Über­tra­gung von Hoheits­rech­ten an supra­na­tio­na­le Orga­ni­sa­tio­nen – und der wirk­sa­me Grund­rechts­schutz

Geset­ze, die Hoheits­rech­te auf zwi­schen­staat­li­che Ein­rich­tun­gen über­tra­gen (Art. 24 Abs. 1 GG) unter­lie­gen als Akte deut­scher Staats­ge­walt der Bin­dung an die Grund­rech­te, deren Wesens­ge­halt auch in Anse­hung der supra­na­tio­na­len Hoheits­ge­walt sicher­zu­stel­len ist. Bei der Über­tra­gung von Hoheits­rech­ten auf zwi­schen­staat­li­che Ein­rich­tun­gen trifft den Gesetz­ge­ber die Pflicht, das vom Grund­ge­setz gefor­der­ten Mini­mum an Grund­rechts­schutz sicher­zu­stel­len.

Über­tra­gung von Hoheits­rech­ten an supra­na­tio­na­le Orga­ni­sa­tio­nen – und der wirk­sa­me Grund­rechts­schutz

Alle Ver­fas­sungs­or­ga­ne sind im Rah­men ihrer Kom­pe­ten­zen dar­über hin­aus ver­pflich­tet, dar­auf hin­zu­wir­ken, dass der vom Grund­ge­setz gefor­der­te Min­dest­stan­dard nicht unter­schrit­ten wird. Dies gilt für die Grün­dung einer zwi­schen­staat­li­chen Ein­rich­tung und für die Dau­er ihres Bestehens. Zum vom Grund­ge­setz gefor­der­ten Min­dest­stan­dard an Grund­rechts­schutz gehört die Gewähr­leis­tung eines wir­kungs­vol­len und lücken­lo­sen Rechts­schut­zes.

Dies beton­te jetzt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auf eine letzt­lich erfolg­lo­se, neun Jah­re alte Ver­fas­sungs­be­schwer­de, die unmit­tel­bar die Fra­ge betraf, ob deut­sche Gerich­te den Eltern von Schü­lern der Euro­pa­schu­le Frank­furt am Main Rechts­schutz gegen die Erhö­hung des Schul­gel­des gewäh­ren müs­sen, und mit­tel­bar die Fra­ge der Ver­ein­bar­keit des Zustim­mungs­ge­set­zes vom 31.10.1996 zur Sat­zung der Euro­päi­schen Schu­len vom 21.06.1994 mit dem Grund­ge­setz.

Die Euro­pa­schu­len[↑]

Die Euro­päi­sche Schu­le Frank­furt am Main ist eine von der­zeit 13 Euro­päi­schen Schu­len und eine unselb­stän­di­ge Unter­glie­de­rung der zwi­schen­staat­li­chen Ein­rich­tung Euro­päi­sche Schu­len. Die­se wur­de gemein­sam von den Regie­run­gen der Mit­glied­staa­ten der (vor­ma­li­gen) Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten – jetzt der Euro­päi­schen Uni­on – gegrün­det, um Kin­dern von Eltern, die in euro­päi­schen Insti­tu­tio­nen arbei­ten, einen Unter­richt in der Mut­ter­spra­che zu ermög­li­chen.

Die Errich­tung der Euro­päi­schen Schu­len beruht auf der zwi­schen Bel­gi­en, Deutsch­land, Frank­reich, Ita­li­en, Luxem­burg und den Nie­der­lan­den ver­ein­bar­ten Sat­zung der Euro­päi­schen Schu­le vom 12.04.1957 1 sowie dem Pro­to­koll über die Grün­dung Euro­päi­scher Schu­len unter Bezug­nah­me auf die zunächst am 12.04.1957 in Luxem­burg unter­zeich­ne­te Sat­zung der Euro­päi­schen Schu­le vom 13.04.1962 2. Bei die­sen Rechts­ak­ten han­delt es sich um völ­ker­recht­li­che Ver­trä­ge, denen der Deut­sche Bun­des­tag mit Geset­zen vom 26.07.1965 3; und vom 25.07.1969 4 zuge­stimmt hat. Die ursprüng­li­che Sat­zung ist mitt­ler­wei­le durch die Ver­ein­ba­rung über die Sat­zung der Euro­päi­schen Schu­len vom 21.06.1994 – im Fol­gen­den als Sat­zung bezeich­net – ersetzt wor­den 5. Gemäß Art. 34 der Sat­zung tritt die­se an die Stel­le der Sat­zung vom 12.04.1957 und des dazu­ge­hö­ri­gen Pro­to­kolls vom 13.04.1962. Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land hat ihr durch Gesetz vom 31.10.1996 zuge­stimmt 6. Die Sat­zung ist am 1.10.2002 in Kraft getre­ten 7. Ver­trags­par­tei­en sind der­zeit die Mit­glied­staa­ten der (vor­ma­li­gen) Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten – jetzt der Euro­päi­schen Uni­on – und die (vor­ma­li­gen) Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten – jetzt die Euro­päi­sche Uni­on – selbst sowie die im Zuge der Erwei­te­run­gen der Euro­päi­schen Uni­on neu hin­zu­ge­kom­me­nen Mit­glied­staa­ten 8.

Ziel der Euro­päi­schen Schu­len ist es, die Kin­der der Bediens­te­ten der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten, heu­te der Euro­päi­schen Uni­on, gemein­sam zu unter­rich­ten (vgl. Art. 1 Satz 2 der Sat­zung). Am Unter­richt neh­men vor­nehm­lich die­se Kin­der (Kate­go­rie I) sowie Kin­der von Bediens­te­ten teil, deren Anstel­lungs­kör­per­schaf­ten mit den Euro­päi­schen Schu­len ein Finan­zie­rungs­ab­kom­men geschlos­sen haben (Kate­go­rie II).

Im Rah­men der vor­han­de­nen Kapa­zi­tä­ten steht der Schul­be­such gegen Zah­lung eines Schul­gel­des auch ande­ren Kin­dern offen (Kate­go­rie III). Das Schul­geld wird den Eltern der Schü­ler auf Beschluss des Obers­ten Rates auf­er­legt (Art. 25 Nr. 4 der Sat­zung). Letz­te­rer setzt sich aus Ver­tre­tern der ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten auf Minis­ter­ebe­ne, einem Mit­glied der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on, einem Ver­tre­ter des Lehr­kör­pers sowie einem Ver­tre­ter der Eltern­schaft zusam­men (vgl. Art. 8 Abs. 1 der Sat­zung). Bei der Ein­schrei­bung ver­pflich­ten sich die Eltern, das fest­ge­setz­te Schul­geld inner­halb der vor­ge­se­he­nen Fris­ten zu zah­len. Unter­bleibt die Zah­lung, gilt der Schü­ler als von der Schu­le abge­mel­det und wird im dar­auf­fol­gen­den Schul­jahr nicht mehr an den Euro­päi­schen Schu­len auf­ge­nom­men (vgl. Art. 31 der Schul­ord­nung in der Fas­sung vom 03.04.2000 und Art. 30 der Schul­ord­nung in der Fas­sung vom 01./02.02.2005).

Die ein­schlä­gi­gen Bestim­mun­gen der Ver­ein­ba­rung über die Sat­zung der Euro­päi­schen Schu­len vom 21.06.1994 9 haben fol­gen­den Wort­laut:

Prä­am­bel

Für den gemein­sa­men Unter­richt der Kin­der der Bediens­te­ten der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten wur­den zur Siche­rung des ord­nungs­ge­mä­ßen Funk­tio­nie­rens der euro­päi­schen Orga­ne bereits 1957 Lehr­an­stal­ten mit der Bezeich­nung "Euro­päi­sche Schu­le" ein­ge­rich­tet.

Die Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten sind bestrebt, den gemein­sa­men Unter­richt die­ser Kin­der sicher­zu­stel­len, und leis­ten zu die­sem Zweck einen Bei­trag zum Haus­halt der Euro­päi­schen Schu­len.

Die Euro­päi­schen Schu­len bil­den ein Schul­sys­tem beson­de­rer Art. Bei die­sem Sys­tem wird eine Form der Zusam­men­ar­beit zwi­schen den Mit­glied­staa­ten sowie zwi­schen den Mit­glied­staa­ten und den Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten ver­wirk­licht; gleich­zei­tig bleibt die Ver­ant­wor­tung der Mit­glied­staa­ten für die Lehr­in­hal­te und die Gestal­tung des Bil­dungs­sys­tems sowie die Viel­falt ihrer Kul­tu­ren und Spra­chen in vol­lem Umfang erhal­ten.

Es emp­fiehlt sich,

  • einen ange­mes­se­nen Rechts­schutz des Lehr­per­so­nals und der sons­ti­gen unter die­se Sat­zung fal­len­den Per­so­nen gegen­über Ent­schei­dun­gen des Obers­ten Rates oder der Ver­wal­tungs­rä­te zu gewähr­leis­ten und zu die­sem Zweck eine Beschwer­de­kam­mer mit genau fest­ge­leg­ten Befug­nis­sen ein­zu­rich­ten;
  • fest­zu­le­gen, dass die Ent­schei­dun­gen der Beschwer­de­kam­mer die Zustän­dig­keit der natio­na­len Gerich­te in Zivil- und Straf­sa­chen nicht berüh­ren.

Arti­kel 1

Mit die­ser Ver­ein­ba­rung wird die Sat­zung der Euro­päi­schen Schu­len (im fol­gen­den "Schu­len" genannt) fest­ge­legt. Ziel der Schu­len ist es, die Kin­der der Bediens­te­ten der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten gemein­sam zu unter­rich­ten. Außer den Kin­dern, die unter die Über­ein­künf­te nach den Arti­keln 28 und 29 fal­len, kön­nen in den Schu­len im Rah­men der vom Obers­ten Rat fest­ge­leg­ten Gren­zen auch ande­re Kin­der unter­rich­tet wer­den.

Arti­kel 6

Jede Schu­le besitzt Rechts­per­sön­lich­keit, soweit dies für die Erfül­lung ihres Ziels im Sin­ne von Arti­kel 1 erfor­der­lich ist. Zu die­sem Zweck ist sie gemäß der in Arti­kel 13 Absatz 1 genann­ten Haus­halts­ord­nung in der Ver­wal­tung der für sie im Haus­halts­plan aus­ge­wie­se­nen Mit­tel unab­hän­gig. Sie kann vor Gericht kla­gen und ver­klagt wer­den. Sie kann ins­be­son­de­re beweg­li­ches und unbe­weg­li­ches Ver­mö­gen erwer­ben und ver­äu­ßern. Hin­sicht­lich ihrer Rech­te und Pflich­ten gilt die Schu­le in den Mit­glied­staa­ten vor­be­halt­lich der beson­de­ren Bestim­mun­gen die­ser Ver­ein­ba­rung als öffent­lich-recht­li­che Bil­dungs­ein­rich­tung.

