Hartz IV – und die Aus­wahl der Opti­ons­kom­mu­nen

Der Bund konn­te selbst ent­schei­den, wel­che Städ­te und Land­krei­se das Job­cen­ter in eige­ner Regie, unab­hän­gig von der Bun­des­agen­tur für Arbeit, betrei­ben kön­nen. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt beur­teil­te zwar § 6a Absatz 2 Satz 3 SGB II [1] als mit Arti­kel 28 Absatz 2 GG in Ver­bin­dung mit Arti­kel 70 Absatz 1 GG unver­ein­bar, soweit er anord­net, dass der Antrag in den dafür zustän­di­gen Ver­tre­tungs­kör­per­schaf­ten der kom­mu­na­len Trä­ger einer Mehr­heit von zwei Drit­teln der Mit­glie­der bedarf. Die Vor­schrift aller­dings gilt für bestehen­de Zulas­sun­gen fort.

Hartz IV – und die Aus­wahl der Opti­ons­kom­mu­nen

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts im Über­blick[↑]

Die im Jahr 2010 ein­ge­führ­ten Rege­lun­gen zur Rechts­stel­lung der soge­nann­ten Opti­ons­kom­mu­nen sind im Wesent­li­chen ver­fas­sungs­ge­mäß. Mit Art. 91e GG hat der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber eine umfas­sen­de Son­der­re­ge­lung für den Bereich der Grund­si­che­rung für Arbeits­su­chen­de geschaf­fen. Er hat unmit­tel­ba­re Finanz­be­zie­hun­gen zwi­schen dem Bund und den Opti­ons­kom­mu­nen begrün­det und in die­sem Rah­men auch eine Finanz­kon­trol­le ermög­licht. Dar­über hin­aus ent­hält Art. 91e GG einen umfas­sen­den Gesetz­ge­bungs­auf­trag zuguns­ten des Bun­des. Er kann das Zulas­sungs­ver­fah­ren weit­ge­hend frei aus­ge­stal­ten. Jedoch fehlt dem Bund die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für eine Rege­lung, die die inter­ne Wil­lens­bil­dung der Kom­mu­nen für einen Zulas­sungs­an­trag an eine Zwei-Drit­tel-Mehr­heit bin­det. Die ent­spre­chen­de Vor­schrift darf ab sofort nicht mehr ange­wen­det wer­den; bestehen­de Zulas­sun­gen blei­ben jedoch in Kraft.

Der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber hat mit Art. 91e GG für das Gebiet der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de eine umfas­sen­de Son­der­re­ge­lung geschaf­fen. In sei­nem Anwen­dungs­be­reich ver­drängt Art. 91e GG sowohl die Art. 83 ff. GG als auch Art. 104a GG.

Art. 91e GG begrün­det eine unmit­tel­ba­re Finanz­be­zie­hung zwi­schen dem Bund und den Opti­ons­kom­mu­nen und ermög­licht eine Finanz­kon­trol­le, die sich von der staat­li­chen Auf­sicht wie auch von der Finanz­kon­trol­le durch den Bun­des­rech­nungs­hof unter­schei­det. Art. 91e Abs. 2 GG räumt den Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den eine Chan­ce ein, die Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de als kom­mu­na­le Trä­ger allein­ver­ant­wort­lich wahr­zu­neh­men. Die gesetz­li­che Aus­ge­stal­tung die­ser Chan­ce muss will­kürfrei erfol­gen. Ihre Wahr­neh­mung fällt in den Schutz­be­reich der Garan­tie kom­mu­na­ler Selbst­ver­wal­tung. Art. 91e Abs. 3 GG ent­hält einen umfas­sen­den und weit zu ver­ste­hen­den Gesetz­ge­bungs­auf­trag zuguns­ten des Bun­des. Der Bund ver­fügt inso­weit über die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz, die mit der Zulas­sung als kom­mu­na­ler Trä­ger zusam­men­hän­gen­den Rechts­ver­hält­nis­se zu regeln. Auf die Art und Wei­se der inter­nen Wil­lens­bil­dung der Kom­mu­nen erstreckt sich sei­ne Rege­lungs­kom­pe­tenz jedoch nicht.

Die gesetz­li­che Rege­lung der Opti­ons­kom­mu­nen[↑]

Im Rah­men ihres „Zukunfts­pro­gramms Agen­da 2010“ leg­ten die Bun­des­re­gie­rung und die sie tra­gen­den Bun­des­tags­frak­tio­nen von SPD und BÜNDNIS 90/​DIE GRÜNEN im Herbst 2003 meh­re­re Gesetz­ent­wür­fe für moder­ne Dienst­leis­tun­gen am Arbeits­markt vor, dar­un­ter den Ent­wurf eines Vier­ten Geset­zes für moder­ne Dienst­leis­tun­gen am Arbeits­markt vom 05.09.2003 [2]. Wesent­li­ches Anlie­gen die­ses Ent­wurfs war es, Arbeits­lo­sen­hil­fe und Sozi­al­hil­fe für erwerbs­fä­hi­ge Arbeits­lo­se zur Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de zusam­men­zu­füh­ren, um sie als ein­heit­li­che Leis­tung „aus einer Hand“ anbie­ten zu kön­nen. Damit soll­ten Dop­pel­struk­tu­ren in der Sozi­al­hil­fe- und Arbeits­lo­sen­hil­fe­ver­wal­tung, die als inef­fi­zi­ent emp­fun­den wur­den, besei­tigt und der ange­spann­ten Finanz­la­ge der Kom­mu­nen Rech­nung getra­gen wer­den [3].

Die­se Ziel­set­zung beding­te grund­le­gen­de Ände­run­gen in der Orga­ni­sa­ti­on der Leis­tungs­ver­wal­tung. Im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren waren des­halb neben der mate­ri­ell-recht­li­chen Aus­ge­stal­tung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de ins­be­son­de­re die Fra­gen der Leis­tungs­trä­ger­schaft und der Finan­zie­rungs­ver­ant­wor­tung umstrit­ten. Ein Teil der Län­der und der Deut­sche Land­kreis­tag streb­ten eine kom­mu­na­le Trä­ger­schaft an, wäh­rend ande­re Län­der, der Bund, der Deut­sche Städ­te- und Gemein­de­bund sowie der Deut­sche Städ­te­tag die Bun­des­agen­tur für Arbeit als allei­ni­ge Trä­ge­rin der Leis­tun­gen durch­set­zen woll­ten.

Nach einem lang­wie­ri­gen Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren [4] wur­de das Vier­te Gesetz für moder­ne Dienst­leis­tun­gen am Arbeits­markt am 24.12 2003 beschlos­sen und am 29.12 2003 ver­kün­det [5].

Eine Vor­schrift über die Opti­on für eine kom­mu­na­le Trä­ger­schaft (§ 6a SGB II a.F.) war kurz­fris­tig in das Gesetz auf­ge­nom­men, die Aus­ge­stal­tung im Ein­zel­nen einem wei­te­ren Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren vor­be­hal­ten wor­den. Des­sen Eck­punk­te wur­den in gleich­lau­ten­den Ent­schlie­ßungs­an­trä­gen des Deut­schen Bun­des­ta­ges und des Bun­des­ra­tes fest­ge­legt [6] und führ­ten unter ande­rem zu einer Ände­rung der §§ 6 ff. und § 44b SGB II a.F. durch das Gesetz zur optio­na­len Trä­ger­schaft von Kom­mu­nen nach dem Zwei­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch (Kom­mu­na­les Opti­ons­ge­setz) [7].

Um ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken gegen die Finan­zie­rung der mit der Trä­ger­schaft ver­bun­de­nen Aus­ga­ben aus Bun­des­mit­teln aus­zu­räu­men, hat­te der Gesetz­ent­wurf ursprüng­lich vor­ge­se­hen, dass die kom­mu­na­len Trä­ger als Orga­ne der Bun­des­agen­tur tätig wer­den soll­ten [8], wovon im Lau­fe des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens jedoch Abstand genom­men wur­de. Der im Ver­mitt­lungs­ver­fah­ren neu gefass­te § 6b SGB II a.F. sprach in der Über­schrift statt­des­sen von der „Rechts­stel­lung der zuge­las­se­nen kom­mu­na­len Trä­ger”, ohne die­se Rechts­stel­lung wei­ter zu the­ma­ti­sie­ren. Hin­sicht­lich der Finan­zie­rung wur­de – gestützt auf Art. 106 Abs. 8 GG – bestimmt, dass der Bund die Auf­wen­dun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de ein­schließ­lich der Ver­wal­tungs­kos­ten trägt, mit Aus­nah­me der Auf­wen­dun­gen für die Auf­ga­ben, die auch die nicht optie­ren­den Kom­mu­nen selbst zu tra­gen haben. Dar­über hin­aus wur­den unter ande­rem eine Expe­ri­men­tier­klau­sel (§ 6a SGB II a.F.), ein Anspruch der kom­mu­na­len Trä­ger auf Auf­wen­dungs- und Ver­wal­tungs­kos­ten­er­stat­tung durch den Bund (§ 6b Abs. 2 SGB II a.F.) und Prüf­be­fug­nis­se des Bun­des­rech­nungs­ho­fes (§ 6b Abs. 3 SGB II) vor­ge­se­hen.

Um die Zulas­sung als kom­mu­na­le Trä­ger bewar­ben sich 67 Gemein­de­ver­bän­de und sechs kreis­freie Städ­te. Mit der Ver­ord­nung zur Zulas­sung von kom­mu­na­len Trä­gern als Trä­ger der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de (Kom­mu­nal­trä­ger-Zulas­sungs­ver­ord­nung – Kom­trZV) [9] ließ das damals zustän­di­ge Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Arbeit 69 Antrag­stel­ler als Opti­ons­kom­mu­nen für die Zeit vom 01.01.2005 bis 31.12 2010 zu.

Mit Urteil vom 20.12 2007 [10] ent­schied das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, dass die in § 44b SGB II a.F. gere­gel­te Pflicht der Krei­se zur Auf­ga­ben­über­tra­gung auf die Arbeits­ge­mein­schaf­ten und die gemein­sa­me Auf­ga­ben­wahr­neh­mung der­sel­ben mit Art. 28 Abs. 2 Sät­ze 1 und 2 in Ver­bin­dung mit Art. 83 GG unver­ein­bar war. Die Vor­schrift blei­be jedoch bis zum 31.12 2010 anwend­bar, wenn der Gesetz­ge­ber nicht zuvor eine ande­re Rege­lung tref­fe. Ord­ne der Gesetz­ge­ber an, dass Auf­ga­ben gemein­sam von Bund und Gemein­den oder Gemein­de­ver­bän­den wahr­ge­nom­men wer­den, sei für die ver­fas­sungs­recht­li­che Prü­fung auch ent­schei­dend, ob die Ver­wal­tungs­zu­stän­dig­kei­ten von Bund und Län­dern gemäß Art. 83 ff. GG ein­ge­hal­ten wür­den. Über­schrei­te der Gesetz­ge­ber die ihm dort gesetz­ten Gren­zen eines zuläs­si­gen Zusam­men­wir­kens von Bun­des- und Lan­des­be­hör­den, füh­re dies zugleich zu einer Ver­let­zung der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie. Die Kom­pe­tenz­auf­tei­lung nach Art. 83 ff. GG sei eine wich­ti­ge Aus­for­mung des bun­des­staat­li­chen Prin­zips. Die Ver­wal­tungs­zu­stän­dig­kei­ten von Bund und Län­dern sei­en grund­sätz­lich getrennt und könn­ten auch mit Zustim­mung der Betei­lig­ten nur in den vom Grund­ge­setz vor­ge­se­he­nen Fäl­len zusam­men­ge­führt wer­den. Das Grund­ge­setz schlie­ße, von begrenz­ten Aus­nah­men abge­se­hen, eine soge­nann­te Misch­ver­wal­tung aus. Dies gel­te auch für das Ver­hält­nis von Bund und Kom­mu­nen. Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de sei­en staats­or­ga­ni­sa­ti­ons­recht­lich wie finanz­ver­fas­sungs­recht­lich den Län­dern zuge­ord­net und blie­ben hin­sicht­lich der grund­ge­setz­li­chen Ver­tei­lung der Ver­wal­tungs­kom­pe­ten­zen Teil der Län­der.

Die Arbeits­ge­mein­schaf­ten sei­en als Gemein­schafts­ein­rich­tung von Bun­des­agen­tur und kom­mu­na­len Trä­gern nach der Kom­pe­tenz­ord­nung des Grund­ge­set­zes nicht vor­ge­se­hen. Nach der Sys­te­ma­tik des Grund­ge­set­zes wer­de der Voll­zug von Bun­des­ge­set­zen ent­we­der von den Län­dern oder vom Bund, nicht hin­ge­gen zugleich von Bund und Land oder einer von bei­den geschaf­fe­nen drit­ten Insti­tu­ti­on wahr­ge­nom­men. Zwar bedür­fe das Zusam­men­wir­ken von Bund und Län­dern im Bereich der Ver­wal­tung nicht in jedem Fall einer beson­de­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Ermäch­ti­gung. Es wider­spre­che aller­dings der Kom­pe­tenz­ord­nung des Grund­ge­set­zes, wenn in wei­tem Umfang Mit­ver­wal­tungs- und Mit­ent­schei­dungs­be­fug­nis­se des Bun­des im Auf­ga­ben­be­reich der Län­der ohne ent­spre­chen­de ver­fas­sungs­recht­li­che Ermäch­ti­gung vor­ge­se­hen wür­den. Eine Aus­nah­me von den Art. 83 ff. GG bedür­fe daher eines beson­de­ren sach­li­chen Grun­des und kön­ne nur hin­sicht­lich einer eng umgrenz­ten Ver­wal­tungs­ma­te­rie in Betracht kom­men. Unab­hän­gig davon, dass ein Abwei­chen von der Kom­pe­tenz­ord­nung des Grund­ge­set­zes schon wegen Bedeu­tung und Umfang der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de aus­schei­de, feh­le es auch an einem hin­rei­chen­den sach­li­chen Grund, der eine gemein­schaft­li­che Auf­ga­ben­wahr­neh­mung in den Arbeits­ge­mein­schaf­ten recht­fer­ti­gen könn­te. Das Anlie­gen, die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de „aus einer Hand“ zu gewäh­ren, sei zwar ein sinn­vol­les Rege­lungs­ziel; die­ses kön­ne aber sowohl dadurch erreicht wer­den, dass der Bund für die Aus­füh­rung den Weg des Art. 87 GG wäh­le, als auch dadurch, dass der Gesamt­voll­zug nach der Grund­re­gel des Art. 83 GG ins­ge­samt den Län­dern als eige­ne Ange­le­gen­heit über­las­sen wer­de. Ein sach­li­cher Grund zur Ver­mi­schung bei­der Vari­an­ten bestehe nicht.

Nach Ver­kün­dung des Urteils wur­de von den poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen eine Neu­re­ge­lung der für ver­fas­sungs­wid­rig erklär­ten Ver­wal­tungs­struk­tur in Angriff genom­men. Nach län­ge­rer Debat­te wur­de mit dem Gesetz zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes (Arti­kel 91e) vom 21.07.2010 [11] in den Abschnitt VIIIa „Gemein­schafts­auf­ga­ben, Ver­wal­tungs­zu­sam­men­ar­beit“ ein neu­er Art. 91e ein­ge­fügt. Die­ser ist am 26.07.2010 im Bun­des­ge­setz­blatt ver­kün­det wor­den und am 27.07.2010 in Kraft getre­ten. Er lau­tet:

Arti­kel 91e GG

Bei der Aus­füh­rung von Bun­des­ge­set­zen auf dem Gebiet der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de wir­ken Bund und Län­der oder die nach Lan­des­recht zustän­di­gen Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de in der Regel in gemein­sa­men Ein­rich­tun­gen zusam­men.

Der Bund kann zulas­sen, dass eine begrenz­te Anzahl von Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den auf ihren Antrag und mit Zustim­mung der obers­ten Lan­des­be­hör­de die Auf­ga­ben nach Absatz 1 allein wahr­nimmt. Die not­wen­di­gen Aus­ga­ben ein­schließ­lich der Ver­wal­tungs­aus­ga­ben trägt der Bund, soweit die Auf­ga­ben bei einer Aus­füh­rung von Geset­zen nach Absatz 1 vom Bund wahr­zu­neh­men sind.

Das Nähe­re regelt ein Bun­des­ge­setz, das der Zustim­mung des Bun­des­ra­tes bedarf.

Par­al­lel zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes beschloss der Bun­des­tag das Gesetz zur Wei­ter­ent­wick­lung der Orga­ni­sa­ti­on der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de vom 03.08.2010 [12], das am 10.08.2010 im Bun­des­ge­setz­blatt ver­kün­det wur­de und – soweit ent­schei­dungs­er­heb­lich – zum 11.08.2010 (§ 6a SGB II) bezie­hungs­wei­se 1.01.2011 (§ 6b SGB II) in Kraft getre­ten ist. Durch die­ses Gesetz erhiel­ten die für das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten ihre der­zei­ti­ge Fas­sung.

Auf­grund des § 6a Abs. 3 SGB II erließ das nun­mehr zustän­di­ge Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les am 12.08.2010 die Ver­ord­nung über das Ver­fah­ren zur Fest­stel­lung der Eig­nung als zuge­las­se­ner kom­mu­na­ler Trä­ger der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de (KtEfV) [13].

Nach den Vor­stel­lun­gen des Gesetz­ge­bers [14] soll­ten ins­ge­samt 110 kom­mu­na­le Trä­ger für die Grund­si­che­rung für Arbeits­lo­se zuge­las­sen wer­den, wobei die Betrau­ung der bereits unter der alten Rechts­la­ge zuge­las­se­nen Trä­ger nicht in Fra­ge gestellt wer­den soll­te (§ 6a Abs. 1 und Abs. 2 SGB II). Um die noch zur Ver­tei­lung anste­hen­den 41 Plät­ze bewar­ben sich bun­des­weit 77 Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de. Mit Aus­nah­me des Beschwer­de­füh­rers zu 1. hat­ten alle Antrag­stel­ler das von § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II gefor­der­te Zwei-Drit­tel-Quo­rum in ihren zustän­di­gen Ver­tre­tungs­kör­per­schaf­ten erreicht. Im Kreis­tag des Beschwer­de­füh­rers zu 1. hat­ten in der Sit­zung vom 25.10.2010 von den 60 Mit­glie­dern des Kreis­ta­ges jedoch nur 36 mit „Ja“ gestimmt, 19 mit „Nein“; fünf Mit­glie­der waren ent­schul­digt abwe­send. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les erließ am 14.04.2011 sodann die Zwei­te Ver­ord­nung zur Ände­rung der Kom­mu­nal­trä­ger-Zulas­sungs­ver­ord­nung [15] und ließ 41 Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de mit Wir­kung zum 1.01.2012 als Opti­ons­kom­mu­nen neu zu. Die Beschwer­de­füh­rer zu 1. bis 15. wur­den nicht zuge­las­sen. Der Beschwer­de­füh­rer zu 16. ist hin­ge­gen bereits seit dem 1.01.2005 zuge­las­se­ner kom­mu­na­ler Trä­ger der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de.

Die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­den[↑]

Die von 15 Land­krei­sen und der Stadt Lever­ku­sen erho­be­nen Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­den betref­fen die recht­li­che Stel­lung der soge­nann­ten Opti­ons­kom­mu­nen nach der Neu­re­ge­lung des Jah­res 2010.

Die Beschwer­de­füh­rer wen­den sich gegen Vor­schrif­ten des Sozi­al­ge­setz­buchs – Zwei­tes Buch (SGB II), nament­lich gegen

  • § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II, soweit die­ser das Erfor­der­nis einer Zwei-Drit­tel-Mehr­heit in der zustän­di­gen Ver­tre­tungs­kör­per­schaft für die Stel­lung eines Antrags auf Zulas­sung als Opti­ons­kom­mu­ne fest­legt,
  • § 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II, soweit die­ser die Anzahl der ins­ge­samt zuzu­las­sen­den Opti­ons­kom­mu­nen auf 25 % der mög­li­chen Auf­ga­ben­trä­ger begrenzt,
  • § 6b Abs. 3 SGB II, soweit die­ser dem Bun­des­rech­nungs­hof die Finanz­kon­trol­le über die Opti­ons­kom­mu­nen gestat­tet, und § 6b Abs. 4 SGB II, soweit die­ser dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les Prüf­be­fug­nis­se gegen­über den Opti­ons­kom­mu­nen ein­räumt.

