Par­tei­en zur Bundestagswahl

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat über ins­ge­samt 20 Nicht­an­er­ken­nungs­be­schwer­den von Par­tei­en im Zusam­men­hang mit ihrer ver­sag­ten Zulas­sung für die Wahl zum 20. Deut­schen Bun­des­tag entschieden:

Par­tei­en zur Bundestagswahl

In sei­ner öffent­li­chen Sit­zung am 8. und 9. Juli 2021 hat der Bun­des­wahl­aus­schuss ent­schie­den, wel­che Ver­ei­ni­gun­gen nach sei­ner Prü­fung als wahl­vor­schlags­be­rech­tig­te Par­tei­en für die Wahl zum 20. Deut­schen Bun­des­tag anzu­er­ken­nen sei­en. Gegen die Nicht­an­er­ken­nung haben zwan­zig Ver­ei­ni­gun­gen Beschwer­de beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt erhoben.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt prüft im Rah­men des Beschwer­de­ver­fah­rens im Wesent­li­chen, ob eine Ver­ei­ni­gung den for­mel­len Anfor­de­run­gen an die Betei­li­gungs­an­zei­ge nach § 18 Abs. 2 BWahlG genügt hat und ob ihr die Eigen­schaft einer Par­tei im Sin­ne des Art. 21 Abs. 1 GG, § 2 Abs. 1 PartG zukommt. Für letz­te­res ist grund­sätz­lich maß­geb­lich, ob die Gesamt­wür­di­gung der tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se den Schluss zulässt, dass die Ver­ei­ni­gung ernst­haft ihre erklär­te Absicht ver­folgt, an der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung des Vol­kes mitzuwirken.

In neun­zehn Ver­fah­ren blie­ben die Nicht­an­er­ken­nungs­be­schwer­den nach heu­te ver­öf­fent­lich­ten Beschlüs­sen des Zwei­ten Senats des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts erfolg­los. Dage­gen wur­de die Deut­sche Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei (DKP) vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als wahl­vor­schlags­be­rech­tig­te Par­tei für die Wahl zum 20. Deut­schen Bun­des­tag anerkannt.

15 unzu­läs­si­ge Nichtanerkennungsbeschwerden 

Die Nicht­an­er­ken­nungs­be­schwer­den waren in fünf­zehn Ver­fah­ren bereits unzulässig.

Die Beschwer­den der Vereinigungen

  • Jesus­par­ty – Par­tei des Evan­ge­li­ums1,
  • Bun­des­zen­tral­rat der Schwar­zen in Deutsch­land (ZRSD)2,
  • Alli­anz Zukunft3,
  • Bünd­nis der Genera­tio­nen – Rent­ner und Fami­lie4 und der
  • Kai­Par­tei5
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genüg­ten nicht den Begründungsanforderungen.

Die Beschwer­den der Vereinigungen

  • Par­tei Akti­ve Demo­kra­ten Deutsch­land6,
  • Anar­chis­ti­sche Pogo-Par­tei Deutsch­lands (APPD)7,
  • Grund­ein­kom­men für Alle (GFA)8,
  • Kli­ma­schutz­par­tei (KSP)9,
  • Undeut­scher Ver­ein10,
  • Men­schen­Rech­te 100pro11 und
  • Deut­sche Frie­dens­uni­on (DFU)12

wur­den jeden­falls ver­fris­tet erho­ben. Soweit die Ver­ei­ni­gung Grund­ein­kom­men für Alle (GFA) einen über­ra­schend lan­gen Post­weg ihrer Beschwer­de zum Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt beleg­te, kommt im beson­ders beschleu­nigt zu betrei­ben­den Ver­fah­ren der Nicht­an­er­ken­nungs­be­schwer­de eine Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand nicht in Betracht.

Die Ver­ei­ni­gung

  • Kli­ma­schutz­par­tei (KSK)

hat­te zwar inner­halb der Frist per E‑Mail vom 13. Juli 2021 Beschwer­de ein­ge­legt. Die E‑Mail erfüll­te jedoch nicht das Form­erfor­der­nis der Schrift­form nach § 23 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG. Das am 14. Juli 2021 um 9:51 Uhr ein­ge­gan­ge­ne Fax der KSK wahr­te die Frist hin­ge­gen nicht.