Arti­kel 8

(1) Vor­be­halt­lich des Arti­kels 28 setzt sich der Obers­te Rat aus fol­gen­den Mit­glie­dern zusam­men:

  1. dem bzw. den Vertreter(n) der ein­zel­nen Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten auf Minis­ter­ebe­ne, der bzw. die befugt ist (sind), für den jewei­li­gen Mit­glied­staat ver­bind­lich zu han­deln, wobei jeder Mit­glied­staat nur eine Stim­me hat;
  2. einem Mit­glied der Kom­mis­si­on der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten;
  3. einem vom Per­so­nal­aus­schuss nach Arti­kel 22 benann­ten Ver­tre­ter (aus dem Lehr­kör­per);
  4. einem von den Eltern­ver­ei­ni­gun­gen nach Arti­kel 23 benann­ten Ver­tre­ter der Eltern­schaft.

Arti­kel 9

(1) Außer in den Fäl­len, in denen die­se Ver­ein­ba­rung Ein­stim­mig­keit vor­schreibt, wer­den die Beschlüs­se des Obers­ten Rates vor­be­halt­lich fol­gen­der Bestim­mun­gen mit Zwei­drit­tel­mehr­heit sei­ner Mit­glie­der gefasst:

  1. Für die Annah­me eines Beschlus­ses, der die spe­zi­fi­schen Inter­es­sen eines Mit­glied­staats berührt – wozu die wesent­li­che Erwei­te­rung der Ein­rich­tun­gen oder die Schlie­ßung einer in sei­nem Hoheits­ge­biet gele­ge­nen Schu­le gehört – ist die befür­wor­ten­de Stimm­ab­ga­be des Ver­tre­ters die­ses Mit­glied­staa­tes erfor­der­lich.
  2. Für die Schlie­ßung einer Schu­le ist die befür­wor­ten­de Stimm­ab­ga­be des Mit­glieds der Kom­mis­si­on erfor­der­lich.
  3. Der Ver­tre­ter einer Orga­ni­sa­ti­on des öffent­li­chen Rechts, der im Obers­ten Rat auf­grund eines Über­ein­kom­mens nach Arti­kel 28 einen Sitz und eine Stim­me erhal­ten hat, ist bei allen Fra­gen im Zusam­men­hang mit der Schu­le, die Gegen­stand jenes Über­ein­kom­mens ist, stimm­be­rech­tigt.
  4. Das Stimm­recht des Ver­tre­ters des Per­so­nal­aus­schus­ses nach Arti­kel 8 Buch­sta­be c)) und des Ver­tre­ters der Eltern­schaft nach Arti­kel 8 Buch­sta­be d)) ist auf die Annah­me von Beschlüs­sen über päd­ago­gi­sche Fra­gen im Sin­ne des Arti­kels 11 – aus­ge­nom­men Beschlüs­se betref­fend Ände­run­gen des Abkom­mens über die Euro­päi­sche Abitur­prü­fung und Beschlüs­se mit finan­zi­el­len oder haus­halts­recht­li­chen Aus­wir­kun­gen – beschränkt.

Arti­kel 10

Der Obers­te Rat sorgt für die Durch­füh­rung die­ser Ver­ein­ba­rung; er ver­fügt über die zu die­sem Zweck erfor­der­li­chen Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se in päd­ago­gi­schen Fra­gen und in Haus­halts- und Ver­wal­tungs­an­ge­le­gen­hei­ten sowie zur Aus­hand­lung der in den Arti­keln 28 bis 30 genann­ten Über­ein­kom­men bzw. Über­ein­künf­te. Zur Vor­be­rei­tung sei­ner Beschlüs­se kann er Aus­schüs­se ein­set­zen. Er legt die all­ge­mei­ne Schul­ord­nung fest. Er erstellt jähr­lich auf der Grund­la­ge eines Ent­wurfs des Gene­ral­se­kre­tärs einen Bericht über den Betrieb der Schu­len und über­mit­telt ihn dem Euro­päi­schen Par­la­ment und dem Rat.

Arti­kel 25

Der Haus­halt der Schu­len wird finan­ziert durch

    die Ein­nah­men der Schu­len, ins­be­son­de­re das Schul­geld, das den Eltern der Schü­ler auf Beschluss des Obers­ten Rates auf­er­legt wird;

Arti­kel 26

Für Strei­tig­kei­ten zwi­schen den Ver­trags­par­tei­en über die Aus­le­gung und Anwen­dung die­ser Ver­ein­ba­rung, die im Obers­ten Rat nicht bei­gelegt wer­den konn­ten, ist aus­schließ­lich der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten zustän­dig.

Arti­kel 27

(1) Es wird eine Beschwer­de­kam­mer ein­ge­setzt.

(2) Bei Strei­tig­kei­ten, die die Anwen­dung die­ser Ver­ein­ba­rung auf die dar­in genann­ten Per­so­nen – mit Aus­nah­me des Ver­wal­tungs- und Dienst­per­so­nals – betref­fen und sich auf die Recht­mä­ßig­keit einer vom Obers­ten Rat oder vom Ver­wal­tungs­rat einer Schu­le in Aus­übung ihrer Befug­nis­se gemäß die­ser Ver­ein­ba­rung gegen­über jenen Per­so­nen getrof­fe­nen und sie beschwe­ren­den Ent­schei­dung bezie­hen, die auf die­ser Ver­ein­ba­rung oder den in ihrem Rah­men erlas­se­nen Vor­schrif­ten beruht, besitzt die Beschwer­de­kam­mer, nach Aus­schöp­fung des Ver­wal­tungs­we­ges, erst- und letzt­in­stanz­lich aus­schließ­li­che Zustän­dig­keit. Han­delt es sich um finan­zi­el­le Strei­tig­kei­ten, so hat die Beschwer­de­kam­mer Befug­nis zu unbe­schränk­ter Ermes­sens­nach­prü­fung. Die Vor­aus­set­zun­gen für ein Ver­fah­ren der Beschwer­de­kam­mer und die ent­spre­chen­den Durch­füh­rungs­be­stim­mun­gen sind in den Beschäf­ti­gungs­be­din­gun­gen für das Lehr­per­so­nal bzw. der Rege­lung für die Lehr­be­auf­trag­ten oder der all­ge­mei­nen Schul­ord­nung fest­ge­legt.

(3) Der Beschwer­de­kam­mer gehö­ren Per­so­nen an, die jede Gewähr für Unab­hän­gig­keit bie­ten und als fähi­ge Juris­ten gel­ten. Zu Mit­glie­dern der Beschwer­de­kam­mer kön­nen nur Per­so­nen ernannt wer­den, die in einer vom Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten dafür erstell­ten Lis­te auf­ge­führt sind.

(4) Der Obers­te Rat legt die Sat­zung der Beschwer­de­kam­mer ein­stim­mig fest. In der Sat­zung der Beschwer­de­kam­mer wer­den die Zahl ihrer Mit­glie­der, das Ver­fah­ren zur Ernen­nung der Mit­glie­der durch den Obers­ten Rat, die Amts­dau­er der Mit­glie­der und die für die­se gel­ten­de Besol­dungs­re­ge­lung fest­ge­legt. Die Sat­zung regelt die Arbeits­wei­se der Beschwer­de­kam­mer.

(5) Die Beschwer­de­kam­mer gibt sich eine Ver­fah­rens­ord­nung, die alle zur Anwen­dung ihrer Sat­zung erfor­der­li­chen Bestim­mun­gen ent­hält. Die Ver­fah­rens­ord­nung bedarf der ein­stim­mi­gen Annah­me durch den Obers­ten Rat.

(6) Die Urtei­le der Beschwer­de­kam­mer sind für die Par­tei­en ver­bind­lich und, falls die­se einem Urteil nicht nach­kom­men, von den zustän­di­gen Stel­len der Mit­glied­staa­ten im Ein­klang mit ihren ein­zel­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten zu voll­stre­cken.

(7) Ande­re Strei­tig­kei­ten, bei denen die Schu­len Par­tei sind, unter­lie­gen der Zustän­dig­keit der natio­na­len Gerich­te. Ins­be­son­de­re berührt die­ser Arti­kel nicht die Zustän­dig­keit der natio­na­len Gerich­te in Zivil- und Straf­sa­chen.

Arti­kel 34

Die­se Ver­ein­ba­rung tritt an die Stel­le der Sat­zung vom 12.04.1957 und des dazu­ge­hö­ri­gen Pro­to­kolls vom 13.04.1962.

Mit Beschluss vom 03.04.2000 erließ der Obers­te Rat gemäß Art. 10 Satz 3 der Sat­zung eine All­ge­mei­ne Schul­ord­nung der Euro­päi­schen Schu­len und änder­te die­se unter ande­rem am 1./2.02.2005 und 21.02.2008 ab. Die der­zeit gül­ti­ge Fas­sung stammt vom 03.12 2014, zuletzt geän­dert am 7./8./9.12 2016. Art. 66 der All­ge­mei­nen Schul­ord­nung sieht seit 1./2.02.2005 vor, dass die Beschwer­de in bestimm­ten, dort auf­ge­zähl­ten Berei­chen statt­haft ist. Eine Erstre­ckung der Zustän­dig­keit der Beschwer­de­kam­mer auf die Über­prü­fung von Beschlüs­sen des Obers­ten Rates gemäß Art. 25 Nr. 4 der Sat­zung betref­fend das den Eltern auf­zu­er­le­gen­de Schul­geld ist nicht aus­drück­lich vor­ge­se­hen. Das Sta­tut der Beschwer­de­kam­mer der Euro­päi­schen Schu­len vom 22.04.2004 und die Ver­fah­rens­ord­nung der Beschwer­de­kam­mer vom 01./2.02.2005, bei­de zuletzt geän­dert am 7./8./9.12 2016, ent­hält eine sol­che Kom­pe­tenz eben­falls nicht.

Die ein­schlä­gi­gen Bestim­mun­gen der All­ge­mei­nen Schul­ord­nung in der Fas­sung vom 03.04.2000 und 1./2.02.2005 bezüg­lich der Zah­lung von Schul­geld haben fol­gen­den Wort­laut:

Arti­kel 31

Bei der Anmel­dung eines Schü­lers an einer Euro­päi­schen Schu­le ver­pflich­ten sich die Eltern, die ein Schul­geld zu ent­rich­ten haben, die geschul­de­ten Beträ­ge inner­halb der von der Schu­le fest­ge­leg­ten Frist zu zah­len.

Wenn das fest­ge­setz­te Schul­geld am Ende eines Schul­jah­res nicht oder nicht voll­stän­dig ent­rich­tet wur­de, so gilt der Schü­ler als von der Schu­le abge­mel­det und wird im dar­auf­fol­gen­den Schul­jahr nicht mehr an den Euro­päi­schen Schu­len auf­ge­nom­men.

