Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten – und ihr Sta­tus aus öffent­lich-recht­li­che Kör­per­schaft

Die Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus an Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten unmit­tel­bar durch ein Lan­des­ge­setz ver­stößt gegen den Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung.

Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten – und ihr Sta­tus aus öffent­lich-recht­li­che Kör­per­schaft

Die Prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen des Anspruchs auf Ver­lei­hung des Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts aus Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV obliegt den Län­dern. Mit der Ver­lei­hung des Kör­per­schaft­sta­tus voll­zie­hen die Län­der kein Bun­des­ge­setz im Sin­ne des Art. 83 GG, son­dern Lan­des­recht.

Eine Rege­lung, die die im Ein­zel­fall gebo­te­ne Prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen des Anspruchs aus Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV dem par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­ber zuweist, ver­stößt gegen den Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung (Arti­kel 20 Absatz 2 Satz 2 GG). Die­ser gewähr­leis­tet mit­tel­bar das grund­recht­lich geschütz­te Recht auf wir­kungs­vol­len Rechts­schutz im Ein­zel­fall.

Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt Art. 61 Satz 2 der Bre­mi­schen Lan­des­ver­fas­sung (LV-Bre­men) für nich­tig erklärt und damit zugleich einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft "Jeho­vas Zeu­gen in Deutsch­land" teil­wei­se statt­ge­ge­ben: Den Län­dern obliegt die Prü­fung, ob einer Reli­gi­ons­ge­mein­schaft auf ihren Antrag der Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts zu ver­lei­hen ist. Indem Art. 61 Satz 2 LV-Bre­men die­se Prü­fung dem Lan­des­par­la­ment zuweist, ver­stößt er gegen den Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung (Arti­kel 20 Abs. 2 Satz 2 GG). Durch die Durch­füh­rung des ver­fas­sungs­wid­ri­gen Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens ist die beschwer­de­füh­re­ren­de Reli­gi­ons­ge­meis­nchaft in ihrem Grund­recht aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG in Ver­bin­dung mit Art. 140 GG und Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV ver­letzt.

Die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts[↑]

Der Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts ver­mit­telt einer Reli­gi­ons­ge­mein­schaft öffent­lich-recht­li­che Befug­nis­se. Ins­be­son­de­re sind die Reli­gi­ons­ge­sell­schaf­ten, die den Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts erlangt haben, nach Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 6 WRV berech­tigt, von ihren Mit­glie­dern Steu­ern zu erhe­ben. Sie ver­fü­gen über eine eigen­stän­di­ge Orga­ni­sa­ti­ons­ge­walt, die Dienst­her­ren­fä­hig­keit, Rechts­set­zungs­be­fug­nis, das Paro­chi­al­recht und die Wid­mungs­be­fug­nis. Dane­ben hat der Gesetz­ge­ber den Kör­per­schafts­sta­tus für Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten mit einer Viel­zahl von Ein­zel­be­güns­ti­gun­gen, dem soge­nann­ten "Pri­vi­le­gi­en­bün­del", ver­bun­den 1. Die­se Begüns­ti­gun­gen sol­len es den Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten erleich­tern, ihre Orga­ni­sa­ti­on und ihr Wir­ken nach den Grund­sät­zen ihres reli­giö­sen Selbst­ver­ständ­nis­ses zu gestal­ten und die hier­für erfor­der­li­chen Res­sour­cen, etwa in Form finan­zi­el­ler Mit­tel, zu erlan­gen 2.

Zustän­dig­keit der Bun­des­län­der[↑]

Nach dem Grund­satz der bun­des­staat­li­chen Kom­pe­tenz­ver­tei­lung (Art. 30 GG) sind die Län­der für die Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus zustän­dig. Dem­entspre­chend steht ihnen gemäß Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 8 WRV die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz zur nähe­ren Aus­ge­stal­tung des Ver­lei­hungs­ver­fah­rens zu.

Nach stän­di­ger Staats­pra­xis folgt auf die "Erst­ver­lei­hung" des Kör­per­schafts­sta­tus in einem Land noch die Durch­füh­rung von soge­nann­ten "Zweit­ver­lei­hungs­ver­fah­ren" in jedem wei­te­ren Land, auf des­sen Staats­ge­biet die antrag­stel­len­de Reli­gi­ons­ge­sell­schaft die mit dem Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts ver­bun­de­nen Hoheits­rech­te aus­üben möch­te.

Son­der­re­ge­lung in der Bre­mi­schen Lan­des­ver­fas­sung[↑]

In der Frei­en Han­se­stadt Bre­men ist – anders als in den übri­gen Län­dern – nach Art. 61 Satz 2 der Bre­mi­schen Lan­des­ver­fas­sung (im Fol­gen­den: LV-Bre­men) die Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus durch förm­li­ches Gesetz vor­ge­se­hen. Zustän­di­ges Organ ist die Bre­mi­sche Bür­ger­schaft (Land­tag). Art. 61 LV-Bre­men hat fol­gen­den Wort­laut:

Kir­chen, Reli­gi­ons- und Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten blei­ben Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts, soweit sie es bis­her waren. Ande­ren Reli­gi­ons- oder Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten kann durch Gesetz die glei­che Rechts­stel­lung ver­lie­hen wer­den, wenn sie durch ihre Ver­fas­sung und die Zahl ihrer Mit­glie­der die Gewähr der Dau­er bie­ten.

Jeho­vas Zeu­gen in Deutsch­land[↑]

Im Jah­re 1881 wur­de die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft der Zeu­gen Jeho­vas in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka (USA) von dem Pre­di­ger Charles Taze Rus­sel als "Watch Tower Bible and Tract Socie­ty of Penn­syl­va­nia" gegrün­det.

In Deutsch­land ist die Gemein­schaft der Zeu­gen Jeho­vas seit Ende des 19. Jahr­hun­derts tätig. Im Jah­re 1927 wur­de die von den Zeu­gen Jeho­vas gegrün­de­te Gesell­schaft "Inter­na­tio­na­le Bibel­for­scher-Ver­ei­ni­gung" im Ver­eins­re­gis­ter des Amts­ge­richts Mag­de­burg als Ver­ein ein­ge­tra­gen. Wäh­rend der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Dik­ta­tur wur­den der Ver­ein ver­bo­ten, die Ein­tra­gung gelöscht und die Zeu­gen Jeho­vas ver­folgt. Nach Neu­grün­dung des Ver­eins und erneu­ter Ein­tra­gung beim Ver­eins­re­gis­ter des Amts­ge­richts Mag­de­burg nach Kriegs­en­de erfolg­te wie­der­um ein Ver­bot, die­ses Mal durch das Innen­mi­nis­te­ri­um der DDR. Dar­auf­hin grün­de­ten die Zeu­gen Jeho­vas in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land eine Gesell­schaft mit dem Namen "Wacht­turm Bibel- und Trak­tat-Gesell­schaft, Deut­scher Zweig e. V." mit Sitz zunächst in Wies­ba­den und ab dem Jahr 1984 in Sel­ters im Tau­nus.

Mit Urkun­de vom 14.03.1990 sprach der Minis­ter­rat der DDR, Amt für Kir­chen­fra­gen, den "Zeu­gen Jeho­vas in der DDR" auf ihren Antrag hin die "staat­li­che Aner­ken­nung" aus. Nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung bean­trag­te die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft im Okto­ber 1990 beim Ber­li­ner Magis­trat die Bestä­ti­gung ihrer Rechts­stel­lung als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts. Im April 1991 stell­te sie vor­sorg­lich den Antrag, sie gemäß Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts anzu­er­ken­nen. Nach Ableh­nung der Anträ­ge im Jah­re 1993 kam es zu einem ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren, das im Jah­re 2006 mit der Ver­lei­hung des Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts an die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft durch das Land Ber­lin ende­te. Wei­te­re Aner­ken­nungs­ver­fah­ren in den ande­ren Län­dern folg­ten.

Nach eige­ner Dar­stel­lung ist die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft der bun­des­wei­te Ver­band aller Zeu­gen Jeho­vas in Deutsch­land. In Bre­men sind cir­ca 2.000 Per­so­nen in 30 Ver­samm­lun­gen mit den Zeu­gen Jeho­vas ver­bun­den.

Das ver­wal­tungs­ge­richt­li­che Ver­fah­ren über die "Erst­ver­lei­hung" des Kör­per­schafts­sta­tus im Land Ber­lin führ­te zur grund­sätz­li­chen Klä­rung der Vor­aus­set­zun­gen, unter denen eine Reli­gi­ons­ge­mein­schaft nach Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV den Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts erlan­gen kann.

Die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft klag­te gegen die ableh­nen­den Beschei­de des Lan­des Ber­lin vom 20.04.1993 und bean­trag­te fest­zu­stel­len, dass sie eine Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts sei, hilfs­wei­se, das Land Ber­lin zu ver­pflich­ten, ihr die Rechts­stel­lung einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts zu ver­lei­hen. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin wies den Haupt­an­trag mit Urteil vom 25.10.1993 ab 3 und gab dem Hilfs­an­trag statt.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin wies die Beru­fun­gen der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft und des Lan­des Ber­lin mit Urteil vom 14.12 1995 4 zurück. Die Ent­schei­dung wur­de hin­sicht­lich des Haupt­an­trags rechts­kräf­tig.

Auf die wegen des Hilfs­an­trags zuge­las­se­ne Revi­si­on des Lan­des Ber­lin hob das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt mit Urteil vom 26.06.1997 5 die Urtei­le des Ver­wal­tungs­ge­richts und des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts auf, soweit sie das Land Ber­lin ver­pflich­te­ten, der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft die Rechts­stel­lung einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts im Land Ber­lin zu ver­lei­hen, und wies die Kla­ge ab.

Zwar schloss sich das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt der Ein­schät­zung der Vor­in­stan­zen an, dass die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft im Fal­le ihrer Aner­ken­nung als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts die ihr zuer­kann­ten Hoheits­rech­te im Ein­klang mit dem ein­schlä­gi­gen Recht aus­üben wer­de. Zudem sei die Gren­ze zwi­schen dem ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Frei­heits­raum der Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten und dem Gel­tungs­an­spruch der all­ge­mei­nen staat­li­chen Rechts­ord­nung nicht immer leicht zu zie­hen, so dass punk­tu­el­le Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten über den Ver­lauf die­ser Gren­ze nicht aus­rei­chen könn­ten, um die Recht­streue einer Reli­gi­ons­ge­mein­schaft gene­rell zu ver­nei­nen.

Die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft set­ze sich aber mit ihrem reli­gi­ös begrün­de­ten Ver­bot der Wahl­teil­nah­me und dem ent­spre­chen­den Ver­hal­ten ihrer Mit­glie­der in einen ver­fas­sungs­recht­lich nicht hin­nehm­ba­ren Wider­spruch zum Demo­kra­tie­prin­zip, das zum unan­tast­ba­ren Kern­be­stand der Ver­fas­sung gehö­re. Von einer Reli­gi­ons­ge­mein­schaft, die mit ihrem Antrag nach Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV die Nähe zum Staat suche und des­sen spe­zi­fi­sche recht­li­che Gestal­tungs­for­men und Macht­mit­tel für ihre Zwe­cke in Anspruch neh­men wol­le, kön­ne erwar­tet wer­den, dass sie die Grund­la­gen der staat­li­chen Exis­tenz nicht prin­zi­pi­ell infra­ge stel­le. Eine Koope­ra­ti­on zwi­schen Reli­gi­ons­ge­sell­schaft und Staat sei ohne ein Min­dest­maß an gegen­sei­ti­gem Respekt nicht vor­stell­bar.

Die­se Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts hob das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit Urteil vom 19.12 2000 6 wegen einer Ver­let­zung der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft in ihrem Recht aus Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV auf. In sei­ner Ent­schei­dung kon­kre­ti­sier­te er die Vor­aus­set­zun­gen, unter denen eine Reli­gi­ons­ge­mein­schaft nach Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV den Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts erlan­gen kann.

Allein das reli­giö­se Ver­bot der Teil­nah­me an staat­li­chen Wah­len recht­fer­ti­ge die Ver­sa­gung des Kör­per­schafts­sta­tus nicht. Auch wenn das Grund­ge­setz an sei­ne Bür­ger die Erwar­tung rich­te, dass sie die ihnen eröff­ne­ten Mög­lich­kei­ten demo­kra­ti­scher Mit­wir­kung wahr­näh­men, bestehe hier­zu kei­ne Rechts­pflicht. Das Ein­ver­ständ­nis der Bür­ger mit der vom Grund­ge­setz geschaf­fe­nen Staats­ord­nung, ohne die die frei­heit­li­che Demo­kra­tie nicht leben kön­ne, las­se sich nicht durch eine Ver­pflich­tung zum Gehor­sam oder durch Sank­tio­nen erzwin­gen. Viel­mehr schaf­fe erst die freie geis­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zung die moti­vie­ren­den Kräf­te, die die Bereit­schaft der Bür­ger zur Teil­nah­me an den demo­kra­ti­schen Wah­len hin­rei­chend, wahr­schein­lich sogar bes­ser gewähr­leis­ten wür­den. Die weder poli­tisch begrün­de­te noch inten­tio­nal auf eine Schwä­chung der Demo­kra­tie gerich­te­te Ent­halt­sam­keit der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft gegen­über staat­li­chen Wah­len betref­fe das Demo­kra­tie­prin­zip daher nicht in sei­nem nor­ma­ti­ven Gehalt, son­dern in sei­nen tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen. Die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft wol­le nicht die Demo­kra­tie durch eine ande­re Staats­form erset­zen, son­dern sie ver­fol­ge einen apo­li­ti­schen Lebens­ent­wurf. Auch sei nicht fest­stell­bar, dass sie inso­weit einen spür­ba­ren Ein­fluss auf Nicht­mit­glie­der aus­übe und die­se von staat­li­chen Wah­len abhal­te. Ihr Ver­hal­ten gegen­über staat­li­chen Wah­len kön­ne des­halb zwar als ein Gesichts­punkt bei der gebo­te­nen typi­sie­ren­den Gesamt­be­trach­tung mit Blick auf die Recht­streue der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft berück­sich­tigt wer­den. Für sich genom­men tra­ge es aber nicht die Annah­me einer Gefähr­dung der unan­tast­ba­ren Gehal­te des Demo­kra­tie­prin­zips.

Weil im fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren noch nicht im Wege einer typi­sie­ren­den Gesamt­be­trach­tung der Recht­streue geklärt wor­den war, ob die dem staat­li­chen Schutz anver­trau­ten Grund­rech­te Drit­ter einer Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus an die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft ent­ge­gen­ste­hen, ver­wies das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt das Ver­fah­ren an das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt gemäß § 95 Abs. 2 BVerfGG zurück.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ver­wies die Sache sei­ner­seits mit Urteil vom 17.05.2001 7 zur erneu­ten Ent­schei­dung an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin zurück, weil aus­ge­hend von den Vor­ga­ben des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nach dem bis­he­ri­gen Sach- und Streit­stand nicht abzu­se­hen sei, ob der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft der Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts ver­sagt wer­den müs­se. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt gab dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt auf, Sach­ver­halts­fest­stel­lun­gen ins­be­son­de­re zum Umgang der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft mit Blut­trans­fu­sio­nen, mit aus der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft aus­ge­schie­de­nen oder aus­ge­schlos­se­nen Fami­li­en­mit­glie­dern und zu Erzie­hungs­fra­gen zu tref­fen.

