CETA-Frei­han­dels­ab­kom­men mit Kana­da – und kei­ne Ein­wän­de aus Karlsruhe

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat eine Organ­kla­ge der Frak­ti­on DIE LINKE im Deut­schen Bun­des­tag ver­wor­fen, mit dem sich die Lin­ken-Frak­ti­on gegen die Zustim­mung des Deut­schen Bun­des­ta­ges zur vor­läu­fi­gen Anwen­dung des CETA-Frei­han­dels­ab­kom­mens zwi­schen der Euro­päi­schen Uni­on und Kana­da („Com­pre­hen­si­ve Eco­no­mic and Tra­de Agree­ment“ – CETA) wandte. 

CETA-Frei­han­dels­ab­kom­men mit Kana­da – und kei­ne Ein­wän­de aus Karlsruhe

Das CETA vor dem Deut­schen Bundestag

Der Bun­des­tag befass­te sich über einen län­ge­ren Zeit­raum mit den Ver­hand­lun­gen zu CETA. Das Abkom­men war Gegen­stand von Ple­nar­sit­zun­gen, Sit­zun­gen des Aus­schus­ses für Wirt­schaft und Ener­gie und zehn wei­te­rer mit­be­ra­ten­der Aus­schüs­se, meh­re­rer Sach­ver­stän­di­gen­an­hö­run­gen und Fach­ge­sprä­chen mit dem kana­di­schen Chef­un­ter­händ­ler Ver­heul, der EU-Kom­mis­sa­rin Malm­ström und der kana­di­schen Han­dels­mi­nis­te­rin Freeland.

Am 10.05.2016 bean­trag­ten die Frak­ti­on DIE LINKE im Deut­schen Bun­des­tag und zehn ihrer Abge­ord­ne­ten, der Antrags­geg­ner wol­le eine Stel­lung­nah­me zu CETA beschlie­ßen und die Bun­des­re­gie­rung auf­for­dern, im Rat der Euro­päi­schen Uni­on den Beschluss über die vor­läu­fi­ge Anwen­dung von CETA abzu­leh­nen1.

Am 5.07.2016 bean­trag­ten die Frak­ti­on DIE LINKE und acht ihrer Abge­ord­ne­ten, der Antrags­geg­ner wol­le beschlie­ßen, fest­zu­stel­len, dass CETA mit­glied­staat­li­che Kom­pe­ten­zen berüh­re und in die Ange­le­gen­hei­ten der Län­der ein­grei­fe. Der Antrags­geg­ner sol­le daher die Bun­des­re­gie­rung auf­for­dern, dafür Sor­ge zu tra­gen, dass CETA als gemisch­tes Abkom­men neben dem Antrags­geg­ner auch dem Bun­des­rat zur Abstim­mung vor­ge­legt wer­de2.

Der Aus­schuss für Ener­gie und Wirt­schaft des Deut­schen Bun­des­ta­ges hör­te in sei­ner 87. Sit­zung am 5.09.2016 Sach­ver­stän­di­ge zu ver­fas­sungs- und euro­pa­recht­li­chen Fra­gen und zu inhalt­li­chen Aspek­ten von CETA an und beschloss in sei­ner 88. Sit­zung am 21.09.2016, die Ableh­nung der oben genann­ten Anträ­ge zu emp­feh­len3.

Die Frak­ti­on DIE LINKE und elf ihrer Abge­ord­ne­ten bean­trag­ten am 20.09.2016 unter dem Titel „Gemein­wohl vor Kon­zern­in­ter­es­sen – CETA stop­pen„4, der Antrags­geg­ner wol­le beschlie­ßen, nach Art. 23 Abs. 3 GG Stel­lung zu neh­men und fest­zu­stel­len, dass die Unter­zeich­nung und vor­läu­fi­ge Anwen­dung von CETA in sei­ner bestehen­den Form gegen das Uni­ons­recht und auch das Grund­ge­setz ver­sto­ße. Wei­ter sol­le der Antrags­geg­ner die Bun­des­re­gie­rung auf­for­dern, den deut­schen Ver­tre­ter im Minis­ter­rat anzu­wei­sen, den Vor­schlag der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on für einen Beschluss des Rates über die vor­läu­fi­ge Anwen­dung von CETA und den Vor­schlag für einen Beschluss des Rates über die Unter­zeich­nung von CETA abzu­leh­nen, und für den Fall, dass die Beschlüs­se mit qua­li­fi­zier­ter Mehr­heit getrof­fen wür­den und der deut­sche Ver­tre­ter im Rat über­stimmt wür­de, juris­tisch gegen die­se Beschlüs­se vor­zu­ge­hen. Zur Begrün­dung ver­wies der Antrag unter ande­rem dar­auf, dass die von der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on vor­ge­schla­ge­nen Rats­be­schlüs­se ultra vires erge­hen und die Ver­fas­sungs­iden­ti­tät ver­let­zen wür­den5. Ins­be­son­de­re sei eine vor­läu­fi­ge Anwen­dung von CETA nur zuläs­sig, soweit die aus­schließ­li­chen Zustän­dig­kei­ten der Euro­päi­schen Uni­on reich­ten. Es genü­ge daher nicht, das Kapi­tel zum Inves­ti­ti­ons­schutz von der vor­läu­fi­gen Anwen­dung aus­zu­neh­men. Auch für Ver­kehrs­dienst­leis­tun­gen, die gegen­sei­ti­ge Aner­ken­nung von Berufs­qua­li­fi­ka­tio­nen, den Arbeit­neh­mer­schutz und die in CETA vor­ge­se­he­nen Ver­trags­or­ga­ne mit ihren weit­rei­chen­den Zustän­dig­kei­ten sowie für die Regu­lie­rungs­ko­ope­ra­ti­on besit­ze die Euro­päi­sche Uni­on kei­ne aus­schließ­li­che Zustän­dig­keit. Der Wis­sen­schaft­li­che Dienst des Deut­schen Bun­des­ta­ges habe dies zumin­dest für die Bestim­mun­gen über Ver­kehrs­dienst­leis­tun­gen bestä­tigt. Auch sei nicht nach­voll­zieh­bar, war­um das im Früh­jahr 2017 erwar­te­te Ergeb­nis des Gut­ach­tens des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on zum EU-Sin­ga­pur-Abkom­men (EUSFTA) – die­ses liegt inzwi­schen vor6 – nicht abge­war­tet wer­de, das eine ers­te Klä­rung zur Reich­wei­te der han­dels­po­li­ti­schen Zustän­dig­kei­ten der Euro­päi­schen Uni­on brin­gen kön­ne7. Die Anträ­ge der Frak­ti­on DIE LINKE bezie­hungs­wei­se ihrer Abge­ord­ne­ten wur­den abge­lehnt8.

Der Antrags­geg­ner nahm statt­des­sen den Antrag der Frak­tio­nen der CDU/​CSU und SPD an, die streit­ge­gen­ständ­li­che Stel­lung­nah­me abzu­ge­ben9. Mit die­ser stell­te er „in Wahr­neh­mung sei­ner Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung“ unter ande­rem fest10:

(…)

Auf Grund­la­ge des Lis­sa­bo­ner Ver­trags ent­schei­den die Mit­glied­staa­ten im EU-Rat auch über die vor­läu­fi­ge Anwen­dung von CETA. Die in der EU-Zustän­dig­keit lie­gen­den Tei­le von CETA dür­fen jedoch erst nach Zustim­mung des Euro­päi­schen Par­la­ments vor­läu­fig ange­wen­det wer­den. Dies ist wich­tig, um dem Abkom­men eine demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on auf EU-Ebe­ne zu ver­schaf­fen. Kei­nes­falls darf die vor­läu­fi­ge Anwen­dung in den Berei­chen erfol­gen, die natio­nal­staat­li­che Kom­pe­ten­zen umfas­sen. Der Deut­sche Bun­des­tag begrüßt die Bereit­schaft der kana­di­schen Regie­rung, der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on und der Bun­des­re­gie­rung im Rah­men des wei­te­ren Ver­fah­rens rechts­ver­bind­li­che Klä­run­gen der noch offe­nen Fra­gen her­bei­zu­füh­ren und setzt sich gleich­falls hier­für ein. Der Deut­sche Bun­des­tag wird im Lich­te des wei­te­ren Pro­zes­ses im Rati­fi­zie­rungs­ver­fah­ren abschlie­ßend über sei­ne Zustim­mung zu CETA entscheiden.

