Par­la­men­ta­ri­sche Oppo­si­ti­ons­rech­te

Das Grund­ge­setz begrün­det weder expli­zit spe­zi­fi­sche Oppositions(fraktions)rechte, noch lässt sich ein Gebot der Schaf­fung sol­cher Rech­te aus dem Grund­ge­setz ablei­ten.

Par­la­men­ta­ri­sche Oppo­si­ti­ons­rech­te

Zwar ent­hält das Grund­ge­setz einen durch die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts kon­kre­ti­sier­ten all­ge­mei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­satz effek­ti­ver Oppo­si­ti­on. Die­ser Grund­satz umfasst jedoch, wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt jetzt in einem von der Frak­ti­on DIE LINKE im Deut­schen Bun­des­tag ange­streng­ten Organ­streit­ver­fah­ren ent­schied, kein Gebot spe­zi­fi­scher Oppo­si­ti­ons­frak­ti­ons­rech­te. Unab­hän­gig davon ist die Ein­füh­rung spe­zi­fi­scher Oppo­si­ti­ons­frak­ti­ons­rech­te mit der Gleich­heit der Abge­ord­ne­ten und ihrer Zusam­men­schlüs­se nach Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG unver­ein­bar. Einer Absen­kung der grund­ge­setz­lich vor­ge­ge­be­nen Quo­ren für die Aus­übung par­la­men­ta­ri­scher Min­der­hei­ten­rech­te steht die bewuss­te Ent­schei­dung des Ver­fas­sungs­ge­bers ent­ge­gen.

  1. Das Grund­ge­setz ent­hält einen durch die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts kon­kre­ti­sier­ten all­ge­mei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­satz effek­ti­ver Oppo­si­ti­on.
  2. Das Grund­ge­setz begrün­det jedoch weder expli­zit spe­zi­fi­sche Oppositions(fraktions)rechte, noch lässt sich ein Gebot der Schaf­fung sol­cher Rech­te aus dem Grund­ge­setz ablei­ten.
  3. Einer Ein­füh­rung spe­zi­fi­scher Oppo­si­ti­ons­frak­ti­ons­rech­te steht zudem Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG ent­ge­gen.
  4. Einer Absen­kung der grund­ge­setz­lich vor­ge­ge­be­nen Quo­ren eines Drit­tels (Art. 39 Abs. 3 Satz 3 GG) oder Vier­tels (Art. 23 Abs. 1a Satz 2, Art. 44 Abs. 1 Satz 1, Art. 45a Abs. 2 Satz 2 und Art. 93 Abs. 1 Nr. 2 GG) der Mit­glie­der des Bun­des­ta­ges für die Aus­übung par­la­men­ta­ri­scher Min­der­hei­ten­rech­te steht die bewuss­te Ent­schei­dung des Ver­fas­sungs­ge­bers für die bestehen­den Quo­ren ent­ge­gen.

Der­zei­ti­ge Rege­lun­gen zu den Oppo­si­ti­ons­rech­ten[↑]

Das Grund­ge­setz knüpft die Aus­übung bestimm­ter par­la­men­ta­ri­scher Min­der­hei­ten­rech­te an das Errei­chen bestimm­ter Quo­ren. Hier­zu zäh­len im Ein­zel­nen

Die­se Min­der­hei­ten­rech­te sind – mit Aus­nah­me des Antrags­rechts aus Art. 39 Abs. 3 Satz 3 GG – auch ein­fach­ge­setz­lich gere­gelt, nament­lich

  • das Antrags­recht aus Art. 23 Abs. 1a Satz 2 GG in § 12 Abs. 1 Satz 1 des Geset­zes über die Wahr­neh­mung der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges und des Bun­des­ra­tes in Ange­le­gen­hei­ten der Euro­päi­schen Uni­on (Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tungs­ge­setz – IntVG)1,
  • das Antrags­recht aus Art. 44 Abs. 1 Satz 1 GG und das Antrags­recht aus Art. 45a Abs. 2 Satz 2 GG in § 1 Abs. 1 sowie § 34 Abs. 1 Satz 2 des Geset­zes zur Rege­lung des Rechts der Unter­su­chungs­aus­schüs­se des Deut­schen Bun­des­ta­ges (Unter­su­chungs­aus­schuss­ge­setz – PUAG)2 und
  • das Antrags­recht aus Art. 93 Abs. 1 Nr. 2 GG in § 76 Abs. 1 BVerfGG3.

Dar­über hin­aus sind wei­te­re an die Errei­chung eines Vier­tel-Quo­rums gebun­de­ne Min­der­hei­ten­rech­te auf der Ebe­ne ein­fa­cher Geset­ze ver­an­kert, etwa

  • in § 8 Abs. 5 Satz 3 des Geset­zes über die Zusam­men­ar­beit von Bun­des­re­gie­rung und Deut­schem Bun­des­tag in Ange­le­gen­hei­ten der Euro­päi­schen Uni­on (EuZBBG)4,
  • in § 5 Abs. 4 des Geset­zes zur finan­zi­el­len Betei­li­gung am Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus (ESM-Finan­zie­rungs­ge­setz – ESMFinG)5 oder
  • in § 12 Abs. 1 Satz 2 IntVG.

Schließ­lich ent­hält die Geschäfts­ord­nung des Deut­schen Bun­des­ta­ges (GO-BT)6 wei­te­re an die Errei­chung eines Vier­tel-Quo­rums gebun­de­ne Min­der­hei­ten­rech­te, etwa in § 56 Abs. 1 Satz 2, in § 69a Abs. 5 Satz 1 oder in § 70 Abs. 1 Satz 2.

Der Aus­gangs­sach­ver­halt[↑]

Gegen­stand des Organ­streit­ver­fah­rens sind auf ver­schie­de­nen Norm­ebe­nen ange­sie­del­te Min­der­hei­ten- und Oppo­si­ti­ons­rech­te im Deut­schen Bun­des­tag, die von der Frak­ti­on DIE LINKE im Deut­schen Bun­des­tag – über­wie­gend beschränkt auf die 18. Wahl­pe­ri­ode – ein­ge­for­dert wer­den.

Auf­grund der Mehr­heits­ver­hält­nis­se im 18. Deut­schen Bun­des­tag kön­nen die die Regie­rung tra­gen­den Frak­tio­nen CDU/​CSU und SPD der­zeit ins­ge­samt 503 der 630 Sit­ze auf sich ver­ei­nen, wäh­rend auf die nicht die Bun­des­re­gie­rung tra­gen­den Frak­tio­nen – die Frak­ti­on DIE LINKE sowie die Frak­ti­on BÜNDNIS 90/​DIE GRÜNEN – ledig­lich 127 der 630 Sit­ze ent­fal­len.

Damit errei­chen die Abge­ord­ne­ten der Oppo­si­ti­ons­frak­tio­nen nicht die im Grund­ge­setz und ein­fach­ge­setz­lich ver­an­ker­ten Quo­ren für die Aus­übung der beschrie­be­nen Min­der­hei­ten­rech­te.

Ver­gleich­ba­re par­la­men­ta­ri­sche Kräf­te­ver­hält­nis­se gab es in der Geschich­te der Bun­des­re­pu­blik in der fünf­ten Wahl­pe­ri­ode des Deut­schen Bun­des­ta­ges zu Zei­ten der „Bon­ner gro­ßen Koali­ti­on” von 1966 bis 1969 wäh­rend der Kanz­ler­schaft Kurt Georg Kie­sin­gers und in der 16. Wahl­pe­ri­ode zu Zei­ten der ers­ten Kanz­ler­schaft Ange­la Mer­kels von 2005 bis 2009.

Auf­grund die­ser Situa­ti­on brach­ten die Frak­ti­on BÜNDNIS 90/​DIE GRÜNEN sowie die Frak­ti­on DIE LINKE am 29.01.2014 einen Gesetz­ent­wurf zur „Siche­rung der Oppo­si­ti­ons­rech­te in der 18. Wahl­pe­ri­ode des Deut­schen Bun­des­ta­ges” ein7. Dem­nach soll­ten ins­ge­samt sechs Geset­ze dahin­ge­hend geän­dert wer­den, dass für die Dau­er der 18. Wahl­pe­ri­ode die in die­sen Geset­zen gere­gel­ten Min­der­hei­ten­rech­te von min­des­tens zwei Frak­tio­nen gemein­sam aus­ge­übt wer­den kön­nen, die nicht die Bun­des­re­gie­rung tra­gen. Am 11.02.2014 brach­ten die die Regie­rung tra­gen­den Frak­tio­nen einen Antrag auf Ände­rung der Geschäfts­ord­nung des Deut­schen Bun­des­ta­ges (GO – BT) „zur beson­de­ren Anwen­dung der Min­der­hei­ten­rech­te in der 18. Wahl­pe­ri­ode” ein8. Der schließ­lich am 18.03.2014 allein von der Frak­ti­on DIE LINKE ein­ge­brach­te „Ent­wurf eines …. Geset­zes zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes (Arti­kel 23, 39, 44, 45a, 93)„9 sah eine auf Ebe­ne der Ver­fas­sung ange­sie­del­te Zuwei­sung von Rech­ten an die „Gesamt­heit der Frak­tio­nen, die nicht die Bun­des­re­gie­rung tra­gen”, vor.

Am 3.04.2014 lehn­te der Deut­sche Bun­des­tag die bei­den Gesetz­ent­wür­fe ab und beschloss statt­des­sen, die GO – BT um § 126a („Beson­de­re Anwen­dung von Min­der­heits­rech­ten in der 18. Wahl­pe­ri­ode”) zu ergän­zen. Dem­nach sol­len im Bun­des­tags­ple­num bestimm­te Min­der­hei­ten­rech­te von min­des­tens 120 Abge­ord­ne­ten aus­ge­übt wer­den kön­nen, wäh­rend bestimm­te Min­der­hei­ten­rech­te in Aus­schüs­sen des Bun­des­ta­ges jeweils „allen Aus­schuss­mit­glie­dern der Frak­tio­nen, die nicht die Bun­des­re­gie­rung tra­gen”, zuge­wie­sen wur­den. Kei­ne Ände­run­gen sieht der ein­ge­füg­te § 126a GO – BT hin­sicht­lich der Antrags­be­rech­ti­gung für die abs­trak­te Nor­men­kon­trol­le vor.

§ 126a GO-BT – Beson­de­re Anwen­dung von Min­der­heits­rech­ten in der 18. Wahl­pe­ri­ode

(1) Für die Dau­er der 18. Wahl­pe­ri­ode gel­ten fol­gen­de Rege­lun­gen:

  1. Auf Antrag von 120 sei­ner Mit­glie­der setzt der Bun­des­tag einen Unter­su­chungs­aus­schuss gemäß Arti­kel 44 des Grund­ge­set­zes ein. Die Zahl der Mit­glie­der des Unter­su­chungs­aus­schus­ses wird nach dem vom Bun­des­tag beschlos­se­nen Ver­teil­ver­fah­ren10 so bestimmt, dass die Frak­tio­nen, die nicht die Bun­des­re­gie­rung tra­gen, gemein­sam ein Vier­tel der Mit­glie­der stel­len.
  2. Der Ver­tei­di­gungs­aus­schuss stellt sicher, dass auf Antrag aller Aus­schuss­mit­glie­der der Frak­tio­nen, die nicht die Bun­des­re­gie­rung tra­gen, gemäß Arti­kel 45a Absatz 2 des Grund­ge­set­zes eine Ange­le­gen­heit der Ver­tei­di­gung zum Gegen­stand sei­ner Unter­su­chung gemacht wird und die Rech­te, die nach dem Unter­su­chungs­aus­schuss­ge­setz einem Vier­tel der Aus­schuss­mit­glie­der zuste­hen, von die­sen Mit­glie­dern ent­spre­chend gel­tend gemacht wer­den kön­nen.
  3. Auf Antrag von 120 Mit­glie­dern des Bun­des­ta­ges beruft der Prä­si­dent den Bun­des­tag ein.
  4. Auf Antrag von 120 sei­ner Mit­glie­der erhebt der Bun­des­tag wegen Ver­sto­ßes eines Gesetz­ge­bungs­akts der Euro­päi­schen Uni­on gegen das Sub­si­dia­ri­täts­prin­zip Kla­ge vor dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on ent­spre­chend Arti­kel 23 Absatz 1a des Grund­ge­set­zes.
  5. Auf Antrag von 120 sei­ner Mit­glie­der macht der Bun­des­tag deren Auf­fas­sung ent­spre­chend § 12 Absatz 1 des Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tungs­ge­set­zes in Ver­bin­dung mit § 93d in der Kla­ge­schrift deut­lich, sofern sie die Erhe­bung einer Kla­ge wegen Ver­sto­ßes eines Gesetz­ge­bungs­akts der Euro­päi­schen Uni­on gegen das Sub­si­dia­ri­täts­prin­zip vor dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on nicht stüt­zen.
  6. Einem Ver­lan­gen, die Bun­des­re­gie­rung möge nach § 8 Absatz 5 des Geset­zes über die Zusam­men­ar­beit von Bun­des­re­gie­rung und Deut­schem Bun­des­tag in Ange­le­gen­hei­ten der Euro­päi­schen Uni­on die Grün­de erläu­tern, aus denen nicht alle Belan­ge einer Stel­lung­nah­me des Bun­des­ta­ges berück­sich­tigt wur­den, tritt der Bun­des­tag dann bei, wenn es von 120 sei­ner Mit­glie­der erho­ben wird.
  7. Einem Ver­lan­gen nach Unter­rich­tung des Haus­halts­aus­schus­ses gemäß § 5 Absatz 4 des ESM-Finan­zie­rungs­ge­set­zes durch den von Deutsch­land nach Arti­kel 5 Absatz 1 des Ver­trags zur Ein­rich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus ernann­ten Gou­ver­neur und des­sen Stell­ver­tre­ter wird der Haus­halts­aus­schuss dann bei­tre­ten, wenn es von allen Aus­schuss­mit­glie­dern der Frak­tio­nen, die nicht die Bun­des­re­gie­rung tra­gen, erho­ben wird.
  8. Bei Anträ­gen oder Vor­la­gen der Bun­des­re­gie­rung gemäß § 5 Absatz 6 des ESM-Finan­zie­rungs­ge­set­zes oder § 4 Absatz 5 des Sta­bi­li­sie­rungs­me­cha­nis­mus­ge­set­zes führt der Haus­halts­aus­schuss auf Ver­lan­gen aller Aus­schuss­mit­glie­der der Frak­tio­nen, die nicht die Bun­des­re­gie­rung tra­gen, eine öffent­li­che Anhö­rung ent­spre­chend § 70 Absatz 1 Satz 2 durch.
  9. Bei über­wie­se­nen Vor­la­gen führt der feder­füh­ren­de Aus­schuss auf Ver­lan­gen aller Aus­schuss­mit­glie­der der Frak­tio­nen, die nicht die Bun­des­re­gie­rung tra­gen, eine öffent­li­che Anhö­rung ent­spre­chend § 70 Absatz 1 Satz 2 durch.
  10. Eine Ple­nar­be­ra­tung statt einer erwei­ter­ten öffent­li­chen Aus­schuss­sit­zung (§ 69a Absatz 5) fin­det statt, wenn es von allen Mit­glie­dern des Aus­schus­ses, die nicht die Bun­des­re­gie­rung tra­gen, ver­langt wird.
  11. Auf Antrag von 120 sei­ner Mit­glie­der setzt der Bun­des­tag ent­spre­chend § 56 Absatz 1 eine Enquete-Kom­mis­si­on ein.
  12. (2) Auf die Rege­lun­gen nach Absatz 1 fin­det § 126 kei­ne Anwen­dung.

