Der Gegen­stands­wert einer Voll­jäh­ri­genad­op­ti­on

Der Wert des auf die Annah­me eines Voll­jäh­ri­gen gerich­te­ten Ver­fah­rens bestimmt sich zunächst nach § 42 Absatz 2 FamG­KG. Nur dann, wenn sich hin­sicht­lich des Umfangs und der Bedeu­tung der Sache sowie der Ver­mö­gens- und Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se der Betei­lig­ten aus der inso­weit gebo­te­nen Sach­ver­halts­auf­klä­rung kei­ne genü­gen­den Anhalts­punk­te für die Wert­fest­set­zung erge­ben, darf auf den Auf­fang­wert des § 43 Absatz 3 FamG­KG zurück­ge­grif­fen wer­den.

Der Gegen­stands­wert einer Voll­jäh­ri­genad­op­ti­on

Im Aus­gangs­punkt gehört die Annah­me als Kind nach den §§ 1741 f. BGB zu den Adop­ti­ons­sa­chen im Sin­ne der §§ 111 Nr. 4, 186 Nr. 1 FamFG 1. Für Adop­ti­ons­sa­chen wie­der­um ent­hält das FamG­KG kei­ne spe­zi­el­le Rege­lung. Ver­fah­ren über die Annah­me als Kind wer­den im 2. Unter­ab­schnitt des Abschnitts 7 FamG­KG (beson­de­re Wert­vor­schrif­ten, §§ 43 – 52 FamG­KG) oder auch an ande­rer Stel­le nicht erwähnt.

Infol­ge­des­sen ist § 42 FamG­KG ("Auf­fang­wert") zur Anwen­dung zu brin­gen. Nach Abs. 2 der eben genann­ten Vor­schrift ist der Ver­fah­rens­wert dann, wenn sich aus den Vor­schrif­ten des FamG­KG nichts ande­res ergibt, unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de des Ein­zel­falls, ins­be­son­de­re des Umfangs und der Bedeu­tung der Sache und der Ver­mö­gens- und Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se der Betei­lig­ten nach bil­li­gem Ermes­sen zu bestim­men, jedoch nicht über 500.000 €.

Sozi­al­po­li­ti­sche Grün­de für eine Gering­hal­tung der Kos­ten in Ange­le­gen­hei­ten min­der­jäh­ri­ger Kin­der durch die Kap­pung des Ver­fah­rens­wer­tes 2 kön­nen im Rah­men einer Voll­jäh­ri­genad­op­ti­on kei­ne Gel­tung bean­spru­chen. Mit­hin ist vor allem die wirt­schaft­li­che Situa­ti­on des Anneh­men­den und des Anzu­neh­men­den zu berück­sich­ti­gen und dabei unter ande­rem auf deren Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se abzu­stel­len 3.

In der Begrün­dung zu KV Nr. 1320 zum FamG­KG 4 heißt es in die­sem Zusam­men­hang, dass in einem Adop­ti­ons­ver­fah­ren bezüg­lich eines Voll­jäh­ri­gen nach gel­ten­dem Recht, wenn der Regel­wert von 3 000 € zugrun­de gelegt wer­de, eine Gebühr in Höhe von 26 € anfal­le; nach der vor­ge­schla­ge­nen Rege­lung wür­de in die­sem Fall zukünf­tig eine Gebühr in Höhe von 178 € ent­ste­hen. Die der­zei­ti­ge Gebühr ste­he in kei­nem ange­mes­se­nen Ver­hält­nis zu dem Auf­wand des Gerichts und der für die Betei­lig­ten erheb­li­chen Bedeu­tung des Ver­fah­rens. Den Wert sol­le das Gericht nach § 42 Abs. 2 unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de des Ein­zel­falls, ins­be­son­de­re des Umfangs und der Bedeu­tung der Sache und der Ver­mö­gens- und Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se der Betei­lig­ten, nach bil­li­gem Ermes­sen bestim­men. Nur wenn das Gericht kei­ne genü­gen­den Anhalts­punk­te für eine ent­spre­chen­de Wert­be­stim­mung habe, sol­le es nach Absatz 3 von einem Wert von 3.000 € aus­ge­hen.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 11. April 2013 – 17 WF 39/​13

  1. Keidel/​Engelhardt, FamFG, 17. Auf­la­ge, § 186, Rn. 2, Mau­rer in MüKoZ­PO, Bd. 4, 3. Auf­la­ge, § 186 FamFG, Rn. 2[]
  2. vgl. dazu die Geset­zes­be­grün­dung zum FGG-Reform­ge­setz BT-Ds. 16/​6308 S. 311[]
  3. OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 29.06.2010 – 8 WF 205/​09, Fam­RZ 2010, 1937[]
  4. BT-Ds. 16/​6308, S. 313[]