Die Son­der­re­ge­lung des Art. 91e GG[↑]

Mit Art. 91e GG hat der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber für das Gebiet der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de eine umfas­sen­de Son­der­re­ge­lung getrof­fen, die in ihrem Anwen­dungs­be­reich die all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten des Grund­ge­set­zes ver­drängt. Die Vor­schrift begrün­det eine unmit­tel­ba­re Finanz­be­zie­hung zwi­schen Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den und dem Bund und rela­ti­viert inso­weit die Zwei­stu­fig­keit des Staats­auf­baus. Art. 91e Abs. 2 GG räumt Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den eine von der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie geschütz­te Chan­ce ein, die Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de allein­ver­ant­wort­lich wahr­zu­neh­men. Zur nähe­ren Aus­ge­stal­tung der mit der Zulas­sung kom­mu­na­ler Trä­ger nach Art. 91e Abs. 2 GG zusam­men­hän­gen­den Rechts­ver­hält­nis­se zwi­schen den Kom­mu­nen und dem jewei­li­gen Land sowie zwi­schen den Kom­mu­nen und dem Bund weist Art. 91e Abs. 3 GG dem Bund eine abschlie­ßen­de Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz zu.

Art. 91e GG ent­hält eine Spe­zi­al­re­ge­lung für den Voll­zug der Ver­wal­tungs­auf­ga­be Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de. Soweit er die Kom­mu­nen betrifft, kon­kre­ti­siert er die Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung aus Art. 28 Abs. 2 GG [16]. Dies bele­gen die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Norm und ihre Stel­lung im Grund­ge­setz. Beden­ken gegen die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit von Art. 91e GG bestehen nicht. Soweit sein Anwen­dungs­be­reich reicht, geht Art. 91e GG den Rege­lun­gen des Grund­ge­set­zes über die Aus­füh­rung der Bun­des­ge­set­ze und die Bun­des­ver­wal­tung sowie das Finanz­we­sen vor.

Der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber hat mit Art. 91e GG für das Gebiet der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de eine umfas­sen­de Son­der­re­ge­lung geschaf­fen. Er hat damit auf das Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 20.12 2007 [10] reagiert, das die Unver­ein­bar­keit von § 44b SGB II a.F. mit Art. 28 Abs. 2 Sät­ze 1 und 2 in Ver­bin­dung mit Art. 83 GG fest­ge­stellt hat­te. In der Geset­zes­be­grün­dung heißt es dazu, dass sich die Durch­füh­rung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de in den Arbeits­ge­mein­schaf­ten grund­sätz­lich bewährt habe und dass die Zusam­men­ar­beit von Arbeits­agen­tu­ren und Kom­mu­nen gewähr­leis­te, dass die erwerbs­fä­hi­gen Hil­fe­be­dürf­ti­gen aus einer Hand betreut wür­den und Leis­tun­gen aus einer Hand erhiel­ten. Die­se Orga­ni­sa­ti­ons­form sol­le daher als Regel­fall fort­ge­setzt wer­den [17]. Der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber woll­te mit Art. 91e GG somit den für ver­fas­sungs­wid­rig erklär­ten, im poli­ti­schen Raum aber für prak­ti­ka­bel befun­de­nen Zustand auf­recht­erhal­ten und absi­chern. Zweck von Art. 91e GG ist es daher, die ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­la­ge für die Fort­set­zung der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung der aus den Agen­tu­ren für Arbeit und den kom­mu­na­len Trä­gern bestehen­den Arbeits­ge­mein­schaf­ten in gemein­sa­men Ein­rich­tun­gen zu schaf­fen und so sicher­zu­stel­len, dass die Zusam­men­ar­beit in gemein­sa­men Ein­rich­tun­gen über das Jahr 2010 hin­aus wei­ter­ge­führt wer­den kann [17].

Dass der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber für die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de eine eigen­stän­di­ge Form der Ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on schaf­fen woll­te [18], in der die Betei­lig­ten, los­ge­löst von den übri­gen Struk­tu­ren des Staats­auf­baus, zu einer Zusam­men­ar­beit eige­ner Art fin­den, wird auch durch sys­te­ma­ti­sche Gesichts­punk­te bestä­tigt. So war von Sei­ten der Bun­des­re­gie­rung zunächst vor­ge­schla­gen wor­den, den nun­meh­ri­gen Art. 91e GG als Art. 86a oder Art. 87 Abs. 2a und Art. 125d GG in den VIII. und XI. Abschnitt des Grund­ge­set­zes auf­zu­neh­men [19] und die beab­sich­tig­te Rege­lung inso­weit in die über­kom­me­nen Ver­wal­tungs­struk­tu­ren des Grund­ge­set­zes ein­zu­pas­sen. Dem ist der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber jedoch nicht gefolgt, son­dern hat Art. 91e GG in den Abschnitt VIIIa. des Grund­ge­set­zes „Gemein­schafts­auf­ga­ben, Ver­wal­tungs­zu­sam­men­ar­beit“ ein­ge­fügt.

Bei Art. 91e GG han­delt es sich um eine eng begrenz­te Durch­bre­chung der grund­sätz­lich auf Tren­nung von Bund und Län­dern ange­leg­ten Ver­tei­lung der Ver­wal­tungs­zu­stän­dig­kei­ten nach den Art. 83 ff. GG [20]. Sie beschränkt sich auf die Rege­lung der Ver­wal­tungs- und Finan­zie­rungs­zu­stän­dig­kei­ten im Bereich der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de. Die in Art.20 Abs. 1 bis Abs. 3 GG ent­hal­te­nen und durch Art. 79 Abs. 3 GG abge­si­cher­ten Sys­tement­schei­dun­gen der Demo­kra­tie sowie des Rechts- und Bun­des­staa­tes stellt sie nicht in Fra­ge. Die im Schrift­tum teil­wei­se geäu­ßer­te Auf­fas­sung, Art. 91e GG sei „ver­fas­sungs­wid­ri­ges Ver­fas­sungs­recht“ [21], ver­mag daher nicht zu über­zeu­gen.

Zwar durch­bricht Art. 91e Abs. 1 GG das grund­sätz­li­che Ver­bot der Misch­ver­wal­tung, das das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem Urteil vom 20.12 2007 nicht nur auf Art. 28 Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 83 ff. GG gestützt, son­dern auch mit Argu­men­ten unter­mau­ert hat, die im Demo­kra­tie­prin­zip wur­zeln [22]. Demo­kra­tie und Volks­sou­ve­rä­ni­tät erschöp­fen sich im reprä­sen­ta­tiv-par­la­men­ta­ri­schen Sys­tem des Grund­ge­set­zes nicht in Zurech­nungs­fik­tio­nen und stel­len auch nicht nur for­ma­le Min­dest­an­for­de­run­gen an den Legi­ti­ma­ti­ons­zu­sam­men­hang zwi­schen dem Volk und den han­deln­den Staats­or­ga­nen. Sie sind viel­mehr Rechts­prin­zi­pi­en, die ihren prak­ti­schen Nie­der­schlag in der Ver­fas­sungs­wirk­lich­keit fin­den müs­sen [23]. Die Wah­len zum Bun­des­tag und zu den Volks­ver­tre­tun­gen der Län­der die­nen so gese­hen nicht nur der Krea­ti­on die­ser Ver­fas­sungs­or­ga­ne, son­dern wei­sen auch eine real- wie per­so­nal­ple­bis­zi­tä­re Dimen­si­on auf, wel­che die mit der Wahl ver­bun­de­ne poli­ti­sche Rich­tungs­ent­schei­dung auch kon­kret erfahr­bar macht. Eine Ver­flech­tung von Zustän­dig­kei­ten stellt sich vor die­sem Hin­ter­grund als Pro­blem dar, weil sie dazu füh­ren kann, dass der Auf­trag des Wäh­lers auf Bun­des- oder Lan­des­ebe­ne durch die Mit­wir­kung ande­rer Ebe­nen rela­ti­viert und kon­ter­ka­riert wird. Das gilt auch im Hin­blick auf die Ver­wal­tungs­kom­pe­ten­zen. Demo­kra­ti­sche Ver­ant­wort­lich­keit setzt auch hier grund­sätz­lich eine hin­rei­chend kla­re Zuord­nung vor­aus. Der wahl­be­rech­tig­te Bür­ger muss wis­sen kön­nen, wen er wofür – nicht zuletzt durch Ver­ga­be oder Ent­zug sei­ner Stim­me – ver­ant­wort­lich machen kann. Dar­an fehlt es, wenn die Auf­ga­ben durch Orga­ne oder Amts­wal­ter unter Bedin­gun­gen wahr­ge­nom­men wer­den, die eine sol­che Ver­ant­wor­tungs­zu­ord­nung nicht ermög­li­chen [24]. Das Demo­kra­tie­prin­zip des Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 GG gebie­tet des­halb nicht nur eine weit­ge­hen­de Nor­mie­rung von Zustän­dig­keits­zu­wei­sun­gen, Ver­fah­ren und Auf­sichts­rechts­ver­hält­nis­sen, son­dern ent­hält auch ein grund­sätz­li­ches Ver­bot der Misch­ver­wal­tung [25].

Die Anfor­de­run­gen des Demo­kra­tie­prin­zips berüh­ren sich inso­weit mit dem Grund­satz der Rechts­staat­lich­keit (Art.20 Abs. 3 GG), der mit Blick auf die Ver­wal­tungs­räu­me von Bund und Län­dern und im Inter­es­se eines effek­ti­ven Rechts­schut­zes eine kla­re und auf Voll­stän­dig­keit ange­leg­te Zuord­nung von Kom­pe­ten­zen der han­deln­den Staats­or­ga­ne gebie­tet. Auch das Rechts­staats­prin­zip ver­langt mit Blick auf die für die Aus­rich­tung und das Ver­ständ­nis der Ver­fas­sungs­ord­nung maß­geb­li­che Sicht des Bür­gers zual­ler­erst Klar­heit der Kom­pe­tenz­ord­nung.

Das Gebot der Bun­des­staat­lich­keit (Art.20 Abs. 1 GG) schließ­lich gebie­tet in sei­nem ver­fas­sungs­än­de­rungs­fes­ten Kern ledig­lich, dass den Län­dern im Bereich aller drei Staats­funk­tio­nen – Legis­la­ti­ve, Exe­ku­ti­ve und Judi­ka­ti­ve – Auf­ga­ben von sub­stan­ti­el­lem Gewicht als „Haus­gut“ unent­zieh­bar ver­blei­ben [26]. Bestimm­te Auf­ga­ben wer­den damit nicht zuge­wie­sen.

Ein Ver­stoß von Art. 91e GG gegen Art. 79 Abs. 3 GG schei­det vor die­sem Hin­ter­grund aus. Ein abso­lu­tes Ver­bot der Misch­ver­wal­tung lässt sich weder aus dem Demo­kra­tie- noch aus dem Rechts­staats­prin­zip des Grund­ge­set­zes ablei­ten [27]. Die bun­des­staat­li­che Kom­pe­tenz­ver­tei­lung gilt hin­ge­gen ohne­hin nur so, wie sie durch das Grund­ge­setz kon­kret aus­ge­stal­tet ist [28]. Selbst wenn man – ent­ge­gen der sehr engen Inter­pre­ta­ti­on von Art. 79 Abs. 3 GG durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in der Ent­schei­dung vom 15.12 1970 [29] – mit dem Son­der­vo­tum der Rich­ter Gel­ler, von Schlab­ren­dorff und Rupp [30] und Ansät­zen in der jün­ge­ren Recht­spre­chung der Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te [31] unver­hält­nis­mä­ßi­ge Beschrän­kun­gen oder eine sub­stan­ti­el­le Ero­si­on der in Art. 79 Abs. 3 GG geschütz­ten Grund­sät­ze einer Ver­fas­sungs­än­de­rung ent­zo­gen sieht, wird die­se Schwel­le hier nicht über­schrit­ten. Art.20 Abs. 1 bis Abs. 3 GG in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG hin­dern den ver­fas­sungs­än­dern­den Gesetz­ge­ber nicht, in begrenz­ten Aus­nah­me­fäl­len die kon­kre­ten Aus­prä­gun­gen der dort ver­an­ker­ten Grund­sät­ze aus sach­ge­rech­ten Grün­den zu modi­fi­zie­ren [32]. Das hat er mit Art. 91e GG getan.

In sei­nem Anwen­dungs­be­reich ver­drängt Art. 91e GG sowohl die Art. 83 ff. GG als auch Art. 104a GG.

Im Ver­hält­nis zu Art. 83 ff. GG wirkt Art. 91e GG als abschlie­ßen­de Son­der­re­ge­lung.

Dass Art. 91e GG eine Aus­nah­me vom Ver­bot der Misch­ver­wal­tung für die Aus­füh­rung von Bun­des­ge­set­zen auf dem Gebiet der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de ent­hält und auch das Ver­bot einer bun­des­ge­setz­li­chen Auf­ga­ben­über­tra­gung auf die Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de (Art. 84 Abs. 1 Satz 7, Art. 85 Abs. 1 Satz 2 GG) inso­weit nicht gilt [33], ist offen­sicht­lich [34]. Der Umfang die­ser Spe­zi­al­re­ge­lung reicht jedoch wei­ter. Im Ver­fah­ren der Ver­fas­sungs­än­de­rung hat der Gesetz­ge­ber zum Aus­druck gebracht, dass im Bereich des Art. 91e GG auch die sons­ti­gen Vor­ga­ben der Art. 83 ff. GG, ins­be­son­de­re Art. 84 Abs. 2 bis Abs. 5 GG, nicht gel­ten sol­len: Die Auf­sicht über die Auf­ga­ben­wahr­neh­mung durch die Opti­ons­kom­mu­nen nach Art. 91e Abs. 2 GG sol­le sich zwar an der Zustän­dig­keits­ver­tei­lung ori­en­tie­ren, die für die Aus­füh­rung der Bun­des­ge­set­ze durch die Län­der als eige­ne Ange­le­gen­heit gel­te. Sie sol­le jedoch „durch ein ein­heit­li­ches und trans­pa­ren­tes Steue­rungs­sys­tem durch Ziel­ver­ein­ba­run­gen zwi­schen Bund und Län­dern sowie ent­spre­chen­de Ziel­ver­ein­ba­run­gen zwi­schen den jewei­li­gen Län­dern und Opti­ons­kom­mu­nen ergänzt“ wer­den [33]. Im Rah­men der Aus­füh­rungs­ge­setz­ge­bung wur­de in § 48 Abs. 2 Satz 3 SGB II zudem vor­ge­se­hen, dass die Bun­des­re­gie­rung die Aus­übung der Rechts­auf­sicht auf das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les über­tra­gen kann, was auf der Grund­la­ge von Art. 84 GG nicht mög­lich wäre. Wäre Art. 84 GG neben Art. 91e GG anwend­bar, wären sowohl die in der Geset­zes­be­grün­dung skiz­zier­ten Auf­sichts­struk­tu­ren als auch § 48 Abs. 2 Satz 3 SGB II erheb­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken aus­ge­setzt [35]. Der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber woll­te offen­kun­dig kei­ne Rege­lung schaf­fen, die sich mög­lichst scho­nend in die all­ge­mei­nen Struk­tu­ren ein­fügt und als Aus­nah­me grund­sätz­lich restrik­tiv inter­pre­tiert wer­den müss­te [36]. Er woll­te viel­mehr eine umfas­sen­de Absi­che­rung der Ver­wal­tungs­pra­xis ermög­li­chen.

Das zeigt auch die Rege­lung über die Kos­ten­tra­gung in Art. 91e Abs. 2 Satz 2 GG. Die­se Bestim­mung – wonach der Bund bei einer Auf­ga­ben­wahr­neh­mung durch Opti­ons­kom­mu­nen die Kos­ten trägt, soweit er dies auch im Regel­fall des Art. 91e Abs. 1 GG täte – bedeu­tet in der Sache eine direk­te Finan­zie­rung kom­mu­na­len Ver­wal­tungs­han­delns durch den Bund. Dies ermög­licht es zwar, die Ver­tei­lung der Finan­zie­rungs­las­ten zwi­schen Bund und Län­dern im Übri­gen unan­ge­tas­tet zu las­sen, stellt in der Sache jedoch eine Abwei­chung von den Grund­sät­zen des Art. 104a Abs. 1, Abs. 3 und Abs. 5 GG dar [37]. Auch inso­weit geht Art. 91e GG den all­ge­mei­nen Rege­lun­gen der Finanz­ver­fas­sung vor.

Durch­bre­chung des zwei­stu­fi­gen, föde­ra­len Staats­auf­baus[↑]

Indem Art. 91e Abs. 2 GG unmit­tel­ba­re Ver­wal­tungs- und Finanz­be­zie­hun­gen zwi­schen dem Bund und den Opti­ons­kom­mu­nen her­stellt, durch­bricht er, wenn auch nur punk­tu­ell, die Zwei­stu­fig­keit des Staats­auf­baus der Bund­e­re­pu­blik Deutsch­land. Zwar sind die Gemein­den grund­sätz­lich den Län­dern zuge­ord­net; eine kla­re­re Tren­nung und Ent­flech­tung der Auf­ga­ben der unter­schied­li­chen staat­li­chen Ebe­nen war zudem ein zen­tra­les Anlie­gen der Föde­ra­lis­mus­re­form des Jah­res 2006. Art. 91e GG ent­hält jedoch eine teil­wei­se Abkehr von die­sen Grund­sät­zen und Ziel­set­zun­gen.

Im zwei­stu­fi­gen Bun­des­staat des Grund­ge­set­zes sind die Kom­mu­nen – unbe­scha­det ihrer finanz­ver­fas­sungs­recht­li­chen Absi­che­rung durch Art. 28 Abs. 2 Satz 3, Art. 106 Abs. 5 bis Abs. 8 GG – grund­sätz­lich Teil der Län­der [38]. Ihre Auf­ga­ben und ihr Finanz­ge­ba­ren wer­den den Län­dern zuge­rech­net [39].

Nach der Kom­pe­tenz­ord­nung des Grund­ge­set­zes ist es daher grund­sätz­lich Sache der Län­der, die staat­li­chen Auf­ga­ben zu erfül­len und staat­li­che Befug­nis­se aus­zu­üben (Art. 30 GG). Dazu gehört, dass die Län­der die Bun­des­ge­set­ze grund­sätz­lich in eige­ner Ver­ant­wor­tung und durch eige­ne Behör­den aus­füh­ren (Art. 83 GG). Die Ver­wal­tung des Bun­des und die Ver­wal­tung der Län­der sind in Auf­bau und Orga­ni­sa­ti­on von­ein­an­der getrennt [40]. Die Ver­wal­tungs­zu­stän­dig­kei­ten des Bun­des und sei­ne Inge­renz­rech­te in die Ver­wal­tung der Län­der sind in den Art. 83 ff. GG abschlie­ßend gere­gelt und kön­nen – soweit nichts ande­res vor­ge­se­hen ist – grund­sätz­lich weder abbe­dun­gen [41] noch erwei­tert wer­den. Inso­weit fin­det auch der Spiel­raum des Bun­des zur orga­ni­sa­to­ri­schen Aus­ge­stal­tung der Ver­wal­tung in den Kom­pe­tenz- und Orga­ni­sa­ti­ons­nor­men der Art. 83 ff. GG sei­ne Gren­zen [42]. Mit­pla­nungs, Mit­ver­wal­tungs- und Mit­ent­schei­dungs­be­fug­nis­se des Bun­des gleich wel­cher Art im Auf­ga­ben­be­reich der Län­der sind durch das Grund­ge­setz daher aus­ge­schlos­sen, soweit nicht die Ver­fas­sung dem Bund ent­spre­chen­de Sach- und Ver­wal­tungs­kom­pe­ten­zen über­tra­gen hat [43].

Die­se strik­te Tren­nung von Bun­des- und Län­der­ho­heit setzt sich auch im Bereich der Finanz­ver­fas­sung fort (vgl. Art. 104a Abs. 1, Art. 109 Abs. 1 GG) und wird mit Blick auf die Kom­mu­nen in Art. 106 Abs. 9 GG noch ein­mal aus­drück­lich bestä­tigt.

