Die Finanz­kri­se – und das OMT-Pro­gramm der Euro­päi­schen Zen­tral­bank

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den und Organ­streit­ver­fah­ren gegen das OMT-Pro­gramm der Euro­päi­schen Zen­tral­bank zum Ankauf von bör­sen­gän­gi­gen Schuld­ti­teln, ins­be­son­de­re Staats­an­lei­hen von Mit­glied­staa­ten der Euro­zo­ne, durch das Euro­sys­tem blie­ben jetzt vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ohne Erfolg.

Die Finanz­kri­se – und das OMT-Pro­gramm der Euro­päi­schen Zen­tral­bank

In sei­nem Vor­la­ge­be­schluss an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt das unbe­grenz­te Anlei­he­auf­kauf­pro­gramm der Euro­päi­schen Zen­tral­bank noch schlicht­weg für ver­fas­sungs­wid­rig gehal­ten und dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on nahe­ge­legt zu über­le­gen, das Gan­ze noch mit einer stark ein­schrän­ken­den Aus­le­gung zu ret­ten 1. Dem war der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on zwar nicht nach­ge­kom­men – er hielt das OMT-Pro­gramm mit nur klei­ne­ren Ein­schrän­kun­gen – für uni­ons­rechts­kon­form 2. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt akzep­tier­te nun aber gleich­wohl die­se Vor­ab­ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on 2 und wies die Ver­fas­sungs­be­schwer­den eben­so zurück wie das von einer Bun­des­tags­frak­ti­on ein­ge­lei­te­te Organ­streit­ver­fah­ren:

  1. Zur Siche­rung sei­ner demo­kra­ti­schen Ein­fluss­mög­lich­kei­ten im Pro­zess der euro­päi­schen Inte­gra­ti­on hat der Bür­ger grund­sätz­lich ein Recht dar­auf, dass eine Über­tra­gung von Hoheits­rech­ten nur in den vom Grund­ge­setz dafür vor­ge­se­he­nen For­men der Art. 23 Abs. 1 Sät­ze 2 und 3, Art. 79 Abs. 2 GG erfolgt.
  2. Maß­nah­men von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on, die ultra vires erge­hen, ver­let­zen das im Zustim­mungs­ge­setz gemäß Art. 23 Abs. 1 Satz 2 GG nie­der­ge­leg­te Inte­gra­ti­ons­pro­gramm und damit zugleich den Grund­satz der Volks­sou­ve­rä­ni­tät (Art.20 Abs. 2 Satz 1 GG). Der Abwen­dung der­ar­ti­ger Rechts­ver­let­zun­gen dient das Insti­tut der Ultra-vires-Kon­trol­le.
  3. Die Ver­fas­sungs­or­ga­ne trifft auf­grund der ihnen oblie­gen­den Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung die Ver­pflich­tung, Maß­nah­men von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on, die eine Iden­ti­täts­ver­let­zung bewir­ken oder einen Ultra-vires-Akt dar­stel­len, ent­ge­gen­zu­tre­ten.
  4. Die Deut­sche Bun­des­bank darf sich an einer künf­ti­gen Durch­füh­rung des OMT-Pro­gramms nur betei­li­gen, wenn und soweit die vom Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on auf­ge­stell­ten Maß­ga­ben erfüllt sind, das heißt wenn
    • das Volu­men der Ankäu­fe im Vor­aus begrenzt ist,
    • zwi­schen der Emis­si­on eines Schuld­ti­tels und sei­nem Ankauf durch das ESZB eine im Vor­aus fest­ge­leg­te Min­dest­frist liegt, die ver­hin­dert, dass die Emis­si­ons­be­din­gun­gen ver­fälscht wer­den,
    • nur Schuld­ti­tel von Mit­glied­staa­ten erwor­ben wer­den, die einen ihre Finan­zie­rung ermög­li­chen­den Zugang zum Anlei­he­markt haben,
    • die erwor­be­nen Schuld­ti­tel nur aus­nahms­wei­se bis zur End­fäl­lig­keit gehal­ten wer­den und
    • die Ankäu­fe begrenzt oder ein­ge­stellt wer­den und erwor­be­ne Schuld­ti­tel wie­der dem Markt zuge­führt wer­den, wenn eine Fort­set­zung der Inter­ven­ti­on nicht erfor­der­lich ist.

Das Unter­las­sen von Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­tag in Anse­hung des Grund­satz­be­schlus­ses der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 06.09.2012 über das OMT-Pro­gramm geeig­ne­te Maß­nah­men zu des­sen Auf­he­bung oder Begren­zung zu ergrei­fen, ver­letzt nach dem heu­ti­gen Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts die Beschwer­de­füh­rer nicht in ihrem Recht aus Art. 38 Abs. 1 Satz 1, Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG, wenn die vom Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on in sei­nem Urteil vom 16.06.2015 2 for­mu­lier­ten, die Reich­wei­te des OMT-Pro­gramms begren­zen­den Maß­ga­ben ein­ge­hal­ten wer­den. Unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen beein­träch­tigt das OMT-Pro­gramm gegen­wär­tig auch nicht die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung des Deut­schen Bun­des­ta­ges. Der Grund­satz­be­schluss über das OMT-Pro­gramm bewegt sich in der vom Uni­ons­ge­richts­hof vor­ge­nom­me­nen Aus­le­gung nicht "offen­sicht­lich" außer­halb der der Euro­päi­schen Zen­tral­bank zuge­wie­se­nen Kom­pe­ten­zen. Zudem birgt das OMT-Pro­gramm in der durch den Uni­ons­ge­richts­hof vor­ge­nom­me­nen Aus­le­gung kein ver­fas­sungs­recht­lich rele­van­tes Risi­ko für das Bud­get­recht des Deut­schen Bun­des­ta­ges.

Die Finanz­kri­se und das OMT-Pro­gramm[↑]

Im Zuge der Staats­schul­den­kri­se leg­te das Euro­sys­tem, bestehend aus der Euro­päi­schen Zen­tral­bank und den natio­na­len Zen­tral­ban­ken der Mit­glied­staa­ten, deren Wäh­rung der Euro ist (Art. 282 Abs. 1 Satz 2 AEUV), meh­re­re Ankauf­pro­gram­me für Ver­mö­gens­wer­te auf.

Durch Beschluss vom 14.05.2010 3 führ­te der Rat der Euro­päi­schen Zen­tral­bank ein "Pro­gramm für die Wert­pa­pier­märk­te" ("Secu­ri­ties Mar­kets Pro­gram­me" – SMP) ein. Die­ses Pro­gramm sah den Ankauf von öffent­li­chen und pri­va­ten Schuld­ver­schrei­bun­gen auf den Sekun­där­märk­ten durch die natio­na­len Zen­tral­ban­ken des Euro­sys­tems ent­spre­chend ihrem pro­zen­tua­len Anteil am Kapi­tal­schlüs­sel der Euro­päi­schen Zen­tral­bank und durch die­se selbst vor. Zur Begrün­dung hieß es, es bestehe eine "außer­ge­wöhn­li­che[…] Situa­ti­on auf den Finanz­märk­ten, die durch star­ke Span­nun­gen in eini­gen Markt­seg­men­ten geprägt ist, die den geld­po­li­ti­schen Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus und damit auch die effek­ti­ve Durch­füh­rung einer auf mit­tel­fris­ti­ge Preis­sta­bi­li­tät aus­ge­rich­te­ten Geld­po­li­tik beein­träch­ti­gen" 4. Ziel des Pro­gramms war es, "Stö­run­gen an den Wert­pa­pier­märk­ten zu behe­ben und einen ange­mes­se­nen geld­po­li­ti­schen Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus wie­der­her­zu­stel­len" 5.

Das SMP wur­de zwi­schen Mai 2010 und März 2011 und zwi­schen August 2011 und Febru­ar 2012 durch­ge­führt. Der höchs­te Abwick­lungs­be­trag, der ins­ge­samt für das SMP-Port­fo­lio ver­bucht wur­de, belief sich auf 219, 5 Mrd. Euro 6. Das SMP wur­de mit Beschluss vom 06.09.2012 ein­ge­stellt.

Die Deut­sche Bun­des­bank hat­te ihre Rück­stel­lun­gen mit Blick auf die mit dem SMP-Pro­gramm ver­bun­de­nen Risi­ken von 7, 7 Mrd. Euro Ende 2011 auf 14, 4 Mrd. Euro Ende 2012 erhöht 7. Ende 2015 belie­fen sich die Bestän­de des SMP der natio­na­len Zen­tral­ban­ken des Euro­sys­tems auf 114 Mrd. Euro, wovon die Deut­sche Bun­des­bank 27, 7 Mrd. Euro hielt 8. Zum 5.02.2016 waren die bilan­zi­el­len Wert­pa­pier­be­stän­de, bedingt durch Fäl­lig­kei­ten und unter Berück­sich­ti­gung einer vier­tel­jähr­li­chen Neu­be­wer­tung, auf ins­ge­samt 122 Mrd. Euro gesun­ken 9.

In sei­ner 340. Sit­zung am 6.09.2012 in Frank­furt am Main beschloss der Rat der Euro­päi­schen Zen­tral­bank tech­ni­sche Merk­ma­le eines Pro­gramms zur Durch­füh­rung von Offen­markt­ge­schäf­ten ("Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions" – OMT). Im Pro­to­koll der Sit­zung vom 05. und 6.09.2012 heißt es inso­weit:

With regard to Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions (OMT), on a pro­po­sal from the Pre­si­dent, the Gover­ning Coun­cil:

appro­ved the main para­me­ters of the Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions (OMT), which would be set out in a press release to be published after the mee­ting (Thurs­day, 6 Sep­tem­ber 2012).

Die im OMT-Beschluss fest­ge­leg­ten Rah­men­be­din­gun­gen sehen den Ankauf von Staats­an­lei­hen aus­ge­wähl­ter Mit­glied­staa­ten in unbe­grenz­ter Höhe vor, wenn und solan­ge die­se Mit­glied­staa­ten zugleich an einem mit der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät (EFSF) oder dem Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus (ESM) ver­ein­bar­ten Reform­pro­gramm teil­neh­men. Künf­ti­ge Reform­pro­gram­me müs­sen dabei die Mög­lich­keit vor­se­hen, dass Anlei­hen des betrof­fe­nen Mit­glied­staats auf dem Pri­mär­markt ange­kauft wer­den kön­nen (Pri­mär­markt-Unter­stüt­zungs­fa­zi­li­tät, vgl. Art. 17 des Ver­tra­ges zur Errich­tung des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus vom 02.02.2012 10 – ESMV). Das OMT-Pro­gramm erstreckt sich dane­ben auch auf Mit­glied­staa­ten, die sich zum Zeit­punkt des Beschlus­ses der tech­ni­schen Rah­men­be­din­gun­gen bereits unter einem makro­öko­no­mi­schen Anpas­sungs­pro­gramm befan­den, wenn die­se wie­der Zugang zum Anlei­he­markt erhal­ten. Erklär­tes Ziel des OMT-Pro­gramms ist die Sicher­stel­lung einer ord­nungs­ge­mä­ßen geld­po­li­ti­schen Trans­mis­si­on und der Ein­heit­lich­keit der Geld­po­li­tik.

Die zum Beschluss der tech­ni­schen Rah­men­be­din­gun­gen ver­öf­fent­lich­te Pres­se­mit­tei­lung vom 06.09.2012 hat fol­gen­den Wort­laut:

Tech­ni­cal fea­tures of Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions – 6 Sep­tem­ber 2012

As announ­ced on 2 August 2012, the Gover­ning Coun­cil of the European Cen­tral Bank (ECB) has today taken decisi­ons on a num­ber of tech­ni­cal fea­tures regar­ding the Eurosystem's out­right tran­sac­tions in secon­da­ry sover­eign bond mar­kets that aim at safe­guar­ding an appro­pria­te mone­ta­ry poli­cy trans­mis­si­on and the sin­gleness of the mone­ta­ry poli­cy. The­se will be known as Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions (OMTs) and will be con­duc­ted wit­hin the fol­lo­wing frame­work:

Con­di­tio­na­li­ty

A necessa­ry con­di­ti­on for Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions is strict and effec­tive con­di­tio­na­li­ty atta­ched to an appro­pria­te European Finan­ci­al Sta­bi­li­ty Facility/​European Sta­bi­li­ty Mecha­nism (EFSF/​ESM) pro­gram­me. Such pro­gram­mes can take the form of a full EFSF/​ESM macroeco­no­mic adjust­ment pro­gram­me or a pre­cau­tio­na­ry pro­gram­me (Enhan­ced Con­di­ti­ons Credit Line), pro­vi­ded that they inclu­de the pos­si­bi­li­ty of EFSF/​ESM pri­ma­ry mar­ket purcha­ses. The invol­ve­ment of the IMF shall also be sought for the design of the coun­try-spe­ci­fic con­di­tio­na­li­ty and the moni­to­ring of such a pro­gram­me.

The Gover­ning Coun­cil will con­si­der Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions to the extent that they are war­ran­ted from a mone­ta­ry poli­cy per­spec­tive as long as pro­gram­me con­di­tio­na­li­ty is ful­ly respec­ted, and ter­mi­na­te them once their objec­tives are achie­ved or when the­re is non-com­pli­an­ce with the macroeco­no­mic adjust­ment or pre­cau­tio­na­ry pro­gram­me.

Fol­lo­wing a tho­rough assess­ment, the Gover­ning Coun­cil will deci­de on the start, con­ti­nua­ti­on and sus­pen­si­on of Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions in full dis­cre­ti­on and acting in accordance with its mone­ta­ry poli­cy man­da­te.

Coverage

Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions will be con­si­de­red for future cases of EFSF/​ESM macroeco­no­mic adjust­ment pro­gram­mes or pre­cau­tio­na­ry pro­gram­mes as spe­ci­fied above. They may also be con­si­de­red for Mem­ber Sta­tes cur­r­ent­ly under a macroeco­no­mic adjust­ment pro­gram­me when they will be regai­ning bond mar­ket access.

Tran­sac­tions will be focu­sed on the shorter part of the yield cur­ve, and in par­ti­cu­lar on sover­eign bonds with a matu­ri­ty of bet­ween one and three years.

No ex ante quan­ti­ta­ti­ve limits are set on the size of Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions.

Credi­tor tre­at­ment

The Euro­sys­tem intends to cla­ri­fy in the legal act con­cer­ning Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions that it accepts the same (pari pas­su) tre­at­ment as pri­va­te or other credi­tors with respect to bonds issued by euro area coun­tries and purcha­sed by the Euro­sys­tem through Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions, in accordance with the terms of such bonds.

Ste­ri­li­sa­ti­on

The liqui­di­ty crea­ted through Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions will be ful­ly ste­ri­li­sed.

Trans­pa­ren­cy

Aggre­ga­te Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tion hol­dings and their mar­ket values will be published on a wee­kly basis. Publi­ca­ti­on of the average dura­ti­on of Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tion hol­dings and the break­down by coun­try will take place on a mon­th­ly basis.

Secu­ri­ties Mar­kets Pro­gram­me

Fol­lo­wing today's decisi­on on Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions, the Secu­ri­ties Mar­kets Pro­gram­me (SMP) is here­with ter­mi­na­ted. The liqui­di­ty injec­ted through the SMP will con­ti­nue to be absor­bed as in the past, and the exis­ting secu­ri­ties in the SMP port­fo­lio will be held to matu­ri­ty.

Der OMT-Beschluss ist bis­lang nicht umge­setzt wor­den.

Ver­fas­sungs­be­schwer­den und Organ­streit­an­trag[↑]

Die Beschwer­de­füh­rer der Ver­fas­sungs­be­schwer­den sowie im Organ­streit­ver­fah­ren die Bun­des­tags­frak­ti­on "DIE LINKE" wen­den sich zum einen gegen die Mit­wir­kung der Deut­schen Bun­des­bank an der Umset­zung des Beschlus­ses des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 06.09.2012 über Tech­ni­cal fea­tures of Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions ("OMT-Beschluss"), zum ande­ren dage­gen, dass die Bun­des­re­gie­rung und der Deut­sche Bun­des­tag in Anse­hung die­ses Beschlus­ses untä­tig geblie­ben sind. Im OMT-Beschluss ist vor­ge­se­hen, dass das Euro­päi­sche Sys­tem der Zen­tral­ban­ken Staats­an­lei­hen aus­ge­wähl­ter Mit­glied­staa­ten in unbe­grenz­ter Höhe ankau­fen kann, wenn und solan­ge die­se Mit­glied­staa­ten zugleich an einem mit der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät (EFSF) oder dem Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus (ESM) ver­ein­bar­ten Reform­pro­gramm teil­neh­men. Erklär­tes Ziel ist die Sicher­stel­lung einer ord­nungs­ge­mä­ßen geld­po­li­ti­schen Trans­mis­si­on und der Ein­heit­lich­keit der Geld­po­li­tik. Der OMT-Beschluss ist bis­lang nicht umge­setzt wor­den.

Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on[↑]

Durch Beschluss vom 17.12 2013 11 hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die vor­lie­gen­den Ver­fah­ren von ursprüng­lich umfas­sen­de­ren Ver­fah­ren abge­trennt, die sich zunächst auch gegen deut­sche und euro­päi­sche Rechts­ak­te im Zusam­men­hang mit der Errich­tung des ESM und dem Abschluss des Ver­tra­ges über Sta­bi­li­tät, Koor­di­nie­rung und Steue­rung in der Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on, gegen Maß­nah­men der Euro­päi­schen Zen­tral­bank sowie gegen Unter­las­sun­gen des Bun­des­ge­setz­ge­bers und der Bun­des­re­gie­rung in dem genann­ten Zusam­men­hang rich­te­ten. Zuvor hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt am 11. und 12.06.2013 eine münd­li­che Ver­hand­lung durch­ge­führt. Über die nicht abge­trenn­ten Ver­fah­rens­tei­le hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt durch Urteil vom 18.03.2014 abschlie­ßend ent­schie­den 12.

Die vor­lie­gen­den Ver­fah­ren hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt durch Beschluss vom 14.01.2014 aus­ge­setzt und dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on gemäß Art. 267 Abs. 1 AEUV zwei Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt 13:

    1. Ist der Beschluss des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 06.09.2012 über Tech­ni­cal fea­tures of Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions mit Arti­kel 119 und Arti­kel 127 Absät­ze 1 und 2 des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on sowie mit Arti­kel 17 bis 24 des Pro­to­kolls über die Sat­zung des Euro­päi­schen Sys­tems der Zen­tral­ban­ken und der Euro­päi­schen Zen­tral­bank unver­ein­bar, weil er über das in den genann­ten Vor­schrif­ten gere­gel­te Man­dat der Euro­päi­schen Zen­tral­bank zur Wäh­rungs­po­li­tik hin­aus­geht und in die Zustän­dig­keit der Mit­glied­staa­ten über­greift?
    2. an wirt­schafts­po­li­ti­sche Hilfs­pro­gram­me der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät oder des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus anknüpft (Kon­di­tio­na­li­tät)?
    3. den Ankauf von Staats­an­lei­hen nur ein­zel­ner Mit­glied­staa­ten vor­sieht (Selek­ti­vi­tät)?
    4. den Ankauf von Staats­an­lei­hen der Pro­gramm­län­der zusätz­lich zu Hilfs­pro­gram­men der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät oder des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus vor­sieht (Par­al­le­li­tät)?
    5. Begren­zun­gen und Bedin­gun­gen der Hilfs­pro­gram­me der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät oder des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus unter­lau­fen könn­te (Umge­hung)?
  1. Ist der Beschluss des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 06.09.2012 über Tech­ni­cal fea­tures of Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions mit dem in Arti­kel 123 des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on ver­an­ker­ten Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung unver­ein­bar?
  2. kei­ne quan­ti­ta­ti­ve Begren­zung des Ankaufs von Staats­an­lei­hen vor­sieht (Volu­men)?
  3. kei­nen zeit­li­chen Abstand zwi­schen der Emis­si­on von Staats­an­lei­hen am Pri­mär­markt und ihrem Ankauf durch das Euro­päi­sche Sys­tem der Zen­tral­ban­ken am Sekun­där­markt vor­sieht (Markt­preis­bil­dung)?
  4. es zulässt, dass sämt­li­che erwor­be­nen Staats­an­lei­hen bis zur Fäl­lig­keit gehal­ten wer­den (Ein­griff in die Markt­lo­gik)?
  5. kei­ne spe­zi­fi­schen Anfor­de­run­gen an die Boni­tät der zu erwer­ben­den Staats­an­lei­hen ent­hält (Aus­fall­ri­si­ko)?
  6. eine Gleich­be­hand­lung des Euro­päi­schen Sys­tems der Zen­tral­ban­ken mit pri­va­ten und ande­ren Inha­bern von Staats­an­lei­hen vor­sieht (Schul­den­schnitt)?
  • Hilfs­wei­se für den Fall, dass der Uni­ons­ge­richts­hof den Beschluss des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 06.09.2012 über Tech­ni­cal fea­tures of Out­right Mone­ta­ry Tran­sac­tions als Hand­lung eines Organs der Euro­päi­schen Uni­on nicht als taug­li­chen Gegen­stand eines Ersu­chens nach Arti­kel 267 Absatz 1 Buch­sta­be b des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on anse­hen soll­te:
    1. Sind Arti­kel 119 und Arti­kel 127 des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on sowie Arti­kel 17 bis 24 des Pro­to­kolls über die Sat­zung des Euro­päi­schen Sys­tems der Zen­tral­ban­ken und der Euro­päi­schen Zen­tral­bank so aus­zu­le­gen, dass sie es dem Euro­sys­tem – alter­na­tiv oder kumu­la­tiv – gestat­ten,
      1. den Ankauf von Staats­an­lei­hen von der Exis­tenz und Ein­hal­tung wirt­schafts­po­li­ti­scher Hilfs­pro­gram­me der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät oder des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus abhän­gig zu machen (Kon­di­tio­na­li­tät)
      2. Staats­an­lei­hen nur ein­zel­ner Mit­glied­staa­ten anzu­kau­fen (Selek­ti­vi­tät)
      3. Staats­an­lei­hen von Pro­gramm­län­dern zusätz­lich zu Hilfs­pro­gram­men der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät oder des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus anzu­kau­fen (Par­al­le­li­tät)
      4. Begren­zun­gen und Bedin­gun­gen der Hilfs­pro­gram­me der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät oder des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus zu unter­lau­fen (Umge­hung)
    2. Ist Arti­kel 123 des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on mit Blick auf das Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung so aus­zu­le­gen, dass es dem Euro­sys­tem – alter­na­tiv oder kumu­la­tiv – erlaubt ist,
      1. Staats­an­lei­hen ohne quan­ti­ta­ti­ve Begren­zung anzu­kau­fen (Volu­men)
      2. Staats­an­lei­hen ohne zeit­li­chen Min­dest­ab­stand zu ihrer Emis­si­on von Staats­an­lei­hen am Pri­mär­markt anzu­kau­fen (Markt­preis­bil­dung)
      3. sämt­li­che erwor­be­nen Staats­an­lei­hen bis zur Fäl­lig­keit zu hal­ten (Ein­griff in die Markt­lo­gik)
      4. Staats­an­lei­hen ohne Min­dest­an­for­de­rung an die Boni­tät zu erwer­ben (Aus­fall­ri­si­ko)
      5. eine Gleich­be­hand­lung des Euro­päi­schen Sys­tems der Zen­tral­ban­ken mit pri­va­ten und ande­ren Inha­bern von Staats­an­lei­hen hin­zu­neh­men (Schul­den­schnitt)
      6. durch die Äuße­rung von Kauf­ab­sich­ten oder auf ande­re Wei­se in zeit­li­chem Zusam­men­hang mit der Emis­si­on von Staats­an­lei­hen von Mit­glied­staa­ten des Euro-Wäh­rungs­ge­bie­tes Ein­fluss auf die Preis­bil­dung zu neh­men (Ermu­ti­gung zum Erst­erwerb)
  • Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on hat auf das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts mit Urteil vom 16.06.2015 ent­schie­den, dass Art. 119 AEUV, Art. 123 Abs. 1 AEUV und Art. 127 Abs. 1 und Abs. 2 AEUV sowie die Art. 17 bis 24 des Pro­to­kolls (Nr. 4) über die Sat­zung des ESZB und der Euro­päi­schen Zen­tral­bank (ESZB-Sat­zung) dahin aus­zu­le­gen sei­en, dass sie das Euro­päi­sche Sys­tem der Zen­tral­ban­ken dazu ermäch­tig­ten, ein Pro­gramm für den Ankauf von Staats­an­lei­hen an den Sekun­där­märk­ten wie das­je­ni­ge zu beschlie­ßen, das in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­digt wor­den sei, die im Pro­to­koll der 340. Sit­zung des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 05. und 6.09.2012 genannt sei 14.

    Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen hat der Uni­ons­ge­richts­hof auf der Grund­la­ge der vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Vor­la­ge­be­schluss im Ein­zel­nen dar­ge­leg­ten Vor­aus­set­zun­gen und Fol­gen einer Ultra-vires-Kon­trol­le für statt­haft und zuläs­sig gehal­ten und ent­spre­chen­de Ein­wän­de meh­re­rer Betei­lig­ter zurück­ge­wie­sen 15. Er hat in die­sem Zusam­men­hang dar­auf hin­ge­wie­sen, dass nach sei­ner stän­di­gen Recht­spre­chung die vor­le­gen­den Gerich­te an die Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs gebun­den sei­en 16.

    Soweit der Uni­ons­ge­richts­hof auf die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­ge­leg­ten Fra­gen expli­zit ein­ge­gan­gen ist, hat er aus­ge­führt 17:

    Zu den Art. 119 AEUV und 127 Abs. 1 und 2 AEUV sowie den Art. 17 bis 24 des Pro­to­kolls über das ESZB und die EZB

    Das vor­le­gen­de Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wirft die Fra­ge auf, ob ein Pro­gramm für den Ankauf von Staats­an­lei­hen an den Sekun­där­märk­ten wie das in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­te unter die im Pri­mär­recht vor­ge­se­he­nen Befug­nis­se des ESZB fal­len kann.

    Zu den Befug­nis­sen des ESZB

    Es ist zunächst dar­auf hin­zu­wei­sen, dass nach Art. 119 Abs. 2 AEUV die Tätig­keit der Mit­glied­staa­ten und der Uni­on eine ein­heit­li­che Wäh­rung, den Euro, sowie die Fest­le­gung und Durch­füh­rung einer ein­heit­li­chen Geld- und Wech­sel­kurs­po­li­tik umfasst 18.

    Was spe­zi­ell die Wäh­rungs­po­li­tik betrifft, hat die Uni­on nach Art. 3 Abs. 1 Buchst. c AEUV eine aus­schließ­li­che Zustän­dig­keit in die­sem Bereich für die Mit­glied­staa­ten, deren Wäh­rung der Euro ist 19.

    Nach Art. 282 Abs. 1 AEUV bil­den die EZB und die Zen­tral­ban­ken der Mit­glied­staa­ten, deren Wäh­rung der Euro ist, das Euro­sys­tem und betrei­ben die Wäh­rungs­po­li­tik der Uni­on 20. Nach Art. 282 Abs. 4 AEUV erlässt die EZB die für die Erfül­lung ihrer Auf­ga­ben erfor­der­li­chen Maß­nah­men nach den Art. 127 AEUV bis 133 AEUV und 138 AEUV und nach Maß­ga­be der Sat­zung des ESZB und der EZB.

    In die­sem Rah­men ist es gemäß Art. 127 Abs. 2 AEUV Sache des ESZB, die­se Poli­tik fest­zu­le­gen und aus­zu­füh­ren.

    Ins­be­son­de­re ergibt sich aus Art. 129 Abs. 1 AEUV in Ver­bin­dung mit Art. 12 Abs. 1 des Pro­to­kolls über das ESZB und die EZB, dass der EZB-Rat die Geld­po­li­tik der Uni­on fest­legt und das Direk­to­ri­um der EZB die­se Poli­tik gemäß den Leit­li­ni­en und Beschlüs­sen des EZB-Rates aus­führt.

    Wei­ter geht aus Art. 12 Abs. 1 Unter­abs. 3 die­ses Pro­to­kolls her­vor, dass die EZB, soweit dies mög­lich und sach­ge­recht erscheint, zur Durch­füh­rung von Geschäf­ten, die zu den Auf­ga­ben des ESZB gehö­ren, die natio­na­len Zen­tral­ban­ken in Anspruch nimmt, die gemäß Art. 14 Abs. 3 des Pro­to­kolls gemäß den Leit­li­ni­en und Wei­sun­gen der EZB zu han­deln haben.

    Des Wei­te­ren ergibt sich aus Art. 130 AEUV, dass das ESZB sei­ne Auf­ga­be der Fest­le­gung und Aus­füh­rung der Wäh­rungs­po­li­tik der Uni­on in unab­hän­gi­ger Wei­se wahr­nimmt. Aus dem Wort­laut die­ses Arti­kels ergibt sich, dass er das ESZB und sei­ne Beschluss­or­ga­ne vor exter­nen Ein­fluss­nah­men schüt­zen soll, die mit der Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben in Kon­flikt gera­ten könn­ten, die der AEU-Ver­trag und das Pro­to­koll über das ESZB und die EZB dem ESZB über­tra­gen. So soll die­ser Arti­kel das ESZB im Wesent­li­chen vor jedem poli­ti­schen Druck schüt­zen, damit es die für sei­ne Auf­ga­ben gesetz­ten Zie­le durch die unab­hän­gi­ge Aus­übung der spe­zi­fi­schen Befug­nis­se, über die es zu die­sen Zwe­cken nach dem Pri­mär­recht ver­fügt, wirk­sam ver­fol­gen kann 21.

    Gemäß dem in Art. 5 Abs. 2 EUV nie­der­ge­leg­ten Grund­satz der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung hat das ESZB inner­halb der Gren­zen der Befug­nis­se zu han­deln, die ihm das Pri­mär­recht ver­leiht, und es kann daher nicht in gül­ti­ger Wei­se ein Pro­gramm beschlie­ßen und durch­füh­ren, das über den Bereich hin­aus­geht, der der Wäh­rungs­po­li­tik durch das Pri­mär­recht zuge­wie­sen wird. Um die Ein­hal­tung die­ses Grund­sat­zes zu gewähr­leis­ten, unter­lie­gen die Hand­lun­gen des ESZB nach Maß­ga­be der in den Ver­trä­gen fest­ge­leg­ten Vor­aus­set­zun­gen der gericht­li­chen Kon­trol­le durch den Uni­ons­ge­richts­hof 22.

    Inso­weit ist fest­zu­stel­len, dass der AEU-Ver­trag kei­ne genaue Defi­ni­ti­on der Wäh­rungs­po­li­tik ent­hält, son­dern zugleich die Zie­le der Wäh­rungs­po­li­tik und die Mit­tel fest­legt, über die das ESZB zur Aus­füh­rung die­ser Poli­tik ver­fügt 23.

    So ist nach Art. 127 Abs. 1 AEUV und Art. 282 Abs. 2 AEUV das vor­ran­gi­ge Ziel der Wäh­rungs­po­li­tik der Uni­on die Gewähr­leis­tung der Preis­sta­bi­li­tät. Die­se Bestim­mun­gen sehen fer­ner vor, dass das ESZB ohne Beein­träch­ti­gung die­ses Ziels die all­ge­mei­ne Wirt­schafts­po­li­tik der Uni­on unter­stützt, um zur Ver­wirk­li­chung der in Art. 3 EUV defi­nier­ten Zie­le der Uni­on bei­zu­tra­gen 24.

    Das Pro­to­koll über das ESZB und die EZB ist somit durch ein kla­res Man­dat gekenn­zeich­net, mit dem vor­ran­gig das Ziel ver­folgt wird, die Preis­sta­bi­li­tät zu gewähr­leis­ten. Die Spe­zi­fi­zi­tät die­ses Man­dats wird durch die Ver­fah­ren zur Reform bestimm­ter Tei­le der Sat­zung des ESZB und der EZB noch ver­stärkt.

    Was die dem ESZB durch das Pri­mär­recht zur Ver­wirk­li­chung die­ser Zie­le zuge­wie­se­nen Mit­tel angeht, ist her­vor­zu­he­ben, dass das Kapi­tel IV des Pro­to­kolls über das ESZB und die EZB, das die wäh­rungs­po­li­ti­schen Auf­ga­ben und Ope­ra­tio­nen des ESZB fest­legt, die Instru­men­te auf­führt, deren sich das ESZB im Rah­men der Wäh­rungs­po­li­tik bedie­nen kann.

    Zur Abgren­zung der Wäh­rungs­po­li­tik

    Aus der Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs geht her­vor, dass für die Ent­schei­dung über die Fra­ge, ob eine Maß­nah­me zur Wäh­rungs­po­li­tik gehört, haupt­säch­lich auf die Zie­le die­ser Maß­nah­me abzu­stel­len ist. Die Mit­tel, die die Maß­nah­me zur Errei­chung die­ser Zie­le ein­setzt, sind eben­falls erheb­lich 25.

    Was ers­tens die Zie­le angeht, die mit einem Pro­gramm wie dem in den Aus­gangs­ver­fah­ren strei­ti­gen ver­folgt wer­den, lässt sich der Pres­se­mit­tei­lung ent­neh­men, dass die­ses Pro­gramm zugleich eine ord­nungs­ge­mä­ße geld­po­li­ti­sche Trans­mis­si­on und die Ein­heit­lich­keit der Geld­po­li­tik sicher­stel­len soll.

    Zum einen aber trägt das Ziel, die Ein­heit­lich­keit der Geld­po­li­tik zu gewähr­leis­ten, zur Errei­chung der Zie­le die­ser Poli­tik bei, da die­se nach Art. 119 Abs. 2 AEUV "ein­heit­lich" sein muss.

    Zum ande­ren ist das Ziel der Sicher­stel­lung einer ord­nungs­ge­mä­ßen Trans­mis­si­on der Geld­po­li­tik zugleich geeig­net, die Ein­heit­lich­keit die­ser Poli­tik zu gewähr­leis­ten und zu deren vor­ran­gi­gem Ziel bei­zu­tra­gen, das in der Gewähr­leis­tung der Preis­sta­bi­li­tät besteht.

    Die Fähig­keit des ESZB, durch sei­ne geld­po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen die Preis­ent­wick­lung zu beein­flus­sen, hängt näm­lich in wei­tem Umfang von der Über­tra­gung der Impul­se ab, die es auf dem Geld­markt an die ver­schie­de­nen Wirt­schafts­sek­to­ren aus­sen­det. Eine Stö­rung des geld­po­li­ti­schen Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus ist daher geeig­net, die Ent­schei­dun­gen des ESZB in einem Teil des Euro-Wäh­rungs­ge­biets ins Lee­re gehen zu las­sen und damit die Ein­heit­lich­keit der Geld­po­li­tik zu beein­träch­ti­gen. Im Übri­gen wird, da eine Stö­rung des Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus die Wirk­sam­keit der vom ESZB beschlos­se­nen Maß­nah­men beein­träch­tigt, dadurch zwangs­läu­fig des­sen Fähig­keit beein­träch­tigt, die Preis­sta­bi­li­tät zu gewähr­leis­ten. Daher kön­nen Maß­nah­men, die die­sen Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus erhal­ten sol­len, dem in Art. 127 Abs. 1 AEUV fest­ge­leg­ten vor­ran­gi­gen Ziel zuge­rech­net wer­den.

    Der Umstand, dass ein Pro­gramm wie das in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­te mög­li­cher­wei­se geeig­net ist, auch zur Sta­bi­li­tät des Euro-Wäh­rungs­ge­biets bei­zu­tra­gen, die zur Wirt­schafts­po­li­tik gehört 26, kann die­se Beur­tei­lung nicht in Fra­ge stel­len.

    Eine wäh­rungs­po­li­ti­sche Maß­nah­me kann näm­lich nicht allein des­halb einer wirt­schafts­po­li­ti­schen Maß­nah­me gleich­ge­stellt wer­den, weil sie mit­tel­ba­re Aus­wir­kun­gen auf die Sta­bi­li­tät des Euro-Wäh­rungs­ge­biets haben kann 27.

    Was zwei­tens die Mit­tel betrifft, die zur Errei­chung der Zie­le eines Pro­gramms wie des in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­ten ein­ge­setzt wer­den sol­len, steht fest, dass des­sen Durch­füh­rung geld­po­li­ti­sche Out­right-Geschäf­te an den Sekun­där­märk­ten für Staats­an­lei­hen beinhal­tet.

