Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on – Vor­la­ge­pflicht und der gesetz­li­che Rich­ter

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on ist gesetz­li­cher Rich­ter im Sin­ne des Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG 1.

Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on – Vor­la­ge­pflicht und der gesetz­li­che Rich­ter

Unter den Vor­aus­set­zun­gen des Art. 267 Abs. 3 AEUV (vor­mals Art. 234 Abs. 3 EGV) sind die natio­na­len Gerich­te von Amts wegen gehal­ten, den Gerichts­hof anzu­ru­fen. Kommt ein deut­sches Gericht sei­ner Pflicht zur Anru­fung des Gerichts­hofs im Wege des Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­rens nicht nach, kann dem Rechts­schutz­su­chen­den des Aus­gangs­rechts­streits der gesetz­li­che Rich­ter ent­zo­gen sein 2.

Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on 3 muss ein letzt­in­stanz­li­ches Gericht sei­ner Vor­la­ge­pflicht nach­kom­men, wenn sich in einem bei ihm schwe­ben­den Ver­fah­ren eine Fra­ge des Uni­ons­rechts stellt, es sei denn, die Fra­ge ist nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich, die betref­fen­de Bestim­mung des Uni­ons­rechts war bereits Gegen­stand einer Aus­le­gung durch den Gerichts­hof oder die rich­ti­ge Anwen­dung des Uni­ons­rechts ist der­art offen­kun­dig, dass für einen ver­nünf­ti­gen Zwei­fel kei­ner­lei Raum bleibt 4. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt über­prüft aller­dings nur, ob die Aus­le­gung und Anwen­dung der Zustän­dig­keits­re­gel des Art. 267 Abs. 3 AEUV bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung der das Grund­ge­setz bestim­men­den Gedan­ken nicht mehr ver­ständ­lich erscheint und offen­sicht­lich unhalt­bar ist 5.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 24. März 2016 – 2 BvR 1305/​10

  1. vgl. BVerfGE 73, 339, 366; 135, 155, 230 Rn. 177; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGE 73, 339, 369; 135, 155, 230 f. Rn. 177; stRspr[]
  3. vgl. EuGH, Urteil vom 06.10.1982, Rs. – C-283/​81, C.I.L.F.I.T., Slg. 1982, S. 3415, Rn. 21[]
  4. vgl. auch BVerfGE 82, 159, 193; 135, 155, 231 Rn. 178; stRspr[]
  5. vgl. BVerfGE 126, 286, 315 f.; 135, 155, 232 Rn. 180; stRspr[]