­ren, mög­li­cher­wei­se gerin­ge­ren Mit­teln bestrei­ten muss­ten 67. Der Gesetz­ge­ber ist sei­ner Pflicht zur ent­spre­chen­den Fort­ent­wick­lung der Bedarfs­er­mitt­lung aus § 10 Abs. 2 Nr. 1 RBEG 71 bei der Aus­wer­tung der EVS 2008 nach­ge­kom­men. Sowohl die Ergeb­nis­se eines im Auf­trag des zustän­di­gen Bun­des­mi­nis­te­ri­ums erstell­ten wis­sen­schaft­li­chen Gut­ach­tens des Insti­tuts für Arbeits­markt- und Berufs­for­schung (IAB) als auch die im Aus­schuss für Arbeit und Sozia­les des Deut­schen Bun­des­ta­ges ange­hör­ten Sach­ver­stän­di­gen ein­schließ­lich der­je­ni­gen des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes gaben an, die Zahl der Haus­hal­te in ver­deck­ter Armut sei nur im Wege einer Schät­zung zu bezif­fern 74. Auch eine sach­ge­rech­te Schät­zung ist jedoch mit Unsi­cher­hei­ten behaf­tet, wes­halb der Gesetz­ge­ber nicht gezwun­gen ist, zur Bestim­mung der Höhe von Sozi­al­leis­tun­gen auf eine bloß nähe­rungs­wei­se Berech­nung abzu­stel­len 71.

Der Gesetz­ge­ber war von Ver­fas­sungs wegen nicht gehal­ten, all die­je­ni­gen Haus­hal­te aus der Erfas­sung aus­zu­schlie­ßen, die Leis­tun­gen nach dem Bun­des­aus­bil­dungs­för­de­rungs­ge­setz erhiel­ten. Sol­che Per­so­nen haben an der EVS 2008 ohne­hin nur teil­ge­nom­men, wenn sie gemäß § 2 Nr. 1 RBEG im Erhe­bungs­zeit­raum einen eige­nen Haus­halt führ­ten 75 und wenn nicht gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 3 RBEG ein nicht aus­bil­dungs­be­ding­ter Bedarf bestand, der nicht aus eige­nen Mit­teln gedeckt wer­den konn­te, denn dann greift ein Anspruch auf Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts nach dem Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch. Im Übri­gen ist nicht ersicht­lich, dass die Ein­be­zie­hung die­ser Haus­hal­te die Höhe des Regel­be­darfs erheb­lich ver­zerrt.

Der Ein­wand gegen die Berech­nung der Regel­be­dar­fe, Men­schen mit Leis­tungs­be­zug nach dem Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz sei­en als Refe­renz­haus­hal­te nicht aus­ge­schlos­sen wor­den, greift nicht durch. Es wer­den ohne­hin die­je­ni­gen nicht berück­sich­tigt, die in Gemein­schafts­un­ter­künf­ten leben, da für die EVS 2008 nur Per­so­nen befragt wor­den sind, die einen eige­nen Haus­halt führ­ten 75. Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt hat eine Son­der­aus­wer­tung der EVS 2008 durch­ge­führt und fest­ge­stellt, dass in den berück­sich­tig­ten Haus­hal­ten mit Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­dern aus Nicht-EU-Staa­ten kei­ne sons­ti­gen Zah­lun­gen aus öffent­li­chen Kas­sen erfolgt waren 76. Damit durf­te der Gesetz­ge­ber davon aus­ge­hen, dass kei­ne Haus­hal­te erfasst wor­den sind, in denen Leis­tun­gen nach dem Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz bezo­gen wur­den.

In die Berech­nung der Regel­be­dar­fe durf­ten Haus­hal­te mit Per­so­nen ein­be­zo­gen wer­den, die zuvor Arbeits­lo­sen­geld oder ‑hil­fe erhiel­ten. Dar­aus ergibt sich kein Zir­kel­schluss, denn ihr Net­to­ein­kom­men lag jeden­falls zum Zeit­punkt der Erhe­bung über dem Leis­tungs­ni­veau nach dem Zwei­ten und Zwölf­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch.

Soweit der Gesetz­ge­ber von der Ori­en­tie­rung an den durch­schnitt­li­chen Ver­brauchs­aus­ga­ben eines Teils der Bevöl­ke­rung im Rah­men des Sta­tis­tik­mo­dells abweicht, lässt sich die Höhe des Regel­be­darfs nach der erfor­der­li­chen Gesamt­be­trach­tung für den ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Zeit­raum noch trag­fä­hig begrün­den. Die Her­aus­nah­me ein­zel­ner Posi­tio­nen der EVS aus der Berech­nung des Regel­be­darfs ist nicht des­halb ver­fas­sungs­recht­lich angreif­bar, weil ihr Über­le­gun­gen zugrun­de lie­gen, die das Waren­korb­mo­dell prä­gen, also eine Mischung der Berech­nungs­me­tho­den als "Metho­den-Mix" ent­steht. Die Berech­nung ist damit nicht ver­fas­sungs­wid­rig. Die Modi­fi­ka­tio­nen des Sta­tis­tik­mo­dells dür­fen aller­dings ins­ge­samt kein Aus­maß errei­chen, das die Taug­lich­keit des Modells für die Ermitt­lung der Höhe exis­tenz­si­chern­der Regel­be­dar­fe in Fra­ge stellt. Soweit es erfor­der­lich ist, die mit­tels des Sta­tis­tik­mo­dells gewon­ne­nen Ergeb­nis­se etwa auf­grund offen­sicht­lich bedarfs­re­le­van­ter Ent­wick­lun­gen zu über­prü­fen, kann der Gesetz­ge­ber mit Hil­fe der Waren­korb­me­tho­de viel­mehr auch kon­trol­lie­rend sicher­stel­len, dass der exis­ten­ti­el­le Bedarf tat­säch­lich gedeckt ist. Des­glei­chen kann er auf ein­zel­ne Waren bezo­ge­ne Über­le­gun­gen nut­zen, um die Ver­brauchs­da­ten der EVS an die Ermitt­lung der Bedar­fe anzu­pas­sen. Vor­lie­gend sind die vom Gesetz­ge­ber vor­ge­nom­me­nen Her­aus­nah­men und Abschlä­ge für den ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Zeit­raum ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den; ihnen lie­gen Wer­tun­gen zugrun­de, die er in Aus­fül­lung sei­nes Gestal­tungs­spiel­raums poli­tisch zu ver­ant­wor­ten hat, die aber nicht ver­fas­sungs­recht­lich im Detail deter­mi­niert sind.

Dass der Bedarf von Erwach­se­nen in Fami­li­en­haus­hal­ten nach den ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen in Höhe des für Ein­per­so­nen­haus­hal­te ermit­tel­ten Bedarfs fest­ge­legt wird, lässt sich sach­lich begrün­den. Ver­fas­sungs­recht­lich las­sen sich kei­ne kon­kre­ten Ansprü­che auf bestimm­te staat­li­che Leis­tun­gen her­lei­ten, die Pfle­ge- und Erzie­hungs­tä­tig­keit der Eltern zu unter­stüt­zen 77. Die Bun­des­re­gie­rung erläu­tert in ihrer Stel­lung­nah­me, dass Erwach­se­ne in Fami­li­en­haus­hal­ten nach der gewähl­ten Vor­ge­hens­wei­se bes­ser gestellt sei­en als nach einer Ermitt­lung des Regel­be­darfs auf Basis der Fami­li­en­haus­hal­te und dass sich sonst, je nach Alter des Kin­des, drei unter­schied­li­che Regel­be­darfs­stu­fen für die Eltern­tei­le erge­ben hät­ten mit der Schwie­rig­keit, Part­ner mit zwei oder mehr Kin­dern in unter­schied­li­chen Alters­stu­fen rich­tig ein­zu­ord­nen. Zwar wird künf­tig zu beach­ten sein, dass der Gesamt­be­darf in Fami­li­en­haus­hal­ten auch tat­säch­lich gedeckt ist, da eine Berech­nung für Erwach­se­ne nach dem Bedarf in Ein­per­so­nen­haus­hal­ten nicht berück­sich­tigt, dass die Bedar­fe für Kin­der und Jugend­li­che in Bezug auf Erwach­se­ne berech­net wor­den sind, für die nun aber ande­re Zah­len zugrun­de gelegt wer­den und damit die Gefahr besteht, gemein­sam anfal­len­de Fix­kos­ten grö­ße­rer Haus­hal­te nicht zu decken 78. Jedoch ist der­zeit nicht ersicht­lich, dass fami­li­en­spe­zi­fi­sche Bedar­fe deut­lich ver­kannt wor­den wären. Auch hier ist es nicht Sache des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, zu über­prü­fen, ob die für Fami­li­en bes­te aller denk­ba­ren Berech­nungs­wei­sen gewählt wur­de; es über­prüft am Maß­stab des Grund­ge­set­zes nur, ob den ver­fas­sungs­recht­li­chen Maß­stä­ben durch eine sach­ge­rech­te und trag­fä­hi­ge Berech­nung genügt ist.

