UN-Kin­der­rech­te­kon­ven­ti­on ohne Vor­be­hal­te

Im "Über­ein­kom­men über die Rech­te des Kin­des", der Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on der Ver­ein­ten Natio­nen, sind die Rech­te von Kin­dern umfas­send und mit welt­wei­tem Gel­tungs­an­spruch ver­an­kert. Die Kon­ven­ti­on wur­de am 20. Novem­ber 1989 von der Gene­ral­ver­samm­lung der Ver­ein­ten Natio­nen ange­nom­men und trat am 5. April 1992 in Kraft. Bei der Rati­fi­zie­rung der Kon­ven­ti­on hat­te die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land 1989 eine Vor­be­halts­er­klä­rung abge­ge­ben und sie damit für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nur unter bestimm­ten Vor­be­hal­ten in Kraft gesetzt. Sei­ner­zeit hat­ten die über den Bun­des­rat zu betei­li­gen­den Bun­des­län­der die Vor­be­halts­er­klä­rung zur Bedin­gung ihrer Zustim­mung gemacht. Die­se Vor­be­hal­te betraf­fen die inner­staat­li­chen Vor­schrif­ten

UN-Kin­der­rech­te­kon­ven­ti­on ohne Vor­be­hal­te
  • über die gesetz­li­che Ver­tre­tung Min­der­jäh­ri­ger bei der Wahr­neh­mung ihrer Rech­te,
  • über das Sor­ge­recht- und Umgangs­recht bei ehe­li­chen Kin­dern und
  • über die fami­li­en- und erbrecht­li­chen Ver­hält­nis­se nicht­ehe­li­cher Kin­der

Dass Deutsch­land die Kon­ven­ti­on nur unter dem Vor­be­halt der Erklä­rung rati­fi­zier­te, ist von Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen und dem Aus­schuss der Ver­ein­ten Natio­nen für die Rech­te des Kin­des wie­der­holt kri­ti­siert wor­den. Nach­dem der Bun­des­rat am 26. März 2010 der beab­sich­tig­ten Rück­nah­me die­ser Vor­be­halts­er­klä­rung zuge­stimmt hat, hat nun die Bun­des­re­gie­rung am 3. Mai 2010 beschlos­sen, die Vor­be­halts­er­klä­rung zur Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on der Ver­ein­ten Natio­nen zurück­zu­neh­men. Die UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on gilt daher zukünf­tig auch in Deutsch­land unein­ge­schränkt.

Die UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on hat welt­weit die größ­te Akzep­tanz aller UN-Kon­ven­tio­nen. Bis auf zwei Staa­ten – Soma­lia und die USA – haben welt­weit alle 193 Mit­glieds­staa­ten der Ver­ein­ten Natio­nen die Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on rati­fi­ziert, jedoch haben eini­ge Staa­ten die Rati­fi­zie­rung unter Vor­be­hal­ten vor­ge­nom­men, dar­un­ter bis­her auch Deutsch­land. Die Kin­der­rech­te­kon­ven­ti­on legt wesent­li­che Stan­dards zum Schutz der Kin­der welt­weit fest, wobei sie unter Kin­dern alle Men­schen ver­steht, die das 18. Lebens­jahr noch nicht abge­schlos­sen haben. Sie beruht dabei auf vier ele­men­ta­ren Grund­sät­zen:

  • das Über­le­ben und die Ent­wick­lung,
  • die Nicht­dis­kri­mi­nie­rung,
  • die Wah­rung der Inter­es­sen der Kin­der sowie
  • deren Betei­li­gung und Teil­ha­be.