Die Beschwer­den der Vereinigungen

  • Alli­anz Viel­falt & Mit­be­stim­mung ((BVerfG – 2 BvC 4/​21)) und
  • Bünd­nis GRAL – Ganz­heit­li­ches Recht auf Leben13

genüg­ten nicht den Begrün­dungs­an­for­de­run­gen und waren dar­über hin­aus auch des­halb unzu­läs­sig, weil sie man­gels ord­nungs­ge­mä­ßer Ver­tre­tung nicht wirk­sam anhän­gig gemacht wor­den waren.

Das

  • Bünd­nis für Inno­va­ti­on & Gerech­tig­keit (BIG)14

ver­füg­te nicht über das erfor­der­li­che Rechts­schutz­in­ter­es­se. Durch Schrei­ben an den Bun­des­wahl­lei­ter vom 8. Juli 2021 hat­te das BIG gegen­über die­sem die Betei­li­gungs­an­zei­ge an der Wahl zurück­ge­nom­men und sei­nen Wäh­le­rin­nen und Wäh­lern emp­foh­len, eine ande­re, bereits zuge­las­se­ne Par­tei bei der kom­men­den Bun­des­tags­wahl zu wäh­len. Damit ent­fällt das Inter­es­se des BIG an der Fest­stel­lung, als Par­tei mit eige­nen Wahl­vor­schlä­gen an der Wahl zum 20. Deut­schen Bun­des­tag teil­neh­men zu können.

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Vier unbe­grün­de­te Nichtanerkennungsbeschwerden 

In vier Ver­fah­ren waren die Beschwer­den jeden­falls unbegründet:

Der Ver­ei­ni­gung

  • Die Natür­li­chen e.V. ((BVerfG – 2 BvC 7/​21))

fehlt die Eigen­schaft einer wahl­vor­schlags­be­rech­tig­ten Par­tei. Die erfor­der­li­che Gesamt­wür­di­gung der tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se, ins­be­son­de­re das Her­vor­tre­ten in der Öffent­lich­keit sowie der Umfang und die Fes­tig­keit der Orga­ni­sa­ti­on, las­sen nicht erken­nen, dass die­se Ver­ei­ni­gung in der Lage ist, ernst­haft an der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung des Vol­kes im Bund oder in einem Land teilzunehmen.

Die Ver­ei­ni­gun­gen

  • DIE REPUBLIKANER (REP)15 und
  • Die Los­frak­ti­on (LOS)16

haben dem Bun­des­wahl­lei­ter ihre Betei­li­gung an der Wahl nicht frist­ge­recht, näm­lich gemäß § 18 Abs. 2 Satz 1 BWahlG bis spä­tes­tens am sie­ben­und­neun­zigs­ten Tage vor der Wahl (21. Juni 2021) bis 18:00 Uhr schrift­lich angezeigt.

Die Nicht­an­er­ken­nungs­be­schwer­de der Vereinigung

  • Deut­sche Zen­trums­par­tei – Ältes­te Par­tei Deutsch­lands gegrün­det 1870 – ZENTRUM17

wur­de zurück­ge­wie­sen, die Begrün­dung der Ent­schei­dung erfolgt geson­dert (§ 96d Satz 2 BVerfGG).

Eine erfolg­rei­che Nichtanerkennungsbeschwerde

Die Nicht­an­er­ken­nungs­be­schwer­de der

  • Deut­schen Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei (DKP)18

hat­te dage­gen Erfolg.