Das Organ­streit­ver­fah­ren[↑]

Die Frak­ti­on DIE LINKE begehrt mit ihren im vor­lie­gen­den Organ­streit­ver­fah­ren gestell­ten drei Anträ­gen im Wesent­li­chen fest­zu­stel­len, dass der Deut­sche Bun­des­tag gegen das Demo­kra­tie­prin­zip und die Grund­sät­ze des par­la­men­ta­ri­schen Regie­rungs­sys­tems ver­sto­ßen habe, indem er die bean­trag­ten Ände­run­gen der Ver­fas­sung und bestimm­ter ein­fa­cher Geset­ze in sei­ner Sit­zung am 3.04.2014 abge­lehnt und statt­des­sen die Bestim­mung des § 126a in die GO – BT ein­ge­fügt hat. Hier­bei beruft sich die Frak­ti­on DIE LINKE teil­wei­se auf eine behaup­te­te Ver­let­zung von Rech­ten des Bun­des­ta­ges durch den Bun­des­tag. Die Frak­ti­on DIE LINKE ist der Ansicht, die Ein­fü­gung des § 126a GO – BT sei ver­fas­sungs­wid­rig, da von grund­ge­setz­li­chen Quo­ren nicht durch Rege­lun­gen auf Ebe­ne der Geschäfts­ord­nung abge­wi­chen wer­den dür­fe. Wegen der größ­ten­teils man­geln­den Zuwei­sung spe­zi­fi­scher Oppo­si­ti­ons­frak­ti­ons­rech­te sei die gewähl­te Lösung zudem ver­fas­sungs­recht­lich unzu­rei­chend. Auch und gera­de eine „Klei­ne Oppo­si­ti­on” benö­ti­ge ein­klag­ba­re effek­ti­ve Mit­wir­kungs- und Kon­troll­rech­te gegen­über der Regie­rung und der sie tra­gen­den Par­la­ments­mehr­heit.

Der Deut­sche Bun­des­tag hält die Anträ­ge der Frak­ti­on DIE LINKE für unzu­läs­sig, hilfs­wei­se für unbe­grün­det. Zwar teilt er im Aus­gangs­punkt die Auf­fas­sung der Frak­ti­on DIE LINKE, wonach eine wir­kungs­vol­le Oppo­si­ti­on bedeut­sam für die Demo­kra­tie sei. Der Deut­sche Bun­des­tag erach­tet die ergrif­fe­nen Maß­nah­men jedoch als ver­fas­sungs­recht­lich aus­rei­chend.

Zuläs­sig­keit des Organ­streit­ver­fah­rens[↑]

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt beur­teil­te die Anträ­ge über­wie­gend als zuläs­sig:

Gemäß Art. 93 Abs. 1 Nr. 1 GG in Ver­bin­dung mit § 13 Nr. 5, §§ 63 ff. BVerfGG ent­schei­det das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt über die Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes aus Anlass von Strei­tig­kei­ten über den Umfang der Rech­te und Pflich­ten eines obers­ten Bun­des­or­gans oder ande­rer Betei­lig­ter, die durch das Grund­ge­setz oder in der Geschäfts­ord­nung eines obers­ten Bun­des­or­gans mit eige­nen Rech­ten aus­ge­stat­tet sind. Eine ver­fas­sungs­recht­li­che Strei­tig­keit in die­sem Sin­ne liegt vor. Die Frak­ti­on DIE LINKE sieht durch die Ableh­nung der Zuer­ken­nung der begehr­ten Oppo­si­ti­ons­rech­te pro­zess­stand­schaft­lich gel­tend gemach­te ver­fas­sungs­recht­lich ver­bürg­te Rech­te des Bun­des­ta­ges (Antrag zu 1 und zu 2) und eige­ne Rech­te (Antrag zu 3) durch den Deut­schen Bun­des­tag ver­letzt. Streit­ge­gen­stand sind somit ver­fas­sungs­recht­li­che Organ­be­zie­hun­gen11.

Die Frak­ti­on DIE LINKE ist in Organ­strei­tig­kei­ten nach Art. 93 Abs. 1 Nr. 1 GG, § 63 BVerfGG par­tei­fä­hig, da sie als Frak­ti­on des Deut­schen Bun­des­ta­ges ein sowohl von der GO-BT als auch von der Ver­fas­sung aner­kann­ter Teil des Ver­fas­sungs­or­gans Deut­scher Bun­des­tag ist. Im Organ­streit antrags­be­rech­tigt sind – ange­sichts der im par­la­men­ta­ri­schen Regie­rungs­sys­tem bestehen­den weit­ge­hen­den Über­ein­stim­mung von Regie­rung und der sie tra­gen­den Par­la­ments­mehr­heit – gera­de auch die Oppo­si­ti­ons­frak­tio­nen und damit die orga­ni­sier­te par­la­men­ta­ri­sche Min­der­heit als Gegen­spie­ler der Regie­rungs­mehr­heit12. Der Deut­sche Bun­des­tag ist als obers­tes Bun­des­or­gan nach Art. 93 Abs. 1 Nr. 1 GG, § 63 BVerfGG par­tei­fä­hig.

Die Frak­ti­on DIE LINKE greift statt­haf­te Antrags­ge­gen­stän­de im Sin­ne von § 64 Abs. 1 BVerfGG an, indem sie sich gegen kon­kre­te rechts­er­heb­li­che Maß­nah­men oder Unter­las­sun­gen des Deut­schen Bun­des­tags wen­det.

Mit ihren Anträ­gen zu 1 und zu 2 wen­det sich die Frak­ti­on DIE LINKE einer­seits gegen die Ableh­nung des jewei­li­gen Gesetz­ent­wurfs durch den Deut­schen Bun­des­tag, ande­rer­seits gegen die Nicht­zu­wei­sung der in dem abge­lehn­ten Gesetz­ent­wurf ent­hal­te­nen Rech­te. Dabei kann die bis­lang vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt noch nicht ent­schie­de­ne Fra­ge offen blei­ben, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen eine blo­ße Untä­tig­keit des Gesetz­ge­bers im Wege des Organ­streit­ver­fah­rens angreif­bar ist13 und ob Ableh­nun­gen von Gesetz­ent­wür­fen der Frak­ti­on DIE LINKE gene­rell rüge­fä­hi­ge Maß­nah­men dar­stel­len. Der Deut­sche Bun­des­tag hat sich mit den in den abge­lehn­ten Gesetz­ent­wür­fen begehr­ten Rech­ten inhalt­lich befasst und jeweils einen aus­drück­lich auf bestimm­te Ände­run­gen des Grund­ge­set­zes (Antrag zu 1) oder ein­zel­ner Geset­ze (Antrag zu 2) gerich­te­ten Gesetz­ent­wurf im par­la­men­ta­ri­schen Ver­fah­ren abge­lehnt. Da die nach inhalt­li­cher Befas­sung erfol­gen­de Ableh­nung des Gesetz­ent­wurfs als qua­li­fi­zier­te Unter­las­sung dem als Maß­nah­me zu wer­ten­den Erlass eines Geset­zes gleich­steht, stellt sie einen zuläs­si­gen Angriffs­ge­gen­stand im Organ­streit­ver­fah­ren dar14.

Mit ihrem Antrag zu 3 greift die Frak­ti­on DIE LINKE den Beschluss über die Ein­füh­rung des § 126a GO-BT an, wel­cher eine rechts­er­heb­li­che Maß­nah­me im Sin­ne des § 64 Abs. 1 BVerfGG dar­stellt. Zudem begehrt sie in Par­al­le­li­tät zu den Anträ­gen zu 1 und zu 2 die Zuwei­sung wei­ter­ge­hen­der Rech­te, macht also wie­der­um ein qua­li­fi­zier­tes Unter­las­sen gel­tend.

Hin­sicht­lich sämt­li­cher Antrags­ge­gen­stän­de wen­det sich die Frak­ti­on DIE LINKE rich­ti­ger­wei­se gegen Deut­schen Bun­des­tag, da der Deut­sche Bun­des­tag, der die jewei­li­gen Gesetz­ent­wür­fe abge­lehnt und den Antrag auf Ände­rung der GO-BT ange­nom­men hat, das Organ ist, wel­ches für die bean­stan­de­te Maß­nah­me oder Unter­las­sung die Ver­ant­wor­tung trägt. Alle drei Antrags­ge­gen­stän­de sind dem Deut­schen Bun­des­tag zuzu­rech­nen15.

Gemäß § 64 Abs. 1 BVerfGG hat der Antrag­stel­ler gel­tend zu machen, dass er oder das Organ, dem er ange­hört, durch den Antrags­ge­gen­stand in sei­nen ihm durch das Grund­ge­setz über­tra­ge­nen Rech­ten und Pflich­ten ver­letzt oder unmit­tel­bar gefähr­det ist.

Soweit sich die Frak­ti­on DIE LINKE hin­sicht­lich des Antrags zu 3 auf eige­ne Rech­te als Frak­ti­on aus Art. 38 Abs. 1 GG beruft, erscheint es jeden­falls nicht als von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen, dass sie durch die Ein­fü­gung des § 126a GO-BT durch den Deut­schen Bun­des­tag in ihren grund­ge­setz­lich ver­bürg­ten Rech­ten ver­letzt wor­den ist. Auch wenn in der bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung bis­lang von jeder Insti­tu­tio­na­li­sie­rung par­la­men­ta­ri­scher Oppo­si­ti­on abge­se­hen und die­se in kei­nem Fall als eige­nes Ver­fas­sungs­sub­jekt oder als orga­ni­sa­to­risch ver­selbst­stän­dig­te par­la­ments­recht­li­che Insti­tu­ti­on ange­se­hen wor­den ist, erscheint es – wie etwa eini­ge Lan­des­ver­fas­sun­gen illus­trie­ren, wel­che die nicht die Regie­rung tra­gen­den Frak­tio­nen als Oppo­si­ti­ons­trä­ger aner­ken­nen und bestimm­te Gewähr­leis­tun­gen an die­sen Sta­tus knüp­fen16 – nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen, dass die Frak­ti­on DIE LINKE in ihren Rech­ten ver­letzt ist, indem ihr durch Ein­fü­gung des § 126a GO-BT nicht Rech­te in einem Umfang ein­ge­räumt wor­den sind, wie sie von Ver­fas­sungs wegen gebo­ten gewe­sen wären.

Auch hin­sicht­lich der Anträ­ge zu 1 und zu 2 ist die Frak­ti­on DIE LINKE grund­sätz­lich antrags­be­fugt.

Frak­tio­nen sind berech­tigt, sowohl eige­ne Rech­te als auch Rech­te des Deut­schen Bun­des­ta­ges im Wege der Pro­zess­stand­schaft, das heißt frem­de Rech­te im eige­nen Namen, gel­tend zu machen17. Die Zuer­ken­nung der Pro­zess­stand­schafts­be­fug­nis ist sowohl Aus­druck der Kon­troll­funk­ti­on des Par­la­ments als auch Instru­ment des Min­der­hei­ten­schut­zes18. Vor dem Hin­ter­grund der weit­ge­hen­den Über­ein­stim­mung von Regie­rung und der sie tra­gen­den Par­la­ments­mehr­heit im par­la­men­ta­ri­schen Regie­rungs­sys­tem soll die Öff­nung des Organ­streits für ande­re Betei­lig­te als die obers­ten Bun­des­or­ga­ne nach der Vor­stel­lung des Par­la­men­ta­ri­schen Rates vor allem dazu die­nen, Oppo­si­ti­ons­frak­tio­nen und damit der orga­ni­sier­ten par­la­men­ta­ri­schen Min­der­heit als dem Gegen­spie­ler der Regie­rungs­mehr­heit den Rechts­weg zum Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zu eröff­nen, um somit die tat­säch­li­che Gel­tend­ma­chung der dem Par­la­ment im Ver­fas­sungs­ge­fü­ge zukom­men­den Rech­te zu ermög­li­chen19.

