Abän­de­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs – und das voll­stän­dig aus­ge­gli­che­ne Anrecht

Nach § 51 Abs. 4 VersAus­glG ist die Abän­de­rung aus­ge­schlos­sen, wenn für das Anrecht nach einem Teil­aus­gleich gemäß § 3 b Abs. 1 Nr. 1 VAHRG noch Aus­gleichs­an­sprü­che nach §§ 26 ff. VersAus­glG gel­tend gemacht wer­den kön­nen. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen nicht vor, wenn das Anrecht voll­stän­dig nach § 3 b Abs. Nr. 1 VAHRG aus­ge­gli­chen wur­de und kein dem schuld­recht­li­chen Ver­sor­gungs­aus­gleich vor­be­hal­te­ner Anteil ver­blie­ben ist.

Abän­de­rung des Ver­sor­gungs­aus­gleichs – und das voll­stän­dig aus­ge­gli­che­ne Anrecht

Soweit dar­auf ver­wie­sen wird, dass wegen der Anwart­schafts­dy­na­mik der end­ge­halts­be­zo­ge­nen Anrech­te die Anwart­schaf­ten der Höhe nach noch nicht unver­fall­bar waren, weil nur die bis zum Ehe­zei­ten­de erwor­be­nen Anwart­schaf­ten nicht mehr durch die künf­ti­ge betrieb­li­che und/​oder beruf­li­che Ent­wick­lung beein­träch­tigt wer­den konn­ten 1 und des­halb hin­sicht­lich der noch ver­fall­ba­ren Antei­le der schuld­recht­li­che Aus­gleich gel­tend gemacht wer­den konn­te, greift die­ser Ein­wand nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Stutt­gart nicht durch.

Schon nach dem Wort­laut des § 51 IV VersAus­glG, der sich aus­drück­lich auf den Teil­aus­gleich nach § 3 b Abs. 1 Nr. 1 VAHRG bezieht, ist eine erwei­tern­de Anwen­dung auf einen Teil­aus­gleich wegen eines noch ver­fall­ba­ren Anteils des Anrechts aus­ge­schlos­sen. Denn die Rege­lung des § 3 b Abs. 1 VAHRG bezieht sich aus­drück­lich nur auf den Aus­gleich unver­fall­ba­rer Anrech­te. Als sol­che wur­de die Anwart­schaf­ten aus der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung in dem Schei­dungs­ver­bund­ur­teil auch behan­delt und ins­ge­samt aus­ge­gli­chen. Der Ver­fall­bar­keit der Dyna­mik im Anwart­schafts­sta­di­um wur­de durch die Dyna­mi­sie­rung nach Tabel­le 1 der Bar­wert­VO 1984 Rech­nung getra­gen.

Wei­ter ist auch der Geset­zes­be­grün­dung 2 zu ent­neh­men, dass sich der Vor­rang des schuld­recht­li­chen Aus­gleichs nach § 51 Abs. 4 VersAus­glG nur auf die Fäl­le beschrän­ken soll, in denen wegen der Begren­zung des Super­split­tings nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 S. 2 VAHRG auf 2% der maß­geb­li­chen Bezugs­grö­ße nach § 18 SGB IV Anwart­schaf­ten aus der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung nur antei­lig aus­ge­gli­chen wur­den.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 20. Juli 2012 – 15 UF 139/​12

  1. vgl. hier­zu BGH, Fam­RZ 2001, 89, 91[]
  2. BT-Drs. 16/​10144 S.90[]