    Aus Art. 18 Abs. 1 des Pro­to­kolls über das ESZB und die EZB, der zu des­sen Kapi­tel IV gehört, geht jedoch ein­deu­tig her­vor, dass die EZB und die natio­na­len Zen­tral­ban­ken zur Errei­chung der Zie­le des ESZB und zur Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben, wie sie sich aus dem Pri­mär­recht erge­ben, grund­sätz­lich auf den Finanz­märk­ten tätig wer­den kön­nen, indem sie auf Euro lau­ten­de bör­sen­gän­gi­ge Wert­pa­pie­re end­gül­tig kau­fen und ver­kau­fen. Folg­lich wird mit den Geschäf­ten, die der EZB-Rat in der Pres­se­mit­tei­lung in Aus­sicht genom­men hat, eines der geld­po­li­ti­schen Instru­men­te genutzt, die das Pri­mär­recht vor­sieht.

    Was die Selek­ti­vi­tät des in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­ten Pro­gramms angeht, ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die­ses Pro­gramm Stö­run­gen des geld­po­li­ti­schen Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus behe­ben soll, die durch die beson­de­re Situa­ti­on der Staats­an­lei­hen bestimm­ter Mit­glied­staa­ten her­vor­ge­ru­fen wer­den. Unter die­sen Umstän­den kann die allei­ni­ge Tat­sa­che, dass sich das frag­li­che Pro­gramm spe­zi­fisch auf die­se Staats­an­lei­hen beschränkt, nicht als sol­che bedeu­ten, dass die vom ESZB ver­wen­de­ten Instru­men­te nicht zur Wäh­rungs­po­li­tik gehö­ren. Im Übri­gen schreibt kei­ne Bestim­mung des AEU-Ver­trags dem ESZB vor, auf den Finanz­märk­ten durch all­ge­mei­ne Maß­nah­men zu inter­ve­nie­ren, die not­wen­di­ger­wei­se sämt­li­che Staa­ten des Euro-Wäh­rungs­ge­biets betref­fen.

    Im Licht die­ser Gesichts­punk­te ist fest­zu­stel­len, dass ein Pro­gramm wie das in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­te in Anbe­tracht sei­ner Zie­le und der zu ihrer Errei­chung vor­ge­se­he­nen Mit­tel zum Bereich der Wäh­rungs­po­li­tik gehört.

    Der Umstand, dass die Durch­füh­rung eines sol­chen Pro­gramms von der voll­stän­di­gen Ein­hal­tung makro­öko­no­mi­scher Anpas­sungs­pro­gram­me der Euro­päi­schen Finanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät (EFSF) und des Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus (ESM) abhän­gig ist, ver­mag an die­ser Fest­stel­lung nichts zu ändern.

    Es ist zwar nicht aus­ge­schlos­sen, dass ein Pro­gramm für den Ankauf von Staats­an­lei­hen, das ein sol­ches Merk­mal auf­weist, geeig­net ist, inzi­dent den Anreiz zur Ein­hal­tung sol­cher Anpas­sungs­pro­gram­me zu stär­ken, und damit in gewis­sem Maße die Errei­chung der mit die­sen ver­folg­ten wirt­schafts­po­li­ti­schen Zie­le begüns­ti­gen kann.

    Sol­che mit­tel­ba­ren Aus­wir­kun­gen kön­nen jedoch nicht bedeu­ten, dass ein sol­ches Pro­gramm als eine wirt­schafts­po­li­ti­sche Maß­nah­me ein­zu­stu­fen wäre, da sich aus Art. 119 Abs. 2 AEUV, Art. 127 Abs. 1 AEUV und Art. 282 Abs. 2 AEUV ergibt, dass das ESZB ohne Beein­träch­ti­gung des Ziels der Preis­sta­bi­li­tät die all­ge­mei­ne Wirt­schafts­po­li­tik in der Uni­on unter­stützt.

    Es ist hin­zu­zu­fü­gen, dass das ESZB dadurch, dass es in vol­ler Unab­hän­gig­keit die Durch­füh­rung des in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­ten Pro­gramms von der voll­stän­di­gen Ein­hal­tung makro­öko­no­mi­scher Anpas­sungs­pro­gram­me der EFSF oder des ESM abhän­gig macht, gewähr­leis­tet, dass sei­ne Wäh­rungs­po­li­tik den Mit­glied­staa­ten, deren Staats­an­lei­hen es ankauft, kei­ne Finan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten eröff­net, die es ihnen erlaub­ten, von den Anpas­sungs­pro­gram­men, denen sie zuge­stimmt haben, abzu­wei­chen. Das ESZB ver­mei­det auf die­se Wei­se, dass die von ihm beschlos­se­nen wäh­rungs­po­li­ti­schen Maß­nah­men der Wirk­sam­keit der von den Mit­glied­staa­ten ver­folg­ten Wirt­schafts­po­li­tik zuwi­der­lau­fen.

    Da sich das ESZB fer­ner gemäß Art. 127 Abs. 1 AEUV in Ver­bin­dung mit Art. 119 Abs. 3 AEUV an den rich­tung­wei­sen­den Grund­satz zu hal­ten hat, dass die öffent­li­chen Finan­zen gesund sein müs­sen, kön­nen die in einem Pro­gramm, wie es in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­digt wur­de, fest­ge­leg­ten Vor­aus­set­zun­gen, durch die ver­mie­den wer­den kann, dass die­ses Pro­gramm dazu bei­trägt, für die Mit­glied­staa­ten einen Anreiz zur Ver­schlech­te­rung ihrer Haus­halts­la­ge zu schaf­fen, nicht den Schluss recht­fer­ti­gen, dass die­ses Pro­gramm den Rah­men über­schrit­te, den das Pri­mär­recht der Wäh­rungs­po­li­tik vor­gibt.

    Es ist zudem her­vor­zu­he­ben, dass es als Vor­aus­set­zung für das Tätig­wer­den des ESZB im Rah­men eines Pro­gramms, wie es in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­digt wur­de, nicht genügt, dass der betref­fen­de Mit­glied­staat die Ver­pflich­tun­gen aus einem Anpas­sungs­pro­gramm, dem er zuge­stimmt hat, voll­stän­dig ein­hält, da ein sol­ches Tätig­wer­den in strik­ter Wei­se wei­ter­hin vor­aus­setzt, dass Stö­run­gen des geld­po­li­ti­schen Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus oder der Ein­heit­lich­keit der Geld­po­li­tik auf­ge­tre­ten sind.

    Des­halb wird durch den Umstand, dass der Ankauf von Staats­an­lei­hen an den Sekun­där­märk­ten unter der Bedin­gung, dass ein makro­öko­no­mi­sches Anpas­sungs­pro­gramm ein­ge­hal­ten wird, als zur Wirt­schafts­po­li­tik gehö­rend ange­se­hen wer­den konn­te, wenn die­ser Ankauf vom ESM vor­ge­nom­men wird 28, nicht impli­ziert, dass es sich eben­so ver­hal­ten müss­te, wenn die­ses Instru­ment vom ESZB im Rah­men eines Pro­gramms wie des in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­ten ein­ge­setzt wird.

    Inso­weit ist näm­lich der Unter­schied zwi­schen den Zie­len des ESM und des ESZB von ent­schei­den­der Bedeu­tung. Wäh­rend sich aus den Rn. 48 bis 52 des vor­lie­gen­den Urteils ergibt, dass ein Pro­gramm wie das in den Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che nur in dem Umfang durch­ge­führt wer­den darf, in dem es zur Gewähr­leis­tung der Preis­sta­bi­li­tät erfor­der­lich ist, zielt das Tätig­wer­den des ESM auf die Wah­rung der Sta­bi­li­tät des Euro-Wäh­rungs­ge­biets, wobei die­ses letzt­ge­nann­te Ziel nicht zur Wäh­rungs­po­li­tik gehört 26.

    Die­se Beur­tei­lung lässt auch die Mög­lich­keit aus­schei­den, dass ein Pro­gramm wie das in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­te dazu die­nen könn­te, die Bedin­gun­gen zu umge­hen, die die Tätig­keit des ESM an den Sekun­där­märk­ten beschrän­ken, da die Inter­ven­ti­on des ESZB nicht an die Stel­le einer Inter­ven­ti­on des ESM tre­ten soll, um des­sen Zie­le zu ver­wirk­li­chen, son­dern sie viel­mehr in unab­hän­gi­ger Wei­se nach Maß­ga­be der Zie­le durch­zu­füh­ren ist, die der Wäh­rungs­po­li­tik eigen sind.

    Zur Ver­hält­nis­mä­ßig­keit

    Aus Art. 119 Abs. 2 AEUV und Art. 127 Abs. 1 AEUV in Ver­bin­dung mit Art. 5 Abs. 4 EUV geht her­vor, dass ein zur Wäh­rungs­po­li­tik gehö­ren­des Pro­gramm für den Ankauf von Anlei­hen nur in gül­ti­ger Wei­se beschlos­sen und durch­ge­führt wer­den kann, wenn die von ihm umfass­ten Maß­nah­men in Anbe­tracht der Zie­le die­ser Poli­tik ver­hält­nis­mä­ßig sind.

    Inso­weit ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs der Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ver­langt, dass die Hand­lun­gen der Uni­ons­or­ga­ne zur Errei­chung der mit der betref­fen­den Rege­lung ver­folg­ten legi­ti­men Zie­le geeig­net sind und nicht über die Gren­zen des­sen hin­aus­geht, was zur Errei­chung die­ser Zie­le erfor­der­lich ist 29.

    Was die gericht­li­che Nach­prü­fung der Ein­hal­tung die­ser Vor­aus­set­zun­gen anbe­langt, ist dem ESZB, da es bei der Aus­ar­bei­tung und Durch­füh­rung eines Pro­gramms für Offen­markt­ge­schäf­te, wie es in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­digt wur­de, Ent­schei­dun­gen tech­ni­scher Natur tref­fen und kom­ple­xe Pro­gno­sen und Beur­tei­lun­gen vor­neh­men muss, in die­sem Rah­men ein wei­tes Ermes­sen ein­zu­räu­men 30.

    Indes­sen kommt in Fäl­len, in denen ein Uni­ons­or­gan über ein wei­tes Ermes­sen ver­fügt, der Kon­trol­le der Ein­hal­tung bestimm­ter ver­fah­rens­recht­li­cher Garan­ti­en wesent­li­che Bedeu­tung zu. Zu die­sen Garan­ti­en gehört die Ver­pflich­tung des ESZB, sorg­fäl­tig und unpar­tei­isch alle rele­van­ten Gesichts­punk­te des Ein­zel­falls zu unter­su­chen und sei­ne Ent­schei­dun­gen hin­rei­chend zu begrün­den.

    Inso­weit ist zu beach­ten, dass nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs die durch Art. 296 Abs. 2 AEUV vor­ge­schrie­be­ne Begrün­dung eines Rechts­akts der Uni­on zwar die Über­le­gun­gen des Urhe­bers die­ses Rechts­akts so klar und ein­deu­tig zum Aus­druck brin­gen muss, dass die Betrof­fe­nen ihr die Grün­de für die getrof­fe­ne Maß­nah­me ent­neh­men kön­nen und der Uni­ons­ge­richts­hof sei­ne Kon­trol­le aus­üben kann, jedoch nicht sämt­li­che recht­lich oder tat­säch­lich erheb­li­chen Gesichts­punk­te ent­hal­ten muss. Die Beach­tung der Begrün­dungs­pflicht ist im Übri­gen nicht nur anhand des Wort­lauts des Rechts­akts zu beur­tei­len, son­dern auch anhand sei­nes Kon­texts und sämt­li­cher Rechts­vor­schrif­ten, die das betref­fen­de Gebiet regeln 31.

    Im vor­lie­gen­den Fall ist, auch wenn eine Prü­fung der Ein­hal­tung der Begrün­dungs­pflicht nur auf der Grund­la­ge eines förm­lich erlas­se­nen Beschlus­ses mög­lich ist, gleich­wohl fest­zu­stel­len, dass die Pres­se­mit­tei­lung sowie die Ent­wür­fe für Rechts­ak­te, die in der Sit­zung des EZB-Rates geprüft wur­den, in der auch die Pres­se­mit­tei­lung geneh­migt wur­de, die wesent­li­chen Ele­men­te eines Pro­gramms wie des in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­ten erken­nen las­sen und geeig­net sind, dem Uni­ons­ge­richts­hof die Aus­übung sei­ner Kon­trol­le zu ermög­li­chen.

    Was ers­tens die Eig­nung eines Pro­gramms wie des in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­ten zur Errei­chung der vom ESZB ver­folg­ten Zie­le anbe­langt, geht aus die­ser Pres­se­mit­tei­lung und den Erläu­te­run­gen der EZB her­vor, dass die­ses Pro­gramm auf einer Ana­ly­se der wirt­schaft­li­chen Lage im Euro-Wäh­rungs­ge­biet beruht, der zufol­ge zum Zeit­punkt der Ankün­di­gung die­ses Pro­gramms die Zins­sät­ze für die Staats­an­lei­hen ver­schie­de­ner Staa­ten des Euro-Wäh­rungs­ge­biets eine hohe Vola­ti­li­tät und extre­me Unter­schie­de auf­wie­sen. Nach den Aus­füh­run­gen der EZB beruh­ten die­se Unter­schie­de nicht nur auf makro­öko­no­mi­schen Unter­schie­den zwi­schen die­sen Staa­ten, son­dern hat­ten ihre Ursa­che teil­wei­se dar­in, dass für die Anlei­hen bestimm­ter Mit­glied­staa­ten über­höh­te Risi­ko­auf­schlä­ge ver­langt wor­den sei­en, mit denen der Gefahr eines Aus­ein­an­der­bre­chens des Euro-Wäh­rungs­ge­biets habe begeg­net wer­den sol­len.

    Die­se beson­de­re Lage habe den geld­po­li­ti­schen Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus des ESZB erheb­lich geschwächt und eine Frag­men­tie­rung bei den Refi­nan­zie­rungs­be­din­gun­gen der Ban­ken und der Dar­le­hens­kos­ten bewirkt, was die Wirk­sam­keit der vom ESZB an die Wirt­schaft aus­ge­sen­de­ten Impul­se in einem erheb­li­chen Teil des Euro-Wäh­rungs­ge­biets stark ver­rin­gert habe.

    In Anbe­tracht der dem Uni­ons­ge­richts­hof im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren unter­brei­te­ten Infor­ma­tio­nen ist nicht ersicht­lich, dass die­se Ana­ly­se der Wirt­schafts­la­ge des Euro-Wäh­rungs­ge­biets, die zum Zeit­punkt der Ankün­di­gung des in den Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen Pro­gramms gege­ben war, mit einem offen­sicht­li­chen Beur­tei­lungs­feh­ler behaf­tet wäre.

    Inso­weit kann der vom vor­le­gen­den Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ange­führ­te Umstand, dass gegen die­se mit einer Begrün­dung ver­se­he­ne Ana­ly­se Ein­wän­de erho­ben wur­den, als sol­cher nicht genü­gen, um die­se Beur­tei­lung in Fra­ge zu stel­len, da vom ESZB mit Rück­sicht dar­auf, dass geld­po­li­ti­sche Fra­gen gewöhn­lich umstrit­ten sind und es über ein wei­tes Ermes­sen ver­fügt, nicht mehr als der Ein­satz sei­nes wirt­schaft­li­chen Sach­ver­stands und der ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­den not­wen­di­gen tech­ni­schen Mit­tel ver­langt wer­den kann, um die­se Ana­ly­se mit aller Sorg­falt und Genau­ig­keit durch­zu­füh­ren.

    In einer Lage wie der in den Rn. 72 und 73 des vor­lie­gen­den Urteils beschrie­be­nen ist der Ankauf von Staats­an­lei­hen der Mit­glied­staa­ten, die von den durch die EZB als extrem betrach­te­ten Zins­sät­zen betrof­fen sind, an den Sekun­där­märk­ten geeig­net, die Sen­kung die­ser Zins­sät­ze zu beför­dern, indem er unbe­grün­de­te Befürch­tun­gen eines Aus­ein­an­der­bre­chens des Euro-Wäh­rungs­ge­biets zer­streut, und so zu dem Rück­gang oder sogar Weg­fal­len der über­höh­ten Risi­ko­zu­schlä­ge bei­zu­tra­gen.

    In die­sem Zusam­men­hang war das ESZB zu der Annah­me berech­tigt, dass eine sol­che Ent­wick­lung der Zins­sät­ze geeig­net ist, die geld­po­li­ti­sche Trans­mis­si­on des ESZB zu begüns­ti­gen und die Ein­heit­lich­keit der Geld­po­li­tik zu wah­ren.

    So ist unstrei­tig, dass die Zins­sät­ze der Staats­an­lei­hen eines gege­be­nen Staa­tes für die Fest­set­zung der für die ver­schie­de­nen Wirt­schafts­teil­neh­mer die­ses Staa­tes gel­ten­den Zins­sät­ze, für den Wert der Port­fo­li­os der sol­che Anlei­hen besit­zen­den Finanz­in­sti­tu­te und für deren Fähig­keit, sich Liqui­di­tät zu beschaf­fen, eine maß­geb­li­che Rol­le spie­len. Des­halb kann durch eine Eli­mi­nie­rung oder Ver­rin­ge­rung über­höh­ter Risi­ko­zu­schlä­ge, die für die Staats­an­lei­hen eines Mit­glied­staats ver­langt wer­den, ver­mie­den wer­den, dass deren Vola­ti­li­tät und Höhe ein Hin­der­nis für die Über­tra­gung der Wir­kun­gen der geld­po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen des ESZB auf die Wirt­schaft die­ses Staa­tes bil­den und die Ein­heit­lich­keit der Geld­po­li­tik in Fra­ge stel­len.

    Im Übri­gen ist die Behaup­tung der EZB, dass allein die Ankün­di­gung des in den Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen Pro­gramms genügt habe, um die ange­streb­te Wir­kung, d. h. die Wie­der­her­stel­lung des geld­po­li­ti­schen Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus und der Ein­heit­lich­keit der Geld­po­li­tik, zu erzie­len, im Ver­lauf des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens nicht bestrit­ten wor­den.

    Aus den vor­ste­hen­den Erwä­gun­gen folgt, dass unter wirt­schaft­li­chen Bedin­gun­gen, wie sie die EZB zum Zeit­punkt der Pres­se­mit­tei­lung beschrie­ben hat, das ESZB recht­mä­ßig zu der Beur­tei­lung gelan­gen konn­te, dass ein Pro­gramm wie das in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­te geeig­net ist, zu den vom ESZB ver­folg­ten Zie­len und damit zur Gewähr­leis­tung der Preis­sta­bi­li­tät bei­zu­tra­gen.

    Dem­nach ist zwei­tens zu prü­fen, ob ein sol­ches Pro­gramm nicht offen­sicht­lich über das hin­aus­geht, was zur Errei­chung die­ser Zie­le erfor­der­lich ist.

    Inso­weit ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass sich aus dem Wort­laut der Pres­se­mit­tei­lung ein­deu­tig ergibt, dass das in den Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che Pro­gramm den Ankauf von Staats­an­lei­hen nur in dem Umfang gestat­tet, in dem er zur Errei­chung der Zie­le die­ses Pro­gramms erfor­der­lich ist, und dass die­se Ankäu­fe been­det wer­den, sobald die­se Zie­le erreicht sein wer­den.

    Es ist auch zu beach­ten, dass der Ankün­di­gung des in den Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen Pro­gramms mit­tels der Pres­se­mit­tei­lung gege­be­nen­falls eine zwei­te Pha­se fol­gen wird, näm­lich die der Durch­füh­rung die­ses Pro­gramms, die von einer umfas­sen­den Beur­tei­lung der geld­po­li­ti­schen Erfor­der­nis­se abhän­gen wird.

    Im Übri­gen ist fest­zu­stel­len, dass das in den Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che Pro­gramm mehr als zwei Jah­re nach sei­ner Ankün­di­gung nicht durch­ge­führt wor­den ist, da sei­ne Umset­zung nach Ansicht des EZB-Rates durch die wirt­schaft­li­che Lage im Euro-Wäh­rungs­ge­biet nicht gerecht­fer­tigt war.

    Über die strik­te Bin­dung der Durch­füh­rung eines Pro­gramms, wie es in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­digt wur­de, an die mit ihm ver­folg­ten Zie­le hin­aus ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass das poten­zi­el­le Aus­maß die­ses Pro­gramms in mehr­fa­cher Wei­se beschränkt wird.

    So darf das ESZB im Rah­men eines sol­chen Pro­gramms nur Staats­an­lei­hen von Mit­glied­staa­ten erwer­ben, die an einem makro­öko­no­mi­schen Anpas­sungs­pro­gramm teil­neh­men und erneut Zugang zum Anlei­he­markt haben. Über­dies kon­zen­triert sich ein Pro­gramm wie das in den Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che auf Staats­an­lei­hen mit einer Lauf­zeit von weni­ger als drei Jah­ren, wobei sich das ESZB die Mög­lich­keit vor­be­hält, die erwor­be­nen Anlei­hen jeder­zeit wie­der zu ver­kau­fen.

    Aus die­sen Gesichts­punk­ten ergibt sich zum einen, dass ein Pro­gramm wie das in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­te letzt­lich nur einen begrenz­ten Teil der von den Staa­ten des Euro-Wäh­rungs­ge­biets bege­be­nen Staats­an­lei­hen betrifft, so dass die Ver­pflich­tun­gen, die die EZB mit der Durch­füh­rung eines sol­chen Pro­gramms vor­aus­sicht­lich ein­geht, tat­säch­lich ein­ge­grenzt und beschränkt sind. Zum ande­ren kann ein sol­ches Pro­gramm nur zur Anwen­dung gelan­gen, wenn die Lage bestimm­ter die­ser Staa­ten bereits eine Inter­ven­ti­on des ESM gerecht­fer­tigt hat, die noch fort­dau­ert.

    Unter die­sen Umstän­den konn­te ein Pro­gramm, des­sen Volu­men in die­ser Wei­se beschränkt ist; vom ESZB in gül­ti­ger Wei­se beschlos­sen wer­den, ohne vor sei­ner Durch­füh­rung eine quan­ti­ta­ti­ve Beschrän­kung fest­zu­le­gen, zumal eine sol­che geeig­net erschie­ne, die Wirk­sam­keit die­ses Pro­gramms zu schwä­chen.

    Im Übri­gen ist, soweit das vor­le­gen­de Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Fra­ge der Selek­ti­vi­tät eines sol­chen Pro­gramms auf­wirft, dar­an zu erin­nern, dass die­ses Pro­gramm die Stö­run­gen der Geld­po­li­tik des ESZB behe­ben soll, die durch die beson­de­re Lage der Anlei­hen bestimm­ter Mit­glied­staa­ten her­vor­ge­ru­fen wer­den. Unter die­sen Umstän­den konn­te das ESZB zu Recht anneh­men, dass sich ein selek­ti­ves Pro­gramm des Anlei­he­kaufs als erfor­der­lich erwei­sen kann, um die­se Stö­run­gen dadurch aus­zu­räu­men, dass das ESZB sei­ne Tätig­keit auf die von die­sen Stö­run­gen beson­ders betrof­fe­nen Tei­le des Euro-Wäh­rungs­ge­biets kon­zen­triert und es so ver­mei­det, den Umfang des Pro­gramms über das hin­aus, was zur Errei­chung sei­ner Zie­le erfor­der­lich ist, unnö­tig zu ver­grö­ßern oder sei­ne Wirk­sam­keit zu ver­rin­gern.

    Es muss zudem fest­ge­stellt wer­den, dass ein Pro­gramm wie das in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­te die Mit­glied­staa­ten, deren Anlei­hen erwor­ben wer­den kön­nen, auf der Grund­la­ge von Kri­te­ri­en iden­ti­fi­ziert, die an die ver­folg­ten Zie­le geknüpft sind, und nicht im Wege einer will­kür­li­chen Aus­wahl.

    Drit­tens ist zu kon­sta­tie­ren, dass das ESZB die ver­schie­de­nen betei­lig­ten Inter­es­sen in der Wei­se gegen­ein­an­der abge­wo­gen hat, dass tat­säch­lich ver­mie­den wird, dass sich bei der Durch­füh­rung des frag­li­chen Pro­gramms Nach­tei­le erge­ben, die offen­sicht­lich außer Ver­hält­nis zu des­sen Zie­len ste­hen.

    Aus den vor­ste­hen­den Erwä­gun­gen folgt, dass ein Pro­gramm wie das in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­te nicht gegen den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ver­stößt.

    Zu Art. 123 Abs. 1 AEUV

    Das vor­le­gen­de Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wirft die Fra­ge auf, ob ein Pro­gramm für den Ankauf von Staats­an­lei­hen an den Sekun­där­märk­ten wie das in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­te mit Art. 123 Abs. 1 AEUV ver­ein­bar ist.

    Aus dem Wort­laut von Art. 123 Abs. 1 AEUV geht her­vor, dass die­se Bestim­mung der EZB und den Zen­tral­ban­ken der Mit­glied­staa­ten ver­bie­tet, öffent­lich-recht­li­chen Kör­per­schaf­ten und Ein­rich­tun­gen der Uni­on und der Mit­glied­staa­ten Über­zie­hungs- oder ande­re Kre­dit­fa­zi­li­tä­ten zu gewäh­ren oder unmit­tel­bar von ihnen Schuld­ti­tel zu erwer­ben 32.

    Folg­lich ver­bie­tet die­se Bestim­mung jede finan­zi­el­le Unter­stüt­zung des ESZB zuguns­ten eines Mit­glied­staats 33, ohne indes­sen in all­ge­mei­ner Wei­se die für das ESZB bestehen­de Mög­lich­keit aus­zu­schlie­ßen, von Gläu­bi­gern eines sol­chen Staa­tes Schuld­ti­tel zu erwer­ben, die die­ser Staat zuvor aus­ge­ge­ben hat.

    So gestat­tet Art. 18 Abs. 1 des Pro­to­kolls über das ESZB und die EZB dem ESZB, zur Errei­chung sei­ner Zie­le und zur Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben auf den Finanz­märk­ten tätig zu wer­den, indem es u. a. bör­sen­gän­gi­ge Wert­pa­pie­re, zu denen Staats­an­lei­hen gehö­ren, end­gül­tig kauft und ver­kauft, ohne dass die­se Ermäch­ti­gung an beson­de­re Bedin­gun­gen geknüpft ist, sofern nicht der Cha­rak­ter von Offen­markt­ge­schäf­ten als sol­cher miss­ach­tet wird.

    Gleich­wohl kann das ESZB nicht recht­mä­ßig Staats­an­lei­hen an den Sekun­där­märk­ten unter Vor­aus­set­zun­gen erwer­ben, die sei­nem Tätig­wer­den in der Pra­xis die glei­che Wir­kung wie ein unmit­tel­ba­rer Erwerb von Staats­an­lei­hen von den öffent­lich-recht­li­chen Kör­per­schaf­ten und Ein­rich­tun­gen der Mit­glied­staa­ten ver­lei­hen, und auf die­se Wei­se die Wirk­sam­keit des in Art. 123 Abs. 1 AEUV fest­ge­leg­ten Ver­bots in Fra­ge stel­len.

    Fer­ner ist zur Klä­rung der Fra­ge, wel­che For­men des Ankaufs von Staats­an­lei­hen mit die­ser Bestim­mung ver­ein­bar sind, auf den Zweck die­ser Bestim­mung abzu­stel­len 34.

    Inso­weit ist dar­an zu erin­nern, dass das in Art. 123 AEUV fest­ge­leg­te Ver­bot auf Art. 104 EG-Ver­trag (spä­ter Art. 101 EG) zurück­geht, der mit dem Maas­trich­ter Ver­trag in den EG-Ver­trag ein­ge­fügt wur­de.

    Aus den Vor­ar­bei­ten für den Maas­trich­ter Ver­trag ergibt sich, dass Art. 123 AEUV die Mit­glied­staa­ten dazu anhal­ten soll, eine gesun­de Haus­halts­po­li­tik zu befol­gen, indem ver­mie­den wird, dass eine mone­tä­re Finan­zie­rung öffent­li­cher Defi­zi­te oder Pri­vi­le­gi­en der öffent­li­chen Hand auf den Finanz­märk­ten zu einer über­mä­ßi­gen Ver­schul­dung oder über­höh­ten Defi­zi­ten der Mit­glied­staa­ten füh­ren 35.

    Daher dür­fen Ankäu­fe an dem Sekun­där­markt nicht ein­ge­setzt wer­den, um das mit Art. 123 AEUV ver­folg­te Ziel zu umge­hen, wie im sieb­ten Erwä­gungs­grund der Ver­ord­nung (EG) Nr. 3603/​93 des Rates vom 13.12 1993 zur Fest­le­gung der Begriffs­be­stim­mun­gen für die Anwen­dung der in [Art. 123 AEUV] und Art. [125 Abs. 1 AEUV] vor­ge­se­he­nen Ver­bo­te 36 bekräf­tigt wor­den ist.

    Folg­lich muss die EZB, wie der Gene­ral­an­walt in Nr. 227 sei­ner Schluss­an­trä­ge betont hat, wenn sie Staats­an­lei­hen an den Sekun­där­märk­ten erwirbt, ihr Tätig­wer­den mit hin­rei­chen­den Garan­ti­en ver­se­hen, um sicher­zu­stel­len, dass es mit dem in Art. 123 Abs. 1 AEUV fest­ge­leg­ten Ver­bot der mone­tä­ren Finan­zie­rung in Ein­klang steht.

    Hin­sicht­lich eines Pro­gramms wie des in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­ten ist ers­tens dar­auf hin­zu­wei­sen, dass das ESZB im Rah­men eines sol­chen Pro­gramms Staats­an­lei­hen nicht unmit­tel­bar von den öffent­lich-recht­li­chen Kör­per­schaf­ten und Ein­rich­tun­gen der Mit­glied­staa­ten, son­dern nur mit­tel­bar an den Sekun­där­märk­ten erwer­ben darf. Das Tätig­wer­den des ESZB im Rah­men eines Pro­gramms, wie es in den Aus­gangs­ver­fah­ren in Fra­ge steht, kann daher nicht einer finan­zi­el­len Unter­stüt­zungs­maß­nah­me für einen Mit­glied­staat gleich­ge­stellt wer­den.

    Indes­sen ist zwei­tens her­vor­zu­he­ben, dass das Tätig­wer­den des ESZB in der Pra­xis die glei­che Wir­kung wie der unmit­tel­ba­re Erwerb von Staats­an­lei­hen von den öffent­lich-recht­li­chen Kör­per­schaf­ten und Ein­rich­tun­gen der Mit­glied­staa­ten haben könn­te, wenn die Wirt­schafts­teil­neh­mer, die mög­li­cher­wei­se Staats­an­lei­hen auf dem Pri­mär­markt erwer­ben, die Gewiss­heit hät­ten, dass das ESZB die­se Anlei­hen bin­nen eines Zeit­raums und unter Bedin­gun­gen ankau­fen wür­de, die es die­sen Wirt­schafts­teil­neh­mern ermög­lich­ten, fak­tisch als Mit­tels­per­so­nen des ESZB für den unmit­tel­ba­ren Erwerb die­ser Anlei­hen von den öffent­lich-recht­li­chen Kör­per­schaf­ten und Ein­rich­tun­gen des betref­fen­den Mit­glied­staats zu agie­ren.

    Jedoch ist den Erläu­te­run­gen der EZB im Rah­men des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens zu ent­neh­men, dass die Durch­füh­rung eines Pro­gramms, wie es in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­digt wur­de, Bedin­gun­gen unter­lie­gen muss, mit denen ver­mie­den wer­den soll, dass die Inter­ven­tio­nen des ESZB an den Sekun­där­märk­ten die glei­che Wir­kung wie der unmit­tel­ba­re Erwerb von Staats­an­lei­hen an den Pri­mär­märk­ten haben.

    In die­ser Hin­sicht ergibt sich aus den von der EZB im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren vor­ge­leg­ten Ent­wür­fen für einen Beschluss und Leit­li­ni­en, dass der EZB-Rat dafür zustän­dig zu sein hät­te, über den Umfang, den Beginn, die Fort­set­zung und die Aus­set­zung der in einem sol­chen Pro­gramm vor­ge­se­he­nen Inter­ven­tio­nen an den Sekun­där­märk­ten zu ent­schei­den. Über­dies hat die EZB vor dem Uni­ons­ge­richts­hof klar­ge­stellt, dass das ESZB zum einen beab­sich­tigt, eine Min­dest­frist zwi­schen der Aus­ga­be eines Schuld­ti­tels auf dem Pri­mär­markt und sei­nem Ankauf an den Sekun­där­märk­ten ein­zu­hal­ten, und dass zum ande­ren eine vor­he­ri­ge Ankün­di­gung sei­ner Ent­schei­dung, sol­che Ankäu­fe vor­zu­neh­men, oder des Volu­mens der geplan­ten Ankäu­fe aus­ge­schlos­sen sein soll.

    Da sich durch die­se Garan­ti­en ver­hin­dern lässt, dass die Emis­si­ons­be­din­gun­gen für Staats­an­lei­hen durch die Gewiss­heit ver­fälscht wer­den, dass die­se Anlei­hen nach ihrer Aus­ga­be durch das ESZB erwor­ben wer­den, kann durch sie aus­ge­schlos­sen wer­den, dass die Durch­füh­rung eines Pro­gramms wie des in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­ten in der Pra­xis die glei­che Wir­kung hat wie der unmit­tel­ba­re Erwerb von Staats­an­lei­hen von den öffent­lich-recht­li­chen Kör­per­schaf­ten und Ein­rich­tun­gen der Mit­glied­staa­ten.

    Zwar bleibt trotz die­ser Garan­ti­en, wie das vor­le­gen­de Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dar­ge­legt hat, das Tätig­wer­den des ESZB geeig­net, einen gewis­sen Ein­fluss auf die Funk­ti­ons­wei­se des Pri­mär­markts und der Sekun­där­märk­te für Staats­an­lei­hen aus­zu­üben. Die­ser Umstand ist aber nicht ent­schei­dend, weil die­ser Ein­fluss, wie der Gene­ral­an­walt in Nr. 259 sei­ner Schluss­an­trä­ge aus­ge­führt hat, eine Wir­kung ist, die den vom AEU-Ver­trag erlaub­ten Ankäu­fen an den Sekun­där­märk­ten inhä­rent ist. Im Übri­gen ist die­se Wir­kung uner­läss­lich, um sol­che Ankäu­fe im Rah­men der Geld­po­li­tik wirk­sam ein­set­zen zu kön­nen.

    Drit­tens wür­de mit einem Pro­gramm, wie es in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­digt wur­de, das in Rn. 100 des vor­lie­gen­den Urteils genann­te Ziel von Art. 123 Abs. 1 AEUV umgan­gen, wenn es geeig­net wäre, den betref­fen­den Mit­glied­staa­ten den Anreiz zu neh­men, eine gesun­de Haus­halts­po­li­tik zu ver­fol­gen. Da näm­lich aus Art. 119 Abs. 2 AEUV, Art. 127 Abs. 1 AEUV und Art. 282 Abs. 2 AEUV her­vor­geht, dass das ESZB ohne Beein­träch­ti­gung des Ziels der Preis­sta­bi­li­tät die all­ge­mei­ne Wirt­schafts­po­li­tik in der Uni­on unter­stützt, darf die Tätig­keit des ESZB auf der Grund­la­ge von Art. 123 AEUV nicht der­ge­stalt sein, dass sie der Wirk­sam­keit die­ser Poli­tik zuwi­der­läuft, indem den Mit­glied­staa­ten der Anreiz genom­men wird, eine gesun­de Haus­halts­po­li­tik zu ver­fol­gen.

    Im Übri­gen beinhal­tet die Geld­po­li­tik fort­lau­fend, dass auf die Zins­sät­ze und die Refi­nan­zie­rungs­be­din­gun­gen der Ban­ken ein­ge­wirkt wird, was zwangs­läu­fig Kon­se­quen­zen für die Finan­zie­rungs­be­din­gun­gen des Haus­halts­de­fi­zits der Mit­glied­staa­ten hat.

    Jeden­falls wird durch die Merk­ma­le eines Pro­gramms wie des in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­ten aus­ge­schlos­sen, dass es als geeig­net ange­se­hen wer­den kann, den Mit­glied­staa­ten den Anreiz zur Ver­fol­gung einer gesun­den Haus­halts­po­li­tik zu neh­men.

