Par­tei­en­fi­nan­zie­rung – und der unzu­tref­fen­de Rechen­schafts­be­richt der NPD

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Natio­nal­de­mo­kra­ti­schen Par­tei Deutsch­lands (NPD), mit der die­se sich gegen die Auf­er­le­gung von Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen wegen unrich­ti­ger Anga­ben in ihrem Rechen­schafts­be­richt für das Jahr 2007 und die­se bestä­ti­gen­de Gerichts­ent­schei­dun­gen gewandt hat­te, nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men.

Par­tei­en­fi­nan­zie­rung – und der unzu­tref­fen­de Rechen­schafts­be­richt der NPD

Dem Vor­brin­gen der NPD las­se sich, so das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, eine Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der maß­geb­li­chen Norm des Par­tei­en­geset­zes, die Sank­ti­ons­zah­lun­gen in Höhe des zwei­fa­chen des den unrich­ti­gen Anga­ben ent­spre­chen­den Betra­ges vor­sieht, nicht ent­neh­men. Auch sei nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­tan, dass die Anwen­dung der Vor­schrif­ten des Par­tei­en­geset­zes durch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt gegen die Ver­fas­sung ver­stie­ße.

Der Bescheid des Bun­des­tags­prä­si­den­ten[↑]

Die NPD wen­det sich gegen die Auf­er­le­gung von Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen wegen unrich­ti­ger Anga­ben in ihrem Rechen­schafts­be­richt für das Jahr 2007 gemäß § 31b des Geset­zes über die poli­ti­schen Par­tei­en (im Fol­gen­den: PartG). Mit­tel­bar macht sie die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit von § 31b PartG gel­tend.

Die NPD ist eine poli­ti­sche Par­tei, die Leis­tun­gen aus der staat­li­chen Par­tei­en­fi­nan­zie­rung erhält. Mit Bescheid vom 28.01.2008 setz­te der Prä­si­dent des Deut­schen Bun­des­ta­ges die­se Leis­tun­gen für das Anspruchs­jahr 2007 auf einen Betrag von 1.448.519,55 € fest.

Am 31.12 2008 reich­te die NPD einen Rechen­schafts­be­richt für das Jahr 2007 auf 25 bezif­fer­ten, nicht mit­ein­an­der ver­bun­de­nen Blät­tern beim Prä­si­den­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges ein. Auf den Sei­ten 1 und 5 des Doku­ments gab sie die gewähr­ten staat­li­chen Mit­tel mit einem Betrag von 561.692,12 € an. Auf Sei­te 23 lis­te­te sie hin­ge­gen staat­li­che Zuwen­dun­gen für das Jahr 2007 in Höhe von ins­ge­samt 859.692,62 € auf. Dane­ben wur­den unter ande­rem sons­ti­ge Ein­nah­men in Höhe von 21.290,73 € und ein Rein­ver­mö­gen der NPD in Höhe von 93.416,63 € auf­ge­führt. Nach­dem der Prä­si­dent des Deut­schen Bun­des­ta­ges der NPD gemäß § 23a Abs. 2 Satz 1 PartG Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me gege­ben hat­te, leg­te sie eine Neu­fas­sung der ers­ten sie­ben Sei­ten des Rechen­schafts­be­richts vor, die auf Sei­te 1 staat­li­che Mit­tel in Höhe von 859.692,62 € aus­wies. In einer Fuß­no­te ist hier­zu ver­merkt: „Im Berichts­jahr = 1.448.519,55 € abzüg­lich 71.841,03 € (Zah­lung in 2008) abzüg­lich 516.985,90 € (gemäß Bescheid vom 12.02.2007)”.

Mit ange­foch­te­nem Bescheid vom 26.03.2009 stell­te der Prä­si­dent des Deut­schen Bun­des­ta­ges Unrich­tig­kei­ten im Rechen­schafts­be­richt der NPD für das Jahr 2007 in Höhe von 1.252.399,55 € und eine Zah­lungs­ver­pflich­tung in Höhe von 2.504.799,10 € fest. Dabei leg­te er zugrun­de, dass die gewähr­ten staat­li­chen Mit­tel ledig­lich mit 561.692,12 € auf­ge­führt und daher in Höhe eines Betra­ges von 886.827,43 € feh­ler­haft aus­ge­wie­sen wor­den sei­en, eine Erläu­te­rung der sons­ti­gen Ein­nah­men in Höhe von 21.290,73 € unter­blie­ben sei und das aus­ge­wie­se­ne Rein­ver­mö­gen des Rech­nungs­jah­res 2007 sich nicht lücken­los an das­je­ni­ge des Rech­nungs­jah­res 2006 anschlie­ße, son­dern eine Dif­fe­renz in Höhe von 272.440,30 € auf­wei­se.

Die Ent­schei­dung der Ver­wal­tungs­ge­rich­te[↑]

Auf die hier­ge­gen gerich­te­te Kla­ge kor­ri­gier­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin mit Urteil vom 15.05.2009 den Bescheid des Prä­si­den­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges vom 26.03.2009, soweit dar­in Unrich­tig­kei­ten des Rech­nungs­be­richts der NPD über einen Betrag in Höhe von 635.677, 90 € hin­aus und Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen über einen Betrag in Höhe von 1.271.355,80 € hin­aus fest­ge­stellt wur­den1. Auf­grund der Auf­schlüs­se­lung auf Sei­te 23 des Rechen­schafts­be­richts sei der Wil­le der NPD erkenn­bar, die staat­li­chen Mit­tel mit einem Betrag in Höhe von 859.692,92 € anzu­ge­ben.

Dem­ge­gen­über hob das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg mit Urteil vom 23.05.2011 unter Zurück­wei­sung der Beru­fung der NPD die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts auf und wies die Kla­ge ab2. Zur Begrün­dung ver­wies es dar­auf, dass die im Bescheid vom 26.03.2009 fest­ge­stell­ten Unrich­tig­kei­ten in vol­ler Höhe bestün­den. Der Anga­be des Betra­ges der staat­li­chen Mit­tel in Höhe von 561.692,12 € auf den Sei­ten 1 und 5 des Rechen­schafts­be­richts kom­me eine höhe­re nor­ma­ti­ve Wer­tig­keit und eine grö­ße­re Sicht­bar­keit gegen­über den Anga­ben auf Sei­te 23 des Berichts zu. Das Risi­ko der Miss­ver­ständ­lich­keit des Rechen­schafts­be­richts tra­ge die NPD. Die ange­ord­ne­te Sank­ti­on gemäß § 31b PartG sei ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich. Ihre Anord­nung set­ze die Erfül­lung eines sub­jek­ti­ven Tat­be­stands­merk­mals nicht vor­aus.

Mit Urteil vom 12.12 2012 hob das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt den Bescheid des Prä­si­den­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges unter Abwei­sung der Kla­ge im Übri­gen auf, soweit dar­in Unrich­tig­kei­ten des Rechen­schafts­be­richts der NPD für das Jahr 2007 über den Betrag in Höhe von 635.677,88 € hin­aus fest­ge­stellt und Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen über den Betrag von 1.271.355,76 € hin­aus ange­ord­net wur­den3.

Zur Begrün­dung führ­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt aus, dass die NPD ver­pflich­tet gewe­sen wäre, in ihrem Rechen­schafts­be­richt für das Jahr 2007 gemäß § 24 Abs. 4 Nr. 8 PartG staat­li­che Mit­tel in Höhe von 1.448.519,55 € aus­zu­wei­sen. Dass eine Par­tei den­je­ni­gen Betrag anzu­ge­ben habe, den der Prä­si­dent des Deut­schen Bun­des­ta­ges gemäß § 19a Abs. 1 Satz 1 PartG zum 15.02.des Fol­ge­jah­res für das Anspruchs­jahr fest­setzt, fol­ge aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te, der Sys­te­ma­tik sowie dem Sinn und Zweck der Bestim­mun­gen über die öffent­li­che Rech­nungs­le­gung der Par­tei­en. Der sich aus Art. 21 Abs. 1 Satz 4 GG erge­ben­den Pflicht der Par­tei­en, über die Her­kunft und Ver­wen­dung ihrer Mit­tel sowie über ihr Ver­mö­gen öffent­lich Rechen­schaft zu geben, genü­ge es nicht, wenn die Ein­nah­men- und Aus­ga­ben­rech­nung nur die im Rech­nungs­jahr tat­säch­lich geflos­se­nen Leis­tun­gen aus­wei­se. Das Publi­zi­täts­ge­bot zie­le auf die mög­lichst voll­stän­di­ge Offen­le­gung der zur poli­ti­schen Ein­fluss­nah­me ver­füg­ba­ren finan­zi­el­len Mit­tel. Hin­zu kom­me, dass den inter­es­sier­ten Bür­gern die Über­prü­fung der in § 18 Abs. 2 und 5 PartG vor­ge­ge­be­nen Ober­gren­zen staat­li­cher Zuwen­dun­gen an die Par­tei­en anhand der Rechen­schafts­be­rich­te nur dann in zumut­ba­rer Wei­se mög­lich sei, wenn die zum 15.02.des Fol­ge­jah­res fest­ge­setz­ten Mit­tel in die Betrach­tung des Anspruchs­jah­res ein­be­zo­gen wer­den könn­ten. Im Zeit­punkt der Abga­be des Rechen­schafts­be­richts stün­de die exak­te Höhe des Anspruchs auf staat­li­che Leis­tun­gen für das Anspruchs­jahr fest. Die­ser Anspruch sei auch bei einer etwa erfolg­ten Ver­rech­nung im Rechen­schafts­be­richt voll­stän­dig als Ein­nah­me aus­zu­wei­sen. Gegen­for­de­run­gen, mit denen auf­ge­rech­net wor­den sei, sei­en als sons­ti­ge Aus­ga­ben geson­dert anzu­ge­ben.