II. Der Deut­sche Bun­des­tag for­dert die Bun­des­re­gie­rung des­halb auf,

  1. den Bun­des­tag zu Ange­le­gen­hei­ten im Zusam­men­hang mit CETA wei­ter­hin umfas­send und früh­zei­tig zu infor­mie­ren. Der Bun­des­tag wird die kom­men­den Bera­tun­gen zu CETA auf euro­päi­scher Ebe­ne und eine ggf. vor­läu­fi­ge Anwen­dung von den in der EU-Zustän­dig­keit lie­gen­den Tei­len des Abkom­mens aktiv und inten­siv beglei­ten. Dazu wird die Bun­des­re­gie­rung den Bun­des­tag über alle Bera­tungs­ge­gen­stän­de, Vor­schlä­ge und Initia­ti­ven, die im Zusam­men­hang mit CETA behan­delt wer­den, unter­rich­ten. Bei Bedarf wird der Deut­sche Bun­des­tag von sei­nem Recht Gebrauch machen, zu Posi­tio­nen der Euro­päi­schen Uni­on Stel­lung zu neh­men. Durch ein größt­mög­li­ches Maß an Trans­pa­renz wird der Deut­sche Bun­des­tag sei­nen Bei­trag zu einer infor­mier­ten öffent­li­chen Debat­te leisten;
  2. in der EU dar­auf hin­zu­wir­ken, dass zwi­schen der EU und Kana­da gemein­sam getrof­fe­ne Ver­ein­ba­run­gen zu CETA im Zuge des wei­te­ren Pro­zes­ses in rechts­ver­bind­li­chen Erklä­run­gen fest­ge­hal­ten werden;
  3. im Rat durch eine Unter­zeich­nung von CETA als gemisch­tem Abkom­men unter den oben genann­ten Maß­ga­ben den Weg zu einem Rati­fi­zie­rungs­ver­fah­ren zu eröff­nen und
  4. durch­zu­set­zen, dass in Abstim­mung zwi­schen EU-Minis­ter­rat, Euro­päi­scher Kom­mis­si­on und Euro­päi­schem Par­la­ment Aus­nah­men von der vor­läu­fi­gen Anwen­dung ver­ein­bart wer­den, wo dies auf­grund von Zustän­dig­kei­ten der EU-Mit­glied­staa­ten recht­lich gebo­ten ist sowie in jedem Fall im Bereich des Inves­ti­ti­ons­schut­zes (Kapi­tel 8). Die aus­ge­nom­me­nen Berei­che kön­nen zur Siche­rung deut­scher und euro­päi­scher Inter­es­sen über die in frü­he­ren Abkom­men aus­ge­nom­me­nen Tei­le hinausgehen.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat mit Urteil vom 13.10.201611 den Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung gegen die Zustim­mung des deut­schen Ver­tre­ters im Rat zur vor­läu­fi­gen Anwen­dung von CETA nach Maß­ga­be der Grün­de abge­lehnt12. Dort hat er aus­ge­führt, dass sich der Beschluss des Rates über die vor­läu­fi­ge Anwen­dung im Haupt­sa­che­ver­fah­ren mög­li­cher­wei­se als Ultra-vires-Akt her­aus­stel­len kön­ne und auch eine Berüh­rung der durch Art. 79 Abs. 3 GG geschütz­ten Ver­fas­sungs­iden­ti­tät nicht aus­ge­schlos­sen sei13. Der Euro­päi­schen Uni­on dürf­te es unter ande­rem an einer Ver­trags­schluss­kom­pe­tenz für Port­fo­li­o­in­ves­ti­tio­nen, den Inves­ti­ti­ons­schutz, den inter­na­tio­na­len See­ver­kehr, die gegen­sei­ti­ge Aner­ken­nung von Berufs­qua­li­fi­ka­tio­nen und den Arbeits­schutz feh­len14. Nicht aus­zu­schlie­ßen sei wei­ter, dass sich der Beschluss des Rates zur vor­läu­fi­gen Anwen­dung von CETA auch inso­weit als Ultra-vires-Akt dar­stel­len könn­te, als mit CETA Hoheits­rech­te auf das Gerichts- und das Aus­schuss­sys­tem wei­ter­über­tra­gen wer­den soll­ten15. Nicht völ­lig aus­ge­schlos­sen erschei­ne fer­ner, dass die Aus­ge­stal­tung des in CETA vor­ge­se­he­nen Aus­schuss­sys­tems die Grund­sät­ze des Demo­kra­tie­prin­zips als Teil der Ver­fas­sungs­iden­ti­tät des Grund­ge­set­zes berüh­re16. Die Risi­ken für die Schutz­gü­ter des Art. 38 Abs. 1 und Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 GG lie­ßen sich jedoch durch unter­schied­li­che Vor­keh­run­gen prak­tisch aus­schlie­ßen. Dem Risi­ko eines Ultra-vires-Akts kön­ne durch Aus­nah­men von der vor­läu­fi­gen Anwen­dung begeg­net wer­den17. Einer etwai­gen Berüh­rung der Ver­fas­sungs­iden­ti­tät (vgl. Art. 79 Abs. 3 GG) durch Kom­pe­tenz­aus­stat­tung und Ver­fah­ren des Aus­schuss­sys­tems kön­ne – jeden­falls im Rah­men der vor­läu­fi­gen Anwen­dung – zum Bei­spiel durch eine inter­in­sti­tu­tio­nel­le Ver­ein­ba­rung, nach der Beschlüs­se gemäß Art. 30.2 Abs. 2 CETA nur auf­grund eines ein­stim­mig ange­nom­me­nen gemein­sa­men Stand­punk­tes nach Art. 218 Abs. 9 AEUV gefasst wer­den, oder ande­re Vor­keh­run­gen begeg­net wer­den18. Zudem müs­se sicher­ge­stellt wer­den, dass Deutsch­land die vor­läu­fi­ge Anwen­dung von CETA auch ein­sei­tig been­den kön­ne19

Das CETA – und die Euro­päi­sche Union

CETA wur­de schließ­lich auch von den Orga­nen der Euro­päi­schen Uni­on als gemisch­tes Abkom­men behan­delt. In der Sit­zung des Rates der Han­dels­mi­nis­ter am 18.10.2016 einig­ten sich die Mit­glied­staa­ten auf Ent­wür­fe von Erklä­run­gen der euro­päi­schen Insti­tu­tio­nen, die gemein­sam mit wei­te­ren Erklä­run­gen der Mit­glied­staa­ten bei der Annah­me des Beschlus­ses über die Unter­zeich­nung von CETA durch den Rat20 in das Rats­pro­to­koll auf­ge­nom­men wur­den21. Dazu gehört unter ande­rem die Erklä­rung Nr. 15 des Rates, in der fest­ge­hal­ten wird: 

Der Rat der Euro­päi­schen Uni­on bestä­tigt, dass die vor­läu­fi­ge Anwen­dung nur für Ange­le­gen­hei­ten gilt, die in den Zustän­dig­keits­be­reich der EU fallen.

Am 28.10.201622 beschloss der Rat der Euro­päi­schen Uni­on die Unter­zeich­nung23 und die vor­läu­fi­ge Anwen­dung von CETA24.

Die vor­läu­fi­ge Anwen­dung wur­de auf fol­gen­de Tei­le von CETA beschränkt bezie­hungs­wei­se fol­gen­de Tei­le wur­den von der vor­läu­fi­gen Anwen­dung aus­ge­nom­men (vgl. Art. 1 Abs. 1 Beschluss 2017/​38 des Rates):

(…)

  1. Nur die fol­gen­den Bestim­mun­gen des Kapi­tels Acht des Abkom­mens (Inves­ti­tio­nen) wer­den vor­läu­fig ange­wen­det, und nur soweit aus­län­di­sche Direkt­in­ves­ti­tio­nen betrof­fen sind: 
    • - Arti­kel 8.1 bis 8.8,
    • Arti­kel 8.13,
    • Arti­kel 8.15 mit Aus­nah­me von des­sen Absatz 3 und
    • Arti­kel 8.16;
  2. die fol­gen­den Bestim­mun­gen des Kapi­tels Drei­zehn des Abkom­mens (Finanz­dienst­leis­tun­gen) wer­den nicht vor­läu­fig ange­wen­det soweit sie Port­fo­lio-Inves­ti­tio­nen, den Inves­ti­ti­ons­schutz oder die Bei­le­gung von Inves­ti­ti­ons­strei­tig­kei­ten zwi­schen Inves­to­ren und Staa­ten betreffen: 
    • Arti­kel 13.2 Absät­ze 3 und 4,
    • Arti­kel 13.3 und Arti­kel 13.4,
    • Arti­kel 13.9 und
    • Arti­kel 13.21;
  3. die fol­gen­den Bestim­mun­gen des Abkom­mens wer­den nicht vor­läu­fig angewendet: 
    • Arti­kel 20.12,
    • Arti­kel 27.3 und Arti­kel 27.4, soweit die­se Arti­kel für Ver­wal­tungs­ver­fah­ren, Über­prü­fung und Rechts­be­helf auf Ebe­ne der Mit­glied­staa­ten gelten,
    • Arti­kel 28.7 Absatz 7;
  4. die vor­läu­fi­ge Anwen­dung der Kapi­tel 22, 23 und 24 des Abkom­mens beach­tet die Auf­tei­lung der Zustän­dig­kei­ten zwi­schen der Uni­on und den Mitgliedstaaten.

Am 30.10.2016 wur­de CETA unter­zeich­net. Das Euro­päi­sche Par­la­ment stimm­te dem Abkom­men in sei­ner Ple­nar­sit­zung vom 15.02.2017 zu. Seit dem 21.09.2017 wird CETA vor­läu­fig ange­wen­det. Die Rati­fi­ka­ti­on durch die Mit­glied­staa­ten und den Rat der Euro­päi­schen Uni­on steht noch aus.

Das Ver­fah­ren vor dem Bundesverfassungsgericht

Die Organ­kla­ge der Linken-Fraktion

Mit Schrift­satz vom 27.09.2016 hat die Frak­ti­on DIE LINKE Organ­kla­ge erho­ben und einen Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung gestellt. Letz­te­ren hat sie mit Schrift­satz vom 24.10.2016 für erle­digt erklärt. Sie begehrt die Fest­stel­lung, dass die Stel­lung­nah­me des Deut­schen Bun­des­tags vom 22.09.2016 und die damit ver­bun­de­ne Unter­las­sung einer kon­sti­tu­ti­ven und ver­fas­sungs­recht­lich zuläs­si­gen Zustim­mung zur vor­läu­fi­gen Anwen­dung von CETA das Grund­ge­setz und Rech­te des Deut­schen Bun­des­ta­ges verletze.

Die Bun­des­tags­frak­ti­on hält ihren Antrag für zuläs­sig. Der Antrag sei auf einen zuläs­si­gen Ver­fah­rens­ge­gen­stand gerich­tet. Bereits die Stel­lung­nah­me selbst sei eine rechts­er­heb­li­che Maß­nah­me, habe der Antrags­geg­ner dem deut­schen Ver­tre­ter im Rat der Euro­päi­schen Uni­on damit doch signa­li­siert, dass er der vor­läu­fi­gen Anwen­dung von CETA und sei­ner Unter­zeich­nung zustim­men könne.

Zudem sei­en die Stel­lung­nah­me und mit ihr die – von der Bun­des­tags­frak­ti­on für not­wen­dig erach­te­te – nicht erfolg­te Zustim­mung des Deut­schen Bun­des­tags durch Gesetz hin­sicht­lich der vor­läu­fi­gen Anwen­dung von CETA bezie­hungs­wei­se ein­zel­ner sei­ner Tei­le auch ein rechts­er­heb­li­ches Unter­las­sen (vgl. § 64 Abs. 1 BVerfGG). Die Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung des Deut­schen Bun­des­tags nach Art. 23 GG habe sich inso­weit zu einer kon­kre­ten Hand­lungs­pflicht in dem Sin­ne ver­dich­tet, dass bezüg­lich der vor­läu­fi­gen Anwen­dung von CETA – ana­log zu den Vor­ga­ben des Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tungs­ge­set­zes – eine Ermäch­ti­gung und Wei­sung an den deut­schen Ver­tre­ter im Rat in Geset­zes­form erfor­der­lich gewe­sen oder, all­ge­mei­ner, hät­te sicher­ge­stellt wer­den müs­sen, dass es zu kei­nem Han­deln ultra vires und zu kei­ner Berüh­rung der Ver­fas­sungs­iden­ti­tät komme.

Die Antrags­be­fug­nis der Bun­des­tags­frak­ti­on erge­be sich dar­aus, dass die Mit­wir­kungs­rech­te des Deut­schen Bun­des­tags aus Art. 23 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 2 GG beein­träch­tigt sei­en. Die ange­grif­fe­ne Stel­lung­nah­me siche­re die Rech­te des Deut­schen Bun­des­tags im Ent­schei­dungs­pro­zess über die vor­läu­fi­ge Anwen­dung von CETA nicht hin­rei­chend. Die vor­läu­fi­ge Anwen­dung des Abkom­mens sei – unge­ach­tet mög­li­cher Beschrän­kun­gen gemäß dem Ent­wurf eines Rats­be­schlus­ses vom 16.09.2016 – ein Ultra-vires-Akt, der über­dies durch Art. 79 Abs. 3 GG geschütz­te Grund­sät­ze ver­let­ze. Zudem wer­de die Zustim­mung zur vor­läu­fi­gen Anwen­dung eines gemisch­ten Abkom­mens, in dem Ver­trags­gre­mi­en mit hoheit­li­chen Befug­nis­sen aus­ge­stat­tet wür­den, der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung des Deut­schen Bun­des­tags nicht gerecht, denn eine sol­che Zustim­mung bedür­fe stets der Geset­zes­form. Das erge­be sich auch aus Art. 23 Abs. 1 Satz 2 und Satz 3 GG. Die Frak­tio­nen könn­ten eine Ver­let­zung die­ser Rech­te im Wege der Pro­zess­stand­schaft gel­tend machen.