Nach Durch­füh­rung ent­spre­chen­der Sach­ver­halts­er­mitt­lun­gen wies das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin mit Urteil vom 24.03.2005 8 die Beru­fung des Lan­des Ber­lin gegen das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin, mit dem das Land Ber­lin auf den Hilfs­an­trag der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft hin ver­pflich­tet wor­den war, sie als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts anzu­er­ken­nen, zurück. Auf Grund­la­ge des von den Betei­lig­ten unter­brei­te­ten Erkennt­nis­ma­te­ri­als und unter Aus­schöp­fung aller sonst zugäng­li­chen Infor­ma­tio­nen gelang­te das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in sei­nem Urteil zu der Über­zeu­gung, es bestün­den kei­ne greif­ba­ren Anhalts­punk­te dafür, dass sich die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft in der Ver­gan­gen­heit nicht recht­streu ver­hal­ten, ins­be­son­de­re die dem staat­li­chen Schutz anver­trau­ten Grund­rech­te oder die in Art. 79 Abs. 3 GG umschrie­be­nen fun­da­men­ta­len Grund­prin­zi­pi­en ver­letzt oder gefähr­det habe.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt wies die durch das Land Ber­lin erho­be­ne Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de mit Beschluss vom 01.02.2006 9 als unbe­grün­det zurück. In sei­nem Beschluss ließ das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die grund­sätz­li­che Fra­ge, wer im Ver­lei­hungs­ver­fah­ren hin­sicht­lich der Vor­aus­set­zung der Recht­streue dar­le­gungs- und beweis­pflich­tig ist, offen. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin habe der Sache nach eine posi­ti­ve Pro­gno­se gestellt. Die Fest­stel­lung, dass kei­ne greif­ba­ren Anhalts­punk­te für die feh­len­de Recht­streue vor­lä­gen, sei mit der Fest­stel­lung, dass die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft die Gewähr der Recht­streue bie­te, gleich­be­deu­tend.

Dar­auf­hin wur­den der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft mit Urkun­de vom 13.06.2006 die Rech­te einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts im Land Ber­lin ver­lie­hen.

Nach Abschluss des Erst­ver­lei­hungs­ver­fah­rens im Land Ber­lin stell­te die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft mit Schrei­ben vom 18.07.2006 für die ver­blie­be­nen 15 Län­der Anträ­ge auf Zweit­ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus.

Die ande­ren Län­der – und damit auch die Freie Han­se­stadt Bre­men – waren bereits in das Ver­fah­ren der Erst­ver­lei­hung in ver­schie­de­ner Wei­se ein­ge­bun­den wor­den. Gemäß Nr. 4 der Emp­feh­lun­gen der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz über die Ver­lei­hung der öffent­li­chen Kör­per­schafts­rech­te an Reli­gi­ons­ge­sell­schaf­ten und Welt­an­schau­ungs­ver­ei­ni­gun­gen vom 12.03.1954 10 hat­te die Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­ver­wal­tung in Ber­lin vor ihrer ursprüng­lich ableh­nen­den Ent­schei­dung Kon­takt mit den zustän­di­gen Behör­den der ande­ren Län­der auf­ge­nom­men und ihnen Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me gege­ben.

In einer Bespre­chung am 26.10.2006 und in wei­te­ren Abstim­mungs­ge­sprä­chen ver­stän­dig­ten sich die zustän­di­gen Refe­ren­tin­nen und Refe­ren­ten der Län­der dar­auf, dass jedes Land selbst­stän­dig prü­fen wer­de, ob die Vor­aus­set­zun­gen für die Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus vor­lie­gen. Gleich­zei­tig wur­de ver­ab­re­det, dass grund­sätz­lich ein abge­stimm­tes Vor­ge­hen der Län­der sinn­voll und zweck­mä­ßig sei.

Im Rah­men der aber­ma­li­gen unein­ge­schränk­ten Über­prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen für die Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus wur­den zwi­schen den zustän­di­gen Refe­ra­ten in allen Län­dern, dar­un­ter auch in der Frei­en Han­se­stadt Bre­men, umfang­rei­che Nach­for­schun­gen zur Recht­streue der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft durch­ge­führt. In Res­sort­um­fra­gen, die von den zustän­di­gen Behör­den aller Län­der bei Gerich­ten und Ver­wal­tun­gen bis hin zu den unte­ren Behör­den, dar­über hin­aus aber auch bei Kran­ken­häu­sern, Schu­len, Kin­der­gär­ten und ähn­li­chen Ein­rich­tun­gen durch­ge­führt wur­den, wur­de anhand eines umfang­rei­chen, zwi­schen den Län­dern abge­stimm­ten Kata­logs die Fra­ge nach Erkennt­nis­sen aus den letz­ten zehn Jah­ren gestellt, die unter Berück­sich­ti­gung der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts Beden­ken gegen­über der Recht­streue der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft begrün­den könn­ten. Im Ergeb­nis erbrach­ten die Res­sort­um­fra­gen bis auf weni­ge Ein­zel­fäl­le in den Län­dern Baden-Würt­tem­berg, Bay­ern und Thü­rin­gen durch­wegs kei­ne für die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft nega­ti­ven Erkennt­nis­se. In Bre­men wur­den zusätz­lich zu der genann­ten Behör­den­um­fra­ge auch der Sek­ten- und Welt­an­schau­ungs­be­auf­trag­te der Bre­mi­schen Evan­ge­li­schen Kir­che und der Sek­ten­be­auf­trag­te des katho­li­schen Gemein­de­ver­ban­des in die Umfra­ge ein­be­zo­gen.

Die für Reli­gi­ons­an­ge­le­gen­hei­ten zustän­di­gen Minis­te­ri­en der Län­der kamen nach einer auf­grund der Umfra­ge jeweils in eige­ner Zustän­dig­keit durch­ge­führ­ten umfas­sen­den Prü­fung über­ein­stim­mend zu dem Ergeb­nis, dass die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft die Anfor­de­run­gen erfül­le, die nach der ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen und fach­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung an die Recht­streue einer die Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus anstre­ben­den Reli­gi­ons­ge­mein­schaft zu stel­len sei­en.

In der Fol­ge­zeit ver­lie­hen 12 der betrof­fe­nen 15 Län­der der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft im Wege der Zweit­ver­lei­hung die Rech­te einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts.

Das Ver­fah­ren in Nord­rhein-West­fa­len ist noch nicht abge­schlos­sen. Ableh­nen­de Beschei­de ergin­gen in Baden-Würt­tem­berg und Rhein­land-Pfalz. Die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft beschritt gegen die ableh­nen­den Beschei­de den Rechts­weg zu den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten. Das bei dem Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart anhän­gi­ge Ver­fah­ren 11 wur­de mit Blick auf das hie­si­ge Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren mit Beschluss vom 01.09.2011 ruhend gestellt. In Rhein­land-Pfalz ver­pflich­te­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz mit Urteil vom 26.01.2012 12 das Land, der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft die Rech­te einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts zu ver­lei­hen. Zwi­schen­zeit­lich ist das Land Rhein­land-Pfalz die­ser Ver­pflich­tung nach­ge­kom­men.

Die ver­sag­te Zweit­ver­lei­hung in Bre­men[↑]

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt der Frei­en Han­se­stadt Bre­men brach­te unter Hin­weis auf die über­ein­stim­men­de Bewer­tung in den zustän­di­gen Refe­ra­ten der Län­der auf­grund der Rege­lung des Art. 61 Satz 2 LV-Bre­men am 9.06.2009 einen Gesetz­ent­wurf zur Aner­ken­nung der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts in Bre­men in die Bre­mi­sche Bür­ger­schaft ein 13. Von dort wur­de die Sache in der Sit­zung vom 01.10.2009 an den Rechts­aus­schuss über­wie­sen, der sei­ne Arbeit am 21.10.2009 auf­nahm.

Der Rechts­aus­schuss befass­te sich in meh­re­ren Sit­zun­gen mit dem Gesetz­ent­wurf. Ins­be­son­de­re hol­te er ergän­zen­de Stel­lung­nah­men des für kirch­li­che Ange­le­gen­hei­ten zustän­di­gen Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­tors der Frei­en Han­se­stadt Bre­men ein, hör­te einen Ver­tre­ter der Ber­li­ner Staats­kanz­lei an und mach­te den ableh­nen­den Bescheid des Lan­des Baden-Würt­tem­berg zum Gegen­stand sei­ner Bera­tun­gen 14.

In öffent­li­cher Sit­zung am 16.02.2011 hör­te der Rechts­aus­schuss 14 Sach­ver­stän­di­ge an 15 und gab einem Ver­tre­ter der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft Gele­gen­heit zur münd­li­chen Stel­lung­nah­me 16. In einem nicht öffent­li­chen Teil der Anhö­rung befrag­te der Rechts­aus­schuss ein ehe­ma­li­ges Mit­glied der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft zu sei­nen in der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft gemach­ten Erfah­run­gen 17. Die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft erhielt das Wort­laut­pro­to­koll der Sit­zung zur Stel­lung­nah­me bin­nen einer Woche. Sie nahm dar­auf­hin mit Schrei­ben vom 28.03.2011 Stel­lung und rüg­te ins­be­son­de­re die Kür­ze der Frist zur Stel­lung­nah­me, die Aus­wahl der ange­hör­ten Per­so­nen und The­men­krei­se sowie die Nicht­be­ach­tung wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis­se und fach­ge­richt­li­cher Recht­spre­chung in Bezug auf die im Aus­schuss gegen die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft erho­be­nen Vor­wür­fe.

Unter Ein­be­zie­hung die­ser Stel­lung­nah­me sowie ergän­zen­der Aus­künf­te der Bre­mi­schen Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­to­rin für Arbeit, Frau­en, Gesund­heit, Jugend und Sozia­les sowie der Bre­mi­schen Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­to­rin für Bil­dung und Wis­sen­schaft 18 wer­te­te der Rechts­aus­schuss die Anhö­run­gen und Stel­lung­nah­men aus 19. Dabei ver­wies der Aus­schuss auf eine eige­ne; vom Erst­ver­lei­hungs­ver­fah­ren unab­hän­gi­ge Prüf­kom­pe­tenz der Frei­en Han­se­stadt Bre­men und eine sich vom Ber­li­ner Ver­fah­ren unter­schei­den­de Tat­sa­chen­grund­la­ge; eine Bin­dung an die Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin vom 24.03.2005 bestehe nicht.

Im Ergeb­nis gelang­te der Rechts­aus­schuss zu der Ein­schät­zung, die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft bie­te kei­ne Gewähr der Recht­streue. Sie beein­träch­ti­ge und gefähr­de wegen des von ihr gefor­der­ten Ver­bots des Kon­takts mit aus­ge­tre­te­nen oder aus­ge­schlos­se­nen Mit­glie­dern das Grund­recht auf Ach­tung des Fami­li­en­le­bens und der Ehe aus Art. 6 Abs. 1 GG. Sie hal­te mit vom Grund­ge­setz miss­bil­lig­ten Mit­teln aus­tritts­wil­li­ge Mit­glie­der in der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft fest und beein­träch­ti­ge damit das Grund­recht auf nega­ti­ve Reli­gi­ons­frei­heit aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG. Dar­über hin­aus gefähr­de die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft wegen des nach ihren Regeln bestehen­den Ver­bots, auch im äußers­ten Not­fall Blut- oder Haupt­be­stand­tei­le des Blu­tes anzu­neh­men, Leib und Leben min­der­jäh­ri­ger Kin­der und Jugend­li­cher. Dies stel­le eine Beein­träch­ti­gung von Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG dar. Zudem gefähr­de die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft das Kin­des­wohl, indem sie kör­per­li­che Züch­ti­gun­gen von Kin­dern als Erzie­hungs­me­tho­de befür­wor­te.

Der Antrag auf Ver­lei­hung der öffent­lich-recht­li­chen Kör­per­schafts­rech­te kön­ne bereits abge­lehnt wer­den, wenn die Gewähr der Recht­streue trotz aller zumut­ba­ren Auf­klä­rungs­ver­su­che unklar blei­be.

In sei­ner Sit­zung vom 14.04.2011 beschloss der Rechts­aus­schuss ein­stim­mig, der Bür­ger­schaft zu emp­feh­len, den sei­tens des Bre­mi­schen Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in die Bür­ger­schaft ein­ge­brach­ten Gesetz­ent­wurf über die Ver­lei­hung der Rech­te einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts an die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft abzu­leh­nen 20.

Die Bre­mi­sche Bür­ger­schaft nahm den Bericht des Rechts­aus­schus­ses zur Kennt­nis und lehn­te in ihrer Sit­zung am 12.05.2011 den vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ein­ge­brach­ten Gesetz­ent­wurf über die Ver­lei­hung der Rech­te einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts an die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft nach einer Aus­spra­che im Ple­num in ers­ter Lesung ab 21.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de[↑]

Mit ihrer Ver­fas­sungs­be­schwer­de rügt die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft eine Ver­let­zung des Anspruchs auf Ver­lei­hung des Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts aus Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV sowie eine Ver­let­zung ihrer Grund­rech­te aus Art. 3 Abs. 1 und 3, Art. 4 Abs. 1 und 2 GG. Sie macht dar­über hin­aus gel­tend, auf­grund der in Art. 61 Satz 2 LV-Bre­men vor­ge­se­he­nen Ver­lei­hung der Kör­per­schafts­rech­te durch förm­li­ches Gesetz in ihrem Anspruch auf Jus­tiz­ge­wäh­rung gegen­über der öffent­li­chen Gewalt aus Art.19 Abs. 4 GG und aus Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 3 GG ver­letzt zu sein. Schließ­lich sei­en durch die Hand­ha­bung des Ver­fah­rens im kon­kre­ten Fall ihre Grund­rech­te auf ein fai­res und zügi­ges Ver­fah­ren aus Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 3 GG und auf Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs aus Art. 103 Abs. 1 GG und aus Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 3 GG ver­letzt wor­den.

Zuläs­sig­keit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de[↑]

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist zuläs­sig.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de rich­tet sich, auch soweit ein gesetz­ge­be­ri­sches Unter­las­sen der Bre­mi­schen Bür­ger­schaft in Rede steht, gegen einen taug­li­chen Beschwer­de­ge­gen­stand im Sin­ne von Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG, § 90 Abs. 1 BVerfGG. Ein Unter­las­sen des Gesetz­ge­bers kann Gegen­stand einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de sein, wenn sich der Beschwer­de­füh­rer auf einen aus­drück­li­chen Auf­trag des Grund­ge­set­zes beru­fen kann, der Inhalt und Umfang der Gesetz­ge­bungs­pflicht im Wesent­li­chen umgrenzt hat 22. Die Pflicht zur Gesetz­ge­bung ergibt sich hier aus dem Zusam­men­wir­ken des sub­jek­tiv-ver­fas­sungs­recht­li­chen Anspruchs auf Aner­ken­nung als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts bei Vor­lie­gen der geschrie­be­nen und unge­schrie­be­nen Vor­aus­set­zun­gen aus Art. 4 Abs. 1 und 2 und Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV einer­seits und mit der in Art. 61 Satz 2 LV-Bre­men vor­ge­se­he­nen Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus durch förm­li­ches Gesetz ande­rer­seits.