Die von dem Betrag der fest­ge­setz­ten staat­li­chen Mit­tel in Höhe von 1.448.519,55 € abwei­chen­den Anga­ben im Rechen­schafts­be­richt der NPD sei­en daher unrich­tig. Aller­dings sei­en die­se Anga­ben in dem vor­ge­leg­ten Bericht offen­sicht­lich wider­sprüch­lich. Im Rah­men der Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me habe die NPD eine Neu­fas­sung der Ein­nah­me­be­rech­nung vor­ge­legt, in der staat­li­che Mit­tel in Höhe von 859.692,62 € aus­ge­wie­sen wor­den sei­en. Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Klar­stel­lung sei­en die staat­li­chen Mit­tel ledig­lich in Höhe von 588.826,93 € feh­ler­haft ange­ge­ben wor­den. Zugleich redu­zie­re sich die Anschluss­lü­cke des aus­ge­wie­se­nen Rein­ver­mö­gens gegen­über dem vor­an­ge­gan­ge­nen Rechen­schafts­be­richt für das Jahr 2006 auf 25.560,20 €. Unter Ein­be­zie­hung der feh­len­den Erläu­te­rung sons­ti­ger Ein­nah­men in Höhe von 21.290,73 € addier­ten sich die unrich­ti­gen Anga­ben auf 635.677,88 €.

Gegen die Fest­stel­lung der Zah­lungs­ver­pflich­tung der NPD in Höhe des Dop­pel­ten die­ses Betra­ges gemäß § 31b Satz 1 PartG bestün­den kei­ne Beden­ken. Der Vor­schrift sei­en kei­ne sub­jek­ti­ven Tat­be­stands­merk­ma­le zu ent­neh­men. Ob ihr im Wege ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung als unge­schrie­be­nes Tat­be­stands­merk­mal ein Ver­schul­den der rechen­schafts­pflich­ti­gen Par­tei hin­zu­ge­fügt wer­den müs­se, kön­ne dahin­ste­hen. Selbst wenn dies der Fall wäre, genü­ge jeden­falls ein fahr­läs­si­ges Ver­hal­ten. Die­ses lie­ge bei der NPD vor. Bei Beach­tung der im Ver­kehr erfor­der­li­chen Sorg­falt hät­te sie es auf­grund der Beein­träch­ti­gung der Ver­gleich­bar­keit mit den Rechen­schafts­be­rich­ten ande­rer Par­tei­en für mög­lich hal­ten müs­sen, dass die staat­li­chen Mit­tel für das Anspruchs­jahr in vol­ler Höhe aus­zu­wei­sen sind. Zumin­dest hät­te sie sich dies­be­züg­lich durch eine ent­spre­chen­de Anfra­ge beim Prä­si­den­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges ver­ge­wis­sern müs­sen. Auch hin­sicht­lich der feh­len­den Erläu­te­run­gen der sons­ti­gen Ein­nah­men und der Lücke in der Ver­mö­gens­bi­lanz habe die NPD die von einer rechen­schafts­pflich­ti­gen Par­tei zu erwar­ten­de Sorg­falt außer Acht gelas­sen.

Die von der NPD gegen den beauf­trag­ten Wirt­schafts­prü­fer erho­be­ne Kla­ge auf Frei­stel­lung von den gegen sie wegen feh­ler­haf­ter Aus­wei­sung der staat­li­chen Mit­tel im Rech­nungs­jahr 2007 gel­tend gemach­ten Zah­lungs­an­sprü­che wies das Pfäl­zi­sche Ober­lan­des­ge­richt Zwei­brü­cken mit Urteil vom 14.06.2013 ab4. Dabei ver­trat das Ober­lan­des­ge­richt die Auf­fas­sung, dass der an den Wirt­schafts­prü­fer anzu­le­gen­de Sorg­falts­maß­stab sich von dem­je­ni­gen unter­schei­de, der im Rah­men von § 31b PartG unmit­tel­bar gegen­über der NPD gel­te.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de[↑]

Die NPD sieht sich durch die ange­foch­te­nen Ent­schei­dun­gen in ihren Grund­rech­ten aus Art. 103 Abs. 2, Art. 14 Abs. 1, Art. 9 Abs. 1, Art. 5 Abs. 1, Art. 3 Abs. 1 und Art. 2 Abs. 1 GG ver­letzt.

§ 31b PartG kom­me als Rechts­grund­la­ge der fest­ge­setz­ten Straf­zah­lun­gen nicht in Betracht, da die Vor­schrift wegen Ver­sto­ßes gegen den Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz ver­fas­sungs­wid­rig und nich­tig sei.

Die Norm beinhal­te kei­ne auf rei­ne Prä­ven­ti­on aus­ge­rich­te­te Sank­ti­on, son­dern eine Stra­fe. Dies erge­be sich dar­aus, dass § 31b PartG nicht nur von der NPD, son­dern auch von der Öffent­lich­keit als Sank­ti­on für began­ge­ne Feh­ler bei der Erstel­lung des Rechen­schafts­be­richts ange­se­hen wer­de und die Höhe der Sank­ti­on an die Höhe der Unrich­tig­keit anknüp­fe. Daher müs­se dem Grund­satz des „ange­mes­se­nen Stra­fens” Rech­nung getra­gen wer­den. Ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­ge, exis­tenz­ver­nich­ten­de Sank­tio­nen sei­en damit nicht ver­ein­bar. Statt­des­sen müs­se § 31b PartG auf vor­sätz­li­che Unrich­tig­kei­ten beschränkt wer­den.

Letzt­lich ver­dich­te sich alles auf die Fra­ge, ob mani­pu­la­ti­ves oder gut­gläu­bi­ges Ver­hal­ten im Spiel sei. Ein Fahr­läs­sig­keits­vor­wurf sei bei „Unrich­tig­kei­ten” leicht begrün­det. Die gro­ße Band­brei­te schuld­haf­ten Ver­hal­tens dür­fe aber „nicht über einen Kamm” gescho­ren wer­den.

Es sei auch nicht angän­gig, § 31b PartG die Schär­fe zu neh­men, indem den Par­tei­en Nach­fra­gen bei der Bun­des­tags­ver­wal­tung vor Erstel­lung des Rechen­schafts­be­richts abver­langt wür­den. Einem Gesetz kön­ne die Unver­hält­nis­mä­ßig­keit nicht durch eine bestimm­te Ver­wal­tungs­pra­xis genom­men wer­den.

Die Unver­hält­nis­mä­ßig­keit von § 31b PartG erge­be sich auch dar­aus, dass die Vor­schrift kei­nen Raum für die Berück­sich­ti­gung des jewei­li­gen Ein­zel­fal­les las­se. Dies gel­te vor­lie­gend für den Umstand, dass die Bun­des­tags­ver­wal­tung die Höhe der staat­li­chen Mit­tel ken­ne und die­se auch ver­öf­fent­li­che. In die­sem Fall sei die nach § 31b PartG vor­ge­se­he­ne Sank­ti­on nicht geeig­net und erfor­der­lich, um zu ver­hin­dern, dass fal­sche Rechen­schafts­be­rich­te abge­ge­ben wür­den, da kein Risi­ko einer Fehl­in­for­ma­ti­on der Bür­ger bestehe.