Das Rechts­schutz­be­dürf­nis sei gege­ben. Der Organ­streit ste­he in kei­nem Sub­si­dia­ri­täts­ver­hält­nis zu ande­ren poli­ti­schen Handlungsmöglichkeiten.

Der Antrag sei auch begrün­det. Die Stel­lung­nah­me ver­let­ze Rech­te des Deut­schen Bun­des­tags aus Art. 23 Abs. 1 Satz 2 und Satz 3 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 1 und Abs. 2, Art. 23 Abs. 3, Art. 38 und Art. 79 Abs. 2 GG. Die vor­läu­fi­ge Anwen­dung von CETA miss­ach­te die unio­na­le und ver­fas­sungs­recht­li­che Kom­pe­tenz­ord­nung, ent­zie­he für die demo­kra­ti­sche Selbst­be­stim­mung zen­tra­le Poli­tik­be­rei­che der Dis­po­si­ti­on des Deut­schen Bun­des­tags und berüh­re damit die durch Art. 79 Abs. 3 GG geschütz­te Verfassungsidentität.

Der Antrags­geg­ner habe es unter Ver­stoß gegen sei­ne Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung ver­säumt, das Stimm­ver­hal­ten des deut­schen Ver­tre­ters im Rat der Euro­päi­schen Uni­on an eine vor­he­ri­ge gesetz­li­che Ermäch­ti­gung zu bin­den. Nur so sei sicher­zu­stel­len, dass kein Han­deln ultra vires und kei­ne Berüh­rung der Ver­fas­sungs­iden­ti­tät ermög­licht wür­den. Auch müs­se gesi­chert wer­den, dass die vor­läu­fi­ge Anwen­dung nach Art. 218 Abs. 5 AEUV auf Ver­lan­gen der Mit­glied­staa­ten been­det wer­den kön­ne. Dass die Stel­lung­nah­me – von nicht näher bezeich­ne­ten Ein­schrän­kun­gen zu Kapi­tel 8 CETA und der sal­va­to­ri­schen Klau­sel, dass die unio­na­le Kom­pe­tenz­ord­nung beach­tet wer­den möge, abge­se­hen – kei­ne inhalt­li­chen Vor­ga­ben dafür mache, wel­che Berei­che des Abkom­mens von einer vor­läu­fi­gen Anwen­dung aus­zu­neh­men sei­en, sei ver­fas­sungs­wid­rig. Eine sol­che Fest­le­gung hät­te in Form eines Geset­zes getrof­fen wer­den und sich dazu ver­hal­ten müs­sen, wel­che Ver­trags­tei­le kon­kret in die Kom­pe­tenz der Euro­päi­schen Uni­on fal­len („kon­sti­tu­ti­ve Ein­gren­zung“ und „demo­kra­ti­sche Vor­struk­tu­rie­rung“).

Hin­sicht­lich sol­cher Tei­le von CETA, die über Art. 218 Abs. 5 AEUV vor­läu­fig ange­wandt wer­den soll­ten, ohne dass eine Uni­ons­kom­pe­tenz bestün­de, habe es einer spe­zi­fi­schen Über­tra­gung nach Art. 23 Abs. 1 Satz 2 und Satz 3 GG bedurft.

Zur Über­tra­gung von Hoheits­rech­ten auf CETA-Gre­mi­en, die nicht von Art. 218 Abs. 9 AEUV gedeckt sei, habe der Antrags­geg­ner zudem mit qua­li­fi­zier­ter Mehr­heit gemäß Art. 23 Abs. 1 Satz 3 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 2 GG ent­schei­den müs­sen. Das betref­fe ins­be­son­de­re Kapi­tel 26 CETA, das ähn­lich wie Brü­cken­klau­seln im Ver­trag über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on wir­ke. Sofern bei­spiels­wei­se der Gemisch­te CETA-Aus­schuss nach Art. 26.1 Abs. 5 Buch­sta­be e CETA Aus­le­gun­gen des Abkom­mens vor­neh­men kön­ne und sich die­se auch in der Pha­se der vor­läu­fi­gen Anwen­dung auf die Kon­kre­ti­sie­rung von Bestim­mun­gen des Kapi­tels 14 CETA zur Inlän­der­be­hand­lung und Meist­be­güns­ti­gung (vgl. Art. 14.2 Abs. 2 CETA) erstreck­ten, erhal­te der Aus­schuss auch für die­se Pha­se Befug­nis­se, die in den Bereich der mit­glied­staat­li­chen Kom­pe­ten­zen über­grif­fen. Hin­zu kom­me, dass aus­weis­lich von Art. 30.6 Abs. 1 1. Alter­na­ti­ve CETA durch­aus Indi­vi­du­al­rech­te durch das Abkom­men begrün­det wür­den. Auch Art. 26.3 Abs. 2 CETA („vor­be­halt­lich der Erfül­lung etwai­ger inter­ner Anfor­de­run­gen und des Abschlus­ses etwai­ger inter­ner Ver­fah­ren“) schüt­ze die mit­glied­staat­li­chen Rech­te nicht hin­rei­chend, da es kei­ne expli­zi­te Rege­lung die­ser inter­nen Ver­fah­ren gebe. Zudem habe der Gemisch­te CETA-Aus­schuss nach Art. 26.1 Abs. 5 Buch­sta­ben a, g und h CETA die Kom­pe­tenz, die insti­tu­tio­nel­le Struk­tur des im Ver­trag vor­ge­se­he­nen Aus­schuss­we­sens zu verändern.

Mit dem vor­läu­fi­gen Inkraft­tre­ten von CETA änder­ten sich die Ent­schei­dungs­struk­tu­ren in den ein­zel­nen Berei­chen. So wer­de über Art. 218 Abs. 5 AEUV eine dyna­mi­sche Fort­ent­wick­lung ermög­licht, die Sach­be­rei­che in ein völ­ker­recht­li­ches Ent­schei­dungs­ver­fah­ren über­füh­re. Damit könn­ten Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se sogar aus dem Bereich der Euro­päi­schen Uni­on her­aus über­tra­gen wer­den. Es sei daher Auf­ga­be des Gesetz­ge­bers, die Berei­che kon­kret zu kenn­zeich­nen, die einer vor­läu­fi­gen Anwen­dung zuge­führt wer­den sol­len. Für Berei­che, die in die Zustän­dig­keit der Euro­päi­schen Uni­on fie­len, erge­be sich dies aus der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung des Art. 23 Abs. 1 GG, für die Berei­che in natio­na­ler Zustän­dig­keit aus Art. 23 Abs. 1 Satz 2 und Satz 3 GG.

Die Bun­des­tags­frak­ti­on betont, dass sie die vor­läu­fi­ge Anwen­dung von CETA auch im Lich­te der im Ent­wurf eines Rats­be­schlus­ses vom 16.09.2016 vor­ge­se­he­nen Ein­schrän­kun­gen als Ultra-vires-Maß­nah­me erach­te. Der Ent­wurf des Rats­be­schlus­ses rei­che „nicht weit genug, um die Rechts­wid­rig­kei­ten hin­sicht­lich der vor­läu­fi­gen Anwen­dung zu besei­ti­gen“. Auch mit einem der­art ein­ge­schränk­ten Beschluss wür­den dem Antrags­geg­ner maß­geb­li­che Poli­tik­be­rei­che ent­zo­gen, die für die demo­kra­ti­sche Selbst­be­stim­mung zen­tral und durch die Ver­fas­sungs­iden­ti­tät geschützt sei­en. Der Antrags­geg­ner habe daher nicht nur inhalt­li­che Vor­ga­ben für die Ein­schrän­kung der unter die vor­läu­fi­ge Anwen­dung fal­len­den Berei­che machen, son­dern auch eine zeit­li­che Beschrän­kung vor­se­hen und sicher­stel­len müs­sen, sodass die vor­läu­fi­ge Anwen­dung von CETA auf Ver­lan­gen der Mit­glied­staa­ten been­det wer­den könne.

Die man­geln­de Ein­be­zie­hung des Par­la­ments in das Aus­schuss­sys­tem von CETA wider­spre­che dar­über hin­aus dem Demo­kra­tie­prin­zip (vgl. Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 GG) in evi­den­ter und qua­li­fi­zier­ter Wei­se. Das gel­te für die Ein­rich­tung der Ver­trags­gre­mi­en sowie für Art. 21.7 Abs. 5 CETA (Umset­zung von Pro­dukt­war­nun­gen) und Art. 26.1 Abs. 5 Buch­sta­be e CETA (Ent­eig­nungs­schutz). Da Art. 13.2 Abs. 3 CETA, der auf Kapi­tel 8 CETA ver­wei­se, vor­läu­fig anwend­bar sei, wer­de zudem das von der vor­läu­fi­gen Anwen­dung eigent­lich aus­ge­nom­me­ne Kapi­tel über Inves­ti­tio­nen doch wie­der vor­läu­fig anwendbar.

Schließ­lich sei der Pas­sus in der Stel­lung­nah­me, dass „zwi­schen der EU und Kana­da gemein­sam getrof­fe­ne Ver­ein­ba­run­gen zu CETA im Zuge des wei­te­ren Pro­zes­ses in rechts­ver­bind­li­chen Erklä­run­gen fest­ge­hal­ten wer­den“, inhalt­lich zu vage, weil er das „Was“ und das „Wie“ der Umset­zung even­tu­el­ler Begleit­ver­ein­ba­run­gen offenlasse.

In der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Lin­ken-Frak­ti­on klar­ge­stellt, dass der gestell­te Antrag aus­schließ­lich dar­auf abzie­le, dass der Deut­sche Bun­des­tag ein Man­dats­ge­setz sowie beglei­ten­de gesetz­ge­be­ri­sche Maß­nah­men habe erlas­sen müssen. 

Die Stel­lung­nah­me des Deut­schen Bundestages

Der Deut­sche Bun­des­tag erach­tet die Organ­kla­ge der Bun­des­tags-Frak­ti­on DIE LINKE für unzu­läs­sig und unbegründet:

Der Antrag sei unzu­läs­sig, weil er den Anfor­de­run­gen des § 64 Abs. 2 BVerfGG nicht genü­ge. Zudem zei­ge die Bun­des­tags­frak­ti­on kei­nen rechts­er­heb­li­chen Angriffs­ge­gen­stand auf und kön­ne des­halb eine Antrags­be­fug­nis nicht darlegen.

Der Antrag genü­ge nicht den Anfor­de­run­gen des § 64 Abs. 2 BVerfGG, da er nicht die Bestim­mung des Grund­ge­set­zes bezeich­ne, die der Antrags­geg­ner ver­letzt haben sol­le. Eine sol­che Bezeich­nung im Antrag sei jedoch unab­ding­bar, sodass es nicht genü­ge, wenn sich die­se aus der Antrags­be­grün­dung erge­be. Das fol­ge aus dem Urteil des Senats vom 02.06.201525.