Arti­kel 66

(1) Gegen die in den Arti­keln 44.04.5, 57.c, 59.d und 62.A.04. genann­ten Ent­schei­dun­gen kann Beschwer­de ein­ge­legt wer­den unter den in den Arti­keln genann­ten Bedin­gun­gen. Dies gilt auch für die Ent­schei­dun­gen der Direk­to­ren der Euro­päi­schen Schu­len bezüg­lich der Inte­gra­ti­on der Schü­ler mit spe­zi­fi­schen Bedürf­nis­sen (SEN) und unter den Bedin­gun­gen des Kapi­tels 4.4 des ent­spre­chen­den Beschlus­ses des Obers­ten Rates.

Der Streit­fall[↑]

Die Beschwer­de­füh­rer sind Eltern von ehe­ma­li­gen Schü­lern der Kate­go­rie III, die mit der Euro­päi­schen Schu­le Frank­furt am Main Schul­ver­trä­ge für ihre Kin­der abschlos­sen. In den Auf­nah­me­an­trä­gen erklär­ten sie sich mit der jähr­li­chen Fest­set­zung des Schul­gel­des durch den Obers­ten Rat ein­ver­stan­den.

Die im Schul­jahr 2003/​2004 nach dem Beginn der Schul­zeit ihrer Kin­der durch den Obers­ten Rat vor­ge­nom­me­nen Anhe­bun­gen des Schul­gel­des um teil­wei­se über 30 Pro­zent erach­te­ten die Beschwer­de­füh­rer für über­höht und rie­fen des­halb die gemäß Art. 27 Abs. 1 der Sat­zung bei den Euro­päi­schen Schu­len ein­ge­rich­te­te Beschwer­de­kam­mer an. Die­se erklär­te sich durch begrün­de­ten Bericht des Prä­si­den­ten vom 08.11.2004 für unzu­stän­dig. Ihre Zustän­dig­keit beschrän­ke sich auf die in den betref­fen­den Bestim­mun­gen aus­drück­lich genann­ten Strei­tig­kei­ten. Da die Schul­ord­nung kei­ne Beschwer­de gegen das den Eltern von Schü­lern der Kate­go­rie III auf­er­leg­te Schul­geld vor­se­he, sei die Beschwer­de­kam­mer nicht zustän­dig, über eine Fest­le­gung der Höhe des Schul­gel­des zu befin­den.

Die Ent­schei­dun­gen der Fach­ge­rich­te[↑]

Dar­auf­hin erho­ben die Beschwer­de­füh­rer am 29.03.2005 beim Land­ge­richt Frank­furt am Main Kla­ge gegen die Euro­päi­sche Schu­le Frank­furt am Main. Sie begehr­ten die Rück­zah­lung des nach ihrer Ansicht über­höh­ten Anteils der von ihnen bereits gezahl­ten Schul­gel­der für die Schul­jah­re 2002/​2003 und 2003/​2004 sowie die Fest­stel­lung, dass die beklag­te Schu­le ab dem Jahr 2005/​2006 bis zum Euro­päi­schen Abitur zu ent­rich­ten­de Schul­ge­büh­ren nach bil­li­gem Ermes­sen fest­zu­set­zen habe. Das Land­ge­richt Frank­furt am Main erklär­te sich durch Zwi­schen­ur­teil vom 28.04.2006 für zustän­dig und stell­te fest, dass der Rechts­weg zu den ordent­li­chen Gerich­ten eröff­net sei. Da die all­ge­mei­ne Schul­ord­nung der Euro­päi­schen Schu­len kei­ne Bestim­mun­gen ent­hal­te, die Beschwer­den von Eltern gegen die durch den Obers­ten Rat getrof­fe­ne Fest­set­zung des Schul­gelds beträ­fen, feh­le es an einer Zustän­dig­keit der Beschwer­de­kam­mer. Es lie­ge daher eine "ande­re Strei­tig­keit" im Sin­ne von Art. 27 Abs. 7 der Sat­zung vor, wes­halb der Weg zu den deut­schen Zivil­ge­rich­ten eröff­net sei. Die Euro­päi­sche Schu­le Frank­furt am Main leg­te gegen das Zwi­schen­ur­teil kei­ne Rechts­mit­tel ein.

Mit Urteil vom 02.02.2007 gab das Land­ge­richt Frank­furt am Main den Anträ­gen der Beschwer­de­füh­rer in der Sache weit­ge­hend statt. Es führ­te aus, das Schul­geld sei durch den Obers­ten Rat der Euro­päi­schen Schu­len nach bil­li­gem Ermes­sen gemäß § 317 Abs. 1 BGB und nicht – wie gesche­hen – nach frei­em Belie­ben fest­zu­set­zen. Das Gericht kön­ne daher die Leis­tungs­be­stim­mung selbst vor­neh­men. Es fol­ge inso­weit den Berech­nun­gen der Klä­ger, die der Bil­lig­keit ent­sprä­chen.

Auf die Beru­fung der beklag­ten Euro­päi­schen Schu­le Frank­furt am Main hob das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main mit Urteil vom 13.02.2008 10 das land­ge­richt­li­che Urteil auf und stell­te fest, dass sich der Rechts­streit bezüg­lich zwei­er Klä­ger erle­digt habe. Im Übri­gen wies es die Kla­gen ab. Zur Begrün­dung führ­te es im Wesent­li­chen aus, dass das unan­ge­foch­ten geblie­be­ne Zwi­schen­ur­teil vom 28.04.2006 kei­ne Bin­dungs­wir­kung ent­fal­te. Die Beklag­te unter­lie­ge hin­sicht­lich des Rechts­streits nicht der deut­schen Gerichts­bar­keit und kön­ne sich des­halb auf ihre Immu­ni­tät beru­fen. Dies fol­ge aus Art. 27 Abs. 2 der Sat­zung in Ver­bin­dung mit ihrer Prä­am­bel. Durch die Sat­zung sei eine auto­no­me zwi­schen­staat­li­che Ein­rich­tung mit eige­nen Orga­nen und einem eige­nen Rechts­schutz­sys­tem geschaf­fen und der deut­schen Gerichts­bar­keit ent­zo­gen wor­den. Die Beschwer­de­kam­mer sei für Beschwer­den der Eltern gegen die Schul­geld­fest­set­zung des Obers­ten Rates zustän­dig. Eine Zustän­dig­keit der deut­schen Gerich­te erge­be sich weder aus Art. 27 Abs. 7 der Sat­zung noch aus Art.19 Abs. 4 GG, aus dem kei­ne sub­si­diä­re Zustän­dig­keit der deut­schen Gerich­te fol­ge.

Das Bestehen der deut­schen Gerichts­bar­keit ent­ge­gen den vor­ste­hen­den Erwä­gun­gen unter­stellt, müs­se die Kla­ge hilfs­wei­se des­halb als unbe­grün­det abge­wie­sen wer­den, weil es sich bei dem von den Eltern gezahl­ten Ent­gelt nicht um eine äqui­va­len­te Gegen­leis­tung, son­dern um einen Bei­trag zu weit höhe­ren Kos­ten han­de­le. Zwi­schen den Par­tei­en sei unstrei­tig, dass die euro­päi­sche Schu­le nicht kos­ten­de­ckend arbei­te. Das bei­läu­fi­ge und "vor­sorg­li­che" Bestrei­ten von Kos­ten über 10.000 € in einem Neben­satz der Beschwer­de­füh­rer wer­de ange­sichts der aus­führ­li­chen Dar­le­gun­gen der beklag­ten Schu­le als nicht aus­rei­chend sub­stan­ti­iert bewer­tet; dem Hin­weis des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in der münd­li­chen Ver­hand­lung auf die­se Bewer­tung sei­en die Beschwer­de­füh­rer erst mit einem nicht nach­ge­las­se­nen Schrift­satz ent­ge­gen­ge­tre­ten. Der Obers­te Rat habe unter­halb der Gren­ze der tat­säch­li­chen Schul­kos­ten ein von den ordent­li­chen Gerich­ten der Ver­trags­staa­ten nicht nach­prüf­ba­res frei­es Ermes­sen hin­sicht­lich der Höhe des Schul­gel­des.

Der Bun­des­ge­richts­hof änder­te das Urteil des Ober­lan­des­ge­richts mit Urteil vom 09.07.2009 11 in der Kos­ten­ent­schei­dung und wies die Revi­si­on der Beschwer­de­füh­rer im Übri­gen zurück. Er führ­te im Wesent­li­chen aus, dass die deut­sche Gerichts­bar­keit und die davon bestehen­den Aus­nah­men gemäß §§ 18 bis 20 GVG eine Ver­fah­rens­vor­aus­set­zung und in jedem Ver­fah­rens­sta­di­um von Amts wegen zu prü­fen sei­en. Ein Zwi­schen­ur­teil, das die Immu­ni­tät einer Par­tei zu Unrecht ver­nei­ne, kön­ne des­halb kei­ne Bin­dungs­wir­kung ent­fal­ten. Die beklag­te Euro­päi­sche Schu­le Frank­furt am Main genie­ße als Teil einer zwi­schen­staat­li­chen Ein­rich­tung mit Völ­ker­rechts­per­sön­lich­keit für das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren Immu­ni­tät (§ 20 Abs. 2 GVG). Dies fol­ge aus Art. 27 Abs. 2 Satz 1 in Ver­bin­dung mit Art. 25 Nr. 4 der Sat­zung und gel­te auch für die streit­ge­gen­ständ­li­chen Schul­geld­erhö­hun­gen. Die Zustän­dig­keits­zu­wei­sung in Art. 27 Abs. 2 Satz 2 der Sat­zung erfas­se auch das auf Beschluss des Obers­ten Rates auf­zu­er­le­gen­de Schul­geld und ermäch­ti­ge die Beschwer­de­kam­mer zu einer unein­ge­schränk­ten Ermes­sens­nach­prü­fung. Zudem sei­en die in Streit ste­hen­den Schul­geld­an­ge­le­gen­hei­ten dem Kern­be­reich der amt­li­chen Tätig­keit der Euro­päi­schen Schu­len zuzu­rech­nen. Unbe­scha­det der Fra­ge, ob die Beschwer­de­kam­mer trotz des ein­deu­ti­gen Wort­lauts von Art. 27 Abs. 2 Satz 1 der Sat­zung mit der ange­ge­be­nen Begrün­dung ihre Zustän­dig­keit hät­te ver­nei­nen dür­fen, lie­ßen unzu­rei­chen­de Durch­füh­rungs- und Ver­fah­rens­vor­schrif­ten die für Strei­tig­kei­ten über das Schul­geld bestehen­de Immu­ni­tät der Euro­päi­schen Schu­le unbe­rührt. Art. 27 Abs. 7 der Sat­zung begrün­de des­halb kei­ne Auf­fang­zu­stän­dig­keit deut­scher Gerich­te. Dar­an ände­re der Umstand nichts, dass es in Strei­tig­kei­ten der vor­lie­gen­den Art für die Beschwer­de­füh­rer nicht mög­lich sei, die Beschwer­de­kam­mer anzu­ru­fen, und des­we­gen eine Rechts­schutz­lü­cke bestehe. Art 19 Abs. 4 GG gewähr­leis­te kei­ne Auf­fang­zu­stän­dig­keit natio­na­ler Gerich­te, falls der Rechts­schutz gegen Hand­lun­gen zwi­schen­staat­li­cher Ein­rich­tun­gen unzu­läng­lich sei. Auf ihre Immu­ni­tät habe die Beklag­te nicht dadurch ver­zich­tet, dass sie gegen das land­ge­richt­li­che Zwi­schen­ur­teil kei­ne Rechts­mit­tel ein­ge­legt habe. Ein Ver­zicht auf die Immu­ni­tät bedür­fe grund­sätz­lich einer aus­drück­li­chen Erklä­rung, wor­an es hier jedoch feh­le.