Im Aus­gangs­punkt genügt die Ermitt­lung des exis­ten­ti­el­len Bedarfs wegen der anfal­len­den Kos­ten für Haus­halts­strom den grund­ge­setz­li­chen Anfor­de­run­gen. Ange­sichts außer­ge­wöhn­li­cher Preis­stei­ge­run­gen bei einer der­art gewich­ti­gen Aus­ga­be­po­si­ti­on ist der Gesetz­ge­ber aller­dings ver­pflich­tet, nicht nur den Index für die Fort­schrei­bung der Regel­be­dar­fe, son­dern auch die grund­le­gen­den Vor­ga­ben für die Ermitt­lung des Bedarfs hin­sicht­lich des Haus­halts­stroms zu über­prü­fen und, falls erfor­der­lich, anzu­pas­sen. Es sind aber kei­ne Anhalts­punk­te dafür gege­ben, dass die Höhe der Gesamt­pau­scha­le für den Regel­be­darf in den vor­lie­gen­den Ver­fah­ren mit der Ver­fas­sung nicht mehr ver­ein­bar wäre, weil das grund­ge­setz­lich garan­tier­te Min­dest­maß unter­schrit­ten wäre.

Im Unter­schied zur Regel­be­darfs­be­stim­mung nach der Son­der­aus­wer­tung der EVS 2003 wur­de auch kein blo­ßer Abschlag für Heiz­strom "ins Blaue hin­ein" 79 vor­ge­nom­men. Der Berech­nung des Bedarfs für den Haus­halts­strom liegt eine Son­der­aus­wer­tung zugrun­de, die Heiz­strom­kos­ten aus der Erhe­bung aus­schließt. Die so ermit­tel­ten Ver­brauchs­aus­ga­ben wur­den dann in vol­lem Umfang als regel­be­darfs­re­le­vant aner­kannt. Auch die Umrech­nung des Ver­brauchs im Fall von Haus­ei­gen­tum auf die Höhe des Ver­brauchs bei gemie­te­ten Unter­künf­ten wur­de trag­fä­hig damit begrün­det, dass die beson­de­ren Strom­aus­ga­ben bei Eigen­hei­men als geson­der­te Kos­ten der Unter­kunft gemäß § 22 SGB II neben dem Regel­be­darf gedeckt wer­den 80. Aller­dings sind in die Durch­schnitts­bil­dung auch Haus­hal­te ohne Kos­ten für Strom ein­be­zo­gen. Jedoch stel­len nicht aus­ge­wie­se­ne Strom­kos­ten 81 bei 7, 4 % der befrag­ten Haus­hal­te die Siche­rung der men­schen­wür­di­gen Exis­tenz nicht ins­ge­samt in Fra­ge. Sie sind den Haus­hal­ten ohne Anga­ben weder hypo­the­tisch zuge­wie­sen wor­den noch wur­de durch eine Kon­troll­fra­ge, eine Gegen­pro­be nach dem Waren­korb­mo­dell oder durch ande­re Metho­den gesi­chert, dass die Wer­te hier nicht unsach­lich ver­zerrt wer­den. Es liegt im Ent­schei­dungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers, wie die Ver­brauchs­aus­ga­ben für die­se Haus­hal­te in einer rea­lis­ti­schen Berech­nung des exis­tenz­si­chern­den Bedarfs ein­be­zo­gen wer­den; dass sie ein­zu­be­zie­hen sind, steht jedoch außer Fra­ge.

Die Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers, Aus­ga­ben für Kraft­fahr­zeu­ge, alko­ho­li­sche Geträn­ke und Tabak­wa­ren, Schnitt­blu­men und Zim­mer­pflan­zen, Kan­ti­nen­es­sen, che­mi­sche Rei­ni­gung, Vor­stel­lungs­ge­sprä­che sowie Prü­fungs­ge­büh­ren nicht als regel­be­darfs­re­le­vant anzu­er­ken­nen, begeg­net kei­nen ver­fas­sungs­recht­lich durch­grei­fen­den Beden­ken. Es han­delt sich um wer­ten­de Ent­schei­dun­gen im Rah­men des ihm zuste­hen­den Aus­ge­stal­tungs­spiel­raums. Die Begrün­dun­gen, die sich dazu im Ein­zel­nen im Gesetz­ent­wurf der dama­li­gen Regie­rungs­frak­tio­nen 12 fin­den, sind nach­voll­zieh­bar und nicht unsach­lich. Soweit erkenn­bar ist, dass auf­grund der­ar­ti­ger Ent­schei­dun­gen eine Gefahr der Unter­de­ckung ent­steht, muss der Gesetz­ge­ber dies aus­glei­chen.

Ins­be­son­de­re ist die wer­ten­de Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers, ein Kraft­fahr­zeug sei im Grund­si­che­rungs­recht nicht als exis­tenz­not­wen­dig zu berück­sich­ti­gen, ver­tret­bar; aller­dings sind die ohne Kraft­fahr­zeug zwangs­läu­fig stei­gen­den Auf­wen­dun­gen der Hil­fe­be­dürf­ti­gen für den öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr zu berück­sich­ti­gen 82. Mobi­li­tät ist nicht nur sozio­kul­tu­rell bedeut­sam, um Teil­ha­be zu ermög­li­chen, son­dern zum Bei­spiel in Lebens­si­tua­tio­nen außer­halb der Kern­ort­schaf­ten mit ent­spre­chen­der Infra­struk­tur auch mit­un­ter erfor­der­lich, um die Bedar­fe des täg­li­chen Lebens zu sichern. Künf­tig wird der Gesetz­ge­ber auch mit Blick auf die Lebens­hal­tungs­kos­ten sicher­stel­len müs­sen, dass der exis­tenz­not­wen­di­ge Mobi­li­täts­be­darf tat­säch­lich gedeckt wer­den kann.

Aus der sta­tis­ti­schen Berech­nung des Regel­be­darfs in Ori­en­tie­rung an den auf der Grund­la­ge einer Stich­pro­be berech­ne­ten Ver­brauchs­aus­ga­ben eines Teils der Bevöl­ke­rung folgt die Gefahr, dass mit der Fest­set­zung der Gesamt­sum­me für den Regel­be­darf die Kos­ten für ein­zel­ne bedarfs­re­le­van­te Güter nicht durch­gän­gig gedeckt sind. Dies gilt ins­be­son­de­re, wenn wie hier aus der Gesamt­sum­me der ermit­tel­ten Ver­brauchs­aus­ga­ben nach­träg­lich ein­zel­ne Posi­tio­nen wie aus einem Waren­korb her­aus­ge­nom­men wer­den. Hat der Gesetz­ge­ber jedoch Kennt­nis von Unter­de­ckun­gen exis­ten­ti­el­ler Bedar­fe, muss er dar­auf reagie­ren, um sicher­zu­stel­len, dass der aktu­el­le Bedarf gedeckt ist 83. Der Gesetz­ge­ber kann im Rah­men sei­ner Aus­ge­stal­tungs­frei­heit ent­schei­den, ob die­ser Aus­gleich durch zusätz­li­che Ansprü­che auf Zuschüs­se neben dem Regel­be­darf erfol­gen soll. Er kann auch einen inter­nen Aus­gleich vor­se­hen, muss aber sicher­stel­len, dass dafür finan­zi­el­ler Spiel­raum vor­han­den ist. Ent­schei­dend ist aus ver­fas­sungs­recht­li­cher Sicht nur, dass exis­tenz­si­chern­de Bedar­fe ins­ge­samt tat­säch­lich gedeckt sind.