Die bean­stan­de­te Unter­las­sung einer „kon­sti­tu­ti­ven“ Zustim­mung zur vor­läu­fi­gen Anwen­dung von CETA durch Gesetz sei nicht rechts­er­heb­lich, da der Antrags­geg­ner zur Vor­nah­me der hier ein­ge­for­der­ten Maß­nah­me von Ver­fas­sungs wegen nicht ver­pflich­tet gewe­sen sei. Aus dem Grund­ge­setz erge­be sich kei­ne Pflicht des Deut­schen Bun­des­tags, den deut­schen Ver­tre­ter im Rat durch Gesetz zur Zustim­mung zu CETA zu ermäch­ti­gen und die Berei­che kon­kret zu benen­nen, in denen eine Zustim­mung unter­sagt sein sol­le. Die Rüge ver­wi­sche ver­schie­de­ne Aspek­te der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung und ver­ken­ne zugleich, dass sich aus dem Inte­gra­ti­ons­ver­fas­sungs­recht allen­falls aus­nahms­wei­se kon­kre­te und unaus­weich­li­che Hand­lungs­pflich­ten ergäben.

Der Begriff der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung ste­he nicht für eine selbst­stän­di­ge Ver­fas­sungs­norm, son­dern knüp­fe an das aus­dif­fe­ren­zier­te Sys­tem von Teil­ha­be, Gestal­tungs- und Kon­troll­kom­pe­ten­zen an. In die­sem Sin­ne sei der Antrags­geg­ner ver­pflich­tet, an der Ver­wirk­li­chung eines ver­ein­ten Euro­pas dadurch mit­zu­wir­ken (vgl. Art. 23 Abs. 1 Satz 1 GG), dass er für eine „gute Euro­pa­po­li­tik“ sor­ge (vgl. Art. 23 Abs. 2, Abs. 1 Satz 2, Satz 3 GG). So ent­fal­te die Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung eine Legi­ti­ma­ti­ons­funk­ti­on. Zugleich habe der Antrags­geg­ner über die Ein­hal­tung des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms zu wachen und aktiv gegen kom­pe­ten­z­wid­ri­ges Ver­hal­ten vor­zu­ge­hen. Dar­in lie­ge im Rah­men der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung sei­ne Kontrollfunktion.

Die Gesetz­ge­bungs­pflich­ten nach Art. 23 Abs. 1 Satz 2 und Satz 3 GG sei­en Gestal­tungs­ent­schei­dun­gen. Von die­sen sei­en die Betei­li­gungs­rech­te gemäß Art. 23 Abs. 2 und Abs. 3 GG sowie dem Gesetz über die Zusam­men­ar­beit von Bun­des­re­gie­rung und Deut­schem Bun­des­tag in Ange­le­gen­hei­ten der Euro­päi­schen Uni­on (EUZBBG) abzu­gren­zen, die Aus­druck eines varia­blen Sys­tems der infor­mier­ten Mit­wir­kung sei­en. Der Antrags­geg­ner habe zu ent­schei­den, ob er ein­schrei­ten wol­le und kön­ne dabei aus einem brei­ten Spek­trum zwi­schen infor­mel­ler Kom­mu­ni­ka­ti­on und förm­li­cher Stel­lung­nah­me aus­wäh­len. Von Art. 23 Abs. 1a GG abge­se­hen sei die Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung nicht an ein­zel­ne Mit­wir­kungs­ti­tel, Ein­fluss­mo­di und Hand­lungs­for­men gebunden.

Vor die­sem Hin­ter­grund sei der Antrag wohl so zu ver­ste­hen, dass die Bun­des­tags­frak­ti­on ein Gesetz als Aus­fluss der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung ver­lan­ge, das dem deut­schen Ver­tre­ter im Rat die Zustim­mung zur vor­läu­fi­gen Anwen­dung von CETA ermög­li­che („posi­ti­ve Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung“) und Ein­schrän­kun­gen vor­se­hen müs­se, um Rechts­wid­rig­kei­ten hin­sicht­lich der vor­läu­fi­gen Anwen­dung zu besei­ti­gen („nega­ti­ve Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung“).

Hin­sicht­lich einer posi­ti­ven Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung habe die Bun­des­tags­frak­ti­on jedoch nicht dar­ge­tan, dass das bestehen­de Man­dat des deut­schen Ver­tre­ters im Rat nicht bereits die Zustim­mung zur vor­läu­fi­gen Anwen­dung der Über­ein­kunft umfas­se. Auch ein Man­dats­be­gren­zungs­ge­setz im Sin­ne einer nega­ti­ven Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung schul­de der Bun­des­ge­setz­ge­ber nicht. Die Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung ver­dich­te sich hier nicht etwa zu einer sol­chen kon­kre­ten Hand­lungs­pflicht. Ange­sichts des Prin­zips der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung schlös­sen die Man­da­te der deut­schen Ver­tre­ter im Rat eine Begren­zung auf die in den Ver­trä­gen über­tra­ge­nen Zustän­dig­kei­ten (vgl. Art. 4 Abs. 1 EUV) mit ein.

Zudem sei nicht ersicht­lich, dass der Antrags­geg­ner als Inte­gra­ti­ons­ge­setz­ge­ber gehal­ten sei, den Maß­stab zu ante­zi­pie­ren, den der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on – etwa im Rah­men eines Gut­ach­tens nach Art. 218 Abs. 11 AEUV – oder das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bei der Ultra-vires-Kon­trol­le anleg­ten. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt habe im OMT, Urteil26 viel­mehr bestä­tigt, dass eine kon­kre­te Hand­lungs­pflicht des Deut­schen Bun­des­tags erst nach einer ent­spre­chen­den Fest­stel­lung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts bestehe.

Fehl gehe auch die Rüge, dass es für eine Wei­ter­über­tra­gung von Hoheits­rech­ten kei­ne gesetz­li­che Grund­la­ge gebe. CETA-Gre­mi­en könn­ten nur durch Erlass von „sekun­dä­rem inter­na­tio­na­len Recht“ ohne Durch­griffs­wir­kung recht­set­zend tätig wer­den. Die­ses bedür­fe kei­ner spe­zi­fi­schen Legi­ti­ma­ti­on, weil eine sol­che Mög­lich­keit bereits von Art. 218 Abs. 9 AEUV vor­ge­se­hen sei. Eine Befug­nis zur Ergän­zung oder Ände­rung des insti­tu­tio­nel­len Rah­mens sei damit nicht verbunden.

Mit Brü­cken­klau­seln im Sin­ne der Lis­sa­bon, Ent­schei­dung sei die Recht­set­zungs­kom­pe­tenz der CETA-Gre­mi­en nicht zu ver­glei­chen. Brü­cken­klau­seln sei­en auf eine mate­ri­el­le Ver­trags­än­de­rung gerich­tet, wäh­rend es vor­lie­gend allein um nach­ge­ord­ne­te Rechts­ak­te gehe, die den insti­tu­tio­nel­len Rah­men der Über­ein­kunft weder im Sin­ne des Art. 218 Abs. 9 AEUV ergänz­ten noch änder­ten. Das von den CETA-Gre­mi­en gesetz­te Recht sei daher eher dem von der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on erlas­se­nen Ter­tiär­recht als einer Brü­cken­klau­sel vergleichbar.

Eine Ver­pflich­tung zum Erlass eines Man­dats­ge­set­zes bestün­de auch dann nicht, wenn der Rat mit der Beschluss­fas­sung über die vor­läu­fi­ge Anwen­dung von CETA die Gren­zen des Pri­mär­rechts über­schrit­te. In einer sol­chen Ultra-vires-Kon­stel­la­ti­on wür­de eine Ermäch­ti­gung durch Gesetz kei­ne hei­len­de Wir­kung ent­fal­ten. Soweit die Bun­des­tags­frak­ti­on rüge, dass sich der Rats­be­schluss über die vor­läu­fi­ge Anwen­dung nicht in den Gren­zen der Art. 3 Abs. 1 Buch­sta­be e, Art.207 AEUV hal­te, kön­ne sie nicht gel­tend machen, dass es dazu eines Geset­zes bedurft hät­te. Dies ver­ken­ne, dass es ohne eine Ände­rung des Pri­mär­rechts an einer Über­tra­gung von Hoheits­rech­ten fehle.

Der Ein­wand, dass die vor­läu­fi­ge Anwen­dung von CETA Grund­sät­ze ver­let­ze, die zur Ver­fas­sungs­iden­ti­tät zähl­ten, und dass die nicht aus­rei­chen­de Rück-bin­dung des Aus­schuss­sys­tems ins­be­son­de­re dem Demo­kra­tie­prin­zip wider­spre­che, kön­ne die For­de­rung nach einem Man­dats­ge­setz eben­falls nicht begrün­den. Einer­seits sei schon nicht dar­ge­legt, wie ein Man­dats­ge­setz eine Rück­bin­dung der CETA-Gre­mi­en hät­te gewähr­leis­ten sol­len. Ande­rer­seits habe das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bereits fest­ge­stellt, dass der Antrags­geg­ner bei der Wahr­neh­mung sei­ner Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung nicht not­wen­dig in Geset­zes­form vor­ge­hen müs­se. Indem der Antrags­geg­ner in sei­ner Stel­lung­nah­me fest­ge­hal­ten habe, dass er „bei Bedarf (…) von sei­nem Recht Gebrauch machen [wer­de], zu Posi­tio­nen der Euro­päi­schen Uni­on Stel­lung zu neh­men“ und die vor­läu­fi­ge Anwen­dung „aktiv und inten­siv [zu] beglei­ten“, habe er sei­ne Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung „ide­al­ty­pisch eingeleitet“.

Auch dem Risi­ko, dass CETA-Aus­schüs­se ihre Kom­pe­ten­zen zu weit aus­leg­ten, kön­ne der Antrags­geg­ner nicht durch ein vor­sorg­li­ches Gesetz begeg­nen. Viel­mehr müs­se er den Ver­trags­voll­zug beglei­ten, kon­ti­nu­ier­lich beob­ach­ten und auf uner­war­te­te Ent­wick­lun­gen ange­mes­sen reagieren.

Dass die vor­läu­fi­ge Anwen­dung von CETA nach Art. 218 Abs. 5 AEUV auf Ver­lan­gen der Mit­glied­staa­ten nicht been­det wer­den kön­ne, sei eben­falls kei­ne zuläs­si­ge Rüge. Es bestehe kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Pflicht des Deut­schen Bun­des­tags, auf eine Been­di­gungs­mög­lich­keit gera­de in Geset­zes­form hinzuwirken.

Dem Antrag feh­le es schließ­lich am Rechts­schutz­be­dürf­nis, da er in der Sache auf eine all­ge­mei­ne, von den Rech­ten und Pflich­ten des Deut­schen Bun­des­tags los­ge­lös­te Kon­trol­le abziele.

Der Antrag sei auch unbe­grün­det. Eine hin­rei­chend qua­li­fi­zier­te Ver­let­zung des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms sei nicht greif­bar und der wei­te­re Voll­zugs- und Rati­fi­ka­ti­ons­pro­zess ohne gesetz­li­che Vor­ga­ben zu steu­ern gewe­sen. Inso­weit habe der Antrags­geg­ner ein brei­te­res Spek­trum an Handlungsoptionen.