    Inso­weit ist als Ers­tes dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die­ses Pro­gramm den Ankauf von Staats­an­lei­hen nur in dem Umfang vor­sieht, der für die Erhal­tung des geld­po­li­ti­schen Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus und der Ein­heit­lich­keit der Geld­po­li­tik erfor­der­lich ist, und dass die Ankäu­fe ein­ge­stellt wer­den, sobald die­se Zie­le erreicht sein wer­den.

    Die­se Begren­zung des Tätig­wer­dens des ESZB bedeu­tet zum einen, dass sich die Mit­glied­staa­ten bei der Fest­le­gung ihrer Haus­halts­po­li­tik nicht auf die Gewiss­heit stüt­zen kön­nen, dass ihre Staats­an­lei­hen künf­tig vom ESZB an den Sekun­där­märk­ten ange­kauft wer­den, und zum ande­ren, dass die­ses Pro­gramm nicht in einer Wei­se durch­ge­führt wer­den kann, durch die eine Har­mo­ni­sie­rung der Zins­sät­ze für die Staats­an­lei­hen der Mit­glied­staa­ten des Euro-Wäh­rungs­ge­biets unab­hän­gig von den Unter­schie­den bewirkt wür­de, die sich aus der makro­öko­no­mi­schen Lage oder der Haus­halts­la­ge die­ser Staa­ten erge­ben.

    Durch den Erlass und die Durch­füh­rung eines sol­chen Pro­gramms wird den Mit­glied­staa­ten daher weder ermög­licht, eine Haus­halts­po­li­tik zu ver­fol­gen, die die Tat­sa­che unbe­rück­sich­tigt lie­ße, dass sie im Fall eines Defi­zits nach einer Finan­zie­rung auf dem Markt zu suchen haben wer­den, noch kön­nen sie sich dadurch vor den Kon­se­quen­zen schüt­zen, die die Ent­wick­lung ihrer makro­öko­no­mi­schen Lage oder ihrer Haus­halts­la­ge unter die­sem Aspekt mit sich brin­gen kann.

    Als Zwei­tes ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass ein Pro­gramm wie das in den Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che mit einer Rei­he von Garan­ti­en ver­se­hen ist, die sei­ne Aus­wir­kun­gen auf den Anreiz, eine gesun­de Haus­halts­po­li­tik zu ver­fol­gen, begren­zen sol­len.

    So hat die EZB dadurch, dass sie die­ses Pro­gramm auf bestimm­te Arten von Anlei­hen beschränkt hat, die nur von Mit­glied­staa­ten aus­ge­ge­ben wor­den sind, die an einem struk­tu­rel­len Anpas­sungs­pro­gramm teil­neh­men und erneut Zugang zum Anlei­he­markt haben, fak­tisch das Volu­men der Staats­an­lei­hen beschränkt, die im Rah­men die­ses Pro­gramms erwor­ben wer­den kön­nen, und damit die Inten­si­tät der Aus­wir­kun­gen die­ses Pro­gramms auf die Finan­zie­rungs­be­din­gun­gen der Staa­ten des Euro-Wäh­rungs­ge­biets begrenzt.

    Im Übri­gen wer­den die Aus­wir­kun­gen, die ein Pro­gramm wie das in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­te auf den Anreiz hat, eine gesun­de Haus­halts­po­li­tik zu ver­fol­gen, auch durch die für das ESZB bestehen­de Mög­lich­keit beschränkt, die erwor­be­nen Anlei­hen jeder­zeit wie­der zu ver­kau­fen. Denn dar­aus ergibt sich, dass die Fol­gen, die dar­aus ent­ste­hen, dass die­se Anlei­hen vom Markt genom­men wer­den, poten­zi­ell vor­über­ge­hen­der Art sind. Die­se Mög­lich­keit erlaubt es dem ESZB auch, sein Pro­gramm nach Maß­ga­be der Hal­tung des betref­fen­den Mit­glied­staats anzu­pas­sen, so ins­be­son­de­re durch eine Ein­schrän­kung oder Aus­set­zung der Ankäu­fe von Staats­an­lei­hen, wenn ein Mit­glied­staat sein Emis­si­ons­ver­hal­ten dahin ändert, dass er mehr Anlei­hen mit kur­zer Lauf­zeit aus­gibt, um sei­nen Haus­halt mit­tels Anlei­hen zu finan­zie­ren, die poten­zi­ell unter die Inter­ven­ti­on des ESZB fal­len.

    Dass das ESZB auch die Mög­lich­keit hat, die erwor­be­nen Anlei­hen bis zum Ein­tritt ihrer Fäl­lig­keit zu behal­ten, spielt inso­weit kei­ne aus­schlag­ge­ben­de Rol­le, weil die­se Mög­lich­keit vor­aus­setzt, dass eine sol­che Hand­lungs­wei­se zur Ver­wirk­li­chung der ange­streb­ten Zie­le erfor­der­lich ist, und jeden­falls den betei­lig­ten Wirt­schafts­teil­neh­mern nicht die Gewiss­heit gewährt, dass das ESZB von die­ser Opti­on Gebrauch machen wird. Im Übri­gen ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass eine sol­che Vor­ge­hens­wei­se durch Art. 18 Abs. 1 des Pro­to­kolls über das ESZB und die EZB kei­nes­wegs aus­ge­schlos­sen wird und kei­nen Ver­zicht dar­auf bedeu­tet, dass der Mit­glied­staat, der die Anlei­he aus­ge­ge­ben hat, bei Ein­tritt ihrer Fäl­lig­keit sei­ne Schuld begleicht.

    Über­dies schließt das ESZB dadurch, dass es einen Erwerb von Staats­an­lei­hen nur von Mit­glied­staa­ten vor­sieht, die erneut Zugang zum Anlei­he­markt haben, von dem vor­ge­se­he­nen Pro­gramm in der Pra­xis die­je­ni­gen Mit­glied­staa­ten aus, deren finan­zi­el­le Lage der­art zer­rüt­tet ist, dass sie kei­ne Finan­zie­rung mehr auf dem Markt erhal­ten könn­ten.

    Schließ­lich wird dadurch, dass der Ankauf von Staats­an­lei­hen von der voll­stän­di­gen Ein­hal­tung der struk­tu­rel­len Anpas­sungs­pro­gram­me abhängt, denen die betref­fen­den Staa­ten unter­lie­gen, aus­ge­schlos­sen, dass ein Pro­gramm wie das in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­te die­se Staa­ten dazu ver­an­las­sen könn­te, auf eine Sanie­rung ihrer öffent­li­chen Finan­zen zu ver­zich­ten, indem sie sich auf die Finan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten stüt­zen, die ihnen die Durch­füh­rung eines sol­chen Pro­gramms eröff­nen könn­te.

    Aus den vor­ste­hen­den Erwä­gun­gen ergibt sich, dass ein Pro­gramm wie das in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­te nicht bewirkt, dass den betref­fen­den Mit­glied­staa­ten der Anreiz genom­men wür­de, eine gesun­de Haus­halts­po­li­tik zu ver­fol­gen. Folg­lich ver­bie­tet es Art. 123 Abs. 1 AEUV dem ESZB nicht, ein sol­ches Pro­gramm unter Vor­aus­set­zun­gen zu beschlie­ßen und durch­zu­füh­ren, unter denen dem Tätig­wer­den des ESZB nicht die glei­che Wir­kung zukommt wie dem unmit­tel­ba­ren Erwerb von Staats­an­lei­hen von den öffent­lich-recht­li­chen Kör­per­schaf­ten und Ein­rich­tun­gen der Mit­glied­staa­ten.

    Die vom vor­le­gen­den Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt spe­zi­ell ange­spro­che­nen Merk­ma­le eines sol­chen Pro­gramms, die im Rah­men der in den vor­ste­hen­den Rand­num­mern wie­der­ge­ge­be­nen Beur­tei­lung nicht erör­tert wor­den sind, ver­mö­gen die­ses Ergeb­nis nicht in Fra­ge zu stel­len.

    So wer­den dadurch, dass die­ses Pro­gramm – wenn dies als zutref­fend unter­stellt wird – die EZB einem erheb­li­chen Ver­lust­ri­si­ko aus­set­zen könn­te, in kei­ner Wei­se die Garan­ti­en geschwächt, mit denen die­ses Pro­gramm ver­se­hen ist, um zu ver­mei­den, dass den Mit­glied­staa­ten der Anreiz genom­men wird, eine gesun­de Haus­halts­po­li­tik zu ver­fol­gen.

    Inso­weit ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die­se Garan­ti­en auch geeig­net sind, das von der EZB ein­ge­gan­ge­ne Ver­lust­ri­si­ko zu ver­rin­gern.

    Im Übri­gen ist dar­an zu erin­nern, dass eine Zen­tral­bank wie die EZB ver­pflich­tet ist, Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, die, wie Offen­markt­ge­schäf­te, unver­meid­lich ein Ver­lust­ri­si­ko für sie mit sich brin­gen. Art. 33 des Pro­to­kolls über das ESZB und die EZB ent­hält gera­de eine Rege­lung dafür, wie die Ver­lus­te der EZB auf­zu­tei­len sind, ohne in beson­de­rer Wei­se die Risi­ken ein­zu­gren­zen, die die EZB zur Ver­wirk­li­chung ihrer wäh­rungs­po­li­ti­schen Zie­le ein­ge­hen darf.

    Auch wenn im Übri­gen der Ver­zicht auf eine pri­vi­le­gier­te Gläu­bi­ger­stel­lung die EZB mög­li­cher­wei­se einer Ver­lust­quo­te aus­setzt, über die die übri­gen Gläu­bi­ger des betref­fen­den Mit­glied­staats ent­schei­den, ist fest­zu­stel­len, dass es sich hier­bei um ein Risi­ko han­delt, das jedem Anlei­he­kauf an den Sekun­där­märk­ten inne­wohnt, der von den Ver­fas­sern der Ver­trä­ge gleich­wohl zuge­las­sen wur­de, ohne vor­aus­zu­set­zen, dass der EZB eine pri­vi­le­gier­te Gläu­bi­ger­stel­lung ein­ge­räumt wird.

    Im Licht der Gesamt­heit der vor­ste­hen­den Erwä­gun­gen ist auf die Vor­la­ge­fra­gen zu ant­wor­ten, dass Art. 119 AEUV, Art. 123 Abs. 1 AEUV und Art. 127 Abs. 1 und 2 AEUV sowie die Art. 17 bis 24 des Pro­to­kolls über das ESZB und die EZB dahin aus­zu­le­gen sind, dass sie das ESZB dazu ermäch­ti­gen, ein Pro­gramm für den Ankauf von Staats­an­lei­hen an den Sekun­där­märk­ten wie das in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­dig­te zu beschlie­ßen.

    Die Neu­be­ra­tung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts[↑]

    Über die Ver­fas­sungs­be­schwer­den und die Anträ­ge im Organ­streit­ver­fah­ren hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­ner gegen­wär­ti­gen Beset­zung zu ent­schei­den. Zwar sind die Rich­te­rin König und der Rich­ter Mai­dow­ski erst nach der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 11. und 12.06.2013, dem Beschluss über die Abtren­nung der vor­lie­gen­den Ver­fah­ren vom 17.12 2013 11 und dem Beschluss über die Ein­ho­lung einer Vor­ab­ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on vom 14.01.2014 37 in den Zwei­ten Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ein­ge­tre­ten. Auch kön­nen nach § 15 Abs. 3 Satz 1 BVerfGG nach Beginn der Bera­tung einer Sache wei­te­re Rich­ter nicht hin­zu­tre­ten. Die­ses Hin­zu­tritts­ver­bot soll ver­hin­dern, dass Rich­ter an der Bera­tung und Ent­schei­dung betei­ligt sind, die nicht über den bis dahin erar­bei­te­ten Dis­kus­si­ons­stand ver­fü­gen und inso­fern auf einer ande­ren Grund­la­ge mit­be­ra­ten und mit­ent­schei­den müs­sen als die von Anfang an betei­lig­ten Rich­ter 38.

    § 15 Abs. 3 Satz 1 BVerfGG fin­det aller­dings kei­ne Anwen­dung, wenn mit der Bera­tung neu begon­nen wur­de. Ein sol­cher Neu­be­ginn ist nicht nur in den Fäl­len des § 15 Abs. 3 Satz 2 BVerfGG 39 ange­zeigt. Anlass, die Bera­tung neu zu begin­nen, kann auch bestehen, wenn nach Beginn der ursprüng­li­chen Bera­tung das Ple­num des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ange­ru­fen wur­de und die­ses gemäß § 16 BVerfGG ent­schie­den hat oder eine ande­re exter­ne Zwi­schen­ent­schei­dung ein­ge­holt wor­den ist, wie das ins­be­son­de­re bei einer Vor­ab­ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on nach Art. 267 AEUV der Fall ist. Ein Neu­be­ginn der Bera­tung ist schließ­lich erfor­der­lich, wenn die vor­an­ge­gan­ge­ne Bera­tung aus ande­ren Grün­den so lan­ge zurück­liegt, dass der Bera­tungs­stand nicht mehr hin­rei­chend prä­sent ist 40.

    Über die Fra­ge, ob ein Neu­be­ginn erfor­der­lich ist, hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­ner ursprüng­li­chen Beset­zung ohne Betei­li­gung der bei­den neu hin­zu­ge­tre­te­nen Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­mit­glie­der, Rich­te­rin König und Rich­ter Mai­dow­ski, zu ent­schei­den (§ 15 Abs. 3 Satz 1 BVerfGG) 41. Der Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat am 3.06.2015 beschlos­sen, erneut in die Bera­tung ein­zu­tre­ten. Das auf das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 14.01.2014 ergan­ge­ne Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on vom 16.06.2015, das die uni­ons­recht­li­che Trag­wei­te des Grund­satz­be­schlus­ses des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 06.09.2012 defi­niert und damit auch die Grund­la­ge für die Ultra-vires-Kon­trol­le des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts kon­kre­ti­siert hat, stellt eine inhalt­li­che Zäsur dar, weil auf sei­ner Grund­la­ge die wesent­li­chen, im Ver­fah­ren auf­ge­wor­fe­nen Rechts­fra­gen neu zu beur­tei­len sind.

    Ob nach dem Neu­be­ginn der Bera­tung eine – gege­be­nen­falls aber­ma­li­ge – münd­li­che Ver­hand­lung durch­zu­füh­ren ist, war nach den all­ge­mei­nen Regeln des § 25 BVerfGG zu ent­schei­den 42.

    Der Beschluss vom 03.06.2015 ist mit 5:1 Stim­men ergan­gen.

    Zuläs­sig­keit der Ver­fas­sungs­be­schwer­den[↑]

    Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den der Beschwer­de­füh­rer sind zuläs­sig, soweit sie rügen, die Bun­des­re­gie­rung ver­let­ze durch ihre Untä­tig­keit, gegen den Grund­satz­be­schluss über das OMT-Pro­gramm vor­zu­ge­hen, die Beschwer­de­füh­rer in ihrem Recht aus Art. 38 Abs. 1 Satz 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 und Art. 79 Abs. 3 GG. Soweit sie eine hin­rei­chend qua­li­fi­zier­te Kom­pe­tenz­über­schrei­tung der Euro­päi­schen Zen­tral­bank durch den Grund­satz­be­schluss über das OMT-Pro­gramm und sei­ne etwai­ge Umset­zung dar­le­gen, geht aus ihrem Vor­trag jeden­falls die Mög­lich­keit einer sol­chen Grund­rechts­ver­let­zung her­vor. Das­sel­be gilt, soweit der Beschwer­de­füh­rer dar­über hin­aus eine die Ver­fas­sungs­iden­ti­tät ver­let­zen­de Beein­träch­ti­gung der haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges auf­zeigt.

    Die Beschwer­de­füh­rer tra­gen hin­rei­chend sub­stan­ti­iert vor (§ 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG), dass sie durch ein Unter­las­sen der Bun­des­re­gie­rung, das taug­li­cher Beschwer­de­ge­gen­stand einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de sein kann (§ 95 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG) 43, in einem nach Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG und § 90 Abs. 1 BVerfGG beschwer­de­fä­hi­gen Grund­recht oder grund­rechts­glei­chen Recht selbst, gegen­wär­tig und unmit­tel­bar ver­letzt sein könn­ten.

    Aus dem Vor­trag der Beschwer­de­füh­rer geht die Mög­lich­keit her­vor, dass der Grund­satz­be­schluss über das OMT-Pro­gramm vom 06.09.2012 und sei­ne etwai­ge Umset­zung hin­rei­chend qua­li­fi­zier­te Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen der Euro­päi­schen Zen­tral­bank dar­stel­len, die – von den Beschwer­de­füh­rern ein­klag­ba­re – Reak­ti­ons­pflich­ten der Bun­des­re­gie­rung nach sich zie­hen kön­nen.

    Das Wahl­recht ver­mit­telt dem Bür­ger in sei­nem durch Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG geschütz­ten Kern ein Recht dar­auf, dass Orga­ne, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­ge Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on nur sol­che Zustän­dig­kei­ten aus­üben, die ihnen vom Inte­gra­ti­ons­ge­setz­ge­ber nach Maß­ga­be des Art. 23 Abs. 1 GG über­tra­gen wor­den sind. Dar­aus kann sich ein Anspruch gegen­über den Ver­fas­sungs­or­ga­nen erge­ben, im Rah­men ihrer Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung Zustän­dig­keits­über­schrei­tun­gen von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on ent­ge­gen­zu­tre­ten.

    Das durch Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG geschütz­te Wahl­recht zum Deut­schen Bun­des­tag gewähr­leis­tet als grund­rechts­glei­ches Recht die poli­ti­sche Selbst­be­stim­mung der Bür­ger und garan­tiert ihnen die freie und glei­che Teil­ha­be an der Legi­ti­ma­ti­on der in Deutsch­land aus­ge­üb­ten Staats­ge­walt 44. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts erschöpft sich das Wahl­recht nicht in einer for­ma­len Legi­ti­ma­ti­on der (Bun­des-) Staats­ge­walt, son­dern ver­mit­telt dem Ein­zel­nen einen Anspruch dar­auf, mit sei­ner Wahl­ent­schei­dung Ein­fluss auf die poli­ti­sche Wil­lens­bil­dung neh­men und etwas bewir­ken zu kön­nen. Im Anwen­dungs­be­reich von Art. 23 GG schützt es den Bür­ger davor, dass die durch die Wahl bewirk­te Legi­ti­ma­ti­on von Staats­ge­walt und die Ein­fluss­nah­me auf deren Aus­übung durch die Ver­la­ge­rung von Auf­ga­ben und Befug­nis­sen des Deut­schen Bun­des­ta­ges auf die euro­päi­sche Ebe­ne so ent­leert wird, dass das Demo­kra­tie­prin­zip ver­letzt wird 45.

    Ver­mit­telt Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG dem ein­zel­nen Wahl­be­rech­tig­ten zur Siche­rung sei­ner demo­kra­ti­schen Ein­fluss­mög­lich­keit im Pro­zess der euro­päi­schen Inte­gra­ti­on grund­sätz­lich ein Recht dar­auf, dass eine Ver­la­ge­rung von Hoheits­rech­ten nur in den dafür vor­ge­se­he­nen For­men von Art. 23 Abs. 1 Sät­ze 2 und 3, Art. 79 Abs. 2 GG geschieht, so kann die­ses Recht durch eine eigen­mäch­ti­ge Inan­spruch­nah­me hoheit­li­cher Befug­nis­se durch Orga­ne, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­ge Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on ver­letzt wer­den, weil der demo­kra­ti­sche Ent­schei­dungs­pro­zess, den die Art. 23 Abs. 1 und Art. 79 Abs. 2 GG gewähr­leis­ten, in einem sol­chen Fall unter­lau­fen wer­den kann. Dies kann den zur Ver­fas­sungs-iden­ti­tät des Grund­ge­set­zes zäh­len­den Grund­satz der Volks­sou­ve­rä­ni­tät aus Art.20 Abs. 2 Satz 1 GG, dem­zu­fol­ge jede in Deutsch­land aus­ge­üb­te öffent­li­che Gewalt einer auf die Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler zurück­führ­ba­ren Legi­ti­ma­ti­on bedarf, ver­let­zen 46.

    Satz 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 und Art. 79 Abs. 3 GG gewährt des­halb auch Schutz vor hin­rei­chend qua­li­fi­zier­ten Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen der Orga­ne, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on. Der objek­tiv­recht­lich begrün­de­ten Reak­ti­ons­pflicht von Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­tag, sich als Aus­fluss der ihnen oblie­gen­den Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung 47 aktiv mit der Fra­ge aus­ein­an­der­zu­set­zen, wie im Fal­le eines Ultra-vires-Han­delns von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on die Kom­pe­tenz­ord­nung wie­der­her­ge­stellt wer­den kann, ent­spricht inso­weit auch ein sub­jek­ti­ves Recht des Bür­gers 48. Vor­aus­set­zung der Zuläs­sig­keit einer hier­auf gestütz­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist aller­dings die Dar­le­gung der aus dem Grund­satz der Euro­pa­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes flie­ßen­den beson­de­ren Anfor­de­run­gen einer Ultra-vires-Rüge.

    Für die Gel­tend­ma­chung des aus Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG fol­gen­den Rechts ist nur inso­weit Raum, als der Ent­lee­rung des Wahl­rechts nicht auf ande­re Wei­se – durch die Anru­fung von Fach­ge­rich­ten oder die Ein­ho­lung einer Vor­ab­ent­schei­dung durch den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on – abge­hol­fen wor­den ist.

    Das Vor­brin­gen der Beschwer­de­füh­rer genügt hin­sicht­lich des OMT-Pro­gramms die­sen Anfor­de­run­gen.

    Der Beschwer­de­füh­rer setzt sich ein­ge­hend mit den beson­de­ren Vor­aus­set­zun­gen der Ultra-vires-Rüge aus­ein­an­der. Er erläu­tert, war­um das OMT-Pro­gramm die Kom­pe­ten­zen der Euro­päi­schen Zen­tral­bank sei­ner Auf­fas­sung nach über­schrei­te und dass es allein wegen sei­ner mög­li­chen Grö­ßen­ord­nung und den dar­aus resul­tie­ren­den Risi­ken für den Bun­des­haus­halt die Kom­pe­tenz­ver­tei­lung zwi­schen der Euro­päi­schen Uni­on und den Mit­glied­staa­ten erheb­lich beein­träch­ti­ge. Die geld­po­li­ti­sche Zustän­dig­keit der Euro­päi­schen Zen­tral­bank grenzt er von der mit­glied­staat­li­chen Zustän­dig­keit für die Fis­kal­po­li­tik im Ein­zel­nen ab und legt, dar­auf auf­bau­end, dar, war­um Anlei­he­käu­fe auf der Grund­la­ge des Grund­satz­be­schlus­ses über das OMT-Pro­gramm als fis­kal­po­li­ti­sche Maß­nah­men die Kom­pe­ten­zen der Euro­päi­schen Zen­tral­bank über­schrit­ten und der Beschwer­de­füh­rer des­halb durch das Feh­len einer Reak­ti­on der Bun­des­re­gie­rung in sei­nem Recht aus Art. 38 Abs. 1 Satz 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 und Art. 79 Abs. 3 GG beein­träch­tigt sei. Dass der Antrag auf ein kon­kre­tes Tätig­wer­den der Bun­des­re­gie­rung – Erhe­bung einer Kla­ge vor dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on – zielt, macht ihn nicht unzu­läs­sig. Aus der Begrün­dung des Antrags geht her­vor, dass die Ver­fas­sungs­be­schwer­de auf die Auf­he­bung des Beschlus­ses vom 06.09.2012 zielt und sich inten­siv mit dies­be­züg­li­chen Hand­lungs­op­tio­nen der Bun­des­re­gie­rung aus­ein­an­der­setzt. Zur Ermitt­lung des wah­ren Rechts­schutz­ziels ist der Antrag daher ent­spre­chend aus­zu­le­gen 49.

    Auch die Beschwer­de­füh­rer zu II. und III. rügen die Maß­nah­men der Euro­päi­schen Zen­tral­bank als aus­bre­chen­de Rechts­ak­te, die zu einer Struk­tur­ver­än­de­rung im Gefü­ge zwi­schen der Euro­päi­schen Uni­on und den Mit­glied­staa­ten führ­ten und den Bun­des­haus­halt zumin­dest mit­tel­bar belas­te­ten. Sie legen dar, war­um der Grund­satz­be­schluss über das OMT-Pro­gramm auf eine gegen das Uni­ons­recht ver­sto­ßen­de Staats­fi­nan­zie­rung durch die Euro­päi­sche Zen­tral­bank hin­aus­lau­fe und dass sich Ver­lus­te der Euro­päi­schen Zen­tral­bank ohne hin­rei­chen­de par­la­men­ta­ri­sche Kon­trol­le auf den Bun­des­haus­halt aus­wir­ken könn­ten.

    Die damit auf­ge­zeig­te Mög­lich­keit einer qua­li­fi­zier­ten Kom­pe­tenz­über­schrei­tung ist eine hin­rei­chen­de Bedin­gung für eine Akti­vie­rung der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung der Bun­des­re­gie­rung, die auf die­ser Grund­la­ge ver­pflich­tet sein könn­te, auf eine Been­di­gung der behaup­te­ten Kom­pe­tenz­über­schrei­tung hin­zu­wir­ken. Da aus einer Pflicht zum Han­deln – den grund­recht­li­chen Schutz­pflich­ten nicht unähn­lich – in der Regel kein Anspruch auf ein kon­kre­tes Tätig­wer­den folgt, genügt die Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Beschwer­de­füh­rer zu II. und III. auch inso­weit den Anfor­de­run­gen an eine ord­nungs­ge­mä­ße Begrün­dung, als sie vor­tra­gen, dass jeden­falls die voll­stän­di­ge Untä­tig­keit ver­fas­sungs­recht­lich nicht hin­zu­neh­men sei und dass etwa mit der Mög­lich­keit der Kla­ge­er­he­bung vor dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on eine kon­kre­te Reak­ti­ons­mög­lich­keit tat­säch­lich bestehe.

    Die Beschwer­de­füh­rer haben auch dar­ge­legt, dass sie durch das ange­grif­fe­ne Unter­las­sen der Bun­des­re­gie­rung selbst, unmit­tel­bar und gegen­wär­tig betrof­fen sind. Sind der Grund­satz­be­schluss des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 06.09.2012 und des­sen Umset­zung mög­li­cher­wei­se qua­li­fi­zier­te Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen, ist die Bun­des­re­gie­rung auf­grund ihrer Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung zum Han­deln ver­pflich­tet. Dass der Grund­satz­be­schluss über das OMT-Pro­gramm bis­lang nicht umge­setzt wor­den ist, ändert dar­an nichts.

    Der Grund­satz­be­schluss über das OMT-Pro­gramm vom 06.09.2012 stellt sich, wie aus dem Pro­to­koll der Sit­zung des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank und der Pres­se­mit­tei­lung ersicht­lich ist, als Beschluss im Rechts­sin­ne dar (vgl. Art. 132 Abs. 1 2. Spie­gel­strich AEUV), der die tech­ni­schen Rah­men­be­din­gun­gen künf­ti­ger Anlei­he­käu­fe fest­legt. Dies wur­de von den Ver­tre­tern der Euro­päi­schen Zen­tral­bank und der Deut­schen Bun­des­bank im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren bestä­tigt. Wie sich in des­sen Ver­lauf gezeigt hat; und vom Ver­tre­ter der Euro­päi­schen Zen­tral­bank in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 16.02.2016 eben­falls bestä­tigt wor­den ist, hat­ten die­ser Beschluss und die dar­in kon­kre­ti­sier­te Ankün­di­gung künf­ti­ger Anlei­he­käu­fe, unter­stützt von der Kom­mu­ni­ka­ti­on der Euro­päi­schen Zen­tral­bank, bereits als sol­che erheb­li­che Aus­wir­kun­gen auf die Finanz­märk­te 50. Dar­in liegt eine eigen­stän­di­ge und beab­sich­tig­te Wir­kung des OMT-Pro­gramms.

    Dar­über hin­aus ist, wie die Euro­päi­sche Zen­tral­bank und die Deut­sche Bun­des­bank in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 16.02.2016 eben­falls dar­ge­legt haben, eine Umset­zung des Grund­satz­be­schlus­ses über das OMT-Pro­gramm noch immer mög­lich. Er ist ins­be­son­de­re nicht durch jün­ge­re Ankauf­pro­gram­me obso­let gewor­den. Die nach wie vor bestehen­de Umset­zungs­mög­lich­keit ist, wie der Prä­si­dent der Deut­schen Bun­des­bank auf­ge­zeigt hat, der eigent­li­che Grund für die anhal­ten­de Wir­kung des Grund­satz­be­schlus­ses über das OMT-Pro­gramm vom 06.09.2012 auf den Finanz­märk­ten. Sei­ne kon­kre­te Umset­zung kann jeder­zeit und inner­halb kür­zes­ter Fris­ten erfol­gen. Inso­fern sind – wie auch mit Blick auf die nicht mehr kor­ri­gier­ba­ren Fol­gen einer Umset­zung – die Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung vor­beu­gen­den Rechts­schut­zes erfüllt 51.

    Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die Durch­füh­rung des OMT-Pro­gramms – wie die Bun­des­re­gie­rung in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 16.02.2016 erst­mals vor­ge­tra­gen hat – mit­tel­bar von einer Zustim­mung des Bun­des­ta­ges abhän­gen könn­te. Zwar schei­nen kon­kre­te Anlei­he­käu­fe nach dem Wort­laut des Grund­satz­be­schlus­ses über das OMT-Pro­gramm ent­we­der an ein Sta­bi­li­täts­pro­gramm oder eine vor­läu­fi­ge Finanz­hil­fe von EFSF oder ESM anzu­knüp­fen, wenn die­se die Mög­lich­keit von Pri­mär­markt­käu­fen vor­se­hen (vgl. Art. 17 ESMV). In die­sem Fall setz­te die für der­ar­ti­ge Pro­gram­me not­wen­di­ge ein­stim­mi­ge Ent­schei­dung des ESM-Gou­ver­neurs­ra­tes (Art. 4 Abs. 2, Art. 5 Abs. 6 Buch­sta­be f, Art. 13 Abs. 2 ESMV) in der Tat eine Zustim­mung des Bun­des­mi­nis­ters der Finan­zen vor­aus, die ihrer­seits nur mög­lich ist, wenn der Deut­sche Bun­des­tag zuvor einen zustim­men­den Beschluss gefasst hat (§ 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1, Abs. 2 ESMFinG) 52. Öffent­li­che Äuße­run­gen des Bun­des­mi­nis­ters der Finan­zen legen auch nahe, dass die Bun­des­re­gie­rung sol­chen Hilfs­pro­gram­men nicht zustim­men wür­de.

    Abge­se­hen davon, dass der Rege­lungs­ge­halt des Grund­satz­be­schlus­ses inso­fern unklar ist, gilt die Beschrän­kung des OMT-Pro­gramms auf Hilfs­pro­gram­me mit Pri­mär­markt-Unter­stüt­zungs­fa­zi­li­tät jeden­falls nur für künf­ti­ge, nicht jedoch für bereits bestehen­de makro­öko­no­mi­sche Anpas­sungs­pro­gram­me, die sol­che Pri­mär­markt­fa­zi­li­tä­ten nach Aus­kunft der Bun­des­re­gie­rung bis­lang nicht ent­hal­ten haben. Andern­falls mach­te weder die Erstre­ckung auf die EFSF noch die Rege­lung über bestehen­de Anpas­sungs­pro­gram­me Sinn. Das lässt sich auch der schrift­li­chen Ein­las­sung der Euro­päi­schen Zen­tral­bank ent­neh­men.

    Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist auch inso­weit zuläs­sig, als sie eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Untä­tig­keit der Bun­des­re­gie­rung im Hin­blick auf eine mög­li­che Beein­träch­ti­gung der haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges rügt. Sie legt unter Bezug­nah­me auf die Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­recht­spre­chung zu Art. 79 Abs. 3 GG und Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 GG hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar, dass das OMT-Pro­gramm zu erheb­li­chen Risi­ken für den Bun­des­haus­halt füh­ren kön­ne, so dass in gro­ßem Umfang ohne kon­sti­tu­ti­ve Zustim­mung des Bun­des­ta­ges über Haus­halts­mit­tel ent­schie­den wür­de. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de führt fer­ner aus, dass es der Euro­päi­schen Zen­tral­bank inso­weit an demo­kra­ti­scher Legi­ti­ma­ti­on feh­le. Die Gren­zen für eine zuläs­si­ge Modi­fi­ka­ti­on des Demo­kra­tie­prin­zips auf der Grund­la­ge von Art. 88 GG, die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Maas­tricht, Urteil auf­ge­zeigt habe, wür­den dadurch über­schrit­ten, dass sich die Euro­päi­sche Zen­tral­bank nicht län­ger auf die Siche­rung der Geld­wert­sta­bi­li­tät beschrän­ke, son­dern Wirt­schafts­po­li­tik betrei­be. Damit legt der Beschwer­de­füh­rer hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar, dass die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges beein­träch­tigt wer­de und er dadurch, dass die Bun­des­re­gie­rung trotz ihrer Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung untä­tig geblie­ben sei, in sei­nen Rech­ten aus Art. 38 Abs. 1 Satz 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 und Art. 79 Abs. 3 GG ver­letzt sei 53.

    Im Übri­gen sind die Ver­fas­sungs­be­schwer­den unzu­läs­sig.

    Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den sind unzu­läs­sig, soweit sie sich gegen den Grund­satz­be­schluss vom 06.09.2012 über das OMT-Pro­gramm rich­ten. Das gilt auch für die Ver­fas­sungs­be­schwer­de, die sich aus­schließ­lich gegen die­sen Beschluss wen­det. Eben­falls unzu­läs­sig sind die Ver­fas­sungs­be­schwer­den, soweit sie sich gegen bereits erfolg­te und künf­ti­ge Ankäu­fe von Ver­mö­gens­wer­ten durch die Euro­päi­sche Zen­tral­bank im Rah­men des SMP und des OMT-Pro­gramms wen­den. Den Ver­fas­sungs­be­schwer­den lie­gen inso­weit kei­ne taug­li­chen Beschwer­de­ge­gen­stän­de zugrun­de.

    Maß­nah­men von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on sind kei­ne Akte deut­scher öffent­li­cher Gewalt im Sin­ne von Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG, § 90 Abs. 1 BVerfGG und daher auch nicht unmit­tel­ba­rer Beschwer­de­ge­gen­stand im Ver­fah­ren der Ver­fas­sungs­be­schwer­de 54. Das gilt auch für Maß­nah­men der Euro­päi­schen Zen­tral­bank.

    Sol­che Maß­nah­men kön­nen im Rah­men einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de jedoch – als Vor­fra­ge – Gegen­stand der Prü­fung durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt sein, soweit sie die Grund­rechts­be­rech­tig­ten in Deutsch­land betref­fen. Sie berüh­ren die Gewähr­leis­tun­gen des Grund­ge­set­zes und die Auf­ga­ben des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, die den Grund­rechts­schutz in Deutsch­land und inso­weit nicht nur gegen­über deut­schen Staats­or­ga­nen zum Gegen­stand haben 55.

    Eine sol­che Prü­fungs­be­fug­nis des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in Bezug auf Maß­nah­men nicht­deut­scher Hoheits­trä­ger besteht daher nur inso­weit, als die­se Maß­nah­men ent­we­der Grund­la­ge von Hand­lun­gen deut­scher Staats­or­ga­ne sind 56 oder aus der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung fol­gen­de Reak­ti­ons­pflich­ten deut­scher Ver­fas­sungs­or­ga­ne aus­lö­sen 57. Inso­fern prüft das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit­tel­bar auch Maß­nah­men von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on dar­auf­hin, ob sie durch das auf der Grund­la­ge von Art. 23 Abs. 1 Satz 2 GG durch das Zustim­mungs­ge­setz gebil­lig­te Inte­gra­ti­ons­pro­gramm gedeckt sind oder gegen die der euro­päi­schen Inte­gra­ti­on durch das Grund­ge­setz sonst gezo­ge­nen Gren­zen ver­sto­ßen 58.