Auf die Gefahr einer Unter­de­ckung kann der Gesetz­ge­ber durch zusätz­li­che Ansprü­che auf Zuschüs­se zur Siche­rung des exis­tenz­not­wen­di­gen Bedarfs reagie­ren. Fehlt es auf­grund der vor­lie­gend zugrun­de geleg­ten Berech­nung des Regel­be­darfs an einer Deckung der exis­tenz­si­chern­den Bedar­fe, haben die Sozi­al­ge­rich­te Rege­lun­gen wie § 24 SGB II über geson­dert neben dem Regel­be­darf zu erbrin­gen­de ein­ma­li­ge, als Zuschuss gewähr­te Leis­tun­gen ver­fas­sungs­kon­form aus­zu­le­gen 84. Fehlt die Mög­lich­keit ent­spre­chen­der Aus­le­gung gel­ten­den Rechts, muss der Gesetz­ge­ber einen Anspruch auf einen Zuschuss neben dem Regel­be­darf schaf­fen. Auf ein nach § 24 Abs. 1 SGB II mög­li­ches Anschaf­fungs­dar­le­hen, mit dem zwin­gend eine Redu­zie­rung der Für­sor­ge­leis­tung um 10 % durch Auf­rech­nung nach § 42a Abs. 2 Satz 1 in Ver­bin­dung mit § 24 Abs. 1 SGB II ab dem Fol­ge­mo­nat der Aus­zah­lung ver­bun­den ist, kann nur ver­wie­sen wer­den, wenn die Regel­be­darfs­leis­tung so hoch bemes­sen ist, dass ent­spre­chen­de Spiel­räu­me für Rück­zah­lun­gen bestehen.

Der Gesetz­ge­ber darf grund­sätz­lich dar­auf ver­wei­sen, dass punk­tu­el­le Unter­de­ckun­gen intern aus­ge­gli­chen wer­den 52, wenn ein im Regel­be­darf nicht berück­sich­tig­ter Bedarf nur vor­über­ge­hend anfällt oder ein Bedarf deut­lich kos­ten­träch­ti­ger ist als der sta­tis­ti­sche Durch­schnitts­wert, der zu sei­ner Deckung berück­sich­tigt wor­den ist. Für einen inter­nen Aus­gleich darf jedoch nicht all­ge­mein auf die Sum­men ver­wie­sen wer­den, die den exis­tenz­si­chern­den sozio­kul­tu­rel­len Bedarf decken sol­len. Zudem muss der Pau­schal­be­trag hin­rei­chend hoch bemes­sen sein, um einen finan­zi­el­len Spiel­raum für Rück­la­gen zu las­sen.

Zum inter­nen Aus­gleich kann nicht pau­schal dar­auf ver­wie­sen wer­den, dass Bedürf­ti­ge Leis­tun­gen zur Deckung sozio­kul­tu­rel­ler Bedar­fe als Aus­gleichs­mas­se für ande­re Bedarfs­po­si­tio­nen ein­set­zen könn­ten 85, denn der sozio­kul­tu­rel­le Bedarf gehört zum grund­recht­lich gesi­cher­ten, men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mum. Auch die in der Pau­scha­le für den Regel­be­darf ent­hal­te­nen Leis­tun­gen für sozio­kul­tu­rel­le Bedar­fe sind kei­ne frei ver­füg­ba­re Aus­gleichs­mas­se, da die­se Bedar­fe eben­falls exis­tenz­si­chernd zu decken sind 86.

Gegen die Rege­lung in § 20 Abs. 1 Satz 4 SGB II, wonach Bedürf­ti­ge Mit­tel zur Bedarfs­de­ckung eigen­ver­ant­wort­lich aus­glei­chen und anspa­ren müs­sen, ist aus ver­fas­sungs­recht­li­cher Sicht grund­sätz­lich nichts ein­zu­wen­den. Ein sol­ches Modell ist mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar, wenn die Höhe der pau­scha­len Leis­tungs­be­trä­ge für den monat­li­chen Regel­be­darf es zulässt, einen Anteil für den unre­gel­mä­ßig auf­tre­ten­den oder kos­ten­träch­ti­ge­ren Bedarf zurück­zu­hal­ten. Es ist vor­lie­gend jeden­falls nicht erkenn­bar gewor­den, dass exis­tenz­ge­fähr­den­de Unter­de­ckun­gen ein­tre­ten. Doch muss der Gesetz­ge­ber künf­tig dar­auf ach­ten, dass der exis­tenz­not­wen­di­ge Bedarf ins­ge­samt gedeckt ist. Dies setzt vor­aus, dass die Bemes­sung der Regel­be­dar­fe hin­rei­chend Spiel­raum für einen Aus­gleich lässt.

Nach der vor­lie­gen­den Berech­nungs­wei­se des Regel­be­darfs ergibt sich bei­spiels­wei­se die Gefahr einer Unter­de­ckung hin­sicht­lich der akut exis­tenz­not­wen­di­gen, aber lang­le­bi­gen Kon­sum­gü­ter, die in zeit­li­chen Abstän­den von meh­re­ren Jah­ren ange­schafft wer­den, eine sehr hohe Dif­fe­renz zwi­schen sta­tis­ti­schem Durch­schnitts­wert und Anschaf­fungs­preis. So wur­de für die Anschaf­fung von Kühl­schrank, Gefrier­schrank und ‑tru­he, Wasch­ma­schi­ne, Wäsche­trock­ner, Geschirr­spül- und Bügel­ma­schi­ne (Abtei­lung 05) 87 ledig­lich ein Wert von unter 3 € berück­sich­tigt. Des­glei­chen kann eine Unter­de­ckung ent­ste­hen, wenn Gesund­heits­leis­tun­gen wie Seh­hil­fen weder im Rah­men des Regel­be­darfs gedeckt wer­den kön­nen noch ander­wei­tig gesi­chert sind 88.

Nach den ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen sind die monat­li­chen Pau­schall­eis­tun­gen jedoch so berech­net, dass nicht etwa alle, son­dern bei Allein­ste­hen­den 132 € weni­ger und damit ins­ge­samt ledig­lich 72 %, bei Kin­dern je nach Alters­grup­pe zwi­schen 69 € und 76 € weni­ger und damit 75 % bezie­hungs­wei­se 78 % der in der EVS erfass­ten Kon­sum­aus­ga­ben der den unte­ren Ein­kom­mens­grup­pen zuge­hö­ri­gen Refe­renz­haus­hal­te als exis­tenz­si­chernd aner­kannt wer­den 89. Zwar ist es begründ­bar, ein­zel­ne Ver­brauchs­po­si­tio­nen nicht als Bedar­fe anzu­er­ken­nen. Wenn in die­sem Umfang her­aus­ge­rech­net wird, kommt der Gesetz­ge­ber jedoch an die Gren­ze des­sen, was zur Siche­rung des Exis­tenz­mi­ni­mums ver­fas­sungs­recht­lich gefor­dert ist. Ver­weist der Gesetz­ge­ber auf einen inter­nen Aus­gleich zwi­schen Bedarfs­po­si­tio­nen, auf ein Anspa­ren oder auch auf ein Dar­le­hen zur Deckung exis­tenz­si­chern­der Bedar­fe, muss er jeden­falls die finan­zi­el­len Spiel­räu­me sichern, die dies tat­säch­lich ermög­li­chen, oder ander­wei­tig für Bedarfs­de­ckung sor­gen.