Der Bun­des­wahl­aus­schuss begrün­de­te sei­ne Nicht­an­er­ken­nung der DKP damit, dass die Kri­te­ri­en der Par­tei­ei­gen­schaft gemäß § 2 PartG nicht erfüllt sei­en: Sie habe nach Mit­tei­lung des Deut­schen Bun­des­ta­ges die Rechts­stel­lung als Par­tei ver­lo­ren, weil sie sechs Jah­re lang ent­ge­gen der Pflicht zur öffent­li­chen Rechen­schafts­le­gung gemäß § 23 PartG den jewei­li­gen Rechen­schafts­be­richt nicht in einer den gesetz­li­chen Min­dest­an­for­de­run­gen genü­gen­den Form ein­ge­reicht habe (§ 2 Abs. 2 Satz 2 PartG).

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Sitzzuteilung bei der Bundestagswahl

Die zuläs­si­ge Nicht­an­er­ken­nungs­be­schwer­de ist begrün­det, die DKP ist als wahl­vor­schlags­be­rech­tig­te Par­tei für die Wahl zum 20. Deut­schen Bun­des­tag anzuerkennen.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Bun­des­wahl­aus­schus­ses tritt der Ver­lust der Par­tei­ei­gen­schaft nicht bereits ein, wenn eine Par­tei – wie die DKP – in einem Zeit­raum von sechs Jah­ren meh­re­re Rechen­schafts­be­rich­te unter Ein­hal­tung der inhalt­li­chen Min­dest­an­for­de­run­gen des § 19a Abs. 3 Satz 5 PartG nicht frist­ge­mäß ein­ge­reicht hat. Dies ergibt sich aus einer im Lich­te von Art. 21 Abs. 1 GG vor­zu­neh­men­den Aus­le­gung von § 2 Abs. 2 Satz 2 PartG. Danach ist die nicht frist­ge­rech­te Ein­rei­chung des Prüf­be­richts der Nicht­ein­rei­chung nicht gleich­zu­stel­len und für sich genom­men nicht aus­rei­chend, die Rechts­fol­ge des Ver­lusts der Par­tei­ei­gen­schaft gemäß § 2 Abs. 2 Satz 2 PartG auszulösen.

Die dem­nach gebo­te­ne Gesamt­wür­di­gung der tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se der DKP, ins­be­son­de­re des Umfangs ihrer Orga­ni­sa­ti­on, der Zahl ihrer Mit­glie­der und des Her­vor­tre­tens in der Öffent­lich­keit, las­sen dar­auf schlie­ßen, dass sie in der Lage ist, ernst­haft an der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung des Vol­kes für den Bereich des Bun­des oder eines Lan­des mitzuwirken.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschlüs­se vom 22. Juli 2021 – 2 BvC 1/​21 – 2 BvC 2/​21 – 2 BvC 3/​21 – 2 BvC 4/​21 – 2 BvC 5/​21 – 2 BvC 6/​21 – 2 BvC 7/​21 – 2 BvC 8/​21 – 2 BvC 9/​21 – 2 BvC 10/​21 – 2 BvC 11/​21 – 2 BvC 12/​21 – 2 BvC 13/​21 – 2 BvC 14/​21 – 2 BvC 15/​21 – 2 BvC 16/​21 – 2 BvC 17/​21 – 2 BvC 18/​21 – 2 BvC 19/​21 – 2 BvC 20/​21

  1. BVerfG – 2 BvC 1/​21[]
  2. BVerfG – 2 BvC 2/​21[]
  3. BVerfG – 2 BvC 3/​21[]
  4. BVerfG – 2 BvC 6/​21[]
  5. BVerfG – 2 BvC 15/​21[]
  6. BVerfG – 2 BvC 11/​21[]
  7. BVerfG – 2 BvC 12/​21[]
  8. BVerfG – 2 BvC 16/​21[]
  9. BVerfG – 2 BvC 17/​21[]
  10. BVerfG – 2 BvC 18/​21[]
  11. BVerfG – 2 BvC 19/​21[]
  12. BVerfG – 2 BvC 20/​21[]
  13. BVerfG – 2 BvC 5/​21[]
  14. BVerfG – 2 BvC 14/​21[]
  15. BVerfG – 2 BvC 9/​21[]
  16. BVerfG – 2 BvC 13/​21[]
  17. BVerfG – 2 BvC 10/​21[]
  18. BVerfG – 2 BvC 8/​21[]

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