    Danach sind hier weder das SMP noch das OMT-Pro­gramm als sol­che taug­li­cher Gegen­stand der Ver­fas­sungs­be­schwer­de, wohl aber eine ihre Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung ver­let­zen­de Untä­tig­keit deut­scher Ver­fas­sungs­or­ga­ne in Anse­hung des Zustan­de­kom­mens und der Aus­füh­rung die­ser Pro­gram­me sowie die Mit­wir­kung deut­scher Stel­len an der Umset­zung, soweit dadurch unmit­tel­bar mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de rüge­fä­hi­ge Rech­te berührt wer­den 59.

    Soweit die Beschwer­de­füh­rer zu III. die Fest­stel­lung begeh­ren, die Bun­des­re­gie­rung sei ver­pflich­tet, alles zu unter­las­sen, was der Umset­zung des OMT-Beschlus­ses die­ne, ist die Ver­fas­sungs­be­schwer­de eben­falls unzu­läs­sig. Wie die Beschwer­de­füh­rer selbst fest­stel­len, wirkt die Bun­des­re­gie­rung an der Umset­zung des OMT-Beschlus­ses nicht mit.

    Die Beschwer­de­füh­rer zu III. sind schließ­lich auch inso­weit nicht beschwer­de­be­fugt, als sie Maß­nah­men oder Unter­las­sun­gen deut­scher Staats­or­ga­ne mit Blick auf eine mög­li­che Ver­let­zung der Ver­fas­sungs­iden­ti­tät im Sin­ne von Art. 79 Abs. 3 GG rügen. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de genügt inso­weit nicht den sich aus § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG erge­ben­den Anfor­de­run­gen an ihre Begrün­dung, weil sie nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­legt, inwie­fern aus dem Grund­satz­be­schluss über das OMT-Pro­gramm vom 06.09.2012 die behaup­te­te "Haf­tungs­über­nah­me der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land für finanz­wirk­sa­me Wil­lens­ent­schlie­ßun­gen der Wäh­rungs­uni­on" fol­gen könn­te. Ins­be­son­de­re wird nicht deut­lich, wie und in wel­cher Höhe sich Haf­tungs­ri­si­ken erge­ben könn­ten.

    Das gilt auch für die Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Beschwer­de­füh­rer zu II., soweit die­se die Ver­pflich­tung der Bun­des­re­gie­rung begeh­ren, die Begren­zung der Haf­tung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land auf die aus dem ESM-Ver­trag resul­tie­ren­den Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen sicher­zu­stel­len. Sie ist bereits unzu­läs­sig, weil sie kei­ne hin­rei­chen­den Anga­ben zu Umfang und Wahr­schein­lich­keit mög­li­cher Haf­tungs­ri­si­ken für den Bun­des­haus­halt ent­hält.

    Nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert im Sin­ne von § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG ist schließ­lich die Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Beschwer­de­füh­rer zu III., soweit sie die Zustim­mung des Deut­schen Bun­des­ta­ges zu einem Anpas­sungs­pro­gramm nach Art. 13 ff. ESMV an sei­ne vor­he­ri­ge Infor­ma­ti­on über Art und Umfang von Anlei­he­käu­fen gebun­den wis­sen wol­len. Zwar hat auch die Bun­des­re­gie­rung in ihrer Stel­lung­nah­me in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 16.02.2016 auf die­sen Zusam­men­hang hin­ge­wie­sen. Es ist jedoch nicht ersicht­lich, dass sich aus Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG ein Anspruch auf eine der­ar­ti­ge Kop­pe­lung von Maß­nah­men im Rah­men des ESM und sol­chen der mit Unab­hän­gig­keit aus­ge­stat­te­ten Euro­päi­schen Zen­tral­bank (Art. 88 Satz 2 GG, Art. 130 Satz 1 AEUV) erge­ben könn­te. Der Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat in sei­nem Urteil vom 12.09.2012 viel­mehr ent­schie­den, dass die Tätig­keit des ESM und der Ankauf von Staats­an­lei­hen durch die Euro­päi­sche Zen­tral­bank grund­sätz­lich zu unter­schei­den sind und sich auf­grund der unio­na­len Kom­pe­tenz­ver­tei­lung auch nicht belie­big ver­knüp­fen las­sen 60. Dar­an ist fest­zu­hal­ten.

    Zuläs­sig­keit des Organ­streit­ver­fah­rens[↑]

    Die im Organ­streit­ver­fah­ren gestell­ten Anträ­ge sind zuläs­sig, soweit sie die Fest­stel­lung der Ver­pflich­tung des Deut­schen Bun­des­ta­ges begeh­ren, auf eine Auf­he­bung des Beschlus­ses vom 06.09.2012 hin­zu­wir­ken.

    Die Antrag­stel­le­rin ist als Frak­ti­on des Deut­schen Bun­des­ta­ges im Organ­streit­ver­fah­ren gemäß § 13 Nr. 5, §§ 63 ff. BVerfGG par­tei­fä­hig und berech­tigt, im eige­nen Namen Rech­te gel­tend zu machen, die dem Deut­schen Bun­des­tag zuste­hen 61. Dies gilt auch dann, wenn eine Frak­ti­on – wie vor­lie­gend – Rech­te und Pflich­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges gegen­über dem Par­la­ment selbst gel­tend macht 62. Es ist gera­de Sinn und Zweck der in § 64 BVerfGG gere­gel­ten Pro­zess­stand­schaft, der Par­la­ments­min­der­heit die Befug­nis zur Gel­tend­ma­chung der Rech­te des Bun­des­ta­ges auch dann zu erhal­ten, wenn die Mehr­heit sei­ner Mit­glie­der sie, ins­be­son­de­re im Ver­hält­nis zu der von ihr getra­ge­nen Bun­des­re­gie­rung, nicht wahr­neh­men will. Die in § 64 BVerfGG gere­gel­te Pro­zess­stand­schaft ist sowohl Aus­druck der Kon­troll­funk­ti­on des Par­la­ments als auch Instru­ment des Min­der­hei­ten­schut­zes 63 und wur­zelt inso­fern im aus Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG abge­lei­te­ten Sta­tus der Frak­tio­nen, denen als orga­ni­sier­te par­la­men­ta­ri­sche Min­der­heit und Gegen­spie­ler der Regie­rungs­mehr­heit der Rechts­weg zum Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt eröff­net wird, um die Gel­tend­ma­chung der dem Par­la­ment im Ver­fas­sungs­ge­fü­ge zukom­men­den Rech­te tat­säch­lich zu ermög­li­chen 64.

    Der Bun­des­tag ist nach § 63 BVerfGG mög­li­cher Antrags­geg­ner. Sei­ne der Sache nach gerüg­te Unter­las­sung, auf die Auf­he­bung des Grund­satz­be­schlus­ses vom 06.09.2012 hin­zu­wir­ken, ist nach § 64 Abs. 1 BVerfGG taug­li­cher Gegen­stand eines Organ­streit­ver­fah­rens 65.

    Das Maß der erfor­der­li­chen Kon­kre­ti­sie­rung der bean­stan­de­ten Unter­las­sung hängt dabei von den Umstän­den des Ein­zel­falls ab. Kom­men zur Errei­chung des vom Antrag­stel­ler begehr­ten Ziels ver­schie­de­ne Maß­nah­men in Betracht, ohne dass das dem Antrags­geg­ner zuste­hen­de Ermes­sen offen­sicht­lich auf eine die­ser Maß­nah­men beschränkt ist, genügt zur erfor­der­li­chen Kon­kre­ti­sie­rung die Bezeich­nung des begehr­ten Ziels 66. Dies gilt erst recht in Fäl­len, in denen dem Antrags­geg­ner ein wei­ter Ein­schät­zungs, Wer­tungs- und Gestal­tungs­spiel­raum zukommt, weil Grund­la­ge der behaup­te­ten Hand­lungs­pflicht eine Ver­ant­wor­tung für die Abwehr von Beein­träch­ti­gun­gen ver­fas­sungs­recht­li­cher Schutz­gü­ter ist.

    Mit dem Antrag, der Bun­des­tag müs­se auf die Auf­he­bung des Beschlus­ses hin­wir­ken, ist das ange­grif­fe­ne Unter­las­sen daher hin­rei­chend kon­kre­ti­siert 67.

    Die Antrag­stel­le­rin ist antrags­be­fugt. In der Sache rügt sie, anders als mit Blick auf das ESM-Finan­zie­rungs­ge­setz 68, nicht die Ver­let­zung mate­ri­el­ler frak­ti­ons­spe­zi­fi­scher Rech­te, die – eben­so wie der Sta­tus der Abge­ord­ne­ten – aus Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG abzu­lei­ten sind 69, son­dern die Beein­träch­ti­gung von Befug­nis­sen des Antrags­geg­ners selbst, nament­lich sei­nes Gesetz­ge­bungs­rechts aus Art. 23 Abs. 1 Satz 2 GG und sei­ner haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung, durch sei­ne Untä­tig­keit gegen­über dem Beschluss vom 06.09.2012. Inso­fern wird sie im Wege der Pro­zess­stand­schaft tätig. Sie behaup­tet in sub­stan­ti­ier­ter Wei­se jeden­falls die Mög­lich­keit, dass durch das gerüg­te Unter­las­sen die genann­ten Rech­te des Antrags­geg­ners ver­letzt wer­den.

    In der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist aner­kannt, dass die in Art. 23 GG ver­an­ker­te Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung Rech­te und Pflich­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges umfasst, deren Ver­let­zung die Frak­tio­nen im Wege der Pro­zess­stand­schaft (§ 64 Abs. 1 BVerfGG) im eige­nen Namen auch gegen­über dem Par­la­ment selbst gel­tend machen kön­nen 70. Das gilt nament­lich für die Ver­pflich­tung des Bun­des­ta­ges, auf sei­ne im Rah­men der euro­päi­schen Inte­gra­ti­on bestehen­den Rech­te und Pflich­ten nicht zu ver­zich­ten und gegen­über einer dro­hen­den Ero­si­on sei­ner Gestal­tungs­macht durch Kom­pe­tenz­an­ma­ßun­gen von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on nicht untä­tig zu blei­ben 71.

    Die Antrag­stel­le­rin legt hin­rei­chend dar, dass der Grund­satz­be­schluss über das OMT-Pro­gramm vom 06.09.2012 die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung des Antrags­geg­ners ver­let­zen und dadurch des­sen Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung aus­lö­sen könn­te. Unter Rück­griff auf die ein­schlä­gi­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zeigt sie auf, inwie­fern das OMT-Pro­gramm Haf­tungs­ri­si­ken für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land erzeu­gen könn­te, über die das Par­la­ment nicht mehr eigen­ver­ant­wort­lich ent­schei­den könn­te. Das Par­la­ment wer­de in die Rol­le des blo­ßen Nach­voll­zugs von Ent­schei­dun­gen der Euro­päi­schen Zen­tral­bank ver­setzt und finanz­wirk­sa­men Mecha­nis­men aus­ge­setzt, die zu nicht mehr über­schau­ba­ren Belas­tun­gen des Haus­halts füh­ren könn­ten. Der Bun­des­tag wer­de einem nicht an strik­te Vor­ga­ben gebun­de­nen und in sei­nen Aus­wir­kun­gen nicht begrenz­ten Gewähr­leis­tungs- und Haf­tungs­au­to­ma­tis­mus aus­ge­lie­fert, der von ihm nicht mehr zu kon­trol­lie­ren sei. Fie­len erwor­be­ne Schuld­ti­tel aus, kön­ne dies zu Ver­lus­ten der Euro­päi­schen Zen­tral­bank füh­ren, für die letz­ten Endes auch Deutsch­land antei­lig ein­zu­ste­hen habe. Die Höhe etwai­ger Ver­lus­te ver­an­schau­licht die Antrag­stel­le­rin durch einen Ver­gleich mit dem Volu­men des SMP.

    Unzu­läs­sig ist das Organ­streit­ver­fah­ren hin­ge­gen inso­weit, als die Antrag­stel­le­rin die Fest­stel­lung der Ver­pflich­tung des Deut­schen Bun­des­ta­ges begehrt, alles zu unter­las­sen, was der Umset­zung des Grund­satz­be­schlus­ses über das OMT-Pro­gramm dient. Damit ist aus­weis­lich der Antrags­be­grün­dung die Mit­wir­kung des Deut­schen Bun­des­ta­ges an der Zustim­mung zu EFSF- und ESM-Hilfs­pro­gram­men gemeint, die nur unter bestimm­ten Kon­di­tio­nen erfol­gen soll. Wie dar­ge­legt, hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem Urteil vom 12.09.2012 aus­ge­spro­chen, dass die Tätig­keit des ESM und der Ankauf von Staats­an­lei­hen durch die Euro­päi­sche Zen­tral­bank grund­sätz­lich zu unter­schei­den sind und sich auf­grund der unio­na­len Kom­pe­tenz­ver­tei­lung auch nicht belie­big ver­knüp­fen las­sen 72. Die bean­trag­te Ver­knüp­fung ent­hö­be den Deut­schen Bun­des­tag nicht sei­ner Pflicht, auf die Besei­ti­gung eines mög­li­chen Ultra-vires-Han­delns hin­zu­wir­ken.

    Rechts­ver­let­zung wegen Untä­tig­keit von Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­tag?[↑]

    Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den und das Organ­streit­ver­fah­ren sind, soweit zuläs­sig, unbe­grün­det. Unter Beach­tung der nach­fol­gend näher bezeich­ne­ten Maß­ga­ben ver­letzt die Untä­tig­keit von Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­tag in Anse­hung des Grund­satz­be­schlus­ses der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 06.09.2012 die Beschwer­de­füh­rer nicht in ihrem Recht aus Art. 38 Abs. 1 Satz 1, Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG und wer­den die im Rah­men der euro­päi­schen Inte­gra­ti­on bestehen­den Rech­te und Pflich­ten des Bun­des­ta­ges ein­schließ­lich sei­ner haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung dadurch nicht beein­träch­tigt.

    Hoheits­ak­te der EU – und der Anwen­dungs­vor­rang des Uni­ons­rechts[↑]

    Hoheits­ak­te der Euro­päi­schen Uni­on und – soweit sie durch das Uni­ons­recht deter­mi­niert wer­den – Akte der deut­schen öffent­li­chen Gewalt sind mit Blick auf den Anwen­dungs­vor­rang des Uni­ons­rechts grund­sätz­lich nicht am Maß­stab des Grund­ge­set­zes zu mes­sen. Der Anwen­dungs­vor­rang fin­det sei­ne Gren­ze jedoch in dem im Zustim­mungs­ge­setz zu den Ver­trä­gen nie­der­ge­leg­ten Inte­gra­ti­ons­pro­gramm (Art. 23 Abs. 1 Satz 2 GG) und in den durch Art. 23 Abs. 1 Satz 3 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG für inte­gra­ti­ons­fest erklär­ten Grund­sät­zen der Art. 1 und 20 GG. Das gilt nament­lich für das in Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 GG ver­an­ker­te Demo­kra­tie­prin­zip. Die­ses ver­bie­tet nicht nur eine sub­stan­ti­el­le Ero­si­on der Gestal­tungs­macht des Deut­schen Bun­des­ta­ges, son­dern gewähr­leis­tet in sei­ner Kon­kre­ti­sie­rung im Grund­satz der Volks­sou­ve­rä­ni­tät (Art.20 Abs. 2 Satz 1 GG) zudem, dass auch das in Deutsch­land zur Anwen­dung gelan­gen­de Uni­ons­recht über ein hin­rei­chen­des Maß an demo­kra­ti­scher Legi­ti­ma­ti­on ver­fügt; es schützt inso­weit vor offen­sicht­li­chen und struk­tu­rell bedeut­sa­men Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen durch Orga­ne, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­ge Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on. Deut­sche Staats­or­ga­ne dür­fen sich am Zustan­de­kom­men sol­cher Maß­nah­men eben­so wenig betei­li­gen wie an ihrer Umset­zung, Voll­zie­hung oder Ope­ra­tio­na­li­sie­rung. Die Ver­fas­sungs­or­ga­ne trifft auf­grund der ihnen oblie­gen­den Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung (Art. 23 GG) die Pflicht, mit den ihnen zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln auf die Ein­hal­tung des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms hin­zu­wir­ken.

    Nach Art. 23 Abs. 1 Satz 1 GG wirkt die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land an der Grün­dung und Fort­ent­wick­lung der Euro­päi­schen Uni­on mit. Die dazu vom Grund­ge­setz ermög­lich­te Öff­nung der deut­schen Rechts­ord­nung fin­det ihre Gren­ze jedoch in dem vom Deut­schen Bun­des­tag ver­ant­wor­te­ten Inte­gra­ti­ons­pro­gramm sowie in der nach Art. 23 Abs. 1 Satz 3 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG unver­füg­ba­ren Iden­ti­tät der Ver­fas­sung.

    Mit der Ver­pflich­tung Deutsch­lands auf die Grün­dung und Fort­ent­wick­lung der Euro­päi­schen Uni­on ent­hält Art. 23 Abs. 1 GG zugleich ein Wirk­sam­keits- und Durch­set­zungs­ver­spre­chen für das Uni­ons­recht 73. Für den Erfolg der Euro­päi­schen Uni­on und die Errei­chung ihrer ver­trag­li­chen Zie­le ist die ein­heit­li­che Gel­tung ihres Rechts von zen­tra­ler Bedeu­tung 74. Als Rechts­ge­mein­schaft von der­zeit 28 Mit­glied­staa­ten könn­te sie nicht bestehen, wenn des­sen ein­heit­li­che Gel­tung und Wirk­sam­keit nicht gewähr­leis­tet wäre 75.

    Mit der in Art. 23 Abs. 1 Satz 2 GG ent­hal­te­nen Ermäch­ti­gung, Hoheits­rech­te auf die Euro­päi­sche Uni­on zu über­tra­gen, bil­ligt das Grund­ge­setz daher auch die im Zustim­mungs­ge­setz zu den Ver­trä­gen ent­hal­te­ne Ein­räu­mung eines Anwen­dungs­vor­rangs zuguns­ten des Uni­ons­rechts. Der Anwen­dungs­vor­rang des Uni­ons­rechts vor natio­na­lem Recht gilt grund­sätz­lich auch mit Blick auf ent­ge­gen­ste­hen­des natio­na­les Ver­fas­sungs­recht 76 und führt bei einer Kol­li­si­on in aller Regel zur Unan­wend­bar­keit des natio­na­len Rechts im kon­kre­ten Fall 77.

    Auf der Grund­la­ge von Art. 23 Abs. 1 GG kann der Inte­gra­ti­ons­ge­setz­ge­ber nicht nur Orga­ne, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­ge Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on, soweit sie in Deutsch­land öffent­li­che Gewalt aus­üben, von einer umfas­sen­den Bin­dung an die Gewähr­leis­tun­gen des Grund­ge­set­zes frei­stel­len, son­dern auch deut­sche Stel­len, die Recht der Euro­päi­schen Uni­on durch­füh­ren 78. Das gilt sowohl für die Gesetz­ge­ber auf Bun­des- und Lan­des­ebe­ne, wenn die­se Sekun­där- oder Ter­tiär­recht umset­zen, ohne dabei über einen Gestal­tungs­spiel­raum zu ver­fü­gen 79, als grund­sätz­lich auch für Behör­den und Gerich­te.

    Der Anwen­dungs­vor­rang reicht jedoch nur so weit, wie das Grund­ge­setz und das Zustim­mungs­ge­setz die Über­tra­gung von Hoheits­rech­ten erlau­ben oder vor­se­hen 80. Der im Zustim­mungs­ge­setz ent­hal­te­ne Rechts­an­wen­dungs­be­fehl kann nur im Rah­men der gel­ten­den Ver­fas­sungs­ord­nung erteilt wer­den 81. Gren­zen für die Öff­nung deut­scher Staat­lich­keit erge­ben sich daher aus­weis­lich des Art. 23 Abs. 1 Satz 3 GG aus der in Art. 79 Abs. 3 GG nie­der­ge­leg­ten Ver­fas­sungs­iden­ti­tät des Grund­ge­set­zes und dem gemäß Art. 23 Abs. 1 Satz 2 GG im Zustim­mungs­ge­setz nie­der­ge­leg­ten Inte­gra­ti­ons­pro­gramm, das dem Uni­ons­recht für Deutsch­land erst die not­wen­di­ge demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on ver­leiht.

    Demo­kra­tie­prin­zip[↑]

    Das in Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 GG ver­an­ker­te Demo­kra­tie­prin­zip gehört in sei­nen Grund­sät­zen zu der in Art. 79 Abs. 3 GG für ände­rungs­fest und in Art. 23 Abs. 1 Satz 3 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG auch für inte­gra­ti­ons­fest erklär­ten Ver­fas­sungs­iden­ti­tät des Grund­ge­set­zes. Es ver­mit­telt dem Bür­ger in Ver­bin­dung mit Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG nicht nur Schutz vor einer sub­stan­ti­el­len Ero­si­on der Gestal­tungs­macht des Deut­schen Bun­des­ta­ges, son­dern auch vor offen­sicht­lich und struk­tu­rell bedeut­sa­men Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen durch Orga­ne, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­ge Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on. Ob Maß­nah­men von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on die durch Art. 23 Abs. 1 Satz 3 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG geschütz­ten Grund­sät­ze der Art. 1 und Art.20 GG berüh­ren, prüft das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Rah­men der Iden­ti­täts­kon­trol­le, ob sie die Gren­zen des demo­kra­tisch legi­ti­mier­ten Inte­gra­ti­ons­pro­gramms nach Art. 23 Abs. 1 Satz 2 GG offen­sicht­lich und in struk­tu­rell bedeut­sa­mer Wei­se über­schrei­ten und dadurch gegen den Grund­satz der Volks­sou­ve­rä­ni­tät ver­sto­ßen, im Rah­men der Ultra-vires-Kon­trol­le. Iden­ti­täts- und Ultra-vires-Kon­trol­le lei­ten sich aus Art. 79 Abs. 3 GG ab, sind aber eigen­stän­di­ge Kon­troll­ver­fah­ren, die unter­schied­li­che Maß­stä­be anwen­den. Bei­de Kon­troll­vor­be­hal­te sind zurück­hal­tend und euro­pa­rechts­freund­lich aus­zu­üben.

    Maß­nah­men, die die Grund­sät­ze des in Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 GG ver­an­ker­ten Demo­kra­tie­prin­zips berüh­ren, kön­nen den Bür­ger in sei­nem grund­rechts­glei­chen Recht aus Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG ver­let­zen. Der Anspruch auf Teil­ha­be an der demo­kra­ti­schen Legi­ti­ma­ti­on der in Deutsch­land aus­ge­üb­ten Staats­ge­walt gilt im Grund­satz auch in Bezug auf die Euro­päi­sche Uni­on.

    Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts erschöpft sich das dem Ein­zel­nen in Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG garan­tier­te Wahl­recht zum Deut­schen Bun­des­tag nicht in einer for­ma­len Legi­ti­ma­ti­on der (Bun­des-) Staats­ge­walt, son­dern umfasst auch des­sen grund­le­gen­den demo­kra­ti­schen Gehalt 82. Dazu gehört nament­lich der in Art.20 Abs. 2 Satz 1 GG ver­an­ker­te Grund­satz der Volks­sou­ve­rä­ni­tät und der damit zusam­men­hän­gen­de Anspruch des Bür­gers, nur einer öffent­li­chen Gewalt aus­ge­setzt zu sein, die er auch legi­ti­mie­ren und beein­flus­sen kann.

    Für die vom Grund­ge­setz ver­fass­te Staats­ord­nung ist eine durch Wah­len und Abstim­mun­gen betä­tig­te Selbst­be­stim­mung des Vol­kes nach dem Mehr­heits­prin­zip kon­sti­tu­tiv. Das Grund­ge­setz geht vom Eigen­wert und der Wür­de des zur Frei­heit befä­hig­ten Men­schen aus und ver­bürgt im Recht der Bür­ger, in Frei­heit und Gleich­heit durch Wah­len und Abstim­mun­gen die sie betref­fen­de öffent­li­che Gewalt per­so­nell und sach­lich zu bestim­men, einen men­schen­recht­li­chen Kern des Demo­kra­tie­prin­zips. Die­ser ist in der Wür­de des Men­schen ver­an­kert 83. Der Mensch ist danach eine zu eigen­ver­ant­wort­li­cher Lebens­ge­stal­tung begab­te "Per­sön­lich­keit". Er wird als fähig ange­se­hen und es wird ihm dem­ge­mäß abge­for­dert, sei­ne Inter­es­sen und Ide­en mit denen der ande­ren aus­zu­glei­chen. Um sei­ner Wür­de wil­len muss ihm eine mög­lichst weit­ge­hen­de Ent­fal­tung sei­ner Per­sön­lich­keit gesi­chert wer­den. Für den poli­tisch-sozia­len Bereich bedeu­tet das, dass es nicht genügt, wenn eine "Obrig­keit" sich bemüht, noch so gut für das Wohl von "Unter­ta­nen" zu sor­gen; der Ein­zel­ne soll viel­mehr in mög­lichst wei­tem Umfan­ge ver­ant­wort­lich auch an den Ent­schei­dun­gen für die Gesamt­heit mit­wir­ken 84.

    Satz 1 GG schützt die wahl­be­rech­tig­ten Bür­ger daher vor einem Sub­stanz­ver­lust ihrer im ver­fas­sungs­staat­li­chen Gefü­ge maß­geb­li­chen Herr­schafts­ge­walt dadurch, dass die Rech­te des Bun­des­ta­ges wesent­lich geschmä­lert wer­den und damit die Gestal­tungs­macht des­je­ni­gen Ver­fas­sungs­or­gans ver­lo­ren geht, das unmit­tel­bar nach den Grund­sät­zen frei­er und glei­cher Wahl zustan­de gekom­men ist 85.

    Der in Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG ver­an­ker­te Anspruch des Bür­gers auf demo­kra­ti­sche Selbst­be­stim­mung 86 ist aller­dings strikt auf den in der Wür­de des Men­schen wur­zeln­den Kern des Demo­kra­tie­prin­zips begrenzt (Art. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG). Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG gewährt dage­gen kei­nen Anspruch auf eine über des­sen Siche­rung hin­aus­ge­hen­de Recht­mä­ßig­keits­kon­trol­le demo­kra­ti­scher Mehr­heits­ent­schei­dun­gen. Er dient nicht der inhalt­li­chen Kon­trol­le demo­kra­ti­scher Pro­zes­se, son­dern ist auf deren Ermög­li­chung gerich­tet 87. Als Grund­recht auf Mit­wir­kung an der demo­kra­ti­schen Selbst­herr­schaft des Vol­kes ver­leiht Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG daher grund­sätz­lich kei­ne Beschwer­de­be­fug­nis gegen Par­la­ments­be­schlüs­se, ins­be­son­de­re Geset­zes­be­schlüs­se 88. Sein Gewähr­leis­tungs­be­reich beschränkt sich viel­mehr auf Struk­tur­ver­än­de­run­gen im staats­or­ga­ni­sa­ti­ons­recht­li­chen Gefü­ge, wie sie etwa bei der Über­tra­gung von Hoheits­rech­ten auf die Euro­päi­sche Uni­on oder ande­re supra­na­tio­na­le Ein­rich­tun­gen ein­tre­ten kön­nen 89.

    Der in Art.20 Abs. 2 Satz 1 GG ver­an­ker­te Grund­satz der Volks­sou­ve­rä­ni­tät und der damit zusam­men­hän­gen­de Anspruch des Bür­gers, nur einer öffent­li­chen Gewalt aus­ge­setzt zu sein, die er auch legi­ti­mie­ren und beein­flus­sen kann, stellt eine ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­re Kon­kre­ti­sie­rung des Demo­kra­tie­prin­zips dar. Auch sie erklärt das Grund­ge­setz in Art. 79 Abs. 3 GG für unan­tast­bar 90.

    Satz 1 GG stellt den Zusam­men­hang zwi­schen dem Wahl­recht und der Aus­übung der Staats­ge­walt her. Jede in Deutsch­land aus­ge­üb­te öffent­li­che Gewalt muss danach auf den Bür­ger zurück­führ­bar sein 91. Mit dem Grund­satz der Volks­sou­ve­rä­ni­tät 92 gewähr­leis­tet das Grund­ge­setz einen Anspruch aller Bür­ger auf freie und glei­che Teil­ha­be an der Legi­ti­ma­ti­on und Beein­flus­sung der sie betref­fen­den Hoheits­ge­walt. Dies schließt es aus, dass die Bür­ger einer poli­ti­schen Gewalt unter­wor­fen wer­den, der sie nicht aus­wei­chen kön­nen und die sie nicht prin­zi­pi­ell per­so­nell und sach­lich zu glei­chem Anteil in Frei­heit zu bestim­men ver­mö­gen 93.

    Euro­päi­sche Inte­gra­ti­on und demo­kra­ti­sche Selbst­be­stim­mung[↑]

    Der in Art. 38 Abs. 1 Satz 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 und Art. 79 Abs. 3 GG ver­an­ker­te Anspruch des Bür­gers auf demo­kra­ti­sche Selbst­be­stim­mung gilt aus­weis­lich von Art. 23 Abs. 1 GG grund­sätz­lich auch in Anse­hung der euro­päi­schen Inte­gra­ti­on. Er ver­mit­telt dem Bür­ger nicht nur Schutz vor einer sub­stan­ti­el­len Ero­si­on der Gestal­tungs­macht des Deut­schen Bun­des­ta­ges, son­dern auch vor offen­sicht­lich und struk­tu­rell bedeut­sa­men Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen durch Orga­ne, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­ge Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on.

    Im Anwen­dungs­be­reich des Art. 23 Abs. 1 GG schützt Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG davor, dass die durch die Wahl bewirk­te Legi­ti­ma­ti­on von Staats­ge­walt und Ein­fluss­nah­me auf deren Aus­übung durch die Ver­la­ge­rung von Auf­ga­ben und Befug­nis­sen des Deut­schen Bun­des­ta­ges auf die euro­päi­sche Ebe­ne ent­leert wird 45. Das Grund­ge­setz unter­sagt daher nicht nur die Über­tra­gung der Kom­pe­tenz-Kom­pe­tenz auf die Euro­päi­sche Uni­on oder im Zusam­men­hang mit ihr geschaf­fe­ne Ein­rich­tun­gen 94; auch Blan­ket­ter­mäch­ti­gun­gen zur Aus­übung öffent­li­cher Gewalt dür­fen die deut­schen Ver­fas­sungs­or­ga­ne nicht ertei­len 95. Dyna­mi­sche Ver­trags­vor­schrif­ten müs­sen, wenn sie noch in einer Wei­se aus­ge­legt wer­den kön­nen, die die Gren­zen des Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG wahrt, jeden­falls an geeig­ne­te Siche­run­gen zur effek­ti­ven Wahr­neh­mung der den deut­schen Ver­fas­sungs­or­ga­nen oblie­gen­den Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung geknüpft wer­den. Für Grenz­fäl­le des noch ver­fas­sungs­recht­lich Zuläs­si­gen muss der Gesetz­ge­ber gege­be­nen­falls mit sei­nen die Zustim­mung beglei­ten­den Geset­zen wirk­sa­me Vor­keh­run­gen dafür tref­fen, dass sich sei­ne Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung hin­rei­chend ent­fal­ten kann 96.

    Zwar ist der Voll­zug des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms im Hin­blick auf Mehr­heits­ent­schei­dun­gen im Rat (Art. 238 AEUV), die Mög­lich­keit unio­na­ler Eigen­ver­wal­tung (Art. 298 AEUV) und die Unab­hän­gig­keit der Euro­päi­schen Zen­tral­bank (Art. 130 AEUV) mit meh­re­ren Ein­fluss­kni­cken 97 ver­bun­den, die das demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­ons­ni­veau von Maß­nah­men der euro­päi­schen öffent­li­chen Gewalt unter dem Blick­win­kel von Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 GG absen­ken kön­nen 98. Die­se Maß­nah­men wer­den dabei aller­dings durch ande­re Legi­ti­ma­ti­ons­strän­ge auf supra­na­tio­na­ler Ebe­ne gestützt 99, die die­ser Ebe­ne Rech­nung tra­gen. An dem grund­sätz­li­chen Erfor­der­nis, dass auch sol­che Maß­nah­men durch eine hin­rei­chend bestimm­te Ermäch­ti­gung des Inte­gra­ti­ons­ge­setz­ge­bers legi­ti­miert sein müs­sen, ändert dies jedoch nichts. Soweit nicht das Volk selbst zur Ent­schei­dung beru­fen ist, ist demo­kra­tisch legi­ti­miert nur, was par­la­men­ta­risch ver­ant­wor­tet wer­den kann 100. Andern­falls wäre die Dis­po­si­ti­on über die ver­trag­li­chen Grund­la­gen auch inso­weit auf die Orga­ne, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on ver­la­gert, als deren Rechts­ver­ständ­nis und ‑pra­xis im Ergeb­nis auf eine Ver­trags­än­de­rung oder Kom­pe­tenz­aus­wei­tung hin­aus­lie­fe 101. Die­se besä­ßen jeden­falls der Sache nach eine Kom­pe­tenz-Kom­pe­tenz, die ihnen nicht über­tra­gen wer­den darf 102.

    Eine Aus­übung öffent­li­cher Gewalt durch Orga­ne, Stel­len und sons­ti­ge Ein­rich­tun­gen der Euro­päi­schen Uni­on ver­letzt daher den Grund­satz der Volks­sou­ve­rä­ni­tät (Art.20 Abs. 2 Satz 1 GG), wenn sie nicht über eine hin­rei­chen­de demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on durch das im Zustim­mungs­ge­setz nie­der­ge­leg­te Inte­gra­ti­ons­pro­gramm ver­fügt.

    Der Kern des aus Art. 38 Abs. 1 Satz 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 und Art. 79 Abs. 3 GG fol­gen­den "Anspruchs auf Demo­kra­tie" steht auch in Anse­hung von Maß­nah­men der Euro­päi­schen Uni­on nicht zur Dis­po­si­ti­on.

    Zur Siche­rung sei­ner demo­kra­ti­schen Ein­fluss­mög­lich­kei­ten im Pro­zess der euro­päi­schen Inte­gra­ti­on hat der Bür­ger fer­ner grund­sätz­lich ein Recht dar­auf, dass eine Über­tra­gung von Hoheits­rech­ten nur in den vom Grund­ge­setz dafür vor­ge­se­he­nen For­men der Art. 23 Abs. 1 Sät­ze 2 und 3, Art. 79 Abs. 2 GG erfolgt 103. Art. 38 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 und Art. 79 Abs. 3 GG wird ver­letzt, wenn ein Gesetz nach Art. 23 Abs. 1 Satz 2 GG in die dem Bun­des­tag vor­be­hal­te­nen Befug­nis­se etwa im Bereich der Haus­halts- oder Wehr­po­li­tik 104 ein­greift oder das beab­sich­tig­te Inte­gra­ti­ons­pro­gramm nicht hin­rei­chend bestimm­bar fest­legt, weil dies die Inan­spruch­nah­me nicht benann­ter Auf­ga­ben und Befug­nis­se durch die Euro­päi­sche Uni­on ermög­lich­te und einer Gene­ral­er­mäch­ti­gung gleich­kä­me 105.

    Satz 1 GG schützt vor einer eigen­mäch­ti­gen Inan­spruch­nah­me hoheit­li­cher Befug­nis­se durch Orga­ne, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­ge Stel­len der Euro­päi­sche Uni­on, weil durch ein sol­ches Ver­hal­ten der demo­kra­ti­sche Ent­schei­dungs­pro­zess, den Art. 23 Abs. 1 Sät­ze 2 und 3 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 2 und Abs. 3 GG gewähr­leis­ten, unter­lau­fen wird 106. Usur­pie­ren Orga­ne, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­ge Stel­len Auf­ga­ben und Befug­nis­se, die ihnen das im Zustim­mungs­ge­setz nie­der­ge­leg­te Inte­gra­ti­ons­pro­gramm nicht über­tra­gen hat, so ver­let­zen sie damit den durch Art. 1 Abs. 1 GG geschütz­ten Kern der Volks­sou­ve­rä­ni­tät, weil sie den Bür­ger einer öffent­li­chen Gewalt aus­set­zen, die er nicht legi­ti­miert hat und auf die er ange­sichts des insti­tu­tio­nel­len Gefü­ges zwi­schen den Orga­nen der Euro­päi­schen Uni­on 107 auch nicht in Frei­heit und Gleich­heit wir­kungs­voll Ein­fluss neh­men kann.