Es bestehen im Aus­gangs­punkt kei­ne ver­fas­sungs­recht­lich durch­grei­fen­den Beden­ken gegen die Fest­le­gung der Regel­be­darfs­stu­fen 4 und 6. Da in den Aus­gangs­ver­fah­ren nie­mand der Alters­grup­pe der 7- bis 14-Jäh­ri­gen 90 zuzu­ord­nen ist, ist die­se nicht Gegen­stand der Prü­fung.

Die Ein­wän­de gegen die Ein­tei­lung von Alters­grup­pen für die Ermitt­lung des Regel­be­darfs von Kin­dern und Jugend­li­chen grei­fen nicht durch. Der Gesetz­ge­ber hat sich mit der Unter­schei­dung in drei Alters­grup­pen in ver­tret­ba­rer Wei­se an kind­li­chen Ent­wick­lungs­pha­sen aus­ge­rich­tet und an trag­fä­hi­gen Erkennt­nis­sen aus Wis­sen­schaft und Pra­xis ori­en­tiert. Die bereits zuvor gel­ten­de Unter­schei­dung der Alters­grup­pen muss­te aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den nicht zwin­gend erneut ver­än­dert wer­den, da der Regel­be­darf nun nicht mehr eine frei­hän­di­ge Set­zung für "klei­ne Erwach­se­ne" ist 91.

Die Bestim­mung exis­tenz­si­chern­der Bedar­fe von Kin­dern und Jugend­li­chen durch Ver­tei­lungs­schlüs­sel ist aus ver­fas­sungs­recht­li­cher Sicht nicht zu bean­stan­den 92. Da deren Aus­ga­ben nicht im Ein­zel­nen erho­ben wer­den, nutzt der Gesetz­ge­ber Ver­tei­lungs­schlüs­sel, um die Aus­ga­ben der Fami­li­en­haus­hal­te den Erwach­se­nen und dem Kind oder Jugend­li­chen mathe­ma­tisch zuzu­ord­nen 93. Die­se Ver­tei­lungs­schlüs­sel wur­den im Auf­trag des fach­lich zustän­di­gen Minis­te­ri­ums erar­bei­tet, in Modell­rech­nun­gen des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes ermit­telt und in einer wis­sen­schaft­li­chen Stu­die der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum bestä­tigt, über die die Bun­des­re­gie­rung dem Deut­schen Bun­des­tag berich­tet hat 94; sie sind damit auch in sich trag­fä­hig bestimmt wor­den.

Die Ein­wän­de gegen die auf die­se Wei­se ermit­tel­ten durch­schnitt­li­chen Aus­ga­ben für Kin­der und Jugend­li­che in ihrer kon­kre­ten Höhe füh­ren nicht dazu, dass die zu prü­fen­den Rege­lun­gen der­zeit ver­fas­sungs­wid­rig wären. Im Ein­zel­fall sind Bedar­fe, wenn kei­ne ander­wei­ti­ge Deckung besteht, über die ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung ein­fa­chen Rechts zu sichern; der Gesetz­ge­ber ist im Übri­gen auch hier ver­pflich­tet, ernst­haf­ten Zwei­feln an der Bedarfs­de­ckung künf­tig Rech­nung zu tra­gen.

Die Höhe des Regel­be­darfs in der Regel­be­darfs­stu­fe 6 für leis­tungs­be­rech­tig­te Kin­der bis zur Voll­endung des 6. Lebens­jah­res (§ 8 Abs. 1 Nr. 6 RBEG) ist nach der ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Gesamt­be­trach­tung nicht zu bean­stan­den. Der not­wen­di­ge Lebens­un­ter­halt bei Kin­dern umfasst auch den beson­de­ren, nament­lich den durch ihre Ent­wick­lung und ihr Her­an­wach­sen ent­ste­hen­den Bedarf 95. Doch prüft das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht, ob der Gesetz­ge­ber – wie in einem Waren­korb­mo­dell – für jede ein­zel­ne Posi­ti­on der sta­tis­ti­schen Ermitt­lung einen exis­tenz­si­chern­den Betrag zugrun­de gelegt hat, son­dern nur, ob jen­seits der evi­den­ten Unter­schrei­tung des Exis­tenz­mi­ni­mums in einer Gesamt­schau eine trag­fä­hi­ge Berech­nung zugrun­de liegt. Dies ist der Fall.

Kin­der der Regel­be­darfs­stu­fe 6 sind nicht von den Leis­tun­gen für Bil­dung und Teil­ha­be aus­ge­schlos­sen. Nach § 28 Abs. 2 Satz 2 und Abs. 6 Satz 1 Nr. 2 SGB II sind für Kin­der, die eine Kin­der­ta­ges­ein­rich­tung besu­chen, Aus­flü­ge und Mit­tags­ver­pfle­gung för­der­fä­hig; dies umfasst wie nach § 22 Abs. 1 Satz 1 SGB VIII neben Kin­der­gär­ten – unab­hän­gig von ihrer Bezeich­nung – alle Ein­rich­tun­gen zur Betreu­ung von Kin­dern im Vor­schul­al­ter 96. Dane­ben ste­hen Kin­dern die­ser Alters­stu­fe die Leis­tun­gen nach § 28 Abs. 7 SGB II zur Ver­fü­gung, die mit der Ver­fas­sung ver­ein­bar sind.

Der Gesetz­ge­ber darf bei der sta­tis­ti­schen Berech­nung eines fort­lau­fend gezahl­ten Pau­schal­be­tra­ges für Kin­der im Übri­gen berück­sich­ti­gen, dass sich Bedar­fe je nach Lebens­al­ter ver­än­dern und erwar­ten, dass ab Geburt gezahl­te, vor­über­ge­hend nicht benö­tig­te Mit­tel aus dem den­noch fort­lau­fend gezahl­ten Betrag ange­spart wer­den, um spä­te­re Bedar­fe zu decken. Tat­säch­lich ist zwar der errech­ne­te Betrag von monat­lich 2, 19 € für Ver­brauchs­gü­ter für die Kör­per­pfle­ge für ein Kind der Alters­grup­pe bis sechs Jah­re 97 sehr gering. Er kann bei­spiels­wei­se Win­deln ledig­lich für eini­ge Tage finan­zie­ren. Auch der Betrag für Schu­he ist mit 7, 02 € gering und liegt um 2, 58 € unter dem für Kin­der von sechs bis unter 14 Jah­ren 98. Dass inso­weit bei einer Gesamt­be­trach­tung ein inter­ner Aus­gleich etwa durch Anspa­ren aus­ge­schlos­sen wäre, ist jedoch der­zeit nicht erkenn­bar.

Die Höhe des Regel­be­darfs in der Regel­be­darfs­stu­fe 4 für Jugend­li­che zwi­schen dem 15. und 18. Lebens­jahr (§ 8 Abs. 1 Nr. 4 RBEG) ist in der ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Gesamt­be­trach­tung der­zeit nicht zu bean­stan­den. Zwar erschei­nen die Abzü­ge für die nicht unter­stütz­ten Ver­brauchs­aus­ga­ben für alko­ho­li­sche Geträn­ke und Tabak­wa­ren von Fami­li­en mit Kin­dern zu hoch, weil es Hin­wei­se auf einen Rück­gang des antei­li­gen Kon­sums bei Jugend­li­chen gibt 99. Dem kann der Gesetz­ge­ber jedoch im Rah­men der nächs­ten regel­mä­ßi­gen Anpas­sung der Höhe des Regel­be­darfs Rech­nung tra­gen.

Die Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers, die in der EVS aus­ge­wie­se­nen Kos­ten für außer­schu­li­schen Unter­richt und Hob­by­kur­se im Wert von 3, 58 € als nicht regel­be­darfs­re­le­vant zu bewer­ten, ist von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den. Sie lässt sich trag­fä­hig begrün­den, denn der Gesetz­ge­ber hat Bedar­fe für die gesell­schaft­li­che, poli­ti­sche und kul­tu­rel­le Teil­ha­be 35 zum 1.01.2011 geson­dert über das soge­nann­te "Bil­dungs­pa­ket" durch § 28 SGB II gedeckt, wor­auf § 19 Abs. 2 SGB II ver­weist 100. Die Ver­fas­sung ver­bie­tet dies nicht 101; sie sind damit wei­ter­hin Teil des exis­tenz­si­chern­den Bedarfs, den der Gesetz­ge­ber zu decken hat (§ 19 Abs. 1 Satz 1 SGB II) und wer­den dar­über hin­aus nach § 28 und § 29 SGB II auch gewährt, wenn kein Anspruch auf Leis­tun­gen für den Regel­be­darf besteht.