Eine Vor­la­ge des deut­schen Zustim­mungs­ge­set­zes zur Ver­ein­ba­rung über die Sat­zung der Euro­päi­schen Schu­len an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt gemäß Art. 100 Abs. 1 GG kom­me nicht in Betracht. Das Zustim­mungs­ge­setz genü­ge ins­be­son­de­re den Anfor­de­run­gen des Art. 24 Abs. 1 GG. In der Sat­zung sei ein Maß an Rechts­schutz vor­ge­se­hen, das dem nach dem Grund­ge­setz zu gewäh­ren­den im Wesent­li­chen gleich­kom­me. Soweit den­noch eine Rechts­schutz­lü­cke bestehe, beru­he die­se auf einer defi­zi­tä­ren Umset­zung der in Art. 27 Abs. 2 Satz 3 der Sat­zung ange­ord­ne­ten Ver­fah­rens- bezie­hungs­wei­se Durch­füh­rungs­be­stim­mun­gen durch den Obers­ten Rat oder aber auf einem unzu­rei­chen­den Ver­ständ­nis der Beschwer­de­kam­mer vom Rege­lungs­ge­halt des Art. 27 Abs. 2 Satz 1 der Sat­zung.

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts[↑]

Mit ihrer am 24.08.2009 ein­ge­gan­ge­nen Ver­fas­sungs­be­schwer­de grei­fen die Beschwer­de­füh­rer unmit­tel­bar die Urtei­le des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main vom 13.02.2008 und des Bun­des­ge­richts­hofs vom 09.07.2009 sowie mit­tel­bar das deut­sche Zustim­mungs­ge­setz zur Ver­ein­ba­rung über die Sat­zung der Euro­päi­schen Schu­len vom 31.10.1996 an.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Ver­fas­sungs­be­schwer­de nun­mehr als unzu­läs­sig ver­wor­fen. Der Vor­trag der Beschwer­de­füh­rer zur Mög­lich­keit einer Grund­rechts­ver­let­zung genü­ge nicht den Begrün­dungs­an­for­de­run­gen der § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG.

Begrün­dungs­an­for­de­run­gen an eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de[↑]

In der Begrün­dung einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de haben die Beschwer­de­füh­rer dar­zu­le­gen, mit wel­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen die ange­grif­fe­ne Maß­nah­me kol­li­diert. Dazu müs­sen sie auf­zei­gen, inwie­weit eine Maß­nah­me die bezeich­ne­ten Grund­rech­te ver­let­zen soll 12. Liegt zu den mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de auf­ge­wor­fe­nen Ver­fas­sungs­fra­gen bereits Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vor, so ist der behaup­te­te Grund­rechts­ver­stoß in Aus­ein­an­der­set­zung mit den dar­in ent­wi­ckel­ten Maß­stä­ben zu begrün­den 13.

Rich­tet sich die Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen eine gericht­li­che Ent­schei­dung, bedarf es in der Regel einer ins Ein­zel­ne gehen­den argu­men­ta­ti­ven Aus­ein­an­der­set­zung mit der ange­grif­fe­nen Ent­schei­dung und deren kon­kre­ter Begrün­dung 14. Dabei ist auch dar­zu­le­gen, inwie­weit das bezeich­ne­te Grund­recht oder grund­rechts­glei­che Recht durch die ange­grif­fe­ne Ent­schei­dung ver­letzt sein soll 15.

Zweck der Begrün­dungs­an­for­de­run­gen in § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG ist es, dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Mög­lich­keit zu eröff­nen, den Hoheits­akt ohne wei­te­re Ermitt­lun­gen einer ver­fas­sungs­recht­li­chen Über­prü­fung zu unter­zie­hen. Dem Gericht soll eine zuver­läs­si­ge Grund­la­ge für die wei­te­re Behand­lung des Begeh­rens ver­schafft wer­den 16.

Hier­an gemes­sen haben die Beschwer­de­füh­rer die Mög­lich­keit einer Grund­rechts­ver­let­zung durch die ange­grif­fe­nen fach­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­legt. Das gilt im Hin­blick auf die Rüge einer Ver­let­zung der Beschwer­de­füh­rer in ihren Rech­ten aus Art.19 Abs. 4 GG unter Berück­sich­ti­gung des Prü­fungs­maß­stabs sowohl in Bezug auf die Aus­le­gung und Anwen­dung von Art. 27 Abs. 7 der Sat­zung durch die Fach­ge­rich­te als auch in Bezug auf das mit­tel­bar ange­grif­fe­ne Gesetz zu der Ver­ein­ba­rung vom 21.06.1994 über die Sat­zung der Euro­päi­schen Schu­len vom 31.10.1996. Für eine Ver­let­zung von Art. 103 Abs. 1 GG durch die Ver­sa­gung von Rechts­schutz vor den natio­na­len Gerich­ten feh­len jeg­li­che Anhalts­punk­te. Auch eine Ver­let­zung von Art. 103 Abs. 1 GG durch die Nicht­be­rück­sich­ti­gung von Sach­vor­trag durch das Ober­lan­des­ge­richt ist nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­legt.

Prü­fungs­maß­stab bei Inte­gra­ti­ons­ge­set­zen[↑]

Inte­gra­ti­ons­ge­set­ze, mit denen nach Art. 24 Abs. 1 GG Hoheits­rech­te auf zwi­schen­staat­li­che Ein­rich­tun­gen über­tra­gen wer­den, müs­sen sicher­stel­len, dass auch die zwi­schen­staat­li­che Ein­rich­tung einen Grund­rechts­schutz gewähr­leis­tet, der den vom Grund­ge­setz gefor­der­ten Min­dest­stan­dard umfasst, ins­be­son­de­re den Wesens­ge­halt der Grund­rech­te garan­tiert. Die­ser Min­dest­stan­dard muss bei Grün­dung einer zwi­schen­staat­li­chen Ein­rich­tung und dar­über hin­aus auch für die Dau­er ihres Bestehens sicher­ge­stellt wer­den. Mit Blick auf Art.19 Abs. 4 GG erfor­dert dies die Sicher­stel­lung eines wir­kungs­vol­len Rechts­schut­zes der Betrof­fe­nen in Deutsch­land gegen­über Maß­nah­men der zwi­schen­staat­li­chen Ein­rich­tung. Einer Reser­vezu­stän­dig­keit deut­scher (Fach-)Gerichte bedarf es dage­gen nicht.

Das Grund­ge­setz kon­zi­piert die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land als einen offe­nen Ver­fas­sungs­staat. Sie soll an der euro­päi­schen Inte­gra­ti­on mit­wir­ken, sich kol­lek­ti­ven Sicher­heits­sys­te­men anschlie­ßen, die all­ge­mei­nen Regeln des Völ­ker­rechts ach­ten sowie eine auf die Bewah­rung und Wie­der­her­stel­lung des Frie­dens gerich­te­te Poli­tik betrei­ben (vgl. Prä­am­bel und Art. 23 bis 26, Art. 88 Satz 2, Art. 109 Abs. 2 GG) 17.

Soweit Hoheits­rech­te auf zwi­schen­staat­li­che Ein­rich­tun­gen über­tra­gen wer­den, öff­net Art. 24 Abs. 1 GG die natio­na­le Rechts­ord­nung der­art, dass der aus­schließ­li­che Herr­schafts­an­spruch der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land im Gel­tungs­be­reich des Grund­ge­set­zes zurück­ge­nom­men und der unmit­tel­ba­ren Gel­tung und Anwend­bar­keit eines Rechts aus ande­rer Quel­le inner­halb des staat­li­chen Herr­schafts­be­reichs Raum gelas­sen wer­den kann 18, ohne dass es eines Umset­zungs- oder Voll­zugs­ak­tes deut­scher Stel­len bedarf. Sei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Recht­fer­ti­gung fin­det dies in der Inte­gra­ti­ons­er­mäch­ti­gung des Art. 24 Abs. 1 und Abs. 1a GG, sei­ne Grund­la­ge in dem jewei­li­gen Inte­gra­ti­ons- und Zustim­mungs­ge­setz zu den in Rede ste­hen­den Ver­trä­gen. Letz­te­res ent­hält auch den inner­staat­li­chen Rechts­an­wen­dungs­be­fehl für das von den Orga­nen der zwi­schen­staat­li­chen Ein­rich­tung gesetz­te Recht und für die von ihnen erlas­se­nen Maß­nah­men 19.

Inte­gra­ti­ons­ge­set­ze sind als Akte deut­scher Staats­ge­walt an die im Grund­ge­setz ver­bürg­ten Grund­rech­te gebun­den, deren Wesens­ge­halt (Art.19 Abs. 2 GG) sie auch in Anse­hung der supra­na­tio­na­len Hoheits­ge­walt gene­rell sicher­zu­stel­len haben. An die­ser – mit den Solan­ge I und II, Beschlüs­sen begrün­de­ten Recht­spre­chungs­li­nie 20 – hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auch nach Ein­fü­gung des Art. 23 GG in das Grund­ge­setz 21 fest­ge­hal­ten und die gene­rel­le Gewähr­leis­tung des Wesens­ge­halts der Grund­rech­te als den vom Grund­ge­setz gefor­der­ten Min­dest­stan­dard an Grund­rechts­schutz bei Ver­ab­schie­dung und Voll­zug eines Inte­gra­ti­ons­pro­gramms beschrie­ben 22.

Öff­net der Staat sei­ne Rechts­ord­nung und räumt er den Orga­nen einer zwi­schen­staat­li­chen Ein­rich­tung Hoheits­rech­te ein, die (Grund-)Rechte beschrän­ken oder sol­che Beschrän­kun­gen ermög­li­chen kön­nen, so trifft ihn die Pflicht, die Gewähr­leis­tung des vom Grund­ge­setz gefor­der­ten Mini­mums an Grund­rechts­schutz sicher­zu­stel­len. Inso­weit darf der Inte­gra­ti­ons­ge­setz­ge­ber Hoheits­rech­te auf eine zwi­schen­staat­li­che Ein­rich­tung nur über­tra­gen, wenn die­se rechts­staat­li­che, einen adäqua­ten Grund­rechts­schutz ver­bür­gen­de Garan­ti­en auf­weist. Dar­über hin­aus sind alle Ver­fas­sungs­or­ga­ne im Rah­men ihrer Kom­pe­ten­zen ver­pflich­tet, dar­auf hin­zu­wir­ken, dass die vom Grund­ge­setz gefor­der­ten Min­dest­stan­dards nicht unter­schrit­ten wer­den 23.