Mit der Föde­ra­lis­mus­re­form des Jah­res 2006 woll­te der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber eine noch kla­re­re Tren­nung von Auf­ga­ben und Befug­nis­sen der unter­schied­li­chen staat­li­chen Ebe­nen errei­chen und zu einer Ent­flech­tung der Ver­ant­wor­tung gelan­gen [44]. Dem­entspre­chend heißt es in der Begrün­dung des ein­schlä­gi­gen Gesetz­ent­wurfs, dass sich die bun­des­staat­li­che Ord­nung zwar grund­sätz­lich bewährt habe, jedoch von lang­wie­ri­gen und kom­pli­zier­ten Ent­schei­dungs­pro­zes­sen geprägt sei und dass sie an einer über­mä­ßi­gen insti­tu­tio­nel­len Ver­flech­tung von Bund und Län­dern lei­de [45]. Dem soll­te durch eine Rei­he von Ver­fas­sungs­än­de­run­gen abge­hol­fen wer­den, unter ande­rem durch das in Art. 84 Abs. 1 Satz 7 und Art. 85 Abs. 1 Satz 2 GG nor­mier­te soge­nann­te Durch­griffs­ver­bot [46].

Art. 91e GG bedeu­tet in der Sache eine punk­tu­el­le Abkehr von der Ziel­set­zung einer mög­lichst kla­ren Tren­nung der Zustän­dig­kei­ten und Ver­ant­wort­lich­kei­ten zwi­schen Bund, Län­dern und Kom­mu­nen. Er begrün­det eine unmit­tel­ba­re Finanz­be­zie­hung zwi­schen dem Bund und den Opti­ons­kom­mu­nen und ermög­licht eine Finanz­kon­trol­le, die sich von der Auf­sicht wie auch von der Finanz­kon­trol­le durch den Bun­des­rech­nungs­hof unter­schei­det.

Auf­sichts­be­fug­nis­se über Behör­den und Ein­rich­tun­gen der Län­der kom­men dem Bund nur inso­weit zu, als sie vom Grund­ge­setz aus­drück­lich vor­ge­se­hen wer­den. So räumt etwa Art. 84 GG dem Bund Ein­fluss­mög­lich­kei­ten auf die Anwen­dung des von ihm gesetz­ten Rechts ein. Er soll die Mög­lich­keit haben, auf eine ein­heit­li­che Gel­tung der Rechts­vor­schrif­ten hin­zu­wir­ken [47] und für einen wirk­sa­men Geset­zes­voll­zug zu sor­gen [48]. Dabei kom­men ihm ins­be­son­de­re die Rech­te nach Art. 84 Abs. 3 und Abs. 4 GG zu [49]. Zur Auf­sichts­kom­pe­tenz gehört auch die Mög­lich­keit der Akten­an­for­de­rung. Die­se ist aller­dings auf Fäl­le beschränkt, in denen es Anhalts­punk­te für einen Rechts­ver­stoß gibt [50]. Dane­ben besteht die Befug­nis zur Akten­ein­sicht vor Ort durch den gemäß Art. 84 Abs. 3 Satz 2 GG ent­sand­ten Beauf­trag­ten. Ein unmit­tel­ba­rer Durch­griff auf Behör­den der Län­der ist damit nicht ver­bun­den; auch im Bereich der Bun­des­auf­trags­ver­wal­tung sind Wei­sun­gen grund­sätz­lich an die obers­te Lan­des­be­hör­de zu rich­ten (Art. 85 Abs. 3 Satz 2 GG). Die­se ist zudem in den Voll­zug der Wei­sung ein­zu­bin­den (Art. 85 Abs. 3 Satz 3 GG). Ein unmit­tel­ba­rer Durch­griff auf die Gemein­den war dem Bund – vom Son­der­fall des Art. 106 Abs. 8 GG abge­se­hen – bis­lang grund­sätz­lich ver­sagt. Nament­lich war er weder berech­tigt noch ver­pflich­tet, deren finan­zi­el­le Ver­hält­nis­se ohne Ein­schal­tung der Län­der zu ord­nen [51].

Art. 91e GG hat die­se Rechts­la­ge für den Bereich der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de teil­wei­se modi­fi­ziert. Art. 91e Abs. 2 GG begrün­det eine direk­te Finanz­be­zie­hung zwi­schen dem Bund und der kom­mu­na­len Ebe­ne [33] und ermög­licht eine beson­de­re Finanz­kon­trol­le des Bun­des, die sich von der Auf­sicht wie auch von der Finanz­kon­trol­le durch den Bun­des­rech­nungs­hof unter­schei­det.

Zusam­men mit der Finan­zie­rungs­be­fug­nis hat der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber dem Bund auch die Mög­lich­keit einer Finanz­kon­trol­le eröff­net. Ohne eine sol­che Finanz­kon­trol­le bestün­de die Gefahr, dass Voll­zugs- und Finan­zie­rungs­ver­ant­wor­tung im Bereich der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de aus­ein­an­der­fal­len und kei­ne Anrei­ze für ein wirt­schaft­li­ches und spar­sa­mes Ver­wal­tungs­han­deln der Opti­ons­kom­mu­nen bestehen. Ange­sichts die­ser ver­fas­sungs­recht­lich unge­wöhn­li­chen Kon­stel­la­ti­on hat der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber die Finanz­be­zie­hun­gen in die­sem eng abge­grenz­ten Bereich neu geord­net und dem Bund nicht nur die Finan­zie­rungs­last zuge­wie­sen, son­dern ihm auch die Befug­nis wirk­sa­mer Finanz­kon­trol­le ein­ge­räumt. So wird in der Begrün­dung zu dem Gesetz­ent­wurf zum einen zwi­schen einer Finanz­kon­trol­le und der Auf­sicht unter­schie­den und zum ande­ren in Bezug auf Art. 91e Abs. 2 GG bestimmt, dass „das Bun­des­ge­setz unter ande­rem Rege­lun­gen (…) zu Auf­sicht, (…) Finanz­kon­trol­le, Rech­nungs­prü­fung und Leis­tungs­be­wer­tung sowie Über­gangs­be­stim­mun­gen bei Ver­än­de­rung der Orga­ni­sa­ti­on der Geset­zes­durch­füh­rung tref­fen“ wer­de [52].

Die (Rechts- und Fach-)Aufsicht über die Opti­ons­kom­mu­nen ist hin­ge­gen nicht Rege­lungs­ge­gen­stand von Art. 91e GG. Weder ent­hält der Wort­laut ent­spre­chen­de Anhalts­punk­te noch las­sen sich der Ent­ste­hungs­ge­schich­te, nach wel­cher der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber im Wesent­li­chen die ursprüng­li­che Rechts­la­ge absi­chern woll­te, sol­che Anhalts­punk­te ent­neh­men [53]. Die Auf­sicht über Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de bleibt inso­weit Sache der Län­der.

Die durch Art. 91e Abs. 2 Satz 2 GG ermög­lich­te Finanz­kon­trol­le des Bun­des hebt sich hin­rei­chend von einer Auf­sicht ab [54]. Wäh­rend es bei der Wahr­neh­mung von Auf­sichts­be­fug­nis­sen um ein auf Kon­trol­le zie­len­des Beob­ach­ten, in der Regel in einem hier­ar­chi­schen Ver­hält­nis, geht, das die Befug­nis zum Ein­wir­ken auf die zu beauf­sich­ti­gen­de Stel­le umfasst, so dass der Auf­sichts­maß­stab gege­be­nen­falls zwangs­wei­se durch­ge­setzt wer­den kann [55], beschränkt sich die Finanz­kon­trol­le des Art. 91e Abs. 2 Satz 2 GG auf die Über­prü­fung der Rech­nungs­le­gung, die Wirt­schaft­lich­keit der Aus­ga­ben und die Durch­set­zung even­tu­el­ler Erstat­tungs­an­sprü­che. Sie dient nicht der Rück­kopp­lung des Geset­zes­voll­zugs an die Absich­ten des Gesetz­ge­bers und ins­be­son­de­re nicht der Gewähr­leis­tung eines grund­sätz­lich ein­heit­li­chen Geset­zes­voll­zugs, son­dern rich­tet sich aus­schließ­lich auf die Kon­trol­le der finan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen der gesetz­ge­be­ri­schen Ent­schei­dung, von der Mög­lich­keit des Art. 91e Abs. 2 GG Gebrauch zu machen [56].

Die Finanz­kon­trol­le des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Arbeit und Sozia­les unter­schei­det sich aber auch von jener des Bun­des­rech­nungs­hofs. Der Bun­des­rech­nungs­hof ist ein zur unab­hän­gi­gen Finanz­kon­trol­le beru­fe­nes Organ, des­sen Prüf­tä­tig­keit das all­ge­mei­ne Ver­fas­sungs­ge­bot der Kon­trol­le über die staat­li­che Finanz­ge­walt umsetzt und damit letzt­lich im Demo­kra­tie­prin­zip grün­det [57]. Dies legi­ti­miert ihn, alle Ein­nah­men und Aus­ga­ben des Bun­des zu prü­fen und ihre Wirt­schaft­lich­keit zu bewer­ten. Ziel der Prü­fung ist es allein, Miss­stän­de auf­zu­zei­gen und ihre Besei­ti­gung durch Mit­tei­lung an die zustän­di­gen Orga­ne und gege­be­nen­falls durch Ver­öf­fent­li­chung zu bewir­ken. Die Prü­fungs­be­fug­nis des Bun­des­rech­nungs­ho­fes beschränkt sich jedoch auf eine rei­ne Kon­trol­le; Mit­ent­schei­dungs- oder Sank­ti­ons­be­fug­nis­se kom­men ihm nicht zu. Sei­ne Finanz­kon­trol­le kann daher auch allen­falls mit­tel­bar dazu bei­tra­gen, die Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung zu sichern, ihre Leis­tungs­fä­hig­keit zu ver­bes­sern und Fehl­ent­wick­lun­gen zu ver­mei­den [58]. Die Finanz­kon­trol­le nach Art. 91e Abs. 2 Satz 2 GG ist in ihrem Anwen­dungs­be­reich und ihrer Ziel­set­zung enger als jene des Bun­des­rech­nungs­ho­fes, reicht hin­sicht­lich ihrer Befug­nis­se jedoch wei­ter. Sie bezieht sich aus­schließ­lich auf die fis­ka­li­schen Inter­es­sen des Bun­des, gestat­tet es ihm aber auch, öffent­lich-recht­li­che Erstat­tungs­an­sprü­che gel­tend zu machen und im Wege der Ver­rech­nung durch­zu­set­zen.

Opti­on zum kom­mu­na­len Job­cen­ter als kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung[↑]

Art. 91e Abs. 2 GG räumt den Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den eine Chan­ce ein, die Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de als kom­mu­na­le Trä­ger allein­ver­ant­wort­lich wahr­zu­neh­men. Die gesetz­li­che Aus­ge­stal­tung die­ser Chan­ce muss will­kürfrei erfol­gen. Ihre Wahr­neh­mung fällt in den Schutz­be­reich der Garan­tie kom­mu­na­ler Selbst­ver­wal­tung.

Art. 91e Abs. 2 GG räumt den Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den kei­nen Anspruch, wohl aber eine Chan­ce dar­auf ein, die Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de als soge­nann­te Opti­ons­kom­mu­ne allein­ver­ant­wort­lich wahr­zu­neh­men. Dies folgt sowohl aus dem Wort­laut von Art. 91e Abs. 2 GG als auch aus dem in Art. 91e Abs. 1 und Abs. 2 GG ange­leg­ten Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis und gilt unbe­scha­det des Umstan­des, dass der Gesetz­ge­ber nicht ver­pflich­tet ist, das „Opti­ons­mo­dell“ umzu­set­zen.

Nach Art. 91e Abs. 2 Satz 1 GG kann der Bund zulas­sen, dass eine begrenz­te Anzahl von Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den die Auf­ga­ben der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de allein wahr­nimmt. Die For­mu­lie­rung „eine begrenz­te Anzahl“ macht dabei deut­lich, dass nicht alle Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de die Auf­ga­be der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de allein wahr­neh­men sol­len, selbst wenn sie die in der Aus­füh­rungs­ge­setz­ge­bung nach Art. 91e Abs. 3 GG nie­der­ge­leg­ten Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen erfül­len. Damit steht zugleich fest, dass es auch kei­nen ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren Zulas­sungs­an­spruch zur allei­ni­gen Auf­ga­ben­er­fül­lung gibt. Ver­fas­sungs­recht­li­che Ansprü­che einer ein­zel­nen Kom­mu­ne aus Art. 91e Abs. 2 GG kom­men nur inso­weit in Betracht, als der Gesetz­ge­ber von der Mög­lich­keit Gebrauch gemacht hat, eine begrenz­te Anzahl von Opti­ons­kom­mu­nen zuzu­las­sen. Sie beschrän­ken sich – der Rechts­stel­lung von Bewer­bern um kon­tin­gen­tier­te Zulas­sun­gen in ande­ren Berei­chen des öffent­li­chen Rechts [59] ver­gleich­bar – von vorn­her­ein auf eine chan­cen­glei­che Teil­ha­be an der Ver­tei­lung der zah­len­mä­ßig begrenz­ten Opti­ons­mög­lich­kei­ten.

Sys­te­ma­ti­sche Gesichts­punk­te erhär­ten die­sen Befund. Aus­weis­lich des Neben­ein­an­ders von Art. 91e Abs. 1 und Abs. 2 GG besteht zwi­schen der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung in gemein­sa­men Ein­rich­tun­gen nach Art. 91e Abs. 1 GG und ihrer allei­ni­gen Erfül­lung durch Opti­ons­kom­mu­nen gemäß Art. 91e Abs. 2 GG ein Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis [17] in dem Sin­ne, dass die Wahr­neh­mung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de durch Opti­ons­kom­mu­nen die Aus­nah­me blei­ben muss [60].

Ein ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­rer Anspruch auf Zulas­sung als Opti­ons­kom­mu­ne schei­tert schließ­lich auch dar­an, dass Art. 91e Abs. 2 Satz 1 GG es dem Gesetz­ge­ber frei­stellt, das „Opti­ons­mo­dell“ über­haupt ein­zu­füh­ren. Hat er es ein­ge­führt, kann er es auch wie­der aus­lau­fen las­sen [61].

Inter­kom­mu­na­les Gleich­be­hand­lungs­ge­bot[↑]

Bei der Aus­ge­stal­tung der Zulas­sungs­chan­ce nach Art. 91e Abs. 2 GG ist der Gesetz­ge­ber grund­sätz­lich frei. Art. 28 Abs. 2 Sät­ze 1 und 2 GG ver­mit­teln Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den kei­nen ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­ten Anspruch auf eine bestimm­te Aus­ge­stal­tung der Zulas­sungs­chan­ce, auf eine bestimm­te Anzahl von Opti­ons­mög­lich­kei­ten oder auf deren Opti­mie­rung im Rah­men des dem Gesetz­ge­ber eröff­ne­ten Gestal­tungs­spiel­rau­mes. Schafft der Gesetz­ge­ber aller­dings eine Ver­tei­lungs­si­tua­ti­on und eröff­net er Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den zumin­dest eine Chan­ce auf das nor­ma­tiv ver­knapp­te Gut, so hat er dabei das all­ge­mei­ne Will­kür­ver­bot in Gestalt des Gebo­tes inter­kom­mu­na­ler Gleich­be­hand­lung zu beach­ten. Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de kön­nen sich auf die­ses Gebot beru­fen. In Ver­bin­dung mit dem Rechts­staats­prin­zip for­dert es zumin­dest eine gleich­mä­ßi­ge Ver­tei­lung der knap­pen Opti­ons­mög­lich­kei­ten.

Zwar gel­ten die Grund­rech­te im All­ge­mei­nen und das Grund­recht des Art. 3 Abs. 1 GG im Beson­de­ren grund­sätz­lich nicht für juris­ti­sche Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts [62]; sie gel­ten daher auch nicht für Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de, die inso­weit kei­ne Grund­rechts­trä­ger im Sin­ne von Art.19 Abs. 3 GG sind [63]. Des­sen unge­ach­tet ver­pflich­ten das Bun­des­staats­prin­zip und das Rechts­staats­ge­bot (Art.20 Abs. 3, Art. 28 Abs. 1 Satz 1 GG) Bund und Län­der, mit Blick auf ihnen nach­ge­ord­ne­te Hoheits­trä­ger das Gebot der Gleich­be­hand­lung zu beach­ten.

Das gilt grund­sätz­lich auch mit Blick auf Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de [64]. Soweit Bund und Län­der Ver­tei­lungs­ent­schei­dun­gen zwi­schen Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den vor­se­hen und durch­füh­ren, dür­fen sie zwi­schen die­sen jeden­falls nicht will­kür­lich dif­fe­ren­zie­ren. Das inter­kom­mu­na­le Gleich­be­hand­lungs­ge­bot ver­bie­tet, ein­zel­ne Gemein­den oder Gemein­de­ver­bän­de auf­grund sach­lich nicht ver­tret­ba­rer Dif­fe­ren­zie­run­gen zu benach­tei­li­gen oder zu bevor­zu­gen, und ist ver­letzt, wenn für eine unter­schied­li­che Behand­lung kein sach­li­cher Grund besteht. Der Gesetz­ge­ber ist daher ver­pflich­tet, Begüns­ti­gun­gen und Vor­tei­le nach ein­heit­li­chen und sach­lich ver­tret­ba­ren Maß­stä­ben auf die ein­zel­nen Kom­mu­nen zu ver­tei­len; auch dür­fen die Moda­li­tä­ten des Ver­tei­lungs­sys­tems nicht zu will­kür­li­chen Ergeb­nis­sen füh­ren [65]. Gefor­dert ist nicht die best­mög­li­che und gerech­tes­te Lösung; ange­sichts der Gestal­tungs­frei­heit des Gesetz­ge­bers ist auch nicht ent­schei­dend, ob eine Rege­lung not­wen­dig oder gar unab­weis­bar ist. Viel­mehr kommt ihm inso­weit ein wei­ter Ein­schät­zungs- und Beur­tei­lungs­spiel­raum zu, der gewahrt ist, wenn er sich auf eine nach­voll­zieh­ba­re und ver­tret­ba­re Ein­schät­zung stützt [66].

Das inter­kom­mu­na­le Gleich­be­hand­lungs­ge­bot [67] ist Teil der durch Art. 28 Abs. 2 GG gewähr­leis­te­ten sub­jek­ti­ven Rechts­stel­lungs­ga­ran­tie der Kom­mu­nen. Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de kön­nen sich des­halb gegen­über dem Staat auf die­ses Gebot beru­fen und sei­ne Ver­let­zung vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt rügen [68].

For­dert das Gebot inter­kom­mu­na­ler Gleich­be­hand­lung eine gleich­mä­ßi­ge Ver­tei­lung knap­per Mit­tel oder Güter zwi­schen den kon­kur­rie­ren­den Kom­mu­nen, so ist aus Grün­den der Rechts­staat­lich­keit ein trans­pa­ren­tes Ver­tei­lungs­ver­fah­ren zu gewähr­leis­ten [69].

Für den Bereich des Grund­rechts­schut­zes ist aner­kannt, dass die in Anse­hung einer Ent­schei­dung betrof­fe­nen Grund­rech­te nach einer adäqua­ten Ver­fah­rens­ge­stal­tung ver­lan­gen. Unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen kann ein mate­ri­el­ler Zulas­sungs­an­spruch in Knapp­heits­si­tua­tio­nen zu einem Anspruch auf chan­cen­ge­rech­te Teil­ha­be am Ver­fah­ren redu­ziert wer­den, wobei die sach­ge­rech­te, rechts­wah­ren­de und fai­re Aus­ge­stal­tung des Ver­tei­lungs­ver­fah­rens der Min­de­rung der Ein­griffs­in­ten­si­tät dient [70]. Pro­ze­du­ra­le Vor­keh­run­gen sind auch dort erfor­der­lich, wo eine nach­ge­la­ger­te gericht­li­che Kon­trol­le etwai­ge Grund­rechts­ver­let­zun­gen nicht mehr kor­ri­gie­ren kann [71].

Die­ser Grund­ge­dan­ke gilt auch für die Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung [72]. So hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Zusam­men­hang mit dem nie­der­säch­si­schen Rück-Neu­glie­de­rungs­ge­setz aus­ge­spro­chen, dass die Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung zu ihrem Schutz bestimm­ter pro­ze­du­ra­ler Vor­keh­run­gen, nament­lich von Anhö­rungs­rech­ten und Begrün­dungs­pflich­ten bedarf [73]. In der Recht­spre­chung der Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­te ist die­ser Ansatz mit Blick auf Gebiets­re­for­men und die Aus­ge­stal­tung des kom­mu­na­len Finanz­aus­gleichs wei­ter aus­ge­baut wor­den [74].