Zwar ist der Umfang des Bil­dungs­pa­kets knapp bemes­sen, weil nach § 28 Abs. 7 Satz 1 SGB II ein Teil­ha­be­be­trag in einer Höhe von monat­lich nur 10 € geleis­tet wird. Der nach § 28 Abs. 7 SGB II berück­sich­tig­te Bedarf an Leis­tun­gen zur Teil­ha­be in Höhe von 10 € im Monat ist jeden­falls für Kin­der unter sechs Jah­ren nicht "ins Blaue hin­ein" geschätzt, son­dern in Ori­en­tie­rung an gekürz­ten Posi­tio­nen der EVS aus­ge­wie­sen und berech­net wor­den 102. Soweit die Höhe des Bil­dungs­pa­kets bei Jugend­li­chen von 15 bis unter 18 Jah­re eben­falls auf 10 € begrenzt ist, ist dies trag­fä­hig begrün­det, weil dane­ben ermit­tel­te Ver­brauchs­aus­ga­ben für Hob­bys, Spiel­wa­ren, den Besuch von Sport- und Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen oder ‑ein­rich­tun­gen, für Gebrauchs­gü­ter für Bil­dung, Unter­hal­tung und Frei­zeit sowie Aus­leih­ge­büh­ren für Sport­ar­ti­kel und Bücher als regel­be­darfs­re­le­vant berück­sich­tigt sind.

Bil­dungs- und Teil­ha­be­an­ge­bo­te müs­sen für die Bedürf­ti­gen aller­dings auch tat­säch­lich ohne wei­te­re Kos­ten erreich­bar sein. Jeden­falls seit 1.08.2013 wer­den nach § 28 Abs. 7 Satz 2 SGB II wei­te­re, mit dem Bil­dungs­pa­ket zusam­men­hän­gen­de tat­säch­li­che Auf­wen­dun­gen berück­sich­tigt. Zwar ist die Norm ledig­lich als Ermes­sens­vor­schrift aus­ge­stal­tet und die Geset­zes­be­grün­dung zielt vor­ran­gig auf die Finan­zie­rung der nöti­gen Aus­rüs­tung 103. Die Vor­schrift ist jedoch einer ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung zugäng­lich, womit die Sozi­al­ge­rich­te sicher­stel­len kön­nen, dass ein Anspruch auf Fahr­kos­ten zu der­ar­ti­gen Ange­bo­ten besteht.

Es ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass der Gesetz­ge­ber die Leis­tun­gen im Rah­men des § 28 Abs. 7 SGB II mit bestimm­ten Ver­wen­dungs­zwe­cken ver­knüpft hat. Er ermög­licht Teil­ha­be in den Berei­chen Sport, Spiel, Kul­tur und Gesel­lig­keit (Nr. 1), am Unter­richt in künst­le­ri­schen Fächern wie dem Musik­un­ter­richt und ver­gleich­ba­ren ange­lei­te­ten Akti­vi­tä­ten der kul­tu­rel­len Bil­dung (Nr. 2) sowie an Frei­zei­ten (Nr. 3). Das trägt der Frei­heit in der Aus­rich­tung an unter­schied­li­chen Inter­es­sen und Nei­gun­gen bei Kin­dern und Jugend­li­chen hin­rei­chend Rech­nung.

Es liegt auch im Aus­ge­stal­tungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers, Leis­tun­gen für Bil­dung und Teil­ha­be nach § 29 Abs. 2 Satz 1, Abs. 3 Satz 1 SGB II nicht unmit­tel­bar durch eige­ne Sach­leis­tun­gen, son­dern in Form von Gut­schei­nen über die Kos­ten für vor­han­de­ne kom­mu­na­le Ange­bo­te zu erbrin­gen 104. Die ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen geben finan­zi­el­le Ansprü­che, um vor­han­de­ne Ange­bo­te zu nut­zen und besei­ti­gen so die finan­zi­el­len Hür­den, die einer Inte­gra­ti­on von Kin­dern und Jugend­li­chen in die Gesell­schaft ent­ge­gen­ste­hen oder sie behin­dern kön­nen 105; ein Anspruch auf erwei­ter­te Ange­bo­te besteht nicht. Erst wenn Gut­schei­nen kein nutz­ba­res Ange­bot gegen­über­stün­de, wäre die Leis­tungs­er­brin­gung durch Gut­schei­ne aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den zu über­prü­fen.

Die Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers, Ver­brauchs­aus­ga­ben für Kin­der und Jugend­li­che, die durch die Beschaf­fung von Schreib­wa­ren, Zei­chen­ma­te­ri­al und Ähn­li­chem anfal­len, über das Schul­ba­sis­pa­ket geson­dert zu erfas­sen 106, stößt eben­falls nicht auf durch­grei­fen­de ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken. Mit der Rege­lung in § 28 Abs. 3 SGB II wer­den neben dem Regel­be­darf für die Aus­stat­tung mit per­sön­li­chem Schul­be­darf bei Schü­le­rin­nen und Schü­lern jähr­lich zum 1.08.70 € und zum 1.02.30 € berück­sich­tigt. Damit woll­te der Gesetz­ge­ber die Durch­läs­sig­keit des deut­schen Bil­dungs­sys­tems her­vor­he­ben und die finan­zi­el­le Situa­ti­on zu Beginn des jewei­li­gen Schul­halb­jah­res ent­span­nen 107. Die Geset­zes­ma­te­ria­len ver­wei­sen zwar ledig­lich auf Erfah­run­gen der Pra­xis, wonach 100 € auch bei Kin­dern aus bedürf­ti­gen Fami­li­en zu Schul­jah­res­be­ginn eine gute Aus­stat­tung ermög­lich­ten 108. Doch ist, aus­ge­hend von den im Gesetz­ent­wurf in Bezug genom­me­nen Posi­tio­nen der EVS 2008, eine Bedarfs­un­ter­de­ckung jeden­falls nicht evi­dent. Der Betrag von 100 € jähr­lich unter­schrei­tet nicht wesent­lich die auf Grund­la­ge der EVS ermit­tel­ten Durch­schnitts­aus­ga­ben für die­sen Bedarf (bei Kin­dern und Jugend­li­chen von sechs bis unter 14 Jah­ren 113, 88 €; zwi­schen 14 bis unter 18 Jah­ren 104, 88 €) 109. Auch der Klä­ger zu 3) des Aus­gangs­ver­fah­rens von 1 BvL 10/​12 hat nicht vor­ge­tra­gen, mit 70 € den Schul­be­darf im ers­ten Schul­halb­jahr nicht decken zu kön­nen.

Die Vor­ga­ben zur Fort­schrei­bung der Regel­be­darfs­stu­fen in den Jah­ren, in denen kei­ne Neu­er­mitt­lung nach § 28 SGB XII erfolgt, wei­chen – im Unter­schied zur vor­ma­li­gen Rege­lung 110 – nicht in unver­tret­ba­rer Wei­se von den Struk­tur­prin­zi­pi­en der gewähl­ten Ermitt­lungs­me­tho­de ab. Der Gesetz­ge­ber kommt sei­ner Pflicht, auf Ände­run­gen der wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen wie auf Preis­stei­ge­run­gen oder auf die Erhö­hung von Ver­brauch­steu­ern zu reagie­ren, um sicher­zu­stel­len, dass der aktu­el­le Bedarf gedeckt ist 111, durch die ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen im Grund­satz nach.