Dem steht nicht ent­ge­gen, dass es sich im vor­lie­gen­den Organ­streit beim Deut­schen Bun­des­tag zugleich um den Deut­schen Bun­des­tag han­delt. Die pro­zess­stand­schaft­li­che Gel­tend­ma­chung der Rech­te des Bun­des­ta­ges ist nicht allein dann mög­lich, wenn die­ser die ange­grif­fe­ne Maß­nah­me oder Unter­las­sung gebil­ligt hat20, son­dern auch dann, wenn es sich beim Bun­des­tag um den Deut­schen Bun­des­tag han­delt21. Die in § 64 Abs. 1 BVerfGG vor­ge­se­he­ne Pro­zess­stand­schaft stellt den Organ­streit in die Wirk­lich­keit des poli­ti­schen Kräf­te­spiels, in der sich Gewal­ten­tei­lung über die klas­si­sche Gegen­über­stel­lung der geschlos­se­nen Gewalt­trä­ger hin­aus in ers­ter Linie in der Ein­rich­tung von Min­der­hei­ten­rech­ten ver­wirk­licht. Daher lie­gen Sinn und Zweck der Pro­zess­stand­schaft dar­in, der Par­la­ments­min­der­heit die Befug­nis zur Gel­tend­ma­chung der Rech­te des Bun­des­ta­ges nicht nur dann zu erhal­ten, wenn die­ser sei­ne Rech­te, vor allem im Ver­hält­nis zu der von ihm getra­ge­nen Bun­des­re­gie­rung, nicht wahr­neh­men will22, son­dern auch dann, wenn die Par­la­ments­min­der­heit Rech­te des Bun­des­ta­ges gegen die die Bun­des­re­gie­rung poli­tisch stüt­zen­de Par­la­ments­mehr­heit gel­tend macht23.

Die Frak­ti­on DIE LINKE beruft sich auf einen Ver­stoß gegen das Demo­kra­tie­prin­zip (Art.20 Abs. 1 und 2 GG) und gegen Grund­sät­ze des par­la­men­ta­ri­schen Regie­rungs­sys­tems (Art. 45b, 63, 67, 68 und 69 GG), nament­lich gegen die Gebo­te effek­ti­ver Aus­übung der Oppo­si­ti­on und wirk­sa­mer par­la­men­ta­ri­scher Kon­trol­le von Regie­rung und Par­la­ments­mehr­heit.

Bei dem vor­lie­gend pro­zess­stand­schaft­lich gel­tend gemach­ten Recht des Bun­des­ta­ges han­delt es sich um par­la­men­ta­ri­sche Kon­troll­rech­te, wel­che struk­tu­rell maß­geb­lich von Aus­übungs­mög­lich­kei­ten durch die par­la­men­ta­ri­sche Oppo­si­ti­on abhän­gig sind. Effek­ti­vi­tät und Inten­si­tät der vom Bun­des­tag aus­ge­üb­ten Kon­trol­le hän­gen im par­la­men­ta­ri­schen Regie­rungs­sys­tem von der Reich­wei­te der par­la­men­ta­ri­schen Min­der­hei­ten­rech­te und ihrer Aus­ge­stal­tung im Hin­blick auf Instru­men­te der Kon­trol­le von Regie­rung und regie­rungs­tra­gen­der Mehr­heit ab. Die par­la­men­ta­ri­sche Kon­trol­le ist umso effek­ti­ver, je stär­ker die der par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on zur Ver­fü­gung ste­hen­den Min­der­hei­ten­rech­te sind. Es erscheint daher nicht als von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen, dass der Deut­sche Bun­des­tag sei­ne Kon­troll­rech­te durch die Nicht­an­nah­me der Gesetz­ent­wür­fe, die Gegen­stand der Anträ­ge zu 1 und zu 2 sind, ver­letzt hat.

Hin­ge­gen geht die Auf­fas­sung des Deut­schen Bun­des­tags fehl, der Antrag zu 1 sei man­gels eines fest­stel­lungs­fä­hi­gen Ver­fas­sungs­rechts­ver­hält­nis­ses unzu­läs­sig, da die Frak­ti­on DIE LINKE – indem sie eine Ände­rung der Ver­fas­sung begeh­re – nicht auf die objek­ti­ve Bewah­rung des Ver­fas­sungs­rechts, son­dern auf ein erst zu schaf­fen­des Ver­fas­sungs­rechts­ver­hält­nis zie­le. Er über­sieht inso­weit, dass sich die Frak­ti­on DIE LINKE mit ihrem Antrag zu 1 durch­aus auf ein – auch aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Prin­zi­pi­en und Grund­sät­zen abge­lei­te­tes – bereits bestehen­des Ver­fas­sungs­rechts­ver­hält­nis beruft, das Rech­te und Pflich­ten des Bun­des­ta­ges begrün­det.

Aller­dings ist die Begrün­dung, mit der eine Erstre­ckung (gemäß Art. 3 in Ver­bin­dung mit Art. 7 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 2 des Gesetz­ent­wurfs BT-Drs. 18/​380) des Rechts nach § 8 Abs. 5 Satz 3 EUZBBG auf zwei Oppo­si­ti­ons­frak­tio­nen in dem Sin­ne gel­tend gemacht wird, dass kei­ne Grün­de erkenn­bar sei­en, die­ses Recht der Oppo­si­ti­on vor­zu­ent­hal­ten, bereits unsub­stan­ti­iert und der Antrag zu 2 daher unzu­läs­sig, soweit er sich auf die Ände­rung des EUZBBG bezieht.

Unzu­läs­sig ist der Antrag zu 2 fer­ner, soweit danach der die Bestim­mung des § 70 GO-BT gesetz­lich modi­fi­zie­ren­de, in § 5 Abs. 6 Satz 2 ESMFinG ent­hal­te­ne qua­li­fi­zie­ren­de Zusatz der Unter­stüt­zung durch min­des­tens zwei Frak­tio­nen im Aus­schuss voll­stän­dig ent­fal­len soll (Art. 4 Nr. 3 des Gesetz­ent­wurfs BT-Drs. 18/​380) und auch die als Erset­zung kon­zi­pier­te, in Art. 4 Nr. 1 des Gesetz­ent­wurfs vor­ge­schla­ge­ne Ände­rung zugleich das Ent­fal­len einer par­al­le­len qua­li­fi­zie­ren­den Vor­aus­set­zung ent­hält.

Das in Art. 4 Nr. 1 und 3 des Gesetz­ent­wurfs BT-Drs. 18/​380 vor­ge­schla­ge­ne Ent­fal­len eines qua­li­fi­zie­ren­den Zusat­zes stellt kei­ne Zuwei­sung von Befug­nis­sen an zwei Oppo­si­ti­ons­frak­tio­nen dar. Damit hat die Kon­stel­la­ti­on ledig­lich gemein, dass auch das Ent­fal­len einer erschwe­ren­den Vor­aus­set­zung eine irgend­wie gear­te­te Begüns­ti­gung (auch) der Frak­ti­on DIE LINKE dar­stellt. Damit setzt die­se sich in der Antrags­be­grün­dung nicht aus­ein­an­der. Im Übri­gen ist weder vor­ge­tra­gen noch ersicht­lich, inwie­fern ein Ent­fal­len des qua­li­fi­zie­ren­den Zusat­zes der Unter­stüt­zung durch min­des­tens zwei Frak­tio­nen im Aus­schuss etwa auf­grund des all­ge­mei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­sat­zes effek­ti­ver Oppo­si­ti­on ver­fas­sungs­recht­lich gebo­ten sein könn­te. In der Ent­wurfs­be­grün­dung, in der ledig­lich lapi­dar von einem – nicht näher begrün­de­ten – „Ent­fal­len-Kön­nen” die Rede ist24, wird bereits nicht von einer ver­fas­sungs­recht­li­chen Gebo­ten­heit der Geset­zes­än­de­rung aus­ge­gan­gen.

Ent­spre­chen­des gilt hin­sicht­lich der – par­al­lel gela­ger­ten – in Art. 5 des Gesetz­ent­wurfs vor­ge­schla­ge­nen Strei­chung des § 4 Abs. 5 Satz 2 Stab­MechG. Es ist weder vor­ge­tra­gen noch ersicht­lich, inwie­fern ein Ent­fal­len des qua­li­fi­zie­ren­den Zusat­zes der Unter­stüt­zung durch min­des­tens zwei Frak­tio­nen im Aus­schuss etwa auf­grund des all­ge­mei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­sat­zes effek­ti­ver Oppo­si­ti­on ver­fas­sungs­recht­lich gebo­ten sein könn­te.

Die Anträ­ge sind form­ge­recht im Sin­ne des § 23 Abs. 1 BVerfGG erho­ben wor­den. Die Frist von sechs Mona­ten (§ 64 Abs. 3 BVerfGG), die glei­cher­ma­ßen auf Maß­nah­men wie auf Unter­las­sun­gen Anwen­dung fin­det und im Hin­blick auf die ange­grif­fe­nen drei Beschlüs­se des Deut­schen Bun­des­tags vom 03.04.2014 am 3.10.2014 geen­det hat, ist gewahrt.

Rechts­schutz­be­dürf­nis[↑]

Auch im Organ­streit­ver­fah­ren ist das Rechts­schutz­be­dürf­nis des Organs grund­sätz­lich Vor­aus­set­zung für die Sach­ent­schei­dung25. Da Bestand und Reich­wei­te der aus dem Grund­ge­setz oder unge­schrie­be­nem Ver­fas­sungs­recht ableit­ba­ren Min­der­hei­ten- und Oppo­si­ti­ons­rech­te zwi­schen den Betei­lig­ten umstrit­ten und klä­rungs­be­dürf­tig sind, ist das Rechts­schutz­be­dürf­nis der Frak­ti­on DIE LINKE zu beja­hen. Ande­re gleich­wer­ti­ge ver­fas­sungs­recht­li­che oder par­la­men­ta­risch-poli­ti­sche Hand­lungs­mög­lich­kei­ten bestehen nicht. Schließ­lich steht die not­wen­di­ge Betei­li­gung des Bun­des­ra­tes an einer Ver­fas­sungs­än­de­rung nach Art. 79 Abs. 2 GG dem Rechts­schutz­be­dürf­nis der Frak­ti­on DIE LINKE nicht ent­ge­gen.

Soweit die Frak­ti­on BÜNDNIS 90/​DIE GRÜNEN das Rechts­schutz­be­dürf­nis der Frak­ti­on DIE LINKE mit Blick auf die Rege­lung des § 126a GO-BT in Fra­ge stellt, solan­ge die Mehr­heit nicht gegen die getrof­fe­nen Regeln ver­sto­ße, ver­kennt sie, dass die Frak­ti­on DIE LINKE ein erheb­li­ches Inter­es­se an einer ver­bind­li­chen Fest­stel­lung der sich gera­de aus dem Grund­ge­setz erge­ben­den Rechts­la­ge hat.

Zum einen sind die in der Geschäfts­ord­nung getrof­fe­nen Rege­lun­gen – unge­ach­tet der hier nicht zur Ent­schei­dung anste­hen­den Fra­ge, ob die­se den ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben Rech­nung tra­gen – jeder­zeit änder­bar und stel­len daher – auch unter Berück­sich­ti­gung der Rege­lung des § 126a Abs. 2 GO-BT – kei­ne gesi­cher­te Rechts­po­si­ti­on der par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on dar26.

Zum ande­ren ist Prü­fungs­maß­stab des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts im Organ­streit allein das Grund­ge­setz, wohin­ge­gen nicht jede der in Aus­übung der Geschäfts­ord­nungs­au­to­no­mie des Bun­des­ta­ges nach Art. 40 Abs. 1 Satz 2 GG getrof­fe­ne Rege­lung der GO-BT von Ver­fas­sungs wegen gebo­ten sein muss. Vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt sind viel­mehr nur jene Rech­te ein­klag­bar, die sich auf ein ent­spre­chen­des Ver­fas­sungs­ge­bot zurück­füh­ren las­sen (vgl. § 64 Abs. 1 und 2 BVerfGG). Allein in der GO-BT gewähr­leis­te­te Rech­te sind ver­fas­sungs­recht­lich nicht ein­klag­bar27.

Auch der vom Deut­schen Bun­des­tag ins Feld geführ­te Sub­si­dia­ri­täts­ge­dan­ke, wonach die Frak­ti­on DIE LINKE zunächst einen kon­kre­ten Antrag – etwa auf Ein­set­zung eines Unter­su­chungs­aus­schus­ses – stel­len müs­se und erst gegen des­sen etwai­ge Ableh­nung das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt anru­fen kön­ne, ver­mag am Vor­lie­gen eines Rechts­schutz­be­dürf­nis­ses nichts zu ändern. Es ist der Frak­ti­on DIE LINKE nicht zumut­bar, im par­la­men­ta­ri­schen Pro­zess zunächst den Ver­such zu unter­neh­men, ein Min­der­hei­ten­recht aus­zu­üben. Sie hat bereits in des­sen Vor­feld ein erheb­li­ches Inter­es­se an der Klä­rung der ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­la­ge, da bereits die abs­trak­te Mög­lich­keit der Aus­übung von Min­der­hei­ten­rech­ten Vor­wir­kun­gen auf die oppo­si­tio­nel­len Wir­kungs­mög­lich­kei­ten haben kann. So kann etwa allein die (Mög­lich­keit der) Andro­hung, ein der Oppo­si­ti­on zur Ver­fü­gung ste­hen­des Min­der­hei­ten­recht – etwa auf Ein­set­zung eines Unter­su­chungs­aus­schus­ses – aus­zu­üben, zu einer ent­spre­chen­den Reak­ti­on – etwa der Stei­ge­rung der Aus­kunfts­be­reit­schaft – bei der Regie­rung und der par­la­men­ta­ri­schen Regie­rungs­mehr­heit füh­ren und auf die­se Wei­se die eigent­li­che Aus­übung des Min­der­hei­ten­rechts über­flüs­sig machen28.