    Euro­päi­sches Uni­ons­recht und deut­sche Iden­ti­täts­kon­trol­le[↑]

    Die in Art. 1 und Art.20 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG garan­tier­ten Grund­sät­ze sind auch bei der Anwen­dung des Uni­ons­rechts in Deutsch­land zu gewähr­leis­ten. Dar­auf zielt die Iden­ti­täts­kon­trol­le durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt. Die­se Kon­trol­le ist mit dem Grund­satz der loya­len Zusam­men­ar­beit (Art. 4 Abs. 3 EUV) ver­ein­bar; im Ver­fas­sungs­recht ande­rer Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on fin­den sich ver­gleich­ba­re Gren­zen.

    Soweit Maß­nah­men von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen oder sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on Aus­wir­kun­gen zei­ti­gen, die die in den Art. 1 und Art.20 GG nie­der­ge­leg­te Ver­fas­sungs­iden­ti­tät berüh­ren, gehen sie über die grund­ge­setz­li­chen Gren­zen offe­ner Staat­lich­keit hin­aus. Auf einer pri­mär­recht­li­chen Ermäch­ti­gung kann eine der­ar­ti­ge Maß­nah­me nicht beru­hen, weil auch der mit der Mehr­heit des Art. 23 Abs. 1 Satz 3 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 2 GG ent­schei­den­de Inte­gra­ti­ons­ge­setz­ge­ber der Euro­päi­schen Uni­on kei­ne Hoheits­rech­te über­tra­gen kann, mit deren Inan­spruch­nah­me eine Berüh­rung der von Art. 79 Abs. 3 GG geschütz­ten Ver­fas­sungs­iden­ti­tät ein­her­gin­ge 108.

    Im Rah­men der Iden­ti­täts­kon­trol­le prüft das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, ob die durch Art. 79 Abs. 3 GG für unan­tast­bar erklär­ten Grund­sät­ze bei der Über­tra­gung von Hoheits­rech­ten durch den deut­schen Gesetz­ge­ber oder durch eine Maß­nah­me von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on berührt wer­den 109. Das betrifft die Wah­rung des Men­schen­wür­de­kerns der Grund­rech­te (Art. 1 GG) 110 eben­so wie die Grund­sät­ze, die das Demo­kra­tie, Rechts, Sozi­al- und Bun­des­staats­prin­zip im Sin­ne des Art.20 GG prä­gen. Mit Blick auf das Demo­kra­tie­prin­zip ist unter ande­rem sicher­zu­stel­len, dass dem Deut­schen Bun­des­tag bei einer Über­tra­gung von Hoheits­rech­ten nach Art. 23 Abs. 1 GG eige­ne Auf­ga­ben und Befug­nis­se von sub­stan­ti­el­lem poli­ti­schem Gewicht ver­blei­ben 111 und dass er in der Lage bleibt, sei­ne haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung wahr­zu­neh­men 112.

    Die Iden­ti­täts­kon­trol­le ver­hin­dert nicht nur, dass der Euro­päi­schen Uni­on Hoheits­rech­te jen­seits des für eine Über­tra­gung offen ste­hen­den Bereichs ein­ge­räumt wer­den, son­dern auch, dass Maß­nah­men von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on umge­setzt wer­den, die eine ent­spre­chen­de Wir­kung ent­fal­ten und jeden­falls fak­tisch einer mit dem Grund­ge­setz unver­ein­ba­ren Kom­pe­tenz­über­tra­gung gleich­kä­men 113.

    Die Iden­ti­täts­kon­trol­le ver­stößt, wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem Beschluss vom 15.12 2015 im Ein­zel­nen dar­ge­legt hat 114, nicht gegen den Grund­satz der loya­len Zusam­men­ar­beit im Sin­ne von Art. 4 Abs. 3 EUV. Sie ist viel­mehr in Art. 4 Abs. 2 Satz 1 EUV der Sache nach ange­legt 115 und ent­spricht inso­weit auch den insti­tu­tio­nel­len Gege­ben­hei­ten der Euro­päi­schen Uni­on. Die Euro­päi­sche Uni­on ist ein Staa­ten, Ver­fas­sungs, Ver­wal­tungs- und Recht­spre­chungs­ver­bund, der sei­ne Grund­la­gen in völ­ker­recht­li­chen Ver­trä­gen der Mit­glied­staa­ten fin­det. Als Her­ren der Ver­trä­ge ent­schei­den die­se durch natio­na­le Gel­tungs­an­ord­nun­gen dar­über, ob und inwie­weit das Uni­ons­recht im jewei­li­gen Mit­glied­staat Gel­tung und Vor­rang bean­spru­chen kann 116. Nicht ent­schei­dend ist, ob die Gel­tungs­an­ord­nung – wie in Frank­reich (Art. 55 Frz­Verf.), Öster­reich 117) oder Spa­ni­en (Art. 96 Abs. 1 Span­Verf.) – im natio­na­len Ver­fas­sungs­recht oder – wie in Groß­bri­tan­ni­en – im Zustim­mungs­ge­setz (European Com­mu­nities Act 1972 118) aus­drück­lich nie­der­ge­legt ist, ob sie – wie in Deutsch­land – auf­grund einer sys­te­ma­ti­schen, teleo­lo­gi­schen und his­to­ri­schen Aus­le­gung dem Zustim­mungs­ge­setz ent­nom­men oder ob die Nach­ran­gig­keit des natio­na­len Rechts gegen­über dem Uni­ons­recht – wie in Ita­li­en – durch eine ein­zel­fall­be­zo­ge­ne Hand­ha­bung des natio­na­len Rechts erreicht wird 119.

    Es bedeu­tet daher kei­nen Wider­spruch zur Euro­pa­rechts­freund­lich­keit des Grund­ge­set­zes (Prä­am­bel, Art. 23 Abs. 1 Satz 1 GG), wenn das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt unter eng begrenz­ten Vor­aus­set­zun­gen die Maß­nah­me eines Organs oder einer Stel­le der Euro­päi­schen Uni­on für in Deutsch­land aus­nahms­wei­se nicht anwend­bar erklärt 120.

    Auch im Ver­fas­sungs­recht zahl­rei­cher ande­rer Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on fin­den sich Vor­keh­run­gen zum Schutz der Ver­fas­sungs­iden­ti­tät und der Gren­zen der Über­tra­gung von Sou­ve­rä­ni­täts­rech­ten auf die Euro­päi­sche Uni­on 121. Die weit­aus über­wie­gen­de Zahl der Ver­fas­sungs- und Höchst­ge­rich­te der ande­ren Mit­glied­staa­ten teilt für ihren jewei­li­gen Zustän­dig­keits­be­reich die Auf­fas­sung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, dass der (Anwendungs-)Vorrang des Uni­ons­rechts nicht unbe­grenzt gilt, son­dern dass ihm durch das natio­na­le (Verfassungs-)Recht Gren­zen gezo­gen wer­den 122.

    Die Ultra vires-Kon­trol­le[↑]

    Maß­nah­men von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on, die ultra vires erge­hen, ver­let­zen das im Zustim­mungs­ge­setz gemäß Art. 23 Abs. 1 Satz 2 GG nie­der­ge­leg­te Inte­gra­ti­ons­pro­gramm. Der Abwen­dung der­ar­ti­ger Rechts­ver­let­zun­gen dient das Insti­tut der Ultra-vires-Kon­trol­le. Mit ihr über­prüft das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, ob eine Maß­nah­me von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on das Inte­gra­ti­ons­pro­gramm in hin­rei­chend qua­li­fi­zier­ter Wei­se über­schrei­tet und ihr des­halb in Deutsch­land die demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on fehlt. Das dient zugleich der Gewähr­leis­tung des Rechts­staats­prin­zips.

    Die Euro­päi­sche Uni­on ist eine Rechts­ge­mein­schaft (Art. 2 Satz 1 EUV) 123. Sie ist ins­be­son­de­re durch das Prin­zip der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung (Art. 5 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 Satz 1 EUV) 124 und die euro­päi­schen Grund­rechts­ge­währ­leis­tun­gen gebun­den und ach­tet die Ver­fas­sungs­iden­ti­tät der Mit­glied­staa­ten, auf denen sie beruht (vgl. im Ein­zel­nen Art. 4 Abs. 2 Satz 1, Art. 5 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 Satz 1, Art. 6 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 3 EUV) 125. Das Uni­ons­recht bleibt – auch soweit es als auto­no­me (Teilrechts-)Ordnung ver­stan­den wird – von der ver­trag­li­chen Ermäch­ti­gung abhän­gig. Für die Erwei­te­rung ihrer Befug­nis­se blei­ben die Orga­ne, Ein­rich­tun­gen und Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on auf Ver­trags­än­de­run­gen ange­wie­sen, die von den Mit­glied­staa­ten nach Maß­ga­be der für sie jeweils gel­ten­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Bestim­mun­gen vor­ge­nom­men und ver­ant­wor­tet wer­den (vgl. ins­be­son­de­re Art. 48 Abs. 4 UAbs. 2, Abs. 6 UAbs. 2 Satz 3, Abs. 7 UAbs. 3 EUV).

    Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on kön­nen den Grund­satz der Volks­sou­ve­rä­ni­tät und das in Art. 38 Abs. 1 Satz 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 2 Satz 1 GG ent­hal­te­ne Recht des Ein­zel­nen ver­let­zen, kei­ner Hoheits­ge­walt aus­ge­setzt zu wer­den, die er nicht legi­ti­mie­ren und auf die er nicht in Frei­heit und Gleich­heit Ein­fluss neh­men kann. Inso­weit ist es Auf­ga­be des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, die Ein­hal­tung des im Zustim­mungs­ge­setz nie­der­ge­leg­ten Inte­gra­ti­ons­pro­gramms zu über­prü­fen und bei des­sen Voll­zug ein hin­rei­chen­des demo­kra­ti­sches Legi­ti­ma­ti­ons­ni­veau sicher­zu­stel­len 126. Die Ultra-vires-Kon­trol­le ist im Hin­blick auf Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 GG daher nicht ver­zicht­bar 127.

    Maß­nah­men von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on, deren Recht­mä­ßig­keits­maß­stab das Uni­ons­recht ist 128, hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Rah­men der Ultra-vires-Kon­trol­le (nur) dar­auf­hin zu über­prü­fen, ob sie vom Inte­gra­ti­ons­pro­gramm (Art. 23 Abs. 1 Satz 2 GG) gedeckt sind und inso­weit am Anwen­dungs­vor­rang des Uni­ons­rechts teil­ha­ben.

    Eine sol­che Prü­fung kommt – wegen der engen inhalt­li­chen Begren­zung des in Art. 38 Abs. 1 Satz 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 und Art. 79 Abs. 3 GG nie­der­ge­leg­ten "Rechts auf Demo­kra­tie" – aller­dings nur bei hin­rei­chend qua­li­fi­zier­ten Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen in Betracht. Nur dann kann davon die Rede sein, dass die Bür­ger in Anse­hung einer Maß­nah­me von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on einer poli­ti­schen Gewalt unter­wor­fen sind, der sie nicht aus­wei­chen kön­nen und die sie nicht prin­zi­pi­ell per­so­nell und sach­lich zu glei­chem Anteil in Frei­heit zu bestim­men ver­mö­gen. Eine qua­li­fi­zier­te Kom­pe­tenz­über­schrei­tung in die­sem Sin­ne muss daher offen­sicht­lich und für die Kom­pe­tenz­ver­tei­lung zwi­schen der Euro­päi­schen Uni­on und den Mit­glied­staa­ten von struk­tu­rel­ler Bedeu­tung sein.

    Die Annah­me eines Ultra-vires-Akts setzt – ohne Rück­sicht auf den betrof­fe­nen Sach­be­reich – vor­aus, dass eine Maß­nah­me von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on offen­sicht­lich außer­halb der über­tra­ge­nen Kom­pe­ten­zen liegt 129.

    Das ist der Fall, wenn sich die Kom­pe­tenz – bei Anwen­dung all­ge­mei­ner metho­di­scher Stan­dards – unter kei­nem recht­li­chen Gesichts­punkt begrün­den lässt 130. Die­ses Ver­ständ­nis von Offen­sicht­lich­keit folgt aus dem Gebot, die Ultra-vires-Kon­trol­le zurück­hal­tend aus­zu­üben. Bezo­gen auf den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on folgt es zudem aus der Unter­schied­lich­keit der Auf­ga­ben und Maß­stä­be, die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt einer­seits und der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on ande­rer­seits zu erfül­len oder anzu­wen­den haben. Dabei ist auch zu berück­sich­ti­gen, dass der Uni­ons­ge­richts­hof Anspruch auf Feh­ler­to­le­ranz hat 131. Eine Gren­ze fin­det die­ser mit der Auf­ga­ben­zu­wei­sung des Art.19 Abs. 1 Satz 2 EUV not­wen­dig ver­bun­de­ne Spiel­raum erst bei einer offen­sicht­lich schlech­ter­dings nicht mehr nach­voll­zieh­ba­ren und daher objek­tiv will­kür­li­chen Aus­le­gung der Ver­trä­ge. Erst wenn der Uni­ons­ge­richts­hof die­se Gren­ze über­schrit­te, wäre auch sein Han­deln nicht mehr durch Art.19 Abs. 1 Satz 2 EUV gedeckt, fehl­te sei­ner Ent­schei­dung für Deutsch­land das gemäß Art. 23 Abs. 1 Satz 2 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 und Art. 79 Abs. 3 GG erfor­der­li­che Min­dest­maß an demo­kra­ti­scher Legi­ti­ma­ti­on.

    Die Annah­me einer offen­sicht­li­chen Kom­pe­tenz­über­schrei­tung setzt aller­dings nicht vor­aus, dass kei­ne unter­schied­li­chen Rechts­auf­fas­sun­gen zu die­ser Fra­ge ver­tre­ten wer­den. Dass – nicht sel­ten inter­es­sier­te – Stim­men im Schrift­tum, in der Poli­tik oder den Medi­en einer Maß­nah­me Unbe­denk­lich­keit attes­tie­ren, hin­dert die Fest­stel­lung einer offen­sicht­li­chen Kom­pe­tenz­über­schrei­tung grund­sätz­lich nicht. "Offen­sicht­lich" kann die Kom­pe­tenz­über­schrei­tung auch dann sein, wenn sie das Ergeb­nis einer sorg­fäl­ti­gen und detail­liert begrün­de­ten Aus­le­gung ist. Inso­weit gel­ten im Rah­men der Ultra-vires-Kon­trol­le die all­ge­mei­nen Grund­sät­ze 132.

    Eine struk­tu­rell bedeut­sa­me Ver­schie­bung zulas­ten mit­glied­staat­li­cher Kom­pe­ten­zen 133 kann nur vor­lie­gen, wenn die Kom­pe­tenz­über­schrei­tung ein für das Demo­kra­tie­prin­zip und die Volks­sou­ve­rä­ni­tät erheb­li­ches Gewicht besitzt. Das ist etwa der Fall, wenn sie geeig­net ist, die kom­pe­ten­zi­el­len Grund­la­gen der Euro­päi­schen Uni­on zu ver­schie­ben 134 und so das Prin­zip der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung zu unter­lau­fen. Davon ist aus­zu­ge­hen, wenn die Inan­spruch­nah­me der Kom­pe­tenz durch das Organ, die Ein­rich­tung oder sons­ti­ge Stel­le der Euro­päi­schen Uni­on eine Ver­trags­än­de­rung nach Art. 48 EUV oder die Inan­spruch­nah­me einer Evo­lu­tiv­klau­sel erfor­der­te 135, für Deutsch­land also ein Tätig­wer­den des Gesetz­ge­bers, sei es nach Art. 23 Abs. 1 Satz 2 GG, sei es nach Maß­ga­be des Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tungs­ge­set­zes 136.

    Die Ultra-vires-Kon­trol­le dient dar­über hin­aus der Gewähr­leis­tung des Rechts­staats­prin­zips. Im inner­staat­li­chen Recht ver­langt der Grund­satz der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung eine gül­ti­ge Auf­ga­ben­zu­wei­sung und für Ein­grif­fe in den Rechts­kreis des Ein­zel­nen auch eine begrenz­te und näher bestimm­te gesetz­li­che Ermäch­ti­gung der Exe­ku­ti­ve 137. Dies gilt ent­spre­chend für die durch die Euro­päi­sche Uni­on aus­ge­üb­te öffent­li­che Gewalt 138). Maß­nah­men von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on, die auf Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen beru­hen, las­sen sich weder auf eine gül­ti­ge Auf­ga­ben­zu­wei­sung durch die Ver­trä­ge in Ver­bin­dung mit dem jewei­li­gen Zustim­mungs­ge­setz stüt­zen (Art. 5 Abs. 1 Satz 1 EUV) noch sind sie in der Lage, Ein­grif­fe in die Rechts­sphä­re der Bür­ger zu recht­fer­ti­gen. Sie sind daher – wie im natio­na­len Bereich – rechts­wid­rig und ver­let­zen inso­weit immer auch das Rechts­staats­prin­zip (Art.20 Abs. 3 GG) 139.

    Aus­übung von Iden­ti­täts­kon­trol­le und Ultra-vires-Kon­trol­le[↑]

    Die Iden­ti­täts­kon­trol­le einer­seits und die Ultra-vires-Kon­trol­le ande­rer­seits ste­hen als eigen­stän­di­ge Prüf­ver­fah­ren neben­ein­an­der. Da hin­rei­chend qua­li­fi­zier­te Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen zugleich die Iden­ti­tät der Ver­fas­sung berüh­ren, stellt die Ultra-vires-Kon­trol­le einen beson­de­ren, an das Zustim­mungs­ge­setz gemäß Art. 23 Abs. 1 Satz 2 GG anknüp­fen­den Anwen­dungs­fall des all­ge­mei­nen Schut­zes der Ver­fas­sungs­iden­ti­tät durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dar 140. Auch wenn sich bei­de Kon­troll­vor­be­hal­te auf Art. 79 Abs. 3 GG zurück­füh­ren las­sen, liegt ihnen ein jeweils unter­schied­li­cher Prü­fungs­an­satz zugrun­de. So über­prüft das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Rah­men der Ultra-vires-Kon­trol­le, ob das Han­deln der Orga­ne, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on von den im Zustim­mungs­ge­setz gemäß Art. 23 Abs. 1 Satz 2 GG ent­hal­te­nen Vor­ga­ben des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms gedeckt ist oder die Maß­nah­me aus dem vom par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­ber vor­ge­ge­be­nen Rah­men aus­bricht 141. Da Kom­pe­ten­zen gemäß Art. 23 Abs. 1 Satz 3 GG nur in den Gren­zen des Art. 79 Abs. 3 GG auf die Euro­päi­sche Uni­on über­tra­gen wer­den dür­fen, tritt neben die Ultra-vires-Kon­trol­le die Iden­ti­täts­kon­trol­le 142. Anders als die Ultra-vires-Kon­trol­le betrifft die Iden­ti­täts­kon­trol­le nicht die Ein­hal­tung der Reich­wei­te der über­tra­ge­nen Zustän­dig­keit. Viel­mehr wird die in Rede ste­hen­de Maß­nah­me der Euro­päi­schen Uni­on in mate­ri­el­ler Hin­sicht an der "abso­lu­ten Gren­ze" der Grund­sät­ze der Art. 1 und Art.20 GG gemes­sen 143.

    Ultra-vires- und Iden­ti­täts­kon­trol­le sind – als je eigen­stän­di­ge Kon­troll­in­stru­men­te – glei­cher­ma­ßen zurück­hal­tend und euro­pa­rechts­freund­lich aus­zu­üben 144. Sie sind dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­be­hal­ten. Die­ses legt, soweit erfor­der­lich, sei­ner Prü­fung die Maß­nah­me in der Aus­le­gung zugrun­de, die ihr in einem Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen gemäß Art. 267 Abs. 3 AEUV durch den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on gege­ben wur­de. Dabei sind die uni­ons­ei­ge­nen Metho­den der Rechts­fin­dung, die der Uni­ons­ge­richts­hof ent­wi­ckelt hat und die der Eigen­art der Ver­trä­ge und ihren Zie­len Rech­nung tra­gen sol­len, grund­sätz­lich zu respek­tie­ren. Es ist nicht Auf­ga­be des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, bei Aus­le­gungs­fra­gen, die im übli­chen rechts­wis­sen­schaft­li­chen Dis­kus­si­ons­rah­men zu ver­schie­de­nen Ergeb­nis­sen füh­ren kön­nen, sei­ne Aus­le­gung an die Stel­le der­je­ni­gen des Uni­ons­ge­richts­hofs zu set­zen.

    Da die Ultra-vires- und die Iden­ti­täts­kon­trol­le im Ergeb­nis dazu füh­ren kön­nen, dass Uni­ons­recht in begrenz­ten Ein­zel­fäl­len in Deutsch­land für unan­wend­bar erklärt wer­den muss, ver­langt der Grund­satz der Euro­pa­rechts­freund­lich­keit zum Schutz der Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Uni­ons­rechts­ord­nung und bei Beach­tung des in Art. 100 Abs. 1 GG zum Aus­druck kom­men­den Rechts­ge­dan­kens, dass die Fest­stel­lung einer Ver­let­zung der Ver­fas­sungs­iden­ti­tät oder des Vor­lie­gens eines Ultra-vires-Akts dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­be­hal­ten bleibt 145. Dafür spricht auch die Rege­lung des Art. 100 Abs. 2 GG, nach der bei Zwei­feln, ob eine all­ge­mei­ne Regel des Völ­ker­rechts Rech­te und Pflich­ten für den Ein­zel­nen erzeugt, das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ange­ru­fen wer­den muss 146.

    Eine zurück­hal­ten­de und euro­pa­rechts­freund­li­che Anwen­dung der Ultra-vires- und der Iden­ti­täts­kon­trol­le setzt zunächst vor­aus, dass der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on, soweit erfor­der­lich, im Rah­men eines Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­rens nach Art. 267 Abs. 3 AEUV mit der Sache befasst wird und das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt sei­ner Prü­fung die Maß­nah­me in der Aus­le­gung zugrun­de legt, die ihr in dem Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­ren durch den Uni­ons­ge­richts­hof gege­ben wird 147.

    Im Rah­men des Koope­ra­ti­ons­ver­hält­nis­ses zwi­schen Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und Uni­ons­ge­richts­hof bei der Ultra-vires-Kon­trol­le obliegt letz­te­rem daher die Ent­schei­dung über die Gül­tig­keit und die Aus­le­gung der Maß­nah­me; das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat hin­ge­gen sicher­zu­stel­len, dass Maß­nah­men von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on das Inte­gra­ti­ons­pro­gramm nicht in offen­sicht­li­cher und struk­tu­rell bedeut­sa­mer Wei­se über­schrei­ten und dadurch gegen Art. 38 Abs. 1 Satz 1 in Ver­bin­dung mit Art. 23 Abs. 1 Satz 2, Art.20 Abs. 2 Satz 1 und Art. 79 Abs. 3 GG ver­sto­ßen 148.

    Die Aus­le­gung und Anwen­dung des Uni­ons­rechts ein­schließ­lich der Bestim­mung der dabei anzu­wen­den­den Metho­de ist zuvör­derst Auf­ga­be des Uni­ons­ge­richts­hofs, dem es gemäß Art.19 Abs. 1 Satz 2 EUV obliegt, bei der Aus­le­gung und Anwen­dung der Ver­trä­ge das Recht zu wah­ren.

    Die vom Uni­ons­ge­richts­hof ent­wi­ckel­ten Metho­den rich­ter­li­cher Rechts­kon­kre­ti­sie­rung beru­hen dabei auf den gemein­sa­men (Verfassungs-)Rechtstraditionen der Mit­glied­staa­ten (vgl. auch Art. 6 Abs. 3 EUV, Art. 340 Abs. 2 AEUV), wie sie sich nicht zuletzt in der Recht­spre­chung ihrer Ver­fas­sungs- und Höchst­ge­rich­te sowie des Euro­päi­schen Uni­ons­ge­richts­hofs für Men­schen­rech­te nie­der­ge­schla­gen haben 149. Inso­fern haben jeden­falls der Wort­laut einer Norm, die frei­lich in meh­re­ren Sprach­fas­sun­gen ver­bind­lich ist (Art. 55 EUV, Art. 358 AEUV, Art. 1 VO Nr. 1/​58 zur Rege­lung der Spra­chen­fra­ge für die Euro­päi­sche Wirt­schafts­ge­mein­schaft 150 151, der von ihr ver­folg­te Rege­lungs­zweck (effet uti­le) 152 und der sys­te­ma­ti­sche Kon­text, in dem sie sich befin­det, beson­de­res Gewicht 153. Aus­nah­me­vor­schrif­ten sind nach der Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs eng aus­zu­le­gen 154. In mate­ri­ell-recht­li­cher Hin­sicht hat der Uni­ons­ge­richts­hof etwa den Grund­satz der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung 155 und das Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prin­zip 156 aner­kannt 157. Eta­bliert sind auch Beur­tei­lungs- und Ermes­sens­spiel­räu­me der Orga­ne, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on, denen frei­lich mate­ri­el­le und ver­fah­rens­recht­li­che Gren­zen gesetzt sind 158.

    Die Hand­ha­bung die­ser Metho­den und Grund­sät­ze kann – und muss – der­je­ni­gen durch inner­staat­li­che Gerich­te nicht voll­stän­dig ent­spre­chen, sie kann sich über die­se aber auch nicht ohne wei­te­res hin­weg­set­zen 159. Die Eigen­tüm­lich­kei­ten des Uni­ons­rechts bedin­gen aller­dings nicht unbe­trächt­li­che Abwei­chun­gen hin­sicht­lich der Bedeu­tung und Gewich­tung der unter­schied­li­chen Inter­pre­ta­ti­ons­mit­tel 160. Eine offen­kun­di­ge Außer­acht­las­sung der im euro­päi­schen Rechts­raum über­kom­me­nen Aus­le­gungs­me­tho­den oder all­ge­mei­ner, den Rechts­ord­nun­gen der Mit­glied­staa­ten gemein­sa­mer Rechts­grund­sät­ze (Art. 6 Abs. 3 EUV), ist vom Man­dat des Art.19 Abs. 1 Satz 2 EUV nicht umfasst.

    Es ist vor die­sem Hin­ter­grund nicht Auf­ga­be des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, bei Aus­le­gungs­fra­gen im Uni­ons­recht, die auch bei metho­den­ge­rech­ter Bewäl­ti­gung im übli­chen rechts­wis­sen­schaft­li­chen Dis­kus­si­ons­rah­men zu ver­schie­de­nen Ergeb­nis­sen füh­ren kön­nen, sei­ne Aus­le­gung an die Stel­le der­je­ni­gen des Uni­ons­ge­richts­hofs zu set­zen 131. Es muss eine rich­ter­li­che Rechts­fort­bil­dung durch den Uni­ons­ge­richts­hof viel­mehr auch dann respek­tie­ren, wenn die­ser zu einer Auf­fas­sung gelangt, der sich mit gewich­ti­gen Argu­men­ten ent­ge­gen­tre­ten lie­ße, solan­ge sie sich auf aner­kann­te metho­di­sche Grund­sät­ze zurück­füh­ren lässt und nicht objek­tiv will­kür­lich erscheint. Dies gilt im Rah­men sowohl der Iden­ti­täts- als auch der Ultra-vires-Kon­trol­le.

    Kein Anwen­dungs­vor­rang für Ultra-vires-Akte[↑]

    Maß­nah­men von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on, die die durch das Inte­gra­ti­ons­pro­gramm in Ver­bin­dung mit Art. 23 Abs. 1 Satz 2 und Art.20 Abs. 2 Satz 1 GG defi­nier­te Gren­ze über­schrei­ten, haben als Ultra-vires-Akte am Anwen­dungs­vor­rang des Uni­ons­rechts nicht teil. Da sie in Deutsch­land unan­wend­bar sind, ent­fal­ten sie für deut­sche Staats­or­ga­ne kei­ne Rechts­wir­kun­gen. Deut­sche Ver­fas­sungs­or­ga­ne, Behör­den und Gerich­te dür­fen weder am Zustan­de­kom­men noch an Umset­zung, Voll­zie­hung oder Ope­ra­tio­na­li­sie­rung von Ultra-vires-Akten mit­wir­ken 161. Sie sind ver­pflich­tet, die Vor­aus­set­zun­gen eines Ultra-vires-Aktes in eige­ner Ver­ant­wor­tung zu prü­fen und haben hier­über gege­be­nen­falls eine Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts her­bei­zu­füh­ren.

    Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung und Abwehr­pflich­ten bei Ultra-vires-Akten[↑]

    Die Ver­fas­sungs­or­ga­ne trifft auf­grund der ihnen oblie­gen­den Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung dar­über hin­aus eine Ver­pflich­tung, Maß­nah­men von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on, die eine Iden­ti­täts­ver­let­zung bewir­ken, sowie Ultra-vires-Akten, auch wenn sie nicht den gemäß Art. 23 Abs. 1 Satz 3 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG inte­gra­ti­ons­fes­ten Bereich betref­fen, ent­ge­gen­zu­tre­ten. Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG gewährt dem wahl­be­rech­tig­ten Bür­ger gegen­über Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­tag einen Anspruch dar­auf, dass die­se sich in Anse­hung mög­li­cher iden­ti­täts­ver­let­zen­der oder Ultra-vires-Akte von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on ein zuver­läs­si­ges Urteil über die Reich­wei­te und die Mög­lich­kei­ten der Erfül­lung ihrer Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung bil­den. Bei der Kon­kre­ti­sie­rung die­ser Pflicht kommt den Ver­fas­sungs­or­ga­nen ein wei­ter poli­ti­scher Gestal­tungs­spiel­raum zu.

    Aus der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung folgt nicht nur die Pflicht der Ver­fas­sungs­or­ga­ne, bei der Über­tra­gung von Hoheits­rech­ten und bei der Aus­ge­stal­tung von Ent­schei­dungs­ver­fah­ren dafür Sor­ge zu tra­gen, dass sowohl das poli­ti­sche Sys­tem Deutsch­lands als auch das­je­ni­ge der Euro­päi­schen Uni­on demo­kra­ti­schen Grund­sät­zen im Sin­ne des Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 GG ent­spre­chen 162 und die wei­te­ren Vor­ga­ben des Art. 23 GG ein­ge­hal­ten wer­den. Der Vor­rang der Ver­fas­sung (Art.20 Abs. 3 GG) ver­pflich­tet sie dar­über hin­aus, auch bei der Mit­wir­kung am Voll­zug des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms sowie bei des­sen nähe­rer Aus­ge­stal­tung und Fort­ent­wick­lung dafür Sor­ge zu tra­gen, dass des­sen Gren­zen gewahrt wer­den 163.

    Zur Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung gehört dar­über hin­aus eine dau­er­haf­te Ver­ant­wor­tung für die Ein­hal­tung des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms durch Orga­ne, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­ge Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on 164. Die­se Ver­ant­wor­tung kön­nen die Ver­fas­sungs­or­ga­ne nur wahr­neh­men, wenn sie den Voll­zug des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms im Rah­men ihrer Kom­pe­ten­zen kon­ti­nu­ier­lich beob­ach­ten. Der­ar­ti­ge, auch in ande­ren recht­li­chen Zusam­men­hän­gen bestehen­de ver­fas­sungs­recht­li­che Beob­ach­tungs­pflich­ten 165 zie­len bei der Über­tra­gung von Hoheits­rech­ten auf die Euro­päi­sche Uni­on oder ande­re supra- oder inter­na­tio­na­le Ein­rich­tun­gen auch auf die Siche­rung des demo­kra­ti­schen Legi­ti­ma­ti­ons­zu­sam­men­hangs. Dies gilt in gestei­ger­tem Maße dann, wenn öffent­li­che Gewalt durch Stel­len aus­ge­übt wird, die nur über eine schwa­che demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on ver­fü­gen 166.

    Die Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung ver­pflich­tet die Ver­fas­sungs­or­ga­ne – den grund­recht­li­chen Schutz­pflich­ten nicht unähn­lich, sich dort schüt­zend und för­dernd vor die durch Art. 38 Abs. 1 Satz 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 2 Satz 1 GG geschütz­ten Rechts­po­si­tio­nen des Ein­zel­nen zu stel­len, wo die­ser nicht selbst für ihre Inte­gri­tät sor­gen kann 167. Der Ver­pflich­tung der Ver­fas­sungs­or­ga­ne zur Wahr­neh­mung ihrer Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung ent­spricht daher ein in Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG ver­an­ker­tes Recht des wahl­be­rech­tig­ten Bür­gers, dass die Ver­fas­sungs­or­ga­ne dafür sor­gen, dass die mit dem Voll­zug des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms ohne­hin schon ver­bun­de­nen Ein­fluss­kni­cke und Ein­schrän­kun­gen sei­nes "Rechts auf Demo­kra­tie" nicht wei­ter­ge­hen, als sie durch die zuläs­si­ge Über­tra­gung von Hoheits­rech­ten auf die Euro­päi­sche Uni­on gerecht­fer­tigt sind, und er kei­ner poli­ti­schen Gewalt unter­wor­fen wird, der er nicht aus­wei­chen kann und die er nicht prin­zi­pi­ell per­so­nell und sach­lich zu glei­chem Anteil in Frei­heit zu bestim­men ver­mag 93.

    Die­ser Anspruch rich­tet sich vor allem gegen die im Bereich der aus­wär­ti­gen Gewalt mit beson­de­ren Kom­pe­ten­zen aus­ge­stat­te­ten Ver­fas­sungs­or­ga­ne Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­tag 168. Sie haben über die Ein­hal­tung des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms zu wachen und bei Iden­ti­täts­ver­let­zun­gen eben­so wie bei offen­sicht­li­chen und struk­tu­rell bedeut­sa­men Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen außer­halb des gemäß Art. 23 Abs. 1 Satz 3 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG inte­gra­ti­ons­fes­ten Bereichs aktiv auf sei­ne Befol­gung und die Beach­tung sei­ner Gren­zen hin­zu­wir­ken 169. In Anse­hung sol­cher Maß­nah­men von Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on haben sie sich daher aktiv mit der Fra­ge aus­ein­an­der­zu­set­zen, wie die Iden­ti­tät gewahrt oder die Kom­pe­tenz­ord­nung wie­der­her­ge­stellt wer­den kann, und eine posi­ti­ve Ent­schei­dung dar­über her­bei­zu­füh­ren, wel­che Wege dafür beschrit­ten wer­den sol­len 170.

    Der aus der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung der Ver­fas­sungs­or­ga­ne fol­gen­den Reak­ti­ons­pflicht und dem schutz­pflicht­ähn­li­chen Anspruch des wahl­be­rech­tig­ten Bür­gers steht nicht ent­ge­gen, dass dem Grund­ge­setz in der Regel kei­ne kon­kre­ten Hand­lungs­an­wei­sun­gen zu ent­neh­men sind.

    So ist für die Grund­rech­te all­ge­mein aner­kannt, dass die zustän­di­gen (Verfassungs-)Organe grund­sätz­lich in eige­ner Ver­ant­wor­tung ent­schei­den, wie sie die ihnen oblie­gen­den Schutz­pflich­ten erfül­len 171. Dabei kommt ihnen ein wei­ter Ein­schät­zungs, Wer­tungs- und Gestal­tungs­spiel­raum zu 172. Sol­che Gestal­tungs­spiel­räu­me bestehen nicht nur dort, wo es um die Berück­sich­ti­gung wider­strei­ten­der Grund­rechts­po­si­tio­nen geht 173. Auch im Bereich der Außen­po­li­tik obliegt es grund­sätz­lich der pflicht­ge­mä­ßen poli­ti­schen Ent­schei­dung und Ver­ant­wor­tung der zustän­di­gen Ver­fas­sungs­or­ga­ne, wel­che Maß­nah­men ergrif­fen wer­den. Bestehen­de Risi­ken sind in die Erwä­gun­gen ein­zu­be­zie­hen und poli­tisch zu ver­ant­wor­ten 174. Dies gilt auch für die Fra­ge, in wel­cher Wei­se der Schutz­pflicht des Staa­tes in Bezug auf Grund­rech­te im Bereich der Außen- und Ver­tei­di­gungs­po­li­tik gegen­über nicht deut­scher Hoheits­ge­walt genügt wird 175. Eine Ver­let­zung von Schutz­pflich­ten liegt erst dann vor, wenn über­haupt kei­ne Schutz­vor­keh­run­gen getrof­fen wer­den, die getrof­fe­nen Rege­lun­gen und Maß­nah­men offen­sicht­lich unge­eig­net oder völ­lig unzu­läng­lich sind oder wenn sie erheb­lich hin­ter dem Schutz­ziel zurück­blei­ben 176.