Die im Grund­ge­setz ver­brief­ten Grund­rech­te erfor­dern dar­über hin­aus nicht nur bei der Über­tra­gung von Hoheits­rech­ten Beach­tung, son­dern auch beim Voll­zug des Inte­gra­ti­ons­pro­gramms 24. Sie kön­nen auch dazu füh­ren, dass ein zunächst ver­fas­sungs­mä­ßi­ges Inte­gra­ti­ons­ge­setz nach­träg­lich ver­fas­sungs­wid­rig wird, wenn eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Anwen­dungs­pra­xis auf das Inte­gra­ti­ons­ge­setz selbst zurück­zu­füh­ren ist und dar­in ein struk­tur­be­ding­tes nor­ma­ti­ves Rege­lungs­de­fi­zit zum Aus­druck kommt 25.

Zum im Rah­men zwi­schen­staat­li­cher Ein­rich­tun­gen zu sichern­den Min­dest­maß an Grund­rechts­schutz gehört die Garan­tie eines wir­kungs­vol­len Rechts­schut­zes. Sie sichert das grund­le­gen­de Recht, sich gegen Maß­nah­men der öffent­li­chen Gewalt vor einem Gericht zur Wehr set­zen zu kön­nen.

Abs. 4 GG gewähr­leis­tet nicht nur ein Indi­vi­du­al­grund­recht; er ent­hält auch eine objek­ti­ve Wert­ent­schei­dung 26. Sie ver­pflich­tet den Gesetz­ge­ber, einen wir­kungs­vol­lenRechts­schutz auch unab­hän­gig von indi­vi­du­el­len Berech­ti­gun­gen sicher­zu­stel­len 27. Das Gebot des effek­ti­ven Rechts­schut­zes ver­langt nicht nur, dass jeder poten­ti­ell rechts­ver­let­zen­de Akt der Exe­ku­ti­ve in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht der rich­ter­li­chen Prü­fung unter­stellt ist; viel­mehr müs­sen die Gerich­te den betrof­fe­nen Rech­ten auch tat­säch­li­che Wirk­sam­keit ver­schaf­fen 28. Der Zugang zu einer gericht­li­chen Ent­schei­dung in der Sache darf daher – vor­be­halt­lich ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­rer Schran­ken – in kei­nem Fall aus­ge­schlos­sen, fak­tisch unmög­lich gemacht oder in unzu­mut­ba­rer, durch Sach­grün­de nicht mehr zu recht­fer­ti­gen­der Wei­se erschwert wer­den 29. Auf die Gewähr­leis­tung eines der­ma­ßen wir­kungs­vol­len Rechts­schut­zes hat der Ein­zel­ne einen ver­fas­sungs­kräf­ti­gen Anspruch 30.

Wir­kungs­vol­ler Rechts­schutz erfor­dert eine Kon­trol­le hoheit­li­chen Han­delns durch sach­lich und per­sön­lich unab­hän­gi­ge und unpar­tei­ische Rich­ter sowie den Zugang zu einem Gericht oder einer gerichts­ähn­li­chen Instanz, die jeden­falls eine repres­si­ve, lücken­lo­se sowie recht­zei­ti­ge Über­prü­fung staat­li­chen oder staat­lich zu ver­ant­wor­ten­den Han­delns ermög­licht. Eine lücken­lo­se gericht­li­che Kon­trol­le von Rechts­ver­let­zun­gen durch die öffent­li­che Hand 31 setzt vor­aus, dass allen rechts­ver­kür­zen­den Aus­wir­kun­gen­staat­li­chen oder staat­lich zu ver­ant­wor­ten­den Han­delns auch tat­säch­lich begeg­net wer­den kann. Aller­dings lässt sich der Garan­tie wir­kungs­vol­len Rechts­schut­zes weder ein Anspruch auf die best­mög­li­che noch auf eine durch­gän­gig prin­zi­pa­le gericht­li­che Kon­trol­le ent­neh­men. Ihr ist viel­mehr bereits dann Rech­nung getra­gen, wenn die nor­ma­ti­ve Aus­ge­stal­tung eine umfas­sen­de Nach­prü­fung des Ver­fah­rens­ge­gen­stan­des in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht und eine dem Rechts­schutz­be­geh­ren ange­mes­se­ne Ent­schei­dungs­art und Ent­schei­dungs­wir­kung gewähr­leis­tet 32.

Ermäch­tigt der Gesetz­ge­ber zwi­schen­staat­li­che Ein­rich­tun­gen oder inter­na­tio­na­le Orga­ni­sa­tio­nen dazu, öffent­li­che Gewalt unmit­tel­bar gegen­über den Betrof­fe­nen in Deutsch­land aus­zu­üben, muss er einen wir­kungs­vol­len Rechts­schutz sicher­stel­len, der die­sen Kri­te­ri­en Rech­nung trägt 33.

Gebo­ten ist inso­weit ein Indi­vi­du­al­rechts­schutz durch unab­hän­gi­ge Stel­len, die mit hin­läng­li­cher Gerichts­bar­keit, ins­be­son­de­re mit einer dem Rechts­schutz­be­geh­ren ange­mes­se­nen Prü­fungs- und Ent­schei­dungs­macht über tat­säch­li­che und recht­li­che Fra­gen, aus­ge­stat­tet sind, auf Grund eines Ver­fah­rens ent­schei­den, das recht­li­ches Gehör, dem Streit­ge­gen­stand ange­mes­se­ne Angriffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel und einen frei gewähl­ten, kun­di­gen Bei­stand ermög­licht und deren Ent­schei­dun­gen die Ver­let­zung eines Grund­rechts sach­ge­recht und wirk­sam sank­tio­nie­ren 34. Des Wei­te­ren müs­sen supra­na­tio­na­le Rechts­schutz­ein­rich­tun­gen ihre Gerichts­bar­keit auch tat­säch­lich aus­üben.

Die­ser Maß­stab deckt sich mit den – bei der Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes gemäß Art. 1 Abs. 2 GG zu berück­sich­ti­gen­den – Anfor­de­run­gen aus Art. 6 Abs. 1 EMRK und der Recht­spre­chung des EGMR 35, an die ein Kon­ven­ti­ons­staat auch gebun­den bleibt, wenn er Hoheits­rech­te auf zwi­schen­staat­li­che Ein­rich­tun­gen über­trägt 36. Auch inso­weit muss er einen Grund­rechts­schutz sicher­stel­len, der dem von der Kon­ven­ti­on gewähr­ten Schutz gleich­wer­tig ist.

Abs. 1 Satz 1 EMRK garan­tiert den Zugang zu einem unab­hän­gi­gen, auf Gesetz beru­hen­den Gericht, wobei die Kon­ven­ti­ons­staa­ten einen gewis­sen Beur­tei­lungs­spiel­raum genie­ßen. Sie dür­fen das Recht des Ein­zel­nen auf Zugang zu Gericht jedoch nicht in einer Wei­se und in einem Aus­maß ein­schrän­ken oder ver­kür­zen, dass das Recht in sei­nem Wesens­ge­halt ange­tas­tet wird. Eine Beschrän­kung ist auch dann nicht mit Art. 6 Abs. 1 EMRK ver­ein­bar, wenn sie kein berech­tig­tes Ziel ver­folgt oder kein ange­mes­se­nes Ver­hält­nis zwi­schen den ange­wand­ten Mit­teln und dem ver­folg­ten Ziel besteht 37.

Da der EGMR die Aus­wei­tung und Ver­tie­fung inter­na­tio­na­ler Bezie­hun­gen und damit auch die Funk­ti­ons­fä­hig­keit inter­na­tio­na­ler Orga­ni­sa­tio­nen als ein berech­tig­tes Ziel ansieht, das die Ein­schrän­kung des Rechts auf Zugang zu Gericht recht­fer­ti­gen kann, ist es unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen mög­lich, zwi­schen­staat­li­chen Ein­rich­tun­gen und inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen Immu­ni­tät vor staat­li­chen Gerich­ten ein­zu­räu­men, wenn gleich­zei­tig Rechts­schutz auf der zwi­schen­staat­li­chen Ebe­ne zur Ver­fü­gung steht 38.

Mit der Ermäch­ti­gung zur Über­tra­gung von Hoheits­rech­ten nach Art. 24 Abs. 1 und Abs. 1a GG geht nicht nur die Mög­lich­keit ein­her, die Recht­spre­chungs­auf­ga­be auf die supra­na­tio­na­le Ein­rich­tung zu über­tra­gen, son­dern auch die Befug­nis, den Zugang zu deut­schen Gerich­ten inso­weit aus­zu­schlie­ßen. Aus­le­gung und Anwen­dung des supra­na­tio­na­len Rechts – ein­schließ­lich der Bestim­mung der dabei anzu­wen­den­den Metho­de – oblie­gen im Rah­men des ver­fas­sungs­recht­lich Zuläs­si­gen dann allein den völ­ker­recht­lich ermäch­tig­ten Rechts­schutz­in­stan­zen.

Der Rechts­weg, den Art.19 Abs. 4 Satz 1 GG den Recht­su­chen­den gewähr­leis­tet, bedarf der gesetz­li­chen Aus­ge­stal­tung. Rechts­schutz ist eine staat­li­che Leis­tung, deren Vor­aus­set­zun­gen erst geschaf­fen, deren Art näher bestimmt und deren Umfang im Ein­zel­nen fest­ge­legt wer­den müs­sen 39. Ein­fach-gesetz­lich eröff­ne­te Rechts­schutz­mög­lich­kei­ten nimmt Art.19 Abs. 4 GG in sei­nen effek­ti­ven Schutz­be­reich auf und sichert sie grund­recht­lich ab 40. Ähn­lich wie Art. 33 Abs. 5 GG 41 gewähr­leis­tet er inso­weit einen rela­ti­ven Norm­be­stands­schutz.

Hat der Inte­gra­ti­ons­ge­setz­ge­ber die Recht­spre­chungs­auf­ga­be auf ein zwi­schen­staat­li­ches Gericht über­tra­gen, kön­nen Maß­nah­men der supra­na­tio­na­len Ein­rich­tung grund­sätz­lich nicht vor deut­schen Gerich­ten ange­grif­fen wer­den. Als ein auf Aus­ge­stal­tung durch den Gesetz­ge­ber ange­wie­se­nes Teil­ha­be­recht gewährt Art.19 Abs. 4 GG Rechts­schutz grund­sätz­lich nur nach Maß­ga­be der gesetz­li­chen Vor­ga­ben und nur gegen Akte der deut­schen öffent­li­chen Gewalt. Weder aus Art. 24 Abs. 1 GG noch aus Art.19 Abs. 4 GG folgt inso­weit ein ver­fas­sungs­un­mit­tel­ba­rer Anspruch auf Zugang zu deut­schen Gerich­ten.