§ 31b PartG sei außer­dem mit Art. 3 Abs. 1 GG nicht ver­ein­bar, da Unrich­tig­kei­ten der Rechen­schafts­be­rich­te im Zusam­men­hang mit der Bewer­tung von Haus- und Grund­ver­mö­gen sowie der Betei­li­gung an Unter­neh­men anders bewer­tet wür­den als sons­ti­ge Unrich­tig­kei­ten. Der Unter­schied in der Höhe der Sank­tio­nen, der sich mit dem Fak­tor 20 bemes­se, sei nicht sach­ge­recht.

Die ange­grif­fe­nen Maß­nah­men ver­stie­ßen gegen Art. 103 Abs. 2 GG, weil sie zu einer Sank­ti­on geführt hät­ten, die dem Wort­laut von § 26 Abs. 1, § 31b PartG nicht zu ent­neh­men sei. Den Ent­schei­dun­gen lie­ge ein unzu­tref­fen­der Ein­nah­me­be­griff zugrun­de. Eine „Ein­nah­me” sei nur etwas, was bereits da sei. Dies sei bezo­gen auf die staat­li­che Teil­fi­nan­zie­rung am Bewer­tungs­stich­tag, dem 31.12 2007, nicht der Fall. Der Anspruch auf staat­li­che Mit­tel sei viel­mehr erst mit Erlass des Zuwen­dungs­be­schei­des vom 28.01.2008 ent­stan­den.

Bei dem Betrag von 859.692,62 € han­de­le es sich um die Ein­nah­men, die der NPD im Jahr 2007 an staat­li­chen Mit­teln nach der Ver­rech­nung mit Gegen­for­de­run­gen auf Rück­zah­lung staat­li­cher Mit­tel vor­an­ge­gan­ge­ner Jah­re tat­säch­lich zuge­flos­sen sei­en. Die Aus­wei­sung der staat­li­chen Mit­tel, die einer Par­tei im Rech­nungs­jahr tat­säch­lich zuge­flos­sen sei­en, schaf­fe die gebo­te­ne Trans­pa­renz, da der Bür­ger damit wis­se, wel­che Gel­der der Par­tei im Rech­nungs­jahr zur Ver­fü­gung gestan­den hät­ten. § 26 Abs. 2 PartG ent­hal­te kein Sal­die­rungs­ver­bot, son­dern ledig­lich die Abschaf­fung eines Sal­die­rungs­ge­bots. Sal­die­run­gen sei­en im Inter­es­se der Trans­pa­renz mög­lich. Dem von ihr beauf­trag­ten Wirt­schafts­prü­fer sei vom Insti­tut der Wirt­schafts­prü­fer vor Tes­tie­rung des Rechen­schafts­be­richts auf Anfra­ge erklärt wor­den, es dür­fe sal­diert und auf die tat­säch­li­chen Geld­flüs­se abge­stellt wer­den.

Der Deut­sche Bun­des­tag hat zu der Ver­fas­sungs­be­schwer­de Stel­lung genom­men. Er ver­tritt die Auf­fas­sung, die­se habe kei­ne Aus­sicht auf Erfolg. Beden­ken gegen die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit von § 31b PartG bestün­den nicht. Die NPD wer­de durch die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen nicht in ihren Grund­rech­ten ver­letzt.

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts[↑]

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de war nicht zur Ent­schei­dung anzu­neh­men, weil die Vor­aus­set­zun­gen hier­für nicht vor­lie­gen5. Sie hat weder grund­sätz­li­che Bedeu­tung (§ 93a Abs. 2 Buch­sta­be a BVerfGG), noch ist ihre Annah­me zur Durch­set­zung der als ver­letzt gerüg­ten Rech­te und grund­rechts­glei­chen Rech­te der NPD ange­zeigt (§ 93a Abs. 2 Buch­sta­be b BVerfGG). Denn die Ver­fas­sungs­be­schwer­de hat jeden­falls in der Sache kei­ne Aus­sicht auf Erfolg.

Ver­fas­sungs­be­schwer­den von poli­ti­schen Par­tei­en[↑]

Poli­ti­sche Par­tei­en sind im Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren antrags­be­rech­tigt, wenn sie eine Ver­let­zung von Grund­rech­ten gel­tend machen, die ihnen unab­hän­gig von ihrem beson­de­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Sta­tus wie jeder­mann zuste­hen6.

Rechts­staats­prin­zip und all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit[↑]

Art. 2 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit dem Rechts­staats­prin­zip (Art.20 Abs. 3 GG) gewähr­leis­tet die all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit in einem umfas­sen­den Sinn7. Aller­dings ist die­se nur in den Schran­ken des zwei­ten Halb­sat­zes des Art. 2 Abs. 1 GG garan­tiert und steht damit vor allem unter dem Vor­be­halt der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung8.

Hier­zu gehö­ren die vom Norm­ge­ber gesetz­ten ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Vor­schrif­ten ein­schließ­lich deren Aus­le­gung durch den Rich­ter und die im Wege zuläs­si­ger rich­ter­li­cher Rechts­fort­bil­dung gewon­ne­nen Ent­schei­dun­gen9. Die sich dar­aus erge­ben­den Ein­schrän­kun­gen des Grund­rechts aus Art. 2 Abs. 1 GG ste­hen aber nur dann mit der Ver­fas­sung in Ein­klang, wenn sie den Wert­ent­schei­dun­gen des Grund­ge­set­zes, vor­nehm­lich dem Grund­satz der Rechts­staat­lich­keit, ent­spre­chen10.

Das Rechts­staats­prin­zip ent­hält aller­dings kei­ne bis in alle Ein­zel­hei­ten ein­deu­tig bestimm­ten Gebo­te oder Ver­bo­te. Es han­delt sich viel­mehr um einen Ver­fas­sungs­grund­satz, der der Kon­kre­ti­sie­rung ent­spre­chend den jewei­li­gen sach­li­chen Gege­ben­hei­ten bedarf11. Nament­lich sind die im Rechts­staats­prin­zip ver­an­ker­ten Grund­sät­ze der Bestimmt­heit12 und der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit13 von Bedeu­tung. Dabei ver­langt der Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit, dass ein Grund­rechts­ein­griff einem legi­ti­men Zweck dient und als Mit­tel zu die­sem Zweck geeig­net, erfor­der­lich und ange­mes­sen (ver­hält­nis­mä­ßig im enge­ren Sinn) ist14. Dem Gebot der Ange­mes­sen­heit (Ver­hält­nis­mä­ßig­keit im enge­ren Sinn) ist Rech­nung getra­gen, wenn die Schwe­re des Ein­griffs bei einer Gesamt­ab­wä­gung nicht außer Ver­hält­nis zu dem Gewicht der ihn recht­fer­ti­gen­den Grün­de steht15. Eine Ver­let­zung des Rechts­staats­prin­zips liegt dem­nach nicht vor, wenn die ange­grif­fe­nen hoheit­li­chen Maß­nah­men und die sie bestä­ti­gen­den Gerichts­ent­schei­dun­gen in der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung ihre Grund­la­ge fin­den, der Durch­set­zung und dem wirk­sa­men Schutz eines Ver­fas­sungs­gu­tes die­nen, das im Geset­zes­recht ver­an­kert ist; und vom Grund­ge­setz selbst als ele­men­ta­rer Bestand­teil sei­nes Wer­te­sys­tems begrif­fen wird16, sowie den Grund­sät­zen der Bestimmt­heit und Ver­hält­nis­mä­ßig­keit Rech­nung getra­gen ist. Lie­gen die­se Vor­aus­set­zun­gen vor, ist zugleich auch eine Ver­let­zung des Will­kür­ver­bots aus­ge­schlos­sen17.

Par­tei­en­fi­nan­zie­rung – und die Rechen­schafts­pflicht der poli­ti­schen Par­tei­en[↑]

Als zu schüt­zen­des und durch­zu­set­zen­des Ver­fas­sungs­gut kommt im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang vor allem das Trans­pa­renz- und Publi­zi­täts­ge­bot des Art. 21 Abs. 1 Satz 4 GG in Betracht18. Hier­nach sind die Par­tei­en ver­pflich­tet, über die Her­kunft und Ver­wen­dung ihrer Mit­tel sowie über ihr Ver­mö­gen öffent­lich Rechen­schaft zu geben. Art. 21 Abs. 1 Satz 4 GG dient vor allem der Offen­le­gung mög­li­cher poli­ti­scher Ein­fluss­nah­men durch die Gewäh­rung finan­zi­el­ler Mit­tel. Die Kennt­nis der Finanz­quel­len soll den Bür­ger in die Lage ver­set­zen, finan­zi­el­le Abhän­gig­kei­ten zu erken­nen und dar­aus Kon­se­quen­zen zu zie­hen. Er soll die Mög­lich­keit haben, die Über­ein­stim­mung zwi­schen den poli­ti­schen Pro­gram­men und dem Ver­hal­ten derer zu prü­fen, die mit Hil­fe finan­zi­el­ler Mit­tel auf die Par­tei­en Ein­fluss zu neh­men suchen19. Zugleich soll die inne­re Ord­nung der Par­tei­en durch die Pflicht zur öffent­li­chen Rechen­schafts­le­gung gegen unde­mo­kra­ti­sche Ein­flüs­se gesi­chert wer­den20. Dar­über hin­aus soll die Ver­öf­fent­li­chungs­pflicht zur Chan­cen­gleich­heit der Par­tei­en im poli­ti­schen Wett­be­werb bei­tra­gen21.