Dem Rechts­schutz­be­dürf­nis der Frak­ti­on DIE LINKE hin­sicht­lich des Antrags zu 1 steht schließ­lich nicht ent­ge­gen, dass – wie der Deut­sche Bun­des­tag vor­trägt – eine Ände­rung der Ver­fas­sung nach Art. 79 Abs. 2 GG zwin­gend der Mit­wir­kung des Bun­des­ra­tes bedarf. Mit dem Begeh­ren fest­zu­stel­len, dass der Deut­sche Bun­des­tag ihren ver­fas­sungs­än­dern­den Gesetz­ent­wurf hät­te beschlie­ßen müs­sen, ver­folgt die Frak­ti­on DIE LINKE ein im Organ­streit­ver­fah­ren statt­haf­tes Ver­fah­rens­ziel. Inso­weit han­delt es sich um einen abgrenz­ba­ren Teil­akt im Ver­fah­ren der Ver­fas­sungs­än­de­rung. Bei Aus­blei­ben der nach Art. 79 Abs. 2 GG erfor­der­li­chen Zustim­mung des Bun­des­ra­tes könn­te die Frak­ti­on DIE LINKE – einen ent­spre­chen­den ver­fas­sungs­kräf­ti­gen Anspruch unter­stellt – im Übri­gen ein eigen­stän­di­ges Organ­streit­ver­fah­ren gegen die­sen anstren­gen.

Kei­ne wei­te­re Effek­tu­ie­rung der par­la­men­ta­ri­schen Kon­troll­funk­ti­on[↑]

Soweit die Anträ­ge zuläs­sig sind, sind sie jedoch nach dem Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts unbe­grün­det:

Der Antrag zu 1 ist unbe­grün­det, da eine Pflicht des Deut­schen Bun­des­tags zur Effek­tu­ie­rung sei­ner Kon­troll­funk­ti­on durch Ein­räu­mung der von der Frak­ti­on DIE LINKE begehr­ten Oppo­si­ti­ons­rech­te auf Ver­fas­sungs­ebe­ne nicht besteht.

Das Grund­ge­setz ent­hält zwar einen in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts kon­kre­ti­sier­ten all­ge­mei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­satz effek­ti­ver Oppo­si­ti­on. Die­ser Grund­satz umfasst jedoch kein Gebot spe­zi­fi­scher Oppo­si­ti­ons­frak­ti­ons­rech­te. Unab­hän­gig davon ist die Ein­füh­rung spe­zi­fi­scher Oppo­si­ti­ons­frak­ti­ons­rech­te mit der Gleich­heit der Abge­ord­ne­ten und ihrer Zusam­men­schlüs­se nach Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG unver­ein­bar. Einer dem Rechts­schutz­ziel der Frak­ti­on DIE LINKE nahe kom­men­den – im Hin­blick auf die Gleich­heit aller Abge­ord­ne­ten neu­tra­len – Absen­kung der grund­ge­setz­li­chen Quo­ren zur Erleich­te­rung der prak­ti­schen Aus­üb­bar­keit par­la­men­ta­ri­scher Min­der­hei­ten­rech­te ste­hen der ein­deu­ti­ge Wort­laut der ver­fas­sungs­recht­li­chen Rege­lun­gen und der Wil­le des ver­fas­sungs­än­dern­den Gesetz­ge­bers im Wege.

Grund­satz effek­ti­ver Oppo­si­ti­on[↑]

Das Grund­ge­setz ent­hält einen durch die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts kon­kre­ti­sier­ten all­ge­mei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­satz effek­ti­ver Oppo­si­ti­on.

Der ver­fas­sungs­recht­li­che Schutz der Oppo­si­ti­on wur­zelt im Demo­kra­tie­prin­zip nach Art.20 Abs. 1, Abs. 2 und Art. 28 Abs. 1 Satz 1 GG29. Aus dem Mehr­heits­prin­zip nach Art. 42 Abs. 2 GG und den – eine punk­tu­el­le Durch­bre­chung des Mehr­heits­prin­zips dar­stel­len­den – par­la­men­ta­ri­schen Min­der­hei­ten­rech­ten nach Art. 23 Abs. 1a Satz 2, Art. 39 Abs. 3 Satz 3, Art. 44 Abs. 1 Satz 1, Art. 45a Abs. 2 Satz 2 und Art. 93 Abs. 1 Nr. 2 GG fol­gen der Respekt vor der Sach­ent­schei­dung der par­la­men­ta­ri­schen Mehr­heit und die Gewähr­leis­tung einer rea­lis­ti­schen Chan­ce der par­la­men­ta­ri­schen Min­der­heit, zur Mehr­heit zu wer­den30. Dahin­ter steht die Idee eines – inner- wie außer­par­la­men­ta­ri­schen – offe­nen Wett­be­werbs der unter­schied­li­chen poli­ti­schen Kräf­te, wel­cher nament­lich vor­aus­setzt, dass die Oppo­si­ti­on nicht behin­dert wird31. Dem­ge­mäß ist die Bil­dung und Aus­übung einer orga­ni­sier­ten poli­ti­schen Oppo­si­ti­on kon­sti­tu­tiv für die frei­heit­li­che demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung32.

Zusätz­lich ver­fas­sungs­recht­lich abge­si­chert ist das Recht „auf orga­ni­sier­te poli­ti­sche Oppo­si­ti­on„33 im Rechts­staats­prin­zip (Art.20 Abs. 3 und Art. 28 Abs. 1 Satz 1 GG). Der dort ver­an­ker­te Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung, der die Glie­de­rung und wech­sel­sei­ti­ge Kon­trol­le der gesetz­ge­ben­den, der voll­zie­hen­den und der recht­spre­chen­den Gewalt anlei­tet und nament­lich die par­la­men­ta­ri­sche Kon­trol­le von Regie­rung und Ver­wal­tung erfasst (vgl. Art. 45b GG), hat den Bedin­gun­gen des par­la­men­ta­ri­schen Regie­rungs­sys­tems Rech­nung zu tra­gen, wie sie durch das Grund­ge­setz und die poli­ti­sche Pra­xis aus­ge­stal­tet wer­den. Weil danach die Bil­dung einer sta­bi­len Mehr­heit für die Wahl einer hand­lungs­fä­hi­gen Regie­rung und deren fort­lau­fen­de Unter­stüt­zung uner­läss­lich ist (vgl. Art. 63 und 67 bis 69 GG), obliegt die par­la­men­ta­ri­sche Kon­trol­le der Regie­rung nicht nur dem Par­la­ment als Gan­zem, son­dern ins­be­son­de­re und gera­de auch den Abge­ord­ne­ten und Frak­tio­nen, die nicht die Regie­rung tra­gen. Als par­la­men­ta­ri­sche Oppo­si­ti­on stel­len sie die natür­li­chen Gegen­spie­ler von Regie­rung und regie­rungs­tra­gen­der Mehr­heit dar (soge­nann­ter neu­er oder inner­par­la­men­ta­ri­scher Dua­lis­mus)34.

Die zen­tra­le Rol­le der par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on bei der Aus­übung der par­la­men­ta­ri­schen Kon­troll­funk­ti­on spie­gelt sich auch im ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­schutz­sys­tem wider: Zum einen besteht ein par­la­men­ta­ri­sches Min­der­hei­ten­recht hin­sicht­lich der abs­trak­ten Nor­men­kon­trol­le aus der Mit­te des Bun­des­ta­ges neben der par­al­lel ver­lau­fen­den Mög­lich­keit der Antrag­stel­lung über (auch) „oppo­si­tio­nel­le” Lan­des­re­gie­run­gen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Nr. 2 GG)35. Zum ande­ren sind sub­jek­ti­ve Rechts­stel­lun­gen im inner­par­la­men­ta­ri­schen Bereich über die Antrags­be­rech­ti­gung „ande­rer Betei­lig­ter, die durch die­ses Grund­ge­setz oder in der Geschäfts­ord­nung eines obers­ten Bun­des­or­gans mit eige­nen Rech­ten aus­ge­stat­tet sind”, im Wege des Organ­streit­ver­fah­rens (vgl. Art. 93 Abs. 1 Nr. 1 GG) ver­fas­sungs­pro­zes­su­al durch­setz­bar. Dar­über hin­aus eröff­net die Mög­lich­keit einer pro­zess­stand­schaft­li­chen Gel­tend­ma­chung der Rech­te des Bun­des­ta­ges gera­de den Oppo­si­ti­ons­frak­tio­nen und damit der orga­ni­sier­ten par­la­men­ta­ri­schen Min­der­heit als dem Gegen­spie­ler der Regie­rungs­mehr­heit ein effek­ti­ves Ein­tre­ten für die par­la­men­ta­ri­sche Kon­troll­funk­ti­on.

Das indi­vi­du­el­le Recht zum – sowohl struk­tu­rel­len als auch situa­ti­ven – par­la­men­ta­ri­schen Oppo­nie­ren gegen die poli­ti­sche Linie von Regie­rung und regie­rungs­tra­gen­der Mehr­heit grün­det in der in Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG garan­tier­ten Frei­heit und Gleich­heit der Abge­ord­ne­ten, die als Ver­tre­ter des gan­zen Vol­kes an Auf­trä­ge und Wei­sun­gen nicht gebun­den und nur ihrem Gewis­sen unter­wor­fen sind. Die­se Frei­heit wird durch die nach Art. 46 GG gewähr­leis­te­te Indem­ni­tät und Immu­ni­tät und das Zeug­nis­ver­wei­ge­rungs­recht eines jeden Abge­ord­ne­ten nach Art. 47 GG abge­si­chert und ist gera­de für die Oppo­si­ti­on von beson­de­rer Bedeu­tung.

Damit die Oppo­si­ti­on ihre par­la­men­ta­ri­sche Kon­troll­funk­ti­on erfül­len kann, müs­sen die im Grund­ge­setz vor­ge­se­he­nen Min­der­hei­ten­rech­te auf Wirk­sam­keit hin aus­ge­legt wer­den36. Dies ist nament­lich für das Recht auf Ein­set­zung eines Unter­su­chungs­aus­schus­ses in sei­ner Aus­prä­gung als Min­der­heits­en­quete aner­kannt37. Es gilt der Grund­satz effek­ti­ver Oppo­si­ti­on. Sie darf bei der Aus­übung ihrer Kon­troll­be­fug­nis­se nicht auf das Wohl­wol­len der Par­la­ments­mehr­heit ange­wie­sen sein. Denn die Kon­troll­be­fug­nis­se sind der par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on nicht nur in ihrem eige­nen Inter­es­se, son­dern in ers­ter Linie im Inter­es­se des demo­kra­ti­schen, gewal­ten­ge­glie­der­ten Staa­tes – näm­lich zur öffent­li­chen Kon­trol­le der von der Mehr­heit gestütz­ten Regie­rung und ihrer Exe­ku­tiv­or­ga­ne – in die Hand gege­ben38. Der Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung im par­la­men­ta­ri­schen Regie­rungs­sys­tem gewähr­leis­tet daher die prak­ti­sche Aus­üb­bar­keit der par­la­men­ta­ri­schen Kon­trol­le gera­de auch durch die par­la­men­ta­ri­sche Oppo­si­ti­on.

Kein Gebot spe­zi­fi­scher Oppo­si­ti­ons­rech­te[↑]

Das Grund­ge­setz begrün­det jedoch weder expli­zit spe­zi­fi­sche Oppositions(fraktions)rechte, noch lässt sich ein Gebot der Schaf­fung sol­cher Rech­te aus dem Grund­ge­setz ablei­ten.

Das Grund­ge­setz schweigt bereits über den Begriff der Oppo­si­ti­on. Schon gar nicht erkennt es Oppo­si­ti­ons­frak­tio­nen als spe­zi­fi­sche Rechts­trä­ger an. Ihre Auf­nah­me in das Grund­ge­setz wur­de von der Gemein­sa­men Ver­fas­sungs­kom­mis­si­on nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung zwar erwo­gen, der Antrag fand aber nicht die erfor­der­li­che Mehr­heit39. Die Aus­ge­stal­tung von Rech­ten der par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on voll­zieht sich inner­halb der Ord­nung des Grund­ge­set­zes viel­mehr über die Rech­te der par­la­men­ta­ri­schen Min­der­hei­ten. Den ihnen etwa in Art. 23 Abs. 1a Satz 2, Art. 39 Abs. 3 Satz 3, Art. 44 Abs. 1 Satz 1, Art. 45a Abs. 2 Satz 2 oder Art. 93 Abs. 1 Nr. 2 GG zuge­wie­se­nen Rech­ten kommt für das der par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on zur Ver­fü­gung ste­hen­de Instru­men­ta­ri­um zen­tra­le Bedeu­tung zu. Außer der Grund­ent­schei­dung für eine punk­tu­el­le Durch­bre­chung des Mehr­heits­prin­zips in den Fäl­len, in denen die par­la­men­ta­ri­sche Min­der­heit bestimm­te Maß­nah­men gegen den Wil­len der Mehr­heit durch­zu­set­zen im Stan­de sein soll, ist ihnen jedoch zu ent­neh­men, dass Min­der­hei­ten­rech­te stets nur einer nach bestimm­ten Merk­ma­len qua­li­fi­zier­ten Min­der­heit zur Ver­fü­gung ste­hen. Die Qua­li­fi­zie­rung der mit die­sen beson­de­ren Rech­ten aus­ge­stat­te­ten Min­der­hei­ten besteht in der Errei­chung eines bestimm­ten Quo­rums an Mit­glie­dern des Bun­des­ta­ges; bei Art. 39 Abs. 3 Satz 3 GG liegt die­ses Quo­rum bei einem Drit­tel, bei Art. 23 Abs. 1a Satz 2, Art. 44 Abs. 1 Satz 1, Art. 45a Abs. 2 Satz 2 und Art. 93 Abs. 1 Nr. 2 GG jeweils bei einem Vier­tel. In kei­ner grund­ge­setz­li­chen Bestim­mung wird eine bestimm­te Anzahl an Frak­tio­nen (vgl. Art. 53a Abs. 1 Satz 2 GG) mit beson­de­ren Rech­ten aus­ge­stat­tet.