Die UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on zählt in ins­ge­samt 54 Arti­keln zehn Grund­rech­te der Kin­der auf:

  1. das Recht auf Gleich­be­hand­lung und Schutz vor Dis­kri­mi­nie­rung unab­hän­gig von Reli­gi­on, Her­kunft und Geschlecht;
  2. das Recht auf einen Namen und eine Staats­zu­ge­hö­rig­keit;
  3. das Recht auf Gesund­heit;
  4. das Recht auf Bil­dung und Aus­bil­dung;
  5. das Recht auf Frei­zeit, Spiel und Erho­lung;
  6. das Recht, sich zu infor­mie­ren, sich mit­zu­tei­len, gehört zu wer­den und sich zu ver­sam­meln;
  7. das Recht auf eine Pri­vat­sphä­re und eine gewalt­freie Erzie­hung im Sin­ne der Gleich­be­rech­ti­gung und des Frie­dens;
  8. das Recht auf sofor­ti­ge Hil­fe in Kata­stro­phen und Not­la­gen und auf Schutz vor Grau­sam­keit, Ver­nach­läs­si­gung, Aus­nut­zung und Ver­fol­gung;
  9. das Recht auf eine Fami­lie, elter­li­che Für­sor­ge und ein siche­res Zuhau­se;
  10. das Recht auf Betreu­ung bei Behin­de­rung.

Hier­aus lei­tet die UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on sodann wei­te­re Rech­te der Kin­der ab:

  • Rechts­wid­ri­ge Ver­brin­gung von Kin­dern ins Aus­land (Art. 11)
  • Berück­sich­ti­gung des Kin­des­wil­lens (Art. 12)
  • Mei­nungs- und Infor­ma­ti­ons­frei­heit (Art. 13)
  • Gedanken‑, Gewis­sens- und Reli­gi­ons­frei­heit (Art. 14)
  • Ver­ei­ni­gungs- und Ver­samm­lungs­frei­heit (Art. 15)
  • Schutz der Pri­vat­sphä­re und Ehre (Art. 16)
  • Zugang zu den Medi­en, Kin­der- und Jugend­schutz (Art. 17)
  • Ver­ant­wor­tung für das Kin­des­wohl (Art. 18)
  • Schutz vor Gewalt­an­wen­dung, Miss­hand­lung, Ver­wahr­lo­sung (Art. 19)
  • Von der Fami­lie getrennt leben­de Kin­der; Pfle­ge­fa­mi­lie; Adop­ti­on (Art. 20)
  • Adop­ti­on (Art. 21)
  • Flücht­lings­kin­der (Art. 22)
  • För­de­rung behin­der­ter Kin­der (Art. 23)
  • Gesund­heits­vor­sor­ge (Art. 24)
  • Unter­brin­gung (Art. 25)
  • Sozia­le Sicher­heit (Art. 26)
  • Ange­mes­se­ne Lebens­be­din­gun­gen; Unter­halt (Art. 27)
  • Recht auf Bil­dung; Schu­le; Berufs­aus­bil­dung (Art. 28)
  • Bil­dungs­zie­le; Bil­dungs­ein­rich­tun­gen (Art. 29)
  • Min­der­hei­ten­schutz (Art. 30)
  • Betei­li­gung an Frei­zeit, kul­tu­rel­lem und künst­le­ri­schem Leben, staat­li­che För­de­rung (Art. 31)
  • Schutz vor wirt­schaft­li­cher Aus­beu­tung (Art. 32)
  • Schutz vor Sucht­stof­fen (Art. 33)
  • Schutz vor sexu­el­lem Miß­brauch (Art. 34)
  • Maß­nah­men gegen Ent­füh­rung und Kin­der­han­del (Art. 35)
  • Schutz vor sons­ti­ger Aus­beu­tung (Art. 36)
  • Ver­bot der Fol­ter, der Todes­stra­fe, lebens­lan­ger Frei­heits­stra­fe, Rechts­bei­stand­schaft (Art. 37)
  • Schutz bei bewaff­ne­ten Kon­flik­ten; Ein­zie­hung zu den Streit­kräf­ten (Art. 38)
  • Gene­sung und Wie­der­ein­glie­de­rung geschä­dig­ter Kin­der (Art. 39)
  • Behand­lung des Kin­des in Straf­recht und Straf­ver­fah­ren (Art. 40)