Den allen­falls gebo­te­nen Schutz der Ver­fas­sungs­iden­ti­tät müs­se der Antrags­geg­ner nicht schon bei der Beschluss­fas­sung über die vor­läu­fi­ge Anwen­dung von CETA sicher­stel­len. Zwar sei denk­bar, dass den CETA-Gre­mi­en gewich­ti­ge Fort­ent­wick­lungs­kom­pe­ten­zen zukä­men; sol­chen Risi­ken kön­ne der Antrags­geg­ner aller­dings nicht mit einem Man­dats­ge­setz begeg­nen. Er müs­se viel­mehr gege­be­nen­falls auf Fehl­ent­wick­lun­gen reagie­ren. Dies gel­te auch, soweit die demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on von Gre­mi­en­be­schlüs­sen pre­kär erscheine.

Der Antrags­geg­ner habe schließ­lich nicht ver­säumt sicher­zu­stel­len, „dass die vor­läu­fi­ge Anwen­dung nach Art. 218 Abs. 5 AEUV auf Ver­lan­gen der Mit­glied­staa­ten been­det wer­den“ kön­ne; viel­mehr habe er die Vor­läu­fig­keit der vor­läu­fi­gen Anwen­dung von CETA in der streit­ge­gen­ständ­li­chen Stel­lung­nah­me hin­rei­chend betont.

Die Stel­lung­nah­me der Bundesregierung

Die Bun­des­re­gie­rung hält den Antrag der Lin­ken-Frak­ti­on eben­falls für unzu­läs­sig und unbegründet:

Der Zuläs­sig­keit ste­he ent­ge­gen, dass der Organ­streit kei­ne objek­ti­ve Bean­stan­dungs­kla­ge sei. Rech­te des Deut­schen Bun­des­tags sei­en nicht ver­letzt. Die Bun­des­tags­frak­ti­on über­ge­he die Beson­der­hei­ten, die sich aus der Natur von CETA als gemisch­tem Abkom­men ergä­ben. So wür­den die Tei­le, die nicht in die Zustän­dig­keit der Euro­päi­schen Uni­on fie­len, auch nicht vor­läu­fig ange­wen­det. Dass die ande­ren Tei­le vor­läu­fig ange­wen­det wür­den, berüh­re die Kom­pe­ten­zen des Deut­schen Bun­des­tags nicht. Soweit ersicht­lich, sei in kei­nem Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on eine Beglei­tung, Ermäch­ti­gung oder sonst kon­sti­tu­ti­ve Gesetz­ge­bung im Hin­blick auf die vor­läu­fi­ge Anwen­dung von CETA erfolgt. Im Übri­gen habe der Antrags­geg­ner die­se Aspek­te inten­siv begleitet. 

Der Antrag sei auch unbe­grün­det. Die bis­he­ri­ge Mit­wir­kung des Deut­schen Bun­des­tags an CETA genü­ge den Anfor­de­run­gen des Grund­ge­set­zes. So habe er CETA bereits vor der Ein­lei­tung des Rati­fi­ka­ti­ons­ver­fah­rens als gemisch­tes Abkom­men in einer Viel­zahl von Aus­schuss­sit­zun­gen und durch den Aus­tausch mit zustän­di­gen Akteu­ren der Euro­päi­schen Uni­on, eine wie­der­hol­te Befas­sung des Ple­nums sowie in Sach­ver­stän­di­gen­an­hö­run­gen inten­siv behan­delt. Die Bun­des­re­gie­rung habe den Antrags­geg­ner in Über­ein­stim­mung mit den Vor­ga­ben des Geset­zes über die Zusam­men­ar­beit von Bun­des­re­gie­rung und Deut­schem Bun­des­tag in Ange­le­gen­hei­ten der Euro­päi­schen Uni­on hin­rei­chend infor­miert, um ihn eng in die Bera­tungs­pro­zes­se über die euro­päi­sche Han­dels­po­li­tik einzubinden.

Ein Zustim­mungs­ge­setz sei nicht erfor­der­lich gewe­sen, da mit dem Rats­be­schluss nach Art. 218 Abs. 5 AEUV weder Hoheits­rech­te über­tra­gen noch die euro­päi­schen Grün­dungs­ver­trä­ge wei­ter­ent­wi­ckelt wür­den. CETA sei nicht unmit­tel­bar anwend­bar, sodass auch die Ein­rich­tung von Ver­trags­gre­mi­en kei­ne Rol­le für die Fra­ge spie­le, ob ein Zustim­mungs­ge­setz nach Art. 23 GG erfor­der­lich sei. Beschlüs­se des Gemisch­ten Aus­schus­ses gemäß Art. 26.3 Abs. 2, Art. 30.2 Abs. 2 Satz 2 CETA unter­lä­gen einem Zustim­mungs­vor­be­halt der Vertragsparteien.

Der Antrags­geg­ner habe sich auf sein Mit­wir­kungs­recht nach Art. 23 Abs. 3 GG in Ver­bin­dung mit § 8 EUZBBG kon­zen­triert. Dies sei nicht zu bean­stan­den, da die Form der Befas­sung mit einem unio­na­len Vor­ha­ben und die Ent­schei­dung über die Abga­be einer Stel­lung­nah­me in sei­nem poli­ti­schen Ermes­sen lägen.

Die Unzu­läs­sig­keit der Organklage

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ver­warf den Antrag der Bun­des­tags­frak­ti­on DIE LINKE als unzulässig:

Zuläs­si­ger Gegen­stand eines Organstreitverfahrens

Gemäß Art. 93 Abs. 1 Nr. 1 GG in Ver­bin­dung mit § 13 Nr. 5, §§ 63 ff. BVerfGG ent­schei­det das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt über die Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes aus Anlass von Strei­tig­kei­ten über den Umfang der Rech­te und Pflich­ten eines obers­ten Bun­des­or­gans oder ande­rer Betei­lig­ter, die durch die­ses Grund­ge­setz oder in der Geschäfts­ord­nung eines obers­ten Bun­des­or­gans mit eige­nen Rech­ten aus­ge­stat­tet sind.

Gegen­stand des Organ­streit­ver­fah­rens kann nur eine Maß­nah­me oder ein Unter­las­sen sein. Das zur Nach­prü­fung gestell­te Ver­hal­ten muss rechts­er­heb­lich sein oder sich zumin­dest zu einem die Rechts­stel­lung des Antrag­stel­lers beein­träch­ti­gen­den, rechts­er­heb­li­chen Ver­hal­ten ver­dich­ten kön­nen27. Erfor­der­lich ist, dass die­ser durch die ange­grif­fe­ne Maß­nah­me in sei­nem Rechts­kreis kon­kret betrof­fen ist28. Hand­lun­gen, die nur vor­be­rei­ten­den oder bloß voll­zie­hen­den Cha­rak­ter haben, schei­den als Angriffs­ge­gen­stand im Organ­streit aus29.

Ein Antrag im Organ­streit­ver­fah­ren ist gemäß § 64 Abs. 1 BVerfGG nur zuläs­sig, wenn der Antrag­stel­ler gel­tend macht, dass er oder das Organ, dem er ange­hört, durch eine Maß­nah­me oder Unter­las­sung des Deut­schen Bun­des­tags in sei­nen ihm durch das Grund­ge­setz über­tra­ge­nen Rech­ten und Pflich­ten ver­letzt oder unmit­tel­bar gefähr­det ist. Die Bun­des­tags­frak­ti­on kann als Frak­ti­on des Deut­schen Bun­des­ta­ges im Organ­streit­ver­fah­ren eige­ne Rech­te und Rech­te des Deut­schen Bun­des­ta­ges im Wege der Pro­zess­stand­schaft, das heißt frem­de Rech­te im eige­nen Namen, gel­tend machen30.

Bei dem Organ­streit han­delt es sich um eine kon­tra­dik­to­ri­sche Par­tei­strei­tig­keit31. Er dient der gegen­sei­ti­gen Abgren­zung der Kom­pe­ten­zen von Ver­fas­sungs­or­ga­nen oder ihren Tei­len in einem Ver­fas­sungs­rechts­ver­hält­nis, nicht hin­ge­gen der Kon­trol­le der objek­ti­ven Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit eines bestimm­ten Organ­han­delns32. Kern des Organ­streit­ver­fah­rens ist auf Sei­ten des Antrag­stel­lers die Durch­set­zung der gel­tend gemach­ten eige­nen oder frem­den Rech­te33. Der Organ­streit eröff­net daher nicht die Mög­lich­keit einer objek­ti­ven Bean­stan­dungs­kla­ge34. Für eine all­ge­mei­ne oder umfas­sen­de, von den Rech­ten des Antrag­stel­lers los­ge­lös­te, abs­trak­te Kon­trol­le der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit einer ange­grif­fe­nen Maß­nah­me ist im Organ­streit kein Raum35. Das Grund­ge­setz kennt kei­nen all­ge­mei­nen Geset­zes- oder Ver­fas­sungs­voll­zie­hungs­an­spruch, auf den die Organ­kla­ge gestützt wer­den könn­te36. Auch eine Respek­tie­rung sons­ti­gen (Verfassungs-)Rechts kann im Organ­streit nicht erzwun­gen wer­den; er dient allein dem Schutz der Rech­te der Ver­fas­sungs­or­ga­ne im Ver­hält­nis zuein­an­der, nicht aber einer all­ge­mei­nen Ver­fas­sungs­auf­sicht37. Das Grund­ge­setz hat ins­be­son­de­re den Deut­schen Bun­des­tag als Gesetz­ge­bungs­or­gan, nicht als umfas­sen­des „Rechts­auf­sichts­or­gan“ über die Bun­des­re­gie­rung ein­ge­setzt. Aus dem Grund­ge­setz lässt sich daher auch kein eige­nes Recht des Bun­des­ta­ges dahin­ge­hend ablei­ten, dass jeg­li­ches mate­ri­ell oder for­mell ver­fas­sungs­wid­ri­ge Han­deln der Bun­des­re­gie­rung zu unter­blei­ben habe38.

Mit Rech­ten im Sin­ne des § 64 Abs. 1 BVerfGG sind allein die­je­ni­gen Rech­te gemeint, die dem Antrag­stel­ler oder dem Organ, dem er ange­hört, zur aus­schließ­lich eige­nen Wahr­neh­mung oder zur Mit­wir­kung über­tra­gen sind oder deren Beach­tung erfor­der­lich ist, um die Wahr­neh­mung sei­ner Kom­pe­ten­zen und die Gül­tig­keit sei­ner Akte zu gewähr­leis­ten39.

Für die Zuläs­sig­keit eines Organ­streit­ver­fah­rens erfor­der­lich, aber auch aus­rei­chend ist, dass die von dem Antrag­stel­ler behaup­te­te Ver­let­zung oder unmit­tel­ba­re Gefähr­dung sol­cher ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Rech­te unter Beach­tung der vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­wi­ckel­ten Maß­stä­be nach dem vor­ge­tra­ge­nen Sach­ver­halt mög­lich erscheint40.

Nach § 64 Abs. 2 BVerfGG ist im Antrag zudem die Bestim­mung des Grund­ge­set­zes zu bezeich­nen, gegen die durch die bean­stan­de­te Maß­nah­me oder Unter­las­sung des Deut­schen Bun­des­tags ver­sto­ßen wird41.