    Für die – der Siche­rung von Demo­kra­tie und Volks­sou­ve­rä­ni­tät die­nen­de – Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung bedeu­tet dies, dass die Ver­fas­sungs­or­ga­ne im Fal­le offen­sicht­li­cher und struk­tu­rell bedeut­sa­mer Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen und sons­ti­ger Ver­let­zun­gen der Ver­fas­sungs­iden­ti­tät durch Orga­ne, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­ge Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on aktiv auf die Ein­hal­tung des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms hin­zu­wir­ken haben. Sie kön­nen Kom­pe­tenz­über­schrei­tun­gen gege­be­nen­falls zwar nach­träg­lich legi­ti­mie­ren, indem sie eine – die Gren­zen von Art. 79 Abs. 3 GG wah­ren­de – Ände­rung des Pri­mär­rechts ansto­ßen 177 und die ultra vires in Anspruch genom­me­nen Hoheits­rech­te im Ver­fah­ren nach Art. 23 Abs. 1 Sät­ze 2 und 3 GG förm­lich über­tra­gen. Soweit dies jedoch nicht mög­lich oder nicht gewollt ist, sind sie ver­pflich­tet, im Rah­men ihrer Kom­pe­ten­zen mit recht­li­chen oder poli­ti­schen Mit­teln auf die Auf­he­bung der vom Inte­gra­ti­ons­pro­gramm nicht gedeck­ten Maß­nah­men hin­zu­wir­ken sowie – solan­ge die Maß­nah­men fort­wir­ken – geeig­ne­te Vor­keh­run­gen dafür zu tref­fen, dass die inner­staat­li­chen Aus­wir­kun­gen der Maß­nah­men so weit wie mög­lich begrenzt blei­ben 178. Inso­weit sind geeig­ne­te Mög­lich­kei­ten zu ergrei­fen, um die Wah­rung des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms sicher­zu­stel­len 179.

    Dazu zäh­len mit Blick auf die Bun­des­re­gie­rung ins­be­son­de­re eine Kla­ge vor dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on (Art. 263 Abs. 1 AEUV), die Bean­stan­dung der frag­li­chen Maß­nah­me gegen­über den han­deln­den und den sie kon­trol­lie­ren­den Stel­len, das Stimm­ver­hal­ten in den Ent­schei­dungs­gre­mi­en der Euro­päi­schen Uni­on ein­schließ­lich der Aus­übung von Veto­rech­ten und der Beru­fung auf den Luxem­bur­ger Kom­pro­miss 180, Vor­stö­ße zu Ver­trags­än­de­run­gen (vgl. Art. 48 Abs. 2, 50 EUV) sowie Wei­sun­gen an nach­ge­ord­ne­te Stel­len, die in Rede ste­hen­de Maß­nah­me nicht anzu­wen­den. Der Deut­sche Bun­des­tag kann sich ins­be­son­de­re sei­nes Fra­ge, Debat­ten- und Ent­schlie­ßungs­rechts bedie­nen, das ihm zur Kon­trol­le des Han­delns der Bun­des­re­gie­rung in Ange­le­gen­hei­ten der Euro­päi­schen Uni­on zusteht (vgl. Art. 23 Abs. 2 GG) 181, sowie – je nach Ange­le­gen­heit – auch der Sub­si­dia­ri­täts­kla­ge (Art. 23 Abs. 1a GG i.V.m. Art. 12 Buch­sta­be b EUV und Art. 8 Sub­si­dia­ri­täts­pro­to­koll), des Enquête­rechts (Art. 44 GG) oder des Miss­trau­ens­vo­tums (Art. 67 GG) 182.

    Wie eine grund­recht­li­che Schutz­pflicht kann sich aller­dings auch die Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung unter bestimm­ten recht­li­chen und tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen zu einer kon­kre­ten Hand­lungs­pflicht ver­dich­ten. Da es im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang letzt­lich auch um eine Berüh­rung des zur Ver­fas­sungs­iden­ti­tät des Art. 79 Abs. 3 GG rech­nen­den Grund­sat­zes der Volks­sou­ve­rä­ni­tät (Art.20 Abs. 2 Satz 1 GG) geht, muss der Bun­des­tag unver­züg­lich jeden­falls nach einer ent­spre­chen­den Fest­stel­lung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts dar­über befin­den, wie der in Rede ste­hen­den Maß­nah­me zu begeg­nen ist.

    Die­se Befas­sung hat grund­sätz­lich im Ple­num zu erfol­gen; eine Befas­sung von – in der Regel nicht öffent­lich tagen­den – Aus­schüs­sen genügt der Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung dage­gen nicht. Der Deut­sche Bun­des­tag ist das unmit­tel­ba­re Reprä­sen­ta­ti­ons­or­gan des Vol­kes. Er besteht aus den als Ver­tre­tern des gan­zen Vol­kes gewähl­ten Abge­ord­ne­ten, die ins­ge­samt die Volks­ver­tre­tung bil­den. Der durch Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG gewähr­leis­te­te reprä­sen­ta­ti­ve Sta­tus der Abge­ord­ne­ten 183 ist Grund­la­ge für die reprä­sen­ta­ti­ve Stel­lung des Bun­des­ta­ges, der als "beson­de­res Organ" (Art.20 Abs. 2 GG) die vom Volk aus­ge­hen­de Staats­ge­walt aus­übt 184. Sei­ne Reprä­sen­ta­ti­ons­funk­ti­on nimmt der Deut­sche Bun­des­tag grund­sätz­lich in sei­ner Gesamt­heit wahr, durch die Mit­wir­kung aller sei­ner Mit­glie­der 185, nicht durch ein­zel­ne Abge­ord­ne­te, eine Grup­pe von Abge­ord­ne­ten oder die par­la­men­ta­ri­sche Mehr­heit. Öffent­li­ches Ver­han­deln von Argu­ment und Gegen­ar­gu­ment, öffent­li­che Debat­te und öffent­li­che Dis­kus­si­on sind wesent­li­che Ele­men­te des demo­kra­ti­schen Par­la­men­ta­ris­mus. Das im par­la­men­ta­ri­schen Ver­fah­ren gewähr­leis­te­te Maß an Öffent­lich­keit der Aus­ein­an­der­set­zung und Ent­schei­dungs­su­che eröff­net nicht nur Mög­lich­kei­ten eines Aus­gleichs wider­strei­ten­der Inter­es­sen, es schafft vor allem auch die Vor­aus­set­zun­gen für eine Kon­trol­le durch die Bür­ger 186. Ent­schei­dun­gen von erheb­li­cher Trag­wei­te wie die Ent­schlie­ßung dar­über, wel­che Wege zur Wie­der­her­stel­lung der Kom­pe­tenz­ord­nung beschrit­ten wer­den sol­len 103, muss des­halb grund­sätz­lich ein Ver­fah­ren vor­aus­ge­hen, das der Öffent­lich­keit Gele­gen­heit bie­tet, ihre Auf­fas­sun­gen aus­zu­bil­den und zu ver­tre­ten, und das die Volks­ver­tre­tung dazu anhält, Not­wen­dig­keit und Umfang der zu beschlie­ßen­den Maß­nah­men in öffent­li­cher Debat­te zu klä­ren 187.

    Bewer­tung des OMT-Pro­gramms[↑]

    Nach die­sen Maß­stä­ben sind die Ver­fas­sungs­be­schwer­den und der im Organ­streit­ver­fah­ren gestell­te Antrag, soweit zuläs­sig, unbe­grün­det. Unter Berück­sich­ti­gung der nach­fol­gend bezeich­ne­ten Maß­ga­ben ver­letzt die Untä­tig­keit von Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­tag in Anse­hung des Grund­satz­be­schlus­ses der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 06.09.2012 die Beschwer­de­füh­rer nicht in ihrem Recht aus Art. 38 Abs. 1 Satz 1, Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 in Ver­bin­dung mit Art. 79 Abs. 3 GG und wer­den die im Rah­men der euro­päi­schen Inte­gra­ti­on bestehen­den Rech­te und Pflich­ten des Bun­des­ta­ges ein­schließ­lich sei­ner haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung dadurch nicht beein­träch­tigt. Der Grund­satz­be­schluss des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 06.09.2012 und sei­ne mög­li­che Durch­füh­rung stel­len unter den Bedin­gun­gen, die der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on in sei­nem Urteil vom 16.06.2015 for­mu­liert hat, kei­ne qua­li­fi­zier­ten Über­schrei­tun­gen der in Art. 119, 127 ff. AEUV, Art. 17 ff. ESZB-Sat­zung der Euro­päi­schen Zen­tral­bank zuge­wie­se­nen Kom­pe­ten­zen dar und ver­sto­ßen auch nicht gegen das in Art. 123 AEUV nie­der­ge­leg­te Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung. Die Deut­sche Bun­des­bank darf sich an der Durch­füh­rung des OMT-Beschlus­ses nur betei­li­gen, wenn der vom Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on auf­ge­zeig­te Rah­men ein­ge­hal­ten wird. Soll­te dies nicht der Fall sein, wären Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­tag zum Ein­schrei­ten ver­pflich­tet. Ein Risi­ko für die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges, das Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­tag ver­pflich­ten wür­de, zur Wah­rung der Ver­fas­sungs­iden­ti­tät gegen das OMT-Pro­gramm vor­zu­ge­hen, ist bei Beach­tung der durch den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on for­mu­lier­ten Bedin­gun­gen eben­falls nicht erkenn­bar. Die­sen obliegt aller­dings eine Pflicht, bei einer etwai­gen Durch­füh­rung des OMT-Pro­gramms die Ein­hal­tung die­ser Bedin­gun­gen kon­ti­nu­ier­lich zu beob­ach­ten, um mög­li­chen Risi­ken für die Ein­hal­tung des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms oder die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung des Deut­schen Bun­des­ta­ges früh­zei­tig zu begeg­nen.

    OMT als Ultra-vires-Akt[↑]

    In der vom Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on vor­ge­nom­me­nen Aus­le­gung sind der Grund­satz­be­schluss über die tech­ni­schen Rah­men­be­din­gun­gen des OMT-Pro­gramms und des­sen mög­li­che Durch­füh­rung mit Blick auf Art. 119 und Art. 127 ff. AEUV sowie Art. 17 ff. ESZB-Sat­zung nicht als Ultra-vires-Maß­nah­men zu qua­li­fi­zie­ren. In die­ser Aus­le­gung, die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt grund­sätz­lich bin­det, bestehen gegen den Grund­satz­be­schluss des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank über das OMT-Pro­gramm vom 06.09.2012 trotz gewich­ti­ger Beden­ken letzt­lich kei­ne durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Ein­wän­de.

    Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt legt sei­ner Prü­fung die Aus­le­gung des OMT-Beschlus­ses zugrun­de, die der Uni­ons­ge­richts­hof in sei­nem Urteil vom 16.06.2015 vor­ge­nom­men hat 188. Die Auf­fas­sung des Uni­ons­ge­richts­hofs, der Grund­satz­be­schluss über das OMT-Pro­gramm sei kom­pe­tenz­ge­mäß und ver­sto­ße nicht gegen das Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung, bewegt sich noch inner­halb des dem Uni­ons­ge­richts­hof erteil­ten Man­da­tes aus Art.19 Abs. 1 Satz 2 EUV 189.

    Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on stützt sei­ne Auf­fas­sung maß­geb­lich auf die von der Euro­päi­schen Zen­tral­bank ange­ge­be­ne Ziel­set­zung des OMT-Pro­gramms, auf die dazu ein­ge­setz­ten Mit­tel und die aus sei­ner Sicht ledig­lich mit­tel­ba­ren Aus­wir­kun­gen des Pro­gramms auf die Wirt­schafts­po­li­tik. Anders als das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt legt der Uni­ons­ge­richts­hof sei­ner Prü­fung nicht nur den Grund­satz­be­schluss über die tech­ni­schen Merk­ma­le vom 06.09.2012 zugrun­de, son­dern lei­tet ins­be­son­de­re aus dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit wei­te­re Rah­men­be­din­gun­gen ab, die einer etwai­gen Durch­füh­rung des OMT-Pro­gramms ver­bind­li­che Gren­zen set­zen. Das ist im Ergeb­nis zumin­dest ver­tret­bar und ent­spricht der stän­di­gen Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs.

    Nach sei­ner gefes­tig­ten Recht­spre­chung stellt der Uni­ons­ge­richts­hof bei der Abgren­zung von Zustän­dig­kei­ten zwi­schen der Euro­päi­schen Uni­on und den Mit­glied­staa­ten im All­ge­mei­nen auf die Zie­le der frag­li­chen Maß­nah­me ab 190, bei der Abgren­zung von Wirt­schafts- und Wäh­rungs­po­li­tik dar­über hin­aus auch auf die ein­ge­setz­ten Mit­tel 191. Dies ent­spricht der fina­len Kom­pe­tenz­zu­wei­sung, von der das Pri­mär­recht geprägt ist (vgl. Art. 3, Art. 5 Abs. 2 Satz 1, Abs. 3 UA 1, Abs. 4 EUV; Art. 127 Abs. 1 Satz 1 AEUV) 192. Ledig­lich mit­tel­ba­re Aus­wir­kun­gen einer Maß­nah­me für ande­re Berei­che hält der Uni­ons­ge­richts­hof bei der Kom­pe­tenz­ab­gren­zung nicht für aus­schlag­ge­bend 193. Ent­spre­chend ist er auch im vor­lie­gen­den Fall vor­ge­gan­gen 194.

    Da der Uni­ons­ge­richts­hof den Orga­nen der Euro­päi­schen Uni­on bei der Wahr­neh­mung ihrer Auf­ga­ben stets einen wei­ten Ein­schät­zungs- und Ermes­sens­spiel­raum zuer­kennt und nur die Ein­hal­tung äußers­ter Gren­zen ("offen­sicht­li­cher Irr­tum", "Ermes­sens­miss­brauch", "Gren­zen des Ermes­sens­spiel­raums") über­prüft 195, hat er auf der Ebe­ne der Kom­pe­tenz­aus­übung den Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz (Art. 5 Abs. 1 Satz 2, Abs. 4 EUV) als begren­zen­des Kor­rek­tiv ent­fal­tet 196. Hin­zu kommt das Erfor­der­nis einer die gericht­li­che Kon­trol­le (Art. 263 Abs. 1 AEUV, Art. 35.1 Satz 1 ESZB-Sat­zung) ermög­li­chen­den Begrün­dung von Rechts­ak­ten (Art. 296 Abs. 2 AEUV) 197. Auf die­sen kom­pe­tenz­be­gren­zen­den Para­me­tern liegt auch der Schwer­punkt der Kon­trol­le durch den Uni­ons­ge­richts­hof im vor­lie­gen­den Fall 198.

    Dar­über hin­aus bekräf­tigt der Uni­ons­ge­richts­hof – deut­li­cher als bis­lang 199, dass auch das Han­deln der Euro­päi­schen Zen­tral­bank – als in Art. 263 Abs. 1 AEUV und Art. 35.1 Satz 1 ESZB-Sat­zung zum Aus­druck kom­men­de zwin­gen­de Kon­se­quenz des Rechts­staats­prin­zips – der gericht­li­chen Kon­trol­le unter­liegt, ins­be­son­de­re mit Blick auf die Ein­hal­tung der Grund­sät­ze der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung und der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit 200.

    Die dem Urteil vom 16.06.2015 zugrun­de­lie­gen­de Art und Wei­se rich­ter­li­cher Rechts­kon­kre­ti­sie­rung begeg­net aus der Sicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gleich­wohl gewich­ti­gen Ein­wän­den mit Blick auf die Erhe­bung des Sach­ver­halts, das Prin­zip der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung und die gericht­li­che Kon­trol­le der Euro­päi­schen Zen­tral­bank bei der Bestim­mung ihres Man­da­tes.

    Das gilt zunächst für den Umstand, dass der Uni­ons­ge­richts­hof die – im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren sub­stan­ti­iert bestrit­te­ne – Behaup­tung einer geld­po­li­ti­schen Ziel­set­zung des OMT-Pro­gramms hin­nimmt, ohne die zugrun­de­lie­gen­den tat­säch­li­chen Annah­men zu hin­ter­fra­gen oder zumin­dest im Ein­zel­nen nach­zu­voll­zie­hen und ohne die­se Annah­men mit den Indi­zi­en in Bezie­hung zu set­zen, die offen­sicht­lich gegen einen geld­po­li­ti­schen Cha­rak­ter spre­chen, ins­be­son­de­re die Selek­ti­vi­tät der Anlei­he­käu­fe 201 und deren Par­al­le­li­tät zu EFSF- und ESM-Hilfs­pro­gram­men 202. Der Uni­ons­ge­richts­hof setzt sich nicht damit aus­ein­an­der, dass einer Beschrän­kung auf eine geld­po­li­ti­sche, der Wie­der­her­stel­lung des Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus die­nen­den Ziel­set­zung ent­ge­gen ste­hen könn­te, dass nach dem Grund­satz­be­schluss ein Ankauf von Staats­an­lei­hen bei einem feh­len­den Zugang zum Anlei­he­markt oder bei der Nicht­ein­hal­tung eines lau­fen­den makro­öko­no­mi­schen Anpas­sungs­pro­gramms ohne Rück­sicht auf die Aus­wir­kun­gen auf den Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus regel­mä­ßig aus­schei­det und dass die Quan­ti­fi­zier­bar­keit des nicht makro­öko­no­misch beding­ten Anteils an den Zins­sät­zen – etwa sei­tens der Bun­des­bank – bestrit­ten wur­de, obwohl dies Vor­aus­set­zung für die Bestim­mung des geld­po­li­tisch zu recht­fer­ti­gen­den Volu­mens bei der Durch­füh­rung des Pro­gramms wäre.

    Es gilt fer­ner für den Umstand, dass der Uni­ons­ge­richts­hof für die kom­pe­tenz­mä­ßi­ge Zuord­nung des OMT-Pro­gramms zur Wäh­rungs­po­li­tik trotz der von ihm selbst ange­nom­me­nen Über­schnei­dun­gen von Wirt­schafts- und Wäh­rungs­po­li­tik im Wesent­li­chen auf die von dem zu kon­trol­lie­ren­den Organ ange­ge­be­ne Ziel­set­zung der Maß­nah­me und den Rück­griff auf das in Art. 18 ESZB-Sat­zung vor­ge­se­he­ne Instru­ment des Ankaufs von Staats­an­lei­hen abstellt, die gegen die­se Zuord­nung spre­chen­den Indi­ka­to­ren jedoch aus­schließ­lich iso­liert anspricht und nicht dar­auf ein­geht, ob sie auch in ihrer Sum­me – auf der Grund­la­ge einer wer­ten­den Gesamt­be­trach­tung 203 – uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben genü­gen.

    Die groß­zü­gi­ge Hin­nah­me behaup­te­ter Ziel­set­zun­gen ver­bun­den mit wei­ten Bewer­tungs­spiel­räu­men der Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on und einer erheb­li­chen Zurück­nah­me der gericht­li­chen Kon­troll­dich­te ist geeig­net, den Orga­nen, Ein­rich­tun­gen und sons­ti­gen Stel­len der Euro­päi­schen Uni­on eine eigen­stän­di­ge Dis­po­si­ti­on über die Reich­wei­te der ihnen von den Mit­glied­staa­ten zur Aus­übung über­las­se­nen Kom­pe­ten­zen zu ermög­li­chen 204. Ein sol­ches Kom­pe­tenz­ver­ständ­nis trägt jedoch der ver­fas­sungs­recht­li­chen Dimen­si­on des Prin­zips der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung nicht hin­rei­chend Rech­nung.

    Das Prin­zip der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung ist nicht nur ein uni­ons­recht­li­cher Grund­satz, son­dern nimmt mit­glied­staat­li­che Ver­fas­sungs­prin­zi­pi­en auf 205. Es ist die maß­geb­li­che Recht­fer­ti­gung für den Ein­schnitt in das demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­ons­ni­veau der durch die Euro­päi­sche Uni­on aus­ge­üb­ten öffent­li­chen Gewalt, der in Deutsch­land nicht nur objek­ti­ve Grund­prin­zi­pi­en der Ver­fas­sung (Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 GG) berührt, son­dern auch das Wahl­recht der Bür­ger und ihren "Anspruch auf Demo­kra­tie" (Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG). Die Wah­rung der kom­pe­ten­zi­el­len Grund­la­gen der Euro­päi­schen Uni­on hat daher ent­schei­den­de Bedeu­tung für die Gewähr­leis­tung des demo­kra­ti­schen Prin­zips des Grund­ge­set­zes. Ins­be­son­de­re darf die Fina­li­tät des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms nicht dazu füh­ren, dass das Prin­zip der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung als eines der Fun­da­men­tal­prin­zi­pi­en der Uni­on fak­tisch außer Kraft gesetzt wird (vgl. Art. 3 Abs. 6, Art. 4 Abs. 1 EUV, Art. 7 AEUV) 206. Inso­weit sind das uni­ons­recht­li­che Prin­zip der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung und die uni­ons­recht­li­che Pflicht zur Iden­ti­täts­ach­tung Aus­druck der ver­trag­li­chen Grund­le­gung der Uni­ons­ge­walt 205.

    Die Schnitt­stel­len­funk­ti­on des Prin­zips der begrenz­ten Ein­zel­er­mäch­ti­gung muss Rück­wir­kun­gen auf die metho­di­sche Kon­trol­le sei­ner Ein­hal­tung haben. Sind fun­da­men­ta­le Belan­ge der Mit­glied­staa­ten berührt, wie dies hin­sicht­lich der Ver­bands­kom­pe­tenz in der Regel der Fall ist, darf die gericht­li­che Kon­trol­le die behaup­te­ten Absich­ten der Orga­ne der Euro­päi­schen Uni­on nicht unbe­se­hen über­neh­men.

    Ohne Ant­wort bleibt schließ­lich das dem Uni­ons­ge­richts­hof vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt unter­brei­te­te Pro­blem 207, dass die der Euro­päi­schen Zen­tral­bank ein­ge­räum­te Unab­hän­gig­keit (Art. 130 AEUV) zu einer spür­ba­ren Sen­kung des demo­kra­ti­schen Legi­ti­ma­ti­ons­ni­veaus ihres Han­delns führt und daher Anlass für eine restrik­ti­ve Aus­le­gung und beson­ders strik­te gericht­li­che Kon­trol­le ihres Man­da­tes sein müss­te.

    Dies gilt umso mehr, wenn, wie vor­lie­gend, mit dem Demo­kra­tie­prin­zip und dem Grund­satz der Volks­sou­ve­rä­ni­tät (Art.20 Abs. 1 und Abs. 2 GG) die Ver­fas­sungs­iden­ti­tät eines Mit­glied­staats betrof­fen ist, zu deren Ach­tung die Euro­päi­sche Uni­on ver­pflich­tet ist (Art. 4 Abs. 2 Satz 1 EUV). Die Unab­hän­gig­keit der Euro­päi­schen Zen­tral­bank wie auch der natio­na­len Noten­ban­ken löst die von ihnen aus­ge­üb­te Hoheits­ge­walt aus der unmit­tel­ba­ren staat­li­chen oder supra­na­tio­na­len par­la­men­ta­ri­schen Ver­ant­wort­lich­keit. Ihre durch Art. 130 und Art. 282 Abs. 3 Sät­ze 3 und 4 AEUV garan­tier­te Unab­hän­gig­keit bei der Wahr­neh­mung der uni­ons­recht­li­chen Befug­nis­se steht daher in einem deut­li­chen Span­nungs­ver­hält­nis zum Demo­kra­tie­prin­zip und zum Grund­satz der Volks­sou­ve­rä­ni­tät. Ein wesent­li­cher Poli­tik­be­reich, der mit dem Geld­wert die indi­vi­du­el­le Frei­heit stützt und mit der Geld­men­ge auch das öffent­li­che Finanz­we­sen und die davon abhän­gi­gen Poli­tik­be­rei­che bestimmt, wird damit der Wei­sungs­be­fug­nis der unmit­tel­bar demo­kra­tisch legi­ti­mier­ten Reprä­sen­tan­ten und zugleich der gesetz­ge­be­ri­schen Kon­trol­le von Auf­ga­ben­be­rei­chen und Hand­lungs­mit­teln ent­zo­gen.

    Die­se Ein­schrän­kung der von den Wäh­lern aus­ge­hen­den demo­kra­ti­schen Legi­ti­ma­ti­on ist als sol­che zwar als eine in Art. 88 Satz 2 GG vor­ge­se­he­ne Modi­fi­ka­ti­on des Demo­kra­tie­prin­zips durch spe­zi­fi­sche Rah­men­be­din­gun­gen der Wäh­rungs­po­li­tik gerecht­fer­tigt 208. Kom­pen­sa­to­risch gebie­ten Demo­kra­tie­prin­zip und Volks­sou­ve­rä­ni­tät jedoch eine restrik­ti­ve Aus­le­gung des wäh­rungs­po­li­ti­schen Man­da­tes der Euro­päi­schen Zen­tral­bank und eine stren­ge gericht­li­che Kon­trol­le sei­ner Ein­hal­tung, um das abge­senk­te demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­ons­ni­veau ihres Han­delns zumin­dest auf das unbe­dingt Erfor­der­li­che zu beschrän­ken 209.

    Unge­ach­tet die­ser Ein­wän­de bewegt sich der Grund­satz­be­schluss über das OMT-Pro­gramm in der vom Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on vor­ge­nom­me­nen Aus­le­gung jedoch nicht "offen­sicht­lich" außer­halb der der Euro­päi­schen Zen­tral­bank zuge­wie­se­nen Kom­pe­ten­zen im Sin­ne des Ultra-vires-Kon­troll­vor­be­halts. Der Uni­ons­ge­richts­hof geht von den Zie­len aus, denen das OMT-Pro­gramm nach Anga­ben der Euro­päi­schen Zen­tral­bank die­nen soll, und den Mit­teln, die dafür ein­ge­setzt wer­den 210. Das stimmt, wie dar­ge­stellt, mit dem Wort­laut der pri­mär­recht­li­chen Grund­la­gen und sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung über­ein. Anders als das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hin­ter­fragt der Uni­ons­ge­richts­hof die ange­ge­be­nen Zie­le zwar nicht und beur­teilt die Indi­zi­en, die aus Sicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gegen die behaup­te­te Ziel­set­zung spre­chen, jeweils iso­liert, anstatt sie auch in ihrer Gesamt­heit zu bewer­ten. Dies kann jedoch des­halb noch hin­ge­nom­men wer­den, weil der Uni­ons­ge­richts­hof die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt für mög­lich gehal­te­ne ein­schrän­ken­de Aus­le­gung des Grund­satz­be­schlus­ses 211 der Sache nach auf Ebe­ne der Kom­pe­tenz­aus­übung vor­ge­nom­men hat. Die­se vom Uni­ons­ge­richts­hof für eine Umset­zung des Grund­satz­be­schlus­ses iden­ti­fi­zier­ten Para­me­ter sind rechts­ver­bind­lich und füh­ren zu einer hin­rei­chen­den Begren­zung der Reich­wei­te des Beschlus­ses.

    Der Uni­ons­ge­richts­hof unter­schei­det zwi­schen dem Grund­satz­be­schluss vom 06.09.2012, der die tech­ni­schen Rah­men­be­din­gun­gen des OMT-Pro­gramms fest­legt, und der Durch­füh­rung des Pro­gramms 212. An den Grund­satz­be­schluss, das OMT-Pro­gramm auf­zu­le­gen, stellt er dabei weni­ger stren­ge Anfor­de­run­gen mit dem Argu­ment, die voll­stän­di­ge Offen­le­gung aller tech­ni­schen Merk­ma­le kön­ne die Wirk­sam­keit des Pro­gramms schwä­chen 213. Mit Blick auf die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit des OMT-Pro­gramms und die Erfül­lung der Begrün­dungs­pflich­ten geht der Uni­ons­ge­richts­hof dage­gen über die im Grund­satz­be­schluss ange­kün­dig­ten Rah­men­be­din­gun­gen hin­aus von wei­te­ren Ein­schrän­kun­gen aus, denen eine Durch­füh­rung des OMT-Pro­gramms zwin­gend unter­liegt. Auf Grund­la­ge die­ser ein­schrän­ken­den Kon­di­tio­nen, die sich auch in unver­öf­fent­lich­ten Ent­wür­fen künf­ti­ger kon­kre­ti­sie­ren­der Rechts­ak­te der Euro­päi­schen Zen­tral­bank fin­den, kommt der Uni­ons­ge­richts­hof zu dem Ergeb­nis, dass eine gericht­li­che Kon­trol­le mög­lich und die Euro­päi­sche Zen­tral­bank ihren Begrün­dungs­pflich­ten nach­ge­kom­men sei 214. Die wesent­li­chen Ele­men­te des Pro­gramms sei­en erkenn­bar, wes­halb der Uni­ons­ge­richts­hof sei­ne Kon­trol­le aus­üben kön­ne 215. Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Kon­di­tio­nen ver­sto­ße das Pro­gramm nicht gegen den Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz 216.

    Vor die­sem Hin­ter­grund ist davon aus­zu­ge­hen, dass der Uni­ons­ge­richts­hof die von ihm her­aus­ge­stell­ten, den Grund­satz­be­schluss über das OMT-Pro­gramm vom 06.09.2012 in sei­ner Reich­wei­te ein­schrän­ken­den Kon­di­tio­nen als rechts­ver­bind­li­che Kri­te­ri­en ansieht, deren Miss­ach­tung einen Kom­pe­tenz­ver­stoß – aus Sicht des Uni­ons­ge­richts­hofs einen Ver­stoß gegen Art. 5 Abs. 1 Satz 2, Abs. 4 EUV – dar­stell­te 217. Das haben auch die münd­li­che Ver­hand­lung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 16.02.2016 und die Stel­lung­nah­me der Euro­päi­schen Zen­tral­bank erge­ben.

    Legt man die vom Uni­ons­ge­richts­hof her­aus­ge­stell­ten Bedin­gun­gen zugrun­de, so bewe­gen sich der Grund­satz­be­schluss über das OMT-Pro­gramm und des­sen etwai­ge Durch­füh­rung jeden­falls nicht offen­sicht­lich außer­halb der der Euro­päi­schen Zen­tral­bank zuge­wie­se­nen Kom­pe­ten­zen. Wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt schon in sei­nem Vor­la­ge­be­schluss vom 14.01.2014 aus­ge­führt hat, kann der Grund­satz­be­schluss über das OMT-Pro­gramm im Lich­te der Art. 119 und Art. 127 ff. AEUV sowie Art. 17 ff. ESZB-Sat­zung so aus­ge­legt oder in sei­ner Gül­tig­keit beschränkt wer­den, dass er die Kon­di­tio­na­li­tät der Hilfs­pro­gram­me von EFSF und ESM nicht unter­läuft und einen die Wirt­schafts­po­li­tik in der Uni­on nur unter­stüt­zen­den Cha­rak­ter auf­weist 218. Bei der gebo­te­nen wer­ten­den Gesamt­be­trach­tung ent­spricht der ein­schrän­kend aus­ge­leg­te Grund­satz­be­schluss über das OMT-Pro­gramm im Wesent­li­chen den vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt inso­weit auf­ge­stell­ten Anfor­de­run­gen 211.

    Die vom Uni­ons­ge­richts­hof aner­kann­te gericht­li­che Kon­trol­le der Hand­lun­gen der Euro­päi­schen Zen­tral­bank 219 und die bestehen­den Begrün­dungpflich­ten, denen künf­ti­ge Rechts­ak­te über die Durch­füh­rung des Pro­gramms unter­lie­gen 220, gewähr­leis­ten, dass das vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auf­ge­zeig­te nahe­zu unbe­grenz­te und weit in die Wirt­schafts­po­li­tik über­grei­fen­de Poten­ti­al des Grund­satz­be­schlus­ses 221 beschränkt wird. Nur die Gewähr­leis­tung der Preis­sta­bi­li­tät, nicht aber die Gewähr­leis­tung der Sta­bi­li­tät des Euro-Wäh­rungs­ge­biets darf dabei ein die Durch­füh­rung des OMT-Pro­gramms len­ken­des Motiv sein 222. Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank darf das OMT-Pro­gramm aus­schließ­lich an der Gewähr­leis­tung der Preis­sta­bi­li­tät aus­rich­ten. Inso­weit ist sie begrün­dungs­pflich­tig. Die von ihr geschul­de­te "umfas­sen­de[.] Beur­tei­lung der geld­po­li­ti­schen Erfor­der­nis­se", von der eine Durch­füh­rung des OMT-Pro­gramms abhängt 223, unter­liegt der gericht­li­chen Kon­trol­le. Zumin­dest ex post lässt sich daher über­prü­fen, ob die "strik­te Bin­dung der Durch­füh­rung eines Pro­gramms, wie es in der Pres­se­mit­tei­lung ange­kün­digt wur­de, an die mit ihm ver­folg­ten Zie­le" 224, das heißt an die Besei­ti­gung von Stö­run­gen des geld­po­li­ti­schen Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus oder die Siche­rung der Ein­heit­lich­keit der Geld­po­li­tik 225, ein­ge­hal­ten wor­den ist. Das Pro­gramm muss "strikt" auf die­se Zie­le beschränkt sein und ein­ge­stellt wer­den, sobald sie erreicht sind 226.

    Zen­tra­le Bedeu­tung für die Redu­zie­rung der Gefahr, dass das OMT-Pro­gramm die Kon­di­tio­na­li­tät der Hilfs­pro­gram­me von EFSF und ESM unter­läuft, und für die Wah­rung eines die Wirt­schafts­po­li­tik in der Uni­on nur unter­stüt­zen­den Cha­rak­ters hat eine Begren­zung des Volu­mens der im Rah­men des OMT-Pro­gramms mög­li­chen Ankäu­fe 227. Im Gegen­satz zu den aus dem Grund­satz­be­schluss vom 06.09.2012 und der damit ver­bun­de­nen Kom­mu­ni­ka­ti­on durch die Euro­päi­sche Zen­tral­bank her­vor­ge­hen­den Para­me­tern erteilt das Urteil des Uni­ons­ge­richts­hofs einer unbe­grenz­ten Aus­deh­nung des Ankauf­pro­gramms eine Absa­ge. Das Volu­men künf­ti­ger Ankäu­fe muss vor­ab ver­bind­lich fest­ge­legt wer­den und darf das zur Wie­der­her­stel­lung des Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus erfor­der­li­che Maß nicht über­schrei­ten. Die Ent­schei­dung, Anlei­he­an­käu­fe tat­säch­lich durch­zu­füh­ren, und das vor­ab fest­ge­leg­te Volu­men der geplan­ten Ankäu­fe dür­fen nicht ange­kün­digt wer­den 228. Dies min­dert das Risi­ko, dass durch die Mit­glied­staa­ten des Euro-Wäh­rungs­ge­biets Anlei­hen gera­de mit dem Ziel des Ankaufs durch das Sys­tem der Euro­päi­schen Zen­tral­ban­ken aus­ge­ben wer­den. Ändern die betrof­fe­nen Staa­ten nach Auf­nah­me der Pro­gramm­durch­füh­rung ihr Aus­ga­be­ver­hal­ten, muss die Euro­päi­sche Zen­tral­bank dar­auf reagie­ren, wenn andern­falls die geld­po­li­ti­sche Ziel­set­zung nicht mehr als hand­lungs­lei­tend erschie­ne 229. Auf Grund­la­ge der umfas­sen­den geld­po­li­ti­schen Beur­tei­lung, mit der die Durch­füh­rungs­ent­schei­dung zu begrün­den ist 223, muss gericht­lich über­prüf­bar sein, ob die Ent­schei­dun­gen über die Durch­füh­rung des Pro­gramms und über sein Volu­men geld­po­li­tisch moti­viert waren 230. Dem­ge­mäß muss die Beschrän­kung des Pro­gramms auf das zur Wie­der­her­stel­lung des Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus Erfor­der­li­che nach­voll­zieh­bar sein. Die vom Uni­ons­ge­richts­hof grund­sätz­lich ange­nom­me­ne Mög­lich­keit, Anlei­hen bis zur End­fäl­lig­keit zu hal­ten 231, darf nur dann genutzt wer­den, wenn sie geld­po­li­tisch begründ­bar ist. Eine zeit­lich und volu­men­mä­ßig unbe­grenz­te Nut­zung die­ser Mög­lich­keit dürf­te in der Regel geld­po­li­tisch nicht zu begrün­den sein, so dass ein regel­mä­ßi­ges Hal­ten der Anlei­hen bis zur End­fäl­lig­keit ein Indiz für die Moti­va­ti­on sein kann, Aus­fall­ri­si­ken über­neh­men zu wol­len. Kon­se­quen­ter­wei­se ist der Uni­ons­ge­richts­hof der Auf­fas­sung, dass die Fol­gen, die dar­aus ent­stün­den, dass durch das Kauf­pro­gramm Anlei­hen vom Markt genom­men wür­den, "poten­zi­ell vor­über­ge­hen­der Art sind" 232.

