Reichs­bür­ger – und der Wider­ruf waf­fen­recht­li­cher Erlaub­nis­se

Zuge­hö­rig­keit zu "Reichs­bür­ger­be­we­gung" recht­fer­tigt nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts Gie­ßen den Wider­ruf waf­fen­recht­li­cher Erlaub­nis­se.

Reichs­bür­ger – und der Wider­ruf waf­fen­recht­li­cher Erlaub­nis­se

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Gie­ßen jetzt in einem Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes die sofor­ti­ge Voll­zie­hung einer Ver­fü­gung der Land­rä­tin des Land­krei­ses Mar­burg-Bie­den­kopf bestä­tigt, mit dem die Behör­de waf­fen­recht­li­che Erlaub­nis­se wegen Unzu­ver­läs­sig­keit wider­rief.

Begrün­det hat­te die Waf­fen­be­hör­de die Unzu­ver­läs­sig­keit des Antrag­stel­lers damit, dass Erkennt­nis­se vor­lä­gen, die den Schluss zulie­ßen, dass der Antrag­stel­ler sich nicht als Bür­ger der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ver­ste­he, son­dern als "Reichs­bür­ger".

Das Ver­wal­tungs­ge­richt, die im vor­läu­fi­gen Rechts­schutz die Erfolgs­aus­sich­ten einer Kla­ge nur sum­ma­risch prüft, hat die Auf­fas­sung der Waf­fen­be­hör­de bestä­tigt, dass es hin­rei­chen­de Anhalts­punk­te für die waf­fen­recht­li­che Unzu­ver­läs­sig­keit des Antrag­stel­lers gibt. In Anbe­tracht der Inten­ti­on des Waf­fen­ge­set­zes, den erheb­li­chen Gefah­ren vor­zu­beu­gen, die von Waf­fen und Muni­ti­on für hoch­ran­gi­ge Rechts­gü­ter aus­gin­gen, sei kei­ne an Sicher­heit gren­zen­de Wahr­schein­lich­keit für die Beur­tei­lung der Zuver­läs­sig­keit erfor­der­lich. Es genü­ge viel­mehr eine auf der Lebens­er­fah­rung beru­hen­de Ein­schät­zung, bei der kein Rest­ri­si­ko hin­ge­nom­men wer­den müs­se. Der Umgang mit Waf­fen dür­fe nur Per­so­nen erlaubt wer­de, die nach ihrem Ver­hal­ten das Ver­trau­en ver­dien­ten, mit Waf­fen und Muni­ti­on jeder­zeit und in jeder Hin­sicht ord­nungs­ge­mäß umzu­ge­hen.

Per­so­nen, die der so genann­ten "Reichs­bür­ger­be­we­gung" zuge­hö­rig sind oder deren Ideo­lo­gie als für sich ver­bind­lich zu eigen gemacht haben, sind, so das Gericht, grund­sätz­lich als waf­fen­recht­lich unzu­ver­läs­sig anzu­se­hen. Wer der Ideo­lo­gie der Reichs­bür­ger­be­we­gung fol­gend die Exis­tenz und Legi­ti­ma­ti­on der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land negie­re und die auf dem Grund­ge­setz fußen­de Rechts­ord­nung gene­rell nicht als für sich ver­bind­lich aner­ken­ne, gebe Anlass zu der Befürch­tung, dass er auch die Rege­lun­gen des Waf­fen­ge­set­zes nicht strikt befol­gen wer­de. Dabei stützt sich das Ver­wal­tungs­ge­richt auf Berich­te des Ver­fas­sungs­schut­zes von Bund und Land, wonach "Reichs­bür­ger" aus unter­schied­li­chen Moti­ven die Exis­tenz der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land leug­ne­ten und deren Rechts­sys­tem ablehn­ten. Sie berie­fen sich etwa auf das his­to­ri­sche Deut­sche Reich, auf ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sche Argu­men­ta­ti­ons­mus­ter oder auf ein selbst defi­nier­tes Natur­recht. Sie bestrit­ten die Legi­ti­ma­ti­on der demo­kra­tisch gewähl­ten Reprä­sen­tan­ten oder defi­nier­ten sich selbst als außer­halb der Rechts­ord­nung ste­hend und sei­en des­halb häu­fig bereit, Ver­stö­ße gegen die Rechts­ord­nung zu bege­hen.

Der Antrag­stel­ler habe mehr­fach ein für "Reichs­bür­ger" typi­sches Ver­hal­ten an den Tag gelegt, was die Annah­me recht­fer­ti­ge, er ste­he die­ser Grup­pe bzw. ihrer Ideo­lo­gie zumin­dest nahe.

Ver­wal­tungs­ge­richt Gie­ßen, Beschluss vom 18. Juni 2018 – 9 L 9756/​17.GI