Die Chan­ce auf Zulas­sung als Opti­ons­kom­mu­ne nach Art. 91e Abs. 2 GG wird durch Art. 28 Abs. 2 GG geschützt. Er gewähr­leis­tet grund­sätz­lich auch das Recht von Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den, die ihnen zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben eigen­ver­ant­wort­lich zu erle­di­gen. Die­ses Recht besteht indes nur „im Rah­men der Geset­ze“.

Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG sta­tu­iert ein ver­fas­sungs­recht­li­ches Auf­ga­ben­ver­tei­lungs­prin­zip hin­sicht­lich aller Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft zuguns­ten der Gemein­den [75]. Jen­seits des­sen ent­hal­ten weder Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG noch Art. 28 Abs. 2 Satz 2 GG eine inhalt­lich umris­se­ne Auf­ga­ben­ga­ran­tie zuguns­ten von Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den. Ins­be­son­de­re Art. 28 Abs. 2 Satz 2 GG knüpft ledig­lich an die vom Gesetz­ge­ber zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben an, erschöpft sich hier­in aber auch. Die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung der Gemein­de­ver­bän­de besteht inso­weit nur nach Maß­ga­be der Geset­ze. Aller­dings muss der Gesetz­ge­ber den Krei­sen hin­rei­chen­de Auf­ga­ben des eige­nen Wir­kungs­krei­ses zuwei­sen und darf sich nicht aus­schließ­lich auf die Zuwei­sung mate­ri­ell staat­li­cher Ange­le­gen­hei­ten des über­tra­ge­nen Wir­kungs­krei­ses beschrän­ken [76]. Auch auf der Ebe­ne der Krei­se muss der Bestand an Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­ben für sich genom­men und im Ver­gleich zu den zuge­wie­se­nen mate­ri­ell staat­li­chen Auf­ga­ben ein Gewicht haben, das der insti­tu­tio­nel­len Garan­tie der Krei­se als Selbst­ver­wal­tungs­kör­per­schaf­ten gerecht wird. Wür­den ihnen nur rand­stän­di­ge, in Bedeu­tung und Umfang neben­säch­li­che Auf­ga­ben des eige­nen Wir­kungs­krei­ses zuge­wie­sen, so wäre Art. 28 Abs. 2 Satz 2 GG ver­letzt [77].

Hat der Gesetz­ge­ber Krei­sen und Gemein­den Auf­ga­ben zur eigen­ver­ant­wort­li­chen Wahr­neh­mung zuge­wie­sen, fällt deren Erle­di­gung grund­sätz­lich in den Gewähr­leis­tungs­be­reich von Art. 28 Abs. 2 Sät­ze 1 und 2 GG [78]. Soweit der Gesetz­ge­ber den Zugang zu einer kom­mu­na­len Auf­ga­be kon­tin­gen­tiert und den Kom­mu­nen ledig­lich eine ent­spre­chen­de Chan­ce eröff­net hat, ist der Gewähr­leis­tungs­be­reich von Art. 28 Abs. 2 Satz 1 und Satz 2 GG eben­falls berührt. Das gilt auch für die durch Art. 91e Abs. 2 GG eröff­ne­te Chan­ce auf allei­ni­ge Auf­ga­ben­wahr­neh­mung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de.

Art. 28 Abs. 2 GG gewähr­leis­tet Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den fer­ner das Recht, die ihnen zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben eigen­ver­ant­wort­lich zu erle­di­gen [79].

Eine Rege­lung gemeind­li­cher Ange­le­gen­hei­ten in eige­ner Ver­ant­wor­tung, wie sie Art. 28 Abs. 2 GG garan­tiert, ist ohne eine gewis­se Selbst­stän­dig­keit bei der Orga­ni­sa­ti­on der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung nicht vor­stell­bar [80]. Eine umfas­sen­de staat­li­che Steue­rung der kom­mu­na­len Orga­ni­sa­ti­on wider­sprä­che der vom Ver­fas­sungs­ge­ber vor­ge­fun­de­nen und in Art. 28 Abs. 2 GG nie­der­ge­leg­ten Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung [81]. Zu der von Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG den Gemein­den garan­tier­ten Eigen­ver­ant­wort­lich­keit gehört daher auch die Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit [82]. Sie gewähr­leis­tet den Gemein­den – Ver­gleich­ba­res gilt nach Art. 28 Abs. 2 Satz 2 GG für die Gemein­de­ver­bän­de [83] – das grund­sätz­li­che Recht, die Wahr­neh­mung der eige­nen Auf­ga­ben, Abläu­fe und Ent­schei­dungs­zu­stän­dig­kei­ten im Ein­zel­nen fest­zu­le­gen und damit auch über Gewich­tung, Qua­li­tät und Inhalt der Ent­schei­dun­gen zu befin­den. Die Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit von Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den ver­bie­tet Rege­lun­gen, die eine eigen­stän­di­ge orga­ni­sa­to­ri­sche Gestal­tungs­fä­hig­keit der Kom­mu­nen ersti­cken wür­den. Zu ihr rech­net fer­ner die Mög­lich­keit, für die Wahr­neh­mung ein­zel­ner Ver­wal­tungs­auf­ga­ben aus meh­re­ren vom Gesetz­ge­ber zur Ver­fü­gung gestell­ten Orga­ni­sa­ti­ons­for­men aus­wäh­len zu kön­nen [84].

Die Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit der Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de erfasst sowohl den eige­nen als auch den über­tra­ge­nen Wir­kungs­kreis [85]. Sie besteht indes gemäß Art. 28 Abs. 2 GG nur im Rah­men der Geset­ze. Dem­entspre­chend sind die Orga­ni­sa­ti­ons­be­fug­nis­se der Gemein­den oder Gemein­de­ver­bän­de an Vor­ga­ben des Gesetz­ge­bers nicht nur gebun­den [86]; ihre Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit gilt grund­sätz­lich nur nach Maß­ga­be der gesetz­li­chen Aus­ge­stal­tung.

Bei die­ser Aus­ge­stal­tung setzt die Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie dem Gesetz­ge­ber aller­dings inso­weit Gren­zen, als ihr Kern­be­reich nicht aus­ge­höhlt wer­den darf [87]. Der Gesetz­ge­ber muss zudem der geschicht­li­chen Ent­wick­lung und den ver­schie­de­nen Erschei­nungs­for­men der Selbst­ver­wal­tung Rech­nung tra­gen [88] und ihnen bei der Aus­ge­stal­tung ihrer inter­nen Orga­ni­sa­ti­on eine hin­rei­chen­de (Mit-)Verantwortung für die orga­ni­sa­to­ri­sche Bewäl­ti­gung ihrer Auf­ga­ben las­sen. Sei­ne Vor­ga­ben dür­fen die Gemein­den aus die­ser Ver­ant­wor­tung nicht ver­drän­gen. Dar­aus folgt nicht nur, dass den Gemein­den ins­ge­samt nen­nens­wer­te orga­ni­sa­to­ri­sche Befug­nis­se ver­blei­ben müs­sen, son­dern auch, dass ihnen ein hin­rei­chen­der orga­ni­sa­to­ri­scher Spiel­raum bei der Wahr­neh­mung der jewei­li­gen Auf­ga­ben­be­rei­che offen­ge­hal­ten wird. Unter­schie­de zwi­schen Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­ben und Auf­ga­ben des über­tra­ge­nen Wir­kungs­krei­ses mögen dabei eine Rol­le spie­len; in kei­nem Fall darf jedoch aus­ge­schlos­sen wer­den, dass die Gemein­den im Bereich ihrer inne­ren Orga­ni­sa­ti­on indi­vi­du­ell auf die beson­de­ren Anfor­de­run­gen vor Ort durch eige­ne orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men reagie­ren kön­nen [89]. Die Orga­ni­sa­ti­on einer Kom­mu­ne erschließt sich so erst aus dem Inein­an­der­grei­fen von staat­li­chen Vor­ga­ben und eigen­ver­ant­wort­li­chen kom­mu­na­len Orga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dun­gen.

Geset­zungs­kom­pe­tenz des Bun­des[↑]

Art. 91e Abs. 3 GG ent­hält einen umfas­sen­den und weit zu ver­ste­hen­den Gesetz­ge­bungs­auf­trag zuguns­ten des Bun­des. Der Bund ver­fügt inso­weit über die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz, die mit der Zulas­sung als kom­mu­na­ler Trä­ger zusam­men­hän­gen­den Rechts­ver­hält­nis­se zu regeln. Für die Abgren­zung die­ser Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz gel­ten die all­ge­mei­nen Grund­sät­ze.

Nach Art. 91e Abs. 3 GG regelt „das Nähe­re“ ein Bun­des­ge­setz, das der Zustim­mung des Bun­des­ra­tes bedarf. Die Vor­schrift weist dem Bund eine aus­schließ­li­che Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz zu und ent­hält zugleich einen Gesetz­ge­bungs­auf­trag [90]. Die­ser ist bewusst weit gefasst und soll dem Bun­des­ge­setz­ge­ber bei der orga­ni­sa­to­ri­schen Aus­ge­stal­tung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de einen gro­ßen Spiel­raum eröff­nen [91].

Der Stel­lung von Art. 91e GG im Gemein­schafts­auf­ga­ben und Ver­wal­tungs­zu­sam­men­ar­beit gewid­me­ten VIIIa. Abschnitt des Grund­ge­set­zes lässt sich ent­neh­men, dass Art. 91e Abs. 3 GG den Bun­des­ge­setz­ge­ber ermäch­tigt, Art und Wei­se des Voll­zugs der in mate­ri­ell-recht­li­cher Hin­sicht unter die kon­kur­rie­ren­de Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz von Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG fal­len­den Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de zu regeln. Das gilt sowohl für das Zusam­men­wir­ken von Bund und Län­dern als auch für das von Bund und Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den. Es gilt für die nähe­re Aus­ge­stal­tung der gemein­sa­men Ein­rich­tun­gen (Art. 91e Abs. 1 GG) und für die Fest­le­gung der Anzahl der Opti­ons­kom­mu­nen, die Kri­te­ri­en für ihre Zulas­sung, das von ihnen durch­zu­füh­ren­de Antrags­ver­fah­ren und – im Fal­le der Zulas­sung – die Kos­ten­tra­gung (Art. 91e Abs. 2 GG). In der Begrün­dung zu Art. 91e GG heißt es mit Blick auf Absatz 2, dass das Bun­des­ge­setz „unter ande­rem Rege­lun­gen zur Fest­le­gung der Anzahl der Opti­ons­kom­mu­nen, zu den Kri­te­ri­en für die Zulas­sung von Opti­ons­kom­mu­nen, […] und zu Kos­ten­tra­gung, Auf­sicht, […] Finanz­kon­trol­le, Rech­nungs­prü­fung […] tref­fen“ wer­de, wobei „die Auf­zäh­lung nicht abschlie­ßend“ sei. Bei der Wahr­neh­mung die­ses Auf­trags habe der Gesetz­ge­ber zudem zu berück­sich­ti­gen, dass im Bereich der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de eine Misch­ver­wal­tung als Regel­fall und die allei­ni­ge Auf­ga­ben­wahr­neh­mung durch Kom­mu­nen als Aus­nah­me­fall vor­ge­se­hen sei [53].

Aus dem Hin­weis der Geset­zes­be­grün­dung auf die „zwin­gen­den Vor­ga­ben des Grund­ge­set­zes“ folgt hin­ge­gen, dass die Rege­lun­gen des Grund­ge­set­zes im Übri­gen zu beach­ten sind. Nament­lich will Art. 91e Abs. 3 GG nichts an der Ver­tei­lung der Sach­ge­setz­ge­bungs­zu­stän­dig­kei­ten durch die Art. 70 ff. GG ändern. Für die Abgren­zung gel­ten die all­ge­mei­nen Rege­lun­gen. Besteht eine sach­li­che Ver­knüp­fung eines Rege­lungs­ge­gen­stands mit den Mate­ri­en ver­schie­de­ner Gesetz­ge­bungs­zu­stän­dig­kei­ten, so ist zunächst auf die wesens­mä­ßi­ge und his­to­ri­sche Zuge­hö­rig­keit zu einem die­ser Sach­ge­bie­te abzu­stel­len [92]. Teil­re­ge­lun­gen eines umfas­sen­den Rege­lungs­kom­ple­xes dür­fen dabei nicht aus ihrem Rege­lungs­zu­sam­men­hang gelöst und iso­liert betrach­tet wer­den. Kommt die Zuord­nung einer sol­chen Rege­lung Kom­pe­tenz­be­rei­chen in Betracht, so ist aus dem Rege­lungs­zu­sam­men­hang zu erschlie­ßen, wo sie ihren Schwer­punkt hat. Dabei fällt ins­be­son­de­re ins Gewicht, wie eng die frag­li­che Teil­re­ge­lung mit dem Gegen­stand der Gesamt­re­ge­lung ver­bun­den ist. Eine enge Ver­zah­nung und ein gerin­ger eigen­stän­di­ger Rege­lungs­ge­halt der Teil­re­ge­lung spre­chen regel­mä­ßig für eine Zuord­nung zum Kom­pe­tenz­be­reich der Gesamt­re­ge­lung [93].

§ 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II – und die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz der Län­der[↑]

Nach die­sen Maß­stä­ben ist die Kommnunal­ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II begrün­det. Soweit sich die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen § 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II und gegen § 6b Abs. 4 SGB II rich­ten sind sie unbe­grün­det.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II ist begrün­det. Die Rüge, das ange­grif­fe­ne Gesetz ver­sto­ße gegen die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz der Län­der (Art. 70 GG), kann das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Rah­men der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de prü­fen. § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II greift in die Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung ein. Der Sache nach stellt er eine Rege­lung des Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­rechts dar, für das aus­schließ­lich die Län­der zustän­dig sind.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts folgt die Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de des Art. 93 Abs. 1 Nr. 4b GG, § 91 BVerfGG, auch wenn sie aus­schließ­lich gegen Rechts­nor­men gerich­tet wer­den kann, nicht den Regeln der abs­trak­ten Nor­men­kon­trol­le. Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de kön­nen sich im Rah­men die­ses Ver­fah­rens des­halb nur ein­ge­schränkt dar­auf beru­fen, dass eine gesetz­li­che Rege­lung – über Art. 28 Abs. 2 GG hin­aus – auch sons­ti­ges Ver­fas­sungs­recht ver­letzt. Nament­lich ist das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht befugt, im Gefol­ge einer zuläs­si­gen Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de gemäß § 91 BVerfGG die Begründ­etheits­prü­fung belie­big auf ande­re Ver­fas­sungs­be­stim­mun­gen aus­zu­wei­ten [94].

Mit der Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­be­schwer­de gemäß § 91 BVerfGG gerügt wer­den kann jedoch, dass das ange­grif­fe­ne Gesetz unter Ver­stoß gegen die grund­ge­setz­li­che Ver­tei­lung der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­ten­zen zustan­de gekom­men ist, weil die Art. 70 ff. GG ihrem Inhalt nach geeig­net sind, das ver­fas­sungs­recht­li­che Bild der Selbst­ver­wal­tung mit­zu­be­stim­men. Nach Art. 70 GG gehö­ren Gemein­de­an­ge­le­gen­hei­ten grund­sätz­lich zur Gesetz­ge­bungs­be­fug­nis der Län­der. Ein­grif­fe des Bun­des­ge­setz­ge­bers in das kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tungs­recht sind hier­nach grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen, soweit nicht die Ver­fas­sung beson­de­re Kom­pe­tenz­nor­men bereit­hält, die den Bund auch zu einer Ein­schrän­kung der gemeind­li­chen Selbst­ver­wal­tung berech­ti­gen [95]. Das hat der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber nicht zuletzt durch die Auf­nah­me der Art. 84 Abs. 1 Satz 7 und Art. 85 Abs. 1 Satz 2 in das Grund­ge­setz unter­stri­chen.

§ 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II beschränkt die Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung. Er ver­kürzt die von Art. 28 Abs. 2 GG gewähr­leis­te­te Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit der Gemein­den in ihrer kon­kre­ten gesetz­li­chen Aus­ge­stal­tung hin­sicht­lich der Art und Wei­se ihrer Wil­lens­bil­dung.

Die durch Art. 28 Abs. 2 GG ver­bürg­te Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit gestat­tet es den Kom­mu­nen, über ihre inter­ne Orga­ni­sa­ti­on und Wil­lens­bil­dung grund­sätz­lich selbst zu ent­schei­den. Sie umfasst das Recht zur eigen­ver­ant­wort­li­chen Füh­rung der Geschäf­te und gewähr­leis­tet inso­weit eine grund­sätz­li­che Frei­heit von staat­li­cher Regle­men­tie­rung in Bezug auf die Art und Wei­se der Auf­ga­ben­er­le­di­gung [96]. Art. 28 Abs. 2 GG ver­bürgt auch die Befug­nis der Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de, über „Ob“, „Wann“ und „Wie“ bei der Wahr­neh­mung der ihnen zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben im Rah­men der Geset­ze grund­sätz­lich eigen­ver­ant­wort­lich zu ent­schei­den. Ändert der Gesetz­ge­ber daher die Vor­ga­ben für die inter­ne Orga­ni­sa­ti­on und Wil­lens­bil­dung von Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den, greift er damit zugleich in die kon­kre­te Aus­ge­stal­tung der ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit ein.

Dies ist bei § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II der Fall. Er bestimmt, dass der Antrag auf Zulas­sung als Opti­ons­kom­mu­ne unter ande­rem einer Mehr­heit von zwei Drit­teln der Mit­glie­der in der zustän­di­gen Ver­tre­tungs­kör­per­schaft bedarf. Damit erschwert er, ver­gli­chen mit den all­ge­mei­nen Rege­lun­gen des Kom­mu­nal­rechts (vgl. Art. 45 Abs. 1 BayL­KrO; Art. 51 Abs. 1 Bay­GO, § 50 Abs. 1 GO-NW, § 35 KrO-NW, § 37 Abs. 6 GemOBW, § 32 Abs. 6 LKrO­BW, § 39 Abs. 1 Thür­KO, § 112 Thür­KO), die Wil­lens­bil­dung in den Stadt­rä­ten und Kreis­ta­gen und greift damit in die de lege lata bestehen­de Aus­ge­stal­tung der kom­mu­na­len Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit ein. Die Vor­schrift knüpft die Rea­li­sie­rung der vom Gesetz­ge­ber ein­ge­räum­ten Chan­ce, die Auf­ga­ben der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de allein zu erbrin­gen, an zusätz­li­che Hür­den. Im Fall des Beschwer­de­füh­rers zu 1. käme, obwohl sich eine Mehr­heit des Kreis­ta­ges – 36 von 60 Mit­glie­dern – für den Antrag auf Zulas­sung als Opti­ons­kom­mu­ne aus­ge­spro­chen hat­te, eine Rea­li­sie­rung der gesetz­lich eröff­ne­ten Chan­ce schon des­halb nicht mehr in Betracht.

§ 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II ist der Sache nach eine Rege­lung des Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­rechts. Die­ses fällt als Teil des Kom­mu­nal­rechts in die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz der Län­der. Etwas ande­res folgt weder aus Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG noch aus Art. 91e Abs.3 GG oder aus einer Kom­pe­tenz kraft Sach­zu­sam­men­hangs.

Das Grund­ge­setz weist die Gesetz­ge­bungs­zu­stän­dig­keit für das Kom­mu­nal­recht nicht dem Bund zu, son­dern belässt sie bei den Län­dern [97]. Das Kom­mu­nal­recht in die­sem Sin­ne umfasst die Sum­me der Rechts­sät­ze, die sich mit der Rechts­stel­lung, der Orga­ni­sa­ti­on, den Auf­ga­ben sowie den Hand­lungs­for­men der kom­mu­na­len Kör­per­schaf­ten befas­sen. Dar­un­ter fällt auch das Gemein­de­ver­fas­sungs­recht [98] und ins­be­son­de­re die Art und Wei­se der kom­mu­na­len Wil­lens­bil­dung [99].

