Die Sol­da­ten­ver­sor­gung im Ver­sor­gungs­aus­gleich

Bei der Sol­da­ten­ver­sor­gung ist die der Ehe­zeit­an­teils­be­rech­nung im Ver­sor­gungs­aus­gleich zugrun­de zu legen­de Gesamt­zeit wei­ter­hin nach den beson­de­ren Alters­gren­zen des § 45 Abs. 2 SG zu bemes­sen 1.

Die Sol­da­ten­ver­sor­gung im Ver­sor­gungs­aus­gleich

Die beson­de­re Alters­gren­ze für bestimm­te Berufs­grup­pen des öffent­li­chen Diens­tes ist im Ver­sor­gungs­aus­gleich grund­sätz­lich maß­geb­lich, solan­ge davon aus­ge­gan­gen wer­den kann, dass der Dienst­herr von der Mög­lich­keit der Ver­set­zung in den Ruhe­stand nach dem Über­schrei­ten der beson­de­ren Alters­gren­ze im Regel­fall auch Gebrauch machen wird 2. Ein Berufs­sol­dat konn­te auf­grund lang­jäh­ri­ger Ver­wal­tungs­pra­xis bis­lang damit rech­nen, bereits beim Über­schrei­ten einer beson­de­ren Alters­gren­ze in den Ruhe­stand ver­setzt zu wer­den. Der Bun­des­ge­richts­hof hat in sei­ner Ent­schei­dung vom 25.01.2012 in Über­ein­stim­mung mit der ganz über­wie­gen­den Auf­fas­sung in der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung 3 und in der Lite­ra­tur 4 erkannt, dass auch der durch das Dienst­rechts­neu­ord­nungs­ge­setz ein­ge­füg­te § 45 Abs. 4 SG, wonach das durch­schnitt­li­che Zur­ru­he­set­zungs­al­ter aller Berufs­sol­da­ten ab dem Jah­re 2024 min­des­tens zwei Jah­re über dem Zur­ru­he­set­zungs­al­ter nach dem Stand vom 01.01.2007 zu lie­gen habe, der­zeit kei­ne ande­re Beur­tei­lung gebie­tet 5.

Zwar ent­hält die Geset­zes­be­grün­dung zum Dienst­rechts­neu­ord­nungs­ge­setz die Ein­schät­zung des Gesetz­ge­bers, dass es zur Errei­chung der in § 45 Abs. 4 SG ent­hal­te­nen Ziel­vor­ga­be gene­rell erfor­der­lich ist, dass Berufs­sol­da­ten trotz Über­schrei­tens der beson­de­ren Alters­gren­ze bedarfs­be­zo­gen teil­wei­se deut­lich über die­se Alters­gren­ze hin­aus im Dienst ver­blei­ben müs­sen 6. Ande­rer­seits wird in der Geset­zes­be­grün­dung auch her­aus­ge­stellt, dass für ein Ver­blei­ben im Dienst über die beson­de­re Alters­gren­ze hin­aus vor allem sol­che hoch­qua­li­fi­zier­ten Spe­zia­lis­ten in Betracht kom­men, die über­wie­gend in wenig kör­per­lich for­dern­den und belas­ten­den Ver­wen­dun­gen ein­ge­setzt sind 7. Zu die­sem Per­so­nen­kreis gehört der Ehe­mann nach den inso­weit nicht ange­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Beschwer­de­ge­richts nicht. Ent­schei­dend ist aller­dings, dass der­zeit über Absichts­er­klä­run­gen hin­aus kei­ne Erlass­la­ge und kei­ne geän­der­te Ver­wal­tungs­pra­xis fest­ge­stellt wer­den kann, wel­che eine ver­läss­li­che Pro­gno­se dahin­ge­hend recht­fer­tigt, der Ehe­mann kön­ne wie bis­lang die meis­ten Berufs­sol­da­ten beim Über­schrei­ten der für ihn gel­ten­den beson­de­ren Alters­gren­ze – anders als nach der bis­he­ri­gen Übung – nicht mehr mit einer Zur­ru­he­set­zung rech­nen 8.

Das Ober­lan­des­ge­richt hat daher zu Recht der Ehe­zeit­an­teils­be­rech­nung nach §§ 5 Abs. 5, 44 Abs. 1 VersAus­glG die für den Ehe­mann als Berufs­un­ter­of­fi­zier maß­geb­li­che beson­de­re Alters­gren­ze (§§ 44 Abs. 2, 45 Abs. 2 Nr. 5 SG) mit der Voll­endung des 55. Lebens­jah­res zugrun­de gelegt; von der Über­gangs­vor­schrift des § 96 SG ist der 1975 gebo­re­ne Ehe­mann nicht betrof­fen. Wür­de der Ehe­mann tat­säch­lich bei Über­schrei­ten der beson­de­ren Alters­gren­ze im Jah­re 2030 nicht in den Ruhe­stand ver­setzt wer­den, stün­de ihm das Abän­de­rungs­ver­fah­ren nach §§ 225 f. FamFG offen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Sep­tem­ber 2012 – XII ZB 225/​12

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 25.01.2012 – XII ZB 371/​11, Fam­RZ 2012, 944[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 14.07.1982 – IVb ZB 741/​81, Fam­RZ 1982, 999, 1001[]
  3. vgl. OLG Cel­le Fam­RZ 2010, 37 f.; OLG Stutt­gart Fam­RZ 2010, 734 f.; OLG Schles­wig Fam­RZ 2010, 1987; OLG Koblenz Beschluss vom 27.05.2010 – 13 UF 247/​10[]
  4. Borth, Ver­sor­gungs­aus­gleich 6. Aufl. Rn. 249; Wick, Der neue Ver­sor­gungs­aus­gleich in der Pra­xis Rn. 86; juris­PK-BGB/Breg­ger 5. Aufl. § 44 VersAus­glG Rn. 11.2[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 25.01.2012 – XII ZB 371/​11, Fam­RZ 2012, 944 Rn. 18[]
  6. BT-Drucks. 16/​7076, S. 175[]
  7. BT-Drucks. aaO[]
  8. BGH, Beschluss vom 25.01.2012 – XII ZB 371/​11, Fam­RZ 2012, 944 Rn. 18[]