Etwas ande­res gilt dann, wenn dem Ein­zel­nen in den völ­ker­recht­li­chen Ver­trä­gen zur Grün­dung einer zwi­schen­staat­li­chen Ein­rich­tung oder im Inte­gra­ti­ons­ge­setz der Zugang zu den natio­na­len Gerich­ten eröff­net wird. Die übli­che Immu­ni­tät zwi­schen­staat­li­cher Ein­rich­tun­gen und inter­na­tio­na­ler Orga­ni­sa­tio­nen kann im Sta­tut ein­ge­schränkt oder es kann ganz auf sie ver­zich­tet wer­den 42.

Anwen­dung im kon­kre­ten Fall[↑]

Im Hin­blick auf die­sen Maß­stab genügt der Beschwer­de­vor­trag den Begrün­dungs­an­for­de­run­gen der § 23, § 92 BVerfGG nicht, soweit die Beschwer­de­füh­rer eine Ver­let­zung von Art.19 Abs. 4 GG durch die fach­ge­richt­li­che Aus­le­gung von Art. 27 Abs. 7 der Sat­zung gel­tend machen.

Die Beschwer­de­füh­rer füh­ren selbst aus, Art.19 Abs. 4 GG begrün­de kei­ne inter­na­tio­na­le Auf­fang­zu­stän­dig­keit deut­scher Gerich­te für den Fall, dass der Rechts­schutz gegen Hand­lun­gen zwi­schen­staat­li­cher Ein­rich­tun­gen unzu­läng­lich sei. Sie ver­tre­ten aller­dings die Auf­fas­sung, eine Ver­let­zung der Beschwer­de­füh­rer in ihrem Recht auf umfas­sen­den und effek­ti­ven Rechts­schutz hät­te ver­mie­den wer­den kön­nen, wenn das Ober­lan­des­ge­richt und der Bun­des­ge­richts­hof – eben­so wie das Land­ge­richt – Art. 27 Abs. 7 der Sat­zung als Auf­fang­tat­be­stand für alle Rechts­strei­tig­kei­ten gewer­tet hät­ten, in denen die Beschwer­de­kam­mer an einer Sach­ent­schei­dung gehin­dert ist. Die Beschwer­de­kam­mer habe (mit dem Bericht ihres Prä­si­den­ten vom 08.11.2004) zu Recht eine Ent­schei­dung über die Beschwer­de der Beschwer­de­füh­rer abge­lehnt, weil die von Art. 27 Abs. 2 Satz 3 der Sat­zung gefor­der­ten Vor­aus­set­zun­gen für ein Ver­fah­ren durch Rege­lung in der all­ge­mei­nen Schul­ord­nung bezüg­lich der kon­kre­ten Hand­lung des Obers­ten Rates nicht geschaf­fen wor­den sei­en.

Inso­weit fehlt jede argu­men­ta­ti­ve Aus­ein­an­der­set­zung mit der Begrün­dung der ange­grif­fe­nen Urtei­le, die eine Eröff­nung der deut­schen Gerichts­bar­keit durch Art. 27 Abs. 7 der Sat­zung im vor­lie­gen­den Fall nicht für gege­ben hal­ten.

Dar­über hin­aus fehlt jede Aus­ein­an­der­set­zung damit, dass Art. 27 Abs. 2 Satz 1 der Sat­zung eine aus­schließ­li­che erst- und letzt­in­stanz­li­che Zustän­dig­keit der Beschwer­de­kam­mer für Strei­tig­kei­ten vor­sieht, die sich auf die Recht­mä­ßig­keit einer vom Obers­ten Rat in Aus­übung sei­ner Befug­nis­se getrof­fe­nen Ent­schei­dung bezie­hen und die betrof­fe­nen Per­so­nen beschwe­ren. Die­se Bestim­mung erfasst jeden­falls dem Wort­laut nach auch Strei­tig­kei­ten über die Erhö­hung des Schul­gel­des.

Es spricht eini­ges dafür, dass es sich bei der Erhö­hung des Schul­gel­des um eine "beschwe­ren­de Ent­schei­dung" im Sin­ne von Art. 27 Abs. 2 Satz 1 der Sat­zung han­delt 43. Art. 25 Nr. 4 der Sat­zung regelt, dass den Eltern der Schü­ler das Schul­geld "auf­er­legt" wird. Auch sind die­se nach Art. 29 Satz 1 der Schul­ord­nung ver­pflich­tet, die vom Obers­ten Rat fest­ge­leg­ten Beträ­ge inner­halb einer vor­ge­se­he­nen Frist zu zah­len. Für die­se Aus­le­gung spricht fer­ner, dass die Beschwer­de­kam­mer nach Art. 27 Abs. 2 Satz 2 der Sat­zung in finan­zi­el­len Strei­tig­kei­ten eine Befug­nis zu unbe­schränk­ter Ermes­sens­nach­prü­fung besitzt und dass die­se Rege­lung auf Strei­tig­kei­ten, die die gemäß Art. 25 Nr. 4 der Sat­zung beschlos­se­ne Höhe des Schul­gel­des betref­fen, ohne wei­te­res anzu­wen­den ist. Dar­über hin­aus soll aus­weis­lich der Prä­am­bel der Sat­zung ein ange­mes­se­ner Rechts­schutz des Lehr­per­so­nals und der sons­ti­gen unter die Sat­zung fal­len­den Per­so­nen gegen­über Ent­schei­dun­gen des Obers­ten Rates oder der Ver­wal­tungs­rä­te gewähr­leis­tet und zu die­sem Zweck eine Beschwer­de­kam­mer mit genau fest­ge­leg­ten Befug­nis­sen ein­ge­rich­tet wer­den. Vor die­sem Hin­ter­grund hat etwa der EuGH ange­nom­men, dass die Beschwer­de­kam­mer gera­de dem Zweck dient, gegen­über Ent­schei­dun­gen des Obers­ten Rates einen ange­mes­se­nen Rechts­schutz zu gewähr­leis­ten 44.

Einer ver­trag­li­chen Zustän­dig­keits­zu­wei­sung an die Beschwer­de­kam­mer steht Art. 6 Abs. 1 der Sat­zung nicht ent­ge­gen. Nach die­ser Bestim­mung kann jede Schu­le vor Gericht kla­gen und ver­klagt wer­den. Die Rege­lung steht jedoch im Kon­text von Art. 27 Abs. 7 der Sat­zung. Danach kön­nen die Schu­len in "ande­ren Strei­tig­kei­ten" Par­tei sein und unter­lie­gen inso­weit der Zustän­dig­keit der natio­na­len Gerich­te. Aus­weis­lich des Rege­lungs­zu­sam­men­hangs von Art. 27 Abs. 2 und Abs. 7 der Sat­zung sind damit jedoch nur sol­che Strei­tig­kei­ten gemeint, für die kei­ne Zustän­dig­keit der Beschwer­de­kam­mer besteht. "Gericht" im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 der Sat­zung meint inso­weit nicht die "Beschwer­de­kam­mer", son­dern jedes mit­glied­staat­li­che Gericht.

Dass die Vor­aus­set­zun­gen für ein Ver­fah­ren der Beschwer­de­kam­mer zur Über­prü­fung von Beschlüs­sen des Obers­ten Rates gemäß Art. 25 Nr. 4 der Sat­zung betref­fend das den Eltern auf­zu­er­le­gen­de Schul­geld und die ent­spre­chen­den Durch­füh­rungs­be­stim­mun­gen bis­lang weder in der All­ge­mei­nen Schul­ord­nung noch im Sta­tut der Beschwer­de­kam­mer oder in ihrer Ver­fah­rens­ord­nung näher gere­gelt sind, zwingt ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Beschwer­de­füh­rer nach dem Wort­laut von Art. 27 Abs. 2 Satz 3 der Sat­zung unter Berück­sich­ti­gung des sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hangs mit Art. 27 Abs. 2 Satz 1 und Satz 2 der Sat­zung jeden­falls nicht zu der Annah­me, es sei schon kei­ne Zustän­dig­keit der Beschwer­de­kam­mer gege­ben.

Aus­ge­hend von der Rechts­an­sicht der Beschwer­de­füh­rer, dass die Beschwer­de­kam­mer nicht zur Über­prü­fung von Schul­geld­fest­set­zun­gen des Obers­ten Rates befugt ist, hät­te es fer­ner nähe­rer Dar­le­gung bedurft, war­um nach Art. 27 Abs. 7 der Sat­zung nicht nur die natio­na­le Gerichts­bar­keit eröff­net ist, son­dern gera­de eine Zustän­dig­keit der natio­na­len Gerich­te in Zivil­sa­chen begrün­det sein soll. Wel­che Rechts­na­tur die von ihnen mit der Euro­päi­schen Schu­le Frank­furt am Main geschlos­se­nen Ver­trä­ge haben, erör­tern die Beschwer­de­füh­rer nicht. Eben­so wenig set­zen sie sich mit der Fra­ge aus­ein­an­der, ob es sich bei der Schul­geld­fest­set­zung durch den Obers­ten Rat um die Aus­übung eines durch einen zivil­recht­li­chen Ver­trag ein­ge­räum­ten ein­sei­ti­gen Leis­tungs­be­stim­mungs­rechts oder um die Aus­übung öffent­li­cher Gewalt han­delt. Dass die Beschwer­de­füh­rer gegen­über der Fest­set­zung des Schul­gel­des Rechts­schutz nach Art.19 Abs. 4 GG bean­spru­chen, spricht dafür, dass sie von letz­te­rem aus­ge­hen. War­um sie trotz­dem den Rechts­weg zu den Zivil­ge­rich­ten für gege­ben erach­ten, hät­te vor die­sem Hin­ter­grund wei­te­rer Begrün­dung bedurft. Eine inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit der deut­schen Ver­wal­tungs­ge­rich­te, an die der Rechts­streit hät­te ver­wie­sen wer­den kön­nen (vgl. § 17a GVG), ist eben­falls nicht zwei­fels­frei 45.

Die Beschwer­de­füh­rer haben schließ­lich für die ver­fas­sungs­recht­li­che Beur­tei­lung unver­zicht­ba­re Unter­la­gen weder inner­halb der Frist des § 93 Abs. 1 BVerfGG vor­ge­legt noch ihrem wesent­li­chen Inhalt nach wie­der­ge­ge­ben 46. Dies betrifft ins­be­son­de­re die mit der Euro­päi­schen Schu­le Frank­furt am Main geschlos­se­nen Schul­ver­trä­ge sowie den begrün­de­ten Bericht des Prä­si­den­ten der Beschwer­de­kam­mer vom 08.11.2004.

Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des Zustim­mungs­ge­set­zes[↑]

Auch im Hin­blick auf die Rüge einer Ver­let­zung der Beschwer­de­füh­rer in ihren Rech­ten aus Art.19 Abs. 4 GG durch Ver­ken­nung der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des Zustim­mungs­ge­set­zes durch die Fach­ge­rich­te genügt der Vor­trag der Beschwer­de­füh­rer zur Mög­lich­keit einer Grund­rechts­ver­let­zung nicht den Begrün­dungs­an­for­de­run­gen der § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG. Die Beschwer­de­füh­rer haben weder die Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit des Zustim­mungs­ge­set­zes noch des­sen Ver­fas­sungs­wid­rig­keit hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­legt.