Als all­ge­mei­ne Ver­fah­rens­vor­schrift gilt § 23 Abs. 1 BVerfGG auch für das Organ­streit­ver­fah­ren. Die Norm ver­langt eine über die blo­ße Bezeich­nung der Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen des § 64 Abs. 1 und Abs. 2 BVerfGG hin­aus­ge­hen­de nähe­re Sub­stan­ti­ie­rung der Begrün­dung42.

Die ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Prü­fung ist auf den durch den Antrag umschrie­be­nen Ver­fah­rens­ge­gen­stand beschränkt. Aller­dings ist das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bei der Aus­le­gung des Antrags nicht an des­sen Wort­laut gebun­den. Ent­schei­dend ist viel­mehr der eigent­li­che Sinn des mit einem Antrag ver­folg­ten pro­zes­sua­len Begeh­rens43. Die­ser kann sich auch aus der Antrags­be­grün­dung erge­ben44.

Kein Man­dats­ge­setz zuguns­ten der EU

Nach die­sen Maß­stä­ben hat die Bun­des­tags­frak­ti­on weder eine mög­li­che Ver­let­zung ihrer eige­nen Rech­te noch von Rech­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges sub­stan­ti­iert dar­ge­legt, die sie im Wege der Pro­zess­stand­schaft gel­tend machen könnte.

Die Bun­des­tags­frak­ti­on lei­tet aus Art. 23 Abs. 1 GG das Gebot eines iso­lier­ten Man­dats­ge­set­zes jen­seits der Ver­trä­ge ab. Da das Grund­ge­setz ein sol­ches Man­dats­ge­setz nicht vor­sieht, schei­det eine Rechts­ver­let­zung durch das Unter­las­sen eines sol­chen Geset­zes von vorn­her­ein aus . Der Antrag lässt sich auch nicht dahin­ge­hend ver­ste­hen, dass sie rügen woll­te, die Stel­lung­nah­me des Deut­schen Bun­des­tags vom 22.09.2016 stel­le bereits für sich betrach­tet eine nicht hin­rei­chen­de Wahr­neh­mung der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung durch den Bun­des­tag dar. Eine die ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen ver­feh­len­de Wahr­neh­mung der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung durch den Deut­schen Bun­des­tag hat die Bun­des­tags­frak­ti­on im Übri­gen auch nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert gerügt.

Das Grund­ge­setz kennt kein Man­dats­ge­setz, das eine Inan­spruch­nah­me von Hoheits­rech­ten durch die Euro­päi­sche Uni­on oder ande­re zwi­schen­staat­li­che Ein­rich­tun­gen legi­ti­mie­ren könn­te. Nimmt die Euro­päi­sche Uni­on oder eine ande­re Ein­rich­tung Hoheits­rech­te in Über­schrei­tung der ihr in den zugrun­de lie­gen­den Ver­trä­gen ein­ge­räum­ten Kom­pe­ten­zen ein­sei­tig und im Wider­spruch zum gel­ten­den Inte­gra­ti­ons­pro­gramm wahr oder wird durch ihr Han­deln die Iden­ti­tät der Ver­fas­sung berührt, so ist die­ses Han­deln vom Zustim­mungs­ge­setz nicht gedeckt und damit ver­fas­sungs­wid­rig. Ein sol­ches Han­deln bleibt auch dann mit der Ver­fas­sung unver­ein­bar, wenn der deut­sche Ver­tre­ter im Rat in der Form eines Geset­zes ermäch­tigt wür­de, ihm zuzu­stim­men. Eine Hei­lung des Ver­fas­sungs­ver­sto­ßes durch Gesetz ist im Fal­le eines Ultra-vires-Han­delns ohne vor­an­ge­gan­ge­ne Ände­rung der Ver­trä­ge und im Fal­le eines Iden­ti­täts­ver­sto­ßes gar nicht mög­lich. Der Gesetz­ge­ber darf die Bun­des­re­gie­rung auch nicht dazu ermäch­ti­gen, einem Ultra-vires-Akt von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on zuzu­stim­men45.

Eine Ver­let­zung von Rech­ten der Bun­des­tags­frak­ti­on oder des Deut­schen Bun­des­ta­ges durch das Unter­las­sen eines sol­chen Man­dats­ge­set­zes schei­det daher von vorn­her­ein aus. Das gilt auch für die von der Bun­des­tags­frak­ti­on begehr­te Begleit­ge­setz­ge­bung zur vor­läu­fi­gen Anwen­dung von CETA. Dass der Bevoll­mäch­tig­te der Bun­des­tags­frak­ti­on auf Nach­fra­ge in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor­ge­tra­gen hat, er sehe die Grund­la­ge für die Not­wen­dig­keit eines Man­dats­ge­set­zes im vor­lie­gen­den Fall in Art. 23 Abs. 1 GG, nicht in Art. 59 Abs. 2 GG, ändert dar­an nichts.

Das in der münd­li­chen Ver­hand­lung mehr­fach bekun­de­te Anlie­gen der Bun­des­tags­frak­ti­on, aus Art. 23 Abs. 1 GG das Gebot eines iso­lier­ten Man­dats­ge­set­zes jen­seits der Ver­trä­ge abzu­lei­ten, schließt es aus, den Antrag – unter Zugrun­de­le­gung der Antrags­schrift – dahin­ge­hend zu ver­ste­hen, dass sich die Bun­des­tags­frak­ti­on auch gegen den Inhalt der Stel­lung­nah­me des Deut­schen Bun­des­tags vom 22.09.2016 wen­det, um eine nicht hin­rei­chen­de Wahr­neh­mung der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung durch die­sen zu rügen.

Die Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung des Deut­schen Bundestags

Selbst wenn der Antrag in die­ser Wei­se aus­ge­legt wür­de, hät­te die Bun­des­tags­frak­ti­on eine Ver­let­zung der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung jeden­falls nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert gerügt. Sie hat weder aus­rei­chend zum Inhalt der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung des Deut­schen Bun­des­tags vor­ge­tra­gen noch dazu, was in Anse­hung der Stel­lung­nah­me vom 22.09.2016 dar­aus für den vor­lie­gen­den Fall kon­kret folgt.

Wie alle Ver­fas­sungs­or­ga­ne trifft auch den Deut­schen Bun­des­tag eine spe­zi­fi­sche Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung. Die­se fin­det ihre Grund­la­ge in Art. 23 Abs. 1 GG, wonach die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land bei der Ent­wick­lung der Euro­päi­schen Uni­on mit­wirkt, die den dort genann­ten Anfor­de­run­gen genü­gen muss. Die Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung ist dar­auf gerich­tet, bei der Über­tra­gung von Hoheits­rech­ten und der Umset­zung des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms dafür Sor­ge zu tra­gen, dass sowohl das auf der Grund­la­ge von Art. 23 Abs. 1 Satz 2 GG gebil­lig­te Inte­gra­ti­ons­pro­gramm ein­ge­hal­ten als auch die Inte­gri­tät der durch Art. 79 Abs. 3 GG geschütz­ten Ver­fas­sungs­iden­ti­tät gewahrt wird. Wel­che Ver­pflich­tun­gen damit kon­kret ver­bun­den sind, hängt von den Gege­ben­hei­ten des Ein­zel­falls ab.

Der Bun­des­tag wirkt nach Art. 23 Abs. 2 und Abs. 3 GG in Ange­le­gen­hei­ten der Euro­päi­schen Uni­on mit. Aus die­ser spe­zi­fi­schen Aus­prä­gung des Demo­kra­tie­ge­bots ergibt sich ein Recht46, zugleich aber auch eine Pflicht des Par­la­ments47, sei­ne Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung effek­tiv wahr­zu­neh­men48.

Bei der Wahr­neh­mung der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung kommt dem Bun­des­tag grund­sätz­lich ein wei­ter poli­ti­scher Hand­lungs­spiel­raum zu. In der Recht­spre­chung des Senats fin­den sich Aus­sa­gen zur Art und Wei­se, wie die Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung wahr­ge­nom­men wer­den kann bezie­hungs­wei­se im Fal­le von Ultra-vires-Akten oder Iden­ti­täts­ver­let­zun­gen wahr­ge­nom­men wer­den muss.

Bei der Wahr­neh­mung ihrer Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung ent­schei­den die Ver­fas­sungs­or­ga­ne grund­sätz­lich eigen­ver­ant­wort­lich dar­über, wie sie den ihnen oblie­gen­den Schutz­auf­trag erfül­len; sie ver­fü­gen inso­weit über einen wei­ten Ein­schät­zungs, Wer­tungs- und Gestal­tungs­spiel­raum49. Vor­han­de­ne Risi­ken müs­sen sie erwä­gen und poli­tisch ver­ant­wor­ten50.

Eine Ver­let­zung der unter ande­rem auf Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG bezo­ge­nen Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung ist – ähn­lich wie eine Ver­let­zung (ande­rer) grund­recht­li­cher Schutz­pflich­ten – erst gege­ben, wenn es an jeg­li­chen Schutz­vor­keh­run­gen fehlt, die getrof­fe­nen Rege­lun­gen und Maß­nah­men offen­sicht­lich unge­eig­net oder völ­lig unzu­rei­chend sind oder wenn sie erheb­lich hin­ter dem Schutz­ziel zurück­blei­ben51.

Die Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung des Deut­schen Bun­des­ta­ges beschränkt sich nicht auf die Fest­le­gung des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms durch die Über­tra­gung von Hoheits­rech­ten. In deren Fol­ge erwächst ihm auch eine Ver­ant­wor­tung für die damit ermög­lich­te Ent­wick­lung der euro­päi­schen Inte­gra­ti­on, die er in deren wei­te­rem Ver­lauf effek­tiv wahr­neh­men muss52.

Zwar ist im Bereich der Außen- und Euro­pa­po­li­tik nach der Kon­zep­ti­on des Grund­ge­set­zes in ers­ter Linie die Bun­des­re­gie­rung gefor­dert. Dem­ge­gen­über ist die Rol­le des Par­la­ments im außen­po­li­ti­schen Bereich schon aus funk­tio­na­len Grün­den zurück­ge­nom­men53. Der Ver­kehr mit ande­ren Staa­ten, die Ver­tre­tung in inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen, zwi­schen­staat­li­chen Ein­rich­tun­gen und Sys­te­men gegen­sei­ti­ger kol­lek­ti­ver Sicher­heit (vgl. Art. 24 Abs. 2 GG) sowie die Siche­rung der gesamt­staat­li­chen Ver­ant­wor­tung bei der Außen­ver­tre­tung Deutsch­lands lie­gen grund­sätz­lich in den Hän­den der Bun­des­re­gie­rung, die insti­tu­tio­nell und dau­er­haft über die not­wen­di­gen per­so­nel­len, sach­li­chen und orga­ni­sa­to­ri­schen Mög­lich­kei­ten ver­fügt, um auf wech­seln­de äuße­re Lagen zügig und sach­ge­recht zu reagie­ren54.