    Mit die­ser pri­mär ver­fah­rens­recht­li­chen Ein­he­gung durch die gericht­li­che Kon­trol­le der Ein­hal­tung des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­sat­zes greift der Uni­ons­ge­richts­hof das Pro­blem des nahe­zu unbe­grenz­ten Poten­ti­als des Beschlus­ses vom 06.09.2012 auf. Zwar besei­ti­gen die vom Uni­ons­ge­richts­hof inso­weit ent­wi­ckel­ten beschrän­ken­den Para­me­ter den in die Wirt­schafts­po­li­tik über­grei­fen­den Cha­rak­ter des OMT-Pro­gramms nicht voll­stän­dig. Zusam­men mit den im Beschluss vom 06.09.2012 fest­ge­leg­ten Kon­di­tio­nen – ins­be­son­de­re die Teil­nah­me der Mit­glied­staa­ten an Anpas­sungs­pro­gram­men, deren Zugang zum Anlei­he­markt, die Fokus­sie­rung auf Anlei­hen mit gerin­ger (Rest-)Laufzeit – las­sen sie die Annah­me eines jeden­falls im Schwer­punkt geld­po­li­ti­schen Cha­rak­ters des OMT-Pro­gramms aber als ver­tret­bar erschei­nen.

    OMT und das Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung[↑]

    In der vom Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on vor­ge­nom­me­nen Aus­le­gung ver­sto­ßen der Grund­satz­be­schluss über die tech­ni­schen Rah­men­be­din­gun­gen des OMT-Pro­gramms und des­sen mög­li­che Durch­füh­rung auch nicht offen­sicht­lich gegen das in Art. 123 AEUV nie­der­ge­leg­te Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung. Wäh­rend der Uni­ons­ge­richts­hof den Grund­satz­be­schluss selbst ohne wei­te­re Kon­kre­ti­sie­rung für zuläs­sig erach­tet, muss des­sen Durch­füh­rung nähe­ren Bedin­gun­gen genü­gen, wenn nicht das Ankauf­pro­gramm gegen das Uni­ons­recht ver­sto­ßen soll 233.

    In sei­nem Urteil vom 16.06.2015 bekräf­tigt der Uni­ons­ge­richts­hof nicht nur, dass den Ver­trä­gen ein Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung zugrun­de liegt; er erkennt auch an, dass sich aus Art. 123 Abs. 1 AEUV ein Umge­hungs­ver­bot ablei­ten lässt. Staats­an­lei­hen dürf­ten auch am Sekun­där­markt nicht erwor­ben wer­den, wenn dies die glei­che Wir­kung wie ein unmit­tel­ba­rer Erwerb von den emit­tie­ren­den Kör­per­schaf­ten habe 234. Zur Gewähr­leis­tung der Ein­hal­tung die­ses Ver­bots "muss die EZB, wie der Gene­ral­an­walt in Nr. 227 sei­ner Schluss­an­trä­ge betont hat, wenn sie Staats­an­lei­hen an den Sekun­där­märk­ten erwirbt, ihr Tätig­wer­den mit hin­rei­chen­den Garan­ti­en ver­se­hen, um sicher­zu­stel­len, dass es mit dem in Art. 123 Abs. 1 AEUV fest­ge­leg­ten Ver­bot der mone­tä­ren Finan­zie­rung in Ein­klang steht" 235. Dar­aus sowie aus den in Bezug genom­me­nen Aus­füh­run­gen des Gene­ral­an­walts 236 ergibt sich, dass der Uni­ons­ge­richts­hof die­se ein­schrän­ken­den Para­me­ter als rechts­ver­bind­li­che Maß­ga­ben ansieht.

    Zu deren nähe­rer Bestim­mung lässt sich der Uni­ons­ge­richts­hof von dem mit Art. 123 AEUV ver­folg­ten Zweck lei­ten 237. Aus die­sem Zweck lei­tet er ab, dass Anlei­hen nicht am Pri­mär­markt erwor­ben wer­den dür­fen, der Erwerb am Sekun­där­markt den betrof­fe­nen Mit­glied­staa­ten nicht die Gewiss­heit geben darf, dass ihre Anlei­hen durch das ESZB erwor­ben wer­den, und dass der Erwerb den betrof­fe­nen Mit­glied­staa­ten nicht den Anreiz neh­men darf, eine gesun­de Haus­halts­po­li­tik zu ver­fol­gen 238. Unab­hän­gig davon, dass das Pro­gramm nach Auf­fas­sung des Uni­ons­ge­richts­hofs nicht in einer Wei­se durch­ge­führt wer­den darf, durch die eine Har­mo­ni­sie­rung der Zins­sät­ze unab­hän­gig von den Unter­schie­den bewirkt wür­de, die sich aus der makro­öko­no­mi­schen Lage oder der Haus­halts­la­ge der Staa­ten erge­ben 239, las­sen sich dem Urteil des Uni­ons­ge­richts­hofs fol­gen­de Maß­ga­ben für das OMT-Pro­gramm ent­neh­men:

    • Ankäu­fe dür­fen nicht ange­kün­digt wer­den.
    • Das Volu­men der Ankäu­fe ist zu begren­zen.
    • Zwi­schen der Emis­si­on eines Schuld­ti­tels und sei­nem Ankauf durch das ESZB muss eine im Vor­aus fest­ge­leg­te Min­dest­frist lie­gen, die ver­hin­dert, dass die Emis­si­ons­be­din­gun­gen ver­fälscht wer­den.
    • Es dür­fen nur Schuld­ti­tel von Mit­glied­staa­ten erwor­ben wer­den, die einen ihre Finan­zie­rung ermög­li­chen­den Zugang zum Anlei­he­markt haben.
    • Erwor­be­ne Schuld­ti­tel dür­fen nur aus­nahms­wei­se bis zur End­fäl­lig­keit gehal­ten wer­den.
    • Ankäu­fe müs­sen begrenzt oder ein­ge­stellt, erwor­be­ne Schuld­ti­tel müs­sen wie­der dem Markt zuge­führt wer­den, wenn eine Fort­set­zung der Inter­ven­ti­on oder ein wei­te­res Hal­ten der Schuld­ti­tel zur Ver­wirk­li­chung der geld­po­li­ti­schen Zie­le nicht erfor­der­lich ist.

    Da die­se Maß­ga­ben sicher­stel­len sol­len, dass die emit­tie­ren­den Mit­glied­staa­ten kei­ne Gewiss­heit haben, dass ihre Anlei­hen durch das ESZB erwor­ben wer­den 240, kön­nen sie nur so ver­stan­den wer­den, dass die Rah­men­be­din­gun­gen einer bestimm­ten Sekun­där­markt­in­ter­ven­ti­on solan­ge nicht ver­öf­fent­licht wer­den dür­fen, bis die­se abge­schlos­sen ist.

    In die­ser Aus­le­gung ent­spricht das OMT-Pro­gramm bei wer­ten­der Gesamt­be­trach­tung den Anfor­de­run­gen, die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Vor­la­ge­be­schluss vom 14.01.2014 for­mu­liert hat 211. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass es sich bei dem in Art. 123 Abs. 1 AEUV nor­mier­ten Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung um eine fun­da­men­ta­le Regel der Wäh­rungs­uni­on han­delt 241, deren Aus­nah­men nach den all­ge­mei­nen; vom Uni­ons­ge­richts­hof aner­kann­ten Grund­sät­zen eng aus­zu­le­gen sind 242.

    Ein­grif­fe in die Preis­bil­dung am Markt wer­den in ihrer Wir­kung dadurch redu­ziert, dass die Ent­schei­dung, bestimm­te Anlei­hen zu erwer­ben, und das Volu­men der geplan­ten Ankäu­fe nicht ange­kün­digt wer­den dür­fen 243. Fer­ner muss zwi­schen der Emis­si­on eines Schuld­ti­tels und des­sen Ankauf im Rah­men des OMT-Pro­gramms eine im Vor­aus fest­ge­leg­te Min­dest­frist lie­gen, die ver­hin­dert, dass die Emis­si­ons­be­din­gun­gen ver­fälscht wer­den 244. Schließ­lich dür­fen die Markt­teil­neh­mer kei­ne Gewiss­heit haben, dass erwor­be­ne Anlei­hen bis zur End­fäl­lig­keit gehal­ten wer­den 245. Dies setzt eben­so wie das Ver­bot, durch ein Hal­ten bis zur End­fäl­lig­keit gezielt Aus­fall­ri­si­ken zu über­neh­men, vor­aus, dass der nur vor­über­ge­hen­de Erwerb die Regel bleibt.

    Eine Begren­zung des Volu­mens des Ankaufs von Anlei­hen ein­zel­ner Mit­glied­staa­ten wird, über die in den am 6.09.2012 beschlos­se­nen Rah­men­be­din­gun­gen hin­aus, dadurch erreicht, dass der Umfang einer Sekun­där­markt­in­ter­ven­ti­on vor­ab fest­ge­legt wer­den muss, aber nicht ange­kün­digt wer­den darf 243. Ändert der betrof­fe­ne Mit­glied­staat sein Aus­ga­be­ver­hal­ten, muss dar­auf gege­be­nen­falls reagiert wer­den 229.

    Zwar sieht der Uni­ons­ge­richts­hof, anders als das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 246, in der Mög­lich­keit eines Schul­den­schnitts kein Span­nungs­ver­hält­nis zum Ver­bot mone­tä­rer Haus­halts­fi­nan­zie­rung 247. Aller­dings sei­en Ankäu­fe von Staats­an­lei­hen nur sol­cher Mit­glied­staa­ten zuläs­sig, die Zugang zum Anlei­he­markt hät­ten 248, womit der Uni­ons­ge­richts­hof über die im Grund­satz­be­schluss über das OMT-Pro­gramm for­mu­lier­ten Rah­men­be­din­gun­gen hin­aus­geht, die die­se Anfor­de­rung nur für bestimm­te Fäl­le vor­se­hen. Das schlös­se Anlei­hen von Mit­glied­staa­ten in zer­rüt­te­ter finan­zi­el­ler Lage aus 249. Dass die Euro­päi­sche Zen­tral­bank, wie ihr Ver­tre­ter in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 16.02.2016 dar­ge­legt hat, einem Schul­den­schnitt nicht zustim­men wür­de, spricht für eine sol­che Ein­schät­zung.

    Betei­li­gung der Deut­chen Bun­des­bank am OMT-Pro­gramm[↑]

    Da sich das OMT-Pro­gramm vor die­sem Hin­ter­grund nur dann nicht als Ultra-vires-Akt dar­stellt, wenn der vom Uni­ons­ge­richts­hof bestimm­te Rah­men beach­tet wird, darf sich die Deut­sche Bun­des­bank an sei­ner Durch­füh­rung nur betei­li­gen, wenn sich die Durch­füh­rungs­ak­te inner­halb des vom Uni­ons­ge­richts­hof auf­ge­zeig­ten Rah­mens hal­ten. Soll­ten bei Durch­füh­rung des OMT-Pro­gramms die­se Maß­ga­ben nicht beach­tet wer­den, wären Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­tag zum Ein­schrei­ten ver­pflich­tet.

    Die Deut­sche Bun­des­bank darf sich an einer künf­ti­gen Durch­füh­rung des OMT-Pro­gramms nur betei­li­gen, wenn und soweit die vom Uni­ons­ge­richts­hof auf­ge­stell­ten Maß­ga­ben erfüllt sind, das heißt wenn

    • Ankäu­fe nicht ange­kün­digt wer­den,
    • das Volu­men der Ankäu­fe im Vor­aus begrenzt ist,
    • zwi­schen der Emis­si­on eines Schuld­ti­tels und sei­nem Ankauf durch das ESZB eine im Vor­aus fest­ge­leg­te Min­dest­frist liegt, die ver­hin­dert, dass die Emis­si­ons­be­din­gun­gen ver­fälscht wer­den,
    • nur Schuld­ti­tel von Mit­glied­staa­ten erwor­ben wer­den, die einen ihre Finan­zie­rung ermög­li­chen­den Zugang zum Anlei­he­markt haben,
    • die erwor­be­nen Schuld­ti­tel nur aus­nahms­wei­se bis zur End­fäl­lig­keit gehal­ten wer­den und
    • die Ankäu­fe begrenzt oder ein­ge­stellt wer­den und erwor­be­ne Schuld­ti­tel wie­der dem Markt zuge­führt wer­den, wenn eine Fort­set­zung der Inter­ven­ti­on nicht erfor­der­lich ist.

    Soll­te eine Durch­füh­rung des Grund­satz­be­schlus­ses des Rates der Euro­päi­schen Zen­tral­bank vom 06.09.2012 die­se Kon­di­tio­nen nicht erfül­len, stell­te sie sich als hin­rei­chend qua­li­fi­zier­te Kom­pe­tenz­über­schrei­tung im Sin­ne der Ultra-vires-Kon­trol­le dar 250.

    Da es sich beim Grund­satz­be­schluss über das OMT-Pro­gramm vom 06.09.2012 in der vom Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on vor­ge­nom­me­nen und hier zugrun­de­ge­leg­ten Kon­kre­ti­sie­rung nicht um einen Ultra-vires-Akt han­delt, bestand auch kei­ne Ver­pflich­tung von Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­tag, die­sem Beschluss im Rah­men ihrer Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung ent­ge­gen­zu­tre­ten.

    Soll­ten die vom Uni­ons­ge­richts­hof for­mu­lier­ten Maß­ga­ben für den Ankauf von Staats­an­lei­hen bei der Durch­füh­rung des OMT-Pro­gramms aller­dings nicht beach­tet wer­den, so wären Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­tag ver­pflich­tet, dage­gen mit geeig­ne­ten Mit­teln 251 vor­zu­ge­hen und – solan­ge die Maß­nah­men fort­wir­ken – geeig­ne­te Vor­keh­run­gen dafür zu tref­fen, dass ihre inner­staat­li­chen Aus­wir­kun­gen so weit wie mög­lich begrenzt blei­ben 178.

    Risi­ken des OMT-Pro­gramms für das Bud­get­recht des Bun­des­ta­ges[↑]

    Ihre Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung ver­pflich­tet Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­tag auch nicht, mit Blick auf die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung des Bun­des­ta­ges gegen das OMT-Pro­gramm vor­zu­ge­hen. Die­se gehört zwar zur Ver­fas­sungs­iden­ti­tät des Grund­ge­set­zes. Sie kann durch ein Ankauf­pro­gramm des ESZB für Staats­an­lei­hen auch grund­sätz­lich beein­träch­tigt wer­den. Eine Gefähr­dung des Bud­get­rechts durch das bis­lang nicht umge­setz­te OMT-Pro­gramm ist jedoch nicht ersicht­lich.

    Die Ent­schei­dung über Ein­nah­men und Aus­ga­ben der öffent­li­chen Hand ist grund­le­gen­der Teil der demo­kra­ti­schen Selbst­ge­stal­tungs­fä­hig­keit im Ver­fas­sungs­staat 252. Der Bun­des­tag muss des­halb dem Volk gegen­über ver­ant­wort­lich über Ein­nah­men und Aus­ga­ben ent­schei­den. Inso­fern stellt das Bud­get­recht ein zen­tra­les Ele­ment der demo­kra­ti­schen Wil­lens­bil­dung dar 253, das auch in einem Sys­tem inter­gou­ver­ne­men­ta­len Regie­rens Beach­tung ver­langt 254.

    Mit der Öff­nung für die inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit und die euro­päi­sche Inte­gra­ti­on bin­det sich die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nicht nur recht­lich, son­dern auch finanz­po­li­tisch. Für die Ein­hal­tung des Demo­kra­tie­ge­bots kommt es ent­schei­dend dar­auf an, dass der Bun­des­tag der Ort bleibt, an dem eigen­ver­ant­wort­lich über Ein­nah­men und Aus­ga­ben ent­schie­den wird, auch im Hin­blick auf inter­na­tio­na­le und euro­päi­sche Ver­bind­lich­kei­ten 255. Wür­de über wesent­li­che haus­halts­po­li­ti­sche Fra­gen ohne kon­sti­tu­ti­ve Zustim­mung des Bun­des­ta­ges ent­schie­den oder wür­den über­staat­li­che Rechts­pflich­ten ohne ent­spre­chen­de Wil­lens­ent­schei­dung des Bun­des­ta­ges begrün­det, so gerie­te das Par­la­ment in die Rol­le des blo­ßen Nach­voll­zugs und könn­te die haus­halts­po­li­ti­sche Gesamt­ver­ant­wor­tung im Rah­men sei­nes Bud­get­rechts nicht mehr wahr­neh­men 256.

    Der Bun­des­tag darf sich daher kei­nen finanz­wirk­sa­men Mecha­nis­men aus­lie­fern, die – sei es auf­grund ihrer Gesamt­kon­zep­ti­on, sei es auf­grund einer Gesamt­wür­di­gung der Ein­zel­maß­nah­men – zu nicht über­schau­ba­ren haus­halts­be­deut­sa­men Belas­tun­gen ohne vor­he­ri­ge kon­sti­tu­ti­ve Zustim­mung füh­ren kön­nen, sei­en es Aus­ga­ben oder Ein­nah­me­aus­fäl­le. Die­ses Ver­bot, sich der Bud­get­ver­ant­wor­tung zu ent­äu­ßern, beschränkt nicht etwa unzu­läs­sig die Haus­halts­kom­pe­tenz des Gesetz­ge­bers, son­dern zielt gera­de auf deren Bewah­rung 257.

    Eine not­wen­di­ge Bedin­gung für die Siche­rung poli­ti­scher Frei­räu­me im Sin­ne des Iden­ti­täts­kerns der Ver­fas­sung (Art.20 Abs. 1 und Abs. 2, Art. 79 Abs. 3 GG) besteht dar­in, dass der Haus­halts­ge­setz­ge­ber sei­ne Ent­schei­dun­gen über Ein­nah­men und Aus­ga­ben frei von Fremd­be­stim­mung sei­tens der Orga­ne und ande­rer Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on trifft und dau­er­haft "Herr sei­ner Ent­schlüs­se" bleibt 258. Aus der demo­kra­ti­schen Ver­an­ke­rung der Haus­halts­au­to­no­mie folgt, dass der Bun­des­tag einem inter­gou­ver­ne­men­tal oder supra­na­tio­nal ver­ein­bar­ten, nicht an strik­te Vor­ga­ben gebun­de­nen und in sei­nen Aus­wir­kun­gen nicht begrenz­ten Bürg­schafts- oder Leis­tungs­au­to­ma­tis­mus nicht zustim­men darf, der – ein­mal in Gang gesetzt – sei­ner Kon­trol­le und Ein­wir­kung ent­zo­gen ist 259.

    Der Ankauf von Staats­an­lei­hen durch das Euro­sys­tem ist grund­sätz­lich geeig­net, zu haus­halts­be­deut­sa­men Aus­ga­ben oder Ein­nah­me­aus­fäl­len zu füh­ren.

    Offen­markt­ge­schäf­ten wohnt stets ein Ver­lust­ri­si­ko inne 260. Wie die Euro­päi­sche Zen­tral­bank im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren dar­ge­legt hat, haben die Mit­glied­staa­ten, die bis­lang unter das OMT-Pro­gramm fal­len kön­nen, Anlei­hen in einem Volu­men emit­tiert, des­sen auf die Deut­sche Bun­des­bank ent­fal­len­der Anteil deren Kapi­tal und die dort gebil­de­ten Rück­stel­lun­gen um ein Viel­fa­ches über­steigt. Bereits ein teil­wei­ser Aus­fall der Anlei­hen beein­träch­tig­te nicht nur den an den Bund abzu­füh­ren­den Rein­ge­winn (vgl. § 27 BBankG), son­dern könn­te auch zu einem nega­ti­ven Eigen­ka­pi­tal der Bun­des­bank füh­ren. Dies wäre, wie die Deut­sche Bun­des­bank und die Euro­päi­sche Zen­tral­bank im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren dar­ge­legt haben, jeden­falls im Fal­le sei­ner Ver­fes­ti­gung geeig­net, das Ver­trau­en in die Leis­tungs­fä­hig­keit der Deut­schen Bun­des­bank zu erschüt­tern, das unab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung ihrer Funk­ti­ons­fä­hig­keit ist 261. Ent­spre­chen­des gilt für die Euro­päi­sche Zen­tral­bank, für die eine Rege­lung der Ver­lust­zu­wei­sung nur inso­weit besteht, als Ver­lus­te aus einem all­ge­mei­nen Reser­ve­fonds und aus den mone­tä­ren Ein­künf­ten aus­ge­gli­chen wer­den kön­nen (vgl. Art. 33.2 ESZB-Sat­zung). Eine Rege­lung für den Aus­gleich dar­über hin­aus­ge­hen­der Ver­lus­te besteht hin­ge­gen nicht.

    Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ist ver­fas­sungs­recht­lich ver­pflich­tet, die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Deut­schen Bun­des­bank zu gewähr­leis­ten. Art. 88 Satz 1 GG ent­hält eine insti­tu­tio­nel­le Garan­tie 262, die sich nicht dar­in erschöpft, die blo­ße Exis­tenz der Deut­schen Bun­des­bank zu sta­tu­ie­ren. Sie umfasst viel­mehr auch die Ver­pflich­tung, die­se so aus­zu­stat­ten, dass sie ihre ver­fas­sungs­recht­li­chen Auf­ga­ben, die auch durch Art. 88 Satz 2 GG deter­mi­niert wer­den, erfül­len kann. Inso­fern folgt aus Art. 88 GG auch eine Anstalts­last, die die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land als Anstalts­trä­ger ver­pflich­tet, die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Deut­schen Bun­des­bank als bun­des­un­mit­tel­ba­re Anstalt des öffent­li­chen Rechts (vgl. § 2 BBankG) zu gewähr­leis­ten. Einer ein­fach­ge­setz­li­chen Anord­nung der Anstalts­last bedarf es vor die­sem Hin­ter­grund nicht 263. Ist die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Deut­schen Bun­des­bank daher auf­grund eines nicht hin­rei­chen­den oder sogar nega­ti­ven Net­to­ei­gen­ka­pi­tals gefähr­det, kann die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ver­pflich­tet sein, Kapi­tal nach­zu­schie­ßen. Das kann im Übri­gen auch uni­ons­recht­lich gebo­ten sein 264.

    In der durch den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on vor­ge­nom­me­nen Aus­le­gung birgt das OMT-Pro­gramm jedoch kein ver­fas­sungs­recht­lich rele­van­tes Risi­ko für das Bud­get­recht des Bun­des­ta­ges. Inso­fern ist auch eine Gefähr­dung der haus­halts­po­li­ti­schen Gesamt­ver­ant­wor­tung durch eine etwai­ge Durch­füh­rung des OMT-Pro­gramms gegen­wär­tig nicht fest­zu­stel­len.

    Es ist der­zeit nicht abseh­bar, ob und inwie­weit sich dem OMT-Pro­gramm inne­woh­nen­de Risi­ken über­haupt ver­wirk­li­chen wer­den. Die vom Uni­ons­ge­richts­hof vor­ge­se­he­nen Beschrän­kun­gen tra­gen jeden­falls dazu bei, die­se Risi­ken zu min­dern. Von Bedeu­tung ist ins­be­son­de­re das Ver­bot, Anlei­hen mit erheb­li­chen Aus­fall­ri­si­ken zu erwer­ben 265, zumal Anlei­hen in der Regel auch nicht bis zur End­fäl­lig­keit gehal­ten wer­den dür­fen 245. Inso­fern ist etwa fest­zu­stel­len, dass die Hel­le­ni­sche Repu­blik, deren Anlei­hen ein erhöh­tes Aus­fall­ri­si­ko zuge­schrie­ben wird, seit dem Grund­satz­be­schluss über das OMT-Pro­gramm vom 06.09.2012 durch­gän­gig nicht über einen Zugang zum Anlei­he­markt ver­fügt hat 266, sowie, dass die Deut­sche Bun­des­bank mit Blick auf Bestän­de, die aus dem mitt­ler­wei­le been­de­ten SMP und den der­zeit akti­ven Ankauf­pro­gram­men her­rüh­ren, die all­ge­mei­ne Risi­ko­la­ge als rück­läu­fig bewer­tet 267.

    Beob­ach­tungs­pflich­ten bei Durch­füh­rung des OMT-Pro­gramms[↑]

    Bun­des­re­gie­rung und Deut­scher Bun­des­tag sind auf­grund der ihnen oblie­gen­den Inte­gra­ti­ons­ver­ant­wor­tung aller­dings ver­pflich­tet, eine etwai­ge Durch­füh­rung des OMT-Pro­gramms dau­er­haft zu beob­ach­ten. Die­se Beob­ach­tungs­pflicht ist nicht nur dar­auf gerich­tet, ob die oben for­mu­lier­ten Maß­ga­ben ein­ge­hal­ten wer­den, son­dern auch dar­auf, ob ins­be­son­de­re aus dem Volu­men und der Risi­ko­struk­tur der erwor­be­nen Anlei­hen, die sich auch nach ihrem Erwerb ändern kann, ein kon­kre­tes Risi­ko für den Bun­des­haus­halt erwächst. Gege­be­nen­falls ist die Bun­des­re­gie­rung gehal­ten, sich Infor­ma­tio­nen, über die sie nicht selbst ver­fügt, zu beschaf­fen. Ein inso­weit geeig­ne­tes Mit­tel kann etwa die gegen­über der Bun­des­re­gie­rung bestehen­de Bera­tungs- und Aus­kunfts­pflicht der Deut­schen Bun­des­bank (§ 13 Abs. 1 BBankG) sein.

    Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 21. Juni 2016 – 2 BvR 2728/​132 BvE 13/​132 BvR 2731/​132 BvR 2730/​132 BvR 2729/​13