§ 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II ist eine Rege­lung des Kom­mu­nal­rechts. Er regelt das Zustan­de­kom­men von Beschlüs­sen in Stadt­rä­ten und Kreis­ta­gen und betrifft damit die inter­ne Wil­lens­bil­dung in den Kom­mu­nen, die Ver­wirk­li­chung des Mehr­heits­prin­zips und der Demo­kra­tie auf kom­mu­na­ler Ebe­ne (vgl. Art. 28 Abs. 1 Satz 2 GG) und in gewis­sem Umfang auch die funk­tio­na­le Zustän­dig­keits­ver­tei­lung zwi­schen den Orga­nen der in Rede ste­hen­den Kom­mu­ne. Die inter­ne Wil­lens­bil­dung in den Kom­mu­nen und das Zusam­men­wir­ken zwi­schen den unter­schied­li­chen Orga­nen der Kom­mu­ne wird in allen Län­dern in den jewei­li­gen Kom­mu­nal­ord­nun­gen gere­gelt (vgl. Art. 51 Abs. 1 Bay­GO, Art. 45 Abs. 1 BayL­KrO, § 50 Abs. 1 GO-NW, § 35 KrO-NW, § 37 Abs. 6 GemOBW, § 32 Abs. 6 LKrO­BW, § 39 Abs. 1 Thür­KO, § 112 Thür­KO) und ist ein wesent­li­cher Teil des Kommunal(verfassungs)rechts. Die­ses bestimmt, wie die Wil­lens­bil­dung inner­halb einer Kom­mu­ne abzu­lau­fen hat und wie die Gewichts­ver­tei­lung zwi­schen Bür­ger­meis­ter und Gemein­de­rat bezie­hungs­wei­se Land­rat und Kreis­tag aus­zu­ge­stal­ten ist. Wäre dies anders, könn­te der Bund in allen Berei­chen, in denen er eine Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz besitzt, auch Vor­ga­ben über die Beschluss­fä­hig­keit der kom­mu­na­len Ver­tre­tungs­kör­per­schaf­ten, die Form der Beschluss­fas­sung oder den Ablauf der Sit­zun­gen tref­fen. Die den Län­dern zuste­hen­de Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für das Kom­mu­nal­recht lie­fe damit leer.

Die kon­kur­rie­ren­de Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für „die öffent­li­che Für­sor­ge“ aus Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG ver­mag die ange­grif­fe­ne Rege­lung des § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II nicht zu stüt­zen.

Zwar ist der Begriff der „öffent­li­chen Für­sor­ge“ im Sin­ne des Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht eng aus­zu­le­gen [100]. Zu die­ser Mate­rie gehö­ren nicht nur Bestim­mun­gen dar­über, was die Trä­ger der Für­sor­ge an mate­ri­el­len Für­sor­ge­leis­tun­gen zu erbrin­gen haben und auf wel­che Wei­se dies gesche­hen soll. Der Rege­lungs­be­reich des Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG umfasst auch orga­ni­sa­to­ri­sche Vor­schrif­ten über die Abgren­zung öffent­li­cher und pri­va­ter Trä­ger [101].

Bei der Bestim­mung der Reich­wei­te der aus Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG fol­gen­den Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz ist jedoch Zurück­hal­tung gebo­ten, wenn mit ihr Rege­lun­gen gerecht­fer­tigt wer­den sol­len, von denen nach dem Grund­ge­dan­ken der Art. 70 ff. GG anzu­neh­men ist, dass der Rege­lungs­ge­gen­stand im Wesent­li­chen oder weit­ge­hend in der Kom­pe­tenz der Län­der ver­blei­ben soll. Das gilt ins­be­son­de­re mit Blick auf das Kom­mu­nal­recht, das nicht nur zum „Haus­gut“ jener Zustän­dig­kei­ten zäh­len dürf­te, das die Orga­ni­sa­ti­ons­ho­heit der Län­der prägt und den Län­dern daher unent­zieh­bar ver­blei­ben muss, son­dern das der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber im Jah­re 2006 auch noch mit einem gene­rel­len Durch­griffs­ver­bot gegen Zugrif­fe des Bun­des abge­si­chert hat (Art. 84 Abs. 1 Satz 7, Art. 85 Abs. 1 Satz 2 GG). Damit hat er auch punk­tu­el­le Über­grif­fe des Bun­des, wie sie auf­grund sei­ner Zustän­dig­kei­ten zur Rege­lung des Ver­wal­tungs­voll­zugs nach der alten Rechts­la­ge mög­lich waren [102], aus­ge­schlos­sen. Im Hin­blick auf orga­ni­sa­ti­ons­recht­li­che Rege­lun­gen ist zudem zu beden­ken, dass die Ver­fas­sung zwi­schen der mate­ri­el­len Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz in Art. 70 ff. GG und der Rege­lung von Behör­den­or­ga­ni­sa­ti­on und Ver­wal­tungs­ver­fah­ren in Art. 83 ff. GG unter­schei­det und dies nicht durch eine exten­si­ve Inter­pre­ta­ti­on von dem Voll­zug die­nen­den Vor­schrif­ten wie Art. 91e GG unter­lau­fen wer­den darf.

Hier­an gemes­sen kann § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II nicht auf Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG gestützt wer­den. Das Erfor­der­nis einer Mehr­heit von zwei Drit­teln der Stim­men in der zustän­di­gen Ver­tre­tungs­kör­per­schaft der Kom­mu­ne regelt kei­ne rein orga­ni­sa­to­ri­sche Fra­ge bei der Erbrin­gung sozi­al­recht­li­cher Leis­tun­gen, son­dern die Art und Wei­se der Wil­lens­bil­dung auf kom­mu­na­ler Ebe­ne. Gegen die Annah­me, die Rege­lung kön­ne auf Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG gestützt wer­den, spricht zudem die Exis­tenz des Art. 91e GG selbst.

Das Erfor­der­nis einer Mehr­heit von zwei Drit­teln der Stim­men in der zustän­di­gen Ver­tre­tungs­kör­per­schaft der Kom­mu­ne regelt die Art und Wei­se der Wil­lens­bil­dung auf kom­mu­na­ler Ebe­ne. Mit der qua­li­fi­zier­ten Mehr­heit des § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II sta­tu­iert der Gesetz­ge­ber ver­fah­rens­recht­li­che Anfor­de­run­gen an die Wil­lens­bil­dung der Kom­mu­nen, also die Vor­aus­set­zun­gen, unter denen sie zu einer recht­lich rele­van­ten Wil­lens­bil­dung in der Lage sind. Nach der Auf­fas­sung des Gesetz­ge­bers soll mit § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II „eine sorg­fäl­ti­ge und aus­führ­li­che poli­ti­sche Mei­nungs­bil­dung“ sicher­ge­stellt wer­den, wel­che die Gewähr für „eine lang­fris­tig ange­leg­te, umfas­send aktiv unter­stütz­te und nach­hal­ti­ge Auf­ga­ben­wahr­neh­mung“ bie­tet. Dies stel­le sicher, dass für die allei­ni­ge Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben ein hoher Grad an Akzep­tanz vor­han­den und die für eine nach­hal­ti­ge Auf­ga­ben­wahr­neh­mung unab­ding­ba­re Kon­ti­nui­tät der Ver­wal­tungs­struk­tu­ren gewähr­leis­tet sei [103]. Wäre § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II gül­tig, ver­dräng­te er in sei­nem Anwen­dungs­be­reich die kom­mu­nal­recht­li­chen Rege­lun­gen über Form und Ver­fah­ren der Beschluss­fas­sung in den Gemein­de­rä­ten und Kreis­ta­gen und wür­de sie – da er den­sel­ben Gegen­stand mit unter­schied­li­chen Rechts­fol­gen regelt – nach Art. 31 GG bre­chen. Denn er weist den­sel­ben Rege­lungs­ge­gen­stand auf wie etwa Art. 51 Abs. 1 Bay­GO, Art. 45 Abs. 1 BayL­KrO, § 50 Abs. 1 GO-NW, § 35 KrO-NW, § 37 Abs. 6 GemOBW, § 32 Abs. 6 LKrO­BW, § 39 Abs. 1 Thür­KO, § 112 Thür­KO und ver­gleich­ba­re Bestim­mun­gen, an deren kom­pe­tenz­recht­li­cher Zuläs­sig­keit kei­ne Zwei­fel bestehen. Ist die Fest­le­gung der Mehr­heits­er­for­der­nis­se in den kom­mu­na­len Reprä­sen­ta­tiv­kör­per­schaf­ten aber eine Rege­lung des Kom­mu­nal­rechts, dann kann sie nach der Sys­te­ma­tik der Art. 70 und Art. 72 Abs. 1 GG nicht zugleich eine sol­che des Sozi­al­rechts sein.

Dem steht auch die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur grund­sätz­lich wei­ten Inter­pre­ta­ti­on von Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG [104] nicht ent­ge­gen. Die dort ent­schie­de­nen Fäl­le betra­fen die Rege­lung des Zusam­men­wir­kens und Neben­ein­an­ders von öffent­li­cher Hand und Pri­va­ten und damit Rech­te und Pflich­ten in einem für­sor­ge­recht­li­chen Rechts­ver­hält­nis. § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II betrifft dage­gen nicht das Rechts­ver­hält­nis, in dem das Zusam­men­wir­ken von Bund und Gemein­den oder Gemein­de­ver­bän­den bei der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de näher aus­ge­stal­tet wird und Antrags­er­for­der­nis­se, Form­vor­schrif­ten oder Mit­wir­kungs­hand­lun­gen sta­tu­iert wer­den. Er regelt viel­mehr, nach wel­chen Regeln die inter­ne Wil­lens­bil­dung bei einem der Betei­lig­ten im Vor­feld des Zusam­men­wir­kens mit Bund und Län­dern zu erfol­gen hat. Das Rechts­ver­hält­nis zwi­schen Kom­mu­ne und Bund, das inso­weit allein mög­li­cher Anknüp­fungs­punkt für eine Rege­lung auf der Grund­la­ge von Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG sein könn­te, ist somit nicht Rege­lungs­ge­gen­stand der Norm, mag die­se auch reflex­ar­ti­ge Rück­wir­kun­gen auf die Inter­es­sen des Bun­des haben, indem sie dazu bei­tra­gen kann, die Anzahl der antrag­stel­len­den Kom­mu­nen zu begren­zen und das Risi­ko zu redu­zie­ren, dass sich ein­mal zuge­las­se­ne Opti­ons­kom­mu­nen aus der Auf­ga­be der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de nach § 6a Abs. 7 SGB II wie­der zurück­zie­hen.

Gegen die Annah­me, die orga­ni­sa­to­ri­sche bezie­hungs­wei­se ver­fah­rens­recht­li­che Rege­lung des § 6a Abs. 2 Satz 3 GG kön­ne auf Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG gestützt wer­den, spricht zudem die Stel­lung des Art. 91e GG im VIIIa. Abschnitt des Grund­ge­set­zes. Die Rege­lun­gen über die gemein­sa­men Ein­rich­tun­gen und die Opti­ons­kom­mu­nen wur­den nach län­ge­rer Debat­te [105] an die­ser Stel­le ein­ge­fügt, weil es auch nach Auf­fas­sung des ver­fas­sungs­än­dern­den Gesetz­ge­bers um eine Aus­nah­me vom grund­sätz­li­chen Ver­bot der Misch­ver­wal­tung ging, also um den Voll­zug des Zwei­ten Buches des Sozi­al­ge­setz­bu­ches und damit zusam­men­hän­gen­de Fra­gen der Ein­rich­tung der Behör­den und des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens. Dies unter­streicht die Sys­te­ma­tik des Grund­ge­set­zes, nach der die Ein­rich­tung der Behör­den und das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren gera­de kei­ne Fra­ge der Sach­ge­setz­ge­bungs­kom­pe­ten­zen sind und schließt es aus, für eine den Voll­zug des mate­ri­el­len Sozi­al­rechts betref­fen­de Rege­lung auf Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG zurück­zu­grei­fen.

Eine Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des ergibt sich auch nicht aus Art. 91e Abs. 3 GG. Auf die­ser Grund­la­ge kann der Gesetz­ge­ber zwar die Vor­aus­set­zun­gen für die Zulas­sung von Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den als Opti­ons­kom­mu­nen regeln, ins­be­son­de­re deren Anzahl sowie Kri­te­ri­en für die Zulas­sung fest­le­gen. Auf die Art und Wei­se der inter­nen Wil­lens­bil­dung der Kom­mu­nen erstreckt sich sei­ne Rege­lungs­kom­pe­tenz jedoch nicht.

Nach Art. 91e Abs. 3 GG regelt das Nähe­re über das Zusam­men­wir­ken von Bund und Län­dern oder der nach Lan­des­recht zustän­di­gen Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­de bei der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de ein Bun­des­ge­setz, das der Zustim­mung des Bun­des­ra­tes bedarf. Die Vor­schrift weist dem Bund eine aus­schließ­li­che Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz zu und ent­hält zugleich einen Gesetz­ge­bungs­auf­trag, der bewusst weit gefasst wur­de und dem Gesetz­ge­ber bei der Aus­ge­stal­tung einen gro­ßen Spiel­raum las­sen soll [91]. In der Sache bezieht er sich, wie dar­ge­legt, auf die nähe­re Aus­ge­stal­tung der gemein­sa­men Ein­rich­tun­gen (Art. 91e Abs. 1 GG), die Anzahl mög­li­cher Opti­ons­kom­mu­nen, das von ihnen zu durch­lau­fen­de Ver­fah­ren und – im Fal­le der Zulas­sung – die Kos­ten­tra­gung für die Auf­ga­be der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de (Art. 91e Abs. 2 Satz 2 GG).

Auch wenn die­se Auf­zäh­lung nicht abschlie­ßend ist, kann § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II nicht auf Art. 91e Abs. 3 GG gestützt wer­den. Weder kann das Erfor­der­nis einer Zwei­drit­tel­mehr­heit in der zustän­di­gen Reprä­sen­ta­tiv­kör­per­schaft als Zulas­sungs­kri­te­ri­um ange­se­hen wer­den noch darf der Gesetz­ge­ber über den Rege­lungs­ge­halt von Art. 91e Abs. 1 und 2 GG hin­aus­ge­hen.

In der Begrün­dung zu Art. 91e GG hat der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber unter ande­rem betont, dass sich der Gesetz­ge­ber „an die zwin­gen­den Vor­ga­ben des Grund­ge­set­zes zu hal­ten“ habe [33] und damit deut­lich gemacht, dass Art. 91e GG nichts an der in Art. 70 ff. und 109 GG nie­der­ge­leg­ten Kom­pe­tenz­ver­tei­lung zwi­schen Bund und Län­dern ändern will. Art. 91e Abs. 3 GG erlaubt vor die­sem Hin­ter­grund zwar den Erlass von Vor­schrif­ten „zur Fest­le­gung der Anzahl der Opti­ons­kom­mu­nen“ und „zu den Kri­te­ri­en für die Zulas­sung von Opti­ons­kom­mu­nen“. Inso­weit sind Rege­lun­gen über das Erfor­der­nis einer Antrag­stel­lung durch die kom­mu­na­len Trä­ger und das ver­fah­rens­mä­ßi­ge Zusam­men­wir­ken der Kom­mu­nen mit ande­ren Ver­wal­tungs­trä­gern – ähn­lich wie bei dem auf Art. 84 Abs. 1 GG gestütz­ten Erfor­der­nis des Ein­ver­neh­mens nach § 36 Abs. 1 Bau­GB – Teil der auf die Voll­zie­hung der Ver­wal­tungs­auf­ga­be gerich­te­ten Rege­lung und gestal­ten die Rechts­ver­hält­nis­se zwi­schen dem Bund und der Kom­mu­ne bezie­hungs­wei­se dem Land und der Kom­mu­ne näher aus. Der Rege­lungs­ge­halt von § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II betrifft dage­gen nicht die Rechts­ver­hält­nis­se zwi­schen der antrag­stel­len­den Kom­mu­ne und dem Bund oder dem Land, son­dern die inter­ne Orga­ni­sa­ti­on der Kom­mu­nen. Mit dem Erfor­der­nis der Zwei-Drit­tel-Mehr­heit in den zustän­di­gen Ver­tre­tungs­kör­per­schaf­ten regelt er die Moda­li­tä­ten ihrer Beschluss­fas­sung und modi­fi­ziert damit nicht nur die Anfor­de­run­gen an die demo­kra­ti­sche Wil­lens­bil­dung in den Kom­mu­nen, son­dern auch die funk­tio­na­le Zustän­dig­keits­ver­tei­lung zwi­schen ihren Orga­nen. Als in der Sache kom­mu­nal­recht­li­che Vor­schrift ist § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II nicht von Art. 91e Abs. 3 GG gedeckt.

Dem Bund steht schließ­lich auch kei­ne Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz kraft Sach­zu­sam­men­hangs zu. Eine Kom­pe­tenz kraft Sach­zu­sam­men­hangs ist von vorn­her­ein nur dann anzu­er­ken­nen, wenn eine Mate­rie ver­stän­di­ger Wei­se nicht gere­gelt wer­den kann, ohne dass zugleich eine dem Bund nicht aus­drück­lich zuge­wie­se­ne ande­re Mate­rie mit­ge­re­gelt wird, wenn also das Über­grei­fen in die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz der Län­der uner­läss­li­che Vor­aus­set­zung für die Rege­lung der in Rede ste­hen­den Mate­rie ist [106]. Die umfas­sen­de Rege­lung eines den Län­dern vor­be­hal­te­nen Bereichs ist dem Bund in kei­nem Fall eröff­net [107].

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind hier nicht gege­ben. Es liegt schon fern, dass eine Fra­ge der inter­nen Wil­lens­bil­dung der kom­mu­na­len Reprä­sen­ta­tiv­kör­per­schaf­ten eine zen­tra­le Bedeu­tung für die Auf­ga­ben­er­le­di­gung durch soge­nann­te Opti­ons­kom­mu­nen haben soll­te. Mag das Antrags­er­for­der­nis sicher­stel­len, dass die Kom­mu­ne die Auf­ga­be aus eige­nem Antrieb über­nimmt, und dazu bei­tra­gen, dass sie sich an die­sem rechts­er­heb­li­chen Schritt fest­hal­ten las­sen muss, so ist die Fra­ge, auf wel­che Wei­se die dem Antrag zugrun­de lie­gen­den Beschlüs­se zustan­de kom­men, für die Auf­ga­ben­wahr­neh­mung nach­ran­gig und für die orga­ni­sa­to­ri­sche Aus­ge­stal­tung ins­ge­samt unbe­deu­tend. Schon der Blick auf die Rechts­la­ge vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Wei­ter­ent­wick­lung der Orga­ni­sa­ti­on der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de vom 03.08.2010 zeigt, dass die Rege­lung des § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II kei­nes­wegs uner­läss­lich ist, um eine Behör­den­struk­tur zu schaf­fen, die die Auf­ga­be der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de der Ziel­set­zung des Gesetz­ge­bers ent­spre­chend erfül­len kann [108]. Nach § 6a Abs. 2 Satz 1 SGB II a.F. wur­den kom­mu­na­le Trä­ger auf Antrag vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Arbeit als Trä­ger im Sin­ne des § 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 durch Rechts­ver­ord­nung zuge­las­sen, wenn sie sich zur Schaf­fung einer beson­de­ren Ein­rich­tung nach § 6a Abs. 6 SGB II a.F. und zur Mit­wir­kung an der Wir­kungs­for­schung nach § 6c SGB II, 2004 ver­pflich­tet hat­ten. Wei­ter­ge­hen­de Anfor­de­run­gen wur­den zum dama­li­gen Zeit­punkt als nicht erfor­der­lich ange­se­hen. Voll­zugs­pro­ble­me haben sich dar­aus nicht erge­ben. Wie die münd­li­che Ver­hand­lung gezeigt hat, ist es auch nicht zu einem nen­nens­wer­ten Rück­zug von Opti­ons­kom­mu­nen gekom­men.

§ 6a Abs. 2 Satz 3 1.Halbsatz SGB II ver­letzt danach Art. 28 Abs. 2 Sät­ze 1 und 2 GG in Ver­bin­dung mit Art. 70 GG. Im Hin­blick auf einen geord­ne­ten Geset­zes­voll­zug im Bereich der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de ist § 6a Abs. 2 Satz 3 1. Halb­satz SGB II für unver­ein­bar mit dem Grund­ge­setz zu erklä­ren. Die Vor­schrift gilt für bestehen­de Zulas­sun­gen fort [109]. Sie darf in neu­en Zulas­sungs­ver­fah­ren nach § 6a SGB II nicht mehr ange­wandt wer­den. Die bis­her ergan­ge­nen Zulas­sungs­ent­schei­dun­gen blei­ben unbe­rührt. Das gilt ins­be­son­de­re für die Zwei­te Ver­ord­nung zur Ände­rung der Kom­mu­nal­trä­ger-Zulas­sungs­ver­ord­nung vom 14.04.2011 [15].