Eine Hoch­rech­nung anhand der Preis­ent­wick­lung in den Aus­ga­be­po­si­tio­nen, aus denen sich der regel­be­darfs­re­le­van­te Ver­brauch zusam­men­setzt, ist mit dem Grund­ge­setz eben­so ver­ein­bar 112 wie die Ori­en­tie­rung an einem gemisch­ten Index, der neben der Preis­ent­wick­lung auch die Ent­wick­lung der Löh­ne und Gehäl­ter berück­sich­tigt. Der Gesetz­ge­ber hat trag­fä­hig begrün­det, war­um sich die Fort­schrei­bung der Regel­be­darfs­stu­fen nun­mehr nach § 28a Abs. 2 Satz 1 und 3 SGB XII an die bun­des­durch­schnitt­li­che Ent­wick­lung der Prei­se für regel­be­darfs­re­le­van­te Güter und Dienst­leis­tun­gen sowie die bun­des­durch­schnitt­li­che Ent­wick­lung der Net­to­löh­ne und ‑gehäl­ter anlehnt. Eine stär­ke­re Gewich­tung der Preis­ent­wick­lung nach § 28a Abs. 2 Satz 3 SGB XII ist aller­dings erfor­der­lich, weil gera­de bei Leis­tun­gen zur Deckung des phy­si­schen Exis­tenz­mi­ni­mums deren rea­ler Wert zu sichern ist 113. Die gerin­ge­re Berück­sich­ti­gung der Lohn­ent­wick­lung soll Ent­wick­lungs­stand und Lebens­be­din­gun­gen berück­sich­ti­gen 62 und in gewis­sem Maße die Wohl­fahrts­ent­wick­lung der Gesell­schaft nach­zeich­nen 114. Die Lohn­ent­wick­lung ist zwar für sich genom­men zur Fort­schrei­bung der Höhe der Leis­tun­gen zur Siche­rung einer men­schen­wür­di­gen Exis­tenz nicht taug­lich. Ent­schei­dend ist aber auch hier, im Ergeb­nis eine men­schen­wür­di­ge Exis­tenz tat­säch­lich zu sichern.

Der Gesetz­ge­ber hat sich mit der abwei­chen­den Rege­lung der Fort­schrei­bung zum 1.01.2011 im Rah­men sei­nes Gestal­tungs­spiel­raums bewegt. Zwar wird mit der Son­der­re­ge­lung die Ent­wick­lung des Mischin­de­xes für die Zeit vom 01.01.bis zum 30.06.2010 bei der Anpas­sung zum 1.01.2011 aus­ge­blen­det. Der Fort­schrei­bungs­me­cha­nis­mus zum 1.01.2012 beruht aber nicht nur auf einem Ver­gleich der Indi­zes aus den Zeit­räu­men 1.07.2010 bis 30.06.2011 und 1.07.2009 bis 30.06.2010, son­dern zusätz­lich auf der Ver­än­de­rungs­ra­te des Mischin­de­xes im Ver­gleichs­zeit­raum 1.07.2009 bis 30.06.2010 gegen­über dem Jah­res­durch­schnitt 2009 und holt die­se Ent­wick­lung somit in ver­fas­sungs­recht­lich noch ver­tret­ba­rer Wei­se nach 115.

Die jeweils um sechs Mona­te ver­zö­ger­te Fort­schrei­bung hält sich im Rah­men des ver­fas­sungs­recht­lich Ver­tret­ba­ren. Zwar erfolg­te eine Ori­en­tie­rung an Jah­res­zeit­räu­men (§ 28a Abs. 2 Satz 2 SGB XII) erst­mals tat­säch­lich erst für die Fort­schrei­bung zum 1.01.2013, wes­halb zwi­schen dem Ende des jün­ge­ren Ver­gleichs­zeit­raums und dem Fort­schrei­bungs­ter­min sechs Mona­te lie­gen, Preis­stei­ge­run­gen in die­sem Zeit­raum also nicht unmit­tel­bar berück­sich­tigt wer­den. Doch erklärt sich die­se Ver­zö­ge­rung von sechs Mona­ten aus der erfor­der­li­chen Zeit für die Ermitt­lung der Ver­än­de­rungs­ra­te ein­schließ­lich des für die Fort­schrei­bung erfor­der­li­chen Ver­ord­nungs­ver­fah­rens nach § 40 SGB XII 116. Die Fort­schrei­bung im Fol­ge­jahr holt die Preis­ent­wick­lung in dem aus­ge­blen­de­ten Zeit­raum eben­falls nach.

Ein Ver­stoß der ange­grif­fe­nen Rege­lun­gen gegen wei­te­re Grund­rech­te liegt nicht vor. Ver­fas­sungs­recht­lich ist allein ent­schei­dend, dass für jede indi­vi­du­el­le hil­fe­be­dürf­ti­ge Per­son das Exis­tenz­mi­ni­mum nach Art. 1 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 1 GG aus­rei­chend erfasst wird; eines Rück­griffs auf wei­te­re Grund­rech­te bedarf es inso­fern im Aus­gangs­punkt nicht 117. Ins­be­son­de­re ist auch die Ungleich­be­hand­lung, die in der unter­schied­li­chen Bemes­sung des Regel­be­darfs für Ein­per­so­nen- und Fami­li­en­haus­hal­te liegt, offen­sicht­lich durch sach­li­che Grün­de zu recht­fer­ti­gen.

Zukünf­ti­ge Ermitt­lung der Regel­be­dar­fe[↑]

Die Ermitt­lung von Regel­be­dar­fen, die ein men­schen­wür­di­ges Exis­tenz­mi­ni­mum gewähr­leis­ten, ist stets nur annä­he­rungs­wei­se mög­lich. Sie muss sich auf Daten zu kom­ple­xen Ver­hält­nis­sen stüt­zen, die für die jeweils aktu­ell gefor­der­te Deckung eines exis­tenz­si­chern­den Bedarfs nur begrenzt aus­sa­ge­kräf­tig sind. Zwar muss die Bestim­mung des men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums nach der erfor­der­li­chen Gesamt­be­trach­tung auf im Aus­gangs­punkt trag­fä­hi­gen Grund­an­nah­men, Daten und Berech­nungs­schrit­ten beru­hen, jedoch schla­gen Beden­ken hin­sicht­lich ein­zel­ner Berech­nungs­po­si­tio­nen nicht ohne Wei­te­res auf die ver­fas­sungs­recht­li­che Beur­tei­lung durch. Aller­dings darf der Gesetz­ge­ber ernst­haf­te Beden­ken, die auf tat­säch­li­che Gefah­ren der Unter­de­ckung ver­wei­sen, nicht ein­fach auf sich beru­hen las­sen und fort­schrei­ben. Er ist viel­mehr gehal­ten, bei den peri­odisch anste­hen­den Neu­er­mitt­lun­gen des Regel­be­darfs zwi­schen­zeit­lich erkenn­ba­re Beden­ken auf­zu­grei­fen und unzu­rei­chen­de Berech­nungs­schrit­te zu kor­ri­gie­ren.

Danach sind die ange­grif­fe­nen Vor­schrif­ten nicht zu bean­stan­den. Die Rege­lung der Höhe der Leis­tun­gen für den Regel­be­darf, ein­schließ­lich ihrer Fort­schrei­bun­gen, nach § 20 Abs. 2 Satz 1 und 2 Nr. 1, Abs. 4, Abs. 5, § 23 Nr. 1, § 77 Abs. 4 Nr. 1 und 2 SGB II und § 8 Abs. 1 Nr. 1, 2, 4 und 6, Abs. 2 Nr. 1 und 3 RBEG, jeweils in Ver­bin­dung mit § 20 Abs. 1 Satz 1 und 2 SGB II und § 28a SGB XII, sowie die Anla­ge zu § 28 SGB XII sowie § 2 RBSFV 2012, § 2 RBSFV 2013 und § 2 RBSFV 2014, ist nach Maß­ga­be der Grün­de mit Art. 1 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit dem Sozi­al­staats­prin­zip des Art.20 Abs. 1 GG ver­ein­bar.

