Kin­der­geld – und sei­ne Ver­rech­nung mit Leis­tun­gen der Grundsicherung

Die Fami­li­en­kas­sen dür­fen ver­se­hent­lich aus­ge­zahl­tes Kin­der­geld nicht mehr zurück­for­dern, wenn der Erstat­tungs­an­spruch des Sozi­al­hil­fe­trä­gers (hier: des Job­cen­ters) bei der Kin­der­geld­aus­zah­lung noch nicht aus­rei­chend kon­kre­ti­siert war. 

Kin­der­geld – und sei­ne Ver­rech­nung mit Leis­tun­gen der Grundsicherung

In dem vom Finanz­ge­richt Köln ent­schie­de­nen Rechts­streit bezog eine Mut­ter von vier min­der­jäh­ri­gen Kin­dern Sozi­al­hil­fe für sich und ihre Fami­lie. Ende Dezem­ber 2015 bean­trag­te sie Kin­der­geld für ihre Kin­der. Vor der Fest­set­zung des Kin­der­gel­des mach­te das Job­cen­ter bei der Fami­li­en­kas­se im Wege der Ver­rech­nung einen nicht näher bezif­fer­ten Erstat­tungs­an­spruch wegen der bereits an die Klä­ge­rin und ihre Fami­lie gewähr­ten Sozi­al­hil­fe­leis­tun­gen gel­tend. Die Fami­li­en­kas­se setz­te das Kin­der­geld fest und zahl­te es an die Klä­ge­rin aus. Dabei ließ sie den Erstat­tungs­an­spruch ver­se­hent­lich unbe­rück­sich­tigt. Im Juni 2019 for­der­te die Fami­li­en­kas­se das aus­ge­zahl­te Kin­der­geld in Höhe von knapp 8.700 € von der Klä­ge­rin zurück.

Hier­ge­gen wand­te sich die Klä­ge­rin mit ihrer Kla­ge und erhielt vor dem Finanz­ge­richt Köln Recht1; das Finanz­ge­richt hob den Rück­for­de­rungs­be­scheid auf:

Die Fami­li­en­kas­se habe kei­nen Anspruch auf Rück­zah­lung des Kin­der­gel­des. Die Ver­rech­nung des Kin­der­gel­des mit Sozi­al­hil­fe­leis­tun­gen sei nur zuläs­sig, wenn der vom Job­cen­ter gel­tend gemach­te Erstat­tungs­an­spruch kon­kre­ti­siert sei. Dies sei im Zeit­punkt der Aus­zah­lung des Kin­der­gel­des nicht der Fall gewe­sen. Die Fami­li­en­kas­se habe wegen der feh­len­den Kon­kre­ti­sie­rung des Erstat­tungs­an­spruchs nicht gewusst, auf wel­che Höhe und auf wel­chen Zeit­raum sich der Erstat­tungs­an­spruch bezie­he. Die nähe­re Bezif­fe­rung und zeit­li­che Zuord­nung des Anspruchs sei erst Jah­re nach der Aus­zah­lung des Kin­der­gel­des erfolgt.

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Finanz­ge­richt Köln, Urteil vom 17. Sep­tem­ber 2020 – 10 K 308/​19

  1. nocht nicht rechts­kräf­tig, Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de beim BFH – III B 141/​20[]