Schon der Wort­laut der Vor­schrift im Grund­ge­setz spricht dafür, dass sie auf eine mög­lichst voll­stän­di­ge Rechen­schafts­le­gung zielt22. Dies schließt die Offen­le­gung der einer Par­tei gewähr­ten staat­li­chen Mit­tel ein, da die Kennt­nis der Höhe die­ser Mit­tel unver­zicht­bar ist, um das Maß mög­li­cher Ein­fluss­nah­me durch die Zuwen­dung sons­ti­ger finan­zi­el­ler Mit­tel sowie die Ein­hal­tung der sich aus § 18 PartG erge­ben­den Gren­zen staat­li­cher Par­tei­en­fi­nan­zie­rung ein­schät­zen zu kön­nen.

Der Gesetz­ge­ber ist an einer finan­zi­el­len För­de­rung der Par­tei­en nicht gehin­dert, sofern er die­se hier­durch nicht der staat­li­chen Vor­sor­ge über­ant­wor­tet und die vom Grund­ge­setz gewähr­leis­te­te Offen­heit des Pro­zes­ses der poli­ti­schen Wil­lens­bil­dung des Vol­kes nicht beein­träch­tigt wird23. Auf­grund der durch Art. 21 Abs. 5 GG eröff­ne­ten Rege­lungs­be­fug­nis steht es ihm grund­sätz­lich frei, die Pflicht zur Rechen­schafts­le­gung mit der staat­li­chen Par­tei­en­fi­nan­zie­rung zu ver­knüp­fen20 und unter Beach­tung der rechts­staat­li­chen Gebo­te der Bestimmt­heit und Ver­hält­nis­mä­ßig­keit für den Fall der Ver­let­zung von Mit­wir­kungs­pflich­ten das Nicht­ent­ste­hen von Ansprü­chen oder gar Sank­tio­nen vor­zu­se­hen24.

Ob eine Par­tei ihrer Rechen­schafts­pflicht genügt hat oder ob die hier­an zu stel­len­den Anfor­de­run­gen im Ein­zel­fall über­spannt wur­den, betrifft unmit­tel­bar auch die Anwen­dung des Art. 21 Abs. 1 GG, eine Ver­fas­sungs­be­stim­mung, die die Par­tei­en als ver­fas­sungs­recht­lich not­wen­di­ge Instru­men­te für die poli­ti­sche Wil­lens­bil­dung des Vol­kes aus­drück­lich aner­kennt und in den Rang einer ver­fas­sungs­recht­li­chen Insti­tu­ti­on erhebt25. Dem ist durch eine gestei­ger­te Prü­fungs­tie­fe sei­tens des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts Rech­nung zu tra­gen26. Dem­entspre­chend hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Bezug auf die Erfül­lung der Rechen­schafts­pflicht durch die Par­tei­en sowohl hin­sicht­lich der Ermitt­lung des Sach­ver­halts als auch hin­sicht­lich sei­ner recht­li­chen Bewer­tung zu prü­fen, ob die tat­säch­li­che und recht­li­che Wer­tung der Fach­ge­rich­te Grund­rech­te der Par­tei­en ver­letzt oder ob sie ihre Recht­fer­ti­gung in der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung, nament­lich im Publi­zi­täts- und Trans­pa­renz­ge­bot des Art. 21 Abs. 1 Satz 4 GG, und des­sen ein­fach­recht­li­cher Kon­kre­ti­sie­rung im Par­tei­en­gesetz fin­det27. Die­se Prü­fungs­pflicht bedeu­tet aller­dings nicht, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Ent­schei­dung, ob die Rechen­schafts­pflicht im Ein­zel­fall erfüllt ist oder hier­an unter Ver­let­zung von Grund­rech­ten der Par­tei­en ohne aus­rei­chen­de (einfach-)gesetzliche Grund­la­ge oder unter Ver­let­zung der her­ge­brach­ten Regeln juris­ti­scher Metho­dik über­zo­ge­ne Anfor­de­run­gen gestellt wur­den, unter Berück­sich­ti­gung der gericht­li­chen Vor­ent­schei­dun­gen neu und selbst zu tref­fen hät­te; die Ver­fas­sungs­be­schwer­de eröff­net auch hier kei­ne wei­te­re Tat­sa­chen- oder Revi­si­ons­in­stanz. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Ent­schei­dun­gen der Fach­ge­rich­te ledig­lich auf Feh­ler hin zu über­prü­fen, die geeig­net sind, die Beach­tung der Grund­rech­te der Par­tei­en infra­ge zu stel­len28.

Ver­fas­sungs­ge­mäß­heit des § 31b S. 1 PartG[↑]

Aus­ge­hend von die­sen Maß­stä­ben erge­ben sich aus dem Sach­vor­trag der NPD kei­ne durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken gegen den Beschluss des Prä­si­den­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges vom 26.03.2009 in der Fas­sung des Urteils des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 12.12.201229. Weder lässt sich dem Vor­brin­gen eine Ver­fas­sungs­wid­rig­keit von § 31b Satz 1 PartG ent­neh­men, noch ist hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­tan, dass die Anwen­dung der Vor­schrif­ten des Par­tei­en­geset­zes durch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt im vor­lie­gen­den Fall ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen nicht genügt.

Gegen die mit § 31b PartG ver­bun­de­ne Beschrän­kung der all­ge­mei­nen Hand­lungs­frei­heit der Par­tei­en ist ver­fas­sungs­recht­lich nichts zu erin­nern, da die Vor­schrift Bestand­teil der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung im Sin­ne von Art. 2 Abs. 1 GG ist. Aus dem Sach­vor­trag der NPD erge­ben sich weder ein Ver­stoß der Norm gegen den rechts­staat­li­chen Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit, noch deren Unver­ein­bar­keit mit Art. 3 Abs. 1 GG.

§ 31b PartG knüpft an die Ver­pflich­tung der Par­tei­en an, „über die Her­kunft und Ver­wen­dung der Mit­tel sowie über das Ver­mö­gen der Par­tei zum Ende des Kalen­der­jah­res (Rech­nungs­jahr) in einem Rechen­schafts­be­richt wahr­heits­ge­mäß und nach bes­tem Wis­sen und Gewis­sen öffent­lich Rechen­schaft zu geben” (§ 23 PartG). Die Vor­schrift bestimmt für den Fall unrich­ti­ger Anga­ben in die­sem Rechen­schafts­be­richt die Ent­ste­hung eines Anspruchs in Höhe des zwei­fa­chen des den unrich­ti­gen Anga­ben ent­spre­chen­den Betra­ges, soweit kein Fall des § 31c PartG vor­liegt. Sie zielt auf die Beach­tung des durch Art. 21 Abs. 1 Satz 4 GG ver­fas­sungs­recht­lich vor­ge­ge­be­nen Trans­pa­renz- und Publi­zi­täts­ge­bots, das als zu schüt­zen­des und durch­zu­set­zen­des Ver­fas­sungs­gut grund­sätz­lich geeig­net ist, eine Beschrän­kung der all­ge­mei­nen Hand­lungs­frei­heit der Par­tei­en aus Art. 2 Abs. 1 GG zu recht­fer­ti­gen18.

Mit § 31b PartG hat der Gesetz­ge­ber von der ihm durch Art. 21 Abs. 5 GG ein­ge­räum­ten Rege­lungs­be­fug­nis Gebrauch gemacht. Danach kann er fest­le­gen, wie die Par­tei­en ihrer Ver­pflich­tung zur Rechen­schafts­le­gung gemäß Art. 21 Abs. 1 Satz 4 GG im Ein­zel­nen nach­zu­kom­men haben30. Es steht ihm dabei frei, für den Fall der Ver­let­zung der Offen­le­gungs­pflich­ten das Nicht­ent­ste­hen von Ansprü­chen oder dem Grund­satz der Ange­mes­sen­heit ent­spre­chen­de Sank­tio­nen vor­zu­se­hen24. Dem trägt § 31b PartG Rech­nung. Es ist nicht ersicht­lich, dass der Gesetz­ge­ber mit der Ver­ab­schie­dung die­ser Vor­schrift sei­ne aus Art. 21 Abs. 5 GG sich erge­ben­de Rege­lungs­be­fug­nis über­schrit­ten hat.

