Haf­tung der Rich­ter

Das deut­sche Recht bestimmt in § 839 Abs. 2 BGB, das bei einer feh­ler­haf­ten rich­ter­li­chen Tätig­keit kein Scha­dens­er­satz­an­spruch gegen den Rich­ter und den Staat besteht, solan­ge der Rich­ter bei sei­ner Tätig­keit kei­ne Straf­tat begeht.

Haf­tung der Rich­ter

Anders sieht dies frei­lich der Euro­päi­sche Gerichts­hof in den Fäl­len, in denen gegen euro­päi­sche Rechts­vor­schrif­ten ver­sto­ßen wur­de. Hier­zu hat der EuGH in einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil ent­schie­den, dass ein Mit­glied­staat für Schä­den haf­tet, die dem Ein­zel­nen durch einem obers­ten Gericht zuzu­rech­nen­de offen­kun­di­ge Ver­stö­ße gegen das Gemein­schafts­recht ent­stan­den sind. Dabei stellt der EuGH klar, dass eine Begren­zung der Haf­tung auf Vor­satz oder grob feh­ler­haf­tes Ver­hal­ten des Rich­ters nicht mög­lich sei, wenn dies dazu füh­re, dass die Haf­tung für Fäl­le aus­ge­schlos­sen wer­de, in denen ein offen­kun­di­ger Ver­stoß gegen das anwend­ba­re Recht vor­lie­ge. Ein offen­kun­di­ger Ver­stoß bemes­se sich nach Kri­te­ri­en wie dem Maß an Klar­heit und Prä­zi­si­on der ver­letz­ten Vor­schrift, der Ent­schuld­bar­keit des Rechts­irr­tums oder der Ver­let­zung der Vor­la­ge­pflicht durch das Gericht. Eine Haf­tung der Mit­glied­staa­ten bejaht der EuGH auch für den Fall, dass der offen­kun­di­ge Ver­stoß gegen das Gemein­schafts­recht sich aus einer Aus­le­gung von Rechts­vor­schrif­ten oder einer Sach­ver­halts- und Beweis­wür­di­gung erge­be. Da die­se die wesent­li­che Tätig­keit der Rechts­spre­chungs­tä­tig­keit dar­stell­ten, wür­de ansons­ten der Grund­satz der Staats­haf­tung sei­nes Inhalts beraubt und der Ein­zel­ne kei­ner­lei gericht­li­chen Schutz genie­ßen, wenn letzt­in­stanz­li­che natio­na­le Gerich­te in die­sem Bereich Feh­ler begin­gen.

EuGH, Urteil vom 13. Juni 2006 – C‑173/​03