Die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft ist unge­ach­tet ihrer öffent­lich-recht­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­form hin­sicht­lich des Grund­rechts der Reli­gi­ons­frei­heit beschwer­de­fä­hig 23 und befugt, die Ver­fas­sungs­be­schwer­de zu erhe­ben. Eine Ver­let­zung der in Art. 4 Abs. 1 und 2 GG gewähr­leis­te­ten Reli­gi­ons­frei­heit ist mög­lich. Der Grund­satz staat­li­cher Neu­tra­li­tät gegen­über den unter­schied­li­chen Reli­gio­nen und Bekennt­nis­sen wur­zelt auch in der durch Art. 4 Abs. 1 und 2 GG geschütz­ten Reli­gi­ons­frei­heit 24. Es ist nicht aus­ge­schlos­sen, dass die Bre­mi­sche Bür­ger­schaft durch die (abs­trak­te) Aus­ge­stal­tung und kon­kre­te Durch­füh­rung des in Art. 61 Satz 2 LV-Bre­men vor­ge­se­he­nen par­la­men­ta­ri­schen Ver­fah­rens sowie die Ableh­nung und das fort­ge­setz­te Unter­las­sen der Ver­lei­hung des Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts an die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft für das Land Bre­men Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV unrich­tig aus­ge­legt und ange­wen­det hat.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de genügt dem in § 90 Abs. 2 BVerfGG zum Aus­druck kom­men­den Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät. Ein fach­ge­richt­li­ches Vor­ge­hen ist der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft jeden­falls nicht zumut­bar im Sin­ne des § 90 Abs. 2 Satz 2 BVerfGG, weil der Fall spe­zi­fisch ver­fas­sungs­recht­li­che Fra­gen auf­wirft, die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt beant­wor­ten kann, ohne dass von einer vor­aus­ge­gan­ge­nen fach­ge­richt­li­chen Prü­fung eine ver­bes­ser­te Ent­schei­dungs­grund­la­ge zu erwar­ten wäre 25.

Rechts­sta­tus der Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten – und der ver­fas­sungs­recht­li­che Prü­fungs­maß­stab[↑]

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist nur teil­wei­se begrün­det.

Bei der Beur­tei­lung einer zuläs­si­gen Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht dar­auf beschränkt zu prü­fen, ob die in Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG, § 13 Nr. 8a, § 90 BVerfGG auf­ge­führ­ten Grund­rech­te und grund­rechts­glei­chen Rech­te ver­letzt sind. Die ange­grif­fe­ne hoheit­li­che Maß­nah­me kann viel­mehr unter jedem in Betracht kom­men­den Gesichts­punkt auf ihre ver­fas­sungs­recht­li­che Unbe­denk­lich­keit hin geprüft wer­den 26.

Den ver­fas­sungs­recht­li­chen Maß­stab für die Prü­fung des Anspruchs einer Reli­gi­ons­ge­mein­schaft auf Ver­lei­hung des Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts ent­hält Art. 4 Abs. 1 und 2 und Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV. Bei der Zuer­ken­nung des Kör­per­schafts­sta­tus han­delt es sich um einen lan­des­recht­li­chen Ver­lei­hungs­akt, bei dem die Län­der an die­sen Maß­stab gebun­den sind. Die sei­tens der Frei­en Han­se­stadt Bre­men befolg­te Staats­pra­xis der Durch­füh­rung eines Zweit­ver­lei­hungs­ver­fah­rens unter Inan­spruch­nah­me einer eigen­stän­di­gen Prü­fungs­kom­pe­tenz ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Auf­grund der dem­nach der Frei­en Han­se­stadt Bre­men zuste­hen­den eigen­stän­di­gen Prü­fungs­kom­pe­tenz kann eine ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Über­prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen des Anspruchs auf Ver­lei­hung des Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts aus Art. 4 Abs. 1 und 2 und Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV erst nach Durch­füh­rung eines ver­fas­sungs­ge­mä­ßen Ver­lei­hungs­ver­fah­rens erfol­gen. Die in Art. 61 Satz 2 LV-Bre­men vor­ge­se­he­ne Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus durch förm­li­ches Gesetz genügt aber den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an das Ver­lei­hungs­ver­fah­ren nicht; Art. 61 Satz 2 LV-Bre­men ver­stößt gegen Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG. Die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft ist des­halb bereits durch die Durch­füh­rung eines ver­fas­sungs­wid­ri­gen Ver­fah­rens zur Ver­lei­hung des Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts nach Art. 61 Satz 2 LV-Bre­men in ihrem Grund­recht aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG in Ver­bin­dung mit ihrem ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Recht aus Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV ver­letzt.

Neben den aus­drück­lich in Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV genann­ten Vor­aus­set­zun­gen müs­sen für die Ver­lei­hung des Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts an eine Reli­gi­ons­ge­mein­schaft – im Rah­men der Grund­wer­te der Ver­fas­sung – wei­te­re, unge­schrie­be­ne Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sein 27. Sind die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, hat die antrag­stel­len­de Reli­gi­ons­ge­mein­schaft einen ver­fas­sungs­recht­lich ver­bürg­ten Anspruch auf Ver­lei­hung des Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts.

Die durch Art. 140 GG inkor­po­rier­ten Arti­kel der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung sind voll­gül­ti­ges Ver­fas­sungs­recht und von glei­cher Norm­qua­li­tät wie die sons­ti­gen Ver­fas­sungs­be­stim­mun­gen. Sie sind – mit Selbst­stand gegen­über der kor­po­ra­ti­ven Reli­gi­ons­frei­heit des Art. 4 Abs. 1 und 2 GG – untrenn­ba­rer Bestand­teil des Reli­gi­ons- und Staats­kir­chen­rechts des Grund­ge­set­zes, wel­ches das für eine frei­heit­li­che Demo­kra­tie wesent­li­che Grund­recht der Reli­gi­ons­frei­heit ohne Geset­zes­vor­be­halt in den Kata­log der Grund­rech­te über­nom­men und es so gegen­über der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung erheb­lich gestärkt hat. Bei­de Gewähr­leis­tun­gen bil­den ein orga­ni­sches Gan­zes, wobei Art. 4 Abs. 1 und 2 GG den lei­ten­den Bezugs­punkt des deut­schen staats­kir­chen­recht­li­chen Sys­tems dar­stellt 28.

Zwi­schen der Glau­bens­frei­heit und den inkor­po­rier­ten Nor­men der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung besteht eine inter­pre­ta­to­ri­sche Wech­sel­wir­kung. Die Wei­ma­rer Kir­chen­ar­ti­kel sind einer­seits funk­tio­nal auf die Inan­spruch­nah­me und Ver­wirk­li­chung des Grund­rechts der Reli­gi­ons­frei­heit ange­legt 29, und ande­rer­seits wird der Gewähr­leis­tungs­ge­halt des Art. 4 Abs. 1 und 2 GG durch Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit den inkor­po­rier­ten Arti­keln der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung insti­tu­tio­nell kon­kre­ti­siert und ergänzt 30.

In die­sem Kon­text ist der den Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten in Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV eröff­ne­te Zugang zum Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts ein Mit­tel zur Ent­fal­tung der Reli­gi­ons­frei­heit. Der Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts soll die Eigen­stän­dig­keit und Unab­hän­gig­keit der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft unter­stüt­zen. Im reli­gi­ös-welt­an­schau­lich neu­tra­len Staat des Grund­ge­set­zes unter­schei­den sich die kor­po­rier­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten gleich­wohl grund­le­gend von den Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts im ver­wal­tungs- und staats­or­ga­ni­sa­ti­ons­recht­li­chen Sin­ne 31. Die aus Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 136 Abs. 1 und 4, Art. 137 Abs. 1 WRV, Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 3 Abs. 3 Satz 1 und Art. 33 Abs. 2 GG fol­gen­de Pflicht des Staa­tes zur welt­an­schau­lich-reli­giö­sen Neu­tra­li­tät ist eine Grund­la­ge moder­ner, frei­heit­li­cher Staat­lich­keit. In einem Staat, in dem Anhän­ger unter­schied­li­cher reli­giö­ser und welt­an­schau­li­cher Über­zeu­gun­gen zusam­men­le­ben, kann die fried­li­che Koexis­tenz nur gelin­gen, wenn der Staat selbst in Glau­bens- und Welt­an­schau­ungs­fra­gen Neu­tra­li­tät bewahrt 32. Des­halb neh­men Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten auch dann, wenn sie als Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts orga­ni­siert sind, grund­sätz­lich kei­ne Staats­auf­ga­ben wahr; sie sind nicht in die Staats­or­ga­ni­sa­ti­on ein­ge­bun­den und unter­lie­gen kei­ner staat­li­chen Auf­sicht 33.

Unge­ach­tet des­sen geht der Begriff der öffent­lich-recht­li­chen Kör­per­schaft in sei­ner Funk­ti­on als "Man­tel­be­griff" 34 über den Sta­tus einer lee­ren Form hin­aus, weil er den kor­po­rier­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten eine beson­de­re Rechts­stel­lung ver­mit­telt, die sie von pri­vat­recht­lich ver­fass­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten abhebt: Ins­be­son­de­re wer­den mit dem Kör­per­schafts­sta­tus hoheit­li­che Befug­nis­se über­tra­gen, die die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft gegen­über ihren Mit­glie­dern – wie etwa beim Besteue­rungs­recht, der Rechts­set­zungs­au­to­no­mie und der Dienst­her­ren­fä­hig­keit – oder gegen­über Drit­ten – wie bei der Wid­mungs­be­fug­nis – aus­üben kann. Die­se Ver­güns­ti­gun­gen sol­len es der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft erleich­tern, ihre Orga­ni­sa­ti­on und ihr Wir­ken nach den Grund­sät­zen ihres Selbst­ver­ständ­nis­ses zu gestal­ten und die hier­für erfor­der­li­chen Res­sour­cen, etwa in Form finan­zi­el­ler Mit­tel, zu erlan­gen 35.

Die­se Pri­vi­le­gie­rung der Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten macht deut­lich, dass die Pflicht zur staat­li­chen Neu­tra­li­tät in welt­an­schau­lich-reli­giö­sen Fra­gen nicht im Sin­ne eines Gebots kri­ti­scher Distanz gegen­über der Reli­gi­on zu ver­ste­hen ist und auch mit reli­giö­ser und welt­an­schau­li­cher Indif­fe­renz nicht gleich­ge­setzt wer­den darf. Das Ver­hält­nis zwi­schen Kir­chen und Staat ist viel­mehr gekenn­zeich­net durch wech­sel­sei­ti­ge Zuge­wandt­heit und Koope­ra­ti­on 36; es ist weni­ger im Sin­ne einer strik­ten Tren­nung, son­dern eher im Sin­ne einer Zuord­nung und Zusam­men­ar­beit von Staat und Kir­chen auf der Basis grund­recht­li­cher Frei­heit zu ver­ste­hen 37.

Die mit dem Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts ver­bun­de­nen Ver­güns­ti­gun­gen erhö­hen aller­dings die Gefahr eines Miss­brauchs der Ein­fluss­mög­lich­kei­ten der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft zum Nach­teil der Reli­gi­ons­frei­heit ihrer Mit­glie­der oder zum Nach­teil ande­rer Ver­fas­sungs­gü­ter. Des­halb muss eine Reli­gi­ons­ge­mein­schaft, die Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts wer­den will, recht­streu sein. Ins­be­son­de­re muss die antrag­stel­len­de Reli­gi­ons­ge­mein­schaft die Gewähr dafür bie­ten, dass ihr künf­ti­ges Ver­hal­ten die in Art. 79 Abs. 3 GG umschrie­be­nen fun­da­men­ta­len Ver­fas­sungs­prin­zi­pi­en, die dem staat­li­chen Schutz anver­trau­ten Grund­rech­te Drit­ter sowie die Grund­prin­zi­pi­en des frei­heit­li­chen Reli­gi­ons- und Staats­kir­chen­rechts des Grund­ge­set­zes nicht gefähr­det 38.

Ob die antrag­stel­len­de Reli­gi­ons­ge­mein­schaft die Gewähr der Recht­streue bie­tet, rich­tet sich nicht nach ihrem Glau­ben, son­dern nach ihrem Ver­hal­ten 39. Die Pflicht zur welt­an­schau­li­chen Neu­tra­li­tät, die bei jeder Aus­ein­an­der­set­zung staat­li­cher Stel­len mit Zie­len und Akti­vi­tä­ten einer Kir­che oder Reli­gi­ons­ge­mein­schaft zu wah­ren ist, ver­wehrt es dem Staat, Glau­ben und Leh­re einer Kir­che oder Reli­gi­ons­ge­mein­schaft als sol­che zu bewer­ten 40. Die Rege­lung genu­in reli­giö­ser oder welt­an­schau­li­cher Fra­gen, die par­tei­er­grei­fen­de Ein­mi­schung in die Über­zeu­gun­gen, Hand­lun­gen und die Dar­stel­lung Ein­zel­ner oder reli­giö­ser und welt­an­schau­li­cher Gemein­schaf­ten sind dem Staat man­gels Ein­sicht und geeig­ne­ter Kri­te­ri­en unter­sagt 41. Dies schließt jedoch nicht aus, dass Glau­be und Leh­re, soweit sie sich nach außen mani­fes­tie­ren, Rück­schlüs­se auf das von der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft zu erwar­ten­de Ver­hal­ten zulas­sen; das ist eine Fra­ge des Ein­zel­falls 39.

Zustän­dig­keit der Bun­des­län­der[↑]

Die anhand die­ser Maß­stä­be durch­zu­füh­ren­de Prü­fung, ob einer antrag­stel­len­den Reli­gi­ons­ge­mein­schaft ein Anspruch auf Ver­lei­hung des Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts aus Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV zusteht, obliegt dem jewei­li­gen Land, für des­sen Staats­ge­biet die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft die mit dem Kör­per­schafts­sta­tus ver­bun­de­nen Rech­te in Anspruch neh­men will. Die Freie Han­se­stadt Bre­men ist des­halb trotz der bereits erfolg­ten Erst­ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus an die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft ver­fas­sungs­recht­lich nicht dar­an gehin­dert, ein Zweit­ver­lei­hungs­ver­fah­ren durch­zu­füh­ren und anhand des dar­ge­leg­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Maß­stabs die Berech­ti­gung des gel­tend gemach­ten Anspruchs aus Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV zu prü­fen.

Die Län­der sind als Glie­der des Bun­des Staa­ten mit eige­ner – wenn auch gegen­ständ­lich beschränk­ter – Hoheits­macht 42. Die durch Art. 140 GG inkor­po­rier­ten Arti­kel der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung beto­nen mit Blick auf ihre his­to­ri­schen Grund­la­gen die­se Eigen­staat­lich­keit der Län­der in beson­de­rem Maße. Die­se Eigen­heit des Staats­kir­chen­rechts fügt sich in das bun­des­staat­li­che Kom­pe­tenz­ge­fü­ge ein.

Nach dem für die bun­des­staat­li­che Ord­nung grund­le­gen­den Ver­fas­sungs­rechts­satz des Art. 30 GG ist die Aus­übung der staat­li­chen Befug­nis­se und die Erfül­lung der staat­li­chen Auf­ga­ben Sache der Län­der, soweit das Grund­ge­setz kei­ne ande­re Rege­lung trifft oder zulässt 43.

Ein Land ist bei Aus­übung sei­ner Ver­wal­tungs­ho­heit grund­sätz­lich auf sein eige­nes Staats­ge­biet beschränkt 44. Für den Voll­zug von Lan­des­ge­set­zen gilt eine Ein­schrän­kung die­ses Grund­sat­zes dann, wenn er – etwa durch Staats­ver­trag – abbe­dun­gen oder die Aus­übung der Ver­wal­tungs­ho­heit die Hoheits­ge­walt ande­rer Län­der nicht beein­träch­tigt 45.

Soweit Bun­des­ge­set­ze im Sin­ne des Art. 83 GG voll­zo­gen wer­den, wer­den die­se von den Län­dern als eige­ne Ange­le­gen­heit aus­ge­führt; in die­sem Bereich spricht eine Ver­mu­tung für die Lan­des­zu­stän­dig­keit 46. Die Län­der sind des­halb grund­sätz­lich berech­tigt und ver­pflich­tet, zur Aus­füh­rung von Bun­des­ge­set­zen in eige­ner Ver­ant­wor­tung ver­wal­tend tätig zu wer­den 47. Der im Voll­zug eines Bun­des­ge­set­zes ergan­ge­ne Ver­wal­tungs­akt eines Lan­des bean­sprucht grund­sätz­lich im gan­zen Bun­des­ge­biet Gel­tung 48.

