Kein Nut­zungs­ver­bot einer Zweit­woh­nung – trotz Coro­na

Das Ver­bot der Anrei­se zur Nut­zung einer Neben­woh­nung "aus tou­ris­ti­schem Anlass" als Schutz­maß­nah­me zur Bekämp­fung der Aus­brei­tung des neu­ar­ti­gen Coro­na­vi­rus ist vor­aus­sicht­lich rechts­wid­rig.

Kein Nut­zungs­ver­bot einer Zweit­woh­nung – trotz Coro­na

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len die Beschwer­den des Land­rats des Land­krei­ses Ostp­ri­gnitz-Rup­pin gegen Eil­ent­schei­dun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts Pots­dam zurück­ge­wie­sen. Die jeweils mit Haupt­wohn­sitz in Ber­lin gemel­de­ten Antrag­stel­ler ver­fü­gen im Kreis­ge­biet Ostp­ri­gnitz-Rup­pin über Neben­woh­nun­gen und woll­ten die­se als­bald nut­zen, ohne die in der Zwei­ten All­ge­mein­ver­fü­gung gere­gel­ten Aus­nah­men vom Ver­bot zu erfül­len. Auf einen dem ent­spre­chen­den Antrag hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Pots­dam [1] mit Beschlüs­sen vom 31. März 2020 vor­läu­fi­gen Rechts­schutz gegen das Ver­bot der Anrei­se zur Nut­zung einer im Land­kreis gele­ge­nen Neben­woh­nung "aus tou­ris­ti­schem Anlass" gewährt. Die­ses Ver­bot ergibt sich aus der "Zwei­ten All­ge­mein­ver­fü­gung für Rei­sen in das Gebiet des Land­krei­ses Ostp­ri­gnitz-Rup­pin als Schutz­maß­nah­me zur Bekämp­fung der Aus­brei­tung des neu­ar­ti­gen Coro­na­vi­rus SARS-CoV‑2 des Land­krei­ses Ostp­ri­gnitz-Rup­pin" vom 27. März 2020. Dage­gen hat der zustän­di­ge Land­rat sich mit der Beschwer­de gewehrt.

In sei­nen Ent­schei­dun­gen hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg aus­führ­lich erklärt, dass die von der Minis­te­rin für Sozia­les, Gesund­heit, Inte­gra­ti­on und Ver­brau­cher­schutz auf Grund­la­ge des Infek­ti­ons­schutz­ge­set­zes erlas­se­ne "Ver­ord­nung über Maß­nah­men zur Ein­däm­mung des neu­ar­ti­gen Coro­na­vi­rus SARS-CoV2 und COVID-19 in Bran­den­burg" die not­wen­di­gen Maß­nah­men zur Ver­zö­ge­rung der Aus­brei­tungs­dy­na­mik und zur Ein­däm­mung des Coro­na­vi­rus für den Bereich des gesam­ten Lan­des kon­kre­ti­siert habe. Dies las­se grund­sätz­lich kei­nen Raum für eine Ergän­zung durch einen ein­zel­nen Land­kreis. Der Land­kreis habe nicht dar­le­gen kön­nen, dass eine Ergän­zung der lan­des­wei­ten Rege­lun­gen im kon­kre­ten Fall wegen erheb­li­cher ört­li­cher Beson­der­hei­ten erfor­der­lich gewe­sen wäre. Ins­be­son­de­re habe auch das Beschwer­de­vor­brin­gen nicht erken­nen las­sen, dass die im Land­kreis vor­han­de­nen medi­zi­ni­schen Ver­sor­gungs­ka­pa­zi­tä­ten signi­fi­kant ungüns­ti­ger sei­en als in ande­ren, nach Bevöl­ke­rungs­dich­te und Struk­tur ver­gleich­ba­ren Tei­len des Lan­des.

Aus die­sen Grün­den sei die getrof­fe­ne Anord­nung in der Haupt­sa­che vor­aus­sicht­lich rechts­wid­rig und die Ent­schei­dun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts Pots­dam nicht zu bean­stan­den.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Beschlüs­se vom 7. April 2020 – OVG 11 S 15.20 und 11 S 16.20

  1. VG Pots­dam, Beschlüs­se vom 31.03.2020 – VG 6 L 302/​20 und VG 6 L 308/​20[]