Die von der NPD hier­ge­gen unter Bezug­nah­me auf den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit im enge­ren Sinn erho­be­nen Ein­wän­de ste­hen dem im Ergeb­nis nicht ent­ge­gen.

Der Auf­fas­sung, der Anwen­dungs­be­reich von § 31b PartG sei unge­ach­tet des Umstan­des, dass der Tat­be­stand der Norm nach sei­nem Wort­laut kei­ner­lei sub­jek­ti­ve Ele­men­te auf­wei­se, aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den auf Fäl­le zu beschrän­ken, in denen die Unrich­tig­keit des Rechen­schafts­be­richts durch vor­sätz­li­ches Han­deln ver­ur­sacht wur­de, ist nicht zu fol­gen. Dabei kann dahin­ste­hen, ob in Fäl­len unver­schul­de­ter Unrich­tig­keit des Rechen­schafts­be­richts die Anord­nung der Sank­ti­ons­zah­lung gemäß § 31b PartG außer Ver­hält­nis zu dem damit ver­folg­ten Zweck steht, die Par­tei­en zu einer mög­lichst voll­stän­di­gen und sach­lich rich­ti­gen Rechen­schafts­le­gung zu ver­pflich­ten.

Jeden­falls in allen Fäl­len, in denen bei Beach­tung der im Ver­kehr erfor­der­li­chen Sorg­falt die Unrich­tig­keit des Rechen­schafts­be­richts ver­meid­bar gewe­sen wäre, steht der Grund­satz der Ange­mes­sen­heit der Anwen­dung von § 31b PartG nicht ent­ge­gen. Viel­mehr ergibt die gebo­te­ne Gesamt­ab­wä­gung, dass in die­sen Fäl­len die Schwe­re des Ein­griffs in die all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit der Par­tei­en nicht außer Ver­hält­nis zu dem Gewicht der ihn recht­fer­ti­gen­den Grün­de steht. Zutref­fend hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­ner ange­grif­fe­nen Ent­schei­dung dar­auf hin­ge­wie­sen, dass nach der gesetz­li­chen Kon­zep­ti­on die auf wahr­heits­ge­mä­ße und voll­stän­di­ge Infor­ma­tio­nen ange­wie­se­ne Öffent­lich­keit und die in ihrer Chan­cen­gleich­heit betrof­fe­nen ande­ren Par­tei­en nicht nur vor vor­sätz­li­chen Falsch­an­ga­ben, son­dern auch davor geschützt wer­den sol­len, dass Rechen­schafts­be­rich­te auf­grund des Ver­sto­ßes gegen Sorg­falts­pflich­ten Unrich­tig­kei­ten ent­hal­ten. Der Zweck der Vor­schrift, die Par­tei­en zur voll­stän­di­gen und wahr­heits­ge­mä­ßen Erfül­lung ihrer Offen­le­gungs­pflich­ten anzu­hal­ten, damit die Öffent­lich­keit und ande­re Par­tei­en die finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se einer Par­tei zur Kennt­nis neh­men und bewer­ten kön­nen, recht­fer­tigt es, die Norm jeden­falls auch dann zur Anwen­dung kom­men zu las­sen, wenn die Unrich­tig­kei­ten des Rechen­schafts­be­richts auf einer ver­meid­ba­ren Außer­acht­las­sung der im Ver­kehr erfor­der­li­chen Sorg­falt beru­hen. Für die von der NPD behaup­te­te Begren­zung der Anwen­dung von § 31b PartG auf Fäl­le „mani­pu­la­ti­ven Ver­hal­tens” ist kein Raum. Die Anwend­bar­keit der Norm steht auch bei einer auf Fahr­läs­sig­keit beru­hen­den Unrich­tig­keit des Rechen­schafts­be­richts nicht außer Ver­hält­nis zu dem ange­streb­ten Zweck, die Beach­tung des Trans­pa­renz- und Publi­zi­täts­ge­bots aus Art. 21 Abs. 1 Satz 4 GG zu gewähr­leis­ten.

Etwas ande­res ergibt sich auch nicht dar­aus, dass andern­falls jede Rück­nah­me erfolg­ter Fest­set­zun­gen staat­li­cher Mit­tel gemäß § 31a PartG wegen Unrich­tig­keit stets zusätz­lich einen Anspruch nach § 31b PartG begrün­den wür­de31. Aus­weis­lich der Begrün­dung des Ent­wurfs eines Ach­ten Geset­zes zur Ände­rung des Par­tei­en­geset­zes vom 16.04.200232 ent­hält § 31b PartG eine Rege­lung der Sank­tio­nen wegen Unrich­tig­kei­ten im Rechen­schafts­be­richt. Eine Bezug­nah­me auf § 31a PartG erfolg­te dabei nicht33. Es ist daher davon aus­zu­ge­hen, dass mit § 31b PartG ein eigen­stän­di­ger Sank­ti­ons­tat­be­stand geschaf­fen wer­den soll­te, der unab­hän­gig vom Rück­for­de­rungs­tat­be­stand des § 31a PartG anwend­bar ist.

Davon aus­ge­hend bedarf es vor­lie­gend auch kei­ner Ent­schei­dung der Fra­ge, ob es sich bei § 31b PartG um eine stra­f­ähn­li­che34 oder um eine rein auf Prä­ven­ti­on ange­leg­te ver­wal­tungs­recht­li­che Sank­ti­ons­norm han­delt35. Selbst wenn die Rechts­fol­ge des § 31b PartG als stra­f­ähn­li­che Sank­ti­on qua­li­fi­ziert wer­den könn­te, ergä­ben sich dar­aus mit Blick auf den Schuld­grund­satz kei­ne Beden­ken gegen die Gül­tig­keit der Norm. Allen­falls bedürf­te es im Wege ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung der Hin­zu­fü­gung des unge­schrie­be­nen Tat­be­stands­merk­mals eines schuld­haf­ten Han­delns. Eine wei­ter­ge­hen­de Begren­zung des Anwen­dungs­be­reichs der Norm auf Fäl­le vor­sätz­li­chen Han­delns wäre dem­ge­gen­über ver­fas­sungs­recht­lich nicht gebo­ten.

Soweit die NPD dar­auf ver­weist, dass die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit von § 31b PartG nicht dadurch her­bei­ge­führt wer­den kön­ne, dass den Par­tei­en vor der Erstel­lung des Rechen­schafts­be­richts Nach­fra­gen bei der Bun­des­tags­ver­wal­tung abver­langt wür­den, ergibt sich dar­aus eben­falls kein Ein­wand gegen die Gül­tig­keit der Norm. Der Ver­zicht auf eine Nach­fra­ge bei der Bun­des­tags­ver­wal­tung kann allen­falls im Rah­men der Norman­wen­dung zur Beur­tei­lung des Beru­hens einer Unrich­tig­keit des Rechen­schafts­be­richts auf einem schuld­haf­ten Ver­hal­ten Bedeu­tung erlan­gen. Die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Norm ver­mag die­ser Umstand hin­ge­gen nicht zu begrün­den.