Die­ses Rege­lungs­kon­zept ori­en­tiert sich an den poli­ti­schen Kräf­te­ver­hält­nis­sen im par­la­men­ta­ri­schen Regie­rungs­sys­tem, da die par­la­men­ta­ri­sche Oppo­si­ti­on in der Regel die par­la­men­ta­ri­sche Min­der­heit ver­kör­pert40, in sich aber – eben­so wie die par­la­men­ta­ri­sche Mehr­heit – nicht not­wen­dig eine homo­ge­ne Ein­heit dar­stellt, son­dern in eine Mehr­zahl oder sogar in eine Viel­zahl von Grup­pie­run­gen – Frak­tio­nen oder auch Frak­ti­ons­stär­ke nicht errei­chen­de Grup­pen und ein­zel­ne Abge­ord­ne­te – auf­ge­spal­ten sein kann41. Das Grund­ge­setz hat sich dafür ent­schie­den, die par­la­men­ta­ri­schen Min­der­hei­ten­rech­te Abge­ord­ne­ten, die bestimm­te Quo­ren erfül­len, ohne Anse­hung ihrer Zusam­men­set­zung zur Ver­fü­gung zu stel­len42, mit­hin die Aus­üb­bar­keit par­la­men­ta­ri­scher Min­der­hei­ten­rech­te nicht auf oppo­si­tio­nel­le Akteu­re – wie etwa die Oppo­si­ti­ons­frak­tio­nen – zu beschrän­ken.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Frak­ti­on DIE LINKE ergibt sich nichts ande­res aus der Exis­tenz der Fünf-Pro­zent-Sperr­klau­sel. Zutref­fend ist, dass sich auf­grund der Fünf-Pro­zent-Sperr­klau­sel bei der Wahl zum 18. Deut­schen Bun­des­tag ein Wäh­ler­an­teil von ins­ge­samt 15, 7 % der abge­ge­be­nen Zweit­stim­men in der Sitz­ver­tei­lung nicht nie­der­schla­gen konn­te43. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat sich mehr­fach mit der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Fünf-Pro­zent-Sperr­klau­sel des Bun­des­wahl­ge­set­zes (vgl. heu­te § 6 Abs. 3 Satz 1, 1. Var. BWahlG) befasst, sie als Durch­bre­chung des Grund­sat­zes der (Erfolgswert-)Gleichheit der Wahl iden­ti­fi­ziert, jedoch – auf­grund des hin­rei­chend zwin­gen­den Dif­fe­ren­zie­rungs­grun­des der Siche­rung der Hand­lungs- und Ent­schei­dungs­fä­hig­keit des Par­la­ments – als ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt ange­se­hen44. Bereits die Prä­mis­se der Frak­ti­on DIE LINKE, die Fünf-Pro­zent-Sperr­klau­sel füh­re zu einer Schwä­chung der par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on, geht inso­weit fehl, als das Ver­hält­nis der Stimm­an­tei­le der im Par­la­ment ver­tre­te­nen Par­tei­en zuein­an­der durch die Ver­ga­be aller Sit­ze nach § 6 Abs. 1 bis 3 BWahlG grund­sätz­lich nicht ver­än­dert wird45, sich die Sperr­klau­sel folg­lich inner­par­la­men­ta­risch neu­tral ver­hält. Über­dies ist die Prä­mis­se der Frak­ti­on DIE LINKE inso­weit spe­ku­la­tiv, als sich bei Ein­zug wei­te­rer Par­tei­en ins Par­la­ment die etwaig erfor­der­li­che Bil­dung einer Regie­rungs­ko­ali­ti­on unter ande­ren Bedin­gun­gen voll­zie­hen wür­de. Inwie­weit Par­tei­en, die die Sperr­klau­sel ver­fehlt haben, an einer Regie­rungs­ko­ali­ti­on betei­ligt wür­den, ist offen. Daher kann es sogar im Inter­es­se einer Stär­kung der par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on lie­gen, dass Par­tei­en, die poten­zi­ell die Regie­rung mit­tra­gen, nicht in den Bun­des­tag ein­zie­hen.

Spe­zi­fi­sche Oppo­si­ti­ons­frak­ti­ons­rech­te – und die Gleich­heit der Abge­ord­ne­ten[↑]

Einer Ein­füh­rung spe­zi­fi­scher Oppo­si­ti­ons­frak­ti­ons­rech­te steht zudem Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG ent­ge­gen. Exklu­siv den Oppo­si­ti­ons­frak­tio­nen zur Ver­fü­gung ste­hen­de Rech­te – wie bei­spiel­haft die Schaf­fung spe­zi­fi­scher Oppo­si­ti­ons­rech­te im Aus­schuss in § 126a Abs. 1 Nr. 2 und 7 bis 10 GO-BT – stel­len eine nicht zu recht­fer­ti­gen­de Durch­bre­chung des Grund­sat­zes der Gleich­heit der Abge­ord­ne­ten und ihrer Zusam­men­schlüs­se aus Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG dar.

Alle Mit­glie­der des Bun­des­ta­ges ver­fü­gen grund­sätz­lich über die glei­chen Rech­te und Pflich­ten. Dies folgt vor allem dar­aus, dass der Deut­sche Bun­des­tag sei­ne Reprä­sen­ta­ti­ons­funk­ti­on grund­sätz­lich in sei­ner Gesamt­heit wahr­nimmt, durch die Mit­wir­kung aller sei­ner Mit­glie­der, nicht durch ein­zel­ne Abge­ord­ne­te, eine Grup­pe von Abge­ord­ne­ten oder die par­la­men­ta­ri­sche Mehr­heit46. Jeder Abge­ord­ne­te ist beru­fen, an der Arbeit des Bun­des­ta­ges, sei­nen Ver­hand­lun­gen und Ent­schei­dun­gen teil­zu­neh­men. Dies gilt nament­lich für die Kon­troll­funk­ti­on des Par­la­ments gegen­über der Regie­rung47. Dem­zu­fol­ge ist auch den Abge­ord­ne­ten, die struk­tu­rell die Regie­rung stüt­zen, die Mög­lich­keit eines Oppo­nie­rens im Ein­zel­fall eröff­net.

Die­se Maß­stä­be gel­ten auch für Frak­tio­nen, deren Rechts­stel­lung als not­wen­di­ge Ein­rich­tun­gen des Ver­fas­sungs­le­bens, poli­ti­sches Glie­de­rungs­prin­zip für die Arbeit des Bun­des­ta­ges und maß­geb­li­che Fak­to­ren der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung eben­falls in Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG begrün­det ist, da Frak­tio­nen Zusam­men­schlüs­se von Abge­ord­ne­ten sind (vgl. Art. 53a Abs. 1 Satz 2 GG)48.

Eine Durch­bre­chung des Grund­sat­zes der Gleich­heit der Abge­ord­ne­ten und ihrer Zusam­men­schlüs­se ist nur bei Vor­lie­gen beson­de­rer Grün­de ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt49, die ihrer­seits durch die Ver­fas­sung legi­ti­miert und von einem Gewicht sein müs­sen, das der Gleich­heit der Abge­ord­ne­ten die Waa­ge hal­ten kann. Die Anfor­de­run­gen an einen sol­chen Grund ent­spre­chen denen, die an Dif­fe­ren­zie­run­gen inner­halb der Wahl­rechts­gleich­heit zu stel­len sind, weil die­se auf der zwei­ten Stu­fe der Ent­fal­tung demo­kra­ti­scher Wil­lens­bil­dung, das heißt im Sta­tus und der Tätig­keit der Abge­ord­ne­ten, fort­wirkt50. Das Recht des ein­zel­nen Abge­ord­ne­ten, an der Wil­lens­bil­dung und Ent­schei­dungs­fin­dung des Bun­des­ta­ges mit­zu­wir­ken, darf nicht in Fra­ge gestellt wer­den51.

Die Zuwei­sung spe­zi­fi­scher Oppo­si­ti­ons­rech­te stellt eine Bevor­zu­gung, mit­hin eine Ungleich­be­hand­lung zuguns­ten der oppo­si­tio­nel­len Abge­ord­ne­ten und ihrer Zusam­men­schlüs­se gegen­über den die Regie­rung tra­gen­den Abge­ord­ne­ten und deren Zusam­men­schlüs­sen dar. Ein durch­grei­fen­der Recht­fer­ti­gungs­grund nach den genann­ten Maß­stä­ben ist vor­lie­gend weder vor­ge­tra­gen noch ersicht­lich.

Von der Mög­lich­keit eines Oppo­nie­rens im kon­kre­ten Ein­zel­fall par­la­men­ta­ri­scher Arbeit wird durch die Abge­ord­ne­ten, die struk­tu­rell die Regie­rung stüt­zen, wegen der Bin­dun­gen inner­halb der Koali­ti­ons­frak­tio­nen in der poli­ti­schen Pra­xis zwar ver­gleichs­wei­se sel­ten Gebrauch gemacht52. Allein das Bestehen die­ser Mög­lich­keit zwingt die Regie­rung aber immer wie­der, für die eige­ne poli­ti­sche Posi­ti­on auch „in den eige­nen Rei­hen” zu wer­ben, was der Offen­heit des poli­ti­schen Pro­zes­ses nur för­der­lich sein kann. Die fak­ti­sche Kon­troll­zu­rück­hal­tung der struk­tu­rell die Regie­rung stüt­zen­den Abge­ord­ne­ten ver­mag ihren Aus­schluss von der Wahr­neh­mung bestimm­ter Min­der­hei­ten­rech­te daher nicht zu recht­fer­ti­gen.

Auch die beson­de­re Situa­ti­on einer „ent­rech­te­ten” Oppo­si­ti­on ange­sichts einer gera­de­zu „erdrü­cken­den” Regie­rungs­mehr­heit führt zu kei­nem ande­ren Ergeb­nis. Das inso­fern von der Frak­ti­on DIE LINKE vor­ge­brach­te Kom­pen­sa­ti­ons­ar­gu­ment greift zu kurz. Durch die Ein­füh­rung der Oppo­si­ti­on vor­be­hal­te­ner Min­der­hei­ten­rech­te wäre die­se ledig­lich rela­tiv, im Ver­gleich zu den die Regie­rung tra­gen­den Abge­ord­ne­ten, im Vor­teil. Geht es der Frak­ti­on DIE LINKE indes um eine Ver­bes­se­rung der Kon­troll­funk­ti­on des Par­la­ments, wäre es sogar kon­tra­pro­duk­tiv, den übri­gen Abge­ord­ne­ten die – zumin­dest theo­re­ti­sche – Mög­lich­keit eines situa­ti­ven Gebrauchs der Rech­te vor­zu­ent­hal­ten. Dies gilt selbst dann, wenn die spe­zi­fi­schen Oppo­si­ti­ons­rech­te neben und nicht anstel­le der bereits vor­han­de­nen Min­der­hei­ten­rech­te ein­ge­führt wür­den.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat bereits mehr­fach betont, dass sich die quo­ren­ge­bun­de­nen par­la­men­ta­ri­schen Min­der­hei­ten­rech­te durch jede sich situa­tiv bil­den­de Min­der­heit aus­üben las­sen – ohne Anse­hung ihrer Zusam­men­set­zung und ihres Zustan­de­kom­mens und ohne Rück­sicht auf Par­tei- oder Frak­ti­ons­zu­ge­hö­rig­keit der mit­wir­ken­den Abge­ord­ne­ten53. Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG gewähr­leis­tet viel­mehr jedem ein­zel­nen Abge­ord­ne­ten eine ver­hal­tens­be­zo­gen-pro­ze­du­ra­le Oppo­si­ti­ons­mög­lich­keit54. Unge­ach­tet poli­ti­scher Prä­fe­ren­zen und Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit trägt er allein die Ver­ant­wor­tung für sein Abstim­mungs­ver­hal­ten und Auf­tre­ten im Par­la­ment.

Eben­so wenig ver­mag der Hin­weis auf beson­de­re Funk­tio­nen der par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on die von der Frak­ti­on DIE LINKE begehr­te Ungleich­be­hand­lung zu recht­fer­ti­gen. Wie dar­ge­legt, erfül­len poten­zi­ell sämt­li­che Abge­ord­ne­te die Kri­tik- und Kon­troll­funk­ti­on gegen­über der Regie­rung. Zwar ist es beden­kens­wert, wenn die Frak­ti­on DIE LINKE anführt, die poli­ti­sche Kon­trol­le durch die par­la­men­ta­ri­sche Oppo­si­ti­on sei qua­li­ta­tiv zu unter­schei­den von der Kon­trol­le der Regie­rung durch die Par­la­ments­mehr­heit, wel­che kei­ne öffent­li­che Kon­trol­le dar­stel­le und nicht auf einen Regie­rungs­wech­sel ange­legt sei, son­dern bei der es sich ledig­lich um For­men einer inter­nen Kon­trol­le der Regie­rung in Frak­ti­ons- und Arbeits­kreis­sit­zun­gen han­de­le. Eine Schlech­ter­stel­lung der die Regie­rung tra­gen­den Abge­ord­ne­ten durch Ein­füh­rung exklu­si­ver Oppo­si­ti­ons­rech­te wür­de die­se Form der inter­nen Kon­trol­le der Regie­rung aus der Mit­te des Par­la­ments jedoch zusätz­lich schwä­chen; den die Regie­rung tra­gen­den Abge­ord­ne­ten wür­de signa­li­siert, bei der Erfül­lung der par­la­men­ta­ri­schen Kon­troll­funk­ti­on von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung zu sein.

Die Mög­lich­kei­ten gera­de der oppo­si­tio­nel­len Abge­ord­ne­ten, vor allem die Funk­tio­nen der Kri­tik und der For­mu­lie­rung von Alter­na­ti­ven im Rah­men von Rede und Gegen­re­de aus­zu­üben, wur­den zudem durch die – wenn auch durch den Ältes­ten­rat und nicht durch die Geschäfts­ord­nung – erfolg­te Anhe­bung der Rede­zei­ten der Oppo­si­ti­ons­frak­tio­nen erwei­tert. Die Rede­zeit­ver­tei­lung unter­schei­det sich von der Fra­ge der Zuwei­sung von Min­der­hei­ten­rech­ten dadurch, dass sie eine Ent­schei­dung unter Knapp­heits­be­din­gun­gen dar­stellt und eine Bes­ser­stel­lung auf der einen Sei­te daher zwin­gend zu einer Schlech­ter­stel­lung auf der ande­ren Sei­te führt.