Unab­hän­gig davon, ob die Län­der Lan­des- oder Bun­des­recht voll­zie­hen, unter­lie­gen sie der aus dem Bun­des­staats­prin­zip des Art.20 Abs. 1 GG fol­gen­den Pflicht zu bun­des­freund­li­chem Ver­hal­ten 49. Die­se Pflicht ver­langt, dass sowohl der Bund als auch die Län­der bei der Wahr­neh­mung ihrer Kom­pe­ten­zen die gebo­te­ne und ihnen zumut­ba­re Rück­sicht auf das Gesamt­in­ter­es­se des Bun­des­staa­tes und auf die Belan­ge der Län­der neh­men 50.

Bun­des­staat­li­che Kom­pe­tenz­ver­tei­lung im Staats­kir­chen­recht[↑]

Die­se Grund­sät­ze gel­ten auch für den Bereich des Staats­kir­chen­rechts. Nach der bun­des­staat­li­chen Kom­pe­tenz­ver­tei­lung des Grund­ge­set­zes liegt die Zustän­dig­keit für die Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus – und damit für die Prü­fung des dar­ge­leg­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Maß­stabs aus Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV – bei den Län­dern.

Mit der Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus nach Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV an eine Reli­gi­ons­ge­mein­schaft voll­zie­hen die Län­der kein Bun­des­ge­setz im Sin­ne des Art. 83 GG.

Dabei kann dahin­ste­hen, ob es sich bei den Nor­men des Grund­ge­set­zes über­haupt um Bun­des­ge­set­ze im Sin­ne der Art. 83 ff. GG han­deln kann 51. Jeden­falls bei der Ver­lei­hung des Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts gemäß Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV wird kein Bun­des­ge­setz im Sin­ne des Art. 83 GG voll­zo­gen, weil die­ser eine Kom­pe­tenz­zu­wei­sung an den Bund vor­aus­setzt, die im Bereich des Staats­kir­chen­rechts fehlt 52.

Die Nor­mie­rung in Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV ent­hält kei­ne kom­pe­tenz­recht­li­che Aus­sa­ge. Die Bestim­mun­gen unter­schei­den sich inso­weit nicht von Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG oder Art. 8 Abs. 1 GG, die eben­falls zwar bun­des­recht­li­che Grund­rechts­ga­ran­ti­en – der Rund­funk- und Ver­samm­lungs­frei­heit – sta­tu­ie­ren, für die bun­des­staat­li­che Kom­pe­tenz­ver­tei­lung jedoch ohne Bedeu­tung sind 53. Auch Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV geben inso­weit ledig­lich einen bun­des­weit ver­bind­li­chen Maß­stab vor, den die Län­der sowohl bei der Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus als auch bei der Nor­mie­rung lan­des­recht­li­cher Pflich­ten und Pri­vi­le­gi­en zu beach­ten haben 54. Zur Gewähr­leis­tung des ver­fas­sungs­recht­lich ver­bürg­ten Anspruchs obliegt es den Län­dern dem­entspre­chend gemäß Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 8 WRV, das Ver­fah­ren der Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus wei­ter lan­des­recht­lich zu regeln.

Dass bei der Ver­lei­hung des Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts Lan­des­recht voll­zo­gen wird, wird auch durch eine his­to­ri­sche Aus­le­gung der in das Grund­ge­setz inkor­po­rier­ten Kir­chen­ar­ti­kel bekräf­tigt.

Spä­tes­tens die Umwäl­zun­gen der Refor­ma­ti­on führ­ten im 16. Jahr­hun­dert zu einer Ver­stär­kung des lan­des­herr­li­chen Ein­flus­ses auf das Kir­chen­we­sen. Durch den Augs­bur­ger Reli­gi­ons­frie­den vom 25.09.1555 wur­de – bestä­tigt und modi­fi­ziert durch den West­fä­li­schen Frie­den – das obrig­keit­li­che Kir­chen­re­gi­ment in den Ter­ri­to­ri­en eta­bliert; der Satz "cui­us regio – eius reli­gio" beschreibt schlag­wort­ar­tig die Rechts­la­ge bis zum Ende des Hei­li­gen Römi­schen Rei­ches Deut­scher Nati­on. Auch die nach dem Reichs­de­pu­ta­ti­ons­haupt­schluss vom 25.02.1803 ein­set­zen­de Säku­la­ri­sie­rung sowie die maß­geb­li­chen staats­kir­chen­recht­li­chen Ent­schei­dun­gen des 19. Jahr­hun­derts voll­zo­gen sich auf dem Gebiet der ein­zel­nen deut­schen Staa­ten 55.

Durch die Ver­ab­schie­dung der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung im Jah­re 1919 wur­de zwar das lan­des­herr­li­che Kir­chen­re­gi­ment abge­schafft; auf­grund der Abgren­zung der Gesetz­ge­bungs­zu­stän­dig­kei­ten zwi­schen Reich und Län­dern mit­tels des Prin­zips der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung (vgl. Art. 6 ff. WRV) ver­blie­ben den Län­dern aber umfas­sen­de Mög­lich­kei­ten zur Gesetz­ge­bung im Bereich des Staats­kir­chen­rechts. Die gemäß Art. 140 GG inkor­po­rier­ten Kir­chen­ar­ti­kel ent­hal­ten dem­entspre­chend nur in Art. 138 Abs. 1 Satz 2 WRV eine aus­drück­li­che Kom­pe­tenz­zu­wei­sung zuguns­ten des Rei­ches. Auch fak­tisch ver­blieb das Schwer­ge­wicht reli­gi­ons­ver­fas­sungs­recht­li­cher Initia­ti­ve und Gestal­tung wäh­rend der Zeit der Wei­ma­rer Repu­blik bei den Län­dern 56.

An die­sem his­to­ri­schen Kon­text anknüp­fend ord­net das Grund­ge­setz mit der Inkor­po­ra­ti­on der Wei­ma­rer Kir­chen­ar­ti­kel (Art. 140 GG) die Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus als lan­des­recht­li­chen Akt in das bun­des­staat­li­che Kom­pe­tenz­ge­fü­ge ein. Hier­durch wahrt die Ver­fas­sung mit Blick auf die Eigen­staat­lich­keit der Län­der zugleich deren Hoheit über die Zuer­ken­nung des Kör­per­schafts­sta­tus für ihr jewei­li­ges Staats­ge­biet.

Zuläs­sig­keit eines Zweit­ver­lei­hungs­ver­fah­rens[↑]

Unter Zugrun­de­le­gung die­ser Maß­stä­be ist die Freie Han­se­stadt Bre­men nicht dar­an gehin­dert, in Bezug auf die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft ein Zweit­ver­lei­hungs­ver­fah­ren unter Inan­spruch­nah­me einer eigen­stän­di­gen Prü­fungs­kom­pe­tenz durch­zu­füh­ren. Dabei sind aber die geschrie­be­nen und unge­schrie­be­nen Vor­aus­set­zun­gen des Anspruchs aus Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV allei­ni­ger und ver­bind­li­cher Prü­fungs­maß­stab. Es han­delt sich inso­weit um eine gebun­de­ne Ent­schei­dung, die den Län­dern kei­nen Gestal­tungs- oder Ermes­sens­spiel­raum lässt. Der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft kommt bis­lang der Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts auf dem Gebiet der Frei­en Han­se­stadt Bre­men auf­grund der Ver­lei­hung die­ses Sta­tus durch das Land Ber­lin nur inso­weit zu, als der Kör­per­schafts­sta­tus bun­des­wei­te Rechts­wir­kun­gen aus­löst.

Nach der gän­gi­gen Staats­pra­xis und der über­wie­gen­den Mei­nung in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur muss einer Reli­gi­ons­ge­mein­schaft, die Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts wer­den will, die­ser Sta­tus in jedem Land in einem geson­der­ten Ver­fah­ren ver­lie­hen wer­den 57, Art. 140, Art. 137 WRV Rn. 72; Unruh, Reli­gi­ons­ver­fas­sungs­recht, 3. Aufl.2015, Rn. 284; von Campenhausen/​de Wall, Staats­kir­chen­recht, 4. Aufl.2006, § 17, S. 138 ff.; von Campenhausen/​Unruh, in: von Mangold/​Klein/​Starck, Bd. 3, 6. Aufl.2010, Art. 137 WRV Rn.206 f.; P. Kirch­hof, in: Listl/​Pirson, Hand­buch des Staats­kir­chen­rechts der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, Band 1, 2. Aufl.1994, § 22, S. 651, 687; Rad­tke, Nds­VBl 1999, S. 32, 35; a. A. Zacha­ri­as, NVwZ 2007, S. 1257 ff.)). Auch nach der erst­ma­li­gen Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus in einem Land kommt der Zweit­ver­lei­hung kon­sti­tu­ti­ve Wir­kung zu; inso­weit wer­den nicht bloß bestehen­de Rech­te der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft für das Staats­ge­biet des zweit­ver­lei­hen­den Lan­des bestä­tigt.

Die Ver­lei­hung des Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts ent­fal­tet zwar als über­re­gio­na­ler Akt nach all­ge­mei­ner Mei­nung Rechts­wir­kung über das Gebiet des ver­lei­hen­den Lan­des hin­aus, weil und soweit die im Kör­per­schafts­sta­tus ent­hal­te­ne Rechts­fä­hig­keit mit bun­des­wei­ter Ver­bind­lich­keit begrün­det wird 58. Die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft hört mit Erlan­gung des Kör­per­schafts­sta­tus auf, als juris­ti­sche Per­son des Pri­vat­rechts zu exis­tie­ren; sie tauscht das pri­vat­recht­li­che voll­stän­dig gegen das öffent­lich-recht­li­che Gewand ein 59. Soweit ein­fa­ches Bun­des­recht – wie bei­spiels­wei­se § 1 Abs. 6 Nr. 6 Bau­GB – Rechts­fol­gen an den Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts knüpft, kön­nen die­se nach der erst­ma­li­gen Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus – ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich – eben­falls bun­des­wei­te Wir­kung ent­fal­ten 60.

Die Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus gemäß Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV in einem Land führt aber nicht dazu, dass die Kör­per­schaft hoheit­li­che Befug­nis­se und kraft ein­fa­chen Lan­des­rechts zuer­kann­te Pri­vi­le­gi­en über die Gren­zen des ver­lei­hen­den Lan­des hin­aus aus­üben dürf­te. Jeden­falls das Besteue­rungs­recht aus Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 6 WRV, die Dienst­her­ren­fä­hig­keit und die Wid­mungs­be­fug­nis sind in die­sem Sin­ne als hoheit­li­che Befug­nis­se ein­zu­ord­nen 2.

Dass die Rechts­wir­kun­gen der Ver­lei­hung des Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts ihre Gren­zen in der Hoheits­ge­walt und Eigen­staat­lich­keit der Län­der fin­den, ent­spricht dem bun­des­staat­li­chen Kom­pe­tenz­ge­fü­ge. Weder die das gesam­te Bun­des­ge­biet in Blick neh­men­de Prü­fung der Ver­lei­hens­vor­aus­set­zun­gen noch die als Aus­fluss der Pflicht zu bun­des­freund­li­chem Ver­hal­ten anzu­se­hen­de Betei­li­gung der übri­gen Län­der im Erst­ver­lei­hungs­ver­fah­ren las­sen die Erfor­der­lich­keit einer kon­sti­tu­ti­ven Zweit­ver­lei­hung ent­fal­len.

Die Erst­ver­lei­hung des Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts durch das Land Ber­lin führt nicht dazu, dass die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft die mit dem Kör­per­schafts­sta­tus ver­bun­de­nen hoheit­li­chen Befug­nis­se auf dem Gebiet der Frei­en Han­se­stadt Bre­men aus­üben darf. Das Land Ber­lin kann die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft nicht mit über sein eige­nes Staats­ge­biet hin­aus­rei­chen­den hoheit­li­chen Befug­nis­sen aus­stat­ten. Dem­entspre­chend fin­den die Rechts­wir­kun­gen der Ver­lei­hung des Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts gemäß Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV an die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft durch das Land Ber­lin – eben­so wie die Zweit­ver­lei­hungs­ak­te der übri­gen Län­der – ihre Gren­ze in den von der grund­ge­setz­li­chen Kom­pe­tenz­ver­tei­lung geschütz­ten Inter­es­sen der Frei­en Han­se­stadt Bre­men. Über die Lan­des­gren­zen des ver­lei­hen­den Lan­des hin­aus kann sich die Wir­kung des Ver­lei­hungs­ak­tes hin­ge­gen nur inso­weit erstre­cken, als die nicht ver­lei­hen­den Län­der in ihrer Kon­trol­le über die Aus­übung von Staats­ge­walt auf ihrem Gebiet nicht beein­träch­tigt wer­den. Das gilt ins­be­son­de­re für das Besteue­rungs­recht aus Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 6 WRV 61.

Der Frei­en Han­se­stadt Bre­men wer­den durch die Aus­übung von Hoheits­rech­ten sei­tens der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft zwar kei­ne eige­nen Hoheits­rech­te "ent­zo­gen"; sie muss die Aus­übung frem­der Hoheits­ge­walt auf ihrem Staats­ge­biet jedoch nicht ohne wei­te­res dul­den. Inso­weit unter­schei­det sich das hori­zon­ta­le Ver­hält­nis zwi­schen den ein­zel­nen Län­dern grund­le­gend von dem auf dem­sel­ben Hoheits­ge­biet wirk­sam wer­den­den ver­ti­ka­len Ver­hält­nis zwi­schen Bund und Län­dern.

Die Begren­zung der Rechts­wir­kun­gen des Ver­lei­hungs­ak­tes fin­det ihre Recht­fer­ti­gung auch in den staats­kir­chen­recht­li­chen Beson­der­hei­ten des Kör­per­schafts­sta­tus im Sin­ne des Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 WRV. Die Befug­nis der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft, als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts Hoheits­ge­walt auf dem Staats­ge­biet der Frei­en Han­se­stadt Bre­men aus­zu­üben, kann nicht von der recht­li­chen und tat­säch­li­chen Beur­tei­lung der Ver­lei­hens-vor­aus­set­zun­gen durch das Land Ber­lin abhän­gen. Dies gilt ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Bewer­tung, ob die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft die Gewähr der Recht­streue bie­tet. Hier­bei han­delt es sich um eine kom­ple­xe Pro­gno­se, die eine typi­sie­ren­de Gesamt­be­trach­tung und Gesamt­wür­di­gung vie­ler ein­zel­ner Umstän­de erfor­der­lich macht 62. Die Ver­ant­wor­tung für die Prü­fung die­ser Ver­lei­hens­vor­aus­set­zung muss bei dem Land ver­blei­ben, auf des­sen Staats­ge­biet die antrag­stel­len­de Reli­gi­ons­ge­mein­schaft die hoheit­li­chen Befug­nis­se aus­üben möch­te. Mit dem Erfor­der­nis der Gewähr der Recht­streue soll den erhöh­ten Gefah­ren eines Miss­brauchs der mit dem Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts ver­bun­de­nen Ver­güns­ti­gun­gen – hier ins­be­son­de­re der zuer­kann­ten hoheit­li­chen Befug­nis­se – ent­ge­gen gewirkt wer­den 63. Die Mög­lich­keit, durch eine ein­ge­hen­de Prü­fung den Miss­brauchs­ge­fah­ren zu begeg­nen, darf der Frei­en Han­se­stadt Bre­men schon des­halb nicht genom­men wer­den, weil sie sich die Aus­übung lan­des­recht­li­cher Hoheits­ge­walt auf ihrem Staats­ge­biet wird zurech­nen las­sen müs­sen. Mit der Zurech­nung der sei­tens der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft aus­ge­üb­ten Hoheits­ge­walt auf dem Staats­ge­biet der Frei­en Han­se­stadt Bre­men kor­re­spon­diert deren Kom­pe­tenz, in eige­ner Ver­ant­wor­tung zu prü­fen, ob die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft die Gewähr dafür bie­tet, die ihr ver­lie­he­nen hoheit­li­chen Befug­nis­se in Ein­klang mit Recht und Gesetz aus­zu­üben. Umge­kehrt besteht grund­sätz­lich die Mög­lich­keit des Wider­rufs des Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts, wenn zeit­lich nach der Ver­lei­hung bekannt gewor­de­ne Tat­sa­chen bele­gen, dass die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft nicht die erfor­der­li­che Gewähr der Recht­streue bie­tet oder die sons­ti­gen Ver­lei­hens­vor­aus­set­zun­gen ent­fal­len sind. Aus die­sem Grund kann auch kei­ne recht­li­che Bin­dung des zweit­ver­lei­hen­den Lan­des – hier der Frei­en Han­se­stadt Bre­men – an die Ergeb­nis­se des Erst­ver­lei­hungs­ver­fah­rens bestehen.

