Steu­er­klas­sen­wech­sel für höhe­res Eltern­geld ist legal

Ehe­gat­ten dür­fen vor der Geburt eines Kin­des die Steu­er­klas­se wech­seln, um höhe­res Eltern­geld zu bezie­hen. Das hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len jetzt in zwei Urtei­len als ers­tes Lan­des­so­zi­al­ge­richt in Deutsch­land ent­schie­den.

Steu­er­klas­sen­wech­sel für höhe­res Eltern­geld ist legal

Einen Steu­er­klas­sen­wech­sel zur Erhö­hung des Net­to­ein­kom­mens vor der Geburt, nach dem sich die Höhe des Eltern­gelds rich­tet (§ 2 Abs. 1 und Abs. 7 Bun­des­el­tern­geld- und Eltern­zeit­ge­setz – BEEG – ), schlös­sen weder das BEEG noch das Steu­er­recht aus. Ins­be­son­de­re Rechts­miss­brauch kön­ne den betrof­fe­nen Eltern nicht vor­ge­wor­fen wer­den, wenn sie eine lega­le steu­er­recht­li­che Gestal­tungs­mög­lich­keit nutz­ten. Hät­te der Gesetz­ge­ber den Steu­er­klas­sen­wech­sel aus­schlie­ßen wol­len, hät­te er dies im Gesetz bestim­men kön­nen, begrün­de­ten die Esse­ner Rich­ter ihre Urtei­le. Das LSG ver­wies zum Ver­gleich auf die Rege­lung des § 133 Absatz 3 Sozi­al­ge­setz­buch 3 (SGB 3), der einen geziel­ten Steu­er­klas­sen­wech­sel von Ehe­gat­ten zur Erhö­hung des Arbeits­lo­sen­gel­des aus­drück­lich aus­schließt. Dage­gen hät­ten bei der Bera­tung des Eltern­geld­ge­set­zes im Bun­des­tags Abge­ord­ne­te der Regie­rungs­par­tei­en den Wech­sel in eine ande­re Steu­er­klas­se für mög­lich gehal­ten. Eine ent­ge­gen­ste­hen­de Absicht des Gesetz­ge­bers fin­de sich auch sonst weder im Text noch in der amt­li­chen Begrün­dung des Geset­zes. Vor die­sem Hin­ter­grund gebe es kei­ne trag­fä­hi­ge Grund­la­ge, die gesetz­ge­be­ri­sche Ent­schei­dung mit dem wenig greif­ba­ren Argu­ment des Rechts­miss­brauchs zu kor­ri­gie­ren.

Geklagt hat­te im ers­ten Fall eine Beam­tin im Lan­des­dienst, die fünf Mona­te vor der Geburt ihrer Toch­ter von der Lohn­steu­er­klas­se IV in die Klas­se III gewech­selt hat­te. Aller­dings ver­dien­te ihr Ehe­mann nur unwe­sent­lich weni­ger als sie, wes­halb die Steu­er­klas­sen­kom­bi­na­ti­on III/​V bis zum Jah­res­en­de zu einem über­höh­ten Lohn­steu­er­ab­zug geführt hat­te. Ande­rer­seits erhöh­te der Lohn­steu­er­klas­sen­wech­sel den Eltern­geld­an­spruch der Klä­ge­rin ins­ge­samt um rund 1000 Euro, hät­te ihn die zustän­di­ge Eltern­geld­kas­se nicht als miss­bräuch­lich abge­lehnt. Die­se Ableh­nung hat das LSG jetzt, eben­so wie vor ihm das Sozi­al­ge­richt Dort­mund, kor­ri­giert.

Der zwei­te, vom LSG ent­schie­de­ne Fall betraf eine Bank­kauf­frau. Sie war sie­ben Mona­te vor der Geburt ihres Soh­nes von der Lohn­steu­er­klas­se IV in die Lohn­steu­er­klas­se III gewech­selt, obwohl ihr Brut­to­ein­kom­men sogar um 200 Euro gerin­ger war als das ihres Ehe­manns. Der Steu­er­klas­sen­wech­sel erhöh­te ihr Eltern­geld ins­ge­samt um rund 800 Euro.

Bei­de Ent­schei­dun­gen sind noch nicht rechts­kräf­tig, das Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat in bei­den Fäl­len wegen der Bedeu­tung der Rechts­sa­che die Revi­si­on zum Bun­des­so­zi­al­ge­richt zuge­las­sen.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 12.12.2008 – L 13 EG 40/​08
Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 16.01.2009 – L 13 EG 51/​08