Schul­bü­cher vom Job­cen­ter

Die Kos­ten für Schul­bü­cher sind vom Job­cen­ter als Här­te­fall-Mehr­be­darf zu über­neh­men, wenn Schü­ler man­gels Lern­mit­tel­frei­heit ihre Schul­bü­cher selbst kau­fen müs­sen.

Schul­bü­cher vom Job­cen­ter

Die Kos­ten für Schul­bü­cher sind zwar dem Grun­de nach vom Regel­be­darf erfasst, nicht aber in der rich­ti­gen Höhe, wenn kei­ne Lern­mit­tel­frei­heit besteht.

Denn der Ermitt­lung des Regel­be­darfs liegt eine bun­des­wei­te Ein­kom­mens- und Ver­brauchs­stich­pro­be zugrun­de. Deren Ergeb­nis für Schul­bü­cher ist folg­lich nicht auf Schü­ler über­trag­bar, für die anders als in den meis­ten Bun­des­län­dern kei­ne Lern­mit­tel­frei­heit in der Ober­stu­fe gilt.

Daher sind Schul­bü­cher für Schü­ler, die sie man­gels Lern­mit­tel­frei­heit selbst kau­fen müs­sen, durch das Job­cen­ter als Här­te­fall-Mehr­be­darf nach § 21 Absatz 6 SGB II zu über­neh­men. Die­ser Mehr­be­darf wur­de auf­grund der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum Grund­recht auf Gewähr­leis­tung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums aus Arti­kel 1 Absatz 1 GG in Ver­bin­dung mit dem Sozi­al­staats­prin­zip des Arti­kel 20 Absatz 1 GG ein­ge­führt.

Der Här­te­fall-Mehr­be­darf soll Son­der­si­tua­tio­nen, in denen ein höhe­rer, über­durch­schnitt­li­cher Bedarf auf­tritt, und sich der Regel­be­darf als unzu­rei­chend erweist, Rech­nung tra­gen und ist ver­fas­sungs­kon­form aus­zu­le­gen 1.

Aus der Kul­tus­ho­heit der Län­der folgt nichts ande­res. Mög­li­che Kon­flik­te zwi­schen Bund und Län­dern hin­sicht­lich der Finan­zie­rung der Schul­bil­dung dür­fen nach den ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben nicht auf dem Rücken der Schü­ler aus­ge­tra­gen wer­den.

Ein Dar­le­hen nach § 24 Absatz 1 SGB II schei­det aus, weil die­ses einen vom Regel­be­darf zutref­fend erfass­ten Bedarf vor­aus­setzt, was bei feh­len­der Lern­mit­tel­frei­heit gera­de nicht der Fall ist.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 8. Mai 2019 – B 14 AS 6/​18 R und B 14 AS 13/​18 R

  1. BVerfG vom 09.02.2010 – 1 BvL 1/​09, 1 BvL 3/​09, 1 BvL 4/​09BVerfGE 125, 175; BVerfG vom 23.07.2014 – 1 BvL 10/​12, 1 BvL 12/​12, 1 BvR 1691/​13BVerfGE 137, 34[]