Die struk­tu­rel­le, ins­be­son­de­re infor­ma­to­ri­sche Schwä­che der Oppo­si­ti­on gegen­über der Regie­rungs­mehr­heit, die unter ande­rem auf der Nähe der die Regie­rung tra­gen­den Frak­tio­nen zur Minis­te­ri­al­bü­ro­kra­tie beruht, wird fer­ner durch eine rela­ti­ve Bes­ser­stel­lung auf der Ebe­ne der Aus­stat­tung kom­pen­siert; inso­fern ist eine Anhe­bung des Oppo­si­ti­ons­zu­schlags nach dem Abge­ord­ne­ten­ge­setz von 10 % auf 15 % erfolgt.

Die Frak­ti­on DIE LINKE kann schließ­lich auch nicht mit dem Vor­brin­gen durch­drin­gen, die in § 126a GO-BT ein­ge­führ­ten Min­der­hei­ten­rech­te zuguns­ten einer Anzahl von 120 Abge­ord­ne­ten erfüll­ten nicht die Funk­ti­on, die ihnen im ursprüng­li­chen Antrag der Frak­tio­nen der CDU/​CSU und SPD8 zuge­dacht gewe­sen sei. Zum einen ist eine im Rah­men eines par­la­men­ta­ri­schen Dis­kus­si­ons­pro­zes­ses zwi­schen­zeit­lich geäu­ßer­te Absicht kein Maß­stab ver­fas­sungs­recht­li­cher Prü­fung. Zum ande­ren ist wegen der Wahr­nehm­bar­keit der vor­ge­se­he­nen Min­der­hei­ten­rech­te durch die par­la­men­ta­ri­sche Oppo­si­ti­on die ange­streb­te Funk­tio­na­li­tät durch­aus gege­ben. Von einer exklu­si­ven Berech­ti­gung der par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on war in der BT-Drs. 18/​481 ohne­hin nicht die Rede; die Berech­ti­gung „aller Mit­glie­der der Frak­tio­nen, die nicht die Bun­des­re­gie­rung tra­gen”, nach § 126a GO-BT soll­te nur neben die bis­he­ri­gen Min­der­hei­ten­rech­te und ihre ver­fas­sungs- und ein­fach­recht­lich nor­mier­ten Quo­ren tre­ten.

Kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Absen­kung der ver­fas­sungs­recht­li­chen Quo­ren[↑]

Auch der dem Rechts­schutz­ziel der Frak­ti­on DIE LINKE nahe kom­men­de Weg einer – in Bezug auf die Gleich­heit aller Abge­ord­ne­ten neu­tra­len – Absen­kung der grund­ge­setz­li­chen Quo­ren im Wege der Aus­le­gung mit Blick auf die prak­ti­sche Aus­üb­bar­keit par­la­men­ta­ri­scher Min­der­hei­ten­rech­te in Zei­ten, in denen das Drit­tel-Quo­rum und die Vier­tel-Quo­ren von der par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on nicht erreicht wer­den, ist ver­sperrt. Einer Absen­kung der grund­ge­setz­lich vor­ge­ge­be­nen Quo­ren eines Drit­tels (Art. 39 Abs. 3 Satz 3 GG) oder Vier­tels (Art. 23 Abs. 1a Satz 2, Art. 44 Abs. 1 Satz 1, Art. 45a Abs. 2 Satz 2 und Art. 93 Abs. 1 Nr. 2 GG) der Mit­glie­der des Bun­des­ta­ges für die Aus­übung par­la­men­ta­ri­scher Min­der­hei­ten­rech­te steht jeden­falls die bewuss­te Ent­schei­dung des Ver­fas­sungs­ge­bers für die bestehen­den Quo­ren ent­ge­gen; die­se Ent­schei­dung ist auch vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zu respek­tie­ren.

Zwar mögen die grund­ge­setz­li­chen Quo­ren für die Aus­übung von Min­der­hei­ten­rech­ten in einem Span­nungs­ver­hält­nis zum all­ge­mei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­satz effek­ti­ver Oppo­si­ti­on ste­hen. Offen blei­ben kann jedoch, ob die genann­ten, der par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on im 18. Deut­schen Bun­des­tag von Ver­fas­sungs wegen nicht zur Ver­fü­gung ste­hen­den Rech­te gemes­sen am Maß­stab des all­ge­mei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­sat­zes effek­ti­ver Oppo­si­ti­on im Ein­zel­nen über­haupt essen­ti­el­le Rech­te der par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on dar­stel­len, was ins­be­son­de­re für die Antrags­be­rech­ti­gung für die abs­trak­te Nor­men­kon­trol­le (Art. 93 Abs. 1 Nr. 2 GG) – anders als etwa für das Antrags­recht auf Ein­set­zung eines Unter­su­chungs­aus­schus­ses durch den Bun­des­tag (Art. 44 Abs. 1 Satz 1 GG) – umstrit­ten ist.

Auf­grund des expli­zi­ten Wort­lauts der Grund­ge­setz­be­stim­mun­gen ist der Weg für eine Aus­le­gung55 im Sin­ne einer teleo­lo­gi­schen Reduk­ti­on der Quo­ren ver­stellt; für Ana­lo­gie­schlüs­se fehlt es bereits an einer ana­lo­giefä­hi­gen Norm. Nament­lich für die abs­trak­te Nor­men­kon­trol­le hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt fest­ge­stellt, dass der Kata­log der Antrags­be­rech­tig­ten abschlie­ßend und eine Erwei­te­rung – im Wege der Aus­le­gung oder Ana­lo­gie – unzu­läs­sig ist56. Das Gericht wür­de damit die der Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit vom Grund­ge­setz gezo­ge­nen Gren­zen durch Zulas­sung wei­te­rer Ver­fas­sungs­strei­tig­kei­ten über­schrei­ten und so von einer wich­ti­gen Grund­ent­schei­dung des Ver­fas­sungs­ge­bers abwei­chen. Dazu ist es nicht befugt57. Die­se Bewer­tung lässt sich auf sämt­li­che grund­ge­setz­li­che Quo­ren über­tra­gen.

Auch von einem „Ver­fas­sungs­wan­del” ist vor­lie­gend nicht aus­zu­ge­hen. Begreift man die­sen vor allem als Inter­pre­ta­ti­ons­pro­blem58, so besteht ange­sichts des kla­ren Wort­lauts der Quo­ren­re­ge­lun­gen kein Aus­le­gungs­spiel­raum. Selbst wenn man den Wort­laut nicht als Gren­ze aner­kenn­te, könn­te ein Ver­fas­sungs­wan­del allen­falls vor­lie­gen, wenn die Quo­ren ursprüng­lich dem all­ge­mei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­satz effek­ti­ver Oppo­si­ti­on ent­spra­chen, sich die tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se jedoch im Lau­fe der Zeit der­art geän­dert hät­ten, dass die bestehen­den Quo­ren ihren Sinn ver­lo­ren hät­ten. Davon kann aber kei­ne Rede sein. Seit der ers­ten Legis­la­tur­pe­ri­ode bestand die Mög­lich­keit gro­ßer Koali­tio­nen im Bun­des­tag mit der Kon­se­quenz, dass für Frak­tio­nen, die nicht die Regie­rung tra­gen, bestimm­te Quo­ren nicht erfüll­bar sind. Die­se Mög­lich­keit hat sich mehr­fach rea­li­siert. Die tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se sind somit sta­bil.

Die umstrit­te­ne Rechts­fi­gur ver­fas­sungs­wid­ri­gen Ver­fas­sungs­rechts ver­mag zur Lösung des Span­nungs­ver­hält­nis­ses zwi­schen den Quo­ren für die Aus­übung der par­la­men­ta­ri­schen Min­der­hei­ten­rech­te und dem all­ge­mei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­satz effek­ti­ver Oppo­si­ti­on eben­falls nichts bei­zu­tra­gen. Die Rechts­fi­gur ist bereits des­halb pro­ble­ma­tisch, weil auf der­sel­ben Norm­ebe­ne kei­ne Hier­ar­chie aus­zu­ma­chen ist, die ein Kri­te­ri­um dafür lie­fern könn­te, wel­cher ver­fas­sungs­recht­li­chen Norm Vor­rang zukommt. Das Grund­ge­setz kann nur als Ein­heit begrif­fen wer­den59. Dar­aus folgt, dass auf der Ebe­ne der Ver­fas­sung selbst rang­hö­he­re und rang­nie­de­re Nor­men in dem Sin­ne, dass sie anein­an­der gemes­sen wer­den könn­ten, grund­sätz­lich nicht denk­bar sind60.

Die Son­der­kon­stel­la­ti­on der Ewig­keits­klau­sel in Art. 79 Abs. 3 GG ist hier nicht ein­schlä­gig. Unge­ach­tet der Fra­ge, ob der all­ge­mei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­satz effek­ti­ver Oppo­si­ti­on zu den in den Arti­keln 1 und 20 nie­der­ge­leg­ten Grund­sät­zen im Sin­ne von Art. 79 Abs. 3 GG zählt, lie­gen bereits kei­ne Ände­run­gen des Grund­ge­set­zes vor, die sich in irgend­ei­ner Wei­se nega­tiv auf die par­la­men­ta­ri­sche Oppo­si­ti­on aus­wir­ken könn­ten: Die Quo­ren­be­stim­mun­gen in den Art. 39, 44 GG bestehen seit Inkraft­tre­ten des Grund­ge­set­zes. Die in den Jah­ren 1956 und 2008 erfolg­ten Ände­run­gen hin­sicht­lich Art. 23, 45a und 93 GG führ­ten gera­de zur Stär­kung der Min­der­hei­ten­rech­te, indem in Art. 23 und 45a GG an ein Vier­tel-Quo­rum geknüpf­te Min­der­hei­ten­rech­te über­haupt erst ein­ge­führt wur­den und in Art. 93 GG das Drit­tel- auf ein Vier­tel-Quo­rum abge­senkt wur­de.

Das für die Erhe­bung einer Sub­si­dia­ri­täts­kla­ge durch den Bun­des­tag als das jüngs­te grund­ge­setz­li­che Min­der­hei­ten­recht durch Art. 1 Nr. 1 des Geset­zes zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes (Arti­kel 23, 45 und 93) vom 08.10.200861 mit Wir­kung vom 01.12 2009 ein­ge­führ­te Quo­rum soll­te an das zugleich für die Nor­men­kon­troll­an­trä­ge aus der Mit­te des Bun­des­ta­ges gemäß Art. 93 Abs. 1 Nr. 2 GG auf ein Vier­tel abge­senk­te Quo­rum sowie an das bereits für die Ein­set­zung eines Unter­su­chungs­aus­schus­ses gemäß Art. 44 Abs. 1 Satz 1 GG maß­ge­ben­de Quo­rum eines Vier­tels der Mit­glie­der des Bun­des­ta­ges ange­lehnt wer­den. Die Bemes­sung der Höhe der Quo­ren bezweck­te die Ver­hin­de­rung miss­bräuch­li­cher Aus­übung des Min­der­hei­ten­rechts62. Der Vor­schlag eini­ger Abge­ord­ne­ter und der Frak­ti­on DIE LINKE, den Kreis der Antrags­be­rech­tig­ten für die Sub­si­dia­ri­täts­kla­ge und die abs­trak­te Nor­men­kon­trol­le um „eine Frak­ti­on” zu erwei­tern, wur­de wegen einer Über­be­to­nung des Min­der­hei­ten­schut­zes und Miss­brauchs­be­den­ken abge­lehnt63.

Die ver­fas­sungs­recht­li­che Not­wen­dig­keit einer Absen­kung der grund­ge­setz­li­chen Quo­ren für die Aus­übung der par­la­men­ta­ri­schen Min­der­hei­ten­rech­te lässt sich schließ­lich auch nicht aus dem all­ge­mei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­satz effek­ti­ver Oppo­si­ti­on ablei­ten. Die in den Text der Ver­fas­sung auf­ge­nom­me­nen Quo­ren stel­len viel­mehr die vom Ver­fas­sungs­ge­ber; und vom ver­fas­sungs­än­dern­den Gesetz­ge­ber gewoll­te Kon­kre­ti­sie­rung des Grund­sat­zes dar.

Ins­be­son­de­re exis­tiert kei­ne unbe­ab­sich­tig­te Rege­lungs­lü­cke, weil etwa der Ver­fas­sungs­ge­ber die beson­de­re Här­te sei­ner Quo­ren­be­stim­mun­gen für bestimm­te Situa­tio­nen nicht in Betracht gezo­gen oder über­se­hen hät­te, dass eine beson­ders klei­ne par­la­men­ta­ri­sche Oppo­si­ti­on, die nach sei­nem Wil­len nach dem all­ge­mei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­satz effek­ti­ver Oppo­si­ti­on von den Min­der­hei­ten­rech­ten soll­te Gebrauch machen kön­nen, durch die Wahl der kon­kre­ten Quo­ren hier­an gehin­dert wird.

Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Grund­ge­setz­be­stim­mun­gen über an Quo­ren gebun­de­ne par­la­men­ta­ri­sche Min­der­hei­ten­rech­te lässt kei­ne Anhalts­punk­te für eine Rege­lungs­lü­cke für Zei­ten einer zah­len­mä­ßig die gere­gel­ten Quo­ren nicht errei­chen­den par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on erken­nen. Der Ver­fas­sungs­ge­ber hat den Belang des Min­der­hei­ten­schut­zes auf der einen Sei­te und der Gefahr des Miss­brauchs von Min­der­hei­ten­rech­ten, die ihm noch aus Zei­ten der Wei­ma­rer Repu­blik vor Augen stand, auf der ande­ren Sei­te64 erkannt und gegen­ein­an­der abge­wo­gen. Er hat auch die Kon­se­quen­zen sei­ner Quo­ren­be­stim­mun­gen gese­hen und bil­li­gend in Kauf genom­men.

