Zuerst der Lot­to­ge­winn, dann die Schei­dung

Der von einem Ehe­gat­ten in dem Zeit­raum zwi­schen Tren­nung und Zustel­lung des Schei­dungs­an­trags gemach­te Lot­to­ge­winn ist im Rah­men des Zuge­winn­aus­gleichs zu berück­sich­ti­gen.

Zuerst der Lot­to­ge­winn, dann die Schei­dung

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall schlos­sen die Betei­lig­ten im Juli 1971 die Ehe, aus der drei mitt­ler­wei­le erwach­se­ne Kin­der her­vor­ge­gan­gen sind. Sie trenn­ten sich im August 2000. Spä­tes­tens seit dem Jahr 2001 lebt der Antrags­geg­ner mit sei­ner jet­zi­gen Part­ne­rin zusam­men. Im Novem­ber 2008 erziel­te er zusam­men mit sei­ner Lebens­ge­fähr­tin einen Lot­to­ge­winn von ins­ge­samt 956.333,10 €. Auf den der Antrag­stel­le­rin am 31. Janu­ar 2009 zuge­stell­ten Schei­dungs­an­trag wur­de die Ehe durch Ver­bund­ur­teil vom 23. Okto­ber 2009 rechts­kräf­tig geschie­den, der Ver­sor­gungs­aus­gleich gere­gelt und der Antrags­geg­ner zur Unter­halts­leis­tung an die Antrag­stel­le­rin bis März 2014 ver­pflich­tet. Im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ver­langt die Antrag­stel­le­rin Zuge­winn­aus­gleich in Höhe von ins­ge­samt 242.500 € unter Berück­sich­ti­gung der Hälf­te des auf den Antrags­geg­ner ent­fal­len­den Anteils an dem Lot­to­ge­winn.

Das erst­in­stanz­lich mit der Fami­li­en­sa­che befass­te Amts­ge­richt Mön­chen­glad­bach hat den Lot­to­ge­winn bei der Berech­nung des End­ver­mö­gens des Antrags­geg­ners berück­sich­tigt und dem Antrag der Antrag­stel­le­rin in vol­lem Umfang statt­ge­ge­ben 1. Auf die Beschwer­de des Antrags­geg­ners hat das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung abge­än­dert, den Antrags­geg­ner ledig­lich zur Zah­lung von knapp 8.000 € ver­ur­teilt und den Antrag im Übri­gen zurück­ge­wie­sen 2.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun auf die Rechts­be­schwer­de der Antrag­stel­le­rin den Beschluss des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf auf­ge­ho­ben und die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung des Amts­ge­richts wie­der­her­ge­stellt:

Für den von der Antrag­stel­le­rin gel­tend gemach­ten Anspruch auf Zuge­winn­aus­gleich war im vor­lie­gen­den Fall zum einen von Bedeu­tung, ob der vom Antrags­geg­ner erziel­te Lot­to­ge­winn als pri­vi­le­gier­tes Anfangs­ver­mö­gen ent­spre­chend § 1374 Abs. 2 BGB bei der Berech­nung des Zuge­winns unbe­rück­sich­tigt bleibt. Der Bun­des­ge­richts­hof hat im Anschluss an sei­ne frü­he­re Recht­spre­chung ent­schie­den, dass ein wäh­rend der Zeit des Getrennt­le­bens von einem Ehe­part­ner erziel­ter Lot­to­ge­winn nicht in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 1374 Abs. 2 BGB als pri­vi­le­gier­ter Ver­mö­gens­zu­wachs ange­se­hen wer­den kann, schon weil die­sem Ver­mö­gens­er­werb kei­ne der Erb­schaft oder Schen­kung ver­gleich­ba­re per­sön­li­che Bezie­hung zugrun­de liegt.

Zum ande­ren muss­te der Bun­des­ge­richts­hof klä­ren, ob der Antrags­geg­ner die Zah­lung des Zuge­winn­aus­gleichs wegen gro­ber Unbil­lig­keit gemäß § 1381 Abs. 1 BGB ver­wei­gern kann. Dies hat der Bun­des­ge­richts­hof ver­neint. Allein eine län­ge­re Tren­nungs­zeit der Ehe­gat­ten im Zeit­punkt des Ver­mö­gens­er­werbs begrün­det noch kei­ne unbil­li­ge Här­te der Aus­gleichs­pflicht. Glei­ches gilt für den Umstand, dass der durch den Lot­to­ge­winn erziel­te Ver­mö­gens­zu­wachs kei­ne inne­re Bezie­hung zur ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft hat, weil das Recht des Zuge­winn­aus­gleichs, abge­se­hen von den in § 1374 Abs. 2 BGB genann­ten Aus­nah­men, bewusst nicht nach der Art des Ver­mö­gens­er­werbs unter­schei­det. Auch eine Gesamt­schau die­ser bei­den Umstän­de führt nicht zur Annah­me einer gro­ben Unbil­lig­keit, zumal die Ehe der Betei­lig­ten bei der Tren­nung bereits 29 Jah­re bestand und aus der Ehe drei Kin­der her­vor­ge­gan­gen sind.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Okto­ber 2013 – XII ZB 277/​12

  1. AG Mön­chen­glad­bach, Beschluss vom 29.06.2011 – 39 F 232/​10[]
  2. OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 09.12.2011 – II-5 UF 183/​11[]