Die Rechts­wir­kun­gen der Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus gemäß Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV durch ein Land unter­lie­gen den auf­ge­zeig­ten Gren­zen, auch wenn die Ver­lei­hens­vor­aus­set­zun­gen mit Blick auf das gesam­te Bun­des­ge­biet geprüft wer­den.

Die Fra­ge, ob die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft die geschrie­be­nen und unge­schrie­be­nen Vor­aus­set­zun­gen des Anspruchs aus Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV erfüllt, kann von der Frei­en Han­se­stadt Bre­men nicht los­ge­löst von Erkennt­nis­sen aus ande­ren Län­dern geprüft wer­den. Ob die Vor­aus­set­zun­gen für die Ver­lei­hung vor­lie­gen, ist jeweils bezo­gen auf die Orga­ni­sa­ti­on als sol­che zu prü­fen 64. Das den Antrag der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft prü­fen­de Land hat den Sach­ver­halt umfas­send auf­zu­klä­ren und Erkennt­nis­se aus ande­ren Län­dern bei sei­ner Ent­schei­dung über die Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus für sein Lan­des­ge­biet zu berück­sich­ti­gen, die mit Blick auf den Maß­stab der Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV von Bedeu­tung sein kön­nen. Ins­be­son­de­re die unge­schrie­be­ne Ver­lei­hens­vor­aus­set­zung der Gewähr der Recht­streue wird in der Regel nicht regio­nal teil­bar sein.

Die Pflicht zu bun­des­freund­li­chem Ver­hal­ten gebie­tet des­halb, dass die Län­der ihre jewei­li­ge Prü­fung nicht völ­lig los­ge­löst von den in den ande­ren Län­dern gewon­ne­nen Ergeb­nis­sen durch­füh­ren, son­dern die­se ange­mes­sen berück­sich­ti­gen. Die gemäß Nr. 4 der Emp­feh­lun­gen der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz über die Ver­lei­hung der öffent­li­chen Kör­per­schafts­rech­te an Reli­gi­ons­ge­sell­schaf­ten und Welt­an­schau­ungs­ver­ei­ni­gun­gen vom 12.03.1954 vor­zu­neh­men­de Betei­li­gung der übri­gen Län­der im Erst­ver­lei­hungs­ver­fah­ren stellt sich inso­weit als Aus­fluss der Pflicht zu bun­des­freund­li­chem Ver­hal­ten dar.

Die­se Betei­li­gungs­form kann jedoch die Durch­füh­rung eines Zweit­ver­lei­hungs­ver­fah­rens nicht erset­zen. Zum einen han­delt es sich inso­weit um eine unver­bind­li­che Emp­feh­lung, die übri­gen Län­der zu betei­li­gen, deren Ein­hal­tung nur ein­ge­schränkt jus­ti­zia­bel ist; zum ande­ren bedürf­te es sub­stan­ti­el­ler Mit­wir­kungs- und Ent­schei­dungs­rech­te der betei­lig­ten Län­der, um sicher­zu­stel­len, dass die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft nicht aus­schließ­lich auf­grund der allei­ni­gen Ver­lei­hungs­ent­schei­dung eines Lan­des Hoheits­be­fug­nis­se auf dem jewei­li­gen Staats­ge­biet der ande­ren Län­der aus­üben kann.

Die sich aus dem eigen­stän­di­gen Prü­fungs­recht des jeweils ver­lei­hen­den Lan­des erge­ben­de Gefahr diver­gie­ren­der Ent­schei­dun­gen ist eine Kon­se­quenz der bun­des­staat­li­chen Ord­nung des Grund­ge­set­zes und daher nicht zu bean­stan­den. Aller­dings gewähr­leis­tet die Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes aus Art.19 Abs. 4 GG zuguns­ten der antrag­stel­len­den Reli­gi­ons­ge­mein­schaft län­der­über­grei­fend die gericht­li­che Kor­rek­tur einer zu ihren Las­ten feh­ler­haf­ten Ent­schei­dung.

Gewal­ten­tei­lung und Rechts­schutz[↑]

Ob die Freie Han­se­stadt Bre­men bei Aus­übung der ihr zuste­hen­den eigen­stän­di­gen Prü­fungs­kom­pe­tenz den ver­fas­sungs­recht­li­chen Maß­stab für die Ver­lei­hung des Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts an die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft gewahrt hat, kann erst dann einer ver­fas­sungs­recht­li­chen Prü­fung unter­zo­gen wer­den, wenn das durch­ge­führ­te Ver­lei­hungs­ver­fah­ren in sei­ner grund­sätz­li­chen Kon­zep­ti­on mit den Vor­ga­ben der Ver­fas­sung in Ein­klang steht. Dies ist nicht der Fall.

Die in Art. 61 Satz 2 LV-Bre­men vor­ge­se­he­ne Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus durch förm­li­ches Gesetz ver­stößt gegen Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG. Der Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung (Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG) steht einer Rege­lung ent­ge­gen, die die im Ein­zel­fall gebo­te­ne Prü­fung der Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen von Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV dem par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­ber zuweist. Mit­tel­bar gewähr­leis­tet er damit zugleich das grund­recht­lich geschütz­te Recht auf wir­kungs­vol­len Rechts­schutz im Ein­zel­fall.

a)) Die in Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG nor­mier­te Tei­lung der Gewal­ten ist ein tra­gen­des Orga­ni­sa­ti­ons- und Funk­ti­ons­prin­zip des Grund­ge­set­zes 65. Sie bezweckt vor allem eine poli­ti­sche Macht­ver­tei­lung, das Inein­an­der­grei­fen der drei Gewal­ten und die dar­aus resul­tie­ren­de gegen­sei­ti­ge Kon­trol­le und Begren­zung mit der Fol­ge der Mäßi­gung der Staats­ge­walt 66. Dar­über hin­aus will sie sicher­stel­len, dass staat­li­che Ent­schei­dun­gen von den Orga­nen getrof­fen wer­den, die nach ihrer Orga­ni­sa­ti­on, Zusam­men­set­zung, Funk­ti­on und Ver­fah­rens­wei­se über die bes­ten Vor­aus­set­zun­gen für eine mög­lichst sach­ge­rech­te Ent­schei­dung ver­fü­gen 67. Der im Grund­ge­setz nie­der­ge­leg­te Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung zielt zwar nicht auf eine strik­te Tren­nung der Staats­funk­tio­nen ab. Gleich­wohl muss die in der Ver­fas­sung vor­ge­nom­me­ne Gewichts­ver­tei­lung zwi­schen den drei Gewal­ten gewahrt wer­den, damit kei­ne Gewalt ein von der Ver­fas­sung nicht vor­ge­se­he­nes Über­ge­wicht über eine ande­re erhält 68. Eben­so­we­nig darf eine Gewalt der für die Erfül­lung ihrer ver­fas­sungs­ge­mä­ßen Auf­ga­ben erfor­der­li­chen Zustän­dig­kei­ten beraubt wer­den 69. Der Kern­be­reich ihrer Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se ist unan­tast­bar. Damit ist aus­ge­schlos­sen, dass eine der Gewal­ten die ihr von der Ver­fas­sung zuge­schrie­be­nen typi­schen Auf­ga­ben ver­liert 70.

Im frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Staat des Grund­ge­set­zes fällt in ers­ter Linie dem Par­la­ment die ver­fas­sungs­recht­li­che Auf­ga­be der Norm­set­zung zu; nur das Par­la­ment ist hier­für demo­kra­tisch legi­ti­miert 71. Der Exe­ku­ti­ve oblie­gen dage­gen vor allem Regie­rung und Ver­wal­tung. Wäh­rend die Regie­rung für die poli­ti­sche Gestal­tung zustän­dig und par­la­men­ta­risch ver­ant­wort­lich ist, ist die Ver­wal­tung ide­al­ty­pisch mit der Auf­ga­be des Geset­zes­voll­zugs im Ein­zel­fall betraut 72. Das schließt eine ein­zel­fall­be­zo­ge­ne Ein­fluss­nah­me des Par­la­ments auf das Han­deln der Ver­wal­tung frei­lich nicht aus. Da sich jedes amt­li­che Han­deln auf den Wil­len des Vol­kes zurück­füh­ren las­sen und ihm gegen­über ver­ant­wor­tet wer­den muss 73 und der not­wen­di­ge Zurech­nungs­zu­sam­men­hang zwi­schen Volk und staat­li­cher Herr­schaft vor allem durch die Wahl des Par­la­ments, durch die von ihm beschlos­se­nen Geset­ze als Maß­stab der voll­zie­hen­den Gewalt, durch den par­la­men­ta­ri­schen Ein­fluss auf die Poli­tik der Regie­rung sowie durch die grund­sätz­li­che Wei­sungs­ge­bun­den­heit der Ver­wal­tung gegen­über der Regie­rung her­ge­stellt wird 74, kann nicht schon jede Ein­fluss­nah­me des Par­la­ments auf die Ver­wal­tung einen Ver­stoß gegen den Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung dar­stel­len. Selbst eine punk­tu­el­le Gewichts­ver­la­ge­rung zuguns­ten des Par­la­ments ist mit Blick auf den in Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG nie­der­ge­leg­ten Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung in der par­la­men­ta­ri­schen Demo­kra­tie grund­sätz­lich unbe­denk­lich, solan­ge dabei der Kern­be­reich der Exe­ku­ti­ve nicht berührt wird 75.

Wei­te­re Schran­ken für eine Gewichts­ver­la­ge­rung von der Exe­ku­ti­ve auf die Legis­la­ti­ve erge­ben sich aus dem Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung inso­fern, als die­ser auf die gegen­sei­ti­ge Mäßi­gung und Kon­trol­le der Staats­or­ga­ne aus­ge­rich­tet ist und mit­hin auch rechts­staat­li­che, grund­rechts­schüt­zen­de Funk­tio­nen erfüllt 76. Ent­schei­dun­gen, die auf­grund eines schlicht sub­su­mie­ren­den Nor­men­voll­zugs erge­hen, sind funk­tio­nal typi­scher­wei­se der Ver­wal­tung vor­be­hal­ten, die für die­se Auf­ga­be den erfor­der­li­chen Ver­wal­tungs­ap­pa­rat und Sach­ver­stand besitzt. Das Par­la­ment darf eine sol­che Ver­wal­tungs­tä­tig­keit nur an sich zie­hen, wenn hier­für im Ein­zel­fall hin­rei­chen­de sach­li­che Grün­de bestehen 77. Han­delt es sich bei dem Gesetz um ein so genann­tes Ein­zel­per­so­nen­ge­setz, das heißt ein Gesetz, das sich von vorn­her­ein nur an eine oder meh­re­re kon­kre­te Per­so­nen rich­tet und die­se in ihren Grund­rech­ten beschränkt, so erhö­hen sich die Anfor­de­run­gen an die Recht­fer­ti­gungs­grün­de. Der Gesetz­ge­ber ist zur Rechts­set­zung nur befugt, wenn ein zwin­gen­des Rege­lungs­be­dürf­nis für den sin­gu­lä­ren Sach­ver­halt besteht. Das ist ins­be­son­de­re der Fall, wenn Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG andern­falls in ein unauf­lös­li­ches Span­nungs­ver­hält­nis zu ande­ren Grund­sät­zen der Ver­fas­sung gerie­te, etwa zu dem Demo­kra­tie­prin­zip (Art.20 Abs. 1 und 2 GG) sowie dem Rechts­staats­prin­zip (Art.20 Abs. 3 GG) und dem aus ihnen abge­lei­te­ten Vor­be­halt des Geset­zes (vgl. zu Art.19 Abs. 1 Satz 1 GG BVerfGE 134, 33, 89, Rn. 129). In einem sol­chen Fall kann der Gesetz­ge­ber auch einen Ein­zel­fall regeln, obwohl die mög­li­chen Adres­sa­ten des Geset­zes fest­ste­hen, weil nur so ver­mie­den wer­den kann, dass die Staats­ge­walt hand­lungs­un­fä­hig ist (vgl. zu Art.19 Abs. 1 Satz 1 GG BVerfGE 134, 33, 89, Rn. 129).

Indem Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG Ent­schei­dun­gen im Ein­zel­fall in der Regel der Exe­ku­ti­ve vor­be­hält, gewähr­leis­tet er zugleich, dass sich der jeweils Betrof­fe­ne gegen den Ein­griff des Staa­tes in sei­ne grund­recht­lich geschütz­ten Inter­es­sen effek­tiv zur Wehr und damit sei­ne Grund­rech­te durch­set­zen kann.

Die Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes gegen­über staat­li­chen Rechts­ein­grif­fen ist ein wesent­li­cher Bestand­teil des Rechts­staa­tes 78. In qua­li­ta­ti­ver Hin­sicht gewähr­leis­tet sie nicht nur, dass über­haupt ein Gericht ange­ru­fen wer­den kann, son­dern zielt auch auf eine tat­säch­lich wirk­sa­me gericht­li­che Kon­trol­le 79.

Durch die Wahl des Geset­zes statt einer Ver­wal­tungs­ent­schei­dung als Hand­lungs­form für die Rege­lung eines Ein­zel­falls wird die Mög­lich­keit der gericht­li­chen Kon­trol­le erheb­lich ein­ge­schränkt. Gegen­über Ein­grif­fen, die unmit­tel­bar durch den Erlass eines Geset­zes oder sein Unter­las­sen bewirkt wer­den, ist die Ver­fas­sungs­be­schwer­de der ein­zi­ge mög­li­che Rechts­be­helf, wäh­rend gegen Maß­nah­men oder die Untä­tig­keit der Ver­wal­tung sonst der jewei­li­ge fach­ge­richt­li­che Rechts­weg eröff­net ist. Von der Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit kann jedoch eine tat­säch­lich wirk­sa­me gericht­li­che Kon­trol­le mit Blick auf (Einzelpersonen-)Gesetze schon des­halb nicht gewähr­leis­tet wer­den, weil deren Prü­fungs­maß­stab auf die Ver­let­zung spe­zi­fi­schen Ver­fas­sungs­rechts beschränkt ist 80. Hin­zu kommt, dass auch im Vor­feld des Erlas­ses eines Geset­zes – anders als in einem ent­spre­chen­den Ver­wal­tungs­ver­fah­renVer­fah­rens­rech­te, die eben­falls dem Schutz grund­recht­lich geschütz­ter Rech­te die­nen, zum Bei­spiel Anhö­rungs- und Äuße­rungs­rech­te der Betrof­fe­nen, allen­falls in sehr begrenz­tem Umfang zum Tra­gen kom­men.