Soweit die NPD die Ver­let­zung des Grund­sat­zes der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit durch § 31b PartG dar­aus abzu­lei­ten sucht, dass die Vor­schrift kei­nen Raum für die Berück­sich­ti­gung des jewei­li­gen Ein­zel­fal­les las­se und dar­auf Bezug nimmt, dass die Bun­des­tags­ver­wal­tung die Höhe der staat­li­chen Mit­tel ken­ne und die­se ver­öf­fent­li­che, lässt sie den Schutz­zweck der Norm außer Betracht. § 31b PartG zielt auf die Beach­tung des ver­fas­sungs­recht­li­chen Trans­pa­renz- und Publi­zi­täts­ge­bots, dem die Par­tei­en gegen­über der Öffent­lich­keit und kon­kur­rie­ren­den poli­ti­schen Par­tei­en unter­lie­gen. Die­se sol­len in die Lage ver­setzt wer­den, die zur poli­ti­schen Ein­fluss­nah­me ver­füg­ba­ren Mit­tel, mög­li­che finan­zi­el­le Abhän­gig­kei­ten und die Ein­hal­tung der Gren­zen staat­li­cher Zuwen­dun­gen gemäß § 18 Abs. 2 und 5 PartG zur Kennt­nis neh­men und bewer­ten zu kön­nen. In die­sen Schutz­zweck der Norm wird durch einen unrich­ti­gen Rechen­schafts­be­richt unab­hän­gig davon ein­ge­grif­fen, ob die Unrich­tig­kei­ten der Bun­des­tags­ver­wal­tung bekannt oder für die­se erkenn­bar sind. Es erschließt sich nicht, dass die Ver­pflich­tung zur Zah­lung des Dop­pel­ten des feh­ler­haft aus­ge­wie­se­nen Betra­ges allein des­halb unan­ge­mes­sen sein soll, weil die Bun­des­tags­ver­wal­tung die Tat­sa­chen, die den unrich­ti­gen Anga­ben im Rechen­schafts­be­richt zugrun­de lie­gen, gekannt hat. Die­se Kennt­nis ent­bin­det die Par­tei­en nicht von der Pflicht zur kor­rek­ten Aus­wei­sung der staat­li­chen Zuwei­sun­gen und den Sank­ti­ons­zah­lun­gen gemäß § 31b PartG, falls es dar­an fehlt.

Schließ­lich ist nicht ersicht­lich, dass § 31b PartG gegen Art. 3 Abs. 1 GG ver­stößt. Zwar bestimmt § 31b Satz 2 PartG, dass bei Unrich­tig­kei­ten, die das Haus- und Grund­ver­mö­gen oder Unter­neh­mens­be­tei­li­gun­gen betref­fen, die Sank­ti­ons­zah­lung ledig­lich 10 vom Hun­dert der nicht auf­ge­führ­ten oder unrich­tig ange­ge­be­nen Ver­mö­gens­wer­te beträgt. Die­se von § 31b Satz 1 PartG abwei­chen­de Bestim­mung der Sank­ti­ons­hö­he ist jedoch durch sach­li­che Grün­de hin­rei­chend gerecht­fer­tigt36. § 31b Satz 2 PartG betrifft mit dem Haus- und Grund­ei­gen­tum sowie Unter­neh­mens­be­tei­li­gun­gen typi­scher­wei­se Ver­mö­gens­po­si­tio­nen von beträcht­li­cher Höhe, bei denen erheb­li­che Bewer­tungs­un­si­cher­hei­ten bestehen kön­nen. Dem dar­aus sich erge­ben­den Risi­ko regel­mä­ßig hoher, mög­li­cher­wei­se exis­tenz­ge­fähr­den­der Sank­ti­ons­zah­lun­gen im Fal­le hier­auf bezo­ge­ner unrich­ti­ger Anga­ben im Rechen­schafts­be­richt soll durch die Son­der­re­ge­lung in § 31b Satz 2 PartG Rech­nung getra­gen wer­den. Nach dem aus­drück­li­chen Wil­len des Gesetz­ge­bers dient die Rege­lung der Ver­mei­dung von Ver­stö­ßen gegen das Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prin­zip37. Ver­fas­sungs­recht­lich ist dage­gen nichts zu erin­nern.

Der hier­ge­gen erho­be­ne Ein­wand, dass jeden­falls die abwei­chen­de Behand­lung von Grund­ver­mö­gen und Unter­neh­mens­be­tei­li­gun­gen in Höhe des Fak­tors 20 dem Will­kür­ver­bot wider­spre­che, lässt die dem Gesetz­ge­ber zuste­hen­de Typi­sie­rungs- und Pau­scha­li­sie­rungs­be­fug­nis außer Betracht. Dass der Gesetz­ge­ber den ihm inso­weit zuste­hen­den Gestal­tungs­spiel­raum über­schrit­ten hat, wird von der NPD nicht vor­ge­tra­gen und ist auch ansons­ten nicht ersicht­lich38.

Der feh­ler­haf­te Rechen­schafts­be­richt der NPD – und sei­ne Fol­gen[↑]

Auch unter Berück­sich­ti­gung der aus Art. 21 Abs. 1 GG sich erge­ben­den Prü­fungs­tie­fe26 begeg­net die Anwen­dung von § 31b PartG durch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­nem ange­grif­fe­nen Urteil vom 12.12 2012 im Ergeb­nis kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken. Weder beruht die Fest­stel­lung der Unrich­tig­keit des Rechen­schafts­be­richts für das Jahr 2007 auf einer Außer­acht­las­sung der Par­tei­en­frei­heit oder sons­ti­ger ver­fas­sungs­recht­li­cher Gewähr­leis­tun­gen, noch kann dem sons­ti­gen Vor­brin­gen der NPD eine Ver­let­zung ihrer Grund­rech­te durch das ange­grif­fe­ne Urteil ent­nom­men wer­den.

Die Fest­stel­lung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, die staat­li­chen Zuwei­sun­gen an die NPD sei­en im Rechen­schafts­be­richt für das Jahr 2007 in Höhe von 588.826,93 € feh­ler­haft aus­ge­wie­sen wor­den, ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt geht davon aus, dass im Rechen­schafts­be­richt unter der Posi­ti­on „Staat­li­che Mit­tel” (§ 24 Abs. 4 Nr. 8 PartG) grund­sätz­lich nicht der Betrag der jah­res­be­zo­ge­nen tat­säch­li­chen Zuflüs­se, son­dern der­je­ni­ge Betrag aus­zu­wei­sen ist, den der Prä­si­dent des Bun­des­ta­ges gemäß § 19a Abs. 1 Satz 1 PartG zum 15.02.des Fol­ge­jah­res für das Anspruchs­jahr fest­setzt. Mit die­ser Aus­le­gung trägt das Gericht dem auf eine mög­lichst voll­stän­di­ge Rechen­schafts­le­gung gerich­te­ten Trans­pa­renz- und Publi­zi­täts­ge­bot aus Art. 21 Abs. 1 Satz 4 GG Rech­nung, ohne die Anfor­de­run­gen an die poli­ti­schen Par­tei­en unter Miss­ach­tung des die­sen durch Art. 21 Abs. 1 Satz 1 und 2 GG ein­ge­räum­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Sta­tus zu über­span­nen.

Die hier­ge­gen erho­be­nen Ein­wän­de der NPD gehen fehl.

Dem Vor­trag der NPD, der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts lie­ge ein unzu­tref­fen­der Ein­nah­me­be­griff zugrun­de, da der Anspruch auf staat­li­che Mit­tel erst mit dem Erlass des Zuwen­dungs­be­schei­des am 28.01.2008 ent­stan­den sei und als „Ein­nah­me” nichts aus­ge­wie­sen wer­den kön­ne, was am Bewer­tungs­stich­tag noch nicht exis­tie­re, kann eine Ver­let­zung des grund­rechts­glei­chen Rechts aus Art. 103 Abs. 2 GG oder sons­ti­ger grund­recht­li­cher Gewähr­leis­tun­gen nicht ent­nom­men wer­den.

Die NPD lässt außer Betracht, dass auf­grund des Trans­pa­renz­ge­bots aus Art. 21 Abs. 1 Satz 4 GG der „Einnahme”-Begriff des § 26 PartG weit zu fas­sen ist und grund­sätz­lich jeden wirt­schaft­lich in Geld mess­ba­ren Vor­teil umfasst39. Bei einer Beschrän­kung auf die Dar­stel­lung der im Rech­nungs­jahr tat­säch­lich geflos­se­nen Leis­tun­gen ist das Ziel einer mög­lichst umfas­sen­den Rechen­schafts­le­gung über die wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se einer Par­tei nicht erreich­bar. Hin­zu kommt, dass die Höhe des Anspruchs auf staat­li­che Mit­tel am Ende des Anspruchs­jah­res dem Grun­de nach fest­steht, da die­se sich gemäß § 19a Abs. 2 Satz 1 PartG nach den bis zum 31.12 erziel­ten gül­ti­gen Stim­men bei der jeweils letz­ten Euro­pa, Bun­des­tags- und Land­tags­wahl und den in den Rechen­schafts­be­rich­ten ver­öf­fent­lich­ten Zuwen­dun­gen des jeweils vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­res bemisst. Außer­dem ist zum Zeit­punkt der Abga­be des Rechen­schafts­be­richts zum 30.09.(§ 19a Abs. 3 Satz 1 PartG) bezie­hungs­wei­se in den dar­auf­fol­gen­den drei Mona­ten (§ 19a Abs. 3 Satz 2 PartG) die exak­te Höhe der staat­li­chen Mit­tel im Anspruchs­jahr bekannt, da deren Fest­set­zung gemäß § 19a Abs. 1 Satz 1 PartG zum 15.02.des auf das Anspruchs­jahr fol­gen­den Jah­res erfolgt. Für die Par­tei­en ist es daher ohne Wei­te­res mög­lich, bei Vor­la­ge des Rechen­schafts­be­richts den durch den Prä­si­den­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges fest­ge­setz­ten Betrag als „staat­li­che Mit­tel” im Sin­ne von § 24 Abs. 4 Nr. 8 PartG aus­zu­wei­sen.