Ver­stößt eine Norm gegen das Grund­ge­setz, führt dies in der Regel zur Nich­tig­keit der ange­grif­fe­nen Vor­schrift. Die blo­ße Unver­ein­bar­keits­er­klä­rung, ver­bun­den mit der Anord­nung einer teil­wei­sen Fort­gel­tung der ver­fas­sungs­wid­ri­gen Rege­lung kommt statt der gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Nich­tig­keit als Rechts­fol­ge dann in Betracht, wenn es aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den unab­ding­bar ist, eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Vor­schrift für eine Über­gangs­zeit fort­be­stehen zu las­sen, damit in die­ser Zeit nicht ein Zustand besteht, der von der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung noch wei­ter ent­fernt ist als der bis­he­ri­ge [110]. Neben den Grund­rech­ten [111] wer­den vor allem das Rechts- und das Sozi­al­staats­prin­zip [112] als ver­fas­sungs­recht­li­che Grün­de aner­kannt, wel­che die befris­te­te Wei­ter­gel­tung einer nicht ver­fas­sungs­kon­for­men Rege­lung recht­fer­ti­gen kön­nen. Das kommt ins­be­son­de­re dann in Betracht, wenn mit der Nich­tig­erklä­rung der ange­grif­fe­nen Rege­lung ein recht­li­ches Vaku­um auf­trä­te und sowohl bei den Behör­den als auch bei den Rechts­un­ter­wor­fe­nen Unsi­cher­heit über die Rechts­la­ge ent­stün­de [113]. Die Fest­stel­lung der Unver­ein­bar­keit einer Rechts­la­ge mit dem Grund­ge­setz darf auch nicht dazu füh­ren, dass der Ver­wal­tung zeit­wei­lig die Erfül­lung ver­fas­sungs­recht­li­cher Pflicht­auf­ga­ben man­gels hin­rei­chen­der gesetz­li­cher Grund­la­ge unmög­lich gemacht wird [114].

Danach ist § 6a Abs. 2 Satz 3 1. Halb­satz SGB II ledig­lich für mit der Ver­fas­sung unver­ein­bar zu erklä­ren, um zu ver­hin­dern, dass durch die Nich­tig­erklä­rung der ange­grif­fe­nen Rege­lung bei den betrof­fe­nen Behör­den und Rechts­un­ter­wor­fe­nen Unsi­cher­heit über die Rechts­la­ge ent­steht, und um eine wir­kungs­vol­le, durch das Sozi­al­staats­prin­zip gebo­te­ne Auf­ga­ben­wahr­neh­mung zu ermög­li­chen. Die durch die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de gewähr­ten Leis­tun­gen decken wei­te Berei­che der Sozi­al­leis­tun­gen des Staa­tes ab. Bei einer Nich­tig­erklä­rung könn­ten die Auf­ga­ben ab sofort nicht mehr ein­heit­lich durch alle zuge­las­se­nen Opti­ons­kom­mu­nen wahr­ge­nom­men wer­den. Hier­von wären eine hohe Zahl von Leis­tungs­emp­fän­gern und die Mit­ar­bei­ter der Kom­mu­nen betrof­fen. Ohne die Auf­recht­erhal­tung der Rege­lung für die Ver­gan­gen­heit ist es nicht mög­lich, eine geord­ne­te Sozi­al­ver­wal­tung sicher­zu­stel­len [115].

Als Fol­ge der Über­gangs­re­ge­lung kann auch der Beschwer­de­füh­rer zu 1. der­zeit nicht als Opti­ons­kom­mu­ne zuge­las­sen wer­den. Er wird einen neu­en Antrag stel­len müs­sen [116].

§ 6a Abs. 2 Satz 4 SGBII – die 25%-Grenze und die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung[↑]

Im Übri­gen sind die Ver­fas­sungs­be­schwer­den unbe­grün­det. Gegen die Vor­schrift des § 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II bestehen kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken. Die Rege­lung ist for­mell ver­fas­sungs­ge­mäß. Mit § 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II füllt der Bun­des­ge­setz­ge­ber in nicht zu bean­stan­den­der Wei­se den ihm ein­ge­räum­ten Gestal­tungs­auf­trag aus. Die Fest­le­gung der Anzahl mög­li­cher kom­mu­na­ler Trä­ger auf 25 Pro­zent der zum 31.12 2010 bestehen­den Auf­ga­ben­trä­ger ver­stößt auch nicht gegen Art. 28 Abs. 2 GG. Der Gesetz­ge­ber hat das Ver­tei­lungs­ver­fah­ren schließ­lich hin­rei­chend bestimmt aus­ge­stal­tet; die Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung des § 6a Abs. 3 SGB II ist inso­weit nicht zu bean­stan­den.

Die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des für § 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II ergibt sich aus Art. 91e Abs. 3 GG. Danach regelt das Nähe­re im Hin­blick auf Orga­ni­sa­ti­on und Ver­fah­ren bei der Erle­di­gung der Ver­wal­tungs­auf­ga­be „Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de“ ein Bun­des­ge­setz, das der Zustim­mung des Bun­des­ra­tes bedarf. Zum „Nähe­ren“ gehört neben Rege­lun­gen über die Aus­ge­stal­tung des Zulas­sungs- und Ver­tei­lungs­ver­fah­rens sowie die Orga­ni­sa­ti­on der Auf­ga­ben­er­fül­lung auch die Fest­le­gung der Anzahl zuzu­las­sen­der Opti­ons­kom­mu­nen. In der Begrün­dung zu Art. 91e GG ist im Hin­blick auf Absatz 2 inso­weit aus­drück­lich davon die Rede, dass das Bun­des­ge­setz Rege­lun­gen über die Fest­le­gung der Anzahl der Opti­ons­kom­mu­nen tref­fen wer­de [53]. Mit § 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II hat der Gesetz­ge­ber die Anzahl mög­li­cher Opti­ons­kom­mu­nen auf 25 Pro­zent fest­ge­legt und inso­weit das Nähe­re zu Art. 91e Abs. 2 GG gere­gelt. Dazu ist er durch Art. 91e Abs. 3 GG ermäch­tigt.

Art. 91e Abs. 3 GG eröff­net dem Gesetz­ge­ber einen wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum für die Aus­ge­stal­tung des Ver­wal­tungs­voll­zugs in allei­ni­ger Trä­ger­schaft der Kom­mu­nen. Des­sen Gren­zen über­schrei­tet § 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II nicht.

Indem Art. 91e Abs. 3 GG den Bun­des­ge­setz­ge­ber ermäch­tigt, „das Nähe­re“ zu regeln, räumt er ihm grund­sätz­lich einen nicht uner­heb­li­chen Spiel­raum bei der Aus­ge­stal­tung des Voll­zugs der Ver­wal­tungs­auf­ga­be „Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de“ in allei­ni­ger Ver­ant­wor­tung der Kom­mu­nen ein [117]. Inhalt­lich geben Art. 91e Abs. 1 und Abs. 2 GG aller­dings ein Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis vor: Die Auf­ga­ben­wahr­neh­mung in gemein­sa­men Ein­rich­tun­gen soll danach die Regel sein, die allei­ni­ge Auf­ga­ben­wahr­neh­mung durch Opti­ons­kom­mu­nen die Aus­nah­me. Dies bele­gen sowohl der Wort­laut des Art. 91e GG als auch sei­ne sys­te­ma­ti­sche Stel­lung und sei­ne Ent­ste­hungs­ge­schich­te.

Bereits dem Wort­laut des Art. 91e GG lässt sich ent­neh­men, dass das Grund­ge­setz die Wahr­neh­mung der Ver­wal­tungs­auf­ga­be „Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de“ in gemein­sa­men Ein­rich­tun­gen als Regel­fall vor­sieht. In die­sem Sin­ne ist in Art. 91e Abs. 2 GG davon die Rede, dass der Bund zulas­sen „kön­ne“, dass eine „begrenz­te Anzahl von Gemein­den und Gemein­de­ver­bän­den“ auf ihren Antrag und mit Zustim­mung der obers­ten Lan­des­be­hör­de die Auf­ga­ben nach Absatz 1 allein wahr­nimmt. Nicht nur die For­mu­lie­rung „eine begrenz­te Anzahl“ weist dabei auf ein „Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis“ [17] hin; auch die aus­drück­li­che Eröff­nung eines gesetz­ge­be­ri­schen Gestal­tungs­spiel­raums („kann zulas­sen“) unter­streicht dies.

Art. 91e GG stellt eine allein auf den Voll­zug der Ver­wal­tungs­auf­ga­be Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de zuge­schnit­te­ne abschlie­ßen­de Spe­zi­al­re­ge­lung dar. Er wur­de bewusst in den Abschnitt VIIIa. „Gemein­schafts­auf­ga­ben, Ver­wal­tungs­zu­sam­men­ar­beit“ auf­ge­nom­men und ord­net aus­weis­lich des Art. 91e Abs. 1 GG grund­sätz­lich eine Misch­ver­wal­tung als Regel­fall an. Soweit Art. 91e Abs. 2 GG in die­sem Zusam­men­hang aus­nahms­wei­se auch einen Voll­zug durch Opti­ons­kom­mu­nen vor­sieht, stellt er die Grund­ent­schei­dung des Art. 91e Abs. 1 GG für den Voll­zugs­typ der Misch­ver­wal­tung nicht in Fra­ge. Art. 91e Abs. 2 GG ist inso­weit – anders als in der Lite­ra­tur zum Teil ange­nom­men wird [118] – kei­ne Norm, die einen Rück­griff auf die all­ge­mei­nen Rege­lun­gen über die Lan­des­exe­ku­ti­on gemäß Art. 83 f. GG wie­der eröff­ne­te [17], son­dern eine spe­zi­fi­sche Aus­nah­me­vor­schrift von einer ihrer­seits abschlie­ßen­den Spe­zi­al­re­ge­lung.

Aus dem Wort­laut des Art. 91e Abs. 2 GG lässt sich eine kon­kre­te Anzahl mög­li­cher Opti­ons­kom­mu­nen nicht ablei­ten. Die mit § 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II vor­ge­nom­me­ne Kon­kre­ti­sie­rung des von Art. 91e Abs. 1 und Abs. 2 GG vor­ge­ge­be­nen Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis­ses hält sich im Rah­men der ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben.

Der Gesetz­ge­ber ist im Rah­men der Vor­ga­ben des Art. 91e Abs. 3 GG grund­sätz­lich frei, die Anzahl der mög­li­chen Opti­ons­kom­mu­nen auf­grund poli­ti­scher Dezisi­on fest­zu­set­zen. Soweit im Schrift­tum die Auf­fas­sung ver­tre­ten wird, die Fest­le­gung auf 25 Pro­zent sei will­kür­lich und daher ver­fas­sungs­wid­rig [119], ver­mag dies nicht zu über­zeu­gen. Zwar hat die Begren­zung auf 25 Pro­zent in der Tat ledig­lich in den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en Nie­der­schlag gefun­den [120], nicht jedoch im Wort­laut des Art. 91e Abs. 2 GG. Auch las­sen sich der Norm über das Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis hin­aus kei­ne wei­te­ren Kri­te­ri­en für des­sen Kon­kre­ti­sie­rung ent­neh­men. Das macht die Bestim­mung des Art. 91e Abs. 2 GG jedoch nicht ver­fas­sungs­wid­rig, son­dern hat ledig­lich zur Fol­ge, dass der Gesetz­ge­ber im Rah­men der Ver­fas­sung und unter Beach­tung des Mehr­heits­prin­zips (Art. 42 Abs. 2 GG) nach sei­nen poli­ti­schen Prä­fe­ren­zen über die Kon­kre­ti­sie­rung des Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis­ses ent­schei­den kann. Er ist dabei recht­lich auch nicht an im Rah­men des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens getrof­fe­ne poli­ti­sche Abspra­chen gebun­den. Den auf die Ein­füh­rung eines 25-Pro­zent-Quo­rums zie­len­den Absichts­er­klä­run­gen in den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en [14] kommt, für sich genom­men, inso­weit kein ver­fas­sungs­recht­li­cher Gehalt zu.

Mit dem Tat­be­stands­merk­mal der „begrenz­ten Anzahl“ gibt Art. 91e Abs. 2 GG einen deut­li­chen Anhalts­punkt dafür vor, dass der Gesetz­ge­ber das Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis weit­ge­hend frei kon­kre­ti­sie­ren darf [121]. Da sich das Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis bereits aus dem Neben­ein­an­der von Art. 91e Abs. 1 und 2 GG ergibt, wäre die Auf­nah­me die­ses unbe­stimm­ten Ver­fas­sungs­be­griffs nicht erfor­der­lich gewe­sen. Spe­zi­fi­schen Bedeu­tungs­ge­halt erfährt er daher nur, wenn er als die Bekräf­ti­gung der Befug­nis des Gesetz­ge­bers ver­stan­den wird, die Anzahl der zuzu­las­sen­den Opti­ons­kom­mu­nen weit­ge­hend nach poli­ti­schen Prä­fe­ren­zen zu bestim­men.

Mit der Fest­le­gung auf 25 Pro­zent hat der Gesetz­ge­ber die bereits im Ver­fah­ren zur Ein­füh­rung von Art. 91e GG avi­sier­te Ziel­grö­ße über­nom­men und den poli­ti­schen Erwar­tun­gen der Betei­lig­ten Rech­nung getra­gen. Dies ist nicht des­halb will­kür­lich, weil sich aus der Geset­zes­be­grün­dung kein wei­te­res über­zeu­gen­des Rege­lungs­mo­tiv für die Gewich­tung ergibt [122].

Es ist nicht ersicht­lich, dass § 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II den von Art. 91e Abs. 2 GG gezo­ge­nen Kon­kre­ti­sie­rungs­spiel­raum über­schrei­tet [123]. Dem Gesetz­ge­ber hät­te es zwar frei gestan­den, über das 25-Pro­zent-Quo­rum hin­aus zu gehen [124]. Ver­fas­sungs­recht­lich ver­pflich­tet war er dazu jedoch nicht.

§ 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II bedarf auch kei­ner ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung im Lich­te von Art. 28 Abs. 2 Sät­ze 1 und 2 GG. Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG gewähr­leis­tet den Gemein­den. Art. 28 Abs. 2 Satz 2 den Gemein­de­ver­bän­den eine unter­schied­lich weit rei­chen­de und wehr­fä­hi­ge Auf­ga­ben­aus­stat­tung. Die­se wird durch die Kon­tin­gen­tie­rung der mög­li­chen Opti­ons­kom­mu­nen nicht berührt.

Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG garan­tiert den Gemein­den einen grund­sätz­lich alle Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft umfas­sen­den Auf­ga­ben­be­reich [125]. Dazu gehö­ren die­je­ni­gen Bedürf­nis­se und Inter­es­sen, die in der ört­li­chen Gemein­schaft wur­zeln oder auf sie einen spe­zi­fi­schen Bezug haben [126], die also den Gemein­de­ein­woh­nern als sol­chen gemein­sam sind, indem sie das Zusam­men­le­ben und ‑woh­nen der Men­schen in der Gemein­de betref­fen [127]. Ver­än­dert der Gesetz­ge­ber den Auf­ga­ben­be­stand der Gemein­den, so hat er den Vor­rang zu berück­sich­ti­gen, den Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG der Gemein­de­ebe­ne in den Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft ein­räumt. Dage­gen ist er in sei­ner Zuord­nung weit­ge­hend frei, wenn eine Auf­ga­be kei­nen oder kei­nen rele­van­ten ört­li­chen Cha­rak­ter besitzt; sie fällt dann von vorn­her­ein nicht in den Gewähr­leis­tungs­be­reich des Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG [128].

Den Gemein­de­ver­bän­den ist das Recht der Selbst­ver­wal­tung nach Art. 28 Abs. 2 Satz 2 GG dage­gen im Hin­blick auf ihren Auf­ga­ben­be­stand nur ein­ge­schränkt gewähr­leis­tet. Anders als bei den Gemein­den beschreibt die Ver­fas­sung die Auf­ga­ben der Krei­se nicht selbst, son­dern über­ant­wor­tet ihre Fest­le­gung dem Gesetz­ge­ber [129]. Des­sen Gestal­tungs­spiel­raum stößt, wie dar­ge­legt, bei der Aus­ge­stal­tung des Auf­ga­ben­be­reichs der Krei­se erst dort an Gren­zen, wo die ver­fas­sungs­recht­li­che Gewähr­leis­tung des Selbst­ver­wal­tungs­rechts der Krei­se ent­wer­tet wür­de. Der Gesetz­ge­ber darf Art. 28 Abs. 2 Satz 2 GG des­halb nicht dadurch unter­lau­fen, dass er den Krei­sen kei­ne Auf­ga­ben zuweist, die in der von der Ver­fas­sung selbst gewähr­ten Eigen­ver­ant­wort­lich­keit wahr­ge­nom­men wer­den könn­ten. Er muss viel­mehr einen Min­dest­be­stand an Auf­ga­ben vor­se­hen, die die Krei­se unter Inan­spruch­nah­me der auch ihnen gewähr­ten Eigen­ver­ant­wort­lich­keit erle­di­gen kön­nen [130]. Ist dies der Fall, so liegt es im (poli­ti­schen) Ermes­sen des Gesetz­ge­bers, ob und inwie­weit er über den ver­fas­sungs­recht­lich gefor­der­ten Min­dest­be­stand an Auf­ga­ben hin­aus­geht.

Soweit die Kom­mu­ne nicht als Opti­ons­kom­mu­ne aner­kannt wor­den ist, berührt sie dies nicht in ihrer durch Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG geschütz­ten Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie. Die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de ist kei­ne Auf­ga­be der ört­li­chen Gemein­schaft. Ihre unter­las­se­ne Über­tra­gung berührt Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG von vorn­her­ein nicht. Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft sind nur die­je­ni­gen Bedürf­nis­se und Inter­es­sen, die in der ört­li­chen Gemein­schaft wur­zeln, also den Gemein­de­ein­woh­nern gera­de als sol­chen gemein­sam sind, indem sie das Zusam­men­le­ben und ‑woh­nen der Men­schen vor Ort betref­fen [127]. Für­sor­ge- und sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Auf­ga­ben der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de las­sen sich dar­un­ter nicht fas­sen. Die den Opti­ons­kom­mu­nen zusätz­lich zu über­tra­gen­den Auf­ga­ben nach § 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SGB II betref­fen die Ein­glie­de­rung in Arbeit, die nor­ma­ler­wei­se Gegen­stand der Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung ist und von der Bun­des­agen­tur für Arbeit über­re­gio­nal und im Bun­des­ge­biet ein­heit­lich wahr­ge­nom­men wird. Etwas ande­res folgt auch nicht dar­aus, dass Ansprü­che auf Sozi­al­hil­fe durch die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de abge­löst wor­den sind, Sozi­al­hil­fe jedoch von den kreis­frei­en Städ­ten und Land­krei­sen nach Maß­ga­be der lan­des­recht­li­chen Vor­schrif­ten in eige­ner Ver­ant­wor­tung geleis­tet wird (vgl. § 1 Abs. 1 Hes­si­sches Aus­füh­rungs­ge­setz zum Zwölf­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch; § 1 Satz 1 Nie­der­säch­si­sches Gesetz zur Aus­füh­rung des Zwölf­ten Buchs des Sozi­al­ge­setz­buchs; § 1 Aus­füh­rungs­ge­setz zum Sozi­al­ge­setz­buch Zwölf­tes Buch (SGB XII) – Sozi­al­hil­fe – für das Land Nord­rhein-West­fa­len; § 1 Thü­rin­ger Gesetz zur Aus­füh­rung des Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch). Dass die­se Gebiets­kör­per­schaf­ten seit Jahr­zehn­ten ört­li­che Trä­ger der Sozi­al­hil­fe sind, macht die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de nicht zu einer Ange­le­gen­heit der ört­li­chen Gemein­schaft [61]. Der Schutz­be­reich des Art 28 Abs. 2 Satz 1 GG ist inso­weit nicht eröff­net [131].