Die der Bun­des­re­gie­rung anver­trau­te aus­wär­ti­ge Gewalt steht aller­dings nicht außer­halb par­la­men­ta­ri­scher Kon­trol­le55. In Bezug auf den Bereich der Euro­päi­schen Uni­on gibt Art. 23 GG dem Bun­des­tag vor dem Hin­ter­grund der mit der Euro­päi­sie­rung ver­bun­de­nen Gewichts­ver­la­ge­rung zuguns­ten der Exe­ku­ti­ve weit­rei­chen­de Mit­wir­kungs­rech­te56, die das Par­la­ment auf­grund sei­ner Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung aber auch ver­pflich­ten. So sieht Art. 23 Abs. 2 Satz 1 GG für Ange­le­gen­hei­ten der Euro­päi­schen Uni­on eine Mit­wir­kung von Bun­des­tag und Bun­des­rat vor. Das kor­re­spon­diert mit Art. 12 EUV, der den natio­na­len Par­la­men­ten auch uni­ons­recht­lich eine Mit­wir­kung im insti­tu­tio­nel­len Gefü­ge der Euro­päi­schen Uni­on zuweist. Art. 23 Abs. 2 Satz 2 GG ver­pflich­tet die Bun­des­re­gie­rung des­halb, den Bun­des­tag und den Bun­des­rat umfas­send und zum frü­hest­mög­li­chen Zeit­punkt zu unter­rich­ten. Zen­tra­ler, wenn auch nicht aus­schließ­li­cher Bezugs­punkt für die Mit­wir­kung des Bun­des­ta­ges ist die Ver­pflich­tung der Bun­des­re­gie­rung, dem Bun­des­tag vor einer Mit­wir­kung an Recht­set­zungs­ak­ten der Euro­päi­schen Uni­on Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me zu geben (Art. 23 Abs. 3 Satz 1 GG) und die­se Stel­lung­nah­me – die in der Regel als Par­la­ments­be­schluss ergeht – bei den Ver­hand­lun­gen zu berück­sich­ti­gen (Art. 23 Abs. 3 Satz 2 GG).

Kon­kre­ti­siert wer­den die Rech­te des Bun­des­ta­ges durch das Gesetz über die Zusam­men­ar­beit von Bun­des­re­gie­rung und Deut­schem Bun­des­tag in Ange­le­gen­hei­ten der Euro­päi­schen Uni­on und das Gesetz über die Wahr­neh­mung der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges und des Bun­des­ra­tes in Ange­le­gen­hei­ten der Euro­päi­schen Uni­on (Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tungs­ge­setz – IntVG).

Für den Bun­des­tag kommt ein brei­tes Spek­trum an Maß­nah­men in Betracht. Er kann – im Zusam­men­wir­ken mit den ande­ren zustän­di­gen Ver­fas­sungs­or­ga­nen – Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on nach­träg­lich legi­ti­mie­ren, indem er eine – die Gren­zen von Art. 79 Abs. 3 GG wah­ren­de – Ände­rung des Pri­mär­rechts ver­an­lasst und die ultra vires in Anspruch genom­me­nen Hoheits­rech­te gemäß Art. 23 Abs. 1 Satz 2 und Satz 3 GG förm­lich über­trägt. Soweit dies nicht mög­lich oder nicht gewünscht ist, trifft ihn die Pflicht, mit recht­li­chen oder poli­ti­schen Mit­teln auf die Auf­he­bung der vom Inte­gra­ti­ons­pro­gramm nicht gedeck­ten Maß­nah­men hin­zu­wir­ken sowie – solan­ge die Maß­nah­men fort­wir­ken – geeig­ne­te Vor­keh­run­gen dafür zu tref­fen, dass die inner­staat­li­chen Aus­wir­kun­gen der Maß­nah­men so weit wie mög­lich begrenzt blei­ben57.

Hier­zu ver­fügt der Bun­des­tag über eine Rei­he von Mit­teln, derer er sich bedie­nen kann, um sei­ner Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung gerecht zu wer­den58. Dazu zäh­len – gege­be­nen­falls über die Bun­des­re­gie­rung ver­mit­telt – ins­be­son­de­re eine Kla­ge vor dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on (vgl. Art. 263 Abs. 1 AEUV), die Bean­stan­dung der frag­li­chen Maß­nah­me gegen­über den han­deln­den und den sie kon­trol­lie­ren­den Stel­len, das Stimm­ver­hal­ten in den Ent­schei­dungs­gre­mi­en der Euro­päi­schen Uni­on ein­schließ­lich der Aus­übung von Veto­rech­ten, Vor­stö­ße zu Ver­trags­än­de­run­gen (vgl. Art. 48 Abs. 2, Art. 50 EUV) sowie Wei­sun­gen an nach­ge­ord­ne­te Stel­len, die in Rede ste­hen­de Maß­nah­me nicht anzu­wen­den. Der Bun­des­tag kann sich dabei sei­nes Fra­ge, Debat­ten- und Ent­schlie­ßungs­rechts bedie­nen, das ihm zur Kon­trol­le des Han­delns der Bun­des­re­gie­rung in Ange­le­gen­hei­ten der Euro­päi­schen Uni­on zusteht (vgl. Art. 23 Abs. 2 GG). Er kann der Bun­des­re­gie­rung sei­ne Auf­fas­sung jeder­zeit durch Beschluss mit­tei­len (vgl. Art. 40 Abs. 1 Satz 2 GG, § 75 Abs. 1 Buch­sta­be d, Abs. 2 Buch­sta­be c GO-BT) oder – wie im Fal­le des SSM-VO-Geset­zes59 – ein Gesetz erlas­sen. Im Übri­gen kann er sich – je nach Ange­le­gen­heit – auch der Sub­si­dia­ri­täts­kla­ge (vgl. Art. 23 Abs. 1a GG i.V.m. Art. 12 Buch­sta­be b EUV und Art. 8 Sub­si­dia­ri­täts­pro­to­koll), des Enquête­rechts (vgl. Art. 44 GG) oder des Miss­trau­ens­vo­tums (vgl. Art. 67 GG) bedienen.

Bei einem vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt fest­ge­stell­ten Ultra-vires-Han­deln oder einer Berüh­rung der Ver­fas­sungs­iden­ti­tät bedarf es jeden­falls einer Ple­nar­de­bat­te, da der Bun­des­tag sei­ne Reprä­sen­ta­ti­ons­funk­ti­on grund­sätz­lich in sei­ner Gesamt­heit wahr­nimmt. Ent­schei­dun­gen von erheb­li­cher Trag­wei­te wie die Ent­schlie­ßung dar­über, wel­che Wege zur Wie­der­her­stel­lung der Kom­pe­tenz­ord­nung beschrit­ten wer­den sol­len, hat grund­sätz­lich ein Ver­fah­ren vor­aus­zu­ge­hen, das der Öffent­lich­keit Gele­gen­heit bie­tet, ihre Auf­fas­sun­gen aus­zu­bil­den und zu ver­tre­ten, und das die Volks­ver­tre­tung dazu ver­an­lasst, Not­wen­dig­keit und Umfang der zu beschlie­ßen­den Maß­nah­men in öffent­li­cher Debat­te zu klä­ren60.

Die Ver­fas­sungs­or­ga­ne müs­sen sich bei Berüh­run­gen der Ver­fas­sungs­iden­ti­tät sowie offen­sicht­li­chen und struk­tu­rell bedeut­sa­men Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen durch Maß­nah­men von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on (Ultra-vires-Akten) aktiv mit der Fra­ge aus­ein­an­der­set­zen, wie die Kom­pe­tenz­ord­nung wie­der­her­ge­stellt wer­den kann, und eine posi­ti­ve Ent­schei­dung dar­über tref­fen, wel­che Wege dafür beschrit­ten wer­den sol­len61. An einem Ultra-vires-Akt oder einer Iden­ti­täts­ver­let­zung darf er nicht mit­wir­ken62, son­dern muss ihnen ent­ge­gen­tre­ten63. In wel­cher Form dies gesche­hen muss, hängt von den Gesamt­um­stän­den des kon­kre­ten Fal­les ab.

Im vor­lie­gen­den Fall hat sich der Antrags­geg­ner, bevor er die Stel­lung­nah­me vom 22.09.2016 beschloss, über einen län­ge­ren Zeit­raum inten­siv mit CETA aus­ein­an­der­ge­setzt: Dies geschah in zahl­rei­chen Ple­nar­sit­zun­gen64; am 6.07.2016 wur­de zudem eine aktu­el­le Stun­de zu CETA durch­ge­führt65. Dar­über hin­aus hat er sich in einer Viel­zahl von Aus­schuss­sit­zun­gen (ins­be­son­de­re des feder­füh­ren­den Aus­schus­ses für Wirt­schaft und Ener­gie, fer­ner von zehn wei­te­ren mit­be­ra­ten­den Aus­schüs­sen), durch die Anhö­rung von Sach­ver­stän­di­gen66 und durch den Aus­tausch mit zustän­di­gen Akteu­ren Kana­das und der Euro­päi­schen Uni­on67 mit dem Vor­ha­ben befasst.

Die Stel­lung­nah­me vom 22.09.2016, bei der es sich um eine sol­che im Sin­ne von Art. 23 Abs. 3 GG han­delt, ent­hält erkenn­bar inhalt­li­che Vor­ga­ben für die Mit­wir­kung der Bun­des­re­gie­rung im Rat der Euro­päi­schen Uni­on. Sie betont, dass die vor­läu­fi­ge Anwen­dung des CETA kei­nes­falls in den Berei­chen erfol­gen dür­fe, die mit­glied­staat­li­che Kom­pe­ten­zen umfas­sen. Aus­drück­lich adres­siert sie den Inves­ti­ti­ons­schutz, geht aber dar­über hin­aus. Sie for­dert die Bun­des­re­gie­rung auf durch­zu­set­zen, dass in Abstim­mung zwi­schen dem Rat der Euro­päi­schen Uni­on, der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on und dem Euro­päi­schen Par­la­ment Aus­nah­men von der vor­läu­fi­gen Anwen­dung ver­ein­bart wer­den, wo dies auf­grund von Zustän­dig­kei­ten der Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on recht­lich gebo­ten ist.

War­um der Antrags­geg­ner mit sei­ner Stel­lung­nah­me vom 22.09.2016 vor die­sem Hin­ter­grund sei­ne Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung ver­letzt haben soll­te, hat die Bun­des­tags­frak­ti­on nicht dar­ge­tan. Ins­be­son­de­re hat sie sich nicht hin­rei­chend damit aus­ein­an­der­ge­setzt, dass der Antrags­geg­ner im vor­lie­gen­den Fall in Anbe­tracht eines mög­li­chen Ultra-vires-Akts und einer nicht aus­ge­schlos­se­nen Berüh­rung der Ver­fas­sungs­iden­ti­tät68 umfang­reich tätig gewor­den ist, und zwar bevor das Urteil des Senats vom 13.10.201669 vorlag.