Der Gesetz­ge­ber hat jedoch, soweit erheb­li­che Zwei­fel an der tat­säch­li­chen Deckung exis­ten­ti­el­ler Bedar­fe bestehen, bei der Neu­er­mitt­lung der Regel­be­dar­fe auf der Grund­la­ge der EVS 2013, die noch nicht abschlie­ßend aus­ge­wer­tet ist, sicher­zu­stel­len, dass die Höhe des Pau­schal­be­trags für den Regel­be­darf trag­fä­hig bemes­sen wird. Es liegt in sei­nem Gestal­tungs­spiel­raum, erfor­der­li­chen­falls geeig­ne­te Nach­er­he­bun­gen vor­zu­neh­men, Leis­tun­gen auf der Grund­la­ge eines eige­nen Inde­xes zu erhö­hen oder Unter­de­ckun­gen in sons­ti­ger Wei­se auf­zu­fan­gen.

Ergibt sich eine offen­sicht­li­che und erheb­li­che Dis­kre­panz zwi­schen der tat­säch­li­chen Preis­ent­wick­lung und der bei der Fort­schrei­bung der Regel­be­darfs­stu­fen berück­sich­tig­ten Ent­wick­lung der Prei­se für regel­be­darfs­re­le­van­te Güter, muss der Gesetz­ge­ber zeit­nah dar­auf reagie­ren. So muss die Ent­wick­lung der Prei­se für Haus­halts­strom berück­sich­tigt wer­den. Ist eine exis­tenz­ge­fähr­den­de Unter­de­ckung durch unver­mit­telt auf­tre­ten­de, extre­me Preis­stei­ge­run­gen nicht aus­zu­schlie­ßen, darf der Gesetz­ge­ber dabei nicht auf die regu­lä­re Fort­schrei­bung der Regel­be­darfs­stu­fen war­ten.

Der Gesetz­ge­ber muss sicher­stel­len, dass der exis­tenz­not­wen­di­ge Mobi­li­täts­be­darf tat­säch­lich gedeckt wer­den kann.

Der Gesetz­ge­ber muss die Ver­tei­lungs­schlüs­sel anpas­sen, wenn sich bei einer Bedarfs­po­si­ti­on erheb­li­che Ver­än­de­run­gen zei­gen, die eine Zuord­nung von ermit­tel­ten Ver­brauchs­aus­ga­ben der Fami­li­en­haus­hal­te mit dem bis­he­ri­gen Ver­tei­lungs­schlüs­sel an ein­zel­ne Mit­glie­der des Haus­halts offen­sicht­lich unrea­lis­tisch wer­den las­sen.

Der Gesetz­ge­ber hat in dem von ihm gewähl­ten Modell sicher­zu­stel­len, dass Unter­de­ckun­gen, die auf­grund des sta­tis­tisch ermit­tel­ten, durch nach­träg­li­che Kür­zun­gen modi­fi­zier­ten monat­li­chen Pau­schal­be­trags ent­ste­hen, im Wege inter­nen Aus­gleichs oder Anspa­rens auch tat­säch­lich gedeckt wer­den kön­nen. Es liegt im Ent­schei­dungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers, dazu einen hin­rei­chend gro­ßen finan­zi­el­len Spiel­raum zu schaf­fen, einen eige­nen Leis­tungs­an­spruch auf einen Zuschuss neben dem Regel­be­darf für aus dem Pau­schal­be­trag offen­sicht­lich nicht zu decken­de exis­ten­ti­el­le Bedar­fe vor­zu­se­hen oder, soweit es sich um öffent­li­che Dienst­leis­tun­gen han­delt, die Kos­ten für die­se zu erlas­sen oder zu stun­den.

Leis­tun­gen, die über Gut­schei­ne erbracht wer­den, müs­sen tat­säch­lich ohne Mehr­kos­ten genutzt wer­den kön­nen. Die neu geschaf­fe­ne Rege­lung ist hin­sicht­lich der Erstat­tung der Fahr­kos­ten gemäß § 28 Abs. 7 Satz 2 SGB II als Anspruch aus­zu­le­gen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 23. Juli 2014 – 1 BvL 10/​12 1 BvL 12/​12 1 BvR 1691/​13