Bei­spiel­haft sah der Her­ren­chiem­see-Ent­wurf65 hin­sicht­lich des Antrags­quo­rums für die Pflicht des Bun­des­ta­ges, einen Unter­su­chungs­aus­schuss ein­zu­set­zen, in sei­nem Art. 57 Abs. 1 – eben­so wie noch Art. 34 Abs. 1 Satz 1 WRV hin­sicht­lich des Reichs­tags – ein Fünf­tel der gesetz­li­chen Mit­glie­der­zahl des Bun­des­ta­ges vor. Im Rah­men der Ver­hand­lun­gen des Par­la­men­ta­ri­schen Rats (Orga­ni­sa­ti­ons­aus­schuss) wur­de sowohl die – sich schließ­lich durch­set­zen­de – Anhe­bung des Quo­rums auf ein Vier­tel als auch auf ein Drit­tel (Antrag des Abge­ord­ne­ten de Cha­peau­rouge, CDU) dis­ku­tiert. Wäh­rend die Anhe­bung auf ein Drit­tel Ableh­nung erfuhr66, wur­de die Ände­rung auf ein Vier­tel – also die Her­auf­set­zung des Fünf­tel-Quo­rums der Wei­ma­rer Zeit – von den Abge­ord­ne­ten Dr. Katz (SPD) und Dr. Fecht (CDU) mit dem häu­fi­gen Miss­brauch begrün­det, der mit Unter­su­chungs­aus­schüs­sen in der Wei­ma­rer Zeit geübt wor­den sei67. Gegen­über Beden­ken des Abge­ord­ne­ten Dr. Deh­ler (FDP), dass die­se Ände­rung gegen die Min­der­hei­ten gerich­tet sei, erwi­der­te der Abge­ord­ne­te Dr. Katz (SPD), es sei „nur die Fra­ge, ob nicht eine grö­ße­re Min­der­heit gefor­dert wer­den soll­te„68.

Eine ande­re Bewer­tung ist schließ­lich auch nicht durch den Umstand gebo­ten, dass der Ver­fas­sungs­ge­ber eine Ent­wick­lung zum Viel­par­tei­en­par­la­ment nicht in Betracht gezo­gen hät­te. Viel­mehr liegt das Gegen­teil nahe: Zwar nimmt die Anzahl der im Deut­schen Bun­des­tag ver­tre­te­nen Par­tei­en seit dem nume­ri­schen Tief­punkt in den sech­zi­ger Jah­ren mit ledig­lich vier Par­tei­en wie­der suk­zes­si­ve zu – durch Hin­zu­tre­ten der GRÜNEN ab 1983 (10. Wahl­pe­ri­ode) und der PDS ab 1990 (12. Wahl­pe­ri­ode) – und ist erst mit dem Nicht­ein­zug der FDP in den 18. Deut­schen Bun­des­tag wie­der rück­läu­fig. Vor dem Erfah­rungs- und Erwar­tungs­ho­ri­zont des Ver­fas­sungs­ge­bers von 1949 waren Reichs- und Bun­des­tag jedoch gera­de durch eine – bis heu­te nie wie­der erreich­te – Viel­zahl an im Par­la­ment ver­tre­te­nen Par­tei­en gekenn­zeich­net. Zu Zei­ten der Wei­ma­rer Repu­blik hat­te der Reichs­tag stets über zehn Par­tei­en und barg damit die Gefahr einer über­mä­ßi­gen Par­tei­en­zer­split­te­rung69. Durch die ers­te Bun­des­tags­wahl am 14.08.1949 – deren Ergeb­nis der Grund­ge­setz­ge­ber frei­lich nicht erah­nen konn­te – zogen in den Deut­schen Bun­des­tag noch elf Par­tei­en ein. Auch hat der ver­fas­sungs­än­dern­de Gesetz­ge­ber mit dem suk­zes­si­ven Anstieg der Par­tei­en­zahl im Par­la­ment kei­ne ande­re Grund­ent­schei­dung getrof­fen, weder nach 1983 mit dem Anstieg von vier auf fünf noch nach 1990 mit dem Anstieg auf sechs Par­tei­en. Die im Zuge der Ein­füh­rung des Min­der­hei­ten­rechts zur Sub­si­dia­ri­täts­kla­ge erfolg­te punk­tu­el­le Absen­kung des Drit­tel-Quo­rums auf ein Vier­tel-Quo­rum für die Antrags­be­rech­ti­gung der abs­trak­ten Nor­men­kon­trol­le im Jahr 2008 stellt kei­ne abwei­chen­de Grund­ent­schei­dung dar.

Kei­ne ein­fach­ge­setz­li­che Ver­pflich­tung zur Ein­räu­mung wei­ter­ge­he­ner Oppo­si­ti­ons­rech­te[↑]

Der Antrag zu 2 ist unbe­grün­det, da eine Pflicht des Deut­schen Bun­des­tags zur Effek­tu­ie­rung sei­ner Kon­troll­funk­ti­on durch Ein­räu­mung der von der Frak­ti­on DIE LINKE begehr­ten Oppo­si­ti­ons­rech­te auf Ebe­ne des ein­fa­chen Rechts nicht besteht.

Soweit grund­ge­setz­lich gere­gel­te Min­der­hei­ten­rech­te auch vom Antrag zu 2 erfasst sind, ste­hen die grund­ge­setz­lich kon­kret gere­gel­ten Quo­ren gleich­falls einer ver­fas­sungs­recht­li­chen Pflicht im Wege, wei­ter­ge­hen­de Oppo­si­ti­ons­rech­te ledig­lich ein­fach­ge­setz­lich vor­zu­se­hen. Dies betrifft die von Art. 1, 2 und 6 (soweit sich Art. 6 auf das Kla­ge­er­zwin­gungs­recht bezieht) des Gesetz­ent­wurfs BT-Drs. 18/​380 modi­fi­zier­ten Min­der­hei­ten­rech­te des PUAG, des BVerfGG sowie des IntVG (soweit des­sen § 12 Abs. 1 Satz 1 betrof­fen ist).

Soweit grund­ge­setz­lich nicht spe­zi­ell gere­gel­te Min­der­hei­ten­rech­te vom Antrag zu 2 erfasst sind und soweit die­ser zuläs­sig ist (Art. 4 Nr. 1 und 2 und Art. 6 des Gesetz­ent­wurfs BT-Drs. 18/​380), ist das Ergeb­nis hin­ge­gen nicht durch expli­zi­te Ver­fas­sungs­nor­men vor­ge­ge­ben. Dies betrifft die Ände­rung von § 5 Abs. 4 ESMFinG und des IntVG, soweit das Recht der die Erhe­bung der Sub­si­dia­ri­täts­kla­ge nicht stüt­zen­den par­la­men­ta­ri­schen Min­der­heit betrof­fen ist, nach § 12 Abs. 1 Satz 2 IntVG ihre Auf­fas­sung in der Kla­ge­schrift deut­lich zu machen.

Die begehr­te Ein­fü­gung spe­zi­fi­scher Oppo­si­ti­ons­rech­te durch befris­te­te Ergän­zung des § 5 Abs. 4 ESMFinG für die Dau­er der 18. Legis­la­tur­pe­ri­ode um die Berech­ti­gung „zwei­er Frak­tio­nen im Aus­schuss, die nicht die Bun­des­re­gie­rung tra­gen” (Art. 4 Nr. 1 und 2 [i.V.m. Art. 7 Abs. 1] des Gesetz­ent­wurfs BT-Drs. 18/​380), stellt eine ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu recht­fer­ti­gen­de Beein­träch­ti­gung der Gleich­heit der Abge­ord­ne­ten und ihrer Zusam­men­schlüs­se nach Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG dar.

Nach den oben genann­ten Maß­stä­ben stellt das begehr­te erwei­ter­te Min­der­hei­ten­recht zuguns­ten „zwei­er Frak­tio­nen im Aus­schuss, die nicht die Bun­des­re­gie­rung tra­gen”, durch sei­nen auf oppo­si­tio­nel­le Frak­tio­nen beschränk­ten Adres­sa­ten­kreis eine Ungleich­be­hand­lung gegen­über den die Regie­rung tra­gen­den Frak­tio­nen im Aus­schuss und deren Abge­ord­ne­ten dar.

Zwar ist fest­zu­hal­ten, dass die­ses begehr­te spe­zi­fi­sche Oppo­si­ti­ons­recht nicht exklu­siv wäre: Das hin­zu­ge­füg­te Antrags­recht „zwei­er Frak­tio­nen im Aus­schuss, die nicht die Bun­des­re­gie­rung tra­gen”, soll­te neben das Antrags­recht eines „Vier­tels sei­ner [des Haus­halts­aus­schus­ses] Mit­glie­der” nach § 5 Abs. 4 ESMFinG tre­ten. Mit­glie­der der Koali­ti­ons­frak­tio­nen könn­ten sich mit­hin unver­än­dert als das rele­van­te Vier­tel-Quo­rum zusam­men­fin­den und das Min­der­hei­ten­recht wahr­neh­men. Die Ungleich­be­hand­lung läge jedoch dar­in, dass den (Mit­glie­dern der) Koali­ti­ons­frak­tio­nen ein situa­ti­ves Oppo­nie­ren erschwert wür­de, indem sie durch die For­mu­lie­rung „zwei­er Frak­tio­nen im Aus­schuss, die nicht die Bun­des­re­gie­rung tra­gen”, aus einer der bei­den mög­li­chen Min­der­heits­grup­pie­run­gen per defi­ni­tio­nem aus­ge­schlos­sen wür­den.

Die prak­ti­sche Rele­vanz die­ser Ungleich­be­hand­lung ent­fie­le auch nicht durch das fort­be­stehen­de Vier­tel-Quo­rum: Wäh­rend die (Mit­glie­der der) Oppo­si­ti­ons­frak­tio­nen die Mög­lich­keit hät­ten, das belas­se­ne Vier­tel-Quo­rum mit Hil­fe von ein­zel­nen Unter­stüt­zern aus den Rei­hen der Koali­ti­ons­frak­tio­nen zu errei­chen und ihnen zusätz­lich – bei geschlos­se­nem Auf­tre­ten – das neue Antrags­recht der Oppo­si­ti­ons­frak­tio­nen exklu­siv zur Ver­fü­gung stün­de, wäre es den (Mit­glie­dern der) Koali­ti­ons­frak­tio­nen umge­kehrt ver­wehrt, mit Hil­fe von Unter­stüt­zern aus den Rei­hen der Oppo­si­ti­ons­frak­tio­nen vom neu­en Antrags­recht Gebrauch zu machen. Ihnen blie­be allein das all­ge­mei­ne qua­li­fi­zier­te Min­der­hei­ten­recht eines Vier­tels der Mit­glie­der des Haus­halts­aus­schus­ses nach § 5 Abs. 4 ESMFinG, die jeg­li­cher poli­ti­scher Cou­leur sein kön­nen.

Die in der Oppo­si­ti­ons­spe­zi­fi­tät des begehr­ten zusätz­li­chen Frak­ti­ons­rechts lie­gen­de Ungleich­be­hand­lung der (Mit­glie­der der) Frak­tio­nen, die die Bun­des­re­gie­rung tra­gen, ist nach den oben genann­ten Maß­stä­ben ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu recht­fer­ti­gen. Ein zwin­gen­der Grund für die Benach­tei­li­gung der die Regie­rung tra­gen­den (Abge­ord­ne­ten und) Frak­tio­nen ist vor­lie­gend weder vor­ge­tra­gen noch ersicht­lich.

Dass die regie­rungs­tra­gen­den (Abge­ord­ne­ten und) Frak­tio­nen nicht von der Betei­li­gung am Min­der­hei­ten­recht nach § 5 Abs. 4 ESMFinG aus­ge­schlos­sen, son­dern ledig­lich par­ti­ell beschränkt wären, ist auch rege­lungs­tech­nisch nicht zwin­gend: Wäre – in Ergän­zung zu oder anstel­le der Berech­ti­gung eines Vier­tels der Mit­glie­der des Haus­halts­aus­schus­ses – eine Grup­pie­rung mit einer Anzahl vor­ge­se­hen, wel­che die Abge­ord­ne­ten der Oppo­si­ti­ons­frak­tio­nen (im Aus­schuss) errei­chen kön­nen, läge kei­ne Spe­zi­fi­tät der Berech­ti­gung vor. Bei­spiel­haft sei auf den ein­ge­füg­ten § 126a Abs. 1 GO-BT ver­wie­sen, der in der Mehr­zahl der Fäl­le (Nr. 1, 3 bis 6 und 11) mit der Berech­ti­gung einer bestimm­ten – auch von der gegen­wär­ti­gen Oppo­si­ti­on erreich­ba­ren – abso­lu­ten Zahl an Mit­glie­dern des Bun­des­ta­ges ope­riert („120 Abge­ord­ne­te”).

Die begehr­te Ein­fü­gung spe­zi­fi­scher Oppo­si­ti­ons­rech­te durch eine befris­te­te Anfü­gung des vor­ge­schla­ge­nen § 12 Abs. 1 Satz 3 IntVG für die Dau­er der 18. Legis­la­tur­pe­ri­ode und damit die Erwei­te­rung um berech­tig­te zwei Oppo­si­ti­ons­frak­tio­nen (Art. 6 [i.V.m. Art. 7 Abs. 2] des Gesetz­ent­wurfs BT-Drs. 18/​380) stellt eben­falls eine ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu recht­fer­ti­gen­de Beein­träch­ti­gung der Gleich­heit der Abge­ord­ne­ten und ihrer Zusam­men­schlüs­se nach Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG dar70.