Die Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit des Zustim­mungs­ge­set­zes für den vor­lie­gen­den Rechts­streit über die Erhö­hung des Schul­gel­des wird von den Beschwer­de­füh­rern nicht erör­tert, obwohl sie den Fach­ge­rich­ten einen Ver­stoß gegen die Vor­la­ge­pflicht nach Art. 100 Abs. 1 GG vor­wer­fen. Wel­che Rechts­fol­gen die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit in mate­ri­el­ler Hin­sicht für Art und Umfang eines Schul­geld­an­spruchs inner­halb des bestehen­den Ver­trags­ver­hält­nis­ses zwi­schen den Beschwer­de­füh­rern und der beklag­ten Schu­le hät­te, füh­ren sie eben­so wenig aus wie sie die Aus­wir­kun­gen einer mög­li­chen Nich­tig­keit des Zustim­mungs­ge­set­zes auf die gericht­li­che Kon­trol­le eines sol­chen Anspruchs begrün­den.

Im Hin­blick auf die gel­tend gemach­te Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des Zustim­mungs­ge­set­zes haben die Beschwer­de­füh­rer nicht dar­ge­tan, dass der durch die Beschwer­de­kam­mer zu gewäh­ren­de ver­trag­lich vor­ge­se­he­ne Rechts­schutz den sich aus Art.19 Abs. 4 in Ver­bin­dung mit Art. 24 Abs. 1 GG erge­ben­den Anfor­de­run­gen an einen wir­kungs­vol­len Rechts­schutz nicht genügt oder die Beschwer­de­kam­mer die­sen in ihrer Spruch­pra­xis tat­säch­lich nicht gewährt. Aus dem Beschwer­de­vor­trag folgt zum einen nicht, dass das Zustim­mungs­ge­setz im Hin­blick auf den in der Sat­zung vor­ge­se­he­nen Rechts­schutz durch die Beschwer­de­kam­mer der Euro­päi­schen Schu­len wegen eines struk­tu­rell beding­ten Rege­lungs­de­fi­zits von Anfang an ver­fas­sungs­wid­rig war. Zum ande­ren lässt sich dem Vor­trag nicht ent­neh­men, dass das Gesetz auf­grund eines struk­tu­rel­len Voll­zugs­de­fi­zits im Nach­hin­ein ver­fas­sungs­wid­rig gewor­den ist und es sich bei dem begrün­de­ten Bericht des Prä­si­den­ten der Beschwer­de­kam­mer vom 08.11.2004, mit dem die­ser die Beschwer­de­kam­mer für die Über­prü­fung der Schul­geld­erhö­hun­gen für unzu­stän­dig erklärt hat, nicht nur um eine Fehl­ent­schei­dung im Ein­zel­fall han­delt.

Die Beschwer­de­füh­rer set­zen sich nicht damit aus­ein­an­der, ob die Sat­zung der Euro­päi­schen Schu­len eine Aus­le­gung ermög­licht, die hin­sicht­lich der Ein­rich­tung der Beschwer­de­kam­mer sowie des Ablaufs und der Gestal­tung der bei ihr geführ­ten Ver­fah­ren den oben dar­ge­leg­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Min­dest­an­for­de­run­gen genügt. Sie legen ins­be­son­de­re kei­ne Anhalts­punk­te dafür dar, dass die Beschwer­de­kam­mer nicht alle Merk­ma­le eines Gerichts erfüllt und nicht in der Lage ist, wir­kungs­vol­len Rechts­schutz zu gewäh­ren.

Eine Aus­le­gung von Art. 27 der Sat­zung im Lich­te von Art.19 Abs. 4 GG und Art. 6 EMRK erscheint mög­lich. Als mate­ri­el­le Gewähr­leis­tung ist die Garan­tie effek­ti­ven Rechts­schut­zes auch Bestand­teil des Rechts der Euro­päi­schen Schu­len, weil sämt­li­che betei­lig­te Staa­ten auch Ver­trags­staa­ten der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (EMRK) sind und für die an die­ser zwi­schen­staat­li­chen Ein­rich­tung betei­lig­te Euro­päi­sche Uni­on die dort nie­der­ge­leg­ten Garan­ti­en als all­ge­mei­ne Grund­sät­ze eben­falls gel­ten (Art. 6 Abs. 3 EUV) und die­se nach Art. 6 Abs. 2 EUV zu einem Bei­tritt ange­hal­ten ist. Dar­über hin­aus ken­nen prak­tisch alle Ver­fas­sungs­ord­nun­gen der Mit­glied­staa­ten eine Art.19 Abs. 4 GG zumin­dest ähn­li­che Gewähr­leis­tung effek­ti­ven Rechts­schut­zes.

Die­ser Befund wird durch den Aus­sa­ge­ge­halt von Art. 27 Abs. 3 Satz 1 und Satz 2 der Sat­zung erhär­tet, der die Unab­hän­gig­keit der Beschwer­de­kam­mer gewähr­leis­tet und bestimmt, dass ihr nur Per­so­nen ange­hö­ren kön­nen, die jede Gewähr für Unab­hän­gig­keit bie­ten und als fähi­ge Juris­ten gel­ten. Zu Mit­glie­dern kön­nen zudem nur Per­so­nen ernannt wer­den, die in einer vom Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on erstell­ten Lis­te auf­ge­führt sind.

Abs. 2 der Sat­zung ermög­licht eine umfas­sen­de Nach­prü­fung von "beschwe­ren­den Ent­schei­dun­gen" durch den Obers­ten Rat oder den Ver­wal­tungs­rat einer Schu­le und somit lücken­lo­sen Rechts­schutz. Wie gezeigt, ist der Beschwer­de­kam­mer dabei sogar eine Befug­nis zu unbe­schränk­ter Ermes­sens­nach­prü­fung bei finan­zi­el­len Strei­tig­kei­ten ein­ge­räumt (Art. 27 Abs. 2 Satz 2 der Sat­zung). Aus Art. 27 Abs. 2 Satz 1 in Ver­bin­dung mit der Prä­am­bel der Sat­zung ergibt sich eine All­zu­stän­dig­keit der Beschwer­de­kam­mer für Maß­nah­men, die die Rechts­stel­lung von Betrof­fe­nen unmit­tel­bar und indi­vi­du­ell berüh­ren. Anhalts­punk­te dafür, dass die sat­zungs­mä­ßi­ge Ein­rich­tung der Beschwer­de­kam­mer den Anfor­de­run­gen an einen wir­kungs­vol­len, effek­ti­ven und lücken­lo­sen Rechts­schutz auf supra­na­tio­na­ler Ebe­ne nicht genüg­te, haben die Beschwer­de­füh­rer nicht vor­ge­tra­gen.

Dem Beschwer­de­vor­trag lässt sich auch nicht ent­neh­men, dass das Zustim­mungs­ge­setz zur Ver­ein­ba­rung über die Sat­zung im Lau­fe der Zeit ver­fas­sungs­wid­rig gewor­den wäre, weil der Obers­te Rat kei­nen wir­kungs­vol­len Rechts­schutz sicher­ge­stellt und sich inso­weit ein struk­tu­rel­les Voll­zugs­de­fi­zit erge­ben hät­te. Die Beschwer­de­füh­rer haben ins­be­son­de­re nicht dar­ge­legt, dass es sich bei dem begrün­de­ten Bericht des Prä­si­den­ten der Beschwer­de­kam­mer vom 08.11.2004, mit dem er die­se für die Über­prü­fung der Schul­geld­erhö­hun­gen für unzu­stän­dig erklärt hat, nicht nur um eine Fehl­ent­schei­dung im Ein­zel­fall han­delt. Zur Sub­stan­ti­ie­rung des Vor­trags wäre ins­be­son­de­re eine Aus­wer­tung der Recht­spre­chung der Beschwer­de­kam­mer erfor­der­lich gewe­sen, die hät­te bele­gen müs­sen, dass die Ver­wei­ge­rung von Rechts­schutz im Fall der Beschwer­de­füh­rer auf einem struk­tu­rel­len Voll­zugs­de­fi­zit beruht und über den Ein­zel­fall hin­aus­geht. Allein die Annah­me, dass es der Obers­te Rat durch Gestal­tung der Schul- oder Ver­fah­rens­ord­nung selbst in der Hand habe, die Über­prü­fung sei­ner Ent­schei­dun­gen durch die Beschwer­de­kam­mer zu ermög­li­chen oder nicht zuzu­las­sen, genügt den Begrün­dungs­an­for­de­run­gen der § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG nicht. Die­se sol­len viel­mehr ver­hin­dern, dass dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt abver­langt wird, zur Über­prü­fung der Fra­ge, ob die Beschwer­de­kam­mer (mitt­ler­wei­le) einen effek­ti­ven Rechts­schutz gewährt, die unter http://www.schola-europaea.eu/bdcree/verfügbare umfang­rei­che Ent­schei­dungs­samm­lung der Beschwer­de­kam­mer und deren wei­te­re Judi­ka­tur ohne vor­he­ri­ge Auf­be­rei­tung durch die Beschwer­de­füh­rer selbst auf rele­van­tes Mate­ri­al hin zu sich­ten und im Detail aus­zu­wer­ten.

Ob – wie die Euro­päi­sche Schu­le Frank­furt am Main vor­ge­tra­gen hat – eine Ände­rung der Spruch­pra­xis der Beschwer­de­kam­mer im Hin­blick auf die Jus­ti­zia­bi­li­tät von Beschlüs­sen des Obers­ten Rates statt­ge­fun­den hat, muss hier nicht ent­schie­den wer­den. Jeden­falls ergibt sich aus der von der Euro­päi­schen Schu­le Frank­furt am Main in ihrem Vor­trag in Bezug genom­me­nen Ent­schei­dung der Beschwer­de­kam­mer vom 31.07.2014 47, dass die Beschwer­de­kam­mer nun­mehr die Recht­mä­ßig­keit von Beschlüs­sen des Obers­ten Rates, mit denen die Schul­gel­der für Schü­ler der Kate­go­rie III erhöht wer­den, grund­sätz­lich über­prüft 48. Dies wird durch den Beschluss der Beschwer­de­kam­mer vom 10.03.2016 49 bestä­tigt, der eben­falls die Über­prü­fung einer Schul­geld­erhö­hung betraf.