Vor die­sem Hin­ter­grund ist auch die Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie der Beschwer­de­füh­rer zu 3. bis 15. aus Art. 28 Abs. 2 Satz 2 GG nicht ver­letzt. Da das Recht der Selbst­ver­wal­tung den Gemein­de­ver­bän­den von vorn­her­ein nur nach Maß­ga­be der Geset­ze ein­ge­räumt ist, obliegt es grund­sätz­lich auch dem Gesetz­ge­ber, die Auf­ga­ben der Gemein­de­ver­bän­de fest­zu­le­gen. Der ihm dabei zukom­men­de Spiel­raum stößt erst dort an Gren­zen, wo durch die Zuwei­sung neu­er Auf­ga­ben, deren Ent­zug oder Nicht­zu­wei­sung die ver­fas­sungs­recht­li­che Gewähr­leis­tung der Selbst­ver­wal­tung ent­leert wür­de [132]. Die Beschwer­de­füh­rer zu 3. bis 15. waren bis­lang nicht als kom­mu­na­le Trä­ger zuge­las­sen und haben ihre Zulas­sung als Opti­ons­kom­mu­ne erst­mals bean­tragt. Ihre Nicht­zu­las­sung stellt sich somit weder als Auf­ga­ben­ent­zug noch als eine Ände­rung ihres bis­he­ri­gen Auf­ga­ben­be­stan­des dar, die an Art. 28 Abs. 2 Satz 2 GG zu mes­sen wäre. Die Beschwer­de­füh­rer begeh­ren viel­mehr die Zuwei­sung einer neu­en Auf­ga­be. Dies könn­ten sie unter Beru­fung auf die Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie nur ver­lan­gen, wenn ohne eine Zustän­dig­keit für die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de die ihnen zukom­men­de Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie in ihrem Kern ent­wer­tet wäre. Das ist offen­sicht­lich nicht der Fall.

Eröff­net der Gesetz­ge­ber den Kom­mu­nen die Chan­ce auf eine bestimm­te Auf­ga­ben­zu­stän­dig­keit, so muss er aller­dings ein Ver­fah­ren vor­se­hen, das eine trans­pa­ren­te und nach­voll­zieh­ba­re Ver­tei­lungs- und Zulas­sungs­ent­schei­dung sicher­stellt. Der Gesetz­ge­ber muss­te die­ses Ver­tei­lungs­ver­fah­ren nicht im Ein­zel­nen aus­ge­stal­ten, son­dern konn­te dies auch dem Ver­ord­nungs­ge­ber über­las­sen. § 6a Abs. 3 SGB II ist inso­weit eine aus­rei­chen­de Rechts­grund­la­ge. Ob die Ver­ord­nung über das Ver­fah­ren zur Fest­stel­lung der Eig­nung als zuge­las­se­ner kom­mu­na­ler Trä­ger der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de (KtEfV) die­sen Anfor­de­run­gen genügt, bedarf im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren kei­ner Ent­schei­dung.

Ange­sichts der ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den­den Kon­tin­gen­tie­rung der Anzahl der Opti­ons­kom­mu­nen durch § 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II muss der Gesetz­ge­ber sicher­stel­len, dass die Ver­tei­lung der Zulas­sun­gen will­kürfrei, trans­pa­rent und nach­voll­zieh­bar bewäl­tigt wird und dem Gebot inter­kom­mu­na­ler Gleich­be­hand­lung ent­spricht [133]. Die­ser aus der Grund­rechts­dog­ma­tik ent­lehn­te Gedan­ke eines Rechts­gü­ter­schut­zes durch Ver­fah­ren gilt mit Blick auf Art. 28 Abs. 2 GG auch im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang.

Der Gesetz­ge­ber muss das Ver­tei­lungs­ver­fah­ren aller­dings nicht im Ein­zel­nen selbst aus­ge­stal­ten, son­dern kann dies auch dem Ver­ord­nungs­ge­ber über­las­sen. Aller­dings muss er die wesent­li­chen Grund­zü­ge des Ver­fah­rens im Sin­ne von Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG selbst regeln.

Anders als in der Vor­gän­ger­re­ge­lung des § 6a Abs. 3 bis 6 SGB II in der Fas­sung des Kom­mu­na­len Opti­ons­ge­set­zes vom 30.07.2004 hat sich der Gesetz­ge­ber für die (wei­te­re) Zulas­sung von Opti­ons­kom­mu­nen auf die Nor­mie­rung einer Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung in § 6a Abs. 3 SGB II beschränkt, die ein will­kürfrei­es, trans­pa­ren­tes und nach­voll­zie­ba­res Ver­tei­lungs­ver­fah­ren jeden­falls in den Grund­zü­gen vor­struk­tu­riert und die Rege­lung der Ein­zel­hei­ten dem Ver­ord­nungs­ge­ber über­lässt [134]. Hier­ge­gen ist ver­fas­sungs­recht­lich nichts zu erin­nern.

§ 6a Abs. 3 SGB II ermäch­tigt das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les, die Vor­aus­set­zun­gen der Eig­nung nach § 6a Abs. 2 Nr. 1 SGB II und deren Fest­stel­lung sowie die Ver­tei­lung der Zulas­sun­gen nach § 6a Abs. 2 und Abs. 4 SGB II auf die Län­der durch Rechts­ver­ord­nung mit Zustim­mung des Bun­des­ra­tes zu regeln. Damit hat der Gesetz­ge­ber fest­ge­legt, dass der Zulas­sung von Opti­ons­kom­mu­nen eine Eig­nungs­prü­fung und ‑fest­stel­lung sowie ein Ver­tei­lungs­ver­fah­ren vor­an­zu­ge­hen haben, das an der best­mög­li­chen Erfül­lung der Ver­wal­tungs­auf­ga­be aus­zu­rich­ten ist. Das genügt den Anfor­de­run­gen des Art. 80 Abs. 1 Satz 2 GG, der nicht ver­langt, dass eine Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung so bestimmt wie irgend mög­lich ist, son­dern eine hin­rei­chen­de Bestimmt­heit aus­rei­chen lässt [135]. Vor die­sem Hin­ter­grund reicht es, wenn sich – wie hier – das Aus­maß der Ermäch­ti­gung mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit aus dem begrenz­ten Zweck der Ermäch­ti­gung ergibt [136].

Ob das Ver­tei­lungs­ver­fah­ren, das die Ver­ord­nung über das Ver­fah­ren zur Fest­stel­lung der Eig­nung als zuge­las­se­ner kom­mu­na­ler Trä­ger der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de näher aus­ge­stal­tet, selbst den Anfor­de­run­gen an ein will­kürfrei­es, trans­pa­ren­tes und nach­voll­zieh­ba­res Zulas­sungs­ver­fah­ren genügt [137], und ob es ins­be­son­de­re nicht bun­des­recht­li­cher Rege­lun­gen über die Ver­tei­lung der mög­li­chen Opti­ons­kom­mu­nen auf die Län­der­kon­tin­gen­te bedarf, um ein will­kürfrei­es, trans­pa­ren­tes und dem inter­kom­mu­na­len Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ent­spre­chen­des Ver­tei­lungs­ver­fah­ren sicher­zu­stel­len, bedarf hier kei­ner Ent­schei­dung. Denn die inso­weit mög­li­cher­wei­se unzu­rei­chen­de Ver­ord­nung ist nicht Gegen­stand des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens.

§ 6a Abs. 4 SGBII – und die unmit­tel­ba­re Finanz­be­zie­hung von Bund und Kom­mu­ne[↑]

Schließ­lich begeg­net auch die Vor­schrift des § 6b Abs. 4 SGB II kei­nen durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken. Die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz hier­für folgt eben­falls aus Art. 91e Abs. 3 GG. Mit der Schaf­fung einer unmit­tel­ba­ren Finanz­be­zie­hung zwi­schen dem Bund und der kom­mu­na­len Ebe­ne geht für die­sen Bereich eine Befug­nis des Bun­des ein­her, die ord­nungs­ge­mä­ße Ver­wen­dung der ein­ge­setz­ten Mit­tel zu kon­trol­lie­ren.

Die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des für § 6b Abs. 4 SGB II folgt aus Art. 91e Abs. 2 Satz 2 in Ver­bin­dung mit Abs. 3 GG. In der Geset­zes­be­grün­dung zu Art. 91e Abs. 3 GG heißt es, dass in Bezug auf Art. 91e Abs. 2 das Bun­des­ge­setz unter ande­rem Rege­lun­gen zu Kos­ten­tra­gung, Auf­sicht, Finanz­kon­trol­le und Rech­nungs­prü­fung tref­fen wer­de [53]. Nach dem Wil­len des ver­fas­sungs­än­dern­den Gesetz­ge­bers soll­te der Bund folg­lich zu einer der­ar­ti­gen Rege­lung befugt sein.

Die Befug­nis des Bun­des zu einer finan­zi­el­len Kon­trol­le der Opti­ons­kom­mu­nen folgt zwar nicht schon aus der Finan­zie­rungs­ver­ant­wor­tung des Bun­des. Mit der Schaf­fung einer unmit­tel­ba­ren Finanz­be­zie­hung zwi­schen dem Bund und der kom­mu­na­len Ebe­ne sind ihm jedoch zugleich Befug­nis­se ein­ge­räumt wor­den, die eine wirk­sa­me Finanz­kon­trol­le ermög­li­chen. Dies ver­letzt nicht die Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung.

Dass den Bund eine Finan­zie­rungs­ver­ant­wor­tung für Auf­ga­ben trifft, wel­che die zuge­las­se­nen kom­mu­na­len Trä­ger wahr­neh­men, zwingt, für sich genom­men, nicht dazu, ihm auch Finanz­kon­troll­be­fug­nis­se ein­zu­räu­men. Zwar wird im Schrift­tum mit Blick auf den Bun­des­rech­nungs­hof die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass Kon­troll­kom­pe­ten­zen nicht an die Ver­wal­tungs, son­dern an die Finan­zie­rungs­ver­ant­wor­tung anknüp­fen [138]. Mit Blick auf den Bun­des­rech­nungs­hof hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt es jedoch stets abge­lehnt, von der Finan­zie­rungs­ver­ant­wor­tung auf eine Kon­troll­zu­stän­dig­keit zu schlie­ßen. Für die Reich­wei­te sei­ner Befug­nis­se gebe die Annah­me einer Finanz­ge­walt nichts her. Aus ihr erge­be sich ins­be­son­de­re nicht, dass der Bund Erhe­bungs­be­fug­nis­se im Hin­blick auf die Gesamt­heit der föde­ra­len Finanz­strö­me haben müs­se. Die Kom­pe­tenz des Bun­des, durch sei­nen Rech­nungs­hof Erhe­bun­gen im Län­der­be­reich durch­zu­füh­ren, fol­ge im Hin­blick auf Finanz­hil­fen nach Art. 104b GG den Ver­wal­tungs­kom­pe­ten­zen des Bun­des [139]. Dar­an ist auch im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang fest­zu­hal­ten.

Mit der Ein­fü­gung von Art. 91e Abs. 2 Satz 2 GG in das Grund­ge­setz hat der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber eine unmit­tel­ba­re Finanz­be­zie­hung zwi­schen dem Bund und der kom­mu­na­len Ebe­ne eta­bliert und damit eine Son­der­re­ge­lung geschaf­fen, die dem Bund spe­zi­fi­sche Ver­wal­tungs­kom­pe­ten­zen zuweist und den all­ge­mei­nen Rege­lun­gen über das Finanz­we­sen vor­geht. Sie ermäch­tigt den Bund auch zu einer effek­ti­ven Finanz­kon­trol­le über die Opti­ons­kom­mu­nen. Die Finanz­kon­trol­le des Bun­des ist strikt auf die Ver­wal­tung der von ihm zur Ver­fü­gung gestell­ten Mit­tel für die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de beschränkt. Sei­ne Kon­troll­be­fug­nis­se unter­schei­den sich inso­weit von jenen des Bun­des­rech­nungs­ho­fes und haben weder recht­lich noch fak­tisch auf­sichts­glei­che Wir­kung.

Der Gesetz­ge­ber hat die Unter­schei­dung zwi­schen den unter­schied­li­chen Kon­troll­for­men auf­ge­nom­men und die Befug­nis­se des Bun­des zur Finanz­kon­trol­le in § 6b Abs. 4 SGB II, jene des Bun­des­rech­nungs­ho­fes in § 6b Abs. 3 SGB II und die Auf­sichts­be­fug­nis­se des Bun­des und der Län­der in §§ 47, 48 SGB II gere­gelt.

Die Befug­nis­se des Bun­des im Rah­men der Finanz­kon­trol­le unter­schei­den sich von denen des Bun­des­rech­nungs­ho­fes und beschrän­ken sich auf die Gewähr­leis­tung der fis­ka­li­schen Inter­es­sen des Bun­des. Das kommt schon dar­in zum Aus­druck, dass die Befug­nis­se des Bun­des­rech­nungs­ho­fes in § 6b Abs. 3 SGB II, die des Bun­des aber in § 6b Abs. 4 SGB II nor­miert sind, ergibt sich aber auch aus dem unter­schied­li­chen Inhalt der Befug­nis­se bei­der Behör­den.

Die Finanz­kon­trol­le nach § 6b Abs. 4 SGB II bezieht sich aus­schließ­lich auf die fis­ka­li­schen Inter­es­sen des Bun­des. Sie ist in ihrem Anwen­dungs­be­reich und ihrer Ziel­set­zung enger als jene des Bun­des­rech­nungs­ho­fes, reicht hin­sicht­lich ihrer Befug­nis­se jedoch wei­ter. Ins­be­son­de­re gestat­tet sie es ihm, öffent­lich-recht­li­che Erstat­tungs­an­sprü­che gel­tend zu machen und im Wege der Ver­rech­nung durch­zu­set­zen. In der Begrün­dung zu § 6b Abs. 4 und Abs. 5 SGB II heißt es inso­weit, dass sich der Erstat­tungs­an­spruch in der Finanz­be­zie­hung zwi­schen Bund und zuge­las­se­nem kom­mu­na­len Trä­ger zuguns­ten der Wie­der­her­stel­lung der recht­mä­ßi­gen Ord­nung der Haus­hal­te aus­wir­ke. Somit wer­de im Zusam­men­wir­ken mit dem Prü­f­recht des Bun­des nach § 6b Abs. 4 SGB II eine effek­ti­ve Finanz­kon­trol­le ermög­licht, wel­che die Finanz­in­ter­es­sen des Bun­des absi­che­re. Dazu wür­den in Satz 1 die gesetz­li­chen Prüf­be­fug­nis­se des Bun­des klar­ge­stellt, die jeder­zeit gewähr­leis­te­ten, dass eine Kos­ten­er­stat­tung nur erfol­ge, soweit die Auf­wen­dun­gen des zuge­las­se­nen kom­mu­na­len Trä­gers auf einem gesetz­mä­ßi­gen Mit­tel­ein­satz beruh­ten [140].

Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les ist im Rah­men der Finanz­kon­trol­le somit befugt, die Wirt­schaft­lich­keit und Ord­nungs­ge­mäß­heit der von den zuge­las­se­nen kom­mu­na­len Trä­gern ver­aus­gab­ten Bun­des­mit­tel anhand der vor­ge­leg­ten Jah­res­ab­schluss­rech­nung zu prü­fen und dabei auch die Gesetz­mä­ßig­keit der Aus­ga­ben zu kon­trol­lie­ren. Es darf zu die­sem Zweck Infor­ma­tio­nen vor Ort erhe­ben und auch ohne kon­kre­ten Anlass bei den zuge­las­se­nen kom­mu­na­len Trä­gern Prü­fun­gen durch­füh­ren.

Die dem Bund durch § 6b Abs. 4 SGB II eröff­ne­te Finanz­kon­trol­le über die Opti­ons­kom­mu­nen unter­schei­det sich schließ­lich auch von der Rechts- und Fach­auf­sicht. Die Vor­schrift sta­tu­iert kei­ne Auf­sichts­be­fug­nis­se des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Arbeit und Sozia­les. Sie dient nicht der Rück­kopp­lung des Geset­zes­voll­zugs an die Absich­ten des Gesetz­ge­bers und ins­be­son­de­re nicht der Gewähr­leis­tung eines grund­sätz­lich ein­heit­li­chen Geset­zes­voll­zugs, son­dern beschränkt sich aus­schließ­lich auf die Kon­trol­le der finan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen der gesetz­ge­be­ri­schen Ent­schei­dung, von der Mög­lich­keit des Art. 91e Abs. 2 GG Gebrauch zu machen [56]. Die Befug­nis­se des Bun­des aus § 6b Abs. 4 SGB II erlau­ben es daher nicht, ver­tret­ba­re Rechts­auf­fas­sun­gen des zuge­las­se­nen kom­mu­na­len Trä­gers zu bean­stan­den und auf die­ser Grund­la­ge Mit­tel vor­zu­ent­hal­ten oder Erstat­tungs­an­sprü­che durch­zu­set­zen; die Durch­set­zung einer ein­heit­li­chen Rechts­an­wen­dung ist viel­mehr der Rechts- und Fach­auf­sicht vor­be­hal­ten. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Arbeit und Sozia­les ist auch nicht befugt, ein­zel­ne Opti­ons­kom­mu­nen von dem auto­ma­ti­sier­ten Ver­fah­ren für das Haus­halts, Kas­sen- und Rech­nungs­we­sen des Bun­des (HKR-Ver­fah­ren) aus­zu­schlie­ßen. Die­ses Ver­fah­ren dient der Unter­stüt­zung und Doku­men­ta­ti­on wesent­li­cher Tätig­kei­ten bei der Aus­füh­rung des Haus­halts­plans, der Abwick­lung des Zah­lungs­ver­kehrs, der Buch­füh­rung und der Rech­nungs­le­gung sowie der Bereit­stel­lung von tages­ak­tu­el­len Infor­ma­tio­nen über den Stand des Haus­halts­voll­zugs für alle bewirt­schaf­ten­den Dienst­stel­len und ermög­licht die auto­ma­ti­sier­te Bereit­stel­lung der im Haus­halts­ge­setz fest­ge­stell­ten Ein­nah­men, Aus­ga­ben und Ver­pflich­tungs­er­mäch­ti­gun­gen sowie deren unter­jäh­ri­ge Ver­än­de­run­gen (wie Res­te­be­wil­li­gun­gen, Nach­trä­ge). Im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang dient es der Sache nach dazu, eine Vor­fi­nan­zie­rung der Leis­tun­gen für die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de durch die Opti­ons­kom­mu­nen zu ver­mei­den. Da ein Aus­schluss vom HKR-Ver­fah­ren für die betrof­fe­nen kom­mu­na­len Trä­ger erheb­li­che wirt­schaft­li­che Belas­tun­gen und Risi­ken mit sich bräch­te und inso­weit Sank­ti­ons­cha­rak­ter besä­ße, ist er von § 6b Abs. 4 SGB II nicht gedeckt. Sank­tio­nen sind kenn­zeich­nend für die Auf­sicht, zu der Art. 91e Abs. 2 Satz 2 GG den Bun­des­ge­setz­ge­ber gera­de nicht ermäch­tigt.