  1. BGBl I S. 453[][][]
  2. BT-Drs. 17/​3404[]
  3. BT-Drs. 17/​4830[]
  4. BR-Drs. 109/​11[]
  5. BR-Drs. 109/​11, Beschluss[]
  6. vgl. BVerfGE 125, 175, 228[]
  7. BT-Drs. 17/​3404, S. 97[]
  8. ein­ge­fügt mit Art. 1 Nr. 2 Buch­sta­be b des Geset­zes zur Ände­rung des Zwei­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch und ande­rer Geset­ze vom 07.05.2013, BGBl I S. 1167, mit Wir­kung zum 1.08.2013[]
  9. BVerfGE 125, 175[]
  10. vgl. BT-Drs. 17/​3404, S. 90[]
  11. vgl. BT-Drs. 17/​3404, S. 52[]
  12. BT-Drs. 17/​3404, S. 53 ff.[][]
  13. BT-Drs. 17/​3404, S. 52[][][]
  14. BT-Drs. 17/​3404, S. 52 ff.[]
  15. BT-Drs. 17/​3404, S. 144, 149, 154, 159[]
  16. BT-Drs. 17/​3404, S. 65[]
  17. BT-Drs. 17/​3404, S. 64[]
  18. BT-Drs. 17/​3404, S. 66[]
  19. BT-Drs. 17/​3404, S. 122, zu § 28a Abs. 2 SGB XII[]
  20. BT-Drs. 17/​3404, S. 90[]
  21. 0, 75 %, § 138 Nr. 1 SGB XII[]
  22. BT-Drs. 17/​14282[]
  23. BT-Drs. 17/​14282, S. 4[]
  24. BT-Drs. 17/​14282, S. 5[]
  25. SG Ber­lin, Beschluss vom 25.04.2012 – S 55 AS 9238/​12[]
  26. im Ver­fah­ren BVerfG – 1 BvL 10/​12[]
  27. SG Ber­lin, Beschluss vom vom 25.04.2012 – S 55 AS 29349/​11[]
  28. BVerfG – 1 BvL 12/​12[]
  29. BVerfG – 1 BvR 1691/​13[]
  30. SG Olden­burg, Urteil vom 10.01.2012 – S 48 AS 1136/​11[]
  31. BSG, Urteil vom 28.03.2013 – B 4 AS 12/​12 R[]
  32. vgl. BVerfGE 125, 175, 256 f.[]
  33. vgl. BVerfGE 125, 175, 222; 132, 134, 159, Rn. 62[]
  34. vgl. BVerfGE 132, 134, 161 f., Rn. 68[]
  35. vgl. BVerfGE 125, 175, 223; 132, 134, 160, Rn. 64[][]
  36. vgl. BVerfGE 125, 175, 224 f.; 132, 134, 160 f., Rn. 67[]
  37. vgl. BVerfGE 132, 134, 162, Rn. 69 unter Ver­weis auf BVerfGE 125, 175, 225[]
  38. BVerfGE 132, 134, 162 f., Rn. 70[]
  39. vgl. BVerfGE 119, 96, 128[]
  40. vgl. BVerfGE 70, 324, 355; in Abgren­zung zur Bun­des­ver­samm­lung BVerfG, Urteil vom 10.06.2014 – 2 BvE 2/​09 100[]
  41. vgl. BVerfGE 113, 167, 242[]
  42. vgl. BVerfGE 125, 175, 225[][][]
  43. vgl. BVerfGE 132, 134, 162 f., Rn. 71[]
  44. vgl. BVerfGE 125, 175, 225 f.; 132, 134, 165, Rn. 78[]
  45. vgl. BVerfGE 91, 93, 111 f.[]
  46. vgl. BVerfGE 130, 263, 294 m.w.N.[]
  47. BVerfGE 125, 175, 225 f.; 132, 134, 165, Rn. 78[]
  48. vgl. BVerfGE 130, 263, 295[]
  49. vgl. BVerfGE 125, 175, 225 f.; 132, 134, 165 f., Rn. 79[]
  50. vgl. BVerfGE 125, 175, 237 f.; 132, 134, 170 f., Rn. 90 f.[]
  51. vgl. BVerfGE 125, 175, 234 f.[]
  52. vgl. BVerfGE 125, 175, 238[][]
  53. vgl. BVerfGE 125, 175, 229[]
  54. vgl. BVerfGE 125, 175, 225; 132, 134, 165 f., Rn. 79[]
  55. BVerfGE 132, 134, 163, Rn. 72[]
  56. vgl. Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt, Prei­se, Ver­brau­cher­preis­in­di­zes für Deutsch­land, Jah­res­be­richt 2013[]
  57. dazu BVerfGE 132, 134, 166 ff., Rn. 82 ff.[]
  58. vgl. BVerfGE 125, 175, 225; 132, 134, 165, Rn. 79[]
  59. BT-Drs. 16/​11065, S. 3[]
  60. vgl. BVerfGE 125, 175, 223, 237 f.; 132, 134, 170 f., Rn. 90 f.[]
  61. vgl. BVerfGE 125, 175, 232 ff.[]
  62. vgl. BVerfGE 125, 175, 222[][]
  63. vgl. BVerfGE 125, 175, 234; dazu BT-Drs. 17/​3404, S. 121 f.[]
  64. vgl. BVerfGE 125, 175, 235[]
  65. "/​"[]
  66. vgl. BVerfGE 125, 175, 234[]
  67. vgl. BVerfGE 125, 175, 236[][][]
  68. BT-Drs. 17/​3404, S. 89; BT-Drs. 17/​3982, S. 2[]
  69. BT-Drs. 17/​3404, S. 139; BT-Drs. 17/​3982, S. 1[]
  70. vgl. BVerfGE 125, 175, 245[]
  71. vgl. BVerfGE 125, 175, 236 f.[][][]
  72. BT-Drs. 17/​3404, S. 89[]
  73. vgl. Hör­mann, Rechts­pro­ble­me des Grund­rechts auf Gewähr­leis­tung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums, 2012, S. 97; a.A. Adamy/​Kolf, Soz­Sich 2011, S. 85; Mar­tens, Soz­Sich 2010, S. 331, 333[]
  74. Pro­to­koll 17/​41, S. 656 ff.; BT-Drs. 17/​14282, S. 4 f.; im Ergeb­nis so auch Becker, Soz­Sich 2014, S. 93, 97[]
  75. BT-Drs. 17/​3404, S. 88[][]
  76. Stel­lung­nah­me der Bun­des­re­gie­rung im Ver­fah­ren 1 BvR 1691/​13 vom 14.11.2013, S. 21[]
  77. vgl. BVerfGE 130, 240, 252 ff. m.w.N.[]
  78. vgl. Len­ze, in: LPK-SGB II, 5. Aufl.2013, § 4 RBEG Rn. 3[]
  79. BVerfGE 125, 175, 237 f.[]
  80. BT-Drs. 17/​3404, S. 56[]
  81. BT-Drs. 17/​3404, S. 139, lfd. Nr. 46[]
  82. vgl. BVerfGE 125, 175, 240[]
  83. vgl. BVerfGE 132, 134, 163, Rn. 72[]
  84. vgl. BSG, Urteil vom 23.05.2013 – B 4 AS 79/​12 R 13 ff.[]
  85. so die Stel­lung­nah­me der Bun­des­re­gie­rung, mit Ver­weis auf BSG, Urteil vom 12.07.2012 – B 14 AS/​11 R 60[]
  86. vgl. BVerfGE 125, 175, 223 f.; 132, 134, 161, Rn. 64 f.[]
  87. BT-Drs. 17/​3404, S. 56, 140[]
  88. vgl. BVerfGE 125, 175, 252 ff.[]
  89. vgl. Mün­der, Soz­Sich Extra Sep­tem­ber 2011, S. 63, 79[]
  90. Regel­be­darfs­stu­fe 5[]
  91. vgl. BVerfGE 125, 175, 246[]
  92. vgl. BVerfGE 125, 175, 249 f.[]
  93. BT-Drs. 17/​3404, S. 65 bis 67; Münnich/​Krebs, WiS­ta 2002, S. 1080 ff.[]
  94. BT-Drs. 17/​14282, S. 33 bis 36[]
  95. BVerfGE 125, 175, 228[]
  96. vgl. Voelz­ke, in: Hauck/​Noftz, SGB II, Stand: Novem­ber 2013, K § 28 Rn. 45; Leo­pold, in: juris­PK-SGB II, 3. Aufl.2012, § 28 Rn. 49; Thom­mes, in: Gagel, SGB II/​III, Stand: März 2013, § 28 SGB II Rn. 13; a.A. O. Loo­se, in: GK-SGB II, Stand: Dezem­ber 2011, § 28 Rn. 29[]
  97. BT-Drs. 17/​3404, S. 74, Abt. 12, lfd. Nr. 74[]
  98. BT-Drs. 17/​3404, S. 75, Abt. 03, lfd. Nr. 8[]
  99. vgl. die Alter­na­tiv­rech­nun­gen bei Becker, Soz­Sich Extra, Sep­tem­ber 2011, S. 7, 44 f. und zum Rück­gang des regel­mä­ßi­gen Kon­sums der Jugend­li­chen von Alko­hol im Dro­gen- und Sucht­be­richt der Bun­des­re­gie­rung, 2011, S. 21; Dro­gen- und Sucht­be­richt der Bun­des­re­gie­rung, 2013, S.20 und von Tabak im Dro­gen- und Sucht­be­richt der Bun­des­re­gie­rung, 2011, S. 34; Deut­sches Krebs­for­schungs­zen­trum, Rau­chen­de Kin­der und Jugend­li­che in Deutsch­land – leich­ter Ein­stieg, schwe­rer Aus­stieg, S. 7 f.[]
  100. BT-Drs. 17/​3404, S. 72[]
  101. vgl. BVerfGE 125, 175, 237[]
  102. BT-Drs. 17/​3404, S. 106; BT-Drs. 17/​3404, S. 146, lfd. Nr. 159 und 160[]
  103. Musik­in­stru­men­te, Schutz­klei­dung bei bestimm­ten Sport­ar­ten; BT-Drs. 17/​12036, S. 7 f.[]
  104. vgl. BVerfGE 125, 175, 224; 132, 134, 161, Rn. 67[]
  105. BT-Drs. 17/​3404, S. 107[]
  106. BT-Drs. 17/​3404, S. 72 und 105[]
  107. BT-Drs. 16/​12972, S. 2[]
  108. BT-Drs. 17/​3404, S. 105; dage­gen Hör­mann, Rechts­pro­ble­me des Grund­rechts auf Gewähr­leis­tung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums, 2013, S. 128; Roth­ke­gel, ZfSH/​SGB 2011, S. 69, 80; Len­ze, in: LPK-SGB II, 5. Aufl.2013, § 28 Rn. 16; Klerks, info also 2011, S. 158; a.A. Mün­der, Soz­Sich Extra, Sep­tem­ber 2011, S. 63, 86 f.[]
  109. vgl. Mün­der, Soz­Sich Extra, Sep­tem­ber 2011, S. 63, 87; Becker, Soz­Sich Extra, Sep­tem­ber 2011, S. 7, 46 f.[]
  110. vgl. BVerfGE 125, 175, 242 f.[]
  111. vgl. #BVerfGE 125, 175, 225; 132, 134, 163, Rn. 72[]
  112. vgl. BVerfGE 125, 175, 244[]
  113. BT-Drs. 17/​3404, S. 122[]
  114. vgl. BVerfGE 125, 175, 242 f.; Fal­ter­baum, in: Hauck/​Noftz, SGB XII, Stand: Dezem­ber 2011, K § 28a Rn.19[]
  115. vgl. BSG, Urteil vom 12.07.2012 – B 14 AS 153/​11 R 81; vgl. auch Mar­tens, ASR 2011, S. 178, 181 Fn. 11[]
  116. Fal­ter­baum, in: Hauck/​Noftz, SGB XII, Stand: Dezem­ber 2011, K § 28a Rn. 18[]
  117. vgl. BVerfGE 125, 175, 227[]