Kein raci­al pro­filing – wenn es die Bun­des­po­li­zei macht

Raci­al pro­filing bezeich­net ein auf all­ge­mei­nen Kri­te­ri­en wie "Ras­se", eth­ni­scher Zuge­hö­rig­keit, Reli­gi­on und natio­na­ler Her­kunft einer Per­son basie­ren­des Han­deln von Ver­wal­tungs- oder Voll­zugs­be­am­ten, das im all­ge­mei­nen Aus­druck eines insti­tu­tio­nel­len Ras­sis­mus ist. Wie schwer sich deut­sche Ver­wal­tungs­ge­richt mit einem poli­zei­li­chen "racing pro­filing" tun, zeigt aktu­ell ein Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Köln:

Kein raci­al pro­filing – wenn es die Bun­des­po­li­zei macht

Dort hat­te ein dun­kel­häu­ti­ger Heil­prak­ti­ker aus Wit­ten geklagt, der am Abend des 12. Novem­bers 2013 im Haupt­bahn­hof Bochum sei­ne dama­li­ge Lebens­ge­fähr­tin abho­len wol­len. Wäh­rend er an einem Auf­zug zum Gleis war­te­te, wur­de er von Beam­ten der Bun­des­po­li­zei auf­ge­for­dert, einen Aus­weis vor­zu­zei­gen. Nach län­ge­rer Dis­kus­si­on über die Recht­mä­ßig­keit die­ser Auf­for­de­rung bega­ben sich die Beam­ten mit dem Klä­ger und sei­ner Lebens­ge­fähr­tin zur Wache der Bun­des­po­li­zei. Hier ließ sich der Klä­ger von einem Beam­ten den Dienst­aus­weis vor­le­gen, da er beab­sich­tig­te, eine Dienst­auf­sichts­be­schwer­de zu erhe­ben. Zugleich zeig­te er den Poli­zei­be­am­ten dort sei­nen Per­so­nal­aus­weis vor; die per­sön­li­chen Daten wur­den von der Poli­zei nicht fest­ge­hal­ten.

Mit der Kla­ge begehr­te er die Fest­stel­lung, dass die Kon­trol­le ins­ge­samt rechts­wid­rig gewe­sen sei. Er führ­te aus, er sei allei­ne wegen sei­ner Haut­far­be von den Beam­ten der Bun­des­po­li­zei kon­trol­liert wor­den. Dies sei ihm in den letz­ten Jah­ren schon häu­fig pas­siert. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln folg­te den Argu­men­ten des Klä­gers nicht, son­dern nahm die Recht­fer­ti­gungs­ar­gu­men­te der Bun­des­po­li­zei auf, wonach die Kon­trol­le (Iden­ti­täts­fest­stel­lung) nicht allei­ne wegen sei­ner Haut­far­be ange­ord­net wor­den sei:

Die Bun­des­po­li­zei habe, so das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln, nach­voll­zieh­bar ihre Lage­er­kennt­nis­se betref­fend Straf­ta­ten (ins­be­son­de­re Dro­gen­de­lik­te und Gepäck­dieb­stäh­le, vor allem durch männ­li­che Täter aus Nord­afri­ka) sowie die Gefähr­dung durch die sala­fis­ti­sche Sze­ne im Bahn­hofs­be­reich dar­ge­legt. In Bezug auf den Klä­ger sei das Gericht davon über­zeugt, dass die­ser sich unge­wöhn­lich und auf­fäl­lig ver­hal­ten habe. Nach­dem er die Beam­ten gese­hen habe, habe er sich im Bahn­hofs­ge­bäu­de eine Kapu­ze auf­ge­zo­gen und die­se noch wei­ter ins Gesicht gezo­gen als er an den Poli­zei­be­am­ten vor­bei­ge­gan­gen sei. Sodann habe er sich hin­ter dem Auf­zugs­schacht ver­steckt und immer wie­der nach den Beam­ten gese­hen. Die­se hät­ten daher von der Mög­lich­keit aus­ge­hen dür­fen, dass der Klä­ger im beson­ders gefähr­de­ten Bahn­hofs­be­reich Straf­ta­ten bege­hen könn­te. Die Beam­ten sei­en des­halb berech­tigt gewe­sen, den Klä­ger zur Vor­la­ge des Aus­wei­ses auf­zu­for­dern. Nach dem Gespräch mit dem Klä­ger und sei­ner Lebens­ge­fähr­tin sei jedoch geklärt gewe­sen, wes­halb sich der Klä­ger im Bahn­hof auf­ge­hal­ten habe. Aus die­sem Grund sei es nicht mehr erfor­der­lich gewe­sen, wei­ter­hin an der Auf­for­de­rung zur Vor­la­ge des Aus­wei­ses fest­zu­hal­ten und sich die­sen auf der Wache vor­zei­gen zu las­sen. Die­ser letz­te Teil der poli­zei­li­chen Maß­nah­me sei somit rechts­wid­rig gewe­sen.

Mit ande­ren Wor­ten: Kri­mi­na­lis­ti­sche Erkennt­nis­se begrün­den eine erhöh­te Über­prü­fungs­fre­quenz fremd­län­disch aus­se­hen­der Bür­ger. Und wenn die sich auf­grund nega­ti­ver poli­zei­li­cher Erfah­run­gen in der Ver­gan­gen­heit nicht sofort freu­dig der Poli­zei offen­ba­ren, machen sie sich erst recht ver­däch­tig. Also kein raci­al pro­filing, son­dern kri­mi­na­lis­ti­sche Erfah­rung…

Ver­wal­tungs­ge­richt Köln, Urteil vom 4. Janu­ar 2016 – 20 K 7847/​13