Die aus dem Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung abge­lei­te­ten Anfor­de­run­gen decken sich weit­ge­hend mit den Wer­tun­gen des Art.19 Abs. 1 Satz 1 GG. Das ver­leiht der hier vor­ge­nom­me­nen Kon­kre­ti­sie­rung des Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG zusätz­li­che Über­zeu­gungs­kraft, auch wenn eine Anwen­dung des All­ge­mein­heits­ge­bo­tes hier aus­schei­den muss, weil die Bre­mi­sche Bür­ger­schaft gera­de kein ver­bo­te­nes Ein­zel­per­so­nen­ge­setz erlas­sen, son­dern den Erlass eines sol­chen abge­lehnt hat.

Auch dem All­ge­mein­heits­ge­bot wird grund­sätz­lich nur dann genügt, wenn sich wegen der abs­trak­ten Fas­sung des gesetz­li­chen Tat­be­stan­des nicht abse­hen lässt, auf wie vie­le und wel­che Fäl­le das Gesetz Anwen­dung fin­det 81, wenn also nicht nur ein ein­ma­li­ger Ein­tritt der Rechts­fol­ge mög­lich ist 82. Art.19 Abs. 1 Satz 1 GG unter­sagt vor allem soge­nann­te Ein­zel­per­so­nen­ge­set­ze. Nicht von unge­fähr wird er des­halb als eine spe­zi­fi­sche Absi­che­rung des Grund­sat­zes der Gewal­ten­tei­lung begrif­fen, die den Erlass kon­kret-indi­vi­du­el­ler Rege­lun­gen der Exe­ku­ti­ve vor­be­hält 83. Auch weist er – wie auch der Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung (Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG) – eine grund­rechts­si­chern­de Funk­ti­on auf 84, und wie die­ser dient er mit­tel­bar einer Absi­che­rung der Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes.

Das bre­mi­sche Ver­lei­hungs­ver­fah­ren[↑]

Nach die­sen Maß­stä­ben ver­stößt Art. 61 Satz 2 LV-Bre­men gegen Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG.

Soweit nach dem Wort­laut des Art. 61 Satz 2 LV-Bre­men ("kann") die Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus in das Ermes­sen der Bre­mi­schen Bür­ger­schaft gestellt wird, steht dies im Wider­spruch zu dem Anspruch aus Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV. Weil Art. 61 Satz 2 LV-Bre­men schon in sei­nem Kern gegen die dar­ge­leg­ten Maß­stä­be ver­stößt, bedarf die Fra­ge, ob eine ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung im Sin­ne einer Ermes­sens­re­du­zie­rung "auf Null" bei Vor­lie­gen der Ver­lei­hens­vor­aus­set­zun­gen denk­bar wäre, hier kei­ner Ent­schei­dung.

Satz 2 LV-Bre­men ver­stößt gegen den Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung (Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG), weil er der Bre­mi­schen Bür­ger­schaft die Mög­lich­keit eröff­net, Ein­zel­per­so­nen­ge­set­ze zu erlas­sen. Hier­durch wird zugleich der Anspruch der antrag­stel­len­den Reli­gi­ons­ge­mein­schaft auf Gewähr­leis­tung effek­ti­ven Rechts­schut­zes ver­letzt.

Die in Art. 61 Satz 2 LV-Bre­men vor­ge­se­he­ne Zuwei­sung der aus­schließ­li­chen Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz über die Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus im Sin­ne des Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV an die Bre­mi­sche Bür­ger­schaft steht im Wider­spruch zu dem von Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG garan­tier­ten Zustän­dig­keits­be­reich der Exe­ku­ti­ve. Die Norm weist eine funk­tio­nal der Ver­wal­tung vor­be­hal­te­ne Tätig­keit ohne zwin­gen­de Grün­de in die aus­schließ­li­che Kom­pe­tenz des par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­bers, der Bre­mi­schen Bür­ger­schaft.

Bei der von Art. 61 Satz 2 LV-Bre­men der Bre­mi­schen Bür­ger­schaft zuge­wie­se­nen Ver­lei­hung des Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts an eine antrag­stel­len­de Reli­gi­ons­ge­mein­schaft han­delt es sich um den Erlass einer gebun­de­nen Ent­schei­dung im Wege des Ver­fas­sungs­voll­zugs.

Die Län­der müs­sen unter Beach­tung des bun­des­weit vor­ge­ge­be­nen Maß­stabs aus Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV über einen Antrag auf Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus ent­schei­den. Indem die Bre­mi­sche Bür­ger­schaft ermit­telt, ob die Vor­aus­set­zun­gen für die Aner­ken­nung als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts nach Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV vor­lie­gen, erfüllt sie funk­tio­nal eine exe­ku­tivi­sche Tätig­keit im Ein­zel­fall: Bei Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen ist dem Antrag statt­zu­ge­ben, ande­ren­falls ist er abzu­leh­nen. Die Bre­mi­sche Bür­ger­schaft hat nicht über Inhalt und Reich­wei­te des ihrer Dis­po­si­ti­on ent­zo­ge­nen sub­jek­ti­ven Rechts der jeweils antrag­stel­len­den Reli­gi­ons­ge­mein­schaft zu ent­schei­den, son­dern ledig­lich geschrie­be­ne und unge­schrie­be­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Vor­ga­ben auf den Ein­zel­fall anzu­wen­den.

Die Län­der – und damit auch die Freie Han­se­stadt Bre­men – haben bei Prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen für eine Ver­lei­hung Tat­be­stands­merk­ma­le von Ver­fas­sungs­be­stim­mun­gen (hier: Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV) einem von ihnen zu ermit­teln­den Sach­ver­halt zuzu­ord­nen und zu wür­di­gen. Damit ent­schei­den sie zugleich über die Zuer­ken­nung oder Ver­sa­gung der (landes-)hoheitlichen Befug­nis­se, die unmit­tel­bar mit dem Kör­per­schafts­sta­tus ver­bun­den sind.

Die der Zulas­sung vor­aus­lie­gen­de Prü­fung kann nur ent­we­der im beja­hen­den oder im ver­nei­nen­den Sinn erfol­gen. Ein Ent­schei­dungs- und Wer­tungs­spiel­raum, der sich sonst regel­mä­ßig aus der all­ge­mei­nen poli­ti­schen Gestal­tungs­frei­heit des Gesetz­ge­bers ablei­ten lässt, ist bei einer der­art funk­tio­na­len Ver­wal­tungs­tä­tig­keit nicht gege­ben. Es han­delt sich inso­weit nicht um eine gestal­ten­de Tätig­keit, bei der der Gesetz­ge­ber, zwi­schen mög­li­chen Alter­na­ti­ven bei der Kon­kre­ti­sie­rung eines Grund­rechts wäh­len könn­te 85. Bei der Prü­fung der Ver­lei­hens­vor­aus­set­zun­gen aus Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV han­delt es sich um eine hoheit­li­che Tätig­keit, die in den typi­schen Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Exe­ku­ti­ve fällt, und damit funk­tio­nal um Ver­wal­tungs­han­deln. Mit dem for­mel­len Gesetz, durch das der Kör­per­schafts­sta­tus ver­lie­hen wird, wird mate­ri­ell ein Ver­wal­tungs­akt ersetzt.

Ob die Ent­schei­dung über die Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus dar­über hin­aus auch dem Kern­be­reich der Exe­ku­ti­ve zuzu­ord­nen und damit der auch nur teil­wei­sen Über­tra­gung auf den par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­ber von vorn­her­ein ent­zo­gen ist, bedarf vor­lie­gend kei­ner Ent­schei­dung. Jeden­falls ist die Zuwei­sung der aus­schließ­li­chen Ent­schei­dungs­zu­stän­dig­keit für die Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus an das Par­la­ment nicht zu recht­fer­ti­gen, weil zwin­gen­de Grün­de inso­weit nicht erkenn­bar sind.

Die unmit­tel­ba­re demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on des par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­bers, der Bre­mi­schen Bür­ger­schaft, kommt als Recht­fer­ti­gung inso­weit nicht in Betracht. Es geht im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang um die Durch­set­zung eines im Kern grund­recht­li­chen Anspruchs, der sich der Ratio­na­li­tät demo­kra­ti­scher Mehr­heits­ent­schei­dun­gen ent­zieht. Zudem lie­ße sich mit dem Rück­griff auf die unmit­tel­ba­re demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on des Par­la­ments jede Kom­pe­tenz­über­tra­gung auf den Gesetz­ge­ber recht­fer­ti­gen. Hin­zu kommt, dass die Vor­tei­le einer unmit­tel­bar demo­kra­tisch legi­ti­mier­ten Abwä­gungs­ent­schei­dung durch den Gesetz­ge­ber beim Erlass einer gebun­de­nen Ent­schei­dung nach Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV nicht ein­grei­fen. Es ist auch nicht ersicht­lich, dass die Bre­mi­sche Bür­ger­schaft aus ande­ren Grün­den "bes­ser" als der Bre­mi­sche Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dazu in der Lage wäre, die bei Prü­fung des Anspruchs aus Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV geschul­de­te rei­ne Sub­sum­ti­ons­tä­tig­keit zu leis­ten.

Die von Art. 61 Satz 2 LV-Bre­men vor­ge­se­he­ne Kom­pe­tenz­zu­wei­sung beruht letzt­lich vor allem auf den bestehen­den poli­ti­schen Umstän­den nach dem Sturz der Mon­ar­chie. Hat­te das alte bre­mi­sche Staats­kir­chen­recht die "Aner­ken­nung von Reli­gi­ons­ge­sell­schaf­ten" noch durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt unter Mit­wir­kung der Bür­ger­schaft vor­ge­se­hen 86, so brach die Bre­mi­sche Lan­des­ver­fas­sung von 1920 in Über­ein­stim­mung mit der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung von 1919 mit dem lan­des­herr­li­chen Kir­chen­re­gi­ment (vgl. auch § 87 Abs. 1 der Bre­mi­schen Lan­des­ver­fas­sung von 1920). Zugleich wur­de in Abkehr von der bis­he­ri­gen Kom­pe­tenz­ver­tei­lung durch die Ein­füh­rung des § 87 Abs. 4 der Bre­mi­schen Lan­des­ver­fas­sung von 1920 bestimmt, dass die Ver­lei­hung durch Gesetz zu erfol­gen habe. Indem der Bre­mi­schen Bür­ger­schaft die Kom­pe­tenz zur Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus zuge­wie­sen wur­de, wur­de also die Tren­nung von Kir­che und Staat – unter dem Ein­druck des Zusam­men­bruchs der Mon­ar­chie und der Grün­dung der Repu­blik – mit einer Stär­kung der par­la­men­ta­ri­schen Rech­te der Bre­mi­schen Bür­ger­schaft und der demo­kra­ti­schen Legi­ti­ma­ti­on der Ent­schei­dung über die Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus an Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ver­bun­den. Die­se his­to­risch über­kom­me­ne Kom­pe­tenz­zu­wei­sung ist durch die Aus­ge­stal­tung des Grund­sat­zes der Gewal­ten­tei­lung in Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG frei­lich über­holt.

Der Wider­spruch zwi­schen Art. 61 Satz 2 LV-Bre­men und der Kon­troll- und Mäßi­gungs­funk­ti­on des Gewal­ten­tei­lungs­grund­sat­zes (Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG) führt zur Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Norm.

Indem Art. 61 Satz 2 LV-Bre­men die Erfül­lung des Anspruchs aus Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV in der Form eines Geset­zes vor­sieht, ver­pflich­tet er die Bre­mi­sche Bür­ger­schaft, das Gesetz ein­zel­per­so­nen­be­zo­gen und – bei Vor­ent­hal­tung des Kör­per­schafts­sta­tus – des­sen Unter­las­sen in zugleich grund­rechts- sowie rechts­schutz­ver­kür­zen­der Wei­se ein­zu­set­zen.

Wird einer Reli­gi­ons­ge­mein­schaft, die sich auf ihren Anspruch aus Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV beruft, der Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts rechts­wid­rig vor­ent­hal­ten, stellt dies einen Ein­griff in grund­recht­lich geschütz­te Inter­es­sen dar. Die Vor­ent­hal­tung des Kör­per­schafts­sta­tus ist nicht ledig­lich eine dif­fu­se, mit­tel­bar-fak­ti­sche Ein­wir­kung auf den Schutz­be­reich des Art. 4 Abs. 1 und 2 GG, son­dern bedeu­tet eine erheb­li­che Ver­kür­zung der Reli­gi­ons­frei­heit, deren Ent­fal­tung der in Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV eröff­ne­te Zugang zum Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts in ers­ter Linie zu die­nen bestimmt ist. Wird also einer antrag­stel­len­den Reli­gi­ons­ge­mein­schaft der Kör­per­schafts­sta­tus trotz Vor­lie­gens der Ver­lei­hens­vor­aus­set­zun­gen ver­wei­gert, wird sie dar­an gehin­dert, ihre Reli­gi­ons­frei­heit durch die selbst­be­stimm­te Wahl ihrer Orga­ni­sa­ti­ons­form im Rah­men der von der Ver­fas­sung eröff­ne­ten Mög­lich­kei­ten frei zu ent­fal­ten.

Indem Art. 61 Satz 2 LV-Bre­men die Hand­lungs­form des förm­li­chen Geset­zes für die ein­zel­per­so­nen­be­zo­ge­ne Ent­schei­dung über die Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus vor­sieht, wer­den mit­tel­bar zugleich die Rechts­schutz­mög­lich­kei­ten gegen den Ein­griff in die Reli­gi­ons­frei­heit aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG ver­kürzt. Die Ver­kür­zung des effek­ti­ven Rechts­schut­zes durch die Wahl des förm­li­chen Geset­zes zur Rege­lung eines Ein­zel­fal­les als Hand­lungs­form ist dem Grund­ge­setz zwar nicht fremd. Ins­be­son­de­re führt eine gemäß Art. 14 Abs. 3 Satz 2 Alt. 1 GG aus­drück­lich zuge­las­se­ne Lega­lent­eig­nung zu einer sub­stan­ti­el­len Schmä­le­rung des effek­ti­ven Rechts­schut­zes 87. Anders als Art. 14 Abs. 3 Satz 2 GG ermäch­tigt Art. 4 Abs. 1 und 2, Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV aber gera­de nicht zum Erlass von Ein­zel­per­so­nen­ge­set­zen.

Da Art. 61 Satz 2 LV-Bre­men den Erlass von Ein­zel­per­so­nen­ge­set­zen nicht nur zulässt, son­dern ihn gera­de­zu ver­langt, mit der Fol­ge, dass Rechts­schutz vor den Fach­ge­rich­ten in Bezug auf die ver­wei­ger­te Aner­ken­nung einer Reli­gi­ons- oder Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaft als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts nicht zu erlan­gen ist, steht die Rege­lung im Wider­spruch zu Art.20 Abs. 2 Satz 2 GG, der unter ande­rem auch einer der­ar­ti­gen Rechts­schutz­ver­kür­zung bei Grund­rechts­ein­grif­fen ent­ge­gen wir­ken will. Die­se Ziel­set­zung wird von Art. 61 Satz 2 LV-Bre­men voll­stän­dig ver­drängt und kann auch von dem nach Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 8 WRV zur nähe­ren Aus­ge­stal­tung beru­fe­nen Lan­des­ge­setz­ge­ber wegen sei­ner Bin­dung an das (Landes-)Verfassungsrecht nicht kor­ri­giert wer­den.

Wei­te­re (Verfahrens-)Grundrechtsverletzungen?[↑]

Die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft ist bereits durch die Durch­füh­rung des ver­fas­sungs­wid­ri­gen Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens zur Ver­lei­hung des Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts nach Art. 61 Satz 2 LV-Bre­men in ihrem Grund­recht aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG in Ver­bin­dung mit ihrem ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Recht aus Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV ver­letzt. Ob wei­te­re (Verfahrens-)Grundrechte der Reli­gi­ons­ge­mein­schaft durch die kon­kre­te Hand­ha­bung des Ver­fah­rens ver­letzt wor­den sind, bedarf kei­ner Ent­schei­dung, weil das Ver­fah­ren schon in sei­ner (abs­trak­ten) Aus­ge­stal­tung nicht den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen genügt. Soweit die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft auch eine durch die Ableh­nung des Geset­zes­an­trags des Bre­mi­schen Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 88 bewirk­te Rechts­ver­let­zung fest­ge­stellt haben will, bleibt die Ver­fas­sungs­be­schwer­de daher ohne Erfolg.