    1. BVerfG, Aus­set­zungs- und Vor­la­ge­be­schluss vom 14.01.2014 – 2 BvR 2728/​13, 2 BvR 2729/​13, 2 BvR 2730/​13, 2 BvR 2731/​13, 2 BvE 13/​13[]
    2. EuGH, Urteil vom 16.06.2015 – C‑62/​14[][][]
    3. EZB/​2010/​5, ABl L 124 vom 20.05.2010, S. 8 f.[]
    4. 2. Erwä­gungs­grund des EZB, Beschlus­ses vom 14.05.2010[]
    5. 3. Erwä­gungs­grund des EZB, Beschlus­ses vom 14.05.2010[]
    6. Euro­päi­sche Zen­tral­bank, Jah­res­be­richt 2012, S. 88[]
    7. Deut­sche Bun­des­bank, Geschäfts­be­richt 2012, S. 161, Geschäfts­be­richt 2014, S. 90 f.[]
    8. Deut­sche Bun­des­bank, Geschäfts­be­richt 2015, S. 83 f.[]
    9. Deut­sche Bun­des­bank, Monats­be­richt Febru­ar 2016, S. 25[]
    10. BGBl II 2012, S. 981 ff.[]
    11. BVerfGE 134, 357[][]
    12. BVerfGE 135, 317[]
    13. BVerfGE 134, 366, 369 ff.[]
    14. EuGH, Urteil vom 16.06.2015, Gau­wei­ler, – C‑62/​14, EU:C:2015:400, Rn. 128[]
    15. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 11 bis 31[]
    16. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 16[]
    17. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 33 ff.[]
    18. BVerfG, Urteil Pring­le, – C‑370/​12, EU:C:2012:756, Rn. 48[]
    19. vgl. in die­sem Sin­ne EuGH, Urteil Pring­le, – C‑370/​12, EU:C:2012:756, Rn. 50[]
    20. vgl. BVerfG, Urteil Pring­le, – C‑370/​12, EU:C:2012:756, Rn. 49[]
    21. vgl. in die­sem Sin­ne Kom­mis­si­on/​EZB, – C‑11/​00, EU:C:2003:395, Rn. 134[]
    22. vgl. in die­sem Sin­ne EuGH, Urteil Kommission/​EZB, – C‑11/​00, EU:C:2003:395, Rn. 135[]
    23. vgl. in die­sem Sin­ne EuGH, Urteil Pring­le, – C‑370/​12, EU:C:2012:756, Rn. 53[]
    24. vgl. in die­sem Sin­ne EuGH, Urteil Pring­le, – C‑370/​12, EU:C:2012:756, Rn. 54[]
    25. vgl. in die­sem Sin­ne EuGH, Urteil Pring­le, – C‑370/​12, EU:C:2012:756, Rn. 53 und 55[]
    26. vgl. in die­sem Sin­ne EuGH, Urteil Pring­le, – C‑370/​12, EU:C:2012:756, Rn. 56[][]
    27. vgl. ent­spre­chend EuGH, Urteil Pring­le, – C‑370/​12, EU:C:2012:756, Rn. 56[]
    28. vgl. in die­sem Sin­ne EuGH, Urteil Pring­le, – C‑370/​12, EU:C:2012:756, Rn. 60[]
    29. vgl. in die­sem Sin­ne EuGH, Urteil Asso­cia­ti­on Koko­pel­li, – C‑59/​11, EU:C:2012:447, Rn. 38 und die dort ange­führ­te Recht­spre­chung[]
    30. vgl. ent­spre­chend EuGH, Urtei­le Afton Che­mi­cal, – C‑343/​09, EU:C:2010:419, Rn. 28, sowie Bil­le­rud Karls­borg und Bil­le­rud Skärb­la­cka, – C‑203/​12, EU:C:2013:664, Rn. 35[]
    31. vgl. in die­sem Sin­ne EuGH, Urteil Kommission/​Rat, – C‑63/​12, EU:C:2013:752, Rn. 98 und 99 und die dort ange­führ­te Recht­spre­chung[]
    32. vgl. BVerfG, Urteil Pring­le, – C‑370/​12, EU:C:2012:756, Rn. 123[]
    33. vgl. in die­sem Sin­ne EuGH, Urteil Pring­le, – C‑370/​12, EU:C:2012:756, Rn. 132[]
    34. vgl. ent­spre­chend EuGH, Urteil Pring­le, – C‑370/​12, EU:C:2012:756, Rn. 133[]
    35. vgl. Ent­wurf eines Ver­trags zur Ände­rung des Ver­tra­ges zur Grün­dung der Euro­päi­schen Wirt­schafts­ge­mein­schaft im Hin­blick auf die Errich­tung einer Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on, Bul­le­tin der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten, Bei­la­ge 2/​91, S. 25 und 56[]
    36. ABl. L 332, S. 1[]
    37. BVerfGE 134, 366[]
    38. vgl. Mel­ling­hoff, in: Maun­z/­Schmidt-Bleib­treu/Klein/­Be­th­ge, BVerfGG, § 15 Rn. 37, Febr.2016[]
    39. vgl. BVerfGE 133, 241, 258 Rn. 41 f.[]
    40. vgl. Mel­ling­hoff, a.a.O., § 15 Rn. 44, Febr.2016; Diehm, in: Burkiczak/​Dollinger/​Schorkopf, BVerfGG, 2015, § 15 Rn. 22; Eschel­bach, in: Umbach/​Clemens/​Dollinger, BVerfGG, 2. Aufl.2005, § 15 Rn. 101[]
    41. vgl. BVerfGE 133, 241, 258 Rn. 42[]
    42. vgl. auch BVerfGE 133, 241, 258 Rn. 42 f.[]
    43. vgl. BVerfGE 10, 302, 306; BVerfG, Beschluss vom 30.06.2015 – 2 BvR 1282/​11 82; stRspr[]
    44. vgl. BVerfGE 37, 271, 279; 73, 339, 375; 123, 267, 340; 132, 195, 238 Rn. 104; 135, 317, 399 Rn. 159[]
    45. vgl. BVerfGE 89, 155, 172; 123, 267, 330; 134, 366, 396 Rn. 51[][]
    46. vgl. BVerfGE 83, 37, 50 f.; 89, 155, 182; 93, 37, 66; 130, 76, 123; 137, 185, 232 f. Rn. 131; 139, 194, 224 Rn. 106[]
    47. vgl. BVerfGE 123, 267, 351 ff., 389 ff., 413 ff.; 126, 286, 307; 129, 124, 181; 132, 195, 238 f. Rn. 105; 134, 366, 394 f. Rn. 47[]
    48. vgl. Rn. 166 f.[]
    49. vgl. BVerfGE 103, 242, 257; im Übri­gen BVerfGE 134, 366, 372 Rn. 1[]
    50. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 76, 79, 88[]
    51. vgl. BVerfGE 134, 366, 391 f. Rn. 34 f.[]
    52. vgl. auch BVerfGE 132, 195, 265 f. Rn. 170; 135, 317, 421 f. Rn. 217, 424 ff. Rn. 223 ff.[]
    53. vgl. BVerfGE 132, 195, 234 Rn. 91; 135, 317, 384 f. Rn. 122; zur Zuläs­sig­keit und zu den Anfor­de­run­gen an die Sub­stan­ti­ie­rung der Iden­ti­täts­rü­ge vgl. BVerfGE 129, 124, 167 ff.[]
    54. vgl. BVerfGE 129, 124, 175 f.; vgl. Wol­len­schlä­ger, in: Drei­er, Grund­ge­setz, Bd. 2, 3. Aufl.2015, Art. 23 Rn. 170[]
    55. BVerfGE 89, 155, 175[]
    56. vgl. BVerfGE 134, 366, 382 Rn. 23[]
    57. vgl. BVerfGE 134, 366, 394 ff. Rn. 44 ff.; 135, 317, 393 f. Rn. 146[]
    58. vgl. BVerfGE 73, 339, 374 ff.; 102, 147, 161 ff.; 118, 79, 95 ff.; 123, 267, 354; 126, 286, 298 ff.; BVerfG, Beschluss vom 15.12 2015 – 2 BvR 2735/​14 36 ff.[]
    59. vgl. BVerfGE 134, 366, 394 Rn. 44 ff.[]
    60. vgl. BVerfGE 132, 195, 266 ff. Rn. 172 ff.[]
    61. vgl. BVerfGE 1, 351, 359; 2, 143, 165; 104, 151, 193; 118, 244, 254 f.; 121, 135, 150; 123, 267, 337 f.; 124, 78, 106; 131, 152, 190; 139, 194, 220 Rn. 96; BVerfG, Urteil vom 23.09.2015 – 2 BvE 6/​11 56; stRspr[]
    62. vgl. BVerfGE 123, 267, 338 f.; 132, 195, 247 Rn. 125; 134, 366, 397 Rn. 54[]
    63. vgl. BVerfGE 45, 1, 29 f.; 60, 319, 325 f.; 68, 1, 77 f.; 121, 135, 151; BVerfG, Urteil vom 23.09.2015 – 2 BvE 6/​11 59[]
    64. vgl. BVerfGE 90, 286, 344; 117, 359, 367 f.[]
    65. vgl. BVerfGE 121, 135, 150; 139, 194, 220 Rn. 98; stRspr[]
    66. vgl. BVerfGE 118, 244, 256: "rechts­er­heb­li­cher Pro­test"[]
    67. vgl. zu die­sem Erfor­der­nis BVerfGE 57, 1, 5; 68, 1, 74 f.; 80, 188, 209; 96, 264, 277; 97, 408, 414; 103, 81, 86; 134, 141, 194 Rn. 158; vgl. auch BVerfGE 118, 244, 257; 131, 152, 190[]
    68. vgl. BVerfGE 135, 317, 395 ff. Rn. 150 ff.[]
    69. vgl. BVerfGE 70, 324, 362 f.; 112, 118, 135; 135, 317, 396 Rn. 153[]
    70. BVerfGE 132, 195, 247 Rn. 125; 134, 366, 397 Rn. 54[]
    71. vgl. BVerfGE 134, 366, 397 f. Rn. 54[]
    72. vgl. Rn. 104[]
    73. vgl. BVerfGE 126, 286, 302; BVerfG, Beschluss vom 15.12 2015, a.a.O., Rn. 37[]
    74. vgl. BVerfGE 73, 339, 368; 123, 267, 399; 126, 286, 301 f.; BVerfG, Beschluss vom 15.12 2015, a.a.O., Rn. 37[]
    75. vgl. grund­le­gend EuGH, Urteil vom 15.07.1964, Costa/​ENEL, 6/​64, Slg. 1964, S. 1251, 1269 f.[]
    76. vgl. BVerfGE 129, 78, 100[]
    77. vgl. BVerfGE 126, 286, 301; BVerfG, Beschluss vom 15.12 2015, a.a.O., Rn. 38; BVerfG, Beschluss vom 04.11.2015 – 2 BvR 282/​13, 2 BvQ 56/​12 15, 19[]
    78. vgl. Streinz, Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt­li­cher Grund­rechts­schutz und Euro­päi­sches Gemein­schafts­recht, 1989, S. 247 ff.[]
    79. vgl. BVerfGE 118, 79, 95; 122, 1, 20[]
    80. vgl. BVerfGE 73, 339, 375 f.; 89, 155, 190; 123, 267, 348 ff.; 126, 286, 302; 129, 78, 99; 134, 366, 384 Rn. 26; BVerfG, Beschluss vom 15.12 2015, a.a.O., Rn. 40[]
    81. vgl. BVerfGE 123, 267, 402; BVerfG, Beschluss vom 15.12 2015, a.a.O., Rn. 40[]
    82. vgl. BVerfGE 89, 155, 171; 129, 124, 168; 134, 366, 396 Rn. 51[]
    83. vgl. BVerfGE 123, 267, 341; 129, 124, 169; 135, 317, 386 Rn. 125; vgl. Häber­le, in: Isensee/​Kirchhof, HStR II, 3. Aufl.2004, § 22 Rn. 61 ff.; Unger, Das Ver­fas­sungs­prin­zip der Demo­kra­tie, 2008, S. 252 ff.; Tru­te, in: Hoff­mann-Rie­m/­Schmidt-Aßman­n/­Voß­kuh­le, Grund­la­gen des Ver­wal­tungs­rechts, Bd. 1, 2. Aufl.2012, § 6 Rn.19 f.[]
    84. BVerfGE 5, 85, 204 f.[]
    85. vgl. BVerfGE 123, 267, 341; Klein, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 38 Rn. 146, Dez.2015; Mor­lok, in: Drei­er, a.a.O., Art. 38 Rn. 56, 59 ff.[]
    86. vgl. BVerfGE 89, 155, 187; 123, 267, 340; 129, 124, 169, 177; 132, 195, 238 Rn. 104; 135, 317, 386 Rn. 125[]
    87. vgl. BVerfGE 129, 124, 168; 134, 366, 396 f. Rn. 52[]
    88. BVerfGE 129, 124, 168[]
    89. vgl. BVerfGE 129, 124, 169[]
    90. vgl. BVerfGE 89, 155, 182; 123, 267, 330; 129, 124, 169; Mor­lok, in: Drei­er, a.a.O., Art. 38 Rn. 61[]
    91. vgl. BVerfGE 83, 37, 50 f.; 93, 37, 66; 130, 76, 123; 137, 185, 232 Rn. 131; 139, 194, 224 Rn. 106[]
    92. vgl. Böcken­för­de, in: Isensee/​Kirchhof, HStR II, 3. Aufl.2004, § 24 Rn. 8; Unger, a.a.O., S. 288; Drei­er, in: ders., a.a.O., Art.20, Demo­kra­tie Rn. 82; Grzes­zick, in: Maunz/​Dürig, GG, Art.20 Rn. 60, Dez.2015[]
    93. vgl. BVerfGE 123, 267, 341[][]
    94. vgl. BVerfGE 89, 155, 187 f., 192, 199; vgl. auch BVerfGE 58, 1, 37; 104, 151, 210; 123, 267, 349; 132, 195, 238 Rn. 105[]
    95. vgl. BVerfGE 58, 1, 37; 89, 155, 183 f., 187; 123, 267, 351; 132, 195, 238 Rn. 105[]
    96. BVerfGE 123, 267, 353; 132, 195, 239 Rn. 105; 135, 317, 399 Rn. 160[]
    97. zum Begriff Wagener, in: ders., Ver­selb­stän­di­gung von Ver­wal­tungs­trä­gern, 1976, Bd. 1, S. 31, 40; Mann, in: ders./Püttner, Hand­buch der kom­mu­na­len Wis­sen­schaft und Pra­xis, Bd. 2, 3. Aufl.2011, § 46 Rn. 21; Wen­del, Per­mea­bi­li­tät im euro­päi­schen Ver­fas­sungs­recht, 2011, S. 354[]
    98. vgl. BVerfGE 89, 155, 182 ff.[]
    99. vgl. BVerfGE 123, 267, 342, 344 f., 347 f., 351 f., 353 f., 365 ff., 367 ff., 369[]
    100. BVerfGE 123, 267, 351; vgl. BVerfGE 89, 155, 212[]
    101. vgl. BVerfGE 123, 267, 354 f.; 126, 286, 302 ff.; 134, 366, 384 Rn. 26[]
    102. vgl. BVerfGE 89, 155, 187 f.; 123, 267, 349; 132, 195, 238 Rn. 105; 134, 366, 395 Rn. 48; 135, 317, 399 Rn. 160[]
    103. vgl. BVerfGE 134, 366, 397 Rn. 53[][]
    104. vgl. BVerfGE 90, 286, 381 f.; 108, 34, 44; 121, 135, 154; 123, 267, 340 ff., 360 ff.; 126, 55, 70; 129, 124, 177; 132, 195, 239 Rn. 106; 135, 317, 399 f. Rn. 161; BVerfG, Urteil vom 23.09.2015 – 2 BvE 6/​11 67[]
    105. vgl. BVerfGE 89, 155, 187; 123, 267, 351[]
    106. vgl. BVerfGE 134, 366, 397 Rn. 53; Mor­lok, in: Drei­er, a.a.O., Art. 38 Rn. 61[]
    107. vgl. BVerfGE 123, 267, 372; 129, 300, 336 ff.; 135, 259, 294 Rn. 71; Cal­liess, in: Bauer/​Huber/​Sommermann, Demo­kra­tie in Euro­pa, 2005, S. 281, 288 ff.; P. Kirch­hof, in: Isensee/​Kirchhof, HStR X, 3. Aufl.2012, § 214 Rn. 102 f.[]
    108. vgl. BVerfGE 113, 273, 296; 123, 267, 348; 134, 366, 384 Rn. 27[]
    109. vgl. BVerfGE 123, 267, 344, 353 f.; 126, 286, 302; 129, 78, 100; 134, 366, 384 f. Rn. 27[]
    110. BVerfG, Beschluss vom 15.12 2015, a.a.O., Rn. 48[]
    111. vgl. BVerfGE 89, 155, 182; 123, 267, 330, 356[]
    112. vgl. BVerfGE 123, 267, 359; 129, 124, 177; 132, 195, 239 Rn. 106; 135, 317, 399 f. Rn. 161[]
    113. vgl. Benda/​Klein, Ver­fas­sungs­pro­zess­recht, 3. Aufl.2012, Rn. 88; K. Schnei­der, AöR 139, 2014, S.196, 245 f.; Mor­lok, in: Drei­er, a.a.O., Art. 38 Rn. 61; Ran­delz­ho­fer, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 24 Abs. I Rn. 137 f., Dez.2015; a.A. Ingold, AöR 140, 2015, S. 1, 11 f.[]
    114. BVerfG, a.a.O., Rn. 44[]
    115. vgl. zur Berück­sich­ti­gung der natio­na­len Iden­ti­tät auch EuGH, Urteil vom 02.07.1996, Kommission/​Luxem­burg, – C‑473/​93, SIg.1996, I‑3207, Rn. 35; Urteil vom 14.10.2004, Ome­ga, – C‑36/​02, Slg. 2004, I‑9609, Rn. 31 ff.; Urteil vom 12.06.2014, Digi­bet und Albers, – C‑156/​13, EU:C:2014:1756, Rn. 34[]
    116. vgl. BVerfGE 75, 223, 242; 89, 155, 190; 123, 267, 348 f., 381 ff.; 126, 286, 302 f.; 134, 366, 384 Rn. 26[]
    117. Bun­des­ver­fas­sungs­ge­setz über den Bei­tritt Öster­reichs zur Euro­päi­schen Uni­on ((BGBl für die Repu­blik Öster­reich Nr. 744/​1994[]
    118. vgl. Court of Appeal, Macar­thys v. Smith, , 1981 1 All ER 111, 120; Macar­thys v. Smith, , 1979 3 All ER 325, 329; House of Lords, Gar­land v. Bri­tish Rail Engi­nee­ring, 1982 2 All ER 402, 415[]
    119. vgl. Cor­te Cos­ti­tu­zio­na­le, Ent­schei­dung Nr. 170/​1984, Gra­ni­tal, EuGRZ 1985, S. 98[]
    120. vgl. BVerfGE 37, 271, 280 ff.; 73, 339, 374 ff.; 75, 223, 235, 242; 89, 155, 174 f.; 102, 147, 162 ff.; 123, 267, 354, 401; BVerfG, Beschluss vom 15.12 2015, a.a.O., Rn. 45[]
    121. vgl. inso­weit BVerfGE 134, 366, 387 Rn. 30[]
    122. vgl. für das König­reich Däne­mark: Højes­te­ret, Urteil vom 06.04.1998 – I 361/​1997, Abschn.09.8; für die Repu­blik Est­land: Riigi­ko­hus, Urteil vom 12.07.2012 – 3 – 4‑1 – 6‑12, Abs.-Nr. 128, 223; für die Fran­zö­si­sche Repu­blik: Con­seil Con­sti­tu­ti­on­nel, Ent­schei­dung Nr.2006 – 540 DC vom 27.07.2006, 19. Erwä­gungs­grund; Ent­schei­dung Nr.2011 – 631 DC vom 09.06.2011, 45. Erwä­gungs­grund; Con­seil d‘État, Urteil vom 08.02.2007, Nr. 287110, Ass., Socié­té Arcelor Atlan­tique et Lor­rai­ne, EuR 2008, S. 57, 60 f.; für Irland: Supre­me Court of Ire­land, Crot­ty v. An Tao­i­se­ach, , 1987, I.R. 713, 783; S.P.U.C., Ire­land Ltd. v. Gro­gan, , 1989, I.R. 753, 765; für die Ita­lie­ni­sche Repu­blik: Cor­te Cos­ti­tu­zio­na­le, Ent­schei­dung Nr. 98/​1965, Acci­aierie San Miche­le, EuR 1966, S. 146; Ent­schei­dung Nr. 183/​1973, Fron­ti­ni, EuR 1974, S. 255; Ent­schei­dung Nr. 170/​1984, Gra­ni­tal, EuGRZ 1985, S. 98; Ent­schei­dung Nr. 232/​1989, Fragd; Ent­schei­dung Nr. 168/​1991; Ent­schei­dung Nr. 117/​1994, Zeri­ni; für die Repu­blik Lett­land: Sat­vers­mes tie­sa, Urteil vom 07.04.2009 – 2008 – 35-01, Abs.-Nr. 17; für die Repu­blik Polen: Try­bu­nal Kon­sty­tu­cy­j­ny, Urtei­le vom 11.05.2005 – K 18/​04, Rn.04.01., 10.02.; vom 24.11.2010 – K 32/​09, Rn.02.01. ff.; vom 16.11.2011 – SK 45/​09, Rn.02.04., 2.05.; für das König­reich Spa­ni­en: Tri­bu­nal Con­sti­tu­cio­nal, Erklä­rung vom 13.12 2004, DTC 1/​2004, Punkt 2 der Ent­schei­dungs­grün­de, EuR 2005, S. 339, 343 und Ent­schei­dung vom 13.02.2014, STC 26/​2014, Punkt 3 der Ent­schei­dungs­grün­de, HRLJ 2014, S. 475, 477 f.; für die Tsche­chi­sche Repu­blik: Ústav­ni Soud, Urteil vom 08.03.2006, Pl. ÚS 50/​04, Abschn. VI.B.; Urteil vom 03.05.2006, Pl. ÚS 66/​04, Rn. 53; Urteil vom 26.11.2008, Pl. ÚS 19/​08, Rn. 97, 113, 196; Urteil vom 03.11.2009, Pl. ÚS 29/​09, Rn. 110 ff.; Urteil vom 31.01.2012, Pl. ÚS 5/​12, Abschn. VII.; für das Ver­ei­nig­te König­reich: High Court, Urteil vom 18.02.2002, Tho­burn v. Sun­der­land City Coun­cil, , 2002 EWHC 195, Admin, Abs.-Nr. 69; UK Supre­me Court, Urteil vom 22.01.2014, R, on the app­li­ca­ti­on of HS2 Action Alli­an­ce Limi­ted v. The Secreta­ry of Sta­te for Trans­port, , 2014 UBVerfGC 3, Abs.-Nr. 79, 207; Urteil vom 25.03.2015, Pham v. Secreta­ry of Sta­te for the Home Depart­ment, , 2015 UBVerfGC 19, Abs.-Nr. 54, 58, 72 bis 92[]
    123. EuGH, Urteil vom 23.04.1986, Les Verts/​Parlament, Rs. 294/​83, Slg. 1986, S. 1339, Rn. 23[]
    124. vgl. BVerfGE 75, 223, 242; 89, 155, 187 f., 192, 199; 123, 267, 349; vgl. auch BVerfGE 58, 1, 37; 68, 1, 102; 77, 170, 231; 104, 151, 195; 118, 244, 260; 126, 286, 302; 134, 366, 384 Rn. 26[]
    125. vgl. BVerfGE 126, 286, 303[]
    126. vgl. Dede­rer, JZ 2014, S. 313, 315; K. Schnei­der, AöR 139, 2014, S.196, 209 ff.; Mor­lok, in: Drei­er, a.a.O., Art. 38 Rn. 59 ff.[]
    127. vgl. BVerfGE 134, 366, 384 Rn. 26[]
    128. vgl. Ingold, AöR 140, 2015, S. 1, 11 f.; Schwer­dtfe­ger, EuR 2015, S. 290, 303[]
    129. vgl. BVerfGE 123, 267, 353, 400; 126, 286, 304; 134, 366, 392 Rn. 37[]
    130. vgl. BVerfGE 126, 286, 308; sie­he auch Pötters/​Traut, EuR 2011, S. 580, 587; Wen­del, ZaöRV 2014, S. 615, 631 f.; Kle­ment, JZ 2015, S. 754, 756 f.[]
    131. BVerfGE 126, 286, 307[][]
    132. sie­he etwa zu § 24 Satz 1 BVerfGG BVerfGE 82, 316, 319 f.; 89, 243, 250; 89, 291, 300; 95, 1, 14 f.; 103, 332, 358 ff.[]
    133. vgl. BVerfGE 126, 286, 309[]
    134. vgl. Wischmey­er, AöR 140, 2015, S. 415, 456 f.[]
    135. vgl. EuGH, Gut­ach­ten 2/​94 vom 28.03.1996, EMRK-Bei­tritt, Slg. 1996, I‑1759, Rn. 30[]
    136. vgl. schon dazu Art. 235 EWGV a.F.; BVerfGE 89, 155, 210; Gött, EuR 2014, S. 514, 525[]
    137. vgl. BVerfGE 107, 59, 102; stRspr[]
    138. EuGH, Urteil vom 22.03.1961, SNUPAT/​Hohe Behör­de, 42 und 49/​59, Slg. 1961, S. 101, 172; Urteil vom 21.09.1989, Hoechst/​Kommission, 46/​87 und 227/​88, Slg. 1989, S. 2859, Rn.19; Urteil vom 17.10.1989, Dow Che­mi­cal Ibérica/​Kommission, 97-99/​87, Slg. 1989, S. 3165, Rn. 16; Urteil vom 03.09.2008, Kadi, – C‑402/​05 P und – C‑415/​05 P, Slg. 2008, I‑6351, Rn. 281; Urteil vom 31.03.2011, Auru­bis Bal­ga­ria, – C‑546/​09, Slg. 2011, I‑2531, Rn. 42) (vgl. auch Art. 263 Abs. 1 Satz 1 AEUV ((Schmahl, in: Schulze/​Zuleeg/​Kadelbach, Euro­pa­recht, 3. Aufl.2015, § 6 Rn. 36 ff.[]
    139. vgl. BVerfGE 134, 366, 388 Rn. 30[]
    140. vgl. Schnei­der, AöR 139, 2014, S.196, 245 f.; Mor­lok, in: Drei­er, a.a.O., Art. 38 Rn. 61[]
    141. vgl. BVerfGE 75, 223, 235, 242; 89, 155, 188; 123, 267, 353; 126, 286, 302 ff.; 134, 366, 382 ff. Rn. 23 ff.[]
    142. vgl. BVerfGE 123, 267, 353; 126, 286, 302; 133, 277, 316; 134, 366, 382 Rn. 22; BVerfG, Beschluss vom 15.12 2015, a.a.O., Rn. 40 ff.[]
    143. vgl. BVerfGE 123, 267, 343, 348; 134, 366, 386 Rn. 29[]
    144. vgl. BVerfGE 126, 286, 303; 134, 366, 383 Rn. 24; BVerfG, Beschluss vom 15.12 2015, a.a.O., Rn. 46[]
    145. vgl. BVerfGE 123, 267, 354; BVerfG, Beschluss vom 15.12 2015, a.a.O., Rn. 43[]
    146. vgl. BVerfGE 37, 271, 285; BVerfG, Beschluss vom 15.12 2015, a.a.O., Rn. 43[]
    147. vgl. BVerfGE 126, 286, 304[]
    148. vgl. hier­zu EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 14 f., 24 ff.[]
    149. vgl. Lena­erts/Gutiér­rez-Fons, EUI Working Papers AEL 2013/​9, S. 35 ff.; von Dan­witz, Ford­ham Inter­na­tio­nal Law Review 37, 2014, S. 1311, 1317 ff.[]
    150. ABl P 17 vom 06.10.1958, S. 385[]
    151. sie­he Schü­bel-Pfis­ter, Spra­che und Gemein­schafts­recht, 2004, S. 122 ff.; Müller/​Christensen, Juris­ti­sche Metho­dik, Bd. 2, 3. Aufl.2012, Rn. 9 ff.; Mar­tens, Metho­den­leh­re des Uni­ons­rechts, 2013, S. 337 ff.[]
    152. vgl. EuGH, Urteil vom 08.03.2007, Ger­lach, – C‑44/​06, Slg. 2007, I‑2071, Rn. 28; Urteil vom 21.10.2015, Gogo­va, – C‑215/​15, EU:C:2015:710, Rn. 45[]
    153. vgl. EuGH, Urteil vom 05.02.1963, Van Gend & Loos, 26/​62, Slg. 1963, S. 3, 24; Urteil vom 21.02.1973, Euro­p­em­bal­la­ge Cor­po­ra­ti­on und Con­ti­nen­tal Can Company/​Kommission, 6/​72, Slg. 1973, S. 215, 244[]
    154. vgl. EuGH, Urteil vom 28.10.1975, Ruti­li, 36/​75, Slg. 1975, S. 1219, Rn. 26/​28; Urteil vom 17.06.1981, Kommission/​Irland, 113/​80, Slg. 1981, S. 1625, Rn. 7; Urteil vom 17.03.2016, Aspi­ro, – C‑40/​15, EU:C:2016:172, Rn.20[]
    155. EuGH, Urteil vom 22.03.1961, SNUPAT/​Hohe Behör­de, 42 und 49/​59, Slg. 1961, S. 111, 172; Urteil vom 21.09.1989, Hoechst/​Kommission, 46/​87 und 227/​88, Slg. 1989, S. 2859, Rn.19; Urteil vom 17.10.1989, Dow Che­mi­cal Ibérica/​Kommission, 97-99/​87, Slg. 1989, S. 3165, Rn. 16) (vgl. auch Art. 263 Abs. 1 Satz 1 AEUV), den Bestimmt­heits­grund­satz ((EuGH, Urteil vom 09.07.1981, Gond­rand und Garan­ci­ni, 169/​80, Slg. 1981, S.1931, Rn. 17[]
    156. EuGH, Urteil vom 17.05.1984, Denka­vit Neder­land, 15/​83, Slg. 1984, S. 2171, Rn. 25; Urteil vom 18.06.2015, Estland/​Parlament und Rat, – C‑508/​13, EU:C:2015:403, Rn. 28; vgl. Art. 5 Abs. 1 Satz 2, Abs. 4 EUV[]
    157. zum Rechts­staats­prin­zip sie­he von Dan­witz, a.a.O., S. 1311 ff.[]
    158. EuGH, Urteil vom 18.06.2015, Estland/​Parlament und Rat, – C‑508/​13, EU:C:2015:403, Rn. 29[]
    159. vgl. Pes­ca­to­re, RIDC 32, 1980, S. 332, 352 ff.; Lena­erts, ICLQ 52, 2003, S. 873, 878 ff.; ders./Gutiérrez-Fons, EUI Working Papers AEL 2013/​9, S. 35 ff.[]
    160. Wege­ner, in: Calliess/​Ruffert, EUV/​AEUV, 4. Aufl.2011, Art.19 Rn. 12[]
    161. vgl. BVerfGE 89, 155, 188; 126, 286, 302 ff.; 134, 366, 387 f. Rn. 30[]
    162. vgl. BVerfGE 123, 267, 356; 134, 366, 395 Rn. 48[]
    163. vgl. BVerfGE 123, 267, 351 ff., 435; 129, 124, 180 f.; 135, 317, 399 ff. Rn. 159 ff.[]
    164. vgl. BVerfGE 123, 267, 352 ff., 389 ff., 413 ff.; 126, 286, 307; 129, 124, 181; 132, 195, 238 f. Rn. 105; 134, 366, 394 f. Rn. 47[]
    165. vgl. BVerfGE 25, 1, 12 f.; 35, 79, 117; 49, 89, 130; 88, 203, 310 f.; 95, 267, 314 f.; 110, 141, 158; 111, 333, 355 f.; 127, 87, 116; 130, 263, 300; 133, 168, 235 f.[]
    166. vgl. BVerfGE 130, 76, 123 f.; 136, 194, 266 f.[]
    167. vgl. all­ge­mein zu Schutz­pflich­ten BVerfGE 125, 39, 78; stRspr[]
    168. vgl. BVerfGE 90, 286, 381 ff.; 121, 135, 156 ff.; 131, 152, 195 ff.; BVerfG, Urteil vom 23.09.2015 – 2 BvE 6/​11 67 ff.[]
    169. BVerfGE 134, 366, 395 Rn. 49; Gött, EuR 2014, S. 514, 522 ff.; Wol­len­schlä­ger, a.a.O., Art. 23 Rn. 175[]
    170. BVerfGE 134, 366, 397 Rn. 53[]
    171. zu Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG BVerfGE 96, 56, 64; zu Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG BVerfGE 66, 39, 61; 77, 170, 214; 79, 174, 202; 85, 191, 212; zu Art. 4 Abs. 1 und Abs. 2 GG BVerfGE 125, 39, 78; zu Art. 12 Abs. 1 GG BVerfGE 92, 26, 47[]
    172. BVerfGE 125, 39, 78[]
    173. BVerfGE 96, 56, 64[]
    174. vgl. BVerfGE 66, 39, 61; sie­he auch BVerfGE 4, 157, 168 f.; 40, 141, 178; 53, 164, 182; 55, 349, 365; 66, 39, 60 f.; 68, 1, 97; 84, 90, 128; 94, 12, 35; 95, 39, 46; 121, 135, 158, 168 f.[]
    175. vgl. BVerfGE 53, 164, 182; 55, 349, 364 f.; 66, 39, 61; 92, 26, 47; 77, 170, 214 f.; BVerfGK 14, 192, 200 f.; vgl. auch BVerfGE 131, 152, 195[]
    176. vgl. BVerfGE 77, 170, 214 f.; 85, 191, 212; 88, 203, 254 f.; 92, 26, 46; 125, 39, 78 f.[]
    177. vgl. BVerfGE 123, 267, 365; 134, 366, 395 Rn. 49[]
    178. vgl. BVerfGE 134, 366, 395 f. Rn. 49[][]
    179. vgl. BVerfGE 123, 267, 353, 364 f., 389 f., 391 f., 413 f., 419 f.; 134, 366, 395 f. Rn. 49, 397 Rn. 53[]
    180. vgl. Streinz, Die Luxem­bur­ger Ver­ein­ba­rung, 1984[]
    181. BVerfGE 131, 152, 196[]
    182. vgl. Gött, EuR 2014, S. 514, 527 ff.[]
    183. vgl. BVerfGE 4, 144, 149; 80, 188, 217[]
    184. vgl. BVerfGE 44, 308, 316; 56, 396, 405; 80, 188, 217; 130, 318, 342; BVerfG, Urteil vom 22.09.2015 – 2 BvE 1/​11 91[]
    185. vgl. BVerfGE 44, 308, 316; 56, 396, 405; 80, 188, 218; 130, 318, 342; 131, 230, 235; 131, 152, 204 f.; BVerfG, Urteil vom 22.09.2015, a.a.O., Rn. 91[]
    186. vgl. BVerfGE 40, 237, 249; 70, 324, 355; 131, 152, 205; BVerfG, Urteil vom 22.09.2015, a.a.O., Rn. 92[]
    187. vgl. BVerfGE 85, 386, 403 f.; 95, 267, 307 f.; 108, 282, 312; 130, 318, 344; 131, 152, 205[]
    188. vgl. BVerfGE 123, 267, 353; 126, 286, 304; 134, 366, 385 Rn. 27; BVerfG, Beschluss vom 15.12 2015, a.a.O., Rn. 46[]
    189. vgl. auch Clas­sen, EuR 2015, S. 477 ff.; Ohler, NVwZ 2015, S. 1001, 1004; a.A. Kle­ment, JZ 2015, S. 754, 759; R. Schmidt, JZ 2015, S. 317, 326[]
    190. vgl. EuGH, Urteil vom 17.03.1993, Kommission/​Rat, – C‑155/​91, Slg. 1993, I‑939, Rn.20; Urteil vom 23.02.1999, Parlament/​Rat, – C‑42/​97, Slg. 1999, I‑869, Rn. 36, 38[]
    191. BVerfG, Urteil vom 27.11.2012, Pring­le, – C‑370/​12, EU:C:2012:756, Rn. 55, 60[]
    192. sie­he zur Fina­li­tät des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms Ter­hech­te, in: Grabitz/​Hilf/​Nettesheim, Das Recht der EU, Bd. I, Art. 3 Rn. 18 ff., Jan.2016[]
    193. vgl. EuGH, Urteil vom 17.03.1993, Kommission/​Rat, – C‑155/​91, Slg. 1993, I‑939, Rn. 18 ff.; Urteil vom 23.02.1999, Parlament/​Rat, – C‑42/​97, Slg. 1999, I‑869, Rn. 39 ff.; Urteil vom 27.11.2012, Pring­le, – C‑370/​12, EU:C:2012:756, Rn. 56[]
    194. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 42 ff.[]
    195. vgl. EuGH, Urteil vom 25.05.1978, Racke, 136/​77, Slg. 1978, S. 1245, Rn. 4; Urteil vom 29.10.1980, Roquet­te Frères/​Rat, 138/​79, Slg. 1980, S. 3333, Rn. 25; Urteil vom 25.10.1977, Metro/​Kommission, 26/​76, Slg. 1977, S. 1875, Rn. 50; Urteil vom 17.12 1981, De Hoe/​Kommission, – C-151/​80, Slg. 1981, S. 3161, Rn. 9; Urteil vom 22.04.1999, Kern­kraft­wer­ke Lip­pe-Ems/­Kom­mis­si­on, – C‑161/​97 P, Slg. 1999, I‑2057, Rn. 97; Urteil vom 11.02.2010, Hoesch Metals and Alloys, – C‑373/​08, Slg. 2010, I‑951, Rn. 61 f.[]
    196. vgl. EuGH, Urteil vom 20.02.1979, Bui­to­ni, 122/​78, Slg. 1979, S. 677, Rn. 16/​18; Urteil vom 17.05.1984, Denka­vit Neder­land, 15/​83, Slg. 1984, S. 2171, Rn. 25 ff.; Urteil vom 13.11.1990, FEDESA, – C-331/​88, Slg. 1990, I‑4023, Rn. 13; Urteil vom 05.10.1994, Cris­pol­to­ni, – C‑133, 300 und 362/​93, Slg. 1994, I‑4863, Rn. 41; Urteil vom 08.06.2010, Voda­fone, – C‑58/​08, Slg. 2010, I‑4999, Rn. 51 ff.; Urteil vom 12.05.2011, Luxemburg/​Parlament und Rat, – C‑176/​09, Slg. 2011, I‑3727, Rn. 61 ff.; Urteil vom 18.06.2015, Estland/​Parlament und Rat, – C‑508/​13, EU:C:2015:403, Rn. 28 ff.; Trstenjak/​Beysen, EuR 2012, S. 265, 266[]
    197. vgl. EuGH, Urteil vom 21.11.1991, TU Mün­chen, – C‑269/​90, Slg. 1991, I‑5469, Rn. 14; Urteil vom 19.11.2013, Kommission/​Rat, – C‑63/​12, EU:C:2013:752, Rn. 98 f.[]
    198. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 66 ff.[]
    199. vgl. EuGH, Urteil vom 10.07.2003, Kommission/​EZB, – C‑11/​00, Slg. 2003, I‑7147, Rn. 135[]
    200. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 41 und 66; zur umstrit­te­nen Reich­wei­te der gericht­li­chen Kon­trol­le der Euro­päi­schen Zen­tral­bank Herr­mann, EuZW 2012, S. 805, 810; Thie­le, EuZW 2014, S. 694, 696; Ukrow, ZEuS 2014, S. 119, 133 f.; Wen­del, ZaöRV 2014, S. 615, 664; Simon, EuR 2015, S. 107, 122; für eine grund­sätz­lich auto­no­me Defi­ni­ti­on der Kom­pe­ten­zen der Euro­päi­schen Zen­tral­bank May­er, EuR 2014, S. 473, 485[]
    201. BVerfGE 134, 366, 406 f. Rn. 73; vgl. R. Schmidt, in: Fest­schrift für Hel­mut Köh­ler, 2014, S. 645, 649 ff.[]
    202. BVerfGE 134, 366, 407 f. Rn. 74 ff.; vgl. Kle­ment, JZ 2015, S. 754, 759[]
    203. vgl. BVerfGE 134, 366, 416 f. Rn. 99[]
    204. vgl. BVerfGE 123, 267, 349 ff.[]
    205. vgl. BVerfGE 123, 267, 350[][]
    206. sie­he auch EuGH, Gut­ach­ten 2/​94 vom 28.03.1996, EMRK-Bei­tritt, Slg. 1996, I‑1759, Rn. 30; vgl. fer­ner die Erklä­rung Nr. 42 zur Schluss­ak­te der Regie­rungs­kon­fe­renz zu Art. 352 AEUV[]
    207. vgl. BVerfGE 134, 366, 399 f. Rn. 59[]
    208. vgl. BVerfGE 89, 155, 207 ff.[]
    209. vgl. Hina­re­jos, European Con­sti­tu­tio­nal Law Review 11, 2015, S. 563, 571 ff.[]
    210. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 47 ff.[]
    211. vgl. BVerfGE 134, 366, 416 f. Rn. 99 f.[][][]
    212. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 83 und 88, fer­ner Rn. 53, 60, 68, 91, 105, 107, 114 und 120[]
    213. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 88[]
    214. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 68 ff.[]
    215. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 71[]
    216. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 92[]
    217. vgl. Hina­re­jos, European Con­sti­tu­tio­nal Law Review 11, 2015, S. 563, 574[]
    218. BVerfGE 134, 366, 417 Rn. 100[]
    219. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 41[]
    220. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 69[]
    221. vgl. BVerfGE 134, 366, 404 ff. Rn. 69 ff.[]
    222. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 64[]
    223. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 83[][]
    224. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 85[]
    225. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 62[]
    226. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 112[]
    227. vgl. BVerfGE 134, 366, 417 Rn. 100; 410 f. Rn. 83[]
    228. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 106[]
    229. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 117[][]
    230. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 112 bis 114[]
    231. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 118[]
    232. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 117[]
    233. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., ins­be­son­de­re Rn. 88 und 102 ff.[]
    234. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 97[]
    235. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 102[]
    236. EuGH,
      Schluss­an­trä­ge GA Cruz Vil­l­alón vom 14.01.2015 zu EuGH, Gau­wei­ler, – C‑62/​14, EU:C:2015:7, Rn. 227[]
    237. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 98 ff.[]
    238. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 103, 104 und 107[]
    239. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 113[]
    240. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 104 und 106[]
    241. vgl. BVerfGE 134, 366, 394 Rn. 43[]
    242. vgl. EuGH, Schluss­an­trä­ge GA Cruz Vil­l­alón vom 14.01.2015, a.a.O., Rn. 219[]
    243. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 106[][]
    244. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 106 f.[]
    245. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 117 f.[][]
    246. vgl. BVerfGE 134, 366, 412 f. Rn. 88 f.[]
    247. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 126; anders Stein­bach, The Yale Jour­nal of Inter­na­tio­nal Law Online 39, 2013, S. 15, 30; vgl. auch Ohler, Ban­ken­auf­sicht und Geld­po­li­tik in der Wäh­rungs­uni­on, 2015, § 4 Rn. 76[]
    248. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 86[]
    249. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 119; Ohler, NVwZ 2015, S. 1001, 1005[]
    250. vgl. BVerfGE 134, 366, 392 ff. Rn. 36 ff., 398 ff. Rn. 55 ff.[]
    251. vgl. Rn. 171[]
    252. vgl. BVerfGE 123, 267, 359; 132, 195, 239 Rn. 106; 135, 317, 399 f. Rn. 161[]
    253. vgl. BVerfGE 70, 324, 355 f.; 79, 311, 329; 129, 124, 177; 132, 195, 239 Rn. 106; 135, 317, 400 Rn. 161[]
    254. vgl. BVerfGE 135, 317, 400 Rn. 161[]
    255. vgl. BVerfGE 129, 124, 177; 130, 318, 344; 131, 152, 205 f.; 132, 195, 239 f. Rn. 107; 135, 317, 400 Rn. 162[]
    256. BVerfGE 129, 124, 178 f.; 130, 318, 344 f.; 132, 195, 240 Rn. 107; 135, 317, 400 f. Rn. 162[]
    257. vgl. BVerfGE 129, 124, 179; 132, 195, 240 Rn. 108; 135, 317, 401 Rn. 163[]
    258. vgl. BVerfGE 129, 124, 179 f.; 132, 195, 240 Rn. 109; 135, 317, 401 Rn. 164[]
    259. BVerfGE 129, 124, 180; 132, 195, 241 Rn. 109; 135, 317, 401 f. Rn. 164[]
    260. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 125[]
    261. sie­he auch Euro­päi­sche Zen­tral­bank, Kon­ver­genz­be­richt 2014, S. 36[]
    262. vgl. Blan­ke, in: von Mangoldt/​Klein/​Starck, GG, Bd. 3, 6. Aufl.2010, Art. 88 Rn. 4; Her­de­gen, in: Maunz/​Dürig, GG, Art. 88 Rn. 29, Dez.2015[]
    263. BVerwG, Urteil vom 23.11.2011 – 8 C 20/​10 25; Kemm­ler, DVBl.2003, S. 100, 103 f.; Hum­mel, DVBl.2012, S. 747, 750; anders noch BVerw­GE 64, 248, 257 f.; 75, 318, 324 f.[]
    264. vgl. Euro­päi­sche Zen­tral­bank, Kon­ver­genz­be­richt 2014, S. 28 f.[]
    265. vgl. EuGH, Gau­wei­ler, a.a.O., Rn. 116 und 119[]
    266. vgl. Sach­ver­stän­di­gen­rat zur Begut­ach­tung der gesamt­wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung, Kon­se­quen­zen aus der Grie­chen­land-Kri­se für einen sta­bi­le­ren Euro-Raum, Son­der­gut­ach­ten, Juli 2015, Rn. 54[]
    267. vgl. Deut­sche Bun­des­bank, Geschäfts­be­richt 2015, S. 89 f.[]