Finanz­ho­heit der Gemein­den, Art. 28 GG[↑]

Ob ein Ein­griff in die Finanz­ho­heit der Gemein­den (Art. 28 Abs. 2 Satz 1 und Abs. 3, 1. Halb­satz GG) und Gemein­de­ver­bän­de (Art. 28 Abs. 2 Satz 2 und Abs. 3, 1. Halb­satz GG) vor­liegt, wenn staat­li­che Stel­len über den Ein­satz der Finanz­mit­tel zu unter­rich­ten sind und ihnen Ein­sicht in Bücher und sons­ti­ge Unter­la­gen gewährt wer­den muss, hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bis­lang offen gelas­sen, da etwai­ge Ein­schrän­kun­gen in den ent­schie­de­nen Fäl­len jeden­falls gerecht­fer­tigt waren [141]. Das gilt auch hier, wo der Ein­griff in die Garan­tie der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung mit Blick auf die gesamt­staat­li­che Bedeu­tung der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de und den damit ver­bun­de­nen erheb­li­chen Ein­satz von Bun­des­mit­teln im öffent­li­chen Inter­es­se liegt.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 7. Okto­ber 2014 – 2 BvR 164/​11

  1. in der Fas­sung des Geset­zes zur Wei­ter­ent­wick­lung der Orga­ni­sa­ti­on der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de vom 03.08.2010[]
  2. BT-Drs. 15/​1516[]
  3. vgl. BT-Drs. 15/​1516, S. 41 f.[]
  4. zu den Ein­zel­hei­ten vgl. BVerfGE 119, 331, 332 ff.[]
  5. BGBl I S. 2954[]
  6. BT-Drs. 15/​2264; BR-Drs. 943/​03, Beschluss[]
  7. vom 30.07.2004, BGBl I S.2014[]
  8. vgl. BT-Drs. 15/​2816, S. 11 f.[]
  9. vom 24.09.2004, BGBl I S. 2349[]
  10. BVerfGE 119, 331 ff.[][]
  11. BGBl I S. 944[]
  12. BGBl I S. 1112[]
  13. BGBl I S. 1155[]
  14. vgl. BT-Drs. 17/​1554, S. 4[][]
  15. BGBl I S. 645[][]
  16. vgl. BVerfGE 119, 331, 356 f.[]
  17. BT-Drs. 17/​1554, S. 4[][][][][]
  18. vgl. Volk­mann, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 6. Aufl.2010, Art. 91e Rn. 4[]
  19. vgl. BT-Drs. 17/​182, S. 3; Hen­ne­ke, in: Schmidt-Bleib­treu/­Klein/Hof­man­n/Hopf­auf, GG, 13. Aufl.2014, Art. 91e Rn. 18 ff.; ders., Der Land­kreis 2009, S. 55 ff., 111 ff.[]
  20. vgl. Siek­mann, in: Sachs, GG, 6. Aufl.2011, Art. 91e Rn. 11[]
  21. vgl. hier­zu Her­mes, in: Drei­er, GG, Sup­ple­men­tum 2010, Art. 91e Rn.20 f.; Klein, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 91e Rn. 13, Mai 2011; Siek­mann, in: Sachs, GG, 6. Aufl.2011, Art. 91e Rn. 11; Engels, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum GG, Art. 91e Rn. 13, 32. Erg.-Lfg. VI/​11[]
  22. BVerfGE 119, 331, 365 f.[]
  23. vgl. BVerfGE 5, 85, 204 f.; 107, 59, 91 f.; 130, 76, 123 f.; 131, 316, 334[]
  24. vgl. BVerfGE 119, 331, 366[]
  25. vgl. BVerfGE 119, 331, 364 ff.; 127, 165, 191 f.[]
  26. vgl. BVerfGE 34, 9, 19 f.[]
  27. vgl. BVerfGE 63, 1, 38 ff.; 108, 169, 182; 119, 331, 364 ff.; 127, 165, 191; sie­he auch Engels, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum GG, Art. 91e Rn. 13, 32. Erg.-Lfg. VI/​11[]
  28. vgl. BVerfGE 119, 331, 364[]
  29. BVerfGE 30, 1, 24 ff.[]
  30. vgl. BVerfGE 30, 1, 33, 39[]
  31. vgl. Bay­VerfGHE 52, 104, 122 ff.; 53, 42, 60 ff.; Thü­rin­ger Ver­fas­sungs­ge­richts­hof, LVerfGE 12, 405, 424 ff.[]
  32. vgl. BVerfGE 109, 279, 310; 132, 195, 244 Rn. 118[]
  33. BT-Drs. 17/​1554, S. 5[][][][]
  34. vgl. Volk­mann, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 6. Aufl.2010, Art. 91e Rn. 4; Her­mes, in: Drei­er, GG, Sup­ple­men­tum 2010, Art. 91e Rn. 48; Klein, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 91e Rn. 31, Mai 2011; Engels, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum GG, Art. 91e Rn. 31, 32. Erg.-Lfg. VI/​11; Siek­mann, in: Sachs, GG, 6. Aufl.2011, Art. 91e Rn. 22; Mager, in: von Münch/​Kunig, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2012, Art. 91e Rn. 12[]
  35. vgl. Her­mes, in: Drei­er, GG, Sup­ple­men­tum 2010, Art. 91e Rn. 48 f.; Klein, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 91e Rn. 31 f., Mai 2011; Siek­mann, in: Sachs, GG, 6. Aufl.2011, Art. 91e Rn. 23[]
  36. vgl. Meh­de, in: Beck’scher OK-GG, Art. 91e Rn. 13, 1.06.2014; a.A. Her­mes, in: Drei­er, GG, Sup­ple­men­tum 2010, Art. 91e Rn. 35[]
  37. vgl. Mager, in: von Münch/​Kunig, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2012, Art. 91e Rn. 10[]
  38. vgl. BVerfGE 39, 96, 109; 119, 331, 364[]
  39. vgl. BVerfGE 86, 148, 215[]
  40. vgl. BVerfGE 108, 169, 182; 119, 331, 364[]
  41. vgl. BVerfGE 32, 145, 156; 41, 291, 311; 63, 1, 39; 119, 331, 364[]
  42. vgl. BVerfGE 63, 1, 39; 119, 331, 365[]
  43. vgl. BVerfGE 32, 145, 156; 108, 169, 182; 119, 331, 365[]
  44. vgl. BVerfGE 127, 165, 197; Bau­er, in: Drei­er, GG, Sup­ple­men­tum 2007, Art.20 Rn. 11c; Tru­te, in: Starck, Föde­ra­lis­mus­re­form, 2007, Rn. 147 und 149; Bur­gi, in: Hen­ne­ke, Kom­mu­nen in den Föde­ra­lis­mus­re­for­men I und II, 2008, S. 44, 45 ff.[]
  45. BT-Drs. 16/​813, S. 7[]
  46. vgl. Tru­te, a.a.O., Rn. 174[]
  47. vgl. BVerfGE 11, 6, 18; 127, 165, 203[]
  48. vgl. BVerfGE 22, 180, 210; 127, 165, 203[]
  49. vgl. BVerfGE 39, 96, 109; 127, 165, 203[]
  50. vgl. BVerfGE 127, 165, 221[]
  51. vgl. BVerfGE 26, 172, 181 f.[]
  52. vgl. BT-Drs. 17/​1554, S. 5; sie­he hier­zu bereits BVerfGE 127, 165, 203 f.[]
  53. vgl. BT-Drs. 17/​1554, S. 5[][][][]
  54. vgl. hier­zu BVerfGE 127, 165, 203 f.[]
  55. vgl. Kahl, in: Hoff­mann-Rie­m/­Schmidt-Aßman­n/­Voß­kuh­le, Grund­la­gen des Ver­wal­tungs­rechts, Bd. III, 2. Aufl.2013, § 47 Rn. 12 m.w.N.[]
  56. vgl. BVerfGE 127, 165, 203 f.[][]
  57. vgl. Hufeld, in: Isensee/​Kirchhof, HStR III, 3. Aufl.2005, § 56 Rn. 10; Degen­hart, VVDStRL 55, 1995, S.190, 204; Schul­ze-Fie­litz, VVDStRL 55, 1995, S. 231, 234; Schwarz, DVBl 2011, S. 135, 136[]
  58. vgl. Ber­gel, Rech­nungs­hö­fe als vier­te Staats­ge­walt, 2010, S. 30[]
  59. vgl. BVerfGE 33, 303, 336; 45, 393, 399; 85, 36, 54; 97, 298, 313; BVerfG, Beschluss vom 27.04.2001 – 1 BvR 1282/​99, DVBl 2002, S. 400, 401; vgl. auch BVerw­GE 42, 296, 300; 64, 238, 245; 139, 210, 212; BVerwG, Urteil vom 27.04.1984 – 1 C 24/​82, NVwZ 1984, S. 585[]
  60. vgl. Her­mes, in: Drei­er, GG, Sup­ple­men­tum 2010, Art. 91e Rn. 39; Volk­mann, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 6. Aufl.2010, Art. 91e Rn. 9; Siek­mann, in: Sachs, GG, 6. Aufl.2011, Art. 91e Rn. 15; Klein, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 91e Rn. 27, Mai 2011; Engels, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum GG, Art. 91e Rn. 23, 32. Erg.-Lfg. VI/​11; Mager, in: von Münch/​Kunig, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2012, Art. 91e Rn. 8; Luthe, ZfF 2011, S. 1[]
  61. vgl. Volk­mann, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 6. Aufl.2010, Art. 91e Rn. 10[][]
  62. vgl. BVerfGE 21, 362, 372 f.; 26, 228, 244; stRspr[]
  63. vgl. BVerfGE 45, 63, 78 f.; 61, 82, 100 ff.[]
  64. vgl. BVerfGE 83, 363, 393; zuvor bereits ähn­lich BVerfGE 76, 107, 119[]
  65. vgl. Ver­fas­sungs­ge­richt des Lan­des Bran­den­burg, LVerfGE 17, 103, 118; Ver­fas­sungs­ge­richts­hof für das Land Nord­rhein-West­fa­len, OVGE 53, 264, 270; Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt des Lan­des Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Urteil vom 23.02.2012 – LVerfG 37/​10, NVwZ-RR 2012, S. 377, 379; Kempny/​Reimer, Die Gleich­heits­sät­ze, 2012, S. 26; Pieroth, in: Jarass/​Pieroth, GG, 12. Aufl.2012, Art. 28 Rn. 23[]
  66. vgl. Ver­fas­sungs­ge­richt des Lan­des Bran­den­burg, LVerfGE 17, 103, 118; Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Urteil vom 23.02.2012 – LVerfG 37/​10, NVwZ-RR 2012, S. 377, 379[]
  67. vgl. Sächs­VerfGH, Urteil vom 25.09.2008 – Vf. 54-VIII-08NVwZ 2009, S. 39, 44; BbgVerfG, Urteil vom 16.09.1999 – VfGBbg 28/​98, NVwZ-RR 2000, S. 129, 132[]
  68. vgl. auch BVerfGE 23, 353, 372 f.; 26, 228, 244; 76, 107, 119; 83, 363, 393 []
  69. vgl. StGH BW, ESVGH 49, 241, 256 ff.; Scho­ch, AfK 39, 2000, S. 225, 240; ders., in: Ehlers/​Krebs, Grund­fra­gen des Ver­wal­tungs­rechts und des Kom­mu­nal­rechts, 2000, S. 93, 127 f.; Mey­er, LKV 2000, S. 1, 4 f.[]
  70. vgl. BVerfGE 33, 303, 336; 45, 393, 399; 54, 173, 192 ff.; 73, 280, 296; 85, 36, 54; BVerfGK 1, 292, 295[]
  71. vgl. BVerfGE 53, 30, 65; 63, 131, 143; 65, 1, 44; 84, 34, 46; 90, 60, 95; stRspr[]
  72. vgl. Geb­hardt, Das kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tungs­recht, 2007, S. 55 ff.[]
  73. vgl. BVerfGE 86, 90, 107 f.; 110[]
  74. vgl. VerfGH NW, OVGE 30, 306, 307; Nds.StGH, OVGE 33, 497, 499 f.; Thür­VerfGH, Urteil vom 28.05.1999 – VerfGH 39/​97, LKV 2000, S. 31; Sächs­VerfGH, Urteil vom 25.09.2008 – Vf. 54-VIII-08, NVwZ 2009, S. 39, 40; Geb­hardt, a.a.O., S. 55 ff. m.w.N.[]
  75. vgl. dazu BVerfGE 79, 127, 150 f.; 83, 363, 383; 91, 228, 236; 110, 370, 400[]
  76. vgl. BVerfGE 83, 363, 383; 119, 331, 353 f.[]
  77. vgl. BVerfGE 119, 331, 353 f.[]
  78. vgl. BVerfGE 119, 331, 354 unter Bezug­nah­me auf NWVerfGH, Urteil vom 22.09.1992 – VerfGH 3/​91, NVwZ-RR 1993, S. 486, 487; Urteil vom 12.12 1995 – VerfGH 5/​94, NVwZ 1996, S. 1100; Urteil vom 09.12 1996 – VerfGH 11, 12, 15, 34 u. 37/​95, NVwZ 1997, S. 793 f.; RhPf­VerfGH, Urteil vom 16.03.2001 – VGH 88/​00, NVwZ 2001, S. 912, 914; Sachs­An­hVerfG, Urteil vom 08.12 1998 – LVG 10–97, NVwZ-RR 1999, S. 393, 396; sie­he auch Meh­de, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 28 Rn. 100, Novem­ber 2012; Tettinger/​Schwarz, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2010, Art. 28 Rn. 231[]
  79. vgl. BVerfGE 21, 117, 129; 23, 353, 365; 83, 363, 383; 119, 331, 361[]
  80. vgl. BVerfGE 91, 228, 237 f.[]
  81. vgl. BVerfGE 91, 228, 239[]
  82. vgl. BVerfGE 38, 258, 278 ff.; 52, 95, 117; 78, 331, 341; 83, 363, 382; 91, 228, 236[]
  83. vgl. BVerfGE 21, 117, 129; 23, 353, 365; 83, 363, 383; 119, 331, 361; sie­he auch Th. J. Schmidt, Kom­mu­na­le Koope­ra­ti­on, 2005, S. 58[]
  84. vgl. Schmidt-Jort­zig, in: von Muti­us, Fest­ga­be für von Unruh, 1983, S. 525, 527[]
  85. vgl. BVerfGE 83, 363, 382; eben­so Schmidt-Jort­zig, in: von Muti­us, Fest­ga­be für von Unruh, 1983, S. 525, 531 m.w.N.; Löwer, in: von Münch/​Kunig, GG, Bd. 1, 6. Aufl.2012, Art. 28 Rn. 81 m.w.N.[]
  86. vgl. BVerfGE 83, 363, 382; 91, 228, 238[]
  87. vgl. BVerfGE 1, 167, 174 f.; 79, 127, 146; stRspr[]
  88. vgl. BVerfGE 59, 216, 226; 76, 107, 118; 79, 127, 146; stRspr[]
  89. vgl. BVerfGE 79, 127, 147; 91, 228, 239 f.[]
  90. vgl. Klein, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 91e Rn. 39, Mai 2011; Mager, in: von Münch/​Kunig, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2012, Art. 91e Rn. 11[]
  91. vgl. Klein, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 91e Rn. 39, Mai 2011[][]
  92. vgl. BVerfGE 7, 29, 40; 36, 193, 203[]
  93. vgl. BVerfGE 97, 228, 251 f.[]
  94. vgl. BVerfGE 119, 331, 356[]
  95. vgl. BVerfGE 1, 167, 176; 56, 298, 310[]
  96. vgl. BVerfGE 119, 331, 362[]
  97. vgl. BVerfGE 22, 180, 210; 77, 288, 299; vgl. auch BVerfGE 1, 167, 176; 26, 172, 181; 48, 64, 83; 56, 298, 310; 57, 43, 59; 58, 177, 191 f.[]
  98. vgl. Uhle, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 70 Rn. 104, Okto­ber 2008[]
  99. vgl. Bur­gi, Kom­mu­nal­recht, 4. Aufl.2012, § 1 Rn. 10[]
  100. vgl. BVerfGE 88, 203, 329 f.; 97, 332, 341[]
  101. vgl. BVerfGE 22, 180, 203; 106, 62, 133 f.[]
  102. vgl. BVerfGE 22, 180, 209 f.; 77, 288, 299[]
  103. vgl. BT-Drs. 17/​1555, S. 18[]
  104. vgl. BVerfGE 22, 180, 212 f.; 106, 62, 133 f.[]
  105. vgl. Hen­ne­ke, in: Schmidt-Bleib­treu/­Klein/Hof­man­n/Hopf­auf, GG, 12. Aufl.2011, Art. 91e Rn. 16[]
  106. vgl. BVerfGE 3, 407, 421; 8, 143, 149; 12, 205, 237; 15, 1, 20; 26, 246, 256; 26, 281, 300; 97, 228, 251; 98, 265, 299; 106, 62, 114 f.; stRspr[]
  107. vgl. BVerfGE 61, 149, 205; 98, 265, 299; 106, 62, 115[]
  108. eben­so Luthe, in: Hauck/​Noftz/​Voelzke, SGB II, § 6a Rn. 11, Dezem­ber 2010; ders., ZfF 2011, S. 1, 3[]
  109. vgl. BVerfGE 103, 1, 1, 19 f.[]
  110. vgl. BVerfGE 119, 331, 382 f. m.w.N.[]
  111. vgl. BVerfGE 83, 130, 154; 92, 158, 186[]
  112. vgl. BVerfGE 37, 217, 261; 73, 40, 101 f.; 119, 331, 383 f.[]
  113. vgl. BVerfGE 37, 217, 261; 73, 40, 102; 92, 53, 74[]
  114. vgl. BVerfGE 83, 130, 152 ff.; auch 51, 268, 290 f.[]
  115. vgl. BVerfGE 119, 331, 383[]
  116. vgl. BVerfGE 103, 1, 20[]
  117. vgl. Volk­mann, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 6. Aufl.2010, Art. 91e Rn. 12; Klein, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 91e Rn. 39, Mai 2011[]
  118. vgl. Klein, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 91e Rn. 31, Mai 2011; Engels, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum GG, Art. 91e Rn. 31, 32. Erg.-Lfg. VI/​11; Her­mes, in: Drei­er, GG, Sup­ple­men­tum 2010, Art. 91e Rn. 48; Siek­mann, in: Sachs, GG, 6. Aufl.2011, Art. 91e Rn. 22[]
  119. Her­mes, in: Drei­er, GG, Sup­ple­men­tum 2010, Art. 91e Rn. 42; Klein, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 91e Rn. 27, Mai 2011; Siek­mann, in: Sachs, GG, 6. Aufl.2011, Art. 91e Rn.20[]
  120. vgl. BT-Drs. 17/​1554, S. 4; 17/​2192, S. 2[]
  121. vgl. Siek­mann, in: Sachs, GG, 6. Aufl.2011, Art. 91e Rn.20[]
  122. vgl. Meh­de, in: Beck’scher OK-GG, Art. 91e Rn. 26, 1.06.2014[]
  123. vgl. Volk­mann, in: v. Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 6. Aufl.2010, Art. 91e Rn. 10; Engels, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum GG, Art. 91e Rn. 26, Fn. 102, 32. Erg.-Lfg. VI/​11; Mager, in: von Münch/​Kunig, GG, Bd. 2, 6. Aufl.2012, Art. 91e Rn. 9; Rixen/​Weißenberger, in: Eicher, SGB II, 3. Aufl.2013, § 6a Rn. 8[]
  124. vgl. Engels, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum GG, Art. 91e Rn. 26, 32. Erg.-Lfg. VI/​11[]
  125. vgl. BVerfGE 26, 228, 237 f.; 56, 298, 312; 59, 216, 226; 79, 127, 143[]
  126. vgl. BVerfGE 8, 122, 134; 50, 195, 201; 52, 95, 120; 79, 127, 151 f.; 83, 363, 384; 86, 148, 220 f.; 110, 370, 400[]
  127. vgl. BVerfGE 79, 127, 151 f.; 83, 363, 384; 86, 148, 220 f.; 110, 370, 400[][]
  128. vgl. BVerfGE 79, 127, 152; 110, 370, 400[]
  129. vgl. BVerfGE 119, 331, 353 m.w.N.[]
  130. vgl. BVerfGE 119, 331, 353[]
  131. vgl. Rixen/​Weißenberger, in: Eicher, SGB II, 3. Aufl.2013, § 6a Rn. 8; vgl. auch Dyllick/​Lörincz/​Neubauer, NJ 2011, S. 15, 20[]
  132. vgl. BVerfGE 119, 331, 352 ff.[]
  133. vgl. Her­mes, in: Drei­er, GG, 2. Aufl. Sup­ple­men­tum 2010, Art. 91e Rn. 47; Engels, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum GG, Art. 91e Rn. 28, 32. Erg.-Lfg. VI/​11[]
  134. vgl. Engels, in: Ber­li­ner Kom­men­tar zum GG, Art. 91e Rn. 28, 32. Erg.-Lfg. VI/​11[]
  135. vgl. BVerfGE 8, 274, 312; 26, 228, 241; 55, 207, 226; 58, 257, 277; 62, 203, 210; 123, 39, 78[]
  136. vgl. BVerfGE 4, 7, 22; 20, 296, 306; 28, 66, 86; 35, 179, 183; 38, 61, 84[]
  137. vgl. Her­mes, in: Drei­er, GG, 2. Aufl. Sup­ple­men­tum 2010, Art. 91e Rn. 47 Fn. 149[]
  138. vgl. Kam­mer, DVBl 1990, 555, 558 f.; Mäh­ring, DÖV 2006, S.195, 203[]
  139. vgl. BVerfGE 127, 165, 219 f.[]
  140. vgl. BT-Drs. 17/​1555, S.19[]
  141. vgl. BVerfGE 127, 165, 208[]