Vor die­sem Hin­ter­grund ist es jeden­falls ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den, wenn das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in der ange­grif­fe­nen Ent­schei­dung den Fest­set­zungs­be­trag gemäß § 31a PartG für das Anspruchs­jahr 2007 in Höhe von 1.448.519,55 € als „Ein­nah­me” im Sin­ne von § 26 PartG qua­li­fi­ziert hat, die im Rechen­schafts­be­richt der NPD gemäß § 24 Abs. 4 Nr. 8 PartG hät­te aus­ge­wie­sen wer­den müs­sen. Die dar­auf gestütz­te Anord­nung der Sank­ti­ons­zah­lung gemäß § 31b PartG ver­letzt die all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit der NPD (Art. 2 Abs. 1 GG) oder das Will­kür­ver­bot (Art. 3 Abs. 1 GG) nicht, son­dern fin­det ihre Recht­fer­ti­gung in dem Publi­zi­täts- und Trans­pa­renz­ge­bot des Art. 21 Abs. 1 Satz 4 GG. Auch eine Ver­let­zung von Art. 103 Abs. 2 GG liegt nicht vor. Nach die­ser Bestim­mung kann eine Tat nur bestraft wer­den, wenn die Straf­bar­keit gesetz­lich bestimmt war, bevor die Tat began­gen wur­de. Dem­ge­mäß ist vor­lie­gend für einen Rück­griff auf Art. 103 Abs. 2 GG kein Raum, da – selbst wenn es sich bei der Sank­ti­ons­zah­lung um eine „Stra­fe” im Sin­ne die­ser Vor­schrift han­deln wür­de – die­se durch den Erlass des Ach­ten Geset­zes zur Ände­rung des Par­tei­en­geset­zes vom 28.06.200240 gesetz­lich hin­rei­chend bestimmt war, bevor die NPD ihren Rechen­schafts­be­richt für das Jahr 2007 abge­ge­ben hat.

Etwas ande­res ergibt sich auch nicht, soweit die NPD die Unrich­tig­keit des Rechen­schafts­be­richts mit der Behaup­tung bestrei­tet, bei der Aus­wei­sung staat­li­cher Mit­tel sei­en Sal­die­run­gen zuläs­sig und sie daher berech­tigt gewe­sen sei, im Rechen­schafts­be­richt nur die­je­ni­gen staat­li­chen Mit­tel aus­zu­wei­sen, die sich nach der Ver­rech­nung mit Gegen­for­de­run­gen auf Rück­zah­lung staat­li­cher Mit­tel aus vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­ren erge­ben hät­ten.

Abge­se­hen davon, dass sich in die­sem Fall zumin­dest eine Unrich­tig­keit des Rechen­schafts­be­richts der NPD in Höhe des nicht aus­ge­wie­se­nen Fest­set­zungs­be­trags von 71.841,07 €, der erst im Jahr 2008 aus­ge­zahlt wur­de, ergä­be, ver­mag auch die­ser Sach­vor­trag eine Ver­let­zung der gel­tend gemach­ten Grund­rech­te der NPD nicht zu begrün­den. Viel­mehr ist die von der NPD ver­tre­te­ne Auf­fas­sung mit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen, die sich aus dem Trans­pa­renz­ge­bot des Art. 21 Abs. 1 Satz 4 GG erge­ben, nicht ver­ein­bar.

Ein­fach­recht­lich spricht bereits der Wort­laut von § 26 Abs. 2 PartG, der bestimmt, dass alle Ein­nah­men „mit ihrem vol­len Betrag an der für sie vor­ge­se­he­nen Stel­le ein­zu­set­zen und in die Ver­mö­gens­bi­lanz zu berück­sich­ti­gen” sind, für ein aus­nahms­lo­ses Ver­bot jeg­li­cher Ver­rech­nung von Ein­nah­me- und Aus­ga­be­po­si­tio­nen41. Doch selbst wenn im Rah­men von § 24 Abs. 4 Nr. 8 PartG eine Ver­rech­nung des Anspruchs auf staat­li­che Mit­tel mit Rück­zah­lungs­ver­pflich­tun­gen aus der staat­li­chen Teil­fi­nan­zie­rung frü­he­rer Jah­re in Betracht gezo­gen wer­den könn­te42, erfor­dert das ver­fas­sungs­recht­li­che Publi­zi­täts- und Trans­pa­renz­ge­bot zumin­dest, dass eine sol­che Ver­rech­nung offen­ge­legt und nach­voll­zieh­bar erläu­tert wür­de. Nur unter die­ser Vor­aus­set­zung eröff­net der Rechen­schafts­be­richt die durch die Publi­zi­täts­pflich­ten der Par­tei­en ange­streb­te Mög­lich­keit einer Bewer­tung ihrer finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se. So setzt etwa die Über­prü­fung der Ein­hal­tung der abso­lu­ten und rela­ti­ven Ober­gren­ze gemäß § 18 Abs. 2 und 5 PartG die Kennt­nis des vol­len Betra­ges der einer Par­tei zuge­wie­se­nen staat­li­chen Mit­tel vor­aus.

Vor­lie­gend fehlt es aber an einer Offen­le­gung der von der NPD vor­ge­nom­me­nen Sal­die­run­gen. Der von ihr vor­ge­leg­te Rechen­schafts­be­richt weist auf Sei­te 1 und 5 ledig­lich staat­li­che Mit­tel in Höhe von 561.692,12 € aus, ohne dass die­ser Betrag erläu­tert wird. Auch auf Sei­te 23 wer­den ledig­lich Ein­zel­be­trä­ge auf­ge­lis­tet und zu einer Gesamt­sum­me von 859.692,62 € addiert. Da dem vor­ge­leg­ten Rechen­schafts­be­richt nicht ent­nom­men wer­den kann, dass über­haupt Sal­die­run­gen vor­ge­nom­men wur­den, bedarf es vor­lie­gend kei­ner Ent­schei­dung, ob im Fal­le aus­rei­chen­der Offen­le­gung und Erläu­te­rung Aus­nah­men von dem in § 26 Abs. 2 PartG grund­sätz­lich vor­ge­ge­be­nen Brut­to­prin­zip ver­fas­sungs­recht­lich zuläs­sig oder gebo­ten sind. Jeden­falls genü­gen die Anga­ben im Rechen­schafts­be­richt der NPD den Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen aus Art. 21 Abs. 1 Satz 4 GG nicht. Dem­ge­mäß erge­ben sich auch aus der behaup­te­ten Sal­die­rung kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken gegen die Fest­stel­lung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts in dem ange­grif­fe­nen Urteil, dass die NPD ver­pflich­tet war, die staat­li­chen Mit­tel im Rechen­schafts­be­richt für das Jahr 2007 mit einem Betrag von 1.448.519, 55 € anzu­ge­ben, und der Bericht inso­weit unrich­ti­ge Anga­ben ent­hält.

Dem steht auch nicht ent­ge­gen, dass die NPD im Rah­men ihrer Anhö­rung gemäß § 23a Abs. 2 Satz 1 PartG eine Neu­fas­sung der ers­ten sie­ben Sei­ten des Rechen­schafts­be­richts vor­leg­te, die auf Sei­te 1 staat­li­che Mit­tel in Höhe von 859.692,62 € auf­wies und mit einer Fuß­no­te ver­se­hen war, wonach der Fest­set­zungs­be­trag von 1.448.519,55 € um einen Betrag von 516.985,90 € (gemäß Bescheid vom 12.02.2007) ver­min­dert wor­den sei. Weder ver­mag die auf Anfra­ge erfolg­te nach­träg­li­che Vor­la­ge einer kor­ri­gier­ten Fas­sung die Unrich­tig­kei­ten des vor­ge­leg­ten Rechen­schafts­be­richts zu hei­len, noch las­sen die Anga­ben Grund und Höhe der For­de­run­gen, die dem in Bezug genom­me­nen Bescheid vom 12.02.2007 zugrun­de lagen, erken­nen, sodass die­se von vorn­her­ein nicht geeig­net waren, den ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Trans­pa­renz­pflich­ten zu genü­gen.

