Die ver­wei­ger­ten Ver­güns­ti­gun­gen aus Anlass einer geschlos­se­nen Lebens­part­ner­schaft

Wenn einem Arbeit­neh­mer aus Anlass sei­ner Ehe­schlie­ßung Ver­güns­ti­gun­gen gewährt wer­den, muss ein Kol­le­ge, der einen zivi­len Soli­da­ri­täts­pakt mit einem Part­ner glei­chen Geschlechts schließt, weil die Ehe­schlie­ßung homo­se­xu­el­len Paa­ren nicht gestat­tet ist, die glei­chen Ver­güns­ti­gun­gen erhal­ten. Ein anders­lau­ten­der Tarif­ver­trag begrün­det eine unmit­tel­ba­re, auf der sexu­el­len Aus­rich­tung beru­hen­de Dis­kri­mi­nie­rung von homo­se­xu­el­len Arbeit­neh­mern und steht dem Uni­ons­recht ent­ge­gen.

Die ver­wei­ger­ten Ver­güns­ti­gun­gen aus Anlass einer geschlos­se­nen Lebens­part­ner­schaft

So hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on in dem hier vor­lie­gen­den Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens der Cour de cas­sa­ti­on (Frank­reich) ent­schie­den und die unter­schied­li­che Behand­lung von Per­so­nen, die einen PACS mit ihrem Part­ner glei­chen Geschlechts geschlos­sen haben, als Dis­kri­mi­nie­rung beur­teilt. Geklagt hat­te der Ange­stell­te des Cré­dit agri­co­le mutu­el, Herr Hay, nach des­sen Tarif­ver­trag Arbeit­neh­mern aus Anlass ihrer Ehe­schlie­ßung bestimm­te Ver­güns­ti­gun­gen gewährt wer­den, näm­lich Son­der­ur­laubs­ta­ge und eine Gehalts­prä­mie. Der Tarif­ver­trag des Cré­dit agri­co­le mutu­el wur­de am 10. Juli 2008 dahin geän­dert, dass die frag­li­chen Ver­güns­ti­gun­gen auf durch einen zivi­len Soli­da­ri­täts­pakt ver­bun­de­ne Per­so­nen erstreckt wur­den. Da die­se Ände­rung jedoch nicht rück­wir­kend gilt, erfasst sie nicht die Situa­ti­on von Herrn Hay, der mit sei­nem Part­ner glei­chen Geschlechts am 11. Juli 2007 einen zivi­len Soli­da­ri­täts­pakt (pac­te civil de soli­da­rité) (PACS) geschlos­sen hat. Herrn Hay wur­den die Ver­güns­ti­gun­gen mit der Begrün­dung ver­wei­gert, dass sie nach dem Tarif­ver­trag nur im Fall der Ehe­schlie­ßung gewährt wür­den. Nach fran­zö­si­schem Recht war zu dem für die­se Rechts­sa­che maß­geb­li­chen Zeit­punkt die Ehe Paa­ren unter­schied­li­chen Geschlechts vor­be­hal­ten.

Herr Hay hat die­se Ver­wei­ge­rung vor den fran­zö­si­schen Gerich­ten ange­foch­ten. Die in letz­ter Instanz ange­ru­fe­ne Cour de cas­sa­ti­on fragt den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on, ob die unter­schied­li­che Behand­lung von Per­so­nen, die einen PACS mit ihrem Part­ner glei­chen Geschlechts geschlos­sen haben, eine Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund der sexu­el­len Aus­rich­tung dar­stellt, die nach dem Uni­ons­recht in Arbeits­ver­hält­nis­sen ver­bo­ten ist 1.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on zunächst fest­ge­stellt, dass Per­so­nen, die einen PACS ein­ge­hen, weil sie nicht die Mög­lich­keit haben, mit einer Per­son glei­chen Geschlechts eine Ehe zu schlie­ßen, sich, eben­so wie Ehe­part­ner, in einem genau bestimm­ten recht­li­chen Rah­men ver­pflich­ten, eine Lebens­ge­mein­schaft zu füh­ren und sich gegen­sei­ti­ge mate­ri­el­le Unter­stüt­zung und gegen­sei­ti­gen Bei­stand zu leis­ten. Zudem weist der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on dar­auf hin, dass der PACS zu dem für die­se Rechts­sa­che maß­geb­li­chen Zeit­punkt die ein­zi­ge Mög­lich­keit dar­stell­te, die das fran­zö­si­sche Recht gleich­ge­schlecht­li­chen Paa­ren bot, um ihrer Part­ner­schaft einen fes­ten recht­li­chen Sta­tus zu ver­lei­hen, der Drit­ten ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den kann.

Daher sind die Situa­ti­on von Per­so­nen, die eine Ehe schlie­ßen, und die von Per­so­nen glei­chen Geschlechts, die einen PACS ein­ge­hen, weil sie nicht die Mög­lich­keit haben, eine Ehe zu schlie­ßen, hin­sicht­lich der Gewäh­rung der frag­li­chen Ver­güns­ti­gun­gen ver­gleich­bar.

Fer­ner begrün­det der Tarif­ver­trag, nach dem Arbeit­neh­mern, die eine Ehe schlie­ßen, bezahl­ter Urlaub und eine Prä­mie gewährt wer­den, wäh­rend die Ehe Per­so­nen glei­chen Geschlechts nicht offen­steht, nach Auf­fas­sung des Gerichts­hofs eine unmit­tel­ba­re, auf der sexu­el­len Aus­rich­tung beru­hen­de Dis­kri­mi­nie­rung von homo­se­xu­el­len Arbeit­neh­mern, die einen PACS geschlos­sen haben. Dass der PACS nicht aus­schließ­lich homo­se­xu­el­len Paa­ren vor­be­hal­ten ist, ändert nichts am Wesen der Dis­kri­mi­nie­rung die­ser Paa­re, denen damals – anders als hete­ro­se­xu­el­len Paa­ren – die Schlie­ßung einer Ehe recht­lich nicht mög­lich war.

Da schließ­lich die ungüns­ti­ge­re Behand­lung von Paa­ren, die einen PACS geschlos­sen haben, durch kei­nen in der Richt­li­nie vor­ge­se­he­nen zwin­gen­den Grund des All­ge­mein­in­ter­es­ses gerecht­fer­tigt ist, ant­wor­tet der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on, dass das Uni­ons­recht der ange­foch­te­nen Bestim­mung des Tarif­ver­trags ent­ge­gen­steht.

Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on, Urteil vom 12. Dezem­ber 2013 – C‑267/​12, Frédé­ric Hay /​Cré­dit agri­co­le mutu­el de Cha­ren­te-Mari­ti­me et des Deux-Sèv­res

  1. Richt­li­nie 2000/​78/​EG des Rates vom 27.11.2000 zur Fest­le­gung eines all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäf­ti­gung und Beruf, ABl. L 303, S. 16[]