Dis­sen­ting Votes[↑]

Die Ver­fas­sungs­rich­ter Voß­kuh­le, Her­manns und Mül­ler haben dem Beschluss des eine Abwei­chen­de Mei­nung bei­gefügt. Ihrer Ansicht nach ver­kennt die Senats­mehr­heit, erkennt, dass es von Ver­fas­sungs wegen kei­ner kon­sti­tu­ti­ven Zweitan­er­ken­nung einer Reli­gi­ons­ge­mein­schaft in jedem ein­zel­nen Land zur Aus­übung der mit dem Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts ver­bun­de­nen Hoheits­rech­te bedarf. Viel­mehr erfolgt bereits im Zuge der Aner­ken­nung einer Reli­gi­ons­ge­mein­schaft als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts nicht nur die Über­tra­gung der Rechts­per­sön­lich­keit, son­dern zugleich – soweit bean­tragt auch län­der­über­grei­fend oder bun­des­ein­heit­lich – die Ver­lei­hung der hoheit­li­chen Befug­nis­se, die qua Bun­des­recht an den Kör­per­schafts­sta­tus geknüpft sind.

Bei dem Anspruch von Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten auf Gewäh­rung der Rech­te einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts aus Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV han­delt es sich um mate­ri­el­les Bun­des­recht, wel­ches nach Art. 30, 83 GG durch die Län­der als eige­ne Ange­le­gen­heit aus­zu­füh­ren ist. Die Bestim­mung des Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV regelt einen bun­des­ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­ren gebun­de­nen Anspruch. Eines geson­der­ten Kom­pe­tenz­ti­tels für die Set­zung ent­spre­chen­der Rege­lun­gen durch den Bund bedarf es daher nicht. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass Art. 140 GG kei­ne Sperr­wir­kun­gen für die nach Art. 30, Art. 70 ff. GG grund­sätz­lich den Län­dern zuste­hen­de Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz ent­fal­tet 89. Wäh­rend Art. 142 GG dem Lan­des­ver­fas­sungs­recht unbe­nom­men lässt, reli­giö­se Frei­heits­rech­te zu nor­mie­ren, die wei­ter­ge­hen­den Schutz als das Grund­ge­setz ver­bür­gen, hin­dern jedoch Art. 4 und Art. 140 GG die Län­der, reli­giö­se Frei­heits­rech­te des Ein­zel­nen und der Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten enger zu fas­sen als nach dem Grund­ge­setz 90, Art. 140 Rn.20 m.w.N.)). Da die Vor­aus­set­zun­gen, die erfüllt sein müs­sen, um als Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts aner­kannt zu wer­den, in Art. 137 Abs. 5 WRV abschlie­ßend gere­gelt sind (die unge­schrie­be­ne Vor­aus­set­zung der Recht­streue ist Teil des dort ent­fal­te­ten nor­ma­ti­ven Pro­gramms), exis­tiert auch kei­ner­lei lan­des­recht­li­che Kon­kre­ti­sie­rungs­kom­pe­tenz hin­sicht­lich der Ver­lei­hungs­vor­aus­set­zun­gen. Die hoheit­li­chen Befug­nis­se und sons­ti­gen Pri­vi­le­gi­en kor­po­ra­ti­ver Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten bun­des­recht­li­cher Art sind viel­mehr unmit­tel­bar an den allein nach Bun­des­ver­fas­sungs­recht zu erwer­ben­den Sta­tus der Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts geknüpft. Hier­aus folgt, dass es sich bei der Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus‘ um den Akt eines Lan­des han­delt, des­sen Voll­zug im gan­zen Bun­des­ge­biet Gel­tung bean­sprucht 48.

Dem steht nicht ent­ge­gen, dass Art. 83 GG dem Wort­laut nach nur auf "Bun­des­ge­set­ze" Anwen­dung fin­det. Unter "Bun­des­ge­set­zen" im Sin­ne von Art. 83 GG ver­steht man einen voll­zugs­fä­hi­gen bun­des­recht­li­chen Rechts­akt geschrie­be­ner oder unge­schrie­be­ner Art. Es sind kei­ne Grün­de ersicht­lich, war­um nur förm­li­che Geset­ze und Rechts­ver­ord­nun­gen, nicht aber voll­zugs­fä­hi­ge mate­ri­el­le Ansprü­che aus dem Grund­ge­setz selbst der Rege­lung des Art. 83 GG unter­fal­len soll­ten. Erteilt das Grund­ge­setz, was sel­ten vor­kommt, sol­che Voll­zugs­auf­trä­ge im Sin­ne von Leis­tungs­an­sprü­chen, die admi­nis­tra­tiv durch­ge­führt wer­den müs­sen, so grei­fen die kom­pe­tenz­recht­li­chen Vor­ga­ben des Art. 83 GG 91.

Hier­an ver­mag auch der von der Senats­mehr­heit bemüh­te Ver­gleich mit den Bestim­mun­gen der Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG (Rund­funk­frei­heit) oder Art. 8 Abs. 1 GG (Ver­samm­lungs­frei­heit) nichts zu ändern. Er geht inso­weit fehl, als die her­an­ge­zo­ge­nen Grund­rech­te noch nähe­rer Aus­ge­stal­tung zugäng­lich sind, also ledig­lich – ohne Tref­fen einer Zustän­dig­keits­ent­schei­dung – den­je­ni­gen bin­den, der die Ver­an­stal­tung von Rund­funk­sen­dun­gen oder Ver­samm­lun­gen zu regeln hat 92. Dem­ge­gen­über nor­miert Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV einen ver­fas­sungs­recht­lich abschlie­ßend defi­nier­ten Anspruch, der eine Kon­kre­ti­sie­rungs­be­fug­nis der Län­der aus­schließt.

Zusam­men mit Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 6 und Abs. 8 WRV ergibt sich dar­aus eine schlüs­si­ge Sys­te­ma­tik. Art. 137 Abs. 6 WRV regelt, dass das Steu­er­erhe­bungs­recht der kor­po­rier­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten "nach Maß­ga­be der lan­des­recht­li­chen Bestim­mun­gen" bestehe. Hier­in kommt zum Aus­druck, dass es den Län­dern in die­sem Punkt nicht frei­steht, ob sie den "Man­tel­be­griff" 2 des Kör­per­schafts­sta­tus‘ aus­fül­len; viel­mehr haben sie das Steu­er­erhe­bungs­recht zwin­gend vor­zu­se­hen und aus­zu­ge­stal­ten. Nach Art. 137 Abs. 8 WRV obliegt die gesetz­li­che Kon­kre­ti­sie­rung der Bestim­mun­gen des Art. 137 WRV, soweit dies zu ihrer Durch­füh­rung erfor­der­lich ist, der Lan­des­ge­setz­ge­bung. Dies steht in Ein­klang mit der Annah­me, dass es sich bei dem Anspruch aus Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV um mate­ri­el­les Bun­des­recht han­delt. Die in Art. 137 Abs. 8 WRV ange­spro­che­ne Lan­des­kom­pe­tenz bezieht sich nicht auf die mate­ri­el­len Ver­lei­hungs­vor­aus­set­zun­gen, da die­se bun­des­ver­fas­sungs­recht­lich abschlie­ßend gere­gelt sind, son­dern ledig­lich auf Durch­füh­rungs­re­ge­lun­gen und ent­spricht damit dem Grund­mus­ter der Kom­pe­tenz­ver­tei­lung im Bereich des lan­des­ei­ge­nen Voll­zugs von Bun­des­recht nach Art. 83, Art. 84 Abs. 1 GG.

Nach die­sen Maß­stä­ben steht die künst­li­che Auf­spal­tung des Ver­lei­hungs­ver­fah­rens in die Ent­schei­dung über die Eigen­schaft als juris­ti­sche Per­son des öffent­li­chen Rechts, wel­cher nach der von der Senats­mehr­heit ver­tre­te­nen Auf­fas­sung bun­des­wei­te Gel­tung zukom­men soll – einer­seits – und die Zuer­ken­nung von hier­mit ver­bun­de­nen Rech­ten, wel­che erst durch kon­sti­tu­ti­ve Ent­schei­dung in jedem ein­zel­nen Land erfol­gen soll, im Sin­ne eines Auf­fül­lens einer lee­ren recht­li­chen Hül­le – ande­rer­seits – mit der Ver­fas­sung nicht in Ein­klang.

Die von der Senats­mehr­heit ver­tre­te­ne Zwei­stu­fig­keit der Ver­lei­hung des Kör­per­schafts­sta­tus‘ nach Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV ist offen­sicht­lich von dem Bemü­hen getra­gen, die Hoheits­rech­te der Län­der zu wah­ren und die Eigen­staat­lich­keit der Län­der im Bereich der durch Art. 140 GG inkor­po­rier­ten Arti­kel der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung beson­ders her­vor­zu­he­ben. Abge­se­hen davon, dass auch eini­ge Stim­men in der Lite­ra­tur – jeden­falls soweit der Kern­be­stand der mit dem Kör­per­schafts­sta­tus‘ ver­bun­de­nen Pri­vi­le­gi­en betrof­fen ist und soweit Bun­des­recht am Kör­per­schafts­sta­tus anknüpft – ein kon­sti­tu­ti­ves Zweit­ver­lei­hungs­recht der übri­gen Län­der ableh­nen 93, ist die ein­stu­fi­ge Kon­zep­ti­on nicht nur kom­pe­tenz­recht­lich vor­ge­ge­ben, sie wahrt auch die Hoheits­rech­te der Län­der in gebo­te­nem Maße. Zum einen ist es den Län­dern frei­ge­stellt, über den ver­fas­sungs­recht­li­chen Kern­be­stand und bun­des­recht­li­chen Strauß an Vor­rech­ten und Begüns­ti­gun­gen kor­po­rier­ter Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten hin­aus­ge­hen­de lan­des­spe­zi­fi­sche Pri­vi­le­gi­en an den Sta­tus zu knüp­fen. Zum ande­ren wer­den die Belan­ge der übri­gen Län­der in pro­ze­du­ra­ler und mate­ri­el­ler Hin­sicht im Ver­fah­ren der Sta­tus­ver­lei­hung kor­po­ra­ti­ver Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten berück­sich­tigt. Schließ­lich liegt wegen der kehr­sei­ti­gen Mög­lich­keit der Ent­zie­hung des Sta­tus‘ auch kei­ne unwi­der­ruf­li­che Bin­dung der übri­gen Län­der an die ein­mal getrof­fe­ne Ver­lei­hungs­ent­schei­dung vor.

Von der Fra­ge des Voll­zugs des Bun­des­rechts im Sin­ne der Gewäh­rung der Rech­te einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts im Ein­zel­fall nach Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV zu unter­schei­den ist die Fra­ge nach der Aus­fül­lung des Kör­per­schafts­sta­tus‘. Der Sta­tus einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts ver­mit­telt eine Rei­he öffent­lich-recht­li­cher Befug­nis­se und Begüns­ti­gun­gen 94. Es bleibt den Län­dern anheim­ge­stellt, die­ses "Pri­vi­le­gi­en­bün­del" 95 kor­po­rier­ter Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten – über den ver­fas­sungs­recht­li­chen Kern­be­stand öffent­lich-recht­li­cher Befug­nis­se kor­po­rier­ter Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, zu dem jeden­falls die Dienst­her­ren­fä­hig­keit, das Steu­er­erhe­bungs­pri­vi­leg (folgt schon aus Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 6 WRV) sowie die Wid­mungs­be­fug­nis zäh­len 96, sowie den bun­des­recht­lich vor­ge­se­he­nen Strauß an Vor­rech­ten und Begüns­ti­gun­gen kor­po­rier­ter Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten hin­aus – eigen­ver­ant­wort­lich lan­des­recht­lich zu erwei­tern. Inso­weit steht es den Län­dern frei, von ihren Hoheits­rech­ten im Sin­ne einer Ein­räu­mung öffent­lich-recht­li­cher Befug­nis­se oder sons­ti­ger Pri­vi­le­gi­en zuguns­ten der als Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts aner­kann­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten Gebrauch zu machen.

Ins­ge­samt dürf­te die­se Aus­ge­stal­tungs­kom­pe­tenz der Län­der betref­fend den Kör­per­schafts­sta­tus frei­lich einen Rand­be­reich betref­fen, da das Gros der mit dem Kör­per­schafts­sta­tus ver­knüpf­ten Pri­vi­le­gi­en bereits bun­des­recht­lich vor­ge­se­hen ist, sei es durch grund­ge­setz­li­che Vor­ga­be (wie etwa – aus­drück­lich – beim Steu­er­erhe­bungs­pri­vi­leg nach Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 6 WRV), sei es durch ein­fa­ches Bun­des­recht 94. Das wesent­li­che Geprä­ge des öffent­lich-recht­li­chen Kleids der kor­po­ra­tiv ver­fass­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ergibt sich bereits aus den durch Art. 140 GG inkor­po­rier­ten Arti­keln der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung. Daher über­zeugt auch das von der Senats­mehr­heit bemüh­te Argu­ment nicht, die kon­sti­tu­ti­ve Zweitan­er­ken­nung dür­fe den übri­gen Län­dern schon des­halb nicht genom­men wer­den, weil sie sich die Aus­übung von Hoheits­ge­walt auf ihrem Staats­ge­biet zurech­nen las­sen müss­ten.

Ins­be­son­de­re unbe­grün­det ist die Befürch­tung der Senats­mehr­heit, durch die kon­kre­te Rechts­ver­lei­hung im Sin­ne von Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV mit – soweit bean­tragt – lan­des­über­grei­fen­der oder sogar bun­des­wei­ter Wir­kung wer­de in die Hoheits­rech­te der betrof­fe­nen Län­der ein­ge­grif­fen. Deren Belan­ge wer­den sowohl in pro­ze­du­ra­ler wie in mate­ri­el­ler Hin­sicht im Ver­fah­ren der Sta­tus­ver­lei­hung berück­sich­tigt.

In pro­ze­du­ra­ler Hin­sicht sind die Hoheits­rech­te der durch eine lan­des­über­grei­fen­de oder sogar bun­des­wei­te Gel­tung der Rechts­ver­lei­hung betrof­fe­nen übri­gen Län­der dadurch gewahrt, dass die­se im (von der Senats­mehr­heit sog. "Erst"-) Ver­lei­hungs­ver­fah­ren betei­ligt wer­den. Die Senats­mehr­heit selbst lei­tet die­se pro­ze­du­ra­le Ein­bin­dung aus der ver­fas­sungs­recht­li­chen Pflicht zu bun­des­freund­li­chem Ver­hal­ten ab. Es erscheint nur kon­se­quent, von die­ser – von Ver­fas­sungs wegen gebo­te­nen – Betei­li­gung der übri­gen Län­der auch auf Rechts­wir­kun­gen der Ent­schei­dung in den übri­gen Län­dern zu schlie­ßen.