Soweit die NPD vor­trägt, die Sal­die­rung im Rechen­schafts­be­richt sei erst vor­ge­nom­men wor­den, nach­dem dem von ihr beauf­trag­ten Wirt­schafts­prü­fer auf Anfra­ge vom Insti­tut der Wirt­schafts­prü­fer erklärt wor­den sei, es dür­fe auf die tat­säch­li­chen Geld­flüs­se abge­stellt wer­den, und mit­teilt, dass die gegen den Wirt­schafts­prü­fer gerich­te­te Frei­stel­lungs­kla­ge abge­wie­sen wor­den sei, stellt sie kei­nen Bezug zu einer Ver­let­zung ihrer Grund­rech­te im vor­lie­gen­den Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren her. Es erschließt sich aus ihrem Vor­trag nicht, wel­che ver­fas­sungs­recht­li­che Rele­vanz die­sen Umstän­den mit Blick auf die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen zukom­men soll. Die NPD macht ins­be­son­de­re nicht aus­drück­lich gel­tend, durch das Ver­hal­ten des Wirt­schafts­prü­fers exkul­piert zu sein. Daher kann dahin­ste­hen, ob der Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Zwei­brü­cken zu fol­gen ist, dass der an den Wirt­schafts­prü­fer anzu­le­gen­de Sorg­falts­maß­stab sich von dem­je­ni­gen unter­schei­de, der im Rah­men von § 31b PartG unmit­tel­bar gegen­über der NPD gel­te.

Ins­ge­samt kann dem Vor­brin­gen der NPD nicht ein­deu­tig ent­nom­men wer­den, dass nach ihrer Auf­fas­sung die unrich­ti­ge Anga­be der staat­li­chen Mit­tel im Rechen­schafts­be­richt nicht auf Fahr­läs­sig­keit beru­he. Aus­drück­lich ver­hält die NPD sich hier­zu nicht. Auch setzt sie sich nicht mit dem Hin­weis in dem ange­grif­fe­nen Urteil aus­ein­an­der, dass sie schon auf­grund der Beein­träch­ti­gung der Ver­gleich­bar­keit mit den Rechen­schafts­be­rich­ten ande­rer Par­tei­en die Not­wen­dig­keit einer Aus­wei­sung der staat­li­chen Mit­tel in vol­ler Höhe hät­te für mög­lich hal­ten müs­sen und es dies­be­züg­lich zumin­dest einer Anfra­ge beim Prä­si­den­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges bedurft hät­te. Statt­des­sen beschränkt sie sich auf den Hin­weis, dass die Mög­lich­keit der Nach­fra­ge bei der Bun­des­tags­ver­wal­tung nicht aus­rei­che, um die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit von § 31b PartG zu begrün­den. Dies genügt den Anfor­de­run­gen an eine sub­stan­ti­ier­te Aus­ein­an­der­set­zung mit der Begrün­dung fahr­läs­si­gen Ver­hal­tens der NPD in der ange­grif­fe­nen Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts nicht.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 9. Juli 2019 – 2 BvR 547/​13

  1. VG Ber­lin, Urteil vom 15.05.2009 – VG 2 K 39.09
  2. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 23.05.2011 – OVG 3a B 1.11
  3. BVerwG, Urteil vom 12.12.2012 – 6 C 32.11
  4. OLG Zwei­brü­cken, Urteil vom 14.06.2013 – 2 U 92/​12
  5. vgl. BVerfGE 90, 22, 24 ff.
  6. vgl. BVerfGE 84, 290, 299; 111, 54, 81
  7. vgl. BVerfGE 80, 137, 152 m.w.N.
  8. vgl. BVerfGE 6, 32, 37 f.; 74, 129, 152; 80, 137, 153; 91, 335, 338 f.; 111, 54, 81
  9. vgl. BVerfGE 74, 129, 152; 111, 54, 81 f.
  10. vgl. BVerfGE 6, 32, 41; 74, 129, 152; 111, 54, 82
  11. vgl. BVerfGE 7, 89, 92 f.; 65, 283, 290 m.w.N.
  12. vgl. BVerfGE 56, 1, 12 f.; 78, 205, 212; 84, 133, 149; 87, 234, 263; 89, 69, 84 f.; 93, 213, 238
  13. vgl. BVerfGE 19, 342, 348 f.; 23, 127, 133; 29, 312, 316; 61, 126, 134; 90, 145, 172 f.
  14. vgl. BVerfGE 109, 279, 335 ff.; 115, 320, 345; 118, 168, 193; 120, 274, 318 f. stRspr
  15. vgl. BVerfGE 90, 145, 173; 92, 277, 327; 109, 279, 349 ff.; 115, 320, 345
  16. vgl. BVerfGE 34, 269, 291; 111, 54, 82 f.
  17. vgl. BVerfGE 87, 273, 278 f.; 89, 1, 13 f.; 111, 54, 83
  18. vgl. BVerfGE 111, 54, 83
  19. vgl. BVerfGE 24, 300, 356; 111, 54, 83
  20. vgl. BVerfGE 85, 264, 319
  21. vgl. BVerfGE 20, 56, 106; 85, 264, 320; 111, 54, 83
  22. vgl. BVerfGE 85, 264, 319; 111, 54, 84
  23. vgl. BVerfGE 20, 56, 99, 102; 52, 63, 86; 73, 40, 86; 85, 264, 288; 111, 54, 99
  24. vgl. BVerfGE 111, 54, 99
  25. vgl. BVerfGE 1, 208, 225; 2, 1, 73; 4, 27, 30 f.; 5, 85, 134, 388; 11, 266, 273; 41, 399, 416
  26. vgl. BVerfGE 111, 54, 85
  27. vgl. BVerfGE 111, 54, 85 f.
  28. vgl. BVerfGE 111, 54, 86
  29. BVerwG, Urtei vom 12.12.2012 – 6 C 32.11
  30. vgl. BVerfGE 85, 264, 319; 111, 54, 99
  31. vgl. Koch, DVBl 2008, S. 601, 606
  32. BT-Drs. 14/​8778
  33. vgl. BT-Drs. 14/​8778, S.20
  34. vgl. dazu BVerfGE 110, 1, 13 f.
  35. so Rixen, in: Kersten/​Rixen, Par­tei­en­gesetz, PartG und euro­päi­sches Par­tei­en­recht, 2009, § 31b Rn. 6; Len­ski, in: dies., Par­tei­en­gesetz, 2011, § 31b Rn. 8; Sali­ger, Par­tei­en­gesetz und Straf­recht, 2005, S. 587
  36. vgl. Koch, in: Ipsen, Par­tei­en­gesetz, 2. Aufl.2018, § 31b Rn. 8; Len­ski, in: dies., Par­tei­en­gesetz, 2011, § 31b Rn. 10; Rixen, in: Kersten/​Rixen, Par­tei­en­gesetz, PartG und euro­päi­sches Par­tei­en­recht, 2009, § 31b Rn. 21; a.A.: Lenz, NVwZ, 2002, S. 769, 776 f.
  37. vgl. Ent­wurf eines Ach­ten Geset­zes zur Ände­rung des Par­tei­en­geset­zes vom 16.04.2002, BT-Drs. 14/​8778, S.20
  38. vgl. Len­ski, in: dies., Par­tei­en­gesetz, 2011, § 31b Rn. 10; Rixen, in: Kersten/​Rixen, Par­tei­en­gesetz, PartG und euro­päi­sches Par­tei­en­recht, 2009, § 31b Rn. 22
  39. vgl. Jochum, in: Ipsen, Par­tei­en­gesetz, 2. Aufl.2018, § 26 Rn. 2; Len­ski, in: dies., Par­tei­en­gesetz, 2011, § 26 Rn. 3, 4; Kersten/​Rixen, Par­tei­en­gesetz, PartG und euro­päi­sches Par­tei­en­recht, 2009, § 26 Rn. 4, 5
  40. BGBl I S. 2268
  41. vgl. Jochum, in: Ipsen, Par­tei­en­gesetz, 2. Aufl.2018, § 26 Rn. 8; Kers­ten, in: Kersten/​Rixen, Par­tei­en­gesetz, PartG und euro­päi­sches Par­tei­en­recht, 2009, § 26 Rn. 10; Len­ski, in: dies., Par­tei­en­gesetz, 2011, § 26 Rn. 11
  42. vgl. Leh­mann, Der Rechen­schafts­be­richt der poli­ti­schen Par­tei, 2018, S. 300 ff.; Krumbholz, Finan­zie­rung und Rech­nungs­le­gung der poli­ti­schen Par­tei­en und deren Umfeld, 2010, S. 233