NSU-Akten­schred­dern – und der Aus­kunfts­an­spruch der Pres­se

Das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz ist nach einem Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Köln ver­pflich­tet, einem Jour­na­lis­ten weit­ge­hend Aus­kunft zu einem Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren im Zusam­men­hang mit der Ver­nich­tung von Akten zu ertei­len, die den NSU betra­fen.

NSU-Akten­schred­dern – und der Aus­kunfts­an­spruch der Pres­se

Die Vor­gän­ge rund um das jetzt vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Köln ver­han­del­te pres­se­recht­li­che Aus­kunfts­be­geh­ren waren u.a. bereits Gegen­stand eines Unter­su­chungs­aus­schus­se des Deut­schen Bun­des­ta­ges. Das pres­se­recht­li­che Aus­kunfts­be­geh­ren des kla­gen­den Jour­na­lis­ten bezieht sich auf Fra­gen zu einem Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren gegen einen – nur sei­nem Deck­nah­men nach bekann­ten – Mit­ar­bei­ter des Bun­des­am­tes für Ver­fas­sungs­schutz. Die­ser hat­te weni­ge Tage nach der Fest­nah­me von Bea­te Zschä­pe die Ver­nich­tung von Akten ange­ord­net.

Gegen das Aus­kunfts­be­geh­ren hat­te das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz vor allem ein­ge­wandt, auf­grund der beson­de­ren und sen­si­blen Auf­ga­ben des Ver­fas­sungs­schut­zes kön­ne es grund­sätz­lich kei­ne Aus­künf­te ertei­len. Zudem bestehe die Gefahr der Aus­for­schung von Arbeits­wei­se und Metho­dik nach­rich­ten­dienst­li­cher Tätig­kei­ten. Auch bestehe die Gefahr, dass die wirk­li­che Iden­ti­tät des betrof­fe­nen Mit­ar­bei­ters bekannt wer­de.

Die­sen Argu­men­ten folg­te das Gericht nicht, son­dern ver­pflich­te­te das Bun­des­amt weit­ge­hend zur Aus­kunft zu den gestell­ten Fra­gen, u.a. zum Sach­stand des Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens und zu den Ermitt­lungs­er­geb­nis­sen. Zur Begrün­dung führ­te der Vor­sit­zen­de der Kam­mer aus, hin­sicht­lich der begehr­ten Infor­ma­tio­nen bestehe ein über­ra­gen­des Inter­es­se der Pres­se und der Öffent­lich­keit, dem kei­ne schutz­wür­di­gen Belan­ge des Bun­des­am­tes für Ver­fas­sungs­schutz ent­ge­gen­stän­den. Ledig­lich bei ein­zel­nen Fra­gen, die nicht hin­rei­chend kon­kret sei­en oder bei denen Grün­de der Geheim­hal­tung betrof­fen sei­en, bestehe der Aus­kunfts­an­spruch nicht.

Ver­wal­tungs­ge­richt Köln, Urteil vom 12. Novem­ber 2015 – 6 K 5143/​14