In mate­ri­el­ler Hin­sicht spricht auch der Prü­fungs­um­fang für ein sin­gu­lä­res Ver­fah­ren der Ver­lei­hung des Sta­tus‘ einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts. Der Umstand, dass bei der Prü­fung der Ver­lei­hungs­vor­aus­set­zun­gen nach Art. 140 GG in Ver­bin­dung mit Art. 137 Abs. 5 Satz 2 WRV, nament­lich bei der unge­schrie­be­nen Vor­aus­set­zung der Gewähr der Recht­streue 97, das gesam­te Bun­des­ge­biet in den Blick zu neh­men ist, legt es nahe, die Rechts­wir­kun­gen eben­falls auf das gesam­te Bun­des­ge­biet zu erstre­cken. Die Senats­mehr­heit erkennt zwar sowohl die umfas­sen­de Sach­ver­halts­auf­klä­rungs­pflicht des prü­fen­den Lan­des, die regel­mä­ßi­ge regio­na­le Unteil­bar­keit der Erfül­lung der unge­schrie­be­nen Ver­lei­hungs­vor­aus­set­zung der Gewähr der Recht­streue als auch die Gefahr diver­gie­ren­der Ent­schei­dun­gen an, zieht hier­aus jedoch nicht die sich auf­drän­gen­de Kon­se­quenz.

Hin­zu­zu­fü­gen ist, dass es jedem dem Gel­tungs­be­reich der Rechts­ver­lei­hung unter­fal­len­den Land unbe­nom­men ist, die Ver­lei­hung wegen Ände­rung der tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se zu wider­ru­fen, etwa wenn die Reli­gi­ons­ge­mein­schaft nicht mehr die erfor­der­li­che Gewähr der Recht­streue bie­tet oder eine sons­ti­ge Ver­lei­hungs­vor­aus­set­zung ent­fal­len ist. Als actus con­tra­ri­us der – län­der­über­grei­fen­de Gel­tung bean­spru­chen­den – Ver­lei­hung zei­tigt ein Wider­ruf der Ver­lei­hung eben­falls län­der­über­grei­fen­de Wir­kung. Wenn aber die Fest­stel­lung des Ent­fal­lens der unge­schrie­be­nen Ver­lei­hungs­vor­aus­set­zung der Gewähr der Recht­streue regel­mä­ßig regio­nal nicht teil­bar sein dürf­te, kann auch die Ent­zie­hung des Kör­per­schafts­sta­tus‘ nur ein­heit­lich erfol­gen.

BVerf'G, Beschluss vom 30. Juni 2015 – 2 BvR 1282/​11

  1. vgl. BVerfGE 102, 370, 371 f.[]
  2. vgl. BVerfGE 102, 370, 388[][][]
  3. VG Ber­lin, NVwZ 1994, 609 ff.[]
  4. OVG Ber­lin, NVwZ 1996, 478 ff.[]
  5. BVerw­GE 105, 117 ff.[]
  6. BVerfGE 102, 370 ff.[]
  7. BVerwG, NVwZ 2001, S. 924 ff.[]
  8. OVG Ber­lin, NVwZ 2005, S. 1450 ff.[]
  9. NJW 2006, S. 3156 ff.[]
  10. abge­druckt bei Weber, Zev­KR 34 (1989), S. 337, 377 ff.[]
  11. VG Stutt­gart – 4 K 920/​11[]
  12. VG Mainz, NVwZ-RR 2012, S. 417 ff.[]
  13. vgl. LTDrucks 17/​819[]
  14. vgl. LTDrucks 17/​1753, S. 2 ff.[]
  15. vgl. LTDrucks 17/​1753, S. 6 ff.[]
  16. vgl. LTDrucks 17/​1753, S. 16[]
  17. vgl. LTDrucks 17/​1753, S. 17 f.[]
  18. vgl. LTDrucks 17/​1753, S. 18 f.[]
  19. vgl. LTDrucks 17/​1753, S.19 ff.[]
  20. LTDrucks 17/​1753, S. 26[]
  21. vgl. Bre­mi­sche Bür­ger­schaft, Beschluss­pro­to­koll Nr. 17/​1568[]
  22. vgl. BVerfGE 6, 257, 264; 23, 242, 259; 56, 54, 70 f.; 129, 124, 176[]
  23. vgl. BVerfGE 42, 312, 321 f.; 53, 366, 387 f.; 125, 39, 73[]
  24. vgl. BVerfGE 93, 1, 16; 102, 370, 382; 105, 279, 294; BVerfG, Beschluss vom 22.10.2014 – 2 BvR 661/​12[]
  25. vgl. BVerfGE 102, 197, 210; 123, 148, 173[]
  26. stRspr; vgl. BVerfGE 42, 312, 325 f.; 53, 366, 390 f.; 57, 220, 241; 70, 138, 162; 99, 100, 119; 102, 370, 384[]
  27. vgl. BVerfGE 102, 370, 386[]
  28. vgl. BVerfGE 19, 206, 219; 19, 226, 236; 111, 10, 50; BVerfG, Beschluss vom 22.10.2014 – 2 BvR 661/​12 83[]
  29. vgl. BVerfGE 42, 312, 322; 102, 370, 387; 125, 39, 74 f., 80[]
  30. BVerfG, Beschluss vom 22.10.2014 – 2 BvR 661/​12 84, vgl. auch Rn. 98 ff.; vgl. auch BVerfGE 33, 23, 30 f.; 42, 312, 322; 83, 341, 354 f.; 99, 100, 119; 125, 39, 77 f.[]
  31. vgl. BVerfGE 102, 370, 387 f.[]
  32. vgl. BVerfG, Beschluss vom 22.10.2014 – 2 BvR 661/​12; vgl. auch BVerfGE 93, 1, 16 f.; 102, 370, 393 f.; 105, 279, 294[]
  33. vgl. BVerfGE 18, 385, 386; 19, 1, 5; 30, 415, 428; 42, 312, 332; 66, 1, 19 f.; 102, 370, 388[]
  34. BVerfGE 83, 341, 357[]
  35. BVerfGE 102, 370, 388[]
  36. vgl. BVerfGE 42, 312, 330[]
  37. BVerfG, Beschluss vom 22.10.2014 – 2 BvR 661/​12[]
  38. vgl. BVerfGE 102, 370, 388, 390 f., 392 ff.[]
  39. vgl. BVerfGE 102, 370, 394[][]
  40. vgl. BVerfGE 33, 23, 29; 102, 370, 394; 105, 279, 294; 108, 282, 300; BVerfG, Beschluss vom 22.10.2014 – 2 BvR 661/​12[]
  41. vgl. BVerfGE 12, 1, 4; 41, 65, 84; 72, 278, 294; 74, 244, 255; 93, 1, 16; 102, 370, 394; 108, 279, 300[]
  42. stRspr seit BVerfGE 1, 14, 34[]
  43. vgl. BVerfGE 12, 205, 244; 108, 169, 179[]
  44. vgl. BVerfGE 11, 6, 19; BVerw­GE 115, 373, 384; Isen­see, in: Isensee/​P. Kirch­hof, Hand­buch des Staats­rechts, Band VI, 3. Aufl.2008, § 126 Rn. 35[]
  45. vgl. BVerw­GE 79, 339, 341 f.[]
  46. vgl. BVerfGE 11, 6, 15; 108, 169, 179[]
  47. vgl. BVerfGE 37, 363, 384 f.; 55, 274, 318 f.; 108, 169, 179[]
  48. vgl. BVerfGE 11, 6, 19[][]
  49. vgl. BVerfGE 12, 205, 255; 13, 54, 75; 21, 312, 326; 42, 103, 117; 81, 310, 337[]
  50. vgl. BVerfGE 32, 199, 218; 43, 291, 348; 81, 310, 337; 104, 249, 269 f.[]
  51. vgl. hier­zu BVerw­GE 37, 344, 351 f.; 115, 373, 384[]
  52. vgl. Hux­dorff, Rechts­fra­gen der Erst- und Zweit­ver­lei­hung des öffent­lich-recht­li­chen Kör­per­schafts­sta­tus an Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, 2013, S. 293[]
  53. vgl. grund­le­gend BVerfGE 12, 205, 242[]
  54. vgl. Hux­dorff, Rechts­fra­gen der Erst- und Zweit­ver­lei­hung des öffent­lich-recht­li­chen Kör­per­schafts­sta­tus an Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, 2013, S. 293 f.[]
  55. vgl. zum Vor­ste­hen­den von Campenhausen/​de Wall, Staats­kir­chen­recht, 4. Aufl.2006, § 5, S. 11 ff., § 6, S. 13 f. sowie § 8, S. 23 ff., jeweils m.w.N.[]
  56. vgl. von Campenhausen/​de Wall, Staats­kir­chen­recht, 4. Aufl.2006, § 10, S. 33[]
  57. vgl. VG Mainz, Urteil vom 26.01.2012 – 1 K 144/​11. MZ19 = NVwZ-RR 2012, S. 417, 418; VG Mün­chen, Urteil vom 13.10.1982, Zev­KR 29 (1984), S. 628, 630 mit zust. Anm. J. Stör­le; Korioth, in: Maunz/​Dürig, GG, Stand: Febru­ar 2003 ((42. Lfg.[]
  58. vgl. auch BVerwG, Urteil vom 28.11.2012 – 6 C 8/​1219 = NVwZ 2013, S. 943, 944[]
  59. vgl. Zacha­ri­as, NVwZ 2007, S. 1257, 1258[]
  60. vgl. Ehlers, in: Sachs, GG, 7. Aufl.2014, Art. 140, Art. 137 WRV Rn. 29; Bohl, Der öffent­lich-recht­li­che Kör­per­schafts­sta­tus der Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, 2001, S. 96[]
  61. vgl. hier­zu BVerfGE 19, 206, 217 f.[]
  62. vgl. BVerfGE 102, 370, 396[]
  63. vgl. BVerfGE 102, 370, 388 ff.[]
  64. vgl. schon BVerwG, Urteil vom 28.11.2012 – 6 C 8/​1219 = NVwZ 2013, S. 943, 944 f. zur Vor­aus­set­zung der "Gewähr auf Dau­er"[]
  65. vgl. BVerfGE 3, 225, 247; stRspr[]
  66. vgl. BVerfGE 3, 225, 247; 7, 183, 188; 9, 268, 279; 22, 106, 111; 34, 52, 59; 95, 1, 15; BVerfG, Beschluss vom 21.10.2014 – 2 BvE 5/​11[]
  67. vgl. BVerfGE 68, 1, 86; 95, 1, 15[]
  68. vgl. BVerfGE 9, 268, 279; 22, 106, 111; 34, 52, 59; 95, 1, 15[]
  69. vgl. BVerfGE 9, 268, 279 f.; 22, 106, 111; 34, 52, 59; 95, 1, 15[]
  70. vgl. BVerfGE 34, 52, 59; 95, 1, 15[]
  71. vgl. BVerfGE 34, 52, 59; 49, 89, 124 ff.; 95, 1, 15 f.[]
  72. vgl. BVerfGE 30, 1, 28; 83, 60, 72; 93, 37, 67; 95, 1, 16[]
  73. BVerfGE 77, 1, 40; 83, 60, 72; 93, 37, 66; 107, 59, 87; 130, 76, 123[]
  74. vgl. BVerfGE 83, 60, 72; 130, 76, 123; stRspr[]
  75. vgl. BVerfGE 9, 268, 280; vgl. auch BVerfGE 30, 1, 27 f.; 95, 1, 15 f.[]
  76. vgl. BVerfGE 95, 1, 17[]
  77. vgl. BVerfGE 95, 1, 17; 134, 33, 88, Rn. 128[]
  78. vgl. BVerfGE 88, 118, 123; 96, 27, 39 f.; 107, 395, 401; 117, 71, 121[]
  79. vgl. BVerfGE 35, 263, 274; 101, 397, 407; 104, 220, 231; stRspr[]
  80. vgl. BVerfGE 107, 395, 413; 115, 81, 92; Ronel­len­fitsch, DÖV 1991, S. 771, 780[]
  81. vgl. BVerfGE 10, 234, 242; 25, 371, 396; 99, 367, 400; 121, 30, 49[]
  82. BVerfGE 13, 225, 229; 25, 371, 396; 99, 367, 400[]
  83. Sachs, in: ders., GG, 7. Aufl.2014, Art.19 Rn.20; Kirch­hof, in: Isensee/​P. Kirch­hof, HStR XII, 3. Aufl.2014, § 267 Rn. 13; Stern, Staats­recht, Bd. III/​2, 1994, § 83 Abs. 2 Nr. 7, S. 731; Bau­ern­feind, DVBl 1976, S.193, 194; Krü­ger, DVBl 1955, S. 791, 791[]
  84. vgl. BVerfGE 134, 33, 89, Rn. 128[]
  85. vgl. BVerfGE 57, 250, 276; 94, 115, 157 f. – abw. Mei­nung[]
  86. vgl. zur his­to­ri­schen Gene­se des Art. 61 LV-Bre­men: Neu­mann, Die Ver­fas­sung der Frei­en Han­se­stadt Bre­men, 1996, Art. 61 Rn. 2[]
  87. vgl. BVerfGE 95, 1, 22[]
  88. LTDrucks 17/​819[]
  89. vgl. nur Ehlers, in: Sachs, GG, 7. Aufl.2014, Art. 140 Rn. 10[]
  90. vgl. BVerfGE 42, 312, 324; Korioth, in: Maunz/​Dürig, GG, Stand: Febru­ar 2003 ((42. Lfg.[]
  91. vgl. Ditt­mann, in: Sachs, GG, 7. Aufl.2014, Art. 83 Rn.19; Pieroth, in: Jarass/​Pieroth, GG, 13. Aufl.2014, Art. 83 Rn. 3, 5; Hömig, in: ders., GG, 10. Aufl.2013, Vor Art. 83 Rn. 2; Haratsch, in: Sodan, GG, 2. Aufl.2011, Art. 83 Rn. 3; Umbach/​Clemens, GG Mit­ar­bei­ter­kom­men­tar und Hand­buch, Bd. II, 2002, Art. 83 Rn. 21. A.A. z.B. Broß/​Mayer, in: v. Münch/​Kunig, GG, 6. Aufl.2012, Art. 83 Rn.19; Bull, in: Stein/­Den­nin­ger/Hoff­mann-Riem, AK-GG, GW 2001, Art. 83 Rn. 26; Groß, in: Friauf/​Höfling, Ber­li­ner Kom­men­tar zum Grund­ge­setz, Bd. IV, Art. 83 Rn. 16; Her­mes, in: Drei­er, GG, Bd. III, 2. Aufl.2008, Art. 83 Rn. 26; Suer­baum, in: Epping/​Hillgruber, Beck­OK GG, Stand: 1.03.2015, Art. 83 Rn. 15; Heitsch, Die Aus­füh­rung der Bun­des­ge­set­ze durch die Län­der, 2001, S. 157[]
  92. vgl. BVerfGE 12, 205, 242[]
  93. vgl. Ehlers, in: Sachs, GG, 7. Aufl.2014, Art. 140 Art. 137 WRV Rn. 29; Ger­mann, in: Epping/​Hillgruber, Beck­OK GG, Stand: 1.03.2015, Art. 140 Rn. 71; Mager, in: v. Münch/​Kunig, GG, Bd. II, 6. Aufl.2012, Art. 140 Rn. 59; Schmahl, in: Sodan, GG, 2. Aufl.2011, Art. 140 Art. 137 WRV Rn. 8; Zacha­ri­as, NVwZ 2007, S. 1257, 1258 ff.. Vgl. auch v. Campenhausen/​Unruh, in: v. Mangold/​Klein/​Starck, GG, Bd. III, 6. Aufl.2010, Art. 137 WRV Rn.207, sowie Bohl, Der öffent­lich-recht­li­che Kör­per­schafts­sta­tus der Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, 2001, S. 96, die zwar von der Not­wen­dig­keit einer Zweit­ver­lei­hung aus­ge­hen, ein eigen­stän­di­ges Prü­fungs­recht des zweit­ver­lei­hen­den Lan­des aber ableh­nen[]
  94. vgl. aus­führ­lich BVerfGE 102, 370, 371 f.[][]
  95. vgl. BVerfGE 102, 370, 371[]
  96. vgl. BVerfGE 102, 370, 388; Rn. 113[]
  97. vgl. BVerfGE 102, 370, 390 ff.[]