Kei­ne Ver­pflich­tung zur Ein­räu­mung wei­ter­ge­he­ner Oppo­si­ti­ons­rech­te auf Geschäfts­ord­nungs­ebe­ne[↑]

Der Antrag zu 3 ist unbe­grün­det, da eine Pflicht des Deut­schen Bun­des­tags zur Ein­räu­mung der von der Frak­ti­on DIE LINKE begehr­ten Oppo­si­ti­ons­rech­te auf Ebe­ne der Geschäfts­ord­nung des Deut­schen Bun­des­ta­ges nicht besteht.

Soweit sich das im Antrag zu 3 zum Aus­druck kom­men­de Begeh­ren mit dem­je­ni­gen der Anträ­ge zu 1 und zu 2 über­schnei­det und nur hin­sicht­lich der Zuord­nung der begehr­ten Rech­te davon abhebt (betrifft § 126a Abs. 1 Nr. 1 bis 8 GO-BT), ist ent­spre­chend auch der Antrag zu 3 unbe­grün­det.

Im Übri­gen begehrt die Frak­ti­on DIE LINKE mit ihrem Antrag zu 3 noch die Fest­stel­lung der Rechts­ver­let­zung durch Unter­las­sen

• ers­tens – der Zuwei­sung des in § 126a Abs. 1 Nr. 9 GO-BT ent­hal­te­nen Antrags­rechts auf öffent­li­che Anhö­rung durch den feder­füh­ren­den Aus­schuss bei über­wie­se­nen Vor­la­gen nach § 70 Abs. 1 Satz 2 GO-BT an sie als eige­nes Oppo­si­ti­ons­frak­ti­ons­recht (anstel­le des Rechts aller oppo­si­tio­nel­len Aus­schuss­mit­glie­der),

• zwei­tens – die Zuwei­sung des in § 126 Abs. 1 Nr. 10 GO-BT ent­hal­te­nen Antrags­rechts auf Durch­füh­rung einer Ple­nar­be­ra­tung statt einer erwei­ter­ten öffent­li­chen Aus­schuss­sit­zung nach § 69a Abs. 5 GO-BT an sie als eige­nes Oppo­si­ti­ons­frak­ti­ons­recht (anstel­le des Rechts aller oppo­si­tio­nel­len Aus­schuss­mit­glie­der) sowie

• drit­tens – der Zuwei­sung des in § 126a Abs. 1 Nr. 11 GO-BT ent­hal­te­nen Antrags­rechts auf Ein­set­zung einer Enquete-Kom­mis­si­on nach § 56 Abs. 1 GO-BT an sie als eige­nes Oppo­si­ti­ons­frak­ti­ons­recht (anstel­le des Rechts von 120 Mit­glie­dern des Bun­des­ta­ges).

Um dem Begehr der Frak­ti­on DIE LINKE zu ent­spre­chen, muss der Antrag zu 3 in dem Sin­ne aus­ge­legt wer­den, dass im Haupt­an­trag (Buch­sta­be a) „Rech­te der Frak­tio­nen (im Aus­schuss), die nicht die Bun­des­re­gie­rung tra­gen” oder „Oppo­si­ti­ons­frak­ti­ons­rech­te” und nicht „Frak­ti­ons­rech­te” begehrt wer­den. Wie aus der Antrags­be­grün­dung und der münd­li­chen Ver­hand­lung deut­lich wird, rückt die Frak­ti­on DIE LINKE auch im Rah­men des Antrags zu 3 nicht davon ab, spe­zi­fi­sche Oppo­si­ti­ons­rech­te ein­zu­for­dern.

Die Erwei­te­rung des Krei­ses der Berech­tig­ten um die Oppo­si­ti­ons­frak­tio­nen im Ple­num oder im Aus­schuss stell­te jedoch jeweils ein spe­zi­fi­sches Oppo­si­ti­ons­recht und damit ent­spre­chend dem oben Gesag­ten eine nicht gerecht­fer­tig­te Beein­träch­ti­gung der Gleich­heit der Frak­tio­nen aus Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG dar.

Der Hilfs­an­trag (Buch­sta­be b) des Antrags zu 3 muss nach dem Wil­len der antrag­stel­len­den Frak­ti­on eben­falls in dem Sin­ne aus­ge­legt wer­den, dass das Begehr dahin geht, die Antrags­rech­te „als Rech­te aller Mit­glie­der der Frak­tio­nen (im Aus­schuss), die nicht die Bun­des­re­gie­rung tra­gen”, zuzu­wei­sen.

Die Erwei­te­rung des Krei­ses der Berech­tig­ten um die Oppo­si­ti­ons­frak­tio­nen im Ple­num oder im Aus­schuss stell­te jedoch wie­der­um jeweils ein spe­zi­fi­sches Oppo­si­ti­ons­recht und damit eine nicht gerecht­fer­tig­te Beein­träch­ti­gung der Gleich­heit der Frak­tio­nen aus Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG dar.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 3. Mai 2016 – 2 BvE 4/​14

  1. vom 22.09.2009, BGBl I S. 3022, geän­dert durch Art. 1 des Geset­zes vom 01.12 2009, BGBl I S. 3822
  2. vom 19.06.2001, BGBl I S. 1142, geän­dert durch Art. 4 Abs. 1 des Geset­zes vom 05.05.2004, BGBl I S. 718
  3. in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 11.08.1993, BGBl I S. 1473, zuletzt geän­dert durch Art. 8 der Ver­ord­nung vom 31.08.2015, BGBl I S. 1474
  4. vom 04.07.2013, BGBl I S. 2170
  5. vom 13.09.2012, BGBl I S.1918, geän­dert durch Art. 1 des Geset­zes vom 29.11.2014, BGBl I S. 1821
  6. in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 02.07.1980, BGBl I S. 1237, zuletzt geän­dert laut Bekannt­ma­chung vom 23.04.2014, BGBl I S. 534
  7. BT-Drs. 18/​380
  8. BT-Drs. 18/​481
  9. BT-Drs. 18/​838
  10. BT-Drs. 18/​212
  11. vgl. BVerfGE 84, 290, 297; 84, 304, 317 f.; 90, 286, 337 f.; BVerfG, Urteil vom 22.09.2015 – 2 BvE 1/​11 54
  12. vgl. BVerfGE 90, 286, 344; 117, 359, 367 f.
  13. vgl. BVerfGE 120, 82, 97 m.w.N.
  14. vgl. BVerfGE 120, 82, 98 f.
  15. vgl. BVerfG, Urteil vom 22.09.2015 – 2 BvE 1/​11, Rn. 61 m.w.N.
  16. vgl. Can­cik, Par­la­men­ta­ri­sche Oppo­si­ti­on in den Lan­des­ver­fas­sun­gen, 2000, S. 80 ff.
  17. vgl. BVerfGE 2, 143, 165; 45, 1, 28; 67, 100, 125; 131, 152, 190; BVerfG, Urteil vom 02.06.2015 – 2 BvE 7/​11 95; Urteil vom 22.09.2015 – 2 BvE 1/​11 56, jeweils zur Ver­öf­fent­li­chung in der amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen
  18. vgl. BVerfGE 45, 1, 29 f.; 60, 319, 325 f.; 68, 1, 77 f.; 121, 135, 151; 123, 267, 338 f.; 131, 152, 190; BVerfG, Urteil vom 02.06.2015 – 2 BvE 7/​11 95
  19. vgl. BVerfGE 90, 286, 344 mit Nach­wei­sen zur Debat­te im Par­la­men­ta­ri­schen Rat; 117, 359, 367 f.
  20. vgl. BVerfGE 1, 351, 359; 45, 1, 29 f.
  21. vgl. BVerfGE 123, 267, 338 f.; 132, 195, 247; 134, 366, 397
  22. vgl. BVerfGE 1, 351, 359; 45, 1, 29 f.; 121, 135, 151
  23. vgl. BVerfGE 123, 267, 338 f.
  24. vgl. BT-Drs. 18/​380, S. 7 Abs. 4
  25. vgl. BVerfGE 62, 1, 33; 67, 100, 127; 68, 1, 77; 119, 302, 307 f.; BVerfG, Urteil vom 22.09.2015 – 2 BvE 1/​11 80
  26. vgl. Can­cik, NVwZ 2014, S. 18, 21 f.
  27. vgl. Winkelmann/​Hadamek, Hand­buch für die Par­la­men­ta­ri­sche Pra­xis, 30. EL Stand: Dezem­ber 2014, § 126a Erl. 1
  28. vgl. bereits Kel­sen, VVDStRL 5 [1929], S. 30, 81
  29. vgl. BVerfGE 2, 1, 13; 44, 308, 321; 70, 324, 363
  30. vgl. BVerfGE 5, 85, 198 f.; 44, 308, 321; 70, 324, 363; 123, 267, 367
  31. vgl. BVerfGE 123, 267, 341 f.
  32. vgl. BVerfGE 2, 1, 13; 5, 85, 199; 123, 267, 367
  33. BVerfGE 123, 267, 367
  34. vgl. auch BVerfGE 49, 70, 85 f.; 129, 300, 331; 135, 259, 293 f.
  35. vgl. auch Mun­dil, Die Oppo­si­ti­on, 2014, S.191; zur „föde­ra­ti­ven Kon­trol­le” vgl. Stüwe, Die Oppo­si­ti­on im Bun­des­tag und das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, 1997, S. 40 ff.
  36. vgl. BVerfGE 67, 100, 130
  37. vgl. BVerfGE 49, 70, 86 f.; zur Hoheit der Min­der­heit über den Unter­su­chungs­auf­trag eines auf ihren Antrag ein­ge­setz­ten Unter­su­chungs­aus­schus­ses vgl. nun­mehr § 2 Abs. 2 und § 3 PUAG; zum Schutz auch der poten­zi­ell ein­set­zungs­be­rech­tig­ten Min­der­heit vgl. BVerfGE 105, 197, 224 f.
  38. vgl. BVerfGE 49, 70, 87
  39. vgl. BT-Drs. 12/​6000, S. 89
  40. vgl. BVerfGE 49, 70, 85 f.
  41. vgl. BVerfGE 70, 324, 363 f.
  42. vgl. BVerfGE 124, 78, 107
  43. vgl. Bun­des­wahl­lei­ter, Wahl zum 18. Deut­schen Bun­des­tag am 22.09.2013, Heft 5, Teil 1, Text­li­che Aus­wer­tung, Wahl­er­geb­nis­se, S. 51
  44. vgl. BVerfGE 82, 322, 338; 95, 335, 366; 131, 316, 344; stRspr; vgl. schon BVerfGE 1, 208, 247 ff.
  45. vgl. BVerfG, Beschluss vom 03.06.2011 – 2 BvC 7/​11 7
  46. vgl. BVerfGE 40, 296, 318; 44, 308, 316; 56, 396, 405; 80, 188, 218; 93, 195, 204; 96, 264, 278; 123, 267, 342; 130, 318, 342; BVerfG, Urteil vom 22.09.2015 – 2 BvE 1/​11 91
  47. vgl. BVerfGE 80, 188, 217 f.; 92, 130, 134; stRspr
  48. BVerfGE 70, 324, 362 f.; 80, 188, 219 f.; 84, 304, 322; 93, 195, 204; zum Grund­satz der Frak­ti­ons­gleich­heit vgl. BVerfGE 93, 195, 204; 112, 118, 133; 130, 318, 354; 135, 317, 396 Rn. 153; BVerfG, Urteil vom 22.09.2015 – 2 BvE 1/​11 92
  49. vgl. BVerfGE 93, 195, 204; 96, 264, 278; stRspr
  50. vgl. BVerfGE 102, 224, 237 f.; 112, 118, 134; 130, 318, 352; stRspr
  51. vgl. BVerfGE 80, 188, 218 f.; 84, 304, 321 f.
  52. vgl. BVerfGE 49, 70, 86
  53. vgl. BVerfGE 21, 52, 53; 124, 78, 107
  54. vgl. Ingold, Das Recht der Oppo­si­tio­nen, 2015, S. 434; vgl. auch Haber­land, Die ver­fas­sungs­recht­li­che Bedeu­tung der Oppo­si­ti­on nach dem Grund­ge­setz, 1995, S. 181
  55. zum Gebot der Aus­le­gung zuguns­ten der Wirk­sam­keit par­la­men­ta­ri­scher Kon­trol­le vgl. BVerfGE 67, 100, 130
  56. vgl. BVerfGE 21, 52, 53 f.; 68, 346, 349
  57. vgl. BVerfGE 21, 52, 53 f.
  58. vgl. Häber­le, Zeit und Ver­fas­sung, ZfP 21 [1974], S. 111, 129 f.
  59. vgl. BVerfGE 1, 14, 32, stRspr; vgl. fer­ner nur Hes­se, Grund­zü­ge des Ver­fas­sungs­rechts der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, 20. Aufl.1995, Rn.20 m.w.N.
  60. vgl. BVerfGE 3, 225, 231 f.
  61. BGBl I S.1926
  62. vgl. BT-Drs. 16/​8488, S. 4 re. Sp.
  63. vgl. BT-Drs. 16/​8912, S. 5
  64. vgl. BVerfGE 105, 197, 224 m.w.N. zur Dis­kus­si­on im Par­la­men­ta­ri­schen Rat
  65. Ver­fas­sungs­aus­schuss der Minis­ter­prä­si­den­ten­kon­fe­renz der West­li­chen Besat­zungs­zo­nen, Bericht über den Ver­fas­sungs­kon­vent auf Her­ren­chiem­see vom 10. bis 23.08.1948, JöR N.F., Bd. I, S. 366
  66. vgl. JöR N.F., Bd. I, S. 367, insb. Fn. 4
  67. vgl. JöR N.F., Bd. I, S. 367, insb. Fn. 5
  68. JöR N.F., Bd. I, S. 367, insb. Fn. 6; vgl. BVerfGE 105, 197, 224
  69. vgl. BVerfGE 1, 208, 248; 14, 121, 135; 34, 81, 99 f.
  70. vgl. Rn. 99 ff., 123 ff.