Wor­in die von den Beschwer­de­füh­rern gerüg­te Ver­let­zung von Art. 103 Abs. 1 GG durch die Ver­nei­nung der natio­na­len Gerichts­bar­keit lie­gen soll, lässt sich der Ver­fas­sungs­be­schwer­de eben­falls nicht ent­neh­men. Eine Ver­let­zung von Art. 101 Abs. 1 Satz 1 GG, die mit einer Nicht­vor­la­ge des Zustim­mungs­ge­set­zes an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­ge­gen Art. 100 Abs. 1 GG ver­bun­den sein könn­te, haben die Beschwer­de­füh­rer nicht gerügt. Sie berück­sich­ti­gen nicht, dass Art. 103 Abs. 1 GG anders als Art.19 Abs. 4 GG und der all­ge­mei­ne Jus­tiz­ge­wäh­rungs­an­spruch nicht den Zugang zu Gericht, son­dern allein das Gehört­wer­den inner­halb des gericht­li­chen Ver­fah­rens gewähr­leis­tet 50.

Auch eine Ver­let­zung von Art. 103 Abs. 1 GG durch die Nicht­be­rück­sich­ti­gung von Sach­vor­trag durch das Ober­lan­des­ge­richt bei sei­nen Hilfs­er­wä­gun­gen ist nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­legt. Zum einen ver­wei­sen die Beschwer­de­füh­rer inso­weit ledig­lich auf Schrift­sät­ze aus dem Beru­fungs­rechts­zug. Es ist jedoch nicht Auf­ga­be des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, sich den der Ver­fas­sungs­be­schwer­de zu Grun­de lie­gen­den Sach­ver­halt aus den in Bezug genom­me­nen Schrift­sät­zen her­aus­zu­su­chen 51. Zum andern set­zen sie sich nicht damit aus­ein­an­der, dass die­se Schrift­sät­ze erst nach Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung ein­ge­reicht wor­den sind, ohne dass sie vom Ober­lan­des­ge­richt nach­ge­las­sen wor­den waren. Die Beschwer­de­füh­rer tra­gen mit ihrer Ver­fas­sungs­be­schwer­de ins­be­son­de­re nicht vor, dass sie sich zu dem Hin­weis des Ober­lan­des­ge­richts auf die Bedeu­tung einer nicht kos­ten­de­cken­den Fest­set­zung des Schul­gel­des in der münd­li­chen Ver­hand­lung nicht unmit­tel­bar äußern konn­ten und des­halb einen Schrift­satz­nach­lass bean­tragt hät­ten (vgl. § 139 Abs. 5 ZPO).

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 24. Juli 2018 – 2 BvR 1961 – /​09

  1. BGBl II 1965 S. 1042[]
  2. BGBl II 1969 S. 1302[]
  3. BGBl II S. 1041[]
  4. BGBl II S. 1301[]
  5. BGBl II 1996 S. 2559 ff.[]
  6. BGBl II S. 2558[]
  7. BGBl II 2003 S. 459[]
  8. vgl. BGBl II 2004 S. 1728; 2007 S. 1304; 2013 S. 1543[]
  9. ABl EG Nr. L 212 vom 17.08.1994; BGBl II 1996 S. 2559 ff.[]
  10. OLG Frank­furt am Main, Urteil vom 13.02.2008 – 17 U 50/​07[]
  11. BGH, Urteil vom 09.07.2009 – III ZR 46/​08[]
  12. vgl. BVerfGE 99, 84, 87; 120, 274, 298; 142, 234, 251 Rn. 28[]
  13. vgl. BVerfGE 99, 84, 87; 101, 331, 346; 123, 186, 234; 142, 234, 251 Rn. 28[]
  14. vgl. BVerfGE 88, 40, 45; 101, 331, 345; 105, 252, 264; BVerfG, Beschluss vom 21.04.2011 – 2 BvR 2978/​10 2; Beschluss vom 09.11.2017 – 1 BvR 1069/​14 28; stRspr[]
  15. vgl. BVerfGE 99, 84, 87; 130, 1, 21; 140, 229, 232 Rn. 9; BVerfG, Beschluss vom 09.11.2017 – 1 BvR 1069/​14 28; Beschluss vom 08.12 2017 – 2 BvR 2019/​17 17 f.; stRspr[]
  16. vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.02.1999 – 1 BvR 1840/​98 7; Beschluss vom 01.07.2000 – 2 BvR 1894/​99 3; Beschluss vom 28.06.2014 – 1 BvR 1837/​12, NJW 2015, S. 1005, 1006 Rn. 10[]
  17. BVerfGE 22, 293, 296 f.; 37, 271, 278 ff.; 58, 1, 28; 73, 339, 374 f. ; 89, 155, 174; 123, 267, 344 ff.[]
  18. vgl. BVerfGE 37, 271, 279 f.[]
  19. vgl. BVerfGE 75, 223, 244; 82, 159, 193; 85, 191, 204; 89, 155, 190; 123, 267, 400 ff.; 140, 317, 336 Rn. 40[]
  20. vgl. BVerfGE 37, 271, 280 ff.; 73, 339, 387; vgl. auch BVerfGE 58, 1, 40[]
  21. BT-Drs. 12/​6000, S. 21[]
  22. vgl. BVerfGE 89, 155, 174 f.; 102, 147, 164; 118, 79, 95; vgl. auch BVerfGE 123, 267, 334; 126, 286, 302; 133, 277, 316 Rn. 91; 140, 317, 337 Rn. 43[]
  23. vgl. Wol­len­schlä­ger, in: Drei­er, GG, Bd. 2, 3. Aufl.2015, Art. 24 Rn. 44; Wal­ter, AöR 129 (2004), S. 39, 68[]
  24. vgl. in Bezug auf die Euro­päi­sche Uni­on BVerfGE 123, 267, 353, 364 f., 389 f., 391 f., 413 f., 419 f.; 134, 366, 395 f. Rn. 49, 397 Rn. 53; 142, 123, 211 Rn. 170[]
  25. vgl. zu § 257c StPO BVerfGE 133, 168, 233 f. Rn. 118; vgl. auch BVerfGE 73, 339, 372; 143, 216, 245 Rn. 71[]
  26. vgl. BVerfGE 58, 1, 40; Ibler, in: Friauf/​Höfling, Ber­li­ner Kom­men­tar zum GG, Art.19 IV, Rn.19 ff., Okto­ber 2002; Schmidt-Aßmann, in: Maunz/​Dürig, GG, Art.19 Abs. 4, Rn. 6, 10 ff., Juli 2014[]
  27. vgl. Lorenz, in: Fest­schrift für Chris­ti­an-Fried­rich Men­ger, 1985, S. 143, 145[]
  28. vgl. BVerfGE 35, 263, 274; 40, 272, 275; 67, 43, 58; 84, 34, 49; 143, 216, 224 f. Rn.20; stRspr[]
  29. vgl. BVerfGE 10, 264, 268; 30, 1, 23 ff.; 44, 302, 305; 143, 216, 225 f. Rn. 21[]
  30. vgl. BVerfGE 60, 253, 269; 77, 275, 284; 143, 216, 225 f. Rn. 21[]
  31. vgl. BVerfGE 8, 274, 326; 51, 176, 185; 54, 39, 41; 58, 1, 40; 96, 27, 39; 101, 106, 122 f.; 101, 397, 407; 103, 142, 156; 104, 220, 231; stRspr[]
  32. vgl. BVerfGE 60, 253, 296 f.[]
  33. vgl. BVerfGE 58, 1, 40 ff.; 59, 63, 85 ff.; 73, 339, 376[]
  34. vgl. BVerfGE 73, 339, 376; sie­he auch BVerfGE 59, 63, 91[]
  35. vgl. BVerfGE 111, 307, 317 f.; 128, 326, 366 ff.; 134, 33, 60 Rn. 69; 137, 273, 320 ff. Rn. 127 ff.; 138, 296, 355 ff. Rn. 148 ff.; 141, 1, 29 ff. Rn. 71 ff., 32 Rn. 76; BVerfG, Urteil vom 11.07.2017 – 1 BvR 1571/​15 u.a.206; Urtei­le vom 12.06.2018 – 2 BvR 1738/​12 u.a. 127 ff.; und vom 24.07.2018 – 2 BvR 309/​15, 502/​16 86[]
  36. vgl. EGMR, GK, Case of Mat­thews v. The United King­dom, Urteil vom 18.02.1999, Nr. 24833/​94, §§ 29 ff.;, GK, Bos­pho­rus Hava Yol­la­ri Turizm ve Tica­ret Anonim ?irke­ti v. Ire­land, Urteil vom 30.06.2005, Nr. 45036/​98, §§ 152 ff.; Roland Klaus­ecker v. Ger­ma­ny, Urteil vom 06.01.2015, Nr. 415/​07, §§ 95 ff., m.w.N.; Mey­er-Lade­wig, EMRK, 4. Aufl.2017, Art. 1 Rn. 12 f.; Röben, in: Dörr/​Grothe/​Marauhn, EMRK/​GG, 2. Aufl.2013, Kap. 5 Rn. 132 ff.; Grabenwarter/​Pabel, EMRK, 6. Aufl.2016, § 4 Rn. 3[]
  37. EGMR, GK, Wai­te and Ken­ne­dy v. Ger­ma­ny, Urteil vom 18.02.1999, Nr. 26083/​94, § 59, m.w.N.; vgl. auch EGMR, Roland Klaus­ecker v. Ger­ma­ny, Urteil vom 06.01.2015, Nr. 415/​07, § 62[]
  38. vgl. EGMR, GK, Wai­te and Ken­ne­dy v. Ger­ma­ny, Urteil vom 18.02.1999, Nr. 26083/​94, §§ 63 ff.; EGMR, Roland Klaus­ecker v. Ger­ma­ny, Urteil vom 06.01.2015, Nr. 415/​07, § 63 f., m.w.N.[]
  39. BVerfGE 133, 1, 23 Rn. 69; 143, 216, 225 Rn. 21; stRspr[]
  40. vgl. BVerfGE 143, 216, 225 f. Rn. 21[]
  41. vgl. BVerfGE 139, 64, 126 Rn. 128; 140, 240, 295 Rn. 111[]
  42. Klein/​Schmahl, in: Graf Vitzthum/​Proelß, Völ­ker­recht, 7. Aufl.2017, 4. Abschnitt Rn. 108; Seidl-Hohen­vel­dern/­Loibl, Das Recht der Inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen, 7. Aufl.2000, Rn.1909[]
  43. vgl. auch EuGH, Urteil vom 11.03.2015, Ober­to und O´Leary, – C‑464/​13 und – C‑465/​13, EU:C:2015:163, Rn. 49[]
  44. vgl. EuGH, Urteil vom 11.03.2015, a.a.O.[]
  45. vgl. BVerfGE 58, 1, 33 f.; 59, 63, 88 f.[]
  46. vgl. BVerfGE 78, 320, 327; 88, 40, 45; 93, 266, 288; BVerfGK 5, 170, 171[]
  47. BKEURSC, Beschluss vom 31.01.2014 – 13/​50[]
  48. BKEURSC, a.a.O., Rn. 1, 14[]
  49. BKEURSC, Beschluss vom 10.03.2016 – 15/​71[]
  50. vgl. BVerfGE 107, 395, 409; 108, 341, 347 f.[]
  51. vgl. BVerfGE 80, 257, 263; 83, 216, 228[]