NPD-Ver­bots­ver­fah­ren – und die V‑Leu­te-Fra­ge

In dem vom Bun­des­rat initi­ier­ten Ver­bots­ver­fah­ren hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wei­te­re Nach­wei­se vom Bun­des­rat ange­for­dert, dass der Bun­des­rat kei­ne Infor­ma­tio­nen von V‑Leuten aus dem maß­geb­li­chen NPD-Gre­mi­en ver­wen­det hat oder noch ver­wen­det und inwie­weit z.b. "Arbeit" der V‑Leute in die Pro­gram­ma­tik der NPD ein­ge­flos­sen ist:

NPD-Ver­bots­ver­fah­ren – und die V‑Leu­te-Fra­ge

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt weist zuächst dar­auf hin, dass es on Amts wegen in jeder Lage des Ver­fah­rens das Vor­lie­gen der Pro­zess­vor­aus­set­zun­gen zu prü­fen und hier­über zu ent­schei­den hat. Dies gilt auch für das im Par­tei­ver­bots­ver­fah­ren gemäß § 45 BVerfGG durch­zu­füh­ren­de Vor­ver­fah­ren 1. Dies schließt aller­dings nicht aus, dass die Ent­schei­dung über das Vor­lie­gen der Pro­zess­vor­aus­set­zun­gen gleich­zei­tig mit der Ent­schei­dung über die Durch­füh­rung der münd­li­chen Ver­hand­lung gemäß § 45 BVerfGG ergeht.

Der Bun­des­rat hat mit sei­nem Ver­bots­an­trag den Beschluss der Stän­di­gen Kon­fe­renz der Innen­mi­nis­ter und ‑sena­to­ren der Län­der vom 22.03.2012 vor­ge­legt. Zif­fer 3 des Beschlus­ses lau­tet:, cite"Mit Beginn der Mate­ri­al­samm­lung am 2.04.2012 wer­den die Quel­len auf Füh­rungs­ebe­ne abge­schal­tet. Für die Erstel­lung der Mate­ri­al­samm­lung wird ein Zeit­raum von min­des­tens sechs Mona­ten ver­an­schlagt."Voll­zug die­ses Beschlus­ses im Bund und in den ein­zel­nen Län­dern – ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Zahl und des Ablaufs der "Abschal­tun­gen" – dar­stel­len und in geeig­ne­ter Wei­se bele­gen. Der Bun­des­rat hat in sei­ner Antrags­schrift aus­ge­führt, dass Quel­len auf Vor­stands­ebe­ne der Antrags­geg­ne­rin nicht nur "abge­schal­tet" wor­den sei­en, son­dern dass spä­tes­tens seit dem 6.12 2012 auch kei­ne "Nach­sor­ge" betrie­ben wer­de. Dabei hat er Bezug genom­men auf eine "Ver­ein­ba­rung zwi­schen Bund und Län­dern". Die­se Ver­ein­ba­rung möge er vor­le­gen. Soweit in den Län­dern Anwei­sun­gen zur Umset­zung die­ser Ver­ein­ba­rung (ver­gleich­bar den bei­den vor­ge­leg­ten Schrei­ben des Staats­se­kre­tärs des Bun­des­mi­nis­ters des Innern vom 14.12 2012) ergan­gen sind, möge der Bun­des­rat die­se eben­falls vor­le­gen. Dar­über hin­aus möge er den Voll­zug des Ver­zichts auf eine Nach­sor­ge bei "abge­schal­te­ten Quel­len" im Bund und in den ein­zel­nen Län­dern dar­stel­len und in geeig­ne­ter Wei­se bele­gen. Der Bun­des­rat möge schließ­lich in geeig­ne­ter Wei­se bele­gen, auf wel­che Wei­se – wie im Schrift­satz vom 14.05.2014 vor­ge­tra­gen – sicher­ge­stellt ist, dass kei­ner­lei nach­rich­ten­dienst­lich erlang­te Infor­ma­tio­nen über die Pro­zess­stra­te­gie der Antrags­geg­ne­rin ent­ge­gen­ge­nom­men wer­den und der pri­vi­le­gier­ten Stel­lung des Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten ins­be­son­de­re im Hin­blick auf § 3b Abs. 1 G 10 und § 160a Abs. 1 StPO Rech­nung getra­gen wird. Er möge fer­ner in geeig­ne­ter Wei­se bele­gen, auf wel­che Wei­se sicher­ge­stellt ist, dass – falls den­noch dies­be­züg­li­che Infor­ma­tio­nen erlangt wer­den – die­se von der Ver­wer­tung aus­ge­schlos­sen wer­den. Soweit er ange­bo­ten hat, die ent­spre­chen­den Wei­sun­gen des Bun­des und der Län­der vor­zu­le­gen, möge er dies tun. Der Bun­des­rat dif­fe­ren­ziert in der Antrags­schrift die ver­wen­de­ten Bele­ge hin­sicht­lich der Quel­len­frei­heit nach zwei Kate­go­ri­en. Aller­dings wer­den weder das Par­tei­pro­gramm der Antrags­geg­ne­rin ("Arbeit, Fami­lie, Vater­land". Das Par­tei­pro­gramm der Natio­nal­de­mo­kra­ti­schen Par­tei Deutsch­lands [NPD]. Beschlos­sen auf dem Bun­des­par­tei­tag am 4./5.06.2010 in Bam­berg) noch der Beleg 112 (NPD-Posi­ti­ons­pa­pier "Das stra­te­gi­sche Kon­zept der NPD" vom 09.10.1997) einer die­ser bei­den Kate­go­ri­en zuge­ord­net. Der Bun­des­rat möge sich hier­zu erklä­ren und ins­be­son­de­re zur Fra­ge der Quel­len­frei­heit des Par­tei­pro­gramms Stel­lung neh­men. Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 19. März 2015 – 2 BvB 1/​13

  1. vgl. BVerfGE 107, 339, 360[]