Hin­zu kommt, dass die Stel­lung­nah­me des Deut­schen Bun­des­tags im lau­fen­den Abstim­mungs­pro­zess vor Abschluss der Ver­hand­lun­gen über CETA beschlos­sen wor­den ist, in deren Gefol­ge es noch zu zahl­rei­chen Ände­run­gen der anste­hen­den Beschluss­ent­wür­fe gekom­men ist, die dem in der Stel­lung­nah­me for­mu­lier­ten Anlie­gen in erheb­li­chem Umfang Rech­nung getra­gen haben. Auch damit setzt sich die Bun­des­tags­frak­ti­on nicht auseinander.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 2. März 2021 – 2 BvE 4/​16

  1. vgl. BT-Drs. 18/​8391[]
  2. vgl. BT-Drs. 18/​9030[]
  3. vgl. BT-Drs. 18/​9697 und 18/​9703[]
  4. vgl. BT-Drs. 18/​9665[]
  5. vgl. BT-Drs. 18/​9665, S. 1[]
  6. vgl. EuGH, Gut­ach­ten 2/​15 vom 16.05.2017, Frei­han­dels­ab­kom­men zwi­schen der Euro­päi­schen Uni­on und der Repu­blik Sin­ga­pur, EU:C:2017:376[]
  7. vgl. BT-Drs. 18/​9665, S. 4[]
  8. vgl. BT-Ple­nar­pro­to­koll 18/​190 vom 22.09.2016, S. 18794, 18800 ff.[]
  9. vgl. BT-Ple­nar­pro­to­koll 18/​190 vom 22.09.2016, S. 18803 ff.[]
  10. BT-Drs. 18/​9663, S. 3[]
  11. BVerfG, Urteil vom 13.10.2016 – 2 BvR 1368/​16, 2 BvR 1444/​16, 2 BvR 1482/​16, 2 BvR 1823/​16 und 2 BvE 3/​16[]
  12. vgl. BVerfGE 143, 65 <66>[]
  13. vgl. BVerfGE 143, 65 <93 Rn. 50>[]
  14. vgl. BVerfGE 143, 65 <93 ff. Rn. 52 ff.>[]
  15. vgl. BVerfGE 143, 65 <95 Rn. 58>[]
  16. vgl. BVerfGE 143, 65 <95 ff. Rn. 59 ff.>[]
  17. vgl. BVerfGE 143, 65 <98 ff. Rn. 67 ff.>[]
  18. vgl. BVerfGE 143, 65 <100 Rn. 71>[]
  19. vgl. BVerfGE 143, 65 <100 f. Rn. 72>[]
  20. vgl. Rats­do­ku­ment 10972/​1/​16 REV 1 vom 26.10.2016[]
  21. vgl. Rats­do­ku­ment 13463/​1/​16 REV 1 vom 27.10.2016; vgl. hier­zu auch BVerfGE 144, 1 <7 ff. Rn. 12>[]
  22. vgl. Pres­se­mit­tei­lung des Rates 623/​16[]
  23. vgl. Beschluss 2017/​37 des Rates vom 28.10.2016 über die Unter­zeich­nung – im Namen der Euro­päi­schen Uni­on – des umfas­sen­den Wirt­schafts- und Han­dels­ab­kom­mens zwi­schen Kana­da einer­seits und der Euro­päi­schen Uni­on und ihren Mit­glied­staa­ten ande­rer­seits, ABl EU Nr. L 11 vom 14.01.2017, S. 1 f.[]
  24. vgl. Beschluss 2017/​38 des Rates vom 28.10.2016, a.a.O., S. 1080 f.[]
  25. vgl. BVerfGE 139, 194[]
  26. vgl. BVerfGE 142, 123 <207 Rn. 162>[]
  27. vgl. BVerfGE 13, 123 <125> 57, 1 <4 f.> 60, 374 <381> 97, 408 <414> 118, 277 <317> 120, 82 <96> 138, 45 <59 f. Rn. 27> 150, 194 <199 f. Rn. 17> 152, 8 <19 f. Rn. 27>[]
  28. vgl. BVerfGE 124, 161 <185> 138, 45 <59 f. Rn. 27> 150, 194 <199 f. Rn. 17>[]
  29. vgl. BVerfGE 97, 408 <414> 120, 82 <96> 150, 194 <199 f. Rn. 17>[]
  30. stRspr; vgl. BVerfGE 152, 8 <18 Rn. 25> m.w.N.[]
  31. vgl. BVerfGE 126, 55 <67> 138, 256 <258 f. Rn. 4> 150, 194 <200 Rn. 18> 152, 8 <20 Rn. 28>[]
  32. vgl. BVerfGE 104, 151 <193 f.> 118, 244 <257> 126, 55 <67 f.> 140, 1 <21 f. Rn. 58> 143, 1 <8 Rn. 29> 150, 194 <200 Rn. 18> 152, 8 <20 Rn. 28>[]
  33. vgl. BVerfGE 67, 100 <126> 124, 78 <113> 143, 101 <132 Rn. 104> 150, 194 <200 Rn. 18> 152, 8 <20 Rn. 28> vgl. auch Lenz/​Hansel, BVerfGG, 3. Aufl.2020, § 64 Rn.19[]
  34. vgl. BVerfGE 118, 277 <319> 126, 55 <68> 138, 256 <259 Rn. 5> 140, 1 <21 f. Rn. 58> 150, 194 <200 Rn. 18> 152, 8 <20 Rn. 28>[]
  35. vgl. BVerfGE 73, 1 <30> 80, 188 <212> 104, 151 <193 f.> 118, 277 <318 f.> 136, 190 <192 Rn. 5> 150, 194 <200 Rn. 18> 152, 8 <20 Rn. 28>[]
  36. vgl. Beth­ge, in: Maun­z/­Schmidt-Bleib­treu/­Klein/­Be­th­ge, BVerfGG, § 64 Rn. 63[]
  37. vgl. BVerfGE 100, 266 <268> 118, 277 <319> 150, 194 <200 f. Rn. 18> 152, 8 <20 f. Rn. 28>[]
  38. vgl. BVerfGE 68, 1 <72 f.> 126, 55 <68> 150, 194 <201 Rn. 18>[]
  39. vgl. BVerfGE 68, 1 <73> 150, 194 <201 Rn.19> 152, 8 <21 Rn. 28>[]
  40. vgl. BVerfGE 138, 256 <259 Rn. 6> 140, 1 <21 f. Rn. 58> 150, 194 <201 Rn.20> 152, 8 <21 Rn. 29>[]
  41. vgl. BVerfGE 134, 141 <192 Rn. 149> 138, 102 <108 Rn. 23> 139, 194 <220 Rn. 97> 150, 194 <201 Rn. 21>[]
  42. vgl. BVerfGE 24, 252 <258> 123, 267 <339> 152, 55 <61 Rn. 18>[]
  43. vgl. BVerfGE 68, 1 <68> 129, 356 <364> 150, 194 <199 Rn. 15>[]
  44. vgl. BVerfGE 68, 1 <64> 136, 277 <301 f. Rn. 66> 150, 194 <199 Rn. 15>[]
  45. BVerfGE 151, 202 <297 f. Rn. 144>[]
  46. vgl. BVerfGE 131, 152 <196 ff.> 132, 195 <260 Rn. 156, 271 f. Rn. 181 f.> 135, 317 <402 f. Rn. 166, 420 Rn. 213, 428 Rn. 232 f.>[]
  47. vgl. BVerfGE 134, 366 <395 Rn. 49> 146, 216 <251 Rn. 49> Brand, Euro­pa­po­li­ti­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Bun­des­tag und Bun­des­re­gie­rung, 2015, S. 242 ff.; Heintschel/​v. Heinegg/​Frau, in: Beck­OK GG, Art. 23 Rn. 37 <15.11.2020> Jarass, in: ders./Pieroth, GG, 16. Aufl.2020, Art. 23 Rn. 50; Streinz, in: Sachs, GG, 8. Aufl.2018, Art. 23 Rn. 112[]
  48. vgl. BVerfGE 134, 366 <395 f. Rn. 48 f.> 146, 216 <250 ff. Rn. 47 ff.>[]
  49. vgl. BVerfGE 125, 39 <78> 151, 202 <299 Rn. 148> BVerfG, Urteil des Zwei­ten Senats vom 05.05.2020 – 2 BvR 859/​15 u.a., Rn. 109[]
  50. vgl. BVerfGE 151, 202 <299 Rn. 148>[]
  51. vgl. BVerfGE 142, 123 <210 f. Rn. 169> 151, 202 <299 Rn. 148>[]
  52. vgl. etwa BVerfGE 151, 202 <287 Rn. 121, 332 f. Rn. 218, 371 f. Rn. 312>[]
  53. vgl. BVerfGE 104, 151 <207> 131, 152 <195>[]
  54. vgl. BVerfGE 68, 1 <87> 104, 151 <207> 131, 152 <195>[]
  55. vgl. BVerfGE 104, 151 <207> 131, 152 <195> vgl. fer­ner BVerfGE 49, 89 <125> 68, 1 <89> 90, 286 <364>[]
  56. vgl. BVerfGE 131, 152 <196 ff.>[]
  57. vgl. BVerfGE 134, 366 <395 f. Rn. 49> 142, 123 <211 Rn. 170> 151, 202 <299 Rn. 149> BVerfG, Urteil des Zwei­ten Senats vom 05.05.2020 – 2 BvR 859/​15 u.a., Rn. 109, 231[]
  58. vgl. BVerfGE 142, 123 <211 f. Rn. 171>[]
  59. vgl. BVerfGE 151, 202 <371 f. Rn. 311 f.>[]
  60. vgl. BVerfGE 142, 123 <212 f. Rn. 172 f.>[]
  61. vgl. zuletzt BVerfG, Urteil des Zwei­ten Senats vom 05.05.2020 – 2 BvR 859/​15 u.a., Rn. 107, 231[]
  62. vgl. BVerfGE 151, 202 <297 f. Rn. 144, 321 Rn.194>[]
  63. vgl. BVerfGE 142, 123 <207 f. Rn. 163 ff.> 151, 202 <276 Rn. 94>[]
  64. vgl. Ple­nar­sit­zun­gen am 22.05.2014 ; am 25.09.2014 ; am 16.01.2015 ; am 27.02.2015 ; am 12.06.2015 ; am 10.09.2015 ; am 1.10.2015 ; am 13.11.2015 ; am 4.12.2015 sowie am 13.05.2016[]
  65. vgl. BT-Ple­nar­pro­to­koll 18/​182, S. 17934 ff.[]
  66. vgl. u.a. Pro­to­koll der 6. Sit­zung des Aus­schus­ses für Umwelt, Natur­schutz, Bau und Reak­tor­si­cher­heit vom 19.02.2014 ; Pro­to­koll der 25. Sit­zung des Aus­schus­ses für Wirt­schaft und Ener­gie vom 15.12.2014 ; Pro­to­koll der 89. Sit­zung des Aus­schus­ses für Umwelt, Natur­schutz, Bau und Reak­tor­si­cher­heit vom 06.07.2016 ; Pro­to­koll der 87. Sit­zung des Aus­schus­ses für Wirt­schaft und Ener­gie vom 05.09.2016[]
  67. u.a. Gesprä­che des Aus­schus­ses für Wirt­schaft und Ener­gie mit dem kana­di­schen Chef­un­ter­händ­ler Ver­heul am 8.10.2014, mit der EU-Kom­mis­sa­rin Malm­ström am 14.01.2016 und mit der kana­di­schen Han­dels­mi­nis­te­rin Free­land am 14.04.2016[]
  68. vgl. BVerfGE 143, 65 <95 Rn. 50 ff.>[]
  69. vgl. BVerfGE 143, 65[]

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